FORSCHUNGSINSTITUT FÜR TECHNIKGESCHICHTE IN WIEN BLÄTTER FÜR TECHNIKGESCHICHTE SIEBENTES HEFT SCHRIFTLEITUNG: DR.E.H. DIPL.-ING. L. ERHARD DIE ENTWICKLUNG DES MARKSCHEIDEWESENS IM LANDE ÖSTERREICH VON DIPL.-ING. Dr.mont. FRANZ KIRNBAUER MIT 102 TEXTABBILDUNGEN UND 2 TAFELN WIEN KOMMISSIONSVERLAG VON JULIUS SPRINGER * 1940 BLÄTTER FÜR TECHNIKGESCHICHTE FORSCHUNGSINSTITUT FÜR TECHNIKGESCHICHTE IN WIEN BLÄTTER FÜR TECHNIKGESCHICHTE SIEBENTES HEFT SCHRIFTLEITUNG: Dr. E. h. DIPL.-ING. L. ERHARD MIT 102 TEXTABBILDUNGEN UND 2 TAFELN WIEN - KOMMISSIONSVERLAG VON JULIUS SPRINGER • 1940 FORSCHUNGSINSTITUT FÜR TECHNIKGESCHICHTE IN WIEN DIE ENTWICKLUNG DES MARKSCHEIDEWESENS IM LANDE ÖSTERREICH VON DIPL.UNG. Dr. MONT. FRANZ KIRNBAUER MIT 102 TEXTABBILDUNGEN UND 2 TAFELN WIEN-KOMMISSIONSVERLAG VON JULIUS SPRINGER • 1940 ALLE RECHTE, INSBESONDERE DAS DER ÜBERSETZUNG IN FREMDE SPRACHEN, VORBEHALTEN PRINTED TN GERMANY Inhaltsverzeichnis. Seitfl Vorwort.VII Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich. 1 A. Die geschichtlichen Grundlagen der Entwicklung des Markscheidewesens .... 4 B. Die geistigen Grundlagen der Entwicklung des Markscheidewesens. 14 C. Die instrumenteilen Grundlagen der Entwicklung des Markscheidewesens .... 17 1. Längenmessung. 17 2. Winkelmessung. 20 Schnur dreiecke. 20 Die Wachsscheibenmethode. 21 Handkompaß, Setzkompaß und Scliinzeug. 28 Kompasse. 28 Schinzeuge. 41 Hängekompasse . 3 Der Gradbogen. 63 Eisenscheiben. 69 Hilfshängezeuge. 74 Bussoleninstrumente. 74 Zielkompasse.,. 75 Zielhussole mit Zahnkreis und Meßrad von Neigenfeini» .. 77 Winkelweiser. 80 Bussoleninstrument von Huber-Reichenbach .. 81 Rittingers und Luschins Bussoleninstrumente. 82 Fernrohrkompasse. 84 Bussolentheodolite. 85 Zielinstrumente ohne Bussole . 85 Geometrisches Quadrat mit Abscliauen. 85 Vergoldetes Zielgerät für Neigungsmessung. 80 Höhen Winkelmeßgerät mit Abschauen . 87 Eisenscheiben mit Abscliauen auf Stuhl. 87 Schnellplan-Eisensclieibe. 90 Astrolabien . 00 Spezialinstrument mit zwei Fernrohren und zwei Dioptern nach Art der Astrolabien. 93 Höhenscheiben. 94 Die ZoLLMANNsche Scheibe. 95 Rittingers Visierinstrument mit Gradbogen. 96 Der Theodolit. 90 Zielgeräte. 99 Aufstellungsarten. 102 Setzwaagen. 104 Salzberginstrumente. HO VI 1 it lull ts verzeichn is. Seite 3. Einwägen . 113 4. Längen- und Winkelauftraggeräte. 114 Winkelauftraggerät aus dem Jalire 1595 . 115 Winkelscheiben. 117 V ollkreiswinkelscheiben. 118 Schmöllnitzer Scheiben. 119 Die Zulegeplatte. 122 Die jüngste Entwicklung der Winkelauftrag- und Zeichengeräte.... 123 Ältere niarkseheiderische Hilfsgeräte. 124 5. Winkelteilungen.^. 125 a) Stunden . 125 b) Halbstunden . 128 c) Doppelstunden. 12t» d) „Kleine Stunden“ . 129 e) „Sonderstunden“ . 12t) f) Agricolas „Alpenteilung“. 130 g) Agricolas „Näherungsgrade“. 130 h) Grade . 130 i) Neugrade. 131 D. Die kulturelle Stellung des Markscheiders in Österreich vom 15. bis zum 19. Jahrhundert . 132 E. Zusammenfassung. 143 Verzeichnis der Namen und Namensanfangsbuchstaben von Verfertigern österreichischer Markscheiderinstrumente. 147 Personenverzeichnis. 148 Orts- und Sachverzeichnis. 150 Taf elbeilagen: Einteilung markscheiderischer Messungsarten. Stammbaummäßige Darstellung der Entwicklung der Markscheidernstrumente und -Geräte. Quellennachweis der Bilder. Bild 4, 5, 6 von J. Farkas, Eisenerz. Bild 14 von F. Kirnbauer, Freiberg in Sa. Bild 101 von K. Them, Steyr. Übrige Bilder von W. Pfohl u. K. Fürst, Leoben. Sämtliche Zeichnungen von F. Kirn bauer, Freiberg in Sa. Vorwort. Eine der Aufgaben des Forschungsinstitutes für Technikgeschichte in Wien ist es, die stufenweise Entwicklung technischer Gebiete in Dokumenten der Zeit darzulegen und die Standorte der bezüglichen Belegstücke nachzuweisen. Die vorliegende Abhandlung bildet einen erfreulichen Beweis dafür, daß der Verfasser, ein mitten im praktischen Leben stehender Bergingenieur, trotz seinem anstrengenden Beruf Sinn und volles Verständnis für schwierige technik-geschichtliche Fragen des Bergwesens aufbringt. Seine durch eine jahrzentelange geistige Schürfarbeit entstandene Abhandlung umfaßt die Ent wicklung der deutschen Markscheidekunde, angefangen von den ältesten volkstechnischen Geräten zur Vermessung unter Tage bis zum Auftauchen der neuzeitigen wissenschaftlichen Instrumente des Markscheiders. — Auf Grund der namentlich in der Ostmark noch zahlreich vorhandenen Zeugnisse ältester Grubenvermessung konnte der Verfasser lückenlose Reihen über Wachsscheiben und Setzkompasse, über Hängekompasse, Gradbögen, Schinzeuge und Eisenscheiben, Bussoleninstrumente, Zielinstrumente, Aufstellungsarten, Setzwaagen, Winkelauftraggeräte und Winkelteilungen aufstellen. Hierbei fallen namentlich die tastenden Versuche der früheren Markscheider zur Bestimmung von Lage- und Höhenwinkeln ins Auge, die in ihrer konstruktiven Zusammenfassung zum Bau des markscheiderischen Universalinstrumentes, des Grubentheodolites, führten. Diese technikgeschichtlichen Entwicklungsreihen lassen deutlich erkennen, daß schon die schlichten Meßgeräte der Vorzeit vielfach die Keime zum Hochstand der heutigen Meßkunst enthalten. Die wissenschaftliche Reife und feinmechanische Vollendung des Instrumentariums der modernen Geodäsie bilden nunmehr ein Ehrenmal der nationalen deutschen Technik. Die Herausgabe des reichbebilderten 7. Heftes der „Blätter für Technikgeschichte“ wurde durch das Ministerium für innere und kulturelle Angelegenheiten, Abt. IV in Wien, durch das Sächsische Ministerium für Wirtschaft und Arbeit in Dresden, ferner durch das Hauptamt für Technik in München, die Arbeitsgemeinschaft der Hochschullehrer Österreichs, die Österreich-Alpine Montangesellschaft in Wien, den Bund der österreichischen Industriellen — Landesverband für Steiermark in Graz und durch den Eorschungsfonds des Forschungsinstitutes für Technikgeschichte in Wien gefördert. — Allen Stellen und Persönlichkeiten, insbesondere den Hochschulprofessoren Dr. techn. F. Aubell in Leoben und Hofrat Dr. Ing. E. Dolezal in Baden bei Wien, welche die ins einzelne gehende Forschungsarbeit des Verfassers unterstützt und dadurch das Erscheinen der vorliegenden Abhandlung ermöglicht haben, wird hiermit der geziemende Dank aus- »“ SI>rüehen - ' Dir Schrittleitimg. Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich. Von Dipl.-Ing. Dr. mont, Franz Kirnbauer, Freiberg i. Sa. Um die Entwicklung des Markscheidewesens in Österreich vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart studieren und dartun zu können, galt es, die vorzunehmende Untersuchung in drei Teilabschnitte, nämlich in die geschichtlichen, geistigen und instrumentellen Grundlagen der Entwicklung zu imJBLmim Bild 1. Die historische Instrumentensammlung der Lehrkanzel für Markscheidekunde an der Montanistischen Hochschule Leoben. zerlegen. Unter den drei Abschnitten nimmt die Beschreibung der instrumentellen Grundlagen verständlicherweise den größten Raum ein. Diese bestehen aus: 1. Wirklich vorhandene alte Markscheiderinstrumente und -geräte; 2. Abbildungen von alten Markscheiderinstrumenten auf Grubenkarten, sonstigen Rissen, Bildern oder Zeichnungen; 3. Benennungen, Beschreibungen oder Bilder von alten Markscheiderinstrumenten in Büchern, Handschriften, darunter auch sogenannten „Schinbü ehern“. Bei den geschichtlichen und geistigen Grundlagen ist dagegen darzustellen, wie mit der fortschreitenden Entwicklung des Bergwesens der Bedarf nach mark- Geschichte der Technik, 7. Heft. 1 2 Die Entwicklung des Markscheidewesens. scheiderischen Handlungen und genauen Messungen entstand und auf welchem Stande die Hilfswissenschaften der Markscheidekunst im 15., 16. und 17. Jahrhundert waren. Für den Abschnitt der instrumentellen Grundlagen galt es, die verschiedenen einschlägigen technischen Sammlungen sowie Gesqjiichtsarchive der Ostmark eingehend durchzuarbeiten. Hier sind vor allem zu nennen: Die historische Instrumentensammlung der Lehrkanzel für Markscheidekunde an der Montanistischen Hochschule Leoben; die Abteilung „Markscheiderinstrumente 4 ‘ des Te c h n i s c h e n M u s e u m s in W i e n; das O.-Ö. Landesarchiv, Linz a. d. D. (Grubenkartensammlung) ; das Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien (Grubenkartensammlung ). Die Leobener Sammlung, 1905 gegründet, enthält gegenwärtig über 60 Inventarnum- mern und ist vor allem durch ihren Einmaligkeitswert besitzenden, reichen Bestand an Schinzeugen überaus beachtenswert (Bild 1). Die Sammlung historischer Markscheider- instrumente des Technischen Museums in Wien, mit gegenwärtig 37 Inventarnummern, besitzt verschiedene wertvolle Kompasse und sonstige, die Entwicklung des österreichischen Markscheidewesens kenn- Bild 2. Titelblatt des „Hallstätter Schinbuches" aus zeichnende Instrumente. dem Jahre 1527/28. Das O.-Ö. Landesarchiv hat einen reichen Bestand an Salzkammergut-Grubenkarten, auf denen sich mehrfach zeitgenössische Kompasse und Markscheiderinstrumente abgebildet finden. Weiters sind auf das Markscheidewesen bezughabende Handschriften aus den Beständen des O.-Ö. Landesarchivs, wie das „Hallstätter Schinbuch“ 1 (Bild 2) aus dem Jahre 1527/28, eine gleichalterige „Hallstätter Salzberg-Handlung“ u. a., zu erwähnen. Die Leobener Lehrkanzel für Markscheidekunde besitzt eine Sammlung von 17 Bleistiftzeichnungen über alte Markscheiderinstrumente aus der Hand des um 1910 verstorbenen Oberbergrates Riedl. Schließlich darf das „Schwazer Bergbuch“ 2 (Bild 3) als eine 1 F. Kirn Bauer, Die österreichischen Schinbücher. Mont. Rundschau, Wien 1937, 29. Jg., H. 20, und Tägliche Montan-Berichte, Wien, 28. Jg., Nr. 75, S. 3_6. 2 F. Kirnbauer, Das „Schwazer Berghuch.“ Zeitschr. f. d.’Berg-, Hütten- u. Salinenwes. im Deutsch. Reich, S. 338—346. Berlin 1937. — E. Treptow, Die Tiroler C-- ^ H — 'U ^ Die Entwicklung des Markscheidewesens. 3 wichtige Quelle markscheiderisch-geschichtlicher Erkenntnisse nicht unerwähnt bleiben; diese aus dem Jahre 1556 stammende und in sechs Ausfertigungen auf uns überkommene Bilderhandschrift gibt über den damaligen Stand des tirolischen und insbesondere Schwazer Bergbaus wertvolle Auskünfte. Die Leobener Hochschulbücherei, die Nationalbibliothek Wien und die Bayrische Staatsbibliothek München besitzen je eine Ausfertigung des Schwazer Bergbuches, das Museum „Ferdinandeum“ Innsbruck verwahrt drei Exemplare, darunter eine Prachtausgabe. * 1 Außer den rein fachlichmarkscheiderischen Quellenstudien waren noch allgemein bergbaugeschichtliche und kulturgeschichtliche Untersuchungen und Vorarbeiten notw endig, um die kulturelle Stellung des Markscheiders in den vergangenen Jahrhunderten dartun zu können. In den folgenden Ausführungen über „Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich“ vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart wird immer von der „Ostmark“ gesprochen, sobald es sich um den gesamtdeutschen oder gegenwärtigen Zustand, von „Österreich“ dagegen nur, wenn es sich um den geschichtlichen Begriff des österreichischen Raumes früherer Jahrhunderte handelt. Bild Titelbild des „Schwazer Bergbuches" (1556). (Leobener Codex.) Markscheider (Scliiner) im 15. und 16. Jahrhundert. Zeitsclir. f. d. Berg-, Hütten- u. Salinenwes. im Preuß. Staate, S. B. 497—507, Berlin 1933. 1 Bilder daraus sowie aus dem Leobener Codex: F. Kirnbauer, Das Sclrwazer Bergbuch, Leoben 1937, 10 Postkarten anläßlich des Leobener Bergmannstages 1937, herausgegeben vom Unterstützungsverein an der Montan. Hochschule Leoben. l A. Die geschichtlichen Grundlagen der Entwicklung des Markscheidewesens in Österreich. Unter „Markscheidekunst“, auch „Schinkunst“ genannt, versteht man das gesamte bergmännische Yermessungswesen über und unter Tage einschließlich des „Rißzeichnens“, das ist der Anfertigung von Grubenkarten. Die Markscheidekunde ist demnach jener Teil der praktischen Geometrie, der den Zwecken des Bergbaus dient. Die Kunstausdrücke der älteren bergmännischen Meßkunst etwa bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts hinein sind, ausgenommen das Wort „Kompaß“, deutsch. Hieraus kann man schließen, daß mit Ausnahme der aus dem italienischen Kriegswesen 1 stammenden Kompaßmessung der Ursprung der bergmännischen Meßkunst deutsch war. In ihre erfolgreiche Entwicklung teilen sich gleichermaßen die österreichischen Alpenländer, der Harz und das Sächsische Erzgebirge. Die ersten Anfänge des Markscheidewesens sind unbekannt. Das bergmännische Vermessungswesen hat sich vermutlich aus winzigen Ansätzen heraus, dem Bedürfnisse des Bergbaus entsprechend und zusammen mit ihm, in langsam steigendem Maß entwickelt. Die Uranfänge der Markscheidekunst reichen wohl, wie die des Bergbaus, tief ins Altertum zurück. Wir kennen zwar aus urgeschiclitlicher Zeit auf österreichischem Boden ausgedehnte und umfangreiche Bergbaue auf Kupfer, Salz und Feuerstein, doch ist für diese kein Nachweis einer markscheiderischen Tätigkeit zu erbringen, wenn wir nicht die bestimmt von den damaligen Bergleuten bereits ausgeführten Längenmessungen als eine solche ansehen wollen. 2 Daß der 1 F. M. Feldhaus, Die Technik der Antike und des Mittelalters. S. 364. Berlin 1931. 2 Bergmännische Längenmessungen sind bereits aus der jüngeren Steinzeit, 5000 bis 2700 v. Chr., aus Frankreich und Spanien bekannt. Es sind dies stollenähnliche Anlagen oder lange, söhlige Strecken neolithischer Katakomben, denen sich regelmäßig angeordnete Seitennischen anlegen. (H. QuirinG, Die Anfänge des Bergbaus in Deutschland und die Herkunft der „fränkischen Bergleute.“ Zeitschr. f. d. B. H. u. Salinenw. im preuß. Staate. S. B 226. Berlin 1928.) — Auch für den urgeschichtlichen Mitterberger Kupfererzbergbau, 1300 bis 1000 v. Chr., sind Längenmessungen auf Grund der von K. Zschocke und E. Preuschen rekonstruierten Abbaupläne anzunehmen. (K. Zsciiocke und E. Preuschen, Das urzeitliche Bergbaugebiet von Mühlbach-Bischofshofen. Materialien zur Urgeschichte Österreichs, 6. H. Wien 1932.) Auf der Kelchalpe bei Kitzbühel wurde ehemals ein hölzerner Meßstab aus der Zeit des urzeitlichen Kupfererzbergbaus gefunden. (E. Preuschen und R. Pittioni, Untersuchungen im Bergbaugebiete Kelchalpe bei Kitzbühel, Tirol. Mitteilungen der Prähistorischen Kommission der Akademie der Wissenschaften. III. Bd., Nr. 1 bis 3, S. 7. Wien 1937. — Der älteste bekannte zeichnerische Nachweis markscheiderischer Tätigkeit ist ein zu Turin auf bewahrter, aus der Die geschichtlichen Grundlagen. 5 bedeutende Bergbau der alten Griechen die Lösung markscheiderischer Aufgaben erforderte, ergibt sich daraus, daß sich Hero von Alexandrien (um 130 v. Chr.) mit solchen befaßte. Über die späteren Zeiten, den keltischen Bergbau der jüngeren Eisenzeit, wo bereitster Hüttenberger Erzberg in Betrieb stand, über die Zeit des römischen Bergbaus in Deutschland, den germanischen Bergbau der römischen Kaiserzeit und den fränkischen Bergbau der Merowinger- und Karolingerzeit fehlen uns nähere Nachrichten. Wo überhaupt die Wiege des deutschen Bergbaus gestanden ist, im Harz, im Sächsischen Erzgebirge, im Siegerland oder in den österreichischen Alpenländem, ist nicht leicht zu entscheiden. Während der gesamte Bergbau in Europa und im Orient in den Zeiten der Völkerwanderung verfiel, wahrte allem Anschein nach das von allen Völker Verschiebungen verschonte Siegerland, als die Waffenschmiede der merowingischen und karolingischen Franken, allein die bergmännische Überlieferung, * 1 schlug die Brücke vom Altertum zum Mittelalter und ward so zum Ausgangspunkt des mittelalterigen deutschen Bergbaus. Eine Beteiligung sächsischer und fränkischer Bergleute an der Aufnahme des Südtiroler Bergbaus im 12. Jahrhundert ist nachgewiesen. So soll auch der Eisensteinbergbau in der Steiermark von Siegen aus wiederbegründet worden sein. 2 Der Goldbergbau bei Schemnitz wurde im 8. Jahrhundert begonnen, in Kuttenberg und Iglau stand der Bergbau im 13. Jahrhundert bereits in Blüte. Die älteste österreichische und gesamtdeutsche Bergordnung überhaupt stammt bekanntlich aus Trient. Es ist dies ein am 24. März 1185 in lateinischer Sprache abgefaßter, zahlreiche deutsche bergmännische Fachausdrücke enthaltender Vertrag zwischen dem Bischof Albert von Trient und den Gewerken des Bergbaus am Calesberge, jenem drei- spitzigen Berge, nach dem Trient (Trident) benannt ist. Das Abkommen enthält eine Aufzeichnung von Rechtsgewohnheiten, die eine auffallende Übereinstimmung mit denen des später auf gezeichneten Freiberger Bergrechtes zeigen. Beziehungen zum Markscheidewesen fehlen jedoch in ihm. Aus etwas späterer Zeit, dem Jahre 1213, ist nur ein bergrichterlicher Entscheid zwischen zwei in Uneinigkeit geratenen Nachbargruben ebenfalls aus der Gegend von Trient bekannt, den J. v. Sperges in seiner Tirolischen Bergwerksgeschichte (1765) nach einer Urkunde wiedergibt, die zu seiner Zeit in Trient auf bewahrt wurde. 3 So viel man sich aus dem schwerverständlichen Latein ein Bild machen kann, hatten zwei Nachbargruben auf ein und demselben Erzgange gearbeitet und dabei war die eine über die andere geraten, was zu unliebsamen Zwischenfällen führte. Es scheint, daß die unten arbeitende Grube der oberen gedroht hat, sie werde jetzt von oben her „vom Rasen nieder“ ein Gesenk niederbringen und sich dann für die erlittene Unbill rächen. 3 Das Berggericht entschied nun, daß keiner künftig den anderen stören dürfe und das Niederbringen des Gesenkes zu unterbleiben habe. Abgesehen von wahrscheinlich durch- Zeit um 1400 v. Chr. stammender Papyrus, der Baue eines ägyptischen Goldbergwerkes darstellt. (Verh. d. naturhist. Vereines f. d. preuß. Rheinland u. Westfalen, Jg. 37, Corr.-Bl. S. 67.) — H. Werneke, Das Markscheiderwesen sonst und jetzt. Mitt. a. d. Markscheidewesen. H. II, S. 1. Freiberg 1887. 1 H. Quiring, 1. c., S. B 251. 2 B. Knochenhauer, Die Wanderungen der deutschen Bergleute. Zeitschr. f. d. Berg-, Hütten- u. Salinenw. im preuß. Staate. S. B 261. 1928. 3 P. Wilski, Markscheidekunde. Bd. I, S. 2. Berlin 1929. 6 Die geschichtlichen Grundlagen. geführten Längenmessungen, ist von irgendwelchen markscheiderischen Erörterungen in diesem bergrichterlichen Entscheid demnach noch keine Rede, insbesondere nicht von einer etwaigen obertägigen Abgrenzung oder „Verpflockung“ oder „Verlochsteinung“ der Grubengrenzen, die dann unter Tage einzuhalten gewesen wären. Den ersten geschichtlichen Beleg für markscheiderische Messungen einfacher Art im Gebiete des ehemaligen Österreich-Ungarn enthält das SChemnitzer Bergrecht, das König Adalbert IV. im Jahre 1244 1 der Stadt verlieh. Es regelt in 40 Punkten die Rechte der Stadt und in 20 Punkten die Rechte der eingewanderten deutschen Bergleute. Das Schemnitzer Bergrecht setzt fest, daß einer Grube in das Hangende ein Lehen und in das Liegende ein Lehen, auf jeder Seite aber im Streichen des Ganges viereinhalb Lehen zugeteilt werden sollen. Das war dann ein „scheiblich Lehen“. Es heißt dann weiter: „Wenn Bergleute nebeneinander bauen, so mag einer den anderen enthauen, bis daß sie gegeneinander durchschlagen. Dann sollen beide Teile je drei Viertel eines Lachters vom Durchschlag entweichen, bis Bergmeister und Geschworene dazukommen und Markscheidstempel zwischen beiden festsetzen. 2 Wer die Stempel brach oder aufschlug mit Frevel oder mit Wissen, der hatte Leib und Gut verloren.“ Wir haben somit markscheiderische Messungen von söhligen Längen vor uns, doch maß man um 1244 in Schemnitz bereits auch Höhen, da das Bergrecht Adalberts auch schon Stollen und Erbstollen kennt. Zur Auffahrung der Stollen bediente man sich vermutlich der Sohlwaage oder der Bergw r aage und Schnur. Doch ist es wahrscheinlich, daß man zur damaligen Zeit in Oberungarn auch bereits Winkel maß, da man Winkelmeßzüge einfachster Art kannte. Ob dies mittels Schnurdreiecken oder Holzscheiben geschah, in die Kerben geritzt wurden oder an denen mittels gefärbter Schnüre die Winkel festgehalten w'urden, ähnlich der uns aus späterer Zeit überlieferten englischen „Kreideschnurmethode“, 3 ward sich wohl nie feststellen lassen, beides ist jedoch möglich. P. Wilski 4 schreibt hierüber folgendes: In dem Abschnitt „Vom Recht der Erbstollen“ wird der Fall besprochen, daß jemand „mit des Raths und des Bergmeisters Gunst“ einen Erbstollen baut. Er findet an einer Stelle im Stollen Erz. Von dieser Stelle an gehören ihm „für sich vierthalb Lehen und hinter sich vierthalbs“. 5 So war es sowohl bei Schürfstollen als auch bei Erbstollen. Auf diese sieben Lehen oder 49 Lachter Stollenlänge durfte der Stöllner sein Erz abbauen. Es gehörte ihm, soweit er es, auf der Stollensohle stehend, mit dem Gezähe, Keilhaue oder Kratze, erreichen konnte. Zuweilen aber nun kreuzen sich zwei Gänge und ein auf der anderen Lagerstätte bauender Bergmann kommt dem ersten Stöllner zu nahe; dieser fürchtet sich, daß ihm der Nachbar in sein Erz einbricht und ruft daher die Entscheidung der Behörde an. Oder auch 1 B. Knocheniiauer, Wanderungen, 1. c., S. B 272. 2 P. Wilski, Markscheidekunde I., S. 3. 3 C. Krause, Beiträge zur Geschichte der Entwicklung der Instrumente in der Markscheidekunde. S. 14. Freiberg 1908. 4 P. Wilski, Markscheidekunde I., S. 115. 5 d. h. drei Lehen und vom vierten ein halbes. Die geschichtlichen Grundlagen. 7 auf dem Gang, auf dem der Erbstöllner seinen Stollen vortreibt, baut in einiger Entfernung eine Grube. Der Stöllner fürchtet, daß diese Grube ihm von seinem Erz wegnimmt und ruft auch in diesem Falle die Entscheidung der Behörde an. Nun treten vier Mannen zu einer Untersuchung des Falles zusammen, und zwar „drei Erbermannen und ein Mann von des Grafen Teil“. Eine Untersuchung ist nur denkbar auf dem Wege der Messung. Die Bergordnung sagt: „sie nehmen ob dem Raasen ein Winkelmass“. Das Wort „Winkelmaß“ kann hier nicht anders verstanden werden als „Meßgebilde mit Winkeln“, d. h. als ein Winkelmeßzug über Tage. Die gewöhnliche Tagespraxis des Bergmannes erforderte nur gelegentliche Längenmessungen von Lehen und Lachtern — ein Lehen zu je sieben Lachter. Ein System von Messungen, bei dem auch Winkel durch Messung festzulegen waren, ergab einen ganz wesentlich verwickelteren Begriff und erforderte eine entsprechende neue Wortbildung. Auf diese Weise entstand offenbar das Wort „Winkelmaß“. Gelang die Schlichtung des Streitfalles durch die vier Mannen nicht, so war der Durchschlag abzuwarten und die vier Mann hatten alsdann „im Durchschlag ober ein Winkelmaß zu ziehen“, was offenbar als eine primitive Art Polygonzug unter Tage aufzufassen ist. Noch etwas klarer tritt der Begriff eines allerdings sehr kleinen Winkelmeßzuges an einer anderen, von P. Wilski 1 angeführten Stelle des Adalbertschen Schemnitzer Bergrechtes hervor, wo es in dem Abschnitt,,V on Lehenschaften“ heißt, daß der Abstand zweier Gruben voneinander wenigstens ein Lehen, also sieben Lachter, von Schacht zu Schacht sein solle, und die gleiche Ausdehnungsmöglichkeit wurde den Gruben dann auch unter Tage gewährleistet. Einem jeglichen sollte „ein Gericht gestrakt Lehen gezogen werden“. Hier sind unter einem „gestreckten Lehen“ sieben Lachter Luftlinie gemeint, denn es heißt: „Einem jeglichen soll ein Gericht gestrackt Lehen gezogen werden, und ob etliche krum vorhanden waren, die sollen die Geschworenen des Raths mit dem Bergmeister abbinkheln, und absaigeren, und darnach ein Recht gestrakt Lehen gezogen werden.“ Hier handelt es sich also um einen Winkelmeßzug kleinsten Ausmaßes, die Krümmungen des Ganges werden „abgewinkelt“ und zudem „abgesaigert“. Man wollte demnach bereits um die Mitte des 13. Jahrhunderts offenbar sieben Lachter söhlige Luftlinie Ganglagerstätte verleihen ! Das Wort „Winkelmaß“ tritt uns auch in einer Tiroler Bergordnung, der „Schwätzer Erfindung “, 2 in einem Sinn entgegen, der sich nur als „Zug“ auffassen läßt. Es heißt dort: ,,So «gmeen neben Pan? auf Clufft unnb ©enngen mit burdp fdjagen 3 U einander fönten, llnb bte 3 ünger bie ölter (Srueb untb bas Delbort an« ftrenngt, So [oll ... ber Seltner miten an bem munntlod} bes Stollens ber €ltern (Srueben an fyeben, unb btejelb miten burd) bas tmencflmajg fytnetn Brinngen 3 um I>urd}fd;Iag ober n?o bas roennt unb ain €tfen ober fteenbe marcfyfcfyaib fdilafyen." Dieser Satz bedeutet ungefähr in die Sprache von heute übersetzt: Der Schiner soll mitten durch die ältere Grube hindurch seinen Zug hineinbringen bis zum Durch- 1 P. Wilski, Markscheidekunde I., S. 116. 2 P. Wilski, Markscheidekunde I., S. 116. „Erfindung“ = Bergordnung. 8 Die geschichtlichen Grundlagen. schlag „oder wo das wendet“, d. h., wo etwa sonst die Berggerechtsame der älteren Grube „wenden“ oder zu Ende sind. Die stehende Markscheide oder das „Abschneidend Maß“ trennt zwei auf einer Ganglagerstätte nebeneinander bauende Gruben, die flache Markscheide zwei auf einem Gang untereinander bauende Gruben. Die Abgrenzung von Nachbargruben gegeneinander hatte somit anscheinend von jeher viele Streitigkeiten hervorgerufen, so daß anzunehmen ist, daß die Vermessung von Grubenbauen aus solchen Anlässen zu einer der Haupttätigkeiten der alten Markscheider gehörte. Eine Stelle aus dem Bergbuche des Königs Wenzel VI. vom Jahre 1280 bestätigt dies mit folgenden Worten: 1 ,,Das Nmpt derjenigen, jo die Berge oder (Sänge pormefjen, ift durefy die Berg* perftänbigen erdacht und eingefiifyrt morden aujj llrjacfyen, daß alle Klagen, jo der ZlTarffcfyetber falber jmijd^en den näd|ft aneinander ftojfenben Bergen und «^edjen por* fallen, mit gebührlicher Dermejfung durch fie »ertragen und entfdpeben merden jollen". Die Ausführenden waren um diese Zeit noch nicht „Schiner“ oder „Markscheider“, sondern eine von Fall zu Fall gewählte Kommission von vier Männern. Das Goslarer Bergrecht, das aus der Zeit um 1360 stammt, läßt uns hingegen erstmalig erkennen, daß in der für den Rammeisberg geltenden Bergordnung um die Mitte des 14. Jahrhunderts bereits der Markscheiderberuf auf dem Harz ein klar umgrenzter Sonderberuf war. Gesetzesbestimmungen, noch dazu aus so früher Zeit, können natürlich über den technischen und wissenschaftlichen Stand eines Berufes kein unbedingt genaues Bild ergeben, lassen jedoch immerhin auf seine Bedeutung wichtige Rückschlüsse zu. Da aber das Goslarer Bergrecht aus dem Rahmen der üblichen Bergordnungen herausfällt und mehr eine Bergpolizeiverordnung und eine Dienstanweisung für verschiedene Beamtengruppen ist, wird des Markscheiders darin ziemlich eingehend gedacht. Er begegnet uns unter der Amtsbezeichnung „Fronbote“ und wird von den Sechsmannen nach Eignung und Befähigung „aus dem Bergwerk“ heraus bestellt. 2 Er wird weiters von den Sechsmannen vereidigt und auf seine dienstlichen Obliegenheiten verpflichtet. Der Artikel 199 der Bergordnung besagt: ,,Das befiehlt man ifynen bei ifyrem <£ib, baß jie ben Berg behüten unb por Schaben bemalten, rno fie fönneit, baß fie richtig mefjen, bem Nrrrten unb bem Beteten, baß fie perbieten, rno man eine (JErjfefte bem Berge 3U fcfjaben perfyauen rpolle unb baß fie bes Berges (Selb penpafyren, jo baß es nirgenbs ausgegeben rperbe, es jei benn $u bes Berges Bußen." 3 Keine spätere deutsche Bergordnung umreißt die Dienstobliegenheiten des Markscheiders von einem so hohen ethischen Standpunkt aus sowohl in bezug auf das Allgemeinwohl, als auch vom bergwirtschaftlichen Gesichtspunkt wie das Goslarer Bergrecht. Der Markscheider wird nicht von Fall zu Fall berufen, sondern 1 Buch I., Kap. 10. P. Wilski, Markscheidekunde I., S. 6. 2 W. Nehm, Die Entwicklung des Markscheidewesens auf dem Harz bis zum Dreißigjährigen Krieg. Reden und Ansprachen hei akademischen Feiern. S. 35. Clausthal- Zellerfeld 1934. 3 W. Nehm, ebenda, S. 36. Die geschichtlichen Grundlagen. 9 verwaltet ein ständiges Amt. Er genießt im Rahmen seiner Dienstausübung öffentlichen Glauben. Die Festsetzung und Überwachung der Sicherheitspfeiler und der Wetterwege geben dem Markscheider in betriebstechnischer und bergpolizeilicher Hinsicht eine feste und einflußreiche Stellung, die ihn oft als Vertreter des Bergmeisters erscheinen läßt. In späteren Zeiten verlor sich auf dem Harz die beamtete öffentliche Stellung des Markscheiders wieder, er blieb zwar vereideter .Beamter des Regalherrn und sein Arbeitsgebiet bildeten nur betriebstechnische Messungen, von urkundlichen Messungen blieb er ausgeschaltet (Bergordnung für Wildemann und Zellerfeld, 1550). 1 Doch nicht nur aus dem Harz, sondern auch aus Tirol ist uns der Name „Fronbote“ aus dem Schwazer Bergbuch für 1490 überliefert. 2 Wesentlich älter und häufiger als dieser für den Markscheider seltene Name ist bei uns jedoch die Bezeichnung „Sch in er“, welche als die allgemeine Bezeichnung für den Markscheider in den österreichischen Alpenländern gelten kann. Sie läßt sich im Gebrauch bis in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts zurückverfolgen. 3 Die älteste bekannte Erwähnung des dazugehörigen Tätigkeitswortes „schinen“ = „markscheiden“ findet sich in Johann Georg Loris Sammlung des baierischen Bergrechts, unter Bemerkungen Halleinischer Bergrechts-Gebräuche und stammt aus dem Jahre 1418. Die betreffende Stelle lautet: 4 21rtno Domini MCCCCXVHI: £Tad}bem mit 3 mei Sinftnerfen burcfy ben 21bt 5t. Petri auf bem 5reubenberge Überbau auf Sal 3 burger (5ebiet ftattgefunben fyatte, tcaren biefe corn <£r 3 bifcfyof ein« gezogen morbert. Dann bat ber 21bt um ein Befdjauen. Das mollte ber <£r 3 bifd]of nidjt ,,unb mollt mit ifynt fdiYnen“, bas fyeijjt burd? eine Dernteffung bie (5ren* 3 en unter Cage feftlegen laffen. Der 21bt fafy jebod} ein, baß ber <£rjbifd}of „über« griffen“ mar, (b. 1}. baß er, ber 21bt, Überbau getrieben fyatte), „mollte mit ifyrn nicfyt f dünnen“. Durd] Derfyanblungen mürbe ein gemeinfamer 2lbbaubeiber Sinfmerfe befefyloffen. Das Wort Schiner hat mit „Schiene“ selbstverständlich nichts zu tun, sondern hängt mit „Schinzeug“, dem alten Markscheidergerät, und dem dazugehörigen Tätigkeitswort „schinen, verschinen, abschinen“ zusammen. Die Redensarten Min und Schin tun, mit Min und Schin handeln, Schin und Min geben, bedeuten vielmehr, durch markscheiderische Vermessung die Grenze feststellen. Beide Worte, Min und Schin, gehören der älteren deutschen Rechtssprache an. Min bedeutet hierbei gütliche Benehmung, Vergleich; Schin dagegen ist die rechtliche Entscheidung des mit der Gruben Vermessung betrauten Beamten, also desjenigen, der mit dem „Schinzeug“ umzugehen verstand. 5 1 W. Neiim, Markscheidewesen auf dem Harz, 1. c., S. 36. 2 P. Wilski, Markscheidekunde I., S. 3. Der „Fröhner“ ist jedoch etwas anderes. 3 St. Worms, Schwazer Bergbau im fünfzehnten Jahrhundert. S. 39. Wien 1904. 4 J. G. Lori, Sammlung des baierischen Bergrechtes. S. 43. München 1764. — E. Treptow, Tiroler Markscheider, 1. c., S. B 499. 1933. 5 Nach H. Veith, Bergwörterbuch. S. 415. Breslau 1870/71, und eigenen Studien des Verfassers. 10 Die geschichtlichen Grundlagen. In der Trienter Urkunde vom Jahre 1213, im Schladminger Bergbrief vom Jahre 1308 und in der Bergordnung Herzogs Albrecht II. zu Österreich für die Steiermark 1336 oder der Zeiringer Bergordnung vom Jahre 1346 wird das Wort Sch in er nicht gebraucht. 1 Im Schladminger Bergbrief des Bergrichters Leonhard Egkelzhaim wird ausführlich von der Verleihung durch den Bergrichter gehandelt. ,,£tact| ber Schnur Sag unb illafj unb rote fie bie piemarft unb bie Percfroercf miteinanber an ben Cag nennnet, flauen! unb geheut unb fie follen fürbas unterfid], f 7 /f ^ t Up ? // ‘ k, f c y % Wv / l W tW# C HVt '«J Up ' • u VTr »»*»%♦» Äwi Bild 4. Sohleisen. (Aus dem Schweizer Bergbuch. 1556 , Leobener Codex.) iiberfid] unb nebenftd), ein erotgen (Sang gen (geben), es fey flad? ober ftefyenbe Tnarcffcfyatb, als Percfroed^s Hed|t unb non alters fyerfomnten ift ." 2 Die vom Schmer bestimmten Festpunkte können in österreichischen Ausdrücken Eisen, Pflock, Marke, Markscheid, Kreuz, Stuff, Bydmark, Schin oder Zeichen heißen. Sohleisen oder Firsteisen (Bild 4 und 5) bedürfen keiner Erklärung. Mit „abschneidend Eisen“ (Bild 6), Teileisen oder trennende Markscheide wurden Festpunkte für die seitliche Begrenzung der Grubenfelder und auch die Begrenzungen selbst bezeichnet. Scheideisen war eine allgemeine Bezeichnung, denn was für die eine Grube das Sohleisen war, konnte für die benachbarte Grube ein First- 1 E. Treptow, Tiroler Markscheider, 1. c., S. B 499. 1933. 2 J. G. Lori, Bergrecht, 1. c., S. 4. 1764. Die geschichtlichen Grundlagen. 11 eisen sein. Schließlich wäre noch der Ausdruck Bydmark zu erklären. Bydmark, im Schwazer Bergbuch auch Pinmark, Pymark geschrieben und als rotes Kreuz am Ulm in halber Stollenhöhe gezeichnet, wird darin folgenderweise erläutert: 1 * „Die Bergleute fprechett and] oiel oott pittmarchen. Diefe finb aud) 5irft> ober Soleifen, toie oben oerlautbart, es ift ein 1>tng. Doch roerben meiftens bie (Eifert Pin» march genannt, bie nicht an ber enbgiltigen Stelle fteheti, fonbern oon betten noch toeitcr gesogen roerben muff. Denn es fötttten toeber 5irft 5 noch Soleifen nicht itttmer Bild 5. Firsteisen. (Aus dem Schwazer Bergbuch, 1556 , Leobener Codex.) — roenn bas (Sebirge noch nicht fo roeit nach oben ober nach unten aufgefdtloffen ift — an bie enbgiltige Stelle auf bie Ctnie gebracht roerben." Wir würden demnach heute ,,Pinmark" mit „Zwischenpunkt" wiedergeben. Auch im Markscheidereid sowie an anderer Stelle der Ferdinandeischen Bergordnung vom Jahre 1553 kommt das Wort vor. 1 So hatte im Jahre 1553 der Schiner auch beim Stellen und Abnehmen der Gedinge im Streitfälle zu entscheiden, wie aus dem Artikel 80 der genannten Bergordnung hervorgeht: ,,<£s [ollen auch Cehen ober (Sebinge burch unferen beeibeten Sch inner uttb toenn fich bort feiner finbet, burch unferen Bergrichter ober benjenigen, toelchen 1 Ferdinandeisehe Bergordnung 1553, Art. 80, Neuausgabe, Wien 1832. Sammlung Kirnbauer. 12 Die geschichtlichen Grundlagen. biefer ba 5 U beftimmt, mit ber rechten 23ergfdirtur abgewogen merben ..." ,,tüenn ein folcfyes Cefyen (non 7 Klafter) ausgefdjagen ift, fo foil aisbann ber beeibete Sditnner, ober mo feiner ift, ber 23ergrid]ter ober ein orener basfelbe mit ber rechten 23er^fcf?nur abjiefjen unb fofort bas erfte Bybmarf mit einem aufrechten Stuff befräftigen. IDemt ftd] aber im Mittel bes Cefyens smifdieit (Semerfen (5ebinge* tjäuern ein Streit ergäbe, fo foil ber Spinner, 23ergrid}ter ober (Sefcfymo* rene benfelben bestiegen unb 511 Dergleichen bemüht fein ober barüber gebührliches €rfenntnis fällen." ■* ;DLh Q. ■» A*«»» Bild 6. Abschneidend Maß oder Eisen. (Aus dem Schweizer Bergbuch, 1556. Leobener Codex.) Darüber, ob die Tiroler Markscheider um die Mitte des 16. Jahrhunderts, wie die Bergrichter, staatliche Beamte waren oder nur jedesmal für ihre Tätigkeit von den Bergbau treibenden entlohnt wurden, bietet das Schwazer Bergbuch keine Unterlagen. Die Haupttätigkeit der „Schmer“ zu dieser Zeit bestand darin, bei Durchschlägen benachbarter Gruben die Feldgrenzen unter Tage festzulegen und das in der Nähe des Durchschlages gewonnene Erz dem rechtmäßigen Besitzer zuzusprechen. Auch wurden sie damals, jedoch nicht immer, bei der Verleihung der Grubenfelder zugezogen. Besondere Bedeutung war im 16. Jahrhundert der Tätigkeit der Schiner oder „Pergschiner“ auf dem Steirischen Erzberg zuzumessen, worüber es uns möglich ist, mehrfache Erkenntnisse zu schöpfen aus einem Eisenerzer Bergbuch des Inner- und Die geschichtlichen Grundlagen. 13 Vordernberges aus dem Jahre 1524 1 sowie aus anderen Eisenerzer Schin- und Pflockbüchern aus dem gleichen Jahre und aus etwas späterer Zeit. 2 Eine beträchtliche Sorgfalt wurde von den Schinern des 16. Jahrhunderts am Erzberg stets einer genauen und größengerechten Abgrenzung der einzelnen „Gruben“, also der Grubenbesitzverhältnisse nach oben und unten (First und Sohl), nach den beiden Seiten (dem „Seherin“) und in den Berg hinein („abschneidend“) entgegengebracHt. Ein beachtliches Einwägen (Nivellement) über weite Entfernungen stellt auch das in den Schinbüchern stets besonders hervorgehobene „Herausbringen der Ebenhöhe“ von Vordernberg auf den Innerberg dar. Die Ebenhöhe war durch Jahrhunderte hindurch die genau eingehaltene waagrechte Grenzfläche zwischen den Abbauberechtigungen der Vordernberger Radmeister einerseits und der Innerberger (oder Eisenerzer) Radgewerken anderseits. Die Beschreibung der Ebenhöhe ist in mehreren Pflockbüchern enthalten, sie lautet in einem: „Die 3mtern unb Doberperger baibr Eben feilt alfo entfärben, bas bic Ebern fyöcf? uom ffart mie r>or ansaigt 1? er aus ift pracfyt bts in Sau per g, bafelb atu pflocf in aitter üben ober puecfyen geflogen, ift bie red]t Ebettfyöd}. IDeittr ftaben mir angefangen neben uttb unttr bes ffatbn gruebit feiten Elspet im IDeingartn ein creug unb pibmard] geflogen in ain lerdpt, barttt ain cructftr mie im 3ünernperg anseigt ftet; basfelb pibntartdj ift bie red]t cEben 1^öd>. Unb fyerburd? gejogn bis in XDeingarttn neben bie gruebn, fo fyer Sebolb Pögl Suegetjört in ber Ffeel genant; bofelbn abr ain pibntarid} in ain feidjtn geflagn. Don bemfelbn pibmarid} fyittab gejogn unb abgenomen in faigr uutter fid] 26 clafftr, bafelbu abr ain ptbmarid} in ain lerdpt geflagn, basfelb pibnt. ift bes Crobl ftolln in JDeyrfierft im UTaifdipad] unb burid] bie Ceittn bie red]t Eben bes faigr bis hinaus in ^inobl, mies mit pibntarid? au aiitem 3 unt attbern uer 5 aid]net ift. Unb fein besfyalb bie Dobrpergr unb 3 n nerpergr baiber Eben mit folid^er Ebenfyödi oou einanber entfd]ibn nadtuolgunbr mögen.“ Wir sehen somit, daß entsprechend der zunehmenden Entwicklung des Bergbaus in den österreichischen Alpenländern auch eine stetig fortschreitende Entwicklung der Tätigkeit des Markscheiders und seiner Aufgabe stattgefunden hat. Mit dem Emporblühen des österreichischen Erz- und Salzbergbaus im 14. und 15. Jahrhundert entstand auch der Bedarf nach Vermessungen der Gruben, der sich nicht nur auf das Messen einfacher Längen, das von alters her geübt worden war, erstreckte, sondern auch die Festlegung und Wiedergabe von Winkeln sowie die Ausübung der Tätigkeit des Einwägens erforderte. 1 Steirisches Landesarchiv, Graz. 2 F. Kirnbauer, Über Eisenerzer Schin- und Pflockbücher, in Vorbereitung. B. Die geistigen Grundlagen der Entwicklung des Markscheidewesens in Österreich. Während wir bisher die geschichtlichen Grundlagen des Markscheidewesens in Österreich, die mit der geschichtlichen und rechtlichen Entwicklung des Bergbaus in Österreich aufs engste verbunden sind, betrachtet haben, sollen im folgenden nun die geistigen Grundlagen der Entwicklung des Markscheidewesens in Österreich kurz besprochen werden. Als die geistigen Grundlagen sind einerseits der allgemeine Bildungsstand zur damaligen Zeit und anderseits der Stand der markscheiderischen Grundwissenschaften, der Mathematik, der Physik und des Instrumentenbaus anzusehen. Bezüglich des allgemeinen Bildungsstandes im 14. Jahrhundert muß man bedenken, daß zu jener Zeit im Volke die Kunst des Lesens und Schreibens ebenso selten war wie die Handhabung der einfachsten Rechenarten. Buchdruck gab es noch nicht. Um 1350 wurden die ersten deutschen Universitäten gegründet. Die Auswirkung dieser Bildungsstätten auf das Volk konnte sich nur langsam durchsetzen, praktische Verbindungen zum Bergbau lassen sich nicht nachweisen. 1 Es ist daher anzunehmen, daß um diese Zeit die Markscheider, etwa in Tirol oder auf dem Rammeisberg, durchwegs wissenschaftlich Selbstgelernte waren und ihre praktischen Kenntnisse auf dem Weg einer handwerksmäßigen Lehre erworben hatten. Wie der deutsche Bergbau ohne Vorbild war, so hatte auch der Markscheider keines. Die Markscheidertätigkeit trug eben damals den Charakter der empirischen Volkstechnik. Wechselwirkungen zwischen den Markscheidern Tirols, des Harzes oder des Erzgebirges sind für diese Zeit nicht anzunehmen. Jeder Markscheider wird nach örtlichen Überlieferungen gearbeitet haben, die uns heute fremd sind, und seine Kenntnisse dort gesucht haben, wo er nur konnte, wahrscheinlich bei benachbarten Grubenbetrieben. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts muß es bereits etwas besser gewesen sein, insbesondere, was die Kenntnisse in der Mathematik und im Lesen und Schreiben anbelangt. Die ältesten uns erhaltenen schriftlichen markscheiderischen Aufzeichnungen, die „Schinbücher“, stammen aus der Zeit um 1527. 2 Zahlen werden hierin in lateinischen Ziffern mittels deutscher Buchstaben ausgedrückt. Agricola wandte bereits verwickelte Rechnungsarten an, wie etwa eine Maßstabteilung für 1 W. Neiim, Entwicklung des Markscheidewesens auf dem Harz, 1. c., S. 35. 2 F. Kirnbauer, Die ältesten Dokumente deutschen Markscheidewesens, Mont. Rundschau, 27. Jg., H. 20, S. 1 bis 6 (1935). — F. Kirnbauer, Die österreichischen Schinbücher, Mont. Rundschau, 29. Jg., H. 20, T. Mo. 27 (1937). — Eine Arbeit des Verfassers über die Eisenerzer Schinbücher aus dem Jahre 1524 ist in Vorbereitung. Die geistigen Grundlagen. 15 sin 2 cp 1 Lachter X —-— Jd Dagegen waren die rechnerischen Fähigkeiten der Bevölkerung noch ganz gering. Philipp Melanchton beklagte sich über die dürftigen Auswirkungen des mathematischen Schulunterrichtes. 1 Die Ausbildung im Rechnen lag in der Hand der Rechenmeister, von denen uns noch Adam Riese, Rechenmeister in St. Annaberg im Sächsischen Erzgebirge, geläufig ist. Adam Riese, dessen Rechenbücher aus den Jahren 1544 und 1550 noch heute bekannt sind, war übrigens nicht ohne Beziehungen zum Bergbau, er war lange Jahre hindurch Berggegenschreiber — Buchhalter und Prokurist würden wir heute sagen — bei den dortigen Silbergruben. 2 Zwei Professoren für Mathematik der Universität Wittenberg sind übrigens mit der Entwicklung des Markscheidewesens in enger Verbindung. Es sind dies der Astronom Erasmus Reinhold und der Mathematiker Rhaeticus. Reinhold begann das erste Lehrbuch der Markscheidekunde zu schreiben, das aber erst sein Sohn Erasmus Reinhold der Jüngere beendete und im Jahre 1574 unter dem Titel „Vom Markscheiden, kurtzer und gründlicher Unterricht“ in Erfurt veröffentlichte. 