FORSCHUNGSINSTITUT FÜR TECHNIKGESCHICHTE IN WIEN BLÄTTER FÜR TECHNIKGESCHICHTE NEUNTES HEFT SCHRIFTLEITUNG: MINISTERIALRAT DIPL.-ING. V. SCHÜTZENHOFER MIT 10 ABBILDUNGEN WIEN • IN KOMMISSION: SPRINGER-VERLAG • 1947 . .. '_< •JU BLÄTTER FÜR TECHNIKGESCHICHTE FORSCHUNGSINSTITUT FÜR TECHNIKGESCHICHTE IN WIEN BLÄTTER FÜR TECHNIKGESCHICHTE NEUNTES HEFT SCHRIFTLEITUNG: MINISTERIALRAT DIPL.-ING. V. SCHÜTZENHOFER MIT 10 ABBILDUNGEN WIEN • IN KOMMISSION: SPRINGER.VERLAG • 1947 Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung in fremde Sprachen, Vorbehalten Printed in Austria Für die freundliche Unterstützung meiner Arbeiten durch Bereitstellung von Archivalien, Dokumenten und Abbildungsvorlagen spreche ich der Leitung und den Angestellten des Haus-, Hof- und Staatsarchivs, des Hofkammerarchivs, des Archivs des Bundesministeriums für Unterricht, der Nationalbibliothek, der Bücherei und des Archivs der Stadt Wien, der Bücherei der Technischen Hochschule, alle in Wien, sowie des Steiermärkischen Landesarchivs in Graz hiemit den verbindlichsten Dank aus. — Auch lege ich Wert darauf, festzuhalten, daß die Sekretärin des Instituts, Frau Therese Stampfl, mir bei den Archivforschungen wertvolle Dienste geleistet hat. Vom k. k. Fabriksprodukten-Kabinett zum Wiener Technischen Museum von heute. Von Viktor Schützenhofer. Mit 8 Abbildungen. Über das Wiener Technische Museum für Industrie und Gewerbe ist bereits — auch im Rahmen dieser Veröffentlichungen — des öftern geschrieben worden, jedoch, wenn man von dem der Erbauung des neuen Hauses vorangegangenen Bericht Wilhelm Exners aus dem Jahre 1908 absieht, immer weniger über das Institut als über die Verdienste einzelner Personen um dessen Auf- und Ausbau. Die vorliegende Erörterung soll eine gedrängte, rein sachliche Darstellung des Werdens des Wiener Technischen Museums geben, und zwar nicht allein der Schöpfung aus dem Jahre 1918, sondern auch seiner, einem Wirtschaftsbedürfnis Österreichs entsprechenden Entwicklung von der ersten Form des Entstehens zu Beginn des 19. Jahrhunderts bis’zu seiner jetzigen Form, eine Darstellung, die zeigt, daß das Wiener Institut nach dem Conservatoire des Arts et Metiers in Paris zeitlich das zweite Technische Museum der Welt ist. Solange Werkstätten für die Heranbildung der Erzeuger technisch-gewerblicher Produkte genügten, war ein Bedürfnis nach technischen Bildungsstätten nicht vorhanden. Mit dem durch die Erfindung der Dampfmaschine eingeleiteten Aufstieg der Technik und der sich damit ergebenden Industrialisierung der Welt trat die Notwendigkeit der Gründung technischer Lehranstalten, aber auch die der Schaffung von Nachweisstätten — nun gesteigerter — technischer Leistungen ein, die vorerst nur als vorübergehende Ausstellung veranstaltet, dann aber von bleibenden Einrichtungen abgelöst wurden. Von diesen wieder sind die Industrie- und Gewerbekabinette als Ursprungsform technisch-gewerblicher Museen anzusehen. Vorläufer derselben finden wir in Österreich schon im 18. Jahrhundert. Zu ihnen zählen die den Fabriken in großen Städten bewilligten Verschleißniederlagen, als deren Keimzellen Musterkarten anzusehen sind, die zur Zeit Kaiser Josef II. unter die Handelsleute verteilt wurden. Unter Fabriken verstand man damals außer der Zunft stehende Großunternehmungen, die sich in nicht unbeträchtlichem Maße auf Heimarbeit stützten. Den Verschleißniederlagen folgten vorübergehende Ausstellungen, auf die später zusammenfassend zurückgekommen werden soll. Technikgeschichte, 9. Heft. 1 2 Viktor Schützenhofer Von den österreichischen Industriekabinetten war das von Kaiser Franz II. erstmalig 1806 geplante Wiener Kabinett das älteste. Das dem Bruder des Kaisers, Erzherzog Johann, zu verdankende, vorweg mit einer technischen Schule verbundene Grazer Joanneum stammt seiner Planung nach aus dem Jahre 1808 und wurde im bescheidenen Umfang 1812 eröffnet, entwickelte sich aber rasch. So bemerkenswert diese, im besonderen die Leistungen des steirischen Industrie- Gewerbes festhaltende technisch-museale Einrichtung war, so kann hier doch nicht näher auf sie eingegangen werden, da sie mit dem Werden des Wiener Technischen Museums in keinem unmittelbaren Zusammenhang steht. In dem Gründungsvorschlag für das Wiener Fabriksprodukten-Kabinett, den der für dasselbe ausersehene Direktor Aloys von Widmanstatten im Wege des zuständigen Referenten der niederösterreichischen Landesregierung mit Datum vom 27. Feber 1806 Kaiser Franz unterbreitete, heißt es: ,,Die vorzüglichste Rücksicht, welche in Eurer Majestät die Ideen zur Errichtung eines Industriekabinetts erweckte, scheint in dem Wunsche zu liegen, eine genaue Übersicht des Kunstfleißes Ihrer Staaten zu besitzen, sich von den Fortschritten der Gewerbs- und Fabrikskultur zu überzeugen und das Abgehende oder Mangelhafte durch großmütige Unterstützung hervorbringen oder vervollkommnen zu lassen. Dieser Zweck gibt der Errichtung und Behandlung des Kabinettes seine nähere Bestimmung. Die Gegenstände so in demselben auf bewahret werden sollen, bestünden also in den rohen Produkten und ihren Umstaltungen, in welche sie durch den Kunstfleiß veredelt und hiedurch Waren, nemlich Zweige des Handels wurden. Es unterscheidet sich demnach von einem einfachen Produkten- kabinette, welches nur Urstoffe enthält. Es weichet aber auch von einer Sammlung von Seltenheiten ab, die nur besonders sinnreiche und künstliche Arbeiten aufweisen. Auch von einem technologischen Kabinette bleibt es dadurch verschieden; daß es nicht alle Umstaltungen des Produktes bis zur Handelswaare, sondern nur diese selbst in vollendeter Gestalt darbiethet und daß es sich nur auf den Kunstfleiß der österreichischen Erbstaaten beschränket.“ 1 Die vorgeschlagene Einrichtung wäre in ihrem Wesen von einer der Wirtschaftsförderung dienenden Anstalt weit entfernt gebheben, da ihr vor allem der Charakter der Öffentlichkeit gefehlt hätte und sie sich auf die Aufzeigung der Anfangs- und Endprodukte beschränken sollte. Das kaiserliche Handschreiben vom 11. September 1807, das den Entschluß der Errichtung des Kabinettes enthielt, hat aber hier grundlegend Wandel geschaffen und es dem tatsächlichen Erfordernis erheblich näher gebracht. In diesem Handschreiben wird ausdrücklich gesagt, „daß ein eigenes Kabinett errichtet werden solle, um jedermann instand zu setzen, sich eine allgemeine Übersicht dessen zu verschaffen, was in den Erbstaaten erzeugt wird, hiedurch Absatz und Industrie zu fördern und die Industrie zu beleben. Es solle aus der Gesamtmasse der inländischen Produkte und Fabrikate das vorzüglich Gute, Zweckmäßige, Schöne, Geschmackvolle und Belehrende in einem nicht zu kleinen, anständigen Formate mit Hintanlassung bloßer Varietäten, an einem eigens dazu gewählten Orte gesammelt, die verwandten Dinge in einer harmonischen Ordnung, wohlverwahrt, in guter Beleuchtung“ zusammengestellt und „dieses herr- 0. K. A. 930/1806. Vom k. k. Fabriksprodukten-Kabinett zum Wiener Tecbn. Museum von beute. 3 liehe Museum mit auserwählten Gerätschaften, Instrumenten, Büchern, systematischen Katalogen usw. bereichert werden. Mit der Zeit sollen öffentliche Ausstellungen, Vertheilung von Prämien, Ausschreibung von Preisfragen u. dgl. damit vereinigt werden, mit einemWort, eine öffentliche Anstalt errichtet werden, welche, auf die erwünschte Stufe gebracht, mit Recht der Stolz der Nation, der Schauplatz bewundernswürdiger Fortschritte des inländischen Kunstfleißes, die Musterschule inländischer Künstler und Gewerbsleute, ein Gegenstand der Bewunderung für Fremde und der Demüthigung für unpatriotische blinde Verehrer des Auslandes werden könnte.“ 1 Das k. k. Fabriksprodukten-Kabinett — dies war die Bild 1. Hohe Brücke, Wien um 1806. (Aus dem Bilderarchiv der Nationalbibliothek, Wien.) swpMiN offizielle Bezeichnung — wurde somit bereits „Museum“ genannt, sollte allgemein zugänglich sein und der Förderung von Industrie und Gewerbe dienen. In seinen Schaustücken war es allerdings noch auf Produkte inländischer Erzeugung beschränkt und nahm auf die Erzeugungsart und die hiefür verwendeten Hilfsmittel keine Rücksicht. Da seine Unterbringung in der Hofburg platzmangelshalber unmöglich erschien, schlug der erste Direktor desselben, Aloys yon Widmanstatten, hiefür eine aus 14 Räumen bestehende Wohnung in dem der Gräfin Prinzenstein gehörigen Hause „Auf der Hohen Brücke Nr. 390“ vor. Die Mietung derselben wurde vom Kaiser Ende 1807 genehmigt, 2 womit die Möglichkeit des Aufbaues der neuen wirt- schaftsfordernden Einrichtung gegeben war. 1 IT. K. A Korn. N. Ö. Fasz. 63/1 Nr. 30 ex Majo 1809, 14487/807. 2 O. K. A. 1308/807. 4 Viktor Schützenhofer Im November 1807 unterbreitet Widmanstatten dem Oberstkämmereramt seinen „vorläufigen Entwurf für die Anordnung und Einrichtung eines Kabinettes, in welchem Fabrikate und Produkte der österreichischen Monarchie zur öffentlichen Übersicht und Beurteilung ausgestellt werden sollen“ 1 und im März des Jahres 1808 legt der Oberstkämmerer diesen Entwurf sowie die von Widmanstatten verfaßte „Skize einer Eintheilung der Fabrikate und Produkte, welche in der österreichischen Monarchie erzeuget werden“ dem Kaiser vor. Bereits im September 1807 hat der Kaiser Handschreiben „an die Länderchefs der erbländisch deutschen Provinzen und den Palatin von Ungarn“ erlassen, mit denen er diese von der Kabinettsgründung in Kenntnis setzte und sie beauftragt, die Fabriken und deren Erzeugnisse unter Angabe von Preis und Verschleiß im In- und Ausland zu melden und Muster für Zwecke des Kabinetts zur Verfügung zu stellen. 2 Da das Ergebnis dieser Maßnahme jedoch kein befriedigendes ist, erhält Widmanstatten vom Kaiser den Auftrag, die Provinzen zwecks Auswahl von Musterstücken zu bereisen. Die kaiserliche Genehmigung der im Entwurf Widmanstattens enthaltenen Grundsätze für die Einrichtung des Kabinetts erfolgt 1809. 3 Im Jänner 1812 verlangt der Kaiser Aufschluß über den Stand der Einrichtung des Fabriksprodukten- kabinetts und gibt Auftrag: „1. Daß mit der Sammlung des k. k. Fabriksproduktenkabinettes auch eine Anstalt verbunden werde, in welcher jeder Erzeuger und Künstler seine Produkte zur Schau stellen kann. 2. Daß ein schickliches Lokale, zur Errichtung dieser Anstalt, ausfindig gemacht werde, und 3. Daß der Direktor des Fabriksproduktenkabinettes die vorzüglichsten Werkstätten in den Provinzen der Monarchie bereisen solle, um die zur Aufstellung geeigneten Muster selbst zu besichtigen, zu wählen und insoweit solche nicht imentgeltlich hergegeben werden auf das Wirtschaftlichste zu behandeln.“ Der daraufhin von Widmanstatten dem Oberstkämmerer erstattete Bericht 4 lautet: „1. Daß die vom Kaiser anbefohlene Anstalt erst dann errichtet werden könne, wenn für das Fabriksproduktenkabinett ein schickliches Lokal ausfindig gemacht worden seyn wird, 2. daß er oft die Noth Wendigkeit vorgestellt habe diesem Kabinete ein eigenes, stabiles, bequemes und anständiges Lokale anzuweisen, und diesem Institute auch das nöthige Personal zu gestatten, und 3. daß er bereits Oberösterreich und Steyermark mit gutem Erfolge bereiset habe und bereit sey, die allerhöchst angeordnete Bereisung, worüber er seinen Vortrag insbesondere erstatten werde, fortzusetzen.“ Trotzdem setzt Widmanstatten die Ausgestaltung der als unzureichend be- 1 Siehe Anhang 1, S. 18 ff. O. K. A. Nr. 1543/807 und H. K. A. ex Martio 1809 N. Ö. ad Nr. 5021/319. 2 0. K. A. 1571/807. 3 Anhang 2, S. 29. 4 O. K. A. Nr. 908/812. Vom k. k. Fabriksprodukten-Kabinett zum Wiener Tecbn. Museum von beute. 5 fundenen Räume auf der Hohen Brücke in der Absicht der vorläufigen bloßen Schaffung der Nachweisstätte mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln fort, und Mitte 1814 sind seine Arbeiten so weit gediehen, daß von einer einstweiligen Fertigstellung dieser Sammlung gesprochen werden kann. Da Widmanstatten auch einen Plan für die Herstellung eines besonderen, für das Fabriksproduktenkabinett zu errichtenden und für alle vom Kaiser gewünschten Ausgestaltungen geeigneten Gebäudes entworfen hat, ist somit von ihm alles getan worden, um ein den erhaltenen Aufträgen und den eigenen Absichten entsprechendes Kabinett schaffen zu können. jggjgj *■ Bild 2. Karlsplatz mit Polytechnischem Institut. Im Vordergrund die Kaiserin-Elisäbeth-Brücke. (Aus dem Bilderarchiv der Nationalbibliothek, Wien.) Mit Entschließung vom 15. November 1814 ordnet aber der Kaiser, r ohne vorher Widmanstatten hierüber in Kenntnis gesetzt zu haben, die „Übergabe und Unterbringung des k. k. physikalischen Kabinettes wie auch des Fabriksprodukten-Kabi- nettes in dem Gebäude des polytechnischen Institutes“ an. Damit wird der bereits in der Note vom 20. März 1809 des Hofkammervizepräsidenten Grafen von Herberstein-Moltke zum Ausdruck gebrachte und vom Direktor des in Wien zu errichtenden Polytechnischen Instituts, Johann Joseph Prechtl, ohne Zweifel zwischenzeitig betriebene Vorschlag verwirklicht, daß das k. k. Fabriksproduktenkabinett „dann erst seinen vollständigen, der Sache angemessenen Nutzen erreichen kann, wenn es zur öffentlichen Benutzung lehrreich gewidmet, wenn es mit einem hierorts schon lange in Antrag gebrachten polytechnischen Lehrinstitute verbunden wird“. 1 Und Prechtl wird zum Nutzen des Kabinettes dafür sorgen, daß auch die in diesem Vorschlag enthaltene weitgehende Forderung erfüllt wird: daß „wenigstens bey den wichtigeren Artiekeln das ausländische Erzeugniß zur Vergleichung 1 H. K. A. 47 ex Martio 1809 5021/317 N. Ö. Fase. 63. 