TECHNISCHES MUSEUM FÜR INDUSTRIE UND GEWERBE IN WIEN FORSCHUNGSINSTITUT FÜR TECHNIKGESCHICHTE BLÄTTER PUR TECHNIKGESCHICHTE FÜNFZEHNTES HEFT SCHRIFTLEITUNG: DR. PHIL. JOSEF NAGLER MIT 30 ABBILDUNGEN WIEN IN KOMMISSION: SPRINGER-VERLAG • 1953 TECHNISCHES MUSEUM FÜR INDUSTRIE UND GEWERBE IN WIEN FORSCHUNGSINSTITUT FÜR TECHNIKGESCHICHTE IN WIEN BLÄTTER FÜR TECHNIKGESCHICHTE Bisher erschienen: Heft 1 1932. 214 S. 8 Tafeln und 88 Abb. Schriftleitung: Dr. Ing. L. Erhard. Vergriffen Aus dem Inhalt: H. Srbik, Die Kulturverbundenheit der Technik. — L. Erhard, Zur Entwicklungsgeschichte der Technik. — K. Holet. Der Schutz der technischen Denkmale in Österreich. — Österreich als Ingenieurland: J. Fuglevicz, Das Bergwesen Österreichs. — 0. Keil-Eichenthurm, Das Hüttenwesen Österreichs. — E. Merlicek, Österreichs Wasserbau. — F. Brock, Österreichs Energiewirtschaft. — B. Enderes, Das österreichische Verkehrswesen. — E. Stelzer, Technologie. — 0. Kunze, Technisch-wissenschaftliche Institutionen. — G. Kyrle, Die Gold-, Silber-, Blei- und Kupfergewinnung in urgeschichtlicher Zeit der österreichischen Alpen. — F. Sedlacek, Thyrsenblut. — G. Hradil, Der Geistschacht am Röhrerbühel in Tirol. — A. Löhr, Altösterreichische Münzstätten. — A. Demmer, Haswell und seine dampf-hydraulischen Schmiedepressen. — 0. Böhler und H. Schwoiser, Zur Geschichte des österreichischen Edelstahles. — K. Tänzer, Sondergewerbe in der Eisenwurzen. — H.Pösendeiner, Die Wiederaufrichtung der Stubaier Kleineisenindustrie. — L. Hauska, Bedeutende Holzbringungsanlagen des 12. bis 19. Jahrhunderts in Österreich. — E. Merlicek, Beiträge zur Geschichte der österreichischen Wasserwirtschaft. — Alte Salzwege vom Salzkammergut nach Böhmen: C. Schraml, Der Weg des Salzes von Hallstatt nach Linz. — J. Sames, Der Weg des Salzes von Linz nach Budweis. — F. Drexler, Die Anfänge der Elektrotechnik in Österreich. Persönliche Erinnerungen. — H. Pfeuffer, Der technisch-wissenschaftliche Anteil Österreichs an der Radiotechnik. — E.Descovich, Fritz Franz Maier und seine Schiffsform. — Mitteilungen und Berichte: S. Brosche, Gründungsgeschichte des Technischen Museums für Industrie und Gewerbe in Wien. — Das Forschungsinstitut für Geschichte der Technik, aktenmäßig dargestellt von der Institutsleitung. — J. Leisching, Ein altes Wendeltreppen-Modell im Salzburger Museum. — A. Bihl, Bibliographie zur Geschichte der Technik Österreichs. Heft 2 1934. 85 S. 30 Abb. Schriftleitung: Dr. Ing. L. Erhard. Aus dem Inhalt: F. Sedlacek, Auer von Welsbach. Heft 3 1936. 101 S. 64 Abb. und ein Kunstblatt. Schriftleitung: Dr. Ing. L. Erhard. Aus dem Inhalt: L. Erhard, Vom Lebenssinn der Technik. — A. Lechner, Viktor Kaplan. — F. Sedlacek, Die Dr. Carl Auer-Welsbach-Gedächtnisaus- stellung im Technischen Museum für Industrie und Gewerbe in Wien. — Mitteilungen und Berichte: Tätigkeitsbericht des Österreichischen Forschungsinstitutes für Technikgeschichte. — Die Enthüllungsfeier des Auer-Welsbach- Denkmals. — Buchbesprechung: Lebenserinnerungen von Dr. techn. h. c. Dr. mont. h. c. G. Günther. — A. Bihl, Bibliographie zur Geschichte der Technik. -- Erläuterung zum Kunstblatt: Haymon und Thyrsus. Heft 4 1938. 80S. 38 Abb. Schriftleitung Dr. Ing. L. Erhard. Vergriffen Fortsetzung auf der TTI. Umschlagseite. BLÄTTER FÜR TECHNIKGESCHICHTE . . i m mmi mm iikkii mum , ws ’JV , ^.*^ 7 >/.v '* F-H1 TECHNISCHES MUSEUM FÜR INDUSTRIE UND GEWERBE IN WIEN FORSCHUNGSINSTITUT FÜR TECHNIKGESCHICHTE BLÄTTER FÜR TECHNIKGESCHICHTE FÜNFZEHNTES HEFT SCHRIFTLEITUNG: DR. PHIL. JOSEF NAGLER MIT 30 ABBILDUNGEN WIEN • IN KOMMISSION: SPRINGER-VERLAG 1953 w^OVf-L Inhaltsverzeichnis. Seite Die Entwicklung de« Hydrographischen Dienstes in Österreich von 1893 bis 1953. Von Sektionschef i. R. Dipl.-Ing. Egbert Salcher. 1 Die Entwicklung des wasserbaulichen Versuchswesens. Von Ministerialrat i. R. Dipl.-Ing. Dr. techn. Rudorf Ehrenberger . 14 Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens. Von Sektionsrat Dipl.-Ing. Otto Lanser.?. 25 Die bisherige Entwicklung der Geschiebetheorien und Geschiebebeobachtungen. Von Sektionsrat Dipl.-Ing. Otto Lanser. 58 Die Geschichte der Technik als Lehrmeisterin. Von Ministerialrat i. R. Dipl.-Ing. Eduard Merlicek . 79 Entstehung und Werdegang der Kaplanturbine bei der Firma Storek. 89 Mitteilungen und Berichte: Nikola-Tesla-Kongreß für Wechselstrom- und Drehstromtechnik. 103 Gedenktage der österreichischen Technikgeschichte im Jahre 1954. Von Therese Stampfl. 108 W* Ji »I B“»^Ä^W-WBi 3 iwm **-**£! I ltftä£S*iflMKIKWitt^MA0^i?*5Uü£i cX&i ftiZtttriMV Attbr^inM .a-vn' ; S.UI-.M1 Die Entwicklung des Hydrographischen Dienstes in Österreich von 1893 bis 1953. Von Sektionschef i. R. Dipl.-Ing. Egbert Salcher. Der 14. Oktober 1893 bildet einen Markstein in der Geschichte des österreichischen Wasserbaues; an diesem Tage meldete die amtliche Wiener Zeitung die Errichtung eines k. k. hydrographischen Centralbureaus in Wien, welchem die Aufgabe übertragen wurde, den nunmehr in die Obsorge des Staates zu übernehmenden hydrographischen Dienst in Österreich einzurichten und zu betreuen. Damit erhielt der öffentliche Wasserbau — einen anderen von einiger Bedeutung gab es damals kaum — einen mächtigen Impuls, fehlten ihm doch bis dahin oftmals jene Voraussetzungen, die uns heute für die technisch und wirtschaftlich erfolgreiche Gestaltung aller Wasserbauwerke unerläßlich erscheinen: ausreichende und verläßliche gewässerkundlic-he Unterlagen. Mit Recht kann daher gesagt werden, daß der weitere Aufstieg des Wasserbaues ohne den vor nunmehr 60 Jahren eingerichteten hydrographischen Dienst nicht denkbar gewesen wäre. Die folgende kurze Zusammenfassung soll Aufschluß darüber geben, wie sich der hydrographische Dienst (weiterhin mit der Abkürzung HD bezeichnet) in den sechs Dezennien seines Bestandes entwickelt, wie sich das diesem staatlichen Dienstzweig anvertraute Aufgabengebiet gewandelt hat und welcher Verwaltungsapparat ihm zur Erfüllung eben dieser Aufgaben zur Verfügung stand. Dei’ dem HD zugedachte Wirkungskreis wurde schon in dem gleich zu Anfang erlassenen Organisationsstatut mit wahrhaft bewundernswertem Weitblick in allem Wesentlichen festgelegt. Technische Entwicklung und jeweilige Bedürfnisse haben allerdings in der Folge in verschiedenen Grenzgebieten seinen Umfang verändert; manche Aufgaben wurden im Laufe der Zeit den Erfordernissen gemäß erweitert, andere haben sich ihrer zunehmenden Bedeutung wegen zu selbständigen Disziplinen entwickelt und sind daher wieder ausgeschieden. In großen Umrissen gesehen hat der HD folgende Aufgaben zu erfüllen: Erstens die Beschaffung und Sammlung des gewässerkundlichen Beobachtungsstoffes; er umfaßt die Aufzeichnung der Wasserstände fließender und stehender Gewässer sowie des Grundwassers; ferner die Ursachen und Begleiterscheinungen 2 Egbert Salcher aller Schwankungen des Wasserstandes, vor allem also den Niederschlag in jeder Form, dann die Temperatur von Luft und Wasser, die Verdunstung zu Lande und an Wasserflächen, die Versickerung und besonders auch die Geschiebe- und Schwebstofführung. Weiters die Ermittlung der Abflußmengen und schließlich die statistische Verarbeitung und die Veröffentlichung der gewonnenen Ergebnisse. Zweitens die hydrotechnische Begutachtung wasserbaulicher Planungen, sei es solcher, welche die Gewässer auszunutzen suchen — also Anlagen zur Bewässerung, zur Wasserversorgung, zur Nutzung der Wasserkräfte oder zur Förderung der Schiffahrt —, oder seien es solche, die den Schutz gegen schädliche Einwirkungen — Hochwässer oder verunreinigte Abwässer — bezwecken. Hiezu müssen Studien hydrologischen und morphologischen Inhalts sowie kartographische Unterlagen ausgearbeitet werden. Soweit solchen Gutachten und Studien grundsätzliche Bedeutung zukommt, sind sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Drittens sind die ausgewerteten Beobachtungen, Erhebungen und Studien allmählich in planvoller Arbeit zu einer die einzelnen Flußgebiete des ganzen Landes umfassenden Hydrographie Österreichs auszubauen. Die erste und grundlegende Aufgabe des HD besteht sonach darin, den Ablauf und die Schwankungen des Wasserstandes zu erheben, welche oberirdisch abfließende Gewässer mitmachen. Wohl sind hin und wieder auch aus weiter zurückliegender Zeit Hochwassermarken erhalten, die besonders bemerkenswerte Höchststände der Gewässer festhielten. Ständig beobachtete Pegel gab es aber bis Ende des 18. Jahrhunderts noch kaum; aber auch die dann allmählich eingerichteten gewannen erst Bedeutung, als ihre Skala auf eine feste Höhe im Verhältnis zum umliegenden Gelände gebracht wurde. Die ältesten Pegelablesungen, die sich auf eine der Höhe nach immer wieder geänderte Skala bezogen, wurden später vermutlich als nicht mehr verwendbar vernichtet. Darauf ist es offenbar zurückzuführen, daß die ältesten in Österreich erhalten gebliebenen Wasserstandsaufzeichnungen nur bis zum Jahre 1811 zurückreichen; sie beziehen sich auf den alten Wiener Donaukanal. Von da an nahm die Anzahl der Pegel fallweise zu, je nachdem, ob Naturereignisse, wie etwa die Hochwässer von 1830, Trockenjahre wie 1874 oder Verwaltungsreformen, wie die Errichtung einer technischen Sektion im 1848 gegründeten K. k. Handelsministerium oder die 1860 erfolgte Organisation des Staatsbaudienstes, die Veranlassung dazu boten. Den großen wasserbaulichen Unternehmungen des vorigen Jahrhunderts (man denke beispielsweise an die Donauregulierung bei Wien, die Regulierung der Etsch, des Inns, der Drau, Weichsel usw.) waren natürlich schon gewässerkund- liche Studien vorangegangen, die aber meist nur einem bestimmten Zwecke dienten und auf ihn zugeschnitten waren; im ganzen gesehen war das Beobachtungsmaterial vielfach dürftig und unverläßlich und konnte an den meisten Gewässern nur ganz allgemeine Anhaltspunkte zur Charakterisierung ihres Regimes geben. Die Gründung des staatlichen HD erfüllte daher die Forderung nach einer systematischen Beobachtung und Sammlung aller hydrographischen Elemente. Von den zur Gründungszeit des HD bestehenden Pegeln, die von einzelnen Die Entwicklung des Hydrographischen Dienstes in Österreich von 1893 his 1953 3 Landesvenvaltungen oder Strombanämtern betreut wurden, entsprachen 723 den Gesichtspunkten, die nunmehr für den HD als maßgeblich erkannt wurden und konnten daher in das neue Beobachtungnetz übernommen werden; sie lagen verteilt über die ganze eisleithanische Reichshälfte der ehemaligen österreichischungarischen Monarchie, über jenes Gebiet also, das der HD in den ersten 25 Jahren seines Bestandes hydrographisch zu betreuen hatte. Die Anzahl der Pegel wurde den Erfordernissen gemäß ständig erweitert, bis sie vor dem ersten Weltkrieg den Höchststand von 1310 erreichte. Die Kenntnis der Wasserstandsschwankungen allein reicht jedoch zur Beurteilung der Abflußverhältnisse nicht aus; auch die Hauptursache dieser Veränderungen, der Niederschlag, muß in allen seinen Formen erfaßt werden. Daher war gleichzeitig mit dem Aufbau eines Pegelnetzes auch der eines Beobachtungsnetzes für Regen und Schnee erforderlich; im Jahre 1895 waren es 2105 bzw. 640 ältere Meßstellen, die vom HD übernommen werden konnten, bis 1918 war ihre Anzahl auf 2861 bzw. 3127 angewachsen. Da der in fester Form fallende Niederschlag das Wasser in den Einzugsgebieten zurückhält und damit oft monatelange Abflußverzögerungen bewirkt, ist er von besonderer wasserwirtschaftlicher Bedeutung. Es ist daher unbedingt erforderlich, ihn gesondert zu beobachten und zu behandeln. Seit Bestehen des Bundesstaates, der etwa ein Drittel der Fläche von Altösterreich umfaßt, waren die auf neuösterreichisches Gebiet entfallenden Hauptbeobachtungsstellen keiner wesentlichen Änderung mehr unterwerfen; abgesehen von Studienpegeln usw\ zeitlich beschränkter Dauer betreut der HD heute 580 Pegel, 661 Regenmeßstellen und 667 Schneepegelstationen; dazu kommen Beobachtungen über die Temperatur von Luft und Wasser, die 1912 an 850 bzw\ 140, gegenwärtig an 215 bzw. 70 Meßstellen vorgenommen w 7 erden.* Wenn auch für manche Zw 7 ecke diese Beobachtungen schon ausreichen, so ist es doch für die überwiegende Zahl wasserwirtschaftlicher Fragestellungen und Aufgaben erforderlich, auch die jeweils zum Abfluß gelangenden Wasser men gen zu kennen. Hiezu ist es bekanntlich notwendig, auf Grund von Abflußmengenmessungen eine Beziehung zwischen Pegelstand und Abfluß, früher als Konsumtionskurve, heute meist als Abflußkurve bezeichnet, aufzustellen. (Die in Ausarbeitung begriffenen österreichischen gew 7 ässerkundlichen Normen sehen hiefiir den Ausdruck Pegelschlüssel bzw. Schlüsselkurve vor.) Die Bedeutung, die dem Grundwasser in stets steigendem Maße zukommt, erforderte auch für diese Erscheinungsform des Wassers den Ausbau eigener Beobachtungsnetze, die sich derzeit hauptsächlich auf die Ebenen des Alpenvorlandes beschränken (Welser Heide, Tullner Feld, Marchfeld, südliches Wiener Becken), * In diesen Zahlen sind nur die eigenen Meßstellen des HD enthalten; ergänzt wird dieses Netz durch 180 Stationen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, an denen u. a. auch der Niederschlag und die Lufttemperatur gemessen wird; in den hydrographischen Jahrbüchern werden auch deren Ergebnisse, um ein möglichst umfassendes Material zu bieten, ausgewiesen. Überdies stehen eine Anzahl von Pegeln, Niederschlagsmeßstellen und Totalisatoren verschiedener Kraftwerksgesellschaften in Betrieb, deren Ergebnisse ebenfalls dem HD mitgeteilt und von diesem mitverwertet werden. 4 Egbert Salcher mit dem östlich des Neusiedler Sees eingerichteten aber bereits in den pannoni- sehen Raum übergreifen, während anderseits auch die Grundwasservorräte der inneralpinen Täler und Becken in den Kreis der Erforschung rücken. Insgesamt stehen derzeit 310 Grundwasserpegel des HD in Beobachtung. Den vorgenannten vielfältigen Beobachtungen dienen Apparate und Geräte, die zur Gründungszeit des HD im allgemeinen den gestellten Anforderungen noch nicht ganz entsprachen; sie wurden im wesentlichen von den Hydrographen der neuen Dienststelle verbessert, oft überhaupt erst neu entworfen und den inzwischen gewonnenen Erfahrungen gemäß ausgestaltet. Die zum Ablesen der Wasserstände dienenden, gewöhnlichen Lattenpegel verschiedener Ausführungsart wurden vielfach durch selbstschreibende Geräte (Limnigraphen) ergänzt, die die Wasserstandsganglinie ununterbrochen aufzeichnen und daher auch die Kenntnis der abgeflossenen Wassermengen weitgehend verfeinern; diese eingehende Kenntnis bildet besonders für das Studium der Hochwasseranschwellungen und für den Entwurf von Schutzmaßnahmen gegen die Hochwässer eine unerläßliche Voraussetzung. 1913 waren 143 derartige Limnigraphen aufgestellt. Ebenso war auch eine genauere Erfassung der Niederschlagsstärke innerhalb der üblichen 24stündigen Terminbeobachtungen notwendig, was durch die Aufstellung selbstschreibender Regenmesser ermöglicht wurde. Auch diese wurden von Amtshydrographen verbessert; zur Zeit der Monarchie befanden sich rund 80 derartiger Regenschreiber in Tätigkeit. Für die laufenden Terminbeobachtungen war ein Regenmesser mit 500 cm 2 Auffangfläche in Verwendung, der später zum Unterschied von dem unter deutscher Verwaltung vielfach eingeführten Gerät mit nur 200 cm 2 , das sich aber in höheren I^agen nicht bewährte, Gebirgsregenmesser benannt wurde. Zur Durchführung der Abflußmengen wurden im HZB gleich zu Beginn seiner Tätigkeit in Zusammenarbeit mit österreichischen Firmen auf dem Gebiete der Feinmechanik verschiedene Typen von hydrometrischen Flügeln entworfen, die sich wegen ihrer Präzision und leichten Handhabung besonders in den Ge- birgswässern eigneten. Noch heute stehen einige dieser, auf Grund der Erfahrung später verbesserten Typen in Verwendung. Für die verschiedenen Wasserläufe wurden sie je nach Gefälle, Tiefe und Wassermenge als Taschen-, Stangen- und Hochwasserflügel hergestellt; besonders die letzteren mit ihrem 50 und 100 kg schweren torpedoförmigen Flügelkörper haben sich bestens bewährt. Zur Tarierung dieser Instrumente, worunter die Bestimmung des gesetzmäßigen Zusammenhanges zwischen Umdrehungszahl und Wassergeschwindigkeit zu verstehen ist, diente die 1896 nach Plänen des Hydrographischen Centralbureaus im Prater errichtete hydrometrische Prüfungsanstalt. Sie verfügte über einen Prüfkanal von 120 m Länge, durch welchen die Flügel mittels eines elektrisch angetriebenen Meßwagens mit Geschwindigkeiten zwischen 0,4 und 5,0 m/s geschleppt werden konnten. Nach SOjährigem Betriebe wurde diese Anstalt durch Kriegshandlungen im Frühjahr 1945 völlig zerstört; vier Jahre später ist sie in der erweiterten wasserbaulichen Versuchsanstalt des Bundesministeriums für Land- u. Forstwirtschaft neu erstanden. Die Einheitlichkeit in der Beobachtung und Messung sowie in der Aus- Die Entwicklung des Hydrographischen Dienstes in Österreich von 1893 bis 1953 5 arbeitung der Erhebungen wurde durch die Ausgabe von Vorschriften und an- leitungen gewährleistet. Die laufende und tunlichst rasche Veröffentlichung der den praktischen Erfordernissen angepaßten Auswertung der Beobaehtungsergebnisse gehört zu den Hauptpflichten des HD. Dies geschieht durch die Herausgabe hydrographischer Jahrbücher. Die ersten beiden Jahrgänge 1893 und 1894 enthielten die Ergebnisse der noch von den früheren Besitzern unterhaltenen Beobachtungsstellen, dann erst folgten die nach den eigenen Vorschriften durchgeführten und ausgearbeiteten Messungen. Die im ersten Jahrgang einmal getroffene, sachlich gestaltete Anordnung wurde — von unwesentlichen Ausnahmen abgesehen — auch weiterhin unverändert beibehalten, um die dauernde Benützung des Tabellenwerkes zu erleichtern. Die statistischen Daten sind wegen der großen Schwankungen, denen Beginn und Ende des Abflußjahres in den Alpengebieten unterliegen, durchwegs auf das Kalenderjahr abgestellt. Ab Jahrgang 1895 wurden die zur Zeit der Monarchie behandelten Flußgebiete einschließlich eines allgemeinen Übersichtsteiles in 15 Einzelheften ausgegeben; der letzte Jahrgang dieser Reihe umfaßt das Jahr 1913, die weiteren behandeln nur mehr das österreichische Bundesgebiet und erschienen bis 1920 in vier, sodann bis einschließlich 1933 in fünf Heften. Um die Rückstände, die bis nach dem Ende des zweiten Weltkrieges entstanden waren, rascher nachzuholen, wurden diell Jahrgänge1934 bis 1947 in verkürzter Form, die immerhin das Wesentliche enthielt, als „Jahresübersichten“ herausgegeben. Vom Berichtsjahr 1948 an werden die Jahrbücher wieder in ihrer alten Form veröffentlicht, jedoch den neueren Anforderungen gemäß inhaltlich erheblich ausgestaltet. Die Jahrbücher enthalten, wie der Name sagt, nur den Beobachtungsstoff eines einzelnen Jahres, das natürlich vom Durchschnitt stets mehr oder weniger abweicht. Die gewässerkundliche Kennzeichnung eines Gebietes muß sich aber auf Durchschnittswerte stützen können, die aus möglichst langen Beobachtungsreihen gewonnen wurden. Eine wichtige Aufgabe des HD bildet es daher, einerseits die angesammelten Beobachtungen zu Mittelwerten für längere Jahresreihen zu- sammenzufassen, anderseits die während eines solchen längeren Zeitraumes eingetretenen Extremwerte herauszuheben; so wurden vorerst für die 25 Jahre 1876 bis 1900 die Niederschläge für das ganze ehemalige österreichische Gebiet zusammenfassend behandelt, dann die anschließenden 25 Jahre 1901 bis 1925 in der Ausdehnung der gegenwärtigen Bundesländer; danach entworfene Isohyetenkarten im Übersichtsmaßstab 1:750.000 ergänzen diese umfangreichen Tabellenwerte. In ähnlicher Weise sind auch die im Zeitraum 1896 bis 1915 beobachteten Lufttemperaturen zur Zeichnung von Isothermenkarten für den Jänner, Juli und für das Jahresmittel für den Bereich des heutigen Bundesstaates ausgewertet worden. Mit dem Abschluß der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts erfuhren dann nicht nur die Niederschlagsbeobachtungen eine weitere, diesen ganzen Zeitraum zusammenfassende Bearbeitung; ebenso sind auch die 50jährigen Meßergebnisse über Lufttemperaturen, über Schneehöhen, Beginn und Dauer der Schneedecke u. dgl. m. in Form umfangreicher Tabellenwerke ausgewertet worden. 6 Egbert Salcher Auch die Wasserstünde und Abflußverhältnisse einzelner Gewässer von größerer wasserwirtschaftlicher Bedeutung haben eine ähnliche zusammenfassende Bearbeitung erfahren. Besondere Sorgfalt wurde hiebei der Donau zugewendet; eingehende Untersuchungen über die Sohlveränderungen des Stromes im Zeitraum 1893 bis 1942 konnten diese schwierig zu erfassenden morphologischen Vorgänge klären und diese Fragen zu einem für die Schiffahrt und die Kraftnutzung gleicherweise befriedigenden Abschluß bringen. Die Behandlung hydrologischer Aufgaben ist schließlich nicht möglich ohne genaue Kenntnis der geographischen Gestalt des Gewässernetzes und der Flächengrößen der Einzugsgebiete. Sie bildet geradezu den Ausgang für die hydrographische Erforschung .jedes Landes und daher ist auch der HI) schon zu Beginn an die Schaffung dieser unentbehrlichen Unterlagen geschritten. Als erster der ..Beiträge zur Hydrographie Österreichs“ erschien 189(5 das Flächen Verzeichnis der Flußgebiete Altösterreichs mit einer hydrographisch ergänzten, also auch die im damaligen Ausland gelegenen Flußgebietsteile enthaltenden Karte im Maßstab 1:750.000. Tn diesem Flächenverzeichnis blieben freilich noch die kleineren Gewässer unberücksichtigt. Es liegt auf der Hand, daß die heutige Wasserwirtschaft Aufgliederungen und Flächengrößen bis zu sehr kleinen Einzugsgebieten herab benötigt. Dieser Notwendigkeit entsprechend wurde — wie übrigens von vornherein geplant — noch vor dem ersten Weltkrieg mit der Herausgabe genauerer Flußgebietskarten und Flächenverzeichnisse begonnen. Im Jahre 1912 konnte der das Salzach- und Inngebiet und bald darauf der die Save behandelnde Teil mit einer Karte 1 : 200.000 erscheinen. Nach langer Unterbrechung wurde diese wichtige Arbeit aber erst nach dem zweiten Weltkrieg mit dem Flächenverzeichnis für das Draugebiet (1949) fortgesetzt, dem 1952 der umfangreiche Band über das westliche Donaugebiet (Innmündung bis Ybbsmündung) folgte. Der ebenso stattliche Band für das östliche Donaugebiet ist nahezu fertig bearbeitet. Alle diese vielseitigen statistischen Beobachtungen, Messungen und deren Bearbeitungen bildeten die Grundlage zu einem großzügig angelegten Unternehmen, als es sich darum handelte, die Wasserkräfte einer weitaus intensiveren Nutzung zuzuführen, als es bis dahin der Fall war. Zu einer Zeit, als in Österreich die Gewässer nur in sehr geringem Umfang zu Kraftzwecken herangezogen waren, entschloß sich das HZB — es ist das die übliche, bereits längst eingebürgerte Abkürzung für das Hydrographische Zentralbüro —, die Öffentlichkeit auf diese mächtige, unausgenützte Kraftreserve aufmerksam zu machen, indem es 1906 mit der Aufstellung eines AVasserkraftkatasters begann. In Tabellen und graphischen Darstellungen wurden die zum Ausbau von AA T asserkraftanlagen benötigten Unterlagen geboten; sie enthalten Angaben über die Betriebswasserführung, das bereits in Anspruch genommene und das noch verfügbare Gefälle sowie hydro- geologische Beschreibungen des Einzugsgebietes. In diesem Kataster gelangten allmählich in 325 Blättern 3150 Flußkilonieter zur Bearbeitung, wovon 2560 km mit 185 Blättern auf das jetzige Bundesgebiet entfallen. Noch zur Zeit der Monarchie hatte derAA'asserkraftkataster Anerken- Die Entwicklung des Hydrographischen Dienstes in Österreich von 1898 bis 1953 nung und Nachahmung gefunden, da er die Ausnützung der heimischen Wasserkräfte nachhaltig förderte und belebte. Einige Jahre nach ihrem Zerfall, als die Erkenntnis vom Werte der Wasserkräfte schon Gemeingut geworden und damit eines der Ziele, das der Wasserkraftkataster anstrebte, erreicht war, wurde die Fortsetzung des großen Werkes eingestellt, zumal der technische Fortschritt wie auch die geänderten wirtschaftlichen Verhältnisse grundsätzliche Umstellungen gebracht hatten, denen der Kataster hätte angepaßt werden müssen. Die damals erreichte Wirkung war aber doch so nachhaltig, daß man nach dem zweiten Weltkrieg auf den alten Gedanken zurückgriff, als der Energiehunger einen weiteren großzügigen Aushau der Wasserkräfte als unabweisbare Notwendigkeit vor Augen stellte. Das Behördenüberleitungsgesetz vom Jahre 1945 trennte nunmehr allerdings die Dienststelle, die den neuen Kataster zu bearbeiten hatte, vom Hydrographischen Zentralbüro und unterstellte sie dem Handelsministerium. Vom Gesichtspunkte der Einheit der Wasserwirtschaft aus ist das zu bedauern, die finanzielle Bewegungsfreiheit, deren sie sich erfreuen konnte, ermöglichte es aber dem tüchtigen Mitarbeiterstab dieser Dienststelle, in enger Zusammenarbeit mit dem HD den neuen österreichischen Wasserkraftkataster zu einem vorbildlichen Standardwerk auszugestalten. Neben der eigentlichen hydrographischen Forschung betrachtete das 11ZB auch die Verbesserung und Verfeinerung der hydraulischen Berechnungsmethoden als seine Aufgabe, zumal beide Gebiete nicht streng voneinander zu trennen sind. Die Frage der Berechnung der Wassergeschwindigkeiten in natürlichen Gerinnen und ihrer Verteilung über den Querschnitt bietet beispielsweise ebensowohl ein hydraulisches wie hydrographisches Interesse. Das HZB errichtete daher im .Jahre 1912 eine Versuchsanstalt für Wasserbau mit der Zweckbestimmung, die Strönnmgsvorgänge in natürlichen und künstlichen Gerinnen sowie an Wasserhauwerken und die hiebei auftretenden Kräfte und Wirkungen mittels des Modellversuches zu erforschen. Diese in Wien IX., Severingasse nach den Plänen des HZB errichtete Anstalt erfüllte die ihr zugedachten wissenschaftlichen und hydrotechnischen Aufgaben in hohem Maße und hat damit wesentlich zur Erhöhung der Sicherheit und Wirtschaftlichkeit im Wasserbau beigetragen. Während zu Anfang ihres Bestandes die flußbaulichen Aufgaben im Vordergründe standen, traten später solche des konstruktiven Wasserbaues und der Wasserkraftnutzung mehr und mehr hervor. Im Zuge der nach dem zweiten Weltkrieg neuerlich einsetzenden verstärkten Wasserkraftnutzung wurde die Anstalt erweitert und mit ihr die schon erwähnte hydrometrische Prüfanlage vereinigt. Die an der Anstalt gewonnenen Forschungsund Versuchsergebnisse werden, soweit sie allgemeineres Interesse beanspruchen, in eigenen Mitteilungen veröffentlicht. Bald nach Aufnahme seiner Tätigkeit, ehe also dem HD noch das ganze Rüstzeug an ausgewerteten Beobachtungen und hydrologischen Erkenntnissen vorlag, das zu einer Hydrographie Österreichs zusammengefaßt werden sollte, war er schon in einem anfänglich ungeahnten Maß mit hydrotechnischen Fragen 8 Egbert Salcher großer Dringlichkeit befaßt. Den ersten Anlaß hiezu boten die katastrophalen Auswirkungen der beiden Hochwässer der Jahre 1897 und 1899 im Donauraum. Die Maßnahmen, die eine Wiederholung derartiger Schäden hintanhalten sollten, setzten eingehende Vorarbeiten voraus, mit deren Durchführung über Antrag des Reichsrates das HZB beauftragt wurde. Der HD war nunmehr einige Jahre hindurch mit einer Fülle solcher Studien beschäftigt, in denen Ursachen und Verlauf der Hochwässer mit beispielgebender Gründlichkeit erforscht und behandelt wurden. In der großen Donaustudie wurden alle größeren seit 700 Jahren abgegangenen Hochfluten mit dem Ziel untersucht, die Häufigkeit derartiger Erscheinungen aufzuklären. Hiebei wurden, was bis dahin noch kaum je versucht worden war, die alten Hochwassermarken und die Aufzeichnungen zeitgenössischer Chronisten sorgfältig ausgewertet. Mit Hilfe dieses umfangreichen Materials gelangte man zu erschöpfenden Ergebnissen und konnte feststellen, daß die Donauflut von 1501 die mengenmäßig weitaus größte aller noch historisch erfaßbaren Donauhochwässer war und ungefähr einem 3000jährigen Ereignis entspricht. Nach ähnlichen Gesichtspunkten und Unterlagen wurden weitere regionale Studien aufgebaut. Da war z. B. das Rückhaltevermögen der Seen im Gewässernetz der Traun zu erforschen, um ihre Rolle beim Ablauf der Hochwässer zu klären, eine Arbeit, die bis heute maßgebende Bedeutung beanspruchen darf, da gerade jetzt wieder, im Zuge des Energieausbaues