ÖSTERREICHISCHES FORSCHUNGSINSTITUT FÜR GESCHICHTE DER TECHNIK IN WIEN BLÄTTER FÜR GESCHICHTE DER TECHNIK DRITTES HEFT SCHRIFTLEITUNG: DR. ING. L. ERHARD MIT 64 TEXTABBILDUNGEN UND EINEM KUNSTBLATT WIEN VERLAG VON JULIUS SPRINGER 1936 r- JÜ.' }rVr* ■ir-* -:?' kJ. ^--•-' r**«.. *‘. ■■£. ;>*£•• *v -IV */.■%«-• V BLÄTTER FÜR GESCHICHTE DER TECHNIK ÖSTERREICHISCHES FORSCHUNGSINSTITUT FÜR GESCHICHTE DER TECHNIK IN WIEN BLÄTTER FÜR GESCHICHTE DER TECHNIK DRITTES HEFT SCHRIFTLEITUNG: DR. ING. L. ERHARD MIT 64 TEXTABBILDUNGEN UND EINEM KUNSTBLATT WIEN - VERLAG VON JULIUS SPRINGER • 1936 Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung in fremde Sprachen, Vorbehalten Printed in Austria Inli alt s Verzeichnis. Seite Vom Lebenssinn der Technik. Von Ludwig Erhard, Wien. 1 Viktor Kaplan. Von Alfred Lechner, Wien. 15 Die Dt.-Carl-Auer-Welsbach Gedächtnisausstellung im Technischen Museum für Industrie und Gewerbe in Wien. Von Franz Sedlacek, Wien. 74 Mitteilungen und Berichte: Tätigkeitsbericht des Österreichischen Forschungsinstitutes für Geschichte der Technik. 84 Die Enthüllungsfeier des AüER-WELSBACH-Denkmals. Bericht des Österreichischen Forschungsinstitutes für Geschichte der Technik . 87 Buchbesprechung: „Lebenserinnerungen von Dr. techn. h. c. und Dr. mont. h. c. Georg Günther“. Von Heinrich Ritter von Srbik, Wien. 94 Bibliographie zur Geschichte der Technik Österreichs. (Schrifttum zur Geschichte österreichischer Firmen.) Zusammengestellt von Adolf Bihl, Wien. 96 Erläuterung zum Kunstblatt: Haymon und Thyrsus . 101 V il i i f i Vom Lebenssinn der Technik. Von Hofrat Dr. Ing. E. h. L. Erhard. Einleitung. Infolge der engen Lebens- und Kulturverbundenheit der Technik bildet die Arbeitsleistung des werktätigen Menschen seit altersher eine kulturgeschichtliche, eine wirtschaftliche und eine soziologische Frage. Neuerdings werden nun die körperlichen Eigenschaften und Leistungen von Lebewesen auch im naturwissenschaftlich-technischen Sinne erörtert, und die moderne Biologie hat durch ihre Zweigwissenschaften Biomechanik, Biophysik und Biochemie einwandfrei fest- gestellt, daß die Organismen hinsichtlich ihres tektonischen Aufbaues, ihres Stoffwechsels und ihrer Formwandlungen in wesentlichen Zügen mit den technischen Gebilden übereinstimmen. Angesichts dieser neuen und innerhalb ihrer Grenzen durchaus gültigen technischen Auffassung der Organismen liegt es nun nahe, darnach Umschau zu halten, ob nicht umgekehrt auch die Entwicklung der Technismen bis zu einem bestimmten Grade biologisch deutbar wäre, zumal seitdem der Heilbronner Arzt Robert Mayer aus der Verfärbung des Venenblutes in den Tropen, also aus einer rein biologischen Beobachtung das Hauptgesetz der neuzeitlichen Technik, das Gesetz von der Erhaltung der Energie, in geradezu hellseherischer Weise abgeleitet und erstmalig im Jahre 1842 veröffentlicht hat. — In der Tat stellte späterhin E. Kapp 1877 in seinen „Grundlinien einer Philosophie der Technik“ die Lehre von der „Organprojektion“ auf, wonach alle Technismen im menschlichen oder tierischen Körper derart vorgebildet seien, daß sie der Erfindergeist nur in die Welt hinauszuprojizieren brauche, um geeignete Behelfe für die verschiedensten technischen Nutzanwendungen zu erhalten. Demnach wären also unsere Werkzeuge, Maschinen und Apparate nichts anderes als leibfremde Nachahmungen bereits vorgebildeter Organismen. — So überaus einfach, wie sich Kapp die Beziehungen zwischen Biologie und Technik vorgestellt hat, liegen nun freilich die Dinge in Wirklichkeit nicht und wie weit seine scheinbiologischen Grübeleien von der Erfahrung abweichen, vermögen die folgenden Beispiele aus alter und neuer Zeit schlagend aufzuzeigen. Die Technikgeschichte weist nach, daß das umlaufende Rad schon seit Jahrhunderten eine Hauptgrundlage der technischen Entwicklung bildet, obgleich diese Art der Rotation bei den höher entwickelten Lebewesen überhaupt fehlt und daher auch nicht zur Organprojektion dienen kann. — Ein neuzeitliches, Geschichte der Technik, 3. H. 1 2 L. Erhard die Organprojektion gleichfalls ausschließendes Beispiel bieten die elektrischen Wellen der drahtlosen Telegraphie und Telephonie, denn der menschliche Körper besitzt für diese Wellen weder Sendeorgane noch Sinneswerkzeuge, also überhaupt nichts, was in diesem Falle „hinausprojiziert“ werden könnte. — Auch die Kinematographie entstammt keineswegs organischen Vorbildern; sie benützt geradezu einen Sehfehler des Auges, das rasch wechselnde Eindrücke nicht zu sondern vermag, zur Vereinigung von getrennt aufeinanderfolgenden Momentaufnahmen in ein scheinbar zusammenhängendes Laufbild. — Der Fortschritt der Technik beruht also bei solchen grundlegenden Erfindungen keineswegs, wie Kapp annimmt, auf der Nachahmung vorgebildeter Organismen, sondern die Technik geht hier als gestaltende Wissenschaft ihren eigenen Weg und entfernt sich dabei sogar immer mehr und mehr vom Gebrauch organischer Stoffe und Kräfte. Eine von naturphilosophischen Spekulationen freie Darstellung des Lebenssinnes der Technik hat sich daher nicht auf unbestimmte biologische Ähnlichkeiten, sondern auf feststehende Ergebnisse der Lebenskunde und der Technikgeschichte zu stützen, wenn anders die biologische Auslegung der Technik als eine vollberechtigte Umkehrung der Biotechnik, d. h. als „Technobiotik “, 1 gelten soll. — Wie nun die Biotechnik die Welt der Organismen mit dem geistigen und materiellen Rüstzeug der technischen Mechanik, Physik und Chemie durchforscht, so hätte die Technobiotik umgekehrt das Werden und Wirken der Technismen biologisch zu deuten. Ihrer Aufgabe und ihrer Begriffsbestimmung gemäß wäre demnach die Technobiotik jener Zweig der Technikgeschichte, welcher den Bau, die Leistung und die Entwicklung der Technismen mit dem Bau, der Leistung und der Entwicklung der Organismen prüfend vergleicht. Ein Hauptzweck der Technobiotik bestünde überdies darin, den weitverbreiteten Irrwahn über die Zerstörung hoher Lebenswerte durch die Technik zu entkräften und es dem Gewissen der Zeit einzuhämmern, daß die richtig, d. h. zum Gemeinwohl angewendete Technik ein lebenswichtiges und lebensnotwendiges Glied im Gesamtorganismus der Kultur bildet. Organismen und Technismen. Die Technobiotik ist zur Vergleichung von Lebewesen mit technischen Gebilden berufen und sie hat daher den Aufbau, den Stoffwechsel und den Formwandel der Organismen und der Technismen in den Kreis ihrer Untersuchungen zu ziehen, wobei die neue Lehre des Holismus 2 einen gangbaren Weg aufzeigt, welcher von der hohen Warte der Biologie nach erfolgtem Ausschalten spezifischer Lebensakte zu jenen physikalisch-chemischen Vorgängen herabführt, die in den Organismen und gleichermaßen auch in den Technismen wirksam sind. — Zwischen Mensch 1 Das Wort „Biotik“ in der Bedeutung von „Lebenslelire“ hat C. W. Hufelaxd durch sein berühmtes Werk über ,,M a k r o b i o t i k oder die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern“ schon 1796 dem Sprachschatz ein verleibt. 2 Aus dem Griechischen (oAo* = ganz). — Nach Adolf Meyer, Band I des Sammel- Averkes „Bios“ (Leipzig 1934), trachtet der Holismus als Ganzheitslehre darnach, den in der Biologie herrschenden Gegensatz zwischen der vitalistischen und der mechanistischen Lehrmeinung zu übenvinden und sohin ZAA’ischen den organischen Kausalitäten und den physikalischen Gesetzmäßigkeiten eine Erkenntnisbrücke zu schlagen. Vom Lebenssinn der Technik. 3 und Maschine gibt es gleichfalls deutlich erkennbare Ganzheitsbeziehungen, denn in jedem Menschenleib stecken biotische Technismen und in jeder Maschine steckt Menschengeist. 1. Tektonischer Aufbau. — Seit der denkwürdigen Entdeckung der beiden Züricher Gelehrten, des Anatomen G. H. v. Meyer und des Ingenieurs K. Culman, wonach die Anordnung der Spongiosabälkchen im vorkragenden Kopfende des menschlichen Oberschenkelknochens mit dem berechneten Verlauf der Kraftlinien in einem Kranausleger genau übereinstimmt, wurde späterhin durch zahlreiche Untersuchungen von W. Roux, G. Haberlandt und sonstigen namhaften Forschern nachgewiesen, daß der Bau und die Gestalt von Pflanzen und Tieren infolge funktioneller Anpassung weitgehend der technischen Festigkeits- und Konstruktionslehre entsprechen; hierher gehören auch die Untersuchungen von R. France über „Die Pflanze als Erfinder“ sowie die gestaltlichen Anpassungen der mannigfachen Wal- und Robbenarten an ihre Lebensweise im Wasser, die alle, im Gegensatz zu anderen Säugetieren, technisch richtige Stromlinienformen angenommen haben. — Da nun anderseits der Technologe E. H artig bei einer Reihe von Werkzeugen für Holz- und Metallbearbeitung gleichfalls die funktionelle Anpassung festgestellt und durch den „Gebrauchswechsel“ erklärt hat und da überdies Torpedos, Unterseeboote, Luftschiffe, Flugzeuge und neuerdings auch Kraftwagen und sonstige Schnellfahrzeuge ebenfalls wind- und wasserschlüpfige Gestalten aufweisen, so bestehen also in tektonischer Hinsicht grundsätzliche Übereinstimmungen zwischen Organismen und Technismen. 2. Stoffwechsel. — Auch auf dem Gebiete des Stoffwechsels hat die neuere Forschung bemerkenswerte Gleichheiten zwischen körperlichen Leistungen und Maschinenleistungen zutage gefördert und überdies nachgewiesen, daß gleich den Technismen auch die Organismen ausnahmslos den Gesetzen der unbelebten Natur unterstehen. Dies veranlaßte den Physiologen F. Kahn ein Wandbild zu entwerfen, welches das Innere des Menschen als „Industriepalast“ aufzeigt. Dieser lehrreiche Versuch einer technischen Darstellung des Stoffwechsels versinnlicht den Mechanismus der Atmung und des Blutkreislaufes, sowie den Chemismus der Ernährung durch entsprechend in das Bild des Menschenkörpers eingezeichnete Maschinen und Apparate und veranschaulicht somit die wesentliche Übereinstimmung des Stoffwechsels bei Organismen und bei Technismen. Denn auch die Wärmekraftmaschinen werden mit Kohle oder Treiböl gespeist und scheiden Abgase und Schlacken ab; überdies atmen diese Wärmemotoren gleichfalls Luftsauerstoff ein und Kohlensäure aus. — Ferner besorgen beim biologischen Stoffwechsel, insbesondere bei der Verdauung, gewisse Fermente und Enzyme das Aufspalten der Nährstoffe, ohne dabei selbst verbraucht zu werden. Auch in der chemischen Großindustrie findet namentlich bei der Gewinnung von Schwefelsäure, Kalkstickstoff, Ammoniak und Salpetersäure, sowie bei der Fetthärtung, Kohlehydrierung u. s. f. die katalytische Aufschließung zur Auslösung und Lenkung chemischer Prozesse in steigendem Maße Anwendung, wobei die Katalysatoren, meist Metalle oder Metalloxyde, während ihres Wirkens gleichfalls selbst unverändert bleiben. Die Übereinstimmung zwischen der biologischen Fermentation und der technischen Katalyse hat sich nun nach Warburg als so weitgehend herausgestellt, daß man l* 4 L. Erhard * für die verschiedenen organischen Fermente und Enzyme, wie Hefepilze, Pepsine u. v. a. den Sammelnamen „Biokatalysatoren“ prägte; umgekehrt könnte man daher auch bei der technischen Katalyse die anorganischen Katalysatoren als „Technobiotische Fermente“ bezeichnen. Vom rein physikalischen und chemischen Gesichtspunkt aus sind überdies Menschen und Tiere als vollgültige Kraft- und Arbeitsmaschinen anzusehen. Einen lehrreichen Einblick in solche Anschauungen der Biotechnik bietet das Werk von C. Oppenheimer: „Der Mensch als Kraftmaschine“. Dieser Physiologe weist nach, daß nach Abzug des für den ruhenden Körper nötigen Energieaufwandes der technische Wirkungsgrad beim Bergsteigen auf 30 bis 32 v. H. anzusetzen ist. Man darf somit den menschlichen Organismus, obw T ohl er wegen seines geringen Wärmegefälles nicht als bloße kalorische Maschine aufzufassen ist, in die Klasse der besten Wärmekraftmotoren einreihen, die gleichfalls einen ähnlichen Wirkungsgrad aufweisen. — Auf dem Gebiete des Stoffwechsels bestehen also zwischen Organismen und Technismen erfahrungsgemäß nachweisbare Gleichheiten. 3. Formw r andlungen. — Die Biologie unterscheidet hinsichtlich des Formwandels zweierlei Wissenszweige, nämlich die „Ontogenie“, welche die Gestaltung der Einzelwesen vom Keime bis zu ihrer Vollendung darlegt, und die „Phylogenie“, welche die Stammfolge ganzer Geschlechterreihen auf zeigt. Innerhalb der Ontogenie klafft nun zwischen dem biologischen und dem technischen Formw r andel eine unüberschreitbare Kluft, die an und für sich schon durch den Mangel an Wachstums- und Fortpflanzungsfähigkeit der einzelnen Technismen bedingt ist. — Die kunstreichen Nachahmungen beweglicher Lebewesen, wie die Androiden und Automaten eines Vaucanson oder Kempelen, können diese Kluft ebensowenig überbrücken wie die später erzeugten automatischen Werkzeugmaschinen oder Verkaufs Vorrichtungen, die zwar menschliche Fähigkeiten ersetzen, aber ihre eigene Form nicht umwandeln können. Selbst wenn die neueste Erfindung auf diesem pseudobiologischen Gebiet, der automatische Pilot, das Flugzeug bei unsichtigem Wetter zuverlässiger steuert als der geschulte lebende Pilot, so kommen doch sämtliche Automaten und Roboter dem onto- genetischen Formwandel keinen Schritt näher: denn alle Technismen sind und bleiben Geschöpfe ohne eigene Schöpferkraft und sie vermögen nirgends zum wirklich Lebendigen vorzudringen. Da gemäß den obigen Darlegungen bei der Frage des gemeinsamen Verhaltens der Technismen und der Organismen hinsichtlich ihres Form wandeis alle onto- genetischen Werdegänge von Einzelgebilden von vornherein ausscheiden, so können zu den bezüglichen Vergleichen lediglich phylogenetische Entwicklungsreihen, wie folgt, herangezogen werden. Der organische Aufstieg von den niederen zu den höheren Lebewesen durch- maß unvorstellbare kosmische Zeiträume; dagegen wuchs die technische Entwicklung erst in den letzten Jahrhunderten lawinenartig an. Hierbei bewirkte der wirtschaftliche Wettbewerb die Auslese der lebensfähigsten technischen Schöpfungen genau so, wie die aussiebende Selektion bei den Lebewesen; auch das plötzliche und unvermutete Auftreten bahnbrechender Erfindungen, die Goethe als reine Kinder Gottes bezeichnet, stimmt mit den ebenso unerklärlichen Mutationen Vom Lebenssinn der Technik. 5 im Tier- und Pflanzenreich überein. Sohin steht auch der technogenetische Formwandel in seiner Vielfalt mit dem stammesgeschichtlichen Formwandel der organischen Welt durchaus in Einklang. — Hinsichtlich dieses stammesgeschichtlichen Werdeganges der Technik obliegt es der Technikgeschichte, jenes innere Band aufzuzeigen, das die gesamte technische Entwicklung durchzieht. Aufschlußreiche Beispiele solcher technischen Reihen sind im 1. Heft der „Blätter für Geschichte der Technik“ auf S. 14—21 enthalten; sie zeigen die stufenweise Entwicklung und Leistungssteigerung vom Pfahlbau zum Hochhaus, vom Handhammer zur Schmiedepresse, von der Tretscheibe zur Dampfturbine, von der Sänfte zum Kraftwagen, vom Einbaum zum Schraubendampfer u. s. f. Diese Reihen weisen deutlich auf die einsinnige Richtung und die Zeitgebundenheit der technischen Entwicklung hin, welche allenthalben von der ursprünglichen Benützung organischer Gebilde über entsprechende Zwischenformen schließlich zur Beherrschung anorganischer Werkstoffe und Energien geführt hat. Hieraus ergibt sich, wie gleichen- orts auf S. 10 näher dargelegt ist, nachstehender Technogenetischer Leitsatz: „Die technische Entwicklung beruht auf dem menschlichen Erfindungsver- mögen und bildet eine zielbewußte außerkörperliche Fortsetzung der unbewußten biologischen Entwicklung, wobei der Weg des Geistes die Menschheit aus der Abhängigkeit von den organischen Kräften und Gebilden stufenweise zur Beherrschung anorganischer Werkstoffe und Naturenergien unter steter Leistungssteigerung emporführt und dadurch eine Brücke zwischen Naturerkennen und Wirtschaftszwecken schlägt.“ Die Technik ist demnach eine Lebensäußerung, wogegen das Leben selbst keineswegs ausschließlich durch physikalische und chemische Vorgänge bedingt ist, denn trotz der oben dargelegten weitgehenden Übereinstimmung des tektonischen Aufbaues, des chemischen Stoffwechsels und des phylogenetischen Form- wandels der technischen Werke mit den Schöpfungen der belebten Natur besteht dennoch zwischen den Technismen und den Organismen eine bisher unübersteigbare Scheidewand, die zutiefst auf dem Gegensatz zwischen der Umkehrbarkeit der technischen Prozesse und der Nichtumkehrbarkeit des Lebens beruht. Die Biologie lehrt die einsinnige Richtung der Lebensvorgänge; denn der „Pfeil der Zeit“ kennt keine Umkehr und kein Zurück. — Der Physiologe R. Ehrenberg baut seine theoretische Lebenskunde 1 geradezu auf dieser Nichtumkehrbarkeit des elementaren Lebensvorganges auf und er leitet sein tiefgründiges Lehrgebäude der Biologie hauptsächlich von dieser „Irreversibilität“ ab. Gemäß seiner Lehre gibt es überhaupt kein stationäres Leben, sondern nur einen Lebensablauf, wobei dem physiologischen Tod etwa dieselbe Stelle in der Biologie anzuweisen wäre, wie dem absoluten Nullpunkt in der Thermodynamik. Erschaut also der Biologe rings in der belebten Natur stets nur einsinnig gerichtetes, zeitgebundenes Werden und Vergehen, so erscheint dagegen im Gesichtsfeld des Technikers innerhalb der unbelebten Natur eine Fülle um- R. Ehrenberg, Theoretische Biologie, Berlin 1923. 6 L. Erhard kehrbarer und zeitloser energetischer Kreisprozesse, und so zielt auch der Wunsch des Technikers auf die Schaffung idealer Maschinen mit 100% Wirkungsgrad hin. Eine solche ideale Maschine würde die gesamte ihr zugeführte Energiemenge restlos in eine gleichwertige andere Energieform umwandeln. So vermöchte zum Beispiel eine ideale Dynamomaschine eine in sie eingeleitete mechanische Arbeit von 10 PS in einen elektrischen Strom von 735 Watt umzusetzen, der seinerseits wiederum einen 10-PS-Elektromotor treiben könnte. — Oder es sollten etwa einer idealen Wasserturbine 10 Sekundenliter Druckwasser bei 100 m Gefälls- höhe zugeführt werden; eine mit dieser Turbine gekoppelte ideale Kreiselpumpe würde sodann umgekehrt die gleiche Arbeit leisten, also beispielsweise 50 Sekundenliter Wasser 20 m hoch heben. — Bei den idealen Maschinen könnten de m nach die Energieumwandlungen sowohl in der einen wie auch in der entgegengesetzten Richtung erfolgen, und überdies verliefen diese Vorgänge völlig unabhängig von ihrer Stellung innerhalb der Zeit. Die Leistungen der idealen Maschine wären daher kraft der Erhaltung der Energie vollständig umkehrbar und zeitlos. Manche wirklich ausgeführten Maschinen nähern sich tatsächlich diesem Idealzustand in hohem Grade, ohne ihn jedoch völlig zu erreichen. Die Erfahrung aber, daß es auch in der Technik keine durchaus restlose Energieumwandlung gibt, leitet auf das Entropiegesetz hin. Der deutsche Physiker R. Clausius (1822—1888) nannte den Quotienten aus einer Wärmemenge geteilt durch die ihr zugehörige absolute Temperatur die „Entropie“, und er erkannte, daß dieser Quotient einem Maximum zustrebt, d. h. die Entropie kann bei allen technischen Energieumwandlungen nur anwachsen, aber niemals abnehmen. Das Überraschende und Befremdende dieses Satzes liegt nun darin, daß hier zum erstenmal für eine reine Naturenergie, die Wärmekraft, geradeso wie bei den Lebewesen, eine einsinnige Richtung mit mathematischer Sicherheit festgestellt wurde. Der englische Physiker W. Thomson, nachmals Lord Kelvin (1824—1907), zog daraus sogar den aufsehenerregenden Schluß, daß die Welt infolge der Energiezerstreuung dereinst den „Wärmetod“ sterben werde. Nach den neuesten astro- physikalischen Forschungen von W. Nernst vermögen jedoch die der Entropie entgegen wirkenden kosmischen Strahlungsenergien das Weltall vor dem Wärmetod zu bewahren. Wenn nun auch der findige Menschengeist trotz der unaufhaltsamen Energiezerstreuung anorganische Werkstoffe und Naturenergien vielfach zu meistern versteht und wenn auch die technischen Gebilde, hinsichtlich ihres tektonischen Aufbaus, ihres chemischen Stoffwechsels und ihres stammesgeschichtlichen Formwandels mit den Schöpfungen der belebten Natur unverkennbar übereinstimmen, so vermochte die gestaltende Technik bisher doch keineswegs ein wirkliches Lebewesen, und sei es bloß eine ureinfache Amöbe, aus rein anorganischen Stoffen hervorzubringen. Keimende und wirkende Technik. Die Technik ist keineswegs eine unabhängige und für sich allein bestehende Erscheinung, sie muß vielmehr dem technogenetischen Leitsatz gemäß in die Ganzheit des Kulturgeschehens eingebaut werden. Aus der Doppeleigenschaft der Vom Lebenssinn der Technik. Technik als Frucht des Naturerkennens einerseits und als Triebfeder des Wirtschaftslebens anderseits ergeben sich in soziologischer Hinsicht zwei voneinander verschiedene Teilbegriffe der Technik, nämlich die potentielle und die aktive Technik. Potentiell oder sozial gebunden bleibt eine technische Erfindung oder Verbesserung so lange, als sie im Kopfe ihres Schöpfers keimt oder von ihm nur im Stillen ausgeführt und erprobt wird; aktiv oder unmittelbar sozial wirkt eine technische Neuerung erst dann, wenn sie ins Wirtschaftsleben hinaustritt, dort ihre volle Wirksamkeit entfaltet und weitere Tätigkeitsgebiete erschließt. Auch bei Pflanzen und Tieren zeigt sich der gleiche Vorgang;- die Keimlinge sprießen ESSIG FLIEGEN IN 240 cm' ZAHL ZEIT: O Abb. 1. Vermehrung von Essigfliegen in einer Vierfelliterflasche. ESSIGFUEGEN IN 480 cm ZAHL wpp ZEIT: 0 Abb. 2. Vermehrung von Essigfliegen in einer Halbliterflasche. aus dem dunklen Erden- oder Mutterschoß hervor, drängen zum Licht und lebensreif vollenden sie ihr Dasein. Merkwürdigerweise hat nun der englische Maler und Satyriker William Hogarth (1697—1764) in seinem berühmten Selbstbildnis eine zweiseitig gekrümmte Serpentine auf einer Palette zur Schau gestellt und 1753 ein seltsames und viel umstrittenes Buch, ,,Die Analyse der Schönheit“, herausgegeben. Sein Ziel war, die geheimnisvolle Serpentine als Grundlage künstlerischer Formgebung zu empfehlen, denn diese S-Linie ist nach Hogarths Meinung ein Sinnbild des Höchsten, des Lebens. — Aller Mystik entkleidet, stellen diese Serpentinen nichts anderes als Wachstumskurven aus dem Gebiet der Biologie und der Technik dar. Derartige S-Linien bieten tatsächlich einen Einblick in das Heranwachsen einzelner Lebewesen und ganzer Geschlechterreihen; überdies führen sie auch den Werdegang von der keimenden zur wirkenden Technik sinnfällig vor Augen. — Diese zweiseitig gekrümmten Kurven entstehen dadurch, daß man in einem Koordinatensystem auf der Grundachse die Zeitabschnitte und in der Höhenrichtung die zugehörigen Wachstumsgrößen aufträgt. Die S-Linien steigen anfangs langsam, dann immer steiler bis zu einem Wendepunkt an; nach dem Überschreiten des Wendepunktes 8 L. Erhard vermindern sie ihre Steilheit und erreichen schließlich ihren Höchstwert in fast waagrechter Richtung. Die Abb. 1 und 2 geben Aufschluß über die Vermehrung niederer Lebewesen innerhalb eines geschlossenen Raumes. Die Vermehrung der Essigfliegen (Drosophila melanogaster) wurde dabei einmal in einer Viertelliterflasche und dann in einer Halbliterflasche mit dem Ergebnis beobachtet, daß die Vermehrung der Fliegen gemäß den zweierlei Flaschengrößen verschiedene Höhepunkte erreichte. Diese lebenskundlichen Versuche führen zu der Schlußfolgerung, daß beim Zustandekommen solcher zweiseitig gekrümmten biologischen Linien in einem ge- GASERZEUGUNG IKI MÜNCHEN JAHR. 1850 60 90 1900 IO Abb. 3. Anstieg der Gaserzeugung in München von 1850 bis 1934. AUTOERZEUGUNG IN USA 20 _ JAHR: 1900 Abb. 4. Entwicklung der Autoerzeugung in USA von 1900 bis 1934. schlossenen Raum zwei gegeneinander wirkende Kräfte im Spiel sein müssen, nämlich einerseits der Vermehrungsdrang der Lebewesen und anderseits der infolge der Raumbegrenzung auftretende Sättigungsdruck. Jedes Lebewesen benötigt nämlich zu seinem Bestehen einen bestimmten geringsten Lebensraum. Wächst nun die Zahl der Lebewesen in einem geschlossenen Raum übermäßig an, so entsteht dadurch ein entsprechender Sättigungsdruck, der die weitere Vermehrung hindert. Die Abb. 3 und 4 veranschaulichen mittels zweiseitig gekrümmter technobiotischen Kurven den Übergang von der potentiellen zur aktiven Technik in zwei Beispielen, und zwar das Ansteigen der Gaserzeugung in einer Großstadt und die Entwicklung des Automobilbaues in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Bei diesen Übergängen sind gleichfalls einander entgegengesetzte innere Triebkräfte und äußere Widerstände am Werk. Der innere Vermehrungsdrang einer technischen Schöpfung beruht auf der Schaffenskraft ihres Urhebers und auf dem Nutzen, den sie dem Wirtschaftsleben bringt. Diesem Vermehrungsdrang wirkt aber jener Sättigungsdruck entgegen, der durch die begrenzte Aufnahmefähigkeit des Marktes bedingt ist. — Die beiden technobiotischen Übergangskurven 3 und 4 flachen sich gleichfalls von ihren jeweiligen Wendepunkten an nach oben Vom Lebenssinn der Technik. 