6 Viktor Schützenhofer lehrreich entgegengestellt wird, um zu zeigen, in was unser Vorzug und unser Zurückstand bestehe, wenn endlich bey den künstlicheren Erzeugnissen auch die Modelle der Maschinen, die Beschreibungen der Erzeugungsarten an die Seite gestellt werden“. 1 Der Leidtragende dabei ist Widmanstatten, der die Weiterarbeit an der eigenen Schöpfung andern überlassen muß, da er begreiflicherweise — entgegen dem ihm gestellten Verlangen — sich Prechtl nicht unterordnet, während dieser mit der ihm eigenen an Rücksichtslosigkeit grenzenden Hartnäckigkeit über derlei Dinge einfach hinweggeht, wenn er damit einer von ihm vertretenen Sache nützen zu können glaubt. Nach dem Statut, das Prechtl für das polytechnische Institut entworfen hatte, sollte dieses nicht nur Lehranstalt sein, sondern auch aus einem erstmalig Technisches Museum 2 benannten Konservatorium für Künste und Gewerbe und einem Verein zur Beförderung der Nationalindustrie bestehen, der allerdings erst viel später als selbständige Einrichtung, und zwar 1839 als Nieder österreichischer Gewerbeverein und 1848 als Österreichischer Ingenieur- und Architektenverein gegründet wurde. Das Fabriksproduktenkabinett des Polytechnischen Instituts erhielt zum Unterschied von der bisher kaiserlichen Sammlung die Bezeichnung „Nationalfabriks- produktenkabinett“. Dasselbe sollte seinem Organisationsplan entsprechend „ein Vereinigungspunkt“ alles dessen sein, was hinsichthch der „Gewerbeindustrie Österreichs“ wissenswürdig ist. Es sollte aber nicht nur den Stand dieser Industrie zu einer bestimmten Zeit kenntlich machen, es hatte vielmehr die Aufgabe, die allmählichen Fortschritte derselben bis auf die Gegenwart deutlich vor Augen zu führen. Es sollte zeigen, wie jeder Fabrikationszweig nach und nach zu seiner augenblicklichen Vervollkommnung gelangt war, aber auch die Mängel nach weisen, welche in dem einen oder anderen Fache noch bestanden, und damit den Erzeuger zur weiteren Vervollkommnung seines Industriezweiges zu veranlassen. Derart hatte das Nationalfabriksproduktenkabinett eine Übersicht des „inländischen Kunstfleißes“ zu geben und, da es dem Publikum zum Besuche offen stand und häufig auch Besuche von Ausländem erhielt, es dem Erzeuger zu ermöglichen, durch Opferung einiger Muster seine Firma bekannt zu machen, seinen Verdiensten die gebührende Anerkennung und seinen Erzeugnissen Absatz zu schaffen. Es hatte bestimmungsgemäß überdies einige wichtige ausländische Erzeugnisse zu zeigen, um einerseits das zu deren Gunsten bestehende und nicht begründete Vorurteil zu widerlegen und anderseits dort, wo durch Lokalverhältnisse und andere Umstände die ausländischen Produkte einen unbestreitbaren Vorzug erlangt hätten, den Grad ihrer relativen Vollkommenheit gegenüber den inländischen Erzeugnissen dem Inländer vor Augen zu führen und damit aufzufordern, mindestens gleiche Vollkommenheit zu erlangen. Dem Nationalfabriksproduktenkabinett waren weitere technische und kommerzielle Sammlungen angeschlossen, von denen die Modeliensammlung, das physi- 1 H. K. A. 47 ex Martio 1809 5021/317 N. Ö. Fase. 63. ‘ 2 S. 43 der „Rede bei der ersten Eröffnung der Vorlesungen am k. k. polytechnischen Institute in Wien den 6. November 1815“, gehalten von Johann Joseph Prechtl, Direktor dieses Instituts. Verlegt und gedruckt bei Carl Gerold, Wien. Vom k. k. Fabriksprodukten-Kabinett zum Wiener Tecbn. Museum von heute. 7 kalische Kabinett, die chemische Präparaten- und Fabrikatensammlung und die vom ersten Leiter des Nationalfabriksproduktenkabinetts Professor Georg Altmütter geschaffene und für das Verständnis der Arbeitsvorgänge als unerläßlich angesehene Werkzeugsammlung besonderer Erwähnung bedürfen. Die rasche Entwicklung des Nationalfabriksproduktenkabinetts kann durch zwei Angaben des Inventar Standes gekennzeichnet werden. Derselbe wies 1816 rund 6000 und 1829 bereits rund 30000 Inventarnummem auf. Von bemerkenswerten Erwerbungen dieser Zeit sollen die des Gesamtbestandes von physikalischen Apparaten der 1817 aufgelösten galizischen Abteilung der k. k. Arcieren-Leibgarde Wien und der aus 155 Stücken bestehenden, 1818 zum Kauf angebotenen berühmten Modellen- sammlung von Brücken und Wasserbaumaschinen des Geheimrates Wiebeking, München, erwähnt werden. Sir lM IM ■ jiMi.pp »» ; f * i f Mil J l f .Pfirtl mm Bild 3. Hofburg mit Hofbibliothek und Winterreitschule. (Nach einem Gemälde von Karl Schütz.) (Aus dem Bilderarchiv der Nationalbibliothek, Wien.) Bevor aber über die weitere Entwicklung des Kabinetts gesprochen werden soll, muß noch ein kurzer Rückblick auf das mit diesem im Zusammenhang stehende Ausstellungswesen gemacht werden. Die erste Gewerbeausstellung in der Monarchie wurde 1791 zu Ehren Kaiser Leopolds II. in Prag abgehalten. Ihr ist nur eine kleine Schau gewerblicher Landesprodukte vorausgegangen, die 1754 im Orte Weltrus, gleichfalls in Böhmen, aus Anlaß der Anwesenheit der Kaiserin Maria Theresia veranstaltet worden war. Beide Male handelte es sich nicht bloß um höfische Veranstaltungen, sondern vielmehr um solche, die dem Bedürfnis der Zeit, „gewerbliche Leistung bekannt zu machen und damit dem wirtschaftlichen Aufstieg zu dienen“, gerecht werden sollten. Diesen in Böhmen abgehaltenen Ausstellungen folgten zu Ende des zweiten und dritten Jahrzehnts des neunzehnten Jahrhunderts daselbst weitere, die aber alle, gleich den früher erwähnten, nur Erzeugnisse der Provinz betrafen. Die erste Zentralausstellung des Kaiserstaates Österreich fand dann im Jahre 1835 in Wien statt. Sie wurde in der Winterreitschule der Hofburg und in den an diese grenzenden Wagenremisen veranstaltet und auch vom technischen Kabinett des im gleichen Jahre zur Regierung gekommenen Kronprinzen Ferdinand beschickt. 1839 fand die zweite Wiener gewerbliche Ausstellung in den Räumen des Polytechnischen 8 Viktor Schützenhofer Instituts unter teilweiser Benützung der Sammlungen desselben statt, womit dem von Herberstein-Moltke bereits 1809 niedergelegten Gedanken der Verbindung derartiger Ausstellungen mit den Aufgaben des Polytechnischen Instituts entsprochen werden sollte. Über die Entwicklung des Nationalfabriksproduktenkabinetts bis zum Jahre 1839 geben die bis zu diesem Zeitpunkt regelmäßig erschienenen Jahrbücher des Polytechnischen Instituts Aufschluß. Sie war bis dahin eine stetige. 1840 erhielt das Kabinett eine erhebliche Bereicherung. Im Dezember dieses Jahres »in SäKi Hg -JR : I 1 r>| IIÜll '-■'fl ' \ «***' >■ p •" 4! : Bild 4. Gebäude des Niederösterreichischen Gewerbevereines in der Eschenbachgasse. (Aus dem Büderarchiv der Nationalbibliothek, Wien.) verfügte Kaiser Ferdinand die Überlassung seiner schon früher erwähnten, „Technisches Kabinett“ benannten Fabriksproduktensammlung an das Polytechnische Institut. Diese Sammlung hatte er sich 1819 —■ noch als Kronprinz — zum Zwecke seiner eigenen Information von dem ersten Kommissär der niederösterreichischen Fabrikeninspektion, Stephan von Kees, anlegen lassen, Die Übergabe erfolgte 1842 unter der Bedingung, die kaiserliche Sammlung als Ganzes neben dem Nationalfabriksproduktenkabinett zu belassen. Bereits aber mi t Kabinettsorder vom 8. März 1844 traf der Kaiser die Anordnung der A ufl ös un g des Nationalfabriksproduktenkabinetts und alleinigen Belassung des durch die verwendbaren Bestände des Nationalfabriksproduktenkabinetts ergänzten Technischen Kabinetts als einschlägige Sammlung des Polytechnischen Instituts. Tatsächlich währte es jedoch bis zum April 1854, bis die Vereinigung der beiden Kabinette durchgeführt war, die dann als Technologisches Kabinett des Polytechnischen Instituts weiter bestanden, das sich aber trotz der Reichhaltigkeit Vom k. k. Fabriksprodukten-Kabinett zum Wiener Techn. Museum von heute. 9 und dem ursprünglichen Zweck der Sammlungsbestände immer weniger den musealen Aufgaben widmete, sondern immer mehr Schulsammlung wurde. 1863 erfolgte auf Beschluß des Professorenkollegiums die erste Abgabe von einigen Sammlungsstücken an das Museum für Kunst und Industrie in Wien. Diese Abgabe dürfte wohl schon in der Erkenntnis erfolgt sein, daß das — unter Auflösung seiner kommerziellen Abteilung — zur rein technischen Lehranstalt bestimmte Institut nicht weiterauch „Technisches Museum“ bleiben könne, wie dies in dem 1864 auf gestellten und im Oktober 1865 genehmigten neuen Statut des Polytechnischen Instituts festgelegt erscheint. Hier schaltet sich zum ersten Male der Niederösterreichische Gewerbeverein in die Museumsfrage ein, indem er zu der geplanten Statutenänderung Stellung nimmt und sie mit der Maßgabe gutheißt, daß vorher ein gesondertes Konservatorium für Künste und Gewerbe geschaffen werden solle. Dieser Forderung wurde allerdings nicht unmittelbar entsprochen, so daß in der Museumsbetreuung zeitweilig ein Vakuum eintrat. Der die Museumsfrage im Niederösterreichischen Gewerbeverein behandelnde Referent war Wilhelm Exner, der künftige unentwegte Vorkämpfer darin. In Verfolg der Stellungnahme des Vereins zur Statutenänderung des Polytechnischen Instituts trat er 1868 für die Schaffung eines Gewerbemuseums in Wien ein und erreichte es auch, daß die damalige Regierung dieser Anregung ihre Aufmerksamkeit schenkte. Die von ihm geleitete sogenannte additioneile Ausstellung zur Wiener Weltausstellung 1873, die als Beitrag zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen gedacht war, wollte er benützen, um auf ihren Beständen ein Gewerbemuseum aufzubauen. Der Generaldirektor der Weltausstellung Schwarz-Senborn kam ihm hiebei mit der Gründung des Athenäums zuvor, das aber bereits 1875 infolge der damals herrschenden, ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse einging. Unbeirrt durch alle bisherigen Eehlschläge setzte Exner seine Bemühungen fort und erreichte 1879 als private Gründung des Nieder- österreichischen Gewerbevereins die Errichtung der von ihm „Technologisches Gewerbemuseum“ benannten Anstalt, die Schule, Sammlung und später auch Versuchsanstalt in sich vereinigte und im Gebäude des Niederösterreichischen Gewerbevereins untergebracht wurde. Der Anfang war bescheiden, da das Technologische Gewerbemuseum vorerst nur aus einer Sektion, und zwar derjenigen für Holzindustrie, bestand. Die neue Anstalt wuchs aber rasch und gewann stetig an Bedeutung, allerdings nicht in dem ihr anfänglich zugedachten Sinne, „nämlich auch Museum zu sein“. Exners Bemühungen gingen daher weiter und führten 1893 zur Errichtung des Museums der Geschichte der österreichischen Arbeit, das vorerst mietweise in Baulichkeiten untergebracht wurde, die an das inzwischen in die Währinger Straße übersiedelte Technologische Gewerbemuseum grenzten. Diese Neugründung des Niederösterreichischen Ge werbe Vereins, die mit dem Technologischen Gewerbemuseum auch organisatorisch verbunden wurde, erfreute sich von Anfang an der vollen Unterstützung der Regierung, die über Ansuchen des Gewerbevereins das bereits 1873 auch dem Namen nach Hochschule gewordene Polytechnische Institut beauftragte, aus seinen dem Nationalfabriksproduktenkabinett entstammenden Sammlungsbeständen etwa 3000 10 Viktor SchützenhoVer geeignete Stücke an das Museum der Geschichte der österreichischen Arbeit abzugeben, welches nun berufen sein sollte, die Museumsaufgabe zu übernehmen. Daß dieses „Historische Museum“, wie Exner es nannte, des von ihm selbst gerügten Mangels an Systematik und gefälliger Schaustellung 1 wegen hiefür auch nicht geeignet war, zeigte sich aber bald. Wie sehr jedoch Nachweisstätten technischer Leistungen immer mehr als notwendig erkannt wurden, zeigen drei um die gleiche Zeit in Wien entstandene Museen, und zwar das im Rotundengebäude im Prater untergebrachte Post- und Telegraphenmuseum, das im Staatsbahndirektionsgebäude nächst dem West- Bild 5. Technologisches Gewerbemuseum in der Währingerstraße. C * £»*< *»--'‘r-S —% bahnhof eingeordnete Historische Museum der österreichischen Eisenbahnen und schließlich das in der Ebendorferstraße eingemietete Gewerbehygiene-Museum. Die vorerst getrennte Behandlung dieser technischen Schausammlungen ist auf die damals sich ergebende außergewöhnliche Entwicklung der betreffenden Fachgebiete zurückzuführen. An sich war jedes einzelne dieser Museen überaus wertvoll, ohne aber beim großen Publikum, wohl auch wegen der fast behelfsmäßig zu nennenden Unterbringung die sonst verdiente Beachtung zu finden, so daß von Museen mit Ausschluß der Öffentlichkeit gesprochen wurde. Mit Ausnahme des Gewerbehygienischen Museums handelte es sich um rein historische Museen, denen somit der eigentliche Sinn eines technischen Museums, nämlich die Gegen warts Wirkung, fehlte. Exner richtete nun seine Bestrebungen auf die Vereinigung der getrennt ihren Zweck nicht erfüllenden vier Museen und stellte 1905 im Kuratorium des Technologischen Gewerbemuseums den Antrag, bei der Regierung wegen Gründung eines großen „technohistorischen“ Museums vorstellig zu werden. Er hielt, 1 Das k. k. Technologische Gewerbe-Museum in Wien 1879 bis 1904. Seite 211. Vom k. k. Fabriksprodukten-Kabinett zum Wiener Tecbn. Museum von beute. 