und der Traun-Rahmen - planung das Speichervermögen dieser Seen bei Hochwasser die Ausbaupläne entscheidend beeinflußt. Weitere Studien behandelten den Hochwasserrückhalt im Tullnerfeld, den Hochwasserschutz der Stadt Wien, den Wasserhaushalt des Bodensees u. dgl. m. Der Umfang des herangezogenen und ausgewerteten Materials, seine sorgfältige und erschöpfende Behandlung und die wissenschaftliche Klarheit der angewendeten, vielleicht neuartigen Methoden machen diese im Druck erschienenen Studien geradezu zu Standardwerken für die Behandlung von Hochwasserfragen und zu unerschütterlichen Grundlagen für jede weitere, einschlägige Arbeit. Die Beschäftigung mit den Hochwasserursachen und -erscheinungen blieb auch weiterhin ein wichtiges Aufgabengebiet des HD, das in zahllosen kleineren, nicht veröffentlichten Studien und Gutachten, besonders solchen zu Regulierungsprojekten der staatlichen Wasserbauverwaltung, seinen Niederschlag fand und dessen weitere, wissenschaftliche Durchdringung nie aus dem Auge verloren wurde. Nachdem 1932 der österreichische Wasserbauingenieur Graszberger wohl als erster die Wahrscheinlichkeitstheorie auf das Hochwasserproblem anwendete, haben die beiden Amtshydrographen V. Felber (Wien) und H. Kreps (Graz) in den letzten Jahren gerade diese Methode wesentlich und mit solchem Erfolge ausgebaut, daß entscheidende Einsichten in den Ablauf und die Gesetzmäßigkeiten der Hochwasserereignisse erwartet werden dürfen. Die im Donaugebiet alljährlich wiederkehrenden Hochwässer haben zur Einführung eines Hochwasserwarndienstes an diesem Strome und seinen wichtigsten Nebenflüssen geführt; er dient dem Schutze der Kulturen und Siedlungen, aber Die Entwicklung des Hydrographischen Dienstes in Österreich von 1893 bis 1953 9 auch den Belangen der Schiffahrt, für welche außerdem ein über alle Donauuferstaaten ausgedehnter hydrographischer Nachrichtendienst eingerichtet ist; mit der täglichen Bekanntgabe der AVasserstandshöhen und ihrer Prognosen auf telephonischem und telegraphischem Wege, zu der später noch die zusätzliche Durchgabe im Rundfunk kam, besteht er seit 1898. Mit dem Aushau der Wasserkräfte, der nach dem ersten Weltkriege einen, leider bald wieder abgebremsten Aufschwung nahm, erwuchs dem HD die Aufgabe, sich auch dem Probleme der Kraftwasserwirtschaft in stärkerem Maße zuzuwenden. Es waren nicht nur die zur Planung erforderlichen hydrologischen Unterlagen zu beschaffen — eine Aufgabe, in der er sich durch die finanzielle Beengtheit allerdings immer mehr behindert sah —, er hatte auch zu den größeren Entwürfen gutachtlich Stellung zu nehmen, um eine unrationelle Ausbeutung der Wasserkräfte zu vermeiden. Hiebei begannen morphologische Fragen eine wichtige Rolle zu spielen, da die Schwebstoff- und Geschiebeführung beim stufenförmigen Ausbau der Flüsse sich als eine vordringlich und schwierig zu meisternde Aufgabe erwies. Um 1932 konstruierte Ehrenberger, der Leiter der AViener A T er- suchsanstalt für AATisserbau, ein Geschiebefanggerät, mit dem er in der Donau in richtunggebender AVeise Geschiebemessungen ausführte; so konnte der Geschiebetransport dieses Stromes, der bisher nicht einmal annähernd bekannt war und über den die Schätzungen fast um das Zehnfache auseinandergingen, wenigstens größenordnungsmäßig erfaßt werden. Alessungen von anderer Seite am Alpenrhein und am Inn wurden durch die Alithilfe von Amtshydrographen wesentlich gefördert. In Linz machte sich F. Rosenauer durch den Bau neuer Geräte um die Alessung und Kenntnis der Schwebstofführung der Donau verdient. An mehreren Gewässern Österreichs wurden ständige Schwebstoffmeßstellen ein- gerichtet und die Ergebnisse dieser und anderer flußmorphologischer Untersuchungen in einer eigenen kleinen A T eröffentlichung zusammengefaßt. Da auch noch Abwasserfragen und solche der AVasserversorgung, insbesondere aus dem Grundwasser, hinzukamen, dehnte sich das Tätigkeitsgebiet des HD immer mehr aus. A~on der Fülle hydrologischer Studien, Gutachten, Abhandlungen und amtlicher Äußerungen, die sich im Laufe der Zeit ansammelten, kam vielen eine über den einzelnen Fall hinausreichende, allgemeinere Bedeutung zu. Zur Zeit der Monarchie konnte das HZB — wie schon erwähnt — manche dieser Arbeiten der Öffentlichkeit zugänglich machen, ehe sie in den Archiven verschwanden; im folgenden ATerteljahrhundert bestand diese Möglichkeit nur mehr in äußerst eingeschränktem Maße, die Publikationstätigkeit war weitgehend unterbunden; erst nach 1945 konnte an die gute alte Tradition wieder mit Erfolg angeknüpft werden. Die bereits im Organisationsstatut vorgesehenen A T erÖffentlichungen des HD erscheinen seit 1894, den vielfältigen sachlichen Anforderungen angepaßt, in sieben verschiedenen Reihen. Die erste umfaßt die Jahrbücher (und Jahresberichte), über deren Zweckbestimmung und Inhalt schon gesprochen wurde; es sei kurz wiederholt, daß bis 1918 21 Jahrgänge für das altösterreichische Gebiet über die Berichtsjahre 1893 bis 1913 erschienen sind. In der Zeit von 1918 bis 1945 kamen 10 Egbert Salcher dann die 20 Jahrgänge 1914 bis 1933 heraus, hernach die 14 Jahresübersichten für 1934 bis 1947 und anschließend bisher die zwei Jahrbücher für 1948 und 1949. Die zweite Gruppe von Veröffentlichungen umfaßt die „Beiträge zur Hydrographie Österreichs“; zu dieser zwanglos erscheinenden Reihe gehören teils jene oft umfangreichen Sonderstudien, von welchen oben die Rede war, teils die Zusammenfassungen, Auswertungen und Übersichten der Beobachtungsergebnisse. Als Ergänzung der Jahrbücher dienen die eine dritte Gruppe bildenden Wochen- und Monatsberichte. Dazu gehören die vom Winter 1894/95 bis 1916/17 herausgegebenen Schneewochenberichte für Altösterreich, dann ab 1930/31 die für das Bundesgebiet. Weiters sind anzuführen die von 1898 bis 1924 in Zeitschriften, von 1925 bis 1939 im eigenen Verlag herausgegebenen Witterungs- und Wasserstandsübersichten sowie die von 1912 bis 1922 gleichfalls in Zeitschriften ausgewiesenen Monatsberichte über die Wasserkraftnutzung in Österreich. Die für den HD maßgebenden Vorschriften und Anleitungen umfassen 20 Hefte; Neuauflagen sorgen für zeitgemäße Ausrichtung dieser auch außerhalb des eigenen Dienstbereiches benützten Instruktionen. Sie bilden die vierte Gruppe der Veröffentlichungen. Zur fünften zählen die vom HD in technischen Zeitschriften veröffentlichten und als Sonderdrucke ausgegebenen Mitteilungen, die insbesondere zur Zeit des Aufbaues dazu dienten, weitere interessierte Kreise mit den laufenden Arbeiten des HD vertraut zu machen. Bisher sind 51 derartige Hefte vorhanden, von denen 41 aus altösterreichischer Zeit stammen. In gleicher Weise berichtet die Versuchsanstalt für Wasserbau in den bisher erschienenen 28 Heften der sechsten Gruppe über Ergebnisse ihrer Forschungen und Modellversuche. Die siebente und letzte schließlich umfaßt den österreichischen Wasser- kraftkataster. In einem 1950 herausgegebenen Verzeichnis der Veröffentlichungen sind alle vom HZB bis dahin herausgegebenen Schriften angeführt. Die Arbeitsweise des HD hat sich in den 60 Jahren seines Bestandes sehr gewandelt. Zu einer Zeit errichtet, als der Wasserbau, von kleineren Bauvorhaben abgesehen, fast ausschließlich eine Domäne des Staates war, hatte er die Aufgabe, den öffentlichen Wasserbaudienst hydrotechnisch zu leiten. Die rasch anwachsende Bedeutung aller Zweige der Wasserwirtschaft war dem HD Verpflichtung, nicht nur mit der Zeit zu gehen, sondern ihr auch voranzueilen; hiefür bietet die Aufstellung des Wasserkraftkatasters ein beredtes Beispiel, da von dieser für die damalige Zeit weitblickenden Schöpfung starke Anregungen zum gesteigerten und rationellen Ausbau der Wasserkräfte ausgegangen sind. Die vom Organisationsstatut und den Gründern des HD diesem zugedachte, führende Rolle in der österreichischen Wasserwirtschaft war aber in befriedigendem Umfang immer nur dann zu erreichen, wenn auch die verwaltungsmäßigen Voraussetzungen hiezu vorhanden waren. Da diese in Abhängigkeit vom wirtschaftlichen und politischen Geschehen wechselten, schwankten auch die Leistungen des HD zwischen Blüte und Stillstand. Erfreulich war der Beginn. Erprobte Fachleute erkannten die Notwendigkeit eines staatlichen hydrographischen Dienstes; das damalige Ministerium des Die Entwicklung des Hydrographischen Dienstes in Österreich von 1893 bis 1953 11 Innern, dem die Obsorge für die öffentlichen Wasserbauangelegenheiten oblag, förderte in großzügiger Weise die Organisation; der als sehr sparsam bekannte altösterreichische Staat stellte ausreichende Kredite zur Verfügung, eine straffe Verwaltung ermöglichte die einheitliche Gestaltung und Handhabung des Dienstes in der ganzen Reichshälfte; ausgewähltes Personal stand zur Verfügung. Mit der Einrichtung des HD war k. k. Oberbaurat Romuald Iszkowski' betraut; nach zweijähriger Vorarbeit erschien, wie eingangs angeführt, am 14. Oktober 1893 in der Wiener Zeitung die amtliche Bekanntgabe über die Errichtung eines hydrographischen Centralbureaus im k. k. Ministerium des Inneren, womit der Dienstbetrieb seinen Anfang nehmen konnte. Nach zwei Richtungen setzten nunmehr die Arbeiten ein: zum verwaltungsmäßigen Aufbau der neuen Dienststelle, sowie zur Erfassung der im Reichsgebiet bereits vorhandenen hydrographisch verwertbaren Beobachtungsstellen und Meßergebnisse als Unterlage zur weiteren Ausgestaltung. Das im nächsten Jahr, 1894, erlassene Organisations- Statut bildet mit seinen ebenso zielbewußten als erschöpfenden Bestimmungen die festgefügte Grundlage, nach welcher im Sinne zeitgemäß eingetretener Veränderungen noch gegenwärtig gearbeitet wird. Als leitendes Organ des HD wurde das eben im Innenministerium errichtete HZB bestimmt, außerdem wurden bei jeder der 8 k. k. Statthaltereien der größeren und den 6 k. k. Landesregierungen der kleineren Kronländer je eine Hydrographische Landesabteilung, kurz HLA bezeichnet, aufgestellt. Das HZB war als selbständige Abteilung vorerst dem Wasserbau-Departement, die 14 HLA den Baudirektionen angegliedert; diese Einteilung blieb bis zum Zusammenbruch der Monarchie bestehen. Im Bundesgebiet verblieben davon 6 HLA, zu denen dann in weiterer Folge noch eine für das von Tirol abgetrennte Vorarlberg hinzukam, sowie eine Dienststelle für das neugeschaffene Burgenland. Nach erfolgreicher Bewältigung des grundlegenden organisatorischen Aufbaues übernahm Iszkowski, der auch durch vielfältige wissenschaftliche Arbeiten in weiteren technischen Kreisen bekanntgewordene Hydrolog, dem der HD zu großem Dank verpflichtet ist, Ende 1895 als k. k. Ministerialrat andere Dienstesobliegenheiten; noch in aktiven Diensten starb er 1904 im Alter von 56 Jahren, nachdem er kurz vorher seiner Verdienste wegen in den Adelsstand erhoben worden war. Ganz ungewöhnliche Ausmaße nahm weiterhin der nunmehr auf feste Grundlagen gestellte HD in seiner Entwicklung unter dem zweiten Vorstand, dem k. k. Oberbaurat diplomierten Ingenieur Ernst Lauda an. Die durch die Hochwasserkatastrophe von 1899 veranlaßten Studien sowie die Gutachten zur Wasserkraftnutzung waren es vorwiegend, die das Ansehen des HZB derart steigerten, daß es nunmehr führend allen hydrotechnischen Erörterungen beigezogen wurde. Das gewaltig ausgedehnte Departement reichte nicht mehr zur Bewältigung der Arbeit aus. Mit der 1908 erfolgten Errichtung des k. k. Ministeriums für öffentliche Arbeiten wurde das HZB diesem zugeordnet, wo es eine eigene Revisionsgruppe für Hydrographie mit nunmehr drei Departements erhielt, zu welchen drei Jahre später noch ein viertes hinzukam; die Jahrbuchangelegenheiten wurden im Technikgeschichte, 15. Heft. 2 12 Egbert Salcher Dep. XI a bearbeitet, XI b bildete die Studienabteilung, XI c befaßte sich mit dem Wasserkraftwesen samt Kataster, XI d hatte die Wasserversorgung und Entwässerung von Ortschaften und Städten zu behandeln. Die Anzahl der Mitarbeiter stieg von ursprünglich sechs im ersten Jahre 1893 auf 59 — darunter 27 Akademiker — bis Ende 1909, als Lauda das HZB verließ, um die Leitung der Wasserbausektion zu übernehmen. K. k. Sektionschef Dr. h. c. Ernst Ritter von Lauda — Ehrendoktor der Wiener Technischen Hochschule und 1917 geadelt — brachte den HD auf eine international anerkannte Höhe, deren Nachwirkungen zwei Weltkriege nicht zu verwischen vermochten. Im Alter von 73 Jahren verschied er 1932 in Wien. Das HZB mit den vier Abteilungen nahm an Umfang und Bedeutung immer mehr zu; 1912 war der Personalstand auf über 90 Angestellte angestiegen, worunter sich 35 Akademiker befanden; die Geschäftsgruppe selbst war nunmehr unter ihrem dritten Leiter, k. k. Sektionschef Richard Siedek, organisatorisch einer Sektion gleichgestellt. Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges veränderten sich die Verhältnisse vorerst nur allmählich, dann aber in immer jäherem Maße zum Schlechteren; der Höhepunkt war überschritten, die Tätigkeit des HD schränkte sich notgedrungen immer mehr ein, bis 1918 der Zerfall der Monarchie den HD vor ganz neue Aufgaben stellte. Siedek, Verfasser und Bearbeiter vieler hydrographischer Werke von grundlegender Bedeutung, geleitete das HZB noch in das neue, nun empfindlich eingeengte Fahrwasser. Ende 1918 zog er sich nach 25jähriger Tätigkeit im HZB aus dem aktiven Dienst zurück; 1948 starb er in AVien im 89. Lebensjahr. Das Zeitalter der drei großen Organisatoren und Förderer des HD: Iszkowski, Lauda und Siedek war abgelaufen. Für das HZB begann eine neue, schon recht mühevolle und entbehrungsreiche Zelt. Der Umfang des hydrographisch zu betreuenden Gebietes war auf ein Drittel reduziert, die Anzahl der Mitarbeiter hingegen auf ein Achtel des alten Standes. Darüber hinaus begannen in einer Zeit, als infolge des plötzlich einsetzenden Kohlenmangels dem raschen Ausbau der Wasserkräfte eine besondere Aktualität zukam, in bedrückendstem Ausmaß die Kreditsorgen, die sich bis zu einem fünf Jahre andauernden A’erbot jeder Drucklegung, sogar der Jahrbücher, steigerte. Nach sechs Jahren wechselvoller Vorgänge war das HZB auf eine einzige Abteilung im Handelsministerium, ab 1925 im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft zusammengeschmolzen. Geld- und Personalmangel lähmten vielfach die Tätigkeit des HZB, das seine Aufgaben nur mehr eingeschränkt und zur Not erfüllen konnte. AA 7 ährend der sieben Jahre deutscher A T er- waltung fielen zwar der Geld- und Personalmangel zunächst fort, dafür hinderte der Ausbruch des zweiten AA 7 eltkrieges nunmehr wieder jegliche Entfaltung. Nachteilig wirkte sich auch die dreifache Aufspaltung des hydrographischen Dienstes, der ein festes Gefüge gebildet hatte, in ein Amt für Gewässerkunde und eine A\ 7 asserwirtschaftsstelle für das untere Donaugebiet und die Abtrennung der Niederschlagsbeobachtungen an den Reichswetterdienst aus. Zur Zeit der Wiedererrichtung des österreichischen Bundesgebietes — das HZB wurde mit 20. Juli 1945 als Abteilung 12 wieder dem Bundesministerium (da- Die Entwicklung des Hydrographischen Dienstes in Österreich von 1893 Dis 1953 13 mals Staatsamt) für Land- und Forstwirtschaft angegliedert — war der HD in jeder Hinsicht völlig zusammengebrochen. Die Wiederaufrichtung erfolgte unter Bedachtnahme auf die reichlich erprobten guten und schlechten Erfahrungen aus den vergangenen fünf Dezennien. Die auf neue Grundlagen gestellte Geldgebarung und ein Stab gut ausgebildeter Mitarbeiter ermöglichten wieder ein zielbewußtes hydrographisches Arbeiten, so daß heute neben dem laufenden Geschäftsgang der Wiederaufbau im wesentlichen bewerkstelligt, die Rückstände aufgeholt und so der Weg zur weiteren hydrographischen Entfaltung freigelegt ist. Die Entwicklung des wasserbaulichen V ersuchswesens. Zum 40jährigen Bestand der Bundesversuchsanstalt für Wasserbau in Wien. Von Ministerialrat i. R. Dipl .-Ing. Dr. techn. Rudolf Ehrenberger. Mit 5 Abbildungen. • Ein Blick auf die über die ganze Erde verbreiteten wasserbaulichen Anlagen läßt den ungeheuren Fortschritt auf dem Gebiete des gesamten Wasserbaues seit dem vergangenen Jahrhundert unmittelbar erkennen. Das in allen Kulturländern immer mehr in den Vordergrund tretende Bestreben, sich von der Kohle als Energiequelle frei zu machen, hatte den besonderen Aufschwung der Wasserkraftnutzung zur Folge. Wir bewundern nicht weniger die großen Niederdruckais die gewaltigen Hochdruckanlagen mit ihren kühnen Talsperren, die sich heute nicht mehr begnügen, nur das Wasser des eigenen Gebietes zu sammeln, sondern auch jenes benachbarter Einzugsgebiete der Kraftnutzung zuführen. Dieser Aufschwung war erst möglich, als sich der Wasserbau zweier Hilfswissenschaften bedienen konnte, nämlich der Hydrographie und der Hydraulik. Während die erstere die den Bauwerken zugrunde zu legenden Abfluß Verhältnisse (sekdl. Wassermengen, Dauer der Wasserstände usw.) vermittelt, lehrt die zweite die Gesetzmäßigkeiten der Fließbewegung. Infolge der oft recht verwickelten Vorgänge im fließenden Wasser ist die Hydraulik mehrfach gezwungen, vereinfachende theoretische Annahmen zu machen, die nicht immer streng zutreffen. Hier seien nur z. B. die Probleme der unvollkommenen Überfälle, der Streichwehre, des Brückenstaues herausgegriffen. Vielfach ist man genötigt, „Beiwerte” einzuführen (Rauhigkeits-, überfallbeiwert usw.), deren Einschätzung eine große Erfahrung voraussetzt, die aber die Resultate stark beeinflussen. Auch auf dem Gebiete des reinen Flußbaues ist die theoretische Behandlung vieler hier auftretender Fragen derzeit noch mit großen Schwierigkeiten verbunden. Zwar zeigen sich schon verschiedentlich Ansätze zur rechnerischen Behandlung der Geschiebefragen, doch weichen die nach den verschiedenen Formeln erhaltenen Resultate oft noch weit voneinander ab. Ist es doch noch gar nicht lange her, Die Entwicklung des wasserbaulichen Versuchswesens 15 (laß die ersten systematischen Versuche unternommen wurden, den Geschiebetrieb in natürlichen Gewässern mit Auffangvorrichtungen direkt zu messen. Es ist wohl verständlich, daß erst nach dem Vorliegen einer größeren Anzahl von Beobachtungen an Flüssen mit verschiedenen Korngrößen, Tiefen und Gefällen Aussicht besteht, der so wichtigen Frage der Geschiebeführung mit Erfolg an den Leib zu rücken. Wurden die hier kurz angedeuteten Schwierigkeiten gegen Ende des abgelaufenen Jahrhunderts noch als unvermeidlich hingenommen, so konnte dieser Zustand bei der raschen Entwicklung des Wasserbaues nicht mehr befriedigen. Bild 1. Versuchshalle (ebenerdig) nach dem Umbau. . . ;-Ä* Der Gedanke, die Abflußerscheinungen nicht nur in der Natur, sondern auch im Laboratorium an Modellen in verjüngten Maßstäben zu beobachten, fand immer mehr Anhänger. Bestand doch die Hoffnung, beim Modellversuch verschiedene unwesentliche, aber störende Nebenerscheinungen auszuschalten, um so die eigentliche gestellte Frage herauszuschälen, oder verschiedene systematische Änderungen (bezügl. Wassermenge, Tiefe usw.) vorzunehmen, um dadurch die fraglichen Gesetzmäßigkeiten zu klären. Auch erwartete man von den an Modellen mit feinsten Instrumenten durchzuführenden Messungen eine größere Genauigkeit, als von den oft nur schwer durchführbaren Naturmessungen, welche Ansicht sich auch späterhin bestätigte. Um die Jahrhundertwende setzte Prof. Engels an der Technischen Hochschule in Dresden diesen vielversprechenden Gedanken in die Wirklichkeit um, indem er 1898 die erste wasserbauliche Versuchsanstalt (Flußbaulaboratorium) errichtete, die ausschließlich Zwecken des Bauingenieurs und in erster Linie für Versuche auf dem Gebiete des Flußbaues diente. Er kann somit als der Begründer 16 R. Ehrenberger des modernen, wasserbaulichen Versuchswesens bezeichnet werden. Wenngleich das Dresdener Laboratorium noch in sehr bescheidenen Grenzen gehalten war (es besaß nur eine einzige neigbare Flußbaurinne von 13 m Länge und 2 m Breite und verfügte nur über eine sekdl. Wassermenge von 301) und, wie sich später herausstellte, die Lösung der flußbaulichen Aufgaben im Wege des Modellversuches wohl zu den allerschwierigsten des ganzen Versuchswesens zählt, bildeten die ersten Erfolge Engels den Anstoß zur Errichtung neuer Versuchsanstalten. Die Erkenntnis von der Wichtigkeit des wasserbaulichen Versuchswesens für den gesamten Wasserbau rang sich in den folgenden Jahren immer mehr und mehr durch. Im Laufe des ersten Vierteljahrhunderts folgten dem Dresdener Flußbaulaboratorium die Laboratorien in Karlsruhe 1901, Berlin 1903, Wilhelmshafen und Leningrad 3907, Darmstadt 1908, Berlin-Charlottenburg und Graz 1912 und als neuntes Laboratorium die staatliche Versuchsanstalt für Wasserbau in Wien im Jahre 1913. Hierauf folgten Stockholm und Brünn 1917, Danzig 1925, das Hydrologische Institut an der Technischen Hochschule in Wien 1926 und in der folgenden Zeit Hannover, Stuttgart, München, Braunschweig und Aachen. Italien verfügte über vier Versuchsanstalten (Padua, Pisa, Mailand und Rom); Frankreich über drei (Beauvert, Toulouse und Metz). Ferner sind zu erwähnen die Laboratorien in Budapest, Delft, Madrid, Manchester, Prag, Riga, Trondhjem und schließlich, aber nicht als letzte, die große, moderne Versuchsanstalt in Zürich. An außereuropäischen Ländern, in denen es wasserbauliche Versuchsanstalten gibt, wären zu nennen: Ägypten, Argentinien, China. Japan, Niederländisch-Indien, Vorder-Indien usw.; ferner Rußland mit zirka 30 Anstalten und die USA. mit rund 50. Hinsichtlich der letzten beiden Staaten ist zu erwähnen, daß sich darunter verschiedene hydrotechnische Laboratorien befinden, die sich nicht mit den Aufgaben des Wasserbauingenieurs befassen. AVährend die zeitliche Aufzählung der bis zum Jahre 1925 errichteten Laboratorien noch verhältnismäßig leicht ist und Anspruch auf Vollständigkeit erheben dürfte, trifft dies bei den in den letzten Jahrzehnten fertiggestellten nicht mehr zu. So trat seit der Jahrhundertwende zu den eingangs auf gezählten zwei Hilfswissenschaften, nämlich der Hydraulik und der Hydrographie, als dritte, nicht minder wichtige, das wasserbauliche Versuchswesen hinzu. Ohne daß man auf die bisherige ungeheure Arbeitsleistung dieser Versuchsanstalten und die indenseiben erzielten Erfolge hier näher einzugehen braucht, folgt schon allein aus der vorstehenden, kurzen historischen Aufzählung der über die ganze Erde verbreiteten Wasserbaulaboratorien, welchen Wert man diesen Anstalten heute in allen Kulturstaaten beimißt. Wohl hat es zu Beginn des modernen wasserbaulichen Versuchswesens viele Zweifler gegeben, die die Modellversuche geringschätzig als Zwergversuche bezeichneten und ihnen jede Bedeutung absprechen wollten. Die ungeahnte Entwicklung dieses jungen Wissenszweiges und in erster Linie die vielfachen Bestätigungen der Versuchsergebnisse durch die Vorgänge in der Natur haben jedoch diese Zweifler schon längst zum Schweigen gebracht und das Vertrauen zu den Modellversuchen in hohem Maße gehoben. Bei dieser Gelegenheit Die Entwicklung des wasserbaulichen Versuchswesens 17 sei noch erwähnt, daß manche Laboratorien auch über Außenstationen (im Freien) verfügen, in denen jene Versuche zur Durchführung gelangen, die infolge ihrer räumlichen Ausdehnung in den geschlossenen Versuchshallen nicht mehr genügend Platz haben. Diese Freiluftanlagen haben zwar den großen Vorteil, daß den Modellen größere Maßstäbe zugrunde gelegt wefden können, aber gleichzeitig die mit den Witterungseinflüssen verbundenen Nachteile (Wind, Regen, Kälte). Das Arbeitsgebiet der Wasserbaulaboratorien läßt sich im großen und ganzen in zwei Gruppen gliedern: 1. wissenschaftliche Forschungstätigkeit und 2. Unter- Bild 2. Teilungswerk an der Triesting. ■ I - - * "X Wm suchungen, betreffend die Aufgaben des praktischen Wasserbaues. Da unsere Erkenntnisse auf dem Gebiet der Hydraulik bzw. des Wasserbaues im allgemeinen in letzter Linie auf direkte Beobachtungen der Naturvorgänge zurückgehen, deren Gesetzmäßigkeiten vom Theoretiker in mathematische Formeln gekleidet werden, ist es leicht einzusehen, daß dem exakten Versuch im Laboratorium großer Wert zukommen muß. Mit Hilfe feinster Meßgeräte ist man in der Lage, die maßgeblichen Ausgangswerte, wie sekdl. Wassermengen, Tiefen, Gefälle, Geschwindigkeiten usw., mit großer Schärfe festzulegen, was hei den Beobachtungen in der Natur nicht immer der Fall ist. Ein weiterer Vorteil des wissenschaftlichen wasserbaulichen Versuches ist darin zu erblicken, daß, wie bereits früher erwähnt, hiebei störende Nebeneinflüsse, die mit der gestellten Aufgabe in keinem ursächlichen Zusammenhang stehen, ausgeschaltet werden können, oder daß der summarische Einfluß mehrerer gleichzeitig auftretender Einflüsse getrennt untersucht und dadurch der theoretischen Behandlung leichter zugänglich 18 II. Ehrenberger gemacht werden kann. Die Variationsmöglichkeit der sekdl. Wassermenge, Gefälle, Durchflußprofile usw. ist für die Aufstellung von Gesetzmäßigkeiten von unschätzbarem Wert. Auf dem Gebiete des praktischen Wasserbaues erweisen sich die Modellversuche nicht minder ergiebig. In diesen Fällen stellt man ein maßstäblich verkleinertes Modell des zu untersuchenden Bauwerkes her, an welchem die Wirkungen des fließenden Wassers genau studiert werden können. Durch Festlegen der Strömungslinien, Geschwindigkeitsverteilung, Drücke, Sohlenumbildungen u. a. ist man in der Lage, den Wert der geplanten Maßnahmen zu beurteilen und im gegebenen Fall letztere abzuändern. Hieher gehören beispielsweise die Modellversuche auf dem Gebiete des Fluß- und Seebaues, Versuche an Wehren, Schleusen u. dgl. sowie Untersuchungen über hydraulische Drücke und Grundwasserbewegung. Die Festlegung von Erfahrungsbeiwerten ist dank dem hochentwickelten Stande der Meßtechnik im Wege des Versuches sogar mit größerer Genauigkeit durchführbar, als in der Natur selbst. Im Falle der Untersuchung der Abflußerscheinungen oder Sohlenumbildungen bei einem zu erwartenden Höchsthochwasser kommt dem Modellversuch besondere Bedeutung zu, da in diesem Fall die Vornahme der erforderlichen Beobachtungen in der Natur fast ausnahmslas unmöglich ist. Was den Modellmaßstab anbelangt, so schwankt derselbe etwa zwischen den Grenzen von 1 :10 bis 1 :200. Hiebei sind die Maßstäbe für die Längen, Breiten und Tiefen ein und desselben Modells in der großen Mehrzahl der Fälle gleich groß. Nur wenn die Tiefen im Verhältnis zu den Breiten sehr klein sind (z. B. bei flußbaulichen Versuchen) oder wenn im Modell schon laminare Strömung auftreten würde (gegenüber der turbulenten in der Natur), bedient man sich der Tiefenverzerrung. Hinsichtlich der Modellherstellung unterscheidet man Voll- und Halbmodelle; vielfach begnügt man sich aber auch bloß mit der Nachbildung eines Modellausschnittes parallel zur Fließrichtung. Letztere Versuche geben über die grundsätzliche Wirkung eines Bauwerkes Auf Schluß und sind vornehmlich als schematische Versuche zu betrachten. Hat man jedoch mit dem Auftreten von Querströmungen zu rechnen, wie dies vielfach der Fall ist (z. B. bei Sturzbetterweiterungen), so genügt der schematische Versuch nicht mehr und man muß ein Vollmodell in seiner ganzen Situation hersteilen. Weist das Bauwerk eine zur Fließrichtung parallele Symmetrieachse auf, so genügt die Nachbildung des halben Modells, was den Vorteil der Anwendung eines größeren Modellmaßstabes bietet. Eine besondere Bedeutung kommt der Übertragung der im Wege des Versuches gewonnenen Ergebnisse auf die Verhältnisse in der Natur zu. Voraussetzung richtiger Resultate ist nicht nur das Vorhandensein einer genauen Modellähnlichkeit (geometrische Ähnlichkeit), sondern es muß außerdem auch mechanische Ähnlichkeit vorliegen. Letzteres ist dann der Fall, wenn die Bezugswerte v 2 /l (bei überwiegen der Schwerkraft) bzw. v/1 (bei überwiegen der Reibungskräfte) für korrespondierende Werte im Modell und in der Natur gleich groß sind (v bedeutet die Wassergeschwindigkeit, 1 die entsprechenden Längen in Modell und Wirklichkeit). Im ersterenFall spricht man von FROUDEscher, Die Entwicklung des wasserbaulichen Versuchswesens 19 im letzteren von Heyn OLDSScher Ähnlichkeit. Mit Hilfe (1er Ähnlichkeitsgesetze ist man dann in der I^age, die Modelhverte der Geschwindigkeiten, Wassermengen, Zeiten, Kräfte, Energien