3 Das Lebenswerk des Rhaeticus ist das 1596 veröffentlichte „Opus palatinum“, jenes Tafelwerk der natürlichen Zahlen der trigonometrischen Funktionen, das in Form der JoRDANschen Neubearbeitung noch heute auf jeder Markscheiderei zu finden ist. In Leipzig lebte um die Mitte des 16. Jahrhunderts J. J. Hommel (Humelius), der Erfinder des ebenfalls noch heute unentbehrlichen Transversalmaßstabes. 4 Eine ständige Wechselwirkung zwischen Wissenschaft und praktischer Markscheidekunde für diese Zeit ist allgemein anzunehmen und wurde für das Sächsische Erzgebirge und den Harz von W. Nehm nachgewiesen. 5 Um das Jahr 1600 hatten sich die mathematischen und astronomischen Wissenschaften stark und erfolgreich mit vermessungstechnischen Fragen beschäftigt und die Markscheider der damaligen Zeit hatten es zweifellos verstanden, diese wissenschaftlichen Fortschritte auch ihrem Fachgebiet dienstbar zu machen. Dieser gesunde Zustand einer gleichsinnigen Zusammenarbeit kam aber in der Folgezeit ins Wanken, als die Fortschritte der Wissenschaft in einem so unerhörten Zeitmaß vor sich gingen, daß die praktische Anwendung nicht folgen konnte. Kepler erfand 1611 das astronomische Fernrohr und der Holländer Huyghens gab ihm um 1655 eine so vollendete Form, daß sie richtunggebend für die nächsten 300 Jahre blieb. Als hemmenden Umstand sehen wir aber, daß 1 W. Neiim, ebenda, S. 38. 2 L. Darmstaedter, Adam Riese, der Meister der Zahlen. Forschungen und Fortschritte. 1. Jg., H. 3/4, S. 25, Berlin 1925. 3 W. Nehm, Markscheidewesen auf dem Harz, 1. c., S. 38. 4 F. Schmidt, Geschichte der geodätischen Instrumente und Verfahren im Altertum und Mittelalter. Veröffentl. d. Pfalz. Ges. z. Förderung d. Wissensch. Bd. XXIV, S. 279, Neustadt a. d. Haardt 1935, führt an, daß bereits im 14. Jahrhundert von Levi ben Gerson an einem Jakobsstab eine Transversalteilung zum ersten Male angewendet wurde. Auch Purbach und Regiomontanus sollen davon Gebrauch gemacht haben und Johann Hommel (1518 bis 1562) nur durch eine besondere Ausführung des Verfahrens bekannt geworden sein. 5 W. Nehm, ebenda, S. 39. 16 Die geistigen Grundlagen. diese Fernrohre sich in ihrer praktischen Anwendung nur auf die feststehenden Instrumente der Sternwarten beschränkten und daß ein mit einem Fernrohr versehenes bewegliches Feldinstrument noch etwa 200 Jahre auf sich warten ließ. Nunez erfand 1542 eine Vorrichtung, die eine genauere Ablesung an Teilungen ermöglichte; dieser Vorläufer des Nonius wurde 1631 durch Vernier (Werner) verbessert und so durch ihn der eigentliche Nonius erfunden. 1646 erfand der Engländer Gascoigne das Fadenkreuz, 14 Jahre später, 1660, der Franzose The- venot die Libelle. Im Jahre 1666 erfand Picard und Auzut das Mikrometer, ein Jahr später ist von Picard die erste Anwendung des Fernrohres für Meßzwecke überliefert. Descartes hob 1637 mit seiner analytischen Geometrie die alte, jahrhundertelang alleinherrschende euklidische Geometrie aus dem Sattel und setzte an Stelle der Konstruktion die Zahlenrechnung, ein Vorteil, der sich auch vermessungstechnisch und markscheiderisch auswirken mußte bei gleichzeitiger Verfeinerung der Instrumente. Neper (Napier) und Briggs hatten 1614 und 1618 die Logarithmen erfunden. Leibniz und Newton fanden 1665 und 1684 unabhängig voneinander die Differential- und Integralrechnung und damit dön Schlüssel zu zahlreichen, bisher unlösbaren mathematischen und mechanischen Aufgaben. Es blieb aber erst unserer Zeit Vorbehalten, die praktische Anwendung auf breitester Grundlage durchzusetzen. Von Leibniz wissen wir auch, daß er 1712 in brief lichem Gedankenaustausch mit dem Oberharzer Markscheider Ripking über die kreisrunde Auftragung von Logarithmen stand und offenbar den heutigen Rechenschieber behandelte. 1 Ob ihnen jedoch der bereits 60 Jahre früher erfolgte Vorschlag des Engländers Wingate für den Bau eines linearen Rechenschiebers bekannt war, läßt sich nicht sagen. Wir sehen somit, daß im 17. und 18. Jahrhundert die Wissenschaft durch eine Hochflut neuer Gedanken aufgewühlt wurde, welchem Zustand lange keine ruhigere Weiterentwicklung folgte. Man darf es daher dem Markscheider jener Zeit nicht verdenken, daß er sich die Fülle der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht dienstbar machen konnte, zumal da der Bergbau selbst noch technisch in den Anfängen steckte und seine Aufgaben rein praktisch auf faßte. Trotzdem werden wir im folgenden Hauptabschnitt, den „Instrumentellen Grundlagen“ der Entwicklung des Markscheidewesens, sehen, wie gerade in Deutschösterreich sich die Verbesserung und Vervollkommnung einzelner markscheiderischen Instrumentengruppen entwickelt hat, worauf wir Ostmärker stolz sein können, weil nur auf dieser Grundlage die Weiterentwicklung des gesamtdeutschen Markscheidewesens der letzten 80 Jahre erfolgen konnte. 1 W. Nehm, Die Oberharzer Markscheider um das Jahr 1700 und ihre Stellung im Betrieb. Sonderabdr. aus „Reden und Ansprachen bei akademischen Feiern im Jahre 1935.“ S. 13. Clausthal-Zellerfeld 1935. «stete' nr- \ C. Die instrumenteilen Grundlagen der Entwicklung des Markscheidewesens in Österreich. Die instrumenteile Entwicklung des Markscheidewesens ist zu unterteilen in eine Entwicklung der Längenmessung und in eine solche der Winkel- oder Richtungsmessung. Zunächst soll das Messen von Längen besprochen werden. 1. Längenmessung. In der Geschichte der Längenmessung steht die Frage nach den Maßen und Maßsystemen im Vordergrund, Art, Beschaffenheit und Anwendung der Meßgeräte treten dagegen zurück. Sie sind für die ältere Zeit sehr einfach und doch war schon das Bestreben von jeher vorhanden, die Genauigkeit des Messens immer mehr zu steigern. Die älteste Form der Längenmessung war die mittels der Glieder des menschlichen Körpers, wie Schritt und Fuß, Elle, Hand. Die Römer hatten Fuß-Maßstäbe und verwendeten für größere Längenmessungen Meßstangen und Meß seile. 1 Auch kannten sie bereits zusammenklappbare Maßstäbe. Breitet ein ausgewachsener Mann beide Arme aus, so bildete die äußerste Länge zwischen den Spitzen der Mittelfinger eine neue Längeneinheit, die Klafter oder das Lachter genannt. Diese Bezeichnung tritt bereits im mittelalterigen deutschen Bergbau auf, z. B. im Schemnitzer Bergrecht vom Jahre 1244. „Eine Brustbreite und zwei Armlängen“ sagt Agricola 1556 für die Länge des Lachters. Die Klafter oder das Lachter, oder im Österreichischen ein weiteres Maß, das „Bergstabl“ genannt, sind im Bergwesen Jahrhunderte hindurch in Gebrauch gewesen. Sie waren die übliche Maßeinheit im österreichischen und deutschen Bergbau, jedoch von Ort zu Ort oder von Bergrevier zu Bergrevier in ihrer Länge verschieden. Ja, ich spreche sogar die begründete Vermutung aus, daß sich jeder Markscheider oder jede Markscheidergeneration ihr eigenes Längenmaß, ihr eigenes Lachter oder Bergstabl, selbst wählte, um ihre „Markscheidekunst“ möglichst lange geheimhalten zu können. So verhielten sich die Lachter von Joachimsthal, Eisleben, Clausthal und Freiberg zueinander wie 98,6 : 101,4: 97 : 100 und die Tiroler Bergklafter war eine ganze Spanne kürzer als das sächsische Lachter. 2 Eine vergleichende Zusammenstellung für 22 verschiedene Lachtermaße ist uns aus dem Jahre 1796 er- 1 F. Schmidt, Geschichte der geodätischen Instrumente und Verfahren im Altertum und Mittelalter, 1. c., S. 159. 2 P. Wilski, Markscheidekunde I., S. 20, nach J. v. Sperges, S. 115. Geschichte der Technik, 7. Heft. 2 18 Die instmmentellen Grundlagen. halten. 1 Es muß demnach damals bereits der Bedarf für die Umrechnung und den Vergleich der in den einzelnen Bergrevieren und Gruben gebräuchlichen Längenmaße aufgetreten sein. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts waren in Tirol noch eine Reihe von besonderen Längenmaßen üblich, die J. v. Sperges 2 für das Jahr 1530 erwähnt und die im Schwazer Bergbuch 1556 genau beschrieben werden. 3 Es sind dies die Maße Gmind und Däumel. Ein Gmind war eine Faust mit über sich gestrecktem Daumen, und vier Gmind gaben eine Elle. Ein Däumel war die Länge des Unterarmes bei ausgestreckter Hand. Das „Schwazer Bergbuch“ erläutert die beiden Tiroler bergmännischen Längenmaße wie folgt: (5mirtb ift alfo: menu öu in ber einen Ijanö bie oier Ringer ganj sufannnen« 3 tefyeft, als wollteft eine 5auft machen, bann fefce bie 13anb auf ben fleinften 3 uge» tanen 5inger unb ftrecfe ben Daumen gerabe über fid} in bie Iföfye; bas nennt man bei beut Berg ein (ßminb, unb ift in ber länge etwas weniger als ein Diertel einer IDienerifd^en Elle. 4 Däumel: Sefte beinen 21rm auf ben Ellenbogen gerabe über fidj, bas fyeifft man ein Däumel, unb ift etwas weniger als eine fyalbe IDienerifdie Elle. Weiters gab es in Schwaz um das Jahr 1550 außer der Bergklafter, die „zwei Wienerische Ellen und sechs Zwerchfinger lang“ war, noch den Stab und das alte Längenmaß für Gruben Lehen. Der Tiroler „Stab“ oder „Bergstab“, darnach man das Maß am Berge gab und nahm, war eine wienerische Elle und drei Zwerchfinger lang, demnach ergaben zwei Tiroler Stabl eine Klafter (1,8965 m). Ein Lehen maß sieben Bergklafter, wie es bereits für das 13. Jahrhundert für Oberungarn bezeugt ist. Im Salzkammergut herrschte vom 16. Jahrhundert ab wieder eine eigene Längenmaßeinheit. Es waren dies das „Hallstatterische“ und das „Ausseeische Bergstabl“. Das Ausseer Salzbergmaß war 1,194 m ■ lang. Bild 7 stellt ein solches Kammergut-Bergstabl dar, das in der Sammlung der Leobener Montanistischen Hochschule auf bewahrt ist 5 und etwa aus der Zeit um 1750 stammt. Es ist ein aus Holz in quadratischem, sich leicht verjüngendem Querschnitt geformter Stab, der an der einen Seite einen achteckigen Messingknopf, an der. anderen eine Messinghülse mit Eisenspitze trägt. Das dickere Ende des Stabes trägt die Kleinteilung und weist eine Spanne lang achteckigen Querschnitt auf. Auf dem Bergstabl sind vier verschiedene Maßeinheiten angebracht, deren Namen sowie Unterteilungen in schön verzierten, schwarz gravierten Elfenbeinplättchen ins Holz eingelegt sind. Außer dem „Ausseer Salzberg Maß“, das in acht Achtelteile unterteilt ist, enthält der Bergstab noch eine Einteilung in „Tyroler Schuh“, „Wiener Schuh“ und „Schemnitzer Schuh“. Diese „Schuh“ sind in ganze und halbe Schuh geteilt und deren Vielfache bis drei Schuhe angeschrieben. Ein Wiener 1 K. W. Böbert, Der geschwind und richtig rechnende Markscheider oder Tafeln für den Markscheider usw. Leipzig und Quedlinburg 1796. 2 J. v. Sperges, Bergwerksgeschichte Tirols, S. 115, Wien 1765. 3 E. Treptow, Die Tiroler Schiner, 1. c., S. B 502. 4 Diese = 0,7776 m. 5 Lehrkanzel für Markscheidekunde. Inv.-Nr. VC 4. Längenmessung. 19 Schuh mißt am Maßstabe 0,3165 m, ein Tiroler Schuh 0,3315 m und ein Schemnitzer Schuh 0,3352 m. Jeder Schuh wurde in sechs Sechstel unterteilt, auch das Achtel des Ausseer Bergstabls, wie aus dem am achteckigen, mit Blumen aus Bein verzierten, stärkeren Ende des Maßstabes ersichtlich ist. Der Stab stellt eine typische Salzkammergut-Arbeit aus der Mitte des 18. Jahrhunderts dar, bei welcher der sie verfertigende Bergmann, Markscheider oder Instrumentenmacher bestrebt war, sein Arbeitsgerät durch einfache, aber schöne künstlerische Ausschmückung aus der Nüchternheit des täglichen Gebrauchsgegenstandes herauszuheben und dadurch sich selbst an ihm zu erfreuen. Vor den hölzernen Maßstäben, die auch, wie G. Agricola einen abbildet, 1 in drei Teile zerlegbar sein konnten, und auch gleichzeitig mit ihnen wurden im mittelalterigen deutschen und österreichischen Bergbau vor allem Schnüre als €9 FWtmni zn-tfchuh' Bild 7. Salzkammergut-Bergstabl, um 1750. (Ansicht aller vier Seiten mit der Einteilung in Wiener, Tiroler und Schemnitzer Schuh sowie Ausseer Salzberg-Maß; 4,6fache Verkleinerung.) m l Längenmeßwerkzeuge verwendet. Bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts waren Hanf schnüre zur markscheiderischen Längenmessung üblich — die alten Ägypter hatten bereits Meßstricke in Verwendung, 2 — doch beobachtete Agricola die Längung derselben und empfahl statt ihrer Lindenbastschnüre. Agricola gibt weiters bereits an, Hanf schnüre in der Grube zu spannen und an ihnen entlang mit eingeteilter Lindenbastschnur zu messen. 1574 empfiehlt E. Reinhold Schnüre von Bast, Draht oder Haaren. 2 ,,Das aUerungetr>i|fefte", sagt er, ,,finb bie fyänffenen Sdptür." Nikolaus Voigtel klagt 1686 über die Längung der Lindenbastschnüre in nassen Gruben und empfiehlt gezwirnte, in Öl gesottene Schnüre. Er führt in seiner ,,Geometria subterranea“ 3 als zu einer Vermessung notwendig eine gezwirnte Schnur von 100 Lachtern Länge und eine bastene von sechs Lachtern an, weiters einen Maßstab von einem halben Lachter Länge, der geteilt sein soll. In späterer Zeit wurden die in Öl gesottenen Zwirnschnüre mit Wachs gewichst und waren um 1750 im Sächsischen Erzgebirge üblich, daneben aber 1 G. Agricola, S. 107. Neuausgabe 1928. 2 P. Wilski, Marksclieidekunde I., S. 21. 3 N. Voigtel, Geometria Subterranea oder Markscheide-Kunst. S. 21. Eisleben 1686. 2 * 20 Die instrumenteilen Grundlagen. auch noch die Bastschnüre. Für die gleiche Zeit sind bereits auch Messingketten als Längenmeßgeräte für Sachsen bezeugt. 1 Über die Arten der in den österreichischen Bergbauen verwendeten Schnüre sind uns keine näheren Nachrichten überkommen, es liegt aber die Vermutung nahe, daß die Entwicklung nicht unähnlich war jener soeben für Deutschland beschriebenen. Die Leobener Sammlung des Markscheideinstituts 2 besitzt mehrere solcher Meßketten, weiters zwei Stück sechs Klafter lange Ketten. Auch im Eisenerzer Museum ist eine. Meßkette vorhanden. Alle erwähnten Ketten stammen etwa aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Von 1798 wissen wir durch den Klagenfurter Professor und Markscheider Paris v. Giuliani, daß man damals im österreichischen Bergbau keine Schnüre mehr zum Längenmessen verwendete, sondern mit hölzernen Klaftermaß- stäben entlang kurz gespannter Verziehschnüre maß. Für Oberungarn ist durch N. v. Hanstadt die Messung mit zwei Klafterstäben längs gespannter Schnur belegt, ohne die Kette zu erwähnen. Die gleiche Messungsart ist uns auch für Pribram durch J. Beer überliefert, welcher aber auch das Messen mit Lachterketten längs ausgespannter Schnur erwähnt. 1 J. Weisbach führt dann 1859 zwei Meßlatten von zwei bis drei Lachtern Länge, zwei Lachterstäbe und einen dreiteiligen Gliedermaßstab von einem Viertel Lachter Länge ein, den er „Lachterschmiege“ nennt. 3 Nach 1870 wurde in den österreichischen und deutschen Bergbauen die Meßkette vom Stahlmeßband verdrängt, um die Jahrhundertwende herum verschwand die Meßkette aus der Hand des Markscheiders und das Stahlband diente ein Vierteljahrhundert lang allein der genauen Längenmessung, bis es vor einigen Jahren durch die neuzeitigen Doppelbildtachymeter für Obertagsmessungen entbehrlich geworden war. Für untertägige Längenmessungen jedoch sind auch heute noch das Stahlmeßband und ein Meßlattenpaar als alleinige Längenmeßgeräte in Gebrauch. 2. Winkelmessung. Schnurdreiecke. Ist das genaue Messen von Längen und Winkeln durch den Markscheider an sich eine gleichwertige Tätigkeit, so nimmt doch in der instrumentellen Entwicklung des Markscheidewesens die Winkelmessung einen wesentlich breiteren Raum ein, als die Messung von Längen. Denn in der Längenmessung blieben Maßstab, Kette und Schnur durch Jahrhunderte hindurch die gleichen Behelfe, ja, man scheute sich zum Teil im mittelalterigen Bergbau Winkel zu messen, zum Teil konnte man es nicht. Man maß lieber die Längen von Schnüren, die in Dreieckform gespannt waren, und erhielt auf diese Weise auf Grund der Ähnlichkeit von Dreiecken mit gleichen Winkeln auf einfache Weise die gesuchten Längen von Stollen oder Strecken oder Teufen von Schächten. Wir können annehmen, daß diese Messung mittels der Ähnlichkeit von Schnurdreiecken im deutschen und 1 P. Wilski, Markscheidekunde I., S. 21. 2 Inv.-Nr. 16a, b, c. 3 P. Wilski, Markscheidekunde I., S. 22. Winkelmessung. 21 österreichischen Bergbau mehrere Jahrhunderte hindurch in Übung war und wissen, daß dieses Verfahren selbst zur Zeit Agricolas, also um die Mitte des 16. Jahrhunderts, gebräuchlich war, wie aus einer genauen Ab- ^^l iu bildung und Beschreibung des Meßvorganges in Agricolas Bergbuch hervorgeht 1 (Bild 8). Selbst bis tief ins 19. Jahrhundert hinein hat sich das Messen von Winkeln mittels der Ähnlichkeit von Schnurdreiecken im Markscheidewesen erhalten. 2 Sogar noch 1910 war dieses Verfahren ausnahmsweise in Idria gebräuchlich. Die Wachsscheibenmethode. Als erste Weiterentwicklung der markscheiderischen Messung nach der ,,Schnurmessung“ ist nun die „Wa chsscheiben- methode“ 3 anzusprechen, da sie die erste Form der bergmännischen Winkelmessung darstellt; es wurden hauptsächlich Grundrißwinkel, aber auch schon Höhen winkel, diese mit einer Art „halber Wachsscheiben“, gemessen. Die „Wachsscheibenmethode“ war die Vorläuferin der Bild 8. Dreiecksmessung bei einer Schachtlotung zur Zeit ,, • . . i -Tr- Agricolas, 1556 (aus Agricola). Messung mittels „ivom- T * . , , „ ' , , jri 0 ® . (( (Das Joch A. Das Querholz B. Der Schachte. Die erste Schnur D. paß mit Teilung“ und Das Gewicht der ersten Schnur E. Die zweite Schnur F. Ihre Be- mi++ola TC r» m q R nnrl festigung im Boden G. Der Anfang der ersten Schnur H. Das inmreis „ivompao unu Stollenmundloch I. Die dritte Schnur K. Das Gewicht der dritten - Schnur L. Das erste Maß M. Das zweite Maß N. Das dritte Maß 0. ■ G. Agricola, S. 99 bis Das PJ 101. Neuausgabe 1928. 2 P. Wils Kl, Markscheidekunde I., S. 115. — Das Schnurdreieck-Meßverfahren wird 1856 von Beer noch beschrieben und 1868 von Miller von Hauenfels, wenn auch tadelnd, erwähnt. 3 F. Kirnbauer, Die „Wachsscheibenmethode“ — eine Frühform bergmännischer Winkelmessung. Berg- und Hüttenm. Jahrb. Leoben, 84. Bd., H. 3 (1936). n K# 22 Die instrumenteilen Grundlagen. Sch in zeug“. Auch gleichzeitig neben beiden erhielt sie sich lange Zeit, insbesondere in Sachsen und im Harz. Es gab zwei Arten von Wachsscheiben: „Einfache Wachsscheiben“ und „Wachsscheiben mit Kompaß“. Die „Einfache Wachsscheiben“ genannten Meßinstrumente bestanden aus Holzscheiben, deren Durchmesser von 160 bis 300 mm schwanken konnte und konzentrischen Kreisen ausgenommen waren, und zwar drei bis sieben Rillen, je nach dem Scheibendurchmesser. Diese Rillen waren mit verschiedenfarbigem Wachs ausgegossen, eine Rille Bild 9. Wachsscheibe mit Kompaß aus Neu' dort im Harz aus dem Jahre 1541. (Nach C. Krause. 2 1 Jache Verkleinerung.) in denen schmale Rillen in Form von Bild. 10. Einfache Wachsscheibe mit 5 Wachsringen und Schlitz, darüber die zur Bodenaufstellung benötigte Schraube. (Nach G. Agricola, 1556. 2 j Jache Verkleinerung.) rot, eine andere weiß, wieder eine andere blau usw. Eine Winkelteilung war nicht vorhanden. Die „Wachsscheiben mit Kompaß“ waren eine Weiterbildung der ersteren, einfachen, und enthielten in ihrer Mitte eine Kompaßbüchse. Der Meßvorgang war folgender: Man stellte sich im Scheitel des zu messenden Winkels, in der Grube oder übertage, auf, stellte das Gerät waagrecht auf ein Stockstativ oder einen Dreifuß und spannte nun bei den „einfachen“, ursprünglichen Wachsscheiben Schnüre nach den beiden Zielpunkten und stach längs der Schnüre je eine Marke in einen Wachsring, wodurch man den zu messenden Grundrißwinkel festgelegt erhielt. Bei den „Wachsscheiben mit Kompaß“ richtete man ein verschwenkbares Lineal auf das Ziel und ritzte den Streichungswinkel, d. h. die Nordrichtung und die Ziellinie, in das Wachs ein. Die Winkelmessung. 23 Nord-Süd-Richtung konnte auch durch Punkte am äußeren Rand der Wachsscheibe vermerkt sein. Später konnten die Streichungswinkel mit demselben Instrument zum Zweck der Zulage über Tag mittels eines Schnurzuges wieder abgesetzt werden. 1 So viele Rillen eine Wachsscheibe hatte, so viele Zugpunkte konnte man im allgemeinen mit ihr erledigen, ohne das Wachs umschmelzen oder besondere Kennzeichen darin anbringen zu müssen. Es ist daher zu vermuten, daß die damaligen Markscheider zu einer Vermessung gleich mehrere Wachsscheiben bei sich hatten. Wahrscheinlich war bei den Wachsscheiben mit Kompaß die Bussole herausnehmbar, so daß sie jederzeit leicht in eine andere Wachsscheibe eingesetzt werden konnte. Eine Nachbildung einer Originalwachsscheibe mit Kompaß mit drei Rillen, aus Neudorf bei Stolberg im Harz, ist im Markscheide-Institut der Bergakademie zu Clausthal im Harz vorhanden (Bild 9). Das Original mit der Jahreszahl 1541 dürfte sich in Neudorf befinden. 2 Sowohl eine einfache Wachsscheibe als auch eine Wachsscheibe mit Kompaß bildet Agricola in seinem berühmten, im Jahre 1556 erschienenen Bergbuche ,,De re metallica“ ab 3 und beschreibt auch ihren Gebrauch (Bild 10 und 11). Für die ,,einfache Wachsscheibe“ teilt Agricola auch eine Art von Bodenaufstellung mit, indem er angibt, daß die Wachsscheibe, die einen schmalen, vom Rande bis zum Mittelpunkt reichenden Schlitz besitzt, mittels einer eisernen Schraube, die auch zur Schnurbefestigung dient, auf einem kräftigen Brett festgeschraubt wird. Auch für die Messung von Höhenwinkeln wurden, wie schon erwähnt, „Gradbögen mit Wachsrillen“ zum Anhalten noch zur Zeit Agricolas 1 Ein Bild eines ziehenden Markscheiders, der mit einer auf einem Stock aufgestellten „Wachsscheibe mit Kompaß“ über Tag arbeitet, ist enthalten in: Christoph Weigel, Abbildung und Beschreibung derer sämtlichen Berg-Werks-Beamten- und Bedienten nach ihrem gewöhnlichen Rang und Ordnung im behörigen Berg-Habit. Tafel 9. Nürnberg 1721. (Univ.-Bibl. Wien, Joanneumsbibi. Graz, Sammlung Kirnbauer u. a.) — Weiter siehe hierüber auch: K. Lüdemann, Abbildung eines ziehenden Markscheiders. Mitt. a. d. Markscheidewesen. 1930. 2 W. Nehm, Markscheidewesen auf dem Harz. S. 40. — C. Krause, Beiträge zur Geschichte der Entwicklung der Instrumente in der Markscheidekunde. S. 20. Freiberg 1908. ' 3 G. Agricola, 1. c., S. 111 und 112. Bild 11. Wachsscheibe mit Kompaß mit 7 Wachsringen. Teilung rechtsinnisch in 2X12 Stunden. (Die Wachsringe sind, wie auch in den vorhergehenden Abbildungen, der Deutlichkeit halber schraffiert. Nach G. Agricola. a j s fache Verkleinerung.) 24 Die instrumentellen Grundlagen. verwendet. Ein solcher „Gradbogen“ in Form einer halben Wachsscheibe mit Zeiger, ist uns ebenfalls durch eine Abbildung Agricolas überliefert (Bild 12). 1 Wachs als Material für Ritzmarken an markscheiderischen Instrumenten ist im übrigen nicht nur an den beschriebenen „Wachsscheiben“ gebräuchlich gewesen, sondern auch an anderen, offenbar bergbaulichen Obertagsvermessungen oder geodätischen Zwecken dienenden Geräten. Es besitzt nämlich die Montanistische Hochschule in Leoben — Lehrkanzel für Markscheidekunde — ein Zielgerät zum Aufsetzen für Neigungsmessung, 2 das die Jahreszahl 1599 sowie die Initialen „C. T.“ trägt und zur Aufnahme von Ritzmarken auf der einen Seite eines Gradbogen- segments eine Rille mit rotem, auf der anderen Seite eine Rille mit blauem Wachs besitzt (Bild 13). Das Wachs ist zweifellos alt, das Gerät selbst ist aus Messing verfertigt und vergoldet, sowie schön ziseliert. Ort und Gegend der Herkunft dieses alten Zielgerätes sind un- Bild 13. Vergoldetes Zielgerät zum Aufsetzen für Neigungsmessung aus dem Jahre 1599. ( 2 lJache Verkleinerung.) bekannt. Die in dem Bild deutlich ersichtliche Teilung am Zielgerät ist bemerkenswert, da sie ungleichmäßig, nämlich eine Tangens-Teilung ist. Es ist somit ersichtlich, daß sich Aufzeichnungen über bergmännische Messungen, solange die „Wachsscheibenmethode“ üblich war, nicht erhalten konnten; erst nach Aufkommen der Bergkompasse mit Teilung ergab sich die Mög- Bild 12. Anhalte-Gradbogen mit Wachsring. (Ein Zeiger vertritt die Stelle eines Senkels; Teilung des Viertelkreises in 84 Teile, demnach Näherungswert für Grade. Nach G. Agricola. 2 /-Jache Verkleinerung.) 1 G. Agricola, 1. c., S. 106. 2 Inv.-Nr. V C 43. Winkelmessung. 25 lichkeit einer Ablesung der Streichungswinkel und späterhin auch das Bedürfnis, diese sowie andere Messungsergebnisse schriftlich niederzulegen und festzuhalten. Diese schriftlichen Aufzeichnungen sind dann die sog. „Schin- bücher“ und stellen, wie neuere Untersuchungen des Verfassers kürzlich ergeben haben, die ältesten erhaltenen Dokumente im österreichischen und deutschen Markscheidewesen dar. 1 Die ältesten Schinbücher Österreichs sind ein aus Eisenerz aus dem Jahre 1524, sowie ein aus Hallstatt aus dem Jahre 1528 stammendes Schinbuch (Bild 2 u. 96). Das eine wird im Landesarchiv zu Graz, das andere im Landesarchiv zu Linz a. D. aufbewahrt. Wie neu oder auch unbekannt Schinbücher oder markscheiderische Zugbücher selbst 30 Jahre später noch waren, geht daraus hervor, daß Agricola beim Beschreiben des österreichischen „Alpenkompasses“, also eines „Kompasses mit Teilung“, hervorhebt, daß „biefes 3nftrument feine ge= tDacfyften Hinge befiel" und die Markscheider „eine HTappe in bjänben galten, in melcfye fie bie 21blefungen bes 3nftrumentes eintragen .... unb bie ber £ad}ter anmerfen". 2 Es ist weiter bemerkenswert, daß der Verfasser den Gebrauch der Wachsscheibe für Österreich kürzlich erstmalig nachweisen konnte. 3 Die älteste Darstellung einer „Wachsscheibe mit Wasserbussole“ stammt aus dem Schwazer Bergbuch aus dem Jahre 1556 (Bild 14). Man sieht in eine viereckige 1 F. Kirnbauer, Die ältesten Dokumente deutschen Markscheidewesens, in: Montan. Rundsch. 27. Jg., H. 20, S. 1 bis 6. Wien 1935. Auch: Forsch, u. Fortschr. 11. Jg., S. 325 bis 326. Berlin 1935. 2 G. Agricola, 1. c., S. 117. 3 F. Kirnbauer, Wachsscheibenmethode, 1. c., S. 43. mm lT Bild 14. Schiner mit Wasserbussole aus dem Schwazer Bergbuch 1556. (Leobener Codex 2737.) 26 Die instrumenteilen Grundlagen. Holzplatte den Wassernapf eingelassen, der von zwei konzentrischen Wachsringen umgeben wird. Ein zweites Bild einer „Wachsscheibe mit Kompaß“ (Bild 15) befindet sich auf einer um 1650 aus dem Salzkammergut stammenden Grubenkarte. 1 Es handelt sich um einen Grubenriß des Salzbergbaus Michelhallbach bei Ischl, Oberdonau. Der Gepflogenheit der damaligen Zeit entsprechend, die bei der Vermessung benutzten Instrumente oder Markscheidergeräte auf der Grubenkarte abzubilden, ist der Verfertiger der Grubenkarte nachgekommen und hat einen Wachsscheibenkompaß an der linken unteren Ecke des Grundrißplanes angebracht Bild 15. Scheiblingkompaß. (Nach der Darstellung auf einer aus dem ober- österreichischen Salzkammergut aus der Mitte des 17. Jahrhunderts stammenden Grubenkarte; 2 f t fache Verkleinerung.) Bild 16. Alpenkompaß mit Wachsringen ohne Teilung. (Nach G. M. Vischer , 1669.) und dazu die Worte vermerkt: „Dife Sdpn ift mit bem fdjeibltng dompaft unb mit ber mag ortb mit ben «^mayen 21bfted?en gefdpnet ortb DerrtdJ morbten." Der Name des Markscheiders fehlt. Es geht hieraus hervor, daß von der Mitte des 16. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts Wachsscheiben mit Kompaß in Tirol und im Salzkammergut im Gebrauch standen und sie „Scheiblingkompaß“ genannt wurden. Dieser Name, offenbar mit dem Worte „Scheibe“ zusammenhängend, wurde sonst nirgends angetroffen. 2 Außer dieser Wachsscheibe mit Wasserbussole und dem „Scheiblingkompaß“ ist auch noch ein dritter Nachweis eines Wachsscheibenkompasses, und zwar abermals für Oberösterreich, möglich, da Georg Mathäus Vischer, der berühmte Kartograph seiner Zeit, einen Kompaß in Form des Alpenkompasses, jedoch anstatt einer Teilung mit drei Wachsrillen versehen, auf seiner 1 Dieser seltene Grubenriß, der eine Größe von 52 x 39 cm hat und in schwarzer Tuschzeichnung ausgeführt ist, befindet sich im O.-Ö. Landesarchiv zu Linz a. D. und trägt die Nr. 94 der Rißsammlung (Lade), Abt. Ischl. (Nr. 4 der KiRNBAUERschen Kopien alter Grubenkarten). 2 Als Ortsname kommt „Scheibling“ in der Ostmark vor: Scheiblingkirehen bei Aspang, Gau Niederdonau. Die Kirche des Ortes hat kreisrunden Querschnitt. Als Personenname: Scheiblechner in Erzhalden bei Hieflau, Gau Steiermark. W inkelmessung. 27 im Jahre 1669 erschienenen 1 „Karte von Oberösterreich“ abbildet (Bild 16). G. M. Vischer stellt auf dem Blatt „Meridies“ seiner Karte, der schon erwähnten Gepflogenheit folgend, sämtliche bei der Aufnahme verwendeten Instrumente verschiedenster Art dar, darunter unter anderen als Hauptinstrument einen gewöhnlichen, in 360° geteilten Setzkompaß. Neben diesem „Kompaß mit Teilung“ bildet Vischer jedoch auch einen Kompaß mit Wachsringen ohne Teilung 2 ab, der merkwürdigerweise die gleiche außermittige Anordnung der Bussole sowie eine in der Mitte der Scheibe befindliche drehbare Regel mit Ösen zum Schnureinhängen besitzt, wie ihn mehr als 100 Jahre früher bereits Agricola als sog. „Alpenkompaß“ abgebildet und beschrieben hat. Gegenüber dem von Agricola uns überlieferten „Alpenkompaß“ ist der „Alpenkompaß mit Wachsringen“ Vischers ohne Teilung, bloß mit vier Weltgegendbezeichnungen versehen und zum Zwecke der Anhaltemöglichkeit in einem viereckigen Holzgehäuse untergebracht. Georg Mathäus Vischers teilungsloser „Alpenkompaß mit Wachsringen“ muß demnach, wenn man ihn nicht als einen Rückschritt in der Ausführungsform der Kompasse bezeichnen will, zumindest als eine bemerkenswerte und wahrscheinlich notwendige Nebenform im Kompaßbau angesprochen werden. Als Grund hierfür ist wahrscheinlich der Bedarf eines teilungslosen Wachsscheibenkompasses selbst noch zur Zeit Vischers, also im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts, anzunehmen, der seine Ursache möglicherweise in der nicht genügenden Anzahl und Ausbildung von ablese- und schreibekundigen Meßgehilfen hat. Hierdurch würde auch die lange Gleichzeitigkeit des Auftretens von teilungslosen Wachsscheibenkompassen und Kompassen mit Teilung ihre zwanglose Erklärung finden. Was nun das Alter oder die Zeit des Gebrauches der „Wachsscheiben“ anlangt, so kann zusammenfassend bemerkt werden: Wann die Wachsscheiben aufgekommen sind oder von wem sie erfunden wurden, läßt sich nicht sagen; die im Schrifttum geäußerte Ansicht, 3 daß Agricola der Erfinder der Wachsscheibenmethode sei, ist durch nichts gestützt. Ob die Wachsscheiben schon im 14. oder 15. Jahrhundert in Gebrauch waren, wird sich kaum je entscheiden lassen, immerhin wäre aber diese Annahme, da man um diese Zeit nicht nur Längen, sondern auch schon Winkel maß, möglich. Vielleicht oder wahrscheinlicherweise waren als Vorläufer der Wachsscheiben um diese Zeit schon ganz gewöhnliche Holzscheiben, bloß mit dem Mittelpunkt gekennzeichnet, in Verwendung gestanden, in welche man beim Winkelmessen entlang der gespannten Schnüre Kerben ins Holz schnitt oder mit Farben Marken anbrachte. Aus solchen einfachen „Holzscheiben“ dürften sich dann zum Zwecke der erleichterten Anbringung von Ablesemarken unsere Scheiben mit Wachsrillen entwickelt 1 Gr. M. Vischers Karte von Oberösterreich aus dem Jahre 1669 ist in zahlreichen Sammlungen vorhanden, z. B. O.-Ö. Landesarchiv, Oheröst. Landesmuseum, Linz a. D., Geogr. Seminar der Univ. Wien. — 1923 erschien ein Neudruck der Karte mittels der alten im O.-Ö. Landesarchiv auf bewahrten Kupfertafeln Vischers. — Ein Bild in F. Kirnbauer, Wachsscheibenmethode, 1. c., S. 43. 2 F. Kirnbauer, Wachsscheibenmethode, 1. c., S. 43. 3 P. Wilski, Lehrbuch der Markscheidekunde L, S. 1. Berlin 1929. 28 Die instrumenteilen Grundlagen. haben. Nach W. Nehm 1 wäre die Heimat der Wachsscheiben im Harz zu suchen, von wo aus sie vielleicht ihren Weg erst nach Sachsen nahmen. Die älteste erhaltene Wachsscheibe stammt aus dem Harz und trägt, wie erwähnt, die Jahreszahl 1541. Zur Zeit Agricolas, also Mitte des 16. Jahrhunderts, waren die Wachsscheiben im Sächsischen Erzgebirge weit verbreitet. Zu gleicher Zeit und auch später sind sie neben den Kompassen mit Teilung und dem Schinzeug, jedoch auch in den österreichischen Alpen in Verwendung gestanden, wie aus dem Bild Wachsscheibe mit Wasserbussole im Schwazer Bergbuch (1556), eines Scheiblingkompasses auf einer Salzkammergut-Grubenkarte aus der Mitte des 17. Jahrhunderts und der Darstellung eines „Alpenkompasses mit Wachsringen“ auf G. M. Vischers Landkarte von Oberösterreich (1669) hervorgeht. Es ergibt sich sonach für die Wachs scheiben ein gesichertes Auftreten für die Zeit von etwa 1500 bis 1670. Es ist selbstverständlich, daß „Kompaß mit Teilung“ und „Wachsscheibe“ lange nebeneinander in Gebrauch waren und daß alte Leute sich nicht von der alten Form und Meßart trennen mochten, zudem die Abgeschiedenheit mancher Bergbaue oder Bergreviere noch hinzukam, so daß die großen Zeitunterschiede zwischen den Nachweisen von Bergkompassen mit Teilung und Wachsscheiben, sowie die Gleichzeitigkeit des Gebrauches beider hierdurch leicht ihre Erklärung finden. Handkompaß, Setzkompaß und Schinzeug. Kompasse. Die Messung mittels Setzkompaß und Schinzeug stellt eine Weiterentwicklung der im vorhergehenden Abschnitt besprochenen „Wachsscheiben- methode“ dar. Für die Messung von Lagewinkeln allein wurden Handkompasse oder Setzkompasse verschiedener Form, für die gleichzeitige Messung von Lage- und Höhen winkeln wurden dagegen Setzkompasse und Schinzeuge verwendet. Von wem das erste Schinzeug herrührt, läßt sich nicht sagen; daß es aber von einem österreichischen Markscheider erfunden wurde, geht aus dem Namen hervor, da „Schin“ für Vermessung und „Schiner“ für Markscheider nur in den österreichischen Bergbauen gebräuchliche Ausdrücke waren, wie später noch darzulegen sein wird. Das Wort „schinen“ ist erstmalig 1418 nachzu weisen. Der Kompaß hat viele Jahrhunderte hindurch im Markscheidewesen eine geradezu führende Rolle gespielt. Bevor aber auf die verschiedenen Arten der bergmännischen Kompasse näher eingegangen wird, soll entsprechend der Wichtigkeit und Bedeutung, die dem angewandten Magnetismus im Bergbau während des letzten halben Jahrtausends zukam, ein kurzer Abriß über den gegenwärtigen Stand der Kompaßforschung vorangestellt werden. Die Bemühungen um das Wann und Wo der ersten Erkenntnis der magnetischen Nordweisung in Europa haben nie geruht, sind aber lange Zeit hindurch 1 W. Nehm, Markscheidewesen auf dem Harz. S. 40. Clausthal-Zellerfeld 1934. Winkelmessung. 29 falsche Bahnen gegangen. Erst die letzten Jahre brachten neue Erkenntnisse hierüber. 1 Nach H. Winter 2 gilt heute folgende Anschauung: 1. Die magnetische Richtkraft ist unabhängig in verschiedenen Gegenden entdeckt worden, was insbesondere für die Wikinger gilt. 2. Die alte Meinung, 3 der Kompaß sei von China über Arabien nach Europa gelangt, ist unhaltbar; sie beruhte auf einer Überschätzung der Zuverlässigkeit der chinesischen Quellen. Zwar steht das älteste, aber auch nicht einwandfreie Zeugnis für China mit spätestens 1093 (Shonkua) zeitlich vor dem ältesten europäischen mit 1187 (Neckam). Für die Mohammedaner ist die Kenntnis des Kompasses erstmalig durch den Perser Awfi 1220 nachgewiesen. Die Chinesen scheinen für wenigstens zwei Jahrhunderte nach Shonkua keinen Gebrauch vom Kompaß gemacht zu haben. 3. Das älteste europäische Zeugnis ist das des englischen Mönches Alexander Neckam, das in Ermangelung näherer Kenntnis in das Jahr 1187 gesetzt ward, 4 von dem aber H. Winter die begründete Vermutung ausspricht,, daß der Schrift NecKAMs eine ältere, aus dem 7. oder 9. Jahrhundert stammende Handschrift zugrunde fliegt. 2 Es sind somit auf Grund der neuesten Untersuchungen die Wikinger als Schöpfer des Kompasses anzusprechen; von ihnen ist auch bekannt, daß sie einen „Segelstein“ (Leidarstein, ,,Sejerstein“) hatten, der in einer Holzschale zum Schwimmen gebracht wurde. 2 Die Wikinger hatten weiter von altersher die Achtteilung des Horizonts — im Mittelmeer dagegen war die Zwölfteilung üblich. Bei den alten nordischen Seefahrern sehen wir somit die Kenntnis und den Gebrauch der Wasserbussole; in Umkehrung der bisherigen Meinung haben die Wikinger dem Mittelmeer den Kompaß und seine Achtteilung, die seither Gemeingut geworden ist, zugebracht. Die einfachste Art einer Wasserbussole war die, daß eine mit Magneteisenstein magnetisch gemachte Nadel durch ein Stückchen Holz oder Schilfrohr gesteckt und in einer Schale auf Wasser gelegt wurde. Von den Seefahrern scheinen die Kirchenbauer 5 6 und von diesen die mittelalterigen Bergleute die Richtkraft des Magneten in Form der Wasser- 1 R. Hennig, Die Frühkenntnis der magnetischen Nordweisung. Beitr. z. Gesell, d. Technik u. Industrie. Berlin 1931/32. — E. 0. v. Lippmann, Geschichte der Magnetnadel bis zur Erfindung des Kompasses (um 1300). Quellen z. Gesell, d. Naturwiss. u. Medizin. S. 43. Berlin 1932. — A. Nippoldt, Zur Geschichte des Kompasses. Naturwiss. H. 16. 1933. 2 H. Winter, Der Stand der Kompaßforschung mit Bezug auf Europa. Forsch, u. Fortschr. 12. Jg., S. 287, 1936. — H. Winter, Die Nautik der Wikinger. Hansa Nr. 44. (1935). 3 F. M. Feldiiaus, Technik der Antike und des Mittelalters. S. 46. Berlin 1932. — P. Wilski, Markscheidekunde II., S. 103. 4 A. C. Mitchell, Chapters in the History of terrestrial Magnetism. Terrestrial Magnetism and Atmospheric Electricity. S. 125. Baltimore, June 1932. 6 H. Wehner, Die Kenntnis der magnetischen Nordweisung im Mittelalter. Weltall. S. 319. 1905. — Vgl. Hennig, 1. c., S. 35, und v. Lippmann, S. 14. — Wehner sprach die bis heute weder widerlegte noch bestätigte Ansicht aus, daß mindestens bis ins 7. Jahrhundert hinauf die magnetische Grundlage für die Ausrichtung von Kirchen nachweisbar sei. 30 Die instrumentellen Grundlagen. bussole kennengelernt zu haben. Denn, ohne hierfür schriftliche Belege zu besitzen, sieht man es als sicher an, daß zur Zeit Heinrichs des Löwen um 1168 im Harzer Bergbau die Benutzung der Wasserbussole bekannt war. In diesem Jahre belagerte Heinrich der Löwe den Ritter Widukind von Schwalenberg auf der Dasenburg, Kreis Warburg in Westfalen. Da Heinrich ihn nicht bezwingen konnte, ließ er Bergleute vom Rammeisberg kommen, die einen Stollen zum Brunnen der Burg gruben und diesen verstopften, so daß sich die Besatzung 1169 ergeben mußte. 1 Diese Leistung ist ohne die Benutzung der Richtkraft des Magneten nicht denkbar, da man zu jenen Zeiten Stollen nicht geradlinig, sondern den Gesteinsklüften folgend, vortrieb. Ferner wird aus dem Jahre 1197 berichtet, daß der deutsche Kaiser Heinrich VI. ein Heer unter dem Welfen Heinrich dem Langen auf dem Landweg über Konstantinopel gegen die Sarazenen aussandte. Das Heer gelangte in die Gegend von Tyrus und belagerte dort die Burg Chorutum oder Thorut. Da wurde auch unter diese Burg von Goslarer Bergleuten ein Stollen getrieben, der die Übergabe dieser Burg herbeiführte. In diesem Falle wird man den Gebrauch der Wasserbussole beim Stollenbau um so wahrscheinlicher ansehen, 2 als für die gleiche Zeit, um 1200, die Verwendung der Wasserbussole durch deutsche Bergleute im alten mittelitalienischen Kupferbergbau von Massa Marittima 3 als sicher bezeugt ist. 4 Wer nun die magnetisch gemachte Nadel, statt sie auf dem Wasser schwimmen zu lassen, zum erstenmal auf eine Nadelspitze legte und so aus der Wasser bussole den Kompaß schuf, ist nicht bekannt. Es wird diese Erfindung einem in Italien lebenden Franzosen namens Peter de Maricourt, oder, wie er sich auch nannte, Petrus Peregrinus, für das Jahr 1269 zugeschrieben. In diesem Jahr nämlich beschreibt er ausführlich die Herstellung eines Kompasses in runder Kompaßbüchse und sagt, besser als die auf dem Wasser schwimmend gemachte Nadel sei ihr Einschluß in eine runde Dose. Diesen Einschluß beschreibt Peregrinus ausführlich mit allen Einzelheiten, so daß man sieht, er will etwas ganz Neues geben. Die Nadel schwebt aber bei ihm noch nicht auf einem Stift oder einer Spitze, sondern ist an einer in der Büchse befindlichen lotrechten Achse drehbar angebracht. 5 Für das Jahr 1302 ist aber bereits die Anfertigung einer größeren Anzahl von Kompassen mit freischwingender, in einer Büchse eingeschlossenen Nadel bezeugt. 6 Das 1 P. Wilski, Markscheidekunde II., S. 104, mit Nachweisen hierfür. 2 P. Wilski, Markscheidekunde II., S. 104. 3 Die Markgräfin Mathilde von Toskana hat schon 1115 deutsche Bergleute ins italienische Erzliügelland nach Massa Marittima gerufen, um mit deren Hilfe den schon von den Römern betriebenen Kupfererzbergbau wieder aufzunehmen (B. Knociieniiauer, Wanderungen deutscher Bergleute, 1. c., S. B 264). — Ich hatte im Frühjahr 1936 mehrere Tage lang beruflich in nächster Nähe der Ortschaft Massa Marittima, im Kaolinbergbau Torniella, zu tun. Es berührte mich ganz eigenartig, zu wissen, daß dort, mitten in Italien, vor 700 Jahren, um 1250, deutsches Bergrecht gegolten hatte. Die Spuren dieses einstigen deutschen Bergbaus sind noch heute blutmäßig in der Bevölkerung feststellbar, indem sich hier im Gebiete zwischen Siena und Grosseto braun- oder rothaarige Leute mit blauen Augen zahlreich finden, die sich von den übrigen schwarzhaarigen Bewohnern Mittelitaliens deutlich abheben. 4 A. Schück, Die Vorgänger des Kompasses. Centralzeitg. f. Optik u. Mechanik 1911. 5 P. Wilski, Markscheidekunde II., 1. c., S. 105. 6 C. Krause, Geschichte, 1. c., S. 15. Winkelmessung. 31 Wort Kompaß stammt aus Italien. Die älteste nachweisbare Bedeutung des italienischen Wortes „compass“ ist Zirkel. 1 In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts bedeutete compasso = Seekarte, 2 im 15. und auch noch im 16. Jahrhundert soviel wie Sonnenuhr. 3 In der heutigen Bedeutung tritt uns das Wort Kompaß zum erstenmal 1460 entgegen. 2 Aus dem Jahre 1465 stammt die älteste bekannte Abbildung 3 eines Kompasses in runder Büchse, den Francesco di Giorgio Martini, ein berühmter italienischer Befestigungstechniker, im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts beim Bau unterirdischer Minen verwendete (Bild 17). 4 Im Jahre 1490 wird der Kompaß zum erstenmal in der Hand des Markscheiders erwähnt. 1 Es ist dies eine Stelle in einer Tiroler Bergordnung, der „Schwätzer Erfindung“, VII, 3, die da lautet: „Der Seltner fol aucfy bte Catleifen ober fteenbe 2Hard]fd}atb alles nacfy beut £ant=Paff fd]lagen unb Ktcfyten.