11 wie aus der Formulierung des Antrages ersichtlich ist, an dem rein historischen Charakter der zu schaffenden Einrichtung noch fest und mußte es schließlich dadurch erleben, daß ihm andere mit einem Antrag zuvorkamen, der den tatsächlichen Bedürfnissen mehr Rechnung trug und zur Zeit seines Einbringens der Regierung sogar besonders gelegen kam. Für das Jahr 1908 waren nämlich aus Anlaß des 60jährigen Regierungsjubiläums Kaiser Franz Josefs von allen Seiten festliche Veranstaltungen geplant, unter anderen auch die einer Industrieausstellung in Prag und einer solchen in Wien. Der damalige Ministerpräsident Max Wladimir Freiherr von Beck legte den größten Wert darauf, die patriotischen Bestrebungen der Tschechen nicht zu stören und beauftragte den zuständigen Referenten des Handelsministeriums, Ministerialrat Dr. Sigmund Brosche, die Abhaltung der Wiener Ausstellung in geeigneter Weise zu verhindern. Nach Angabe Brosches war in den letzten Tagen des Jahres 1906 eine Abordnung des Elektrotechnischen Vereins bei ihm erschienen, die aus dem Generaldirektor der Skodawerke Dr. Ing. Georg Günther, dem Direktor der Wiener Akkumulatoren A. G. Ing. Ludwig Gebhard und dem Regierungsrat der Normaleichungskommission Professor Ing. Karl Schlenk bestand, um ihn davon in Kenntnis zu setzen, daß der Verein die Gründung eines technischen Museums in Wien beschlossen habe und hiefür die Unterstützung der Regierung erbitte. Dr. Brosche sah in dieser Absicht des Elektrotechnischen Vereins die Möglichkeit, an Stelle der zu verhindernden, vom Niederösterreichischen Gewerbeverein geplanten und bereits in Vorbereitung stehenden Bau- und Industrieausstellung ein bleibendes Werk zu setzen. Er griff daher den Vorschlag auf und trachtete hiefür die Mithilfe der drei zentralen Industrieverbände Österreichs und des Niederösterreichischen Gewerbevereins zu gewinnen, da ihm klar war, daß der Elektrotechnische Verein als Fachverein die Durchführung eines so umfangreichen Projektes allein zu bewältigen nicht imstande sein würde. Der Präsident des ständigen Ausschusses der Industrieverbände war der Großindustrielle Arthur Krupp, der dem Vorschlag Brosches volles Verständnis entgegenbrachte und ihn nicht nur unter Einsetzung des ganzen Gewichts seiner Persönlichkeit zu verwirklichen half, sondern auch dem später geschaffenen Werk Zeit seines Lebens die Treue bewahrte und seine so wertvolle Unterstützung lieh. Bereits im Jahre 1907 fand die Konstituierung des vorbereitenden Komitees zur Schaffung eines Technischen Museums für Industrie und Gewerbe in Wien statt, das im Juli 1908 durch einen Arbeitsausschuß ersetzt wurde. Im Juni 1909 ist der „Verein Technisches Museum für Industrie und Gewerbe in Wien“ gebildet und hiedurch die juristische Person geschaffen worden, die für den Bestand der Anstalt erforderlich war. Die Organe des Vereins waren die Generalversammlung der Mitglieder, das Kuratorium als Vorstand des Vereins und das Direktorium als sein Exekutivorgan. Dem Direktorium war ein Fachkonsulentenkollegium von fast 900 Mitgliedern zur Seite gestellt. Zur Besorgung der Verwaltungstätigkeit des Vereins wurde ein Vereinssekretariat und zur Durchführung des Museumsbetriebes und der musealtechnischen Arbeiten nach Beendigung des Neubaus des Museums eine Museumsdirektion bestellt. 12 Viktor Schützenhofer Das Präsidium des Kuratoriums bestand aus einem Präsidenten und drei Vizepräsidenten. Den Präsidentenposten hatte der Großindustrielle Arthur Krupp inne. Die drei Vizepräsidenten waren: Sektionschef Dr. Sigmund Brosche, Vizebürgermeister der Stadt Wien Heinrich Hierhammer und Großindustrieller Paul von Schoeller. Dem Direktorium gehörten Sektionschef Dr. Wilhelm Exner als Vorsitzender und Generaldirektor Ing. Georg Günther, Großindustrieller Hugo von Noot, der damalige Oberbaurat und spätere Stadtbaudirektor Ing. Heinrich Goldemund und Professor Karl Schlenk als Direktionsräte an. Für die nunmehrige-Wahl des Namens des Museums, die lediglich als eine zeitgemäße Abänderung der Bezeichnung Fabriksproduktenkabinett angesehen werden kann, gibt Exner folgende Erklärung: „Die aus den Gewerben hervorgegangene Industrie verdankt ihre Entwicklung und damit ihre Erfolge vor allem den Ergebnissen der wissenschaftlichen Forschung und Lehre und den Leistungen der Technik. Die sogenannten exakten Fächer, unter ihnen besonders die angewandten Naturwissenschaften und die Errungenschaften der Empirie, des Erfindungsgeistes, beeinflussen den Fortschritt der Industrie und des Verkehrswesens und befestigen das Gewerbe in seinen Formen: Handwerk und Heimarbeit. Gesellschaft und Staatsleben werden aber wesentlich mit bestimmt durch Gewerbe, Industrie und Verkehr. Diese Zusammenhänge in ihrer geschichtlichen Beihenfolge für Österreich darzustellen, soll die Aufgabe des Technischen Museums für Industrie und Gewerbe in Wien sein.“ 1 Nachdem eine Bauhilfe der Regierung im Ausmaß von eineinhalb Millionen Kronen und eine solche der Gemeinde Wien im Ausmaß von einer Million Kronen nebst der kostenlosen Überlassung des am westlichen Ende der Mariahilfer Straße gelegenen, Spitzackergründe genannten Bauplatzes gesichert erschien — der beantragende Referent war der spätere Stadt-Baudirektor und Kurator des Technischen Museums Ing. Heinrich Goldemund, der die Bewilligung aussprechende Bürgermeister Dr. Karl Lueger — fand am 20. Juni 1909 die feierliche Grundsteinlegung durch Kaiser Franz Josef statt. Im Oktober des gleichen Jahres erhielt der städtische Baurat Architekt Hans Schneider als Preisträger einer Konkurrenzausschreibung den Auftrag zur Ausführung des Museumsgebäudes, das Ende 1913 fertiggestellt und damit zur Einrichtung bereit war. Der der Ausschreibung zugrunde gelegte Vorentwurf, der einen 9600 qm Grundfläche umfassenden und rund 16000 qm Belegfläche gewährenden vorläufigen Ausbau, sowie eine spätere Erweiterung vorsah, stammte von Ministerialrat Emil Ritter von Förster. An der Bewerbung beteiligten sich 27 Architekten. 2 Die gesamten Baukosten betrugen ohne Einrechnung des Wertes des von der Gemeinde Wien kostenlos überlassenen Baugrundes rund 6 Millionen Kronen. 1 W. Exner, Das Technische Museum für Industrie und Gewerbe in Wien. Wien 1908, S. 125, Anlage A. 2 Anhang 3, S. 30. Vom k. k. Fabriksprodukten-Kabinett zum Wiener Tecbn. Museum von heute. 13 Daß die bei den bereits bestehenden großen technischen Museen, dem Conservatoire des Arts et Metier in Paris, dem Science Museum in London und dem Deutschen Museum in München, gemachten Erfahrungen für die Neugestaltung entsprechend verwertet wurden, bedarf fast keiner Erwähnung. Den Grundstock für den Sammlungsbau gaben die früher genannten vier Wiener Museen: das Museum der Geschichte der österreichischen Arbeit, das Post- und Telegraphen-Museum, das Historische Museum der österreichischen Eisenbahnen und das Gewerbehygiene-Museum, zu denen das Feuerwehrmuseum in Wien hinzu trat. Zuwendungen geeigneter Stücke erfolgten aus dem Besitz technischer w Bild 6. Feierliche Grundsteinlegung zum Bau des Technischen Museums für Industrie und Gewerbe in Wien, in Anwesenheit Kaiser Franz Josefs I. am 20. Juni 1909. Dienstzweige der Landesverwaltungen sowie der Hochschulen, von denen besonders die Wiener Technische Hochschule mit 19130 Inventarstücken — die zum Teil noch den kaiserlichen Sammlungen entstammten — hervorgehoben werden soll. Zahllose Widmungen von Industrie und Gewerbe, teils historischer Natur, teils den augenblicklichen Stand der Entwicklung aufzeigend, ermöglichten Darstellungen, die den Aufgaben eines Technischen Museums für Industrie und Gewerbe entsprachen. Im Juli 1910 wurde der Oberbaurat des k. k. Gewerbeförderungsamtes Ing. Ludwig Erhard, der von 1913 bis zu seinem im April 1930 erfolgten Rücktritt den Direktorposten im Technischen Museum innehatte, zum technischen Beirat desselben bestellt. Ihm und dem Obmann des Organisationskomitees des Arbeitsausschusses Wilhem Exner, aber auch der in schweren Zeiten treu der Sache dienenden Beamten- und Arbeiterschaft des Museums ist es besonders zu verdanken, daß dieses noch während des Krieges — am 6. Mai 1918 — eröffnet werden konnte und damit davor bewahrt blieb, den unmittelbar nach Beendigung des verlorenen Krieges notwendig gewordenen Sparmaßnahmen zum Opfer zu fallen. 14 Viktor Schützenhofer TEO-TiSCHES MUSEUM FÜR IMbUSTRIE UMb GEWERBE , WIEN CG «JISAMTPR.OJIKTIS C^' I'An'.ian.tra,« iQf ph Bild 7. Grundrißpläne für den Bau des Technischen Museums für Industrie und Gewerbe in Wien mit den geplanten Erweiterungsbauten am östlichen und westlichen Seitentrakt sowie dem tatsächlich ausgeführten Mittelbau. Die einsetzende Geldentwertung machte es dem Museumsverein bald unmöglich, die erforderlichen Mittel für die Erhaltung und den Betrieb der ihm anvertrauten Anstalt auf zu bringen. Der Verein strebte deshalb die Übernahme des Museums in Eigentum und Betrieb des Staates an, die im Januar 1922 zur Durch- Vom k. k. Fabriksprodukten-Kabinett zum Wiener Techn. Museum von beute. 15 führung kam. Der Staat übernahm es dabei, lediglich für den Personalaufwand und die Kosten der Gebäudeerhaltung aufzukommen, während er es der Museumsleitung überließ, im Wege von Subventionen für die Kostenbedeckung des übrigen Sach- aufwandes Sorge zu tragen. Zu diesem Zwecke wurde ein Betriebsfonds geschaffen. Das Museum wurde dem Bundesministerium für Handel und Verkehr unterstellt, das bis dahin ihm gegenüber als Aufsichtsbehörde fungiert hatte. Der Museums - verein wandelte sich in einen Verein zur Förderung des Technischen Museums um. Das Kuratorium als eigentlicher, verantwortlicher Verwaltungsträger wurde beibehalten, wenn es auch seine Aufgaben immer mehr nur der Mr' Bild 8. Technisches Museum für Industrie und Gewerbe in Wien, Mariahilferstraße 212. Form nach erfüllte und die tatsächliche Führung dem satzungsgemäß ihm und gleichzeitig dem zuständigen Ministerium unterstellten Direktor überließ, bzw. überlassen mußte, da es weder ein Büro unterhielt noch häufig genug zusammentrat, um eine Verwaltung tatsächlich ausüb^n zu können. Das verwaltende Kuratorium hatte mit der Verstaatlichung seine Berechtigung verloren und wäre schon damals in einen Beirat nach dem Muster des sich ausgezeichnet bewährenden Staatseisenbahnrates des alten Österreich umzuwandeln gewesen. Damit sollen die großen Verdienste dieser Körperschaft um die Entwicklung des Museums und die Erfüllung der ihm zugedachten Aufgaben, insbesondere durch Herbeiführung und Aufrechterhaltung seiner Verbundenheit mit Industrie und Gewerbe nicht verkleinert werden. Bis zum Jahre 1930, der Zeit des Ausscheidens Hofrats Ludwig Erhard von der Leitung des Technischen Museums und der Übernahme derselben durch Ministerialrat Viktor Schützenhofer, hat das Institut trotz der Ungunst der Zeit die 16 Viktor Schützenhofer in Aussicht genommenen dreißig Museumsabteilungen 1 bis auf wenige fertiggestellt, drei Sonderschauen veranstaltet und an vier auswärtigen Ausstellungen teilgenommen. Von dann an setzte die durch die zwischenzeitig gewonnenen Erfahrungen und die eingetretene Änderung der Anschauungen erforderlich gewordene Neugestaltung des Museums ein, die, alle bis dahin geltenden Normalisierungsfesseln abstreifend, bemüht war, unter Ausnützung der neuzeitlichen Gestaltungsmöglichkeiten dem hochgestellten angestrebten Zweck gerecht zu werden. Acht Sonderschauen wurden veranstaltet und an acht auswärtigen Ausstellungen, darunter insbesondere an der Pariser Weltausstellung 1937, durch Übernahme der Ausgestaltung der Abteilung Technik und Industrie teilgenommen. 2 * * — Die rasche Entwicklung der Filmtechnik, insbesondere aber des Tonfilms, ermöglichte auch einen Ausbau des Vortragswesens durch Einführung gesonderter, wöchentlich wechselnder Kulturfilmvorführungen, die nicht nur auf die technischen Leistungen des eigenen Landes, sondern auch auf die des Auslandes Bedacht nahmen. Die im März 1938 erfolgte Besetzung Österreichs durch das nationalsozialistische Deutschland hatte zur Folge, daß im August 1938 das Technische Museum aus der Betreuung des Ministeriums für Handel und Verkehr in jene des Ministeriums für Unterricht gelangte und nach Auflassung der österreichischen Ministerien Reichsanstalt mit unmittelbarer Unterstellung unter den Reichsstatthalter in Wien wurde. Das Betriebsfondsvermögen wurde von der Reichsregierung eingezogen und die Bestreitung auch der Sachausgaben vom Staat übernommen, so daß die gesamte Museumsgebarung von nun an den Staat belastete. Ende 1939 sind dann die wissenschaftlichen Museen Wiens, zu denen die deutsche Verwaltung das Naturhistorische Museum, das Museum für Völkerkunde, das Volkskunstmuseum und das Technische Museum für Industrie und Gewerbe zählte, aus rein politischen Gründen unter eine gemeinsame Oberleitung gestellt worden, die dem Direktor des Tierkundemuseums in Dresden, Dr. Hans Kummerlöwe, anvertraut wurde, der aber infolge baldiger Einrückung zur Wehrdienstleistung seinen Posten nur kurz innehatte. Er hat übrigens von Anfang an erklärt, sich in die ihm fremden sachlichen Belange des Technischen Museums nicht einmischen zu wollen. Daß unter diesen Umständen an eine Aufrechterhaltung oder Erneuerung der Funktionen des Kuratoriums nicht mehr gedacht wurde, ist selbstverständlich. Im Jänner 1941 wurde das bis dahin private Forschungsinstitut für Technikgeschichte — dessen ehrenamtlicher Leiter Hofrat Dr. Ing. Ludwig Erhard im Oktober des vergangenen Jahres gestorben war — mit dem Technischen Museum vereinigt und zu seinem Leiter der derzeitige Direktor des Museums bestellt. Zur Geschichte des Forschungsinstituts für Technikgeschichte, die in Heft 1 der „Blätter für Technikgeschichte“ 8 dargestellt ist, muß ergänzend bemerkt werden, daß bereits im Jahre 1918 über Antrag der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften eine „Akademie für technische Forschung“ und als deren Hilfseinrichtung zum Zwecke der Aufrechterhaltung dauernder Beziehungen zur tech- 1 Anhang 4, S. 30. 