usw. auf die Naturverhältnisse zu übertragen. Selbstverständlich ist die Anwendbarkeit der Ähnlichkeitsgesetze an die Einhaltung gewisser theoretischer Voraussetzungen gebunden, durch welche die Grenzen der Übertragbarkeit festgelegt sind. Eine der wuchtigsten Voraussetzungen zur Erreichung mechanischer Ähnlichkeit ist die folgende: In der Natur und im Modell müssen jeweils die gleiche Strömungsart (turbulent oder laminar) sowie die gleiche Strömungsgröße (strömend oder schießend) vorhanden sein. Es ist daher _V- Bild 3. Wehr der Salzburger Aluminium A. G. (Rauris). leicht einzusehen, daß Modellversuche nicht unter allen Umständen mit Aussicht auf Erfolg durchgeführt werden können. Würde z. B. durch die Kleinheit des dem Modell zugrunde zu legenden Maßstabes, welch letzterer wieder durch die Abmessungen des Versuchsraumes und die zur Verfügung stehende Wassermenge bedingt ist, im Modell bereits laminare Strömung auf treten, während in der Natur turbulente herrscht, so könnte der Modellversuch in diesem Fall nicht zu richtigen Ergebnissen führen. Bei Modellversuchen mit beweglicher Sohle, z. B. bei Kolkuntersuchungen, ersetzt man infolge der Schwierigkeit, das Geschiebegemisch des Flußbettes geometrisch ähnlich nachzubilden, dieses zumeist durch gleichförmigen Sand oder Kies von bestimmter Korngröße (bei reinen flußbaulichen Modellversuchen in neuerer Zeit durch den spezifisch leichteren Kohlengrus). Dies hat zur Folge, daß die Ergebnisse in solchen Fällen im allgemeinen nur qualitativ und nicht quantitativ zu werten sind. Es ist jedoch ohne weiteres einzusehen, daß auch rein qualitative Ergebnisse für den entwerfenden Wasserbauingenieur von größtem Werte sind. 20 R. Ehrenberger Besonders trifft dies beim Vorliegen mehrerer Projektsvorschläge zu, wenn es sich darum handelt, die relativ beste Lösung zu finden. Wie bereits früher erwähnt, zählen die rein flußbaulichen Modellversuche zu den schwierigsten und gleichzeitig auch zu den zeitraubendsten Aufgaben des wasserbaulichen Versuchswesens. Die richtige Wahl des Bettmaterials im Modell, die Ermittlung des Zeitmaßstahes usw. setzen ebenso große Erfahrungen als auch theoretische Kenntnisse voraus. Infolge der äußerst komplizierten Wechselwirkung zwischen Wasserabfluß und Geschiebetrieb begnügt man sich auch in solchen Fällen vornehmlich mit der Erlangung qualitativer Ergebnisse. Neue, schöne Ansätze zur Weiterentwicklung auf diesem Gebiet zeigen u. a. die neueren Arbeiten der Versuchsanstalt an der Technischen Hochschule in Zürich. Der Tätigkeit der wasserbaulichen Versuchsanstalten kommt, abgesehen von dem ideellen Wert wissenschaftlicher Untersuchungen, auch große volkswirtschaftliche Bedeutung zu. Da die Kosten für die Durchführung eines Modellversuches nur einen Bruchteil der Gesamtkosten des zu erstellenden Bauwerkes ausmachen, durch die Modellversuche aber Fehlprojektierungen vermieden oder ökonomisch richtigere Lösungen gefunden werden können, sind unter Umständen große Ersparnisse an Baukosten zu erzielen. Es sollte daher kein Wasserbauwerk, bei dem sich Zweifel in hydraulischer Beziehung ergeben, ausgeführt werden, ohne daß vorher die betreffenden Vorgänge im Wege des Modellversuches geklärt werden. Dieser Grundsatz gilt in gleicher Weise für große, wie auch für mittlere und kleine Bauten. Es zählt gar nicht zu den Seltenheiten, daß im Verlauf einer Versuchsdurchführung die ursprünglich gestellte Aufgabe mehr oder weniger in den Hintergrund tritt, da der Versuch andere, wichtige, aber gänzlich unerwartete Erscheinungen aufdeckt, die vom Projektanten naturgemäß noch nicht berücksichtigt werden konnten. Bei dieser Gelegenheit kann nicht genug hervorgehoben werden, daß die Vornahme von Modellversuchen unbedingt zu den Projektierungsarbeiten zu zählen ist und daß der Entschluß hiezu nicht erst im Zeitpunkt der Bauausführung gefaßt werden sollte, wie dies leider vielfach der Fall ist. Denn einerseits geben die Modellversuche oft genug Anlaß zu Abänderungen und Verbesserungsvorschlägen, die später, wenn die Versuche nicht zeitgerecht anberaumt wurden, nur mehr mit unverhältnismäßig großen Kosten berücksichtigt werden können, und anderseits besteht in solchem Falle die Gefahr der Überhastung, die der Güte und Vollständigkeit der Versuchsarbeit sicherlich nicht zum Vorteile gereicht. Die erfolgreiche Entwicklung des wasserbaulichen Versuchswesens und die ständig wachsende Zahl neuer Laboratorien zeitigten bald das Bedürfnis nach einer engeren Zusammenarbeit dieser Forschungsstätten. In Verfolgung eines auf der Weltkraftkonferenz in Berlin vom österr. Vertreter (Prof. Dr. Schaffernak) gestellten Antrages erfolgte im Jahre 1935 die Gründung des „Internationalen Verbandes für wasserbauliches Versuchswesen“. Die Aufgaben desselben sind in § 2 der Satzungen niedergelegt, der lautet: „Das Ziel des Verbandes ist, die internationale Zusammenarbeit der Interessenten des wasserbaulichen Versuchswesens zu fördern und den auf diesem Gebiet Arbeitenden Gelegenheit zum Austausch von Ansichten, Erfahrungen und Die Entwicklung des wasserbaulichen Versuchswesens 21 Kenntnissen zu bieten. Die wichtigsten Mittel, dies zu erreichen, sind die Anberaumung periodischer internationaler Tagungen, die in Abständen von mindestens zwei und höchstens vier Jahren abzuhalten sind und der Austausch von Druckschriften, von Übersichten über nicht veröffentlichte abgeschlossene Arbeiten, von Übersichten über die im Gange befindlichen Untersuchungen u. dgl. Die Tagungen sollen in der Regel im Zusammenhang mit den Tagungen der Weltkraftkonferenz und der Talsperrenkongresse oder des Internationalen ständigen Verbandes der Schiffahrtskongresse stattfinden.“ Vom Verband werden laufend „Bulletins“ über die im Laufe des Berichts- Bild 4. Dachwehr (Entwurf Prof. Dr. Cicin). jahres in den einzelnen, dem Verbände angeschlossenen Versuchsanstalten durchgeführten Arbeiten herausgegeben, die u. a. über Umfang, Verfahren und Ergebnisse derselben kurz unterrichten. Durch diese Bulletins wird jedes Mitglied über die neuesten Forschungsergebnisse auf dem laufenden gehalten, was von unschätzbarem Werte ist. Im Bulletin 1951 sind 77 Anstalten ausgewiesen (mit Ausnahme jener der UdSSR, und einiger östlicher Länder). Die Laboratorien der USA. und Canadas werden in einem getrennten Band behandelt. Nach diesen allgemeinen Betrachtungen über das wasserbauliche Versuchswesen soll nun im besonderen der Bundes Versuchsanstalt für Wasserbau in Wien gedacht werden, die heuer auf einen 40jährigen Bestand zurückblicken kann. Der Bau dieser Anstalt wurde auf der Realität der QuiTTNERSchen Messingbettfabrik (IX., Severingasse 7) im Jahre 1912 begonnen und 1913 fertiggestellt. Die feierliche Eröffnung wurde allerdings etwas hinausgeschoben, um schon Gelegenheit zu haben, den geladenen Festgästen einen Versuch im Betrieb 22 lt. Ehrenberger vorzuführen. Der erste Leiter der Anstalt war Prof. Dr. Schaffernak,* von dem auch die Pläne stammten, ihm folgte Ministerialrat Dr. Skobanek, worauf im •Jahre 1923 die Leitung dem Verfasser übertragen wurde. Derzeitiger Leiter ist Dipl.-Ing. Kandelsberger. Die personellen und budgetären Angelegenheiten re- sortieren zum Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft (Hydrographisches Zentralbüro). Die Ergebnisse von Versuchen mehr allgemeinen Inhaltes werden in den in zwangloser Reihenfolge erscheinenden „Mitteilungen der Versuchsanstalt für Wasserbau“ veröffentlicht. Bisher sind 28 „Folgen“ dieser Mitteilungen erschienen. Bis zum Vorjahr verfügte die Anstalt bloß über einen großen Versuchsraum, in welchem zwei stabile Versuchsrinnen eingebaut sind (die kleinere, lm breite „hydraulische Rinne“, deren Seitenwände in ihrem unteren Teil aus starken Spiegelglastafeln bestehen, und das größere, 3 m breite „Flußbaugerinne“). Während der Versuche befindet sich das Wasser in einem Kreislauf, indem es vom Hochbehälter nach Passieren des Meßüberfalles und der eigentlichen Versuchsstrecke an deren unterem Ende in den Tiefenbehälter fließt, von wo aus es mittels Pumpen wieder in den Hochbehälter gehoben wird. Die maximale, für Versuchszwecke zur Verfügung stehende Wassermenge beträgt 3001/sek. Infolge ständiger Zunahme der Aufträge und des Umfanges der Modellversuche reichte der eine Versuchsraum nicht mehr aus, so daß über demselben ein zweiter, größerer aufgebaut werden mußte. Der Entwurf stammt vom derzeitigen Leiter der Anstalt, Dipl.-Ing. Kandelsberger, der auch die Bauleitung inne hatte. Entsprechend den heutigen Erkenntnissen sind in dem neuen Versuchsraum keine stabilen Versuchsrinnen vorgesehen, so daß die gesamte Breite bzw. Länge desselben für den jeweiligen Einbau ganz großer Modelle zur Verfügung steht. Durch Kombination des oberen mit dem unteren Raum ist es möglich, Versuche an Druckleitungen bis zu 8 m nutzbarer Höhe vorzunehmen, was bei einem Modellmaßstab von z. B. 1 :10 einer Höhe in der Natur von 80 m gleichkommt. Mit dem Erweiterungsbau war auch eine Vermehrung bzw. Verlegung der Amtsräume, Anschaffung moderner Maschinen für den Werkstättenbetrieb und der Aufbau einer Dienstwohnung verbunden. Da die im Prater gelegene „Hydrometrische Prüfanstalt“ den Bomben zum Opfer gefallen war, wurde im Zuge des Erweiterungsbaues an der Längsseite des alten Versuchsraumes ein neuer Prüfkanal hergestellt (Querschnitt 2/2m), der mit den modernsten Meßinstrumenten ausgestattet ist. Dadurch ist es möglich, hydrometrische Flügel aller Art und zu jeder Jahreszeit (im Gegensatz zur alten Prüfanstalt) zu eichen. * Professor Dr. Friedrich Schaffernak wurde 1881 in Windischgraz geboren, absolvierte die Technische Hochschule in Graz mit Auszeichnung, wurde nach einigen Jahren Praxis 1909 in das Ministerium für öffentliche Arbeiten (Hydrographisches Zentralbüro) einberufen und 1913 mit der Leitung der von ihm projektierten Staatlichen Versuchsanstalt für Wasserbau betraut. 1914 promovierte er zumDr. techn. an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1919 zum ordentlichen Professor und 1929/30 zum Rektor ernannt wurde. 1926 schuf er das Hydrologische Institut an seiner Lehrkanzel. 193 fwurde er wirkliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Wien. 1935 erschien sein Hauptwerk „Die Hydrographie“. Er starb 1951 in Eggenberg bei Graz. Die Entwicklung des wasserbauliehen Versuchswesens 23 Aus dem umfangreichen Tätigkeitsgebiet der staatlichen Wiener Versuchsanstalt seien hier nur kurz erwähnt: Versuche über Sohlenumbildungen unterhalb von Wehren (Kolkversuche), Grundwasserversuche, Versuche über die Wasserbewegung in steilen Rinnen, die zur Aufstellung neuer Abflußformeln führten, Rauhigkeitsversuche an Rohrleitungen und Druckversuche an Wehrklappen und Dammbalken. Von Modellversuchen der letzten Jahre, die vom Standpunkte des Ausbaues unserer heimischen Wasserkräfte vielleicht mehr allgemeines Interesse beanspruchen dürften, möchte ich noch besonders anführen: Das Vollmodell des Bild 5. Traunfallwerk (OKA). Donauwerkes Ybbs-Persenbeug im Maßstab 1 :200. Bei diesen Versuchen handelte es sich vor allem um die Klärung der Rückstauverhältnisse bei Höehsthoch- wasser, die Festlegung der Anströmungen an das Wehr und die Schiffsschleusen unter den verschiedensten Voraussetzungen, ferner um die Sohlenumbildungen bei verschiedenen Betriebszuständen. Aus Gründen des Vergleiches wurde eine große Anzahl von Projektsvarianten (nach Ing. Höhn, Donaukraftwerke A. G., und Prof. Dr. Grzywienski) untersucht. Im Auftrag der Tauernkraftwerke A.G. kamen Modellversuche über die Entlastungsanlage für die Limbergsperre, über die Zeferetbacheinleitung mit besonderer Berücksichtigung der Selbstbelüftung im Schrägschacht und des Energieabfalles im Entlüfter (Ausscheidung der mitgerissenen Luft), sowie über einen Grundablaßschnellschlußschieber der Speicheranlage Margaritze (Druckhöhe in (1er Natur 80 m, Maßstab 1 :10) zur Durchführung. Schließlich seien noch die Versuche am Vollmodell des Traunfallwerkes (1 :30) erwähnt. Außer der Ermittlung der Überfallkoeffizienten bei verschiedenen Klappenstellungen und Stauhöhen, des Abfuhrvermögens der beiden 24 R. Ehrenberger : Die Entwicklung des wasserbaulichen Versuchswesens Grundablässe während mehrerer Baustadien und bei Vollausbau, sowie der Energievernichtung im Tosbecken wurden u. a. auch Druckmessungen in den Grundablässen ausgeführt, die gänzlich unerwartete, interessante Ergebnisse zeitigten. Hier ist noch darauf hinzuweisen, daß jetzt erfreulicherweise auch in Österreich die Möglichkeit besteht, großmaßstäbliche Versuche, für die auch die neue Halle der Wiener Anstalt nicht ausreicht, in freiem Gelände auszuführen. Das Steiermärkische Landesbauamt hat, unterstützt von den zuständigen Ministerialabteilungen, am Strechaubach in der Nähe von Liezen ein Versuchsfeld eingerichtet. Das kürzlich erbaute Regulierungsgerinne dieses Baches endet mit einer Sohlstufe, an die sich ein von annähernd kreisförmig angeordneten Dämmen begrenztes Ablagerungsbecken von mehr als 10.000m 2 Fläche anschließt, in dem die Versuchsanlagen aufgebaut werden; die Sohlstufe dient gleichzeitig als Entnahmebauwerk für die Speisung der Versuchsanlagen. über einen Meßüberfall, ein Tosbecken und einen anschließenden, 80 m langen Trapezkanal, der zur Erprobung und Eichung von Meßgeräten aller Art (z. B. für chemische und elektrochemische Meßmethoden) herangezogen werden kann, gelangt das Wasser zu einem Verteilwerk, von dem es an mehrere Versuchsanordnungen gleichzeitig abgegeben werden kann. Ein besonders eindrucksvolles Modell ist derzeit über Auftrag der Bundesstrombauverwaltung dort aufgebaut. Es stellt eine Nachbildung der Donauschlinge bei Schlägen zwischen Engelhartszell und Aschach im Maßstabe 1 : 50 dar. Entsprechend einer Gesamtstromlänge von rund 20 km, die sich infolge der Doppelschlinge auf eine Luftlinie von rund 11km zusammendrängt, erstreckt sich die Nachbildung auf ein Längenausmaß von rund 220 m und eine Breite zwischen 4 und 9 m. Die maßstabgetreuen Modell-„Hochwässer“ erfordern 6001/sek. Dieses Freigelände-Versuchsfeld untersteht zwar, wie erwähnt, dem Steirischen Landesbauamt, das außerdem in Graz selbst ein kleines Flußbaulaboratorium unterhält; die bestehende enge Fühlungnahme mit der Wiener Anstalt gewährleistet jedoch die erforderliche und wertvolle gegenseitige Ergänzung. Aus den vorstehenden Ausführungen geht hervor, in welch vielfältiger Beziehung das wasserbauliche Versuchswesen zu den praktischen Fragen des Wasserbaues steht. Es darf wohl mit Recht behauptet werden, daß einwandfrei durchgeführte Modellversuche bei dem heutigen Stand des Versuchswesens von hohem volkswirtschaftlichem Werte sind und daß kein Bauvorhaben, das wie immer geartete Unklarheiten aufweist, des Modellversuches entraten kann. Ich möchte diese Ausführungen nicht schließen, ohne dem aufrichtigen Wunsche Ausdruck zu geben, es möge der Bundesversuchsanstalt für Wasserbau in Wien, die zu den ältesten Forschungsstätten auf diesem Gebiet zählt, gegönnt sein, ihre volle Kapazität zum Besten unserer heimischen Volkswirtschaft und zum Ruhme unseres zwar kleinen, aber an Wasserkräften so reichen Vaterlandes in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens. Von Sektionsrat Dipl.-Ing. Otto Lanser. Mit 11 Abbildungen. Von Galileo Galilei stammt das berühmte Wort: „Den Gestirnen vermag ich ihre Bahn anzuweisen, dem Wassertropfen aber nicht.“ Galilei wollte damit zum Ausdruck bringen, daß es mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug seiner Zeit zwar bereits möglich war, die Bewegungen der Himmelskörper, wenigstens der damals bekannten Planeten, messend und rechnend zu verfolgen und dadurch auch vorherzubestimmen, daß sich die damalige Mechanik aber noch gänzlich außerstande sah, Ähnliches auch nur für die einfachsten hydrodynamischen Probleme zu leisten. An diesem Rückstand der Hydromechanik gegenüber derjenigen der festen Körper ist sicher auch ein rein beobachtungstechnischer Umstand mit schuld: die letztere, zu der ja insbesondere auch die Himmelsmechanik gehört, hat es mit scharf begrenzten, klar erkennbaren Einzelkörpern zu tun, deren Bewegungen rein visuell, wenn auch mit entsprechenden Instrumenten (Fernrohren), beobachtet und gemessen werden können. Anders in der Hydromechanik. Der „Wassertropfen“ ist ja nur ein Teilchen unter Millionen seinesgleichen, durch nichts von den anderen unterschieden, daher auch nicht identifizierbar und in seinen Bewegungen nicht verfolgbar. Die ältesten Geräte zur Messung der Wassergeschwin- digkeit verdanken daher ihre Erfindung weniger den praktischen Notwendigkeiten als dem Bestreben der Physiker und Hydrauliker, den Gesetzen der Wasserbewegung auf die Spur zu kommen. Freilich hat auch ein vom wirtschaftlichen Leben gestelltes Bedürfnis zur Messung von Fließgeschwindigkeiten, genauer gesagt, zur Messung von Durch- flußmengen schon lange bestanden, und zwar vor allem bei Bewässerungsanlagen. Zwar wußten Mühlen- und Wasserwerksbesitzer sicher auch damals schon aus ihrer täglichen Erfahrung, daß die „Kraft“ eines Wasserrades mit der Wassermenge, die darauf geleitet wird, zunimmt; aber bei der Wasser Verschwendung, die bei den meisten altertümlichen Wasserrädern sich einstellt und bei der Unkenntnis der erst viel später erarbeiteten Begriffe „Mechanische Arbeit“, „Wirkungsgrad“ u. dgl. bestand auf dem Gebiete der Kraftnutzung kaum eine Notwendigkeit zur Messung der Wasserführung. 26 Otto Lanser Anders im Bewässerungswesen, wo sozusagen jeder Tropfen gebraucht wird und die einzelnen Bewässerungsberechtigten einander nicht selten jeden Tropfen streitig machen. Hier ist die möglichst zuverlässige Ermittlung der Wassermengen seit eh und je als notwendig empfunden worden, doch hat man nicht überall vermocht, die dieser Notwendigkeit entsprechenden Begriffe, Geräte und Methoden zu entwickeln. Obwohl in nicht wenigen Teilen der Alpenländer, z. B. in Westtirol, im Vintschgau, im Wallis, im Aostatal, künstliche Bewässerung eine landwirtschaftliche Notwendigkeit bildet und daher zweifellos schon vor Jahrhunderten, zum Teil wohl schon unter den Römern geübt worden ist, ist man dort nicht bis zu exakten Begriffen und Meßmethoden gekommen; man begnügte sich in den Bewässerungsordnungen mit Angaben wie: „soviel Wasser, als durch eine Rinne aus einem ausgehöhlten Baumstamm fließt“ oder ähnlichen Ausdrücken, mit Angaben also, die nur eine äußerst ungefähre Bestimmung der Wassermenge zulassen. Genauer vermochte man Wassermengen relativ zueinander zu messen und auf verschiedene Benützer in einem bestimmten Verhältnis aufzuteilen. Man bediente sich hiezu eines waagrecht in die Sohle des Wassergrabens eingebauten Brettes oder einer Steinplatte, in die mehrere, meist drei gleich große, kreisrunde Öffnungen geschnitten waren. Mit der Platte endete der Oberwassergraben, so daß das über ihr stehende Wasser durch die Öffnungen senkrecht nach unten strömen mußte, von wo es in zwei oder drei Fortsetzungen des Bewässerungskanales mit nunmehr tieferem Wasserspiegel abfloß. Indem man nun eine der Öffnungen mittels eines hineinpassenden Holzpfropfens verschloß oder freigab, konnte, wenn zwei Gerinne weiterführten, deren Trennwand unter die Platte hereinreichte, die verfügbare Wassermenge je nach Wunsch im Verhältnis 1:1 oder 1: 2 auf die beiden Kanäle aufgeteilt werden. Eine noch weit wichtigere Rolle als in den Alpenländern spielt die künstliche Bewässerung jedoch in den Trockengebieten des Orients, wo sie vielerorts geradezu die Voraussetzung jeglichen Pflanzenbaues und damit jeglicher Besiedlung bildet. Es ist nicht verwunderlich, daß die technischen Anlagen für die Bewässerung in diesen Iündern eine oft erstaunliche Höhe erreicht haben. Besonders bemerkenswert sind z. B. die in Iran verbreiteten Grundwasserfassungen mittels langer Stollen, die von der Oberfläche eines ansteigenden Hanges aus flacher als dieser bis zu einer, oft erst in großer Tiefe erreichten, wasserführenden Schicht vorgetrieben werden. Das hier erschrotete Grundwasser fließt durch den Stollen an die Erdoberfläche und wird dann den zu bewässernden Ländereien zugeführt. Die Perser haben für die Wasserführung solcher Anlagen eine eigene Maßeinheit entwickelt, den „Säng“. Der Verfasser des fesselnden Buches „Irans Kampf um Wasser“, Dr.-Ing. Cholam-Resa Kuros ermittelte, daß bei den Brunnenmeistern folgende Begriffsbestimmung für einen Säng üblich sei: „Ein Säng stellt diejenige Wassermenge dar, die durch einen Querschnitt von 16 mal 1 Gereh durchfließt, wo ein Strohhäcksel in 2 Minuten 15 m weit fortgetragen wird“ (16 Gereh = lm); hieraus errechnet sich für einen Säng eine Durchflußmenge von 7,81/sek, die dem genannten Autor jedoch zu gering erscheint; Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens 27 er setzt sie etwas willkürlich gleich 201/sek. Wie dem auch sei, es ändert nichts an der Tatsache, daß der Begriff an sich vollkommen richtig als Produkt des benetzten Querschnitts und der Fließgeschwindigkeit definiert ist und daß eine eigene Maßeinheit für diesen besteht. Es beweist ebensowohl die bedeutende Rolle der künstlichen Bewässerung wie die starke, begriffsbildende Kraft des iranischen Sprachgeistes, daß er einen Ausdruck geschaffen hat, dessen Inhalt nicht einmal die deutsche Sprache mit einem einzigen und eindeutigen Wort auszudrücken vermag. Wenn wir uns nach dieser längeren, aber notwendigen Abschweifung nun wieder der Geschichte der Hydromechanik zuwenden, so wird es uns kaum sehr verwundern, schon den Namen Leonardo da Vincis (1452 bis 1519) (1) unter jenen zu finden, die sich mit der Messung von Strömungsgeschwindigkeiten befaßten; mehr noch: Leonardo gelangte auch über die Geschwindigkeitsverteilung im Flußquerschnitt, über ihre Abhängigkeit vom Gefälle und von der Rauhigkeit zu Einsichten, die dem Stande der damaligen Hydromechanik so weit vorauseilten, daß sie in Vergessenheit gerieten und daß sich später geradezu gegenteilige, unrichtige Lehrmeinungen durchsetzen konnten. Es dauerte zwei bis drei Jahrhunderte, ehe, dank exakter Naturbeobachtungen, Leonardos Erkenntnisse wieder bestätigt wurden. „Er sprach aus, daß die Wassergeschwindigkeit in Gerinnen in der Mitte größer ist, als an den Seiten und an der Oberfläche größer als auf dem Grunde, daß überhaupt die Fließgeschwindigkeit in jenem Teile einer Flüssigkeit um so größer ist, ,1a quale e piü remota alia confregazione di corpo piü denso di lui‘ (welcher weiter entfernt ist von der Reibung mit einem Körper, der dichter als sie ist).“ [Zitiert aus: C. Reindl, siehe Anm. (1)]! Auf welche Weise Leonardo zu diesen erstaunlichen Erkenntnissen gelangte, vermögen wir nicht mehr völlig zu erkennen; er konstruierte allerdings einen Tiefenschwimmer zur Bestimmung der mittleren Geschwindigkeit und es ist bemerkenswert, daß sich auch mit diesem einfachen Gerät schon mancherlei Erkenntnisse gewinnen lassen. Es besteht aus einem hölzernen Stab, welcher am Ende mit Gewichten beschwert wird, damit er so tief als man will, eintauche und ein Teil von ihm über die Oberfläche hervorrage. Die Erfindung dieses Stabes wird sonst dem Italiener N. Cabeo (3) zugeschrieben, nach welchem das Gerät auch benannt wird, und Woltmann zitiert in seinem noch ausführlich zu erwähnenden grundlegenden Werkchen (14) bemerkenswerte Beobachtungen, die dieser Autor damit angestellt hat: „Si enim poneres hastam in aqua stagnanti pars eminens esset perpendicularis ad superficiem aquae; similiter si moveatur tota aequali velocitate, servaret semper eandem positionem. At videbis partem eminentem hastae supra superficiem aquae inclinari ad partem anteriorem, quod est evidens argumentum superiorem partem aquae velocius fluere.“ (Wenn man den Stab in ruhendes Wasser gibt, wird der über die Wasseroberfläche herausragende Teil senkrecht stehen; ebenso behielte er dieselbe [senkrechte] Stellung bei, wenn er mit einer überall gleich großen Geschwindigkeit fortbewegt würde. Tatsächlich sieht man jedoch, daß der über die Wasseroberfläche ragende Teil Technikgeschichte, 15. Heft. 3 28 Otto lanser des Stabes sich nach vorwärts neigt und dies ist ein augenscheinlicher Beweis dafür, daß die oberen Teile des Wassers schneller fließen.) (Vgl. Bild 4, Fig. 14.) Für die Frage, wie Leonardo zu seinen hydraulischen Kenntnissen kam, erscheint es jedoch auch wichtig, daß er Vergleiche zieht zwischen der Dünenbildung des Sandes im Winde und den Sandbänken der Flüsse, wodurch er zu erkennen gibt, daß er sich der Ähnlichkeit der Strömungsvorgänge in gasförmigen und flüssigen Medien bewußt war. In der Tat liegt die Vorgeschichte des hydro- % / Fig:iS.N.3, lZ y Fiq:i5. Bild 1. Windmesser. Aus: Christian Wolf „Elementa matheseos universae“. metrischen Flügels zum Großteil auf dem Gebiete der Messung von Luftströmungen. Leonardo da Vinci selbst hat schon Windgeschwindigkeitsmesser in Form von Stauklappen und von Flügelrädern hinter Düsen konstruiert. Es ist jedoch unsicher, ob von diesen Erfindungen Leonardos ein ununterbrochener Weg weiterführt, oder ob seine Gedanken nicht mehr oder weniger in Vergessenheit gerieten. Das erste Strömungsmeßgerät, das ebenfalls ein Windmesser war und das bereits wesentliche und heute noch verwendete Bauelemente des hydrometrischen Flügels enthält, scheint erst rund zweihundert Jahre später von dem Deutschen Christian Freiherrn von Wolf (6) erfunden worden zu sein. In dem „De motu aeris“ überschriebenen 6. Kapitel des zweiten Bandes seines Werkes „Elementa matheseos universae“ (Genf 1733) beschreibt er nun ein Gerät, das als Vorläufer des WoLTMANNschen Flügels gelten muß (Bild 1). Dieses Gerät bestand aus einem 4flügeligen Windrad (Propellerrad), dessen Welle eine Schnecke trug (cochlea infinita. Schraube ohne Ende), in die ein Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens 29 größeres Zahnrad eingriff. Merkwürdigerweise wurde diese Übersetzung ins Langsame nun nicht dazu verwendet, die Umdrehungen des Windrades in geeigneter Weise zu zählen und daraus unmittelbar auf die Windgeschwindigkeit zu schließen. Mit Hilfe dieses Gerätes konnte vielmehr bloß der Winddruck gemessen werden, denn am Zahnrad war ein Hebelarm mit einem Gewicht radial befestigt, der in Ruhestellung senkrecht nach unten zeigte, durch die Drehung des Zahnrades aber so weit angehoben wurde, bis die mit dem Sinus des Verdrehungswinkels anwachsende Rückstellkraft (genauer gesagt: das Rückdrehmoment) der vom Windrad gelieferten Antriebskraft das Gleichgewicht hielt und dieses damit zum Stillstand gelangte. Das Gewicht konnte längs des Hebelarmes verschoben werden, um die Rückstellkraft verschiedenen Windstärken anzupassen. Es liegt auf der Hand, daß mit einem solchen Winddruckgerät wohl einigermaßen ein gegenseitiger Vergleich verschiedener Windstärken möglich war, ein Schluß auf die absolute Windgeschwindigkeit dagegen kaum annähernd gezogen werden konnte; eine theoretische Berechnung ist viel zu unsicher, da die ablesbare Windkraft von den zufälligen baulichen Gegebenheiten des Gerätes weitgehend abhängt und auch die grundsätzlichen Annahmen zu ungeklärt sind; eine Eichung im Versuchswege war damals noch außerhalb der gegebenen Möglichkeiten. Die Verwendung des propellerähnlichen Windrades und der Schnecke lassen dieses Gerät aber dennoch als einen bemerkenswerten Vorläufer des späteren hydrometrischen Flügels erscheinen, der .ja diese beiden Bauelemente auch heute noch aufweist; eine ganze Anzahl um die damalige Zeit auf gekommener Strömungsmeßgeräte macht sich hingegen andere, an sich oft recht geistreiche Bauprinzipien zunutze, führt damit aber auf entwicklungsgeschichtliche Nebenlinien, die später keine Fortsetzung mehr fanden. Wohl das einzige von ihnen, bei dem dank des genial einfachen Bauprinzips ein theoretisch exakter Zusammenhang zwischen dem Meßwert und der Wassergeschwindigkeit besteht, ist die nach ihrem Erfinder (7) benannte PiTOTSche Röhre. Sie verwandelt die kinetische Energie eines Stromfadens in Energie der Lage (v 2 /2g = h), so daß aus dem Maß h, um welches die Wassersäule des Gerätes die Wasseroberfläche überragt, das v ermittelt werden kann. Spätere Verbesserungen haben die ursprüngliche Unbequemlichkeit der Handhabung zwar weitgehend behoben, trotzdem vermochte die PiTOTSche Röhre sich in der technischen Praxis nicht recht einzubürgern, wohl weil die fortwährenden Schwankungen der Wassersäule — eine Folge der Pulsationen der Fließbewegung — eine eindeutige Ablesung sehr erschweren. Im Laboratorium bildet sie dagegen ein oft unentbehrliches Gerät. Eine reiche Fundgrube für alle zu Anfang des 18. Jahrhunderts bekannten technischen Apparate bildet das großartige Sammelwerk: „Theatrum machinarum, das ist Schau-Platz des Grundes mechanischer Wissenschaften“ von Jacob Leopold (5), Leipzig 1724. In acht mit meist sehr anschaulichen Kupferstichen reich ausgestatteten Bänden enthält es das gesamte technische Wissen seiner Zeit. In den §§ 347 ff. des 1. Bandes behandelt es auch die Windmesser, bei denen es sich sämtlich um Winddruckmesser handelt. Das einfachste Prinzip verkörpert die LEUPOLDSche Windwaage, das ist ein quer zur Windrichtung zu 3 * 30 Otto Lanser stellendes Brett, das auf einem leichten, zwischen Führungsschienen parallel zur Windrichtung gleitenden Wägelchen aufgebaut ist; der Druck, den der Wind auf das Brett ausübt, schiebt es auf seiner Bahn so lange vorwärts, bis der Gegenzug eines auf einer Schneckenwalze angreifenden Gewichtes, dessen Hebelarm mit zunehmendem Verdrehungswinkel größer wird, ihm Widerpart leistet. Die erreichte Ruhestellung, die als ein Maß für den Winddruck und damit auch für die Windgeschwindigkeit abgibt, läßt sich an einem Zeiger ablesen. 