9 hin merklich ab. Es ist also auch auf dem Gebiet der Technobiotik dafür gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Rekordleistungen hängen aufs engste mit dem Übergang von der potentiellen zur aktiven Technik zusammen, denn erst im Wettbewerb der Erfindungen tritt der Gebrauchswert einer technischen Neuerung am klarsten zutage. In den Abb. 5 und 6 sind die Geschwindigkeitsrekorde von Rennwagen und die Höhenrekorde von Flugzeugen dargestellt. Hier zeigen sich gleichfalls die zweiseitig gekrümmten technobiotischen Linien, die darauf hinweisen, daß der technischen Entwicklung unter normalen Verhältnissen auch im Rekordwesen eine obere Grenze gesetzt ist. FLUGZEUG-HÖHENREKORDE tausende AUTO-FAHRREKORDE 300 WÖP Abb. 5. Geschwindigkeitsrekorde von Renrv wagen in Stunden-Kilometern. Abb. 6. Höhenrekorde von Flugzeugen in Tausenden-Metern. So tritt also die potentielle Technik am Beginn einer technobiotischen Wachstumskurve gewöhnlich mit einer entwicklungsfähigen Erfindung auf den Plan, die aber erst nach der Überwindung fachlicher, finanzieller und rechtlicher Schwierigkeiten allmählich festen Fuß faßt. Die Wirtschaft bemächtigt sich dann dieser neuen technischen Idee, eröffnet dem Vermehrungsdrang der neuen Schöpfung geeignete Anwendungsgebiete und führt sie ansteigend einem Wendepunkt zu. Von da ab zeigen sich schon die ersten Anzeichen des gegenwirkenden Sättigungsdruckes im Absatzmärkte; die Wachstumskurve der aktiven Technik steigt aber dennoch, wenn auch weniger steil, bis zu jenem Höhepunkt empor, wo der Vermehrungsdrang der Technismen das Gleichgewicht mit dem Sättigungsdruck des Absatzmarktes erreicht. Schließlich wird dann die vorliegende Erfindung ganz oder teilweise von anderen vorteilhafteren Neuerungen überholt, denen aber später das gleiche Schicksal widerfährt. Jede bahnbrechende Erfindung leitet also einen neuen technischen Entwicklungsabschnitt und damit auch eine neue technobiotische Wachstumskurve ein. Alle diese S-Linien zeigen jedoch, wie A. Menge in einer Abhandlung über „Entwicklungsmöglichkeiten der deutschen Elektrizitätswirtschaft“ hervorhebt, nur unter gleich bleibenden Verhältnissen einen regelmäßigen Ablauf; Störungen 10 L. Erhard in der Marktlage und Änderungen in der Erzeugungsweise beeinflussen ihren gesetzmäßigen Anstieg. Zutreffende Voraussagungen über künftige technisch-wirtschaftliche Entwicklungen sind hierbei nur in jenen Fällen möglich, bei denen Wachstumsdrang und Sättigungsdruck bekannt sind und regelrecht verlaufen. Aber selbst mit diesen Einschränkungen bieten die technobiotischen Wachstumskurven einen beachtenswerten Einblick in die wahrscheinliche Gestaltung technisch-wirtschaftlicher Entwicklungsgänge. Hätten die Wirtschaftsführer im letzten Jahrzehnt den Lebenssinn der Technik, ihren biologischen Wesenszug und die technobiotischen Wendepunkte rechtzeitig erkannt, so wäre der amerikanischen Wirtschaft die verhängnisvolle Täuschung über eine ewige „Prosperity“ und auch andern Wirtschaftsgebieten manche Bedrängnis erspart geblieben. Statt dessen wurde nach dem Weltkrieg die Massenerzeugung von Sachgütern mit allen Mitteln der Technik und der Rationalisierung auf eine die Kaufkraft des Absatzmarktes weit überbietende Höhe so lange künstlich emporgeschraubt, bis zuletzt die wirtschaftliche Weltkrise hereinbrach. — Angesichts dieser Tatsache sollten sich die Technohistoriker die Ausarbeitung solcher aufschlußreichen technobiotischen Wachstumskurven auf Grund statistischer Erhebungen besonders angelegen sein lassen. — Die Beziehungen zwischen den Vermehrungs-, Sättigungs- und Wachstumslinien sind in einem Anhang dargestellt (S. 12). Die Übereinstimmung der technobiotischen mit den biotechnischen Linienzügen weist auch hierbei auf innere Zusammenhänge zwischen Biologie und Technik hin. Die Menschen und ihre Geisteskinder, die Erfindungen, sie alle tanzen den „Totentanz“ des Lebens. — Begnadete Künstler sind ahnungsvolle Seher. Und so hat denn auch Hans Thoma in seinem Selbstbildnis aus dem Jahre 1863 den Lebensdrang durch eine beschwingte Engelsgestalt und die wider diesen Lebensdrang dauernd und unerbittlich wirkende Gegenkraft als heimlich raunenden Tod in ergreifender Weise dargestellt. Faßt man schließlich mancherlei Gestalten ins Auge, die im Gebiet der technobiotischen Wachstumslinien auftauchen, so steht unten am technisch-wissenschaftlichen Ausgangspunkt einer grundlegenden Neuerung zumeist ein sinnender, mit den Naturgesetzen vertrauter Forscher oder Erfinder, als Sämann eines Feldes, auf dem späterhin oft andere ernten. — Auf dem technisch-wirtschaftlichen Höhepunkt thront dann gewöhnlich ein tatkräftiger Wirtschaftsführer oder ein „königlicher Kaufmann“; denn technische Schöpferkraft und kaufmännisches Geschick sind nur selten in ein und derselben Person vereinigt. — Das Mittelstück des Weges von der potentiellen zur aktiven Technik bildet das ureigene Arbeitsfeld des I n - genieurs. Diesem Sachwalter der Technik obliegt es, Werke der Statik und Dynamik unter größter Nutzung bei geringstem Aufwand auszuführen und überdies zielt die Sendung des technisch-schöpferischen Ingenieurs auf den Dienst an der Volksgemeinschaft und nicht bloß auf den Kampf um Geld und Gut hin. Technobiotik. Der Lebenssinn der Technik liegt darin beschlossen, daß ihre Gebilde als künstliche Organe und Behelfe dem Menschen gleicherweise dienen sollen, wie die Gliedmaßen dem Gesamtorganismus. — Vom Menschenhirn ersonnen und von Menschenhand gestaltet, sind die Technismen aufs innigste mit dem menschlichen Wirtschafts- Vom Lebenssinn der Technik. 11 und Gesellschaftsleben verflochten und jede große Zeitenwende beeinflußt daher auch die Stellung der Technik innerhalb des Kulturgeschehens. Eine solche durchgreifende Wandlung hat nun der Weltkrieg hervorgerufen und damit die Meinung weiter Kreise über das Wesen und die Aufgaben der Technik wirksam verändert. Galt die Technik vor dem Weltkrieg im Sinne der liberalen Schule hauptsächlich als privat wirtschaftliches Mittel zum Geld verdienen für Einzelunternehmer, Gesellschaftsfirmen, Kartelle und Banken, so wird die Technik gegenwärtig schon in manchen Ländern mehr und mehr im sozialen Sinn als volks- und staatswirtschaftliches Mittel zur Hebung der Bodenkultur, zur Erzeugung von Heimstoffen, zur Neugestaltung der Güterherstellung und -Verteilung, zum Ausgleich gesellschaftlicher Gegensätze durch allgemeinen Arbeits- und Wehrdienst, zur Kürzung der Arbeitszeit bei gleichem Lohn, zur Verbesserung des Verkehrs- und Siedlungswesens, kurz zum Dienst am Volksganzen im erhöhten Maße herangezogen. Der Gewaltfriede nach dem großen Krieg hat aber auch eine entgegengesetzte, dem Lebenssinn der Technik völlig widersprechende, weltpolitische Einstellung zur Folge gehabt. Denn obwohl die Technik einen überstaatlichen Charakter trägt und obwohl ihre Bahnlinien alle Kontinente durchqueren, ihre Flugzeuge über Länder und Meere hinziehen und ihre drahtlosen Wellen den Erdball umkreisen, so wird die weltwirtschaftliche Bedeutung der Technik doch von der Weltpolitik geflissentlich übersehen und durch Zoll- und Geldschranken, durch ausschließende Autarkiebestrebungen und durch künstlich genährten Völkerhaß immer mehr unterbunden und trotz Völkerbund und Paneuropabewegung immer stärker eingeengt. Angesichts dieses Wirrsals taucht die Schicksalsfrage auf, ob die Technik fernerhin der Privatwirtschaft als gewinn verheißendes Machtinstrument auf Gnade und Ungnade ausgeliefert werden soll, oder ob die Technik für die Volksund Wehrwirtschaft und darüber hinaus für die Weltwirtschaft als eine segenbringende Kraftquelle allenthalben anerkannt und angewendet werden wird. Die Technobiotik lehrt, daß die Technismen nichts anderes darstellen als leibfremde Organe, die imstande sind, die materiellen Fähigkeiten des Menschen ins Ungemessene zu steigern, ihn zum Herrn über die Naturenergien setzen und ihm dadurch die gewaltigsten Waffen für den Lebenskampf in die Hand zu geben. Gleichwie nun die einzelnen Gliedmaßen des Körpers durch ihr Zusammenwirken den menschlichen Gesamtorganismus fördern, so wird auch der Lebenssinn der Technik erst dann voll erfüllt, wenn die technischen Schöpfungen als gemeinnützige Behelfe und soziale Bindeglieder erkannt und dem gesamten Wirtschafts- und Gesellschaftskörper dienstbar gemacht werden, um allem Volke jene Lebensmöglichkeiten zu bieten, die menschlichen Wesen geziemen. — Dazu kann dem Volke weder der Liberalismus noch der Kommunismus, sondern nur die „soziale Ingenieurkunst“ verhelfen. Oskar von Miller hat als sozial denkender Ingenieur diese Forderungen der Technobiotik folgendermaßen programmatisch zusammengefaßt: „Die Technik hat die Produktionsfähigkeit beinahe unbegrenzt gesteigert, gleichzeitig die erforderliche menschliche Arbeitsleistung vermindert und die Möglichkeit geschaffen, Erzeugnisse an alle Menschen zu liefern, somit allen Menschen Zeit für geistige und körperliche Erholung zu geben. — Die Wirtschaft hat nun die Aufgabe, diese erhöhte Leistungsfähigkeit auf die für die Menschheit wichtigsten Bedarfsgebiete 12 L. Erhard zu lenken, die ersparte Arbeitszeit zur körperlichen und geistigen Ertüchtigung der Schaffenden auszunützen und durch die richtige Verteilung der anfallenden Arbeiten und der Produkte die allgemeinen Lebensbedingungen zu verbessern.“ — Diese soziale Aufgabe vermag aber die Wirtschaft keineswegs durch bloßen Krämergeist, der auf billigen Einkauf und teueren Verkauf abzielt, befriedigend zu lösen; ja manche eigensüchtigen Fabrikanten und Verleger alten Stils wollen auch heute noch durch geradezu antitechnische Mittel, wie Lohndruck, Schwitzarbeit, Schunderzeugung und Preistreiberei, ihren Profit machen. Eine zeitgemäße, ihrer Verantwortung bewußte Wirtschaftsführung wird dagegen den allgemeinen Lebensstand vorwiegend durch solche sozial-technischen Maßnahmen zu heben versuchen, wie sie in mustergültig eingerichteten und betriebenen Werken gegenwärtig schon allenthalben anzutreffen sind. Die Sklaven des Altertums haben als biologische Vorläufer der Maschinen die Angehörigen der damaligen Herrenschicht von der körperlichen Arbeit entlastet. Gleichwie nun die Sklavenarbeit eine notwendige Voraussetzung für die antike Geisteskultur bildete, so könnte auch in ferner Zukunft durch das Anwachsen der Maschinennutzung bei gleichzeitiger Übertragung der erforderlichen Werkleistungen an die Arbeitsfähigen und bei planmäßiger Vermittlung der Güter an die Käufer die dräuende Arbeits- und Erwerbslosigkeit unserer Tage gebannt und die Kürzung der Arbeitszeit sogar in jene kulturfördernde Muße umgewandelt werden, in welcher gesundes und geklärtes Menschentum neues Leben gewinnen könnte. — Daher sollten namentlich die Verfechter echt humanistischer Bildung ihr Augenmerk der soziologischen Entwicklung der Technik besonders zuwenden, denn einzig und allein die von ihnen so sehr verfemte Technik vermag die geisttötende, aber heute noch in Tausenden von Betrieben notwendige Arbeitsfron allmählich den dienstbereiten Maschinen aufzubürden und hierdurch die Werkleute in wahrer Humanität zu anderweitiger menschenwürdiger Arbeit freizusetzen. Alle den Geist und Körper schädigende Werkarbeit gehört letztlich doch in die Hand der Maschine. Bei der nunmehr einsetzenden neuen Kulturgestaltung der Nachkriegszeit werden sicher nur jene Völker den geistigen Sieg erringen, welche den Lebenssinn der Technik am tiefsten erfassen, die Bildungswerte der Technik dem völkischen Erziehungswerk am engsten einverleiben und dem Mißbrauch der Technik infolge der Sonderpolitik einzelner Interessentengruppen am wirksamsten entgegentreten gemäß dem Worte: Nicht anbeten und nicht verdammen soll man die Technik, sondern sie als Werkzeug des Lebens zum Gemeinwohl nützen! Anhang. Biotechnische und technobiotische Kurven. A. Biotechnische Kurven (Abb. 7). Voraussetzungen: a) Im offenen Raum verdoppeln sich organische Zellenmengen m, durch Zellteilung in gleichen Zeitabständen nach einer geometrischen Reihe. b) In einem geschlossenen Raum V tritt aber dieser ungehemmten Zellenvermehrung ein Sättigungsdruck p entgegen, der mit der Anhäufung der Zellen- mengen zunimmt. Vom Lebenssinn der Technik. 13 Aufzeichnungen der biotechnischen Kurven: 1. Vermehrungskurve I. — Auf einer waagrechten Grundlinie x werden für gleiche Zeitabstände die entsprechenden Zellenmengen m in Kubikzentimeter senkrecht aufgetragen. Die Kurve I ergibt dann den stetigen Verlauf der Vermehrung im offenen Raum, wobei m n = 2ra( w _ 1( . 2. Sättigungskurve II. — Auf der senkrechten Linie y trägt man sodann die im geschlossenen Raum V entstehenden, den jeweiligen Mengen m entsprechenden Sättigungsdrucke p waagrecht auf. Im vorliegenden Fall beträgt das Gesamtvolumen des geschlossenen Raumes F = 16 cm 3 . Die jeweils noch freibleibenden restlichen Teilvolumen v ergeben sich durch Subtraktion der zugehörenden Zellenmengen m vom Gesamtvolumen F; also v n = F — m n und demnach p n = F : v n . Die Sättigungskurve II entspricht einer stetigen, die Zellen Vermehrung hemmenden Sättigungszunahme p im geschlossenen Raum. 3. Wachstumskurve III. — Das waagrechte Hinzufügen der jeweiligen Drucke p der Sättigungskurve II zu den entsprechenden Punkten m der Vermehrungskurve I ergibt schließlich den Verlauf einer resultierenden Wachstumskurve III mit den Punkten w, wobei die Strecken p n = m n bis w n . Während demnach die Vermehrungskurve I und die Sättigungskurve II einseitige, einander entgegengesetzte Krümmungen aufweisen, verläuft die resultierende biotechnische Wachstumskurve III in zweiseitiger Krümmung mit einem Wendepunkt WP. I.VERMEHRUNG. II.SÄTTIGUNG. HL WACHSTUM. SÄTTIGUNGSKURVE I.VERMEHRUNGSKURVE f = 2 m /„.A ’III. WACHSTUMSKURVE —4> p 2 Abb. 7. Schaulinien elementaren Wachstums. 14 L. Erhard: Vom Lebenssinn der Technik. B. Technobiotische Kurven (Abb. 7). V oraussetzungen: a) Ein neuartiges technisches Erzeugnis, z. B. ein allseits begehrtes Rundfunkgerät soll zum doppelten Selbstkostenpreis, einschließlich Regie und Gewinn, verkauft werden. Ferner soll der Erlös für jedes Stück wieder zur Herstellung von zwei gleichen neuen Stücken Verwendung finden, wobei die Stückmengen bei einem unbegrenzt offenen Absatzgebiet in gleichen Zeitabständen nach einer geometrischen Reihe ungehindert vermehrt würden. b) Im geschlossenen Absatzgebiet erfährt dagegen die Vermehrung der Erzeugnisse infolge der beschränkten Käuferzahl eine Hemmung, die mit dem Sättigungsgrad des Absatzmarktes an wächst. Aufzeichnung der technobiotischen Kurven: 1. Vermehrungskurve I. — Auf der waagrechten Grundlinie x werden für gleiche Zeitabstände die entsprechenden Stückmengen m in Tausenden senkrecht auf getragen. Die Kurve I ergibt dann den stetigen Verlauf der Stückvermehrung im offenen Absatzgebiet, also m n = 2m ()1 _ 1) . 2. Sättigungskurve II. — Auf der senkrechten Linie y trägt man sodann die im geschlossenen Absatzgebiet entstehenden, den jeweiligen Mengen m entsprechenden Sättigungsdrucke p waagrecht auf. Im vorliegenden Fall soll die Gesamtzahl der möglichen Käufer V = 16 Tausend betragen. Wenn nun auf jeden Käufer ein Warenstück trifft, so ergeben sich die jeweils restlichen Käuferzahlen v n durch Subtraktion der zugehörigen Stückzahlen m n von der Gesamtzahl der Käufer V; also v n = V — m n und demnach p n = V : v n . Die Sättigungskurve II entspricht sohin einem stetig zunehmenden, die Stückvermehrung hemmenden Sättigungsdruck p n des geschlossenen Absatzgebietes. 3. Wachstumskurve III. — Das waagrechte Hinzufügen der jeweiligen Drucke p der Sättigungskurve II zu den entsprechenden Punkten m der Vermehrungskurve I ergibt schließlich den zweiseitig gekrümmten Verlauf der resultierenden Wachstumskurve III mit den Punkten w, wobei die Strecken p n = m n bis u\. Während demnach die Vermehrungskurve I und die Sättigungskurve II einseitige, einander entgegengesetzte Krümmungen aufweisen, verläuft die resultierende technobiotische Wachstumskurve III in zweiseitiger Krümmung mit einem Wendepunkt W P. Viktor Kaplan. Von o. ö. Professor an der Technischen Hochschule in Wien Dr. Techn. Alfred Lechner. I. Abstammung, Jugend- und Studienjahre Viktor Kaplans . 1 Viktor Gustav Franz Kaplan erblickte am 27. November 1876 zu Mürzzuschlag in Steiermark als Sohn des Verkehrsbeamten der Südbahn Karl Viktor Kaplan und dessen Frau Jenny, geb. Wust, das Licht der Welt. Der Vater, geb. am 3. September 1849 in Wr. Neustadt, war der Sohn des Handelsmannes sm Abb. 1. Das Geburtshaus Viktor Kaplans in Mürzzuschlag. Das Bahnhofsgebäude mit dem Entwurf des Ehrenmales für Viktor Kaplan. Karl Kaplan, welcher mit Therese, der Tochter des bürgerlichen Lebzelters Anton Stadler in Wr. Neustadt verheiratet war. Der Vater Professor Kaplans besuchte in den Jahren 1860 bis 1867 das Gymnasium in Wr. Neustadt, studierte in Wien Jus, erhielt das Absolutorium und stand seit 1870 im aktiven Dienst der Südbahn, bei welcher er zuerst als Verkehrs- 1 Verfasser verdankt die folgenden Daten dem Einblick in die Erkunden, welche im Familienarchiv in Unteracli am Attersee erliegen, und den daselbst befindlichen Aufzeichnungen von Frau Regierungsrat Professor Rosina Kaplan in Hetzendorf, der zweiten Frau Karl Viktor Kaplans. 16 Alfred Lechner beamter in Lekenik, Agram, Mürzzuschlag, dann als Stationschef in Semmering, Xeuberg und Hetzendorf, schließlich als Verkehrskontrollor und als Stationschef des Frachtenbahnhofs der Südbahn in Wien-Matzleinsdorf tätig war. Er erhielt wegen seines verdienstvollen Wirkens verschiedene Auszeichnungen, darunter auch den Titel kaiserlicher Rat, und trat mit Ende des Jahres 1918 als Zentralinspektor der Südbahn in den dauernden Ruhestand. Seiner ersten Ehe mit Jenny Wust entsprossen drei Kinder: Karl, Anna- Louise und Viktor. Der älteste Sohn Karl widmete sich der Landwirtschaft und Iff afonk««. Ä-f Abb. 2. Jenny Kaplan. Abb. 3. Zentralinspekfor Karl Kaplan. Die Eltern Viktor Kaplans. war als Ökonomierat an verschiedenen kaiserlichen Gütern tätig, die Tochter Anna- Louise starb bald nach ihrer Geburt, und Viktor ist der bekannte Turbinenbauer. Die Mutter Jenny wurde am 16. November 1843 in Pettau in Untersteiermark als Tochter des k. k. Oberpostverwalters Franz Wust und dessen Frau Aloisia, geb. Kuradi, geboren. Sie entstammte einer an Kindern reichen Familie, von denen aber nur drei am Leben blieben. Im Hause ihrer Eltern erhielt sie eine sorgfältige Erziehung; von ihrer Mutter erbte sie viel Sinn für Musik. Sie war eine aufopfernde Frau, eine liebende Mutter und eine tüchtige Hausfrau. Ihr Wesen war schlicht und von stiller Geistigkeit. Aus den erhaltenen Briefen spricht sorgende Liebe für ihre Kinder. Auf Viktor setzte sie besonders große Hoffnungen und dieser hat ihrer stets mit viel Liebe und Dankbarkeit gedacht. Im Jahre 1897 ist Jenny Kaplan einem Schlaganfall in Hetzendorf erlegen. Der Vater Professor Kaplans war eine stattliche Erscheinung und empfand große Vorliebe für Wissenschaft und Kunst. Besonders interessierte ihn Mineralogie und Musik. In dieser Neigung zur Musik hatten sich auch seinerzeit die Herzen der Viktor Kaplan. 17 Eltern Professor Kaplans gefunden. Ordnungsliebe, Sauberkeit in Kleidung und Haltung, Genauigkeit im dienstlichen und auch außerdienstlichen Verkehr waren ihm besonders eigen. Strengste Pflichterfüllung verlangte Karl Kaplan nicht nur von seinen Untergebenen, sondern auch von seinen Kindern, er selbst ist stets mit gutem Beispiel vorangegangen. Den Ernst, mit welchem er die Erziehung seiner Kinder leitete, die hohe Auffassung, welche er von dem Berufe seines Sohnes Viktor hatte, werden wir noch später kennenlernen. In zweiter Ehe war Karl Kaplan mit Frau Professor Rosina Gaudernak, einer bekannten Wiener Pädagogin, vermählt. Aus den hier nur skizzenhaft wiedergegebenen Familien Verhältnissen ist zu entnehmen, daß Viktor Kaplan einem gut bürgerlichen Hause entstammte und die Segnung eines geordneten, friedlichen Familienlebens genoß. Die Volksschule besuchte Viktor in Neuberg in Steiermark. Dort erhielt er sehen als achtjähriger Knabe durch die Eisenwerke der Alpinen Montangesellschaft technische Eindrücke. Von seinen Jugendfreunden wird berichtet, 1 daß er hier als Knabe Wasserräder gebaut hat, und sein Freund Franz Mayer erzählt, daß Viktor einmal ausgerufen haben soll: ,,Wenn ich groß bin, baue ich noch viel schnellerlaufende Räder“. Gewiß werden viele Knaben solche Bastelarbeiten verrichten, ohne daß denselben irgendeine weitere Bedeutung beizumessen ist. Aus den erhalten gebliebenen eigenen Aufzeichnungen Kaplans 2 aber ist zu ersehen, daß es ihm gelungen ist, eine ganze Reihe physikalischer Apparate selbst zu verfertigen, und wenn wir später sehen werden, daß Kaplan im Brünner Laboratorium sich die Schablonen für seine Turbinenschaufeln selbst anfertigte, so kommt diesen Jugendbasteleien doch mehr Bedeutung als einer bloßen Spielerei zu. Als Kaplan in den Jahren 1888 bis 1895 seinen Mittelschulstudien an der Kommunalrealschule in Wien, IV., Waltergasse 7, oblag, verstand es der Professor der Physik, Franz Daurer, das Interesse des ernsten Knaben für diesen Gegenstand zu erwecken. Dieses Interesse zeigte sich auch zu Hause durch selbständiges Experimentieren und Anfertigen physikalischer Apparate. Aus den Aufzeichnungen Kaplans entnehmen wir, daß er eine Elektrisiermaschine aus einer einfachen Flasche, einen kleinen Elektromotor, dessen Achse eine Stricknadel war, eine elektrische Eisenbahn, ja sogar eine Dampfmaschine, wobei der Dampfkessel aus einer Kakaobüchse, der Zylinder aus einer Patrone bestanden hat, selbst angefertigt hat. Anleitung und Anregung erhielt er von seinen Onkeln Paprian und Derflinger, die Werkzeuge borgte er sich von dem befreundeten Hauptmann Hofer aus. Bei diesem Experimentieren und Basteln erlangte er eine derartige Geschicklichkeit, daß es uns nicht wundern darf, daß er eines schönen Tages Professor Daurer mit einem selbsterzeugten photographischen Apparat überraschte. Hören wir, was Kaplan selbst hierüber berichtet: „Der Balg war ein alter Gummiregenmantel, das Objektiv war eine Linse um 60 Kreuzer, zwei Wochen zusammengespart! Die Linse wurde in eine Schuhwichs- 1 Vgl. „Aus dem Leben eines steirischen Erfinders“ von Franz Mayer, Alpen- ländisclie Wochenschau vom 14. September 1935, sowie den Brief vom 15. Mai 1935 von Karl Wolf, welcher eine Schilderung der Jugendjahre Kaplans enthält und im Familienarchiv in Unterach erliegt. 2 Diese Aufzeichnungen erliegen im Familienarchiv in Unterach. Geschichte der Technik, 3. II. 2 18 Alfred Lechner Schachtel gegeben, der Deckel dieser Schachtel war gleichzeitig der Objektivdecke]. Die Schraube, welche die Distanz einstellt, war ein alter Drillbohrer. Die Aufnahmen konnten immerhin als brauchbar bezeichnet werden. Professor Daurer hat mir, als er den Apparat sah, ,vorzüglich 4 gegeben.“ Seinem schon damals gewählten Grundsatz, womöglich alles selbst zu verfertigen, ist er auch später treu geblieben. Das Studium der realen Fächer, Mathematik, Physik, Chemie und Darstellende Geometrie, fiel Viktor leicht, dagegen bereiteten ihm die Sprachen einige Schwierigkeiten. Während er als kleiner Knabe ernst war, wird er von seinen Kameraden in den oberen Mittelschulklassen als ein zu lustigen Streichen aufgelegter Jüngling bezeichnet. Schon als Knabe war er ein glänzender Schlittschuhläufer, später auch ein guter Tennisspieler, ein eifriger Hochtourist und ein gewandter Kletterer. Von seinem Vater wurde Viktor sehr streng gehalten, die Mutter scheint die ausgleichende Milde und Güte gewesen zu sein. Nach bestandener Maturitätsprüfung im Jahre 1895 widmete sich Kaplan an der Wiener Technischen Hochschule dem Studium des Maschinenbaues. Hier hörte er Mathematik bei Kolbe und Czuber, Mechanik bei Finger, Darstellende Geometrie bei Peschka, Technische Mechanik und Theoretische Maschinenlehre bei Böck, Maschinenbau bei v. Radinger und Hauffe, Mechanische Technologie bei Kick und Reh, Chemie bei Bamberger und Geodäsie bei Schell. Es sei erwähnt, daß Kaplan gerade in den theoretischen Gegenständen vorzügliche Erfolge aufzuweisen hatte. Es darf daher auch nicht überraschen, wenn er zuerst rein theoretisch zu arbeiten versuchte und auch später für vernünftige theoretische Erwägungen immer viel übrig hatte. Daß Kaplan, wie einmal behauptet wurde, der „Theorie“ fremd oder ablehnend gegenübergestanden sei, ist eine unrichtige, mißgünstige Behauptung. Wohl aber pflegte er als Professor Arbeiten, bei welchen der physikalische Gedanke gegenüber der mathematischen Behandlung ganz in den Hintergrund trat oder bei denen die Voraussetzungen durch Versuche nicht entsprechend begründet waren, zweifelnd gegenüberzustehen. Bei solchen Gelegenheiten zitierte er gerne: „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie“. Nach Ablegung der zweiten Staatsprüfung (1900) absolvierte Kaplan sein Frei willigen jahr bei der k. u. k. Kriegsmarine, wo er später zum Ingenieureleven ernannt wurde, und trat am 25. Oktober 1901 bei der Leobersdorfer Maschinenfabrik als Ingenieur ein. Somit kommen wir zur Schilderung seiner Tätigkeit als schaffender Ingenieur. II. Als Ingenieur in Leobersdorf. Der neue Explosionsmotor. Hoffnung und Enttäuschung. Die Firma Ganz in Leobersdorf beschäftigte sich damals mit dem Bau von Dieselmotoren. Es ist für Kaplan bezeichnend, daß er, kaum im Betrieb, schon daran dachte, einen neuen Motor zu konstruieren, welcher den Dieselmotor an Güte übertreffen sollte. Kaplan selbst berichtet über seinen Motor folgendes: 1 1 Entnommen dem Aufsatz, der in der Wiener Zeitung „Die Zeit“ am 9. April 1903 1 Viktor Kaplan. 19 „Für den Motorbau wie für die Kohlensäureindustrie werden die folgenden Ideen unzweifelhaft von Interesse sein, da sie selbst dann noch Anregung von einigem Wert bieten dürften, wenn die praktischen Versuche diese Ideen nicht ganz bestätigen sollten. So groß auch die Fortschritte sind, welche bisher in der Verbilligung der Betriebskosten der Explosionsmotoren gemacht worden sind, so zeigt die Wärmebilanz dennoch, daß der größte Teil der durch die Explosion freigew ordenen Wärme, welche einer gewissen Arbeit entspricht, unausgenutzt verlorengeht. Von 5000 Wärmeeinheiten, die einem Leuchtgasverbrauch von einem halben Kilogramm Abb. 4. Viktor Kaplan als Hochschüler mit Abb. 5. Viktor Kaplan als Konstrukteur an der dem Band der deutschen Lesehalle. Deutschen Technischen Hochschule in Brünn. entsprechen und die theoretisch 7,85 PS ergeben, wird in kleineren Motoren eine effektive Leistung von nur einer Pferdekraft erzielt. Der in das Kühlwasser allein verlorengehende Betrag an Wärme entspricht einer Arbeitsleistung, welche die wirkliche Nutzleistung nahezu um das Dreifache übertrifft. Ebenso ist auch die mit den Auspuffgasen abgeführte Wärme sehr beträchtlich. Meine Erfindung, welche in allen Kulturstaaten zum Patente angemeldet wurde, besteht nun darin, hochkomprimierte oder verflüssigte Gase nach dem Moment der Explosion in den Explosionsraum des Motors einzuspritzen, um einerseits die Wasserkühlung entbehrlich zu machen, anderseits die sonst an die Wasserkühlung abgegebene Wärme an das eingespritzte Gas (vorzugsweise Luft) zu übertragen. Dadurch wird bei der nun folgenden Expansion der Motorgase dieser Betrag an Wärme in Arbeit umgesetzt. Je nachdem man nun an einen Motor die Forderung billigen Betriebes oder leichten Gewichtes stellt, -ergeben sich zwei vonunter dem Titel „Ein neuer Explosionsmotor“ erschienen ist. Vgl. auch die „Deutsche Zeitung“ vom 8. März 1903 und die „Reichswehr“ vom 18. März 1903. 2 * 20 Alfred Lechner einander verschiedene konstruktive Durchführungen. Ist die Billigkeit der Betriebskosten verlangt, was bei einem Stabilmotor wohl die Hauptsache ist, so wird sich zur Einspritzung am besten Luft eignen, da bei dieser von einem Preise nicht gesprochen werden kann. Wie ersichtlich, sind die Vorgänge mit jenem eines Explosionsmotors gewöhnlicher Bauart im Anfang gleich und erst nach der Explosion findet der abweichende Vorgang statt, welcher darin besteht, daß in dem Moment, in welchem die Explosion vorüber ist, durch ein gesteuertes Ventil eine solche Menge Luft von niederer Temperatur in den Explosionsraum eingespritzt wird, daß die entstehende Mischtemperatur niedrig genug ist, um eine Wasserkühlung entbehrlich zu machen. Selbstverständlich ist dieser Vorgang nur dann möglich, wenn die Luft vorher durch einen Kompressor auf eine Spannung gebracht wurde, welche größer ist als die Explosionsspannung. Die eingespritzte Luft von niederer Temperatur mischt sich jetzt mit den heißen explodierten Gasen und es tritt ein Wärmeaustausch ein. Gleichzeitig hat auch eine Druckerhöhung stattgefunden, da sich durch die Lufteinspritzung die Gewichtsmenge des Arbeitsmediums vermehrt hat. Die Wärme- mitteilung an die eingespritzte Luft hat aber eine Volums- bzw. Druck Vergrößerung der letzteren zur Folge, welche durch die nun folgende Expansion des Gemisches in äußere Arbeit umgesetzt wird. Die theoretischen Untersuchungen, welche ich als Doktordissertation der k. k. Technischen Hochschule in Wien eingereicht habe, zeigen, daß die auf diese Weise erzielte Mehrleistung sehr bedeutend ist, daß sie nämlich jene der Motoren mit Wasserkühlung rund um das Vierfache übertrifft. Die Abnahme der Explosionstemperatur ist durch Einspritzen von 30 kg Luft pro Stunde und Pferdekraft schon ziemlich beträchtlich und beträgt rund 1200 Grad. Interessant ist ein Vergleich dieses Einspritz-Explosionsmotors mit dem Dieselmotor, welcher derzeit als der vollkommenste aller Motoren angesehen werden kann. Es würde sich diesem gegenüber eine Verbesserung noch um 23 Prozent ergeben. Was die zweite Motortype anlangt, welche sich durch die relative Leichtigkeit auszeichnen soll, so ist vor allem klar, daß sich zu diesem Zwecke vorzugsweise verflüssigte Gase eignen werden, da dieselben im verflüssigten Zustand einen kleinen Raum einnehmen und bei gewöhnlicher Temperatur hohe Expansivkraft besitzen. Ich habe vorzugsweise die flüssige Kohlensäure meinen theoretischen Untersuchungen zugrunde gelegt. Die Berechnungen stellen auch hier eine bedeutende Mehrleistung an Nutzarbeit in Aussicht, was sich leicht erklärt durch die hohe Expansivkraft (rund 45 Atmosphären) der flüssigen Kohlensäure. Die Mehrleistung an Arbeit beträgt rund 400 Prozent. Er leistet also bei demselben Gewicht das Vierfache. Aus diesem Grunde dürfte daher der Kohlensäure-Explosionsmotor geeignet sein, nicht nur eine Umwälzung im Automobilmotorenbau hervorzurufen, sondern auch zur Lösung des Luftschiffproblems, das nach Ansicht von Fachleuten nur mehr eine Motorenfrage genannt werden kann, mit Erfolg beizutragen.