2 Anhang 5 und 6, S. 31. s „Blätter für Technikgeschichte“, Heft 1, S. 204, Verlag Julius Springer, Wien 1932. Yom k. k. Fabriksprodukten-Kabinett zum Wiener Techn. Museum von beute. 17 nischen Praxis die „Kaiser Karl und Kaiserin Zita Gesellschaft zur Förderung der Ziele der Kaiserlichen Akademie der technischen Wissenschaften“ gegründet werden sollte. 1 Der Zusammenbruch der Monarchie im November 1918 verhinderte die Verwirklichung dieser Planung. Im Mai 1943 feierte das Technische Museum den 25jährigen Bestand seiner jetzigen Gestaltung durch eine Festversammlung und eine Sonderschau, die einen Ausschnitt aus dem Fabriksproduktenkabinett zeigte und nun, als ständige Abteilung ausgebildet, die Erstgestaltung des Technischen Museums wenigstens beispielhaft dauernd festhalten soll. Der im April 1945 erfolgte Zusammenbruch des Goßdeutschen Reiches hat Österreich seine Freiheit wiedergegeben. Das Technische Museum wurde von der mit Dr. Karl Renner als Staatskanzler gebildeten vorläufigen Regierung dem Staatsamt für öffentliche Bauten, Übergangswirtschaft und Wiederaufbau und mit der im Jänner 1946 erfolgten Einsetzung einer endgültigen Regierung dem neu geschaffenen Bundesministerium für Handel und Wiederaufbau unterstellt. Damit war auch für das Technische Museum die Organisation vor 1938 wieder in Gültigkeit getreten. Trotz schwerster Fliegerangriffe auf die allernächste Umgebungdes Museumgeländes — in seiner unmittelbaren Umgebung wurden nicht weniger als 150 Bombeneinschläge gezählt — hatte es nicht einen einzigen Treffer zu verzeichnen. Lediglich Luftdruckschäden an den Verglasungen und Dacheindeckungen, deren Behebung nur eine Material- und Arbeitskräftefrage bedeutet, sind entstanden, während sich unwiderbringliche Verluste am Sammlungsbestand weder durch die Fliegerangriffe noch durch die Kampfhandlungen anläßlich der Belagerung von Wien ergeben haben. So konnte das Museum nach Rückbringung und Wiederaufstellung der geborgenen Stücke bereits im Oktober 1945 für den allgemeinen Besuch freigegeben werden. Diese kurze Schilderung des Werdens des Wiener Technischen Museums für Industrie und Gewerbe zeigt ein natürliches Wachstum durch über ein Jahrhundert, aus bescheidenen Anfängen durch allmähliche Ausgestaltung, seine innige Verbundenheit mit Lehre und Praxis, beiden dienend, aus beiden schöpfend und beide fördernd. Erfahrungen und Einrichtungen des Auslandes wohl beachtend und gelegentlich auch benützend, ist das Wiener Technische Museum doch stets eine originale österreichische Schöpfung gewesen und geblieben. 1 K. k. Unterrichtsministerium ZI. 1155/1918. Technikgeschichte, 9. Heft. 2 18 Viktor Schützenhofer Anhang 1. Mit zwei Beilagen. y. Widmanstatten an Graf Wrbna. 0. K. A. Nr. 1543/807. Euer Excellenz! Ich übergehe Euer Excellenz hiermit die Skize zu meinem systematischen Verzeichniß derjenigen Fabrikate und Produkte, welche in den Werkstätten der Öster: Monarchie erzeuget werden, nebst meinem vorläufigen Entwurf über die Aufstellung und Einrichtung meines Kabinetes, das Sr. Majestät diesem Institut zu widmen beschlossen haben. So schwer es ist aus dieser ungeheuren Menge von Gegenständen das Zweckmäßigste auszuwählen aus Mangel eines festen Anhaltspunktes; so schwer es ist unter solchen Dingen eine gewiße Ordnung herzustellen deren Merkmahle sich so sehr durchkreutzen, wo alle Behelfe, seihst eine bestimmte Terminologie, fehlen; unter Dingen die aus allen Gegenden des Reichs erst zusammengetragen werden müssen, so habe ich mich doch bemüht, Euer Excellenz Befehlen Genüge zu leisten. Ich bitte das heykommende Elaborat für nichts anderes als eine Zusammenstellung von Rubriken anzusehen, die meiner Meinung nach bey der ersten Einrichtung der aufzustellenden Stücke einstweilen zum Grunde der Eintheilung gelegt werden könnten. Das Bemühen die verschiedenen Gegenstände bey der Aufstellung in einen instruktiven Zusammenhang zu bringen muß mit der Zeit selbst einen Plan herbeyführen, welcher der Absicht entsprechen wird. Dies kann um so leichter geschehen, wenn das Kabinet in der Folge mit dem Künstler und dem Fabrikanten in eine Art von Verbindung kommt, wodurch jenes in den Stand gesetzt wird, von dem Erzeuger alle jene Dinge seihst begehren zu können, welche es zur Musterung oder zur Ergänzung bedarf. Ich bin der bekannten Eintheilung in 3 Reiche der Natur gefolgt und habe nach derselben die Fabrikate und Produkte, in soweit sie Waare sind, nach dem Material, aus welchem sie bestehen, ohne Rücksicht auf die Verarbeitungszweige zu nehmen, unter Rubriken gebracht. Manche Erzeugniße habe ich für jetzt noch nicht aufgenommen, weil ihre Beschaffenheit, ihre Größe, ihre Kostbarkeit etc. etc. die Schwierigkeiten anfänglich vermehren würden. Fabrikate und Produkte, aber, welche zur Nahrung, zur Bekleidung, in die Apotheke etc. gehören oder bloß als Material angesehen werden können, sind gänzlich ausgeschlossen worden. Was die Aufstellung und Anordnung des Kabinetes selbst betrifft, kann ich Euer Excellenz meine Gedanken nur über das Allgemeine desselben vorlegen, biß Sr. Majestät diesem Institute ein angemessenes Lokale werden angewiesen und biß ich die eingesannten Gegenstände einigermassen werde kennen gelernt haben, weil von der Größe und der Beschaffenheit des ersteren sowohl als von der Menge und der Natur der aufzubewahrenden Stücke das eigenthümliche des Planes abhängt. Die Beylagen enthalten 1 Die Skize zu einer systematischen Eintheilung der Fabrikate und Produkte. 2 Den vorläufigen Entwurf über die Einrichtung des Kabinetes und der Aufstellung der Gegenstände. .Wien, den lten Novemb: 1807. gez. Widmanstatten Vom k. k. Fabriksprodukten-Kabinett zum Wiener Tecbn. Museum von heute. 19 Abschrift zu Anhang 1 (Beilage 1) Skize Einer Eintheilung der Fabrikate und Produkte, welche in der österreichischen Monarchie erzeuget werden. Inhalt der Rubriken aus dem Thierreich. Fabrikate aus Wolle, Fabrikate aus Seide, Fabrikate aus Thierhäuten, Verschiedene Fabrikate und Produkte aus dem Thierreich, aus dem Pflanzenreich. Fabrikate aus Flachs, Fabrikate aus Hanf, Fabrikate aus Baumwolle, Papier und Fabrikate aus Papier, Fabrikate aus Holz, Verschiedene Fabrikate und Produkte aus dem Pflanzenreich, aus dem Mineralreich. Fabrikate aus Erden. Fabrikate aus gebrannter Erde, Töpferei, Glas und Fabrikate aus demselben. Fabrikate aus Metallen. Fabrikate aus Gußeisen, Stahl und Fabrikate aus demselben, Fabrikate aus Eisen, Fabrikate aus Kupfer, und dessen Zusammensetzung mit anderen Metallen. Maschinen und Instrumente, deren Bestandtheile aus verschiedenen Metallen, aus Eisen, Messing, Kupfer etc. verfertiget werden. Fabrikate aus Zinn, Bley, und Composition. Fabrikate aus Gold und Silber. Fabrikate und Produkte aus verschiedenen Mineralien. Fabrikate und Produkte aus dem Thierreich. Fabrikate aus Wolle. Gespünste. Wollgarn von verschiedener Feinheit und Farbe. Wollzwirn von verschiedener Feinheit und Farbe. Gewebe. Berkann Turnis, Beuteltuch, Kreppon, Kamelot, Quinette, Konzent, Kallan- nank, Sattin, Drouguet, Dymontino, Damast, . Pferdedecken, etc. Flanell, gefärbte, gedruckte Serge, Perill-Serge, Molleton, englische Pelze, Kozen etc., Tuch, Halbtuch, Kasimir, Plüsch, Felp, Woll-Manehester. Teppiche. — Gewebe verschiedene aus Wolle und Seide. Gewebe verschiedene aus Wolle und Leinen. Bänder verschiedene Sorten. Borden. Muster der vorzüglichsten Arbeiten des Posamentirers. Muster der vorzüglichsten Arbeiten des Kreppmachers. Muster der vorzüglichsten Arbeiten des Schnürmachers. Muster der vorzüglichsten Arbeiten des Knoepfmachers. Muster von gestrickten, gewirkten Arbeiten, Strümpfe, Westen, Säke für Kleider, glatt und faQonirt. Muster von Stückereyen. Filz, Muster von demselben. N. B. Diese und die folgenden eingeklammerten Stellen 1., 2., 3., 4., welche die durch Vermengung der Schaafwolle, der Seide, des Flachses, des Hanfes und der Baum- 2 * 20 Viktor Schützenhofer wolle hervorgebrachten Gewebe enthalten, aber in jeder folgenden respektiven Rubrick wiederhollt ausgeführet worden sind, brauchen in der Aufstellung selbst nur einmal, und zwar unter jene Rubrick, wo man es am zweckmäßigsten finden wird, aufgestellt zu werden. Fabrikate aus Seide. Zugerichtete Seide in Fäden. Nähseide, weiße, gefärbte gezwirnte Seide, weiße gefärbte, Tambour-Seide. Gewebe. Tafft, Sendel, Tafft mit und ohne Dessins, gefürnißter Tafft. Gaze, Flor, Krepp-Flor, Gros de Tour, Terzenol, . Atlas, Damast, Moire, Bro- schirte Zeuge, Batatria, Schnupf, Hals-Tücher, Pique, Sammt, glatt, unausgeschnitten, broschirt. Reiche Zeuge mit Gold, oder Silber, Brokat, Drap d’or, drap d’argent. Gewebe (verschiedene) aus Seide und Leinen. \ do. aus Seide und Baumwolle. / 2 do. aus Seide und Schafwolle. ) Bänder, verschiedene Sorten, die sich in Rücksicht des Gewerbes wie die obigen Artikel von einander unterscheiden, auch Bänder von Floret-Seide. Spitzen, Blenden, Netze. Muster von verschiedenen Arbeiten des Schnurmachers. ,, „ ,, ,, ,, Posamentirers. „ ,, „ „ ,, Kreppmachers. ,, ,, ,, ,, ,, Knöpf machers. „ „ ,, - „ ,, Strumpfwirkers. ,, „ Seidenstüker-Arbeit. Fabricate aus Thierhäuten. Roh Gares Leder. Sohl- oder Pfund-Leder, verschiedenes. Rinder Oberleder. Lütticher Ober und Sohlen Leder. Kalbleder für Schuhe. Roß Leder. Schweine- Leder, Stiefel-Schäfte, gewalchte. Schwedisches Leder. Juften. Corduan, verschieden gefärbter. Saffian, Maroquin verschieden gefärbter. Brüßler Leder. Alaun Leder. Hungarisches. Brüßler Leder, weißes, gefärbtes. Alaun Leder aus Häuten verschiedener Thiere. Semische Leder. Verschiedenes aus Häuten verschiedener Thiere. Pergament. Zum Schreiben. Zum Mahlen. Narbiges Pergament. Trommel-Fell. Geöltes oder gefirnißtes Pergament für Schreibtafeln. Muster von Rauchgegerbten Fellen. Verschiedene Fabrikate aus Lacke. Lakirtes Leder. Gepreßtes Leder mit Figuren, Zeichungen und Vergoldungen. Muster von Tobacksdosen, Zahnstocher Büchsen aus gepreßten und lakirten Leder. Muster von Brieftaschen, Etuis, Chatulen etc. aus Maroquin und Saffian. Muster von verschiedenen Buchbinder Arbeiten, als Bücher, Einbände, Futterale etc. Muster einiger Riemer Arbeiten aus lakirten und nicht lakirten Leder. Muster von Sattler Arbeiten. Fabrikate aus Fischhäuten. Chagrain, Muster von Arbeiten des Gehäus- und Futteralmachers. Verschiedene Fabrikate und Produkte aus dem Thierreich. Elfenbein, Knochen, Horn, Hirschhorn, Schildkröte etc. Muster von den Arbeiten des Kammachers. Muster von den Arbeiten des Drechslers. Perimutter. Muster von Perlmutter Arbeiten. Federn. Schreibfedern, gezogene. Muster von Arbeiten des Federschmuckers. Thierische Fette. Seife etc. Leim, Hausenblase. Vom k. k. Fabriksprodukten-Kabinett zum Wiener Techn. Museum von beute. 21 Haare und Borsten. Mahler-Pinsel a) Borstenpinsel b) Lionische Pinsel. Muster von den Arbeiten des Bürstenbinders. Muster von verschiedenen Arbeiten u. Geweben aus Pferdhaaren, Kühehaaren, Menschenhaaren etc. Fabrikate aus Gedärmen. Darmsaiten. Do. übersponnen. Goldschlager Häute. Muster von Fabrikaten aus Wachs. Phosphor. Pigmente. Carmin. Berliner Blau. Gebrannte Knochen. Elfenbein. Fabricate und Producte aus dem Pflanzenreich. Fabricate aus Flachs. Muster aus zubereitetem Flachs. Gespünste. Garn, roh, gebleicht und gefärbt. Feines Loth Garn. Zwirn, roh, gebleicht, gefärbt. Bindfaden. Gewebe. Leinwand, verschiedene Sorten, gebleicht und ungebleicht, do. gedruckte do. gefärbte Leinwand. Wachs oder gefirnißte Leinwand zu Spalieren, zum Packen, für Mahler etc. Batist, Linon, Gaze etc. Schleyer glatte, gestreifte, geblümte etc. Kanefaß, ungefärbte, gefärbte, gestreifte, quadrilirte etc. Barchent, glatt, rauh, gestreift etc. Damast, Tafelzeug, weiß, bunt. Bettzeug, Brabanter Grachl, Schnupftücher. Sail-Leinwand. Schatter. Zwillich, Drillich, glatt, fa 9 onirt. Gelsen Garn. _f Gewebe aus Leinen und Seide. Gewebe aus Leinen und Baumwolle. Gewebe aus \Leinen und Hanf. Bänder, a) Garnbänder, weiß, meliert etc. Niederländer Bänder, b) Zwirnbänder, weiße, melirte, gefärbte etc. Langetten für Hemden. Fatschen. Leinerne Borden. Muster von gestrickten, gewirkten Arbeiten, Strümpfe etc. Spitzen. Muster von gekleppelten, genähten Spitzen, Brabanter Spitzen, Points etc. Muster von gewirkten Spitzen, Patinat, Wirthschafts Spitzen etc. Netze, verschiedene Pferd- Fischernetze. Muster von Kreppinmacher Arbeiten. ,, ,, Posamentirer ■ ,, „ „ Stickereyen. „ „ Schnürmacher Arbeiten. Fabricate aus Hanf. Hanf - Garn. Hanf-Zwirn. Bindfaden. Muster verschiedener Gewebe aus Hanf. „ „ Seiler Arbeiten. Gurten, Seile, Rebschnür- Spagat, Sebläuche f. Feuerspritzen. Fabrikate aus Baumwoll. Baumwoll-Garne. Aus ostindischer, westindischer, mazedonischer Baumwolle, gebleicht, gefärbt. Türkisches Garn. Gezwirntes Baumwoll-Garn. Strickwolle, Stükwolle, gebleicht, gefärbt. Gewebe. Musselin, Kamertuch,.Creton, Calicons, Zize, Atlaß. ... Barchent. Nankin. ( Gewebe aus Baumwolle u. Seide, do. „ „ u. Leinen, do. „ „ u. Schafwolle. Piqu4. Baumwoll- Samt- Manschester, glatt, faconirt. Bänder verschiedener Sorten. 