7f ; V. \v Bild 2. Windmesser nach Dillinger. Aus: Jacob Leupold, „Theatrum machinarum.. Ähnliche Geräte bringt Leupold noch mehrere; darunter ist vielleicht noch der Windmesser von Dillinger (Dinglinger?) erwähnenswert, bei dem die strömende Luft an einem vertikalachsigen Windrad, einer Art Windturbine, angreift (Bild 2). In den Kapiteln, in denen das Werk über die Hydrotechnik, besonders über Wasserräder und Mühlen handelt, sind nun auch nach ähnlichem Prinzip gebaute Geräte für die Messung von Wassergeschwindigkeiten angegeben. Das einfachste hievon ist die sogenannte Stromwaage (Bild 3): um eine horizontale Achse ist eine Art von Waagebalken drehbar angeordnet, dessen eine Seite eine Schale zur Aufnahme von Gewichten, dessen andere ein Gegengewicht zur Austarierung trägt. Senkrecht nach unten reicht ein dritter Hebelarm, an dem ein rechteckiges Brett befestigt ist. Dieses wird quer zur Flußrichtung ins Wasser getaucht. Der hiebei von der Strömung auf das Brett ausgeübte Druck sucht dieses fortzudrängen und damit auch den ursprünglich horizontal liegenden Waagebalken zu verdrehen; Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens aus dem Gewicht, (las man in die Waagschale legen muß, um dem Wasserdruck entgegenzuwirken und den Waagebalken wieder „waagrecht“ einspielen zu lassen, kann auf die Größe des Wasserdruckes und damit der Wassergeschwindigkeit geschlossen werden. Man nahm an, der Druck des bewegten Wassers entspreche dem Gewichte eines Wasserkörpers von der Grundfläche der Tafel und der Geschwindigkeitshöhe . v% . Wäre demnach die Länge des waagrechten Ilebel- 2 ? armes, an dem die aufgelegten Gewichte P angreifen = a, ferner der senkrechte iigjfg Bild 3. Stromwaage nach Jacob Leupold, „Theatrum machinarum. . . Abstand des Mittelpunktes der Tafel, in welchem der Wasserdruck W angreifend gedacht wird = b und die Fläche der rechteckigen Tafel = F, so würde gelten: hieraus ergibt sich mit y = 1000 2-flr-P P a 0,0196 1000 F worin v in m/sek, a und b in m, F in m 2 und P in kg auszudrücken sind. Nimmt man beispielsweise beide Hebelarme gleich lang, ihr Verhältnis somit = 1, und die Abmessungen der Tafel etwa 0,5 X 0,2 m = 0,1 m 2 und würde man ein Gewicht von 20 kg in die Waagschale geben müssen, um das Gleichgewicht herzustellen, dann ergäbe sich die Wassergeschwindigkeit wie folgt: 0,0196 2,0 m/s. 32 Otto Lanser Diese Rechnung berücksichtigt freilich nicht, daß es sich heim Druck einer bewegten Flüssigkeit auf eingetauchte Körper um ein Strömungsproblem handelt, für das keine ein- für allemal gültige Formel angegeben werden kann; dieser ist vielmehr nicht nur von der Wassergeschwindigkeit, sondern auch von der Form und Oberflächenbeshaffenheit des eingetauchten Körpers und damit von der Reihung der Flüssigkeit an seiner Oberfläche abhängig, die ihrerseits wieder eine Funktion der Geschwindigkeit ist. Für dünne Platten, deren Ebene senkrecht zur Strömungsrichtung steht, spielt aber diese Oberflächenreibung keine Rolle, und es ist nur die Form der Platte durch einen Formfaktor zu berücksichtigen, der für ein Rechteck vom Seitenverhältnis 1: 2 etwa 1,15 beträgt. Mit diesem Wert ist also der obige Ansatz für den Wasserdruck noch zu multiplizieren, so daß er in den Ausdruck für die Wassergeschwindigkeit mit der Wurzel seines reziproken Wertes eingeht. Diese Korrektur ist nicht allzu bedeutend. Eine weitere Unsicherheit kommt allerdings noch dadurch zustande, daß der Hebelarm des Wasserdruckes nicht genau bekannt ist; dieser greift nicht gerade in der halben Höhe der Platte an. Bei statischem Druck läge der Angriffspunkt bekanntlich in ein Drittel der Höhe vom unteren Rande aus gemessen, der Angriffspunkt des Strömungsdruckes aber ist veränderlich und steigt allerdings bis ungefähr zur halben Höhe. Wenngleich man also die eigentlichen Schwierigkeiten dieses Problems, das die Strömungslehre selbst heute noch nicht auf rein theoretischem Wege zu lösen vermag, damals nicht kannte, so bietet das Gerät trotzdem die Möglichkeit einer wenigstens leidlich genauen Bestimmung der Wassergeschwindigkeit auf rechnerischem Wege, was bei den bisher geschilderten Vorrichtungen auch nicht annähernd der Fall war. Die Verwendung und Handhabung dieser „Stromwaage“ an natürlichen Gewässern, besonders an größeren, war freilich schwierig, wenn nicht überhaupt unmöglich. Die „Wasserfahne des Ximenes“ (ventola idraulica), benannt nach dem bedeutenden italienischen Hydrauliker, der sie ersann und verwendete, hat demgegenüber den Vorteil der Verwendbarkeit auch für größere Gewässertiefen (Bild 5, Fig. 2). Ximenes befestigte eine zur Aufnahme des Wasserdruckes bestimmte Tafel an einer langen senkrechten Welle, die, an einer kräftigen Stange drehbar gelagert, in beliebige Tiefe getaucht werden konnte. Diese Welle überträgt das vom Wasserdruck auf die Tafel ausgeübte I >rehmoment über Wasser auf eine liegende Scheibe, an der mittels einer Schnur über eine Umlenkrolle ein Gewicht angreift und so dem Drehmoment entgegenwirkt. Dessen Größe nimmt ab, je weiter die Tafel sich in der Richtung der Strömung verdreht und wird gleich Null, wenn sie parallel dazu steht. Der Verdrehungswinkel, bei welchem der gleichbleibende Zug des Gewichtes der Verdrehungskraft eben das Gleichgewicht hält, kann an einem Zeiger abgelesen werden, welcher sich über einem unbeweglichen, in Grade geteilten Kreissektor bewegt. Der Zusammenhang zwischen der zu messenden Wassergeschwindigkeit und dem von ihr ausgeübten, meßbaren Drehmoment ist hier freilich noch weniger einfach als bei Instrumenten, die eine senkrecht zur Strömung gestellte Tafel verwenden. Angenähert und unter Vernachlässigung des Reibungsgliedes kann man den schrägen Wasserdruck gleich dem senkrechten, Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens 33 multipliziert mit dem Cosinus jenes Winkels setzen, den die Tafel jeweils mit der Normalen zur Strömungsrichtung einnimmt. Das von den alten Hydraulikern, besonders von den Italienern am meisten verwendete, freilich auch ungenaueste Gerät zur Geschwindigkeitsmessung aber warder sogenannte Stromquadrant: eine ins Wasser untertauchende Kugel, aufgehängt an einer möglichst dünnen gewachsten Schnur, die an einem Eckpunkte eines vertikal gehaltenen, hölzernen Kähmens befestigt ist. Aus dem Abweichungs- Bild 4. Ältere hydraulische Meßgeräte: Stab des Cabeo, PlTOTsche Röhre, Strompendel bzw. Stromquadrant. Winkel des Fadens, der an einer Teilung ablesbar ist, wird auf die Strömungsgeschwindigkeit geschlossen (Bild 4, Fig. 18, 19). Setzt man das Gewicht der Kugel unter Wasser = q, dann ergibt sich die Kraft, welche die Kugel forttreibt, zu W = q . tg a\ diese Kraft kann angenähert dem Quadrate der Wassergeschwindigkeit proportional gesetzt werden, so daß gilt: v 2 :v' 2 = q- tga:q tg od oder Ist daher bei einer bestimmten Kugel der Zusammenhang von a und v für eine oder mehrere Werte der Wassergeschwindigkeit durch Eichung bekannt (z. B. mittels Schwimmermessung), so läßt sich mittels vorstehender Proportion die zu jedem anderen Neigungswinkel gehörige Wassergeschwindigkeit finden. Die Ableitung ist auch rein theoretisch möglich, wenngleich erheblich verwickelter, als man es sich damals dachte. Fnter den verschiedenen weiteren Geräten, die noch ersonnen wurden, verdient der „Tachometer“ des Deutsch-Holländers Brüning Erwähnung, hauptsächlich 34 Otto Lanser «leshalb, weil mit ihm, ebenso wie mit der Wasserfahne des Ximenes praktische Messungen in größeren Strömen ausgeführt und wertvolle Erkenntnisse gewonnen wurden (Bild 5, Fig. 3). Brüning bediente sich wieder einer quer zur Strömung ins Wasser zu senkenden Stoßplatte, die am Kopfe einer in Rollen geführten waagrechten Stange angebracht, vom Wasserdruck parallel zu sich selbst verschoben werden konnte. Diese Druckkraft wurde mittels einer über eine Umlenkrolle geführten Schnur auf das kürzere Ende eines ungleicharmigen Waagebalkens geleitet, auf dessen anderem Arme ein nach Art einer Schnellwaage verschiebbares Gewicht die Größe der ausgeübten Kraft abzulesen gestattete. Hier fällt die Unsicherheit in der Be- NMmiR Bild 5. Ältere hydraulische Meßgeräte: Wasserfahne nach Ximenes, Strommesser von Brüning. Stimmung des Angriffspunktes des Wasserdruckes fort. Die Druckplatte mit der Führungsschiene konnte an einer auf den Grund des Stromes gestellten, kräftigen senkrechten Stange in verschiedene Höhen verstellt und demnach die Wassergeschwindigkeit an mehreren Punkten einer Vertikalen gemessen werden, ohne daß man das Gerät jedesmal aus dem Wasser hätte nehmen müssen. Die erhebliche Reibung, mit der diese Geräte infolge der mechanischen Kompliziertheit, der Führungsrollen, Kraftübertragung, Umlenkscheiben u. dgl. behaftet waren, beeinträchtigte freilich auch noch, abgesehen von ihrer theoretischen Problematik, die Meßergebnisse. Wie schon früher erwähnt, dienten sie übrigens weniger dazu, die Abflußmenge eines Gewässers als die Verteilung der Geschwindigkeit über den Querschnitt, insbesondere in der Lotrechten zu ermitteln. Hierüber herrschten, wie auch schon angedeutet, selbst bei so bedeutenden Hydraulikern wie Gugliel- mini (2 3 ) und Torricelli (2 2 ), Schülern Galileis, ganz unzutreffende Vorstellungen. Die beiden Genannten nahmen an, daß die Geschwindigkeit des Wassers, analog dem Gesetze über den Ausfluß aus Gefäßen, auch in einem freien Flusse mit der Quadratwurzel aus der Tiefe wachse und daß die Geschwindigkeitsverteilung demnach eine Parabel mit horizontaler, in Höhe des Wasserspiegels gelegener Achse darstelle. Castelli (2Q, ebenfalls ein Schüler und treuer Freund Galileis, Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens 35 nahm wieder eine der Tiefe unmittelbar proportionale, also geradlinige Geschwindigkeitszunahme an. Wohl der erste, der der Wahrheit näherkam und erkannte, daß die Wassergeschwindigkeit von der Oberfläche gegen den Grund zu im allgemeinen sich verringert, war Edme Mariotte. Dieser bekannte Physiker benützte bei seinen Beobachtungen Doppelschwimmer, zwei durch eine Schnur miteinander verbundene Kngeln, von denen die eine, leichtere, an der Oberfläche, die andere, schwerere, von ihr getragen in einer gewissen Tiefe schwamm, so daß sich beide annähernd mit der mittleren Geschwindigkeit der Meßlotrechten fortbewegen. Die Gründe, weshalb man nicht einmal über die grundsätzliche Frage ins Reine kam, ob nämlich die Geschwindigkeit mit der Tiefe zu- oder abnehme, liegen einerseits wohl darin, daß man die Messungen an kleinen, träge fließenden Gewässern und Kanälen vornahm, in denen die Geschwindigkeit an allen Punkten einer Lotrechten bis knapp über der Sohle tatsächlich ziemlich gleichbleibend ist und nur wellenförmige Unregelmäßigkeiten aufweist, die kaum ein allgemeines Gesetz erkennen lassen; hauptsächlich aber rührt es wohl von dem ganz unzulänglichen Meßgerät, dem hiezu meistens verwendeten Stromquadranten her, der in einiger Tiefe ganz unbrauchbar wird, da der Wasserdruck ja auch auf die Schnur wirkt und diese zu einer Kettenlinie ausbaucht, so daß der Winkel, den der oberhalb des Wassers befindliche Teil des Fadens mit der Vertikalen einschließt, viel größer wird, als es der geraden Verbindung zwischen Aufhängepunkt und Kugel entspräche. Hier waren es nun die beiden schon erwähnten Hydrauliker Ximenes und Brüning, die zuerst durch systematische Messungen mit den von ihnen erfundenen Geräten einer richtigeren Erkenntnis Bahn brachen. Ximenes hatte seine Versuche am Arno, Brüning am Oberrhein, Niederrhein, an Waal und Yssel vorgenommen; besonders die des letzteren galten als die umfangreichsten und genauesten, über die man damals verfügte. Die Ergebnisse dieser Messungen stimmen darin gut überein, daß sie eine Geschwindigkeitsabnahme von oben nach unten von untereinander ähnlicher Gesetzmäßigkeit erkennen lassen. Woltmann, der in seinem Werkchen einen Auszug der Meßergebnisse wiedergibt, glaubte aus ihnen eine Geschwindigkeitsverteilung ableiten zu dürfen, die die Form einer auf dem Scheitel stehenden, also nach oben hohlen Parabel hat; ihre größte Ordinate liegt in oder nahe dem Wasserspiegel, die kleinste in der Sohle. Beträgt die erstere, also die Oberflächengeschwindigkeit c und die im Abstand a darunter gemessene y, dann errechnet sich die Tiefe x des Scheitels unter dem Wasserspiegel zu a m s/tsru/e Bild 6. Ältere hydraulische Meßgeräte: LEUPOLDsches Wasserrad. liehst vermindert ist, so erhält man hiedurch ein leichtes Mittel, die Umdrehungen des Rades zu zählen, was sonst hei einigermaßen beträchtlichen Geschwindigkeiten schwer hält. Beobachtet man nun die Zahl der Umläufe des Rades mittels eines Sekundenpendels während einiger Minuten und nimmt an, wie es mit Beiseitesetzung der Reibung geschehen kann, daß die Geschwindigkeit des Schwerpunkts der eingetauchten Schaufel der Geschwindigkeit des Wassers gleich sei, so erhält man die Geschwindigkeit des Wassers, wenn die Peripherie des Rades für den Schwerpunkt der eingetauchten Schaufeln mit der Anzahl der Umdrehungen multipliziert und durch die Anzahl der beobachteten Sekunden dividiert wird.“ Genau genommen bleibt die Umfangsgeschwindigkeit des Rädchens natürlich stets etwas hinter der des Wassers zurück. Seine Verwendbarkeit beschränkt sich überdies, wie schon angedeutet, auf Oberflächenmessungen, und auch solche konnten damit kaum an natürlichen Bächen und Flüssen, sondern wohl nur an Kanälen, Mühlgerinnen und -fludern vorgenommen werden. Nachweisbar haben aber italienische Hydrauliker es verwendet, besonders hat Michelotti (der Vater) in seinem hydraulischen Observatorium bei Turin um 1770 damit experi- 38 Otto Lanser mentiert. Zur leichteren Handhabung ließ er die Schnecke fort und zählte die „während einer bestimmten Zeit erfolgten Umdrehungen durch die Zahl der Windungen eines dünnen Fadens, den man auf der Welle des Rädchens sich auf- wickeln ließ“ (zit. nach Rühlmann, S. 366). Dank dieser Abänderung konnte das Rad in einer an einem Stiel befestigten Gabel gelagert und leicht, z. B. von einer Brücke aus, ins Wasser gehalten werden. Trotz seiner Mängel bedeutet dieses von Leupold wahrscheinlich nicht erfundene, aber zuerst beschriebene Gerät gedanklich einen großen Schritt weiter in der Entwicklung. Es verhält sich in der Geschichte der Naturwissenschaft und Technik ja oft so, daß ein Schritt, der den Nachfahren als ganz naheliegend und fast selbstverständlich erscheint, lange Zeit nicht getan wurde, so, als hindere eine Art geistiger Schranke den weiteren Fortschritt. Diese Schranke erscheint nun mit dem UEUPOLDSchen Wasserrad, mag es auch keine größere praktische Bedeutung erlangt haben, durchbrochen; man erinnere sich, daß Wolf bei seinem Windrad auch schon ein Schneckengetriebe angewendet hatte und dennoch nicht vom Prinzip, den Staudruck zu messen anstatt der Geschwindigkeit, losgekommen ist, obwohl diese auch bei den meisten modernen Flügeln verwendete Schneckenübersetzung es leicht ermöglicht hätte, Umdrehungszahl und Geschwindigkeit des Flügelrades zu messen. Die Erfindungsgedanken Wolfs und Leupolds zu vereinigen, d. h. also ein Propellerrad unmittelbar als Geschwindigkeitsmesser zu verwenden, gelang aber erst um 1750 einem gewissen C. G. Schober, der darüber im Hamburgischen Magazin, IX. Band, 2. Stück, berichtet. Er ging von praktischen Aufgaben des Windmühlenbaues aus und stellte Versuche an „über die Kraft des Windes bei Unitreibung der Windmühlenflügel“. Dadurch wurde er auf die Frage der Windgeschwindigkeitsmessung geführt. Das WoLFSche Windrad bestand aus vier ebenflächigen, bis zur Nabe reichenden Flügeln, die eine rechnerische Ermittlung der Windgeschwindigkeit aus der Umdrehungszahl kaum erlaubt hätten. Es sei B B ein Schnitt durch den Flügel Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens 39 und a der Winkel, den er mit der Achse und — da diese parallel zur Windrichtung gehalten wird — auch mit der letzteren einschließt. Damit nun ein Teilchen des bewegten Mediums (hier also der Luft) von C nach 7) gelangen könne, muß der schräge Flügel um die Strecke CE = CDAga seitlich ausweichen; da dieses # Ausweichen aber nur durch eine Drehbewegung um die Achse A A mit dein Radius R (der senkrecht zur Bildebene steht) möglich ist, kann C E gleichgesetzt werden R . ß, wenn ß der Winkel ist, um den sich das Rad hiebei dreht. Es gilt daher ~ „ no C E = R . ß = C D Aga. Dividiert man beiderseits durch die Zeit t\ die für die Ausführung dieser kleinen Drehbewegung notwendig ist, dann erhält man CD t' •tg oc JL' ist die Drehgeschwindigkeit (exakt ausgedrückt die Winkelgeschwindigkeit) co des Rades, die sich aus den in der Zeit t gezählten Umläufen n errechnet zu U'2‘71 03 = t ; n n aber ist der Windweg in der Zeiteinheit, also die gesuchte Windgeschwindigkeit v, so daß man erhält _ 2 nn’R _ 2Rjc . n tg a • t tg a t ftD- oder, da - - - - eine nur von der Bauart des Gerätes abhängige Größe K ist, kann tgoc man schreiben v = K . Man zählt also mit einem Sekundenpendel (heute mit einer Stoppuhr) die Zahl der Umdrehungen n in der Zeit t sek und erhielte daraus die Windgeschwindigkeit, wobei allerdings die zwar geringe Reibung vernachlässigt ist, die einen Geschwindigkeitsverlust verursacht. Es ist nun aber leicht einzusehen, daß der Wert K nur für eine bestimmte, eben um den Radius R von der Achse abstehende Lamelle des Flügels gilt. Für achsennähere Teile ist der Drehweg und damit auch das Maß des Zurückweichens der Flügelfläche geringer, für achsenentferntere Teile größer. Die tatsächliche I irehgeschwindigkeit eines solchen Windrades wird also einem Ausgleichswert zwischen dem voreilenden Bestreben der achsnäheren, aber schmalen und der verzögernden Tendenz der achsferneren, aber breiten Flügelteile entsprechen. I »ieser Ausgleichswert ist aber rechnerisch nicht erfaßbar. Man könnte dem so abhelfen, daß man die Flügelfläche windschief gestaltet, wie dies bei jedem modernen Propellerblatt der Fall ist, bei dem der Winkel a von der Nabe gegen R das Blattende abnimmt und-längs des ganzen Flügels konstant bleibt. Dies tgoc konnte oder wollte aber Schober nicht, da eine exakte Ausführung eines solchen nach einer Schraubenfläche gekrümmten Propellerflügels wohl die damaligen werkstattechnischen Möglichkeiten überstiegen hätte. Schober ersetzte daher die bis zur Nabe reichenden, trapezförmigen Vollflügel durch dünne Speichen, die bloß am Ende ein rechteckig-längliches Brettchen oder Blech trugen; die ver- 40 Otto Lanser hältnismäßig geringe Ausdehnung dieser Flächen in radialer Richtung gestattet es, die Angriffskraft des Windes in ihrem Mittelpunkt konzentriert zu denken und mit dem Radius dieses Mittelpunktes zu rechnen. Wenn sich das Flügelrad ohne jeden Reibungsverlust drehte (Lagerreihung und Reihung des vorbeistreichenden, bewegten Mediums an Flügeln und Speichen), dann wäre hei einer Schrägstellung der Flügelflächen von 45° der Drehweg des Mittelpunktes gleich dem Windweg. Bei kleineren Winkeln ist der Drehweg kleiner, bei größeren größer. Will man trotz der vorhandenen Reihung den Drehweg gleich dem Windweg halten, dann muß man die Flügel also etwas steiler als 45° gegen die Achse stellen; das Maß dieser Verstellung kann aber nur im Versuchswege gefunden werden, der Flügel mußte also eine Eichung erfahren. Für diesen Zweck erfand Schober eine in ihrer Einfachheit geistvolle Vorrichtung: An einem waagrechten, um einen Mittelzapfen kreisenden Balken war das Windrad so befestigt, daß seine Achse den vom Balkenende beschriebenen Kreis tangential berührte, seine Fläche also senkrecht zur Bewegungsrichtung stand. Unter der Voraussetzung, daß das achsial vorwärts bewegte Rad in ruhender Luft sich ebenso verhalte wie das ruhende Rad in bewegter Luft — eine Voraussetzung, die auch heute jeder Flügelgleichung zugrunde liegt — ließ sich damit das Verhältnis des Drehweges zum Windweg leicht suchen. Bei 4 Fuß halber Balkenlänge betrug der Umfang des Kreises, in dem das Gerät herumbewegt wurde, fast genau 25 Fuß; die Flügel des Windrades selbst erhielten einen Radius von 4 Zoll, der Drehweg ihres Mittelpunktes bei einem Umlauf betrug dann mit 25 Zoll gleich 2V 2 Fuß (1 Pariser Fuß = 10 Zoll = 0,325 m) genau V 10 des großen Kreises. Man brauchte also den Anstellwinkel der Flügel nur so zu wählen, daß das Windrad bei einem Umlauf der ganzen Vorrichtung 10 Umdrehungen vollführte, dann konnte der Windweg gleich dem Drehweg gesetzt werden — freilich unter der durchaus nicht genau erfüllten Voraussetzung, daß die Reibungsverluste immer gleich bleiben; in Wirklichkeit ändern sie sich mit der Windgeschwindigkeit und es müßte daher auch der Anstellwinkel veränderlich sein. Um die Umdrehungen leicht zählen zu können, bediente sich auch Schober der schon von Wolf verwendeten Schnecke, in die ein Zahnrad mit 12 Zähnen ein- griff; ein oder zwei vorstehende Stifte waren darin so eingesetzt, daß sie bei jeder sechsten oder zwölften Umdrehung der Schneckenwelle ein Hämmerchen auf eine Glocke schlagen ließen. Mit dieser Vorrichtung ist Schober auch zum Erfinder der heute allgemein üblichen, allerdings durch elektrische Ivontakt- gebung erreichten, akustischen Umdrehungszählung geworden. Diese Gedanken und Erfindungen Schobers übernahm Woltmann bei der Konstruktion des häufig nach ihm benannten hydrometrischen Flügels (Bild 7). Er brauchte nicht sehr viel mehr hinzu zu tun, um dieses Gerät auch zur Geschwindigkeitsmessung in fließenden Gewässern geeignet zu machen. Da unter Wasser natürlich keine Glockenzeichen gegeben werden können, lagerte er das zur Zählung der Umläufe dienende Zahnrad auf einem beweglichen Hebel, so daß es durch Zug an einer Schnur zum Eingriff mit der Schnecke gebracht, beim Nachlassen des Zuges durch Federkraft wieder ausgerückt und arretiert wurde. So konnten Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens 41 genau jene Umdrehungen gezählt werden, die an der gewünschten Stelle und Tiefe im Flußquerschnitt während einer durch eine Sanduhr oder ein Sekundenpendel gemessenen Zeitspanne ausgeführt worden waren. Eine derartige mechanische Zählvorrichtung ist auch heute noch hei einfachen Taschenflügeln, die ohne elektrische Signalgebung arbeiten, in Anwendung. Woltmann brachte das Gerät schließlich mittels geeigneter Bügel und Hülsen so an einer kräftigen Stange an, daß es in der gewünschten Tiefe festgestellt werden konnte. Die Stange wurde von einer Brücke oder von einem Kahn aus in das Gewässer gestellt, bis sie mit ihrem als Dreifuß ausgebildeten Ende dessen Grund erreichte. Woltmanns Verdienst ist, wenn er auch fast alles Wesentliche der Erfindung Bild 7. WoLTMANNscher Flügel, ursprüngliche Bauart. ;» /r/..auer der [Meßfahrt in Sekunden JJ = u-t • • • Gesamtzahl der Flügelumdrehungen längs der [Meßstrecke v. .. Geschwindigkeit der [Meßfahrt in m/sek s = vt- . • Länge der Meßstrecke in m. Wäre — wie bei einem mechanischen Schraubengetriebe, z. B. einem Drillbohrer — die Umdrehungszahl je Längeneinheit des Meßweges immer dieselbe, dann müßte gelten: — = konst, oder--- [ - = — = konst. = — ° s vt v a daher v = a . u. Der Flügel müßte, damit er dieser Gleichung genüge, bei der geringsten, von Null verschiedenen Fahrgeschwindigkeit schon in Drehung geraten; in Wirklichkeit bleibt er bis zur Erreichung einer gewissen Mindestgeschwindigkeit r minJ von der ab erst seine Lagerreibung überwunden werden kann, in Ruhe und die Flügelgleichung besitzt daher die Form v = a • u + b oder u — — • v -—. a a Die Zahl der Flügelumdrehungen je Längeneinheit ergibt sich damit zu U _b_1_ s v a a v Technikgeschichte, 15. Heft. 4 44 Otto Lanser somit abhängig von der Fahrgeschwindigkeit. Meist läßt sich der Zusammenhang zwischen u und v gar nicht durch eine Gleichung für den ganzen Meßbereich darstellen, sondern es müssen zwei oder mehr solcher aufgestellt werden. Zur Eichung eines Flügels genügt es sohin nicht, nur die Gesamtumdrehungszahl bei einer an sich beliebigen Geschwindigkeit zu bestimmen, es müssen vielmehr mehrere Meßfahrten mit verschiedenem v ausgeführt werden, so daß eine größere Anzahl von Meßpunkten zur Bestimmung der Größen a und b zur Verfügung steht. Die Verhältnisse seien an einem praktischen Beispiel veranschaulicht; für einen bestimmten OTT-Flügel wurde z. B. die Gleichung ermittelt: v = 0,1328. u + + 0,028. Angenommen, die Länge des Eichweges betrüge 50 m, so ergibt sich für die nachstehenden Meßzeiten und -geschwindigkeiten folgende Gesamtumdrehungszahl U: t = v - - U - 250 sek 0,2 m/sek 323,2 100 sek 0,5 m/sek 354,9 50 sek 1,0 m/sek 365,4 25 sek 2,0 m/sek 370,7 12, 5 sek 4,0 m/sek 373,4 10,0 sek 5,0 m/sek 373,9 Hätte AV oltmann z. B. seine Eichfahrt mit v = 0,5 m/sek ausgeführt und hätte er dann mit dem so „geeichten“ Flügel eine wahre AVassergeschwindigkeit von 4,0 m/sek messen wollen, so hätte er statt dessen eine vermeintliche Geschwindigkeit v' = • 4,0 = 4,21 m/sek erhalten. Der Unterschied von rund 5% ist 354,9 freilich nicht groß, er liegt fast noch unter der Genauigkeit, mit der man sich in der hydrographischen Praxis überhaupt begnügen muß, aber er wäre z. B. für die Berechnung eines Turbinenwirkungsgrades doch schon ganz unzulässig. Jedenfalls stellte sich mit zunehmender mechanischer Präzision der Flügel die Notwendigkeit heraus, sie bei verschiedenen Geschwindigkeiten zu eichen. Hiezu bediente man sich zunächst eines oder zweier Kähne, die in einem Teich vom Ufer aus mittels Seilen mit bestimmter Geschwindigkeit über eine abgesteckte Meßstrecke gezogen wurden. Harlacher, von dem gleich noch ausführlicher zu sprechen sein wird, bediente sich 1875 eines mit einem normalen Geleise versehenen, auf zwei Pfahlreihen ruhenden Steges im Moldauhafen bei Podol oberhalb Prag von etwa 80 m Länge. „An einem auf dem Geleise befindlichen Bahnwagen wurde an einem seitlichen Ausleger die den Flügel tragende senkrechte Stange mit dem 0,5 m tief tauchenden Instrument derart befestigt, daß die Flügelachse parallel dem Geleise war; Arbeiter schoben den AA T agen mit verschiedenen tunlichst konstanten Geschwindigkeiten durch eine Strecke von 30 bzw. 60 m Länge. Auf dem AA'agen befanden sich zwei Beobachter, das Läutewerk und der Sekundenzähler.“ Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens 45 Solche ziemlich umständliche oder nur provisorische Eicheinrichtungen ersetzte man schließlich durch richtige Meßkanäle, deren Seitenmauern Schienen tragen, auf denen ein das Gerinne überbrückender Meßwagen läuft. Die erste derartige Meßstrecke scheint die Elbstrombauverwaltung um das Jahr 1875 in einem etwa 7 m breiten und 1,5 m tiefen Schiffahrtskanal bei Riesa in der Nähe von Dresden eingerichtet zu halten. Eigene, nur für Flügeleichungen dienende Meßkanäle sind aber wohl erst zu Ende des vorigen Jahrhunderts errichtet worden, z. B. vom Eidgenössischen Hydrometrischen Büro in der Nähe von Bern im Jahre 1896 und gleichzeitig vom österreichischen Hydrographischen Zentralbureau im Prater in Wien. In solchen modernen Anlagen wird der Meß wagen durch elektrische Kraft mit völlig gleichmäßiger, innerhalb weiter Grenzen regelbarer Geschwindigkeit über die Meßstrecke bewegt, während sich gleichzeitig die Zahl der Flügelumdrehungen, die zurückgelegte Meßstrecke und sekundliche Zeitmarken auf einem Bandchronographen aufzeichnen. Wir sind aber damit der Entwicklung weit vorausgeeilt, doch sind am Meßgerät selbst lange Zeit hindurch außer allmählichen konstruktiven Verbesserungen keine wesentlichen Neuerungen und Fortschritte zu verzeichnen; der wichtigste dürfte Treviranus zu verdanken sein, der um 1820 zuerst anstatt der an dünnen Speichen befestigten Flügel die heute gebräuchliche, viel gedrängtere Schraubenform anwendete. Auch die Einrückvorrichtung und das Zählwerk wurden besser durchgebildet. Mit solchen Verbesserungen entsprach der Wolt- MAXXSche Flügel den Bedürfnissen so sehr, daß die alten Staudruckgeräte bald gänzlich verschwanden und daß bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts schon größere systematische hydrometrische Arbeiten ausgeführt werden konnten. Leider ist über die Geschichte der frühen Anwendungen des WoLTMANNSchen Flügels und der ersten größeren Abflußmessungen mit Hilfe dieses Gerätes nur wenig mehr zu ermitteln. Nach dem ausgezeichneten Werke „Geschichte der Hydrometrie in der Schweiz“ sind wenigstens für dieses Land einige Daten bekannt; demnach scheint dort der WoLTMAXXsche Flügel erstmalig im Jahre 1807 bei Vorstudien für den Linth-Ivanal verwendet worden zu sein, die dem bekannten Badischen Rheinbauleiter Joiiaxx Gottfried Tulla übertragen gewesen sind. In den folgenden Jahrzehnten sind Messungen an der Aare, an den Juragewässern und am Rhein im St. Gallischen Rheintal in größerer Zahl ausgeführt worden, „von den Ergebnissen ist .jedoch wenig in die Öffentlichkeit gelangt“. Erst nach der Mitte des 19. Jahrhunderts hat man dann aber begonnen, auch an den Hauptströmen Mitteleuropas systematische Abflußmessungen vorzunehmen; besondere Aufmerksamkeit hat zu ihrer Zeit die 1867 durchgeführte internationale Rheinstrommessung bei Basel gefunden, an der sich neben schweizerischen und badischen Fachleuten auch solche aus Bayern und Frankreich beteiligten. 1873 und 1879 folgten größere Messungen an der Reuß bei Luzern, 1883 solche an der Rhone bei Genf usf. Große Trockenheit und Wassermangel, die anfangs der Siebzigerjahre in Böhmen herrschten, rückten dort die Notwendigkeit systematischer hydrologischer Beobachtungen in ein besonders klares Licht, so daß zu diesem Zwecke 1875 eine hydrographische Kommission eingesetzt wurde. In ihrem Rahmen und Auftrag 4 * 46 Otto Lanser führte Andreas Josef Harlaciier (15) ab 1876 an der Elbe in Tetschen großzügige Messungen durch, denen er 1878 solche an der Donau bei Nußdorf folgen ließ. Am Hauptstrom der österreichischen Monarchie waren schon früher — ebenfalls bei Nußdorf und bei der Kuchelau — Messungen ausgeführt worden, besonders in den Jahren 1850 und 1851 durch Wasserbauinspektor Nicolaus; hiebei sind die Geschwindigkeiten zwar mit einem AA’oLTMAXNschen Flügel, jedoch nur an der Oberfläche in etwa 15 Punkten des Querprofils beobachtet worden. Erst ! i f!! V. i ■ m Bild 8. Donaumessung aus der Anfangszeit des Hydrographischen Zentralbüros. Harlaciier hat Aüllmessungen nach den heute noch gültigen Meß- und Auswertungsgrundsätzen begonnen. Eine solche Donaumessung ist auch heute keine einfache Sache; damals, als man noch nicht über die wendigen Motorfahrzeuge der Gegenwart verfügte, konnte ein solches Unternehmen nur dank der Mithilfe des in Klosterneuburg stationierten Pionierregiments durchgeführt werden, das vom damaligen Reichskriegsministerium dazu beauftragt worden war. Nur Pioniertruppen verfügten über die zahlreichen, für eine solche Messung erforderlichen Geräte und Pontons und nur eine militärisch geschulte Mannschaft war imstande, mit diesen die schwierigen Manöver und Bewegungen in der erforderlichen Exaktheit auszuführen. In noch großartigerem Maßstabe als in Mitteleuropa waren aber schon um die Mitte des Jahrhunderts in Nordamerika systematische Messungen am Mississippi in den Jahren 1851 bis 1858 zum Zwecke der Regulierung dieses gewaltigen Stromes, ebenfalls unter entscheidender militärischer Mithilfe, nämlich durch die zwei Offiziere der nordamerikanischen Kriegsmarine A. A. Humphreys und H. G. Abrot, ausgeführt worden. Die Ergebnisse dieser Messungen trugen in Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens 47 hohem Maße zur Erkenntnis der Gesetze der Wasserbewegung bei und dienten Darcy und nach dessen Tode Bazin als wesentliche Unterlagen für ihre grundlegenden hydraulischen Studien. Aus verstreuten Bemerkungen entnimmt der Verfasser schließlich noch einige weitere Angaben über frühe hydrometrische Untersuchungen, die aber keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit machen können. So hat beispielsweise Defontaine, Chefingenieur der Brücken und Straßen, schon vor 1833 solche am damals fran- ~*~zz •**»**'■ Bild 9. Stangenflügel mit geschlitztem Kohr. Bauart Harlaciier. zösischen Oberrhein vorgenommen, Boileau an der Mosel bei Metz um 1854, Exxer in Breslau an der Oder im Jahre 1863, Schlichting an der Memel in Tilsit um 1877 usf. Mit den Arbeiten der böhmischen hydrographischen Commission hat sich Österreich, dem auf dem Gebiete des praktischen Wasserbaues schon viele bedeutende Ingenieure einen hervorragenden Ruf verschafft hatten, auch in die Entwicklung der Hydrographie in maßgeblicher Weise eingeschaltet. Harlacher hatte als Assistent von Prof. Culmann in Zürich 1869 eine Berufung an das kgl. Böhm. Ständische Polytechnische Institut in Prag angenommen, wo er eine umfangreiche Tätigkeit entfaltete, schon 1871 Messungen an der Elbe bei Herrns- kretschen ausführte und 1875 die Leitung der hydrometrischen Sektion der vorgenannten Kommission übernahm. Harlachers Hauptverdienst liegt darin, daß er die letzte entscheidende Neuerung in die Technik der Meßgeräte eingeführt hatte, die 80 Jahre hindurch beinahe auf demselben Stand geblieben war; er gab diesem Gerät die heute 48 Otto Lanser noch gültige Bauart. Der große Nachteil des alten WoLTMANN-Flügels mit mechanischem Zählwerk war ja, daß man ihn nach jeder Messung an den einzelnen Meßpunkten immer wieder aus dem Wasser heben mußte, um das Zählwerk abzulesen. Ungefähr gleichzeitig mit Harlachers Arbeiten war auch eine akustische Zeichenübertragung versucht worden (Hydrometer mit Schalleitung von Wagner, Deutsche Bauzeitung 1880), eine wirklich befriedigende Lösung dieser Aufgabe konnte aber nur in einer elektrischen Zeichenübertragung gefunden werden. Aus einer Notiz bei Harlacher geht hervor, daß die erste Anwendung elektrischer Zeichenübertragung bei einem Meßflügel schon 1859 von Ritter, Chefingenieur der Brücken und Straßen, in Paris konstruiert worden war, der ein solches Gerät für Messungen im Bosporus bei großen Wassertiefen von 50 bis 60 m benötigte, bei welchen natürlich jede andere rbertragungsart oder die Verwendung der Stangenflügel ausgeschlossen war. Ritters Flügel wurde daher an einem Kabel ins Wasser gelassen und besaß ein Steuer, durch welches er in der Strömung gehalten wurde. Unterhalb dieses Flügelapparates war ein schweres Gewicht in Kugelform angebracht, um einem zu starken Abtreiben vorzubeugen. Da das salzige Meerwasser ein guter Stromleiter ist, mußte die Kon- taktgebung wasserfrei gehalten werden. Ritter setzte das über eine Schnecke von der Flügelwelle aus angetriebene Werk in ein vertikales Gehäuse, welches wie eine Taucherglocke wirkte, so daß der am obersten Punkte befindliche Kontaktstift nur von komprimierter Luft umgeben war, eine Ausführung, die freilich an turbulenten Bächen und Flüssen nicht möglich wäre. Dieses Werk zeigte jedes Hundert Umdrehungen durch die Ablenkung der Nadel eines Galvanometers an. In einer bei Harlacher zitierten Briefstelle des Erfinders heißt es jedoch, daß die damaligen Telegraphenkabel so dick und schwer waren und dem Strom einen so großen Widerstand entgegensetzten, daß die Versuche bald abgebrochen wurden. Jedenfalls hat Harlacher ganz unabhängig von Ritter, dessen vorangegangene Arbeiten ihm erst nachträglich zur Kenntnis gelangt waren, sein Gerät konstruiert; allerdings scheint er von den hydraulischen Messungen gewußt zu haben, die ein Nordamerikaner namens I). F. Henry (nach anderen Quellen Farrand Hay) in den die Großen Seen verbindenden Flußsystemen 1867 und 1868 vorgenommen hatte und bei welchen zum ersten Male in größerem Maßstabe elektrische Zeichenübertragung angewendet worden war. Hiebei handelt es sich jedoch um einen Schalenflügel mit 4 Armen und 4 hohlen Halbkugeln, der sich verhältnismäßig langsam um eine vertikale Achse drehte; der während jeder Umdrehung geschlossene und unterbrochene Strom machte die Touren an einem über Wasser befindlichen Zählapparat ersichtlich. 1871 teilte Harlacher seine Konstruktionsideen Dr. J. Amsler-Laffon in Schaffhausen und Hipp in Neuenburg mit und mit letzterem zusammen führte er schon 1872 die ersten voll gelungenen Versuche aus. Es zeigte sich, daß man im nur schwach leitenden Süßwasser der Flüsse ohne wasserfreien Kontakt auskommen kann; es wurde auch nur ein eindrähtiges Kabel verwendet, da zur Rückleitung des Stromes die Flügelstange diente. Die Kontaktgebung selbst er- Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens 49 folgte auch hier mittels eines Schneckengetriebes, das bei jeder 50. oder 100. Umdrehung des Flügels ein elektrisches Klingelzeichen anslöste. Auch Amsler griff die Anregung auf und der Ban von hydrometrischen Flügeln bildete bald einen wichtigen Geschäftszweig dieser bekannten feinmechanischen Firma. Die von ihr hergestellten, schon recht vollkommen dnrehkonstrnierten Geräte beschrieb J. Amsler-Laffon in der Veröffentlichung: Der hydrometrische Flügel mit Zählwerk und electrischer Zeichengebung, Schaffhausen 1877. Harlacher wandte auch der mechanischen Seite des Gerätes und der Meßmechanik seine Aufmerksamkeit zu. Bisher war der Flügel am unteren Ende einer frei ins Wasser tauchenden Stange befestigt worden, eine Anordnung, die zwar durch das wiederholte Heraufholen des ganzen Apparates bedingt war, die Stange jedoch als Kragträger beanspruchte, so daß sie bei größeren Strömungsgeschwindigkeiten oder Tiefen nicht mehr gehandhabt werden konnte. Harlacher griff auf die ursprüngliche Anordnung Woltmanns einer auf dem Flußgrund feststehenden Stange zurück, an welcher er jedoch den Flügel beweglich anordnete. Dieser saß an einem die Stange umgreifenden Hohlkörper, dessen Gleiten durch Führungsrollen erleichtert wurde; das Gerät war von einem über eine Umlenkrolle am oberen Stangenende laufenden Kabel gehalten. An diesem konnte es mittels einer kleinen Winde mit Tiefenzählwerk an den gewünschten Meßpunkt abgelassen werden (Bild 9). Für große Tiefen und Stromgeschwindigkeiten war allerdings diese Ausrüstung unzureichend. Harlacher und Amsler arbeiteten daher eine Type aus, die an einem Tragkabel frei ins Wasser hing; die Tiefe konnte an einem Zählwerk der Winde abgelesen werden, während ein linsenförmiger Beschwerungskörper das Kabel straffte und gegen zu großen Abtrieb sicherte. Es kommt aber bei allen Fragen der naturwissenschaftlichen Erkenntnis nicht nur auf die Erfindung und Entwicklung entsprechender Geräte an, sondern auch — ja vor allem — auf die gedankliche Bewältigung der Aufgabe. Eben um diese gedankliche Klärung der Meßmethodik und der Meßauswertung hat sich Harlacher noch ein bedeutendes Verdienst erworben und hiefür jene Verfahren angegeben, die heute noch üblich und in den einschlägigen Vorschriften der meisten hydrographischen Ämter festgehalten sind. Leupold gibt noch an, man habe die Profilfläche mit zwei Drittel der durch Schwimmer gefundenen Geschwindigkeit zu multiplizieren, um die Abflußmenge zu erhalten; dieses Verfahren stellt eine recht gute Näherung dar, da die mittlere Profilgeschwindigkeit tatsächlich in der Größenordnung von etwa zwei Drittel der maximalen Oberflächengeschwindigkeit liegt. So betrug z. B. im Mittel aus 15 vom Hydrogr. Zentralbüro durchgeführten Donaumessungen der Jahre 1911, 1912 und 1913 das Verhältnis der letzteren zur ersteren 0,685, somit fast genau zwei Drittel, wobei allerdings die Einzelwerte zwischen 0,51 und 0,81 streuten. Diese Angabe Leupolds, die auf Mariotte zurückgeht, stellt dessen Be- obachtungs- und Meßmethodik also ein sehr gutes Zeugnis aus. Mariotte hatte auf diese Weise die Abflußmenge der Seine bei Paris bei mittlerem Wasserstande auf 200.000 Kubikfuß je Minute berechnet, das sind etwa 115 m 3 /sek. Trotzdem ist dieses Verfahren eben nur eine Näherung. Als man es später mit Hilfe der hier 50 Otto Lanser beschriebenen Geräte lernte, die Wassergeschwindigkeit an einzelnen Punkten des besetzten Querschnittes zu messen, trat die Frage auf, wie man diese Einzelwerte zu einem Gesamtergebnis zu vereinigen habe. Woltmann bildete aus den senkrecht zu den einzelnen Meßlotrechten aufgetragenen Geschwindigkeitswerten ein Polygon, dessen Fläche er nach der Trapezregel berechnet. Die Division dieser Fläche durch die Wassertiefe gibt die mittlere Geschwindigkeit der Lotrechten. Er teilt sodann das Querprofil in vertikale Streifen, deren Mittellinien jeweils die gleichmäßig über die Breite ausgeteilten Meßlotrechten bilden und multipliziert die mittleren Geschwindigkeiten dieser Lotrechten mit dem Inhalt der einzelnen Flächenstreifen. Auf diese Weise ermittelt er die Abflußmenge Q = Zv m .F. Dieses Verfahren lieferte nur dann ein exaktes Ergebnis, wenn die mittlere Geschwindigkeit der einzelnen Lotrechten derjenigen der einzelnen vertikalen Flächenstreifen gleichgesetzt werden könnte. Das ist natürlich nicht genau der Fall; abgesehen von den dadurch bedingten, manchmal nicht unerheblichen Fehlern, bleibt diese Methode jedoch auch gedanklich im Formalen haften. Erst Har- lacher hat diese Aufgabe als eine stereometrische erkannt und behandelt. Man kann sich die einzelnen Wasserteilchen als Wettläufer denken, die zum Zeitpunkte t = 0 von einer bestimmten, quer durch den Fluß gelegten Schnittebene aus ihren Lauf beginnen; die Endpunkte der Strecken, die sie nach der Zeit t = 1 Sekunde erreicht haben, liegen auf einer räumlich gekrümmten Fläche und der Wasserkörper, der einerseits durch das Ausgangsprofil, durch die Wasseroberfläche und durch die Flußsohle, anderseits durch eben diese Raumfläche begrenzt wird, stellt die in 1 Sekunde abfließende Wassermenge dar. Diesen Körperinhalt gilt es zu ermitteln. Seine Ausdehnung senkrecht zur Ausgangsebene ist die Wassergeschwindigkeit v, die sowohl über die Breite wie über die Tiefe sich ändert, also, mathematisch gesprochen, eine Funktion von b und t ist. v = f(b.t). Der Inhalt berechnet sich somit als Q = jj v.db.dt. Die Funktion ist nicht analytisch definiert; die Integration kann daher nur graphisch vorgenommen werden, wozu die einzelnen Geschwindigkeitswerte senkrecht zu den die Wassertiefe darstellenden Strecken aufzutragen und die dadurch gegebenen Punkte zu einer stetigen Kurve zu verbinden sind. Die Planimetrierung dieser Flächen liefert für die einzelnen Meßvertikalen den Wert j v. dt. Trägt man diesen an der zugehörigen Stelle senkrecht zur Gewässerbreite auf, dann erhält man einzelne Funkte der Funktion j v .dt = f (b), die nun wieder zu einer stetigen Kurve zu ergänzen sind. Deren Planimetrierung liefert dann den Endwert v.dt. db. Wenngleich das Einlegen der Kurven durch die einzelnen Meßpunkte nicht ohne Willkür möglich ist, ist diese Methode doch nicht nur die genauere, sondern auch die gedanklich richtigere. Die weitere Entwicklung der hydrometrischen Geräte ist im wesentlichen gleichbedeutend mit der Firmengeschichte der Flügelbauanstalten. Im mitteleuropäischen Raum haben sich hauptsächlich die folgenden drei mit dem Bau Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens 51 dieser Spezialgeräte befaßt: Amsler-Laffon in Schaffhausen, A. Ott in Kempten (Allgäu) und Otto A. Ganser in Wien. Der im Jahre 1847 zu Nesselwang im Allgäu geborene Albert Ott hatte nach dem Besuch der Kemptener Gewerbeschule, nach einem Hochschuljahr in München und nach mehrjähriger Tätigkeit hei bekannten mechanisch-optischen Instituten — besonders hei Starke und Kämmerer in Wien — und schließlich, angeregt durch die Wiener Weltausstellung 1873, in Kempten eine feinmechanische Werkstätte gegründet, in der er Pantographen, Planimeter, später auch Theodoliten und Nivelliere haute. 1881 kam Ott mit Harlacher in persönliche Fühlung und erwarb das Ausführungsrecht für dessen elektrischen Flügel. Damit war der Grundstein gelegt zum heutigen Arbeitsgebiet der Firma. Im Jahre 1885 wurde die Herstellung selbstregistrierender Pegel aufgenonnnen. Nach mancherlei Schwierigkeiten und Rückschlägen gewann das Unternehmen besonders unter der Leitung der beiden Söhne des Gründers A. Ott und I)r.-Ing. Ludwig Ott allmählich eine führende Stellung im Bau von Wassermeßgeräten, die auch der erste Weltkrieg zwar vorübergehend zu beeinträchtigen, nicht jedoch zu erschüttern vermochte. Es wurde schon erwähnt, daß Harlacher seine Konstruktionsideen durch das Schweizer Unternehmen Amsler-Laffon in Schaffhausen ausführen ließ. Dem genialen Dr. Amsler verdankt die Wissenschaft verschiedene mathematischmechanische Geräte, z. B. die Erfindung des Planimeters. Seine berühmte feinmechanische Anstalt, die dann besonders den Bau von Festigkeits-, Prüf- und Zerreißmaschinen pflegte, behielt aber bis zum heutigen Tage auch die Erzeugung hydrometrischer Geräte in ihrem Arbeitsprogramm. In Österreich sind die ersten Flügel von Starke & Kämmerer sowie von der heute als Telegraphenbauanstalt sehr bekannten Firma Czeija & Nissl in Wien erzeugt worden; beide Firmen haben diesen Produktionszweig jedoch schon lange aufgegeben. Im Jahre 1900 hat dann der hochbegabte Feinmechaniker Otto A. Ganser in seiner Anstalt in Wien in enger Zusammenarbeit mit dem Hydrographischen Zentralbüro den Bau von Flügeln und hydrometrischen Geräten aufgenommen. Ähnlich wie A. Ott war auch Ganser von der Optik und Geodäsie zur Hydrometrie gekommen. Als Mechaniker der Universitätssternwarte in Wien hatte er sich durch seine astronomischen Fernrohre, ferner durch den Bau von geodätischen Instrumenten aller Art einen verdienten Ruf erworben. Die Zusammenarbeit mit der staatlichen Hydrographie zeitigte dann wertvolle Früchte in einer Reihe gut durchkonstruierter Meßflügel, von denen besonders die torpedo- förmigen Hochwasserflügel erwähnt seien. Durch ihre Stromlinienform und ihr Gewicht gewährleisteten sie einen geringen Abtrieb und eigneten sich so im Verein mit ihrer außerordentlich kräftigen Bauart gerade für die schnellfließenden Alpengewässer. Sie wurden mittels einer kräftigen, kranartigen Seilwinde mit Tiefenzeiger ins Wasser gelassen (Bild 10). Die dauerhafte und dabei mechanisch sehr exakte Ausführung verschaffte den Erzeugnissen Otto A. Gansers einen wohlverdienten Ruf. Sein Meisterwerk schuf er wohl mit einer damals einzigartigen elektrischen Wasserstandsfernmeldeeinrichtung, die zum Zwecke der Hochwasservorhersage von einer großen Zahl oberösterreichischer und nieder- 52 Otto Lanser österreichischer Pegelstellen die Meßwerte in genial erdachter und sein- zuverlässiger Art und Weise nach den hydrographischen Büros in Linz und Wien übertrug. Es erübrigt sich noch, darauf hinzuweisen, daß in den Vereinigten Staaten ein vertikalachsiges Gerät als Weiterentwicklung des Konstruktionsgedankens von I). F. Henry fast allein in Anwendung steht. Schon zu gleicher Zeit wie Har- lacher, .jedoch, wie es scheint, unabhängig von ihm, hat der Offizier des corps of engineers der amerikanischen Armee T. G. Ellis größere Messungen am Connecticutfluß mit dem HENRYSchen Schalenkreuz mit elektrischer Zeichengebung V —w mM Bild 10. Torpedoflügel. Bauart Ganser. unternommen und hiebei wertvolle Erfahrungen gesammelt. W. G. Price, Ingenieur der Mississippi Iiiver Commission, hat dann 1882 das HEXRYSche Gerät zu der heute in Amerika üblichen Bauart vervollkommnet, wobei er besonderen Wert auf eine Luftkammer legte, die das Eindringen von Feinsand zu den Lagern verhinderte. Das heutige PRiCESche Becherrad — cup-wheel — trägt sechs, jedoch nicht halbkugel-, sondern hohlkegelförmige Becherchen. 1888 wurden in den USA. die Hydrographie und damit insbesondere die Abflußmessungen dem geologischen Dienst (Geological Survey) unterstellt, dessen Ingenieure sich um die Konstruktion einer Standardtype mit Erfolg bemühten. Dem modernen PRiCEschen Flügel, der als Stangen- oder Seilgerät verwendet werden kann, rühmen die Amerikaner nach, daß er einfach im Gebrauch sei, daß er zum Zwecke der Reinigung sich leicht und ohne Änderung der Konstanten zerlegen und wieder zusammensetzen lasse, daß er das Eindringen von Sand und dadurch eine Änderung der Eichwerte besser als horizontalachsige Flügeltypen vermeide Zur (Jeschichte ties hydrometrischen Meßwesens 53 und (laß er schließlich den oft harten Beanspruchungen im praktischen Meßdienst hei den verschiedensten Geschwindigkeiten dank seiner Dauerhaftigkeit gewachsen sei. Die Anwendung des hydrometrischen Flügels zur Abflußmessung setzt voraus, daß es möglich sei, aus der Kenntnis der örtlichen Wassergeschwindigkeiten an einer gewissen — möglichst großen — Zahl von einzelnen Punkten des benetzten Querschnitts die wahre Gestalt jenes Wasserkörpers zu ermitteln, der dem in Bild 11. Messung mit Torpedoflügel von einer Holzbrücke aus. einer Sekunde abfließenden Wasserquantum entspricht. Diese Voraussetzung ist natürlich nicht genau erfüllt, da zwischen den durch Messung erhaltenen Geschwindigkeitswerten eine stetige Ausgleichskurve oder -fläche nicht ohne gewisse Willkür eingelegt werden kann. Das Punktverfahren ist auch recht zeitraubend und an manchen Gewässern, besonders an den reißenden Alpenflüssen manchmal überhaupt kaum möglich. Bei ihrer grobblockigen Sohle ist hier bei höheren Wasserständen schon die Aufnahme eines Querprofils oder eine einigermaßen exakte Austeilung der Flügelmeßpunkte fast undurchführbar, geschweige denn die Messung selbst, da die Geräte der Wucht des Wasserdruckes oder dem Anprall von Treibholz nicht ausgesetzt werden können. Es hat daher nicht an Versuchen gefehlt, grundsätzlich andere Methoden zur Abflußmessung zu verwenden, die den Umweg über die Geschwindigkeitsmessung vermeiden und unmittelbar die sekundliche Abflußmenge ergeben. Solche Verfahren wurden vor allem in der Richtung entwickelt, daß dem zu messenden Gewässer eine andere Flüssigkeit von genau bekannter Sekundenmenge beigegeben wird und daß dann aus der Verdünnung, die diese im Wasser erleidet, auf die sekundliche Abflußmenge des Gewässers selbst geschlossen wird. Diese 54 Otto Lanser Methode setzt voraus, daß die Meßflüssigkeit chemische oder physikalische Eigenschaften besitze, die sich mit der Verdünnung in völlig gesetzmäßiger Weise ändern und die auch hei möglichst großen Verdünnungsgraden noch sehr exakt gemessen werden können. Meist verwendet man hiezu Salzlösungen; die quantitative chemische Analyse der verdünnten Mischung ist hier in verhältnismäßig einfacher Weise noch sehr genau möglich. An physikalischen Eigenschaften, die für solche Verfahren herangezogen wurden, sind vor allem die elektrische Leitfähigkeit und dann auch die Farbe zu nennen; allerdings hängt die Meßgröße dieser physikalischen Eigenschaften meist nicht in einfacher Weise nur vom Verdünnungsgrad ah, sondern z. B. auch von der schon vor der Beigabe im natürlichen Fluß vorhandenen Leitfähigkeit sowie besonders von der Wassertemperatur. Ähnlich wird die Möglichkeit einer kolorimetrischen Messung durch die schon vorhandene Färbung des Wassers durch Humusstoffe, durch die Schlammtrübung oder ähnliches beeinträchtigt. Es ist nicht Absicht dieser Ausführungen, auf die große Zahl von Meßmethoden solcher und ähnlicher Art, auf ihre Entwicklung und auf die damit zusammenhängenden Fragen w T eiter einzugehen. Die Flügelmessung hat sich jedenfalls bis heute in den meisten Fällen doch als die zweckmäßigste behauptet. Es sei aber dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß die so erstaunlichen Fortschritte der technischen Physik mehr als bisher auch auf ihre Anwendbarkeit für Zwecke der Hydrometrie geprüft würden und daß es gelänge, die Abflußmessung wesentlich zu vereinfachen; vielleicht brauchten dann eines Tages nicht mehr die Pegelstände aufgezeichnet und aus ihnen mittels eines immer wieder sich ändernden und daher oftmals neu zu messenden funktionalen Zusammenhanges mühsam die Abflußwerte berechnet zu werden; vielleicht könnte dann vielmehr der Abfluß selbst täglich oder bei Bedarf auch täglich mehrmals aus unmittelbaren Messungen erhoben werden. I >ie solcherart gewonnene, weitaus größere Exaktheit unserer Kenntnis der Abflußverhältnisse käme allen Zweigen der praktischen Wasserwirtschaft ebenso wie der wissenschaftlichen Hydrologie zugute. Für freundliche Unterstützung bei meiner Arbeit bin ich dem Technischen Museum — Forschungsinstitut für Technikgeschichte in Wien sowie der Direktion der Bibliothek der Technischen Hochschule in Wien Dank schuldig; ebenso danke ich Herrn Dozenten Dr -Ing. W. Kresser für manchen Kat und Hinweis. Anmerkungen zu den Lebensgeschichten der Forscher. (1) Leonardo da Vinci, geb. 1452 zu Vinci bei Florenz, gest. 1519 auf Schloß Cloux bei Amboise. Die zahllosen Studien und Skizzen Leonardo da Vincis aus fast allen Gebieten der Naturwissenschaft sind in verschiedenen Handschriften zerstreut enthalten; besonders wertvoll ist der „Codice Atlantico“ in der Biblioteca Ambrosiana in Mailand. Von den wenigen, in sich abgeschlossenen wissenschaftlichen Werken trägt eines den Titel: „Del moto e misura dell’acque“. Literatur über Leonardo da Vinci als Hydrauliker: C. Reindl, „Leonardo da Vinci, der Hydrauliker“, in „Wasserkraft und Wasserwirtschaft“ 1939, S. 267. Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens 55 Arredi, ,,Gli studi di Leonardo da Vinci sul moto delle acque“, Annali dei Lavori Pubblici 1939, Nr. 4. (2) Galileo Galilei, geb. 1564 zu Florenz, gest. 1642 zu Arcetri (Toscana). Bahnbrecher des modernen naturwissenschaftlichen Denkens, Begründer einer berühmten Schule italienischer Hydrauliker. Unter seinen Schülern sind besonders zu nennen: Benedetto Castelli, geb. 1577 zu Brescia, gest. 1644 zu Rom. Benediktiner von Monte Cassino, Nachfolger Galileis in der Professur an der Universität Pisa. Evangelista Torricelli, geb. 1608 zu Faenza, gest. 1674 zu Florenz. Findet das nach ihm benannte Gesetz, wonach die Geschwindigkeiten des aus Bodenöffnungen ausfließenden Wassers sich verhalten wie die Quadratwurzeln der entsprechenden Druckhöhen. Schrieb u. a.: Del moto dei gravi, Florenz 1644. Domenico Guglielmini, geb. 1655 zu Bologna, gest. 1710 zu Padua. Prof, der Mathematik und Hydrometrie zu Bologna, dann zu Padua. Er wirkte auch im praktischen Wasserbau bei Entwässerungen im Paduanischen und bei der Regulierung von Gewässern und Wildbächen in Friaul. Schrieb: ,,De aquarum fluentium mensura“, Bologna 1690, und ,,La natura dei fiumi“, Bologna 1697. (3) NiCCOLÖ Cabeo (Cabeus), geb. 1585 in Ferrara, gest. 1650 in Genua. Jesuitenpater, Professor der Mathematik zu Parma. Schrieb u. a.: Philosophia experimentalis sive Commentarium in IV libr. Aristotelis meteorologicorum, Rom 1644. (4) Edme Mariotte, geb. 1620 zu Bourgogne (Dep. Saone et Loire), gest. 1684 in Paris. Er trat in den geistlichen Stand, wurde Mitglied der Pariser Akademie der Wissenschaften. Schrieb u. a.: Traite du mouvement des eaux et des autres corps fluides, Paris 1686 (posthum erschienen). (5) Jacob Leupold, geb. 1674 bei Zwickau, gest. 1727 in Leipzig. Sollte zuerst ein Handwerk erlernen, studierte dann in Jena und Wittenberg; 1699 eröffnete er als Universitätsmechaniker eine Werkstätte in Leipzig. Hauptwerk: „Theatrum machinarum, d. i. Schauplatz der mechanischen Künste“, Leipzig 1724 bis 1739. Kompendium des gesamten technischen Wissens seiner Zeit. (6) Christian Wolf, geb. 1679 zu Breslau, gest. 1754 zu Halle. War zuerst Dozent und Adjunkt der Universität in Leipzig, sodann Professor der Mathematik und Physik in Halle; mußte Preußen aus religiösen Gründen verlassen und ging nach Marburg; 1740 von Friedrich II. zurückgerufen, übernahm er wieder die Professur in Halle, wurde Kanzler der Universität und Mitglied gelehrter Akademien. Schrieb: „Elementa aerometriae“, Leipzig 1709. „Elementa matheseos universae“, Leipzig 1715 bis 1741. (7) Henri Pitot, geb. 1695, gest. 1771. Gelehrterund Wasserbaumeister der Stände von Langedoc, schrieb: „Description d’une machine pour mesurer la vitesse des eaux courants“. Mem. de l’acad. Roy. des sciences, Paris 1732. (8) Daniel Bernoulli, geb. 1700 zu Groningen, gest. 1783 in Basel. Stammt aus einer ursprünglich flandrischen, in Basel eingewanderten Gelehrtenfamilie, Sohn des ebenfalls berühmten Johann Bernoulli (1667 bis 1748); studiert in Basel, Heidelberg und Straßburg, wurde von Katharina I. an die Akademie nach St. Petersburg berufen, ging später wieder zurück an die Universität nach Basel. Schrieb u.a.: „Hydrodynamica seu de viribus et motibus fluidorum commen- tarii“, Straßburg 1738. (9) Leonhard Euler, geb. 1707 zu Basel, gest. 1783 zu St. Petersburg. Studiert in Basel, gefördert von den beiden Bernoullis, geht 1727 an die Akademie nach St. Petersburg. Wird 1744 von Friedrich II. als Direktor der Mathem. Klasse 56 Otto Lanser der königl. Akademie nach Berlin gerufen, geht 1766 zum zweiten Mal nach St. Petersburg. Eines der bedeutensten mathematischen Genies aller Zeiten, Schöpfer der modernen Hydrodynamik. (10) Leonardo Ximenes, geb. 1716 zu Trapani (Sizilien) als Kind spanischer Eltern, gest. 1786 zu Florenz. Jesuit, bekleidet seit 1761 in Florenz das Amt eines Geographen und Mathematikus des Großherzogs von Toskana und Prof, an der Univ. Florenz, auch nach der Aufhebung des Ordens (1773). Sehr vertraut mit der Hydraulik, befaßte er sich auch mit praktischen wasserbaulichen Fragen, insbesondere den Überschwemmungen des Po und des Reno. Schrieb: Xuove sperimenze idrauliche etc. Siena 1780. (11) Louis Gabriel du Buat, geb. 1732, gest. 1787 zu Nan • (1000 • J) 2 • 0 (7) Das Integral ist dabei nur über jene Teilbreite zu nehmen, in welcher tatsächlich Geschiebetrieb stattfindet, d. h. h > h 0 ist. Um die in einem bestimmten Zeitabschnitt, etwa in einem Jahre insgesamt beförderte Geschiebemenge zu ermitteln, ist der obige Ausdruck für den mit dem Die bisherige Entwicklung (1er Geschiebetheorien und Geschiebebeobachtungen 61 Pegelstande veränderlichen Geschiebetrieb noch über den gewünschten Zeitraum zu integrieren, wobei nicht nur der Wasserstand h, sondern im allgemeinen auch das Gefälle J — letzteres freilich nur in geringem Maße — als Veränderliche anzu- sehen sind. Die Pegelaufzeichnungen geben den Verlauf von h als Funktion der Zeit an, während die Abhängigkeit des Gefälles vom Pegelstand und damit wieder vom zeitlichen Verlauf durch gesonderte Beobachtungen erhoben werden muß. Man erhält somit: t R 1 0 -°2 ZG — G • dt = tp y 1 I' J 2 • || h • (h — h 0 ) db • dt. (8) t Bj. Umgekehrt kann dieser Ausdruck, wenn die gesamte Geschiebefracht eines bestimmten Zeitraumes bekannt ist, dazu dienen, die Abfuhrziffer ip zu bestimmen. Diesen Weg ist Ph. Krapf wohl als erster gegangen. Die zwischen dem 6. Mai 1900 und Ende 1904 vom Rhein durch das Profil Brugg beförderte Geschiebemenge konnte er dank günstiger Umstände zu 727000 m 3 bestimmen, wobei er freilich gezwungen war, verschiedene Annahmen zu treffen, die diese Ziffer nur als Annäherungswert erscheinen lassen; immerhin bietet sie die Möglichkeit einer wenigstens größenordnungsmäßigen Bestimmung der Abfuhrziffer ip. Die Auswertung des Integralausdruckes erfolgt durch dessen Verwandlung in eine Summe in folgender Weise: Das natürliche Profil wird entsprechend Abb. 1 in horizontale Streifen gleicher Höhe zerlegt; die waagrechten Parallelseiten dieser schmalen Trapezflächen stellen die zu jeder Spiegellage gehörige Spiegelbreite dar. Diese Streifen werden nun seitlich in der Weise verschoben, daß auf der einen Seite die Endpunkte aller dieser waagrechten Strecken lotrecht untereinander zu liegen kommen; dadurch entsteht ein neues, flächengleiches Profil, das auf der einen Seite durch eine Lotrechte, auf der anderen durch die sogenannte hypsographische Kurve begrenzt ist, aus der sich unmittelbar abgreifen läßt, welche Sohlenbreite zu jedem der waagrechten Flächenstreifen gehört. Nennt man,diese Teilbreiten AB', AB" usw. bis AB (n) und die mittlere Tiefe eines jeden dieser Sohlenabschnitte unter einer angenommenen Spiegellage h ', h" usw. bis h (n) , dann ergibt sich die gesamte Profilfläche als Summe aller aus mittlerer Tiefe und Teilbreite gebildeten vertikalen Streifen: F = \h-db = Zh'-AB' + h" - AB" + ... h (n) • AB (n) . (9) In ähnlicher Weise läßt sich nun auch der Integralausdruck j h-(h — h 0 )’db (10) darstellen als Summe Z h' (h' — h 0 )AB’ + h" Qi" — h 0 ) AB" + ... h (n) • {h (n) — h 0 ) AB (n) , (11) wobei die Summierung nur jene Glieder zu umfassen hat, für die die mittlere Tiefe größer ist als die Grenztiefe und somit h — h 0 >0 wird. Der zahlenmäßige Wert dieses Ausdrucks wird nun für jeden, innerhalb des betrachteten Zeitraumes vorgekommenen Wasserstand, soweit er den Grenz wasserstand überschritten hat, ausgerechnet und mit dem zum gleichen Pegelstand gehörigen Wert (1000 J) 2 multipliziert. Die Pegelstandsdauerlinie gibt dann an, mit welcher Anzahl von Tagen bzw. Sekunden jedes dieser Produkte nochmals zu vervielfältigen ist und die Gesamtsumme aller dieser, für die einzelnen Pegelstände 5 * 62 Otto Lanser S>]7t/c/in>?pVjg £ JL 4-4 sr/pjdui>prug ~l6p]UVL/9tf 66* jg p6ij (jkickwtLrtigcr Owirriß nach forchhumir , Die bisherige Entwicklung der Geschiebetheorien und Geschiebebeobachtungen 63 errechneten Werte stellt schließlich den Ausdruck unter dem Doppelintegral der Gleichung (8) dar, woraus sich ergibt: EG V = 7-•-• (12) \ (1000 J) 2 ( h-(h — h 0 ) ■db-dt Zeitraum Profilbreite * Wie bei der zahlenmäßigen Berechnung des Integral- bzw. Summenausdruckes vorzugehen ist, sei im nachstehenden am Beispiel des in Abb. 1 dargestellten Meßprofils Brugg am Rhein erläutert: Zuerst ist für verschiedene Pegelstände der Wert Zh m -(h m — h 0 )-AB zu ermitteln, wobei h m und AB aus der Zeichnung unmittelbar abgegriffen bzw. abgelesen werden können. Man erhält so etwa bei einem h 0 = 1,75 für den Pegelstand -f 410: B *tn 1 h h I n m n o Jlyyi ( h) 2,8 3,00 1,25 10,50 3,2 Va (2,75 + 3,00) = 2,87 5 1,12 5 10,35 2,4 V 2 (2,50 + 2,75) - 2,62 5 0,87 5 5,50 2,6 usw. 2,37 5 0,62 5 3,86 2,8 2,02 5 0,27 5 1,56 5,4 1,87 5 0,12 5 1,27 Eh m (h m — h 0 )‘ AB = 33,04 und für den Pegelstand -f 435: 2,8 3,25 1,50 13,65 3,2 Va (3,00 + 3,25) = 3,12 5 1,37 5 13,75 2,4 Va (2,75 + 3,00) = 2,87 5 1,12 5 7,75 2,6 usw. 2,62 5 0,87 5 5,97 2,8 2,37 5 0,62 5 4,15 5,4 2,12 5 0,37 5 4,30 9,6 1,87 5 0,12 5 2,25 Zh m (K - h 0 )-AB= 51,82 Die wie vorstehend für jeden Pegelstand von 25 zu 25 cm errechneten Werte werden am besten graphisch aufgetragen; aus dieser Kurve lassen sich dann für beliebige Pegelstände dazwischen die zugehörigen Werte entnehmen; man erhält z. B. als Mittelwerte für das Pegelintervall + 410 bis 419 . . . = 35,0 420 „ 429 43,0 430 „ 439 51,0 usw. Im Bereiche höherer Pegelstände nimmt auch Z h m ( h m — h 0 )AB hohe Werte an, z. B. für das Pegelintervall + 650 bis 659 . . . = 723,0 660 „ 669 774,0 700 ,, 709 710 „ 719 980,0 1036,0 usw. 64 Otto Lanser Damit läßt sich folgende Tabelle aufstellen: Berechnung der Abflußwerte ip (Auszug). Pegelintervall J (1000 J) 2 ® = 27 *m- AB (1000 J) 2 @ Häufigkeit At (1000 J) 2 - e • At °/oo m 3 m 3 Tage m 3 xTage 280—289 0,833 0,695 1,5 1,04 24 25,0 290—299 0,700 2,5 1,75 140 245,0 300—309 0,705 3,5 2,47 174 429,0 310—319 0,843 0,710 4,2 2,98 75 223,5 usw. bis 550—559 0,917 0,840 316,0 265,50 24 6 370,0 560—569 0,846 350,0 296,0 16 4735,0 570—579 0,850 385,0 327,0 37 12095,0 580—589 0,926 0,858 422,0 362,0 24 8 690,0 usw. bis 650—659 0,947 0,895 723,0 647,0 6 3882,0 660—669 0,900 774,0 696,50 3 2089,5 670—679 0,906 822,0 744,50 1 744,5 680—689 0,955 0,912 872,0 794,50 3 2383,5 usw. bis 730—739 0,970 0,940 1 155,0 1 084,0 1 1084,0 740—749 1216,0 0 o 750—759 0,977 0,952 1281,0 1 220,0 1 1220,0 £(1000 J) • h m {h m — h 0 ) ■ AB- At = 142392,2m 3 x X Tage - 12 302668,8 m 3 • sec LG 727000 m 3 ^ ~ £,(1000 J) 2 .h m (h m — h 0 ) .AB .At ~ 12 302 668,8 m 3 X sec = 0,000 059 1 sec- 1 . Auf diese Weise erhielt Krapf für die Geschiebeabfuhrziffer des Rheins im betrachteten Zeitraum den Wert 0,000059 1 sec -1 . Die wenigen Male, wo man dank günstiger Voraussetzungen in der Lage war, diesen Beiwert auszurechnen, erhielt man jedoch sehr voneinander abweichende Ergebnisse. In einem Versuchsgerinne hatte Kreuter z. B. Abfuhrziffern zwischen 0,000165 und 0,000265, also das Drei- bis Vierfache errechnet. Auch war kein Weg bekannt, die Größe ip etwa unmittelbar aus den durch Siebanalysen feststellbaren Größen des Geschiebekorns zu ermitteln; man war einzig darauf angewiesen, die Abfuhrziffer auf dem angedeuteten Rechnungswege, für den viele Unterlagen erforderlich sind, empirisch abzuleiten. Angesichts der Schwierigkeit, die in einem Flusse innerhalb einer bestimmten Zeit abgeführte Gesamtgeschiebemenge zu erheben, blieb dies ein sehr unsicherer und überhaupt nur in Ausnahmefällen gangbarer Weg, der keinen Schluß auf die Verhältnisse an anderen Gewässern erlaubte. Messungen von Kurzmann an der Tiroler Ache (Beobachtungen über Geschiebe- führung, München, 1919) aber auch Beobachtungen Schaffernaks an der Sann, Mur und Erlauf (Neue Grundlagen für die Berechnung der Geschiebeführung, Wien, 1922) haben die Du BoYS-KREUTERSche Annahme nicht bestätigt, derzufolge Die bisherige Entwicklung (1er Geschiebetheorien und Geschiebebeobachtungen 65 Geschiebetrieb überall dort herrschen müßte, wo die Wassertiefe größer ist als die Grenztiefe h 0 . Es zeigt sich vielmehr eindeutig, daß auch bei fast ebener, ja sogar konvexer Sohle das Geschiebe sich in einem schmalen Streifen bewegt, der sich erst bei hohen Wasserständen über die ganze Sohlbreite auszudehnen beginnt. Gleiche Größe der Schleppkraft bedingt keineswegs auch immer den gleichen Geschiebetrieb, wenn z. B. die Wassertiefe eine andere ist. Der Schleppkraftbegriff ist daher nicht sehr geeignet, als Grundlage für die Theorie der Geschiebebewegung zu dienen und die Größe (S — S 0 ) oder (h — h 0 ) vermag kein sehr brauchbares Maß für die Größe derselben zu bilden. Unter den Forschern, die sich um eine den Tatsachen besser entsprechende Theorie in langjähriger Arbeit bemühten, ist wohl zuerst F. Schaffernak zu nennen. Sein Grundgedanke war es, den Geschiebetrieb in Beziehung zur Sohlengeschwindigkeit zu setzen: 9 = fi (»*)• (13) Schaffernak setzte weiter voraus, daß die Sohlengeschwindigkeit sich ihrerseits als Abhängige der Wassertiefe bzw. des Wasserstandes v s = h (0 bzw - v s = h ( h ) ( 14 ) aus hydrometrischen Erhebungen in der Natur ermitteln läßt. „Gelingt es, im Versuchswege für ein bestimmtes Geschiebegemisch die Beziehung (13) festzulegen, überdies an einem Flusse, der das gleiche Gemisch aufweist, die Beziehung (14) zu ermitteln, so folgt zum Schlüsse aus der Vereinigung beider Gleichungen das für den betrachteten Fluß eigentümliche Geschiebetriebsgesetz G = / 4 («) bzw. G = / 5 (Ä).“ (15) Schaffernak nahm schließlich an, zu einem Allgemeingesetz über die Geschiebeabfuhrfähigkeit jedes gegebenen Profiles kommen zu können, indem er diesen Vorgang für mehrere Flüsse mit charakteristischen Geschiebemischungen wiederholte. Zur Ermittlung der Beziehung (13) benützte er eine Versuchseinrichtung, bei welcher das Wasser in einer 1 m breiten Rinne unter der quer gestellten Abschlußwand eines Behälters hervor in dünner Lamelle (5 cm) mit bekannter Geschwindigkeit über einen Geschiebevorratsbehälter floß; die Oberfläche dieses Geschiebevorrats wurde stets bündig mit der Sohle der anschließenden Gerinneteile gehalten, da das Geschiebe auf vertikal verschiebbaren Platten ruhte, die nach Maßgabe der vom Wasser jeweils abgeführten Menge angehoben wurden. „Durch diese Vorrichtung war es möglich, den im Geschiebekörper sich entwickelnden Kolk, der je nach der Korngröße am flußaufwärtigen Ende oder mehr in der Kastenmitte ansetzte, an seiner Ausbildung zu hindern und damit dem darüberschießenden Wasser während des ganzen Versuches immer dieselben Sohlenverhältnisse zu bieten.“ Bei der geringen Tiefe des Wasserstromes konnte dessen mittlere Geschwindigkeit über den ganzen Querschnitt bzw. über die Tiefe von 5 cm als gleich angenommen und damit direkt eine Beziehung der Wassergeschwindigkeit knapp über der Sohle und dem Geschiebeabtransport ermittelt werden. In der Tat gelangte Schaffernak 66 Otto Lanser für verschiedene Typen von Geschiebegemischen, die er durch Mischungslinien kennzeichnete, zu Ergebnissen, die keine sehr starken Streuungen zeigten und das Einlegen von Ausgleichskurven ziemlich zwanglos gestatteten. Weniger gut glückte der Versuch, eine allgemeine Beziehung zwischen der Sohlgeschwindigkeit und der Wassertiefe aufzustellen. Schaffernak schnitt hiemit das insbesondere für rauhe Wandungen immer noch nicht ganz gelöste Problem der Geschwindigkeitsverteilung in den einzelnen Lotrechten eines benetzten Querschnittes an. Wenn ein solches, allgemein gültiges Gesetz bestünde, dann müßte der Weg Schaffernaks zum Ziele führen. In Wirklichkeit ist es aber wohl so, daß nicht die Sohlgeschwindigkeit von der Wassertiefe, sondern eher umgekehrt das Gesetz der Geschwindigkeitsverteilung und damit auch die Wassertiefe von der Sohlengeschwindigkeit, d. h. von der Sohlenrauhigkeit abhängen. In Gewässern, die sich auf beweglicher Sohle gesetzmäßig und ungestört ausbilden konnten, bestehen sicher zwischen Gefälle, Korngröße und damit Rauhigkeit der Bettwandungen, ferner Wassertiefe und Profilbreite gesetzmäßige Zusammenhänge; es gehört also zu jeder Sohlenrauhigkeit eine gewisse Mindesttiefe und umgekehrt, wenn sich eine gesetzmäßige Geschwindigkeitsverteilung einstellen soll; diese Voraussetzung dürfte mehr oder weniger erfüllt sein an Gewässern, die durchaus auf ihren eigenen Alluvionen abfließen und die daher in der Lage sind, sich aus ihrer Sohle jederzeit die ihrer augenblicklichen Schleppkraft entsprechenden Geschiebemengen und Korngrößen herauszuholen. An Gebirgsgewässern ist dies jedoch meist nicht der Fall, da geschiebereichere und gefällereichere Zubringer dort das Geschieberegime bestimmen. Bettrauhigkeit und Schleppkraft stehen hier nicht in einem Verhältnis gegenseitiger Bedingtheit und ebensowenig Rauhigkeit und Wassertiefe, da die grobsteinige, förmlich gepflasterte Sohle erst bei Wasserständen in Bewegung gerät, die nur selten, nämlich bei bedeutenden Hochwässern erreicht werden. Mit anderen Worten: Die Tiefe ist für die vorhandene Sohlenrauhigkeit zu klein. Die Abnahme, sozusagen die Bremsung, die die Wassergeschwindigkeit gegen die Sohle zu erleidet, ist daher viel stärker, als sie es dann wäre, wenn die Wassertiefe der Rauhigkeit entspräche; die Form der Geschwindigkeitskurve ist nach unten zu spitzer und weniger einem Rechteck angenähert, so daß auch der Mittelwert v m vom Größtwert t’ max oder von der Oberflächengeschwindigkeit v 0 stärker ab weicht. Der Versuch Schaffernaks, eine allgemeine Beziehung v s = f ( t ) herauszufinden und damit auch den Geschiebetrieb in eine gesetzmäßige Abhängigkeit vom Wasserstande zu bringen, ist daher wohl nur unter Voraussetzungen aussichtsvoll, die verhältnismäßig selten erfüllt sind. Freilich gelten auch die anderen, seither aufgestellten Formeln nur unter ähnlichen Einschränkungen, da eben ein einigermaßen gesetzmäßiger Ablauf des Geschiebeflusses überhaupt nur dann besteht und somit auch nur dann mathematisch formuliert werden kann, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt sind. Indessen vermeiden es diese anderen Formeln, einen gesetzmäßigen Zusammenhang zwischen Abfluß und Geschiebetrieb auf dem Umwege über ein an sich schon recht schwieriges Problem zu suchen, nämlich über die Frage nach der vertikalen GeschwindigkeitsVerteilung. Schaffern ak trug in einem logarithmisch geteilten Raster jeweils zusammen- Die bisherige Entwicklung STO ) und t m • J aus insgesamt 380 vollständigen Flügelmessungen des Hydrographischen Zentralbüros ein. Siebte man die Werte aus, die wegen zu großen zeitlichen Zwischenraumes oder aus anderen Gründen eine inzwischen eingetretene Veränderung der Rauhigke its Verhältnisse vermuten ließen, dann schälte sich ein Zusammenhang in der Form V S m = k • ( ■ dt - (23) Für die praktische Auswertung wird man den Integralausdruck wieder in eine Summe Z {Q — B • q 0 ) • At verwandeln. Als Beispiel für die Anwendung seiner Formeln gibt Schoklitsch die Berechnung der Geschiebeabfuhr der Donau bei Wien. Der Strom ist hier auf der einen Seite durch Tauchbuhnen geregelt, die ein Serpentinieren der Schiffahrtsrinne verhindern sollen. Über diese Buhnen wandert kein Geschiebe. Die von diesen Einbauten freie Sohlbreite beträgt 160 m, das Gefälle 0,00046, das Ersatzkorn, wie oben erwähnt, 7 mm. Damit erhält man zunächst: 0,000 019 44.7 OQOO < 7 n - -- 77 - = 3,832 nr/sec, m 0,000 46 /s und damit B ■ q Q = 613,1 m 3 /sec. Für den Ausdruck • J 3 2 = ergibt sich • 0,00046 3 /2 = 0,026103. \/d E 6 J/7 Der weitere Rechnungsgang ergibt sich dann z. B. für das wasserreiche Jahr 1910 wie folgt: Monat At 10 6 sec Q m 3 /sec i (Q — B.q 0 ) 1 m 3 /sec (Q — B . ? 0 ) • At 10 6 . m 3 Januar. 2,6784 1780 1 167 3120 Februar. 2,4192 1695 1082 2615 März . 2,6784 1525 912 2440 April. 2,5920 2 230 1617 4190 Mai. 2,6784 3585 2972 7 950 Juni. 2,5920 3 695 3082 8000 Juli. 2,6784 3065 2 452 6 560 August. 2,6784 2 545 1932 5175 September. 2,5920 2 830 2217 5 740 Oktober . 2,6784 1355 732 1960 November. 2,5920 1490 i 877 2272 Dezember. 2,6784 1625 1012 2710 Jahr 1910 . A (Q — B • q 0 ) • At = 52732 Geschiebefracht: 0,02 6 103 - 52 7 32- 10 6 in kg = 1376460 t. 70 Otto Lanser Um die Menge in Kubikmetern zu erhalten, ist vorstehendes Ergebnis noch durch das Raumgewicht des Geschiebes zu dividieren, das sich für die Donau i. M. zu 1750 kg/m 3 ergibt. Die jährliche Geschiebefracht betrug also 786500 m 3 . Unter Raumgewicht ist das Trockengewicht nach Abzug der Hohlräume zu verstehen, doch sind angesichts der gegenüber dem Schlamm so viel größeren Geschiebekörner und der im Verhältnis zum Volumen viel geringeren Oberfläche die Unterschiede zwischen Naß- und Trockengewicht und auch die Unterschiede zwischen verschieden dichter Lagerung nicht ins Gewicht fallend. Direkte Geschiebemessungen mittels Auffangkorbes, die bei verschiedenen Pegelständen später vorgenommen wurden und die Aufstellung einer Beziehung zwischen Pegelstand bzw. Wassermenge und Geschiebetrieb gestatteten, ermöglichen einen Vergleich mit der Rechnung nach Schoklitsch: Mittleres Jahr Trockenes Jahr 1921 Nasses Jahr 1910 Gerechnete Geschiebefracht. 525 500 324500 786 500 m 3 Auf Grund direkter Messungen ermittelte Geschiebefracht. 630000 343000 944000 „ Differenz in % der gemessenen Werte. 16 5 17 Wenn man berücksichtigt, daß die „gemessenen“ Werte nicht auf Grund wirklicher täglicher Messungen gewonnen wurden, sondern aus einer Bezugskurve, die bloß durch vier Meßpunkte (bei den Pegelständen 68, + 7, — 66 und — 97) festgelegt ist und daß aus dieser Relation die Geschiebefracht nicht auf Grund der einzelnen Tageswasserstände, sondern nur auf Grund der Monatsmittel gewannen wmrden, dann muß man die Übereinstimmung als hinreichend bezeichnen. Schoklitsch standen zur Aufstellung seiner Formeln nur beschränkte Möglichkeiten für eigene Versuche zur Verfügung, hauptsächlich stützte er sich auf jene des Amerikaners G. K. Gilbert. Auch für die Nachprüfung in der Natur mußte er sich mit den noch w r enig zahlreichen Messungen begnügen, die Ehrenberger 1931 an der Donau bei Wien vorgenommen hatte, die zw'ar zu den ersten direkten Geschiebemessungen gehörten und für alle weiteren richtunggebend wurden, die aber eben deshalb mit manchen, damals noch nicht völlig bekannten methodischen Fehlern behaftet w r aren. In beiden Hinsichten konnte die Versuchsanstalt für Wasserbau an der Eidg. Techn. Hochschule in Zürich unter wesentlich günstigeren Voraussetzungen arbeiten; sie verfügte über ausgedehnte versuchstechnische Möglichkeiten und konnte ihre Untersuchungen in enger Zusammenarbeit mit der flußbaulichen Praxis, nämlich mit der damaligen österreichischen Rheinbauleitung unter F. Nesper vornehmen. Auf Grund solcher eingehender Versuche, die mit dem ganzen Rüstzeug versuchstechnischer Erfahrung und naturwissenschaftlicher Forschungsmethodik vorgenommen wurden, gelangten die Schweizer zu einer neuen Formel, die durch ausgezeichnete Übereinstimmung mit den Ergebnissen direkter Geschiebemessungen am Rhein und an der Hasliaare ausgezeichnet ist; sie lautet: q 2 U . J = 17 + 0,4 g 2 l. b- 9 I* d d (24) I>ie bisherige Entwicklung der Gesehiebetheorien und Geschiebebeobachtungen 71 worin q die Abflußmenge über den Breitenmeter in kg(!)/sec, m, g den Geschiebetrieb über den Breitenmeter in kg/sec, m, d den mittleren Korndurchmesser in m (!) und J das relative Energieliniengefälle bedeutet. Die Bedingung für transport- freien Abfluß, also für q 0 , ergibt sich daraus durch Einsetzung von g — 0 zu 17. d z (25) Die ersten Versuchsergebnisse waren mit einheitlichem Korn gewonnen worden, d. h. mit solchem, das durch ein bestimmtes Sieb durchgegangen, vom nächstkleineren aber zurückgehalten worden war; die Maschenweiten der aufeinanderfolgenden Siebe verhielten sich wie 1: |/2, der maßgebende Korndurchmesser des Versuchsgeschiebes wurde demnach als das geometrische Mittel der beiden Maschenweiten definiert. Die zunächst verwendeten Geschiebe waren solche zwischen den Siebstufen 24 und 34 mm sowie zwischen 4,25 und 6 mm; die maßgebenden Korndurchmesser demnach J/ 24 • 34 = 28,6 und j/4,25 • 6 = 5,05 mm. Die spätere Ausdehnung der Versuche auf Korngemische gestattete es, die Gültigkeit der Formel auch für solche zu erweisen, wofern unter „d“ der „maßgebende Korndurchmesser“ verstanden wird, der dadurch definiert ist, daß er von 35 Gewichtsprozenten des Gemisches unterschritten wird. Im übrigen darf die Anwendung der Formel nicht in der Weise erfolgen, daß etwa aus mehreren Profilen eine verglichene Sohle ermittelt und dann mit Hilfe einer solchen durchschnittlichen Höhenlage der Sohle ein trapezförmiges Normalprofil konstruiert wird, in welchem der Abfluß über den Breitenmeter einfach durch Division des gesamten Durchflusses durch die mittlere Breite gewonnen wird. Der Weg ist vielmehr folgender: aus den Querprofilen einer Musterstrecke wird deren mittlere hypsographische Kurve ermittelt, das ist bekanntlich jene, die angibt, ein wie großer Anteil an der Gesamtfläche des Profils bis zu einer bestimmten Waagrechten erreicht ist. Mit Hilfe dieser mittleren hypsographischen Kurve w r ird dann ein „maßgebendes Profil“ gezeichnet, das dieselbe Höhengliederung besitzt und daher im allgemeinen eine gebrochene Sohle aufw r eist. Die Musterstrecke als Ganzes muß naturgemäß im Beharrungszustand sein, d. h. es darf im ganzen darin weder Verbettung von Geschiebe, also Sohlenerhöhung, noch Eintiefung stattfinden; infolge des Wanderns der Kiesbänke können sich zwar die einzelnen Profile ändern; innerhalb der ganzen Schwingung Furt-—Kolk—Furt muß aber das Sohlenvolumen konstant bleiben. Entsprechend der natürlichen Geschwindigkeitsverteilung, die mit der Wasser- tiefe gegen die Mitte zunimmt, ist in einem solchen Profil auch der Abfluß über den Breitenmeter von Stelle zu Stelle des Querschnitts verschieden; er muß für jede der senkrechten Lamellen, in die man sich den Querschnitt zerlegt denken kann, auf Grund des STRiCKLERschen Gesetzes ermittelt werden. In der Anwendung dieser Formel v — k • R ‘!3 • ,J x li (26) auf die einzelnen Lamellen, deren seitliche Begrenzungen ja nur gedacht, aber nicht materiell sind und daher nicht zum benetzten Umfang rechnen, kann R durch die 72 Otto Lanser mittlere Wassertiefe y ersetzt werden. Für den Abfluß über die Breite „Eins“ an der Stelle x, gemessen vom Ufer aus, erhält man damit: q = v • f = k • y' 3 ■ JV 2 • y • 1 = k • y :3 • J7 2 . (27) Dieser Ausdruck für q ist in die Geschiebetriebsformel einzusetzen, aus der man g auch in expliziter Form erhält. Die Integration über jenen Teil B' der Flußbreite B, in welchem q > q 0 ist, also Geschiebebewegung stattfindet, ergibt das Maß des Geschiebetriebs im ganzen Querschnitt: x = B’ G —\^g • dx = i| x = 0 ' (fh . J a .d i,2 dx \ kV 3 . y w l 9 . JV 3 a .d b b b b • dx. (28) Die Zusammenfassung der regellosen Naturprofile zu einem, aus wenigen Linienstücken zusammengesetzten „maßgebenden“ Profil gestattet es, die Querschnittsgestalt, also den Zusammenhang zwischen y und x analytisch auszudrücken, so daß das Integral sich aus werten und damit zu jedem Wasserstand der zugehörige Geschiebetrieb sich berechnen läßt. Diese „Geschiebefunktion“ ist für die Bewegung des Geschiebes in einem Flusse dasselbe, was die Pegelschlüsselkurve für die Bewegung des Wassers ist: beide geben den Zusammenhang der Transportmenge mit dem Wasserstande an. Aus der Kombination der Geschiebefunktion mit der Pegelstandsdauerlinie läßt sich daher in gleicher Weise wie die Wassermengen- auch eine Geschiebemengen-Dauerlinie entwarfen, aus der durch Planimetrierung die Geschiebefracht 27 G über ein ganzes Jahr oder über beliebige Teilzeiträume ermittelt werden kann. Die weitere rechnerische Durchführung, die einige mathematische Kunstgriffe erfordert, kann im einzelnen hier nicht näher dargelegt werden; dies liefe auf eine bloße Wiederholung der ersten Veröffentlichung des Verfahrens in der Schweizer Bauzeitung hinaus, auf die daher hier als Quelle verwiesen werden muß. Die Geschiebeberechnung am Rhein benützte aber neben dem, aus einer längeren Musterstrecke gemittelten, „maßgebenden“ Profil auch das im Meßquerschnitt bei der Brugger Straßenbrücke vorhandene Naturprofil als Vergleichsgrundlage; dieser im Beharrungszustand befindliche Querschnitt ist durch eine waagrechte Sohle ausgezeichnet, so daß die Geschiebeberechnung sich hier auf unmittelbare Anwendung der Formel (24) beschränken kann. Die Gleichung (24) gibt einen funktionalen Zusammenhang zwischen vier Veränderlichen, nämlich: dem Wasserabfluß je Breitenmeter, dem Geschiebetrieb, dem mittleren Korndurchmesser und dem Energieliniengefälle. Die Art des durch diese Gleichung gegebenen Zusammenhanges ist jedoch, zumal zwei der Veränderlichen mit gebrochenem Exponenten aufscheinen, ziemlich undurchsichtig; sie läßt sich auch nicht unmittelbar graphisch versinnbildlichen, da hiezu bei vier Veränderlichen ein vierdimensionales Achsenkreuz erforderlich wäre. Es bleibt also nur übrig, unter Festhaltung jeweils einer Veränderlichen, also z. B. für gegebenes d oder J aus der Gesamtfunktion jeweils einen dreidimensionalen Zusammenhang herauszuschälen; mit Hilfe von Kurvenscharen, die — genau genommen — nichts Die bisherige Entwicklung der Geschiebetheorien und Geschiebebeobachtungen 73 anderes sind, als die Schichtenlinien einer räumlich gekrümmten Fläche, läßt sich dann ein solcher Zusammenhang in einer Zeichenebene abbilden. 