“ Dieser Vortrag, den Kaplan am 17. März 1903 im Wiener Ingenieur- und Architekten-Verein gehalten hat, dessen Inhalt durch die Tageszeitungen ,,Die Zeit“ und „Die Reichswehr“ rasch verbreitet wurde, hatte für Kaplan unangenehme Folgen. Er befand sich eben auf Urlaub, als ihm ein Schreiben der Direktion der Viktor Kaplan. 21 Leobersdorfer Fabrik zugestellt wurde, worin die Firma seine Stellung ab 30. Juni 1903 kündigte. Es ist begreiflich, daß eine Firma, welche gerade die Fabrikation des Dieselmotors auf genommen hatte und dessen Güte entsprechend hervorhob, nicht besonders erbaut sein konnte, wenn einer ihrer Ingenieure in einem Vortrag ausführte, daß sein neuer Motor den Dieselmotor um 23% übertreffen werde. Anderseits muß man sich aber auch in die Lage des jungen Ingenieurs versetzen, der, begeistert von seiner Idee, die Worte nicht auf die Waagschale legte und nun plötzlich eine unerwartete Kündigung erhält. Besonders ernst scheint es übrigens die Direktion mit der Kündigung nicht genommen zu haben, denn auf Grund eines bestürzten Schreibens von Kaplan und einer entsprechenden Erklärung von seiner Seite wurde diese Kündigung bald wieder zurückgenommen. Kaplan blieb weiter Ingenieur in Leobersdorf, aber der Vorfall löste bei ihm doch das Streben aus, seine Stellung zu wechseln und an jene Stätte zu gelangen, wo er ungestört seinen Untersuchungen nachgehen könne. Die Motorangelegenheit bedeutete außer einem Stellungswechsel noch einen anderen Wendepunkt in seinem Leben, der hier näher besprochen sei. Wie aus seinen eigenen Ausführungen hervorgeht, hatte Kaplan den Grundgedanken des neuen Motors unter dem Titel: „Theoretische Untersuchungen über die Beeinflussung des thermischen Wirkungsgrades durch Einspritzen von komprimierter Luft, bzw. Kohlensäure in den Explosionsraum eines Explosionsmotors“ als Dissertation an der Wiener Technischen Hochschule eingereicht. Diese Arbeit, welche rein theoretisch gehalten ist, wurde Kaplan mit dem Bedeuten, die Untersuchungen durch Vornahme von Versuchen zu ergänzen, zurückgestellt; wohlgemerkt, nicht abgewiesen, sondern behufs Ergänzung zurückgegeben. Einer neuerlichen Einreichung derselben Arbeit stand nichts im Wege. — Kaplan empfand aber damals diesen Bescheid als große Härte. Später jedoch kennzeichnete er diese Angelegenheit durch folgende Schlagworte: „Der erste Dieselmotor wurde bei Ganz gebaut, 1 große Anregung, theoretische Untersuchungen mit Hilfe der Wärmetheorie angefangen, glaubte, man kann mit Blei und Papier ein neues Gebilde errichten.“... Diese Bemerkung zeigt, daß Kaplan später jedenfalls erkannte, daß rein theoretische Untersuchungen allein nicht ausreichen, um in der Technik eine schöpferische Tat zu vollbringen. In Zukunft verließ er auch den experimentellen Weg nie. Die Versuche über den Motor begann Kaplan in Leobersdorf, sie blieben aber dort unvollendet. Später nahm er sie zwar wieder auf, aber zu einem Abschluß sind diese Versuche mit Rücksicht auf seine Tätigkeit im Turbinenbau nicht gediehen, 2 obwohl Kaplan manchmal geäußert hat: „Wenn ich mit derselben Energie, 1 Gemeint ist der erste Dieselmotor, den die Firma Ganz gebaut hat. Die Notiz erliegt im Archiv in Unterach. 2 Vgl. Zeitsclir. d. üsterr. Ing.- u. Arch.-Ver. 1912, S. 154. — Als Kaplan am 30. Jänner 1912 daselbst einen Vortrag: „Versuche über die Sichtbarmachung der Strömungserscheinungen in den Turbinen“ hielt, richtete in der folgenden Diskussion Ing. Aufriciit an Kaplan die Anfrage, was aus dem Explosionsmotor geworden sei. Kaplan antwortete, daß die vielversprechenden Versuche mit demselben unterbrochen werden mußten und erst nach Beendigung der Turbinenversuche von neuem aufgenommen werden sollen. 22 Alfred Lechner die ich für meine Turbine aufgewendet habe, mich mit dem Motor beschäftigt hätte, würde auch daraus etwas Rechtes entstanden sein.“ Durch den Bescheid über die Dissertation wurde auch die Erlangung des Doktorats hinausgeschoben. Kaplan scheint dadurch in seinem Streben und in seinen Zukunftsplänen bezüglich der akademischen Laufbahn, die er damals schon einzuschlagen gedachte, behindert worden zu sein. In dieser Zeit ist es sein Vater, der ihn aufrichtet. „Überall“, so heißt es in einem Briefe vom 5. Mai 1903, „wird man von Dir eine längere Praxis, eine erfolgreiche berufliche Tätigkeit verlangen, mit dem Doktortitel allein wirst Du nicht weit kommen. Ich rate Dir daher, zuerst eine intensive Berufstätigkeit zu entwickeln, zu trachten, daß Du eventuell im Auslande Deine Kenntnisse erweiterst ; ein junger Mann, der nichts in der Welt mitgemacht, nichts gesehen hat, kann anderen kein Professor sein; denn nur aus dem Heim der Praxis können die technischen Wissenschaften sich weiter entwickeln. Das lebendige Beispiel hast Du doch an B. v. J.; seit ich ihn kenne, aspiriert er Professor zu werden; wann ist er es geworden? Im reifen Mannesalter, bald 50 Jahre alt, konnte er erst eine Professur erreichen. Du glaubst allen schönen Worten, die die Leute gebrauchen, statt den wahren Wert derselben zu erkennen, bist viel zu sehr von Deinen Erfindungen eingenommen, die ja ein schönes Streben bekunden; dabei darf man aber die nackte Wirklichkeit nicht aus dem Auge lassen und muß sich seinem Berufe vollends widmen, weil man von den geträumten Er- finderreichtümern nicht leben kann und sich kein zweiter Hans (Warhanek 1 ) finden wird, der solche im vorhinein eskomptiert; ich rate Dir daher in vollem Ernste, Dich ganz und voll Deinem Berufe, Deiner beruflichen Tätigkeit hinzugeben, dann wird das andere alles kommen.“.. . Es sind treffliche Worte, die der Vater an den Sohn richtet! Und doch ist Viktor seinen eigenen Weg gegangen. Die Motorangelegenheit hat Kaplan den richtigen Weg einschlagen lassen; künftighin beruhen seine Arbeiten auf einer glücklichen Synthese von Theorie und Experiment. „Das andere alles“ ist, wie der Vater sich ausdrückte, sehr bald gekommen. Seit dem Kündigungsvorfall trachtete Kaplan von Leobersdorf fortzukommen. Er richtete an Ämter und Firmen verschiedene Gesuche. Zu seinem Schmerz erhielt er überall vertröstenden aber ablehnenden Bescheid. Was Kaplan damals nicht ermutigend gefunden haben mag, gereichte ihm später zum Glück und Segen! Ein Zufall führte ihn an jene Stätte, wo er seinem Streben, seinen Fähigkeiten nach hingehörte. Ein Zufall war es nämlich, daß gerade in jenen Tagen Professor Donath von der Deutschen Technischen Hochschule in Brünn nach Leobersdorf kam und von dem dortigen Stationsvorstand Lichtenstern auf Kaplan aufmerksam gemacht wurde und daß zufällig die Stelle eines Konstrukteurs bei der Lehrkanzel Professor Alfred Musil an der Brünner Hochschule zur Besetzung gelangen sollte. Gleichzeitig bot sich Kaplan auch die Möglichkeit, bei Professor Bauer an der Bergakademie in Leoben eine Konstrukteurstelle zu erhalten. Er zog aber Brünn vor und trat dort am 31. Oktober 1903 seinen Dienst als Konstrukteur an. 1 Hans Warhanek, ein Vetter Kaplans, unterstützte seinerzeit die Motorangelegenheit geldlich. Viktor Kaplan. 23 III. Kaplans Tätigkeit in Brünn während der Jahre 1903 bis 1913. Professor Musil. Neukonstruktion der Francisschaufeln. Wissenschaftliche Arbeiten. Storek. Laboratorium. Versuche. Doktorat. Verheiratung. Privatdozent. Erfindung der Turbine. Erste Patente. Ernennung zum Professor. Der neue Chef, Professor Musil (1846 bis 1924), hatte seine Ausbildung an der Grazer Technischen Hochschule erhalten, war einige Zeit Assistent bei der Lehrkanzel für Maschinenbau an der Technischen Hochschule in Wien, wurde später, nachdem er längere Zeit als Ingenieur in der Praxis tätig gewesen war, Direktor der Fachschule für Maschinenbau in Steyr und erhielt 1890 die Berufung als ordentlicher Professor für Maschinenlehre, Kinematik und Maschinenkunde an die Deutsche Technische Hochschule in Brünn. Musil war der richtige Chef für Kaplan. Voll Verständnis für die zielbewußten Pläne seines Konstrukteurs, 1 ebnete er diesem die Wege der akademischen Laufbahn und förderte dessen Bestrebungen nach Errichtung eines Turbinenlaboratoriums. Kurze Zeit nach seinem Dienstantritt als Konstrukteur erhielt Kaplan auch den Auftrag, Vorlesungen über Maschinenkunde abzuhalten. Der 1905 in der Zeitschrift für die gesamte Kohlensäureindustrie erschienenen Abhandlung „Über die Verwendungsmöglichkeit von hochgespannten, bzw. verflüssigten Gasen im Wärmemotorenbetriebe“ folgen nun in rascher Aufeinanderfolge Arbeiten über Konstruktionen von Francisturbinenschaufeln, die durchgehends in der Zeitschrift für das gesamte Turbinen wesen erschienen sind. Die Titel dieser Arbeiten seien hier angeführt. „Ein neues Verfahren zur Berechnung und Konstruktion der Francisturbinenschaufel.“ 1905. Heft 8 u. 9. S. 113 u. 129. „Theoretische Untersuchungen und deren praktische Verwertung zur Bestimmung rationeller Schaufelformen für Schnelläufer.“ 1906. Heft 1 bis 17. S. 2, 25ff. „Über die rationelle Ausbildung der Laufradbegrenzung von Schnelläufern.“ 1907. Heft 15. S. 234. Zeigen diese Arbeiten von dem Streben Kaplans, den Entwurf der Schaufelfläche nach wissenschaftlichen Methoden zu verbessern, so beweisen die beiden folgenden Arbeiten: „Bemerkungen über die praktische Verwendbarkeit der Lorenzschen Turbinentheorie und Vorschläge zur Klarstellung der Wasserbewegung in Kreiselrädern“, Zeitschr. f. d. ges. Turbinenwesen 1907, Heft 5, S. 69, und „Nachweis der Richtigkeit der derzeit gebräuchlichen Turbinentheorien auf Grund von Bremsproben an ausgeführten Turbinenanlagen“, ebenda 1907, Heft 12, 13, S. 189 u. 205, das rege Interesse Kaplans an den Arbeiten anderer Forscher, welche sein eigenes Arbeitsgebiet betreffen. Dieses Streben, sich auf allen Gebieten des Turbinenbaues auf dem laufenden zu halten, gibt sich auch in den kleinen Abhandlungen bekannt, die Kaplan ebenfalls in der Zeitschrift für das gesamte Turbinenwesen veröffentlichte. 2 Durch 1 Vgl. Zeitschr. d. österr. Ing.- u. Arcli.-Ver. Jalirg. 1912, S. 257. 2 Es sind dies die folgenden Berichte: „Die Wasserkraftanlage der Gesellschaft El Porrenir de Burgos“, 1907, S. 126. — „Hydroelektrisches Kraftwerk S6chilienne sur 24 Alfred Lechn er diese literarischen Arbeiten und durch Vorträge, welche Kaplan im Ingenieur- und Architekten-Verein und im Elektrotechnischen Verein in Wien (1905) gehalten hat, wurde bereits die Aufmerksamkeit der Fachwelt auf den jungen Ingenieur gelenkt. Es erfolgte seine Wahl zum ständigen Mitarbeiter der „Zeitschrift für das gesamte Turbinen wesen“, der „Fördertechnik“, der „Zeitschrift für Mühlen- und Speicherbau“, der „Zeitschrift für den Bagger-, Kran- und Kleinbahnbetrieb“ sowie der Zeitschrift „Das Hobel- und Sägewerk“. Im Jahre 1908 erschien bei Oldenbourg in München Kaplans erstes großes Werk: „Bau rationeller Francisturbinenlaufräder“, welches auf Grund seiner früheren Veröffentlichungen entstanden ist. Wenn später noch verschiedene andere Förderer Kaplans zu nennen sein werden, so verdient als erster R. Oldenbourg in München hervorgehoben zu werden. Dieses Buch reichte Kaplan als Dissertation an der Wiener Technischen Hochschule ein. Hauptreferent für diese Arbeit war der Professor für Wasserkraftmaschinen Artur Budau. Budau zeigte damals seinen Hörern dieses Werk mit den Worten: „Dieses Buch hat ein dreißigjähriger Ingenieur geschrieben; aus dem wird noch etwas werden.“ —• Wie die Zukunft bewies, hat Budau damals richtig prophezeit. Das genannte Werk ist, wie aus den verschiedenen Buchbesprechungen hervorgeht, überall mit Beifall auf genommen worden. * 1 Im Sommer des Jahres 1908 unternahm Kaplan eine Nordlandreise auf dem Schiffe „Thalia“ und lernte auf dieser Seefahrt seine spätere Frau, Fräulein Margarethe Strasser — eine Nichte Professors v. Radinger — kennen. Ihr widmete er sein früher genanntes Werk mit folgenden Worten: „Sinnend oft saß ich an Baches Rand Und horchte der murmelnden Laute. Und als ich die Sprache des Bächleins verstand — Die Weisheit der Schöpfung mit Ehrfurcht empfand — Da gieng ich — und schrieb, was ich schaute.“ Das Jahr 1909 brachte Kaplan viele Freuden und bildete einen neuerlichen Wendepunkt auf seiner Lebensbahn. Zunächst fand im Frühjahr 1909 seine Promotion zum Doktor der technischen Wissenschaften an der Technischen Hochschule in Wien statt; hierauf erfolgte seine Habilitation für Wasserkraftmaschinen an der Deutschen Technischen Hochschule in Brünn und seine Ernennung zum Adjunkten an dieser Hochschule. Am 18. Juli 1909 verehelichte sich Kaplan mit Margarethe Strasser, die ihm in allen Lebenslagen eine treue, aufopferungsvolle Gattin blieb und ihm zwei Töchter, Grete und Traudl schenkte. la Romanclie“, 1907, S. 139. — „Die Wasserkraftanlage St. Wolfgang“, 1907, S. 172. — „Die Turbinenanlage der mechanischen Weberei in Chotzen“, 1907, S. 298. — „Das Elektrizitätswerk Carrion de los Condes“, 1907, S. 323. — „Die Turbinenanlage des Elektrizitätswerkes Creuztal“, 1907, S. 339. 1 Vgl. z. B. Zeitschr. d. Österr. Ing.- u. Arch.-Ver. 1909; „Die Turbine“, 20. April 1908; Schweiz. Maschinenbauzeitung, 2. April 1908 usw. Viktor Kaplan. 25 Ab 1909 tritt ein Stillstand in der Publikationstätigkeit Kaplans ein. Der Grund hierfür ist in dem eifrigen Bemühen Kaplans gelegen, ein Laboratorium für Infi*'*: äp^-y- Stb ■a4f'- fcT ■*. V” ' **x.. ■«STjv >< *?• ?-c.\rv- ^ MC% • -.H ; V ' ’ ■ «C» - Abb. 6. In einem kühlen Grunde. Wasserturbinen an der Deutschen Technischen Hochschule in Brünn zu errichten. Diese Arbeiten haben ihn ganz in Anspruch genommen. Ingenieur Edwin Storek in Brünn hatte die Liebenswürdigkeit, hierüber folgende Notiz zur Verfügung zu 26 Alfred Lechner stellen: „Man hat viel geschrieben und wird noch manches schreiben über den leider zu bald verschiedenen Erfinder, aber kaum viel, was sein Innerstes erkennen lassen wird. Und dazu will ich beitragen. — Wie ich ihn näher kennenlernte? Ich als Hörer, er als Konstrukteur an der Deutschen Technischen Hochschule in Brünn. — Ich zeichnete im Maschinenzeichnen eine Puchautokupplung nach. , Lassen’s das, Abb. 7. Margarethe Kaplan, Gattin Prof. Kaplans. das ist kein Maschinenbau, das da gehört zu den Nähmaschinen/ Dies war die Einleitung zu einer Debatte, aus welcher im Laufe eines halben Jahres feste Formen für den Bau einer kleinen primitiven Versuchseinrichtung für Wasserturbinen entstanden. Diese ursprüngliche Idee Kaplans war bahnbrechend für die Weiterentwicklung. Kaplan wußte mich so für seine Gedankengänge zu begeistern, daß ich sein erster Jünger wurde. Wie oft und mit wie vielfältigen Gründen mußte der ,Herr Konstrukteur 4 im Rektorate und beim Professorenkollegium vorstellig werden, ehe ihm die Räume für dieses Laboratorium, Kellerräume, zur Verfügung gestellt wurden . 1 1 Es verdient aber auch die Unterstützung durch Professor Musil hervorgehoben zu werden. Viktor Kaplan. 27 Schon das Ausfindigmachen der Räume und ihr Erlangen allein können als Beweis dafür dienen, daß Kaplan von seiner Idee, im Wasserturbinenbau etwas Großes zu schaffen, voll und ganz besessen war. Nun kamen die technischen Schätzungen, Überlegungen, wie klein kann die Anlage sein, damit sie noch brauchbare Meßwerte ergeben kann, wie niedrig das Gefälle, wie soll so ein Maschinchen gebremst, wie Gefälle und Wassermenge gemessen werden und dergleichen mehr. Ich weiß nicht, wie lange der damals ganz jung verheiratete Forscher über jedes dieser Probleme nachdachte, wieweit seine junge Frau darunter zu leiden hatte; mir schien es aber, daß er die Dimensionen seines Laboratoriums, die, wie sich später zeigte, brauchbar waren, mit schlafwandlerischer Sicherheit getroffen hat. Nun der Bau des Francislaufrades von 185 mm Durchmesser. Das sollte nicht nur richtig in den Formen und Abmessungen sein, sondern mußte bei geringen Anschaffungskosten auch halten. Die Herstellung der kleinen Gesenke für die Schaufeln, die Verbindungen der Schaufeln zum Rade, die Festigkeitsproben und viele andere Probleme, die auftauchten und immer wieder gelöst werden mußten, beanspruchten das Genie in jeder Weise. Kaplan machte außerdem noch Vorversuche. Jeder Wasserauslaß, auch die Badewanne, während er sie benutzte, waren ihm Laboratorium. Bei diesen Gelegenheiten schuf er seinen dem Clement THENARDschen Phänomen entsprechenden Krümmer. Nun hieß es noch Glassaugrohre, Pumpen und Gefäße zu beschaffen, und als all dies richtig zusammengebaut worden war, war die Generalprobe. Die Pumpen sangen, die Wasserleitung rauschte, das Oberwasserreservoir war vollgelaufen und nun hieß es: Wasser zur Turbine! Kaplan stand am Hebel, um den Kegel des Ablasses zu heben, es ging nicht, wie er auch zog und drückte. Als ich zu Hilfe gerufen wurde, ging es zu viel, bald schwamm der ganze Keller, ich stand bis zu den Knöcheln im Wasser, während er unbekümmert auf das Oberwasserreservoir geklettert war und gebannt das Drehen der Turbine und das Strömen des zu- und ablaufenden Wassers verfolgte.“... Im Jahre 1910 erschien in den Mitteilungen des Deutschen Ingenieur-Vereines in Mähren eine Arbeit Kaplans: „Über den gegenwärtigen Stand der Theorie und Praxis des Wasserturbinenbaues“, und im Jahre 1911 eine ähnliche Arbeit, betitelt: „Die Entwicklung der Theorie und des Baues der Wasserkraftmaschinen“ im Mühlen- und Speicherbau (S. 205). Über den Inhalt dieser Arbeiten sei hier mit Rücksicht auf die spätere Würdigung der Kaplanturbine einiges berichtet, sagt doch Kaplan in der letztgenannten Arbeit wörtlich: „Es erscheint daher zweckmäßig, den gegenwärtigen Stand der Wasserkraftausnutzung zu beleuchten und durch einen kurzen Rückblick auf die bisherigen Erfolge die vermutliche Weiterentwicklung dieses mächtig aufstrebenden Industriezweiges zu entwerfen.“ Schon aus diesem Grunde sind jene Arbeiten interessant. Kaplan geht von der Betrachtung des Wasserrades aus, dem er vollkommen gerecht wird. Trotz aller Wasserturbinen wird das bescheidene Wasserrad wegen seiner Billigkeit erhalten bleiben. Aber größere Energiemengen können praktisch wegen der damit verbundenen Abnahme der Drehzahlen nicht gewonnen werden. Der Antrieb der neuzeitlichen Arbeitsmaschinen erfordert jedoch hohe Drehzahlen, was beim Wasser- 28 Alfred Lechner rad nur durch Einschaltung von Übersetzungsgetrieben erreicht werden konnte, wodurch aber der Wirkungsgrad verringert wird. Kaplan erwähnt dann einiges aus der Geschichte der Wasserturbinen, das Auftreten der Fourneyron-Turbine, welcher im Jahre 1839 die axiale Henschel- Jonval-Turbine folgte. Die Wellen dieser Turbinen waren meist vertikal, daher konnten Transmissionswellen erst durch Einbau von konischen Rädern angetrieben werden, wodurch gleichfalls die Kosten der Anlage verteuert und der Wirkungsgrad vermindert wurde. Durch die Elektrotechnische Ausstellung in Frankfurt am Main • im Jahre 1891 erhielt der Wasserturbinenbau einen neuen Impuls. Hier wurde zum ersten Male, dank der Initiative Oskar v. Millers, der in Lauffen am Neckar durch eine Wasserturbine erzeugte Drehstrom vermittels einer 175 km langen Fernleitung nach Frankfurt am Main übertragen. Die Verwertung der Wasserkraft zur Erzeugung elektrischer Energie war mit der Forderung hoher Umlaufzahlen verbunden. Hierfür waren aber die Jonval- und Girard - Turbinen mit ihren geringen Drehzahlen nicht geeignet, weil sie den Einbau von teuren Transmissionen erforderten. Zwischen der Leistung L, dem Kraftmomente M und der Drehgeschwindigkeit (o besteht folgende Beziehung: L = M . co. Um also eine bestimmte Leistung zu erhalten, kann man ein großes Moment und eine kleine Drehgeschwindigkeit oder ein kleines Moment und eine große Drehgeschwindigkeit verwenden. Ein kleines Kraftmoment bedeutet aber auch kleine Abmessungen der Kraftmaschine, daher verbilligt ein schnellaufender Generator die Kosten. Die vorhin genannten Turbinen wurden durch die Francisturbine 1 und das Peltonrad verdrängt. Die Francisturbine ist eine von außen beaufschlagte Radialturbine mit annähernd axialem Wasseraustritt, deren Laufrad die Anbringung eines Saugrohres gestattet. Das Laufrad (Abb. 22) besteht aus einer Anzahl räumlich gekrümmter Zellen, welche durch die Schaufeln und Rad Wandungen begrenzt sind. In Amerika wurden die Schaufeln und Laufradformen der Francisturbine rein empirisch gewonnen, während man in deutschen Landen die Theorie mächtig ent- 1 Über die Geschichte dieser Turbine, welche in Deutschland bereits in der Redtex- BACHER-Turbine ihren Vorläufer hatte, vgl. die Arbeit von R. Reindl: „Entwicklung der Wasserkraftnutzung und Verwertung der Wasserkräfte“, Wasserkraftjahrbuch 1924. Abb. 8. Ignaz Storek (1862—1918). Viktor Kaplan. 29 X.. wickelte und Konstruktionen schuf, die dann von Amerika wieder übernommen worden sind. In der Schrift 1 „Versuche über das Sicht barmachen der Wasserströmung in den Turbinen und dessen Verwertung in der wissenschaftlichen Forschung“ hebt Kaplan ausdrücklich die Notwendigkeit des wissenschaftlichen Versuches bei Klarlegung der Strömungsvorgänge hervor. In jener Arbeit gibt Kaplan auch eine Beschreibung des nach seinen Angaben bei der Lehrkanzel für Maschinenlehre und Maschinenbau errichteten Turbinenlaboratoriums. Dieses soll einerseits für Unterrichtszwecke, anderseits auch der Forschung dienen. Die Versuchsturbine lieferte die Firma Storek, deren Chef Ignaz Storek immer ein warmer Förderer Kaplans gewesen ist. Die gläsernen Saugrohre spendete die Firma Reich in Gaya und die Pumpen wurden von der Brünn-Königsfelder Maschinenfabrik zur Verfügung gestellt. Dieses Laboratorium war in einem Keller des Neubaues der Hochschule untergebracht. Kaplan war das Vorhandensein ausgezeichneter Laboratorien bei Turbinenfabriken wohl- bekannt. „Leider“ — so berichtet er in dem Aufsatz im „Mühlen- und Speicherbau“ — „dringen deren Ergebnisse fast nie an die Öffentlichkeit — aus begreiflichen Gründen —, doch wird dadurch die Möglichkeit wissenschaftlichen Forschern sehr erschwert. Schon aus diesem Grunde wäre es von größtem Wert, durch weitestgehende Ausbildung hydraulischer Laboratorien an den technischen Hochschulen klärend zu wirken, denn die gefundenen Ergebnisse kämen nicht nur der Wissenschaft, sondern auch dem Wohle des Staates zugute.“ Wenn also auch anderswo in Turbinenfabriken und Hochschulen größere und weitaus besser eingerichtete Laboratorien vorhanden waren, so wurde doch in der bescheidenen Versuchsanstalt der Deutschen Technischen Hochschule in Brünn der Grund zu der schnelläufigen Flügelradturbine gelegt, und daß diese in dem kleinen Laboratorium mit so einfachen Mitteln ausgebildet wurde, gibt Zeugnis von der schöpferischen Kraft Kaplans. Im nachfolgenden sei eine kurze Beschreibung der Einrichtung des ursprünglichen Laboratoriums gegeben (vgl. Abb. 9). -1- r — f-i—! : p LS ! ja : t rfi - —-ff;! I ; j ; ^ 1 j l:: Abb. 9. Turbinenlaboratorium an der Deutschen Technischen Hochschule in Brünn. „Mitteilungen des k. k. teclin. Versuchsamtes, Wien, I. Jahrg. 1912, 2. u. 3. Heft. 30 Alfred Lechner Aus einem Hochbehälter strömt das Wasser in den Oberwasserkasten, von hier durch das Leit- und Laufrad und durch das Saugrohr in den Unterwasserkasten. Es ist dann die Möglichkeit geboten, das Wasser entweder in ein Meßgefäß oder in den Ansaugbehälter fließen zu lassen, von wo es durch Kreiselpumpen in den Hochbehälter zurückbefördert wird. Abb. 10 zeigt die Turbine mit dem gläsernen Saugrohr. Durch dieses gläserne Saugrohr war es erstmalig ermöglicht worden, die Strömungsvorgänge im Saugrohr sichtbar zu machen und daraus Schlüsse auf die Brauchbarkeit des Laufrades zu ziehen. Kaplan brachte nämlich eine an einem U-förmigen Draht befestigte Hanf- fahne in das mit strömender Flüssigkeit erfüllte Saugrohr (Abb. 11). Erfolgt die Strömung aus dem Laufrad „wirbelfrei“, dann stellen sich die Fahnen parallel. Verläuft dagegen die Strömung wirbelnd, so werden die Fäden vom Wasserwirbel erfaßt. Wirbel bedeuten aber Energieverluste; ein solches Laufrad muß demnach einen geringeren Wirkungsgrad auf weisen als jenes, bei welchem der Austritt des Wassers wirbelfrei erfolgt. Es hört sich diese Beschreibung recht einfach an, aber wievieler Versuche hat es bedurft, um endlich das brauchbare Mittel der Hanffäden zu finden. Über die verschiedenen ausgeführten Versuche vergleiche man Kaplans eigene Mitteilungen. 1 Diese Versuche waren aber auch von theoretischen Erwägungen begleitet. Schon in der obgenannten Schrift bespricht Kaplan ein Laufrad, welches von ihm nach einer neuen Theorie entworfen worden sei und welches einen Wirkungsgrad von 80% besitze. Diese neue Theorie trägt dem Vorhandensein der Reibung bei der zweidimensionalen Strömung wesentlich Rechnung. Da die analytische Behandlung sich zu verwickelt gestaltet, so wendet Kaplan graphische Näherungs verfahren an. Jedenfalls sind seine Methoden besser als nichts. Die sogenannte „Theorie“ ist ihm nicht Selbstzweck, sondern soll Anhaltspunkte für die Konstruktion liefern, deren Richtigkeit der Versuch bestätigt oder verneint. Diesem Streben Kaplans, auf Grund von theoretischen Überlegungen Anhaltspunkte zur Konstruktion von Laufrädern zu gewinnen, sind die Arbeiten über Reibungswiderstände in Zellen, über Energieverluste in Düsen und Saugrohren (Zeitschr. f. d. ges. 1 „Einrichtung und Versuchsergebnisse des Turbinenlaboratoriums an der Deutschen Technischen Hochschule in Brünn.“ Zeitschr. d. Österr. Ing.-u. Arch. -Ver. 1912, S. 257; ferner „Mitteilungen“ des k. k. techn. Versuchsamtes in Wien, 1912. Abb. 10. Versuchsturbine mit gläsernem Saugrohr. Viktor Kaplan. 