22 Viktor Schützenhofer Muster von verschiedenen Arbeiten des Strumpfwirkers. ,, „ „ „ ,, Schnürmachers. ,, ,, ,, ,, ,, Posamentirers. „ „ ,, „ ,, Kreppmachers. ,, ,, Stükereyen mit der Baumwolle. Papier und Fabricate aus Papier. Weißes und aus der Bütte gefärbtes Papier. Muster von verschiedenen Sorten des ungeleimten Papiers. Druckpapiere. Muster von verschiedenen Sorten des geleimten oder Schreibpapiers. Zeichenpapier. Notenpapier, Papier für Kupferdrucker. Waderlpapier, feines Pakpapier. Pakpapier grobes. Löschpapier. Muster von gefärbtem Papier. Einfärbiges oder Taftpapier. Marmorirtes oder türkisches Papier. Coton-Papier. Gold- und Silber Papier. Pappe. Geformte Pappe. Pappendeckel. Geleimte Pappe. Preß-Spähne. Kartenpapier. Spielkarten. Muster der vorzüglichsten Buchdrucker-Arbeiten in Rücksicht der typographischen Kunst. Muster von vorzüglichen Kupferdrucker Arbeiten in Rücksicht der Kupferdruckerkunst. Muster der vorzüglichen Abdrücken der Steindruckerey. Muster von Dingen aus Papier-Mache. „ einiger Fächer. ,, von Tapeten aus Papier. Fabrikate aus Holz. Muster von verschiedenen Drechsler Arbeiten. „ „ ,, Berchtesgadner Arbeiten. „ „ „ Tischler Arbeiten. Paternoster. „ von Arbeiten des Schachtel- oder Siebmachers. ,, ,, ,, „ Korbflechters. ,, ,, ,, ,, Laistenschneiders. „ ,, musikalischen Instrumenten aus Holz, Saiten Instrumente, Instrumente. ,, ,, Büchsenschifter Arbeiten. ,, ,, den Arbeiten des Modelstechers. „ ,, Arbeiten des Buchdrucker-Stök-Schneiders. „ „ den Arbeiten des Dekorateurs, vergoldet, lakirt, bronzirt etc. Tobakpfeifen aus Holz. Schusterspänne Uhren von Holz. blasende Fabricate und Producte aus verschiedenen Substanzen des Pflanzenreiches. Web er-Kämme. Künstliche Blumen. Larven, Masken. Muster von geflochtener Arbeit: a) aus Stroh, d) aus Bast, Bast-Tuch oder Laken. Spanisches Wachs. Haarpuder. Oblate zum Versiegeln. Vom k. k. Fabriksprodukten-Kabinett zum Wiener Techn. Museum von heute. 23 Fabrikate aus Oehl. Saife, Saifengrieß. Fürnisse verschiedene, fette Fürnisse, Weingeist Fürnisse. Produkte aus Harz. Terpentingeist, Kolofonium. Feuerschwam. Pigmente. Lake verschiedene. Tusch, Farben-Tusche, Frankfurter Schwarz. Kienruß. Saft-Grün Wasch-Blau Schitt-G-elb etc. Fabricate und Producte aus dem Mineralreich. Fabricate aus Erden Fabricate aus gebrannter Erde Töpferey. Porzellain. Ohne Glasur: Muster von Bisenit, Figuren, Abdrüke. Mit Glasur: Muster von glasirten Arbeiten, Gefäße, die sich in Rücksicht der Form, der Malerey als auch der Vergoldung unterscheiden. Fayence. Feines mit durchsichtiger Glasur, bemahlte und unbemalte Gefäße. Ordinäres und undurchsichtiger Glasur, bemalte und unbemahlte Geschirre. Steingut. Verschiedene Muster von feinem Steingut. Muster von gemeinen grauen Steingut. Bierkrüge. Majolika. Muster von Hollitscher Waren. Gemeine Töpferware. Mit gefärbter Glasur: Muster von Punzlauer Geschirr, Muster von gewöhnlichem Kochgeschirr. Feines Töpfergeschirr ohne Glasur. Muster von Schallen, Vasen en Etrusque. Gefäße aus Thon mit ...bley Schmilztiegeln etc. Öfenmacher. Muster von Öfen. Tobakspfeiffen. Von weißen Thon Pollnische Pfeiffen. Von gefärbten Thon Debreziner Pfeiffen. Ziegelbrennerey. Muster von Mauer-, Dach-, Pflaster etc. Ziegeln. Glas und Fabrikate aus demselben. Gefäße, Geschirre. Aus weißen feinen Glas, glatte, brilliantirte, geschliffene. Aus gefärbten, gemahlten Glas. Aus gemeinen grünen Glas, z. B. Boutellen. Glastafeln. Fenstertafeln. Spiegelgläser a) unbelegte, b) belegte. Vasen, Lampen von Bein und gefärbten Glas. 24 Viktor Schützenhofer Perlen von Glas. Verschiedene Sorten. Korallen, geschnitten zum Lusterfassen, Luster. Optische, meterologische Gläser in soweit sie Waaren sind. Künstliche Augen. Email- Gläser. Muster von emailirter Arbeit, Zifferblätter etc. Böhmische Edelgesteine. Schmälte Verschiedene Muster von Couleur, Eschel, Zaffera etc. Fabrikate aus Metallen. Fabrikate aus Gußeisen. Muster von verschiedenen Gegenständen aus gegossenen Eisen. Stahl und Fabrikate aus demselben. Stahl als Waaren. Muster von Rohstahl. Cement- Stahl, Brescian oder Münzstahl, gegärbter Stahl, Gußstahl, so wie diese unter verschiedenen Formen im Handel Vorkommen. Fabrikate aus Stahl. Blech 1 rji. 1.1 „ ,, > aus Stahl. Drath j Muster von feinen Zeugschmiedarbeiten, Tischler-Drechsler Werkzeuge etc. Muster von gröberen Zeugschmiedarbeiten, Zangen, Hammer, Schraubstöcke etc. Uhrmacher und anderer Künstler Werkzeuge, Feil-Kloben, Reib-Ahlen, feine Schraubstöcke, Schneid-Klumpen etc. Muster von verschiedenen Arbeiten des Sensenschmiedes, Sensen, Sicheln, Strohmesser. Muster von den Arbeiten des Hakenschmiedes. Muster von den Arbeiten des Messerschmiedes, Messer, Scheeren, Rassiermesser, chirurgische Instrumente, Feilen, Raspeln. Säbel und Degen-Klingen. Muster von Gallanterie Stahl-Arbeiten. Nähnadeln, Stiften etc. Ahlen, Pfrimen, Schuster- und andere Nägel aus Stahl. Fisch-Angeln. Sägen. Bohrer. Verschiedene Bestandtheile für Uhren, Uhrfedern, Uhr ketten. Getriebene etc. Drath-Zug-Eisen. Muster von Petschierstecher und Stempelschneider Arbeit. Fabrikate aus Eisen. Muster von verschiedenen Eisen Sorten wie sie im Handel als Waare Vorkommen. Drath. Blech; do. verzinntes. Muster von Klempler Arbeiten, Muster von Schlosser-Arbeiten. Thür- und Vorhäng- Schlösser. Muster von Schmied Arbeiten. Muster von Pfannen-Schmied Arbeiten. Vom k. k. Fabriksprodukten-Kabinett zum Wiener Tecbn. Museum von heute. 25 Labirte Kocbgeschiere. Muster verschiedener Geschmeide Waaren. Muster von Ringelschmied Arbeiten, Ketten. Muster verschiedener Schnallen für Pferde. Schnallen und Schnallen Herzei. Muster von Sporer Arbeiten. Pferd-Gebiß, Sporen, Steigbiegel etc. Nägel. Haar-Nadeln, Strick-Nadeln. Häftel und Drath-Ringe. Holz-Schrauben. Drath-Gitter, Siebe. Muster von Büchsenmacher Arbeiten. Flinten, Windbüchsen etc. Muster von Schwerdfeger-Arbeiten. Muster von Carls- bader Waaren. Kartätschen. Hächeln. Fabricate aus Kupfer und dessen Zusammensetzung mit anderen Metallen. Fabrikate aus Kupfer. Plech. Drath von Kupfer. do. vergoldet. do. versilbert. Muster von verschiedenen leonischen Waaren. Geschlagenes Kupfer in Büchern. Geriebenes Kupfer zum Bronzieren. Muster von Arbeiten des Kupferschmiedes. Pla- tirte Arbeiten. Do. Knöpfe etc. Über Seide gesponnener geglätteter Drath, vergoldet oder versilbert. Leonische Fäden, Borden, Spitzen etc. Fabrikate aus Messing. Platten, Bleche. Drath. Geschlagenes unächtes Plattgold. Muster verschiedener Arbeiten des Gürtlers. Muster verschiedener Arbeiten des Glockengiessers. Muster verschiedene des Bronzearbeiters. Muster von den Arbeiten des Metallverschneiders. Muster von Nürnberger Messing Waaren, Biegeleisen, Schellen, Fingerhütte, Uhrschlüsseln etc. Fuhrmanns-Messing, Ringe. Schnallen etc. Stecknadeln. Knöpfe, Schnallen, plattirt, versilbert, vergoldet. Argent hache. Muster von gepreßten Arbeiten, Kästenbeschläge, Rahmen etc. Muster von Arbeiten des Waldhornmachers. Muster von geflochtenen Messing-Drath-Siebe, Formen für Papiermühlen. Fabricate aus Tombac. Muster von Arbeiten aus Tombac. Maschinen und Instrumente, deren Bestandteile aus verschiedenen Metallen: aus Eisen, Messing, Kupfer etc. verfertiget werden. Muster von Arbeiten des Uhrmachers. Muster von verschiedenen Uhrmacher-Utensilien. Muster von den Arbeiten des Maschinisten und mathematischen Instrumentenmachers. Muster von den Arbeiten des Schalwaagmachers. Fabrikate aus Zirm, Bley und Composition. Fabrikate aus Zinn. Muster von Zinngießer Arbeiten. Geglättetes Zinn. Staniol. Gefärbte Folien. Mussiv Gold, Mussiv Silber. Fabrikate aus Bley. Bley-Platten. Bley-Röhren. Fenster-Bley. Schrott u. Kugeln. Fabrikate aus Zinn und Bley etc. Muster von verschiedenen Arbeiten aus dieser Composition. Fabrikate aus Bley und Spießglas-König. Muster von Schriftgießer Buchstaben Stereotypen. Fabrikate aus Gold und Silber. Fabrikate aus Gold. Geschlagenes Gold zur Vergoldung. Geriebenes Gold zum Gold-Bronze. Muster verschiedene des Goldarbeiters, Filigran, venetianische Ketten etc. — Uhrzeiger für Sackuhren. Fabrikate aus Silber. Muster des Silberarbeiters, Gefäße, blank, matt, getriebene Arbeit etc. 26 Viktor Schützenhofer Fabrikate der Münzkunst. Muster von geschlagenen Münzen. Muster von den Arbeiten der Uhrgebäußmacher. — Geschlagenes Silber zum Versilbern. Zwischgold. — Folio. Drath runder vergoldet, nicht vergoldet, do. geplätteter. Vergoldet, nicht vergoldet. Geriebenes Silber zum Silber Bronze. Muster verschiedener Gegenstände zur Stückerey, vergoldet und nicht vergoldet, Bouillon, Comtillen, Flinterln etc. Über Seide gesponnener gepläteter Silber-Drath. Gold- und Silberfäden, Borden, Dressen, Spitzen etc. Fabrikate und Produkte aus verschiedenen Mineralien. Verschiedene Fabrikate. Muster von Arbeiten aus Serpentin-Stein. Muster von Arbeiten des Steinschneiders. „ „ ,, „ Steinmetzers. „ ,, Mosaischer Arbeit Tobacksköpfe aus Meerschaum. Geschliefene Granaten, und andere innländische Edelsteine. Schleifsteine, Wetzsteine. Muster von Gyps-Marmor. Rechentafeln von Schiferstein. Flintensteine. Pigmente zum Mahlen, Anstreichen. Zinober. Grünspan. Neugrünn. Neapel-Gelb. Bley-Weiß, Kremser Weiß. Schiffer-Weiß. Ultramarin. Kobold-Blau. Leutner Weiß etc. etc. etc. Zum Schreiben. Schreib-Dinte. Dinte von verschiedener Farbe. Zum Zeichnen. Bleystifte. Rothsteine. Stifte von verschiedener Farbe. Pastel Stifte. Chemische Präparate. Salmiak. Mercurius Sublimatus. „ präcipitatus. Vitriol. Kupfer \ Eisen > Vitriol. Zink J Bley-Zucker. Menig. . Bley-Glette. Alaun. Zinnasche. Schwefel-Blumen etc. Vom k. k. Fabriksprodukten-Kabinett zum Wiener Techn. Museum von heute. 27 zu Anhang 1 Abschrift einer Copia ad Nr. 5021/319. (Beilage 2) H. K. A. 47 ex Martio 1809 NÖ. Vorläufiger Entwurf über die Anordnung und Einrichtung eines Kabinetes, in welchem die Fabrikate und Produkte der österr. Monarchie zur öffentlichen Übersicht und Beurtheilung aufgestellet werden sollen. Ich setze voraus Sr. Majestät bestimen einen diesen Entzweck entsprechenden Aufbewahrungs Ort, das Lokale dieses Kabinets, und genehmigen die vorgeschlagene vorläufige Eintheilung der aufzustellenden Gegenstände, so müßte die Anordnung in den verschiedenen Säälen und Zimern so getroffen werden, daß die zu einer Familie gehörigen Dinge so Viel als möglich in den nämlichen Raum beysam ständen. Da die Fabrikate und Produkte ohne Plan eingeführt werden, und daher anfänglich Viele Dinge mangeln, die für eine solche Samlung, wenn sie sich der Vollständigkeit nähern soll, unentbehrlich sind, so müßte gleich anfangs darauf gesehen werden: daß diese dem Kabinete später zuwachsende Stücke noch Platz genug fänden. Die zur Aufstellung gewidmeten Muster müßten in ihrer Art der öffentlichen Beurtheilung würdig seyn, und meines Dafürhaltens folgende Eigenschaften wenigstens einige derselben, besitzen. 1. Zweckmässigkeit. 2. Gute Qualität. 3. Genauigkeit und Reinlichkeit der Arbeit. 4. Schönheit, Gefälligkeit, Geschmack in Rücksicht der Formen sowohl, als der Wahl der Farben und der Lebhaftigkeit des Colorites. 5. Wohlfeilheit unbeschadet der Güte. 6. Das Produkt oder Fabrikat muß in irgend einer Rücksicht belehrend seyn. Gewiße Gegenstände dürfen nicht zu klein seyn, wenn man über ihren Werth urtheilen will. Überhaupt wäre es gut, da, wo es angehet, ein bestirntes, anständiges Format zu wählen. Die Sammlung gewähre den Platz und erhielte ein besseres Ansehen. Übrigens glaub ich, daß das Kabinet mit blossen Varietäten nicht überhäuft werden müßte. In der Regel sollte kein Stück aufgenommen werden, das nicht irgend ein instruktives Merkmahl, wodurch es sich von den übrigen wesentlich unterscheidet, besitzet, da ohnehin zu befürchten stehet, die Gegenstände werden sich nur allzusehr anhäufen. Die Ausstellungs-Art wird dann ihre Absicht erreichen, wenn 1. die verwandten Dinge sich zusam befinden. 2. wenn sie den ihren nöthigen Raum haben, einander nicht bedecken, und gut beleuchtet sind. 3. wenn sie in einer solchen Höhe stehen, daß sie einem mittelmäßigen Auge deutlich erscheinen. 4. wenn sie vor Staub und allem schädlichen Einfluß des Lichtes, der Luft, der Feuchtigkeit etc. sorgfältig verwahret sind. otens wenn sie aus ihren Behältnissen leicht herausgenommen werden können. 6tens Endlich, wenn die Stellung der einzelnen Stücke, so wie das Ganze ein gefälliges Ansehen gewähret. Es ist also nöthig, daß die Behältnisse den Erfordernissen der Gegenstände angemessen seyn: Solche Dinge, nämlich, die weder vom Licht, noch von der Luft, noch von dem Staub oder der Feuchtigkeit leiden, können bloß auf Tafeln, Tische, Stellagen hingestellet werden. Kleinere und empfindlichere müßte man unter Glaßkästen bringen. Noch andere würden in Schachteln aus Pappe, oder in Gläsern mit Dekeln, oder Flaschen mit eingeriebenen Stöpseln versehen, wohin besonders die Flüssigkeiten gehören, aufbewahrt. 