“ Wie schwer aussprechlich durch viele Jahrzehnte hindurch das Wort „Kompaß“ für den damaligen österreichischen Bergmann und Markscheider gewesen sein muß, erhellt daraus, daß fast 100 Jahre später, auf der ältesten, aus dem alpenländischen Erzbergwesen stammenden Grubenkarte aus dem Jahre 1577 das Wort „Compast“ steht: (Klba fol am Com paft <£ingefet 3 t merbert unb (ol bte Kariert barttad} Hetbert bis ber mangel [IHagnet] Cinfcfylegt fo ligt bte Karten recfj gegen ben Pürg.) 5 Wir kommen nun zur Besprechung der magnetischen Mißweisung. Ursprünglich hat man Columbus die Entdeckung der magnetischen Mißweisung zugeschrieben. Vor drei Jahrzehnten wurde aber dann das Jahr 1451 dafür nachgewiesen 6 und erst ganz kürzlich das Jahr 1380 bei dem englischen Dichter Bild 17. Erste bekannte Abbildung eines Stollenvortriebes (Anlegen einer Mine) mit dem Kompaß, nach Franzesco di Giorgio Martini, um 1465. (Nach F. M. Feldhaus , Gesch. d. Technik d. Antike u. d. Mittelalters, S. 365 — bzw. Lichtbildsammlung Kirnbauer.) 1 P. Wilski, Markscheidekunde II., S. 106. 2 P. Wilski, Markscheidekunde II., S. 106. — Die Meinung P. Wilskis, daß das im mittelalterigen deutschen Bergbau übliche Wort „Waage“ den Kompaß (die auf einer Spitze schwebende Magnetnadel) bedeute, ist keineswegs stichhaltig. Oft heißt es in Urkunden dieser Zeit: Schin, wag und maß. Hierbei bedeuten „schin“ die mit dem Kompaß angegebene Richtung oder den Kompaßzug, „wag“ das mittels Gradbogens, Schrot- oder Bergwaage ausgeführte Einwägen und „maß“ die mit Maßstab oder Schnur durchgeführte Längenmessung. 3 K. Lüdemann, Ulrich Rülein von Kalbe. Mitt. d. Freiberger Altertumsvereines. 64. II., S. 72. Freiberg 1934. — Hauptorte der „Koinpastmacherei“ waren damals Augsburg und Nürnberg. 4 F. M. Feldhaus, Technik der Antike und des Mittelalters. S. 365, Abb. Nr. 387. — Lichtbild-Sammlung Kirnbauer. 5 F. Kirnbauer, Älteste Dokumente. Mont. Rundschau, 1. c„ S. 2. 6 C. Krause, Geschichte, 1. c„ S. 37, erwähnt einen im Museum zu Innsbruck befindlichen Sonnenkompaß aus dem Jahre 1451, auf dem eine Berücksichtigung der Deklination deutlich zu erkennen ist. 32 Die instrumenteilen Grundlagen. Chaucer. Vor 5 Jahren führte H. Winter 1 den Nachweis über die Kenntnis der magnetischen Mißweisung im 13. Jahrhundert aus der berühmten „Epistola de Magnete“ des Peter Peregrinus vom Jahre 1269, zu dessen Zeit die Mißweisung nicht nur bekannt, sondern bereits durch den Bau von rechtweisend verbesserten Bussolen (Magnetstein) ausgeschaltet wurde. P. Peregrinus, der in der Geschichte der exakten Wissenschaften einen hervorragenden Platz einnimmt, hatte für seine Person aber die magnetische Mißweisung nicht erkannt, obwohl er eine Einrichtung aus der Praxis beschrieb. Da auch die Abschreiber des Peregrini durch die Zeichnungen bekunden, daß auch sie die Mißweisung nicht herausgelesen haben, so beweist dies nur die damals und auch lange Zeit später hindurch bestehende Kluft zwischen dem Wissen des mittelalterigen Praktikers und dem des schreibenden Gelehrten. Im Markscheidewesen tritt uns die Kenntnis der magnetischen Mißweisung erstmalig bei sächsischen Kompassen aus dem Jahre 1562 auf, die im Mathematischen Salon zu Dresden auf bewahrt werden. Es sind dies einige Holzscheiben mit außermittig angeordneter Bussole, die zugleich als Sonnenuhr eingerichtet waren. Bei diesen Kompassen ist die magnetische Mißweisung schon berücksichtigt . 2 An österreichischen Kompassen tritt uns eine Berücksichtigung der Deklination erstmalig im Jahre 1667 an einem zu einem Schinzeug gehörigen Zweibussolenkompaß mit Sonnenuhr entgegen (Bild 32). Wir kommen nun zu den bergmännischen Kompassen. Die Bergkompasse möchte ich einteilen in Handkompasse, in Setzkompasse und in Hängekompasse. Die Handkompasse sind wieder in solche in kreisrundem Gehäuse und solche in quadratischem oder rechteckigem Gehäuse zu unterteilen, welch letztere nach C. Krause richtig auch Anhaltekompasse genannt werden können . 3 Die Setzkompasse haben meist kreisrunde Form. Die Magnetnadel schwebt auf einer metallenen Spitze innerhalb einer Büchse. Eine Festhalte Vorrichtung für die Nadel fehlt noch. Die ältesten Bergkompasse, über die wir Näheres wissen, sind die in Ulrich Rülein von Kalbes Bergbüchlein vom Jahre 1505 abgebildeten . 3 Ihre Teilung läuft im Uhrzeigersinne . 4 Einen Kompaß in viereckiger Einschlußform erwähnt P. Wilski 5 erstmalig aus der Zeit um 1500, jedoch nicht als Bergkompaß, sondern von einer Landkarte her. C. Krause 3 bringt als erste bekannte Bilder eines Anhaltekompasses im deutschen Markscheiderschrifttum diejenigen 1713 bei Voigtel und 1726 bei Weidler und erwähnt aus 1 H. Winter, Über die Kenntnis der magnetischen Mißweisung im 13. Jahrhundert. Forsch, u. Fortschr., 11. Jg., S. 304, Berlin 1935. 2 C. Krause, Geschichte, S. 37; Krause schreibt, B. Pattenhausen meine, daß diese Kompasse für bergmännische Zwecke benutzt wurden, wofür jedoch ihm, Krause, nicht genügend Anhaltspunkte vorzuliegen scheinen. Ich bin der Meinung, daß sie sicher markscheiderischen Zwecken dienten, da Kompasse mit außermittig angeordneten Bussolen typisch markscheiderische Erfindungen und aus Österreich aus dem 16. Jahrhundert mehrfach bekannt sind. Die Sonnenuhranordnung ist nichts Ungewöhnliches, wie ein später zu besprechendes Schinzeug mit Zweibussolenkompaß und Sonnenuhr, allerdings aus späterer Zeit, beweist. 3 C. Krause, Geschichte, S. 27. 4 K. Lüdemann, Ulrich Rülein von Kalbe, 1. c., S. 71 und 73. 5 P. Wilski, Markscheidekunde II., S. 113. Winkelmessung. 33 dem Jahre 1681 einen Kompaß des englischen Schrifttums, wogegen ich die ersten Bilder auf österreichischen Grubenkarten aus dem Jahre 1577, 1 1611 und 1616 nach weisen kann. Im folgenden möge nun die Entwicklung der bergmännischen Kompasse an Hand der in österreichischen Sammlungen befindlichen Stücke näher beschrieben werden: Die Leobener Hochschulsammlung der Lehrkanzel für Markscheidekunde enthält zwei Handkompasse, die ob ihres hohen Alters beachtlich sind. Einer der ältesten in Österreich erhalten gebliebenen bergmännischen Kompasse ist ein aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammender Handkonipaß 2 (Bild 18). In einem quadratischen Birn- holzgehäuse von 68 mm Seitenlänge und 11 mm Höhe ist eine Bussole untergebracht, auf deren Grunde sich ein kreis- Bild 18. Kompaß aus der zweifen Hälfte des 16. Jahrhunderts (ähnlich Kompassen des Schwazer Bergbuchs, 1556). ( e l 7 der nat. Größe.) Bild 19. Schiner mit Setzkompaß aus dem Schwazer Bergbuch, Prachtausgabe 1556. (Innsbrucker Codex 4312.) rundes Messingplättchen mit eingeritzter Nordrichtung sowie der Gravierung ,,M. A.“, offensichtlich den Anfangsbuchstaben des Verfertigers, befindet. Die Teilung des Kompasses ist in das Holz des Gehäuses gerissen; sie ist rechtsinnisch und in 2x 12 Stunden geteilt, jede Stunde in acht Achtel unterteilt. Der zierliche, ehrw ürdige Kompaß ist in einem dazugehörigen, zeitgenössischen Weichholzfutteral mit der späteren handschriftlichen Anmerkung „Brenngraben“ untergebracht. Die Datierung dieses Handkompasses für die Zeit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts konnte deswegen so genau und einwandfrei erfolgen, da in der Prachtausgabe des aus dem Jahre 1556 stammenden „Schwazer Bergbuches“ ein ganz ähnlicher Kompaß abgebildet ist 3 (Bild 19). 1 Abgebildet in: F. Kirnbauer, Die ältesten Dokumente deutschen Markscheidewesens. Mont. Rundschau Wien, 27. Jg., 16. Oktober 1935. 2 Inv.-Nr. VC 49. 3 E. Treptow, Tiroler Markscheider, 1. c., 8. B 502. — Zu bemerken ist, daß die Kompaßabbildung im Schwazer Bergbucli des Innsbrucker Codicis 856, offenbar infolge eines Fehlers des Zeichners, die 12—12-Stundenlinie nicht parallel einer Gehäuseseite, sondern diagonal gezeichnet aufweist. Geschichte der Technik, 7. Heft. 3 34 Die instrumentellen Grundlagen. Ein anderer Handkompaß in kreisrundem Holzgehäuse, etwa aus der gleichen Zeit oder spätestens um 1600 und aus Klagenfurt stammend, ist ebenfalls in der Leobener Sammlung 1 enthalten (Bild 20). Er besitzt einen beinernen Stundenring, Bild 20. Setzkompaß aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. ( 3 U der nat. Größe.) der rechtsinnisch in 1 X 24 Stunden geteilt ist und worin eine rotgerandete Mäanderbandverzierung läuft. Auf dem Grunde der Kompaßbüchse ist, gleichfalls in Bein Bild 21. Setzkompaß aus Klagenfurt um die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts. ( f l 3 der nat. Größe.) graviert, in Schwarz und Rot das Monogramm des Verfertigers ,,M. A.“, der wahrscheinlich auch der mit dem Kompaß arbeitende Markscheider war, angebracht. Einen ganz ähnlichen, ebenfalls mit ,,M. A.“ gezeichneten und aus Klagenfurt stammenden Hand- kompaß, jedoch in viereckigem Gehäuse, führt R. Riedl in seinen Skizzen an (Bild 21). Unter den Setzkompassen, wie sie zur Schinzeug-Vermessung in Gebrauch standen, können wir solche mit einer außermittigen Bussole und solche mit zwei außermittigen, einander gegenüberliegenden Bussolen unterscheiden, die teils jetzt, teils später zu behandeln sind. In Bild 31 ist ein Einbussolenkompaß dargestellt, der aus Hall in Tirol und aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert stammt, wie aus der Form des dazugehörigen Schinzeuges zu bestimmen war; er wird zusammen mit diesem später unter den „Schinzeugen“ besprochen werden. Einige Zweibussolenkompasse hingegen sind nachstehend zu beschreiben, da die zu ihnen gehörigen Schinzeuge nicht mehr erhalten sind. Bild 22. Setzkompaß aus Hall in Tirol aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. ( 2 ls der nat. Größe.) 1 Inv.-Nr. VC 3. W inkelmessung. 35 Als der älteste in österreichischen Sammlungen auf be wahrte Setzkompaß ist ein im Technischen Museum zu Wien 1 befindlicher, aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammender Setzkompaß anzusprechen (Bild 22). Auf sein hohes Alter weisen die herbe Art und Form der ins Holz geschnitzten Ziffern hin. Es ist ein aus Hartholz gefertiger Zweibussolen-Setzkompaß für Schin- zeugvermessung von 133 mm Durchmesser, der in der Mitte eine quadratische Lochung für das Schinzeug, sowie zwei kleine Bussolen von je 42 mm Durchmesser besitzt. Der Grund der beiden Bussolen wird von zwei kreisrunden Beinplättchen geziert, die in schwarzer und roter Gravierung je zwei Halbmondgesichter tragen. Die Nordrichtung ist bei beiden Beinplättchen durch einen roten Strich mit kurzem Querstrich bezeichnet. Die Magnetnadel trägt an ihrem Nordende einen kleinen Querbalken. Der Kompaß ist rechtsinnisch in 1 X 24 Stunden geteilt und jede Stunde in acht Achtelstunden unterteilt. Die Nordrichtung stimmt mit der 12—24-Stundenlinie überein. Nach einer handschriftlichen Angabe auf einem Zeichenblatt Riedls stammt dieser Kompaß aus Hall in Tirol. Als Zweitältester in der Ostmark vorhandener Setzkompaß ist ein in Leoben auf be wahrter Setzkompaß 2 zu besprechen, der aus der Zeit spätestens um 1600 und aus Klagenfurt stammt (Bild 23). Es ist ebenfalls ein Zweibussolensetzkompaß, der zu einem Schinzeug gehört, wie an der quadratischen Lochung in der Mitte zu erkennen ist. Der Kompaß hat einen Durchmesser von 138 mm und eine Höhe von 22 mm. Er ist mit einem beinernen Stundenring sowie mit schönen Bein Verzierungen, Blätter - und Blütenformen in gravierter Einlegearbeit, ausgestattet. Um das Quadratloch herum ist eine vierteilige Rosette eingelegt. Der Kompaß hat zwei rechtsinnische Teilungen, eine Hauptteilung in 1x24 Stunden und eine Nebenteilung in 2x12 1 Inv.-Nr. 9695/7. 2 Inv.-Nr. VC 2. 3 * Bild 23. Zweibussolenkompaß mit Beineinlegearbeit aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. ( a j b der nat. Größe.) 36 Die instrumenteilen Grundlagen. Stunden. Jede Stunde ist wiederum in acht Achtelstunden unterteilt. Die zwei kleinen Bussolen haben je 30 mm Durchmesser, sind in der 12—12/24-Stundenlinie angeordnet und tragen zweimalig auf ihrem Grund, ebenfalls in Bein graviert, das Monogramm des Verfertigers oder Markscheiders, ,,M. A.“, von dessen Hand stammend wir somit drei Kompasse der Leobener Sammlung vor uns haben. Der Kompaßmacher M. A. hat sonach in der zweiten Hälfte des 1(5. Jahrhunderts, spätestens zur Zeit um 1600, und vermutlich als Markscheider in Kärnten gelebt, wie aus dem zweimaligen Vermerk ,,Klagen- furt“ über den Erwerb der Kompasse in den Leobener Sammlungsniederschriften hervorgeht. Es ist dies durchaus wahrscheinlich, wenn man den im 16. Jahrhundert hochentwickelten Kärntner Golderzbergbau 1 in Betracht zieht. Sehr bemerkenswert ist weiter ein alter Handkompaß in der Sammlung der Leobener Lehrkanzel für Markscheidekunde, 2 der aus Eisenerz aus der Mitte des 17. Jahrhunderts stammt (Bild 24 und 87). Dieser Grubenkompaß ist nämlich der älteste österreichische, mit einer „Nadel- klemmung“ ausgestattete Bergkompaß. Bild. 25. Setzkompaß mit Zulegelineal aus Altaussee, Salzkammergut, aus dem Jahre 1727. ( 2 U der nat. Größe.) -f t « v Bild 24. Setzkompaß mit der ersten bekannten Nadelklemmung, aus Eisenerz aus der Zeit um 1650. (Etwa 1 / 2 der nat. Größe ) Er besteht aus einem quadratischen Holzgehäuse von 76x76 mm Größe und 12 mm Höhe. An der Oberseite des Kompasses ist ein messingener Stundenring 1 Die älteste alpenländische Grubenkarte eines Erzbergbaus stammt aus Kärnten aus dem Jahre 1577 (Golderzbergbau Grakofl im Drautal). — F. Kirnbauer, Älteste Dokumente, Montan. Rundschau, 27. Jahrg., S. 2. Wien 1935. 2 Inv.-Nr. VC 34. Winkelmessung. 37 mit quadratischer Begrenzung befestigt, der rechtsinnisch in 2x12 Stunden geteilt ist. Weiter ist auf dem Bussolengrund eine Papierteilung aufgelegt, die eine wider- sinnische Bezifferung in 1 X 24 Stunden und in lateinischen Abkürzungen die vier Weltgegendbezeichnungen auf weist. Bemerkenswert ist, daß die Bezifferung der inneren, auf Papier angebrachten 24-Stundentei- lung bei Meridies, also im Süden, beginnt und daß weiter die äußere, in die messingene Deckplatte gravierte 12-Stundenteilung im Osten bzw. Westen beginnt. Eine Begründung für diese Abweichung konnte werden Es halten, kannte nicht erbracht ist somit festzu- daß die erste be- Klemm Vorrichtung in Form einer Klemmung der Magnetnadel aus der Zeit um 1650 aus dem steirischen Eisensteinbergbau stammt. Der Kompaß ist ziemlich primitiv ausgeführt. Die Datierung für diese Zeit konnte auf Grund seiner Ausführung sowie der zeitgenössischen Ziffernformen erfolgen. Bisher war die erstmalige Erwähnung einer Klemmvorrichtung durchC. Krause 1 für 1782 in Lempes Markscheidekunst bezeugt. Aus dem Jahre 1727 stammt ein uns durch eine Zeichnung R. Riedls überlieferter und in Bild 25 dargestellter Setzkompaß mit Zulegelineal. Das um die Kompaßmitte schwenkbare Zulegelineal war jedenfalls abnehmbar angeordnet. Ein ähnliches Zulegelineal, jedoch aus früherer Zeit, ist in der Leobener Sammlung vorhanden. Der Kompaß hat 122 mm Durchmesser und 22 mm Höhe und ist vor allem durch seine Teilung bemerkenswert. Die äußere Teilung ist rechtsinnisch in 1x24 Stunden geteilt. Die Bezifferung ist aber nicht nur in Zahlen, sondern auch mittels Bild. 26. Gradbogen aus Altaussee, Salzkammergut, aus dem Jahre 1728. ( 3 U der nat. Größe.) 1 C. Krause, Geschichte, 1. c., S. 36. 38 Die instrumenteilen Grundlagen. Buchstaben ausgedrückt, indem eigenartigerweise unter jeder Stundenziffer ein Buchstabe des Alphabets steht. Die innere Teilung ist rechtsinnisch in 2x24 Stunden geteilt. Weiter trägt der Stundenring die Bezeichnungen : MITER : NACHT: STVNT: im Quadranten bei hora 24, :MORGENSTVNT: bei hora 6, :MITTAG: STVNT: bei hora 12 und :AMWT: STVNT: bei hora 18. Die Nord- und Südrichtung ist am Grunde der Kompaßbüchse durch die Worte SEPTENTRIO und MERIDIES angegeben, und der Name des Markscheiders oder Kompaßmachers und seine Zeit durch die Buchstaben: M S: : V P: : 17: : 27: vermerkt. Der Kompaß stammt aus Altaussee im steirischen Salzkammergut und gehört zu einem mit der österreichischen Kaiserkrone geschmückten, sehr bemerkenswerten Gradbogen, der ein Jahr später vom gleichen Meister verfertigt worden ist (Bild 26). Setzkompasse aus neuerer Zeit sind weiter in verschiedenen Sammlungen enthalten. So besitzt das Technische Museum Wien einen Setzkompaß mit Klemmvorrichtung und Zu- legeplatte 1 aus der Zeit um 1790 bis 1800, hergestellt von Voigtländer in Wien. Die Größe der Setzplatte ist 23,5x12,9 cm, der Durchmesser der Bussole 11,5 cm. Etwa aus der Zeit um 1850 endlich stammt ein zu Leoben auf bewahrter Setzkompaß mit Sonnenuhr, 2 gebaut von den „Brüdern Rospini in Gratz“. Wir müssen noch einmal in die Mitte des 16. Jahrhunderts bei der Betrachtung österreichischer Bergkompasse zurückgreifen, da Agricolas „Alpenkompaß“ nicht übergangen werden darf. Es war dies ein hölzerner Einbussolenkompaß von etwa 135 mm Durchmesser, der mittig befestigt eine mit Ösen versehene drehbare Regel aufwies, woran die Schnürenden befestigt wurden (Bild 27). G. Agricola beschreibt in seinem fünften Bergbuch 3 diesen Kompaß und seine Handhabung wie folgt: Bild 27. Agricolas Alpenkompaß, 1556. (' 3 / 5 der nat. Größe.) 1 Inv.-Nr. 9699/7. 2 Inv.-Nr. V C 46. 3 G. Agricola, 1. c., S. 117. Winkelmessung. 39 ,,Dtc CTiarfjcfyeiber in ben 2 llpen benufceit, menu fie Stollen uermeffen, bie in ben fyöcfjften bergen getrieben finb, ebenfalls J / 2 £ad]ter lange Hiaßftäbe, bie aber aus brei mit Schrauben nerjefyenen teilen hefteten, fo baß fie »erfüll roerben fönnen. Sie benußen eine aus linbenbaft gefertigte Sd]nur, an bie fie Papierftreifen befeftn gen, bie bie ber Carter angeben, ferner ein ihnen eigentümliches 3nftrument mit «feiger. <£s befißt nämlich feine gemachten Hinge. Dafür galten fie eine HTappe in ben bfänben, in melche fie bie 2lblefungen bes 3 n fh' um etttes Einträgen, b. h- mel« cfyen Ceilftrid} bas auf bent rücfroärtigen Ceil bes HTaßftabes aufgefeßte 3 n ft rum ent, > melcfyen Ceilftrid] feine «gunge unb melden Ceilftrid] bie ausgefpannte Schnur 3eigt, bie burd] brei Cocfyer ber < 3 unge fyinburcfygefyt. IDeiter merfen fie bie <§afyl ber Cachter an. Die «gunge gibt auch an, ob fich bie Schnur nach uorn ober nach hinten neigt. <£in lot, roie bie Hieimage, befiftt bas 3 nftniment nicht, fonbern bie 3 nnge ift am 3 nftrument befeftigt unb liegt gemiffermaffen auf ihm. Stollen uermeffen fie, um 311 ermitteln, mieoiel fie anfteigen, mieuiel Cacfyter ein unterer non einem oberen abfteht, tuiemel lachter nod] nicht aufgefahrenes (Seftein 3t»ifchen ben fjäuern anfteht, bie aus entgegengefeßter Hichtung auf ein unb bemfelben (Sang ober auf einer Querfluft ober auf 3tr>ei einanber 3ulaufenben graben." Agricolas Alpenkompaß weist zwei Teilungen auf, und zwar eine innere, offenbar als Hauptteilung anzusprechende, rechtsinnische Teilung in 2 X 12 Stunden und eine äußere, vollkommen unverständliche Teilung, die ich als „Agricolas Alpenteilung“ bezeichnen möchte. Bei dieser ist der obere Halbkreis der Kompaßscheibe in 132 Teile geteilt, oder elf Teile ,,Alpenteilung“ sind 15 Grad oder 1 Stunde groß. Je elf Teile „Alpenteilung“ sind zusammengefaßt und rechtsinnisch mit 46, 57, 68, 79 usw. bis 178 beziffert. Diese Art der Bezifferung muß offensichtlich ihren Grund und Zweck gehabt haben, den wir aber heute nicht mehr verstehen können. Bemerkenswert ist auch, daß die innere Stundenteilung an Agricolas Alpenkompaß nicht in 8 / 8 oder 16 / 16 unterteilt ist, wie üblich, sondern in zehn Zehntelstunden. Auch diese Art der Unterteilung einer Stunde ist ganz eigenartig und nur an Agricolas „Alpenkompaß“ feststellbar. Leider ist auch kein Anhaltspunkt dafür vorhanden, von wo das von Agricola überlieferte „Instrument mit Zeiger“ oder der „Alpenkompaß“, wie wir jetzt sagen, herstammte; aus der Redewendung von den „Stollen, die in den höchsten Bergen getrieben werden“, kann vielleicht vermutet werden, daß es sich um einen Tiroler Einbussolenkompaß mit drehbarer Regel handelt. Daß Agricolas „Alpenkompaß“, bewußt oder unbewußt, als Vorbild bei der Schaffung eines „Wachsscheibenkompasses“ mit drehbarer Regel für Schnuraufhängung verwendet worden war, darauf ist bereits im Abschnitt über die „Wachsscheiben-Methode“ hingewiesen worden. Dieser uns von Georg Mathäus Vischer aus dem Jahre 1669 überlieferte Kompaß ist ohne Teilung, besitzt dafür drei Wachsringe und ist in einem rechteckigen Holzgehäuse eingeschlossen 1 (Bild 16). Mehr als 100 Jahre später als Agricolas „Alpenkompaß“ muß sonach Vischers teilungsloser „Alpenkompaß mit Wachsringen“, wie bereits dargetan, als Rückschritt bezeichnet werden. 1 F. Kirnbauer, Wachsscheibenmethode, 1. c., S. 127. 40 Die instrumentellen Grundlagen. Entwicklungsreihe I. Wachsfcbeibe-Setjkompoß Ho/jfc/}eibe £ ntwicklunqilogifcl) . «orj » öfitr reich ? Einfache Wachsjcheibe Saü)[tn, Horj . Aqrico/a 455h Wacbsfcljeibe mit Kompaf und unbtgeicfnefer Teilung Har- 5 SQljkommtrqui t Neudorf 4543 im 4650 Wad)sfd)Qibi. mit Kompaf und Teilung m stund,* Worj, Saohfm Agricolä/iSTi um 4556 Alpen kompafi Agri colas Ofierrtitbi/cb* Alpenlander . Agr/co/a dSTb» um 455b Waü)sfcbeiben kompaf Oberofterre/ct) 466 ? 5-Al. Vijcfyers © Einbu/folen -Kompaf mit Sct)injQu<] 0[ttrnid}ifd)i Alptnlondtr etwa 45 10 -160 Twribujfokn-Kompaß mir SctyinjQug Offtrretcb!pJ>e Alpenlandtr cjwa Wenn wir somit die bisher besprochenen Markscheidergeräte und -instrumente, die der Messung von Lagewinkeln dienten, zusammenfassen und nach einer gemeinsamen Richtlinie überschauen, so können wir unschwer die markscheiderische Entwicklungsreihe I (Wachsscheibe — Setzkompaß) aufstellen. Winkelmessung. 41 Aus der einfachen Holzscheibe, in der vermutlich vermittels Farbe oder Kerben die durch gezogene Schnüre dargestellten Winkelschenkel festgehalten wurden, entstand die „Einfache Wachsscheibe“, die uns durch G. Agricola überliefert ist. Ihre Heimat dürfte der Harz sein. Durch Plinsetzen einer Bussole in die Wachsscheibe entstand zuerst der „Wachsscheibenkompaß ohne Teilung“, dann die „Wachsscheibe mit Kompaß und Teilung“, die uns beide für die Mitte des 16. Jahrhunderts, durch das Neudorfer Original, durch Agricola und das Schwazer Bergbuch bezeugt sind. Der „Alpenkompaß“ Agricolas mit Teilung und seine um mehr als hundert Jahre später auftretende Nachfolgeform in Gestalt des teilungslosen „Wachsscheibenkompasses G. M. Yischers“ mit drehbarer Regel für Schnuraufhängung sind je zwei nur für Österreich nachgewiesene Kompasse mit einer außermittig angeordneten Bussole. Ob sich aus dem Alpenkompaß Agricolas der bei der Schinzeugvermessung zuerst gebräuchliche Einbussolenkompaß oder umgekehrt aus dem wegen der Erfindung des Schinzeugs mit einer außermittigen Bussole versehene Kompaß (Einbussolenkompaß) der „Alpenkompaß“ entwickelt hat, bleibt unentschieden. Wir kennen das älteste Schinzeug aus dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts, infolgedessen muß es zu dieser Zeit auch schon einen zum Einstecken geeigneten Kompaß mit außermittiger Bussole gegeben haben. Anderseits besagt die von Agricola überlieferte Abbildung und Beschreibung des „Alpenkompasses“ nichts über sein damaliges Alter. Der Einbussolenkompaß in Verbindung mit dem Schinzeug ist, wie noch später nachzuweisen sein wird, in der Zeit von etwa 1520 bis 1600, der Zweibussolenkompaß in der Zeit von 1600 bis 1680 in Gebrauch gewesen. Nach dieser Zeit verwenden die Schinzeuge eigene kleine Setzkompasse. Setzkompasse in rechteckigem Einschluß haben sich bis etwa 1850 erhalten, Handkompasse als Anhaltekompasse in quadratischem Einschluß sind als sog. „Geologenkompasse“ oder „Bergkompasse“ noch heute in Verwendung. Schinzeuge. Im folgenden kommen wir nun zur Besprechung der Schinzeuge. Es sind dies österreichische Markscheiderinstrumente des 16., 17. und 18. Jahrhunderts, die bisher, selbst dem Namen nach, bis auf zwei kürzlich erfolgte Veröffentlichungen, 1 im Schrifttum vollkommen unbekannt waren. Auf den wertvollen, einzigartigen Bestand an Schinzeugen der historischen Instrumentensammlung der Lehrkanzel für Markscheidekunde an der Montanistischen Hochschule zu Leoben wird noch später hinzu weisen sein. Das Wort „Schinzeug“ ist teils ein Sammelbegriff, teils ein Einzelbegriff. Denn es werden sowohl die Schinzeug-Hauptgeräte, als auch die Nebengeräte als Schinzeug bezeichnet, ja, wie wir später sehen werden, selbst verschiedene Zubehörteile samt dem Haupt- und Nebengerät darunter verstanden. Im allgemeinen gilt jedoch nur das Hauptgerät als „Schinzeug“. Unter dem Hauptgerät eines Schinzeugs oder kurz „Schinzeug“ genannt, ist somit ein Markscheiderinstrument 1 F. Kirnbauer, Die Anfänge des Markscheidewesens in Österreich. Mitt. d. Öst. Ing. u. Arch.-Ver. Nr. 2, S. 5, Wien 1936, und F. Kirnbauer, Die „Schinzeuge“ — österreichische Markscheiderinstrumente des 16., 17. und 18. Jahrhunderts. Zeitschr. f. d. Berg-, Hütten- u. Salinenw. im Deutschen Reich, 85. Bd., S. 329—334, Berlin, 1937. 42 Die instrumenteilen Grundlagen. zu verstehen, das aus einem um eine lotrechte Achse drehbaren Höhenkreis besteht, einem Setzkompaß mittig aufgesteckt wurde und die Befestigung einer Verziehschnur an einer beweglichen Höhenkreisalhidade gestattete. Es war somit eine unmittelbare Ablesung des Höhenwinkels am Höhenkreis des Schinzeugs sowie mittels eines Zeigers eine Ablesung des Lagewinkels am Stundenring des Kompasses möglich. Ein Senkel am Schinzeug diente zu seiner Lotrechtstellung. In späterer Zeit wurden die Schinzeuge nicht mehr Setzkompassen mittig aufgesteckt, sondern ein Kompaß in einen am Schinzeug seitlich befestigten Ring eingesetzt. Das Nebengerät des Schinzeugs besteht aus einem mit einem Häkchen zur Schnurbefestigung versehenen kleinen Senkel mit Griff. Mit dem Hauptgerät stellte sich der Schiner im Scheitel des zu messenden Winkels seines Zuges auf, mit dem Nebengerät in der Hand wanderte sein Gehilfe an den Vorwärtspunkt, wobei die gespannte Schnur und die Kompaßnadel die Richtung der beiden Winkelschenkel verkörperten und der Neigungswinkel der Schnur am Schinzeug, das Streichen der Schnur am Kompaß abgelesen und auf geschrieben werden konnten. Mit Hilfe dieser Schinzeuge wurden von den alten Markscheidern der alpen- ländischen Erz- und Salzbergbaue durch mehr als zwei Jahrhunderte hindurch bemerkenswert gute Messungen ausgeführt, wovon die Blüte des damaligen österreichischen Bergbaus und zahlreiche Grubenkarten des 16. bis 18. Jahrhunderts ein sichtbares Zeugnis ablegen. Tief erstehend folgt nun eine Beschreibung der wichtigsten mir bekannten Schinzeuge: Das älteste Schinzeug der Leobener Sammlung 1 stammt aus der ersten Hälfte des 16. J ahrhunderts (Bild 28). Es ist aus Messing verfertigt, hat 146 mm Gesamthöhe und besteht aus einer einen Senkelkäfig tragenden, 100 mm hohen Rundsäule, an der seitlich eine gleich hohe, etwas stärkere quadratische Säule befestigt ist. Diese endigt oben in einen Rundbogen, der an seinem Ende als Senkelträger einen prächtig gearbeiteten Eabeltierkopf besitzt. An der Quadratsäule ist seitlich ein Höhenkreis von 90 mm Durchmesser angebracht mit einem dazugehörigen Höhenkreisarm mit Alhidade. Diese ist herzförmig ausgebildet, besitzt eine Ablesespitze und endigt in einen für Schnuranhängung bestimmten Haken. Die Quadratsäule weist verschiedentliche Abschrägungen an ihren Seitenkanten auf, die mit wunderschönem kunsthandwerklichem Formempfinden ausgeführt sind, Bild 28. Schinzeug aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. (2 1 IJache Verkleinerung.) 1 Inv.-Nr. VC 48. Winkelmessung. 43 und besitzt an ihrem unteren Ende, in der Richtung des Höhenkreises, einen als Ablesemarke am Kompaß dienenden, fest angebrachten, kurzen Zeiger. Der Höhenkreis des Schinzeugs ist sowohl an der Vorder- als auch an der Rückseite in 2x12 Halbstunden geteilt, beginnend mit der Bezifferung in der Waagrechten, doch trägt die Nullinie eigenartigerweise nicht die Bezeichnung „Null“, sondern ,,12“. Jede Halbstunde ist in vier Teile unterteilt, so daß die unmittelbare Ablesung ein Viertel einer Halbstunde beträgt, doch konnte ein Achtel einer Halbstunde noch geschätzt werden. Die Ablesung am Höhenkreis ergab unmittelbar Höhen- und Tiefenwinkel, diejenige vermittels des Zeigers am Kompaß magnetisches Streichen. Zur Zeitbestimmung des Schinzeugs, das ein Schin- zeug-Hauptgerät darstellt, kann gesagt werden: Der an gotische Wasserspeier erinnernde Fabeltierkopf des Senkelträgers, weiter der herzförmige Alhidaden- zeiger sowie der aus fünf gewundenen Säulchen bestehende Senkelkäfig weisen beachtenswerte, typisch spätgotische Formen auf, so daß auf Grund dieser, sowie des Vergleiches mit anderen kunsthandwerklichen Erzeugnissen des beginnenden 16. Jahrhunderts die Datierung des Schinzeugs vorgenommen werden konnte. 1 Als etwa gleichalterig ist ein ebenfalls aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts stammendes Schinzeug, das sich in Privatbesitz befindet, zu erwähnen 2 (Bild 29). 1 A. Repsold, Geschichte der astronomischen Meßwerkzeuge, Leipzig 1908, bildet in Bd. 1, Fig. 14 einen Quadranten des Landgrafen Wilhelm von Hessen aus etwas späterer Zeit, aus der Zeit um 1560, ab, der ebenfalls noch ähnliche spätgotische gewundene Säulchen besitzt. 2 Für die Erlaubnis zur Veröffentlichung des Bildes ist Herrn Generaldirektor Wisselmann, Berlin, zu danken. Bild 29. Schinzeug aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. ÖS’ 44 Die instrumenteilen Grundlagen. Es ist ein in handwerklich etwas ungefügiger Form gehaltenes, spätgotische Einflüsse zeigendes Hauptgerät mit Höhenkreis und Senkelkäfig, sonst dem vorher beschriebenen Schinzeug jedoch ziemlich ähnlich. Der Höhenkreis ist in 2x12 Halbstunden geteilt, die Gesamthöhe des Schinzeugs beträgt 185 mm. Ein drittes Schinzeug, jedoch datiert und mit der Jahreszahl 1566 versehen, ist im Besitze des Joanneums zu Graz. 1 Als nächstältestes Schinzeug, das aus Hauptgerät und Nebengerät besteht, ist ein aus Klagenfurt und aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammendes Schinzeug 2 zu nennen (Bild 30). Es ist in seiner Bauart fast gleich dem zuvor besprochenen Schinzeug, nur ist es in seinen Zierformen etwas reicher, insbesondere seine Säule ist stärker untergliedert. Der Höhenkreis ist in 2x12 Halbstunden unterteilt, der Zeiger zur Ablesung am Kompaß ist in der Richtung des Höhenkreises angebracht, so daß unmittelbare Streichungswinkel abgelesen werden konnten. Das Ende des Senkelhalters ist wiederum als gotischer Fabeltierkopf ausgebildet. Ein Senkelkäfig fehlt. Das Nebengerät des Schinzeugs besteht aus einer reich untergliederten, niedrigen Säule, an der seitlich eine zweite befestigt ist, die oben in einen Senkelträger umbiegt und unten einen Haken zur Schnuranhängung besitzt. Als Senkelträger dient wiederum der Kopf eines gotischen Fabeltieres. Hierin offenbart sich die Freude des Verfertigers am Hineinsehen von lebendigen Formen in starres Gerät. Bild 31 stellt ein weiteres, aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammendes. Schinzeug-Hauptgerät samt dem dazugehörigen Kompaß dar. Ob diese beiden Markscheidergeräte noch irgendwo in Wirklichkeit vorhanden sind, konnte nicht ermittelt werden. Sie sind einer Skizze des genannten verstorbenen Bergrates Riedl entnommen, dem Kompaß und Schinzeug zweifellos wirklich Vorgelegen sind, da er den Vermerk „aus Hall in Tirol“ handschriftlich an seiner Zeichnung angebracht hat. Eine Weiterentwicklung der bisher besprochenen Zweibussolenkompasse stellt Bild 30. Schinzeug, Haupf- und Nebengerät, aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. (Das Hauptgerät in einem zeitgenössischen Zweibussolenkompaß eingesteckt.) 1 Inv.-Nr. 19742. 2 Inv.-Nr. VC 47a und b der Leobener Lehrkanzel für Markscheidekunde. Winkelmessung. 45 ein im Technischen Museum zu Wien 1 befindlicher Zwei buss olenkompaß mit Sonnenuhr dar (Bild 32). Er besteht aus einem Holzgehäuse von 146 mm Durch- Bild 31. Schinzeug und Einbussolenkompaß aus Hall in Tirol, zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts. (3,3fache Verkleinerung. Schinzeug Aufriß; Einbussolenkompaß Grundriß.) messer, in das zwei kleine Bussolen von je 42 mm Durchmesser eingelassen sind. Beide Bussolen tragen die Nord-Süd-Richtung durch einen mit Septemtrio (SE) und Meridies (ME) bezeichneten Strich gekennzeichnet, weiter aber ist bemerkenswerterweise bei einer der beiden Bussolen ein etwa um 15° gegen West abweichender Strich deutlich eingezeichnet, der als Deklinationsbezeichnung gewertet werden muß. Diese Richtung der Mißweisung ist nur auf der linken, bei hora 6 der Kompaßteilung befindlichen kleinen Bussole angebracht, bei der rechten, bei hora 18 befindlichen Bussole fehlt sie. Das Holzgehäuse des Setzkompasses ist von einer Mecssingplatte bedeckt, die außer den beiden kreisrunden Ausnehmungen für die zwei Bussolen noch ein quadratisches Loch in der Mitte als Einstecköffnung für das Schinzeug sowie je zwei kleine rechteckige Öffnungen besitzt, die in der Stundenrichtung 12 bis 24 angeordnet sind und zum Einstecken der für die Sonnenuhr dienenden Schattenstäbe gedient haben. Längs des Umfanges der Messingplatten ist die Kompaßteilung eingraviert; dieselbe ist rechtsinnisch in 24 Stunden untergliedert, ihre unmittelbare Ablesung beträgt bloß eine Viertelstunde. Weiter enthält die Bild 32. Zweibussolenkompaß mit Sonnenuhr von Steur aus dem Jahre 1667. fVa der nat. Größe.) 1 Inv.-Nr. 6979/1. 46 Die instrumenteilen Grundlagen. Kompaßplatte zwei Sonnenuhrteilungen, die, wie bereits erwähnt, als Mittagslinie die 12—24-Stundenrichtung haben und von 6 Uhr früh bis 6 Uhr abends bzw. 4 bis 6 Uhr früh und 6 bis 8 Uhr abends beziffert sind. Unterhalb des quadratischen Einsteckloches für das Schinzeug ist das Monogramm des Erfinders des Sonnenuhrkompasses graviert, es enthält die Buchstaben RAOSD, vielleicht auch noch M, und ganz klein darunter die Abkürzung „Inv.“ (Inventit). Zu erwähnen ist noch, daß merkwürdigerweise die Nord-Bezeichnung der beiden Bussolen nicht in die Richtung der Stunde 24 weist, sondern mit hora 12 zusammenfällt. Die Datierung dieses Kompasses ist insofern sehr einfach gewesen, als das dazugehörige Schinzeug ebenfalls im Technischen Museum Wien 1 auf be wahrt wird und am Senkelträger die Gravierung ,,16 STEVR 67“ trägt. Höhenkreis und Schnurzug-Alhidade des aus Messing verfertigten Schinzeuges fehlen. Der Schinzeugvierkant und die mittige Einsteckausnehmung im Setzkompaß entsprechen einander vollständig. Das Schinzeug überrascht durch seine starke Ausführung; es ist 200 mm hoch und besonders sein Senkel ist massiv gearbeitet. Eine neue Entwicklungsform der Schinzeuge brachte das beginnende 18. Jahrhundert. Es mußte von den damaligen Markscheidern offenbar als unpraktisch empfunden worden sein, mit den verhältnismäßig großen Setzkompassen zu arbeiten, wie sie die bisher gebräuchlichen Zweibussolenkompasse darstellten, deren Mindestdurchmesser durch das aufgesteckte Schinzeug und dessen Zeiger gegeben war. Vielleicht war man auch zur Einsicht gekommen, daß zwei Bussolen gleichzeitig unnötig seien. Vielleicht wollte man auch Schinzeug und Kompaß zu einem einzigen Instrument vereinigen. Dies gelang, wenn man das Schinzeug nicht wie bisher, mittig in den Kompaß aufsteckte, sondern den Kompaß mittels eines waagrechten Ringes seitlich des Schinzeugs einsetzbar anordnete. Von den diesem Gedankengang entsprechenden Schinzeugen mit außermittig angebrachten Kompassen finden sich in der reichhaltigen Leobener Sammlung vier Stück und eines im Prager Technischen Museum. ‘Athn tu.i m *%'. e }«l- Jvut* Jf JSKi. .... Bild 33. Schinzeug aus Hallstatt (Salzkammergut) aus dem Jahre 1709. 1 Inv.-Nr. 6979/2. W inkelmessung. 47 Bevor diese fünf Schinzeuge näher besprochen werden, muß hier eingefügt werden, daß sich, wie schon erwähnt, anscheinend um die Wende des 17. Jahrhunderts im Salzkammergut eine Wandlung im Sprachgebrauch des Wortes „Schinzeug“ vollzogen hat, in der Richtung, daß eine Verallgemeinerung des Begriffes „Schinzeug“ entstand und man damit schließlich um das Jahr 1700 herum alle zum Schinen und Zulegen gebrauchten Instrumente und Geräte zu bezeichnen pflegte. Dies geht sowohl aus mehreren aus dieser Zeit stammenden Hallstätter Archivstellen hervor als auch aus der Tatsache, daß von den vier nun zu besprechenden Schinzeugen, die sich in der Leobener Hochschulsammlung befinden, drei in zeitgenössischen Holzkästen untergebracht sind und die Sammelbezeichnung „Schinzeug“ tragen, obwohl sie nicht nur das Schinzeug- Haupt- und Nebengerät, sondern auch alle notwendigen Längen- und Winkelauftraggeräte enthalten. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, daß dieser Sammelbegriff für die Schinzeuge in den deutschen Bergstädten Oberungarns entstand, wie wir später noch sehen werden. Das eine älteste, genau datierte „Schinzeug“ dieser neuen Art 1 stammt aus Hallstatt aus dem Jahre 1709 (Bild 33). Es ist nicht mehr ganz vollständig. Es enthält das Schinzeug-Hauptgerät neuer Bauart, von dem jedoch die Aufsteckspindel fehlt, das Schinzeug-Nebengerät und eine Bergwaage in Form eines Hängegradbogensegments mit einigen Teilstrichen an der Lotrechten, die sonach zum Einwägen diente. Einige weitere Geräte fehlen. Das Ganze ist sinnreich mittels verschiedener Holzklötze im Innern einer Holzkassette untergebracht, in der außerdem die Negativformen der einzelnen Instrumententeile aus dem massiven Holz ausgeschnitten sind, und dadurch die messingenen Bestandteile des Schinzeugs fest und rüttelsicher untergebracht werden können. Die Holzkassette diente somit zur Aufbewahrung des vollständigen Schinzeugs und als Tragkasten. Sie ist 28,5 cm lang, 16 cm breit und 7 cm hoch. Am Deckel ist außen ein großer österreichischer Doppeladler mit Kaiserkrone, Reichsapfel und Zepter, sowie rot-weiß-rotem Wappenschild gemalt, der sich eindrucksvoll von seinem dunkelgrünen Grund abhebt. An der Innenseite des Deckels der Kassette ist ein herzförmig geschnittenes Papier aufgeklebt mit folgender Inschrift: fyero <§um Kay: Salft: berg Derorbtnet ruor: beit m: T>cff: (. 7. 0. 9.Jen 3afyr Röm: Kay: 2Tiay: Sdpn «geüg So Dort ainer Cöbl: (ßraff Stafyrnberger: iffcfyen vEontiffion, al: Auf das Schinzeug-Hauptgerät beider „Schinzeugkästen“ ist gesondert hinzu weisen. Es ist einerseits in mehrere Teile zerlegbar und anderseits, dem früher entwickelten neuen Baugedanken entsprechend, mit einem außermittig angebrachten Ring zum Einsetzen des Kompasses versehen. Die einzelnen Teilstücke, aus denen das Schinzeug-Hauptgerät besteht, können insbesondere aus dem zweiten, fast vollständig erhaltenen Schinzeug, 2 das ebenfalls aus Hallstatt und etwa aus der gleichen Zeit wie das vorhin besprochene, demnach um 1709, 1 Inv.-Nr. VC 11. 2 Inv.-Nr. VC 30. 48 Die instrumentellen Grundlagen. stammt, ersehen werden (Bild 34 und 35). Das Sehinzeug-Hauptgerät setzt sich demnach aus folgenden Teilen zusammen: Spindel, Höhenkreis mit Senkel und Schnurzugalhidade, Kompaßring und Setzplatte. Bild 34. Schinzeug mit vollständigem Zubehör aus Hallstatt aus der Zeit um 1709. Die Spindel wurde, wie aus Bild 35 ersichtlich ist, in ein gedrechseltes Holzstück mit zwei Ösen eingeschraubt, woran dann noch zwei oder drei Holzstäbe angeschraubt wurden und so zusammen ein Stockstativ ergaben. Das Schinzeug-Hauptgerät wurde in folgender Weise zusammengestellt: Auf die in den obersten Holzstab eingeschraubte Spindel wurde zuerst der Kompaßring aufgeschoben, auf diesen die biskottenförmige, vorne abgeschrägte Setzplatte gelegt und nun der Höhenkreis mit dem Senkel und der Schnurzugalhidade aufgesteckt und an das Spindelende angeschraubt, so daß er entgegengesetzt dem Kompaßringe stand. Das Hauptgerät war somit, nach Einsetzen eines Kompasses in den Bing, zum Verschinen fertig. Die Ablesung der Bussole erfolgte mittels einer an der Setzplatte angebrachten Strichmarke. Die Setzplatte diente offenbar zum zeitweiligen Auf setzen einer Setzwaage, wie eine solche auch bei diesem zweiten Hallstätter Schinzeug vorhanden ist. Der Höhenkreis des Schin- zeug-Hauptgerätes ist in 2x90° geteilt, mit Null an der Waagrechten beginnend. Der dazugehörige Kompaß fehlt, ebenso fehlen zwei Zirkel. Der Kompaß scheint in Stunden geteilt gewesen zu sein. Das Nebengerät des Schinzeugs ist recht einfach ausgebildet, es besteht aus einem Senkel mit einem kleinen Haken zum Schnureinhängen und einem darunter be- Bild 35. Schinzeug-Haupt- und Nebengerät, aufgestellt. W inkelmessung. 49 findlichen Griff. Weiter gehören zu dem beschriebenen „Schinzeug“ — als Sammelbegriff oder Gesamtausrüstung verstanden — noch ein Maßstab, eine halbkreisförmige Winkelscheibe, ein Winkelauftraggerät alter Form und eine Zulege- platte, alles in Messing ausgeführt. Der Maßstab besitzt eine Anschlagleiste und ist in 6 Zoll (Wiener Zoll) geteilt, jeder Zoll weist 8 Achtelzoll-Unterteilung auf. Die gleiche Teilung besitzen auch die beiden Winkelschenkel des Winkelauftraggerätes, dessen Höhenbogenquadrant in 6 (Normal)-Stunden, jede zu 8 Achtel, geteilt ist. Die Winkelscheibe ist ebenfalls in (Normal)-Stunden, rechtsinnisch beziffert von 1 bis 12, geteilt, jede Stunde ist in 16/16 Stunden unterteilt. Die Zu- legeplatte endüch weist abgeschrägte Kanten, die als Ziehkanten vorgesehen sind, auf und besitzt längs jeder Seite eine Teilung, zusammen demnach vier Teilungen nach verschiedenen Maßstäben. Das Ganze ist in einer zeitgenössischen Holzkassette von den Ausmaßen 41 x29x7 cm untergebracht, die einen herausnehmbaren Mittelteil besitzt, worin entsprechende Ausnehmungen und Negativformen zum Zweck der Aufnahme des gesamten Schinzeugs und Zubehörs vorhanden sind. Der untere Teil der Kassette diente zur Aufbewahrung der hölzernen Ansteckstäbe, die zusammengeschraubt ein Stockstativ ergaben; einige Messinghülsen solcher Stäbe sind gegenwärtig noch in diesem Raume der Kassette vorhanden. Das drittälteste Schinzeug neuer Bauart ist ein aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, etwa aus der Zeit um 1720, stammendes vergoldetes Schinzeug, 1 das vollständig erhalten ist, da sowohl das äußerst prächtig ausgeführte Hauptgerät, als auch das etwas einfacher gehaltene Nebengerät sowie der Ein- setzkompaß und die dazugehörige Zulegeplatte vorhanden sind (Bild 36). Das Schinzeug-Hauptgerät besteht aus einem um eine lotrechte Achse drehbaren Höhenkreis mit Schnurzugalhidade und einem Senkel, ist also ganz ähnlich den bisher beschriebenen Schinzeugen ausgebildet, bloß an Stelle des Zeigers ist ein Ring angebracht, in den eine Bussole eingesetzt wird. Der Höhenkreis des Schinzeugs ist in 2x12 Doppelstunden geteilt, die Waagrechte ist statt mit Null mit dem Buchstaben ,,E“ (Ebensohle) bezeichnet. Jede Doppelstunde ist in acht Achtel unterteilt. Das Innere des Höhenkreises ist von künstlerisch angeordneten Blüten und Ranken geschmückt, die aus dem Vollen geschnitten sind; wir haben eine kunstreiche und prächtige Metallsägearbeit vor uns. Die zeitgenössische Vergoldung des in Messing hergestellten Schinzeugs läßt darauf schließen, daß wir Ifcy Bild 36. Vergoldetes Schinzeug aus der Zeit um 1720. 