31 Turbinenwesen 1912, S. 83) sowie die Untersuchungen über die Gesetze der Flüssigkeitsströmung bei Berücksichtigung der Flüssigkeits- und Wandreibung unter Zuhilfenahme der Analogie zwischen den Bewegungsgleichungen zäher Flüssigkeiten und den Gleichungen der Wärmeleitung (Zeitschr. d. Yer. dtsch. Ing. 1912, S. 1578) und dann die besonders wichtige und interessante Schrift „Die zweidimensionale Turbinentheorie mit Berücksichtigung der Wasserreibung und deren Anwendung und Ergebnisse bei Schaufelkonstruktionen“ (Zeitschr. f. d. ges. Turbinenwesen 1912, Heft 34 bis 36) zuzuschreiben. Wer diese Arbeiten aufmerksam liest, der kommt zur Überzeugung, daß Kaplan diese Untersuchungen zu einem bestimmten Zweck ausgeführt hat. Diesen gibt er auch in der letztgenannten Arbeit vom Jahre 1912 ausdrücklich an. Will man den Wirkungsgrad der Turbine erhöhen, höhere Schnelläufigkeit erzielen, so nehme man wenig und sanftgekrümmte Schaufeln. Nach Studium dieser Arbeiten sind die folgenden Patentanmeldungen ohne weiteres verständlich. Am 28. Dezember 1912 reichte Kaplan beim österreichischen Patentamt die „Kreiselmaschine I“ mit radialem Leitrad und vorwiegend axial durchflossenem Laufrad (österr. Patent Nr. 74388) ein, dem am 19. September 1913 die „Kreiselmaschine II“ mit weitem schaufellosem Raum zwischen dem vorwiegend radialen Leitrad und dem vorwiegend axialen Laufrad (österr. Patent Nr. 86511) folgte und der bereits am 7. August 1913 die Anmeldung über die „Regulierung I Hauptpatent“, d. i. die Kreiselmaschine mit drehbaren Laufradschaufeln, (österr. Patent Nr. 74244) vorausgegangen war. Wenn man ferner berücksichtigt, daß am 6. Oktober 1913 auch die Anmeldung „Laufrad I, Hauptpatent“ erfolgte, welche das Laufrad ohne Zellen betrifft, wobei die Profillänge kürzer als die zugehörige Schaufelteilung ist (österr. Patent Nr. 73820), so ist der Schluß gerechtfertigt, daß Kaplan bereits im Jahre 1912 zu seiner Erfindung gelangt war. Wir werden hören, warum die Welt erst viel später von dem eigentlichen Wesen der Erfindung erfuhr. Kaplan hatte also im Jahre 1910 ein Laboratorium erhalten und konnte nun seinen Forschungen nachgehen. Sobald es seine dienstliche Inanspruchnahme zuließ, verschwand er im Laboratorium und probierte seine ersonnenen Laufräder aus. War schon das Licht in allen Stockwerken des Hochschulgebäudes erloschen, so konnte man noch spät abends die erleuchteten Kellerräume wahrnehmen und das Rauschen des Wassers und das Arbeiten der Pumpen daselbst von der Straße aus vernehmen. Daß der dauernde Aufenthalt Kaplans in diesen feuchten Kellerräumen seinem Gesundheitszustand nicht förderlich war, kann wohl nicht bestritten werden. Kehrte er dann nachts heim, so finden wir ihn nach einem flüchtig eingenommenen Abb. 11. Gläserne Saugrohre. Versuche mit Hanffahnen. p 32 Alfred Lechner I Abendessen wieder an seinem Schreibtisch sitzen und bis in die tiefe Nacht hinein seinen hydraulischen Problemen hingegeben. Bei dieser anstrengenden Tätigkeit war ein längerer Schlaf eine Notwendigkeit, der zufolge Kaplan in der Früh auch gerade noch zur rechten Zeit ins Kolleg eilte. Diesen Umstand hat auch sein Vater ganz richtig vorausgesehen; denn in einem humorvoll gehaltenen Brief aus dieser Zeit findet sich folgende Stelle: ,,Ich fürchte nur, daß Du den Wecker nicht hören und öfter das Kollegium, bzw. die Vorlesungen versäumen wirst; da könntest Du den Wecker mit einer Maschine in Verbindung setzen, die Dich zur angegebenen Zeit fest rüttelt, eventuell aus dem Bette hebt, so eine Kranvorrichtung ließe sich gewiß konstruieren.“ Jeder akademische Lehrer hat das Bestreben, der akademischen Jugend die Ergebnisse seiner Arbeit mitzuteilen und es ist daher selbstverständlich, daß Kaplan seine Hörer mit seinen Forschungen vertraut gemacht hat. Über seine Vorlesungstätigkeit berichtet einer seiner ehemaligen Hörer, Ing. Karl Knirsch 1 in Hohenau, folgendes: ,,Dr. Kaplan trug seinerzeit, es war im Studienjahr 1912/13, schon seine Vorlesungen über Wasserturbinen vor und hatte einen sehr guten Ruf unter der gesamten Hörerschaft, um so mehr, da er seine Vorträge sehr interessant gestaltete und stets von seiner Theorie schon uns jüngeren Hörern Mitteilung machte, wie er in seinem Versuchslaboratorium an seiner konstruierten Wasserturbine neue, ganz unbekannte Wege der Wasserströmung durch Färbung des hindurchströmenden Wassers festgestellt hat, worüber er oft selbst mit freudestrahlendem Antlitz uns wie ein leuchtender Stern am wissenschaftlichen Firmament vorkam. Daß es uns Jungen gegönnt war, mit einer so hervorragenden Kapazität zusammenzukommen, war unsere größte Freude. In seinem echt wienerischen Dialekt hielt er uns seine Vorträge über das bisher Gefundene und erläuterte uns seine Theorie, was wir leider zu jener Zeit noch nicht ganz erfassen konnten, denn unser Verständnis war noch nicht so weit wissenschaftlich gedrillt, um all das auffassen zu können, was uns Dr. Kaplan so aus dem Stegreif über seine Turbine erzählte. Seine Vorlesungen waren gegenüber jenen anderer Professoren stets sehr gut besucht. Ab und zu kam es auch vor, daß zur angesagten Vorlesungsstunde unser lieber Doktor nicht erschien und wir auf ihn sehr lange warten mußten. Plötzlich raste er zur Türe herein wie der fliegende Holländer und entschuldigte sich mit folgenden Worten: ,Es war gerade wieder eine strenge Untersuchung an meiner Wasserturbine und in meine Arbeit ganz vertieft, vergaß ich, daß heute Vorlesung sei.‘“ Die akademische Jugend hat über die Güte ihrer Lehrer immer eine ganz richtige Empfindung und hat auch mit ihrem LVteil über Kaplan recht behalten. — Schulfuchserei und Pedanterie waren Kaplan fremd. Aber nicht nur bei der studierenden Jugend, auch bei dem gesamten Lehrkörper der Deutschen Technischen Hochschule in Brünn erfreute sich Kaplan der uneingeschränkten Wertschätzung und Sympathie. Der Name des Privatdozenten Kaplan stand damals schon in der Gelehrtenwelt und in der Industrie in hohem Ansehen. Ein Beweis dafür ist das Berufungsschreiben der Technischen Hochschule Dieser Bericht wurde von Hofrat Ing. F. Osswald zur Verfügung gestellt. Viktor Kaplan. 33 in Aachen im Jahre 1912 und seine Ernennung zum außerordentlichen Professor ad personam für Maschinenbau mit besonderer Berücksichtigung der Wasserturbinen am 20. Dezember 1913 an der Deutschen Technischen Hochschule in Brünn, durch welche Ernennung es der österreichischen Unterrichts Verwaltung gelungen war, Kaplan für Österreich zu erhalten. 1 Nun hatte Kaplan sein Ziel erreicht. In gesicherter Lebensstellung, befreit von finanziellen Nöten und von einer sorgenden, sein Wesen verstehenden Gattin betreut, konnte Kaplan sich ganz seinen wissenschaftlichen Forschungen widmen. IV. Die Zeit der Kämpfe, Erfolge und Rückschläge. Vorträge. Verhandlungen mit Firmen. Vortrag im Ingenieur- und Arcliitekten-Verein. Allgemeines über Kaplans Laufräder. Vorteile seiner Turbine. Weitere Veröffentlichungen. Die Turbine in Velm. Professor Budau. Rochuspoint. Kavitation. Schwere Erkrankung. Allmähliche Erholung. Großkraftwerke. In der Zeit von 1913 bis 1916 sind außer einem Bericht über eine Studienreise (vgl. Zeitschr. d. Österr. Ing.- u. Arch. -Vereins 1913, S.219 und Wasserwirtschaft 1913, S. 53) und einem Bericht über einen im Deutschen Ingenieur-Verein in Brünn gehaltenen Vortrag, betitelt „Neuerungen im Wasserkraftmaschinenbau“, keine Veröffentlichungen von Kaplan erschienen. Überhaupt ist Kaplan, wenn man von dem Vortragszyklus über „Das Maschinenzeitalter“, welchen er in den volkstümlichen Hochschulkursen im Studienjahr 1913/14 in Brünn gehalten hat, absieht, bis zum Jahre 1917 in der Öffentlichkeit nicht hervorgetreten. Seine Tätigkeit war ganz der Vornahme von Versuchen im Laboratorium und der Ausarbeitung seiner Patentschriften gewidmet; auch nahm ihn der Schriftwechsel mit den Firmen behufs Verwertung seiner Erfindung stark in Anspruch. Am 16. Mai 1913 verständigte Kaplan 2 verschiedene Turbinenfirmen brieflich, daß es ihm gelungen sei, mit neuen Laufrädern spezifische Drehzahlen und Wirkungsgrade zu erhalten, welche die bisher erreichten Werte weit übertreffen, und lud die Firmen zum Besuch und zur Erwerbung seiner Erfindung ein. Dieser Einladung wurde auch entsprochen. Aus den darüber vorliegenden Veröffentlichungen, 3 sowohl von seiten Kaplans als auch von seiten der Firmenvertreter, ist zu entnehmen, daß die Vorführungen und Bremsungen im Brünner Laboratorium tatsächlich die von Kaplan angegebenen hohen spezifischen Drehzahlen und Wirkungsgrade ergeben hatten. Aber wir lesen daselbst auch, daß die Firmenvertreter den Optimismus Kaplans auf Grund dieser Versuche, mit Rücksicht auf die Gefällshöhe von nur 60 cm und den Laufraddurchmesser von 10 cm, vor allem aber weil das Laufrad der Turbine ganz verdeckt war, noch nicht zu teilen vermochten. 1 Seine Ernennung zum ordentlichen Professor erfolgte im Mai 1918. 2 Vgl. Die Wasserwirtschaft, 1917, S. 365. 3 Vgl. Die Wasserwirtschaft, 1917, S. 147 u. 365. Geschichte der Technik, 3. H. 3 34 Alfred Lechner Versuchen wir uns die Standpunkte beider Partner verständlich zu machen. Kaplan hätte zwei Möglichkeiten gehabt, mit seiner Erfindung hervorzutreten. Er hätte die Ergebnisse seiner Untersuchungen in einer wissenschaftlichen Zeitschrift oder in Buchform veröffentlichen und die Verwertung seiner mühevollen Arbeit kostenlos anderen überlassen können. Er wäre dabei ebenfalls zu hohem Ansehen gelangt, aber man kann überzeugt sein, ein „Federkrieg“ wäre ihm nicht erspart geblieben. Es hätte gewiß auch nicht an Stimmen gefehlt, die an diesen theoretischen Ausführungen Mängel entdeckt und die „neue Turbine“ als eine „Utopie“ mit ein paar Federstrichen abgetan hätten, wie es ja auch, obwohl Kaplan einen anderen Weg eingeschlagen hat, tatsächlich geschehen ist. Die zweite Möglichkeit bestand darin, daß Kaplan über seine Turbine nichts veröffentlichte, sondern bestrebt war, mit der Industrie Fühlung zu nehmen und diese für die Verwertung seiner Erfindung zu gewinnen trachtete. Daß es ihm gelungen ist, sich auch in dem folgenden Kampf um die Verwertung seiner Erfindung zu behaupten, beweist, daß Kaplan auch über die Fähigkeit des „Sichdurchsetzens“ verfügte, eine Eigenschaft, die manchem Erfinder leider fehlt und deren Mangel als eine der Hauptursachen des Erfinderelends anzusehen ist. Kaplan gehörte der Gelehrten weit an, reines wissenschaftliches Streben zeichnete seine Arbeit bis dahin aus. Ganz allmählich kam er auf Grund seiner wissenschaftlichen Überlegungen zu einer neuen Turbine mit hoher spezifischer Drehzahl 1 und hohem Wirkungsgrad. Durchdrungen von der Richtigkeit seiner Ideen, mit kühnem Forscherblick manches als richtig erkennend, wofür der exakte Beweis noch ausstand, von reinstem Optimismus bezüglich seiner Konstruktion beseelt, mußte er bei seiner Handlungsweise mit jener Welt in Widerstreit geraten, die eine Erfindung nicht nach bloßen Ideen, sondern nur nach wirtschaftlichen, Erfolg versprechenden Tatsachen wertet und auch nur nach diesen werten darf. Ein großes Industrieunternehmen, das tausende Arbeiter versorgt, das notwendigerweise bei dem heißen Konkurrenzkampf bestrebt sein muß, seine Position durch Lieferung von gediegener Ware zu behaupten, sträubt sich natürlich, eine Erfindung, auch wenn sie wissenschaftlich begründet ist, ohne praktische Erprobung einzuführen und anzubieten. Diese beiden grundsätzlich verschieden eingestellten Welten mußten zunächst aneinanderprallen. Auf der einen Seite der vorwärtsdrängende, von der Güte seiner Erfindung ehrlich überzeugte Erfinder, auf der anderen Seite die nüchtern urteilende, alles genau überlegende Großindustrie. Das Zögern derselben, die Vereinigung mehrerer Firmen zu einem Syndikat, die Kenntnis des widrigen Schicksals mancher Erfinder hatten Kaplan mißtrauisch werden lassen. Anderseits waren die Patente, wenn auch angemeldet, doch noch nicht erteilt. Wer leistete den Firmen Gewähr, falls sie Verträge in diesem Augenblick abschließen, daß nicht ein Patenteinspruch von fremder Seite erfolge. Nur so ist die Tatsache zu verstehen, daß manche Firmen, welche mit Kaplan in Verbindung 1 Aus der Formel für die spez. Drehzahl n s n \ N , wobei n die Umdrehungszahl II 1 II je Minute, N die Leistung in Pferdestärken und H die Gefällshöhe in Meter bedeuten, ergibt sich, daß n s auch jene Drehzahl angibt, welche die Turbine bei II = 1 m und N = 1 PS hätte. Viktor Kaplan. 35 treten wollten, selbst Einspruch gegen dessen Patentanmeldungen erhoben, 1 um sich zu überzeugen, wie weit die Patentansprüche hieb- und stichfest seien. Solche Einsprüche mußten aber wiederum bei Kaplan die Empfindung auslösen, man wolle seine Erfindung um ihrer Neuheit willen bekämpfen. Und so kam, was kommen mußte, ein Kampf, der Kaplans Energie ganz in Anspruch nahm und seinen Nerven nicht zuträglich gewesen ist. Aus diesem Kampfe um seine Patente — es sei hier vorweggenommen — ist Kaplan als Sieger hervorgegangen; aber seine Gesundheit war der Preis dafür. War Kaplan bis zum Jahre 1913 mit Erfolg auf wissenschaftlichem Gebiete tätig, so sehen wir ihn von hier ab auf patentrechtlichem und geschäftlichem Gebiete notgedrungen eine recht rege Tätigkeit entfalten. Dabei verstand er es ganz meisterhaft, die Feder gegen seine Gegner zu führen. Es sei erwähnt, daß Kaplan bei seinen Schwägern Franz Strasser in Wien und Rat Karl Heilinger, Großindustriellen in Deutsch-Wagram, fachkundige Unterstützung in der Verwertung seiner Patente gefunden hat. Auch des zu Rate gezogenen Rechtsanwaltes Dr. Adolf Gallia sei hier gedacht, welcher, als ein in Patentangelegenheiten erfahrener Jurist, die Bedeutung der Kaplan- turbine richtig erkannt hat. Es ließe sich ein Buch über die Geschichte der Verhandlungen zw ischen Kaplan und den einzelnen Firmen schreiben. Der Vollständigkeit halber sei in dieser Biographie bloß einiges darüber angeführt, ohne aber über das schon im Druck andernorts Veröffentlichte hinauszugehen; 2 denn mehr zu sagen fühlt sich der Verfasser mit Rücksicht auf die private Natur der Sache nicht berechtigt. Zuerst ist J. Singrün, Leiter der Firma Singrün-Freres in Epinal, erschienen. Der Vertrag wurde bei Heilinger entworfen, einige Tage später telegraphisch widerrufen. Dann kamen die schwedische Firma Verkstaden Kristinehamn, vertreten durch Direktor Holm, und die norwegische Firma Jensen og Dahl, schließlich auch die Firmen Briegleb, Hansen & Co. in Gotha, J. M. Voith in St. Pölten-Heidenheim, Escher, Wyss & Cie. A. G. in Zürich und Amme, Giesecke & Konegen A. G. in Braunschweig. Verträge wurden geschlossen und wieder abgeändert; später kam man aber doch gütlich überein. Daß solche Vertragsangelegenheiten nicht immer glatt vor sich gehen und mit Reibungen verbunden sind, ist mit Rücksicht auf das Risiko, das beide Partner auf sich nehmen mußten, ohne weiteres verständlich. Ein Vorfall soll noch erwähnt werden, weil durch ihn das äußerst vorsichtige, zurückhaltende, ja mißtrauische Verhalten Kaplans nachträglich als gerechtfertigt erscheint, und Kaplan selbst über diesen Vorfall sich oft bitter beklagt hat. Kaplan berichtet in dem Aufsatz: „Die Entstehungsgeschichte der neuen amerikanischen Schnelläufer-Turbinen“ 3 ausführlich über den Verlauf der Verhandlungen mit der Firma Allis Chalmers in Milwaukee. Aus diesem Bericht geht klar hervor, daß der Vertreter dieser Firma, Ing. Schmidt, nachdem ihm die KAPLANschen Laufradformen und auch die Versuchsturbine gezeigt worden waren, sich günstig 1 Vgl. Zeitschr. d. österr. Ing.- u. Arch.-Ver. 1917, S. 490 u. 498. 2 Vgl. Kaplax-Lechner: „Theorie und Bau von Turbinen-Sclinelläufern“, Verlag Oldenbourg, 1931, S. 188. 3 Vgl. Wasserkraft, 1921, S. 42. 3 * 36 Alfred Lechner über diese Erfindung äußerte und auch erklärte, daß Allis Chalmers weder derartige Räder hergestellt hat, noch auch ohne Einwilligung Kaplans solche herstellen lassen wird. Dann brach der Weltkrieg aus, der Briefwechsel mit Amerika kam ins Stocken. Wie groß muß daher Kaplans Erstaunen gewesen sein, als er im Mechanical Engineering 1919 eine Veröffentlichung von Forrest Nagler, Ingenieur bei Allis Chalmers, über: „A New Type of Hydraulic Turbine Runner“ vorfand, welcher die Merkmale der KAPLANschen Erfindung auf wies. Professor Budau 1 kann an einen „unfairen“ Vorgang in Ingenieurkreisen nicht glauben und spricht die Vermutung aus, daß Nagler „vielleicht schon vor 10 Jahren und länger Propellerturbinen gebaut habe“. Professor Oesterlen bespricht den Vorfall in der Zeitschrift des Vereines Deutscher Ingenieure, 1921, S. 409, im Artikel „Schnellaufende Wasserturbinen“ ebenfalls. Es wird dort berichtet, daß Nagler 1919 angibt, bereits im Jahre 1913 ein Axiallaufrad geschaffen zu haben, aber erst 1915 zu spezifischen Drehzahlen n s > 450 gelangt sei. Oesterlen kommt dann zu dem Schluß, „daß, selbst wenn in Nordamerika schon 1913 Wasserturbipenlaufräder mit rein axialem Durchfluß versucht worden sind, Professor Kaplan doch sicher zum ersten Male die Laufradform nach Abb. 14 (der Zeitschr. d. Ver. dtsch. Ing., 1921), also mit nur vier Schaufeln und ohne Außenkranz angewandt hat und als deren Erfinder anzusehen ist“. — Es kann nicht Aufgabe der vorliegenden Biographie sein, Untersuchungen über die Priorität der amerikanischen Erfindung anzustellen. Der geschilderte Vorfall bleibt aber jedenfalls merkwürdig, zumal da Nagler auf den Artikel Kaplans in der „Wasserkraft“ (1921, S. 42) nicht geantwortet hat. Wir erwähnen diesen Vorfall nur, um zu zeigen, wie berechtigt das vorsichtige Vorgehen Kaplans war. Der geschilderte Umstand rechtfertigt auch das Zurückhalten jeder näheren wissenschaftlichen und konstruktiven Mitteilung von seiner Seite über die Bauart der neuen Turbine, welche Tatsache ihm oft aus dem wissenschaftlichen Lager zum Vorwurf gemacht worden ist. Die Folge dieser Vorsicht war, daß die Verhandlungen sich — sehr zu seinem Nachteil — in die Länge zogen. In seinem Buche „Theorie und Bau von Turbinenschnelläufern“ berichtet Kaplan schon sehr abgeklärt folgendes (S. 189): „Je mehr sich diese Vertreter von der Stichhältigkeit der Kaplanturbinentheorie überzeugen ließen, um so größeren Widerständen begegnete der Vertragsabschluß, denn dem berechtigten Wunsch, das Laufrad bzw. die Patentanmeldung zu sehen, begegnete ich mit dem nicht minder berechtigten Einwande, daß ich nicht gewillt sei, die technische Neugierde irgendeiner auf dem Gebiete des Schnelläuferbaues führenden Firma zu befriedigen und so ihre Bestrebungen in dem Bau schnellaufender Turbinen kostenlos zu fördern. — So ereignete es sich nicht selten, daß die Vertreter wieder unverrichteter Dinge abzogen, mit der Begründung, daß man die Katze doch nicht im Sack kaufen wolle.“ Kaplan beurteilt also im Jahre 1931 die Stellungnahme der Firmen ganz richtig, aber mit Rücksicht auf die seinerzeit gemachten Erfahrungen möge man auch seinem Vorgehen Verständnis entgegen bringen. 1 „Die Entwicklung der Wasserturbinen in den letzten 15 Jahren“, Die Wasserkraft, 1922, Heft 11. Viktor Kaplan. 37 Am 3. März 1917 berichtete Kaplan zum ersten Male in einem Vortrag im Österr. Ingenieur- und Architekten-Verein 1 über Versuchsergebnisse seiner neuen Turbine, ohne aber irgendein wesentliches konstruktives Merkmal dieser Turbine anzuführen. Aufsehen erregte aber damals das Diagramm (Abb. 36, S. 490 der genannten Arbeit), wonach der Wirkungsgrad einer in Verkstaden ausgeführten Kaplanturbine 80% bei halber und voller Beaufschlagung^ bei den Bremsungen betragen habe. Dieses Ergebnis mußte Staunen, weil aber keine konstruktiven Angaben erfolgten, auch Kopfschütteln bei den Zuhörern hervorrufen. Trotz des Mangels an konstruktiven Mitteilungen ist diese Veröffentlichung sehr interessant ; auch heute noch, wo das Wesen der Kaplanturbine bekannt und ihr Erfolg einwandfrei festgestellt ist; denn die Praxis hat alle in dieser Arbeit auf Grund seiner Versuche damals (1917) bekanntgegebenen Resultate, die zu jener Zeit als Utopien erschienen sein mögen, später vollinhaltlich bestätigt . In dem genannten Vortrag entwickelte Kaplan auch die Gründe, welche ihn veranlaßt hatten, von den Versuchen, durch eine bloße Verbesserung des Francislaufrades höhere spezifische Drehzahlen und gleichzeitig hohe Wirkungsgrade zu erzielen, abzulassen (vgl. S. 474 der genannten Arbeit). Wir erfahren aus dieser Arbeit auch, daß Kaplan eine ganz stattliche Zahl von Francislauf rädern für verschiedene Firmen des Auslandes entworfen hat, und mit offenem Freimut gesteht er neben bedeutenden Erfolgen auch Fehlschläge ein. So hat Kaplan für die Firma Briegleb, Hansen & Co. in Gotha ein Laufrad entworfen, von welchem er eine spezifische Drehzahl n s = 260 und einen Wirkungsgrad von 80% zu erhalten hoffte. Tatsächlich ergab aber der Versuch ein n s = 220 und einen Wirkungsgrad r/ von nur 76%. Er bemerkt hierzu wörtlich (S.475): „Damals war mir allerdings die Ursache dieses Mißerfolges noch nicht klar, um so mehr als das Rad den zu jener Zeit geläufigen theoretischen Anschauungen vollkommen entsprach. Heute (1917) fällt es mir nicht schwer, an dem Rade die erforderliche Kritik zu üben und sei vorweg bemerkt, daß die Schaufeln viel zu lang und sowohl die Schaufelfläche als auch die Schaufelwinkel von mir noch nach der üblichen Stromfadentheorie und ohne Rücksicht auf die Abhängigkeit der Wassergeschwindigkeiten von der Wandferne der Schaufelfläche ermittelt wurden.“ Die folgenden Zeilen dieser Arbeit sind wegen der Auffassung Kaplans über die technisch-wissenschaftliche Forschung interessant und sie seien daher auch wörtlich angeführt. „Bei diesem Anlasse sei mir die kleine Einschaltung gestattet, 1 „Entwicklung und Versuchsergebnisse einer Wasserturbine“ (Ztschr. d. Österr.. Ing.- u. Arcli.-Ver. 1917, 8. 473 bis 497). Abb. 12. .Extremer Schnelläufer", entworfen nach Kaplans Turbinentheorie. 38 Alfred Lechner daß ich die Mitteilung von Fehlversuchen für den weiteren technischen Fortschritt nicht für weniger wichtig halte als die Veröffentlichungen von sogenannten Parade versuchen. Viele unnütze theoretische und praktische Erfindertätigkeit könnte in andere Bahnen gelenkt werden, wenn der Fachwelt nicht nur die gangbaren Wege, sondern auch die Irrwege bekanntgegeben würden und ich bin sicher, daß eine Sammlung von Fehlversuchen theoretischer und praktischer Richtung mehr Nutzen bringen würde, als manches in der Fachwelt mit Beifall aufgenommene Werk.“ Mit derselben Offenheit bekennt Kaplan auch das Versagen des von ihm konstruierten Extremschnelläufers (Abb. 22 der genannten Arbeit) und doch gab dieses Rad den Anstoß zum Verlassen des bisherigen Weges und zur allmählichen Entwicklung des Kaplan sehen Laufrades. 1 Daher hat dieses Rad historische Bedeutung erlangt, weshalb sein Bild auch hier angeführt sei. (Abb. 12.) In der schon erwähnten Arbeit in der Zeitschrift für das gesamte Turbinenwesen vom Jahre 1912 findet sich dieses Rad in Abb. 27 vor. Damals waren die Versuche mit diesem Rad noch nicht abgeschlossen und doch berichtet Kaplan zu jener Zeit schon folgendes: „Soviel jedoch die bisherigen Ergebnisse erkennen lassen, scheint bei solchen hohen Drehzahlen die Flüssigkeitsreibung am Laufradboden einen derartig starken Verlust zu bedingen, daß trotz des geordneten Wasserdurchflusses durch das Laufrad eine wesentliche Wirkungsgradeinbuße zu erwarten ist.“ Weiters erfahren wir aus dem Vortrag Kaplans, daß die neue Turbine bereits zu Beginn des Jahres 1912 erfunden war und im November 1912 bei der Abbremsung im Brünner Laboratorium eine spezifische Drehzahl von 800 aufgewiesen hatte. Auch die wirtschaftlichen Vorteile der neuen Turbine sind hier bereits angeführt, und einen großen Raum nehmen die Ausführungen über die Patentstreitigkeiten ein. „Nicht weniger als zwei Jahre dauerte dieser aufregende und für mich leider auch sehr kostspielige Kampf, bis endlich am Ende des vorigen Jahres auch die Beschwerde des Syndikats kostenpflichtig abgewiesen und mir das Patent endgültig erteilt wurde.“ — So berichtet Kaplan im Jahre 1917. Aber die schwersten und langwierigsten Prozesse sollten erst kommen. Die verschiedenen Einsprüche erforderten : 1. die Erledigung theoretischer Fragen, 2. die Widerlegung der angeblich neuheitsschädlichen amerikanischen Bauweisen, 3. die Stellungnahme zu den geltend gemachten Vorbenutzungsrechten und 4. auch die Widerlegung der heute recht sonderbar klingenden Behauptung, daß sich mit der Erfindung der angegebene technische Fortschritt nicht erzielen ließe. (Vgl. S. 490 des genannten Vortrages vom Jahre 1917.) Mit diesem Vortrag und mit den folgenden Veröffentlichungen, die in kurzen Zeitabständen erfolgten und durchgehends die wirtschaftlichen Vorteile seiner Turbine und die Mitteilung von Versuchsergebnissen zum Gegenstände hatten, 1 Dies geht aus einer privaten Aufzeichnung Kaplans hervor; dort heißt es: Abb. 22 (der genannten Arbeit) gibt den eigentlichen Anstoß zu der neuen Turbine, zur Kaplanturbine. (Archiv in Uaterach.) Viktor Kaplan. 39 ohne konstruktive Gedanken auch nur zu erwähnen, wollte Kaplan das öffentliche Interesse für seine Erfindung erwecken. Die Titel dieser Arbeiten sind: „Eine neue Wasserturbine.“ Zeitschr. f. d. ges. Wasserwirtschaft, Wassertechnik u. f. Wasserrecht, 1917, S. 169. Hier erfahren wir, das Kaplan außer einem neuen Laufrad auch einen neuen Saugrohrkrümmer erfunden hat. Abb. 13. Viktor Kaplan im Jahre 1919. L tf* j * : < * „Eine neue Wasserturbine und ihre Beziehung zur Wasserwirtschaft.“ Zeitschr. „Die Wasserwirtschaft“, 1917. „Wie läßt sich die Leistung bestehender Wasserkraftanlagen ohne erhebliche Betriebsstörungen erhöhen?“ Zeitschr. „Die Wasserwirtschaft“, 1917, Nr. 21. Die Vorteile der neuen Turbine werden in folgenden Punkten zusammengefaßt: 1. Steigerung der Drehzahl auf das Dreifache der von Francisschnelläufern erreichten Drehzahlen. 2. Vergrößerung der Leistung der Turbineneinheiten. 3. Verkleinerung der Kraft hausbauten. 40 Alfred Lechner 4. Verhütung von Verstopfungen der Laufradkanäle durch Sand, Schlamm usw. In der Zeitschrift des Elektrotechnischen Vereins in Wien, E. u.M., Heft 33, 1917, gibt Kaplan in dem Aufsatz: „Eine neue Wasserturbine und deren Beziehungen zur Elektrotechnik“ auch eine schematische Darstellung seiner neuen Turbine. Der Grundriß aber fehlt. Immerhin ist aber schon aus dieser schematischen Skizze der wesentliche Unterschied gegenüber der Francisturbine ohne weiteres erkennbar. Man bemerkt bereits den „schaufellosen Raum“ und die axiale Beaufschlagung des Laufrades. Die früher erwähnten Berichte Professor Kaplans enthielten auch Abb. 14. Kaplanturbine in Velm, N.-O. Klagen gegen mehrere Firmen, welche zu Gegenäußerungen führten, auf welche Kaplan im Heft 6, 1918 der „Wasserwirtschaft“ in dem Artikel „Die Kaplanturbine und ihre Beziehungen zur Wasserwirtschaft“ entgegnete. Sein ganzes Streben mußte jetzt darauf gerichtet sein, endlich ein Unternehmen zu finden, welches eine Kaplanturbine für seinen Betrieb verlangt, und eine Firma zu gewännen, welche den Bau dieser Turbine übernimmt. Beides gelang Kaplan im Jahre 1918 zu erreichen. Die Börtel- und Strickgarnfabrik M. Hofbauers Wwe. in Velm bei Gramatneusiedl in N.-Ö. war die erste Bestellerin einer Kaplanturbine und die Stahlhütte Ignaz Storek in Brünn war die erste Firma, welche die Ausführung der Bestellung übernahm, und ihr gebührt also das Verdienst, die erste Kaplanturbine erzeugt zu haben (Abb. 14). Aus dieser Stahlhütte hat die Kaplanturbine ihren Siegeszug in die Welt angetreten. Über die in der Zeit vom 14. bis 18. Juni 1919 vorgenommenen Bremsversuche ist ein Protokoll, gezeichnet von Ing. Adolf Wertner und Dr. Karl Reisinger als Viktor Kaplan. 41 Vertreter der Bestellerin, Ing. Anton Strasser als unparteiischer Bremsleiter, Ing. Robert Steiner der Firma Storek und Professor Dr. Kaplan erhalten geblieben. Daraus ist zu entnehmen, daß die Turbine bei voller Beaufschlagung eine Leistung von 25,8 PS bei einer Gefällshöhe von 2,33 m und einer Wassermenge von Q = 1000 Liter pro Sekunde und einer minütlichen Drehzahl n = 420 hatte. Der Wirkungsgrad betrug 84% und änderte sich auch nicht bei halber Beaufschlagung. Am 22. Juni 1919 fand die offizielle Bremsung der Turbine in Velm durch Professor Budau und Ziv.