28 Viktor Schützenhofer Ganz kleine Sachen erhalten zur leichteren Behandlung Tassen von Porzellain oder Beinglaß. Endlich jene Fabrikate, welche sich, wie Papier, hlattweiß übereinander legen können, am bequemsten in Port-Feulls eingeleget werden. Es wird ein ordentlicher Katalog verfertiget, der folgende Notitz enthält. Den Namen des Fabrikates, den Namen des Besitzers der Fabrik und des Ortes, wo sich dieselbe befindet. Den Namen des Künstlers oder Arbeiters, welcher den Gegenstand verfertigte. Bemerkungen über das Material, aus welchem das Fabrikat oder Produkt erzeugt worden ist. Die Jahreszahl der Erzeugung, und endlich noch andere Bemerkungen, welche zur Instrukzion gehören. Den Stücken, die aufgestellet werden, wird nur ein kleiner Zettel beygeleget, mit der Numer, die sich auf den Katalog beziehet. Die Kästen müssen zwey Abtheilungen haben, und nicht mehr als 6 Schuh hoch seyn. Der untere breitere Theil enthielte Schubladen zum Versperren, der obere schmälere Aufsatz aber sollte mit Glasthüren zum Verschieben und Verschlüssen versehen seyn. Diese Kästen, die Tische, Stellagen, so wie die ganze Einrichtung aus Holz könnte man aus einer inländischen Holz-Gattung Z:B: aus Kirschbaum, Nußbaum u. d. g. verfertigen. Die Papschachteln und Port-Feulls würden mit feineren marmorirten Papier überzogen, ihre Rücken und Ecken mit grünen Maroquin besezt. Die Gläßer endlich müßten von schönen Kreide-Glaß angeschaffet werden. Alle Gegenstände der gesamten Einrichtung z. B. Öfen, Kamin, Tische, Stühle, Spiegel, Luster etc. mit einem Wort alle Meuhles, welche dem eigentlichen Kabinet angehören, sollten sich meiner Meinung nach, an die Samlung seihst so anschliessen, daß sie einen belehrenden Theil derselben mit ausmachen helfen, und in Rücksicht ihrer Vollkommenheit einer öffentlichen Ausstellung würdig wären. Die Erhaltung der Reinlichkeit ist hey einer solchen Samlung ein unerläßliches Erforderniß. Es sind daher mehrere Geräthschaften zur Erhaltung derselben nöthig. Die Bücher, welche dem Kabinet angehören, fordern ein eigenes Zimer, so wie die Instrumente, welche zur Untersuchung und Prüfung bestirnt sind. Über die Bücher wird ein vollständiges Verzeichniß gemacht, mit Beysetzung der Anschaffungs Preise. Die Instrumente, Meubles und die Geräthschaften, könnten in eigenen Inventarien auf gezeichnet werden. Die Wände der Zimer und Sääle, in welchen die aufzustellenden Gegenstände sich befinden, müßte man samt der Decke einfach, aber sauber machen lassen. Höchst nöthig wäre einige Depositorien, so wie ein Ort, in welchen die vorkomen- den Arbeiten und Vorbereitungen zur Aufstellung gemacht werden können. Diese sind meine vorläufigen Ideen über die Einrichtung des Kabinetes, so gut ich sie ohne Kentniß des Lokale, und der näheren Gesinnung Seiner Majestät im allgemeinen zu entwerfen im Stande war. Wien den lten Ober 1 807. Widmanstatten m. p. 1 9ber ist die Abkürzung für November. Vom k. k. Fabriksprodukten-Kabinett zum Wiener Tecbn. Museum von heute. 29 Anhang 2 Allerhöchst resolvirter Oberstkammeramts Vortrag die Einrichtung des k. k. Fabriks Produkten Kabinets und dortige Eintheilung betreffend. Die in dem Entwürfe des Kabinets Direktors enthaltenen Grundsätze genehmige Ich, und da ich dieses Kabinet mit einer Anstalt zu verbinden wünsche, worin jeder Erzeuger oder Künstler, der will, seine Produkte zum Schau Aufstellen kann, so theile Ich Ihnen ihn hier beyliegenden hierauf bezug habenden anonymen Vorschlag zu ihn Euch mit, damit Sie denselben dem Widmanstätten mit dem A.uftrag zustellen, über diese Meine Ide Mir auch einen Plan zu entwerfen, und dabey den Antrag zu machen, wie diese Anstalt mit dem Produkten Kabinet am zweckmäßigsten verbunden werden könnte. Auch werden Sie ihn bedeuten, sich die in Paris herausgekommenen Druckschriften: Notices sur les objets envoye ä l’exposition des produits de l’industrie fran- Qaise, redigces et imprimes par Ordre de S. E. M. de Champagny-Paris 1806 und Exposition des 1806 Kapport de Jury sur les produits de l’industrie franyaise precede du proces verbal — des operations du Jury — insoweit er diese Werke nicht schon gelesen hat, anzuschaffen, und deren Gehalt, in so weit er es für gut findet bey Entwertung des von Mir nun angeordneten Planes zu benützen. Was Ich sonst wegen der von Widmanstätten vorzunehmenden Bereisungen und überhaupt in Bezug auf das Produktenkabinet anzuordnen befunden habe, werden Sie aus den Ihnen unter einem über Ihre Vorträge vom 18t März und 13ten May 1808 zukommende Entschließung ersehen. Da aber ohne einem angemessenen Lokale zur Errichtung dieser Anstalt nichts rechts begonnen werden kann, so mache Ich Ihnen zur Pflicht, ein solches mit Zuziehung des Direktors ausfindig zu machen und Mir hierüber das reif erwogene Gutachten zu erstatten. 15. April 1809. Franz m. p. 30 Viktor Schützenhofer Anhang 3 Verzeichnis der eingelangten Projekte für die Konkurrenzausschreibung zum Bau des Technischen Museums für Industrie und Gewerbe in Wien. Zahl der Pläne u. Zeichnungen Architekt Kurt Bachstitz, Wien . 11 Architekt Leopold Bauer, Wien. 12 Architekt Oberbaurat Julius Deininger und Wunibald Deininger, Wien. 10 Architekt Rudolf Dick, Wien. 8 Architekt Prof. Dr. Max Fabiani, Wien. 9 Architekt Prof. Max Frh. v. Ferstel, Wien. 10 Architekt August Günther, Wien. 11 Architekt M. v. Gtörgyfalyt, Wien. 6 Architekt Robert Hartinger und Architekt Hans Granichstaedten, Wien. 10 Architekt Max Hegele, Wien. 21 Architekt Alfred Keller, Wien .... . 8 Architekt Oskar Klaar, Wien. 12 Architekt Rudolf Krausz, Wien. 11 Architekt Adolf Loos und Prof. Viktor Loos, Wien. 9 Architekt Robert Oerley, Wien. 10 Architekt Gustav Richter, Wien. 11 Architekt Otto Richter, Wien . 12 Architekt k. k. Baurat Hans Schneider, Wien. 10 Architekt Friedrich Schön, Wien. 10 Architekt Ignaz Sowinsky, Wien. 11 Architekt Rudolf Tropsch, Wien. 8 Architekt Otto Wagner, Wien . 10 Architekt Oberbaurat Alex. v. Wielemans, Wien. 10 Architekt Hans Wolfsgruber, Wien. , 11 Berichte 3 2 2 . 2 2 1 4 1 1 1 2 1 3 1 2 2 1 1 1 12 2 2 Anhang 4 Gruppeneinteilung in den Abteilungen des Technischen Museums. 1. E ntwicklungsreihen. 2. Maschinenbau a) Kraftmaschinenbau, b) Allgemeiner Maschinenbau. 3. Beleuchtungswesen. 4. Gaserzeugung und Gasverwendung. 5. Elektrotechnik und Energiewirtschaft. 6. Metallbearbeitung. 7. Bergbau und Hüttenwesen. 8. Bodenkultur. 9. Schiffahrt. 10. Eisenbahnmuseum. 11. Straßenfahrzeuge. 12. Luftfahrt. 13. Grundwissenschaften der Technik a) Physik, b) Chemie. 14. Chemische Industrie. ! 15. Nahrungs- und Genußmittelindustrie. 16. Papierindustrie. | 17. Graphische Industrie, j 18. Industrie der Faserstoffe. 19. Bekleidungsindustrie. ] 20. Wasserbau und Hochbau. | 21. Industrie der Steine und Erden, j 22. Meßwesen. I 23. Wasserversorgung; Kanalisation; Bäderwesen. 24. Unfallverhütung und Arbeitshygiene. | 25. Feuerschutz. 26. Musiktechnik. 27. Post- und Telegrafenmuseum. 28. Geländeaufnahme. 29. Straßenbau. 30. Brückenbau. Vom k. k. Fabriksprodukten-Kabinett zum Wiener Techn. Museum von heute. 31 Anhang 5 Sonderschauen im Technischen Museum. 1924 Ausstellung von Textilmaschinen. 1929 Wasserkraftwirtschaft Österreichs. 1929 Die österreichische Kohle. 1932/33 Das technische Spielzeug. 1935 Dr. Carl Auer-Welsbach- Gedächtnisausstellung. 1936 MiCHALEK-Ausstellung. 1936 Rethi- Ausstellung technischer Zeichnungen. 1937 Internationaler Kurzwellenkongreß — Entwicklung der Kurzwellentechnik. 1938 Bergbau der Ostmark. 1939 Deutsche Kunststoffe — Deutsche Werkstoffe. 1943 Anfänge des Technischen Museums (Ausschnitt aus dem Fabriksprodukten - kabinett). Anhang 6 Beteiligung des Technischen Museums an auswärtigen Ausstellungen und Museen. 1917 Papierausstellung, Wien. 1918 Ersatzmittelausstellung, Wien. 1918 Prothesenausstellung, Berlin. 1929 Wien und die Wiener, Wien. 1930 Österreichs Technik in Dokumenten der Zeit, Wien. 1932 60 Jahre metrisches Maßsystem in Österreich. 1932 Ravagausstellung, Wien. 1934 Ravag-Jubiläumsausstellung, Wien. 1934 Mustermesse Padua. 1935 Kaiser-Franz-Joseph-Ausstellung, Wien-Schönbrunn. 1936 Herbstmesse Bari. 1937/38 Weltausstellung Paris. 1937 Bergmannstag 1937, Leoben. Ausstellung „Der Bergmann“, Graz. Hygiene-Ausstellung, Wiener Messe. Lichttechnische Ausstellung, Innsbruck. 1938 Jubiläumsausstellung „750 Jahre deutscher Bergbau“, Freiberg i. Sa. „Der deutsche Bergmann, in Kunst, Kulturgeschichte und Brauchtum“, Siegen i. W. Internationale Handwerksausstellung, Berlin. 1939 Alte und neue Uhrmacherwerkzeuge, Wien. Wasserbauausstellung, Lüttich. 1942 Wien, Kunst und Kultur unserer Zeit, Wien. Ständige Beteiligung an der Wiener Frühjahrs- und Herbstmesse, bzw. an deren Sonderveranstaltungen. 32 Viktor Schützenhofer Quellen- und Literaturverzeichnis. A) Arehivalien. Originalakte und Dokumente aus dem Adelsarchiv im Bundesministerium für Inneres, aus dem Archiv des Bundesministeriums für Unterricht, aus dem Archiv der Stadt Wien, dem Haus-, Hof- und Staatsarchiv, dem Hofkammerarchiv, dem Archiv der Technischen Hochschule, Protokolle des Direktoriums des Technischen Museums für Industrie und Gewerbe sowie Gründungsakten und Dokumente aus dem Archiv des Forschungsinstitutes für Technikgeschichte und des Technischen Museums, alle in Wien; ferner Familiennachlaß, sowie Akten und Dokumente aus dem Steiermärkischen Landesarchiv in Graz und aus dem Familienbesitz von Herrn Dr. Hans von Beckh-Widmanstetter, Waidhofen a. d. Thaya. B) Literatur. Johann Joseph Prechtl, Rede bei der ersten Eröffnung der Vorlesungen am k. k. polytechnischen Institut in Wien den 6. November 1815. Verlegt und gedruckt bei Carl Gerold, Wien. — Verfassung des k. k. polytechnischen Institutes in Wien, Wien 1818. Stephan Kees, Darstellung des Fabriks- und Gewerbewesens im österreichischen Kaiserstaate, 4 Bände, Wien 1819 ff. — Geschichte des kaiserl. königl. polytechnischen Institutes in: „Jahrbücher des kaiserlichen königlichen polytechnischen Institutes in Wien“, 1. Bd., S. 34ff., 1819; 2. Bd., S. I bis XXV, Wien 1820; 5. Bd., S. VHff., Wien 1824. Kare Karmarsch, Kurze Beschreibung des National-Fabriksprodukten-Kabinettes am k. k. polytechnischen Institute, in: „Jahrbücher des kaiserl. königl. polytechnischen Institutes in Wien“, 4. Bd., S. 1—171, Wien 1823. Stephan Kees und W. C. W, Blumenbach, Systematische Darstellung der neuesten Fortschritte in den Gewerben und Manufakturen und des gegenwärtigen Zustandes, 2 Bände, Wien 1829/30. J. C. Hofrichter, Alois Beck von Widmanstätten, Biografische Skizze in den „Mitteilungen des Historischen Vereins für Steiermark“, hsg. von dessen Ausschüsse, 1. H., Gratz 1850. F. W. Exner, Das k. k. polytechnische Institut in Wien, seine Gründung, seine Entwicklung und sein jetziger Zustand, Wien 1861. F. W. Exner, Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen in Österreich von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart, 2 Bände, Wien 1873. Viktor Noback, Über die erste Gewerbeausstellung anno 1791 usw., Prag 1873. Anton Schlossar, Erzherzog Johann von Österreich und sein Einfluß auf das Cultur- leben der Steiermark, Wien 1878. Huguet, Cataloque du Conservoire des Arts et Metiers, Paris 1895. Wilhelm Exner, Das k. k. Technologische Gewerbe-Museum in Wien im ersten Vierteljahrhundert seines Bestandes 1879—1904. Denkschrift erschienen im Selbstverlag des k. k. Technologischen Gewerbe-Museums in Wien, 1904. — Technisches Museum für Industrie und Gewerbe in Wien, in: Mitteilungen des Industriellen Klubs 1907, S. 265, 293, 336, 419, 427, 449, 473; 1908, S. 114, 121, 122, 126, 133, 138, 139. * — Das Technische Museum für Industrie und Gewerbe in Wien, Wien 1908. Johann Slokar, Geschichte der österreichischen Industrie und ihre Förderung unter Kaiser Franz I., mit besonderer Berücksichtigung der Großindustrie und unter Berücksichtigung archivalischer Quellen verfaßt, Wien 1914. Vom k. k. Fabriksprodukten-Kabinett zum Wiener Tecbn. Museum von beute. 33 Josef Neuwirth, Die k. k. Technische Hochschule in Wien 1815—1915, Wien 1915. Wiehelm Exner, Das Technologische Gewerbe-Museum in Wien. Fünfzig Jahre technischer Unterrichts- und Yersuchstätigkeit, 1879—1929. Wien 1929. Erlebnisse, S. 119ff., Springer-Verlag, Wien 1929. Sigmund Brosche, Gründungsgeschichte des Technischen Museums für Industrie und Gewerbe in Wien, in: „BfTG“ (Abkürzung für „Blätter für Technikgeschichte“), H. 1, S. 199ff., Wien 1932. — Das österreichische Forschungsinstitut für Geschichte der Technik, aktenmäßig dargestellt von der Institutsleitung, in: „BfTG“, H. 1, S. 204ff., Wien 1932. Ludwig Erhard, Der Aufbau des Technischen Museums in Wien, in: „Technik- Geschichte, Beiträge zur Geschichte der Technik und Industrie, Bd. 30, S. 149ff., VDI-Verlag, Berlin 1941. Karl Holey, Ludwig Erhard in: „BfTG“, H. 8, S. 4ff., Wien 1942. Alfred Lechner, Geschichte der Technischen Hochschule in Wien 1815—1940, Hsg. von der Technischen Hochschule in Wien, 1942. Technikgeschichto, 9. Heft. Aloys von Widmanstatten. Yon Viktor Schützenhofer. In der zweiten Hälfte des Jahres 1806 — das bezügliche Aktenstück 1 weist keine genaue Zeitangabe auf — hat der damalige zuständige Referent der Niederösterreichischen Landesregierung Joseph Freiheer von Kielmansegge Kaiser Franz II. den Antrag unterbreitet, Aloys von Widmanstatten zum Direktor des in Wien neu zu errichtenden Industriekabinetts, das den Titel k. k. Fabrik s- produktenkabinett führen sollte, zu ernennen. Aloys Beck von Widmanstatten wurde am 13. Juli 1754 in Graz geboren. Er entstammte einer von Kaiser Karl V. im Jahre 1548 in den erblichen Ritterstand erhobenen, altangesehenen, strengkatholischen Familie, deren Mitglied Georg Widmanstetter — so war die alte Schreibweise — 1585 aus Bayern in die Steiermark eingewandert war. Die Einwanderung Georg Widmanstetters erfolgte über eine auf Anregung der Grazer Universität ergangene Berufung, die den Ersatz des damaligen Grazer Buchdruckers Hans Schmidt bezweckte. Dieser war wegen seiner protestantischen Gesinnung und der Verletzung strenger Verfügungen der Regierung in Religionssachen mißliebig geworden und wurde 1599 lan desverwiesen. Georg Widmanstetter unterzog sich der ihm zugedachten Aufgabe mit Erfolg. Er wurde 1585 zum Hofbuchdrucker mit einem jährlichen Hilfsgeld von einhundert Gulden ernannt und schloß der Druckerei eine Buchhandlung an. Das Geschlecht der Widmanstetter erlosch im männlichen Stamme bereits 1668, vererbte jedoch durch fideikommissarische Stiftung die mit der Gegenreformation aufgeblühte Druckerei und die dieser angeschlossenen Buchhandlung nach dem Grundsatz der Primogenitur. Die letzte Widmanstetterin, Maria Susanne — gestorben am 13. Feber 1688 — hatte sich am 25. September 1637 mit dem aus dem niederen fränkischen Adel stammenden Kanzler des Fürsten Eggenberg, Johann Beckh, verehelicht. Die im Verlage des Widmanstettenschen Betriebes herausgebrachten Druckwerke trugen hinfort den Vermerk „gedruckt und verlegt bei den Widmanstettenschen Erben“ oder „sumptibus et letteris heredum Widmaestadii“. Der 1 0. K. A. 804/1806. Viktor Schützenhofer: Aloys von Widmanstatten. 