1 Inv.-Nr. VC 41. Geschichte der Technik, 7. Heft. 4 50 Die instrumenteilen Grundlagen. vielleicht die Prunkausführung für einen Berghauptmann oder einen hohen Salzkammergutbeamten vor uns haben. Prunkausführungen von Markscheidergeräten sind uns übrigens auch aus anderen Bergbaubezirken, aus dem Harz und dem Sächsischen Erzgebirge, aus gleicher und früherer Zeit bekannt. * 1 An der Ausführungsform des Schinzeug-Nebengerätes hat sich nichts geändert, es ist den bisher gebräuchlichen Geräten gleichgeblieben. Sowohl das Haupt- als auch das Nebengerät haben an ihrem unteren Ende ein Schraubengewinde, womit sie in eine Holzspreize eingeschraubt werden konnten. Wir haben somit eine Spreizenaufstellung für diese Art der Schinzeuge als wahrscheinlich anzunehmen. Der aus Messing gefertigte Einsetzkompaß hat einen Durchmesser von 48 mm und ist durch einen oben angebrachten breiten Rand gekennzeichnet, mit dem er in den Kompaßring des Schinzeugs eingesetzt werden kann. Er besitzt einen aus Silber gefertigten Stundenring, der widersin- nisch in 2 X 12 Stunden geteilt ist und wobei jede Stunde eine acht Achtel- stunden-Unterteilung auf- weist. Weiter sind am Kompaß die vier Weltgegenden mit abgekürzten lateinischen Benennungen angeführt, so daß Nord und Süd mit den Stunden 12 zusammenfallen, die Bezeichnung „Ost“ sich jedoch an der Westseite und „West“ an der Ostseite der Bussole befinden. Dadurch war es möglich, sofort das richtige magnetische Streichen eines Schnurzuges unmittelbar am Kompaß abzulesen, ähnlich wie auch unsere heutigen Grubenoder Geologenkompasse noch die gleiche Art der Bezeichnung der Weltgegenden tragen. Zum Kompaß und Schinzeug gehörig ist endlich noch eine messingene Zulegeplatte zu erwähnen, die als Schmuck zeitgenössische Strichgravierungen aufweist in Form einer quadratischen und kreisrunden Umrahmung. In diese Zulegeplatte kann der Kompaß eingesetzt und mittels einer zierlich geformten Flügelschraube befestigt werden. Aus der gleichen Zeit, um 1720, aus Bergreichen stein im südwestlichen Böhmen, 1 C. Krause, Geschichte, 1. c., S. 24. — W. Nehm, Markscheidewesen auf dem Harz, 1. c., 1934, S. 42. — Auch Bergbarteil in Prunkausführungen sind aus dem Harz und aus dem Sächsischen Erzgebirge bekannt. Bild 37, Schinzeug aus Bergreichensiein in Böhmen aus der Zeit um 1720. m & 5 §§ J W inkelmessung. 51 stammt ein im Technischen Museum zu Prag befindliches Schinzeug (Bild 37). Der Höhenkreis des Schinzeugs ist sowohl in 2x12 Doppelstunden als auch in 2x90° geteilt. Auch das Nebengerät des Schinzeugs ist erhalten. Die zu Haupt- und Nebengerät gehörigen hölzernen Stockstative sind vierteilig und zusammenschraubbar; Schrauben und Muttern sind aus Bein. Das sehr schön gearbeitete Instrument ist nicht signiert. Als fünftes und letztes, demnach jüngstes, österreichisches Schinzeug ist ein aus der Zeit um 1740 stammendes „silbernes Schinzeug“ nun zu besprechen, das Johann Schmickhel zu Graz zum Verfertiger hat 1 (Bild 38 u. 39). Es besteht aus dem Schinzeug-Hauptgerät, dem Nebengerät, einem Kompaß und der Zulege- platte. Ein kleiner, schön gravierter Maßstab mit Anschlagleiste ist ebenfalls noch vorhanden, ein Winkelauftraggerät und ein Gradbgoen fehlen jedoch. Alle Geräte sind aus Messing verfertigt und teilweise versilbert, so der als Senkelträger dienende Bügel des Nebengerätes, die Säule oder Spindel des Hauptgerätes, die Ablesevorrichtung am Kompaßring und die Senkelkugeln. Der doppelte Alhidadenarm am Schinzeug ist aus " Silber verfertigt. Er besitzt an der einen Seite einen Haken für den Schnurzug und ein Ablesefenster, an der anderen Seite eine Führung an einem quergestellten Höhenkreisquadranten, der nach beiden Richtungen hin von 0 bis 90° beziffert ist. Der Höhenkreis des Schinzeugs selbst ist in Form von Blütenkelchen künstlerisch ausgeführt und graviert und an seinem Seitenrand in 2x90°, mit Null an der Waagrechten beginnend, geteilt. Höhenwinkel konnten an diesem Schinzeug somit am Höhenkreis, Tiefenwinkel am Höhenkreis und an der quergestellten oberen Quadrantenskala abgelesen werden. Der Kompaß besitzt einen silbernen Stundenring, der rechtsinnisch sowohl in 24 Stunden als auch in 360° geteilt ist. Die unmittelbare Ablesung an der Stunden- Bild 38. .Silbernes Schinzeug" von Johann M. Schmickhel aus der Zeif um 1740. Bild 39. Dasselbe Schinzeug, aufgestellt. Inv.-Nr. VC 26 der Leobener Lehrkanzel für Markseheidekunde. 4 * 52 Die instrumentellen Grundlagen. teilung beträgt eine Achtelstunde, an der unbezifferten Gradteilung 1°. Je 7 -f- 8° sind zu 1 Stunde (15°) zusammengefaßt. Weiter sind die vier Weltgegendenbezeichnun- gen in regelläufiger Weise angebracht. Die Befestigung des Kompasses auf der Zulege- platte geschieht durch Einsetzen desselben und Anbringung einer silbernen Ablesemarke mit Fenster, die gleichzeitig den Kompaß auch niederhält und den Gleichlauf der 12—24-Stundenlinie des Kompasses mit der Ziehkante der Zulege platte gewährleistet. An der Rückseite des Höhenkreises des Schinzeug-Hauptgerätes ist, wie erwähnt, der Name des Verfertigers des Schinzeugs eingraviert: ,, Johan M. Schmick- hel Fecit Grecy“. Das Schinzeug stammt vom Revierbergamt Leoben. Auf Grund seiner Ausführungsform und Verzierungen schätzte ich es anläßlich der Durcharbeitung der Leobener Sammlung für die Zeit von 1730 bis 1750 ein. Daß dies richtig war, erwies sich daraus, daß ich später im Technischen Museum zu Wien eine Zulegeplatte vorfand, die als Hersteller ebenfalls den Namen ,,M. Schmick- hel“ trug und dazu die Jahreszahl ,,1740“ (Bild 94). Das ganze Schinzeug, Haupt- und Nebengerät samt Kompaß, Zulegeplatte und weiterem Zubehör, ist in einer zeitgenössischen Holzkassette mit Lederüberzug in den Ausmaßen von 34 x 25 X 5 cm untergebracht, darauf ein sechszackiger Stern und andere Ornamente eingepreßt sind. Das ScHMiCKHELsche Schinzeug aus der Zeit um 1740, das ich zu Ehren der alten obersteirischen Markscheider und ob seiner Verwendung im Leobener Revierbergamt das „Leobener Schinzeug“ nenne, stellt somit den letzten Vertreter einer langen Entwicklungsreihe markscheiderischer Instrumente dar. Zusammenfassend kann daher über die Schinzeuge gesagt werden: Die Schinzeuge stellen typisch österreichische Markscheiderinstrumente dar und sind nur den Markscheidern der alpenländischen Erz- und Salzbergbaue bekannt gewesen und wahrscheinlich auch in Oberungarn und Siebenbürgen in Verwendung gestanden. In anderen Bergbaubezirken, wie im Harz oder im Erzgebirge, fehlen sie. Eines ist uns aus Bergreichenstein in Böhmen erhalten. Die Schinzeuge kamen zu Beginn des 16. Jahrhunderts auf. Ihre ältesten Ausführungen weisen noch rein gotische Zierformen auf. Lange Zeit, fast zwei Jahrhunderte hindurch, waren Schinzeug und Setzkompaß zw T ei vollkommen gleichwertige, voneinander getrennte und nur zur Zusammenarbeit vereinte Instrumente. Der Einbussolenkompaß und das Schinzeug waren von etwa 1520 bis 1600 in Gebrauch, der Zweibussolenkompaß und das Schinzeug von etwa 1600 bis 1680 oder 1700. Um diese Zeit wurden die alten Schinzeuge durch solche einer neuen Bauart abgelöst, die ich die Hallstätter Form genannt habe und die Schinzeug und Kompaß zu einem einzigen Instrument vereinte. Als letztes Schinzeug ist dann das „silberne“ Leobener Schinzeug von M. Schmickhel anzusprechen, das in die Zeit um 1740 fällt. Somit ergibt sich, daß die Schinzeuge im österreichischen Markscheidewesen vom Beginn des 16. bis fast zur Mitte des 18. Jahrhunderts, demnach fast zweieinhalb Jahrhunderte lang, in Gebrauch waren. Mit diesen Schinzeugen, die bereits verhältnismäßig hoch entwickelte Instrumente darstellen, wurden durch mehr als zwei Jahrhunderte hindurch von den alten Markscheidern bemerkenswert gute Messungen ausgeführt, wovon heute W inkelmessung. 53 noch zahlreiche alte Grubenkarten aus österreichischen Bergbauen ein sichtbares* Zeugnis ablegen. Es kann somit gesagt werden, daß die Leobener Lehrkanzel für Markscheidekunde, wie aus obigen Ausführungen hervorgegangen ist, die größte und wertvollste Sammlung an Schinzeugen, sowohl der Anzahl als vor allem ihres künstlerischen und geschichtlichen Wertes nach, besitzt, worauf das Land Österreich und sein Markscheiderstand mit Stolz hinweisen können. Hängekompasse. Balthasar Rössler, dem berühmten Freiberger Markscheider und Verfasser des ,,Hell-Polierten Bergbau-Spiegels“, wird bekanntlich für das Jahr 1633 die Erfindung des Hängekompases 1 zugeschrieben. Er befestigte einen in runder Büchse befindlichen Kompaß in zwei übers Kreuz gestellten, fest verbundenen aufrechten Ringen. Die Ebene des äußeren Ringes geht durch die Teilungsachse der Bussole. Am äußeren Ring sind zum Aufhängen des Kompasses an der Verziehschnur zwei Haken angebracht, deren Verbindungslinie (Hängelinie) mit der Teilungsachse, der 12—24-Stundenlinie des Kompasses, ebenfalls in einer Ebene liegt. Man hat also eine mit der Teilung fest verbundene Zeigerlinie vor sich, weshalb die Kompaßteilung widersinnisch, d. h. entgegengesetzt dem Uhrzeigersinne, ist. Um beim Arbeiten mit dem Hängekompaß das Streichen der Schnur unmittelbar zu erhalten, hängt man den Nordpunkt der Teilung grundsätzlich immer voraus. Die RösSLERsche Form des Hängekompasses, das sog. „Kreuzhängezeug“, die im Erzgebirge und Harz in der zweiten Hälfte des 17. und während des 18. Jahrhunderts allgemein verbreitet war, scheint später auch im alpenländischen Bergbau Eingang gefunden zu haben, wie zwei in der Leobener Sammlung der Montanistischen Hochschule der Lehrkanzel für Markscheidekunde befindliche Hängekompasse 2 mit kreisrunder Bussole und Doppelringaufhängung, etwa aus der Zeit um 1740 bis 1750 stammend, beweisen (Bild 40). Auch ein Hängekompaß in Rundgehäuse mit Doppelbügelaufhängung, 3 der etwa aus der Zeit um 1730 bis 1750 stammt, ist dort vorhanden (Bild 41). Die gedankliche Grundlage des Hängekompasses, dessen Erfindung bisher Rössler zugesprochen wurde, ist die, eine rasche und einwandfreie Aufstellung, in diesem Fall Aufhängung des Kompasses zugleich mit einer festen Ziellinie, als die die Schnur oder die durch sie hindurchgehende lotrechte Hängeebene dient, zu erreichen. Eine weitere praktische Grundlage, die jedoch der Erfindung des Hängekompasses vorausgehen mußte, war die Erfindung der Verziehschrauben. Kompaß und Schnur in der Hand des Markscheiders sind uns vor allem durch Agricola und das Schwazer Bergbuch, beide aus dem Jahre 1556, in Wort und Bild bezeugt. Die Kompasse aus dieser Zeit sind sowohl Bussolen in rundem Gehäuse, 1 P. Wilski, Markscheidekunde II., 1. c., S. 113. — Über den Lebenslauf Balthasar Rösslers bringt einiges C. Krause, Beiträge zur Geschichte der Entwicklung der Instrumente ..., S. 26. 2 Inv.-Nr. VC 63 und VC 14. 3 Inv.-Nr. VC 15. 54 Die instrumentellen Grundlagen. als auch solche in viereckigem Einschluß (Schwazer Bergbuch, Bild 4, 5 und 6). Es waren somit damals schon, wie auch früher ausgeführt worden war, sog. Anhaltekompasse nach C. Krause oder Handkompasse, wie ich sie genannt habe, im österreichischen Markscheidewesen in Gebrauch. Kompaßdarstellungen auf österreichischen Grubenkarten aus späterer Zeit, aus den Jahren 1577, 1616 und 1651, in quadratischem oder rechteckigem Gehäuse, zum Teil schön verziert, sind uns ebenfalls überliefert. 1 Vom Anhalten des Kompasses an eine zwischen zwei Kompaßstühlen befestigte oder am Gestein angehaltene Schnur bis zur Verwendung von Verziehschrauben und Aufhängen des Kompasses an der Schnur waren zwei Ge- V7 Io \ 3 y Bild 41. Hängekompaß mif Doppelbügelaufhängung aus der Zeit um 1730—1750. (*l 10 der nat. Größe.) Bild. 40. Hängekompaß mif Doppelringaufhängung aus der Zeit um 1740—1750. ( 4 / 7 der nat. Größe.) dankengänge notwendig oder zwei getrennte, gleichwertige Erfindungen. Wann, wo und von wem die Verziehschrauben erfunden wurden, ist unbekannt. Wahrscheinlich geschah dies um 1600 herum. 2 Die Neuerung und Erfindung Balthasar Rösslers, den Setzkompaß in einen Hängekompaß umgewandelt zu haben, muß ziemlich umwälzend im damaligen Berg- und Markscheidewesen gewirkt habe. Daß Rösslers Neuerung gut und 1 F. Kirnbauer, Die ältesten Dokumente deutschen Markscheidewesens, in: Montan. Rundschau. 27. Jg., H. 20, S. 1—6, Wien 1935. 2 N. Voigtel bildet 1686 auf Tafel 1, S. 16, seiner „Geometria subterranea“ eine Verziehschraube mit walzenförmigem Körper und kleinem Kopf daran ab. W inkelmessung. 55 \^ n m l$il 2m - 3IUW<* *»S , P ,W ' richtig war, beweist, daß der Hängekompaß heute, nach 300 Jahren, noch immer in Gebrauch steht. Unabhängig von Rössler und vom Sächsischen Erzgebirge ist jedoch auch in Österreich der Hängekompaß selbständig erdacht worden, wie aus der Abbildung eines solchen Kompasses auf einer Ausseer Grubenkarte aus dem Jahre 1611 hervorgeht (Bild 42). Dieser Kompaß, nach damaliger Art in rechteckigem Gehäuse eingeschlossen und mit schöner Beineinlegearbeit versehen, besitzt zwei Aufhängehaken an den Schmalseiten. Die Entwicklung der Hängekompasse weist somit in Österreich von allem Anfang an eine vollkommen selbständige Form auf. Während die bisher bekannte älteste Abbildung eines Hängekompasses eine solche RössLERscher Form in V oigtels „Geometria subterranea“ vom Jahre 1686 war, ist nun als älteste Darstellung eines Hängekompasses diejenige auf der Ausseer Salzbergkarte aus dem Jahre 1611 anzusprechen. Der Kompaß ist rechtsinnisch in 1 X 24 Stunden geteilt, jede Stunde ist in vier Viertel unterteilt. Unterhalb des Kompasses finden sich die Worte vermerkt: ,,Sd]tn Compaff barnad? bifc UTappa <£ingcftdt ift." Die Darstellung des Kompasses diente somit zur Orientierung der Karte. Der Zweitälteste Nachweis eines Hängekompasses in Deutschösterreich, den ich erbringen kann, ist die Abbildung eines solchen auf einer aus der Zeit um 1650 1 stammenden Grubenkarte des Salzbergbaus Michelhallbach bei Aussee (Bild 43). Der Sitte der damaligen Zeit entsprechend, seine bei der Vermessung verwendeten Instrumente oder zumindest ein Gerät auf der Grubenkarte abzubilden, kam auch hier der unbekannte Markscheider und Zeichner jener Grubenkarte nach, indem er seinen Kompaß abbildete, zugleich auch hier die Karte nach Nord einweisend. Der Kompaß hat, wie alle damaligen österreichischen Grubenkompasse, ein rechteckiges Holzgehäuse, das reichen Schmuck — zwei Köpfe, Blätter und Ranken — in Holzschnitzerei oder Beineinlegearbeit zeigt, und er besitzt zwei kurze, anscheinend gleichständige Auf hängehaken. Der Kompaß ist in 1x24 Stunden geteilt, jedoch rechtsinnisch und nicht, wie zu erwarten gewesen wäre, widersinnisch. Es konnte mit ihm also nicht unmittelbar das Streichen, sondern bloß der Ergänzungswinkel auf 24 Stunden abgelesen werden. Ob dies bloß eine ungeschickte zeichnerische Darstellung ist oder der Kompaß wirklich so aussah, läßt sich nicht entscheiden. Jedenfalls weisen spätere Hängekompasse mit rechteckigem Gehäuse zwei Teilungen auf, eine widersinnische zum Ablesen während des Verziehens und eine rechtsinnische zum nachträglichen Zulegen. Ähnliche Hängekompasse aus späterer Zeit, entweder mit kurzen gleichständigen Bild 42. Erster Nachweis des Hängekompasses. Diese Darstellung findet sich auf einer österreichischen, aus dem Jahre 1611 stammenden Grubenkarte des Salzbergbaus Aussee. (Salinenverwaltung Alt-Aussee.) O.-ö. Landesarchiv, Linz a. D., Grundrisse Michelhallbach. 56 Die instrumentellen Grundlagen. oder mit kurzen gegenständigen Aufhängehaken versehen, befinden sich m verschiedenen Sammlungen. So besitzt das Hallstätter Ortsmuseum zwei Hängekompasse 1 aus der Zeit um 1750. (Einer davon dargestellt in Bild 44.) Das Gehäuse desselben besteht aus verziertem Holz, die Platte und Einfassung Bild 43. Zweitältester Nachweis des Hängekompasses in Österreich. Zeichnerische Darstellung eines „Schin-Compasses" auf einem Grundriß des Salzbergbaus Michelhallbach aus derZeit um 1650. der Windrose sind aus Bein. Zwei ornamentierte Beinplättchen sind ferner den beiden Schmalseiten aufgesetzt. Der Kompaß ist sowohl rechtsinnisch als auch widersinnisch geteilt; er trägt das Monogramm ,,S. L.“. Das rechteckige Holzgehäuse des anderen Kompasses ist auf der Oberseite und den vier Schmalseiten mit Beinplatten besetzt, ebenso ist auch der Stundenring aus Bein. Die Platten der Oberseite sind kunstvoll ornamentiert, Bild 44. Hängekompaß aus dem Salzkammergut um 1750. Holz mit Beineinlegearbeit. ( 2 j s der nat. Größe.) die gravierten Stellen sind schwarz gefärbt, die zwei verzierten Beinplatten der Oberseite sind von fünf verschiedenfarbigen Holzleisten eingefaßt, auf die schließlich das Weiß der seitlichen Beintäfelchen folgt. An der einen Längsseite befindet sich ein eingeschnittener Maßstab, der in seiner Gesamtlänge von rund 12 cm dem zehnten Teil des Kammergutbergstabls entspricht: 2 Er ist in 60 Teile eingeteilt, so daß jeder Teil rund 2 mm umfaßt. 1 Beschrieben und abgebildet in: F. Morton, Zwei alte Grubenkompasse. Heimatgaue, Linz a. D., IX. Jg., S. 84 bis 85. 1928. a Genau 1,1967 m. Winkelmessung. 57 Einen ähnlichen wie diesen beschriebenen Kompaß bildet v. Andrian 1 in seinem Werk, „Die Altausseer“ ab. Dieser Ausseer Hängekompaß ist signiert und stammt aus der Meisterwerkstätte des Vergeschworenen Mathias Grill aus dem Jahre 1755. Grill, der um die Mitte des 18. Jahrhunderts lebte, war nicht nur Kompaßmacher, sondern verfertigte auch schön ornamentierte, mit Bein eingelegte „Bergstabl“. Das Hallstätter Museum besitzt weiter eine aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammende handschriftliche Anleitung „Die Schünn Kunst Fundamen taliter zu erlehrnen“, worin mit außerordentlicher Genauigkeit u. a. ( auch die Hängekompasse in Tuschzeichnung dargestellt sind, von denen zwei den bisher beschriebenen Hallstätter Kompassen sehr ähnlich sehen. 2 In der Schrift, die den Haupttitel „Beschreibung der Geometerischen Kunst und Instroment“ trägt, wird unter dem „Puncta zur Schünn Kunst nothwendig zu wüssen“, u. a. angeführt: ,,ADill man aisbann fcfyünen in ben Berg auf einen Durd]= fdjag, fo fang mann bey einem gelegenfamben IDecfyfl an . . . bie Schnüre ausge 3 ogen gegen . . . (bas aber bte Sd?nure an ffyeine löanbl anliget)..., ben (Eompaff in ZTiittl ber Scfynüre angefyenffyet..." Auch in der Leobener Lehrkanzel 3 findet sich ein als Salzkammergutarbeit anzusprechender, aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammender Hängekompaß in rechteckigem Nuß- holzgehäuse mit Beineinlegearbeit. Die Größe aller dieser Kompasse ist etwa 120x70xl5mm. Dieser Leobener Kompaß hat gleichständige kurze Aufhängehaken und einen aus Zinn gefertigten Stundenring mit rechtsinnischer Teilung. Alle diese im vorstehenden genannten Hänge - kompasse aus dem 17. und 18. Jahrhundert legen ob ihrer kunstvollen, ausgeglichenen Ausführung Zeugnis ab von dem Kunstsinn und der Kunstfreude dieser Zeit, in der die Handwerker eine Ehre darein - setzten, auch Künstler zu sein. Ein sehr beachtenswertes und wichtiges Zwischenglied in der Weiterentwicklung der Hängekompasse stellt nun ein im Technischen Museum in Wien 4 befindlicher Hängekompaß mit langen, abwechselnd gleich- und gegenständigen Aufhängehaken dar (Bild 45). Er besteht aus einem 113x70 mm messenden, rechteckigen Kompaßgehäuse aus Holz, dessen Oberseite durch eine schön gravierte dünne Elfenbeinplatte belegt und dessen Unterseite von einer sehr geschmackvollen Einlegearbeit in Holz und Elfenbein geschmückt ist. Auch 1 F. v. Andrian, Die Altausseer. Abb. 57, Wien 1906. 2 F. Morton, 1. c., S. 84. 3 Inv.-Nr. VC 33. 4 Inv.-Nr. 9676/2. T&dfl Bild 45 Hängekompaß mit abwechselnd gleich- und gegenständigen Authängehaken von Simon Oberhäuser zu Schwaz aus dem Jahre 1748. 58 Die instrumentellen Grundlagen. die Seiten des Gehäuses sind mit prachtvoll gravierten Beinplättchen bedeckt. Die Bussole besitzt zwei Stundenringe, einen äußeren, messingenen Stundenring, der eine rechtsinnische Teilung in 1X 24 Stunden aufweist, und einen inneren, aus Silber gefertigten Stundenring, der widersinnisch in 2x12 Stunden geteilt ist. Jede Stunde ist in acht Achtel unterteilt. Der Kompaß ist mit einer Nadelklemmung versehen. Das Besondere an diesem Hängekompaß sind seine Aufhängehaken. Um stets ein waagrechtes Aufhängen, auch bei schräg gespannter Schnur, zu ermöglichen, brachte der Erfinder Aufhängestäbe an, die nach beiden Seiten hin Auf hängehaken, vier bzw. fünf nach jeder Seite, demnach insgesamt neun, aufweisen. Diese Aufhängestäbe sind 135 mm lang und aus Silberblech ausgesägt, sowie durch je zwei Langlöcher abnehmbar mittels Schrauben am Kompaßgehäuse befestigt, sei es zum Zwecke der Verpackung und Mitnahme des Kompasses in die Grube, sei es, um den Kompaß zum Zulegen gleich selbst gebrauchen zu können. Die Kompaßbüchse läßt sich herausschrauben und trägt, von außen unsichtbar, am Boden die Worte eingeschnitten: Simon Oberhäuser von Schwaz Eecit, Anno 1748. Der Kompaß stellt somit, wie hervorzuheben ist, durch die stets ein waagrechtes Einstellen ermöglichende Form seiner Aufhängestäbe ein wichtiges Zwischenglied in der Entwicklungsreihe der österreichischen Hängekompasse dar und kann ob seines einmaligen Seltenheitswertes nicht hoch genug eingeschätzt werden. Er stellt ein europäisches Einzelstück dar. In der Leobener Sammlung befindet sich weiter ein aus dem Jahre 1754 stammender Hängekompaß in Rahmen mit beweglichem Aufhängebügel 1 (Bild 46). Er besteht aus drei Teilen: Kompaß, Holzgehäuse und Aufhängevorrichtung. Das kreisrunde messingene Kompaßgehäuse ist 75 mm im Durchmesser groß und besitzt einen äußeren und einen inneren Stundenring. Der äußere Stundenring ist rechtsinnisch in 1 X 24 Stunden, der innere widersinnisch in 2x12 Stunden geteilt; jede Stunde der äußeren Teilung ist in vier Viertelstunden, jede Einheit der inneren Teilung in acht Achtelstunden unterteilt. Ferner sind am Grunde der Kompaßbüchse die abgekürzten lateinischen Bezeichnungen der vier Weltgegenden in richtiger Reihenfolge, die Nordbezeichnung mit Stunde 24 zusammenfallend, vermerkt. 0£^rf-fau/$r-=-. Bild 46. Hängekompaß in Rahmen mit beweglichem Aufhängebügel von Johann Oberhäuser zu Schwaz aus dem Jahre 1 754. ( a l s der nat. Größe.) 1 Inv.-Nr. VC 29. Winkelmessung. 59 Das rechteckige Holzgehäuse, in das in eine entsprechende kreisrunde Ausnehmung in der Mitte der Kompaß eingesetzt wird, hat eine Größe von 115x77x X 15 mm und ist mit schöner Beineinlegearbeit versehen, die überdies noch mit schmückenden Gravierungen, dem Geschmack der damaligen Zeit entsprechend, sehr hübsch verziert ist. Selbst die Unterseite des Kompaßgehäuses ist staunenswert prächtig ausgeführt. Sie ist ebenfalls in mühsamer Einlegearbeit Holz-Bein in Holz hergestellt und stellt einen achtzackigen Stern in ornamental-verziertem rechteckigem Rahmen dar, für sich allein ein kleines Kunstwerk bildend! Die Längsund Querseiten des hölzernen Kompaßgehäuses sind schließlich mit schön gravierten Beinplättchen versehen. Eine Längsseite trägt in Bein graviert die Inschrift: Johann Oberhäuser Von Schwz Aho 1754 Somit kennen wir auch den Namen und Ort des Herstellers des Kompasses und müssen bewundern, mit wieviel Kunstfertigkeit und Kunstsinn, Zeit und Liebe zur Sache Johann Oberhäuser, der wahrscheinlich nicht nur Instrumentenmacher, sondern auch Markscheider im alten Tiroler Silbererzbergbau zu Schwaz war, sein Meßgerät angefertigt hat. Die Aufhängevorrichtung des Kompasses besteht schließlich aus einem rechteckigen Rahmen aus Messingblech in den Maßen von 120x80 mm, und ist mit einem achsial angeordneten, beweglichen Aufhängebügel versehen, an dem zwei gleichständige Aufhängehaken befestigt sind. Ohne Aufhängevorrichtung konnten daher Kompaß und Holzgehäuse zum Zu legen verwendet werden. Dieser Kompaß von Johann Oberhäuser stellt somit eine Kardanaufhängung dar. Zum dritten Male begegnet uns nun der Name eines Kompaßmachers Oberhäuser in einem uns durch eine Zeichnung Riedls überlieferten Hängekompaß aus Bleiberg (Bild 47). Aus mündlichen Mitteilungen, die mir zukamen, ist es sogar wahrscheinlich, daß sich dieser Kompaß noch heute dort vorfindet. Es handelt sich um einen Kompaß in quadratischem Gehäuse und daran befestigter Zulegeplatte, der einen quer zur Schnurrichtung angeordneten, beweglichen Aufhängebügel besitzt, der seinerseits wiederum beweglich an einem Holzstäbchen mit gleichständigen Aufhängehaken befestigt ist. Auf diesem Stäbchen ist der Name des Verfertigers und Erfinders „Ernest Beregrin Oberhäuser zu Hall“ angegeben. Es scheint sich somit um eine ganze Markscheider- oder Instrumentenmacherfamilie oder zumindest um drei Brüder gehandelt zu haben, da uns die Namen Simon, Johann und Peregrin Oberhäuser, die ersten beiden zu Schwaz, der letztere in Hall in Tirol, aus der Zeit um die Mitte des 18. Jahrhunderts, auf Kompassen überliefert Bild 47. Hängekompaß aus Bleiberg von Ernest Beregrin Oberhäuser zu Hall in Tirol aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. ( x / 5 der nat. Größe.) 60 Die instruinentellen Grundlagen. sind. Der Hängekompaß des Peregrin Oberhäuser ist widersinnisch in 1 X 12 Stunden und rechtsinnisch in 360° geteilt, diese jedoch nur von 30° zu 30° geteilt und beziffert. Die vier Seiten des Kompaßgehäuses sind nicht parallel den vier Weltrichtungen des Kompasses, oder den Stundenlinien 12/24 und 6/18, sondern widersinnisch um etwa 16°, offenbar den Betrag der magnetischen Mißweisung, verdreht. So viel sich aus der Zeichnung Riedls entnehmen läßt, dürfte der Kompaß ebenfalls aus der Zeit um 1750 bis 1760 stammen. Auch diese Kompaßform ist als Kardanaufhängung anzusprechen. Den ersten Hängekompaß RössLERscher Form bildet bekanntlich Nikolaus Voigtel, 1686, auf Tafel 2 (S. 24) seiner „Geometria subterranea“ ab, wonach dann O. Brathuhn und P. Wilski 1 die Abbildungen übernahmen. Röss- lers Kompaß hat zwei senkrecht zueinander angeordnete Ringe; statt dessen kann auch der die Bussole tragende Ring waagrecht im Aufhängering angebracht werden (Bild 48). Ein kleiner Hängekom paß in RössLERscher Form von bloß 70 mm Hängeringdurchmesser, aus der Zeit um 1740 bis 1750 stammend, ist gleichfalls in der Leobener Sammlung vorhanden. 2 Weiter ist ein ebenfalls dort befindlicher Hängekompaß mit Doppelbügelaufhängung, gegenständigen Aufhängehaken und mit Klemmvorrichtung zu erwähnen, der etwa aus der Zeit um 1750 stammt. 3 Der untere Bügel ist am Kompaßgehäuse befestigt, der obere Bügel mit den Aufhängehaken ist mittels eines kleinen Bolzens am unteren beweglich angeordnet. Der Stundenring des Kompasses weist eine rechtsinnische Teilung von 1 X24 Stunden auf, deren jede in acht Achtelstunden unterteilt ist. Das Technische Museum in Wien besitzt einen ähnlichen Hängekompaß mit Doppelbügelaufhängung, 4 der etwas älter sein dürfte als der soeben beschriebene, und zu dem auch eine dazugehörige Zulegeplatte vorhanden ist. 1 P. Wilski, 1. c., II., S. 113. 2 Inv.-Nr. YC 14. 3 Inv.-Nr. YC 63. 4 Inv.-Nr. 9674. Bild 48. Hängekompaß Rösslerscher Form (Aus Beyer: Markscheidekunst, Dresden 1749, Tafel 6). I Winkelmessung. 61 Im allgemeinen blieb die Form der Doppelringaufhängung oder Kardanaufhängung der Hängekompasse bis zum letzten Viertel des 18. Jahrhunderts unverändert. Es wurden bloß die Aufhängehaken durchbrochen, um für Messungen bei steilen Schnüren durch Dazwischenstecken eines Kupferdrahthäkchens ein Abgleiten des Kompasses von der Schnur zu verhindern, oder es wurden die gleichständigen Aufhängehaken durch gegenständige ersetzt. Wir kennen aber auch Hängekompasse aus späterer Zeit, die wiederum gleichständige, statt gegenständige Aufhängehaken zeigen, also in ihrer Bauart gewissermaßen einen Rückschritt auf- weisen. Im Jahre 1780 gab der Freiberger Mechaniker Schubert dem Hängekompaß eine neue Form (Entwicklungsreihe II, unten Mitte). Er ließ die obere Hälfte des Hängeringes weg und brachte dafür die Aufhängehaken an weit ausladenden, langen Armen an der unteren Hälfte des Hängeringes an. Den Innenring, „Kompaßring“ genannt, hat der ScHUBERTsche Hängekompaß gleichgerichtet zur Hakenachse, wie uns dies erstmalig von einem bereits erwähnten, aus der Zeit um 1730 bis 1750 stammenden Leobener Hängekompasse bekannt ist (Bild 41). Schubert führte auch eine mittige Klemme zur Festhaltung der Nadel ein. Eine hochkant gestellte Magnetnadel tritt erstmalig bei einem aus der Zeit um 1780 stammenden Hängekompaß auf, der sich im Germanischen Museum zu Nürnberg befindet. 1 J. Studer, ein noch bei den „Eisenscheiben“ zu nennender Freiberger Mechaniker, wandte ebenfalls 1811 statt der flach ausgeführten Magnetnadeln hochkantige Magnetnadeln an, die beim Schwingen in der Kompaßbüchse infolge Luftdämpfung rascher zur Ruhe kommen als flachliegende Nadeln. Um 1860 erhielt der Hängekompaß seine letzte Form, indem der Freiberger Mechaniker Osterland auch den unteren Teil des Hängeringes wegließ (Entwicklungsreihe II, unten rechts) und die beiden Hakenarme starr mit dem Kompaßring verband. Der Meßvorgang mit dem Hängekompaß ist seit Rösslers und des wahrscheinlichen, unbekannten österreichischen Erfinders Zeiten bis auf heute unverändert gebheben. In die Zimmerung der Grube werden Verziehschrauben eingeschraubt und hänfene Schnüre straff gespannt. Mit dem Hängekompaß bestimmt man das Streichen der Schnur, mit dem Gradbogen ihren Tonlagewinkel, und mit Maßstab, Meßkette oder Meßband ihre Länge. Diese Daten werden in das Zugbuch eingetragen und dienen für das spätere „Zulegen“ der Züge, nachdem man Ebensohle und Seigerhöhe mittels trigonometrischer Formeln oder aus Tafeln auf einfache Weise bestimmt hat. Als Fehlerquellen beim Kompaßzug sind die Unsicherheit der Ablesung und der Einfluß störenden Eisens anzusehen. Der Vorteil eines Kompaßzuges ist jedoch der, daß sich die Unsicherheit einer Ablesung bekanntlich nicht in das nächste Streichen hinein fort pflanzt. Diesem Umstande verdanken die alten Grubenkarten ihre verhältnismäßig große Genauigkeit. Wenn wir nun, wie in den vorigen Abschnitten, eine Entwicklungsreihe der Hängekompasse aufstellen wollen, so sehen wir folgendes Bild der Entwicklungsreihe II. In Österreich sind bergmännische Kompasse mit quadratischem oder recht- 1 C. Krause, Geschichte, 1. c., S. 37. 62 Die instrumenteilen Grundlagen. Entwicklungsreihe 11. Hangekompaffe dbd1 : im Kalibergbau Aussee in itbroucb * Hongskompaß ; /63J w-n ßattbafar RoßJts" - Fnt/bary - erfunden • Hängekompafo mit kurjen gteicbftondigen Aufbongebaken Abart t rnif durct)broct)tnin Auffoangeboken für Meffungen an ftsiien Sctyoureru Hangekompaß mit kurjen gegenjirindigen Aufbangebaken Hangekompafo mit langen , abwecfofeind gleich - und gegenftonaigen Auf bange haken Simon Oberfyauftrs , Sdjwa^, -1JHS Hangekompaß in Rahmen mit beweglichem Aufbange buget Johann Obertgaufarr , fcfgwoj , i Hangekompaß Erneft Peregrin Oberbaufers Hall i. Tiro! Hangekompaß mit feftem und beweglichem Aufbangebügel, yczgenftan digtn Aufh>dngtbaken und Ar re tier vorric btung etwa i?SO Hangekompaffe mit Doppetringaufbängung ( Kardan-Aufhängung) nach Pofoler, 33 nach Schubert f i^io {Krtuzh° r y el *ug) Kompaforing in die Hange- dugtlebene kippbar •nach Offerland, i860 und Hildebrand. ■ flarrer Kompaß ring eckigem Gehäuse seit dem zweiten Drittel des 16. Jahrhunderts nachweisbar. 1 Es nimmt daher nicht Wunder, wenn der erste österreichische Hängekompaß uns 1 F. Kirnbauer, Die ältesten Dokumente deutschen Markscheidewesens. Mont. Rundschau, 27. Jg., H. 20, S. 1. Wien 1935. Winkelinessung. 63 in rechteckiger Gestalt, sowie schön verziert und mit kurzen Aufhängehaken, bereits im Jahre 1611 entgegentritt (Bild 42). Es ist anzunehmen, daß dieser erste österreichische Hängekompaß gleich ständige Auf hänge haken hatte. Auch geschlitzte Aufhängehaken für steile Schnüre aus späterer Zeit kommen vor. Die nächstfolgende Bauart eines Hängekompasses ist die mit kurzen gegenständigen Aufhängehaken, die wiederum ganz oder geschlitzt für Messungen an steilen Schnüren sein können. Als drittes Zwischenglied in der Entwicklungsreihe österreichischer Hängekompasse ist nunmehr ein aus dem Jahre 1748 stammender Kompaß mit langen, abwechselnd gleich- und gegenständige Haken tragenden Aufhängearmen zu nennen, wodurch eine ständige Waagrechtaufhängung bei nicht allzu stark geneigten Schnüren jederzeit möglich wurde. Diese Kompaßform sowie die nächstfolgenden zwei Formen stammen von den drei Brüdern Simon, Johann und Ernst Peregrin Oberhäuser aus Schwaz und Hall in Tirol. Es sind dies nunmehr kardanisch aufgehängte Kompasse mit oder ohne Rahmen in beweglichem Auf hängebügel. Die Aufhängehaken beider Kompasse sind gleichständig. Hängekompasse mit festem und beweglichem Aufhängebügel, also einer Doppelbügelaufhängung, leiten zur RössLERschen Form der Doppelringaufhängung hinüber, von der wir zwei Ausführungsarten kennen. Die eine ist die sächsische mit zwei übers Kreuz gestellten Ringen (,,Kreuzhängezeug ), die aus dem Jahre 1633 stammen soll und bei der der Kompaßring senkrecht zur Hakenachse angebracht ist. Die zweite Form ist die österreichische, bei der der Kompaß- Hng gleichgerichtet zur Hakenachse eingebaut ist. Aus der österreichischen korm haben sich dann durch Weglassung eines Teiles oder des ganzen äußeren Ringes (Hängeringes) die Formen der Hängekompasse von Schubert (1780) und Oster- IjAnd (1860) und anderen entwickelt. Der Gradbogen. Wo mit dem Hängekompaß gearbeitet wird, da wird wohl immer auch der Gradbogen benutzt. Dies ist heute noch so, wo man für untergeordnete markschei e- rische Messungen noch den Hängekompaß und Hängegradbogen zu benutzen pfleg ; es War aber auch früher, in den vergangenen drei Jahrhunderten immer so, a s man sehr viel mit Hängekompaß und Gradbogen arbeitete. Hängekompaß und Gra - bogen gehören derart zusammen, daß für beide in Österreich sogar mn eigener gemeinsamer Name nämlich „Markscheiderisches Schinzeug gebräuchlich ist. v v. r Umstellung des Tonnlagewinkels der Der Gradbogen dient bekanntlich zu leicht gearbeiteten, dureh- Verziehschnur. Er besteht im wesentlichen aus ei Mittelpunkt an einem Haar brochenen Halbkreis mit Auf hängehaken un einem ^tnfetll- oder Tonnlagewinkel herabhängenden kleinen Senkel, so daß man aran ^ls Baustoff wird für der Schnur an der Teilung des Gradbogens a ese ^ auc j 1 aus Silber verfertigte Gradbögen meist Messing verwendet, doch ennen xr über oder Aluminium Gradbögen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts oder aus Neusüb hergestellte Geräte aus den letzten Jahrzehnten. 64 Die instrumenteilen .Grundlagen. Wir können uns vors teilen, daß Gradbögen schon seit vielen Jahrhunderten im deutschen und österreichischen Bergbau in Gebrauch waren. G. Agricola bildet 1556 eine bereits auffallend hochentwickelte Form des Gradbogens ab 1 (Bild 49), die, wie P. Wilski 2 auch bereits hervorhebt, bei der Langsamkeit der damaligen Entwicklung vermuten läßt, daß es sich um eine vorausgegangene mehrhundertjährige Entwicklung handeln könnte. Agricola gibt für die Wassersaige eines Stollens 1: 100 an und zu ihrer Absteckung bediente er sich des Gradbogens. Erwähnt soll werden, daß der Holzschnittmeister Agricolas den Gradbogen zwar in Hängelage, aber mit dem Senkel nach oben, dargestellt hat (Bild 49, links unten). Agricolas Gradbogen hat gleichständige Aufhängehaken und ist aufsteigend in 2x6 Stunden geteilt; statt der Bezifferung Null trägt die Lotrechte die Zahl 12. Außer dem soeben beschriebenen Hängegradbogen bildet G. Agricola 3 auch noch einen Anhaltegradbogen mit Wachsring ab (Bild 12), auf den bereits S. 24 hingewiesen wurde. Dieser Anhaltegradbogen besitzt statt eines Senkels einen Zeiger und ist dadurch bemerkenswert, daß sein Halbkreis in 168 gleiche Teile geteilt ist, die am besten als „Näherungsgrade“ bezeichnet werden können. Die älteste Abbildung eines Gradbogens gebe ich in Bild 17 wieder. Es ist dies die bereits erwähnte Darstellung des Anlegens einer Mine unter Benutzung von Schnurzügen, Kompaß und Gradbogen, nach einer Zeichnung von Francesco di Giorgio Martini um .1465. 4 Francesco war, wie erwähnt, einer der bedeutendsten italienischen Befestigungstechniker um die Mitte des 15. Jahrhunderts. Rechts unten im Bilde, sowie über und zu beiden Seiten des Turmes der Festung sind Gradbögen zu sehen. Vermutlich stellen die A-förmigen Dreiecke mit Senkel eine Art Bergwaagen dar, also Geräte, mit denen bloß die Lotrechte oder Waagrechte allein angegeben werden konnte. Im allgemeinen ist der Gradbogen seit den ältesten Zeiten bis auf heute in seiner Größe fast stets gleich, sein Zweck und seine Anwendung sind ganz unverändert geblieben. Nur geringfügige Unterscheidungen können wir in der Entwicklung des Gradbogens feststellen: Um ein Gleiten an der Schnur und eine bessere Gleichgewichtslage des Gradbogens zu erreichen, wurden einerseits für steile Aufhängungen die Aufhängehaken durchbrochen, anderseits die gleich- ständigen Aufhängehaken durch gegenständige ersetzt. Bei steilen Schnüren wurde 1 G. Agricola, 1. c., S. 116. Deutsche Neuausgabe, Berlin 1928, 2 P. Wilski, Markscheidekunde, 1. c., Bd. II, S.117. 3 G. Agricola, 1. c., S. 106. 1928. 4 F. M. Feldhaus, Antike — Mittelalter, Museum der Weltgeschichte, 1. c., S. 365, Abb. 387, Berlin 1931. — Auch Lichtbild in Sammlung Kirnbauer. Bild 49. Agricolas Gradbogen, 1556. ( 2 I j der nat . Größe .) Winkelmessung. 65 und wird in die geschlitzten Aufhängehaken ein Messingstift gesteckt, um ein Abgleiten des Gradbogens von der günstigsten Auf hängesteile zu verhindern. Eine eingehende theoretische Untersuchung über die Verwendung des Gradbogens zur Bestimmung der Neigungswinkel gespannter Schnüre und die günstigste Aufhängestelle der Gradbögen wurde vor kurzem von F. Perz veröffentlicht. 1 Der älteste Gradbogen, der gegenständige Aufhängehaken besitzt, ist mir aus dem Jahre 1737 bekannt. Auch diese können für steile Schnüre wieder durchbrochen sein. Um das Jahr 1850 wurde von 0. E. Kraft, Wien, ein noch später zu besprechender Fernrohrkompaß gebaut und diesem ein Gradbogen mit Aufhängeösen statt Aufhängehaken beigegeben, 2 was sicher nicht als sehr gelungen bezeichnet werden kann, da man bei diesem Gradbogen vor Gebrauch die Verziehschnur erst durchziehen muß. Bevor ich einige der wichtigeren, in ost- märkischen Sammlungen befindliche Gradbögen und deren Abart, die sog. „Bergwaagen“, etwas eingehender beschreibe, möchte ich auf zwei besondere Gradbögen des deutschen und österreichischen Bergbaus hin- weisen. Der eine ist in Form einer Bergbarte ausgebildet und stammt aus dem Jahre 1585. Diese gehörte dem Herzog Julius von Braun - schweig-Wolfenbüttel und befindet sich jetzt im Museum zu Wolfenbüttel. 3 Der Schaft der Bergbarte trägt verschiedene bergmännische Längenmaße, die Axt hat eine Gradteilung und eine Senkeleinhängemöglichkeit. Der andere Gradbogen ist durch seine besondere Teilung bemerkenswert: August Beyer, der berühmte Schneeberger Markscheider, hat 1749 einen Gradbogen angegeben, 4 der an Stelle des Neigungswinkels die Saigerhöhen und Ebensohlen abzulesen gestatten sollte und zwei dementsprechende Teilungen auf- wies. Dieser im Sächsischen Erzgebirge in Verwendung gestandene Gradbogen muß auch in österreichischen Bergbauen Eingang gefunden haben, da sich in der Leobener Sammlung 5 ein etwa aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammender, aus Silber gefertigter, leichter und schmaler Gradbogen mit gleichständigen Aufhängehaken befindet, der eine Sinus- und Cosinusteilung für eine 12 Lachter oder Bergstabl lange Schnur trägt (Bild 50). Die Vorderseite dieses Gradbogens weist zur Hälfte eine von 0 bis 90° aufsteigendbezifferte Gradteilung, zur anderen Hälfte eine als „Umbra Recta“, und eine als „Umbra Versa“ von 0 bis 60 1 F. Perz, Die Verwendung des Gradbogens zur Bestimmung der Neigungswinkel gespannter Schnüre. Berg- u. Hüttenm. Jb., Bd. 80, S. 23 bis 35 und 60 bis 74, Leoben- Wien 1932. 2 Leobener Lehrkanzel für Markscheidekunde, Inv.-Nr. VC 23. 3 Bild nach F. M. Feldhaus, in der Sammlung Kirnbauer befindlich. 4 A. Beyer, Markscheidekunst. S. 41 ff., Schneeberg i. Sa. 1749. — Auch F. Perz weist auf S. 24 seiner Arbeit „Die Verwendung des Gradbogens“. . ., 1. c., auf diese Art des Gradbogens hin. 5 Inv.-Nr. VC 64. Bild 50. Silberner Gradbogen mit Sinus-Funktion-Teilung für 12 Lachter- Schnur, 18. Jahrhundert. Die Teilung der Rückseite dünn angedeutet. P/ 5 der nat. Größe.) Geschichte der Technik, 7. Heft. ä 66 Die instrumenteilen Grundlagen. reichende, einander entgegengesetzt bezifferte und bei 45° Bogenhöhe einander berührende Winkelfunktionsteilung auf. Die Rückseite des Gradbogens trägt ebenfalls Winkelfunktionsteilungen, und zwar als „Basis“ bezeichnet eine von der Waagrechten absteigend bezifferte Sinus-Funktionsteilung nach der Gleichung x — 12 sin oc für die Ebensohle einer 12 Lachter langen Schnur, und eine von der Lotrechten aufsteigend bezifferte Cosinus-Funktionsteilung für die Saigerhöhe einer Schnur von 12 Lachter oder Bergstabl Länge. Im folgenden mögen nun einige Gradbögen näher beschrieben werden. In der Leobener Sammlung befindet sich ein aus der Zeit um 1700 stammender messingener Gradbogen mit gleichständigen Aufhängehaken, der eine Stundenteilung mit doppelter Bezifferung aufweist. 