-Ing. Blümel mit dem gleichen Ergebnis statt. 1 Durch die Velmer Turbine war die Idee Kaplans zur Wirklichkeit geworden; was als Utopie bezeichnet worden war, nämlich, daß es eine Turbine geben solle, die mit hoher spezifischer Drehzahl von 800 einen Wirkungsgrad von 84% besitzt und deren Wirkungsgrad überdies bei halber und ganzer Beaufschlagung nahezu konstant bleibt, das alles war hier in Velm zur unumstößlichen Tatsache geworden. Daß dieser Umstand, sowie die Veröffentlichung der Bremsergebnisse der Velmer Turbine durch Professor Budau in der „Wasserwirtschaft“ 1919, Heft 14, ferner von Berthold Blümel in der Zeitschr. d. Österr. Ing.- u. Arch.-Ver. 1919, S. 428, desgleichen in Elektrotechnik und Maschinenbau 1920, S. 61, und die Veröffentlichungen von Professor Kaplan in der Zeitschr. f. d. ges. Turbinenwesen 1919, S- 346, und in der „Wasserwirtschaft“ 1919, Nr. 19, die Aufmerksamkeit der technischen Kreise auf die Kaplanturbine lenkten, ist wohl selbstverständlich. Über dieses Interesse der Fachwelt findet sich auch eine kurze Mitteilung in der Zeitschr. d. Österr. Ing.- u. Arch.-Ver., Jahrg. 1921, S. 103, vor, woselbst es wörtlich heißt: „Die Zeitschrift The Electrical Review, London 1920, S. 466, erblickt in der neuen Bauart die Möglichkeit der wirtschaftlichen Ausnutzung vieler niedriger und mittlerer Gefälle, die bisher unausgenutzt geblieben sind, mit Rücksicht auf die starken Schwankungen in der Wassermenge. Es wäre interessant, eine deutliche Aufstellung der bereits im Gebrauch befindlichen Kaplanturbinen zu sehen und zu erfahren, bis zu welcher Anzahl von Pferdestärken diese Maschinen gebaut werden können.“ Alles stand somit im Jahre 1919 für die Kaplanturbine günstig. Im Jahre 1920 trat aber bei verschiedenen derartigen Turbinenanlagen eine anfangs unerklärliche Erscheinung auf, welche die breite Öffentlichkeit erst im Jahre 1922 erfuhr, als bereits ihre Ursache erforscht war und behoben werden konnte, die aber bei ihrem ersten Auftreten den Ausbau der Kaplanturbine zu hemmen, wenn nicht gar zu vernichten drohte. Ein Laufrad, das im Laboratorium am Prüfstande die erwarteten Wirkungsgrade ergeben hatte, versagte im Betriebe vollends. Statt der erwarteten 80% ergab sich ein Wirkungsgrad von nur 62% und noch darunter. Dabei zeigte sich die Strömung mit großen Luftausscheidungen verbunden, die mit explosionsartigem Geknatter vor sich gingen. Es ist dies die beim Schiffspropeller wohlbekannte, im Turbinenbau bisher unbekannt gewesene Erscheinung der Kavitation (Hohlraumbildung). Wird die Geschwindigkeit des strömenden Wassers zu groß, der Druck demzufolge zu klein, so treten Strahlablösungen an der konvexen Seite der Schaufel- A. Budau: Mitteilungen über die Kaplanturbine. Die Wasserwirtschaft 1919- 42 Alfred Rechner flächen ein, es scheidet sich die im Wasser absorbierte Luft aus und es tritt, sobald der Druck unter die zur betreffenden Wassertemperatur gehörende Dampfspannung des Wassers sinkt, Verdampfen der Flüssigkeit ein. Eine andere damit verbundene störende Begleiterscheinung ist die schädliche Korrosion der Schaufelflächen, die dadurch in ihrem Gefüge zerstört werden. Kaplan war über diese störenden Erscheinungen bestürzt und verzweifelt. So nahe am Ziel und nun auf einmal der Mißerfolg. Als er die Ursache der störenden mm ir ■■ -ft ■■ » v; • S', R?. Abb. 15. Landhaus in Rochuspoint. Erscheinung erkannt hatte, verfiel er am 5. Februar 1022 auf seinem Landsitz Rochuspoint in Unterach am Attersee in schwere Krankheit. Es ist hier wohl angezeigt, auch einiges über Rochuspoint, 1 den Lieblingsaufenthalt Professor Kaplans, zu sagen. Es war stets sein Streben gewesen, ein eigenes Heim zu besitzen. „Die Städter sind eigentlich alle Fremdlinge,“ pflegte Kaplan öfters zu sagen, „nur der Bauer ist wirklich heimisch.“ Kaplan, als der echte Sohn der steirischen Berge, der er zeitlebens geblieben war, hatte den Sinn für die heimatliche Scholle nie verloren. Seinen Kindern wollte er ein wirkliches Heim, ein Vaterhaus im eigentlichen Sinne schenken. Der Städter, der in Miethäusern wohnt, kennt nicht den Begriff des eigenen Heims. Und als Kaplan im Jahre 1920 seinen Vater mit dem Ankauf eines Landhauses betraut hatte und dessen 1 Die Peunt oder Point ist nach Schmellers Bayerischem Wörterbuch ein offenes oder eingefriedetes Grundstück, das, ohne ein Garten zu sein, dem Gemeinverkehr verschlossen ist. Viktor Kaplan. 43 Wahl auf Rochuspoint fiel, war Kaplans Lieblingswunsch in Erfüllung gegangen. „Ein Wasserl zur Betreibung einer Turbine soll auch dabei sein und ebenfalls eine Glasveranda“ waren seine Bedingungen gewesen, die auch erfüllt werden konnten. Kaplan hatte mit seiner Familie, wie so viele Städter, während des Krieges unter Nahrungssorgen zu leiden gehabt. Durch diesen Landsitz, wo auch ein paar Kühe vorhanden waren, fühlte er und die Seinen den Segen der Erde. Während des Winters 1920 weilte sein Vater auf Rochuspoint und verwaltete im Sinne des Sohnes dessen Anwesen. Viktor hatte es stets zur Freude gereicht, seinem Vater einen schönen Lebensabend bereiten zu können. Groß war sein TEJzfrH TS WOHNHAUS B WIRTSCHAFTSGEBÄUDE C SCHLOSSEREI D TISCHLEREI E ALT-SCHMELZOFEN F METALL -LAGER C KINO H, H, GARAGEN I NEU-SCHMELZOFEN K KRAFTANLAGE L SCHOTT ERBRECH ER Abb. 16. Grundriß der Anlage auf Rochuspoint. Schmerz, als dieser am 12. März 1921, an einer Grippe erkrankt, für immer die Augen geschlossen hatte. Ein aufrechter Mann, der treueste Freund war mit ihm dahingegangen. Gar sehr hat Kaplan die Stütze, deren er in den kommenden Tagen der seelischen Depression bedurft hätte, vermißt. Wenn man von Unterach nach See am Mondsee wandert, so gewahrt man ungefähr auf der Hälfte dieses Weges zur rechten Hand auf einer Anhöhe den sonnigen Wohnsitz Rochuspoint. Auf diesen hatte sich Kaplan im August 1921, nachdem er noch im Juli die Kontrollbremsungen unter der Leitung Professor Dr. Heinrich Meixners 1 für den Konzern in Brünn hatte vornehmen lassen, zurückgezogen. Ein halbes Jahr Urlaub war ihm bewilligt worden. Im Herbst 1921 ging er daran, eine kleine Wasserkraftanlage zu errichten, die ihm Licht und Arbeitsstrom liefern sollte. Die vorhandene Gefällshöhe beträgt ungefähr 40 m, ein Peltonrad der Firma Oser, das später durch eines der Firma 1 Vgl. Mitteilungen über die Bremsungen des Kaplan-Turbinen-Konzerns in Brünn. Die Wasserkraft, 1922. S. 73. w 44 Alfred Lechner Voith in St. Pölten ersetzt werden konnte, bildete die Kraftquelle. Schon im Sommer des Jahres 1921 zeigte sich bei Kaplan eine gewisse Unrast und Nervosität. Kein Wunder bei den Sorgen und der nervenaufreibenden Tätigkeit. Die Stimmung auf Rochuspoint war daher in jener Zeit manchmal recht gespannt. Geistige Überanstrengung, die verschiedenen die Nerven äußerst anstrengenden Patentprozesse, hatten seine Gesundheit sehr geschwächt. Bezüglich dieser Patentprozesse sei noch erwähnt, daß Kaplan seine Patente nicht nur gegen Einsprüche von Firmen, sondern auch gegen Angriffe von Fachkollegen zu verteidigen hatte. Auf diese Prozesse soll hier nicht weiter eingegangen werden; es gilt hierfür die Äußerung von E. Mach, des bedeutenden Physikers, der einmal folgendes ausführt, 1 was auch trefflich zur Schilderung der obgenannten Prozesse paßt. ,,Ein mehrfaches Auftreten derselben Idee ist in der Geschichte nicht neu. Die Diskussion von Personalfragen, die nach 30 Jahren schon kein Interesse mehr haben werden, wollen wir hier vermeiden. Auf keinen Fall ist es aber zu loben, wenn Männer angeblich aus Gerechtigkeitsgründen insultiert werden (wie es tatsächlich leider geschehen ist), die schon hochgeehrt und ruhig leben würden, wenn sie nur ein Drittel ihrer wirklichen Leistungen aufzuweisen hätten.“ Mit der Feststellung, daß diese Äußerungen vollinhaltlich im Falle Kaplans zutreffen, sei ein näheres Eingehen auf diese Prozesse, aus denen Kaplan als Sieger hervorgegangen ist, vermieden. — Aber an ein Ausspannen in der Zeit seines Urlaubes war nicht zu denken. Meinungsverschiedenheiten mit Firmen ließen ihn auch jetzt nicht zur Ruhe kommen. Hier auf Rochuspoint ist Kaplan — wie schon erwähnt — am 5. Februar 1922 sclrwer erkrankt. Die Ärzte waren sich über die Krankheit nie einig. Einige behaupteten, es sei eine Kopfgrippe gewesen, andere sprachen von einem Nervenzusammenbruch, nur einer gab seiner Meinung von einem Schlaganfall Ausdruck. In dieser Zeit war es seine Frau, welche ihn mit voller Hingabe pflegte und Tag und Nacht nicht von seinem Krankenlager wich. Jene, welche Kaplan unmittelbar nach seiner Krankheit besucht hatten, werden sich seines traurigen Zustandes wohl noch erinnern. Wo waren auf einmal all die Lebendigkeit, das Feuer seiner Augen hingekommen? Und aus verwundeter Seele erklang Anklage über Anklage gegen seine Widersacher. Was Kaplan früher für sich behalten, das entrang sich jetzt seinem kranken Gemüte. All die Unbill, Neid und Mißgunst, die jedem Schaffenden widerfahren und auch ihm nicht erspart geblieben sind, enthüllte er jetzt, wo er nicht mehr kämpfen konnte, in erschütternder Klage! — Und während hier in LTiterach ein Kämpfer in lähmender Krankheit lag, hielt Professor Budau am 7. Februar 1922 im Österr. Ingenieur- und Architekten-Verein in Wien einen ausgezeichneten Vortrag über ,,Die Entwicklung der Wasserturbinen in den letzten 15 Jahren“, 2 wobei er den Verdiensten Kaplans volle Gerechtigkeit 1 Vgl. E. Mach: Die Mechanik in ihrer Entwicklung, 7. Aufl., 1912, S. 477. 2 Vgl. Die Wasserkraft, Zeitschr. f. d. ges. Wasserwirtschaft, 1922, Heft 11. — Auch Professor Oesterlex wird in der Arbeit „Schnellaufende Wasserturbinen“ den Erfindungen Kaplans vollkommen gerecht und stellt sich auch bezüglich des Streites Kaplan—Nagler ganz entschieden auf Seite Kaplan^. Vgl. auch Arbeit Nr. 44 des Anhanges I. I Viktor Kaplan. 45 widerfahren ließ. Trefflich schildert Budau den Entwicklungsgedanken der Kaplanturbine. Was aus diesem Vortrag durch den Druck bereits dauernd festgelegt ist, möge der Leser in der genannten Zeitschrift selbst nachlesen, was in dem Vortrage zwar gesagt wurde aber nicht gedruckt vorliegt, sei hier angeführt. Budau bekannte nämlich ganz offen, daß er selbst an jene Turbine, über welche Kaplan im Jahre 1917 berichtet hatte, 1 nicht glauben konnte und die daselbst gemachte Mitteilung, daß jene Turbine bei voller und ganzer Beaufschlagung nahezu den gleichen Wirkungsgrad haben solle, wenn auch nicht für einen Bluff — wie manche sich auszudrücken beliebten —, so doch für einen Irrtum gehalten habe. Als er dann aber selbst Gelegenheit hatte, in Velin eine Kaplanturbine abzubremsen, wobei er alle Sorgfalt habe walten lassen, als er daselbst von Kaplan die Aufklärung erhalten habe, daß die Turbine verstellbare Laufradschaufeln besitze, da erklärte Budau selbst, er sei aus einem Saulus ein Paulus geworden. Eine kleine Episode sei hier nachgetragen. Kaplan hatte in Velm am 22. Juni 1919 vor der Bremsung das Wesen seiner Turbine erläutert und dabei bemerkt, daß er getrachtet habe, die Laufradschaufeln verdrehbar anzuordnen. Er wurde hier von Budau mit der Bemerkung unterbrochen, daß dies doch nur ein Zukunftsplan sein könne. Nach der Bremsung hat Kaplan dann die Mitteilung gemacht, daß tatsächlichem Laufradschaufeln drehbar ausgeführt seien. Budau ist daraufhin mit dem spontanen Ausspruch von seinem Sitz aufgesprungen: „Wahrlich, der Mann hat Courage!“ Dieser tatsächliche Vorfall in Velm beleuchtet wohl am besten die technische Seite des Patentstreites, der über die verdrehbaren Laufradschaufeln auf Grund einer Stelle im Buche von Fink 2 entbrannt ist. Auch die Bremsungen an der Versuchsturbine System Storek-Kaplan in Podebrad in der Zeit vom 9. bis 29. November 1921 hatten nach dem Bericht von Professor Jaroslav Hybl günstige Ergebnisse gezeitigt. Die Nachricht vom Vortrag Professor Budaus wirkte auf Kaplans Befinden wohltuend, dagegen die Hiobsbotschaften über die Mißerfolge einer in Görz eingebauten Turbine, sowie das Zögern des Konzerns, mit dem Bau der Turbinen zu beginnen, und die Einsetzung eines Schiedsgerichtes ungünstig ein. Das Versagen der Görzer Turbine und manche andere Mißerfolge sprachen sich herum. Schon wurden wieder Stimmen laut, die meinten, diese Sache wäre doch nur ein Bluff. Ja, ein Turbinenfachmann verstieg sich sogar, als man von seiten Kaplans auf die Absicht der Firma Verkstaden in Kristinehamn hinwies, eine Turbine mit 5,8 m Laufraddurchmesser zu bauen, zu der Äußerung: „Auf den Schaufelsalat bin ich begierig.“ Damals verlor Kaplan beinahe selbst den Glauben an die Möglichkeit des durchschlagenden Erfolges seiner Turbine. In dieser Zeit, wo viele von ihm abgefallen waren, ja auch selbst Budau wieder Zweifel zu hegen begann, 3 waren es 1 Vgl. S. 37 dieser Biographie. 2 C. Fink: Theorie und Konstruktion der Brunnenanlagen, Kolben- und Zentri- fugalpumpen, der Turbinen, Ventilatoren und Exhaustoren. Berlin 1878. S. 225. 3 Vortrag in der Wiener Urania am 19. Mai 1922, „Die Wasserkraft im Dienste der Menschheit“. 46 Alfred Lechnee seine Frau, seine Schwäger Franz und Anton Strasser, sein Assistent Ingenieur J. Slavik, sowie sein Rechtsanwalt Dr. Ludwig Gallia, ferner Ingenieur Reindl in München und ein „grauer Theoretiker“ in Wien, die ihm in Wort und Tat zur Seite gestanden sind; Kaplan hat dies auch immer dankbarst anerkannt. 1 Seine Frau war ihm immer eine treue Gefährtin und ist auch in der Zeit der Depression nicht von seiner Seite gewichen; ihr ist es vor allem zu danken, wenn Kaplan allmählich körperlich und seelisch wiederhergestellt worden ist; die beiden Schwäger verfochten sehr eifrig die Angelegenheit Kaplans. Namentlich Franz Abb. 17. Krafthaus in Siebenbrunn, O.-ö, y.y-"*-' äjjgajjf llig? SÄSEi; >r*,- Strasser rührte ganz tüchtig die Feder, als es galt, die Ehre Kaplans zu verteidigen. 2 Ing. Slavik focht manchen Patentprozeß siegreich aus, Dr. Gallia verstand es meisterlich, die rechtlichen Interessen Kaplans zu wahren, Ing. Walther 3 verwaltete mit Ing. Slavik getreulich das Laboratorium und Ing. C. Reindl 4 trat als unparteiischer Ingenieur — sehr zum Mißvergnügen mancher Gegner Kaplans — ganz entschieden für die Kaplanturbine ein, hatte doch Reindl schon als Assistent von Professor Camerer im Jahre 1917 mit diesem die Bedeutung der Kaplanturbine richtig erkannt. 1 Vgl. Wasserkraft]ahrbucli 1925/26, S. 305, und sein Buch „Theorie und Bau von Turbinenschnelläufern“, S. 186. 2 Vgl. Linzer Tages-Post, 11. Mai 1922. 3 Vgl. Wasserkraftjahrbucli 1924, S. 428. 4 Vgl. C. Reindl: Die Kaplanturbine in Ausführung und Verwendung. Zeitschr. <1. Vereins Deutscher Ingenieure, 1921, 8. 1035ff. — Die neuesten Fortschritte im Turbinenbau, in „Die Wasserkraft“ 1924, Heft 14. Viktor Kaplan. 47 Aber alle Arrbeit wäre vergebens gewesen, wenn nicht die Brüder Storek in Brünn, Dr. Walter Voith in St. Pölten und die Firma Yerkstaden Kristinehamn, dort namentlich die Herren Molinder und Elov Englesson, ihre schützende Hand über Kaplan gehalten hätten. Verhehlen wir uns nicht die Tatsache: wenn es möglich gewesen wäre, die Kaplanturbine umzubringen, so wäre dieser Zeitpunkt, wo Kaplan so schwer erkrankt war, wo kostspielige Mißerfolge eingetreten waren, hierzu wohl am geeignetsten gewesen. Daß man sich bemühte, die sogenannten „Kinderkrankheiten“ der Kaplanturbine zu beheben, ist ein unvergängliches Verdienst der genannten Persönlichkeiten, daß es gelang, dieselben zu beseitigen, ein Verdienst der tüchtigen Ingenieure dieser Betriebe. Ing. Elov Englesson verdient noch aus einem anderen Grunde eine besondere Erwähnung. Ein Patent Kaplans bezieht sich auf die Verdrehbarkeit der Laufrad- schaufeln. Eine hervorragende Lösung dieser Laufschaufelregu- lierung, ohne welche der Bau großer Kaplanturbinen damals kaum möglich gewesen wäre, stammt nun von Elov Englesson . 1 Es kann daher mit Genugtuung begrüßt werden, daß Elov Englesson von der schwedischen Akademie der Ingenieurwissenschaftenwegen seiner Ver- Abb. 18. dienste um die Entwicklung z&pt&ää, Kaplan-Laufrad mit verdrehbaren Schaufeln (Siebenbrunn). der Kaplanturbine, welche für Schweden ganz besondere Bedeutung besitzt, die goldene Medaille verliehen wurde. Die Firma Storek untersuchte in einem eigenen Kavitationslaboratorium die Ursachen der störenden Kavitation, ebenso die Konzernfirmen und auch Yerkstaden. Kaplan selbst arbeitete, sobald es sein Gesundheitszustand zuließ, an der Aufklärung und Bekämpfung der schädlichen Kavitationserscheinung. 2 Aus dem im Jahre 1924, S. 273 der Zeitschrift des Österr. Ingenieur- und Architekten-Vereins erschienenen Artikel von G. Gustenau: „Das neue Wasserkraftwerk Siebenbrunn“ entnimmt man, daß bereits im August 1923 zwei Kaplanturbinen der Firma J. M. Voith, St. Pölten-Heidenheim, in Siebenbrunn am Traunfall bei Gmunden aufgestellt worden sind (Abb. 17, 18). Es sind dies die ersten 1000-PS-Kaplanturbinen der genannten Firma. Bei 6 m Fallhöhe, einer sekundlichen Wassermenge von 16,5 m 3 , einer Drehzahl von 250 in der Minute lieferte eine Turbine 1000 Pferdekräfte. Eine Francisturbine hätte bei denselben 1 Vgl. Herbert Storek: Zehn Jahre Kaplanturbine. Elektr. Arbeit, 1929, S. 94. 2 Kaplan: Kavitationserscheinungen bei Turbinen mit großer Umlaufsgescliwindig- keit. Wasserkraftjabrbucb 1924, S. 421. 48 Alfred Lechner Verhältnissen nur 100 Umdrehungen in der Minute erreicht. Damit hatte auch die Konzernfirma Voith den Bau von Kaplanturbinen aufgenommen. Jetzt sollte der Siegeszug der Kaplanturbine bald einsetzen. Abb. 19. Laufrad der Kaplanturbine in Lilla Edet, Schweden. — Draufsicht. • • • • Und dieser Siegeszug begann mit der Eröffnung des Großkraftwerkes Lilla Edet in Schweden im Jahre 1925 (Abb. 19, 20). Die dortige Turbine hat einen Laufraddurchmesser von 5,8 m und liefert bei einer Wassermenge Q = 160 m 3 sec, einer Gefällshöhe von 6,5 m, einer LTndrehungszahl von 62,5 je Minute eine Leistung von 11200 PS. Mit dieser Turbine „the biggest turbine in the world“, wie sie Viktor Kaplan. 49 damals genannt wurde, 1 hat die Kaplanturbine die Probe auf ihre Verwertung als Großkraftturbine bestanden. Die Propheten, welche seinerzeit einen „Schaufelsalat“ vorausgesagt hatten, haben sich als schlechte Propheten erwiesen. Abb. 20. Laufrad der Kaplanturbine in Lilla Edet, Schweden. — Seitenansicht. Gegenwärtig sind noch größere Anlagen in Betrieb. Aus der Fülle dieser Meisterwerke der Turbinentechnik, deren wichtigste im 3. Teil des Anhanges angegeben sind, seien die Kraftwerke in Ryburg-Schwörstadt am Rhein, (Abb. 1 Vgl. Exglessox: Kaplanturbinen oder Propellerturbinen. Wasserkraftjahrbuch 1924, S. 448. Geschichte der Technik, 3. II. 4 50 Alfred Lechner 25, 26 u. 43) wo vier Kaplanturbinen mit je 39500 PS (demgegenüber in Augst - Wyhlen 20 Francisturbinen mit je 4 Laufrädern, also 80 Laufräder vorhanden sind), das Großkraftwerk am Swir in Rußland, wo drei Kaplanturbinen von je 37 500 PS und einem Laufraddurchmesser von 7420 mm eingebaut sind, das Kraftwerk Vargön in Schweden (Abb. 21) mit dem größten Laufraddurchmesser von 8000 mm und das Shannonkraftwerk in Irland mit der Gefällshöhe von 32,5 m und einer Konstruk- i ,■■ ’ Mv Abb. 21. Laufrad der Kaplanturbine in Vargön, Schweden. — Durchmesser 8 Meter. tionsleistung von 41000 PS hervorgehoben (Abb. 44). 1 Diese Zahlen drücken die wirtschaftliche Bedeutung der Kaplanturbine wohl am besten aus. Und nun seien die Ergebnisse der KAPLANschen Untersuchungen zusammengefaßt und eine kurze Beschreibung seiner Erfindung gegeben. V. Die Leistungen Kaplans. Das neue Laufrad. Feste und verdrehbare Schaufeln. Neue Saugrolirformen. Die Kaplanturbine. Wissenschaftliche Überlegungen. Seine Patente. Die wirtschaftliche und wissenschaftliche Bedeutung der Kaplanturbine. Um die Schnelläufigkeit und auch den Wirkungsgrad einer Francisturbine zu erhöhen, hatte Kaplan mit Hilfe mechanisch-geometrischer Methoden versucht, 1 Die Anlage Shannon enthält im ersten Ausbau zwei Francisturbinen mit einer Maximalleistung von je 38 600 PS und einer minütlichen Drehzahl n = 150, demgegen- Viktor Kaplan. 51 FfP 55 Abb. 22. Laufrad einer Kaplanturbine (links) und einer Francisturbine (rechts). die Form der Laufradschaufeln zu verbessern (vgl. S. 23 ff.), mußte aber bald erkennen, daß es wegen der auftretenden Reibungswiderstände nicht möglich war, die Schnell- läufigkeit des Francislaufrades weiter zu steigern, ohne den Wirkungsgrad herabzusetzen (vgl. S. 37). Er fand durch den Versuch, daß die spezifische Drehzahl nicht über n s = 450 zu steigern war. In Erkenntnis des Einflusses der Reibung ließ Kaplan die äußere Laufradbegrenzung fort und fand, daß Schnelläufigkeit und Wirkungsgrad Zunahmen. In konsequenter Folge verringerte er die Zahl der Schaufeln, wählte wenige, kurze und flachgekrümmte, flügelartige Schaufeln (vgl. S. 31) und gelangte allmählich zu den neuen Kaplanlauf rädern, die mit den Francislaufrädern keine Ähnlichkeit mehr aufweisen (Abb. 22; vgl. S. 47). Gleichzeitig mit den Versuchen gingen auch theoretische Erwägungen parallel. Die übliche Stromfadentheorie, welche für einen Zellenraum,wo die hindurchströmende Flüssigkeitsmasse gleich- Abb 23. Schema einer Kaplanturbine. über der zweite Ausbau eine Kaplanturbine mit einer maximalen Leistung von 41 000 FS und einer minütlichen Drehzahl n = 167 besitzt. Teilung 4 52 Alfred Lechner sam als eine Stromröhre betrachtet werden kann, gute Dienste geleistet hatte, muhte natürlich bei Schaufelanordnungen, wie sie Kaplan nach Abb. 22 getroffen hatte, verlassen werden (vgl. S. 31). Er entwickelte die Gesetze der freien Strömung, zog den Einfluß der Reibung in Rechnung, dabei klar erkennend, daß die bewegende Kraft der Schaufel aus dem Druckunterschied zwischen der konkaven und konvexen Seite der Schaufel hervorgeht. Abb. 23 zeigt die schematische Skizze einer Kaplanturbine. Das in den Leitapparat radial eintretende Wasser fließt durch den Reglerantrieb Doppelregler Laufradregelung Leitradregelung Reguliermuffe Leitrad' Laufrad 0 12 3m Abb. 24. Einbau einer Kaplanturbine. sogenannten „schaufellosen Raum“ axial den wenigen, etwa vier, kurzen und flachgekrümmten Schaufeln zu, deren Eintritts- und Austrittswinkel von Gefällshöhe, Wassermenge, spezifischer Drehzahl und Wirkungsgrad abhängen. Wenn demnach ein Rad mit festen Schaufeln für einen vorgegebenen Fall, also auch für eine bestimmte sekundliche Wassermenge, entworfen war, so mußte der Wirkungsgrad, wenn die sekundliche Wassermenge kleiner wurde, sich ebenfalls ändern. Unter diesem Übelstand leiden auch die Francisturbinen, wenn in niederschlagsarmen Zeiten der Wasserstand sich vermindert. Kaplan half nun diesem Übelstand dadurch ab, daß er die Schaufeln um in der Nabe gelagerte Zapfen drehbar anordnete (Abb. 25 u. 20). Durch eine Verdrehung der Laufschaufeln kann das Laufrad dem neuen Zustand, der durch eine Änderung der Wassermenge bedingt ist, angepaßt werden, wodurch es möglich Viktor Kaplan. 53 wird, in einem sehr weiten Beaufschlagungsbereich den günstigen Wirkungsgrad bei hoher spezifischer Drehzahl nahezu konstant zu halten, denn durch jede Ver- Abb. 25. Laufrad einer Kaplanturbine mit geöffneten Schaufeln. IISI^ Abb. 26. Laufrad einer Kaplanturbine mit geschlossenen Schaufeln. • » e •i\NT mm drehung der Laufradschaufeln entsteht eigentlich ein neues Laufrad. In der richtigen Erkenntnis, daß zur Schaffung einer guten Turbine der gesamte Strömungsvorgang in Betracht zu ziehen ist, die Untersuchungen der Strömungsverhältnisse also nicht auf das Laufrad allein beschränkt bleiben dürfen, hat Kaplan ganz besondere Sorgfalt auf die Ausbildung des Saugrohres verwendet. Denn wegen der 54 Alfred Lechner 9 . 53 2 > Abb. 27. Aerodynamisches Paradoxon. hohen Austrittsenergie des Wassers aus dem Laufrad ist deren teilweise Rückgewinnung für die Güte der Turbine sehr wesentlich. 1 Kaplan ist hierbei von folgender Überlegung ausgegangen. Der durch das Leitrad dem Wasser erteilte Wirbel, von Kaplan auch manchmal Drall genannt, muß durch das Laufrad abgebremst werden. 2 Heute kleidet man diesen Gedankengang in die folgende strenge Form: Die Zirkulation vor dem Laufrad muß, zufolge des Satzes von Lord Kelvin , 3 erhalten bleiben und daher der Summe der Zirkulation um die einzelnen Schaufeln und der Zirkulation beim Laufradaustritt gleichkommen. Die Bewegungsenergie des austretenden Wassers soll durch das Saugrohr zum Teil als Druckenergie zurückgewonnen werden können. Denn die Kraft auf eine Schaufel setzt sich aus dem Druckunterschied vor und hinter der Schaufel zusammen; wenn daher der Druck hinter dem Laufrad durch irgendeine Vorrichtung verkleinert wird, muß die drehende Kraft der Schaufel vergrößert werden. Diese Druckerniedrigung hinter dem Laufrad erfolgt durch das Saugrohr, welches Kaplan nach dem Prinzip des aerodynamischen Paradoxons konstruiert hatte (vgl. S. 27). Wird nämlich durch die Vorrichtung (Abb. 27), welche aus einer kreisrunden Platte AB, einem in ihrer Mitte angebrachten Blasrohr K und einer darunterliegenden leichten Platte CI) besteht, Luft bei R hindurchgeblasen, so wird die Geschwindigkeit beim Austritt A BCD zufolge der Querschnittserweiterung verkleinert, der Strömungsdruck also vergrößert (entsprechend der Gleichung p -r- 4- — = konstant, wobei v 2g ' y die Geschwindigkeit, p den Druck, y das spezifische Gewicht der Luft und gr die Erdbeschleunigung bedeuten). Daher muß der Druck im Rohre R vermöge der größeren Geschwindigkeit kleiner sein als der äußere Luftdruck, welcher die bewegliche Platte nach oben drückt. Durch diese Vorrichtung findet die Vergrößerung der Saugwirkung eine anschauliche 1 Vgl. Englessox: Wasserkraftjahrbueh 1924, S. 456, und Kaplan-Leciiner : Theorie und Bau von Turbinenschnelläufern, S. 176. 2 Vgl. Kaplan: Wie die Kaplanturbine entstand. Wasserkraftjahrbuch 1925/26, S. 301. 3 Kaplan-Leciiner: Theorie und Bau von Turbinenschnelläufern, S. 72. Abb. 28. Kaplans Saugrohrkrümmer. Viktor Kaplan. 