35 erste Majoratsherr ist 1678 in einem Diplom Kaiser Leopolds I., worin ihm der steirische Landstand und das Recht, sich „von und zu“ zu nennen, verliehen worden war, mit „Beckh zubenannt Widmanstetter“ angesprochen. Mit dem sich allmählich einbürgernden Gebrauch, das Wörtchen „von“ zur Adelsbezeichnung und für Prädikate, die nicht Namen landtäflicher Güter waren, zu benützen, nannten sich die Druckereierben Beckh von Widmanstetter, der letzte Drucker aber einfach — der neuen Schreibweise nach — Aloys von Widmanstatten. Während dieser mit mehr oder minder Recht, aber tatsächlich unangefochten, Adelsrechte beanspruchte, die Angehörigen der Familie Widmanstetter in deren erster Blüte, Mitte des 16. Jahrhunderts, verliehen worden waren, hatte die jüngere Linie Schwierigkeiten, den Bild 1. Ansicht von Graz um 1800. (Nach einer originalgetreuen Fotokopie von Kopist, Graz.) ■ ÄtnA ( :' V ' mm Adel der Familie Beckh nachzuweisen. Dieser jüngeren Linie hätte aber schließlich das Erbe des WiDMANSTETTENschen Fideikommisses zufallen müssen, da Aloys von Widmanstatten zeitlebens unvermählt blieb. Ihm war das Majorat bereits als Minderjährigem zugefallen, da sein Vater 1765 starb und er der einzige männliche Erbe war. Vor Übernahme des väterlichen Betriebes besuchte Aloys von Widmanstatten die Universität in Graz, wo er sich insbesondere dem Studium realer Fächer und dem der Naturwissenschaften widmete. Familienunstimmigkeiten, die schon früher sein Interesse an der Druckerei abgekühlt hatten, spitzten sich entscheidend zu, als im Zuge der josefinischen Reformen einschlägige Privilegien ohne Entschädigung aufgehoben wurden. Zur Zeit der Gegenreformation — im Jahre 1650 — war die WiDMANSTETTENsche Druckerei von Kaiser Ferdinand III. als die einzige im Lande privilegiert worden. Di;ses erbliche Privileg wurde in der Folge den Inhabern des Fideikommisses Beckh-Widmanstetter mehrmals bestätigt. Aloys 3 * 36 Viktor Schützenhofer von Widmanstatten hatte den Familienbetrieb unter neuzeitlicher Ausgestaltung der technischen Einrichtungen anfangs mit großem Erfolg geführt. Da aber von Kaiser Josef II. alle Gewerbe als persönliche Gerechtsame erklärt worden waren, erhielt die Familiendruckerei mehrere Konkurrenten, darunter Josef Leykam, mit dem sich Aloys von Widmanstatten zwecks neuerlicher Hebung des Geschäftsganges assoziierte und dem er schließlich nach längeren Streitigkeiten mit den Fideikommißanwärtern 1806 den WiDMANSTÄTTENschen Druckerei- und Verlagsbesitz verkaufte. Aloys von Widmanstatten dürfte wohl das gewerbliche Meisterrecht besessen haben und ein Entzug desselben durch kaiserliche Verfügung, die sich nur auf das Privileg der Konkurrenzfreiheit bezogen hatte, wird kaum je beabsichtigt gewesen sein, da bei ihm doch neben der Erblichkeit die tatsächliche Erlernung und Ausübung des Gewerbes gegeben war. Bereits im Jahre 1804 übernahm Aloys von Widmanstatten die Leitung der Pottendorfer Spinnerei und Gamfabrik, die im gleichnamigen Ort nächst Wien ihren Sitz hatte. Nach nicht ganz zwei Jahren gab er aber trotz eines überaus günstigen, ihm bei erfolgreicher Führung des Unternehmens eine Beteiligung an demselben zusichernden Vertrages diese Stellung auf, um einer kaiserlichen Berufung auf den Posten des Direktors des in Wien neu zu gründenden k. k. Fabriks- produktenkabinetts Folge zu leisten. Außer ihm waren für diesen Posten der Professor der Prager Universität Franz Josef Gerstner 1 und der schon in kaiserlichen Diensten stehende Regierungsrat Peter Jordan von dem antragenden Referenten in Aussicht genommen. Während Gerstner vom Kaiser als von Prag unabkömmlich befunden wurde, war Jordan inzwischen zum Leiter der kaiserlichen Wirtschaftsbetriebe Vösendorf und Laxenburg bestellt worden. Da Widmanstatten überdies seiner gewerblichen und technischen Kenntnisse sowie seiner erfinderischen Tätigkeit auf dem Gebiete des Maschinenbaues wegen dem Kaiser als besonders geeignet bezeichnet worden war, wurde er, anfangs des Jahres 1807 mit der Leitung des neu zu errichtenden, der Wirtschaftsförderung dienenden k. k. Fabriksproduktenkabinetts unter Zuerkennung eines Jahresgehaltes von 2000 Gulden, sowie freier Wohnung, Licht und Beheizung betraut. Ursprünglich sollte das Kabinett im Augustinertrakt der Hofburg untergebracht werden. Als sich dies aber raummangelshalber als unmöglich erwies, wurde über Vorschlag Widmanstattens hiefür eine ihm geeignet erscheinende Wohnung in der Innern Stadt Nr. 390 auf der Hohen Brücke im Mai 1807 gemietet. Der Aufbau des Kabinetts, das vorerst nur Nachweiszwecken dienen und erst später auch eine öffentlich zugängliche Ausstellung enthalten sollte, erwies sich, durch die Kriegswirren der Zeit behindert, keineswegs als leicht und wurde durch eine unzulängliche Personaldotierung noch erschwert. Widmanstatten konnte sich allerdings die reichen Erfahrungen des niederösterreichischen Fabriksinspektors Stefan von Kees zunutze machen, der sich für seine Zwecke eine ähnliche, wenn auch auf niederösterreichische Produkte beschränkte Sammlung angelegt hatte. 1 In der bezüglichen Eingabe von Joseph Frh. v. Kielmansegge Sub. Nr. 230 de ao 807, O. K. A. 804/1806, heißt es irrtümlicherweise Johann Gerstner anstatt Franz Josef. Aloys von Widmanstätten. 37 Der vorerst betretene Weg des bloß schriftlichen Verkehrs mit den Landeschefs zum Zwecke der Beschaffung der Musterstücke für das neue Kabinett brachte nicht den gewünschten Erfolg. Widmanstätten bereiste daher über kaiserlichen Auftrag die österreichischen Provinzen, um die Musterauswahl in den Fabriken selbst zu treffen. Auch wurde er vom Kaiser zum Studium der Industrieförderung ins Ausland, insbesondere nach England, Italien und Frankreich entsandt, dessen Societe pour l’encouragement de l’industrie (Industrieförderungsgesellschaft) das besondere Interesse desselben gefunden hatte. Da die Größe der Räume auf der Hohen Brücke für beide Zwecke — Nachweisstelle und Ausstellung — nicht ausreichte, entwarf Widmanstätten einen Plan für die Unterbringung des Kabinetts in einem eigens hiefür zu errichtenden Gebäude. Zwischenzeitig waren aber bereits Bedenken laut geworden, daß das Fabrikspro- duktenkabinett in seiner damaligen Form den ihm zugedachten Aufgaben nicht gerecht werden könne. In Verfolg derselben ordnete der Kaiser mit Entschließung vom 15. November 1814 die Übergabe des Gesamtinventars des k. k. Fabriks- produktenkabinetts an das in Gründung befindliche Wiener Polytechnische Institut an. Auf diese Entschließung scheint auch der Direktor des Polytechnischen Instituts, Prechtl, Einfluß genommen zu haben, der kein Mittel unbenützt ließ, um sich den Sammlungsbestand des k. k. Fabriksproduktenkabinetts für sein Institut zu sichern. Die Übergabe des Inventars des Fabriksproduktenkabinetts wurde anfangs 1816 in Abwesenheit des gerade verreisten Direktors Widmanstätten durchgeführt, obwohl die damit Betrauten: der k. k. Rath und Naturalienkabinetts-Direktor von Schreibers und der Registrator des gleichen Instituts Mayrseder dagegen Bedenken äußerten. 1 Die ihm mit Note des Obristkämmereramtes vom 9. Juni 1815 angetragene Weiterführung der nun Nationalfabriksproduktenkabinett benannten kaiserlichen Sammlung in Unterstellung unter den Direktor des Polytechnischen Instituts, bei gleichzeitiger Übernahme des Lehramtes der empirischen Technologie daselbst, lehnte Widmanstätten begreiflicherweise ab. Wie sehr Widmanstätten sich durch die Übergabsverfügung und die mit dieser in Zusammenhang stehenden Zumutungen gekränkt fühlte, geht aus der nachstehend wiedergegebenen, für die Beurteilung seiner Denkweise, aber auch seiner Mitwirkung am Aufbau des k. k. Fabriksproduktenkabinetts bedeutsamen Eingabe 2 an den Obristkämmerer Grafen von Wrbna hervor, mit der er diesen „um Schutz und gnädige Fürsprache zur Erhaltung des k. k. Fabriksproduktenkabinetts und Aufrechterhaltung seiner bisherigen Dienstverhältnisse“ bittet: „Euer Excellenz! Die laut Beylage in Abschrift mir zugekomene Verständigung vom 9ten Juni d. J. ./. hat mich ungemein erschüttert, und ich muß dagegen als tief gekränkter Beamter an die allgemein anerkannte Rechtlichkeit und das zarte Ehrgefühl Euer Excellenz als meinen bisherigen Chef unterthänigst appelieren. 1 Brief von Joh. Jos. Prechtl vom 21. Juli 1815 an A. v. Widmanstätten O.K.A. zu 1382/815, sowie Bericht von Karl von Schreibers vom 11. Feber 1816. 0. K. A. ohne Zahl. 2 0. K. A. 1382/815. 38 Viktor Schützenhofer Ich fange mit der Nebensache an: Man hat mich zum Lehramt der Technologie aufgefordert. Diese Zumuthung ist doch äußerst sonderbar. Ich habe mich nie dem öffentlichen Kanzelvortrage gewidmet. Weder meine Geburth noch Vermögensverhältnisse, noch besondere Neigung haben mich zu dieser Laufbahn bestimmt, die ich sonst vor mehr als 30 Jahren betretten, und nun schon das ehrenvolle Ziel derselben erreicht haben würde. Nun aber will man, daß ich in meinem 59ten Jahr den Versuch eines Lehrers, und zwar bey einer Elementaranstalt beginnen soll. Ich bin stäts gewohnt, mich nur einem Geschäfte zu unterziehen, als wo ich im Verhältniß meiner Kräfte den guten Erfolg zu verbürgen vermag. Ich kann demnach nicht einen Augenblick anstehen, den mir gemachten Antrag abzulehnen. Die eigentliche Hauptsache aber betrifft: a) Die Einverleibung des k. k. Fabriks-Produkten-Kabinetes zu dem polytechnischen Institute, und b) meine Unterordnung unter dem Direktor der oben erwähnten Anstalt. ad a: Ich diene nicht aus Eigennutz. Ich habe Liebe und Interesse für das mir anvertraute Kabinet. Die angetragene Verfiegung thut mir daher äußerst wehe, den es heißet im Grunde nichts anderes, als das Kabinet auflößen und diese große und nützliche Anstalt, welche durch die Weisheit Sr. Majestät entstand, und durch Ihre Gnade und Großmuth schon zu einer solchen Bedeutenheit emporgewachsen ist, daß es bereits in dem gegenwärtigen Zustande den Beyfall des In- und Auslandes erregte, wieder zerstören. Man durchgehe die allerhöchsten Befehle und Entscheidungen namentlich jene vom 13ten Feb 1807, vom 19ten Jener, vom 14ten und vom löten April 1809 und man wird unwiderlegbar finden, daß die großwürdige Absicht Sr. Maj. einzig war: eine eingesante Samlung der Fülle des gesamten Kunstfleißes der ganzen Österreichischen Monarchie aufzustellen, und durch unmittelbares Anschauen (Autopsie) nicht dem erst zu unterrichtenden Schüller, sondern den schon gebildeten Künstler, den Fabrikanten, den Kaufmann, den Staatsmann und den geübten Kenner zu überzeugen: was österreichische Betribsamkeit leistet, und welche Vorbilder sie noch zu erreichen habe. Die nämliche Vorstellung wurde auch von sämtlichen Herren Länder Chefs in einer eigenen von Sr. Maj. den 21. Jenner 1809 angeordneten außerordentlichen Session zum Grunde gelegt. Sr. Maj. würden auch nicht die Fabrikanten durch ein eigenes zu Bruck an der Muhr den 11. September 1807 an alle Länder Chefs erlassenes Handbillet auf gef ordert haben Musterstücke für eine Elementar Schule zu überschicken, sondern ,damit sie in einer allgemeinen Sammlung' anschaulich vor ganz Europa den Erfolg vor Augen lege, auf welcher hohen Stufe der Kultur der Österreichische Kaiserstaat sich bereits befindet; wo er mit der Zeit fortschreitet, und welche Quellen des Reichthums und der Macht ihm auch in dieser Beziehung zu Gebothe stehen. Muster von ganz anderer Art gehören dazu, nun Lehrlingen den Stoff zu liefern, die Bestandtheile, die Fabrikation, und die Grundmerkmahle des verschiedenen Kunstfleißes kennen zu lernen. Allein nun soll eine kostspilige, ausgedehnte, und ganz zu einem anderen Zweck bestirnte Samlung selbst der Schule einverleibt werden, weil man in dieser die Technologie durch mündlichen Vortrag zu lehren vorhat, und hiezu ebenfalls Muster verlangt. Aus dem nämlichen Grunde müßten auch die anderen k. k. Kabinete der poly- Aloys von Widmanstatten. 