1 Er ist einerseits in 2 x 6 Stunden, von der Lotrechten aufsteigend, beziffert, wobei statt Null die Zahl 12 steht, anderseits weist er eine rechtsinnische Teilung in 1 x 12 Stunden auf; jede Stunde ist in 16 Sechzehntel unterteilt. Ein anderer Messinggradbogen 2 mit gegenständigen Aufhängehaken stammt von ,,IACOB WILTPRET IN WIENN“ aus dem Jahre 1773. Er ist in 2x90° geteilt, die unmittelbare Ablesung beträgt 30'; Null beginnt an der Senkel- linie. Name und Jahrzahl sind oberhalb der Senkelbefestigungsstelle in den Gradbogen geschnitten. Aus späterer Zeit, aus dem Jahre 1780, stammt ein ebenfalls in der Leobener Sammlung befindlicher Gradbogen 3 von Franz Moser, Prag, der, aus Messingblech ausgesägt, durch seine beachtenswerten, gleichzeitig der Versteifung dienenden Zierformen auf fällt (Bild 51). Er ist auf steigend in 2x90° geteilt und besitzt gegenständige Aufhängehaken. Die Ablesung erfolgt unmittelbar auf Grade. Weiter ist ein schön ausgeführter, dem Geschmack der damaligen Zeit entsprechend durch Gravierungen und Ornamente reich verzierter messingener Gradbogen, gediegene Tiroler Arbeit darstellend, in der Leobener Sammlung vorhanden 4 (Bild 52). Er besitzt gleichständige Aufhängehaken und trägt auf der Rückseite die gravierte Inschrift: • Simon ©berfyaufer Don Sdpr>a 3 2tnno (75( • Die Vorderseite des Gradbogens trägt die Teilung in 2x90°, die mit der Bezifferung Null an der Lotrechten beginnt. Jeder Grad ist in vier Teile unterteilt, so daß die unmittelbare Ablesung 15' beträgt. Heute werden Gradbögen meist wieder mit gleichständigen Aufhängehaken hergestellt. Obwohl gegenständige Aufhängehaken gegenüber den gleichständigen fortschrittlicher sind, sind erstere im 19. und 20. Jahrhundert nicht sehr häufig in Gebrauch. Aus dem Beginne des 18. Jahrhunderts ist uns die Darstellung eines Gradbogens mit einem trapezförmigen Fortsatz an seinem Scheitelpunkt, an dem 1 Leobener Lehrkanzel für Markscheidekunde. Inv.-Nr. VC 65. 2 Inv.-Nr. V C 66. 3 Inv.-Nr. VC 19. 4 Inv.-Nr. 25. Bild 51. Gradbogen von Franz Moser, Prag, aus dem Jahre 1780. (Vs der nat. Größe.) Winkel messung. 67 eine Verlängerung der Nullinie eingezeichnet ist, überliefert, so daß eine genauere Ablesung der Lotrechten erfolgen konnte. Ein solcher Gradbogen ist auf einer Hallstätter Grubenkarte aus dem Jahre 1709, nebst anderen Markscheidergeräten, abgebildet. Eine letzte beachtenswerte Form eines Gradbogens, die zu den im nächsten Absatz zu besprechenden „Bergwaagen“ hinüberleitet, stellt ein in Bild 26 wiedergegebener Gradbogen aus Alt- Aussee dar. Er trägt die Anfangsbuchstaben „M. R.“, des Namens des Verfertigers, darunter die .Jahreszahl 1728, und besteht aus einem beiderseits bis 65° bezifferten Gradbogensegment, das an zwei reich gravierten Armen gleichständige Aufhängehaken und dazwischen die österreichische Kaiserkrone trägt. Dieser Gradbogen ist uns durch Bergrat Riedl überliefert, der ihn auf Blatt VII seiner Skizzen abbildete. ZumEinwägen oder Nivellieren konnten die alten Markscheider sich entweder des Gradbogens bedienen, indem sie auf dessen genau waagrechte Aufhängung achteten, oder aber sie verwendeten sog. „Bergwaagen“ oder „Erdwaagen“, von denen wir mehrere aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammende Geräte aus den österreichischen Alpen - ländern kennen. Unter „Bergwaagen“ sind Gradbogensegmente zu verstehen, die mit meist gleichständigen Aufhängehaken versehen sind und die Lotrechte vermittels eines angebrachten kleinen Senkels abzulesen gestatten. Wir haben sozusagen vereinfachte, verkümmerte Gradbögen vor uns, da zum Einwägen nur die Erzielung der Waagrechtstellung der Verziehschnur notwendig ist. In der Markscheiderei des Bleibergwerkes Bleiberg in Kärnten (Betriebsleitung II) ist eine etwa aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammende Bergwaage mit Delphindarstellung vorhanden. Andere „Bergwaagen“ aus den Jahren 1672 und 1709 sind in Bild 53 und 54 dargestellt. Nach P. Wilski kennt das Schemnitzer Bergrecht schon Erbstollen und Schürfstollen, also nivellierte man schon im Jahre 1244. 1 Dies geschah offenbar mit Grad- 1 P. Wilski, Markscheidekunde, 1. c., S. 116. 6 * 3wrwT\^»öbt rKah ft' t^/ö X7sT Bild 52. Hängegradbogen, in Messing graviert, von Simon Oberhäuser zu Schwaz aus dem Jahre 1751. ( 4 / 10 der nai. Größe.) G8 Die instrumentellen Grundlagen. bogen oder Bergwaage und Schnur, vielleicht auch mit der Schrotwaage. E. Reinhold nivellierte 1574 mit Nivellierlatte, Schnur und Gradbogen, den er Wasserwaage oder Bergwaage nannte. 1 P. Wilski weist das Wort „Waage“ für 1468 erstmalig in der Schwazer Bergordnung, Kap. 1 und für 1477 in der Salzburger Bergordnung, §34 nach und meint, daß „wag“ = Kompaß näherliegender sei als „wag“ = Gradbogen. 1 Dem ist aber sicherlich nicht so. Denn „Waage“ hat mit „Kompaß“ nicht das Geringste zu tun, die „Waage“ ist eben der Gradbogen oder die „Bergwaage“, dagegen wurde in den österreichischen Bergbauen zur damaligen Zeit bereits das Arbeiten mit dem Kompaß „Die Schin“ genannt. Die Redewendung „Wag und Maß“, wie sie z. B. in der Salzburger Bergordnung vom Jahre 1532 vorkommt, bedeutet ganz einfach wag = Gradbogen oder Bergwaage, und maß = Schnurzug und Messen mit dem Maßstab. „Maß“ bedeutet demnach in Bild 54. Bergwaage aus einem Hallstätter Schinzeug Zubehör aus der Zeit um 1709. fVss der nat. Größe,.) Bild 53. Bergwaage aus Hall i. T. aus dem Jahre 1673. G/.j der nat. Größe). allen österreichischen Nachweisen soviel wie Ein wägen oder Nivellieren, wozu man die Bergwaage (den Gradbogen) oder vielleicht auch das Schinzeug mit der Höhenkreiseinstellung Null verwendete. Wenn wir nun auch beim Gradbogen, trotzdem er fast ohne Entwicklung und seit den ältesten Zeiten bis jetzt gleichgeblieben ist, dennoch eine Entwicklungsreihe auf stellen wollen (Entwicklungsreihe III), so sehen wir die ersten Gradbögen bei Francesco und Agricola um die Mitte des 15. und 16. Jahrhunderts in Verwendung. Die Gradbögen wurden mit gleichständigen oder gegenständigen Aufhängehaken versehen, ein einziges Mal treten uns Aufhängeösen entgegen. Aus der Mitte des 18. Jahrhunderts sind Gradbögen mit Sinusteilungen bekannt. Neuzeitliche Gradbögen sind noch ebenso wie alte angefertigt, nur mit genaueren Teilungen und verbesserten Ablesemöglichkeiten, Nonien u. a., ausgestattet. Als „Bergwaage“, „Erdwaage“ oder „Ebenwaage“ wurden im 17. und 18. Jahrhundert Gradbogensegmente bezeichnet, die zum Einwägen dienten. 1 P. Wilski, 1. c., S. 117. — Es ist möglich, daß das Wort „Wag“ bereits 1308 im Schladminger Bergbrief vorkommt, man müßte die Urschrift kennen; Lori gibt „sag“ an. Winkelmessung. Entwicklungsreihe III. 69 Gradbögen Qradbogen Francos cor }um Anbolten oder Sdefhgon on Hoisted*** • Militari Stollen bau - Italien 4 UbS Anbaltegradbogen mil Wacj>sring und Zeiger Agr/colo dSSb Hangegradbogen % PK Gradbogen mil gleicbftdndigen Aufbangebaken AufbonqthokCn voll oder durchbrochen Agricola ifSb Kp Qradbogen mit Sinurtei/ung • für iZ Lacfjter lange Schnur yltiüjftondiqt AufbJniehaktn Beyer 4?»9 Sätfjj. Erjgeiirge Kp Qradbogen mit gegenftandigen Aufbdngebaken Aufbönqtlyoktn voll oder durOjbrocfyon beginn St.Jbdt, um) Kp Qradbogen mit Aufbangeofen C t. Kraft um USO Gradbogen foment* i u ^ Grodboqtn fom,nt mit gUUJyftjnd'fOn HaHjtott 11*9 & n Berg waage “ . A/pen lender 1J.U. Il.jbdf. Eise n scheibe n. Im Jahre 1749 erschien zu Dresden eine „Anleitung zur Markscheidekunst nach ihren Anfangsgründen und Ausübungen kürzlich entworfen“, deren unge- 70 Die instrumenteilen Grundlagen. nannter Verfasser der Freiberger Berghauptmann F. W. v. Oppel war . 1 Hierin wird auf die damals bereits ziemlich lange und allgemein bekannte Tatsache hin- gewiesen, daß bei unter- und übertägigen Aufnahmen Eisen- oder Magnetsteine und eisenschüssige Gangarten den Gebrauch der sonst so geeigneten und zuverlässigen Magnetnadel beeinträchtigen oder ganz ausschließen. Oppel beschreibt daher zwei Bauarten von „Eisenscheiben“, „durch deren Hülfe die Wingel, welche söhlige Linien mit einander machen, ohne Magnetnadel gefunden werden“, sowie das von ihm angewendete, zum Teil recht umständliche Meßverfahren. Nicolaus Voigtel erwähnt bereits in seiner ersten, 1686 erschienenen „Geo- metria subterranea oder Marckscheide-Kunst“ auf Taf. 2 und S. 25 Eisenscheiben, bei denen die gespannte Schnur als Alhidade diente. Weiter beschreibt er in seiner 1713 zu Eisleben erschienenen „Vermehrten Geometria subterranea“ das „Marck- scheiden auf Eisen-Gruben mit Behülff zweyer Scheiben “. Es sind dies Messingscheiben mit rechtsinni- scher Stundenteilung ohne Alhidade. Die Eisenscheiben wurden mit Hilfe einer kleinen Setzwaage söhlig gestellt, das Fallen oder Steigen der Schnüre mit dem Gradbogen gemessen. Voigtel empfiehlt, an die erste Schnur den Kompaß anzuhängen, ,,unb 3 mar an bem (Drte, mo ber <£ifenfd]uff bas CTiagueh^üng-' lein am menigftert pertubiret, nur 3 imernelpnen, nadi meld]er <£cfe ber IDelt ber < 5 ug »errichtet roerbe, bamit man felbigen aud - ; aufm papptere nach ben oier €cfen ber IDelt 3 U legen forme“. Als nächster beschreibt August Beyer 1749 eine Eisenscheibe mit drehbarer Regel mit Loch zum Einfädeln der Schnur. Eine solche „Einfache Eisenscheibe“ mit Schnurzugalhidade wird gegenwärtig noch in der Markscheiderei zu Bleiberg in Kärnten aufbewahrt (Bild 55). N. Voigtel bildet weiter 2 eine Eisenscheibe ab, die eine Gradteilung aufw T eist, um eine an einer Holzschraube sitzenden Kugel drehbar ist und in waagrechter Lage, nach Aufsetzen einer Setzwaage, festgeklemmt werden konnte. Dies sind somit drei uns überlieferte Formen von Eisenscheiben, die der Messung von Lagewinkeln dienten. Die Benennung Eisenscheibe bezog sich nicht auf das Metall, woraus die Geräte verfertigt wurden, sondern nur auf ihren Gebrauch in Eisensteingruben oder bei ablenkenden Eisenteilen. Um nun auch Höhenwinkel messen zu können, konstruierte Johann Gotthelf Studer, 3 der bereits bei den Hängekompassen genannte Freiberger Markscheider und Mechaniker, nach zehnjähriger Entwicklung um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert ein neues Instrument. Es stellt ein mit einem Grundkreis (Teilkreis und Ablesealhidade) versehenes Schinzeug dar, wurde von Studer 1801 veröffentlicht und ist als seine Bild 55. Eisenscheibe aus Bleiberg aus der Zeit um 1750. fVs der nat. Größe ) 1 K. Lüdemann, Die Eisenscheibe von Johann Gotthelf Studer. Zeitschr. f. Instrnmentenkunde, 54 Jg., 10. H., S. 365, Berlin 1934. 2 N. Voigtel, Ausgabe 1686, Taf. 9, S. 147ff. 3 K. Lüdemann, Die Eisenscheibe von J. G. Studer, 1. c., S. 366. Winkelmessung. 71 eigene Erfindung anzusehen, wie aus einer sehr genauen Untersuchung K. Lüde- manns 1 hervorgeht. Der Freiberger Poch- und Wäschgeschwome Krumpel, der Studer 1792 seine Ansichten über eine Verbesserung der Eisenscheibe mitteilte, dürfte Studer beeinflußt haben, wobei dieser sich von vornherein das Ziel gesetzt hatte, ein Gerät zu schaffen, das „sowohl in Schächten als auf Strecken brauchbar ist“. Ob dem Geschwornen Krumpel seinerseits ein österreichisches Sch in zeug bekannt gewiesen ist, kann nicht entschieden werden, ist aber vielleicht, wenn man die Nähe von Joachimsthal, Zinnwald oder Graupen in Betracht zieht, nicht ausgeschlossen. Studers Eisenscheiben waren zu ihrer Zeit weit verbreitet. Sie müssen auch im österreichischen Bergbau Eingang gefunden haben, da die Leobener Lehrkanzel für Markscheide - künde in ihrer historischen Sammlung eine aus der Zeit um 1800 stammende Eisenscheibe STUDERscher Bauart besitzt 2 (Bild 1 (Mitte oben) und Bild 56). Das Instrument ist aus Messing verfertigt und gemahnt an die alten Schinzeuge. Es best eht aus einem Grund- kreis und einem mittigen, drehbar angeordneten Höhenkreis. Der Grundkreis hat als Alhidade einen Ablesearm, der mit dem Höhen - kreis fest verbunden ist. Die Teilung des Grundkreises ist rechtsinnisch in 2x12 Stunden, jede Stunde ist weiter in 32 Teile unterteilt. Die beiderseitig angebrachte Teilung des Höhen- bogens beginnt mit Null an der Waagrechten und läuft für Höhenwinkel von 0 bis 85°, für Tiefenwinkel von 0 bis 45°. Wir sehen auch hier die Verschiedenheit der Teilung zwischen Grundkreis und Höhenkreis, die Studer mit Absicht oder unbewußt anwandte, gleich wie sie uns von den alpenländischen Schinzeugen und Setzkompassen her bekannt ist, die meist in Halbstunden und (ganze) Stunden geteilt waren. Zur Ablesung am Höhenkreis der STUDERschen Eisenscheibe dient ein mit einem Aufhängehaken versehener beweglicher Zeiger, wie wir ihn ebenfalls von den Schinzeugen her kennen, der an seinem verlängerten Ende ein Gegengewicht trägt. Der Teilkreis der Eisenscheibe hat einen Durchmesser von 180 mm und ist auf einem Zapfen mit Kugelgelenk befestigt, so daß er mittels vier Stellschrauben waagrecht einstellbar ist. Das Ganze ruht auf einem mit vier Schrauben versehenen Holzbrett. Bild 56. Eisenscheibe von Studer aus der Zeit um 1800. (Aus K. Lüdemann, Die Eisenscheibe von Johann Gotthelf Studer, Zeitschr. f. Instrumentenkunde, 54. Jg., 10. H., S. 367. Berlin 1934.) 1 K. Lüdemann, ebenda, S. 367. 2 lnv.-Nr. VC 13. 72 Die instrumen teilen Grundlagen. Über den Gebrauch der Eisenscheibe macht Studer nach K.Lüdemann 1 folgende Angaben: Die Aufstellung der Eisenscheiben erfolgte in Strecken mittels waagrechter, hölzerner Spreizen, die in einem Abstand von 5 bis 6 Lachtern (10 bis 12 m) geschlagen wurden. Auf den Spreizen wurden die Holzbretter der Eisenscheiben aufgeschraubt und letztere mittels einer Dosenlibelle waagrecht gestellt. Auf dem vorhergehenden und dem nachfolgenden Zugpunkte wurden Messingstifte von bestimmter Höhe, die mit Ösen versehen waren, eingeschraubt. Dann erfolgte das Spannen der Schnur zwischen der Öse des Messingstiftes des rückwärtigen Punktes und dem Haken der Regel der Eisenscheibe, deren Teilung auf Stunde 12 gestellt war; nun erfolgte die Ablesung des Höhenwinkels und die Messung der Länge der Schnur. Sodann folgte das Ziehen der Schnur zum Messingstift des neuen Punktes und es wurden ebenfalls Schnurlänge sowie der Höhen- und Lagewinkel, der nunmehr unmittelbar erhalten wurde, gemessen. Nach Studers Angabe verwendete man praktischer Weise zwei Eisenscheiben und 6 oder 8 Füße bei einer Messung. Auch für Steilschachtmessungen konnte Studer seine Eisenscheiben verwenden und gab hierfür auch das Verfahren an. 1 Zwei Jahre nach Studer, im Jahre 1803, veröffentlichte J. v. Komarzewski, ein polnischer Generalleutnant, der 1796 in Freiberg Bergwesen studiert hatte, einen angeblich von ihm erfundenen „Unterirdischen Winkelmesser“. In Wirklichkeit ist dieser jedoch eine Eisenscheibe STUDERscher Bauart, welche, wie K. Lüdemann in der mehrfach genannten jüngst erschienenen Arbeit, nach wies, 2 bloß in einigen Einzelheiten Abänderungen zeigt, wie die Vervollständigung des Höhenbogens auf 180° und die Anbringung eines zweiten Ablesearmes mit Schnuranhängemöglichkeit. Obwohl sich J. v. Komarzewski ausdrücklich als Erfinder dieses Instrumentes, das er in den Jahren 1795 und 1796 erdacht und gebaut haben wollte, bezeichnet, konnte K. Lüdemann in der genannten Untersuchung den Nachweis erbringen, daß die Verbesserung der Eisenscheibe durch Einführung eines Höhenkreises, eines Kugelgelenkes sowie zwangszentrierter Zielstifte um das »fahr 1800 das Werk -1. G. Studers ist, der dazu von dem Wäschgesch women Krumpel angeregt wurde, und daß Komarzewski daran keinen wesentlichen geistigen Anteil besitzt. Die Eisenscheiben sind nach Studers Neuformung vielfach, etwa bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts benutzt worden. J. N. Lang von Hanstadt 3 beschreibt sie 1835 noch sehr ausführlich, und zwar in der Bauart mit zwei vollen Höhenkreisquadranten und zwei Schnurzugalhidaden. Um 1850 wurden die STUDERschen Eisenscheiben durch die sogenannten „Hilfshängezeuge“ ersetzt und durch den immer stärker werdenden Gebrauch des Theodolits in der Grube verdrängt. Wenn wir nun die bisher besprochenen Markscheiderinstrumente mit mechanischer Winkelfestlegung von einem einheitlichen Gesichtspunkte aus betrachten, so können wir, vom „Alpenkompaß“ Agricolas ausgehend, eine klar erkennbare neue Entwicklungsreihe bis zur STUDERschen Eisenscheibe feststellen (Entwicklungsreihe IV): Das Schinzeug war, wie früher zu sehen war, bis etwa um die Zeit um 1600 herum, mit dem Einbussolenkompaß, von da ab mit dem Zweibussolen- 1 K. Lüdemann, Eisenscheibe von Studer, 1. c., S. 368. 2 K.Lüdemann, 1. c., S. 371. 3 Joh. Nep. Lang von Hanstadt, Anleitung zur Markscheidekunst. S. 202. Pest 1835. Winkelmessung. Entwicklungsreihe IV. 73 Sd)irr$eug - Eifenfcfyeibe. Alpankompafi Agri colas isst Einbuffolenkompafc und Scfyin^eug etwa 4520— 4£eo 2weibuffolenkompafj und Sd)in^eug ttwa 2wei buffo kn kompafi mit Sonnenuhr und Sü)myug „„„ st,*. -r Leobncr Scbinjeuj von J.ft.frbmickbel Freiberger Eifenfcbeibe vonStuder 1tOi kompaß in Gebrauch gestanden. Aus dem zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts sind ein Schinzeug und Zweibussolenkonipaß mit Sonnenuhr bekannt. Um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert, also um 1700, taucht eine neue Form der Schinzeuge mit seitlichem kleinem Kompaß auf, die als Hallstätter Form bezeichnet werden kann und ihren letzten Vertreter, um 1740, in einem „silbernen Schinzeug“ J. M. Schmickhels findet. Als unmittelbar an die alte Form der Schinzeuge anschließend, 74 Die instrumenteilen Grundlagen. müssen wir als Endglied dieser Entwicklungsreihe die Eisenscheibe J. G. Studers vom Jahre 1801 bezeichnen. — In neuerer Zeit griff Zdarsky auf den Gedanken der Eisenscheiben bei der Schaffung seines Schnurtachymeters zurück. Hilfshänge zeuge. Daß der Kompaß in Gegenwart von ablenkenden Eisenmassen nicht ohne weiters brauchbar ist, hat man schon frühzeitig erkannt. Diese Erkenntnis führte bereits im Jahre 1686 durch Nikolaus Voigtel zum Bau der im vorhergehenden Abschnitt besprochenen Eisenscheiben. Diese Eisenscheiben blieben bis etwa 1830 im allgemeinen Gebrauch, obwohl sie selbst noch 1873 als a.usnahmsw r eise in Verwendung stehend erwähnt werden. 1 Die unmittelbare Nachfolge der Eisenscheiben trat dann der Theodolit an. Um jedoch auch mit dem Kompaß in Gegenwart ablenkenden Eisens arbeiten zu können, wurden im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts sogenannte „Hilfshängezeuge“ erfunden. Die an sie gestellte Forderung war die Einlot bar- keit (Zentrierfähigkeit) des Kompasses im Winkelscheitel mit der Nebenbedingung der Erhaltung der Höhenlage in Unabhängigkeit von der Schnurneigung. Die erste derartige Vorrichtung baute 1834 der Freiberger Bergamtsassessor Braunsdorff, nach dem auch das Gerät das „BRAUNSDORFsche Hilfshängezeug“ benannt ist. Der ersten Erfindung folgten noch w-eitere derartige Hilfshängezeuge, so das „verbesserte BRAUNSDORFsche Hilfshängezeug“, 1856 das Hilfshängezeug von Reichelt, 1873 dasjenige von Lehmann, 1880 das von Penkert und 1899 das Hilfshängezeug von Langer. Weiter gehören noch hierher die Hilfshängezeuge von Schreiber (1870), von Fuhrmann (1878) und von Hildebrand (um 1880). 2 Auch in Österreich hatten diese Kompaßinstrumente Eingang gefunden. Bussolen inst r umente. Werden Instrumente, die geodätischen oder markscheiderischen Zwecken dienen, mit einer Zielvorrichtung versehen, so nennt man sie Zielinstrumente. Es ist bei ihnen sonach die an den bisher beschriebenen Instrumenten beobachtete mechanische Verkörperung der Winkelschenkel durch eine optische, durch eine Ziellinie ersetzt. Als mechanische Verkörperung der Winkelschenkel sind sowohl die Ritze im Wachs der Wachsscheiben als auch die Schnüre oder metallenen Schnurzugalhidaden an Schinzeugen und Eisenscheiben und endlich in weiterem Sinn auch die stets nach Norden weisende Magnetnadel der Kompasse anzusehen. Reine Zielinstrumente sind daher solche, bei denen beide Winkelschenkel durch je eine Ziellinie festgehalten werden, und als Bussoleninstrumente möchte ich im folgenden alle jene Kompaßinstrumente besprechen, die mit einer Ziel Vorrichtung ausgestattet sind. Bei allen Meßverfahren mit ihnen wird nach dem Obengesagten der Streichungswinkel dadurch festgehalten, daß die nordweisende Magnetnadel den einen, mechanisch verkörperten Winkel- 1 C. Krause, S. 46, 1. c.; Weisbach-Choulants, Abriß der Markscheidekunst. S. 110. 1873. 2 Näheres hierüber im Schrifttum bei 0. Brathuhn, C. Krause, 1. c. u. a. Winkelmessung. 75 Schenkel, und die Ziellinie der Visiervorrichtung den anderen, zweiten Winkelschenkel optisch darstellt. Die Behandlung der reinen Zielinstrumente bleibe dem nächsten Abschnitt Vorbehalten. Zielkompasse. Das älteste im Markscheidewesen bekannte Bussoleninstrument ist ein von Erasmus Reinhold im Jahre 1574 beschriebener V i s ie r k o m pa ß. Eine Abbildung von Reinholds Kupferstich veröffentlichte seinerzeit C. Krause. 1 Es ist der erste bergmännische Kompaß, der statt der Stundenteilung eine Gradteilung aufweist. Bild 57. Hallstätter Markscheider mit Zielkompaß bei der Arbeit; um 1700. Ausschnitt aus einer Grubenkarte von Tobias Styger aus dem Jahre 1698. fVa Größe der Darstellung.) Er ist rechtsinnisch von 0 bis 360, fortschreitend von 5 zu 5°, beziffert und stellt wahrscheinlich eine Erfindung Reinholds dar. Mittig über der Kompaßbüchse ist ein drehbarer Zeiger angebracht, der an seinen beiden Enden ein Abschauen trägt. Unter einem ,,Abschauen“ oder „Diopter“ versteht man Schauöffnungen in Blenden oder Sehschlitze, wie sie bereits Heron von Alexandria um 130 v. Chr. kennt. Bei Reinholds Visierkompaß ist die Zielrichtung noch nicht, wie es heute üblich ist, mit der Teilung starr verbunden und diese ist daher rechtsinnisch, im Sinne des Uhrzeigers, gehalten. Der nächst] üngere, mir bekannt gewordene Zielkompaß ist auf einer Hallstätter Grubenkarte aus dem Jahre 1698 abgebildet (Bild 57). 2 Es ist dies eine 1,63x2,22 m große Grubenkarte, die den damaligen Markscheider Tobias Styger zum Verfasser hat und hauptsächlich dadurch bemerkenswert ist, daß im linken unteren Eck Mark- 1 C. Krause, 1. c., S. 25. 2 O.-Ö. Landesarchiv Linz, Gerollte Grubenkarten HX VI. 76 Die instrumeiitellen Grundlagen. scheider mit ihren Instrumenten dargestellt sind. Das Hauptinstrument dieser Markscheidergruppe ist ein auf einem etwa 1,60 m hohen Dreifuß auf gestellter Kompaß mit seitlich angebrachtem Abschauen, woran außerdem ein lotrecht befestigtes geometrisches Quadrat mit Senkel zu sehen ist. — In die Reihe der Zielkompasse gehört weiter ein im Technischen Museum zu Wien 1 befindlicher Setzkompaß mit mittig angebrachtem Abschauen, der aus der Zeit um 1760 stammt (Bild 58). Dieser Kompaß ist insofern bemerkenswert, als er in eine obere Messingplatte einsetzbar, diese aber mit 4 Füßchen auf einer tieferen und etwas größeren Setzplatte befestigt ist, so daß mit ihm sogleich auch Zulegearbeiten ausgeführt werden können. Die Teilung des Kompasses ist, da seine Ziellinie mit ihm fest verbunden ist, wider- sinnisch in 1X 24 Stunden erfolgt, jede Stunde ist in 8 Achtelstunden unterteilt. Die Ränder des Kompasses und der Zulegeplatte sind graviert. Die Bodenplatte der Bussole ist aus Silber. Fine weitere Ziel bus sole mit einem festen und einem auf einem Alhidadenarm drehbar angeordneten Abschauen, aus Bleiberg in Kärnten und etwa aus der Zeit um 1780 stammend, überlieferte uns Bergrat Riedl auf einer Zeichnung (Bild 59). Der halbkreisförmige Grundkreis ist beiderseitig in 180° geteilt, die beiden Alhidaden- Bild 58. Setzkompaß mit Abschauen aus der Zeit um 1760. Bild 59. Zielbussole aus Bleiberg aus der Zeit um 1780. ( 2 I 3 der nat. Größe.) ablesefenster besitzen einen Nonius. Die Abschauen sind umklappbar. Die Zielbussole, die wahrscheinlich mittels einer Hülse auf einem Zapfenstativ aufgestellt werden konnte, ist deshalb beachtenswert, weil zu ihr eine noch zu besprechende lnv.-Nr. 249/7. Winkelmessung. 77 Höhenscheibe zur Messung von Höhenwinkeln sowie ein eigenes Zielzeichen, beide Markscheidergeräte mit der gleichen Auf stellhülse versehen, gehören. Obwohl aus späterer Zeit stammend, muß hier die Besprechung der sogenannten „Schmalkalder Bussole“ eingefügt werden, da sie ihrer Entwicklung nach zu den Zielkompassen gehört. Die Sclnnalkalder Bussole, auch Prismenkompaß genannt, ist insofern bemerkenswert, als die auf einer Pappscheibe oder einem Aluminiumring aufgetragene Teilung auf der Magnetnadel befestigt ist und sich daher mit ihr dreht. Die Teilung ist daher rechtsinnisch in Graden beziffert. Auf der Kompaßbüchse ist ein umklappbares Abschauen befestigt. Wenn man nun durch den Schauschlitz über das Haar hinwegzielt, sieht man gleichzeitig durch ein Prisma die unter dem Schauschlitz liegende Teilung und kann sie ablesen. Diese Art Bussole mit beweglicher Teilung wurde im Jahre 1812 von dem in London lebenden deutschen Mechaniker Schmalk alder erfunden und hat sich seitdem in manchen Mark- scheidereien, wo auch Forstbesitz zum Grubeneigentum gehört und die Bussole zur Ergänzung tachymetrischer Aufnahmen im Walde dient, erhalten. Zielbussole mit Zahnkreis und Meßrad. Bisher haben wir drei Arten von Zielkompassen, abgesehen von der Schmalkalder Bussole, kennengelernt, von denen zwei aus Deutschösterreich stammen. Ob vielleicht ein dem REiNHQLDschen Visierkonipaß ähnlicher Zielkompaß in alpenländischen Bergbauen einst angewendet wurde, muß dahingestellt bleiben. Im folgenden soll nun als ältestes, an der Leobener Lehrkanzel für Markscheidekunde aufbewahrtes Bussoleninstrument, eine Zielbussole mit Zahn kreis und Meßrad, 1 die aus dem Jahre 1746 herrührt und somit für diese Zeit den ersten Nachweis des aus Österreich stammenden Meßrades bringt, eingehender besprochen werden (Bild 60 und 61). Das Instrument ist aus Messing verfertigt und besteht aus einem halbkreisförmigen Lagekreis mit einem festen und einem beweglichen Winkelschenkel; beide Winkelschenkel tragen ein umklappbares Abschauen. Der bewegliche Winkelschenkel besitzt einen seitlich angebrachten Ring, in den eine Bussole eingesetzt wird. Der Lagekreis ist in 180° geteilt und nach beiden Richtungen von 0 bis 180 beziffert. Seine Teilung ist als Transversalteilung ausgebildet, so daß die unmittelbare Ablesung am Grundkreis der Zielbussole 10' beträgt und das Schätzen auf 1' noch möglich ist. Der Außenrand des Lagekreises ist als Zahnkreis ausgebildet, dessen Teilkreis 205 mm Durchmesser hat. Auf 10° des Zahnkreises kommen 5 Zähne, so daß einem Zahn 2° entsprechen. In diesen Zahnkreis greift nun ein kleines Zahnrad mit 10 Zähnen ein, in dieses wiederum ein zweites mit ebenfalls 10 Zähnen, das mit einem dritten Zahnrädchen, das einen Pfeil als Zeiger trägt und 5 Zähne besitzt, in Eingriff steht. Durch diese Übersetzung der Meßrädchen entsteht eine unmittelbare Ablesung von 9” mittels des Pfeiles an einer Kreisteilung, die auf einer kleinen Messingplatte, die die Zahnradübersetzungen bedeckt, angebracht ist. Dieser Teilkreis ist in 40 Teile geteilt und je 4 Teile sind zu einer dekadischen Einheit zusammengefaßt und von 1 bis 10 beziffert. Es entsprechen somit einer Einheit 1 Inv.-Nr. VC 63. 78 Die instrumenteilen Grundlagen. 02 Ö dieser Kreisteilung 36" oder einem Teilstrich als letzte, unmittelbare Able s u n g 9 S e k u n d en. Für- wahr, für die Mitte des 18. Jahrhunderts ein überraschendes Maß von Teilungsfeinheit! In Bild 60 ist das die Zahnräder bedeckende Messingplättchen, das auch in Gravierung eine nach oben sich etwas verbreiternde Ab- lesemöglichkeit der 10' betragenden Transversalmaßstabteilung des Lagekreises besitzt, der Deutlichkeit halber abgehoben gezeichnet. Weiter ist auch der anschließend an das Meßrad am beweglichen Winkelschenkel befestigte Kompaßring abgehoben gezeichnet und, wie die Meßradplatte, gesondert dargestellt. Auf dem bloßgelegten Winkelschenkel finden sich nun überraschenderweise der Name des Erfinders, der vielleicht auch der Verfertiger des Instrumentes war, sowie die folgende Jahreszahl eingraviert: ,,17 Apentena Antonyn Cajetan de Neigenfeind Engen 46“. Die Zielbussole stammt somit aus dem Jahre 1746 und ihr Erfinder Neigenfeind war, worauf die Abkürzung „Engen“ unter seinem Namen schließen läßt, Ingenieur, 1 1 Das Wort „Ingenieur“ stammt nicht von der lateinischen Bezeichnung „ingenium“ = Geist, Scharfsinn, Erfindung, ah, sondern vom Altitalienisch-Lateinischen „incignere“ = umgürten. Das Winkelmessung. 79 vermutlich österreichischer Festungsbauingenieur und Offizier, vielleicht in Oberitalien, in der Lombardei oder in Südtirol. Wahrscheinlich wurde das Instrument später in der Markscheiderei eines österreichischen Bergbaus verwendet, von wo es dann nach Leoben kam. Der Vollständigkeit halber ist noch zu erwähnen, daß beide Winkelschenkel, die übrigens eine schmückende Gravierung besitzen, an ihrer Innenkante eine Zollteilung haben, die von 0 bis 8 beziffert und in je 10 Teile unterteilt ist. Auch sind die beiden messingenen, umklappbaren Abschauen noch besonders hervorzuheben, da sie je ein aus dem Vollen herausgesägtes Anzielkreuz sowie darunter ein Schauloch besitzen und reiche Gravierung als schmückende Verzierung tragen. Sie sind mittels drei zierlich gearbeiteten Flügelschräubchen an den Winkelschenkeln befestigt. Als Drehpunkt der Winkelschenkel ist ein Knopf vorhanden, der nach unten hin als Hohlzapfen ausgebildet ist, so daß auf eine Stockaufstellung des Instrumentes oder eine Zapfenaufstellung auf einem Dreifuß geschlossen werden kann. Über die Arbeitsweise mit dieser Zielbussole wäre folgendes zu sagen: Man brachte offenbar beide Winkelschenkel in gestreckte Lage, befestigte die Bussole im Kompaßring so, daß die N—S-Linie parallel den Winkelschenkeln war und zielte nun, das Instrument im Zugpunkte aufgestellt, das Ziel an. Dann drehte man den beweglichen Winkelschenkel so lange, bis der Kompaß einspielte und bekam so unmittelbar die Meridianablesung! Eine ähnliche Zielbussole ist in den Sammlungen des Stiftes Kremsmünster enthalten. Auf ihr ist der Name Mathias Jakob Presl vermerkt. Das Instrument ist mit einem Kugelgelenk versehen, so daß nicht nur Lagewinkel, sondern nach seiner Umkippung auch Höhenwinkel gemessen werden konnten. Das Instrument besitzt daher einen kardanisch auf gehängten Kompaß, wie ein ähnlicher auch in der Leobener Sammlung * 1 aus der Zeit um 1780, als Teilstück eines nicht mehr vorhandenen Bussolenzielinstruments auf be wahrt ist. Das Kremsmünsterer Instrument konnte ich leider selbst nicht sehen. Auf unsere Zeit übergehend, stellt eine Weiterentwicklung dieser ersten uns erhaltenen und mit einem Meßrad ausgestatteten Zielbussole der um 1900 herausgekommene Zahnkreistheodolit von Heyde dar. An Stelle einer Kreisteilung hat der Kreisumfang des Teilkreises genau geschnittene Zähne — 1 Zahn entspricht hier 1° —, so daß der Zahnkreis selbst als Winkelmeßvorrichtung dient. Ein Schneckenrad mit einer Meßtrommel an der Seite liegt am gezahnten Teil- > kreis an und ermöglicht dadurch die Feinablesung. Eine Weiterbildung dieses Bild 61. Neigenfeindsche Zielbussole. Wort „encignerius“ bezeichnet einen Mann, der eine Stadt mit einem Festungsgürtel umgeben konnte. (Siehe auch F. M. Feldhaus, Die Technik der Antike und des Mittelalters, S. 277, Berlin 1931). 1 Inv.-Nr. VC 58. 80 Die instruinenteilen Grundlagen. Zahnkreistheodolits von Heyde stellen endlich der im Weltkrieg (1915) verwendete Ballontheodolit von Hartmann und Braun, sowie in aller jüngster Zeit verschiedene Meßinstrumente an F1 ugzeugahwehrgeschiitzen dar. Winkelweiser. Kehren wir wieder zum Ende des 17. Jahrhunderts zurück, zur Besprechung der Winkelweiser. Diese Instrumente sind bekanntlich eine Erfindung Nicolaus Voiotels, der in seinem schon mehrmals genannten Werke „Geometria subterranea" aus dem Jahre lÜStt (S. 25) schreibt: ,,£iu IPincf eblDeifer / uou polfce / barem jmev 21Teffinge einander parallel aufjgerid]tete Oijirlein sube- fiitben; mte auf beut Kupffer=23Iat IXo. 5. 511 feigen / beit man foitft l]auffen am Hage / meint btc 0rt*pflöcfer gefdjageu unb (Säuge abgenontmeu tuerben / sumalileu bev minbigten lüetter / feines meges entbehren fan: Sintemafyl berfelbe mit einer Sd^raubeit auff einem Itölfcernen Pflocfe fefte gemad^e / unb an beffen barunter gesogene Sdptur ober Seite ber Hontpag gelänget rnirb; nnb menu man ilpt fo lange Ijerumber bretpit / biß mir bas ZlTagnet^imglein bre Stunbe / mie id] fold]? in ber (Sruben gehabt / abfd]neibet / jeiget er mir bie £iuie / ^ in tr>eld]er id] mit ber Sdptur / iro es anbers nid]t | i3erge / palten 1 / ober (Sepüfdje (uff bergleid]eu fall fd]on unten Hrempel gelcl]ret merben follen) pcrljinbcrn / Bild 62. Winkelweiser aus der berausgebradpe Cadüer^abl abaeben fan." Mitte des 18. Jahrhunderts. Der Winkel weiser war somit ein Instrument, das hauptsächlich zum Zu 1 egen der Risse obertags und in natürlicher Größe diente und insbesondere bei windigem Wetter gute Dienste leistete. Ein hölzerner oder metallener Arm von etwa 25 cm Länge kann um eine kurze waagrechte Achse auf- und niedergekippt und in jeder Lage festgeklemmt werden. Die waagrechte Achse ruht in einem Lager, das seinerseits um eine lotrechte Achse drehbar ist. An den beiden Enden des Armes oben befindet sich eine Zielvorrichtung in Form eines Abschauens, unter diesem, der Zielachse gleichgerichtet, ist eine Schnur oder Saite straff gespannt, woran dann ein Hängekompaß oder auch ein Gradbogen gehängt werden kann. Der Winkelweiser allein ist nur ein einfaches markscheiderisches Hilfsgerät, mit dem Hängekompaß zusammen bildet er aber gleichsam eine mit einem Abschauen versehene Zielbussole und ist somit hier zu besprechen. Obwohl der Winkelweiser eine Erfindung des Mannsfeldischen Kupferschieferbergbaus ist — Voigtel war dort Zehendner, Bergvogt und Markscheider —, scheint sich das Instrumentchen rasch in alle Bergreviere Deutschlands verbreitet und auch in Österreich Eingang gefunden zu haben, da es in drei Stücken in der historischen Instrumentensammlung der 1 Halten = Halden. Winkelmessung. 81 Leobener Lehrkanzel für Markscheidekunde vertreten ist. 1 Im Österreichischen hieß der Winkelweiser „Koni paß Stäbchen“. Die in Leoben befindlichen Instrumente stammen aus dem 18. Jahrhundert und haben entweder, wie noch Voigtel angibt, ein hölzernes Richtscheit mit Messingdraht oder aber einen Messingarm, an dem auch die Schnur zur Aufhängung des Kompasses durch einen steifen Messingdraht ersetzt ist (Bild 62). Für diesen letztgenannten Winkel weiser war eine Spreizenaufstellung vorgesehen. Der Gebrauch des Winkelweisers war folgendermaßen: Statt eine Verziehschnur zu spannen und daran Hängekompaß und Gradbogen zu hängen, befestigte man den Winkel weiser an einem Stempel der Grubenzimmerung oder bei Obertagsmessungen oder -zulegungen auf einem Stockstativ und erfaßte mittels des Abschauens das Ziel. Abwechselnd wurden dann Hängekompaß und Gradbogen angehängt und das Streichen sowie Steigen oder Fallen der Sicht des Winkelweisers abgelesen. Der Winkelweiser hat sich in der Hand des Markscheiders ziemlich lange gehalten, besonders in Sachsen muß er beliebt gewesen sein. 1811 lobt ihn noch Studer. Gegen die Dreißigerjahre des vergangenen Jahrhunderts kam der Winkelweiser außer Gebrauch und fand 20 Jahre später, 1852, eine Wiederauferstehung in Form des RiTTiNGERschen Visierinstrumentes. Eine neuerliche Gestalt erhielt er 1879 in Form des Hangezeugs von F. W. Fuhrmann. 2 Aus einer Bemerkung J. G. Jugels 3 1744 geht hervor, daß man in eisengestörten Gruben den Winkelweiser so anwandte, wie später die Rit- TiNGERschen „Kreuzschnüre“, d. h. man maß mit dem Kompaß nicht magnetische Streichen, sondern Zugwinkel, diese aber in nicht vollkommen einwandfreier Weise, da sich beim Ablesen für den ersten und den zweiten Schenkel des Winkels der Kompaß an zwei verschiedenen Stellen des Raumes befand und somit verschiedenen AblenkungsVerhältnissen unterworfen war. Bussoleninstrument von Huber-Reichenbach. Die Leobener Lehrkanzel für Markscheidekunde besitzt ein etwa aus der Zeit um 1820 stammendes, wertvolles Bussoleninstrument in Form der Astrolabien 4 (Bild 63). Es ist aus Messing verfertigt und besteht aus einem halbkreisförmigen Lagekreis, auf dem mittig ein neigbares Abschauen mit Höhenkreis in Quadrantenform aufgesetzt ist. Der Lage- oder Grundkreis hat einen Durchmesser von 140 mm, ist in Grade geteilt und rechtsinnisch von 0 bis 180 beziffert. Er kann mittels eines Nonius, der vortragend und von 0 bis 10 beziffert ist, unmittelbar auf ein Zehntel Grad abgelesen werden. Auf der Fläche des Grundkreises ist eine Bussole in eine Vertiefung eingelassen. Der Kompaßring ist widersinnisch von 0 bis 360 geteilt und in ganzen 1 Inv.-Nr. VC 1, VC 8, VC 12. 2 P. Wilski, Markscheidekunde, 1. c., II., S. 119. 3 J. G. Jugel, Berg-, Bau-, Schmelzwesen und Markscheiden. Berlin 1744. — P. Wilski, Markscheidekunde II., S. 118. 4 Inv.-Nr. VC 54. Bild 63. Bussolen- instrumentvon Huber und Reichenbach aus der Zeit um 1820. Geschichte der Technik, 7. Heft. 6 82 Die instrumentellen Grundlagen. Graden ablesbar, wobei die 0—180er Richtung des Kompaßringes um ungefähr 100° gegen die 0—180er Richtung des Grundkreises verdreht ist. Am Boden der Kompaßbüchse sind die vier Weltrichtungen eingraviert, wobei die N—S-Linie neuerlich um etwa 4° gegen Osten von der Null-Linie des Stundenringes ab weicht; der Nordpunkt liegt demnach bei 356°, der Südpunkt bei 176°. Das Maß der Abweichung stellt die Mißweisung dar. Die Kompaßnadel kann durch ein Messingplättchen mit Schraube vom Stift abgehoben und geklemmt werden. Der Höhenkreisbogen hat einen Halbmesser von 75 mm und weist eine Gradteilung auf, die beiderseits, an der Lotrechten mit Null beginnend, bis 56° reicht. Die unmittelbare Ablesung, die somit sofort Höhen- und Tiefenwinkel ergibt, beträgt halbe Grade und erfolgt mittels eines festangebrachten Kennstriches. Das Abschauen ist mittig über dem Höhenkreisbogen angebracht und sowohl in bezug auf seine Ausführung als auch Lagerung normal ausgebildet, bis auf die waagrecht angeordneten Schauschlitze; es Hegt, wie erwähnt, zentrisch über dem Grundkreismittelpunkt. Die Aufstellung dieses Bussolenastrolabiums erfolgte auf einem Zapfenstativ mittels eines Messingringes und zwei zueinander senkrecht angeordneten Klemmschrauben. Das Instrument selbst liegt außermittig zum Messingring und kann durch ein Kugelgelenk an den Arm seines Unterbaues geklemmt und durch drei Stellschrauben waagrecht gestellt werden. Auf der oberen Fläche des Grundkreises sind die Namen des Erfinders und Verfertigers des Instrumentes mit folgenden Worten angegeben: „Entworfen von Fr. H. Huber, Ausgeführt von Reichenbach in Reichenhall.“ Wer Huber ist, könnte vieUeicht durch eine Sonderuntersuchung ermittelt werden. Der Name Reichenbach hingegen läßt auf Georg von Reichenbach , 1 den berühmten Erfinder der Tachymetrie und der Wassersäulenmaschine, schließen, dem obiges Bussoleninstrument gewiß keinen Abbruch seines Namens verursachen würde, wenn es von ihm verfertigt worden wäre. Reichenbach lebte zwar in München, doch ist auch ein zeitweiliger Aufenthalt im nahen Reichenhall nicht ausgeschlossen. VieHeicht war Huber ein Salinenbeamter oder Markscheider in Berchtesgaden. Die Zeit, aus der das Bussoleninstrument in Astrolabienbauart stammt, ist somit um das erste Viertel des 19. Jahrhunderts, etwa um 1820, anzusetzen. Ein ähnliches Bussoleninstrument mit dazugehörigem Stativ, etwa aus der gleichen Zeit und vom Kohlenbergbau Wölbling in Niederösterreich stammend, ist im Technischen Museum in Wien vorhanden. 2 Rittingers und Luschins Bussoleninstrumente. Die folgende Entwicklung der Bussoleninstrumente möge nun noch rasch an- gedeutet und das eine oder andere Instrument etwas näher beschrieben werden. Im Jahre 1851 erfand P. v. Rittinger ein Visierinstrument, das sowohl eine mit Dioptern ausgestattete Zielbussole, als auch eine Art Winkelweiser zur Aufhängung 1 Georg v. Reichenbach, geb. 1771 in Durlach, gest. 1826 in München. 2 Inv.-Nr. 9672. W inkelmessung. Entwicklungsreihe V. S3 Büffo/enin/tr umente 4Sß ReinfaoJds Vifierkompofa fet$kompah mit Jeit/kt) angebrachtem ' Ab je flauen Ha II/Iah ibji Set$kompafa mit mittig angebrachtem Abflauen Neigenfeind*fch e Zietbuffote mit Zahnkreis und tAe farad 11 v« Winkelweifer mit Hanqekompafft Nikelaut Voiqftl w Bu/foleninftrument von Huber - Reid)enbact) Rittingerr Vifierinftrument Plefiometer von Lufd)in Fernrofarkompafa von Kraft Du[[olentl)eodo/it a /^ ^ $****** ” Üuf/Ol' eines Gradbogens besitzt. Die Bussole ist auf einer Zulegeplatte zu befestigen und wird mittels eines Zapfens mit Kugelgelenk und Steckhülse auf einem hölzernen Dreifuß angebracht. Eigene hohe Zielgeräte standen beim RiTTiNGERschen Visierinstrument in Gebrauch. Das Technische Museum Wien besitzt ein solches in allen 6 * 84 Die instrumenteilen Grundlagen. seinen Teilen. 