55 elementare Erklärung, welcher sich Kaplan seinerzeit selbst bedient hatte. In Abb. 28 sind einige der abenteuerlich erscheinenden Formen der Saugrohrkrümmer wiedergegeben. Auf den ersten Blick ‘erkennt man, daß bei dieser Turbine die elementare hydromechanische Theorie (Stromfadentheorie) nicht mehr ausreichen kann. Kaplan hat daher mehrdimensionale Betrachtungen angestellt, die im Buche „Theorie und Bau von Turbinenschnelläufern“ zum Teil in moderner Form wiedergegeben sind. Die Existenz solcher dreidimensionaler Betrachtungen wurde zuweilen mit Unrecht in Zweifel gezogen. Man beachte, daß theoretische Überlegungen in zweifacher Weise getroffen werden können. Es gibt qualitative und quantitative Theorien. Erstere beschränken sich auf eine bloße Begründung des Zusammenhanges der Erscheinungen, letztere suchen den Zusammenhang auch zahlenmäßig festzustellen. Daß Kaplan beide Arten von Überlegungen angewendet hat, bezeugen schon seine bisherigen Veröffentlichungen und die große Zahl seiner Versuchsreihen, wobei man beachten möge, daß jeder Versuch planmäßig ausgeführt wurde, d. h. daß stets eine theoretische Überlegung vorangegangen ist. Gibt doch der ausgeführte Versuch immer nur Antwort auf eine an die Natur gestellte Frage. — Die im Anhang S. 70 wiedergegebene Zusammenstellung der Patente Professor Kaplans 1 möge zeigen, welche Fülle von Gedankenarbeit Kaplan geleistet hat. Aus der Formel für die spezifische Drehzahl n s n \f jy n\fE wo N die effektive Leistung der Turbine, H die Gefällshöhe, n die Umdrehungszahl in der Minute bedeuten, ergibt sich auch die Wichtigkeit der schnellaufenden Turbine für niedere Gefällshöhen (kleine H). Durch die Kaplanturbine können die Energiemengen der großen Ströme bei geringem Gefälle der wirtschaftlichen Verwertung zugeführt werden. Darin ist auch ihre große wirtschaftliche Bedeutung gelegen (vgl. S. 48ff.). Aber die Kaplanturbine hat nicht nur einen hervorragenden wirtschaftlichen Wert, sie ist auch für den weiteren Ausbau der Hydrodynamik fördernd gewesen. Eine schier unabsehbare Literatur über die Strömung durch ruhende und bewegte Schaufelgitter ist entstanden, der eine ganz stattliche Zahl von „Theorien“ über die Kaplanturbine zur Seite gestellt werden kann. Und dazu hat die tatenreiche Arbeit eines Mannes Veranlassung gegeben. Heute ist es nicht schwer, mit Hilfe der ausgebauten Hydromechanik sich von der Richtigkeit der in den Patentschriften und sonstigen Veröffentlichung seinerzeit bekanntgegebenen Gedankengänge Kaplans zu überzeugen. Wie die Schaufeln der Kaplanturbine sich harmonisch in die Hydromechanik einfügen lassen, sei hier an einigen Beispielen gezeigt. — Im Jahre 1848 hatte der Professor der Berliner Universität Magnus jene Ablenkung rotierender Geschosse aus ihrer Bahn zu erklären versucht, für welche die Kreiseltheorie keine Erklärung 1 Diese Zusammenstellung hat Herr Ing. J. Slavik freundliehst zur Verfügung gestellt, wofür ihm an dieser Stelle der Dank ausgesprochen sei. 56 Alfred Rechner gab. Mit Hilfe des BERNOULLischen Theorems gelang es Magnus die Ablenkung zu erklären. Die Luft streicht relativ in der Richtung des angezeigten Pfeiles c an der in Wirklichkeit nach links bewegten und rotierenden Kugel vorbei. Durch die Reibung wird aber dieser Strömung noch eine Zirkulationsströmung überlagert. Dadurch wird an der Stelle A (Abb. 29) die Geschwindigkeit größer sein als an der Stelle B. Dann muß dem BERNOULLischen Theorem zufolge der Druck bei A kleiner sein als bei B, also erfährt die Kugel eine Kraft P, welche von B nach A gerichtet ist und die Kugel senkrecht zu ihrer Bewegungsrichtung abzulenken sucht. Dieser Effekt wird Magnuseffekt genannt. — Auch die Auftriebskraft, welche der Tragflügel eines Aeroplans erfährt, ist von gleicher Art. Auf der hohlen Seite des Tragflügels wird die Luftströmung verzögert; daher ist der Druck auf dieser Seite größer als auf der konvexen Seite. Die Größe dieses dynamischen Auftriebes, der durch den Druckunterschied zwischen der konkaven und konvexen Seite entsteht, kann nach der von Kutta und Joukowsky entwickelten Formel 1 berechnet werden, indem man der gewöhnlichen Strömung eine Zirkulationsströmung überlagert denkt. Damit ist die Analogie mit dem Magnuseffekt gegeben. Die entwickelten Formeln ähneln denen des Kraftfeldes, welches ein vom elektrischen Strom durchflossener Leiter in einem homogenen Magnetfeld erzeugt. Die hydrodynamisch-elektrischen Analogien sind von Föttinger beschrieben worden. Die Schaufeln einer Kaplanturbine haben flügelartige Gestalt; die Berechnung der Druckkraft gestaltet sich analog der früher angedeuteten Berechnung der Auftriebskraft einer Tragfläche. Die Kaplanturbine hat eine innige Verbindung von Turbinen- und Tragflügeltheorie angebahnt. Auch der „Flettnerrotor“ gehört in den Kreis der hier genannten Erscheinungen. Nur hat bei diesem nach einem Erfolg versprechenden Anfang sich nicht jene wirtschaftliche Bedeutung ergeben, wie sie sich bei der zuerst bekämpften, dann sich mühsam durchsetzenden Kaplanturbine tatsächlich eingestellt hat. VI. Die Jahre des Aufstieges und die letzten Lebensjahre. Veröffentlichungen. Erfolge seiner Lizenzfirmen. Prozesse. Verschiedene Ehrungen. Kaplans Tätigkeit auf Rochuspoint. Anzeichen dauernder Genesung. Sein plötzliches Hinscheiden. Im Herbst des Jahres 1922 war Kaplan nach einer Kur in Bad Hall nach Brünn zurückgekehrt und hatte versucht, seine Tätigkeit wieder aufzunehmen.. Er gebrauchte auch in den folgenden Jahren Bäder in Gmunden, namentlich aber in Schallerbach und später in Gastein. Sein Zustand besserte sich zusehends. Aufmerksam verfolgte er die hervorragenden Leistungen seiner Lizenzfirmen und P Abb. 29. Magnuseffekt. 1 Vgl. Kaplan-Lechner a. a. O., S. 73ff. Viktor Kaplan. 57 gewahrte mit Freuden die sichtbaren Anzeichen des durchschlagenden Erfolges seines Lebenswerkes. Die Gewißheit, etwas Hervorragendes geleistet zu haben, trug viel zur Besserung seines Gesundheitszustandes bei. Kaplans Schaffenslust begann sich wieder zu regen. Eine Anzahl Patente wurde angemeldet, 1 er arbeitete mit seinen Assistenten wieder im Laboratorium. Im Wasserkraft] ahrbuch 1924 erschien von ihm eine Arbeit über „Kavitationserscheinungen bei Turbinen mit großer Umlaufsgeschwindigkeit“ und im Jahre 1925/26 daselbst eine besonders lesenswerte Veröffentlichung: „Wie die Kaplanturbine entstand“. Nachrichten, wie die von der bevorstehenden Eröffnung des schwedischen Großkraftwerkes Lilla Edet wirkten günstig auf Kaplans Gesundheitszustand ein; die Genesung schritt sichtbar vorwärts, obwohl ihm Ruhe noch lange nicht beschieden sein sollte. Im Jahre 1925 verwarf das Reichsgericht in Leipzig die gegen das KAPLANSche Hauptpatent ein- gebrachte Nichtigkeitsklage. Damals unterstützten alle Firmen, welche Kaplanturbinen ausführten, den Erfinder im Prozeß gegen seine sachlichen Gegner. Im März 1926 wurde auch ein Angriff auf die Ehre Kaplans durch richterlichen Spruch abgewiesen, die Zeit der Kränkungen und Aufregungen ging zu Ende. In der wissenschaftlichen Welt hatten unparteiische Gutachter bei den verschiedenen Prozessen ihre Äußerungen zugunsten Kaplans abgegeben. Es seien die Namen Prof. Dr. D. Thoma und Prof. Dr. Zerkowttz von der Technischen Hochschule in München und Prof. Dr. F. Jung von der Technischen Hochschule in Wien besonders hervorgehoben. Im Mai 1926 wurde Kaplan auf Grund seiner Verdienste, die nun allseitige Anerkennung fanden, zum Ehrendoktor der Deutschen Technischen Hochschule in Prag promoviert und im November desselben Jahres wurde seines 50. Geburtstages in vielen Zeitschriften ehrend gedacht. Kaplan empfand im Jahre 1927 die Nachricht, daß nun auch in Amerika von der Firma S. Morgan Smith Co. Turbinen gebaut werden sollten, die seinen Namen tragen würden, als eine besondere Genugtuung. Die Wiener Technische Hochschule hatte im Besetzungsvorschlage für die nach dem Hinscheiden Professor Budaus verwaiste Lehrkanzel für Wasserkraftmaschinen Kaplan an erster Stelle genannt. Leider konnte Kaplan mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand dieser Berufung nicht Folge leisten. — Im Wasserkraft]ahrbuch 1927/28, S. 415 ist sein Bericht über „Die Entwicklung des Kaplanlaufrades“ erschienen. In der Zeitschrift „Elektrische Arbeit“ veröffentlichte Kaplan 1929 einen Artikel „Die künftige Entwicklung des Wasserturbinenbaues“. Er sieht in dem verständnisvollen Zusammenarbeiten von Theorie und Versuchsanstalten den weiteren Fortschritt des Turbinenbaues gelegen. Zwei kleinere Artikel in der „Technik für Alle“, „Männer des Wortes und der Tat“ (1928), sowie „Die technische Macht“ (1929) zeugen von der hohen Auffassung, die Kaplan von der Technik hatte. Diese erscheint ihm nicht als eine satanische Macht, wie Spengler u. a. sie ansehen. Alles Unheil, das angeblich von dem technischen Fortschritt ausgehe, ist nach Kaplan nur dem Umstande zuzuschreiben, daß die Technik in der Hand von Machtgierigen gelegen sei. 1 Vgl. S. 70 dieser Biographie. 58 Alfred Lechner Schon im Jahre 1924 ist zwischen dem Verlag Oldenbourg, Kaplan und Lechner ein Vertrag geschlossen worden, der sich auf die Herausgabe einer Neuauflage des im Jahre 1908 erschienenen Buches bezog. 1931 ist dieses neue Werk erschienen, in welchem Kaplan die Gedankengänge, welche ihn zu seiner Turbine geführt hatten, ausführlich dargestellt hat und in dem auch die exakte Begründung seiner Erwägungen zu geben versucht worden ist. Abb. 30. Kaplan in den letzfen Lebensjahren. älÜll Sehr erfreut war Kaplan über seine im Jahre 1930 erfolgte Ernennung zum Ehrenbürger von Unterach und über die Verleihung der goldenen Medaille des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereins in Wien, sowie über seine Berufung zum Mitglied des Deutschen Museums in München. Seit 1931 hatte sich Kaplan, nachdem er um seine Pensionierung angesucht, ganz auf Rochuspoint zurückgezogen. Es zeigt von Wertschätzung und äußerst kollegialem Empfinden des Professorenkollegiums der Deutschen Technischen Hochschule in Brünn, daß dieses die seinerzeitigen Ansuchen um Beurlaubung stets befürwortend weiterleitete, und es gereicht der LViterrichtsverwaltung des tschecho- Viktor Kaplan. 59 slowakischen Staates, die dem Erfinder schon früher durch Gewährung von Geldmitteln einen Ausbau seiner Versuchsanstalt ermöglicht hatte, nur zur Ehre, daß sie dem Pensionierungsgesuch in Anbetracht der Leistungen Professor Kaplans nicht unmittelbar entsprach, sondern ihm weiteren Urlaub zubilligte, stets hoffend, daß die Gesundheit Kaplans doch wieder voll hergestellt werden könnte und dann Kaplans Kraft der Hochschule erhalten bleibe. Aber seit seiner schweren Erkrankung im Februar 1922 war Kaplan ein anderer geworden. Wohl versuchte er, wie wir gesehen haben, die Arbeit wieder aufzunehmen und bekundete regen Abb. 31. Arbeitszimmer Kaplans auf Rochuspoint. Sh**.* J * * Anteil an allem, was mit seiner Turbine, mit Wissenschaft und Technik zusammenhing. Dies bezeugen seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen, die seit 1922 erschienen sind, sowie die Erwiderungen auf die Angriffe seiner nicht verstummenden Gegner. Aber der Schwung, die belebende Kraft fehlte! Der lebhafte Glanz seiner Augen war erloschen, Müdigkeit sprach aus ihnen, und die Elastizität seines Körpers war dahin. Mochte aber auch die Tätigkeit gehemmt sein, der Wille, etwas zu schaffen, war nicht gebrochen worden. Aus diesem Zwiespalt zwischen Können und Wollen erklärt sich so manches, was von Fernstehenden als abnormal bezeichnet werden könnte. Die zahlreichen Holzbauten, die Kaplan auf Rochuspoint errichten ließ, und welche teils zur Unterbringung der WerkzeugmasQhinen, teils als Kinosaal und als Garage dienen sollten, die fortwährenden verschiedenartigsten Arbeiten, deren sofortige Ausführung Kaplan anordnete, entsprangen alle dem 60 Alfred Rechner beinahe faustisch anmutenden Schaffenstrieb Kaplans. Er fühlte sich förmlich wohl, wenn alles um ihn herum mit Arbeit beschäftigt war. Als Kaplan von Lebenskraft strotzte, war sein ganzes Sinnen und Streben nur der Hydraulik und dem Turbinenbau zugewandt; jetzt äußerte sich sein Schaffenstrieb auch auf Gebieten, die wohl außerhalb der exakten Wissenschaften standen. Einige Beispiele seien hier angeführt. Den Wegen auf Rochuspoint fehlte der notwendige Schotter. Kaplan konstruierte nun einen eigenartigen Sandfang, vermöge dessen es gelang, das Geschiebematerial eines bei Rochuspoint vorbeifließenden Gebirgsbaches zu gewinnen und damit auch den Schotter zu erhalten. Was alle bezweifelt hatten, war Kaplan wiederum gelungen. Es war überhaupt sein Streben, alles selbst herzustellen und eine gewisse Unabhängigkeit zu erreichen. Es sollte auf Rochuspoint ein Wasserbehälter für die Turbinenanlage des Hauses errichtet werden. Mit ein paar Arbeitern wurde unter Hilfeleistung von Familienmitgliedern und Gästen diese Arbeit sowie die Anlegung einer Straße auf Rochuspoint in kurzer Zeit vollendet. Kaplan stellte auch zur Regelung der Turbine eine Vorrichtung her, welche durch einen einfachen Mechanismus vom Zimmer aus betätigt werden kann. 1 Sowohl bei der Trassierung der Straße als auch bei der Anfertigung der Reguliervorrichtung war ihm sein Jugendfreund Franz Mayer behilflich gewesen. Bei diesem Schaffensdrang darf es nicht überraschen, wenn Kaplan die Idee seines Schwiegersohnes Ing. Dr. Edwin Kramberger, einen neuen hochwertigen Lötkolben herzustellen, mit Freuden aufgriff und mit der ihn besonders auszeichnenden Beharrlichkeit an die Ausführung schritt. Dieser Lötkolben wird aus Kupfer gegossen, die elektrische Heizspirale in das Innere des Kupferkörpers gelegt. Das Kupfer wurde in Form von Altkupfer und Kupferdraht beschafft und in einem eigens dazu errichteten Versuchsofen geschmolzen (Abb. 32). So finden wir Kaplan auf seiner Besitzung immer vollbeschäftigt; umsichtig leitete er die Wirtschaft auf Rochuspoint, ließ Obstkulturen anlegen, pflegte Bienenzucht und sorgte für seine Wiesen. Er hatte sich stets auf die Zeit gefreut, wo er sich ganz der Pflege seines Anwesens, das er seinerzeit in einem recht unzulänglichen Zustand übernommen hatte, widmen könne. Aber als schließlich im Frühjahr 1934 seinem Pensionierungs- ansuchen entsprochen wurde, wobei er das Recht erhielt, als Honorarprofessor Abb. 32. Schmelzofen auf Rochuspoint. 1 Diese Vorrichtung ist in Abb. 31 beim linken Fenster zu sehen. Viktor Kaplan. 61 jederzeit Vorlesungen halten zu dürfen, da fiel ihm der Abschied vom akademischen Leben doch recht schwer! Er verbrachte den Monat Juni des Jahres 1934 mit seiner Frau und den Eltern seines Schwiegersohnes Kramberger in Warmbad Villach und kehrte Anfang Juli neugestärkt und voller Hoffnung, doch wieder ganz gesund zu werden, nach Unter- ach zurück. Am 18. Juli 1934 war es ihm vergönnt, im Kreise seiner Familie, die noch um zwei liebliche Enkelkinder Grete und Helga vermehrt worden war, das Fest der silbernen Hochzeit feiern zu können. Nach den Jahren der Arbeit, des "■» h »a&u % , ■ Abb. 33. Sterbezimmer Kaplans auf Rochuspoint. Kampfes und der Sorge sollten nun doch Jahre der Ruhe und Friedlichkeit folgen. Jedenfalls waren alle Anzeichen dafür vorhanden; leider hatte es das Schicksal anders bestimmt. In der Zeit vom 18. bis 21. August waren noch seine Freunde Franz Mayer, Dr. Richard und Karl Wolf, sowie sein Assistent Slavik mit ihm beisammen. In diesen Tagen überbrachte noch Prof. Dr. Alfred Hawranek aus Brünn die Nachricht von Kaplans Ernennung zum Ehrendoktor der Deutschen Technischen Hochschule in Brünn, über welche Nachricht sich Kaplan sehr freute. Am Abend des 22. August war er noch bei bestem Wohlbefinden. Nichts ließ auf eine Katastrophe schließen. Er ging wie gewöhnlich um 9 Uhr zu Bett. Um y 2 5 Uhr früh stand er noch auf, das Fenster seines Schlafzimmers zu schließen. Gegen x / 2 6 Uhr früh vernahm seine Gattin ein Röcheln — die Katastrophe war plötzlich eingetreten. Alle rasch herbeigeholte ärztliche Hilfe war vergebens. Um 3 / 4 5 Uhr nachmittags verschied Viktor Kaplan in den Armen seiner getreuen 62 Alfred Lechner Frau. Einem Schlaganfall ist Professor Kaplan erlegen. Ein tatenreiches Leben war beendet. Am 27. August wurde was an Professor Kaplan sterblich war, unter der regen Anteilnahme der Unteracher Bevölkerung zur Erde bestattet. 1 An seinem Grabe hielten Professor Dr. Huntsdorfer aus der Benediktinerabtei Kremsmünster, Prof. Ing. Dr. Hawranek als Rektor der Deutschen Technischen Hochschule in Abb. 34. Ruhestätte Viktor Kaplans auf Rochuspoint. --ra|. . ' i S C w * * Brünn, Prof. Dr. Lechner als Vertreter des Rektors der Technischen Hochschule in Wien und Ing. H. Storek aus Brünn warmempfundene Nachrufe. Kaplans letzter Wunsch war, auf Rochuspoint in eigener Erde bestattet zu werden. Diesem Wunsche wurde auch von seiner Familie entsprochen und seit 16. November 1935 ruhen die irdischen Überreste in einer von den Architekten Siegfried Theiss und Hans Jaksch entworfenen Ruhestätte auf der sonnigen Höhe von Rochuspoint (Abb. 34). 1 Die Beisetzung erfolgte provisorisch in der Gruft Prof. Hafssners. Viktor Kaplan. 63 VII. Kaplans Persönlichkeit. In großen Zügen wurde im vorstehenden der Lebenslauf Kaplans mit besonderer Berücksichtigung seiner Forscher- und Erfindertätigkeit zu gehen versucht. Das Lebensbild dieses hervorragenden Technikers soll jetzt noch durch eine Schilderung seiner besonderen Charaktereigenschaften und seiner Persönlichkeit ergänzt werden. Eine Haupteigenschaft Kaplans bildete die Treue. Er schloß sich zwar schwer jemandem an, sein Abschließen mögen viele falsch gedeutet haben, aber wer das Glück hatte, mit ihm in engeren Verkehr zu treten, der konnte seiner Anhänglichkeit gewiß sein. Keinen vergaß er, der ihm einmal Freund gewesen! Auch als er zu Wohlstand, Ansehen und Weltberühmtheit . gelangt war, vergaß er seine alten Freunde und Verwandten nicht und suchte gern die Stätten seiner Jugend auf. Vergalt er Freundschaft mit Freundschaft, so mußte, wer ihn angriff, sich gar bald davon überzeugen, in Kaplan einen Gegner gefunden zu haben, der wahrlich nichts schuldig blieb, sondern jeden Angriff durch einen heftigen Gegenangriff parierte. Und doch mögen seine Gegner überzeugt sein, daß Kaplan jederzeit bereit gewesen, die Hand zur Versöhnung zu reichen, falls dies ehrlich gewünscht worden wäre. Er ist dem Kampfe nie ausgewichen, sondern nahm ihn mutig auf; und doch war Krieg nie Kaplans Sache, er wünschte immer in Frieden zu leben. Ein Leben, das .so mit Arbeit ausgefüllt war, wie das seine, bedurfte der Ruhe. » Abb. 35. Kaplan, der Wanderer. Abb. 36. Kaplan beim Schachspiel. Abb. 37. Kaplan im Motorboot auf dem Attersee. mmM «4 Alfred Lechner Zwang war ihm verhaßt. Es ist jedenfalls merkwürdig, daß es diesem Manne, welchem jeder Zwang, jede Etikette Unbehagen bereitete, der die individuelle ■"v X wm M2 b&v&< Abb. 38. Kaplan beim Lesen im Freien. Freiheit über alles liebte, Vorbehalten war, mit der zwangsweisen Führung des Wassers in den Zellen, wie dies bei der Francisturbine der Fall ist, zu brechen, die Gesetze der freien Strömung zu entwickeln und jene Turbine zu schaffen, bei der das W T asser seine Kräfte frei entfalten kann. Zwang bedeutete für ihn auch die fristgerechte Erledigung der verschiedenen Patenteinsprüche, die gemacht werden mußte, wollte er nicht der Früchte seiner mühevollen Arbeit verlustig gehen, was ihm aber an sich als eine unfruchtbare Tätigkeit erschienen ist. Sie kostete Zeit, die er gerne für schaffende Arbeit verwendet hätte. Aus diesem Unbehagen, das ihm der Zwang auf- -erlegte, erklärt sich auch der nervöse Zustand, die Überreiztheit, die seine nächste Umgebung gar oft zu verspüren bekam und welche sich dann häufig explosivartig äußerte. Dieser nervöse Zustand scheint im Jahre 1922 zum Zusammenbruch seiner Gesundheit geführt zu haben. Eine Haupteigenschaft Kaplaxs Avar ferner, wie Avir bereits gesehen haben, sein Fleiß, seine Ausdauer und Zähigkeit. Man hat Kaflan Avohl nie untätig ge- £.4' WM Abb. 39. Schaufelklotz zur ersten Versuchsturbine. Viktor Kaplan. 65 Abb.40. Kaplan und seine Krähe. sehen! Diese Zähigkeit bezeugt auch Ing. Edwin Storek in einem für die Biographie zur Verfügung gestellten Briefe. Darin heißt es: „Oftmals wurde in der Folge die an und für sich schon verstellbare Turbine umgebaut, viele neue Laufradformen entwickelt und versucht, bis im Jahre 1912 ein propellerähnliches Laufrad die ersten Umdrehungen machte, das erste Kaplanrad. Der nunmehrige Adjunkt Dr. Kaplan hat mit viel Bastlergeschick werktätig eingegriffen. Viele Laufrädchen, Saugrohrformen, Leitschaufeln, Bremseinrichtungen usw. entstanden unter seinen Händen. Er sah weder rechts noch links, starr ging er seinen vorgezeichneten Weg. Es kamen dann die Patentanmeldungen, zu welchen ihm ein Fabriksdirektor seine reichen Erfahrungen frei zur Verfügung stellte, die Großversuche bei Voith, die erste wirkliche Turbine, die meine Firma baute, der große Wagemut, die Rückschläge und endlich der Weg ins Große. Dr. Kaplan, der eigentlich ein echter, gemütlicher und humorvoller Wiener geblieben ist,, schien unter dem Banne, den das strömende Wasser auf jeden Menschen ausübt, besonders stark zu stehen. Seine hohen geistigen Fähigkeiten waren, sobald es sich um Wasser und Wasserkräfte handelte, konzentriert dem einen Ziel zugerichtet. Mit dem Eifer und der Selbstverleugnung eines Ignatius von Loyola ist es ihm gelungen, nicht nur sein Ziel zu erreichen, sondern auch eine große Zahl von Jüngern zu finden.“ Neben der glücklichen Verbindung von Theorie und Beobachtung verdankt er hauptsächlich dieser Zähigkeit seine Erfolge. Bezüglich seiner wissenschaftlichen Arbeitsmethode sei noch folgendes angeführt. Kaplan stellte, wie er sich oft auszudrücken pflegte, an die Natur die Frage, und diese hat ihm im Experiment die Antwort gegeben. Er ähnelt hierin wie auch in seiner wissenschaftlichen Einstellung dem Physiker Ernst Mach. War Kaplan zuerst reiner Forscher, dann Erfinder und Kämpfer für seine Idee, Geschichte der Technik, 3. II. Abb. 41. Kaplan als Familienvaier. 66 Alfred Lechner der mit ganzer Kraft den Angriff parierte, so war er nach seiner ersten Erkrankung bereits eine abgeklärte, sogar milde Natur. Kaplan war kampfesmüde geworden und sehnte sich nach Ruhe und Frieden. Als guter Mensch immer auch Vorliebe für Tiere zeigend, bereiteten ihm Tiere nach seiner Erkrankung eine ganz besondere Zerstreuung. Damit hängt auch eine Affengeschichte zusammen, die einst in den Zeitungen entsprechend aufgebauscht zu lesen war. Kaplan hielt sich neben Hunden, Katzen, zahmen Krähen auch drei Kapuzineräffchen. Dieselben sollten sich — der Zeitungsnotiz zufolge — eines schönen Tages über seine mit Banknoten gefüllte Brieftasche gemacht haben. Kaplan widersprach diesem Gerücht und setzte hinzu, Abb. 42. Kaplan mit seinem Kraftwagen auf dem Paß Lueg. JUL ' : V Aj ' ^ ' T *w - >5 daß ihm Tiere noch nie Schaden zugefügt hätten, wohl aber haben sich Menschen an seinem geistigen Eigentum vergriffen. Auch meinte er launig: „Durch die Affengeschichte bin ich schneller bekannt geworden als durch meine Turbine.“ Gut war Kaplan auch zu seinen Mitmenschen; wer ehrliches Streben zeigte, wer sein Brot durch Arbeit, gleichgültig ob durch geistige oder manuelle, redlich verdiente, der konnte seiner Wertschätzung und Hilfe gewiß sein. Und vielen hat er geholfen! Er, der sich durch eigene Arbeit emporgerungen hatte, wußte was Arbeit heißt und schätzte Arbeitsamkeit sehr hoch ein. Daher war auch sein Streben als Vater darnach gerichtet, seine Kinder, die er über alles liebte, zu tüchtigen Menschen zu erziehen. War er früher ein eifriger Tourist, dem kein Berg zu hoch war, so litt er nach seiner Erkrankung schwer an dem Umstande, seine geliebte Bergwelt nur von unten aus sehen zu können und auf größere Wanderungen verzichten zu müssen. Er war denn auch dem Geschicke dankbar, daß es ihm gegönnt war, ein Auto zu erwerben und mit Hilfe dieses Verkehrsmittels die Stätten seiner Jugendzeit, wie Mürz- Viktor Kaplan. G7 Zuschlag, Neuberg und Südtirol, aber auch die großen Kraftwerke, wo seine Turbinen eingebaut sind, besuchen zu können. Mit Genugtuung hat er diese Werke besichtigt und dankbarst empfand er die Anerkennung, die ihm Männer der Wissenschaft, der Industrie, aber auch die einfachen Arbeiter zollten. Abb. 43. Einbau der Kaplanturbine in das Rheinkraftwerk Ryburg-Schwörstadt. BL.N .’’"'UV ■f Kein Wunder, daß Kaplan nach einem Leben voll Kampf und Entsagung für die Hochschätzung, die ihm aus allen Kreisen der Bevölkerung entgegengebracht wurde, empfänglich war. Besonders freute ihn die Wertschätzung, die ihm auch Erzherzog Josef Ferdinand wiederholt bezeugt hat. Die lebende Generation hat Kaplan bereits Ehrungen zuteil werden lassen. Es ist jetzt ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, daß auch die künftigen Geschlechter seinen verdienstvollen Namen in dauernder Erinnerung behalten mögen. 5 * Alfred Lechner 68 Aus der Wiener Technischen Hochschule ist Kaplan hervorgegangen, aus jener Stätte, aus der einst Adam v. Burg, der emsige Verbesserer der Wasserräder, F. Redtenbacher, der Begründer des wissenschaftlichen Maschinenbaues und Bahnbrecher der Francisturbine, und J. v. Radinger, der Schöpfer der schnellaufenden Kolbendampfmaschine, hervorgegangen sind. Zu diesen reiht sich nun Kaplan, der Erfinder der schnellaufenden Wasserturbine. Ein Denkmal soll ihm gesetzt werden, würdig seiner Tat! Nicht bloß in Erz oder Marmor, ein lebensvolles, ein technisches Denkmal soll es sein! Denn sein Streben ging darnach, durch seine Erfindung den Fortschritt der Menschheit zu fördern, und diese sollte Nutznießerin seiner Schöpfung werden. Abb. 44. Shannon Kraftwerk in Irland. ■it hi «i m (H ib in ;n *• ß • • « i •*! u w** —. Hl - Ein mit Kaplanturbinen ausgestattetes Großkraftwerk, wie solche im Deutschen Reiche, in Schweden, in Rußland u. a. 0. bereits vorhanden sind, möge auch in seinem Heimatlande am Donau ström entstehen und seinen Namen tragen, auf daß in den kommenden Geschlechtern die Erinnerung an diesen bahnbrechenden österreichischen Forscher und Erfinder dauernd fortlebe! Anhang . 1 I. Verzeichnis der wichtigsten Veröffentlichungen Kaplans. 1. Über die Verwendungsmöglichkeit von hochgespannten bzw. verflüssigten Gasen im Wärmemotorenbetriebe. Zeitschr. f. d. ges. Kohlensäureindustrie, 1905, Heft 10 u. 11. 2. Ein neues Verfahren zur Berechnung und Konstruktion der Francisturbinenschaufel. Zeitschr. f. d. ges. Turbinen wesen, 1905, S. 113. 1 Außer den hier angeführten Österreichischen und Deutschen Keichs-Patenten wurden auch in vielen anderen Kulturstaaten Patente auf die meisten hier angegebenen Erfindungsgegenstände erteilt. Die Gesamtzahl aller KAPLAX-Patente beträgt etwa 260. Viktor Kaplan. 69 3. Theoretische Untersuchungen und deren praktische Verwertung zur Bestimmung rationeller Schaufelformen für Schnelläufer. Ebenda, 1906, S. 2. 4. Über die rationelle Ausbildung der Laufradbegrenzung von Schnelläufern. Ebenda, 1907, S. 234. 5. Über die praktische Verwendbarkeit der LoRENZschen Turbinentheorie und Vorschläge zur Klarstellung der Wasserbewegung in Kreiselrädern. Ebenda, 1907, S. 69. 6. Nachweis der Richtigkeit der derzeit gebräuchlichen Turhinentheorien auf Grund von Bremsproben an ausgeführten Turbinenanlagen. Ebenda, 1907, S. 189. 7. Bau rationeller Francisturbinenläufer. Verlag R. Oldenbourg, München, 1908. 8. Über den gegenwärtigen Stand der Theorie und Praxis des Wasserturbinenbaues. Mitt. d. dtsch. Ing.-Ver. in Mähren, 1910, Heft 1. 9. Die Entwicklung der Theorie und des Baues der Wasserkraftmaschinen. Zeitsclir. f. Mühlen- u. Speicherbau, 1911, S. 205. 10. Versuche über das Sichtbarmachen der Wasserströmung in den Turbinen und dessen Verwertung in der wissenschaftlichen Forschung. Mitt. d. k. k. techn. Versuchsamtes, Wien 1912, Heft 2 u. 3. 11. Einrichtung und Versuchsergebnisse des Turbinenlaboratoriums an der deutschen Techn. Hochschule in Brünn. Zeitsclir. d. Österr. Ing.- u. Arch.-Ver., Wien 1912, Heft 17, S. 257. 12. Auszugsweise Veröffentlichung über die Versuchsergebnisse des Turbinenlaboratoriums an der Deutschen Techn. Hochschule in Brünn. Die Turbine, 1912, Heft 22. 13. Die Gesetze der Flüssigkeitsströmung bei Berücksichtigung der Fliissigkeits- und Wandreibung. Zeitsclir. d. Vereins Deutscher Ingenieure, 1912, S. 1578. 14. Die Berechnung der Flüssigkeitsreibung in Saugrohren, Düsen und Zellen von Turbinen und Pumpen. Zeitsclir. f. d. ges. Turbinenwesen, 1912, S. 83. 