39 technischen Schule, die k. k. Bildergalerie, die k. k. Akademy der bildenden Künste etc. ein verleibt werden, weil jene Kabinete ebenfals Gegenstände enthalten, welche Objekte, der nämlichen Wissenschaft sind! Der Begriff, welchen ich mir von dem Zweck, Inhalt und Anordnung eines k. k. der Autopsie gewidmeten Kabinetes oder Museums machte und nach den großen Muster, die ich vor Augen hatte, machen mußte, ist Himelweit von jener einen Sam lung unterschieden, welche ich für den Gebrauch eines mündlichen Kanzel Vortrages für Schüler erforderlich halte. Die Exemplarien, die Aufstellung, Anordnung, die ganze Tendenz, das Publikum, mit einem Wort alles ist anders und muß es seyn. Einer höheren Ansicht bin ich in allen meinen Entwürfen gefolgt, bey dem Antritt meines Amtes, biß auf diesen Augenblick. Diese meine Entwürfe erhielten die Genehmigung Sr. Maj. und Eure Excellenz haben sie anerkannt. Jedermann hält dafür, daß diese Anstalt der Würde eines Großen Monarchen und dem Zeitalter einer gebildeten Nation angemessen seyn müsse. Ebenso groß müßte jedermann, der das bereits bestehende Kabinet gesehen, die Noth wendigkeit seiner Selbstständigkeit und die Unterordnung unter einen Chef von großer Würde und Ansehen, anerkennen, weil nur unter diesen Bedingungen die Ausführbarkeit einer solchen Unternehmung möglich ist. Es ist sehr natürlich, daß eine große Anstalt und die ungeheure Menge von Gegenständen auch einen größeren und der Würde angemessenen Raum erfordern. Niemand zweifelte vor nicht gar langer Zeit an dieser Wahrheit. Jeder der für solche Samlungen, Aufstellungen, Sinn und Beurtheilung mitbrachte, gestand: daß das was bisher geleistet worden, eine glückliche und zweckmässige Zustande- bringung im Grunde erwarten ließe, sobald die unumgänglich nöthigen Mittel und Unterstützung nicht mehr fehlen würde. In Erwartung dieses für das k: k: Kabinet so erwünschten Augenblickes, habe ich ohne mündlichen noch schriftlichen Geräusches meine Arbeiten, so weit als möglich ununterbrochen fortgesetzt, ohne im geringsten zu ahnen, daß diesem Kabinet ein solches Unglück bevorstehe und einer Lehrs chule ein verleibt werden sollte, wodurch alle die großen und nützlichen Anstalten ihrem Untergange zugeführt werden würden; Anstalten, die doch als die ehrenvollsten Denkmähler der Kultur, der Liebe zu den Wissenschaften und Künsten unserer Regenten, und vorzüglich unseres jetzt lebenden gnädigsten Kaisers die allgemeine Bewunderung und Verehrung erworben. ad b: Die Akten weisen aus, daß ich die Anstellung bey dem Kabinete nicht angesucht habe, noch ansuchen konnte, weil ich von der Existenz eines solchen Planes dazumahl nicht die geringste Kenntniß hatte. Man hat mir diesen Platz angebothen. Ich war als Direktor der Pottendorfer Fabrik auch dem Staat nützlich. An würklich genossenen Vorzüglich aber an künftig mir zugesicherten Emolumenten habe ich bey meinem Übertritt ein sehr empfindliches Opfer gebracht. Allein ich folgte mit Vergnügen dem Rufe meines Regenten, da der mir angewiesene Wirkungskreiß meinen Fehigkeiten, und Neigungen entsprach, der Umgang der vorzüglich literarischen Männer der Hauptstadt mir viele geistige Resourcen eröffnete. Endlich muß ich bemerken, daß mich ganz eigentlich der allgemeine Ruf von dem vortrefflichen Karakteur Euer Excellenz zur Annahme meines Dienstes bewog. Einzig Euer Excellenz, einen so wissenschaftlichen und erprobten Kunstkenner untergeordnet, Euer Excellenz, dessen Rechtschaffenheit und Herzens Güte so wohl- 40 Viktor Schützenhofer verdient anerkant wird, glaubte ich in Ruhe und zum besten meines Vaterlandes meine Tage baschlüssen zu können; da mich der hohe Rang meines erlauchten Chefs vor allen Angreifern schützen, und sein mächtiger Einfluß mir alle Mittel sichern könnte, um das mir aufgetragene schwere Unternehmen mit Ehren auszuführen, was ohne dieser Voraussetzung auf keine Weise möglich ist: hätte ich mir damahls wohl vorstellen können, daß an einem großen Hof und unter einem solchen Schutz meine Existenz nicht gesichert seyn sollte! Hat nun auch der Drang der außerordentlichen Zeit Verhältnisse meine Pläne verzögert, so sah ich doch mit Zuversicht der ruhigen Zukunft entgegen. Allein nun soll ich auf einmahl meine Unabhängigkeit, meine mir so theuren Vorgesetzten ver- liehren, der ich nun bereits über 8 Jahre unmittelbarer Direktor bin! Der ich alle Pläne zu den Großen Gebäude entworfen und bereits den Grundstein gelegt habe; man voll mir, der ich nun dem Allerhöchsten Hof anzugehören die Ehre habe, eine Lehrstelle in einer Elementar Schulle an weisen! einem Mann unterordnen, der mir so sehr am Alter, auch selbst, was die Kategorie als Direktor am k: k: Hof betrift, zurückstehet, der noch keine Anstalt leitete und der mir in meinem Fache weder Erkenntnisse noch Belehrung mittheilen wird. Selbst die hohe k: k: Studien Hofkommission hat in ihrer Erörterung an Euer Excellenz vom 7ten April d: J: das Unausführbare einer solchen Unterordnung anerkannt, und ausdrücklich bemerkt, daß ich, außer dem Gemeinschaftlichen Lokale, ganz unabhängig seyn solle und, in der Vervollkomnung meines mir untergeordneten Kabinetes ungestört fortarbeiten könne. Diese hohe Behörde hat also ganz richtig gefühlet, daß eine Unterordnung unter den Direktor des polytechnischen Institutes, als ein sicherer Beweis der allerhöchsten Unzufriedenheit allgemein angesehen werden würde. Aber wodurch hätte ich mir dieselbe zuziehen können! Ich weiß wohl, daß der Unglückliche von der Welt imer beschuldigt wird, vor derselben imer Unrecht hat. Auf diese Beschuldigungen werde ich aber nicht achten, denn ich habe mir nichts vorzuwerfen. Noch nie erhielt ich eine unangenehme Erinnerung, sondern Sr. Maj: geruhten noch jederzeit meine von Euer Excellenz gnädig unterstüzte Anträge und Pläne nach ihrem vollen Inhalte huldvoll zu genehmigen. Ich habe in meinem Kabinete alles geleistet und geordnet und ich erwarte mit voller Ruhe jede Untersuchung ob ich unter den gegebenen Umständen mehr hätte leisten können, und ob meine angestrengte Verwendung, und das, was ich würklich zu Stande brachte, nicht die Zufriedenheit Sr. Maj. verdiene. Euer Excellenz sind hierüber selbst der kompe- tendste Richter und ich fühle die größte Beruhigung darin, in der Person meines Vorgesetzten zugleich meinen Vollgüldigen Vertretter in Anspruch nehmen zu dürfen. Euer Excellenz edelmüthiges Herz wird nicht zugeben, daß ich zum Lohn meiner Großen Aufopferung durch den Übertritt in die k: k: Dienste, und meiner mit aller Anstregung erfüllten Dienstpflicht, in der öffentlichen Meinung so sehr herabgewürdiget werde. Ich habe mich nirgends hervorgedrängt, Niemand in seinen Würkungskreiß eingegriffen, aber meinem Ehrgefühl ist es auch unerträglich mich anderen unverdient nachgesetzt, auf solche Art degradiert und mich um den wohlverdienten Lohn meiner Bemühungen gebracht zu sehen. Da mir in der Welt nichts so theuer ist als die Ehre, und keinen größeren Schmerz kenne, als den durch irgend eine Verletzung auf dieser so empfindlichen Aloys von Widmanstatten. 41 Seite, so flehe ich nochmahls den Schutz und die gnädige Fürsprache Euer Excellenz an: mich in meinen bisherigen Dienstverhältnissen zu schützen, bey dessen Verlust, sowohl das beste des Kabinetes als auch meiner ganzen Existenz aufgeopfert ward. Wien, den 19. Juli 1815. Die als Beschwerde zu bezeichnende Eingabe, die bis zum Kaiser gelangte, wurde von diesem abgewiesen, Widmanstatten aber trotzdem — und zwar über kaiserlichen Auftrag — weiter mit Auslandsmissionen betraut, so als Begleiter des Erzherzogs Johann, bei dessen Reisen nach Frankreich und England zum Zwecke des Studiums der dortigen industriellen und gewerblichen Anlagen. Erzherzog Johann, der ein warmer Gönner Widmanstattens war, wollte diesen bewegen, eine Lehrstelle an dem von ihm geschaffenen Joaneum anzunehmen, stieß dabei aber auf die gleiche ablehnende Haltung, die Widmanstatten gegenüber einer solchen Berufung an das Polytechnische Institut in Wien eingenommen hatte. Mit kaiserlicher Entschließung vom 27. Juli 1817 1 wurde Widmanstatten unter Zuerkennung des Fortgenusses alles dessen als Pension aus der Privatkasse des Kaisers, was ihm in seinem Anstellungsdekret ,,an Gehalt und Emolumenten stipuliert worden war“, in den Ruhestand versetzt. Die Entschließung beweist, daß der Kaiser sich der großen Verdienste dieses Mannes um den Aufbau seines Fabriksproduktenkabinetts wohl bewußt war, wenn er auch die Eingliederung desselben in das Polytechnische Institut als für seine Entwicklung und Zweckerfüllung dieses Instituts für notwendig erachtete. Daß Widmanstatten in der Eingliederungsmaßnahme und die Art ihrer Durchführung eine Geringschätzung seiner um so höher zu wertenden Leistungen erblickte, als diese mit ungenügendem Personal und in unzureichenden Räumen zu einem auch vom Ausland anerkannten Erfolg geführt hatten, ist durchaus verständlich. Durch eine nicht zu verleugnende Ich-Einstellung geleitet, konnte er nicht den für die Entwicklung seines Kabinetts maßgeblichen Einfluß voraussehen, den die zeitweilige engere Bindung desselben an die von ihm so gering geschätzte Schule haben sollte. Wenn es aber Widmanstatten auch nicht vergönnt war, das von ihm geschaffene k. k. Fabriksproduktenkabinett nach dessen Aufbau weiterzuführen, so muß dieses doch als das bedeutsamste Werk seines Lebens bezeichnet werden, da er damit die Grundlage geschaffen hat, auf der im Laufe eines Jahrhunderts 1 0. H. Me.-A. 427/2710 1817. 42 Viktor Schützenhofer das Wiener Technische Museum von heute entwickelt und derart einem wirtschaftlichen Bedürfnis Österreichs entsprochen werden konnte. Die Betätigung Widmanstattens als Naturwissenschaftler verdient besondere Erwähnung. Sie ist in den von ihm erstmalig in Erscheinung gebrachten und nach . na*«- > •tarn 4 Eärf *£>■ Bild 2. Sterbehaus von Alois Beck v. Widmanstatten in Wien, Spiegelgasse 25. (Aus dem Archiv des Museums der Stadt Wien.) ihm benannten ,, Widmanstätten sehen Figuren“, die Aufschluß über den Aufbau des Meteoreisens geben, festgehalten. In Ausnützung seiner besonderen Kenntnisse auf diesem Gebiete wurde er von Kaiser Franz im Jahre 1808 zur Untersuchung eines in dem mährischen Ort Stannern gefallenen Meteoriten gemeinsam mit dem Rate Schreibers entsandt. Auch auf dem Gebiete der Luftfahrt hat sich Widmanstatten betätigt. Die Wiener Zeitung vom 17. und 21. Jänner 1784 bringt Berichte über Aufstiege eines, wie es heißt, ,,mit brennbarer Luft“ gefüllten Ballons, die Widmanstatten im Aloys von Widmanstatten. 43 Dammischen Garten auf der alten Wieden veranstaltete. Trotz erfolgreichen Verlaufs dieser Versuche ist eine weitere Fortsetzung derselben nicht feststellbar. Die großen Kenntnisse Widmanstattens auf technischen und gewerblichen Gebieten waren der Anlaß, daß er auch im Ruhestand zu einschlägigen Gutachten herangezogen wurde. In seinen späteren Jahren scheint er zurückgezogen gelebt zu haben, so daß aus dieser Zeit wenig von ihm bekannt wurde. Sein aufrechter Charakter und die Geradheit seines Wesens haben ihm viele Freunde verschafft. Die ihm auch seitens des Auslandes zuteil gewordene Anerkennung zeigt die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft der Societe d’encouragement pour l’industrie, Paris“. Aloys von Widmanstatten starb in seinem Wiener Heim am 10. Juli 1849. Literatur- und Quellennachweis. A) Archivalien. Originalakte und Dokumente aus dem Adelsarcliiv im Bundesministerium des Innern, aus dem Archiv des Bundesministeriums für Unterricht, aus dem Archiv der Stadt Wien, dem Haus-, Hof- und Staatsarchiv, dem Hofkammerarehiv, dem Archiv der Technischen Hochschule, ferner Familiennachlaß, sowie Akten und Dokumente aus dem Steiermärkischen Landesarchiv in Graz und aus dem Familienbesitz von Dr. Hans von Beckh-Widhanstetter, Waidhofen a. d. Thaya. B) Literatur. Wiener Zeitung Nr. 5 vom 17. Jänner 1784, S. 86, und Nr. 6 vom 21. Jänner 1784, S. 109ff. J. C. Hofrichter, Alois Beck von Widmannstätten, Biografische Skizze in den „Mitteilungen des Historischen Vereins für Steiermark“, herausgeg. von dessen Ausschüsse, 1. H., Gratz 1850. Rudolf Puff, Marburger Taschenbuch, Geschichte, Landes- und Sagenkunde der Steiermark, 1853—1859, 3. Bd., S. 35, 51, 130. Wilhelm Haidinger, Bemerkungen über die zuweilen im geschmiedeten Eisen entstandene krystallinische Structur, verglichen mit jener des Meteoreisens. In den Sitzungsberichten der kaiserl. Akademie der Wissenschaften, math.-naturw. Kl., XV. Bd., 3. H., S. 354r—360, Wien 1855. J. C. Poggendorf, Biographisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften, II. Bd., Spalte 1315, Leipzig 1863. Genealogisches Taschenbuch der Ritter- und Adelsgeschlechter, Brünn Buschak und Jrrgang, 2. Jg., S. 65—71, mit geschichtlichem Abriß, 1877. Anton Schlossar, Erzherzog Johann von Österreich und sein Einfluß auf das Cultur- leben der Steiermark, Wien 1878. Josef Andreas Janisch, Topografisch-statisches Lexikon von Steiermark, 3 Bände. I. Bd., S. 119, 402, 421, 443, Graz 1878—1884. » Richard Peinlich, Zur Geschichte des Buchdrucks, der Büchercensur und des Buchhandels in Graz im 16. Jahrhundert. Mitteilungen des Histor. Vereins für Steiermark, XXVII. H., S. 136—173, Gratz 1879. Anton Schlossar, Grazer Buchdruck und Buchhandel im 16. Jahrhundert. Archiv zur Geschichte des deutschen Buchhandels, IV. Bd., S. 54ff., Leipzig 1879. 44 Viktor Schützenhofer: Aloys von Widmanstatten. Karl Faulmann, Illustrierte Geschichte der Buchdruckerkunst mit besonderer Berücksichtigung ihrer technischen Entwicklung bis zur Gegenwart, S. 302, 445, Wien-Pest-Leipzig 1882. Franz Krones, Geschichte der Karl Franzens Universität in Graz, Graz 1886. Wurzbach Lexikon, 55. Teil, S. 258, Wien 1887. Siebenmachers Wappenbuch, Steiermärkischer Adel, IV., 7., Spalte 223. o. J. Ignaz Schwarz, „Die ersten Wiener Luftschiff ährten“ nach dem am 20. Dezember 1912 im Altertums verein in Wien gehaltenen Vortrag, S. 6 ff. Fritz Popelka, Geschichte der Stadt Graz, I. Bd., Graz 1928, II. Bd., Graz 1935. Robert Baravalle, Steirische Burgen und Schlösser, I. Bd., S. 375, Graz 1936. J. F. Schütz, „Aus der Frühzeit der steirischen Drucker“, in: „Zeitschrift des Historischen Vereins für Steiermark“, 30. Jahrg., Graz 1936, S. 29 ff. Paul Kettel, Kampf um das Luftmeer. Geschichte der Luftfahrt von den Anfängen bis zur Gegenwart in zeitgenössischen Berichten und Dokumenten, S. 76, Verlag Langewiesche-Brandt, Ebenhausen bei München 1937. Manzsche Buchdruckerei, Wien IX