1 P. v. Rittinger war Montanist und österreichischer Sektionsrat und lebte 1811 bis 1872. Abgesehen von der schon vorhin besprochenen Schmalkalder Bussole stellt das Plesio meter von Luschin das jüngste und letzte Bussoleninstrument dar, bei dem noch ein Abschauen statt eines Fernrohrs angewandt wurde (Entwicklungsreihe V). Dieses „Plesiometer“ oder ,,Annäherungsmesser“ genannte Instrument 2 ist ähnlich einer Zulegeplatte gebaut, auf der sich eine Bussole mit langer Balkennadel befindet. Der Stundenring ist widersinnisch in 1 x24 Stunden und in 4x90° geteilt, wobei Ost und West als Nullpunkte bezeichnet sind. Ein am Kompaßstift aufgehängtes Pendel schwingt bei lotrechter Lage des schwenkbar angeordneten Kompasses an dieser Teilung vorbei. In der Mitte der Schmalseiten der Zulegeplatte ist ein abnehmbares Doppelabschauen angebracht, das Sichten bis zu 36° Steigung gestattet. Zur Waagrechtstellung des Instrumentes dienen zwei in einer runden Dose untergebrachte, senkrecht aufeinandergestellte und auf dem Zulegezeug befindliche Libellen. Schräg gegenüber dieser Libellendose ist ein rundes Messinggewicht als Ausgleich gegen das Libellengewicht angebracht. Die Zulegeplatte mit dem Kompaß ist auf einer Messingstange angeschraubt und um eine Achse drehbar, die von zwei Kniegelenken, die nach unten hin in eine Stativhülse übergehen, getragen wird. Aufgestellt wird das Instrument auf einem Dreifuß mit eigentümlich geformten Klauen an den Fußenden. Die Messung erfolgt obertags und bei nicht ablenkenden Verhältnissen in der Grube mit Springständen. Man zielt mit dem Kompaß, immer Nord voran, und verzeichnet das Streichen, biegt sodann die Kompaßplatte im unteren Kniegelenk um 90° herum, wodurch die Abschauen eine waagrechte Lage bekommen und bestimmt nun den Neigungswinkel nach beiden Zielrichtungen. Die Längenmessung erfolgt mit dem Meßband. Zum Einwägen bedient man sich zweier neben den großen Abschauen angebrachten kleineren Querabsehen. Im abgelenkten Gebirge arbeitet man mit dem Plesiometer von Stand zu Stand und mißt dabei die Scheitelwinkel wie bei der Kompaßmessung mit den Rittinger- schen Kreuzschnüren oder mit dem Hilfshängezeug von Reichelt. Das Plesiometer wurde um die Jahrhundertwende dort angewendet, wo es sich um rasch durchzuführende, bloß annähernd genaue Messungen handelte. Heute ist es in den Markscheidereien nicht mehr anzutreffen, sondern durch die einfachen ,,Steigertheodolite“ ersetzt. Fer n r oh rkom passe. Die Zieleinrichtungen der bisher besprochenen Bussoleninstrumente waren durch Abschauen, die zumeist aus Schauschlitz und Pferdehaar bestanden, gegeben. Seit Fraunhofers Zeiten ist an Stelle dieser Abschauen ein kippbares Fernrohr getreten, so daß wir Fernrohrkompasse vor uns haben. Diese sind zwar nicht allzu zahlreich verbreitet gewesen, doch gibt es auch einige österreichische Ver- 1 Inv.-Nr. 9672. 2 Das Plesiometer „Patent Luschin“. Ein compendiöses Instrument zur Durchführung gutangenälierter Meßoperationen im Bergbau- und Forstwesen. Osten*. Zeitschr. f. Berg- u. Hüttenw. XXXIX. Jg., Wien 1891, sowie Separatabdr. (Leoben, Lehrkanzel f. Markscheidekunde, Inv.-Nr. II, 357). Winkelmessung. 85 treter dieser Gattung, darunter einen Fernrohrkompaß von C. E. Kraft , 1 einem in Wien um die Mitte des vorigen Jahrhunderts lebenden Mechaniker. Das Instrument besteht aus einer Bussole von 86 mm Durchmesser mit widersinnischer Gradteilung und der Bezeichnung Ost und West vertauscht, wie bei heutigen Geologenkompassen; an der Bussole ist seitlich ein Fernrohr angebracht. Ein Gradbogen mit Aufhängeösen, in dieser Form einmalig und schon früher genannt, gehört dazu. Fernrohrkompaß und Gradbogen sind in einer Holzschachtel untergebracht und wurden offenbar auf einem Stativ aufgestellt und bei untergeordneten Messungen angewandt. Bussolen theodolite. Im Jahre 1854 baute Julius Weisbach seinen ersten, 16 Jahre später seinen zweiten Bussolentheodolit. 2 Heute sind Magnettheodolite mit fester oder aufsetz barer Bussole aus den Werkstätten zahlreicher Firmen im Handel und stehen nicht nur im Gebrauch des Forstmannes, sondern auch, wenn auch seltener, in der Hand des Markscheiders in Verwendung. Deklinatorien, wie von Schmidt-Neumayer oder von Fennel oder Borchers Magnetkollimator dienen magnetischen Feinmessungen im Markscheidewesen, denen im übrigen in letzter Zeit wiederum erhöhte Beachtung zugewendet wird. Wenn wir nun abschließend die besprochenen Bussoleninstrumente betrachten, so können wir eine Entwicklungsreihe V finden, die bei Reinholds Visierkompaß beginnt, über den Hallstätter und Wiener Setzkompaß mit Abschauen, N EiGENFEiNDsche Zielbussole und Winkel weiser zu den Bussoleninstrumenten von Huber, Rittinger und Luschin führt. Die Reihe der mit Dioptern ausgestatteten Bussoleninstrumente wird dann durch solche mit einem Fernrohr versehenen Instrumente abgelöst, die zeitlich zwar zurückgreift, aber entwicklungsorganisch anschließt und durch den Fernrohrkompaß von Kraft und die Bussolentheodolite von Weisbach als älteste und solche neuzeitlicher Bauart als jüngste gebildet wird. (Entwicklungsreihe V, Bussoleninstrumente.) Allen genannten Bussoleninstrumenten ist, wie noch kurz erwähnt werden soll, der Meßvorgang gemeinsam, denn jede Ablesung ergibt sofort das magnetische Streichen. Zielinstrumente ohne Bussole. Wie in den einleitenden Worten zum Abschnitt der „Bussoleninstrumente“ dargelegt wurde, wurden diese bloß als eigene Gruppe unter den Zielinstrumenten zusammengefaßt und gesondert besprochen. Es erübrigt sich daher nun, auf alle übrigen markscheiderischen Zielinstrumente, die keine Bussole besitzen, zurückzukommen und, soweit sie sich in ostmärkischen Sammlungen befinden, zu besprechen. Geometrisches Quadrat mit Abschauen. Das geometrische Quadrat mit Abschauen stellt eines der ältesten Instrumente in der Hand des Markscheiders und Feldmessers dar. Als selbständiges Instrument 1 Lehrkanzel für Markscheidekunde, Leoben, Inv.-Nr. VC 23. 2 Näheres über beide Theodolite bei P. Wilski, Markscheidekunde II., 1. c., 8. 123. 86 Die instrumentellen Grundlagen. kommt das geometrische Quadrat erstmals um das Jahr 1000 n. Chr. vor. Seine volle Bedeutung erlangt es durch Georg Purbach (1423 bis 1461), der es auch als Winkelmesser einführte (um 1450). 1 Die historische Instrumentensammlung der Leobener Lehrkanzel für Markscheidekunde besitzt ein solches geometrisches Quadrat mit Abschauen, 2 das etwa aus der Zeit um 1700 stammen dürfte (Bild 64). Ort der Herkunft und Hersteller des Instrumentes sind unbekannt. Das geometrische Quadrat ist aus Holz verfertigt und auf einem gedrechselten hölzernen Fuß aufgestellt. Es hat eine Größe von 204 X 204 mm und wird von einem breiten Messingrahmen umgeben. Dieser trägt an seinem Außenrande eine Grad- teilung, die an der Waagrechten mit Null beginnt und nach aufwärts und abwärts ansteigt. An der Innenseite des messingenen Rahmenlineals jedoch, sowohl am oberen und unteren Rande als auch an einem dazwischen befindlichen Verbindungslineal, ist eine regelmäßige Dezimalteilung mit der Bezifferung 0 bis 200 angebracht; am Vertikallineal beginnt sie in der Mitte und reicht beiderseits von 0 bis 100. Diese Bezifferung stellt vermutlich ein altes Grubenmaß (Lachter) dar. In der Mitte der linken Seite des geometrischen Quadrats ist ein 284 mm langes, 12 mm breites Visierlineal mit Abschauen befestigt, dessen Unterkante, da diese als Ziellinie dient, eine Teilung trägt. Eine Stellschraube kann das Höhenlineal in der Zielstellung festklemmen. Zum Zwecke der Lotrecht- stellung des Quadrats ist seitlich ein Pendelzeiger vorhanden. Auf der Rückseite der Holztafel ist ein Höhenkreisquadrant mit einem Eisenpendel angebracht, um auch Neigungen ohne Zielung messen zu können. Der Quadrant ist in 90° geteilt, mit Null an der Lotrechten beginnend. Die Ziffern sind vermutlich gestanzt, der Höhenkreis ist in das Holz eingerissen. Vergoldetes Zielgerät für Neigungsmessungen. Dieses aus dem Jahre 1599 stammende Zielgerät wurde bereits im Abschnitt „Wachsscheibenmethode“ besprochen (Bild 13). 3 Es ist ein 105 mm hohes Zielgerät, zum Aufsetzen, das ein kippbares, dünnes Schaurohr mit Augenblende davor besitzt 1 F. Schmidt, Geodätische Instrumente im Altertum und Mittelalter, S. 246, Neustadt a. d. Haardt 1935. 2 Inv.-Nr. VC 52. 3 Lehrkanzel für Markscheidekunde. Leoben, lnv.-Nr. VC 43. Bild 64. Geometrisches Quadrat aus der Zeit um 1700. mm sw; Winkelmessung. 87 und mit einem kunstvoll geformten und verzierten Pendel für Neigungsmessungen ausgestattet ist. Das hierzu vorgesehene Gradbogensegment weist merkwürdigerweise eine tg-Teilung auf und trägt zur Aufnahme von Ritzmarken auf der einen Seite eine Rille mit rotem, auf der anderen Seite eine Rille mit blauem Wachs. Das Gerät ist aus Messing verfertigt und vergoldet. Es ist schön ziseliert und trägt außer der genannten Jahreszahl 1599 die Anfangsbuchstaben des Verfertigers ,,C. T.“. Höhenwinkelmeßgerät mit Abschauen. Die Leobener Sammlung besitzt weiters ein ob seiner einfachen Ausführung bemerkenswertes Winkelmeßgerät, 1 das aus der Zeit um 1750 stammt und allem Anschein nach nur für Obertagsmessungen von Höhen winkeln in der Hand des Markscheiders war (Bild 65). Die Zeitbestimmung des Instrumentes konnte auf Grund der Ziffernform sowie gewisser Ähnlichkeiten in Bau und Ausführung mit der aus dem Jahre 1746 stammenden Neigenfeind sehen Zielbussole erfolgen. Das Winkelmeßgerät besteht aus zwei je 42 cm langen hölzernen Schenkeln, die mittels eines Gelenks miteinander verbunden sind. Der obere Winkelschenkel trägt an seinen beiden Enden je ein umklappbares Abschauen. Diese sind aus starkem Messingblech geschnitten; durch Aussägen der entsprechenden Zwischenräume ist ein schräggestelltes Sehkreuz hergestellt. Dieses Sehkreuz ist selbstverständlich auf dem einen Diopter oberhalb, auf dem anderen Diopter unterhalb des Schauloches angeordnet. Zur Winkelmessung dient ein viertelkreisförmiger, in 90° geteilter messingener Zahnkreis mit einem Zahnrädchen als Führung und Hemmung. Eisenscheiben mit Abschauen auf Stuhl. Die in einem früheren Abschnitte besprochenen Eisenscheiben waren bekanntlich Instrumente mit einer mechanischen Verkörperung der Winkelschenkel. Ein gewaltiger Schritt in ihrer Weiterentwicklung trat ein, als man den bisher gebräuchlichen Zeiger für den Schnurzug durch Anbringung eines Abschauens, sonach durch eine Ziellinie, ersetzte. In der Leobener Sammlung befinden sich zwei solcher Eisenscheiben mit Abschauen auf Stuhl, und zwar eine ohne und eine mit Höhenkreis. 2 Nach einer Angabe in den Sammlungsniederschriften stammen beide Instrumente aus Kitzbühel in Tirol. Es ist somit anzunehmen, daß die Anregung zu ihrer Entstehung von Tiroler Markscheidern ausging. Auf Grund der barocken Ausführungsformen sind beide Eisenscheiben als gleichaltrig anzusprechen und in die Zeit um 1780 einzureihen. Beide Instrumente sind aus Messing verfertigt. Da diese Tiroler Eisenscheiben für die Entwicklung der Markscheiderinstrumente, insbesondere Bild 65. Höhenwinkelmeßgerät mit Abschauen aus der Zeit um 1750. 1 Inv.-Nr. VC 51. 2 Inv.-Nr. VC 24a und b. 88 Die instrumenteilen Grundlagen. aber für die Geschichte des österreichischen Markscheidewesens geradezu einen E i n- m aligkeits wer t besitzen, so ist ihre eingehendere Beschreibung gerechtfertigt. Beide Eisenscheiben mit Abschauen auf Stuhl (Bild 66) bestehen aus einem Grundkreis, dessen Umfang als Zahnkranz ausgebildet und auf dem mittig eine Zielvorrichtung mit einer Alhidade drehbar angebracht ist. Die als Grundkreis dienende Messingscheibe hat einen Durchmesser von 240 mm und eine Stärke von 6 mm. Als Zahntrieb dient ein am Dreifuß befestigtes kleines Zahnrädchen mit Flügelschraube, das in ein unterhalb des Lagekreises fest angebrachtes Zahnrad von 150 mm Durchmesser eingreift. Vermittels dieses Zahntriebes kann der mit der Teilung versehene Grundkreis auf dem Stuhl verdreht werden. Die Teilung des Lagekreises ist rechtsinnisch in 24 Stunden, wobei jede Stunde in 16 Sechszehntelstunden unterteilt ist. Weiters trägt der Teilkreis die vier Welt- gegendbenennungen in abgekürzter lateinischer Bezeichnung, und zwar Nord und Süd mit Stunde 24 und 12 übereinstimmend, Ost mit hora 6, West mit hora 18 zusammenfallend. Auf dem Teilkreis sitzt nun mittig eine Zielvorrichtung mit einer Alhidade, die vermittels eines weiteren Zahnritzels, das in die Zahnteilung des Teilkreises eingreift, gegenüber diesem verdreht werden kann. Wir haben somit erstmalig an einem Markscheiderinstrument ein doppeltes Achsen- Bild 66. Eisenscheibe auf Stuhl aus derZeit system vor uns, eine Drehmöglichkeit um 1780. um e j ne lotrechte Achse, gesondert für den Teilkreis und für die Alhidade, wie sie uns heute bei jedem Theodolit (als Wiederholungstheodolit) als selbstverständlich entgegentritt. Die Alhidade ist als Doppelarm in schön barockem k ormensehwung ausgeführt und trägt zur Ablesung am Teilkreis an einer Seite ein mit einem radialen Faden bespanntes Fenster. Es ist somit nur eine Ablesemöglichkeit an den Eisenscheiben gegeben, durch welche, wie erwähnt, eine unmittelbare Lagewinkelablesung von einer sechzehntel Stunde erfolgen kann. Am anderen Ende trägt der Alhidadenarm außer dem genannten Zahnritzel noch eine Klemmvorrichtung als Festhaltemöglichkeit am Teilkreis. Die Zielvorrichtung besteht aus einem Abschauen, das bei beiden Eisenscheiben auf einem in anmutig geschwungenen Linien ausgeführten Träger kippbar angebracht ist. Die Form dieser Diopterträger an beiden Instrumenten, sowie auch der Alhi- dadenarme am Lagekreis, läßt auf Grund ihrer hochbarocken Ausführung einerseits, auf die Zeit um 1780 schließen, anderseits die Vermutung aufkommen, daß beide * £* ■ Winkelmessung. 89 Eisenscheiben aus gleicher Zeit und von gleicher Herkunft, wahrscheinlich sogar von ein und derselben Hand verfertigt sind. Die höhenkreislose Eisenscheibe besitzt an ihrem 270 mm hohen Ständer eine Senkeleinhängemöglichkeit in Form einer kleinen Bohrung oben und eines Domes am Fuß desselben. Die andere Eisenscheibe besitzt einen halbkreisförmigen Höhenkreis, der mit dem das Abschauen tragenden Hochkantlineal aus einem Stück verfertigt und an seiner Innenseite mit einem Zahnkranz versehen ist. Mittels eines Zahnritzels kann der Höhenkreis in der Lotebene verdreht werden. Er ist in 2x90° geteilt und besitzt eine Klemmvorrichtung. Die Bezifferung, von 5 zu 5 fortschreitend, beginnt mit Null an der Lotrechten. Die Höhenteilung ist als Transversalteilung ausgebildet und gestattet eine unmittelbare Ablesung von 15'. Für Höhen- und Tiefenzielungen wird somit unmittelbar der betreffende Winkel abgelesen. Die Oberkante des Höhenkreises weist zwei Schlitze auf, die offenbar zum Aufstecken einer Reitlibelle für das Einwägen oder einer Reitbussole für Kompaßzug in ungestörtem Gebiet, vorgesehen waren. Die Abschauen sind an beiden Instrumenten schön gearbeitet, bei der höhenkreislosen Eisenscheibe, bei der übrigens nur mehr ein Abschauen vorhanden ist, bestehen sie aus einem Schauschlitz, bei der Eisenscheibe mit Höhenkreis trägt das an der Seite des Alhi- dadenfensters befindliche Abschauen das Schauloch, das oberhalb der Grundkreisklemme befindliche, trägt das aus dem Vollen geschnittene Zielkreuz. Die Höhe des Ständers der Eisencheibe mit Höhenkreis beträgt 195 mm. Über die Auf Stellung dieser zwei Kitzbüheler Eisenscheiben wäre kurz folgendes zu sagen: Beide Instrumente befinden sich auf je einem 66 cm hohen hölzernen Stuhl mit drei Beinen. Zum Zwecke der besseren Beförderungsmöglichkeit der Instrumente ist jeder Fuß 16 cm unterhalb der Stuhlplatte abschraubbar. Um ein Verwechseln der achtkantigen Stativfüße beim Zusammensetzen zu vermeiden, sind sowohl jeder Fuß als auch jeder Beinstutzen an der Stuhlplatte mit der gleichen eingekerbten Marke versehen. Diese Marken bestehen aus folgenden Zeichen: Eisenseheibe mit Höhenkreis: Eisenscheibe ohne Höhenkreis: V V X = — = V V X = — = Jeder Stuhl hat weiters an seiner Unterseite in der Mitte eine Öse, um ein Senkel einhängen und das Instrument über einem Sohlpunkt einloten zu können. Der Meßvorgang mit beiden Eisenscheiben dürfte sich im ungestörten Gebiet folgendermaßen abgespielt haben: Nach Einstellen der Grundkreisablesung auf Null (Nord) vermittels der Zahnteilung, wurde das ganze Instrument auf der Stuhlplatte so lange verdreht, bis die oben aufgesetzte Kompaßnadel nach Nord zeigte. Bei Einstellung irgend eines Zieles ergab sich sodann an der Grundkreisablesung unmittelbar das magnetische Streichen. Im gestörten Gebirge war der Arbeitsvorgang mit der Eisenscheibe offenbar der, daß man an eine Richtung bekannten Streichens mit der Grundkreiseinstellung Null anschloß und den Winkel zwischen zwei Zielungen jedesmal ablas, ähnlich unserem heutigen Winkelmeßzug ober- oder untertags. Beide Eisenscheiben besitzen auch unterhalb des Drehpunktes ihrer Abschauen (mittig über dem Grundkreis) im Träger je ein Zielloch, so daß daraus geschlossen werden kann, daß beide Instrumente gleichzeitig sowohl als Zielinstrument als auch als Zielgerät verwendet werden konnten. 90 Die instrumenteilen Grundlagen. Schnellplan-Eisenscheibe. Mit diesem Namen belegte ich ein nur einmalig vorhandenes Markscheiderinstrument, das im Technischen Museum zu Wien aufbewahrt wird 1 und aus Hall in Tirol stammt (Bild 67). Es ist etwa in die gleiche Zeit wie die beiden vorher beschriebenen Kitzbüheler Eisenscheiben, demnach um 1780, einzureihen. Mit dem Namen ,,Schnellplan-Eisenscheibe“ wollte ich, ähnlich den heutigen „Tachygrapho- metern“, andeuten, daß das Instrument die Möglichkeit besitzt, gemessene Lagewinkel rasch, und zwar unmittelbar anstatt eines Ablesungsergebnisses auf Papier auf ge tragen zu erhalten. Anstatt nämlich die zu messenden Grundrißwinkel an einer Teilung abzulesen, wird die mittels eines am Höhenkreis kippbar angebrachten Abschauens festgelegte Ziellinie mit Bleistift auf einem kreisrunden Papier auf ge tragen, das mittig dem Lagekreis des Instrumentes aufgelegt wird. Das ,,Zu- legen“ der Ziellinie geschieht mittels eines doppelten Alhi- dadenarmes, dessen eine Seite als Ziehkante ausgebildet ist und an einer Seite eine Klemmschraube besitzt. Der Höhen- kreis ist in Grade geteilt, mit Null an der Lotrechten beginnend. An einer Seite besitzt das Instrument einen winzig kleinen, in einem rechteckigen Gehäuse untergebrachten Kompaß, der nur ganz untergeordneten Orientierungsmessungen gedient haben kann, da sich die Nadel nur um einige Grade aus der Nord-Südlinie bewegen konnte. (Dieser kleine Kompaß ist der erste Nachweis einer Kastenbussole.) Der Alhidadenarm weist an seinen Enden eine gekröpfte Verlängerung auf, so daß man ihn einerseits gut anfassen, anderseits dieses kleine Kompaßgehäuse überschritten werden kann. Eine im Höhenkreisständer befindliche Öse und ein Senkelring deuten an, daß die waagrechte Aufstellung des Instrumentes mittels eines eingehängten Senkels geschah. Die Schnell- plan-Eisenscheibe endigt in einen Zapfen, der drehbar in einer Steckhülse ruht und einen Zahntrieb zur Feineinstellung besitzt. Abschauen und Anordnung des Höhenkreisständers haben eine gewisse Ähnlichkeit in der Ausführung mit einer noch später zu besprechenden ,,Höhenscheibe“, die von einem Instrumentenmacher namens Jakob Strasser zu Hall in Tirol angefertigt wurde, so daß die Möglichkeit besteht, daß auch dieses einzigartige Markscheiderinstrument, die Schnellplan-Eisenscheibe, aus seiner Hand stammt. Besonders erwähnenswert ist noch die altertümliche Form des zeitgenössischen Stativs, worauf das Instrument aufgestellt ist, das durch seine kunstvoll gedrechselten, schmalen Beine auffällt, von denen eines fest angebracht und zwei beweglich angeordnet sind. Bild 67. Schnellplan- Eisenscheibe aus der Zeit um 1780. Astrolabien. Wir kommen nunmehr zur Besprechung der Astrolabien genannten Markscheiderinstrumente. Das Wort „Astrolab“ oder „Astrolabium“ stammt aus dem 1 Inv.-Nr. 9673. Winkelmessung. 91 Griechischen 1 und bezieht sich auf die ursprünglich astronomische Anwendung des Instrumentes. Die astronomischen Astrolabien waren hängend benutzte Instrumente mit Winkelteilung, Schattenquadrat und Diopterlineal auf der Rückseite, während die Vorderseite äußerst komplizierte Gravierungen der stereographischen Projektion der Himmelskreise und ein darüber drehbares Netz der Ekliptik und der wichtigsten Sterne aufwies, die zur mechanischen Auswertung der gemessenen Sternhöhen für verschiedene astronomische, astrologische und geographische Aufgaben dienten. Aus diesen Instrumenten entstanden mit der Zeit für geodätische und markscheiderische Zwecke und solche der Seeschiffahrt vereinfachte Instrumente, die nur mehr der ebenen Winkelmessung von Lagekreisen dienten, dann aber, unter Beibehaltung des Namens, mit Vorrichtungen zur Messung von Höhenkreisen versehen wurden. Das erste markscheiderisch verwendete Astrolabium oder „Scheibeninstrument“ ist uns durch den sächsischen Markscheider August Beyer in seiner 1749 zu Schneeberg i. Sa. erschienenen „Markscheidekunst“ überliefert. Es besteht aus einem ringförmigen Teilkreis, auf dem darauf verdrehbar zwei Diopter angeordnet sind. Ein solches Astrolabium aus etwas späterer Zeit und aus dem Salzbergbau Aussee stammend, besitzt das Technische Museum in Wien. 2 Das Instrument ist in Messing ausgeführt und besitzt eine dreifache Teilung. Es hat einen vollen Teilkreis von 220 mm Durchmesser, der rechtsinnisch in 2 X 180° und in 1 X24 Stunden sowie widersinnisch in 2 X 180° geteilt ist. Die unmittelbare Ablesung an den Grad- teilungen beträgt 30', diejenige an der Stundenteilung eine sechzehntel Stunde. Der Teilkreis ist waagrecht auf einer Steckhülse befestigt und wurde somit mittels eines Zapfenstativs auf gestellt. Auf dem Teilkreis ist drehbar ein Alhidadenarm mit Abschauen angebracht. Die Zeit, aus der das Instrument stammt, ist für 1780 bis 1800 anzusetzen. Aus den Astrolabien mit einem vollen, 360° betragenden Teilkreis, entwickelten sich durch Weglassung einer Hälfte neue, als „einfache Astrolabien“ zu bezeichnende Instrumente. Die Sammlung des Leobener Markscheideinstituts besitzt zwei solche „einfache Astrolabien“ 3 , welche aus der Zeit um 1780 bis 1800 stammen (Bild 68). Das eine Instrument trägt die Inschrift „Brüder Voigtländer in Wien“, das andere den Namen ,,J. C. Voigtlander in Vienne“. Die Astrolabien bestehen aus einem in Messing ausgeführten, halbkreisförmigen 1 F. Schmidt, Geodätische Instrumente und Verfahren im Altertum und Mittel- alter, 1. c., S. 257. — Bei den Griechen lautete der Name „Astrolabos“, bei den Arabern „al-asturlab“, und wird meist hergeleitet vom griechischen astron, Stern, und lambano, ich fasse, ergreife. — F. Schmidt bringt eingehende Mitteilungen über die alten astronomischen und geodätischen Astrolabien, 1. c., S. 253 bis 277. — Auch A. Rohde, Die Geschichte der wissenschaftlichen Instrumente am Beginn der Renaissance bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts, Leipzig 1923, bringt mehrere Abbildungen alter astronomischer Astrolabien. 2 Inv.-Nr. 9663/1. 3 Leobener Markscheide-Institut, Inv.-Nr. VC 56a und b. Bild 68. Einfaches Astrolabium aus der Zeit um 1780. 92 Die instrumenteilen Grundlagen. Lagekreis von 365 mm Außendurchmesser, an welchem in der Richtung 0—180° ein Abschauen mit Schauschlitzen fest angebracht ist, während ein zweites Abschauen an einer Alhidade verdrehbar angeordnet ist. Die unmittelbare Ablesung am Grundkreis beträgt 10', vermittels einer Skala an der Alhidade 2'. Ein Instrument hat die Skala außen angebracht, das andere nach innen gerichtet. Entwicklungslogisch muß es nun auch ein markscheiderisches Astrolabium gegeben haben, das, wie eines der beiden soeben beschriebenen Astrolabien, aus einem halbkreisförmigen Grundkreis bestand, auf dem dann ein Höhenkreis mit Abschauen angebracht war. ln den mir bekannten Sammlungen ist keine solche Ausführung vorhanden, doch entspricht ihr im Grundsatz zum Beispiel vollkommen das unter den Bussoleninstrumenten im vorigen Abschnitt beschriebene Instrument in Astrolabienbauart von Huber-Reichenbach , 1 2 das aus der Zeit um 1820 stammt und auf das hier der Vollständigkeit halber verwiesen wird. (Bild 63.) Eine neue, letzte Form der im österreichischen Markscheidewesen in Verwendung gestandenen Astrolabien stellt das folgende, entwicklungsgeschichtlich äußerst wertvolle und wichtige Instrument dar. Es ist dies ein in der Leobener Sammlung befindliches Astrolabium mit Höhenkreis und Hilfsabschauen am Grundkreis (Bild 69). Da es gewissermaßen einen Abschluß in der Entwicklungsreihe der markscheiderischen Astrolabien bildet, rechtfertigt sich seine eingehende Beschreibung. Zur Lagewinkelmessung ist ein Halbkreis von 335 mm Durchmesser vorhanden, der in 20' geteilt ist und mittels einer Skala auf dem Alhidadenarm auf beiden Seiten auf 2' unmittelbar abgelesen werden kann. Der Grundkreis ist sowohl rechtsinnisch als 'auch widersinnisch von 0—180° beziffert. In fester Verbindung mit dem Lagekreis ist unterhalb dieses ein um eine waagrechte Achse kippbares Abschauen angeordnet, das auf der Einblickseite ein in einer Schlittenführung waagrecht verschiebbares Plättchen trägt, worin sich die Schauöffnung befindet. Dieses Abschauen liegt parallel zur 0—180°-Linie des Lagekreises. Dieser ist samt der auf ihm befindlichen Zielvorrichtung durch eine Sehnenschraube feineinstellbar, wobei letztere auf einen mit dem Zapfenunterbau fest verbundenen Arm wirkt. Ober dem Lagekreis ist mittig eine Zielvorrichtung, lotrecht über dem Kreismittelpunkt drehbar, angeordnet. Sie besteht aus zwei Abschauen, die beiderseits ein Ziel- und Schauloch besitzen, wobei die Form des Zielloches, das aus zwei rechtwinkelig angeordneten, aber nicht bis zur Mitte reichenden Keilzacken besteht, bemerkbar ist, so daß der Zielpunkt frei bleibt. Dieses Abschauen wird von der oberen Kante des verlängerten Durchmessers eines als Halbkreis ausgebildeten Höhenkreises getragen. Dieser ist in 2x45° geteilt, mit Null in der Lotrechten beginnend, und gibt daher unmittelbar Höhen- bzw. Tiefenwinkel an. Ein Kennstrich 1 Leobener Sammlung, Inv.-Nr. VC 54. 2 Inv.-Nr. VC 57. Bild 69. Astrolabium mit Höhenkreis und Hilfsabschauen am Grundkreis, aus der Zeit um 1800. Winkelmessung. 93 erlaubt eine unmittelbare Ablesung am Höhenkreis auf 1 j 2 Grad, eine Schätzung auf 1 / 10 Grad ist noch möglich. Die Kippung der Zielvorrichtung wird durch ein Zahnritzel bewerkstelligt, das in dem als Zahnkranz ausgebildeten Innenteil des Höhenkreises eingreift. Höhenkreis und Abschauen sind vom Grundkreis abnehmbar. Das Astrolabium, das ganz aus Messing verfertigt ist, ist für Dreifußaufstellung auf einem Zapfenstativ eingerichtet. Es ist vermittels eines Kugelgelenkes und einer Klemmschraube aufzustellen. Zur Waagrechtstellung wurden wahrscheinlich Se'tz- libellen verwendet. Das Instrument besitzt auf dem Träger des Höhenkreises einen Körner, so daß seine Einlotung unter einem Firstpunkt in der Grube möglich war. Am Grundkreis ist der Name des Herstellers ,,Voigtländer Wien“ eingeritzt. Das Instrument stammt aus der Zeit um 1800 und hat zweifellos einen hohen Seltenheitswert. Seine doppelte Zielvorrichtung ist ähnlich wie beim alten Quadranten, dem einstigen Hauptinstrument für geodätische Vermessungen. Spezialinstrument mit zwei Fernrohren und zwei Dioptern nach Art der Astrolabien. Ein in seinen Zwecken nicht mehr erkennbares, aus dem Jahre 1794 stammendes Spezialinstrument mit zwei Fernrohren und zwei Dioptern besitzt die Lehrkanzel für Markscheidekunde in Leoben 1 (Bild 70). Das Instrument besteht aus einem messingenen Grund- kreis von 290 mm Durchmesser, dessen rechtsinni- sche Teilung 360°, durchlaufend beziffert von 10 zu 10 Graden, beträgt und auf dem die Bezeichnung ,, Py ref inch London“ angebracht ist. Auf diesem Lagekreis sind zwei verdrehbare Fadendiopter angeordnet. Das eine Abschauen besitzt beiderseits eine Unterteilungsskala, mit der auf 1 / 12 Grad bis 5 Minuten unmittelbar abgelesen werden kann. Uber diesem ersten Diopter ist ebenfalls verdrehbar ein zweites Fadendiopter ohne Skalen-, nur mit Strichablesung, angebracht, das zwei Fernrohre trägt. Die Strichmarken dieses Ab- schauens haben die Bezifferung 180 und 3dt). Die beiden Fernrohre können um eine lotrechte Achse gedreht, um eine waagrechte Achse gekippt und in einem Messingring klemmend verschoben werden. Beide Fernrohre sind astronomisch und weiters waagrecht (normal zur Richtung zum Diopter) vermittels zweier kleiner Schrauben zu verstellen. Auf dem ersten Fadendiopter ist durch einen Schlitz ein Kreisbogenstück aus Messing verschiebbar angebracht, das in seiner Stellung durch eine Schraube geklemmt werden kann. Am Fernrohrträger sind die Worte eingraviert: Amandus Gasto Comes ä Mottet invenit Christianus Wilhelmus Voigtlaender fecit Ao 1794. Bild 70. Spezialinstrument mit 2 Fernrohren und 2 Abschauen nach Art der Astrolabien von Gasto und Voigtländer aus dem Jahre 1794. 1 Inv.-Nr. VC 53. 94 Die instrumentellen Grundlagen. Wir wissen somit die Namen des Erfinders und des Herstellers dieses merkwürdigen Instrumentes. Das Ganze war offenbar noch auf irgend einer Unterlage aufzuschrauben. Der Zweck des Instrumentes, insbesondere die Arbeitsweise damit, sind jedoch völlig unklar. WS Bild 71. Höhenscheibe mit Doppelabschauen aus der Zeit um 1780. ( 2 U der nat. Größe.) H öhenscheiben. Markscheiderinstrumente, die bloß der Messung von Höhen winkeln dienten, sind uns ebenfalls in einigen älteren Ausführungen erhalten. Ich nenne sie, zum Unterschied von den Kippregeln, denen sie ähnlich sehen und die keinen Höhenkreis kennen, Höhenscheiben. Sie wurden offenbar nur im Verein mit Zielbussolen Winkelmessung. 95 verwendet. Mit diesen wurden die Lage^winkelmessungen ausgeführt, mit jenen die Höhenwinkel festgelegt. Solch getrennte oder besondere Instrumente für die Messung von Höhenwinkeln scheinen gegen Ende des 18. Jahrhunderts mehrfach in österreichischen Bergbauen in Verwendung gestanden zu sein. Bergrat Riedl überliefert uns auf einer seiner Zeichnungen eine Höhenscheibe mit 1) o p p e 1 a b s c h a u e n, die nach seiner Angabe aus Bleiberg in Kärnten stammt und für die Zeit um 1780 anzusetzen ist (Bild 71). Ein um eine waagrechte Achse kippbarer Halbkreis dient als Höhenkreis und trägt an seiner Oberkante ein Doppel- abschauen, so daß er für flache und steile Zielungen geeignet ist. Der Ständer trägt ein Senkel zum Zweck der Lotrechtstellung und ist für Hülsenaufstellung auf einem Zapfenstativ eingerichtet. Zu dieser Bleiberger Höhenscheibe gehörte die auf S. 76 besprochene Bleiberger Zielbussole. Zu beiden Instrumenten gehörte ein eigenes Grubensignal mit gleicher Aufstellhülse, ähnlich *dem in Bild 76 wiedergegebenen, so daß für Zielinstrument und angezieltes Zielzeichen eine Zwangszentrierung gegeben war. Eine andere Höhenscheibe aus etwas früherer Zeit befindet sich im Technischen Museum zu Wien 1 und stammt laut einer gravierten Inschrift von ,,Jakob Strasser in Hall“ in Tirol aus dem Jahre 1776 (Bild 72). Sie besteht aus einer auf einer Auf stellplatte befestigten Säule, auf der um eine waagrechte Achse kippbar ein Abschauen mit einem Höhenkreis angebracht ist. Für Meßtischaufnahmen erscheint dieses Instrument nicht geeignet, da ihm Ziehkanten längs der Auf Stellfläche fehlen. Es kann somit nur für Höhenwinkelmessungen allein gedient haben. Jakob Strasser war vermutlich Markscheider am Haller Salzberg. Nun bleiben noch zwei Zielinstrumente zu besprechen, ehe auf das letzte und wichtigste Instrument, den Theodolit, eingegangen werden kann. Es sind dies die ZoLLMANNsche Scheibe und das RiTTiNGERsche Visierinstrument. Y Bild 72. Höhenscheibe von Jakob Straßer aus dem Jahre 1776. Bild 73. Zollmann- sche Scheibe für Markscheiderei aus dem Jahre 1779. Die ZoLLMANNsche Scheibe. Das Technische Museum Wien besitzt in seiner bergbaugeschichtlichen Sammlung ein Instrument, die ,,ZoLLMANNsche Scheibe für Markscheiderei“ 2 (Bild 73). Es besteht aus einem quadratischen Hartholzbrett von den Seitenlängen 265 X 265 mm, in dem ein messingener Stundenring versenkt angebracht ist. Dieser Stundenring ist widersinnisch in 1 X 12 „Doppelstunden“ geteilt und mit 30 mm großen römischen Zahlen beziffert; die unmittelbare Ablesung beträgt eine Viertel- Doppelstunde. In der Richtung VI bis XII ist ein Absehen aus Messing fest ange- 1 Inv.-Nr. 5176/9c. 2 Inv.-Nr. 9670. 96 Die instrumenteilen Grundlagen. bracht. Ein um den Mittelpunkt der Scheibe schwenkbarer Alhidadenarm besitzt ebenfalls ein Absehen und trägt an einer verbreitetten Stelle die Inschrift : Moser Prao 1779 Es sind uns somit der Name des Erfinders und des Herstellers, sowie Ort und Jahreszahl der Anfertigung des Instrumentes überliefert. Das hölzerne quadratische Brett ist auf einem mit Gelenken versehenen, 1,30 m hohen Dreifuß aufgestellt. Welchen Vorteil die Teilung in 12 Doppelstunden haben soll und wie mit dem Instrument gearbeitet wurde, konnte nicht ermittelt werden. Rittingers Visierinstrument mit Gradbogen. Dieses aus dem Jahre 1851 stammende Instrument wurde bereits im Abschnitt der Bussoleninstrumente erwähnt, da es auch mit einer Zielbussole ausgerüstet werden kann. Als reines Zielinstrument aber ist es vollkommen ähnlich einem Winkelweiser gebaut (Bild 74). Es ist, wie ebenfalls erwähnt, im Technischen Museum in Wien 1 vorhanden. Das RiTTiNGERsche Visierinstrument besteht aus einem 400 mm langen Arm, der an seinen beiden Enden ein Abschauen trägt und an dem unterhalb ein messingenes „Kompaßstäbchen“ befestigt ist. Der Arm ist in seiner Mitte um einen zum Aufstellbiigel gehörigen waagrechten Zapfen kippbar und kann mittels einer Elügelschraube in der angezielten Richtung festgeklemmt werden. Das Instrument ist auf einem hölzernen Dreifuß von 1,10 m Höhe aufgestellt. Die Beine sind in halber Höhe abschraubbar. Um mit dem RiTTiNGERschen Visierinstrument zu arbeiten, wurde an das „Kompaßstäbchen“ ein Gradbogen gehängt und nach Anzielung einer dazugehörigen Zielscheibe der Höhenwinkel abgelesen. Das Streichen einer Zugseite wurde mit dem RiTTiNGERschen Visierkoni paß bestimmt. Ein dazugehöriges Ziel- gerät wird noch besprochen werden. Bild 74. Rittingers Visierinstrument m. Gradbogen a. d. Jahre 1851. Bild 75. Catageo- labium von Giuliani aus dem Jahre 1798. Links unten das dazugehörige Zielgerät, rechts unten der vierbeinige Aufstellstuhl. (Nach P. Wilski, Markscheidekunde 1., S. 122.) Der Theodolit. Als Markscheiderinstrument trat der Theodolit 2 die unmittelbare Nachfolge der Eisenscheibe und Astrolabien an. Paris von Giuliani war der erste, der 1798 einen Theodolit für Grubenmessung vorgeschlagen hat (Bild 75). Ob sein „Catageo- 1 Technisches Museum Wien, Inv.-Nr. 9671. 2 Das Wort „Theodolit“ stammt aus dem Arabischen, es enthält den englischen •Artikel the, den arabischen Artikel al und das arabische Hauptwort „alhidada“ — Zeiger- kreis. Die Verballhornung mit dem doppelten Artikel entstand in England bereits im Winkelmessung. 97 labium“ genanntes Instrument aber jemals ausgeführt wurde, ist ungewiß. Das Fernrohr stellt einen wesentlichen Bestandteil des Theodolits dar. In größerem Umfang konnten Theodolite erst Verbreitung finden, nachdem Fraunhofer die Kunst gelehrt hatte, billige kleine optische Linsen zu schleifen, so daß nunmehr Fernrohre für die Messungszwecke der Feldmesser und Markscheider möglich waren. Fraunhofers Arbeitsgefährte, Georg v. Reichenbach, wandte als erster drei Stellschrauben zur Theodolitaufstellung an. Julius Weisbach machte 1851 in seiner „Neuen Markscheidekunst“ die Markscheider mit dem Gebrauch des Theodolits bekannt. 1 Die allgemeine Einführung des Theodolits in die Grube beginnt somit um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Über die Geschichte des Fernrohrs wissen wir, daß die Optiker und Brillenmacher Zacharias und Johann Jansen in Middelburg in Holland 1590 ein Fernrohr gebaut hatten und es über Wunsch des Prinzen Moritz von Nassau geheimhielten, ln ihrem Geschäft war der Glasschleifer Lipperhey tätig, der sich später selbständig machte und 1609 Fernrohre in den Handel brachte. Hiervon erfuhr 1610 Galilei und baute sogleich ebenfalls ein derartiges Fernrohr. 2 Dieses holländische oder GALiLEische Fernrohr hat bekanntlich als Objektiv eine Sammellinse, als Okular eine Zerstreuungslinse. Es ist im Markscheidewesen nicht üblich geworden. Der Astronom Johannes Kepler gab ein Fernrohr an, das sowohl als Objektiv als auch als Okular eine Sammellinse besitzt. Diese Art Fernrohr heißt heute KEPLERsches Fernrohr. Die Fernrohre Galileis und Keplers waren noch ohne Fadenkreuz. 1630 brachte Francesco Generini als erster eine Art Fadenkreuz in das Fernrohr. 3 Im 18. Jahrhundert wurde das KEPLERsche Fernrohr noch durch die Verwendung von je zwei Linsen für das Objektiv und Okular verbessert und ein solches Fernrohr wird heute als geodätisches Fernrohr bezeichnet. Für astronomische Zwecke wurde das Fernrohr seit Kepler und Galilei verwendet, für geodätische Messungen aber, wo es sich um leichte, handliche Instrumente handeln mußte, vergingen 200 Jahre, bis der erste brauchbare Theodolit durch Georg von Reichenbach um 1804 entstand. Die ersten Theodolite hatte der Engländer J. Ramsden 1783 gebaut und gegen Ende des 18. Jahrhunderts wieder mehrfach verbessert. Heute ist der Theodolit (Bild 102) zum unentbehrlichsten Instrument in der Hand des Markscheiders geworden und seine Ausführungsformen, seine Bedeutung oder seine Meßverfahren schildern zu wollen, hieße Wasser ins Meer tragen, angesichts der Tatsache ausgezeichneter Lehrbücher, Sammlungeu und Schulungsmöglichkeiten jedes Bergingenieurs und Markscheiders. 4 16. Jahrhundert. (Nach Poggendorf, Annalen der Physik u. Chemie, Bd. 133, S. 192 u. 349, u. Mitteilung von F. Aubell). 1 P. Wilski, Markscheidekunde I., 8.78. 2 P. Wilski, Markscheidekunde I., S. 52. 3 J. A. Repsold, Zur Geschichte der astronomischen Meßwerkzeuge von Purbach bis Reichenbach 1450 bis 1830, S. 41, Leipzig 1908. 4 Bloß als Anmerkung sei auf einige Besonderheiten hingewiesen. Die Repetitionsmessung wurde bereits von Tobias Mayer d. Ält. für Astrolabien 1782 erfunden, um den Teilungsfehler auszuschalten, und von Weisbach und Gauss auf die Theodolitmessung ausgedehnt. — Die Leobener "Sammlung besitzt einen Tachymetertheodolit von E. Schneider aus der Zeit um 1885 mit verschiebbarer Ziellinie im Fernrohr. Zahlreiche Geschichte der Technik, 7. Heft. 7 98 Die instrumenteilen Grundlagen. Entwicklungsreihe VI. Z ielinftrumente Eieometrifcfes Quadrat mit Abfchauen V+n Purbtxct) * ' Ziel gerat für Neigungimeffung Win kelmef gerat mit Abflauen Eifenfd)eibe mit Abflauen auf Stufe ohne Höfen kreis Ei[zn[d>eibe mit Abflauen auf Stufe mit Höfenkreis 1*99 Aftro/abium ober Scheiben in ftrument Einfaches Aftrotabium «m iftQ HÖbenkreisinftrument von lakok ftroßcr Schnellplan-Eifenfcheibe um 1?. Aftro/abium mit Höben kreis um -ISO Aftrolabium mit Höhen kreis und Hilfsdiopter am ^rundkreir Theodolit (*«• icbenbach ) Wenn wir sonach die Entwicklung der mit keiner Bussole ausgestatteten markscheiderischen Zielinstrumente abschließend überblicken, so können wir obige neuzeitliche Gmbentheodolite bis zu den modernsten Doppelbildtaehymetern sind ebenfalls vorhanden. Winkelmessung. 99 Entwicklungsreihe VI aufstellen (Entwicklungsreihe VI, Zielinstrumente): Neben verschiedenen alten Zielgeräten, wie dem geometrischen Quadrat mit Abschauen und anderen Winkelmeßgeräten mit Dioptern sind es die Eisenscheiben und Astrolabien, die einerseits von der Kitzbüheler Eisenscheibe mit Abschauen auf Stuhl ohne Höhenkreis über diejenige mit Höhenkreis zur Schnellplan-Eisenscheibe führen, anderseits vom Astrolabium oder Scheibeninstrument Beyers über das einfache Astrolabium zum Astrolabium mit Höhenkreis und endlich zu einem markscheiderischen Astrolabium mit Höhenkreis und Hilfsdiopter am Grundkreis 1 reichen. Nur für Höhenwinkelmessungen dienen sogenannte Höhenscheiben, mir für Richtungsfestlegungen sind die Kippregeln 2 mit Diopter oder mit Fernrohr zu erwähnen. Alle diese genannten Zielinstrumente werden abgelöst und gekrönt durch die Einführung des Theodolits und Grubentheodolits in das Markscheidewesen, dessen hundertjährige allgemeine Verwendung im Bergbau in etwa einem Jahrzehnt zu feiern sein wird. Zielgeräte. Die älteste Form eines markscheiderischen Zieles ist ohne Zweifel das Licht einer Grubenlampe gewesen, die möglichst mittig auf dem anzuzielenden Punkt aufgestellt oder davor hingehalten wurde. Die Flamme des Grubengeleuchtes dürfte sonach mehrere Jahrhunderte lang bei bergmännischen untertägigen Messungen als Ziel gedient haben. In späterer Zeit war es auch ein Nagel, der in die Firste geschlagen und woran ein Senkel befestigt wurde. Hier diente die Schnur als Ziel. Man erinnere sich an ein früher besprochenes Astrolabium, das am Höhenkreis einen Körner besitzt. Nägel oder „Eisen“ als Markscheidermarken sind aus der Mitte des 16. Jahrhunderts aus dem „Schwazer Bergbuch“ mehrfach bezeugt, dürfen aber mit „Zielen“ nicht verwechselt, sondern können nur als markscheiderische Festpunktmarken angesehen werden. Es muß schon verhältnismäßig frühzeitig den alten Markscheidern aufgefallen und zum Bewußtsein gekommen sein, daß eine der häufigsten und schlimmsten Fehlerquellen beim Winkelmeßzug in der Außermittigkeit liegt, die zwischen dem Mittelpunkt des Zielinstrumentes und dem Zielpunkt des Grubensignals auf tritt, wenn beide nacheinander auf ein und demselben Zugpunkte auf gestellt werden. Mit der Erfindung des ersten Markscheiderzielgerätes oder Zielzeichens entstand somit die erste Zwangszentrierung, die diesen Fehler ausschaltete. Mit Genugtuung kann festgestellt werden, daß mir zwei aus dem 18. Jahrhundert stammende Markscheiderzielgeräte bekanntgeworden sind und somit die Anwendung von Zielgeräten bei markscheiderischen Messungen 1 Auch der BoRDAsche Kreis hatte ein Hilfsfernrohr. Mit dem BoRDAsehen Kreis wurden räumliche Winkel gemessen, er hatte keinen Grundkreis, aber ein Hilfsfernrohr. 2 Die Leobener Sammlung sowie das Technische Museum Wien besitzen je eine Kippregel mit Fernrohr und mit Abschauen (Inv.-Nr. VC 55 und 9677/7). Es sind dies Instrumente auf Linealstativen von beachtlicher Länge, die Wiener Kippregel (um 1800) hat ein Diopter mit Lang- und Querschlitz, die Leobener Kippregel (um 1850) besitzt Diopter und ein terrestrisches Fernrohr mit Schlitzblende beim Okular. Die Fernrohrachse fällt mit der Ziehkante des Lineals zusammen. Verwendungszweck: Meßtischaufnahme; also nichts Markscheiderisches. 100 Die instrumentellen Grundlagen. überhaupt wie auch' die Einführung der Zwangszentrierung als österreichische Erfindung angesprochen werden kann. Die Leobener markscheidekundliche Sammlung besitzt ein in Bild 76 dargestelltes Zielgerät, 1 das etwa aus der Zeit um 1750 stammt, wie aus einer daran an- BiId 76. Markscheider-Zielgerät aus der Zeit um 1750. ( l lz der nat. Größe.) gebrachten rosettenartigen Gravierung festgestellt werden konnte. Es besteht aus einer kreisrunden Scheibe mit einem kleineren und einem größeren Zielloch, die an 1 Inv.