15. Die zweidimensionale Turbinentheorie mit Berücksichtigung der Wasserreibung und deren Anwendung und Ergebnisse bei Schaufelkonstruktionen. Ebenda, 1912, Heft 34—36. 16. Entwicklung und Versuchsergebnisse einer Wasserturbine. Zeitsclir. d. Österr. Ing.- u. Arcli.-Ver., 1917, S. 473—497. 17. Eine neue Wasserturbine und ihre Beziehung zur Wasserwirtschaft. Die Wasserwirtschaft, 1917, Heft 10—14. 18. Eine neue Wasserturbine und ihre Beziehungen zur Elektrotechnik. Elektrotechnik und Maschinenbau, 1917, Heft 33, S. 393. 19. Wie läßt sich die Leistung bestehender ’Wasserkraftanlagen ohne erhebliche Betriebsstörungen erhöhen? Die Wasserwirtschaft, 1917, Heft 21. 20. Eine neue Wasserturbine. Zeitsclir. f. d. ges. Wasserwirtschaft, 1917, Heft 22. 21. Eine neue Wasserturbine und ihre Verwendung in den Papierfabriken. Zentralbl. d. österr.-ung. Papierindustrie, 1917, Heft 23. 22. Eine neue Wasserturbine und ihre Beziehung zum Miililenbau. Die Mühle, 1917, Heft 14. 23. Die Kaplanturbine und ihre Beziehungen zur Wasserwirtschaft. Wasserwirtschaft, 1918, Heft 6. 24. Über schwarze und weiße Kohle. Zeitsclir. f. d. ges. Turbinenwesen, 1918, Heft 32. 25. Über die AVasserkräfte im allgemeinen und deren Ausnützung durch eine neue Turbine. Alälir.-Sehles. Gewerbe-Ztg., 1918, Heft 4. 26. AA'esen und Wirkungsweise der Kaplanturbine. Zentralbl. f. Papierindustrie, 1918, Heft 21. 27. A\ T esen und Wirkungsweise der Kaplanturbine. Zentralbl. f. Papierindustrie, 1919, Heft 21. 28. Das W T esen und die Bremsergebnisse der Kaplanturbine. AA'asserwirtscliaft, AAien, 1919, Heft 19. 29. Kaplanturbine oder Francisturbine? Zeitsclir. f. d. ges. Turbinenwesen, 1919, S. 346. 30. Über den wirtschaftlichen Antrieb von Sägewerken. Zeitsclir. f. Mühlen- u. Speicherbau, 1920, Heft 4 u. 8. 70 Alfred Lechner 31. Der Wirkungsgrad der Kaplanturbine. Die Mühle, 1920, Heft 31. 32. Eine neue Wasserturbine für den Mühlenbetrieb. Die Mühle, 1920, Heft 3. 33. Wesen und Wirkungsweise der Kaplanturbine. Teckn. Rundschau, Bodenbach, 1920, Heft 8. 34. Bremsergebnisse einer Kaplanturbine. Zeitschr. f. d. ges. Turbinenwesen, 1920, Heft 19 u. 20. 35. Die Entstehungsgeschichte der neuen amerikanischen Schnelläuferturbinen. Zeitschr. ,,Die Wasserkraft“, 1921, S. 42. Daselbst S. 150 u. 343 noch folgende Aufsätze: „Amerikanische Erfindungen“, „Herr Poebixg und seine Beziehungen zur Kaplanturbine“. 36. Was ist die Propellerturbine! Wasserkraft, München, 1925, Heft 8. 37. Kavitationserscheinungen bei Turbinen mit großer Umlaufsgeschwindigkeit. Wasserkraftjahrbuch, 1924. 38. Wie die Kaplanturbine entstand. Wasserkraft]ahrbucli, 1925/26. 39. Die Donau als Energiequelle. Zeitschr. d. Österr. Ing.- u. Arch.-Ver., 1926, Heft 3/4. 40. Die Entwicklung des Kaplanlaufrades. Wasserkraftjahrbuch, 1927/28. 41. Die künftige Entwicklung des Wasserturbinenbaues. In „Elektrische Arbeit“, 1929. 42. Männer des Wortes und der Tat. In „Technik für Alle“, 1928. 43. Die technische Macht. Ebenda, 1929. 44. Francisschnellaufer und Propellerturbine. Die Wasserwirtschaft, 1929, S. 437. 45. Theorie und Bau von Turbinenschnelläufern. Verlag Oldenbourg, München, 1931. II. Yerzeichn is der Patente Kaplans. 1. „Kreiselmascliinc I.“ Kreiselmaschine mit radialem Leitrad und vorwiegend axial durchflossenem Laufrad. Erstanmeldung in Österreich am 28. XII. 1912. Österr. Pat. Xr. 74388, D.R.P. 293591. 2. „Kreiselmaschine II.“ Kreiselmascliine mit weitem schaufellosen Raum zwischen dem vorwiegend radialen Leitrad und dem vorwiegend axialen Laufrad. Erstanmeldung in Österreich am 16. IX. 1913. Österr. Pat. Xr. 86511, D.R.P. 325061. 3. „Regulierung I. Hauptpatent.“ Kreiselmaschine mit drehbaren Laufradschaufeln. Erstanmeldung in Österreich am 7. VIII. 1913. Österr. Pat. Xr. 74244, D.R.P. 289 667. 4. „Laufrad I. Hauptpatent.“ Laufrad ohne Zellen, Profillänge kürzer als zugehörige Schaufelteilung. Erstanmeldung in Österreich am 6. X. 1913. Österr. Pat. Xr. 73 820, D.R.P. 300591. 5. „Leitvorrichtung.“ Leitvorrichtung für Kreiselmaschinen mit erzwungener Ablenkung des Arbeitsmittels im Leitradraum. Erstanmeldung in Österreich am 17. II. 1914. Österr. Pat. Xr. 74722, D.R.P. 344131. 6. „Regulierung Zusatz I.“ Anordnung des Kurbelmechanismus zur Betätigung der verdrehbaren Laufradschaufeln. Erstanmeldung in Österreich am 18. V. 1914. Österr. P. Xr. 82798, D.R.P. 325860. 7. „Düse 1.“ Düse zur Umsetzung von Geschwindigkeit in Druck mit scharfer Strahlablenkung. Erstanmeldung in Österreich am 10. VIII. 1914. Österr. P. Xr. 77 595, D.R.P. 319 780. 8. „Laufrad Zusatz III.“ Flügelrad, bei welchem die Länge des Schaufelschnittes mit einer Stromfläche ungefähr gleich ist der halben Schaufelteilung. Erstanmeldung in Österreich am 15. IX. 1915. Österr. P. Xr. 77 597, D.R.P. 326919. 9. „Laufrad Zusatz 1.“ Laufrad, dessen Schaufeln außen zellenlos sind, innen jedoch Zellen bilden. Erstanmeldung in Österreich am 30. X. 1915. Österr. P. Xr. 81485, D.R.P. 322 233. 10. „Düse II.“ Düse zur Umsetzung von Geschwindigkeit in Druck mit gerader Mittellinie und trompetenförmiger Erweiterung gegen eine Ablenkungswand. Erstanmeldung in Österreich am 2. VIII. 1916. Österr. P. Xr. 77 080, D.R.P. 323084. Viktor Kaplan. 71 11. „Laufrad Zusatz II.“ Flügelrad, bei welchem die Schaufelteilung ungefähr doppelt so groß ist als die Projektion des Schaufelprofils auf die Teilung. Erstanmeldung in Österreich am 5. VIII. 1916. Österr. P. Nr. 77 596, D.R.P. 326920. 12. „Laufrad II.“ Axiales Laufrad mit maximal 1 / 3 Überdeckung an den äußeren Schaufelteilen. Erstanmeldung in Österreich am 11. VII. 1917. Österr. Pat. Nr. 99786, D.R.P. 438778. 13. „Laufrad III.“ Laufradwinkel mit stark gekrümmten Profilen, Austrittswinkel kleiner als der achte Teil des Eintrittswinkels. Erstanmeldung in Österreich am 2. I. 1918. Österr. Pat. Nr. 89527, D.R.P. 337 387. 14. „Laufrad Zusatz IV.“ Flügelrad, bei welchem der Flächeninhalt der Laufradschaufeln kleiner ist als l j 3 der vollen Kreisfläche des Laufrades. Erstanmeldung in Österreich am 12. VIII. 1919. Österr. Pat. Nr. 93095, D.R.P. 335701. 15. „Düsenfortsatz.“ Düsen Verlängerung. Erstanmeldung in Österreich am 28. VI. 1920. Österr. Pat. Nr. 98553, D.R.P. 185634. 16. „Rohrkrümmer.“ Rohrkrümmer mit veränderlichem Rohrquerschnitt. Erstanmeldung in Österreich am 28. VI. 1920. Österr. Pat. 95 366, D.R.P. 353 695. 17. „Düsenstege.“ Düse zur Umsetzung von Geschwindigkeit in Druck mit Zwischenwänden. Erstanmeldung in Österreich am 19. XII. 1921. Österr. Pat. Nr. 94877. 18. „Düsenanordnung I.“ Anordnung mehrerer Düsen. Erstanmeldung in Österreich am 19. XII. 1921. Österr. Pat. Nr. 94878. 19. „Düsenanordnung II.“ Ebenso. Österr. Pat. Nr. 97311. 20. „Regulierung 2.“ Laufschaufelregulierung mit Antrieb der Drehschaufeln durch ein gemeinsames Zahnrad. Erstanmeldung in Österreich am 19. XII. 1921.* Österr. Pat. Nr. 95922, D.R.P. 378676. 21. „Regulierung III.“ Lauf Schaufelregulierung, bei welcher sich die scheibenförmigen Schaufelschäfte auf einem gemeinsamen Ring abstützen. Erstanmeldung in Österreich am 19. XII. 1921. Österr. Pat. Nr. 99126, D.R.P. 390223. 22. „Regulierung IV.“ Laufschaufelregulierung, bei welcher die Schaufeln mit ihren Schäften in die Nabe eingeschraubt sind. Erstanmeldung in Österreich am 19. XII. 1921. Österr. Pat. Nr. 94879, D.R.P. 378677. 23. „Regulierung V.“ Laufschaufelregulierung, bei welcher nur einzelne Schaufeln verstellbar sind. Erstanmeldung in Österreich am 19. XII. 1921. Österr. Pat. Nr. 99298. D.R.P. 390 224. 24. „Laufrad IV.“ Laufrad mit nach Schraubenflächen konstanter Steigung geformten Schaufeln. Erstanmeldung in Österreich am 19. XII. 1921. Österr. Pat. Nr. 109016. 25. „Laufrad V.“ Verfahren zur Herstellung von Laufrädern gleicher spezifischer Drehzahl für Kaplanturbinen oder Pumpen. Erstanmeldung in Österreich am 6. II. 1922. Österr. Pat. Nr. 104583. 26. „Laufrad VI.“ Laufrad, bei welchem die Rückenseiten der Schaufelprofile nach der Theorie geformt sind. Erstanmeldung in Österreich am 15. IX. 1922. Österr. Pat. Nr. 98086, D.R.P. 404165. 27. „Laufrad VII.“ Kaplanturbine, bei welcher die Fläche der Laufradschaufeln höchstens gleich ist der halben, durch Rotation der Leitradaustrittskanten um die Laufradachse gebildeten Fläche. Erstanmeldung in Deutschland am 25. VI. 1923. D. R.P. 454573. 28. „Langsamläufer II.“ Langsamlaufendes Kaplanlaufrad mit großem Nabendurchmesser. Erstanmeldung in Österreich am 13. VI. 1921. Schweiz. Pat. Nr. 101469. 29. „Laufradschaufel.“ Laufradschaufel, bei welcher die Vorder- und Rückenprofile durch Verdrehung aus einander gebildet sind. Erstanmeldung in Österreich am 23. V. 1921. Österr. Pat. Nr. 94 868. 30. „Regulierung Va.“ Laufrad mit Drehschaufeln und festen Schaufeln, die in verschiedenen Ebenen angeordnet sind. Erstanmeldung in Österreich am 4. I. 1923. Österr. Pat. Nr. 100875. 31. Kreiselmaschine mit weitem schaufellosem Raum zwischen dem im Wesen radialen Leitrad und dem im Wesen axialen Laufrad, wobei das Laufrad zellenlos ist. Alfred Lechner („Kreiselmaschine III.“) Erstanmeldung in Österreich am 24. IX. 1921, bzw. 29. VII. 1914. Österr. Pat. Xr. 93115. 32. „Saugrohr.“ Saugrohr mit starker Erweiterung. Erstanmeldung in Österreich am 2. I. 1922. Österr. Pat. Xr. 96380. 33. „Langsamläufer III.“ Laufrad für langsamlaufende Kaplanturbinen. Erstanmeldung in Österreich am 27. VI. 1925. Österr. Pat. Xr. 120 669. III. Zusammenstellung einiger beachtenswerten Kap1anturbinen- anlag en. Nr. Anlage x a N PS Q m 3 'sek H m 1 1 n S D i m i Vargön, Schweden . 1705 15 200 314 4,3 i 930 7 2 Vargön, Schweden. 1660 14 800 303 4,3 920 8 3 Ry bürg-Schwörstadt, Deutsches Reich-Schweiz. 1040 36400 307 10,7 739 7 4 Swir III, Rußland. 1025 37 500 290 11 725 7,42 5 Dogern, Deutsches Reich, Schweiz. 1013 35 500 300 10 730 7 6 Bonneville in Oregon, U.S.A. . 685 66000 280 21 430 7 7 Lilla Edet, Schweden. 675 11200 146 6,5 650 5,8 8 Laliolm, Schweden. 645 16000 166 8,5 726 5,5 9 Safe Harbor, U.S.A. 624 42 500 213 16,7 — 5,59 10 Lanforsen, Schweden. 461 13000 122 9,25 660 4,77 11 Aborrforsen, Finnland. 442 16000 128 10,9 684 4,56 12 3 Mainanlagen, Heubach, Obernau, Klein Wallstadt, Deutsches Reich. 435 2 550 70 3,25 790 4,50 13 Kachlet (Propellerturbine), Deutsches Reich. 435 9 320 92,4 9,20 453 4,60 14 Myllykoski, Finnland. 426 5 500 80 5,8 775 4,10 15 Mainanlage, Griesheim, Deutsches Reich. 402 2350 64,6 3,25 835 4,30 16 „Mittlerer Inn“ (Wasserburg, Teufelsbruck, Gars), Deutsches Reich. 305 5150 72 6,59 781 17 Tammerfors, Finnland. 302 5400 70 6,82 834 3,50 18 Xeckarsteinach, Deutsches Reich 266 2410 50 4,35 835 3,55 19 Munkfors, Schweden. 249 15000 85 19,40 700 3,70 20 Rockenau, Deutsches Reich .. . 236 3150 50 5,62 690 3,40 21 Eching (Isar), Deutsches Reich 218 12000 72,5 14,5 732 4,00 22 Alcala del Rio, Spanien. 208 4710 52 8 700 3,20 23 Hengstey II, Deutsches Reich . 207 1240 33,2 3,3 538 3,40 24 Mori, Italien . 205 7 000 60 10,5 660 3,10 25 Sorio, Italien. 205 6250 60 9,8 830 3,0 26 Atorp, Schweden . 204 5920 53,2 9,5 770 3,02 27 Shannon, Irland . . .. 181 33500 90 32,5 400 4,00 28 Gratwein, Österreich. 141 3500 35 8,5 680 2,7 29 Garigliano, Italien. 130 I 4420 37 10,5 740 2,4 30 Kremsier, Tschechoslowakei . . . 108 ■ 1000 22 4,4 1050 2,2 31 Görz, Italien . 77 1118 17 6 1130 1,8 32 Siebenbrunn, Oberösterreich . . . 75 1 150 16,4 5,4 930 l 1 1,9 Viktor Kaplan. ?a Da im Text (Seite 34) zum Teil die Konstruktionsleistungen angegeben wurden, weichen die Zahlenangaben in dieser Tabelle, welche sich auf die Bremsleistungen beziehen, vielfach von den früher angegebenen Werten ab. In dieser Zusammenstellung bedeuten: N die Leistung der Turbine in Pferdestärken (PS), H die Gefällshöhe in Metern, Q die sekundliche Wassermenge in m 3 /sek, n s die spezifische Drehzahl, D 1 den Laufraddurchmesser in Metern und A\ die sog. Einheitsleistung der Turbine. Der Zusammenhang zwischen -der Einheitsleistung N lr N der Leistung N und der Gefällshöhe II ist durch die Formel A T X = ^/ jj 3 gegeben. Die Zusammenstellung ist der Arbeit von Reindl: „Die derzeitigen Grenzen im Wasserkraftmaschinenbau“, Wasserkraft]ahrbuch 1930/31, S. 308 entnommen; sie wurde ergänzt, erhebt aber auf Vollständigkeit keinen Anspruch. Das nachstehende Bild zeigt die Kaplantafel für das Ehrenmal, welches am Geburtshaus Kaplans in Mürzzuschlag angebracht und am 20. September 1936 feierlich enthüllt wird. KAPLAN-TAFEL für das Ehrenmal in Mürzzuschlag Bildhauer A. Endstorfer, Wien. ä j Die Dr. Carl Auer-Welsbach Gedächtnisausstellung im Technischen Museum für Industrie und Gewerbe in Wien . 1 Von Ing. Dr. Franz Sedlacek. War auch der unmittelbare Anlaß zu der Sonderschau „Auer von Welsbach“. die im Herbst 1935 vom Technischen Museum in Wien veranstaltet wurde, das 50jährige Jubiläum des Gasglühlichts, so galt es doch, die Ausstellung nicht nur dieser bekanntesten Erfindung Auers, sondern seinem Gesamtschaffen zu widmen. Da es im eigentlichen Sinne von Ausstellungen liegt, das darzustellen, was dem Buche zu zeigen verwehrt ist, also das Körperliche, Plastische, wurde darauf hingearbeitet, alles, was an Gegenständlichem interessant schien, zusammenzutragen, die Beschriftungen recht kurz zu halten und die Abbildungen auf wenige, aber großflächige Wandtafeln zu beschränken, die, in plakatartigem Stil gestaltet, dem Beschauer vor allem die wirtschaftliche Bedeutung der AuERschen Erfindungen vor Augen führen sollten. Ferner galt als Grundsatz, schon in der räumlichen Gliederung der Ausstellung die einzelnen Seiten von Auers Schaffen klar hervortreten zu lassen. So wurde alles, was Auers wissenschaftliche Arbeiten, seine Ehrungen, seine Persönlichkeit betrifft, räumlich vereinigt (Abb. 1), während die drei großen Erfindungen, Gasglühlicht, Osmiumlampe und Cereisen, drei weitere natürliche Gruppen ergaben. Es stand ein schöner Saal von 7 X lim Grundfläche mit drei großen Fenstern an der Südseite des Technischen Museums im zweiten Stockwerk gelegen, zur Verfügung. Die erste große wissenschaftliche Leistung Auers von Welsbach war die Zerlegung des Didyms in zwei neue chemische Elemente, die er Neodym und Praseodym nannte. Dieser Erfolg des jungen Forschers fällt in das gleiche Jahr, in dem er seine ersten Gasglühlichtpatente anmeldete: 1885. In einem Glasschrank (Abb. 1, links) zeigte die Ausstellung eine Reihe von Standgläsern mit Didymfraktionen, an den Flügeln der Reihe die beiden intensiv gefärbten Komponenten, das rosen- 1 Das Zustandekommen der vom Technischen Museum veranstalteten Ausstellung ermöglichten in dankenswerter Weise, teils durch die Beistellung von Ausstellungsstücken, teils durch die Widmung von Geldmitteln, die Familie Auer von Welsbacii, sowie die Firmen Österreichische Auergesellschaft, Österreichische Glülilampenfabrik Osram, Glühlampenfabriken Job. Kremenezky und vor allem die Treibacher Chemischen Werke. Die wissenschaftliche Leitung hatte der Verfasser dieses Berichtes inne, die Raumgestaltung besorgte der Architekt des Technischen Museums Inspektor Eduard Stürzer. Franz Sedlacek: Die Dr. Carl Auer-Welsbacii Gedäclitnisaussteslung 75 rote Neodym- und das lauchgrüne Praseodymsalz. Bot diese Darstellung auch ein recht sinnfälliges Bild von der Didymspaltung, so konnte die bescheidene Gläserreihe freilich keinen Begriff von den endlosen Trennungsarbeiten geben, die Auer mit unendlicher Geduld durchgeführt hatte. Doch wurden die in kleine Glasröhrchen eingeschlossenen, geringen Mengen der beiden Endfraktionen im Original gezeigt, mit denen Auer die Atomgewichtsbestimmungen seiner Elemente vorgenommen hatte. Zwei weitere Ausstellungsstücke, die noch hierher gehören, stammen aus viel späterer Zeit: zwei große Vasen aus violettrosa und gelbgrünem Glas, gefärbt MBS i» c M Abb. 1. Im linken Glasschrank Auers wissenschaftliche Jugendarbeiten, rechts die späteren Arbeiten. In der Mitte die Tischvitrine mit den Ehrendokumenten, darüber das Modell des Kopfes am Wiener Auerdenkmal von Wilhelm Fraß. mit den Oxyden von Auers Elementen Neodym und Praseodym. Sie waren dem Gelehrten zum 70. Geburtstag von der Deutschen Auer- Gesellschaft überreicht worden. In der Gruppe des Gasglühlichtes (Abb. 2, rechts) erinnerten einige Chemikaliengläser mit den Etiketten der alten Firma ,,Welsbach & Williams, Atzgersdorf bei Wien“ an die Erühzeit der Glühkörperindustrie. Eine dieser Flaschen mit dem Aufdruck ,,Lightingfluid“ enthielt noch die zum Imprägnieren der Leuchtkörper dienende Lösung. Daneben konnten einige der ersten imprägnierten, aber noch nicht veraschten Auer- Strümpfe gezeigt werden, die noch die eigenhändige Beschriftung des Erfinders trugen. Eine Strickmaschine für Leuchtmäntel zeigte die mechanische Herstellung, eine Sammlung der zum Imprägnieren dienenden Substanzen den chemischen Werdegang der Glühkörper. Dieser wird vollendet 76 Franz Sedlacek durch den Veraschungsprozeß, welcher in der Ausstellung durch eine kleine Handvorrichtung zum Abbrennen der Mäntel und einen großen Abbrennofen vertreten war. Neben einem fertigmontierten Auerbrenner aus der Zeit der Erfindung standen zwei moderne Glühkörper von sehr verschiedener Größe: ein kleines Ölgas-Leuchtkörperchen für 20 Hefnerkerzen und ein großer Mantel für Petroleumpreßgas von 1000 Kerzen. Sie zeigten so recht den weiteren Ausbau von Auers Erfindung. Unter den österreichischen Patentschriften über das Gasglühlicht, die in der Ausstellung zu sehen w r aren, ist besonders die vom 27. Oktober 1885 wegen der ihr Abb. 2. Rechts die Gruppe Gasglühlicht, in welcher der Abbrennofen und die Glühstrumpf- Strickmaschine zu erkennen sind. In der Mitte Auers Arbeitstisch aus dem Laboratorium in Schloß Welsbach. 5 rsssss* 200T2K ly^En 2s » I. -*«*= «GS beigegebenen Zeichnung 1 interessant, in der die Aufhängung und das Abbrennen, sowie ein fertiger Auerbrenner dargestellt sind. Ein Gegenstück zu dieser Patentzeichnung bildete eine „Instruktion zur Herstellung der Gasglühkörper“ vom Jahre 1887, die, ebenfalls mit Zeichnungen versehen, die Erzeugung der Mäntel eingehend schildert. Um zu zeigen, welchen wirtschaftlichen Fortschritt das Gasglühlicht gegenüber dem offenen Schnittbrenner bedeutete, wurden die Lichtausbeuten dieser beiden Leuchten auf einer großen Tafel einander gegenübergestellt. Die Tafel zeigte, daß bei einem Stundenverbrauch von 120 1 Gas ein Schnittbrenner rund 10 Hefnerkerzen, ein Auerbrenner mit Thor-Cermantel aber 60 Kerzen ergibt. Die Gegen - 1 F. Sedlacek, Auer von AVelsbach, Blätter für Geschichte der Technik, 2. Heft, S. 30 und 31, Abb. 12 und 13. Die Dr. Carl Auer-Welse ach Gedächtnisausstellung. 77 Überstellung dieser Zahlen wurde besonders noch dadurch für das Auge wirkungsvoll gemacht, daß die Tafel als Fensterverkleidung eingebaut war und sämtliche die Hefnereinheiten symbolisierenden Flämmchen durchscheinend leuchteten BEI EINEM GASVERBRAUCH VON 120/i JE STUNDE LIEFERT EIN SCHNITTBRENNER BEI EINEM GASVERBRAUCH V0N120/UE STUNDE LIEFERT EIN AUERBRENNER 60 HK 10 HK ********** ***** UMBlitl B N II £ B Ll 1J * 1...: Li ********** 1**** E Li L. fc M IZ k» «S & t* B Ki L. L. *************** M N Li L- L. Bk Zf ■ ■ IZ RHILlliK liSlS ********** ***** ■Li L. .1.. .Li i-i,— L-i— _ L. 11 Li, Li,.L. Abb. 3. Vergleich der Lichtausbeuten zwischen Schnittbrenner und Auerbrenner. (Transparenttafel vor dem linken Fenster.) (Abb. 3). 1 Eine große Wandtafel gab in wenigen Zahlen und in bildlichen Vergleichsdarstellungen einen Begriff von dem Umfang, den die Glühkörperindustrie angenommen hat (Abb. 5). 2 BEI EINEM STROMVERBRAUCH VON 30 WAn LIEFERT EINE KOHLENFADENLAMPE BEI EINEM STROMVERBRAUCH VON 50 WAn LIEFERT EINE OSMIUMLAMPE 32 HK ******** L. L. Lj l ' L I i f 1 16 HK ******** ******** r..: r. . E ^ ^ ^ t- Ai ******** Li U L\ l Uä r * ******** ******** ILL. IS L8 Abb. 4. Vergleich der Lichtausbeuten zwischen Kohlenfadenlampe und Osmiumlampe. (Transparenttafel vor dem rechten Fenster.) Die nächste Ausstellungsgruppe behandelte die Osmiumlampe. Da das überaus spröde Metall Osmium einer mechanischen Bearbeitung kaum zugänglich ist, ver- 1 Was in der Abbildung naturgemäß nicht zum Ausdruck kommt. 2 Die der Darstellung zugrunde liegenden Zahlen entstammen einer scliätzungs- inäßigen Angabe von L. Haitinger und F. Fattinger (öst. Cliem.-Ztg. 32 [1929], S. 144, zit. in F. Sedlacek, Auer von Welsbach, Blätter für Geschichte der Technik, Heft 2, S. 40). 78 Franz Sedlacek suchte Auer von Welsbach, die Formgebung des Glühfadens auf andere Weise zu erreichen. Nach vielen erfolglosen Versuchen kam er zu seinem ,,Paste verfahren“, bei welchem der Faden aus einer osmiumhaltigen Paste durch Spritzen geformt NACH EINES? SCHÄTZUNG DES JAHRES 1929 WURDEN BIS DAHIN ERZEUGT R MILLIARDEN ^ GLÜHKÖRPER © WELCHE BEI 40 Bl LAT1RNENABSTAHD HINREICHEN WÜRDEN DIE FLÄCHE EUROPAS ZU BELEUCHTEN AN DIESEN 5 MILLIARDEN GLÜHKÖRPERN WURDEN VERBRANNT MINDESTENS 200 M|LL|A * DEN m 3 GAS GKKtOUXKNEfi ZU DEREN SPEICHERUNG EIN GASBEHÄLTER VON DER BODENFLÄCHE WIENS UND DER HÖHE DES GROSSGLOCKNERS ERFORDERLICH WÄRE Abb. 5. Wandtafel über den Umfang der Glühkörperindustrie. wurde. In der Ausstellung waren einige Stahldüsen für diesen Zweck zu sehen. Den weiteren Gang des Verfahrens zeigten mehrere Apparate zum „Formieren“ der Leuchtfäden, Glasglocken, unter denen in einer besonderen Gasatmosphäre UCHTAUSBEUTEN VERSCHIEDENER BELEUCHTUNGSGERÄTE IN HEFNERKERZEN JE 10 WATT iSUCKTHArat&i MWHMNUNdSOiUHUCm CUKTMCH6 «UMUneiN SUTKTft •OGtHUMAEN «4KMPÜtnf LiUCHTftÖHft» KfftKN A (üÄAFTtt 00 STEAftfrQ { ) ooax omKXßj«um€ A 0*35 x OA5- A SCHMTOftSNNfB / \ 0*1 y •AS- A II jgft 1 \ cn6X «■HEK1- k WTSNQNWMK * 0*45 X Bccmmion A 055 X Ä4ÄUCNT k (u-a-riAHTttd m O 55 X ALÄÄJCKT k (m-CE MANTe.) ^ J »«mÖOtÜHJCHT A 05 2 »fWXajMGUMXHT m 1T ACfme*- k k GLÜHUCHT ^ PA6SSÄAS UND k k k KOKLSNfclOetf' All 3 xxx oimtnurtfE 66 444444* utnuiM»t 55 Mm «CLNUNUNH UJFUftt 6 44414444 WOtPRAmArtRE Ä Ä GA&OCPUUT 20 44444444 44444444 4444 n**KOmen- * •OGCNUWW* 0 25 44444440 EFFEKTKOHLEN- »oofNiLWN 20 44444444 44444444 4444 OUtCXMtg&AMRF- ^ LAftPf 33 11144111 44144444 41444444 44444144 4 MAntiuncHMVR- Ä lvoc UO 44444444 44444444 44444444 44444444 44444444 Abb. 6. Wandtafel über die Lichtausbeuten verschiedener Beleuchtungsgeräte. die vorher mäßig erhitzten Pastefäden unter Strom gesetzt und ausgeglüht wurden, wodurch die Reduktion zum Metall und zugleich eine Verfestigung der Teilchen erfolgte. Ein in dieser Sammlung gezeigter Mehrweghahn, kombiniert mit elektrischem Schalter, diente als Hilfsgerät dieser Apparatur. Ein besonderes Schaustück dieser Abteilung war die in England gebaute große Quecksilber-Hochvakuumpumpe, mit der die Glaskolben evakuiert und auch mit besonderen Gasfüllungen Die Dr. Carl Auer-Welsbach Gedächtnisausstellung. 19 versehen werden konnten. Auch mehrere dieser Glaskolben waren noch vorhanden. Die Sammlung von Osmiumlampen enthielt einige jener ältesten Stücke, die nur hängend gebrannt werden konnten, da der Leuchtfaden im Betrieb etwas erweichte. An den folgenden Stücken konnte man sehen, in welcher Weise Auer diesen Nach- -, 00 . 000 *! * s ffgliüÄ , i"* u r" aroen 20-mu M0HÖ12E 8 AC«* E lN * ö fr t.M «lim«. 1^-,- Abb. 7. Links die Sammlung von Proben funkengebender Legierungen. Rechts Stammfolge der heutigen Cereisenfabrikation. In der Mitte das Knabenbildnis Auers, darunter die Auer- plakette von Ludwig Hujer. teil dann behob; er brachte nämlich an der Innenwand der Birne Glasstützen an, die den Faden hielten. In der Ausstellung waren Lampen mit einer, zwei oder drei solchen Stützen zu sehen. 1 Eine spätere Osmiumlampe zeigte einen mit großer Genauigkeit fein gewendelten Leuchtdraht. In der Mitte des Ausstellungsraumes stand die große Photometerbank, auf der Auer die Lichtstärken seiner Lampen 1 F. Sedlacek, a. a. 0., S. 52, Abb. 18. so Franz Sedlacek maß, ein Fettfleckphotometer mit einer durch Amylazetat gespeisten ÜEFNERschen Normallampe. Auch diese Gruppe wurde durch die österreichischen Patentschriften über die Erfindung vervollständigt. Als Gegenstück zu der früher erwähnten Transparenttafel beim Gasglühlicht, zeigte hier eine ähnliche, dem rechten Fenster vorgebaute Tafel den wirtschaftlichen Vergleich zwischen Edisons Kohlenfadenlampe und Auers Osmium- lampe (Abb. 4). Auf einer großen Wandtafel wurde in Form einer Tabelle eine Übersicht über die Lichtausbeuten der wichtigsten Beleuchtungsgeräte bei gleichem Energieaufwand gegeben (Abb. 6). Zu Auers dritter großer Erfindung, dem funkengebenden Cer- eisen wurde in einem Glasschrank (Abb. 7, links) eine größere Sammlung von Legierungsproben gezeigt, bei denen als Zusätze zu den seltenen Erdmetallen Cer, Lanthan, Neodym und Praseodym neben Eisen die Metalle Nickel, Mangan, Kupfer, Zinn, Zink, Blei, Magnesium und Kalzium verwendet worden waren. Man konnte aus dieser Sammlung entnehmen, wie eingehend Auer von Welsbach das Gebiet der funkenden Metalle durchforscht hatte. Eine Ergänzung dazu bildete eine Probenreihe von Auers Versuchen, diese Metalle durch Gießen zu formen. Während die Formgebung der kleinen Zündsteine früher durch Zersägen großer Gußbarren erfolgte, ist es heute Schwierigkeiten möglich geworden, .. JE -FS Abb. 8. Nachbildung der alten Anlage zur Schmelzflußelektrolyse und Cereisengießerei. — Rechts ein Herd mit Kokswindofen und Schmelztiegel zur Gewinnung von technischem Cermetall (Mischmetall) durch Schmelzflußelektrolyse von Cersalzen. Im Hintergrund ein Gasofen zum Legieren von Cermetall mit Eisen. Rechts hinten ein Koksofen zum Vorwärmen der Gießformen. Links die alte Gleichstrom-Dynamomaschine. nach Überwindung bedeutender technischen die Zündsteine unmittelbar in Kleinformen zu gießen. Für die Schaustellung der alten Vorrichtungen, mit denen Auer von Welsbach seine mehrjährigen Cereisen versuche durchgeführt hatte, wurde zu einer Musealmethode gegriffen, die wegen ihrer Lebendigkeit im Technischen Museum besonders gerne verwendet wird: Eine kleine Seitenkammer bot Gelegenheit zur Nachbildung von Auers Versuchsraum in Treibach (Abb. 8). An der rechten Wand stand ein Die Dr. Carl Auer-Welsbach Gedächtnisausstellung. 81 Herd, der den in einen Kokswindofen eingesetzten Schmelztiegel trug, in welchen von oben die beiden Elektroden, eine Kohle-Anode und eine aus einem Stück Eisendraht bestehende Kathode eingesenkt wurden. Das hier durch" Schmelzflußelektrolyse des Rohchlorids erzeugte Cermischmetall wurde in einem Gasofen, der im Hintergrund des Raumes stand, mit Eisen legiert, worauf das so entstandene „Auermetall“ (70% Cer und 30% Eisen) in Formen gegossen wurde. Zum Vorwärmen dieser Formen diente ein kleiner Koksofen, der ebenfalls zu sehen war. Außer den für die Bedienung der Tiegel nötigen Zangen und Rührer zeigte der Raum vor allem noch die alte Gleichstromdynamomaschine, die den Elektrolysenstrom geliefert hatte. NACH EINE» SCHÄTZUNG DES IAHRES 1929 BETRÄGT DIE J AH RES WE LTE RZ E UGU NG AN CEREISEN ftw w w m wwmmw „ lOO.OOOkq DIESE MENGE ERGIBT 500 MILLIONEN ZÜNDSTEINE WELCHE AUSREICHEN FÜR 500 MILLIARDEN ZÜNDUNGEN GEGENÜBER EINER WEUERZEUGUNG VON MILLIARDEN DIES ENTWEICHT 6 MILLIARDEN 20mHLIAI SCHACHTELN ZÜNDHÖLZER Abb. 9. Wandtafel über die Cereisen-Welterzeugung. Die heutige Cereisenerzeugung vom Monazitsand bis zum fertigen „Zündstein“ zeigte eine mit Materialproben versehene Übersichtstafel (Abb. 7, rechts). Unter dieser sah man eine Sammlung der wichtigsten Typen der Cereisenfeuerzeuge, darunter auch den Ahnen aller dieser Geräte, das Luntenfeuerzeug, das Auer selber in Gebrauch gehabt hatte. Einer statistischen Wandtafel waren die Cereisenmengen zu entnehmen, die in dem seit der Gründung dieses Industriezweiges vergangenen Vierteljahrhundert in Treibach erzeugt worden waren, ferner die Preisbewegung des Cereisens in diesen Jahren (Abb. 9). Eine andere große Wandtafel zeigte die Welterzeugung an Cereisen und gab einen interessanten Vergleich mit dem Umfang der Zündholzindustrie (Abb. IO). 