6ß SO m 121 nt tf/rnsu. 9 Bild 2. Unter der Annahme ebener Sohle ist in Abb. 2 je eine solche Teilfunktion g = /i ( q) für d — konst. und g = f 2 ( q) für J = konst. dargestellt. Die Entwicklung der Methoden der direkten Wassermessung war der Aufstellung von Abflußformeln naturgemäß vorhergegangen, da diese Formeln ja erst auf der Grundlage des Beobachtungsmateriales auf gebaut werden konnten. Auf dem Gebiete der Geschiebeforschung war der Entwicklungsgang jedoch umgekehrt; wegen der großen Schwierigkeiten unmittelbarer Geschiebemessungen versuchte man, rein von der theoretischen Seite her der Aufgabe näherzukommen; zur Nachprüfung der spekulativen Entwicklungen standen bloß jene wenigen Fälle zur Verfügung, in denen aus Deltavermessungen oder aus Profilaufnahmen von Auflandungsstrecken, in denen die gesamte Geschiebefracht eines bestimmten Zeitraumes zur Ablagerung und Verbettung gelangt ist, die beförderten Geschiebemengen einigermaßen bekannt waren. Die Methoden der unmittelbaren Geschiebemessung sind erst in den dreißiger Jahren an der Donau und am Inn entw ickelt und dann besonders am Rhein dank der Parallelversuche im Zürcher Flußbaulaboratorium ausgebaut und vervollkommnet worden. Das an diesen Flüssen zur unmittelbaren Messung verwendete Gerät, der Geschiebefänger, besteht im wesentlichen aus einem prismatischen Eisenrahmen, dessen Seiten mit Drahtgeflecht zum Auffangen der Geschiebekörner bespannt sind, mit Ausnahme natürlich der offenen Vorderseite, durch die das Geschiebe in den Fangkorb eintritt. Die Abmessungen des Gerätes betrugen: 74 Otto Lanser am Inn (Mühlhofer) am Rhein (Nesper-V ersuchsanstalt) Breite. 0,25 m 0,50 m Länge. 0,45 „ 1,00 „ Höhe. 0,135,, 0,25 „ Ein Tiefensteuer bzw. Bleigewichte sichern ein gutes Anliegen der Eintrittskante auf der Flußsohle, von dem sich der Beobachter mit Hilfe elektrischer Bodentaster überzeugen kann. Genau wie bei Wassermengenmessungen werden nun mit diesem Fanggerät vollständige Durchmessungen des Flußquerschnitts vorgenommen, wobei die Entfernung der Meßlotrechten am Inn bei Kirchbichl zu 2 — 4 m gewählt wurde. Die Auftragung der eingefangenen Menge in kg/sec in den einzelnen Lotrechten liefert durch die Verbindung der so erhaltenen Endpunkte eine Kurve, die der V m • üKurve bei Wassermessungen entspricht und deren Planimetrierung den sekundlichen Geschiebetrieb im gesamten Querschnitt ergibt. Soweit bieten sich keine grundsätzlichen Schwierigkeiten; diese erheben sich erst mit der Frage, ob die im Korb innerhalb einer bestimmten, abgestoppten Zeit gefangene Geschiebemenge gleichzusetzen ist dem an dieser Stelle tatsächlich herrschenden Geschiebetrieb oder in welchem Verhältnis sie dazu steht, mit anderen Worten, wieviel Prozent des an der betreffenden Stelle laufenden Geschiebes mit dem Fänger tatsächlich eingefangen werden. Die Schwierigkeit besteht darin, daß wir, „streng genommen, das Fangergebnis mit jenem Geschiebetrieb vergleichen müssen, der sich eingestellt hätte, wenn der Fänger nicht dagewesen wäre, also mit dem ungestörten Trieb“ (Einstein, S. B. Z. 1937, Oktober, S. 167). Diese Aufgabe aber konnte nur im Versuchsgerinne gelöst werden. Sowohl am Inn wie auch zunächst am Rhein zeigte sich eine fast übereinstimmende Abhängigkeit des Fangergebnisses von der Fangdauer in der Art, daß mit deren Zunahme das Ergebnis verhältnismäßig abnahm. Mühlhofer konstruierte daraus eine Eichkurve des Fängers, die zu jeder Dauer den zugehörigen Wirkungsgrad des Geräts bzw. den wirklichen Geschiebetrieb zu entnehmen gestatten sollte. Im Zürcher Versuchsgerinne konnte jedoch eine solche Abhängigkeit von der Zeit nicht beobachtet werden. Es gelang auch, diesen Widerspruch dahingehend aufzuklären, daß die Elastizität der Aufhängung des Geräts im natürlichen Fluß eine Schürfwirkung des Fängers erzeugt, so daß er in Ruhe befindliches Geschiebe aus der Flußsohle aufschürft und einfängt. Nach Beseitigung dieses Gerätefehlers konnte mit einem von der Fangdauer unabhängigen Wirkungsgrad des Fängers gerechnet werden, den die Zürcher Versuche im Mittel zu etwa 45% ergeben hatten. Bei allen Messungen zeigten sich ferner Schwankungen in der Stärke des Geschiebetriebs an ein und derselben Stelle, die z. B. am Rhein Wellen von etwa zweistündiger und solche von nur wenigen Minuten Schwingungsdauer erkennen ließen. Zur Bildung eines zutreffenden Mittelwertes ist es daher erforderlich, so viele Messungen nacheinander an derselben Stelle vorzunehmen, daß die Fangdauer die ganze Schwingungszeit umfaßt; in den Lotrechten mit dem stärksten Die bisherige Entwicklung der Geschiebetheorien und Geschiebebeobachtungen 75 Trieb, die also für das Gesamtergebnis am ausschlaggebendsten waren, mußten deshalb bis zu 30 Messungen nacheinander vorgenommen werden. Die Entwicklung von Methoden zur unmittelbaren Geschiebemessung ist nicht nur deshalb wichtig, weil allein durch sie dieser Naturvorgang auch quantitativ in einwandfreier Weise verfolgt werden kann, was beispielsweise für die Ermittlung der Verlandungsdauer von Speicher- und Staubecken unerläßlich ist; sie führte darüber hinaus auch zur grundsätzlichen Erkenntnis von der Existenz einer Geschiebefunktion in allen jenen Fällen, in denen ein Fluß auf seinen eigenen Alluvionen genügend lang fließt und somit in der Lage ist, sich das seiner jeweiligen Wasserführung nach Menge und Korngröße entsprechende Geschiebe anzueignen; ferner zur Erkenntnis, daß dort kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Wasserführung und Geschiebeführung besteht, wo, wie z. B. am Inn, diese Voraussetzung nicht erfüllt ist. Im ersteren Falle bildet die unmittelbare Geschiebemessung die Voraussetzung für die Anwendung der Geschiebetriebsformeln; im letzteren wird man mit ihrer Hilfe wenigstens jene Grenzen mit einiger Sicherheit zu erkennen vermögen, innerhalb deren die bei flußbaulichen Aufgaben gesuchten Größen und Bestimmungsstücke liegen müssen. Die auf S. 71 bis 72 angegebenen Formeln geben die Beziehungen wieder, die zwischen den folgenden sechs Größen herrschen: Geschiebetrieb bzw. jährliche Geschiebefracht, Querprofil, Rauhigkeit, maßgebender Geschiebedurchmesser und Wasserführung bzw. jährliche Wasserfracht. ,,Es ist einzusehen, daß aus der Beziehung zwischen diesen sechs Variablen jede beliebige von ihnen, so insbesondere das Gefälle berechnet werden kann, wenn die fünf anderen gegeben sind. Die explizite Ermittlung des Gefälles ist allerdings nicht möglich, weshalb man so vorzugehen hat, daß für verschiedene angenommene Gefälle die jeweils zugehörige Geschiebefracht berechnet wird. Man erhält dann durch Aufzeichnung der Ergebnisse eine Kurve: Geschiebefracht in Funktion des Gefälles, woraus das der gegebenen Fracht zugehörige, bzw. bei einem bestimmten Querschnitt zu ihrer Beförderung erforderliche Gefälle ermittelt wird“ (S. B. Z., 1935/1, S. 109). Meist wird die Aufgabe in der Form gestellt sein, jenen Querschnitt ausfindig zu machen, der in der Lage ist, bei einem gegebenen Gefälle oder bei einer als zulässig oder wünschbar erachteten Gefälleänderung die gegebene Geschiebefracht zu befördern. Es ist also unter Umständen die Berechnung der obigen Funktion (Geschiebefracht in Abhängigkeit vom Gefälle) für andere Querschnittsformen zu wiederholen, bis jenes Profil gefunden ist, das den Bedingungen der gegebenen Geschiebefracht und des gegebenen oder gewünschten Gefälles entspricht. Mathematisch ausgedrückt heißt dies, man erhält eine Schar von Kurven (Abb. 3), deren jede einer bestimmten Querschnittsform entspricht. Von diesen wird im allgemeinen nur eine den gestellten Bedingungen genügen. „Bei Gleichgewichtszustand der Sohle, wobei also weder Abtrag noch Erhöhung auftritt, begründet die Geschiebeführung nach Menge und Korngröße einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Längsprofil und dem Querprofil. Bei gegebener Geschiebeführung gibt es mit praktisch unbedeutenden Variationsmöglichkeiten nur ein Querprofil, das mit einem gegebenen bzw. anzustrebenden Längsprofil vereinbar ist und umgekehrt wird das Längsprofil durch die Wahl des Querprofils zum voraus Technikgeschichte, 15. Heft. 6 76 Otto Lanser festgelegt. Ist das Querprofil unrichtig gewählt, dann ist deshalb kein Erfolg der Regulierungsarbeiten möglich, weil das angestrebte Längenprofil in diesem Falle vom Fluß nicht eingehalten werden kann“ (S. B. Z. 1935/1, S. 95). Für diese Berechnungen muß nun aber die tatsächliche Geschiebefracht an einer Stelle des Flußlaufes bekannt sein und eben zu dieser Kenntnis gelangen wir nur durch direkte Geschiebebeobachtungen mittels Fanggerätes in einer Musterstrecke, deren Geschiebefracht allerdings nur dann für die Berechnung des künftigen gegebenes bzw. angestrebtes (jefälle Gefälle , die mit den natürlichen Gegebenheiten oder mit dem Projektszweck unvereinbar sind ; die zugehörigen Querschnitte A BD f sind daher unbrauchbar. Bild 3. Längenprofils maßgebend sein kann, wenn sie selbst durch die geplante Korrektion keine Änderung erleidet. Anderseits muß sich die Berechnung des neuen Längenprofils auf irgendeinen Fixpunkt stützen können, dessen Höhenlage sich nicht ändert und unabhängig ist von der Zu- oder Abnahme der von den oberen Strecken kommenden Geschiebeführung. Solche Festpunkte bilden die Mündung in einen See oder in einen größeren Vorfluter, der das zugeführte Geschiebe restlos und ohne Bildung eines Staurückens abzuführen imstande ist oder aber — und das ist der häufigste Fall — eine Felsschwelle, Stromschnelle oder eine Barre aus flußfremdem, schwererem Geschiebe, in das sich der Fluß nicht einzutiefen vermag, so daß hier seine Sohle stabil bleibt. Von solchen Festpunkten wird nicht nur die Korrektion selbst, sondern auch die Die bisherige Entwicklung der Geschiebetheorien und Geschiebebeobachtungen 77 Berechnung des neuen Längenprofils auszugehen und flußaufwärts fortzuschreiten haben. Die Musterstrecke aber soll oberhalb der Baustrecke an jener Stelle liegen, ,,bis zu der sich der Einfluß der Korrektion gerade noch bemerkbar macht oder wo er zum mindesten nur mehr geringe Änderungen verursacht“. Die Tatsache, daß die Flüsse im Haushalt der Natur auch als Transportbänder zur Abfuhr gewaltiger Massen von Feststoffen dienen, ist für alle wasserbautechnischen Maßnahmen und Eingriffe von größter Bedeutung. Man hat daher, wie die vorausgegangenen Ausführungen zeigten, schon vor Jahrzehnten versucht, diesen Vorgängen messend und rechnend näher zu kommen und Theorien aufgestellt, die es ermöglichen sollten, die Wirkung technischer Eingriffe auf den Geschiebehaushalt vorher zu berechnen. Man ging dabei zunächst so vor, daß man auf Grund rein spekulativer Erwägungen Formeln auf stellte und dann durch Messungen in der Natur jene Koeffizienten und Beiwerte zu ermitteln suchte, die in den Formeln vorkamen. Die Zulässigkeit solcher a priori getroffener Annahmen wurde durch den Versuch aber vielfach nicht bestätigt. Die „Festwerte“, die man gemessen zu haben glaubte, waren daher vielfach nur fiktive Größen und entbehrten eines physikalischen Sinnes, so daß sie untereinander unvergleichbar und für die technische Auswertung unverwendbar blieben. Erst allmählich entwickelte man aus den Versuchen selbst die Methode; man lernte die großen meßtechnischen Fehlerquellen zu erkennen, die die Ergebnisse weitgehend gefälscht hatten, sowie jene methodischen und grundsätzlichen Schwierigkeiten einigermaßen zu meistern, die die Ursache dafür sind, daß eine Theorie der Geschiebeführung nicht deduktiv auf Annahmen und Spekulation, sondern nur induktiv auf der Beobachtung und dem Versuch auf gebaut werden kann. Österreich hatte lange Zeit auf dem Gebiete.der Geschiebeforschung eine führende Stellung inne. Möge der Bau großer Flußkraftwerke, der ohne Beherrschung des Geschiebeproblems unerwünschte, ja gefährliche Auswirkungen bringen könnte, bei uns wieder den Anlaß zu neuen, erfolgreichen Forschungen bieten, zu denen dank des Zusammenwirkens der beteiligten Stellen an der Enns und am Inn schon ein erfreulicher Auftakt gegeben wurde. Schrifttum. Abkürzungen: W. W. , . . Die Wasserwirtschaft, Wien. W. K. W. W. . . . Wasserkraft und Wasserwirtschaft, München. Ö. W. Ö. B. ... Österreichische Wochenschrift für den öffentlichen Baudienst, Wien. S. B. Z. ... Schweizerische Bauzeitung. F. Kreuter, Der Flußbau, Handbuch der Ing.-Wisschft., VI. Bd., 1. Abschn., Leipzig 1910. A. Schokxitscii, Über Schleppkraft und Geschiebebewegung, Leipzig 1914. Pii. Krapf, Die Schwemmstofführung des Rheins und anderer Gewässer, Ö. W. Ö. B. 1919, Heft 48—50. S. Kurzmann, Beobachtungen über die Geschiebeführung, München 1919. F. Schaffernak, Neue Grundlagen für die Berechnung der Geschiebeführung in Flußläufen, Wien 1922. A. Schoklitsch, Geschiebebewegung in Flüssen und an Stauwerken, Wien 1926. J. Donat, Über Sohlangriff und Geschiebetrieb, W. W. 1929, S. 451. 78 Otto Lanser: Entwicklung der Geschiebetheorien und Geschiebebeobachtungen R. Ehrenberger, Direkte Geschiebemessungen an der Donau bei Wien, W. W. 1931, Heft 34. R. Ehrenberger, Zur Frage der Kennzeichnung von Flußgeschieben, W. W. 1931, Heft 17 und 18. R. Ehrenberger, Geschiebemessung an Flüssen mittels Auffanggeräten und Modellversuche mit letzteren, W. W. 1932, Heft 33 und 36. G. Strele, Die Geschiebequellen der Bäche und Flüsse, S. B. Z. 1932, Nr. 18 und 19. L. Mühlhofer, Untersuchungen über die Schwebstoff- und Geschiebeführung des Inn nächst Kirchbichl, W. W. 1933, Hefte 1—6. A. Schoklitsch, Der Geschiebetrieb und die Geschiebefracht, W. K. W. W. 1934, Heft 4. E. Meyer-Peter, H. Favre, H. A. Einstein, Neuere Versuchsresultate über den Geschiebetrieb, S. B. Z. 1934, Nr. 13. E. Meyer-Peter, H. Favre, R. Müller, Beitrag zur Berechnung der Geschiebeführung und der Normalprofilbreite von Gebirgsflüssen, S. B. Z. 1935. E. Meyer-Peter, H. Favre, R. Müller, Die internationale Rheinregulierung von der Illmündung bis zum Bodensee. — I. K. Böhi, Der heutige Zustand des Rheins usw. — II. E. Meyer-Peter, E. Hoeck, R. Müller, Beitrag der Versuchsanstalt für Wasserbau an der E.T.H. Zürich zur Lösung des Problems. — III. F. Nesper, Ergebnisse der Messungen ü ber die Geschiebe- und Schlammführung des Rheins an der Brugger Rheinbrücke. —-IV. H. A. Einstein, Die Eichung des im Rhein verwendeten Geschiebefängers. — V. R. Müller, Überprüfung des Geschiebegesetzes und der Berechnungsmethode der Versuchsanstalt für Wasserbau an der E. T. H. mit Hilfe der direkten Geschiebemessungen im Rhein. — C. Jegher, Vom Rheindelta in der Fussacher Bucht. S. B. Z. 1937, Bd. 109 (I. und II.) und Bd. 110 (III., IV. und V.). H. A. Einstein, Der Geschiebetrieb als Wahrscheinlichkeitsproblem. — G. Polya, Zur Kinematik der Geschiebebewegung, Mitteilung der Versuchsanstalt für Wasserbau in Zürich 1937, auszugsweise in S. B. Z. 1937, Bd. 110, S. 167. G. Polya, Untersuchungen in der Natur über Bettbildung, Geschiebe- und Schweb- stofführung, Mitteilung Nr. 33 des Amtes für Wasserwirtschaft, Bern 1939. R. Ehrenberger, Geschiebetrieb und Geschiebefracht der Donau bei Wien auf Grund direkter Messungen, W. K. W. W. 1942, Heft 12. J. Fritsch, Das Rheindelta im Bodensee, Jahresbericht 1942 der gemeinsamen Rheinkommission. Die Geschichte der Technik als Lehrmeisterin. Von Ministerialrat i. R. Dipl. Ing. Eduard Merlicek. „Warum ich zuletzt am liebsten mit der Natur verkehre, ist, weil sie immer recht hat und der Irrtum bloß auf meiner Seite sein kann. Verhandle ich hingegen mit Menschen, so irren sie, dann ich, auch sie wieder und immer so fort, da kommt nichts aufs reine; weiß ich mich aber in die Natur zu schicken, so ist alles getan.“ Goethe. Ein großer Gewinn der Technikgeschichte sind die Anhaltspunkte, die sie uns für die Lösungen zahlreicher technischer Probleme gibt — Lösungen, die wir auf anderen Wegen gar nicht zu finden vermögen. Wer hätte z. B. daran gedacht, für die Wasserversorgung der Stadt Wien ferngelegene Hochquellen zu verwenden, wenn nicht das Vorbild des alten Roms vorhanden gewesen wäre! Kompliziert und einer theoretischen Lösung schwer zugänglich sind auch die vielfachen Probleme, die mit den Gewässern Zusammenhängen, mit ihren Grundwässern, mit dem Klima usw. Wird hier die Technikgeschichte außer acht gelassen, so kommt es zu schweren Mißgriffen, wie wir sie z. B. an zahlreichen neuzeitlichen Flußregulierungen beobachten können. Ein besonders krasser Fall der Abhängigkeit eines Problems von der Technikgeschichte soll im folgenden dargestellt werden. Die Leitha und der Neusiedler See. Die Leitha war einst der Grenzfluß zwischen Österreich und Ungarn. Nur die beiden Ursprungsarme, die Schwarza und die Pitten, die sich südlich von Wiener Neustadt vereinigen, gehörten schon immer zu Österreich. Im Mittellauf bildete die Leitha auf große Strecken die Grenze, streckenweise sprang sie wieder auf österreichischen Boden über, und in kleineren Strecken gehörte sie wieder ganz zu Ungarn. Bei Gattendorf trat sie endgültig auf ungarisches Gebiet über. Seit dem Anschlüsse Westungarns, des später sogenannten Burgenlandes, gehörte die Leitha fast zur Gänze zu Österreich, nur wenige Kilometer vor der Einmündung in die Donau lagen in Ungarn. Diesen komplizierten Grenzverhältnissen ist es wohl vor allem zuzuschreiben, daß wir an der Leitha noch heute jenen mehr oder weniger natürlichen Zustand 80 Eduard Merlicek vorfinden, wie ihn unsere Altvorderen hinterlassen haben. Nur streckenweise ist das Flußbett eingedämmt. Im übrigen finden wir häufig nach einer frühen, schon im Altertum bekannten Bauweise Seitenarme abgezweigt, die als Zubringer für die Bewässerung ausgedehnter Ländereien noch heute ihren vorzüglichen Dienst versehen, nebenbei aber auch als Hochwasserentlastung zu betrachten sind. Derartige Anlagen finden wir in der Umgebung von Wiener Neustadt, der „Neustadt“, wie sie früher hieß, einer Neugründung für die aufgelassene Grenzfeste „Pütten“. Hier in der „Newenstadt“ hatten die österreichischen Herzoge wiederholt ihren Sitz, besonders, wenn es galt, sich gegen die kriegerischen Angriffe der Ungarn zu rüsten, und dies mag der Grund dafür gewesen sein, daß man dem unfruchtbaren Steinfeld eine erhöhte Aufmerksamkeit zuwendete. Von alters her zweigt aus der Schwarza oberhalb Neunkirchen der Kehr hach ab, der in seinem 24 km langen Lauf künstlich verzweigt ist und ausgedehntes Wiesenland bewässert. Friedrich III., der durch lange Zeit in Neustadt residierte, hat diesem Flusse durch Aushebung eines neuen Grabens (Bachstatt) einen besseren Lauf gegeben und 1453 hierüber eine eigene Urkunde ausgestellt, in der es unter anderem heißt, daß der Kaiser „oberhalb be3 ©ügfTübef einen neuen ©rabett über ba§ tmfene Stamfetb, ba feine miffmab nocf) anber§ §u mäffern tigt, auf feine Soften machen taffen, um bag in fünf fügen feiten bagfelb maffer baburcf) I)erab in feinen Tiergarten unb in bie SSorftabt rinnen foil, mie eg bet) feinen Korbern aucf) getoefen ift. £oT foil ben miffmabern ber alt ©rabett nacf) alt t)erfomen nicf)t abgenomen fetyn, fonbern bag bie Sent ang betnfelben alten ©rabett Tr tüiffmab mäffern mögen, alg offt eg not ift unb non alter fjerfomen ift, boT baff bie Sent bagfelb maffer betoaljren, bamit eg fferab niTt in bie toeege, noT in bie ©räben ber Sßorftatt ju fcfjaben flieffe, fonbern in ifjren toifen 93el)alten unb SSetoafjren füllen." usw. Aus Boeheims Chronik von Wr. Neustadt 1 . Aus diesem Wortlaut geht schon ein zweifacher Wert des Kehrbaches hervor, die Wiesenbewässerung und die Versorgung eines Teiles der Neustadt mit Nutzwasser. Die Hochwasserentlastung der Schwarza und somit auch der Leitha war dem Gerinne von Natur aus eigen. Fügt man hiezu noch die später zugebaute Wasserversorgung des Wiener-Neustädter Ivanales sowie die Verwertung des Kehrbaches zur Holzschwemme in diesen Kanal, und bedenkt man, daß schließlich das verbleibende Überschuß-wasser noch in die wasserarme Fischa münden konnte, um hier eine Anzahl Mühlen und sonstige Wasserwerke zu versorgen, so kann wohl gesagt werden, daß die Ivehrbachanlage ein Musterbeispiel vielseitiger Wasserwirtschaft abgibt. Der gleiche Grundgedanke, überschüssiges Wasser abzuleiten und nach Möglichkeit nutzbar zu machen, zeigt sich auch dort, wo es besonders darauf ankam, die Hochwassergefahr zu vermindern. So erfahren wir beispielsweise durch die bereits angeführte Chronik, daß „im Jahre 1806 oberhalb Neudörfel zum Schutze und zur Erhaltung der auf dieser Strecke, dann unterhalb dieses Ortes an beiden Ufern des Leithaflusses liegenden Orte und Gründe, die schon im Jahre 1804 als notwendig erkannten Durchschnittskanäle auf Kosten der beiden Länder 1 Boeheim Wendelin, Ferdinand Karl Boeheims Chronik von Wr. Neustadt, Wien 1863. Die Geschichte der Technik als Lehrmeisterin 81 Österreich und Ungarn gegraben, der Untersuchung über die diesfällige Bau- t'ührung durch die Abgeordneten der n.-ö. Herrenstände und die Deputation des ödenburger Komitates am 21. Oktober 1806 gepflogen, hierüber eine Mappe ausgefertigt und über die gemeinschaftliche Erhaltungspflicht eine Vergleichs-Urkunde errichtet“ wurde. (Ein Überrest dieses Kegulierungswerkes dürfte der bei Katzelsdorf beginnende Kleine Kehrbach sein, der noch heute einige kleine* Wasserwerke betreibt und sodann als Speisegraben in den Wr.-Neustädter Kanal einmündet.) Solche Teilregulierungen konnten Überschwemmungen nicht bannen, und so sehen wir auch hier die Leitha im Jahre 1813 wieder aus ihren Ufern treten und die Umgebung bis nach Wr. Neustadt in einen ungeheuren See verwandeln. Die Nachrichten von Überschwemmungen setzen sich bis in unsere Tage fort, denn es ist ja seither, wie schon erwähnt, nicht viel geschehen, eine wirksame einheitliche Hochwasserregulierung ist Dis heute noch immer nicht durchgeführt worden. So ist anfangs Juli 1926 der Damm am rechten Ufer der Leitha in der Nähe von Katzelsdorf durchrissen und die Futterernte einer weiten Strecke vernichtet worden — um nur ein Beispiel anzuführen. Besonders notleidend sind aber die Anrainer des Unterlaufs, die Gemeinden Gattendorf, Zurndorf, Deutsch- .lahrndorf und Nickelsdorf. Hier tritt die Leitha in eine weite, fruchtbare Niederung und macht gleichzeitig eine beträchtliche Gefällsverminderung durch. Die natürliche Folge dieser Gefällsverminderung ist eine erhöhte Geschiebeablagerung, Versandung und Verschlemmung des Flußbettes und eine Verringerung des Abflußvermögens. Zu diesem an sich ungünstigen Umstande kommt noch ein zweiter: die Einmündung der bei Gattendorf abgezweigten Kleinen Leitha, die in ihrer Endstrecke auch ein größeres Gefälle aufweist als die Leitha, also ebenfalls einen Gefällsbruch erleidet und daher gleichfalls bei verminderter Durchflußgeschwindigkeit ihr Geschiebe in der gefährdeten Flußstrecke absetzt. Unter solchen Umständen ist es erklärlich, daß die Leitha an der Einmündung ihres Armes häufig aus den Ufern tritt. Zu Zeiten der ungarischen Verwaltung ist zwar als Entlastungsgerinne der Komitatskanal erbaut worden. Diese Maßnahme hat sich aber ebenso als unzureichend erwiesen wie frühere und spätere Teilregulierungen der Leitha. Fast regelmäßig treten in der Leitha im Mai Hochwässer auf, die sich zwischen 50 und 100 m 3 /s bewegen und mehrere Tage, mitunter wochenlang, an- halten. Das Abflußvermögen der Leitha beträgt aber bei Nickelsdorf, einschließlich des Komitatskanals, höchstens 70m 3 /s. 2 Die über dieses Maß reichenden Wassermengen treten über die Ufer. Der Rückstau reicht flußaufwärts bis Gattendorf und nordwärts bis Deutsch-Jahrndorf. Häufig gibt es auch im September größere Hochwässer, dazwischen mitunter auch im Juli, so daß in manchen Jahren das große Gebiet Gattendorf—Zurndorf den ganzen Sommer über aus den Überschwemmungen nicht herauskommt. 2 Zur Zeit wird noch an einer Teilregulierung der Leitha bei Gattendorf, Zurndorf, Xikoisdorf gearbeitet. In diese Teilregulierung ist auch der Komitatskanal einbezogen, und es soll mit Einbeziehung dieses Kanals ein Hochwasserdurchfluß von 95 m 3 /s ermöglicht werden. 82 Eduard Merlicek Die landläufigen Flußregulierungen bestehen hauptsächlich in Durchstichen an den Flußkrümmungen. Dadurch wird eine Verkürzung der Flußläufe, eine Erhöhung des Gefälles und damit eine Vergrößerung der Abflußgeschwindigkeit hervorgerufen. Wohl wird also das Abfluß vermögen des Gewässers vergrößert und somit die Überschwemmungsgefahr vermindert, aber die Methode führt anderseits zu einer Senkung des Grundwassers und zu einer Verödung des Tales bei Niederwasser. Eine zu starke Streckung des Flußlaufes, wie sie leider in den meisten Fällen vorkam, ist ganz wider die Natur der Gewässer und mußte daher von schädlichen Auswirkungen begleitet sein. Bei solchen Flußregulierungen hat man offenbar nur an den Schaden gedacht, den uns das Wasser bringen kann, nicht aber an den Nutzen, daher trachtete man, das Wasser so schnell wie möglich abzuführen. Die Natur hat es hingegen mit der Abfuhr des Wassers durchaus nicht eilig. Durch gemächliches Dahinfließen in zahlreichen Serpentinen wird dem Wasser allenthalben Gelegenheit zur Versickerung geboten; so wird der Grundwasserstrom gespeist, und in wasserarmer Zeit wird wieder umgekehrt aus den unterirdischen Wasservorräten entnommen. Mitunter werden auch oberirdische Speicher in der Form von Seen oder Teichen eingeschaltet, oder es werden Arme abgeschieden, wenn der Flußlauf zur Aufnahme des Hochwassers nicht mehr hinreicht, kurzum, es gibt von Natur aus kein nutzloses Dahin jagen der Wassermassen, wie es die neuzeitlichen Flußregulierungen gebracht haben. An dem Beispiel der Theiß haben wir schon gesehen, daß eine allzu gründliche Flußregulierung doch wieder unter Anwendung großer Geldmittel mit Speichern und Bewässerungsanlagen ergänzt werden muß. Derartige Nachträge sollten in der Zukunft durch die Anwendung geeigneter natürlicherer Mittel vermieden werden. Die alten Baumaßnahmen, die wir an der Leitha vorfanden, sind naturgemäß und daher durchaus gesund, leider aber unzureichend. Vor einer modernen, radikalen Regulierung ist dieser Flußlauf bisher zum Glück verschont geblieben. Wie der ständigen Hochwassergefahr abzuhelfen wäre, wollen wir im Zusammenhänge mit einer Regulierung des Neusiedler Sees besprechen. Der Neusiedler See. „Ich kenne beinahe alle Seen des Kontinents; nicht immer war mein Auge so trunken wie hier an diesem Steppensee, dessen Landschaft schon übergeht in die endlose Weite der ungarischen Pußta!...