-Nr. YC 44. Winkelmessung. 101 einem Ständer mit Senkel befestigt ist, der seinerseits wieder eine Hülse für Zapfen - aufstellung besitzt. Das Gerät ist aus Messingblech verfertigt und hat eine Gesamthöhe von 255 mm. Das kleinere Zielloch diente für Nahzielungen, das größere für weite Zielungen. Das kleinere Zielloch ist durch eine kleine Klappe verdeckbar. Ein zweites Zielgerät aus etwas späterer Zeit, um 1780 und aus ßleiberg in Kärnten stammend, ist uns durch eine Zeichnung des Bergrates Riedl überliefert. Es ist ähnlich dem vorbeschriebenen Zielgerät gebaut, nur etwas größer und besitzt zwei kleine Ziellöcher von gleicher Größe, die ebenfalls durch eine runde Klappe verdeckt werden können. Durch die zwei lotrecht übereinander angeordneten Ziellöcher war somit eine kurze dunkle Senkrechte zum Anzielen gegeben, wenn man hinterbei das Grubengeleuchte hielt. Die zugehörigen Zielinstrumente mit Hülsenaufstellung auf einem Zapfenstativ sind vom ersten Zielgerät nicht bekannt, zum zweiten gehört die im Bild 71 dargestellte, gleichfalls aus Bleiberg stammende Höhenscheibe mit Doppelabschauen, da sie die gleiche Hülse wie das Zielgerät besitzt und der dazu passende Zapfen mit Klemmschrauben uns überliefert ist. Eine ganz ähnliche Höhenscheibe mit einem eigenen Zielgerät befindet sich an der Bergakademie zu Freiberg i. Sa. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts veröffentlichte P. v. Giuliani in seiner Markscheidekunst (1798) ein Instrument namens „Catageolabium“, in dem wir den ersten Versuch eines Grubentheodolits, wie früher erläutert, sehen. Giuliani gibt hierzu auch eine ziemlich flüchtige Zeichnung 1 (Bild 75), auf der einerseits das Instrument, anderseits ein Zielgerät für Armaufstellung angegeben wird. Es ist keineswegs ausgeschlossen, daß Giuliani, der in Klagenfurt lebte, die vorhin genannte Bleiberger Höhenscheibe mit dem dazugehörigen Grubensignal gekannt hat und sich darauf stützt. Giulianis Entwurf und das ältere Bleiberger Markscheiderinstrument, sowie die je dazugehörigen Zielgeräte besitzen alle die gleichen Hülsen für Steckzapfenaufstellung. Giuliani hat demnach ebenfalls eine Zwangszentrierung vorgeschlagen. Auch die von J. G. Studer bei seiner 1801 veröffentlichten Eisenscheibe als Ziel angewendeten Messingstifte gehören hierher. Eigene, hohe Zielgeräte besaß auch das RiTTiNGERsche Visierinstrument (1851). Im Jahre 1859 wurde dann von J. Weisbach, Professor in Freiberg, eine neue Art Zwangszentrierung angegeben, die aus einem lose auf eine brettförmige Spreize gestellten Teller bestand, auf den abwechselnd der Theodolit oder ein Signallämpchen gestellt wurde. A. Junge verwendete später eine Auf Stellschraube und ein dazugehöriges Signal als Zielgerät. Die neuzeitigen Grubensignale sind entweder Scheibensignale, Spitzensignale oder Kugelsignale und finden bei der Freiberger, bei der BREiTHAUPTschen Steckhülsenauf- stellung sowie bei der Waldenburger Aufstellung Anwendung. Kugelsignale verwendet man auch bei der Bochumer Aufstellung sowie beim BRANDENBERGschen Hängetheodolit. Besondere Signalgeräte sind für die Steilschachtvermessung in neuester Zeit u. a. von F. Aubell erdacht und von verschiedenen Feinwerkstätten gebaut worden. 1 Abgebildet bei P. Wilski, Markscheidekunde I., S. 122. 102 Die instrumentellen Grundlagen. Entwicklungsreihe VII. Auffhllungtarkn Bodenaufteilung oder ßrcWouffieJIur far W*oo Spreizen auffhllung uso Ro'fcticr x HeMpoiierttr ßergb&u *Spafd Dreif uff auf ft e Hung ncnbd, ui K//U//UUJ// kh una w fjr Ko mp* [ft mit Abp/yaut-n , Sa!} kammcrguf ( Ha Uff a H) Stul)lauf[tellung /^K Itobnor fiftnfcffoiS*n, -f ?SO ' / Giulianis Stkli)laufft*llung if9S ‘fjttm VD> Stangenauffhllung f£, Hinj.^n.^11., „ «io ßocke c * y / 1J90 if gO 1fSo 5«?esyw«r/ So cmt hoch) t Ooa/ftffiortd ( LtmptJ iftt ßJhrrmn ( Beer) Oborunforn fiJS-fftf - Dreifufauffhllung ArmaufjteHung p\ Auf stellungsarten. Als nächste Entwicklungsreihe wären nunmehr die verschiedenen Arten der In strumentenaufstellung zu betrachten, wie wir sie bisher im Verlaufe unserer Unter suchung kennen lernten (Entwicklungsreihe VII). Winkelmessung. 103 Die einfachste, jedoch nicht älteste, uns durch Agricola überlieferte Aufstellungsart eines Instrumentes ist die für die „einfachen Wachsscheiben“ damals gebräuchlich gewesene Boden- oder Brettaufstellung. Die Wachsscheiben hatten einen Schlitz und wurden mittels einer eisernen Schraube an einem Brett festgeschraubt. Wir können für die Brettaufstellung etwa 5 cm Höhe als Pfostenstärke annehmen. Die nächst höhere, dagegen älteste Art der Aufstellung eines Instrumentes ist die Stuhlaufstellung, wie sie uns für Setzkompasse aus dem Hallstätter Schinbuch vom Jahre 1528 bezeugt ist und wahrscheinlich auch hier für die Wachsscheibenkompasse in Gebrauch war. Für die Tätigkeit des Verschinens wird im Hallstätter Schinbuch der Ausdruck „Stuhl setzen“ verwendet. 1 Wir kennen für diese Art der Kompaßaufstellung einen etwa 40 cm hohen, dreibeinigen Stuhl, da das „Schwazer Bergbuch“ einen solchen mit daraufgelegtem Kompaß abbildet (Bild 4). Aus dem gleichen Jahre wie Agricolas BrettaufStellung, aus dem Jahre 1550, ist uns eine dritte Art der Aufstellung für Setzkompasse, nämlich eine niedrige Stockaufstellung bekannt. Diese Art der KompaßaufStellung ist uns ebenfalls aus dem „Schwazer Bergbuch“ durch die gleiche Abbildung überliefert (Bild 4). Es waren dies schön gedrechselte, etwa 40 cm hohe Stöcke, wie durch Vergleich der Größenmaße aus den Bildern ersehen werden konnte, und worauf eine Art Holzteller befestigt war, auf den man dann den Kompaß setzte. Zum Unterschied von der niedrigen Stockaufstellung kennen wir auch eine hohe Stockaufstellung. Diese ist teils aus Abbildungen, teils durch noch wirklich vorhandene Stockstative bekannt. Wir dürfen etwa 1 m Höhe für die hohe Stockauf- stellung annehmen. Die Aufstellung des Kompasses auf einem einfachen dünnen Stock kennen wir aus einem Kupferstich in C. Weigels berühmtem bergmännischen Trachtenbuch, 2 worin ein mit dem Wachsscheibenkompaß ziehender Markscheider abgebildet ist. Diese Art der Aufstellung war im Harz und vielleicht auch im Sächsischen Erzgebirge um die Mitte des 10. Jahrhunderts gebräuchlich. Aus der gleichen Zeit kennen wir die im Salzkammergut üblich gewesene hohe Stockaufstellung, da in der Leobener Sammlung der Lehrkanzel für Markscheidekunde mehrere solcher Stockteile aus der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts aufbewahrt sind. Es sind dies schön gedrechselte kurze Stücke aus Eichenholz, die mit Spindelund Hohlgewinde versehen sind, so daß je drei Stück zu einem etwa 1 m hohen Stockstativ zusammengesetzt werden konnten. Schinzeug und Setzkompaß wurden auf diesen Stock entweder aufgesetzt oder aufgeschraubt. Zum Lotrecht stellen wurden, wie wir gesehen haben, kleine Setzwaagen verwendet. Aus dem Jahre 1011 stammt, wie früher dargelegt, die erste Nachricht der A u f h ä n g u n g eines Kompasses in Form einer Zeichnung auf einer Ausseer 1 F 1 . Kirn bauer, Älteste Dokumente deutschen Markscheidewesens. Mont. Rundschau. 27. Jg. (1935), Nr. 20, S. 6. — Die bezügliche Stelle lautet: „Es ist zuuernemen in wass gestalt vnd Mass die schin Zogen ist. Der erst stuell vnnd Compast ist gestanden vorm Mundloch kaiser Maximiliansperg.“ 2 C. Weigel, Abbildung und Beschreibung derer sännntlichen Berg-Werks-Beamten und -bedienten nach ihrem gewöhnlichen Rang und Ordnung im behörigen Berg-Habit. Taf. 9. Nürnberg 1721. 104 Die instrumenteilen Grundlagen. Grubenkarte und für die Zeit um 1650 wird aus Rösslers „Hell-polierter Berg-Bau- Spiegel“ die erste Spreizenaufstellung bekannt. Eine etwa 1,60 m hohe Dreifußaufstellung ist uns aus dem Salzkammergut und aus dem Jahre 1698 überliefert (Bild 57). Es ist auf einer Hallstätter Grubenkarte, 1 die Mathias Styger in diesem Jahre anfertigte, eine ganze Gruppe Markscheider mit ihren Instrumenten bei der Arbeit abgebildet , wobei als Hauptgerät ein mit einem Abschauen und einem geometrischen Quadrat ausgestatteter Zielkompaß dient, der auf einem hohen, mit drei kurzen Beinchen versehenen Stativ aufgestellt ist. Bemerkenswert ist, daß die drei Stativfüße nicht grundrißförmig im gleichseitigen Dreieck angeordnet sind; zwei Füße sind eng nebeneinander und zueinander parallel, der dritte ist in entgegengesetzter Richtung zu ihnen befestigt. Hundert oder etwas mehr Jahre später war im Salzkammergut eine Art Stangenaufstellung für Hängekompasse üblich, für die etwa 1,70 m Höhe anzunehmen ist. Sie ist uns aus einer Zeichnung solcher Stangen in der „Manipulations-Beschreibung“ Laurenz Buchgrubers aus dem Jahre 1808 überliefert 2 (Bild 85). Aus der Zwischenzeit, insbesondere gegen Ende des 18. Jahrhunderts, war dann eine etwas höhere Stuhlaufstellung in Gebrauch, wie sie uns von den heute in Leoben befindlichen zwei Eisenscheiben auf Stuhl bekannt ist (Bild 66). Es sind dies etwa 60 cm hohe Stühle. Auch Giuliani benützte im Jahre 1798 für sein „Catageolabium“, den ersten Vorschlag für einen Grubentheodolit, eine Art Stuhlaufstellung, indem er ein niedriges vierbeiniges Tischchen zeichnet (Entwicklungsreihe VII). Von der Stuhl aufstellung der Leobener Eisenscheiben bis zu der heute gebräuchlichen Stativaufstellung mit ausziehbaren Beinen von etwa 1,30m Höhe sind uns aus der Zwischenzeit verschiedene Entwicklungsformen bekannt, die hier nur angedeutet werden mögen (Entwicklungsreihe VII, unterste Reihe). Der Vollständigkeit halber ist noch die seit Ende des 18. Jahrhunderts aus Deutschland und Böhmen bekannte Bockaufstellung für Hängekompasse zu erwähnen, die sich in Oberungarn bis vor Weltkriegsbeginn erhalten hatte. Für diese Verziehböcke sind etwa 50 cm Höhe anzusetzen. Endlich sind noch die neuzeitige Arm auf Stellung für Theodolite verschiedener Bauart sowie die in Holland und Deutschland gebräuchliche Theodolitaufhängung anzuführen. Setzwaagen. Setzwaagen werden im Markscheidewesen verwendet, um Instrumente oder Ebenen waagrecht bzw. senkrecht darauf stehende Umdrehungsachsen lotrecht zu stellen. Setzwaagen sind Pendelgeräte, deren Setzfläche senkrecht zum Pendel liegt, ln früheren Jahrhunderten wurden Setzwaagen im Markscheidewesen häufig verwendet, heute sind sie im markscheiderischen Instrumentenbau durch Libellen verdrängt und finden nur untergeordnete Anwendung im Bergbau in Form von sogenannten „Setzlatten“, um bei Streckenauffahrungen ein verlangtes Sohlsteigen zu erreichen oder überprüfen zu können. 1 Grubenkarte H XVI, O.-Ö. Landesarchiv, Linz a. D. 2 Handschriftliche „Manipulations-Beschreibung“ des oberösterr. Salzwesens. Aufbewahrt im O.-Ö. Landesarchiv, Linz a. D., Zeichen V/5, 26. Winkelmessung. Entwicklungsreihe VIII. 105 fetjwaayen Einfache Setzwaage oder Sd)rot waage - «v#* /•$/**•*/* Setzwaage mit Skalenbogen ** u >. frfrro / waaytn /* r rm Sfttrj aufd)au*n < fetjgradbogen mit Doppelabfclgauen Als älteste Form der Setzwaagen ist die „einfache Setzwaage“ oder „Schrotwaage“ zuerst zu nennen (Entwicklungsreihe VIII). Sie war schon im Altertum bekannt. Wie damals, .wird sie auch heute gleichfalls noch aus Holz verfertigt in Form eines gleichschenkeligen Dreiecks, woran ein Lot befestigt ist. Eine Ausnehmung an der Dreieckseite mit der Waageebene dient der Schwingungsmöglichkeit Die instrumenteilen Grundlagen. 106 des Pendels. Diese einfache Setzwaage heißt auch Lot- oder Sohhvaage; aufgesetzt auf eine „Waagplatte“ mit dem entsprechenden Sohlsteigen, ergibt sie die noch heute bei Stollen- und Streckenvortrieben im Bergbau üblichen „Setzlatten“. In späterer Zeit wurden diese Schrot- oder Sohlwaagen mit einem Skalenbogen ausgestattet und >»/ 5 < fegggjg Bild 77. Die Setzwaage aus Agricolas Bergbuch „De re metallica", 1556. dann öfters auch „Bergwaagen“ genannt. Sie kamen, nach Gonser, mit einem flachen, breiten Pendel ausgestattet, vor Jahren in den Handel. Kine neuartige Setzwaage bildet 1556 Agricola in seinem V. Bergbuche ah 1 (Bild 77). Er nennt sie „Libella stativa“ oder „Aufsatz“. Da Agricola sie in einer Abbildung gleich dreimal darstellt, ist sie möglicherweise seine Erfindung. 2 Denn 1 G. Agricola, 1. c„ S. 114. 2 Auch P. Wilski (I. 2) ist dieser Meinung. Winkelmessung. 107 wenn sie etwas schon Bekanntes gewesen wäre, wäre die riesenhafte dreifache Abbildung und allegorische Ausschmückung mit einem sich dar über beugenden, unbekleideten Mann unverständlich. Agricolas Setzwaage besteht aus zwei rechtwinkelig angeordneten Holzstücken als Setzfläche, an der eine kreisrunde Büchse mit einem Pendel befestigt wurde. Es war ein Skalenbogen (Quadrant) gezeichnet, der eine wider- sinnische Teilung in 90° auf wies, die in der Lotrechten mit 45° beginnend, von 10 zu 10° fortschreitend von 0 bis 90 beziffert war. Dies ist der erste Nachweis, daß die 360°- Teilung im deutschen Bergbau gebräuchlich war. Auch eine zweite, uns heute unverständliche Teilung in 2x4 imgleiche Teile, nach Art einer Sonnenuhrteilung, weist Agricolas „Aufsatz“ auf. Wir können uns vorstellen, daß die ganze Setzwaage vielleicht 15 bis 25 cm groß war. 1 Nach Agricola wurden zu seiner Zeit die Setzwaagen verwendet, um bei den Markscheider-Zügen die Wachsschei- Bild 78. Setzwaage als Schinzeugzubehör aus Hallstatt, aus dem Jahre 1709. ( l l 2 der nat. Größe.) Bild 79. Setzkompaß mit Setzwaage aus der Zeit um 1740. ( 3 l t der mit. Größe.) heil söhlig zu stellen und auf diese Weise einwandfrei waagrecht gemessene Lagewinkel zu erzielen. Eine Reihe weiterer Setzwaagen ist uns nun aus dem 18. Jahrhundert bekannt . So enthalten die zu Beginn des 18. Jahrhunderts gebräuchlichen Schinzeuge meist je eine Setzwaage beigegeben (Bild 78) oder aber, es wurde eine Setzwaage mit einem 1 Der Meinung P. Wilskis.(I. 119), daß es sich um schwere Holzbalken und um ein Ungetüm einer Setzwaage gehandelt habe, ist keineswegs heizupflichten. Richtige Größenmaße aus Agricolas Zeichnung ablesen zu wollen, wäre verfehlt. Nach der 108 Die instrumenteilen Grundlagen. Kompaß zusammengebaut (Bild 79). Zwei aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammende und im Technischen Museum zu Wien * 1 befindliche Setzwaagen sind im Bild 80 dargestellt. Beide Setzwaagen sind mit einem Skalenbogen in Quadrantenform ausgestattet und von 0 bis 45° in beiden Richtungen von der Lotrechten aus geteilt und beziffert. Es handelt sich demnach um Markscheidergeräte, mit denen, ähnlich Agricolas „Aufsatz“, nicht nur die Waagrechte angegeben, sondern auch Neigungen gemessen werden konnten. Die kleinere, aus Messing verfertigte Setzwaage — beide sind *AHT9H; v t Bild 80. Setzwaagen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. f 1 !j der nat . Größe .) Pendelinstrumente — ist reich verziert und durch ihre gravierte Darstellung von zwei Delphinen bemerkenswert. Ihre Rückseite trägt ebenfalls reiche Ziselierung in Form von zartem Blumen- und Blätterschmuck. Die größere Setzwaage ist aus Holz, Messing und Elfenbein hergestellt; der Quadrant besteht aus Holz, die aufgelegte Skala ist in Elfenbein geritzt und das kunstvoll gearbeitete Pendel und die dazugehörige Führung sind aus Messing verfertigt. In der Mitte der Setzwaage ist in barocken Zierformen ein Schildchen mit dem Namen des Erfinders oder Erzeugers „Antonius Schega“ angebracht. Ein zeitgenössisches Lederetui dient zur Aufbewahrung dieses Gerätes. Schega dürfte ein Prager Instrumentenmacher um die Mitte des 18. Jahrhunderts gewesen sein, da diese Setzwaage aus Böhmen stammt. Auf die Ähnlichkeit des Schmuckmotivs der kleineren Setzwaage, nämlich schwimmenden Delphinen, mit einer später noch zu beschreibenden Winkelscheibe Größe des abgebildeten Mannes zu schließen, müßte ja die Setzwaage 1,8 in breit und fast ebenso hoch gewesen sein, also größer als die damals üblichen Stollen breit waren. Der unbekleidete Mann ist nur eine allegorische Verzierung. Die Gefahr, daß die hölzerne Wachsscheibe „unter dem Gewicht der Balken der Setzwaage zerdrückt werden könnte“, war daher bestimmt nicht vorhanden. 1 Inv.-Nr. 9697/7 und 9696/7. W inkelmessiuig. 109 (Bild 90), die einen Instrumentenmacher Jodocus Deens zu Wien zum Verfertiger hat, ist der Vollständigkeit halber noch hinzu weisen. Es ist die Wahrscheinlichkeit naheliegend, daß beide Geräte von ein und demselben Mechaniker stammen. In die Reihe der Setzwaagen gehören schließlich auch noch die sogenannten „Setzgradbögen“, wie sie uns mehrfach aus der Mitte des 18. Jahrhunderts überliefert sind. Wird ein Gradbogen mit einer Standleiste oder mit zwei Füßen versehen, so entsteht daraus ein Setzgradbogen. Solche Instrumente wurden im 18. Jahrhundert gerne zum Messen des Einfallens von Gängen und des Verflächens von Schiefern verwendet. Trat zum Setzgradbogen ein Abschauen hinzu, so konnten Zielungen damit ausgeführt werden. Die Leobener historische Instrumentensammlung der Lehrkanzel für Markscheidekunde besitzt einen derartigen Setzgradbogen mit Abschauen 1 (Bild 81). Er ist aus Messing verfertigt, in 2x90° geteilt und besitzt zwei über den beiden Standfüßen angeordnete Querlamellen mit Schauschlitz und Haar. Das Instrumentchen stammt etwa aus der Zeit um 1750. Eine Weiterentwicklung des einfachen Setzgradbogens mit Absehen stellt schließlich ein im Technischen Museum zu Wien befindlicher Setzgradbogen mit Doppelabschauen dar, 2 der im folgenden kurz beschrieben werden möge (Bild 82). Das Instrument stammt aus Ball in Tirol und ist für die Zeit um 1780 anzusetzen. Auf einer 450 mm langen Holzleiste ist, um eine waagrechte Achse kippbar, ein Setzgradbogen von 280 mm Durchmesser befestigt, der an seinen Enden je ein kleines messingenes Abschauen trägt. Der Höhenkreis ist eigenartigerweise aus Pappendeckel angefertigt und in 2 X 90° geteilt, wobei die Bezifferung mit Null an der Lotrechten beginnt. Die unmittelbare Ablesung am Gradbogen beträgt 30'. An den beiden Enden der Standleiste des Setzgradbogens sind zwei große, lotrecht stehende Absehen angebracht, die aus Holz verfertigt sind und von denen das eine einen Schauschlitz, das andere ein Haar trägt. Von den beiden kleinen Abschauen, die an der Oberkante des Gradbogens angebracht sind, trägt das eine ein Schauloch, das andere ein Ziel- Bild 82. Setzgradbogen mit Doppelabschauen aus der Zeit um 1780. Bild 81. Setzgradbogen aus der Zeit um 1750, samt Seitenansichten. f 1 /« der nat. Größe.) 1 Inv.-Nr. VC 59. 2 Inv.-Nr. 9675. no Die instrumenteilen Grundlagen. kreuz. Als feste Nullinie für den Setzgradbogen dient ein in Glas geritzter lotrechter Strich. Diese Glasscheibe befindet sich in dem schmalen spitzwinkeligen Holzrahmen, der zur Aufstellung des Setzgradbogens dient. Wenn wir sonach die im vorstehenden aufgezählte Reihe von Setzwaagen und Setzgradbögen überblicken und zusammenfassen, so ergibt sich die E n t w i c k 1 u n g s- reihe VITT, Setzwaagen. Bild 83. „Erdwaage" genannter Gradbogen der Salzkammerguf-Markscheider aus dem Beginn des 18. Jahrhunderts. Abgebildet auf einer vom Bergmeister Hans Wibner im Jahre 1716 angefertigten Grubenkarte des Salzbergbaus Ischl (O.-Ö. Landesarchiv. Linza.d.I).), 7.“, CUder nat. Größe). Bild 84. „Abbruch" oder „Abstechen" genanntes Winkelmeßgerät der Salzkammergut- Markscheider aus dem Beginn des 18. Jahrhunderts. Dargestellt auf einer aus dem Jahre 1716 stammenden Grubenkarte des Salzbergbaus Ischl f 2 ^ der nat. Größe). Sa lzberginstr umente. Im alpenländischen Salzbergbau haben sich im Laufe der Jahrhunderte eine Anzahl eigener Geräte und Instrumente zu markscheiderischen Zwecken herausgebildet, die als „Salzberginstrumente“ zu bezeichnen sind und im folgenden noch kurz besprochen werden sollen. Auf einer Ischler Grubenkarte, 1 die der Markscheider Hans Wibner im Jahre 1716 verfertigte, bildete er, dem Zeitgeschmack entsprechend, seine bei der Aufnahme benützten Markscheidergeräte ab (Bild 83 u. 84). Wir sehen darauf einen Hängekompaß mit Sonnenuhr, eine besonders eigenartig gestaltete „Erdwag“, weiters ein „Abbruch“ oder „Abstechen“ genanntes Instrument zum Messen oder Aufträgen von Winkeln bei gleichzeitiger Ermittlung der Saigerhöhe und Ebensohle, ferner für söhliges Einwägen eine „Saigwag“ und eine für das gleichmäßige Fallen der Sinkwerke benötigte „Gsenkwag“ oder „Schnirpergwag“, dieser Name ist undeutlich zu lesen. Auf einer anderen Salzkammergut-Grubenkarte 2 von Hallstatt aus dem Jahre 1709 bildeten die Markscheider Martin Holzhammer und Blasius Kral ebenfalls eine eigenartig geformte „Bergwaage“ sowie ein „Abstechen“ ab. Die älteste Ab- 1 O.-Ö. Landesarchiv, Linz a. D., Gerollte Grubenkarten J I. 2 Montanistische Hochschule Leoben, Lehrkanzel für Marksclieidekunde, Karten - Sammlung Nr. 12. W inkelmessung. Ill M bildung eines solchen Abstechens ist mir anf einer im Technischen Museum zu Wien befindlichen Grubenkarte aus Hallstatt aus dem Jahre 1698 bekannt. Die besondere Form der Erdwaagen und auch ihre Ausschmückung scheint nur im Salzkammergut gebräuchlich gewesen zu sein. Aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts gibt uns über die Arbeitsmethoden und Markscheiderinstrumente des Salzkammergutes das schon erwähnte handgeschriebene Buch, 1 genannt „Manipulations- Beschreibungen das Bergwesen betreffend“ von Laurenz Buchgruber aus Hallstatt aus dem Jahre 1808 genaue Auskunft. Es ist der 26. Band der „Manipulations-Beschreibungen“, der aus 51 Seiten und 25 handgezeichneten und wassergemalten Bildtafeln in der Größe 24 x 23 cm besteht. Auf Seite 37/38 schreibt Buchgruber über die „Verschünungsart der Gebäude“ (Bild85). „Die Derfdj timing ber IDerfsgebäube n?irb Dort bem Unterbergmeifter geführt, tuobei aber alle on f}all haben gehabt, mann er aber ein altes eifen, bas man normales auch fit hat bracht meiter bringt, ba foil man ihm halben lohn geben, nemlichen jebe grueben ^ f. 6 fr. p. r>on baiben grueben 9 f-" 1 Bergk Ordnung der Niderösterreichischen Lannde. Vom Jahre M.D.LIII. Neue Auflage. (Ferdinandeische Bergordnung.) Wien 1839. 2 Nach E. Treptow, 1. c., S. B 504, waren 18 Kreuzer = 1 / i Thaler. 3 St. Worms, Schwazer Bergbau im fünfzehnten Jahrhundert. S. 115. Wien 1904. 4 Schin, Wag und Maß = Richtung, Neigung und Länge der Schnur. 5 ratt = Beratung. 6 St. Worms, 1. c., S. 122 bis 123. 134 Die kulturelle Stellung des Markscheiders. Die vorletzte Zahl bedeutet 4 Schilling, 6 Kreuzer-Pfennig. Nach E. Treptow 1 ist dies soviel wie neun Zehntel Goldgulden und war etwas weniger, als der Wochenlohn des Schaffers, des Schmelzers oder eines Häuers betrug. Freilich wissen wir nicht, wie lange der Schiner damals zur Vermessung und Auswertung brauchte; auch kennen wir nicht die damals durchschnittliche Ausdehnung der Tiroler Grubenbaue. Immerhin aber scheint die Bezahlung des Schmers nicht sonderlich hoch gewesen zu sein. Hundert Jahre später, für die Zeit um 1550, sind wir durch das „Schwazer Bergbuch“ und die bereits genannte Ferdinandeische Bergordnung vom Jahre 1553, gleichfalls für die Tiroler Verhältnisse, die sich damals wesentlich geändert hatten, besser unterrichtet. Der zweite und der letzte Absatz des Artikels 146 der Ferdinan- deischen Bergordnung lauten betreffend die Gebühren des Schmers: 2 ben ber 23ergfrid}ter ober Sdpmter airter ober mefyr gruebn 3^ maß ober Sdirtüer, 3ft man non yeber gruebn 21d?t3efyen Creüfcer 3 ugebn fcfyulbig." „IDann ber Scanner ain gruebn ab3eufj, fo foil <£r 311 Ion fyaben ain pfunt, fed?s fdplling, 3tr>ölf pfening, rmö oberlanb fein 3tmltdie 3erung, <£nbfd?aibt (£r aber 3mo grüebert non einanber, foil man 3fy™ geben brey pfunt, mer fdplling, öterunb* 3 mainhtg pfening, bann non ainent <£yfen 3mifd]en 3U>ayer grüeben für 3ubrittgen, es fey fern ober nafyent, foil man 3^ m »on yeber gruebn geben mer fcbüling pfening." Aus dem „Schwazer Bergbuch“ sind nun die Wochenlöhne von Grubenangestellten, Häuern und Förderern bekannt. 3 Mit diesen und den Löhnen vom Jahre 1449 verglichen, 4 ergibt sich, daß sich die Löhne der besser gestellten Bergleute (Hutleute, Häuer) nicht geändert hatten, die der jüngeren Arbeiter um ein Geringes gebessert worden waren, was aber auch mit der Verschlechterung und einer geringeren Kaufkraft der Kleinmünzen Zusammenhängen konnte. Die Bezüge des Schmers dagegen sind erheblich gewachsen. So erhielt er im Jahre 1449 für das Vermessen einer Grube, wie erwähnt, etwa neun Zehntel Rheinische Gulden, 1556 werden ihm dafür aber 1 Pfund, 6 Schilling, 12 Pfennig bewilligt, das sind etwa l 3 / 4 Rheinische Gulden. 4 Und während der Tiroler Markscheider für das Weiterbringen eines Eisens um 1450 9 leichte Schilling, das sind knapp 1 / 2 Gulden, erhielt, werden ihm ein Jahrhundert später dafür 8 schwere Schilling, das ist 1 Rheinischer Gulden, zugebilligt. Allerdings darf nicht außer acht gelassen werden, daß im Laufe des Jahrhunderts die einzelnen Gruben sicher eine größere Ausdehnung erlangt hatten, anderseits darf wohl angenommen werden, daß sich durch die Erfindung der Schinzeuge in dieser Zeit die markscheiderischen Messungen vervollkommnet hatten, genauer geworden waren. Wir wissen für die Tiroler Bergbau Verhältnisse um die Mitte des 16. Jahrhunderts, daß die Schiner damals bei der Verleihung von Grubenfeldern meist beigezogen wurden und daß ihre Hauptaufgabe darin bestand, bei Durchschlägen be- 1 E. Treptow, 1. c., S. B 505. 2 Neuausgabe, 1. c., S. 82 und 86. Wien 1839. 3 F. Friese, Das Ettenhartische Bergbuch. Berg- u. Hüttenmänn. Jb., 14. Bd., S. 147, Wien 1865. 4 E. Treptow, 1. c., S. B 506. Die kulturelle Stellung des Markscheiders. 135 nachbarter Gruben die Feldgrenzen unter Tage festzulegen und das in der Nähe des Durchschlages anstehende Erz dem rechtmäßigen Besitzer zuzusprechen. Die Bergrichter waren damals staatliche Beamte in Österreich. Von den Markscheidern kann nicht einwandfrei angegeben werden, ob sie in staatlichen Diensten standen oder jedesmal für ihre Tätigkeit von Gewerken oder Bergbautreibenden entlohnt wurden. Jedenfalls waren die alten Tiroler Markscheider dem Landesherrn vereidigte Beamte, wie aus folgendem Markscheider-Eid, den die Ferdinandeische Bergordnung vom Jahre 1533 bringt, bezeugt: „Der ££. artifel. P e r g f 5 d} t n n e r s 21 y b. 3& roerbet gelobn ortb fcfyroeren beut allerburd)leüd}ttgtftn, <5ro§med}tigiften 5i;rftn rmb bjerrn, fyerrn 5erbtnanben, Römifcfpt 3U pungent urtb Böhmen £. Kljünig, <£rtp Ijerfcogeit 3U 0fterreid} £. unfernt allergenebigften fyerrn, bas 3f? r roellet 3^r Hö* mifd}n Kfyü. ZTTat. aud} ber (Sroercffyen rmb Bergfroercf) rtufc urtb aufnemert beftes fletß furbern, fdjabert irarnen urtb roenben. IPo 3 r aud} *> on angeregtem öbriftem Bergf* maifter, and} ben 23ergfrid}tern, auf 21ed}tlid} erfantnus, ober guetlid} 3uegeben, Sd}imt, £yfen, pfföcft? für3ubringen ( ober yemant fein fdptuer r»nb maff am tag sugeben, ober gebtng ab3iihtefyen uerorbent roerbt, bas 3 r eud) 3nf?alt ber 23ergfroerd]s orb= nung in bem allem unuerroeiffltd} fyaltn, bem armen als bem Heiden 3tel}en, uub menigflid}, roas 3^ m n?ag r>nb mag gibt, basfelb uerpflögffjen, <£yfen rntb Byb= marfl} 1 fdjaljen, ben partfyeyen 3 r ntajj anhaigcn, r>nb fold} <£yfen, bamit ber umier* änbert bleibn, bey gerid}t einfd}reibn laffen, <£udj aud} barinn fain anmuettung, freunb* fd}afft, feinbfdjafft, lieb, ford}t, 2TUet, ober gab beroegen nod} oerl}inbern laffen, Sonber veben uermüg ber angetjognen Bergforbnung umb bie gebürlid} belonung, barinn uermelbt, 3tel}en, 3U feinem Bedjen fyelffen, »nb fain gefär barinn brauchen, aud} funft bie Bergfroerd}S orbnung in allen articln l}anbl}aben bjclffcrt, unb roo 3 r bie übergangen befunbt, basfelb att3aigen, unb felbft aud} nit baroiber tljuen, fonber <£ud} als airten getreroen eerlid}it 5d}inner 3Uegl}Ört, gel}orfam unb fleiffig fyaltn 2 .“ In der großen Reichsorganisation Kaiser Maximilians I. waren bekanntlich die österreichischen Lande ob und unter der Enns, Steiermark, Kärnten und Krain als „Niederösterreichische Länder“ zusammengefaßt worden. Die Ferdinandeische Bergordnung vom Jahre 1553, aus der die obige Markscheider-Eidesformel stammt, ist nun dasjenige Berggesetz, das vom Jahre 1553 ohne Abänderung bis zum Jahre 1854 in Österreich in Geltung war, wo es dann vom allgemeinen österreichischen Berggesetz vom 23. Mai dieses Jahres erst abgelöst wurde. Mithin war auch der Ferdinandeische Markscheider-Eid durch mehr als 300 Jahre in Geltung, worauf hinzuweisen gewiß berechtigt ist. Ähnliche Eidesformeln sowie Vorschriften für Markscheider enthalten die verschiedenen Bergordnungen aus anderen Bergrevieren, aus 1 Bydmark = Grenzzeichen, Grenzpforte, Markscheide- oder Zwischenpunkt. — Kommt bereits 1308 im Schladminger Bergbrief vor (H. Veith, Bergwörterbuch, II., S. 99). 2 Bergk Ordnung der Niderösterreichischen Lannde. Vom Jahre M.D.LIII. Neue Auflage. Wien 1839, gedruckt bey Carl Gerold. S. 114 bis 115 (Sammlung Kirnbauer). — Ferdinandeische Bergordnung, Art. 200. 136 Die kulturelle Stellung des Markscheiders. Böhmen, Ungarn, Sachsen, dem Harz und anderen Orten, und es wird auf sie nur der Vollständigkeit halber hingewiesen. 1 Aus dem Sächsischen Erzgebirge ist uns in Christian Herttwigs Bergbuch aus dem Jahre 1710 und 1732 ein Sondereid überliefert, 2 den ein Markscheider vor einer schwereren amtlichen Vermessung zu schwören hatte und den ich, da er kulturgeschichtlich wertvoll ist, noch bringen möchte: ,,3d] 27. XI. fcbwere hiermit 511 (5ott beut Allmächtigen einen leiblichen <£yb, baß ich benjenigen ZTiarcFfcbeib^ug, ber mir norißo Berg=Amts wegen anuertrauet morbeit, nach meinem heften tDiffen unb Vermögen, mit aller üreu unb ^leiß, ganß unparteyifch »errichten, alles basjenige, was barbey 5 U obferoiren nöttjig, bem Befinben nad], auffs genauefte unb fleiffigfte beobachten, felbiges auff einen Hiß bringen, unb barbey, wie es befunben worben, notiren unb auffjetdpten, unb biefes alles nicht unterlaffen will, weber um (Sunft, (Sabe, (Sefchenfe, .freunbe unb 5 einbfchaft, noch anberer Urfachen willen, fo wahr mir (Sott helffe." Vom Salzburgischen Golderzbergbau des 16., 17. und 18. Jahrhunderts wissen wir über das Markscheidewesen oder die Stellung des Markscheiders außer mehreren vorhandenen, wertvollen alten Grubenkarten nicht viel. Bloß einiger Funde sei hier gedacht, die mit den damaligen Schinem in Zusammenhang zu bringen sind: So besitzt die Sammlung der Gewerkschaft Radhausberg 3 zu Böckstein drei Holztäfelchen in der Größe 8,5 X 12 cm, 0,8 bis 1,5 cm stark, die zur Bezeichnung von Markscheiderpunkten gedient haben (Bild 97). Fundort dieser Markscheidertäfelchen war das Hörtengrübel am Radhausbergmassiv. Sie tragen die Zahl 107, offenbar die Nummer des Zuges, den der Markscheider ausführte, und die Jahreszahl 1785 oder 1786. Aus wesentlich früherer Zeit, der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, stammt ein zu Böckstein in der Sammlung Zschocke befindliches Stollenschild aus dem Jahre 1573 (Bild 99). Es ist dies ein gehacktes Weichholzbrett von etwa 50 cm Länge und 2 cm Stärke, das in einem alten Stollen auf dem ersten Hangendgang an der Südseite des Radhausberges im Ödenkar in etwa 2550 m Seehöhe vor einigen Jahren gefunden wurde. Die Beschriftung des Stollenschildes lautet: ALDA DER SCHACHT VON FREITTALL (Freudental) 1 Der Ferdinandeische Markscheider-Diensteid geht bereits auf die Maximilianisehe Bergordnung zurück. Weiters enthalten ihn: Die Churfürstl. Sachs. B. O., Joachiinsthaler B. O., Ungar. B. 0., Hohensteynische B. 0., der Berg-Rechts-Spiegel von Löhneyss. 2 C. Herttwig, Neues und Vollkommenes Berghuch, Dresden 1710 und 1732 (II. Aufl.). — Auch erwähnt bei C. Kliever, Der Markscheider, seine Tätigkeit in alter und neuer Zeit. Mitteilungen a. d. Markscheidewesen, S. 46, Freiberg Sa., 1924. 3 Amtlich und dienstlich wird der Name fälschlich Rathausberg statt richtig Radhausberg geschrieben. Bezieht sich selbstverständlich auf die alten bergmännischen Einbaue mit Haspelhäusern, ohne jegliche Gemeinschaft mit einem Bürgermeisteramt oder Rathaus. 40*7 4 7 &6 7 lo &07 I'-Vl O-/IA- 7i0 107 47 65 Bild 98. Holztäfelchen (Markscheiderpunkte) v. Radhausberg aus den Jahren 1785 u. 1786. f 1 /« der nat . Größe .) Die kulturelle Stellung des Markscheiders. 137 GE GENAU S SPRUCH ANNO 1573. Die Schriftzeichen sind als Kerben ins Holz eingeschnitten. Das dritte Zimmer des zum Teil fahrbaren Baus, in dem das Stollenschild gefunden wurde, trägt auf einem Riedel eingeschnitten die Buchstaben und Jahrzahl: M 1548 M. 1 Diese Radhausberger Markscheidertäfelchen und das Stollenschild wurden deshalb erwähnt, da sie sicher von Markscheidern angefertigt oder in Auftrag gegeben wurden. Aus dem Salzkammergut wissen wir von alter Markscheidertätigkeit nach C. Schramls Untersuchungen folgendes : 2 Die erste vollständige Vermessung des Hallstätter Salzberges stammt vom Bergmeister Hans Httebmer aus den Jahren 1527 und 1528. Das zugehörige Schinbuch ist, wie bereits erwähnt, erhalten und im oberösterreichischen Landesarchiv aufbewahrt. 3 Grubenkarten gab es damals im Salzkammergut noch keine, wohl jedoch schon im Tiroler Salzbergbau. 4 Das Aufträgen der Schinzüge in verjüngtem Maß wurde im Kammergut erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bekannt. Bergmeister Hans Riezinger rekonstruierte 1715 aus Huebmers Schinbuch das Hallstätter Grubenbild. Auch die Vermessung vom Jahre 1563 ist ohne zeichnerischen Niederschlag gebheben, da die der Kommission beigezogenen Tiroler Bergleute bei der Grubenvermessung eine im Kammergut nicht gebräuchliche und von den Hall- stättern nicht verstandene Kompaßstundeneinteilung verwendet hatten. Es folgen nun einige weitere Vermessungen des Hallstätter Salzbergs, darunter eine kurz vor 1654. Deren Ausführung war der Bergmeisterschaft Vorbehalten, die ihr Wissen sorgsam hütete und als Familiengeheimnis den Söhnen vererbte. Das Vermessen war damals eine gar wichtige Sache; nach der Bergordnung von 1617 nahmen an jeder Schin der Bergmeister, Schaffer, Wasserknecht und drei Geschworene teil (Bild 100), deren jeder hierfür täglich 20 Kreuzer empfing, und zwar 10 Kreuzer wie bisher und 10 Kreuzer für Suppe und Trank. Die Amtsleute, welche der Schin nachsehen sollten, erhielten 30 Kreuzer für den Schingang und die Zehrung. Die gewöhnlichen, in bestimmten Zeitabschnitten wiederkehrenden Verschi- nungen in Hallstatt waren bloße Teil Vermessungen, um die Fortschritte im Vorbau wie bei der Anlage von Verbindungsschürfen und neuer Werke aufzunehmen und sie 1 Für die schriftliche und zeichnerische Mitteilung dieser drei Markscheiderpunkte und der Freudentaler Stollentafel bin ich Herrn Dr.-Ing. E. Preuschen zu Dank verpflichtet. Finder der Stollentafel ist Markscheider K. Zschocke, Finder der Täfelchen Ing. Florentin. 2 C. Schraml, Das oberösterreichische Salinenwesen. Bd. I., S. 140 bis 142. 3 O.-Ö. Landesarchiv Linz a. D., Abteilung Salz-Oberamts-Archiv, Bd. 13, Nr. 45B. 4 Die älteste mir bekannte datierte Grubenkarte stammt aus dem Jahre 1534. ; i I: : . Bild 99. Sfollenschild der Gewerkschaft Radhausberg, Böckstein, aus dem Jahre 1573. (*l s der nat. Größe.) 138 Die kulturelle Stellung des Markscheiders. dann in die Hauptkarte zu übertragen. Bei der Ungenauigkeit derselben mußte es bald zu Unstimmigkeiten kommen, welche die Fortsetzung der Baue erschwerten. 1675 beklagte sich die Bergmeisterschaft, daß sie sich nach der alten Mappe nicht mehr richten könne, der Grundriß sei nicht verläßlich, man könne die notwendigen Durchschlage ohne Verwirrung des Salzberges nicht weiterführen. Eine Neuver- schinung sei notwendig. Die Hofkammer bewilligte zwar den dahingehenden Antrag, scheint aber daraufhin doch das Vertrauen in die markscheiderischen Fähigkeiten der Hallstätter einigermaßen verloren zu haben, da sie 1681 dem Mathäo Franzisco Poppl, Mathematico, für die Verfassung einer Mappe über den Hallstätterischen Salzberg zu den bereits empfangenen 311 Gulden noch 50 Taler auszahlen ließ. Poppl war jedenfalls ein Berufsgeometer, wie solche damals Vermessungen aller Art und selbst umfangreiche Landaufnahmen durchführten. 1688 wurden dem Maler Perlohner für geometrisches Delinieren und in Grund legen des ganzen Salzkammergutes von der Hofkammer 500 Gulden angewiesen. Für das alte Schinwesen am Hallstätter Salzberg war die Zeit vorüber. Graf Starhemberg, der als Vizepräsident der Hofkammer den Bergbau im oberungarischen Erzgebiet kennengelernt hatte, veranlaßte 1707 die Entsendung des Schemnitzer Bergschreibers Leopold Berger in das Salzkammergut, um die so nützliche Kenntnis der bergstädtischen Schinkunst auch zu Hallstatt und Ischl auszubilden, den Offizieren und Geschworenen Unterricht in dem Markscheidewesen zu geben und sie in der Handhabung der erforderlichen, von der Hofkammer bereitgestellten Instrumente zu unterweisen. Das bergstädtische Schinzeug kostete 24 Gulden. Berger bezog neben den Reisekosten wöchentlich 5 Gulden und blieb vom Oktober 1707 bis zum Januar 1709 im Salzkammergut. Die Abberufung Bergers von Schemnitz war bald nach dem Zusammentritt der Hauptvisitätionskommission erfolgt, nachdem Starhemberg den Hallstätter Salzberg besichtigt und die ganze Rückständigkeit des dortigen Vermessungswesens erkannt hatte. Nach seinem Urteil war die Art weitschichtig und langsam, vielen Irrsalen unterworfen. Man hatte aus der Schin ein Akzidenz gemacht, weil alle, die dabei waren und mitarbeiteten, wenn auch nur für drei Stunden, sich doch das ganze Liefergeld zu 20 Kreuzer auszahlen ließen. Die Bergstädtenpraxis wäre verläßlicher, geschwinder, auch leichter, man braucht nicht so viele Leute; statt acht Männern waren nur ihrer drei und zwei Buben zum Leuchten. Starhemberg verlangte weiters für jede wichtigere Grubenaufnahme . »s«k . \ * fa Mn bit icn vmn £« rrlj! ^ , fcßtey u nbanbern gtfndjrl jl» wrWt • Bild 100. Salzkammergut-Markscheider bei der Arbeit. Farbige Darstellung auf einer aus der Zeit um 1720 stammenden bildlichen Salzbergbaukunde. (0. Ö. Landesmuseum Linz a. d. D.) —Es nahmen damals an jeder Schin teil: Bergmeister, Schaffer, Wasserknecht, drei Geschworene und zwei Knappen zum Leuchten. Die kulturelle Stellung des Markscheiders. 139 eine Kontrollvermessung und die Sammlung der Schinzüge in ein Register sowie die Führung eines Bergbuches über die Vermessungen. Die Hallstätter und Ischler Bergmeisterschaft übernahm die neue Vermessungsart nur widerwillig und blieb in der Kartierung ihren althergebrachten Gepflogenheiten noch lange getreu. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts hatte im Salzkammergut das Markscheidewesen aufgehört, das erbliche Monopol einzelner Bergmeistergeschlechter zu sein, die Grubenkarten verloren allmählich ihr bildhaftes Äußere und waren sachlicher und genauer geworden. 1763 wurde angeordnet, daß nicht bloß auf den Salzbergen allein, sondern auch im Salzoberamt zu Gmunden wie bei den Verwesämtern verläßliche Gesamthorizont- und Tagmappen vorhanden zu sein haben und daß in ihnen auch die schon angelegten wie die neu anzulegenden Werker einzuzeichnen seien. Da es in Hallstatt und Ischl an gutem Vermessungs- und Zeichengeräte fehlte, wurden für das Kammergut Meßtische, Reißzeuge, Quadranten, Diopter und Kompasse in Wien gekauft. 1785 war der Salzberg zu Hallstatt mit den neuen Instrumenten bereits vermessen und das Ergebnis in je einer Etagenkarte der oberen, mittleren und unteren Horizonte verzeichnet worden. Zur besseren Ausbildung der Markscheider erwarb das Salzamt über höheren Auftrag eine genügende Anzahl der 1793 vom Schemnitzer kgl. ungarischen Markscheider Möhlin g verfaßten Anleitung zur Markscheidekunst. Ob diese noch irgendwo erhalten ist, konnte ich noch nicht ermitteln. Ein vorzüglicher Vermesser war damals der Hallstätter Truhener und später Ischler Geschworene Michael Keeer, dessen Grubenkarten ihm, wie die Hofkammer bemerkte, zur Zierde gereichten. Seine beste und größte Leistung war die vollständige Neuaufnahme und Kartierung des Hallstätter Salzbergs, die er im Verein mit dem Bergmeister Mos- hammer im Jahre 1815 nach achtjähriger mühevoller Arbeit zu Ende führte. Die Hofkammer belohnte ihn dafür mit einer Remuneration von 300 Gulden und wollte nunmehr von ihm auch den Ischler Salzberg auf genommen haben. 1 Bis zum Übergang auf die Kohlenfeuerung war die Salzerzeugung im Salzkammergut auf den Holzertrag der Wälder angewiesen, die alle, auch die herrschaftlichen und Privatforste des ganzen oberösterreichischen Alpenvorlandes bis Kremsmünster, mit dem Reservatrecht des Staates zum Zweck des Bergbaumonopols belegt waren. Das Salzamt in Gmunden war die oberste Verwaltungsstelle sowohl für das Salzwesen wie für die Waldwirtschaft. Wir können daher mit großer Wahrscheinlichkeit vermuten, daß neben den laufenden Arbeiten auf den Salzbergen die Markscheider des Salzkammergutes auch Forst Vermessungen durchzuführen hatten, wie uns solch ein erweiterter Aufgabenkreis des Markscheiders auch aus anderen Bergbaugebieten, z. B. aus dem Harz, bekannt ist. 2 Allgemein gesprochen, dürfen wir endlich neben der Heranziehung als Forstleute die Markscheider auch als verwendbare Mathematiker betrachten, die dann befragt wurden, wenn es galt, irgend eine schwerere mathematische Aufgabe zu lösen, bei der Dezimalen verwendet wurden. Denn mit Dezimalen konnten im 17., 18. und 19. Jahrhundert nur die wenigsten Menschen rechnen, was auch ganz erklärlich ist, da 1 Lachter in 8 Teile je 10 Zoll je 10 Linien oder 1 Klafter in 6 Fuß zu je 12 Zoll 1 C. Sciiraml, Das Oberösterreichische Salinenwesen, 1. c., Bd. II., S. 118 bis 119. 2 W. Nehm, Die Oberharzer Markscheider um das Jahr 1700, Clausthal, 1. c., 1935. 140 Die kulturelle Stellung des Markscheiders. zu je 12 Linien eingeteilt wurde (1° = 6' = 72" — 864'"j. 1 Das Rechnen mit Dezimalen oder Skrupeln, wie man dieselben damals nannte, war aber den nur im Duodezimalsystem geübten Rechnern nicht sehr geläufig, weshalb Nicolaus Voigtel in seiner „Geometria subterranea“ 1686 einen eigenen Unterricht im Rechnen mit Dezimalen erst erteilt. 