1 Die größeren wissenschaftlichen Apparate waren zu einer Mittelgruppe im Raum vereinigt (Abb. 2). Außer der schon genannten Photometerbank stand hier Auers Arbeitstisch aus dem Laboratorium auf Schloß Welsbach. Er trug einen 1 Die der Darstellung zugrunde liegenden Zahlen entstammen einer schätzungs- mäßigen Angabe von F. Fattinger (Öst. Chem.-Ztg. 32 [1929], S. 145, zit. in F. Sed- lacek, a. a. 0., S. 64). Geschichte der Technik, 3. H. 6 82 Franz Sedlacek 25 JAHRE INDUSTRIELLE CEREISENERZEUGUNG (1910-1934 I großen Spektralapparat nebst zwei der von Auer selber gebauten Apparate zur Erzeugung der elektrischen Öffnungsfunken. Neben dem Tisch stand die gewaltige Tauchbatterie, die hierzu den Strom lieferte. Ein Spektrograph für die Aufnahme und ein Spektrometer zum Vermessen der Spektrogramme samt einem Rowlandgitter vervollständigten diese Sammlung. Ein einfaches Handspektroskop, das Geschenk einer Verwandten, hatte Auer bei seinen ersten selbständigen Arbeiten verwendet. Gegenüber der Darstellung von Auers Jugendarbeiten stand ein Glasschrank mit Proben der in seine spätere Lebenszeit fallenden zweiten Elementenzerlegung, der Ytterbium- Spaltung (Abb. 1, rechts). Seine reinsten Präparate der beiden neuen Elemente Aldebaranium und Cassiopeium waren hier ausgestellt, daneben das Analysenbuch, in dem Auer seine Atomgewichtsbestimmungen niedergelegt hatte. Die Präparate einer Thulium-Erbium-Trennungs- reihe und ein Blatt mit seinen letzten Laboratoriumsnotizen erinnerten daran, daß auch noch die letzten Lebenstage des Forschers wissenschaftlicher Arbeit gewidmet waren. In einer Tischvitrine, die, so geräumig sie w T ar, sich doch als viel zu klein erwies, um die zahlreichen Ehrendokumente Auers zu fassen, lagen wenigstens die wichtigsten dieser Schriftstücke ausgebreitet: die Promotionsurkunde der Universität Heidelberg, die Dokumente der Ehrendoktorate und der Mitgliedschaften gelehrter Vereinigungen und in der Mitte, Auers höchste Ehrung, der Adelsbrief, mit dem Kaiser Franz Joseph I. ihm 1901 den Freiherrnstand verliehen hatte. Der Siemensring, 1 die Exner- medaille und einige ausländische Medaillen waren ebenfalls hier zu sehen. Durch das Mittelfenster des Saales fiel der Blick des Besuchers auf den ,,Auer-\Velsbach- Park“, den Vorpark des Schlosses Schönbrunn, der im Jahre 1932 über Anregung der Dr. Carl Auer-Welsbach Gedächtnisstiftung diesen Namen erhalten hatte und zur Zeit der Ausstellungseröffnung gerade im Schmucke seiner letzten bunten Herbstblätter stand. 2 Abb. 10. Wandtafel über die Cereisenerzeugung in Treibach und die Bewegung des Cereisenpreises. 1 F. Sedlacek, a. a. 0., S. 75, Abb. 25. 2 Ebenda S. V. Die Dr. Carl Auer-Welsbach Gedächtnisausstellung. 83 Eine Anzahl von Bildnissen, in der Ausstellung verteilt, zeigte Auer in verschiedenen Lebensaltern: ein Ölbild als kleinen Knaben, zwei Photographien als Realschüler und als Reserveleutnant. 1 Eine Lithographie aus der ersten Zeit des Gasglühlichtes 2 und ein Kupferdruckbildnis des etwa Fünfzigjährigen 3 setzten diese Reihe fort, die durch zwei Altersbildnisse von Künstlerhand abgeschlossen wurde: die so überaus lebensvolle Bronzeplakette, die Ludwig Hujerzu Auers 70. Geburtstag nach dem Leben geschaffen hatte 4 und das Modell zu dem monumentalen Kopf am Wiener AuER-Denkmal von Wilhelm Frass (Abb. 1). Nicht ohne Absicht wurden diese beiden so verschiedenen Kunstwerke in der Ausstellung einander an zwei Wänden gegenübergestellt: das naturwahre Bild des Lebenden — und die künstlerische Verkörperung des Monumentalbegriffes „Auer von Welsbach“. 1 Ebenda S. 12, Abb. 6, 8 und 9. 2 Ebenda S. 34, Abb. 15. 3 Ebenda S. 43, Abb. 17. 4 Ebenda S. 76, Abb. 26. Abb. 11. Blick vom Ausstellungsraum auf den „Auer-Welsbach-Park". r v. , itj*» _ s «ft "] «•y* .*■ r»-*- 6 * Mitteilungen und Berichte. Tätigkeitsbericht des Österreichischen Forschungsinstitutes für Geschichte der Technik. Das im Juni 1931 geschaffene Österreichische Forschungsinstitut für Geschichte der Technik 1 hat satzungsgemäß die Aufgabe, die Geschichtsforschung auf technischem Gebiete unter besonderer Berücksichtigung der technischen Kultur Österreichs zu pflegen und die wissenschaftlichen Grundlagen für eine spätere Geschichte der Technik, vor allem der österreichischen Technik zu schaffen. Zu diesem Zweck legt das Forschungsinstitut mehrere Karteien an, die als Zentral nach weis für die gesamte Technikgeschichte Österreichs dienen sollen und folgende Gruppen umfassen: 1. Eine Bibliographie über die österreichische technikgeschichtliche Literatur, geordnet nach dem Verfasser, dem Sachgebiet und nach geographischem Gesichtspunkt. 2. Ein Verzeichnis von biographischen Aufzeichnungen großer österreichischen Ingenieure, Forscher und Erfinder. Durch Aussendung von Fragebogen an bedeutende lebende Vertreter des technischen Schaffens sucht das Forschungsinstitut auch Einblick in das Leben und Wirken dieser Männer der Technik zu gewinnen. Zahlreiche Sonderabdrucke von den Arbeiten und Bildnisse solcher Persönlichkeiten ergänzen die rein biographischen Angaben. Aus dem Nachlaß hervorragender österreichischer Techniker hat das Forschungsinstitut einige sehr wertvolle Bestände erhalten, so z. B. einen Großteil der Urschriften von Ferdinand Redten- bacher, dem „Vater des Maschinenbaus“, und von Viktor Kaplan, dem berühmten Turbinenkonstrukteur. 3. Eine Kartei über die Großtaten der österreichischen Technik und über die technischen Denkmale Österreichs. 4. Eine Kartei über technische Gedenktage. Die Arbeiten an diesen von Dr. A. Bihl und Th. Stampfl zusammengestellten Karteien werden ständig fortgeführt. Diese Schatzkammer der Technikgeschichte Österreichs steht jedem Forscher zur wissenschaftlichen Benützung offen. Es ist geplant, die Bibliographie zur Geschichte der österreichischen Technik abschnittweise in den „Blättern für Geschichte der Technik“ zu veröffentlichen. 2 Um die Öffentlichkeit mit seinen Arbeiten bekanntzumachen und die Kulturbedeutung der österreichischen Technik nachdrücklich vor Augen zu führen, gibt das Forschungsinstitut die „Blätter für Geschichte der Technik“ heraus, von denen das erste Heft (1932) eine Reihe von Aufsätzen zur österreichischen Technikgeschichte, das zweite Heft (1934) eine ausführliche Biographie Auers von Welsbach brachte. Die Beiträge stammen durchwegs von namhaften Fachleuten. Das For- 1 Über die Gründungsgeseliichte des Forschungsinstitutes vgl. lieft 1 der „Blätter für Geschichte der Technik“, S. 204ff. 2 Im vorliegenden Heft S. 96 ist das Schrifttum zur Geschichte österreichischer Firmen abgedruckt, während im Heft 1., S. 210ff. ein Auszug aus dem Schrifttum der Allgemeinen Industrie- und Gewerbegeschichte Österreichs erschienen ist. Mitteilungen und Berichte. 85 schungsinstitut steht mit einer Anzahl von in- und ausländischen Instituten und Vereinigungen im Schriftenaustausch. Die Blätter für Geschichte der Technik haben sich in der Fachliteratur einen guten Namen gemacht, wie zahlreiche auszeichnende Zuschriften und Besprechungen beweisen. In der Verfolgung seiner vaterländischen Ziele erachtet es das Forschungsinstitut als eine seiner wichtigsten Aufgaben, die Werke und Verdienste hervorragender österreichischer Ingenieure, Erfinder und Forscher auf technischem Gebiet festzuhalten. In diesem Sinne wurde vom Forschungsinstitut im Einvernehmen mit dem Kuratorium des Technischen Museums und mit der Lichttechnischen Gesellschaft in Wien zur Ehrung des erfolgreichen österreichischen Chemikers Dr. Carl Freiherr Auer von Welsbach eine unter dem Ehrenschutz des Herrn Bundespräsidenten stehende „Dr. Carl Auer-Welsbach Gedächtnisstiftung“ gegründet. Dieser ist es gelungen, durch Spenden aus dem In- und Ausland die Mittel zur Aufstellung eines würdigen AuER-Denkmals zu beschaffen. Das Ehrenmal wurde vom akademischen Bildhauer Prof. W. Frass ausgearbeitet und am 7. November 1935 vor dem neuen Chemischen Institut der Universität Wien in der Währingerstraße feierlich enthüllt. 1 Das zweite Heft der „Blätter für Geschichte der Technik“ enthält, wie schon erwähnt, das von Dr. Ing. Franz Sedlacek verfaßte Lebensbild Auers. Nach dem Tode von Prof. Dr. Ing. Viktor Kaplan beschloß das Forschungsinstitut, auch diesen bahnbrechenden Ingenieur zu würdigen. Zu diesem Zweck wurde vom Forschungsinstitut ein , ,Sonde rausschuß zur Ehrung Viktor Kaplans“ berufen, der als Vorsitzenden den derzeitigen Prorektor der Technischen Hochschule Wien, Prof. Dr. Ing. A. Kann und zu Stellvertretern Sekt.-Chef a. D. Ing. P. Dittes und Prof. Dr.-Ing. E. Feifel, wählte. Als Obmann des Finanzausschusses wurde Dr. Ing. h. c. W. Voith bestellt. Der Leiter des Forschungsinstitutes ist zugleich Sachwalter dieses Sonderausschusses. Durch eine rege Sammeltätigkeit im In- und Ausland gelang es, die nötigen Geldmittel für eine würdige Ehrung Kaplans aufzubringen. Zunächst wurde eine von Hofrat Prof. Ing. Dr. K. Holey entworfene Gedenktafel hergestellt, die nebst einem vom akademischen Bildhauer A. Endstorfer geschaffenen Bronzebildnis folgende Inschrift trägt: „In diesem Haus wurde am 27. XI. 1876 der Schöpfer einer neuartigen Wasserturbine Ing. Dr. Viktor Kaplan geboren. Die KAPLAN-Turbine erschloß der Welt neue und mächtige Kraftquellen. Er starb am 23. VIII. 1934“. Die feierliche Enthüllung dieser Tafel am Geburtshaus Kaplans in Mürzzuschlag soll im Herbst 1936 unter dem Ehrenschutz des Bundesministers für Handel und Verkehr F. Stockinger stattfinden. Weiters ist die Anbringung je eines Bildnisses oder einer Büste im Technischen Museum und im Deutschen Museum in München in Aussicht genommen. Nicht zuletzt wurde durch das Erträgnis dieser Sammlung die Herausgabe der vorliegenden, von Prof. Dr. A. Lechner verfaßten Biographie Kaplans 2 ermöglicht. — Nach dem Vorbild dieses österreichischen Sonderausschusses zur Ehrung Viktor Kaplans wurde auch in Schweden ein sechsgliedriger „KAPLAN-Ausschuß“ gebildet, der ähnliche Ziele verfolgt. 1 Vgl. dazu den S. 87 befindlichen Bericht über die Enthüllung des AuER-Denkmals. 2 Siehe S. 15—73. 86 Mitteilungen und Berichte. Zum ehrenden Gedenken österreichischer Techniker und Erfinder in Form einer Briefmarkenreihe hat die Generaldirektion für die Post- und Telegraphenverwaltung über Antrag des Forschungsinstitutes die Herausgabe von sechs Wohl- tätigkeitsmarken für 1936 mit folgenden Bildnissen beschlossen: Josef Ressel, 1793—1857, Schöpfer des Schraubendampfers „Civetta“ 1829; Carl von Ghega, 1802—1860, Erbauer der Semmeringbahn; Josef Werndl, 1831—1889, W T affen- techniker; Carl Auer Freiherr von W t elsbach, 1858—1929, Erfinder des Gasglühlichtes, der elektrischen Metallfadenlampe und des Cereisens; Robert von Lieben, 1878—1913, Erfinder der elektrischen Verstärkerröhre; Viktor Kaplan, 1876—1934, Schöpfer der Kaplanturbine. Diese Markenreihe über österreichische Techniker und Erfinder soll am 6. Dezember 1936 der Öffentlichkeit übergeben werden. Das Forschungsinstitut unterhält mit der Zentralstelle für Denkmalschutz im Bundesministerium für Unterricht einen regen Verkehr und hat schon eine Reihe von Gutachten über die Erhaltung technischer Kulturdenkmale und deren Stellung unter Denkmalschutz abgegeben, z. B. über die Erhaltung des Gosauzwanges, jener altberühmten Überbrückung des Gosautales durch die Soleleitung von Hallstatt nach Ebensee, und übet das Riesenrad im Wiener Prater. Ein praktisches Beispiel zur Erhaltung technischer Kulturdenkmale war die vom Forschungsinstitut veranlaßte Aufdeckung und Restaurierung eines alten Wandgemäldes in Leithen bei Seefeld in Tirol, die durch eine Spende der Ichthyol-Gesellschaft in Reith in Tirol ermöglicht wurde. Das aus dem Jahre 1537 stammende Gemälde stellt den sagenhaften Kampf des nordischen Ritters Haymon mit dem bäuerlichen Riesen Thyrsus dar. Aus dem sogenannten Thyrsenblut wird heute noch das Heilmittel Ichthyol gewonnen. Zur Erhaltung technikgeschichtlicher Archivbestände in den österreichischen industriellen Unternehmungen hat das Forschungsinstitut mit dem Archivamt des Bundeskanzleramtes Verhandlungen geführt und eine Reihe von Vorschlägen zur Anlegung von Betriebsarchiven gemacht, die aber infolge der Notlage der betreffenden Betriebe einstweilen noch nicht durchgeführt werden konnten. Doch ist die Erhaltung der Bestände der Betriebsarchive für die Technikgeschichte eine unbedingte Notwendigkeit, weshalb das Forschungsinstitut diese Angelegenheit zur geeigneten Zeit wieder auf greifen wird. Eine Reihe von Mitarbeitern des Forschungsinstitutes hat im Rahmen einer Vortragsfolge ,,Aus der Geschichte der Technik“ im österreichischen Rundfunk gesprochen. Diese Vorträge sollen fortgesetzt werden. So hat das Forschungsinstitut trotz der bestehenden finanziellen Bedrängnis schon in den ersten Jahren seiner Wirksamkeit seine vaterländische Aufgabe auf dem Gebiete der österreichischen Technikgeschichte in vollem Maß erfüllt und dank der selbstlosen Mitarbeit der beteiligten Fachkreise beachtenswerte gemeinnützige Ergebnisse erzielt. Wien im Juli 1936. Der Vorsitzende des Arbeitsausschusses: Dr. K. Holey. Der Leiter des Forschungsinstitutes: Dr. L. Erhard. 87 Mitteilungen und Berichte. Die Enthüllungsfeier des Auer-Welsbach-Denkmals. Am 7. November 1935 wurde das von der „Dr. Carl Auer-Welsbach Gedächtnisstiftung“ errichtete Denkmal für den erfolgreichsten österreichischen Forscher und Erfinder Dr. Carl Freiherr Auer von Welsbach feierlich enthüllt. Das vom Wiener Bildhauer Prof. Wilhelm Frass geschaffene Denkmal steht vor dem zweiten Chemischen Institut der Universität in Wien, IX., Währingerstraße. Es besteht aus einem hohen Kalksteinpfeiler, der das Antlitz Auers als Hochrelief und außer Auers Wappenspruch ,,Plus lucis“ folgende Inschrift trägt: ,,Dr. Carl Freiherr Auer von Welsbach, geboren am 1. September 1858 in der Inneren Stadt zu Wien, gestorben am 4. August 1929 auf Schloß Welsbach in Kärnten. — Aus seltenen Erden und Metallen schuf sein forschender Geist das Gasglühlicht, die elektrische Osmiumlampe, das funkensprühende Cereisen.“ — Der Pfeiler wird gekrönt von einer Jünglingsfigur aus Bronze, die in der emporgehobenen Rechten eine Fackel trägt und den Lichtbringer verkörpert. Die Enthüllungsfeier, zu der sich eine erlesene Teilnehmerschaft aus dem In- und Auslande eingefunden hatte, wurde vom Wiener Schubertbund mit Begleitung einer Bläsergruppe des Akademischen Orchestervereines unter Leitung des Ehrenchormeisters, Hofrats Viktor Keldorfer, durch einen „Männerchor“ von Richard Wagner eröffnet, der, obwohl 1844 entstanden, wie für die Enthüllung dieses Denkmals gedichtet schien: Der Sonne gleich, die hell und klar den Tag verkündet, Das Dunkel scheucht und Licht beschert dem Himmelszelt; So ward von dir dereinst ein Morgenrot entzündet. Du Einziger, hast uns den Erdball neu erhellt. Sei uns gegrüßt: Der Freude edler Bote, Beglücker, hehr und rein! Was uns im Herzen lohte, das klärt dein Zauberschein. Als Vorsitzender des Arbeitsausschusses der Auer-Welsbach Gedächtnisstiftung eröffnete sodann Professor Dr. Ing. August Kann die Feierlichkeit mit folgenden Worten: „Gefühle der Dankbarkeit sind es, die mich an unserem heutigen Festtag veranlassen, zuerst der Männer zu gedenken, auf deren Anregung hin das nunmehr zu enthüllende AuER-Denkmal entstand. Einerseits war es der ehemalige Direktor des Technischen Museums und derzeitige Leiter des Forschungsinstitutes für Geschichte der Technik, Hofrat Dr. Ing. E. h. Ludwig Erhard, andereiseits war es der Begründer der österreichischen Glühlampenindustrie, Kommerzialrat Johann Kremenezky, welch letzterer gelegentlich der goldenen Jubelfeier der elektrischen Glühlampe in der Sitzung der Österreichischen Lichttechnischen Gesellschaft vom 21. Oktober 1929 mit einer ersten Geldspende von S 500 den Grundstock zum Stiftungskapital legte. Schmerzlich müssen wir feststellen, daß ein herbes Geschick es Kremenezky nicht vergönnte, den heutigen Tag zu erleben. Dieser Altmeister der Elektrotechnik stellte sich mit Feuereifer an die Spitze des Arbeitsausschusses, 88 Mitteilungen und Berichte. als dessen Stellvertreter ich nach seinem Heimgange die Ehre habe, die heutige Festversammlung zu eröffnen. Ich danke an dieser Stelle nochmals unserem Staatsoberhaupt, dem Herrn Bundespräsidenten Wilhelm Miklas, daß er den Ehren - schütz über die „Dr. Carl Auer-Welsbach Gedächtnisstiftung“ übernommen hat und erlaube mir, ihn in unserer heutigen Festversammlung auf das ehrfurchtsvollste zu begrüßen.“ Nachdem Prof. Kann noch eine Reihe von hervorragenden Persönlichkeiten des öffentlichen und wissenschaftlichen Lebens, sowie die Familie des Gefeierten namentlich begrüßt hatte, führte er weiter aus: „Die ,Dr. Carl Auer-Welsbach Gedächtnisstiftung“ darf in dieser Stunde mit Genugtuung feststellen, daß von den von ihr beabsichtigten Ehrungen Auers eine Reihe bereits der Verwirklichung zugeführt sind: Das Bundesministerium für Handel und Verkehr hat die zwischen dem Technischen Museum und dem Schloß Schönbrunn gelegene Parkanlage zur dauernden Erinnerung ,Auer Welsbach- Park“ benannt. Das Österreichische Forschungsinstitut für Geschichte der Technik hat eine von Ing. Dr. Franz Sedlacek verfaßte Biographie ,Auer von Welsbach“ als zweites Heft der ,Blätter für Geschichte der Technik“ herausgebracht, wofür auch an dieser Stelle Dank und Anerkennung ausgesprochen sei. Außerdem haben wir dem Deutschen Museum in München eine vom akademischen Bildhauer, Prof. Ludwig Hujer, hergestellte Büste Auers gewidmet, die eine Zierde der Lichttechnischen Abteilung des Museums bildet. Heute sind wir hier versammelt, um ein des großen österreichischen Erfinders würdiges Denkmal in seiner Vaterstadt Wien zu enthüllen. Besondere Anerkennung gebührt dem Obmann des Denkmalausschusses, Hofrat Prof. Dr. Karl Holey und dem akademischen Bildhauer Prof. Wilhelm Frass, deren künstlerisch hohem Geiste das Gelingen des großen Werkes zu verdanken ist. Und nunmehr darf ich Herrn Bundespräsidenten Miklas bitten, die Enthüllung vorzunehmen.“ Bundespräsident Miklas entsprach dieser Bitte und führte aus: „Rührige Männer der Wissenschaft und Praxis haben unter der Führung des Österreichischen Forschungsinstitutes für Geschichte der Technik die ,Dr. Carl Auer von Welsbach Gedächtnisstiftung“ gegründet und dem großen Österreicher hier ein würdiges Denkmal gesetzt. Auer von Welsbach gehört zu den hervorragendsten Forschern und Erfindern unseres Landes auf dem Gebiete der Beleuchtungstechnik. Sein Wappen, das ihm Kaiser Franz Joseph gelegentlich seiner Erhebung in den Freiherrnstand verliehen hat, trägt die Inschrift ,Plus lucis“, d. h. ,Mehr Licht!“. Diese Worte kennzeichnen so recht die große Forscher- und Erfindertätigkeit des genialen Österreichers Auer von Welsbach, des großen Chemikers, dessen Erfindungen in ihrer Auswirkung die moderne Beleuchtungstechnik der Welt völlig umgestaltet haben. Schon in jungen Jahren hat Auer seine wissenschaftliche Forscherarbeit auf ein Gebiet verlegt, in dem er Schritt für Schritt Neuland erobern mußte. Mit großer Kraft widmete er sich der Erforschung der sogenannten seltenen Erden, wie man gewisse Sauerstoffverbindungen einiger seltener Elemente nennt, und wurde so der Entdecker neuer Grundstoffe. Aber Auer von Welsbach blieb bei dieser Mitteilungen und Berichte. 89 seiner neuen wissenschaftlichen Erkenntnis nicht stehen. Sein geistiger Weitblick und seine unermüdliche Tatkraft führten ihn zur praktischen Nutzbarmachung seiner Entdeckungen und damit zu neuen Erfindungen. Durch sein Gasglühlicht hat er der damals schon weit verbreiteten Gasbeleuchtung zu neuen großen Erfolgen verholfen. Der sogenannte ,Auerstrumpf“ nahm seinen Siegeszug über die ganze Welt. Ist damit auch eine Zeitlang die eben aufkommende .elektrische Beleuchtung scheinbar etwas in den Hintergrund gedrängt worden, so ruhte doch deshalb Auer von Welsbach auf seinen bisherigen Erfolgen nicht aus. Ohne jede Voreingenommenheit wächst er über seine eigenen Schöpfungen hinaus und erfindet die elektrische Strom sparende Osmium-Glühlampe, die erste Metallfadenlampe, die nunmehr an Stelle der bisher ausschließlich verwendeten Kohlenfadenlampe allgemein in Gebrauch kommt. Auer gibt damit auch der elektrischen Beleuchtung und der ganzen Glühlampentechnik eine neue epochemachende Richtung. ,Mehr Licht“ ist wiederum das Geschenk des großen Forschers und Erfinders an die Welt. Doch vielleicht sind Auer-Gasglühlicht und Osmium-Glühlampe, letztere schon durch die Wolfram-Lampe überholt, heute nur mehr als Marksteine früherer Entwicklungsstufen der Beleuchtungstechnik aufzufassen. Auers dritte wichtige Erfindung führt darüber hinaus und ist gegenwärtig noch von größter wirtschaftlicher Bedeutung. Es ist eine geschickte Legierung von Cer und Eisen, das Cereisen, kurzweg ,AuermetaH‘ genannt, das bei Reibung Funken sprüht und daher als Anzündevorrichtung heute in aller Welt in Verwendung steht. Von seiner Ge- burtsstätte in der AuERschen Fabrik in Treibach (Kärnten) hat das ,AuermetaU“ seinen Siegeszug angetreten. Rückblickend auf alle diese Erfolge des großen österreichischen Forschers und Erfinders können wir sagen, Auer von Welsbach hat mit seinen Forschungsergebnissen nicht nur der Wissenschaft und Technik die größten Dienste geleistet, sondern damit auch den Ruhm unseres Vaterlandes in die Welt hinausgetragen. Ehre seinem Andenken! Es ist daher nur recht und billig, daß über Anregung ausgezeichneter Männer der Wissenschaft und Praxis nun auch unser Vaterland sich wieder vor aller Öffentlichkeit seines großen Sohnes ehrenvoll erinnert und ihm hier an einer überaus passenden Stelle vor dem großen Chemisch-physikalischen Institut in unserer Bundeshauptstadt Wien ein würdiges Denkmal setzt. In Stein und Bronze soll hier fortan sein Name verewigt bleiben. Die Hand des Lichtträgers aber da oben auf der Steinsäule, diese Hand, die zum Himmel gereckt, die lodernde Fackel trägt, möge der Welt künden, daß es wahrhaft genialer deutscher Forschergeist echt österreichischer Prägung war und ist, der von hier, von Österreich hinausgetragen wird in die Welt und daß es österreichischer Erfindergeist ist, der heute allüberall das Erdenrund in ein strahlendes Lichtmeer taucht. Österreich, somit Lichtbringer und Lichtträger für die Welt — wahrhaftig ein Stück Weltsendung Österreichs, die sich hierin erfüllt! Und nun falle die Hülle von dem Denkmal des großen Österreichers, des Forschers und Erfinders Auer von Welsbach, auf daß es fortan der Mit- und Nachwelt künde, den Ruhm seines Namens und seines Schaffens und damit den Ruhm österreichischer Forscher- und Erfindertätigkeit zur Ehre unseres Vaterlandes Österreich!“ 90 Mitteilungen und Berichte. Im Namen der Mitarbeiter Auers sprach dann Generaldirektor Dr. Franz Fattinger der Treibacher Chemischen Werke nachstehende Worte des Gedenkens: „Als einer der Mitarbeiter Auers von Welsbach bringe ich heute die hohe Verehrung zum Ausdruck, die alle seine Mitarbeiter seinem überragenden Geiste zollen. Mit freudiger Dankbarkeit begrüßen wir die erfolgreiche Arbeit der Mitglieder der Auer-Welsbach Gedächtnisstiftung, welche dieses schöne Denkmal schuf. Die Menschheit ehrt mit Recht hervorragende Forscher und große Erfinder, denn die Fortschritte der Wissenschaft und Technik ändern das Antlitz der Erde, bedingen das Wohl und Wehe der Menschen und bestimmen deren Zukunft. Auer von Welsbach ist als Forscher weltbekannt im Reiche der Wissenschaft und als Erfinder den größten Geistern anderer Nationen ebenbürtig im Reiche der Technik. Der heutige Tag ist Ehrung und Dank für einen großen Österreicher. Als Chemiker bei wissenschaftlichen Größen wie Bunsen und Lieben geschult, als Analytiker und Spektralanalytiker, insbesondere auf dem Gebiete der seltenen Erden unerreicht, abgeneigt einem Übermaß von Theorien und Hypothesen, aufbauend auf vielen Versuchen und gründlicher Arbeit, schuf er seine Entdeckungen und Erfindungen. Er war opferbereit für die Forschung und ein neues Element war ihm viel begehrenswerter als eine gewinnbringende Erfindung, als Vermögen und Macht. Er war immer bereit, die Leistungen anderer anzuerkennen, er, der selbst durch Wissen, Geschicklichkeit und Erfahrung an der Spitze stand. Hervorragende Veranlagung und gute Beobachtungsgabe, verbunden mit Ausdauer, rascher Auffassung und Urteilsbildung, Menschenkenntnis und Großzügigkeit, waren in ihm vereint, um diese Spitzenleistungen zu ermöglichen. Auer hatte das für Erforscher und Erfinder notwendige Selbstvertrauen und den Glauben an seine Sendung, welcher den Erfolg erringt. Trotz vieler erfolgloser Versuche immer wieder günstige Ergebnisse zu erwarten, immer bereit zu sein, neue Versuche zu beginnen, jahrelang tausende Analysen, hunderte Atomgewichtsbestimmungen, tagtäglich Umkristallisationen durchzuführen, trotz hundertmaliger Feststellung, daß keine Spur eines neuen Elementes sich zeigt: all das sind Kennzeichen des unermüdlichen Forschers. Viele tausend Beobachtungen der buntfarbigen Spektrallinien durchzuführen, ohne daß Änderungen an den Linien oder neue Linien erscheinen, bis doch endlich die Unermüdlichkeit belohnt wird und vier neue Elemente gefunden sind, zeigt die Arbeitsfreude Auer-Welsbachs klar auf. Hunderte Ideen hatte er in jahrelanger Arbeit verfolgt und geprüft, bis sich einige davon als technisch und wirtschaftlich brauchbar zeigten und allgemein Verwendung fanden, und so hat sich Auer als großer Erfinder bewährt. Bis ins hohe Alter hinein war wissenschaftliche Arbeit seine Freude und besondere Genugtuung bereiteten ihm die vielen Ehrungen, welche ihm wissenschaftliche Institute zuteil werden ließen. Er hatte Abneigung gegen kaufmännische und industrielle Kleinarbeit und zog sich von der Industrie immer wieder zur Wissenschaft, als dem Urquell der Forschung und Entwicklung, zurück. Industrien schaffen und abstoßen und wieder neue Industrien ins Leben zu rufen, war sein Ideal in technisch-wirtschaftlicher Hinsicht. Mitteilungen und Berichte. 91 CARL r RI!HERR AUER VON -v ELSBACH '-• * v ' < *. v£ < « r*~ • 4, lf£ U *>} * \ fbavmon unt) Cbnrfus am fttefcnftaus 5« lUttbcn b.^rrfrlti tn Ctrol itwnatitilmWM timftVTJMlu infb TWt fc ww i i i i f yftbU«*» «HO»» .: \ *> US *, *?&►*>«£ 53rr -'age nad) fcblttg Der norDtfdjr Eittcr Hamilton, Der 33egrttnDer Drs liloftrrs Eilten bet Innsbruck, hit 9.*3fabrl).n.Cbr. Den bäuerlichen fttefen Cbprfus, Der tn Diefem Haufe gclnobnt baben foil, tm ^Anetkampf. 35lut^ uberfitromt flob Cbprftts tn Die pfeifen ttnD rief ftcrbcnD aus: ji'prtß bittet! ^ct fur Ftccb ttnD ICrut guct! Das Cbvrfenblut InttD brute nod) bet ^ccfclD als Öl aus Dort borkotm menDen^tmkftetnen berg^unDbüttenmänntfcb geboomten ttnD ?utn bekannten Heilmittel „‘3fd)tl)pol“ berarbntet. 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