2 o , „ Die Zahl 5,439 z. B. wurde damals so angeschrieben: 54 3 9 5 waren die Einer, 4 hieß die erste Skrupel oder scrupula prima, 3 die zweite Skrupel oder scrupula secunda, 9 die # dritte Skrupel oder scrupula tertia. Voigtel zeigt und erklärt umständlich das Zuzählen, Wegzählen, Vervielfachen und Teilen mit Dezimalen, bringt dann weiter das Quadrieren und Quadratwurzelziehen mit und aus Dezimalzahlen, doch ist die Art und Weise dieser beiden letzten Rechnungsarten durch uns Menschen von heute nicht zu ergründen. Voigtel erhält wohl das richtige Ergebnis, der Rechnungsvorgang kann aber nicht rekonstruiert werden. Dies wurde nur erwähnt, um zu zeigen, daß derjenige, der mit Dezimalen und Winkelfunktionen in den vergangenen Jahrhunderten umzugehen verstand — und die Markscheider mußten dies können, gebrauchten sie doch Logarithmen und auf Dezimalen abzulesende oder umgewandelte Längenmaße —, in hohem Ansehen stand. Denn damals verursachte das Rechnen mit Skrupeln dem Rechner noch Sorgen und Beschwerden. 3 Die Schwierigkeit des Rechnens mit Dezimalen mag mit eine Erleichterung zur Geheimhaltung des Wissens von der Markscheidekunst gewesen sein, von der schon Agricola 1556 berichtet 4 und die für die österreichischen Alpenländer, vor allem für das Salzkammergut, bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts bezeugt ist. Vielleicht war auch die Anwendung eines eigenen, beliebig langen Lachters oder Bergstabls ein Behelf zur Geheimhaltung markscheiderischen Wissens, und aus ihm entwickelten sich die zahlreichen, von Revier zu Revier verschieden langen Lachter und Bergstabl- maße. Nähere Unterlagen zur Beurteilung der Stellung der österreichischen Markscheider im Betrieb und über deren wirtschaftliche Lage und kulturellen Leistungen müßten erst geschaffen werden, ehe eine abschließende Zusammenstellung hierüber gegeben werden kann. Jedenfalls konnte gezeigt werden, daß die Anschauung, jeder Bergmann sei auch Markscheider gewesen, nicht richtig ist, daß vielmehr seit dem 15. Jahrhundert auch in Österreich der Markscheiderberuf als ein Sonderberuf nach- 1 Nicolaus Voigtel widmet einen ganzen Absatz seiner Markscheidekunst (1686, S. 14) der „Verwandlung des alten Markscheider-Maßes in das Zehnteilige“. Voigtel schreibt: „Weil aber im Rechnen solch Maaß zehentheilig bessern Vortheil und Behändigkeit giebet, so ist auch die gantze Rechnung in diesen gegen wärtigen Wercklein durch und durch in die Dizimal-Rechnung transformieret.“ 2 Nicolaus Voigtel, G-eometria subterranea. S. 1 bis 14, Eisleben 1686. 3 Skrupel bedeutet, seit 1537 nachweisbar (Kluge, Etymologisches Wörterbuch, 1934), „kleinstes Gewicht“, und dann seit 1580 im übertragenen Sinn „Bedenken oder Gewissensbisse“. — Im weiteren übertragenen Sinn, scrupula = Dezimalstelle, erklärt sich auch die Redensart „sich Skrupeln machen“ oder „sich keine Skrupeln über etwas machen“. Derjenige, der mit Skrupeln damals rechnen mußte, hatte Sorgen, ihm verursachten die Dezimalen „Skrupeln“. 4 G. Agricola, I. Buch. — Agricola sagt wörtlich: „alius disciplinam terrae me- tiendae occultat = ein anderer verbirgt die Kunst des Markscheidens.“ — Auch P. Wilski, Markscheidekunde I., S. 16. Die kulturelle Stellung des Markscheiders. 141 gewiesen werden kann, der in der ersten Zeit staatlich verpflichtete Schiner kennt, dann aber diese den privaten Bergbauuntemehmungen oder den staatlichen Salzbergwerken als Beamte, ohne ein öffenthches Recht auszuüben, angehören. Das Ansehen des Markscheiders war zu verschiedenen Zeitepochen verschieden. Im 15. und 16. Jahrhundert war es in Tirol und im Salzkammergut zweifellos sehr groß, der Schiner ist neben dem Bergrichter die meistgenannte Gestalt. Im beginnenden 18. Jahrhundert scheint im Salzkammergut ein Abgleiten von der hohen und geachteten Stellung eingetreten zu sein, wie aus der Berufung von Markscheidern aus den deutschen Bergstädten Oberungarns und dem Abstellen des Taggeldschiiidens am Hallstätter Salzberg zu erkennen ist. In allen Zeiten aber hob sich der Markscheider von seiner übrigen bergmännischen Umgebung deutlich ab, wie aus seiner eigenen Erwähnung in Berggesetzen, Verordnungen und zeitgenössischen Betriebsbeschreibungen hervorgeht. Eine besondere kulturgeschichthche Erwähnung verdient noch die Nennung des Markscheiders in Bergreimen und Liedern. Es dürfte übrigens nur wenig bekannt sein, daß Johannes Mathesius, der berühmte Joachimsthaler Bergprediger, im Jahre 1559 seinen Gläubigen eine Predigt über Meßinstrumente und bergmännischen Abbau, selbstverständhch in bezug zu geistlichen Dingen, hielt, daß er von der Kanzel herab vom Kompaß und über den Magneten sprach. 1 Im berühmten „Gemeinen alten Eisenertztischen Berck-Reimen“, den Mathias Abele von Lilienberg im Jahre 1655 „auf ein löbl. Innerbergische Haubtgewerckschafft und jetzig gegenwärtigen Stand, etwas veränderte“ und neu herausgab, 2 heißt das 19. Gesätz: 3 <£in jeher in fein 21mbte 23ergfd}inner unb €infafyrer llnb bte (5efdpx>ornen ^ut / ZTtit ^letff r>errid}ten fein / Das lob fjabens allfambte / Das foü aud? billicfy fevrt. Diel Schreiber muff man fyabert / Die man all brauchen tfyut / Ob dieses für den Markscheider des s teirischen Erz berges recht ehrenvolle Lob aus der LiLiENBERGschen Fassung vom Jahre 1655 stammt oder bereits in der älteren BAiNSTiNGLschen Fassung vom Jahre 1588 enthalten ist, müßte erst untersucht werden. Ehe diese Ausführungen geschlossen werden, möge noch auf eine kulturgeschichtliche Seltenheit von besonderem Wert, auf eine halbplastische Darstellung eines Markscheiders mit Stock und Kompaß auf einer Ofenkachel aus der Mitte des 16. Jahrhunderts hingewiesen werden, auf die ich in der berühmten Kachelsammlung Rudolf Sommerhubers in Steyr vor kurzem aufmerksam wurde (Bild 101). Die Kachel besitzt eine Größe von 17x27,5 cm und stammt aus Tamsweg im Salzburgischen Lungau, offenbar von einem spätmittelalterigen Ofen eines Gewerken- hauses des damaligen Golderzbergbaus. Außer dem Markscheider sind noch zwei in den Felsen arbeitende Häuer, ein einen Hunt ausfördernder Bergknappe sowie 1 Die Sarepta des Johannes Mathesius. Abh. u. Ber. d. Deutsch. Mus. S. 40. VDI-Verlag, Berlin 1932. 2 . . .und der im Jahre 1923 anläßlich eines Bergmannsliederabends in Leoben nach Jahrhunderten wieder in seiner phrygischen Tonart erklang. 3 K. Mautner, Der gemeine alte Eisenerztische Berck-Reimen. S. 20. Graz 1919. 142 Die kulturelle Stellung lies Markscheiders. ein Schmied am Amboß vor einer Schmiede arbeitend, dargestellt. Über diese bergmännische Ofenkachel wird an anderer Stelle gelegentlich gesondert berichtet werden. So mögen denn vorstehende Ausführungen als Bausteine zu einer eingehenden r 't'd wmm»\ Bild 101. Olenkachel aus der Mitte des 16. Jahrhunderts aus Tamsweg (Salzburg). Schilderung der kulturellen Leistungen und der Stellung des Markscheiders gewertet werden und dazu beitragen, einem wenig bekannten Abschnitt aus der Geschichte des ostmärkischen Bergwesens und seiner Markscheidekunst zu der ihm gebührenden Beachtung und Würdigung zu verhelfen. E. Zusammenfassung. Wenn wir nun zusammenfassend die einzelnen Abschnitte der vorliegenden Arbeit über die Entwicklung des Markscheidewesens im deutschen Österreich überblicken, so ist folgendes festzustellen: Es wurde der Versuch unternommen, die Entwicklung des österreichischen Markscheidewesens von ihren Grundlagen her möglichst eingehend zu erfassen und darzustellen. Dem räumlichen Umfang nach war dies in bezug auf die geschichtlichen, geistigen, instrumenteilen und kulturellen Belange gegeben, der Zeit nach von den ältesten Zeiten markscheiderischer Tätigkeit an bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts, ohne daß dieser Zeitpunkt, der durch die hauptsächliche Einführung des Theodolits in der Grube gekennzeichnet ist, eine starre Grenze gewesen wäre oder den Gesamtüberblick bis in unsere Gegenwart verhindert haben avürde. Ich bin mit dieser Untersuchung einer vollkommen neuen Aufgabe gegenübergestanden, ohne mich auf irgend welche wesentlichen Teilarbeiten stützen zu können. Ich war bestrebt, eine lebendige Verbindung einstiger alter Markscheidergeräte zu unseren heutigen neuzeitigen Instrumenten herzustellen. Diesem Streben entsprang auch der Gedanke, eine Einteilung markscheiderischer Messungsarten zusammenzustellen, die einerseits das Anfangsglied, anderseits das Endglied der zu einem jeweiligen Meßverfahren benützten oder notwendigen Markscheiderinstrumente geben sollte (Beilage I). Diese Einteilung war sow'ohl gedanklich als auch stofflich nicht immer leicht, jedenfalls aber ist sie neu. Die Winkelmeßinstrumente wurden unterschieden in solche mit mechanischer Verkörperung der Winkelschenkel und in solche, die eine Darstellung der Winkelschenkel durch eine Ziellinie aufweisen. Die mechanische Verkörperung der Winkelschenkel kann, wie wir gesehen haben, durch Kerben, Ritze in Wachs oder metallene Alhidadenarme an Instrumenten verschiedenster Art erfolgen oder aber auch durch die ständig nach Nord weisende Magnetnadel eines Kompasses und seiner Verziehschnur, Gehäusekante oder Hängeebene gegeben sein. Die optische Darstellung der Winkelschenkel eines Winkelmeß- instrumentes erfolgt durch eine Ziellinie, die durch ein Abschauen oder vermittels eines Fernrohrs erhalten werden kann. Wird nun ein Kompaß mit einer Zieleinrichtung versehen, so haben wir ein Winkelmeßinstrument vor uns, das den einen Winkelschenkel auf mechanische, den anderen auf optische Art festlegt. Wie bereits im Laufe der Arbeit beobachtet werden konnte, war ich weiters bemüht, die Aufzählung und • Beschreibung der einzelnen Markscheiderinstrumente einem entwicklungsgeschichtlichen Gesichtspunkte unterzuordnen, ausgehend von der Tatsache, daß nicht nur im Leben, sondern auch in der Technik „alles fließt“. Aus diesem Gedanken heraus sind die schon während der Untersuchung 144 Zusammenfassung. erwähnten und aufgezählten zehn „Markscheiderischen Entwicklungsreihen“ entstanden (S. 40, 62, 69, 73, 83, 98, 102, 105, 124, 126), die, fast möchte ich sagen, eine biologische Entwicklung, das Wachsen und Werden unserer Markscheiderinstrumente, wie es im Verlauf von Jahrzehnten und Jahrhunderten stattgefunden hat, ersehen lassen. Stets und von allem Anbeginn an war im Markscheidewesen wie in der Technik überhaupt das Bestreben vorhanden, Messungsgenauigkeit und Meßverfahren zu verbessern oder mit anderen Worten, den Wirkungsgrad zu erhöhen. Diese Bemühung nach Vervollkommnung liegt dem Menschen im Blut und zeigt sich gleichermaßen am einfachsten und am höchstentwickelten Präzisionsinstrument. Ich habe daher den Versuch unternommen, meine Arbeit mit einer „Stammbaummäßigen Darstellung der Entwicklung der Markscheiderinstrumente und -geräte“ abzuschließen (Beilage II). Diese Zusammenstellung konnte sich auf keinerlei wie immer geartete Vorbilder stützen. Es ist selbstverständlich, daß bei dieser stammbaummäßigen Darstellung der Entwicklung der Markscheiderinstrumente nicht die deutsch- österreichische allein, sondern die gesamtdeutsche Entwicklung berücksichtigt und erfaßt wurde. Wir Ostmärker können aber mit Stolz auf den bedeutenden Anteil hinweisen, welchen der deutschösterreichischeBergbau und das deutschösterreichische Markscheidewesen an dieser gesamtdeutschen Entwicklung genommen haben. Durch verschiedene ausgezeichnete Arbeiten von W. Nehm und K. Lüdemann sind die geschichtlichen Verhältnisse des Markscheidewesens auf dem Harz und im Sächsischen Erzgebirge in den letzten Jahren unserer Zeit nahegebracht worden. Wenn wir nun die Verhältnisse aus den klassischen Stätten des Bergbaus, dem Harz und dem Erzgebirge, mit dem gesamten bergbaulichen, markscheiderischen und kulturellen Wertgut der österreichischen Alpenländer vergleichen, so sind wir vor allem erstaunt über die Fülle, über das hohe Alter und über die hohe Kultur des sich uns Darbietenden! Das Bergwesen und Markscheidewesen Österreichs im ausgehenden Mittelalter und in der beginnenden Neuzeit kann ruhig einen Vergleich mit anderen deutschen Bergbaugebieten aushalten, ja, es war sogar in vielen Beziehungen führend. In manchen wiederum waren auch die Umstände günstiger für die Erhaltung gewisser bergbaugeschichtlicher Gegenstände, Akten oder Instrumente. Die Spuren des Dreißigjährigen Krieges und anderer Ereignisse scheinen an unseren stillen Alpentälern und ihren Bergbauen milder vorübergegangen zu sein als im Harz oder im Sächsisch-böhmischen Erzgebirge. Es kann somit hier erstmalig ausgesprochen werden, daß vom geschichtlichen Standpunkt aus die österreichischen Überlieferungen im Verhältnis zu anderen Bergbaugebieten die geschlossensten sind. Endlich möchte ich nun noch kurz auf die Zusammenfassung der hauptsächlichsten Ergebnisse meiner Untersuchung eingehen, die da lauten: 1. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts sind Setzkompaß und Schinzeug in Tirol und im Salzkammergut schon in Gebrauch. Schinzeug und Einbussolenkompaß waren von etwa 1520 bis 1600, Schinzeug und Zweibussolenkompaß von 1600 bis 1680 in Deutschösterreich in Gebrauch. Schinzeuge mit seitlich angebrachter Bussole, die als Schemnitzer oder Hallstätter Zusammenfassung. 145 Form zu bezeichnen ist, sind von dieser Zeit ab bis etwa 1740 in markscheide- rischer Verwendung. 2. Einfache Wachsscheiben konnten bisher für alpenländische Bergbaue nicht nachgewiesen werden. Dagegen finden sich ein Wachsscheibenkompaß mit Wasserbussole im Schwazer Bergbuch (1556) abgebildet und weiters sind Wachsscheibenkompasse im Salzkammergut als „Scheiblingkompaß“ um 1650 und 1669 in Oberösterreich, Kompasse mit Wachsringen in Form des Alpenkompasses Agri- COLAs bekannt. 3. Ein Hängekompaß in rechteckiger Einschlußform tritt in Österreich bereits im Jahre 1611 auf, also 22 Jahre vor Balthasar Rösslers Hängekompaß. Die Hängekompasse nehmen in Deutschösterreich eine ganz selbständige, vom Altreich verschiedene Entwicklungsreihe ein. Zahlreiche beachtenswerte Erstnachweise von wertvollen alpenländischen Hängekompassen werden gegeben. 4. Die erste Klemmvorrichtung an einem Kompaß wird für Deutschösterreich nachgewiesen (Eisenerzer Kompaß aus der Zeit um 1650). 5. Es werden zahlreiche ältere, im alpinen Salzbergbau in Verwendung gestandene Markscheiderinstrumente erstmalig beschrieben und zeichnerisch dargestellt. 6. Es werden weiters erstmalig Nachweise über sieben verschiedene, bisher völlig unbekannte Kreisteilungen, die im alten österreichischen Markscheidewesen in Gebrauch waren, erbracht. 7. Das älteste Gr üben signal und damit die älteste Zwangszentrierung werden für Deutschösterreich nachgewiesen und stammen aus der Zeit um 1750. 8. Zahlreiche Markscheiderinstrumente, wie Schinzeug, Eisenscheiben, Höhenscheiben und Astrolabien, werden erstmalig zeichnerisch dargestellt oder abgebildet nnd beschrieben. Mehrfache Hinweise und Aufschlüsse über die Tätigkeit und kulturelle Stellung der alten Markscheider im österreichischen Bergwesen werden gegeben. Daß die Alten auch gute Beobachter waren, geht daraus hervor, daß der Markscheider Ambrosius Hatnz den ersten Hinweis auf tektonische Verhältnisse auf seiner Grakofl-Grubenkarte im Jahre 1577 anbringt. 9. Eine Aufstellung einer Liste von 29 Namen oder Namensanfangsbuchstaben österreichischer Verfertiger von Grubenkompassen, Schinzeugen und anderen Markscheiderinstrumenten vervollständigt das Bild der Entwicklung des Markscheidewesens in Deutsch Österreich vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart. So hoffe ich denn, einen Einblick in die geistige und handwerkliche Werkstatt der alten deutschösterreichischen Markscheider gegeben und mit ihm eine Verbindung aus der Geschichte der Markscheidekunst zum neu- zeitigen Markscheidewesen geschaffen zu haben. Wir deutschen Bergleute und Markscheider von heute können mit Genugtuung auf unsere Berufsgenossen in den verflossenen fünf Jahrhunderten zurückblicken. Wir können mit Freude und müssen mit Achtung auf ihre Leistungen sehen, die ganz wesentlich mit dazu beigetragen haben zum Blühen' und an der Entwicklung des deutschösterreichischen Bergbaus. 500 Jahre sind in der Geschichte einer Wissenschaft eine lange Zeit! Ganze Markscheider-Generationen kamen und gingen! — Kunst kommt von Können. Geschichte der Technik, 7. Heft. 10 146 Zusammenfassung. Das, was die alte Schinkunst war, ist auch heute noch die moderne Markscheidekunst geblieben: Ein Fachgebiet, das nicht nur einen ganzen Mann erfordert, sondern auch einen ganzen Bergmann. Die Wiege des deutschen Bergbaus stand im Siegerland, im Harz und im Erzgebirge. — Die Wiege der deutschen Markscheidekunst jedoch stand in Österreich. — Alle vier Gaue aber zusammen mit vielen anderen sind nun unser großes, herrliches Deutschland! Bild 102. Gruben-Repetitionstheodolit. (R. u. A. Rost, Wien.) Verzeichnis. 147 Verzeichnis der Namen und Namensanfangsbuchstaben von Verfertigern österreichischer Markscheider instrumenta. Name oder Anfangsbuchstaben Jalir Ort Gerät , Aufbewahrung M. A . 1550—1600 Kärnten ? Kompasse Leoben H. G. 1595 Tirol? Winkelauftraggerät, Leoben aus Klagenfurt? C. T. 1599 ? Vergoldetes Zielgerät für Neigungsmessung Leoben S. A. M. A . um 1600 Tirol? Kompaß Leoben R. A. 0. S. 1). um 1662 ? Zweibussolenkompaß Wien mit Sonnenuhr Stevr . 1662 9 Scliinzeug Wien A. M. S. S. 1672 Hall i. Tirol Kompaß und Scliin- (Zeichnung) 1 zeug H.W. (Hans Wibner). 1716 Ischl Hängekompaß i Grubenk. Linz M. R. oder M. R. V. P.. . 1727 Alt-Aussee Kompaß und Grad- bogen Iakob Wiltpret . Johann Martin 1737 Wien Gradbogen Wien SCIIMICKHEL . 1740 Graz Zulegeplatte Wien Scliinzeug Leoben Apentena Antonyn Ca- jetan de Neigenfeind 1746 Oberitalien Zielbussole Leoben Simon Oberhäuser .... Ernest Beregrin Ober- 1748 Sehwaz Hängekompaß Wien HAUSER . um 1750 Hall i. T. Hängekompaß Bleiberg Kompaß mit Abseh. Leoben Johann Oberhäuser. .. 1754 Sehwaz Hängekompaß Jodocus Deens. um 1750 Wien Winkelscheibe mit Wien Lineal Antonius Sciiega. um 1750 Prag o. Joachimsthal ? Setzwaage Wien S. L. um 1750 Aussee ? Hängekompaß Hallstatt J. U. L. um 1750 9 Anhaltekompaß Bleiberg Mathias Grill. 1755 Aussee Hängekompaß Aussee Mathias Jakob Presl. um 1760? 9 Zielbussole Krems- und Gradbogen münster Johannes Grill. 1763 Aussee Hängekompaß Graz, Joan- neuin Jakob Strasser. 1776 Hall i. T. Höhenscheibe Wien A. Jasswski . um 1780 Sehmöllnitz Kompaß mit Bleiberg Abschauen Franz Moser. 1780 Prag Gradbogen Leoben Diopter Wien Christian Wilhelm Voigtländer. 1794 Wien Spez. Instr. mit zwei ! Abscli.u.2Fernrohren Leoben J. Dulnig. um 1820 Bleiberg | Astrolabium Bleiberg Huber u. Reichenbach. um 1820 Reichenhall Bussoleninstrument in Astrolabienform Leoben C. E. Kraft . um 1850 Wien : Visierkompaß i Leoben io 4 Personenverzeichnis Abele von Lilienberg 141. Adalbert IV. 6. Adriany 122. Agricola 17, 19, 21, 22, 23, 24, 25, 27, 28, 38, 39, 41, 53, 64, 68, 72, 73, 103, 106, 107, 108, 113, 130, 140, 145. Albert Bischof von Trient 5. Albrecht II. 10. Andrian 57. Aubell VII, 97, 101, 114. Auzut 16. Awfi 29. Bainstingl 141. Beer 20, 21, 113. Berger 138. Beyer 65, 70, 91, 99, 123. BORDA 99. Branden berg 101. Brathuhn 60, 74. Braun 80. Braunsdorff 74. Braunschweig- Wolfen - büttel, Julius von 65. Breitiiaupt 101. Briggs 16. Buchgruber 104, 111, 112, 113. Chaucer 32. Columbus 31. CSETI 114. Darmstaedter 15. Deens 109, 118, 147. Descartes 16. DolezalVII, 114. Dulnig 147. Egkelzhaim 10. Feldhaus 29, 64, 65, 79. Fennel 85. Ferdindnd I. 11, 135. Florentin 137. Fox 123. Francesco di Ciorgio Martini 31, 64, 68. Fraunhofer 84, 97. Friese 134. Fuhrmann 74, 81. (jtALILEI 97. Gascoigne 16. Gastö 93. Gauss 97. Generini 97. Giuliani 20,96,101,104,114. ! Gonser 106. Grill J. 147. Grill M. 57, 147. Ha BERMEL 118. IIainz 145. IIANSTADT 20, 72, 113. Hartmann 80. Heinrich der Lange 30. Heinrich der Löwe 30. IIennig 29. Hero von Alexandria 5, 75, 130. Herttwig 136. Herzog Siegmund 133. Hessen, Wilhelm von 43. Heyde 79, 80. Hildebrand 74. Hipp arch 130. Holzhammer 110. Hommel (IIumelius) 15. Huber 81, 82, 85, 92, 147. Huebmer 137. IIUYGHENS 15, 113. Jansen J. 97. . Jansen Z. 97. Jasswskt 147. Jordan 15. Jugel 81. Junge 101. Kefer 139. Kepler 15, 97. Kirnbauer 2, 3, 11, 13, 14, 21,25,27,30,33,36,39,41, 54, 62, 64, 103, 114, 127, 130, 135. Kliever 136. Kluge 140. Knociieniiauer 5, 30. Ko WARZE WSKI 72. Kraft 65, 85, 147. Kral 110. Krause 6, 22, 30, 31, 32, 37, 53, 54, 61, 74, 75, 123, 130. Krumpft. 71. Langer 74. Lang v. II anstadt 20, 72, 113, 120, 121, 122. Lehmann 74. Leibniz 16. Lempe 37, 114, 127. Levi BEN GeRSON 15. Liesganig 114. Lipperhey 97. Lippmann 29. Löiineyss 136. Lori 9, 68. Lüdemann 23, 32, 70, 71, 72, 144. Lusciiin 83, 84, 85. Matiiesius 141. Mautner 141. Maximilian I. 135. Mayer <1. Ä. 97. Mayer d. J. 114. Personen Verzeichnis. Melanchton 15. Miller v. Hattenfels 21. Mitshell 29. Möiiling 139. Moser 60, 90, 147. Moshammer 139. Moritz von Nassau 97. Morton 50. Neckam 29. Nehm 8, 9, 15, 10, 23, 28, 118, 139, 144. Neigenfeind 78, 79, 85, 87, i47. Neper (Napier) 10. Neumayer 85. Ramsden 17. Regiomontanus 15. Reichenbacii 81, 82, 92, 97, 98, 147. Reiciielt 74, 84. Reinhold 15, 19, 08, 74, 77, 83, 85, 130. Reizner 121. Repsold 42, 97. Rhaeticus 15. Riedl 2, 34, 35, 37, 41, 59, 00, 07, 70, 95, 101, 129. Riese 15. Riezinger 137. Ripking 16. Rittinger 81, 83, 84, 85, Newton 10. 96. Nunez 16. i Römer 113. ! RÖssler 53, 55, 00, 01, 03, Oreriiauser Johann 58, 59, | 104, 145. 03, 147. i Rhode 91. Oberhäuser Peregrtn 59, j Rospin i 38. 00, 63, 147. Rothe 113. Oberhäuser Simon 57, 58, I Rülein von Kalbe 32. 59, 63, 60, 07, 147. Oppel 70. Osterland 61, 03. Penkert 74. Perloiiner 138. Peter de Martcourt (Peter Peregrin us) 30, 32. Perz 05. Picard 10, 113. POGGENDORF 97. Poppl 138. Presl 79, 147. Preusciien 4, 137. Purbacii 15, 80. IJuirtng 5. Schega 108, 147. Sciimalkader 77. Sciimickhel 51, 52, 73, 123, 147. Schmidt 15, 17, 85, 91. Schneider 97. Sciiraml 132, 137, 139. Schreiber 74. Schubert 01, 03. Sciiück 30. Shonkua 29. Sommerhuber 141. Sperges 5, 17, 18. Stariiemberg 138 Steur 46, 147. Stigler 127. 149 Strasser 90, 95, 147. Studer 61, 70, 71, 72, 73, 74, 81, 101. Styger 75, 104. Thevenot 10, 113. Tichy 114. Veith 9, 135. Vernier (Werner) 16. Vischer 26, 27, 39, 41. Voigtländer O. W. 91, 93, 147. Voigtländer Gebrüder 91, 93. Voigtländer J. C. 121. VoiGTEL 19, 32, 54, 55, 00, 70, 74, 80, 122, 140. Wehn er 29. Weidler 32. Weigel 23, 103. Weisbacii 20, 74, 85, 97, 101 . Wenzel VI. 8. Wibner 110, 147. Widukind von Schwabenberg 30. Wilski 5, 6, 7, 9, 17, 19, 20, 21, 27, 30, 32, 53, 00, 04, 68, 97, 100, 107, 113, 126, 127, 130, 131, 140. Wtltpret 00, 147. Wingate 10. Winter 29, 32. Wisselmann 43. Worms 9, 133. , ' Zdarsky 74, 113. Zollmann 95, 129. Zschocke 4, 130. Orts- und Sachverzeichnis. Abbruch 110. Abschauen 75, 76, 77, 81, 84, 86, 87, 89, 90, 92, 95, 104, 109. Abstechen 26, 110. Affinzeichner 123. Alpenkompaß 25, 26, 27, 28, 38, 39, 41, 72, 73, 113, 130, 145. Alpenländer 4, 9, 13, 67, 140, 144. Alpenteilung 39, 126, 130. Altaussee 36, 37, 38, 57, 67, 147. Anhaltegradbogen 24, 64, 130. Anhaltekompaß 32, 41, 54, 147. Annaberg 15. Annäherungsmesser 84. Armaufstellung 101, 104. Astrolabium 81, 82, 90, 91, 92, 93, 99, 145. Aufhängehaken 58, 59, 60, 61, 63, 64, 65, 66, 67, 71. Aufliängeösen 65, 68, 85. Aufhängung 64, 103. Aufsatz 106, 107, 108. Aufstellungsarten VII, 102, 103. Augsburg 31. Aussee 18, 55, 67, 91, 103, 129, 147. Ballontheodolit 80. Bastschnur 20. Bayrische Nationalbibliothek München 3. Beineinlegearbeit 35, 56, 57, 115. Berchtesgaden 22. Bergbuch 12. Bergbarte 50, 65. Bergklafter 17, 18. Bergkompaß 24, 28, 32, 36, 38, 41. Bergmeister 6, 139. Bergordnungen 5, 7, 10, 11, 132, 135, 137. Bergrecht 5, 6, 7, 8. Bergreichenstein 50, 52. Bergrichter 12, 132, 133, 135, 141. Bergschinereid 135, 136. Bergschnur 12. Bergstabei 17, 18, 19, 57, 65. Bergstunde 128. Bergwaage 6, 47, 64, 65, 67, 68, 69, 106, 111, 113. Bleiberg 59, 67, 70, 76, 95, 101, 147. Bockaufstellung 104. Bodenaufstellung 23, 103. Böckstein 136, 137. Brettaufstellung 103. Bussole 76, 117, 144. Bussolenastrolabium 82. Bussoleninstrument VII, 74, 77, 79, 81, 82, 83, 84, 85, 92, 96, 147. Bussolentheodolit 83, 85. Bydmark 10, II, 12. Calesberg 5. Catageolabium 96, 101, 104. China 29. Clausthal 17, 23. Däumel 18. Deklination 32, 45. Deklinatorium 85. Deutschland 80,104, 131. Deutschösterreich 16, 55, 131. Dezimalrechnung 140. D if f erentialr echnung 16. Doppelbildtachymeter 20, 98. Doppelbügelaufhängung 53, 54, 60, 63. Doppelringaufhängung 53, 54, 60, 63. Doppelstunde 95, 96, 126, 129. Dosenlibelle 72, 114. Dreiecksmessung 21. Dreifuß 22, 76, 79, 96. Dreifußaufstellung 93, 104. Dresden 69. Durchschlag 7, 12. Ebenhöhe 13. Ebenwaage 68, 111, 113. Eid 133, 135, 136. Einbussolenkompaß 34, 38, 39, 40, 41, 52, 72, 73, 128, 144. Einwägen 13, 67, 113. Eisenerz 13, 20, 36, 141, 145. Orts- und Sachverzeichnis. 151 Eisenerzer Herdbuch 12. Eisenerzer Museum 20. Eisenscheibe VII, 62, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 88, 89, 98, 99, 104, 145. Eisenscheibe mit Abschauen auf Stuhl 87, 88, 104. Eisleben 17, 19. Elle 18. Entwicklungsreihe I 40. • II 62. - III 68, 69. IV 72, 73. ■ - V 83, 84, 85. - VI 98, 99. — VII 102, 104. — VIII 105, 110. — IX 123, 124. — X 125, 126. Erbstollen 6. Erdwaage 67, 110, 113. Erzberg 12, 141. Erzbergbau 13, 36, 42, 52, 123. Erzgebirge 14, 52, 53, 129, 146. Ettenhartisches Bergbuch 134. Euklidische Geometrie 16. Fadenkreuz 16, 97. Feldmeßkunst 131. Ferdinandeisehe Bergordnung 11, 132, 134, 135. Ferdinandeum Innsbruck 3. Fernrohr 15, 16, 84, 85, 93, 97, 113, 114, 143. Fernrohrkompaß 65, 83, 84, 85. Firsteisen 10. Firstenwaage 112, 113. Frankreich 131. Freiberg i. Sa. 5, 17, 53, 61, 71, 72, 101. Frölmer 132, 133. Fronbote 8. Geogr. Seminar — Universität Wien 27. Geologenkompaß 41, 50, 85, 127. Geometria subterranea 19. Geometrisches Quadrat mit Abschauen 76, 85, 86, 99, 104. Germanisches Museum, Nürnberg 61. Geschworener 6, 12, 132, 138. Gliedermaßstab 20. Gmind 18. Göllnitz 122. Golderzbergbau 36, 136. Goslar 8, 30. Goslarer Bergrecht 8. Grad 82, 90, 93, 115, 118, 120, 125, 126, 130. | Gradbogen Vll, 23, 24, 38, 51, 61, 63, 64, 65, 66,' 67, 68, 69, 70, 81, 83, 85, 96, 109, 113, 130, 147. Gradteilung 52, 65, 70, 75, 82, 85, 86, 120, 130. Grakofl 145. Graz 51, 147. Graupen 71. Grubenkarte 1, 4, 26, 28, 31, 33, 36, 54, 55, 61, 67, 75, 104, 110, 113, 114, 123, 137, 139, 145. Grubenkonipaß 36, 50. Grubennivellierinstrument 114. Grubentheodolit VII, 98, 99, 101, 104, 131, 146. Halbkreiswinkelscheibe 117, 124. Halbstunde 71, 115, 125, 126, 128, 129. Hängekompaß VII, 32, 33, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59, 60, 61, 62, 63, 70, 80, 81, 104, 128, 145, 147. Hängetheodolit 101, 131. Hallein 9. Halleiner Bergrecht 9. Hall i. Tirol 34, 35, 44, 59, 63, 90, 95, 109, 114, 128, 147. Hallstatt 25, 47, 107, 110, 111, 138, 139, 144, 147. Hallstätter Museum 57. Hallstätter Salzberg-Handlung 2. Hallstätter Schinbuch 2, 103, 114, 127. Handkompaß 28, 32, 33, 34, 36, 41, 54, 111 . Harz 4, 9, 14, 15, 22, 23, 28, 41, 50, 52, 53, 103, 118, 129, 136, 144, 146. i Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien 1. ! Herrengrund 122. ! Hilfshängezeug 72, 74, 84. ' Höhenscheibe 94, 95, 101, 145, 147. Höhenwinkelmeßgerät mit Abscliauen 87. Holland 97, 104, 131. | Holzscheibe 6, 27, 40, 95. Iglau 5. ! Innerberg 12, 13. | Innsbruck 133. Instrumentenbau 14. i Ischl 26, 110, 138, 139, 147. Integralrechnung 16. , Italien 30. Joachimsthal 17, 71, 141. Kardanaufhängung 59, 60, 61. Kerbe 27, 143. 152 Orts- und Sachverzeichnis. Kippregel 04, 99. Kitzhühel 4, 87, 8!), «JO, 91). Klagenfurt 20, 34, 44, 101, 115, 117. Klafter 12, 17, 18, 129, 139. Klaftermaßstab 20. Kleine Stunden 126, 129. Klemmvorrichtung 27, 60, 145. Kompaß 4, 22, 25, 27, 28—34, 36, 37, 38, 41, 44, 46—48, 50, 52—55, 57—61, 63, 68, 70, 73, 74, 79, 84, 90, 114, 120, 122, 127, 128, 130, 141, 143, 147. Kompaßaufstellung 103. Kompaßbüchse 22, 34, 38, 82. Kompaßmessung 4. Kompaßstäbchen 81, 96. Koordinatograph 123. Kreisteilungen 78, 125, 129, 145. Kremsmünster 79, 139, 147. Kreuzhängezeug 53, 63. Kreuzschnüre 81, 84. Kuttenberg 5. Lachter 7, 17, 19, 20, 25, 39, 65, 66, 86, i 129, 139, 140. Lachtermaß 47. Lachterschmiege 20. Lachterstab 20. Längenauftraggerät 47, 114. Längenmaß 17, 18. Längenmeßgerät 20. Längenmessung 4, 6, 17, 19, 20, 84. Landesarchiv Linz a. 1). 1, 2, 25, 27, 55, 75, 104, 110, 111, 137. Landesarchiv Steiermark 25. Landesmuseum Linz a. 1). 27. Lehen 6, 7, 12, 18. Leoben 18, 20, 33, 52, 79, 81, 120, 147. Leobener Hochschulbücherei 3. Leobener Hochschule siehe Montan. Hochschule, Leoben. Leobener Lehrkanzel für Markscheidekunde 2, 36, 53, 70, 77, 81, 86, 115, 118, 129. Leobener Sammlung 1, 20, 34, 36, 37, 42, 46, 47, 52, 53, 58, 65, 66, 79, 87, 91, 92, 97. Libella 16, 64, 89, 104. Libella stativa 106. Lindenbastschnur 19. Linz a. I). 25, 147. Logarithmen 16. Lotwaage 106, 113. Magnetismus 29. Magnetische Nordweisung 29. Magnetkollimator 85. Magnettheodolit 85. Markscheidekunst 1, 4, 17, 19, 20, 70, 81, 91, 101, 140, 142, 145. Markscheider VII, 3, 8, 9, 12—20, 23, 25, 26, 28,31, 34, 39, 52, 53, 59, 67, 75, 81, 87, 97, 99, 123, 129, 132, 133, 135, 136, 139, 140, 142, 145. Marksclieidereid 133, 135, 136. Markscheiderinstrumente 1, 2, 40, 41, 52, 72, 74, 96. Markscheiderisches Schinzeug 63. Markscheidetäfelchen 136. Markscheidewesen 1, 2, 4, 14, 15, 17, 20, 25, 28, 32, 54, 88, 104, 129, 130, 131, 132, 136, 138, 143, 144, 145. Massa marittima 30. Maßstab 17, 20, 61, 68, 114. Mathematik 14, 15. Mathem.-Pliysikal. Salon, Dresden 32, 118. Meßband 61. Messingkette 20. Meßkette 20, 61. Meßlatte 20. Meßrad 77, 78. Meßseil 17. Meßstab 4. Meßstange 17. Messungen 1, 7, 24, 28, 52, 63, 70, 72, 74, 99. Michelhallbach 26, 55, 56. Middelburg 97. Mikrometer 16. Mißweisung 31, 32, 45, 60, 82, 128. Mitterberger Kupfererzbergbau 4. Montanistische Hochschule, Leoben 1, 2, 3, 18, 24, 41, 53, 110, 117, 120, 125, 131. Museum W olfen büttel 65. Nadelklemmung 36. Näherungsgrad 64, 126, 130. Nationalbibliothek Wien 3. Neigungsmessung 24. Neuberg 23. Neudorf 128. Neugrad 126, 131. Nivellement 13, 113. Nivellieren 67, 113. Nivellierinstrument 113. Nivellier latte 68. Nivellierwaage 113. Nonius 16. Nürnberg 31. 0. O. Landesarchiv Linz a. D. 1, 2, 55, 56, 75, 111. Orts- und Sachverzeichnis. 153 Oberösterreich 26. Oberungarn 6, 18, 20, 52, 104, 141. Österreich 1, 3, 6, 10, 14, 25, 53, 55, 63, 74, 119, 122, 132, 135, 140, 143, 145. Ostmark 3, 16, 26. Papyrus 5. P endelwaage 113. Physik 14. Pinmark 11. Plesiometer 83, 84. Polygonzug 7. Prag 66, 96, 103, 147. Pribram 20. Prismenkompaß 77. Proportionsgerät 123. Proportionalzirkel 125. Radhausberg 136, 137. Radmeister 13. Rammelsberg 8, 14, 30. Rechenquadrant 125. Rechenschieber 16. Reichenhall 82, 147. Riclitungsmessung siehe Winkelmessung. Rißzeichnen 4. Rittingers Visierinstrument 81, 82, 83, 95, 96, 101. Röhrenlibelle 113. Sachsen 20, 22, 28, 65, 91, 118. Sächsisches Erzgebirge 4, 15, 19, 28, 50, 55, 65, 103, 129, 136, 144. Salzbergbau 13, 26, 42, 52, 55, 91, 113, 123, 137, 138, 139. Salzberginstrumente 110, 111, 112, 113, 145. Salzburg 136, 141. Salzburger Bergordnung 68. Salzkammergut 1, 18, 26, 28, 36, '38, 47, 56, 103, 104, 111, 113, 129, 132, 133, 137, 138, 139, 140, 141, 144, 145. Schachtlotung 21. Scheibeninstrument 91. Scheibling 26. Scheiblingkompaß 26, 28, 145. Schemnitz 5, 6, 7, 17, 67, 122, 138, 144. Schichtmeister 132, 133. Schin 10, 28, 68, 114, 137. Schinbuch 1, 2, 14, 25, 137. Schiller 3, 8, 9, 10, 12, 13, 28, 33, 42, 132, 133, 134, 141. Schinkunst 4, 138. Schinzeug VII, 22, 28, 34, 41—44, 46, 47, 49, 50, 51, 52, 70—74, 107, 108, 129, 134, 144, 145, 147. Schladming 10. Schladminger Bergbrief 10, 68. Schmalkalder Bussole 77, 84. Sclimöllnitzer Scheibe 119, 120, 121, 124. Schneeberg i. Sa. 91. Schnellplan-Eisensclieibe 90, 99. Schnur 19, 20, 22, 27, 42, 53, 54, 61, 62, 64, 65, 66, 68, 70, 72, 99, 133. Schnurdreieck 6, 20. Schnurmessung 21. Schnurtachymeter 74, 113. Schrotwaage 68, 105, 106, 113. Scliwaz 2, 18, 57, 58, 59, 63, 66, 67, 133, 147. Schwazer Bergordnung 68. Schwazer Bergbuch 2, 3, 9, 11, 12, 18, 28, 33, 41, 53, 54, 99, 103, 132, 134, 145. Sehnenrechnung 130. Segelstein 29. Setzgradbogen 109, 110. Setzkompaß VII, 27, 28, 32—38, 40, 41, 42, 45, 46, 52, 54, 71, 76, 83, 103, 107, 128, 144. Setzlatte 38, 48, 106. Setzwaage VII, 48, 70, 104, 105, 106, 107, 108, 109, 110, 147. Siebenbürgen 52. Siegerland 5, 146. Signalgerät 101. Silbererzbergbau 15, 59. Skrupel 140. Solileisen 10. Solilwaage 6, 106, 112, 113. Sonderstunde 32, 38, 73. Sonnenuhr 38, 45. Spezialinstrument mit zwei Fernrohren und zwei Dioptern nach Art der Astrolabien 93, 147. Spreizenaufstellung 50, 102, 104. Stahlband 20. Stahlmeßband 20. Stangenaufstellung 104. Stativ auf Stellung 107. Steckhülsenaufstellung 101. Steckzapf enauf Stellung 101. Steigertheodolit 84. Steilschachtvermessung 72, 101. Steirischer Erzberg 12, 141. Steirisches Landesarchiv 13. Steyr 141. Stockaufstellung 79, 103. Stockstativ 22, 48, 81, 103. Stollen 6, 39. Stollenschild 137. Storchschnabel 123. ] 54 Orts- und Sachverzeichnis. Stuhl 104, 111. Stuhlaufstellung 103, 104. Stunde 71, 72, 76, 84, 91, 117, 119, 120, 121, 125, 126, 127, 128, 132. Stundenteilung 37, 66, 70, 75, 91, 120, 127, 129. Tachygraphometer 90. Taeliymetrie 82. Tachymetertheodolit 97. Tamsweg 141, 142. Tangensteilung 24, 87. Technisches Museum, Prag 46, 51. Technisches Museum, Wien 1, 35, 38, 45, 46, 52, 57, 60, 76, 82, 83, 90, 91, 95, 96, 108, 109, 111,*118, 120, 123, 125, 129. Theodolit 72, 74, 88, 95, 96, 97, 99, 101, 104, 131, 143. Theodolitaufhängung 104. Theodolitaufstellung 97. Tirol 3, 9, 12, 14, 18, 37, 66, 87, 114, 117, 129, 133, 134, 141, 147. Transporteur 117, 122. Transversalmaßstab 15, 78. Transversalteilung 77, 118. Trient 5, 10. Turin 4. Tyrus 30. Vermessung 8, 114, 138, 139. Vermessungskunde 130. Verziehschnur 53, 63, 65, 67, 81, 111, 142. Verziehschraube 53, 54. Visierinstrument 81, 82, 129. Visierkompaß 75, 77, 85, 130, 147. Vollkreiswinkelscheibe 118, 124. Volkstechnik 14. Vordernberg 13. Waage 68, 113. Wachsscheibe VII, 22, 23, 24, 26, 27, 28, 40, 41, 103, 107, 130, 145. Wachsscheibenmethode 21, 24, 25, 28, 39, 86 . Wachsscheibenkompaß 26, 27, 39, 41, 103, 145. Waldenburg 101. Wasserbussole 25, 28, 29, 30, 145. Wasserwaage 68, 113. Wehrkompaß 111, 113. Wien 121, 147. | Wiener-Neustadt 114. 1 Wikinger 29. i Winkel 6, 27, 114, 128. Winkelauftraggerät VII, 114, 115, 116, 117, 119, 122, 123, 124, 131, 147. Winkelmaß 7. Winkelmessung 17, 20. Winkelmeßzug 6, 7, 89, 99. Winkelscheibe 49, 108, 115, 117, 118, 129, 147. Winkelteilung VII, 22, 125, 126, 127, 128, 129, 130. Winkelweiser 80, 81, 83, 85, 96. Wittenberg 15. Wölbling 82. Wolfenbüttel 65. Zahnkreis 77, 79, 87, 88. Zahnkreistheodolit 79, 80. ' Zapfenaufstellung 79, 101. Zapfenstativ 76, 82, 91, 93, 95, 101, 113. Zeichengerät 123, 124. Zeiring 10. Zentesimalkreisteilung 131. Zielbussole 77, 78, 79, 80, 85, 87, 147. Zielbussole mit Zahnkreis und Meßrad 77, 83, 96. Zielgerät 86, 89, 99, 100, 101. ! Zielgerät zum Auf setzen für Neigungsmessung 24, 86. | Zielinstrumente VII, 74, 85, 89, 95, 98, 99, 101 . Zielkompaß 75, 76, 77. Ziellinie 74, 75, 76, 86, 87, 90, 97, 143. Zielzeichen 77, 95, 99. Zinnwald 71. ZoLLMANNsclie Scheibe 95, 129. Zollteilung 79, 115. Zugbuch 61. Zugwinkel 81. Zulegen 55, 59, 61, 80, 90, 114. Zulegelineal 37. Zulegeplatte 38, 49, 50, 51, 52, 59, 60, 76, 83, 84, 111, 122, 123, 147. Zwangszentrierung 95, 99, 100, 101, 145. Zweibussolenkompaß 32, 34, 35, 41, 45, 46, 52, 72, 73, 144, 147. Zwirnschnur 19. Zwischenpunkt 11. Manzsche Buchdruckerei, Wien IX. Länffenmessunj?: Richtungs- messung: Winkelmessung: Höhenmessung: Schachtmessung: Einteilung markscheiderischer Messungsarten. mittels mechanischer Hilfsmittel: mittels optischer Hilfmittei: | magnetische Einrichtung: | astronomische Einrichtung: Lage winkel Höhenwinkel Lage- und l Höhen winkel f Ein wägen mechanischeVerkörperung derW in kel - schenke!: Festlegung der Winkelschenkel durch eine Ziellinie: mechanische Verkörperung derWinkel- schenkel: Festlegung der Winkelschenkel .durch eine Ziellinie: mechanische Verkörperung der Winkel- schenke!: Festlegung der Winkelschenkel durch eine Ziellinie: Festlegung der Winkelschenkel auf teils mechanische, teils optische Art: mittels einer mechanischen Waagrechten : mittels einer optischen Waagrechten (Ziellinie): AnfangxgUed : Schnur und Maßstab, älteste Zeiten Reichenbachs Tachymetertheodolit, 1810 Wasserbussole, Markscheider-Kompasse Wa,chsscheibe, nach 1500 Astrolabium von Beyer, 1749 Gradbogen, 1465 Geometrisches Quadrat von Purbach, um 1450 Setzkompaß mit Schinzeug, nach 1500 Eisenscheibe mit Abschauen, 1780 Hallstätter Zielkompaß mit geometrischem Quadrat, 1698 Schrotwaage, Bergwaage und Schnur Reinholds Zielkompaß, 1574 trigonometrische Höhenmessung: siehe Höhenwinkelmeßgeräte und Steilschacht- vermessung ohne Borciiers Verfahren ^ barometrische Höhenmessung Quecksilberbarometer, Ripking 1712, Celsius 1720 , unmittelbar: Schnur, Meßband Schachtteufenmessung mittelbar an Lotdraht oder Förderseil: Steilschachtvermessung ( mit mechanischem Lot Schachtanschlußmessung j I mit optischem Lot: Studers Eisenscheibe, 1801 Borchers Steilschachtgerät, 1869 und unmittelbarem Richtungsanschluß und mittelbarem Richtungsanschluß Schachtlotgerät von Viertel Endglied: Stahlmeßband Invar Doppelbildtachymeter Orientierungs-Magnetometer V er messungskreisel Hängekompaß, Zdarskis Sclmurtachymeter ZoLLMANNsclie Scheibe, 1780 Gradbogen Höhenscheibe v. Strasser,1776 B ORCHERS - F UIIRM AN N seil es Hängeniveau, 1928 Studers Eisenscheibe, 1801 Theodolit Bussolentheodolit Grubenstaffelzeug Nivellierinstrument Aneroid Meßband oder Maßgestänge Teufenrad Leobner Steilschachtgeräte, Zeißgerät, Objektiv-Prisma Schachtlotgerät von Wilski- Hornoch Schachtlotgerät von Fox Schachtlotgerät von Nagel Stammbaumma fii QQ' 'DorffaHun p der Entwicklung der NarkfcbeiderinftrumentQ und ~ Seräfe Entwurf und 2 u[ammen ff B flung von, F. Kirnbauir . lohn Schnür ü.iAaßftab ■ISoo (Hanffcbnür ü. Hohmafyfhb) ( ßt rj i ft ab!) (Lachter) Senke/ ü-Schnür Scbrotwaage Bergwaage u-Schnür Hangegrad bogen (Mb?) Wofferbüffole Hargllbt floffa marittim* iloo } Diopter tinea! I | I tgtOmetrifcpaS äOadrat 1 YFo Sam-paß Jc^waj mgo einfache Wad)tfc/}tibt | Wacbtfchtibe mH Kompaß Setgkompoß Se.jjingüüg (f(n b üffoltnkompoß) Maßftab Transverfaf maßftab iülegalintQl für Sebingeüge L in dznbaftfcbnüre Agr/eo/as ISSl Anbottegradbogen t Setzwaage AgricO/as 1 S 5 X Alptnkompaß Agrieolat 15Sb Waff er waage, Gradbogen, 1- f/i' veilier Latte. £■ Reinhold 1SJ-H i—;— Rtin/)olds Zielkompaß 1?7H A n bolle kompaß 5rakofl-Karte iS"f? kein holds düadrant mit Abflauen 1*W viereckiger Hinfblüß •Lat (jrubenkorflpaffet 1600 Z wtib üffoten kgm paß ab I ■iboo \ / Sctgkompaß in Rechteck- $*bcL(Zf& 1b 1i Hängekompaß v. Rüßler 1683 1 . Korn paff mit Arretier- vorn chtüng aut Ffenerg üm YeSo Eielinftrüment fttr Neigung ! me ffüng 1 Ffg Winke!aüfiraqgerat irgS Karfierüngiinftrüment üm 16oo Voll kreis winkt/fe/geibe um 1Coo VoUkreis winke tft^e» 'b a mit drohb- Stundenring HSb If 00 1800 ■igOO yfgn Schmire gezwirnt u. in ö! gefotten (Voigtei) 1686 Hüyqb & nt fendel ~ nivellier in ftrument m- fern rohr 1bte Picards Pe.nde.1 nis/oHierinfirümeni 1C8Y feidtnt Schnur« ü. MefokeHon ( Oppe .1 1119 ) Zwirnfebnure in Öl gefotten Cf. mH Macht qewichft (Oppe! 17vg) Schnür J. Meßkette K/aftermabfiab entlang gefpannter Schnür (qiüliani 1798 ) Tacßym etertbeodolitb v- Reictjenbacb 1*10 Hanf/ad/t Lacbterftabe Weisbaebt Langen meßgerat 18 S 9 Stabirnaftband 1 ' 8 J 3 Borehert Mef gafionge 1881 ^tat)/meßbana/ Scb/e be taeby meter Tacßy graph 0 m eter Doppelbild- tachy meter Sefggradbogen MFo Rotzes Bergwaage l?ss Aufkommen der RobrenUbellt 1 ?Sc -M80 t)ofe.ntibelle vor 1 jgg I 2 . Ntvelherlatta 18-10 v • HqnftadtS markfc-beod)- Nivellier Waage. 1835 - Borc/jert Steil-)) ‘jerat ie(g Voigteis Winke!weiftr 168t I HüH flatter fitlkompaf mit feit/- Abfcßaüen UM I Voigteis ZieJkompak mH Zülegtplaite- Yfl3 Schmgeug 'Her fnrrm HaUftdi •d» 19-00 ■V/ Ntigenfeivctfd)t ZieJbüffo/e 1W8 lkin keimefq era t mit Za/)ntriob 1fio Anbaltekompaf) Voiytd: ü- Weictiers für Ubmrgüg mH Haken (i?i) ü, /mj W \r Schac/)Uot- gerefte vrm Loialraljt Wf/tki - Hör noch. mit Sef^niuead itio trüben [taffelgeüg Leobner F °*' f‘ er M Wydlierinftrümenl- ag u a. Teüfenrad Zeifogeraf HdngeniveJtier V- Bge'ti fggu HÜngt-niveUier v. ß^iti-Üaleial Hänge nive Uitr VmQga/i—Wihki ( Reft) Bears Sif anfcbeibe i?jy s.^,6 Brc it ,u v 4 ^ I iw Hdnqtkompaffe der brüder Ober baufer dm 1 fSo auf Stockfiahv 1?81 u> , J ri. Hongekompafc u- Sdjübert 1J8o L&mpt v *rdffeatlic-trt 112 X 1- Arretier Vorrichtung Eifenfcbeibe V- ftüder 1801 ?rübenme^lifc/) Schmalkalden (büffo/e -* 81 Z Büff ölen inftru ment v - Huber- Reichenbaef 1SZ0 Aftro/ab/üm v Beyer 1fpg einfaches Aftro!abiüm Aftrolabiüm mH Hoben kreis Bifenftbübe mit Abfcbaütn Cum Mio) ZoUmannfc/ft ^ c beibf C üm 1fio) \h ■ Leobner früher Signal für fwangtgentriarupf um MSo t Saigkamm ergüt - We!)rk.omprmann 1fj<) Penkart Ufo l Hi ftf,ang e geug 2 ahn kr eis Ib&odolit Ballon Hg^odolit v. Hartmann-AJe 191F Flak - Theodolit Büffoltn theodol/t -i Langerfb es Hilfthängegeüg 18 gg Häng*, kompafg Ir “ Scbnel/p/an- Eifanfcbeibe IJ80 Satageolabiüm (yiüh'anit ijgg Aftrolabiüm mH Hüben kr eit ü. Hilfsdiopter am-^ründkreis 18 o» Theodolit v- Reicfenbacb i 8 ot 8/eiberger Tie/gsnat J | Mio fia/ianit^idgtrii 1)98 Einfäbrüng du Theodolits Inohe Cjrübt durch Weisbacp üm 185(0 WeiibacbfHft fuangt* gentrierü*tg 18 SV Hüngelbtodolit v. Brandenberg 191t ttlZtlZr MlUfUM \ / Sr Ob en meßtifcb Univerfal-Crapbicon V- Bofctfiij 18 g» Voigteis 1- JCLlegephtte 1686 Theodolit Markf beider- /fielgerät* für ^wongrj»n trie rung t^Qßftab Tran.- Vtrfalmafiftab Nonius- tAaßfta b Mikrofkop -N\offtob Halbkreis winke!febeibe n mH L ineal Schmollnitger Abet be ‘ 178 o bit 187o Sc/jmcUnitjer Scheibe Winktlftbeiben Zü!egeplatte & 00 b* Stereetransporteür Affingeiebner v To*