“ So schreibt ein Kenner des Neusiedler Sees in einer kleinen Abhandlung, genannt „Das Meer der Wiener“, in der Thüringer Allgemeinen Zeitung vom 27. März 1938. Wir stellen diese Bemerkung an die Spitze unserer Betrachtung, weil sie einerseits den überwältigen Anblick dieses Seewunders in so kurzen und treffenden Worten wiedergibt, und weil sie anderseits ein Beleg dafür ist, daß seine Bewunderung schon weit über einen lokalen Interessentenkreis hinausreicht., Tatsächlich könnte der Neusiedler See das Ziel der Europareisenden sein, denn er ist ein europäisches Lnikum, ein abflußloser Salzsee, wie er sonst nur in Innerasien vorkommt. Die Flora und die Fauna zeigen seine asiatische Verwandtschaft deutlich. Die Geologen bezeichnen ihn als Überrest eines weit größeren Binnen-Meeres, das einst das ganze Donaubecken einnahm. Er ist aber dessen ungeachtet noch immer so groß, daß er, von Neusiedl a/See der Länge nach Die Geschichte der Technik als Lehrmeisterin 83 betrachtet, bis an den Horizont eine endlos scheinende Wasserfläche, also den Anblick des Meeres darbietet. Aber nicht nur als Sehenswürdigkeit zur Anziehung des Fremdenverkehrs ist der Neusiedler See hervorragend. Von größter Bedeutung ist die Einwirkung der großen Wasserfläche auf das Klima. Vermöge seiner freien, offenen Lage ist das Seegebiet allen möglichen rauhen Winden ausgesetzt. Besonders die vollständig ebene südöstliche Umgebung des Sees ermöglicht den Eintritt eines warmen, trockenen Windes, der aus der niederungarischen Tiefebene herüberstreicht. Dieser Wind hat eine ausdörrende Wirkung, die sich östlich des Seewinkels noch sehr gut beobachten läßt. Hier herrscht Steppenklima, und selbst Anpflanzungen mit Akazie, der genügsamsten aller Baumpflanzen, sind an einzelnen Straßenzügen bei Frauenkirchen und St. Andrä mißlungen. Indem aber der Wind über die große Wasserfläche des Neusiedler Sees streicht, nimmt er hier reichlich Wasserdunst auf; aus dem trockenen Steppenwinde wird ein feuchtwarmer Lu ft ström, der für die gesamte Vegetation des weiteren Umkreises von außerordentlich günstiger Wirkung ist. Schon an dem kühleren Westufer des Neusiedler Sees fällt ein Teil des Wasserdunstes als Tau nieder. Der Wind streicht aber weiter, überquert das offene Wulkatal und bricht sich am Fuße des Leithagebirges, wo er abermals Feuchtigkeit abgibt. Diesem feuchtwarmen Luftstrom verdanken ausgedehnte Weingüter ihr prächtiges Gedeihen. Wir wollen aus ihrer Reihe nur sprungweise die markantesten Punkte herausgreifen: Wolfs, Ödenburg, Kroisbach, Rust, Eisenstadt, Breitenbrunn. Und noch eine zweite bedeutsame Wirkung hat der Neusiedler See. Durch einen ausgiebigen Wärmeausgleich verhütet er in den Übergangszeiten, im Frühling und Herbst, die Morgenfröste, die sonst unter den gleichen Breitegraden dem Weinbau oft so schädlich werden. Daher kann der Wein am Neusiedler See frühzeitig seine Blüte ansetzen und unter der Sonnenwärme des Oktobers länger ausreifen. Daher sein hoher Zuckergehalt und seine edle Qualität. Unter dem günstigen Klima gedeihen auch viele Arten von Frühobst und Frühgemüse, die jährlich zu Zehntausenden von Zentnern nach Wien gehen, wie uns die bezügliche Statistik zeigt, dann der in den IMittelmeerländern einheimische echte Majoran (Origanum) und die Edelkastanie. Unter den sonstigen Nutzpflanzen, die von dem Bestehen des Sees abhängig sind, ist das Schilfrohr zu nennen. In zwei bis drei Kilometer breiten Streifen ziehen sich am nördlichen Ufer undurchdringliche Schilfwälder hin von Neusiedl bis Rust und Wolfs. Das Schilfrohr bildet einen gesuchten Handelsartikel, der in Dielen- und Mattenfabriken Verwendung findet. Vielfach wird es auch als Deckstoff für Gebäude gebraucht und in neuester Zeit auch zu Platten zusammengepreßt, als „Neusiedler Seeplatte“, zur Herstellung leichter Wände sowie zur Wärmeisolierung verwendet. Jungrohr wird als Viehfutter verwendet. In dem Schilf nistet eine Vogel weit, die in ihrer Mannigfaltigkeit einzig ist. Vielfach wird daher der Neusiedler See auch ein „Paradies der Vögel“ genannt. Nach dem Ornithologen Professor Stephan Fassel, der viel Mühe und Zeit darauf verwandte, die Vögel des Neusiedler Sees zu studieren und zu sam- 84 Eduard Merlicek mein, befinden sieh 250 Vogelarten an diesem See mul im Hansäg (d. i. der Sumpfstreifen südöstlich des Neusiedler Sees). Der ungemein große Reichtum an Wassergeflügel sowie das andere Wild im Dickicht der Rohrwälder, wo Füchse und Rehe sich verborgen halten, übte von jeher eine große Anziehungskraft auf die Jagdliebhaber aus. Auch die Fischerei bildete ehedem eine nicht unbedeutende Einnahmsquelle für mehrere Seegemeinden. Nach Aussage der ältesten Fischer gab der See jährlich 10.000 Zentner Edelfische (Karpfen, Hechte, Schille) und etwa 15.000 Zentner verschiedene Weißfische. Bei dem geringen Wasserstande der letzten Jahre sind die Fische aus dem See geschwunden. Schließlich, aber nicht zuletzt, ist noch anzuführen, daß der Neusiedler See im Sommer zum Baden sowie für Segel- und Rudersport sehr geeignet ist. Das Wasser erreicht im Sommer nicht selten Temperaturen bis zu 25 Grad Celsius und besitzt vermöge seines Salzgehaltes eine ähnliche Heilkraft wie das Meer. Die großen Ufergemeinden haben Badeanlagen geschaffen und auch für die Unterkunft der Fremden gesorgt, der Union-Jachtklub und andere Sportvereine erhalten hier ihre Klubhäuser. Im Winter friert der See oft ganz zu und bietet wieder Gelegenheit zu großen Segelregatten und sonstigem Eissport. Aber — der Neusiedler See ist unbeständig; sein Wasserstand wechselt, und in längeren Zeitperioden verschwindet er ganz. Dann sind all seine Vorzüge zunichte und zunichte sind auch auf lange alle Geldmittel, die für den Fremdenverkehr, für Bäder, Unterkünfte usw. eingesetzt wurden. Zurückgeblieben ist eine weite Salzsteppe, aus der ein feiner salziger Sand, der sogenannte Zickstaub, aufsteigt, der in die umliegenden Felder verweht wird und ihre Fruchtbarkeit beeinträchtigt. Denn der Salzbestand enthält nur Natronsalze, wie Kochsalz, Glaubersalz,' Bittersalz, Soda, die alle unseren Kulturpflanzen mehr oder weniger schädlich sind. Die örtlichen Chroniken zeigen uns das wechselvolle Bild des Neusiedler Sees recht deutlich. Wir folgen hier hauptsächlich den Ausführungen P. Winklers 3 . Aus mehreren Urkunden erkennen wir, daß am Ufer des Neusiedler Sees bereits im 13. Jahrhundert die Gemeinden Winden, Breitenbrunn, Podersdorf, Illmitz usw. lagen. Man kann daraus auf die damalige Größe des Sees schließen, die seiner heutigen Größe und mittleren Ausdehnung von 300 bis 350 Quadratkilometern entsprochen hat. In der Urkunde vom Jahre 1318, auf Grund deren König Karl Robert von Ungarn der Abtei Heiligen kreuz das Gut Zechern schenkte, wird der See ein Fluß genannt. Es scheint, daß der See in jener Zeit größtenteils ausge- tro.knet war und infolgedessen nur einen schmalen Wasserstreifen zeigte, der einem Fluß glich. Im 16. Jahrhundert nennen einige Schriftsteller den Neusiedler See einen großen See. Aventinus gibt in seinen „Anales Boiorum“ vom Jahre 1501 auch schon Maße an, indem er sagt: „Die Länge des Sees beträgt 45.000, die Breite 15.000, sein Umfang aber 100.000 Schritte.“ Heute beträgt die Seelänge 35 Kilo- 3 P. Winkler Adalbert E., Stiftsgutverwalter und Pfarrer: Die Cisterzienser am Neusiedler See und die Geschichte dieses Sees. St. Gabriel bei Mödling 1923. Die Geschichte der Technik als Lehrmeisterin 85 meter. Die Angaben des Aventinus stimmen bis auf wenige Kilometer, um die seine Angaben etwas kleiner sind. Die nächste Nachricht über den See stammt aus dem Jahre 1568. In diesem Jahre ging das Wasser weit zurück und war nur mehr in so geringer Menge vorhanden, daß die Fische immer weniger wurden. Es wurde deshalb eine Kommission mit dem Aufträge entsendet, die Ursache dieser Erscheinung zu erforschen. Diese Kommission berichtete, daß das Wasser seit zehn Jahren um mehrere hundert Klafter zurückgewichen ist, und fand die Ursache darin, daß die Witwe des Grafen Thomas Nadasdy das Wasser der Rähnitz abwärts leiten ließ. Auf Antrag der Kommission ordnete die Hofkannner an, daß die Ilabnitz, wie ehedem, wieder in den See geleitet werde. Diese Aufzeichnung müssen wir festhalten; wir wollen später noch darauf zurückkommen. Indessen beschäftigt uns noch eine Urkunde aus dem Jahre 1681, mit der die Marktgemeinde Rust zur Freistadt erhoben wird, nachdem sie einen Betrag von 60.000 Talern zum Großteil in Gold erlegt und überdies 500 Eimer „erlesenen Weines“ an die kaiserliche Hofhaltung geliefert hatte. Über diese Leistung gewinnen wir eine beiläufige Vorstellung, wenn wir sie mit unserem Gelde bewerten: es sind dies mindestens 300.000 Schilling. Welcher Wohlstand spricht uns hier an! Es muß wohl ein reicher Handel gewesen sein, der solche Schätze in die Gemeindekasse eingebracht hatte. Wie viele gute Weinjahre müssen dieser Begebenheit vorangegangen sein! Natürlich interessiert uns hier, wie damals der Neusiedler See beschaffen war. Wir finden, daß er seine volle Breite eingenommen hat, denn etwas früher schon, im Jahre 1677, hatte er bei Rust die Breite von 3830 Klaftern erreicht, jedenfalls ein bemerkenswertes Maß, weil es auf dem Stadtturm zu Rust unter der angeführten Jahreszahl eingetragen ist. Danach war damals der Wasserstand fast so groß wie in den Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts; nach der Spezialkarte dieser Zeit betrug die Breite des Sees 7295 m, das sind 3847 Klafter. Auch diese Zeit ist durch ganz hervorragende Weinernten ausgezeichnet. Nach diesem kleinen Vorsprung in das 19. Jahrhundert kehren wir wieder zu unserer Zeitfolge zurück. Im Jahre 1693 fing das Wasser an abzunehmen, und trotz der vielen Niederschläge war ein langsames Zurückgehen des Wassers augenscheinlich. Vom Jahre 1728 angefangen nahm das Wasser schneller ab. Tm Jahre 1736 hat ein Binder gewettet, daß er den See durchwate, und die Wette gewonnen. 1740 war der See fast trocken. Die Leute gingen schon mit dem Gedanken um, das trockene Seebett zu bebauen, doch der unbeständige See durchkreuzte ihren Plan, das Wasser kehrte zurück. In den Jahren 1768 und 1769 stieg das Wasser immer höher, worüber mehrfache Berichte übereinstimmendes Zeugnis abgeben. Den höchsten Wasserstand erreichte der Neusiedler See im Jahre 1786, da er eine größere Fläche einnahm als je zuvor, wie Halasy berichtet. Der Ingenieur des Ödenburger Komitats, Johann Hegedüs, berichtet im Jahre 1797, daß viele aus dem Wieselburger Komi tat auswanderten, da ihr Lebenserwerb, der Heuhandel nach Wien, dadurch zerstört wurde, daß ihre Wiesen alle unter Wasser standen. 86 Eduard Merlicek Den hohen Wasserstand behielt der See bis zum Jahre 1801. Von dieser Zeit an war das Wasser im Abnehmen begriffen, wie eine Aufzeichnung im fürstlichen Archiv in Eisenstadt berichtet. 1807 stieg das Wasser wieder, fing aber bald an zurückzuweichen und schwand immer mehr, so daß der See im Jahre 1811 fast austrocknete. Der sehr niedrige Wasserstand hielt sich bis 1813. Von da an füllte sich das Seebecken wieder sehr rasch, der See erlangte die Größe vom Jahre 1786. Im Jahre 1837, im Früjahr und dem darauffolgenden Winter, gab es überaus reiche Niederschläge. Die Raab und Rähnitz schwollen so hoch an, daß ihre wilden Fluten die Dämme überschritten und in gewaltigen Massen dem niedrigeren See zustürzten, so daß er in wenigen Tagen eine ganz ungewöhnliche Größe erreichte. Der höchste Wasserstand ward verzeichnet am 10. März 1838. Diese Größe behielt der See bis zum Jahre 1854. Sein Flächeninhalt betrug nach einer Karte Wagners 356 Quadratkilometer. Vom Jahre 1854 angefangen war der See wieder in steter Abnahme begriffen. Im Jahre 1862 war die Wassertiefe nur mehr 60 bis 80 Zentimeter. Im Jahre 1864 ging der See seinem Ende entgegen, die Höhe des AVasserstandes betrug nur 15 bis 20 Zentimeter in der tiefsten Talmulde. Der Sommer des Jahres 1865 bereitete durch heiße Tage, Föhnwinde bei andauerndem Regenmangel, dem See ein rasches Ende. \ r on Mitte Juni an schwand alles Wasser, in der ganzen Seebreite ist es trocken geworden, nur an der tieferen Stelle zwischen Apetlon und Eszterhäz schimmerte noch ein schmaler AVasserstreifen. Der Bodenschlamm trocknete bald aus und entwickelte mit dem herauskristallisierten Salz viel Staub. Bis 1871, also sechs Jahre, blieb der Neusiedler See ausgetrocknet. In dieser Zeit hatten die Bewohner des weiten westlichen Ufergeländes sehr über schlechte Ernten zu klagen. Als Ursachen des Mißwachses gaben sie große Dürre an, da der Tau fehlte, der sonst vom See herüber kam und den Regen ersetzte. Die Weingärten litten auch in dieser Zeit durch Frühjahrsfröste, Hagel usw. Der klimatische Einfluß des Neusiedler Sees reicht aber noch weit über sein Ufer bis an eine norwestlich des Sees sich hinziehende Lehne, die einen äußersten Ausläufer des Wiener AValdes darstellt und die in ihrer ganzen Ausdehnung von Perch- toldsdorf über Mödling, Guntramsdorf, Gumpoldskirchen, Baden, AG)slau bis Hirtenberg fast geschlossen mit Weingütern bedeckt ist. Auch hier, in 40 Kilometer Entfernung vom Neusiedler See, ist noch der feuchtwarme Lufthauch zu fühlen, der vom See herkommt, und auch hier wissen die Leute aus den Erzählungen ihrer Eltern und Großeltern Episoden über die Mißernten der Jahre 1865 bis 1871 wiederzugeben. Diese letzte Austrocknung war der Anstoß zu dem Plane, den Neusiedler See künstlich trockenzulegen. Damit glaubte man, das Seebecken, wenn es schon nicht für immer als See zu erhalten war, doch als Acker- und AAlesenboden zu verwerten. Im Jahre 1873 wurde im Zusammenhänge mit der Raabregulierung eine Wassergenossenschaft gegründet. A'orn Jahre 1893 bis zum Herbst 1895 wurde durch den Hansäg ein 37 km langer Kanal gegraben (eine nachträgliche Ergänzung des Jahres 1909 mitgerechnet), der das AVasser des Neusiedler Sees in Die Geschichte der Technik als Lehrmeisterin 87 die ltabnitz ablei ten sollte. Diese Maßnahme hatte indessen nur den Erfolg, daß der See abgesenkt wurde, eine vollständige Fällung war unmöglich mit Rücksicht auf die schwierigen Gefällsverhältnisse zwischen dem See und der Rabnitz. Diese Tatsache kann uns nicht sehr verwundern, wenn wir daran denken, daß man im 16. Jahrhundert umgekehrt aus der Rabnitz (wenn auch von einer höheren Stelle) Wasser in den See leitete. Hier tritt wieder einmal die gegensätzliche Wasserwirtschaft alter und neuerer Zeiten deutlich zutage. Früher bemühte man sich, den Wasserstand des Neusiedler Sees durch die Zuleitung aus der Rabnitz zu verbessern, und später war alles Streben auf eine Entwässerung des Sees gerichtet:. Schon in den Jahren 1788 bis 1812 ließ Fürst Eszterhäzy einen über 30 km langen Hauptkanal vom südöstlichen Seeufer aus ostwärts durch den ganzen Hansäg anlegen. Doch äußerte dieser Kanal infolge seines geringen Querschnitts keinen dauernden Einfluß auf die Höhe des Seespiegels. Seit der letzten Fällung zu Ende des vorigen Jahrhunderts hat aber der See seinen Wert für Bade-, Wassersport- und Fischereizwecke fast völlig verloren. Leider zeigen sich auch noch ähnliche Nachteile, wie wir sie bei der Besprechung der Federseefällung 4 angeführt haben. Trotzdem sind seither noch ungezählte Austrocknungspläne entstanden, zuerst Pläne zur vollständigen Trockenlegung, dann Kompromißpläne für eine teilweise Trockenlegung bald des westlichen, bald des südlichen Seeteiles, wobei der auszutrocknende Teil von dem übrigen See mit einem Erddamm abzugrenzen wäre, u. dgl. m. Der Neusiedler See ist ein Schulbeispiel dafür, daß technische Probleme mitunter an der Hand der Geschichte zu lösen sind. Die Tatsache, daß das milde Klima der Uferländer im weitesten Sinne dem See zu verdanken ist, wird durch eine Jahrhunderte alte Geschichte erhärtet. Unsere Übersicht über die Seeschwankungen hat erwiesen, daß die Kulturen eines großen Umkreises, besonders die zahlreichen Weinkulturen, immer am prächtigsten gediehen, wenn der See eine große Höhe und damit eine große Ausdehnung erreicht hatte, während ihnen die Trockenheit des Sees schädlich war. Aus diesem Grunde waren die Seeanrainer in alten Zeiten eher um einen entsprechend hohen Wasserstand als um die Überschwemmungsgefahr besorgt. Dies beweist die Einleitung der Rabnitz im 16. Jahrhundert. Sicher wurde durch diese Ableitung in den großen Speicher des Neusiedler Sees auch eine Entlastung der Rabnitz und damit zugleich des Hauptflusses, der Raab, erreicht, und so zeigt sich wieder der alte Grundgedanke einer Flußregulierung in Verbindung mit einer wirtschaftlichen Ausnützung des überschüssigen Wassers. Dieser Grundgedanke einer alten, durchaus gesunden Wasserwirtschaft kann nicht oft genug betont werden, weil ihm so manche neuerliche Gewässerregulierung arg widerspricht. Damit sind wir wieder bei der Leitha angelangt, von der unsere Abhandlung ausgegangen ist. Die schädlichen Hochwässer von diesem Flusse abzuziehen und in den See einzuleiten, wo es an Wasser fehlt, das scheint uns die richtige Regulierung. Der Ausbau des Hansägkanals durch die Ungarn stellt heute auch eine Regulierung dar; es ist ein ständiger Abfluß geschaffen, und die Über- 4 „Technik und Kultur“ 1938, Nr. 4, Seite 05. 88 Eduard Merlicek : Die Geschichte der Technik als Lehrmeisterin schwemmungsgefahr gebannt. Doch wird dem See dadurch im Verein mit der großen Verdunstung zu viel Wasser entzogen. Soll die Regulierung eine vollkommene sein, also auch ein gewisses Mindestmaß an Wasserstand sichern, dann ist es notwendig, daß auch der Zufluß des Sees geregelt wird. Ein Hauptzufluß des Neusiedler Sees besteht in dem W ulk ab a che. Da dieser Zufluß in trockenen Zeiten völlig unzureichend ist, müßte er mit einer großen Speicheranlage versehen werden, in die auch fallweise Überschüsse und Hochwässer aus der benachbarten Leitha einzuleiten wären. Auf solche Weise wäre der Wasserstand des Neusiedler Sees zu heben und dessen Austrocknung zu verhüten. Auch an den beiden Quellflüssen der Leitha, an der Schwarza und an der Pitten, sollten Hochwasserspeicher angelegt werden. Für die Rentabilität dieses Regulierungsplanes spricht eine gleichzeitig zu erzielende große Wasserkraft, die Entlastung der Leitha von Hochwässern, also die Verhütung großer Überschwemmungen an diesem Flußlaufe, die Wiederaufrichtung des Sport- und Radewesens am Neusiedler See, verbunden mit regem Fremdenverkehr u. a. m. Ganz besonders ist aber hervorzuheben, daß durch die Verhütung der Seeaustrocknung die Fischzucht, der Weinbau und alle sonstigen Zweige der Landwirtschaft vor dem zeitweiligen Verfalle gerettet und ständig belebt würden. In dieser Art wäre an der Leitha und am Neusiedler See ein Ausgleich der Wassermassen zu erzielen, der den überlieferten Grundsätzen entsprechen würde. Zugleich könnten aber die in Bewegung kommenden Wassermassen mit Verwendung der neuesten technischen Mittel zur Erzeugung elektrischer Energie herangezogen werden. Die Verwirklichung des geplanten Unternehmens würde im Wohlstände und in der Steuerkraft der Bevölkerung reichen Ix)hn finden. Entstehung und Werdegang der Kaplanturbine bei der Firma Storek. Mit 11 Abbildungen. 1 >ie Kaplanturbine, deren Verwendungsbereich Gefälle bis zu 40 m und Wassermengen, angefangen von der größten herunter bis zu 3001/sec umfaßt, ist heute der meistgebaute Wassermotor, der imstande ist, veränderliche Gefälle und wechselnde Wassermengen mit überragender Wirtschaftlichkeit auszunützen. Prof. Viktor Kaplan, der geniale Erfinder dieser nach ihm benannten Turbine, stellt uns in seiner Schrift: „Wie die Kaplanturbine entstand“... eine ausführliche historische Beschreibung seines Lebenswerkes vor Augen. Er erwähnt darin die Firma „Ignaz Storek, Brünn“, die seine Arbeiten entscheidend gefördert hatte. Anfang des 20. Jahrhunderts nahm infolge der ansteigenden Elektrifizierung der Bau von Kraftwerken, vor allem Wasserkraftanlagen, immer größeren Umfang an. Dabei traten die Mängel der bekannten Franzisturbinen sehr wesentlich hervor. Die kleinen Drehzahlen dieser Maschinen standen im Gegensatz zur Forderung nach hohen Drehzahlen der Generatoren. Es war also die Ausnützung von großen Wassermengen bei kleinen Nutzfallhöhen praktisch ausgeschlossen oder nur durch die Aufteilung in viele kleine Aggregate möglich, was zu sehr teuren Bauweisen führte. Viktor Kaplan, am 27. November 1876 als Sohn eines höheren Bahnbeamten in Mürzzuschlag in der Steiermark geboren, veröffentlichte in den Jahren 1905 bis 1909 mehrere Arbeiten über die Berechnung von neuartigen Franzisturbinen- Schnelläufern. Kaplan war damals als Konstrukteur an der Deutschen Technischen Hochschule in Brünn tätig. Er hatte sein Diplom an der Technischen Hochschule in Wien erworben und arbeitete nachher eine Zeit lang als Ingenieur bei der Leobersdorfer Maschinenfabrik auf dem Gebiet der Verbrennungsmotoren. Dann führte ihn sein AVeg an die Briinner Technik. Dort ging Kaplans Streben vor allem danach, seine Ideen in einem Laboratorium überprüfen zu lassen, „denn“ so pflegte er zu zitieren... , grau, teurer Freund, ist alle Theorie...“. Zunächst hatte er versucht, mit Papierrädchen, die er in den warmen Luftstrom einer Petroleumlampe brachte, Erkenntnisse zu gewinnen. (Siehe die heutige Methode der Untersuchung von Turbinen mit bewegter Luft.) Später jedoch genügte ihm dieses Verfahren nicht mehr und er entwarf ein hydraulisches Laboratorium mit einer Turbine von nur 100 nun Laufraddurchmesser bei 1 m Nutzfallhöhe. Mit Hingabe und Hartnäckigkeit machte er sich an die Verwirklichung seiner neuartigen Ideen, die er wohl kaum hätte in die Tat umsetzen können, wenn nicht sein damaliger Hörer, Edwin Storek, der Sohn des Industriellen Heinrich 90 Entstehung und Werdegang der Kaplanturbine bei der Firma Storek Storek, aus Begeisterung für Kaplans Idee, seinen Vater veranlaßt hätte, einen Großteil der Einrichtung für das Laboratorium zu spenden, der aus rein wissenschaftlichem Interesse der Anregung seines Sohnes nachkam. 1910 war das Laboratorium fertig und Kaplan konnte, unterstützt von Edwin Storek, mit dem „Frage und Antwortspiel der Natur“ wie er seine Versuche nannte, beginnen. Seine Versuchsturbine ließ sich schnellstens und mit geringen Mitteln immer wieder neuen Verhältnissen anpassen. In seinen späteren Angaben schätzt Kaplan die reine Versuchszeit auf fünf Jahre und ist der Meinung, daß die Abwicklung der Versuche in seinem Laboratorium JOmal so schnell vor sich ging, als dies bei den damals bekannten anderen Turbinenlaboratorien der Fall gewesen wäre. Es war also nur durch die erstmalige Verwendung eines Kleinstlabora- toriums überhaupt möglich geworden, die zahl- und umfangreichen Versuche, die Kaplan bis zur Formgebung seiner neuen Turbine benötigte, für einen Mann zum Abschluß zu bringen. Wie aber arbeitete Kaplan? Von seiner Lehrtätigkeit nicht wenig in Anspruch genommen, widmete er seine ganze übrige Zeit ausschließlich seinen Versuchen, so daß er sich und die LTnwelt vergaß. Es kam nicht nur einmal vor, daß er im nassen und verschmutzten Laboratoriumskittel, auf dem Kopf aber einen eleganten Hut, nach Hause stürmte, wo seine junge Frau Margarete mit dem x-mal auf gewärmten Essen geduldig wartete. Ja, Kaplans Hingabe an seine Arbeit ging soweit, daß er eines Tages sogar das Weihnachtsfest vergaß, das seine junge Frau mit den beiden Kindern allein verbringen mußte. Überall, wo sein Auge auf bewegtes Wasser traf, machte Kaplan seine Beobachtungen, nicht zuletzt auch in der Badewanne, wie seine Frau in ehrlicher Verzweiflung berichtete. Ihr großes Verständnis, ihr ausgleichendes Wesen und vor'‘allem ihr unerschütterlicher Glaube an die Sache ihres Mannes, besonders in späterer kritischer Zeit, war wohl mit eine Grundlage des endlichen Erfolges. Rastlose und zielstrebige Tätigkeit brachten Kaplans Arbeiten weit voran, er konnte eine Reihe grundlegender und neuer Konstruktionen zum Patent anmelden. Hatte er bisher mit größter Zähigkeit um die Erkenntnisse selbst gerungen, so mußte er nun um deren Anerkennung kämpfen. Dabei wäre zu erwähnen, daß die Beziehungen zum Hause Storek in den letzten Jahren zu einer schönen Freundschaft gediehen waren. Die Erzeugung der Firma Storek lag jedoch damals in einer anderen Sparte, so daß sich Kaplan wegen Ausnützung seiner Patente an altrenommierte Turbinenfabriken wandte. Doch mit keiner dieser Firmen konnte er zu einem Vertrag kommen, ja ein Teil von ihnen beteiligte sich sogar sehr lebhaft an den nun aufflammenden Patentstreitigkeiten, die sich aus den zahlreichen Einsprüchen entwickelt hatten, gegen Kaplan. Es war der Kampf eines Mannes, einer Idee gegen fast die ganze übrige Fachwelt. „An die Zeit denk i net gern ...“, so hat sich Kaplan selbst in späteren Jahren geäußert. Alles schien damals aussichtslos. Ins Uferlose wuchsen die Widerwärtigkeiten und die Einwände der Zweifler und Besserwisser. Es mußte etwas geschehen, um die Fachwelt zu überzeugen, an die Stelle der Streitigkeiten auf dem Papier mußte die Tat treten. Wieder wandte sich Kaplan an seinen alten Gönner Heinrich Storek, der unter Einfluß seines Sohnes Edwin sich ent- Entstehung und Werdegang der Kaplanturbine bei der Firma Storek 91 schloß, in seinem Werk eine für die Praxis bestimmte Turbine nach KAPLANSchen Angaben bauen zu lassen. Damit sollte die Entscheidung fallen. Der Bau dieser ersten Kaplanturbine der Welt begann im Sommer 1918 in der Stahlhütte Storek in Brünn und bereits im März 1919 konnte die Turbine in Yelm in Niederösterreich in Betrieb gesetzt werden. Sie läuft heute noch ohne größere Reparatur und entspricht den an sie gestellten Anforderungen. Unparteiische Sachverständige führten wiederholt Messungen durch. Eine der Bremsungen fand unter Leitung des sehr mißtrauischen Professors Budau von der Technischen Hochschule Wien, dem ehemaligen Lehrer Kaplans, statt. Bild 1. Erste Kaplanturbine der Welt. ■^1 Budau überprüfte alles auf das genaueste und ließ seine eigenen Leute messen. Das Ergebnis zeitigte die von Kaplan angegebenen Werte. Budau prüfte nochmals, wiederholte die Messung und immer noch ungläubig fand er abermals die schon vorher dagewesenen Werte. Da ließ Kaplan den Deckel vom Krümmer der Turbine abnehmen und zeigte Budau das Laufrad, gleichzeitig ließ er dabei die Schaufeln verstellen. Nun war aber auch Budaus Skepsis besiegt und überzeugt rief er aus: „Ja, sooo geht's..., aus einem Saulus bin ich nun ein Paulus geworden...“ Der ausgezeichnete Erfolg dieser Maschine und der Ruf Kaplans als Hochschulprofessor und Erfinder veranlaßte die vier Söhne des 1918 verstorbenen Heinrich Storek, den Kaplanturbinenbau aufzunehmen, wobei Kaplan die technische Beratung innehatte. Aber selbst jetzt vermochten die unleugbaren Ergebnisse noch nicht den Widerstand der Fachwelt zu überwinden. Es war auch wahrscheinlich, daß die erstaunlich rasche Entwicklung des Kaplanturbinen- Technikgeschichte, 15. Heft. 92 Entstehung und Werdegang der Kaplanturbine bei der Firma Htorek baues im Hause Storek nicht ohne Rückschlag bleiben würde... In einem leerstehenden Schacht der Wasserkraftanlage Podebrad an der Elbe installierte Storek eine Versuchsturbine mit 1800 111 m Laufraddurchmesser, an Hand welcher die Gültigkeit des Vergrößerungsgesetzes bewiesen werden konnte. Beim Bau weiterer Turbinen für höhere Gefälle stellten sich jedoch trotz gewissenhaftester Vorbereitung im neu errichteten hydraulischen Fabriklaboratorium Storeks Mißerfolge ein. Vor allem dann, wenn die Nutzfallhöhen jene des Laboratoriums wesentlich überstiegen. Kaplan hatte die Grenze für die Verwendbarkeit seiner Turbinen mit 40 m Nutzfallhöhe angegeben, Storek war also ohne Bedenken an die Ausnützung von größeren Nutzfallhöhen als diese im Laboratorium vorhanden waren, herangegangen. Kaplan strebte auch Schnell- läufigkeit bis zu ns 2000 —, allerdings erfolglos an. Doch schon bei Nutzfallhöhen von über 6 m bei schnellaufenden Kaplanturbinen traten explosionsartige Geräusche und Erschütterungen auf, die in krassen Fällen einen Betrieb überhaupt unmöglich machten. Eine Katastrophenmeldung nach der andern traf bei Storek ein: Algersdorf in Böhmen! ! ! ! statt 800 PS nur 200 PS. Isertal! ! ! — statt 400 PS nur 150 PS. Görz (Italien) statt 1100 PS nur 500 PS! ! ! ! Und überall die heftigsten Geräusche und Erschütterungen, die mit der Belastung Zunahmen, ebenso wie der Luftgehalt des Wassers am Turbinenaustritt. Versuchte man wenigstens mit kleiner Last die Turbine in Betrieb zu halten, wie z. B. in Algersdorf, so zeigten sich nach nur einer Woche Laufzeit an dem 20 mm starken Gußkrümmer Löcher, durch die man die Fäuste durchstecken konnte und auch die Laufräder wiesen starke Anfressungen auf, obzwar von Sand keine Spur und das Wasser chemisch neutral war. Niemand wußte Rat, auch Kaplan war verzweifelt, und Storek mußte einen erheblichen Teil seines Vermögens aufwenden, um die seinen Kunden gegenüber eingegangenen Garantien einzulösen. Gerade um diese Zeit wurde auch Kaplan von der vollen Wucht seiner Patentkämpfe getroffen und es schien, als ob sich alles gegen ihn und seine wenigen aber entschlossenen Anhänger verschworen hätte und alle bisherigen Opfer umsonst gewesen wären. Unermüdlich kämpfte Kaplan, von seinen Assistenten Slawik und Walther sowie finanziell durch Storek bestens unterstützt, gegen seine zahlreichen Widersacher. Am Ende seiner Kraft errang er schließlich in letzter Instanz des deutschen Patentgerichtshofes den vollen Sieg. Diesen ungeheuren seelischen Anspannungen wäre Kaplan niemals gewachsen gewesen, hätte er nicht an seiner Gattin eine so verständnisvolle Helferin und Kameradin gefunden, die ihn nicht nur in vorbildlicher Weise betreute, sondern auch durch ihren unerschütterlichen Glauben an sein Werk immer wieder aufrichtete. Indessen war jedoch die Wendung zum Guten bereits eingetreten. Der Storek- Ingenieur Gustav Oplustil, ehemaliger U-Boot-Kommandant der österr. Kriegsmarine, hatte festgestellt, daß die Anfressungen an den Kaplanturbinen genau das gleiche Bild ergaben, wie solche an den Propellern der Zerstörer. Von diesen letzteren war bekannt, daß ihre Ursache in den sogenannten Kavitationen (Hohl- Entstehung und Werdegang der Kaplanturbine bei der Firma Storek 93 raumbildungen) zu suchen ist. Sofort wurde von Storek eine Kavitationsturbine mit 183 nun Laufraddurchmesser gebaut und neben der Anlage Schmitt, Jsertal, wo sich eine schlecht arbeitende Kaplanturbine befand, in Betrieb genommen. In mehrmonatiger Arbeit konnte Oplustil die Gesetzmäßigkeit der Kavitationen erkennen und kavitationsfreie Laufräder entwickeln sowie deren richtigen Einbau festlegen. Bild 2. Löwin Storek (links) und Prof. Viktor Kaplan (rechts) mit Versuchslaufrad vor der Großausführung des Kaplanlaufrades. Es war Frühsommer 1922, als die umgebaute Turbine der oben erwähnten Anlage in Betrieb ging. Mühelos konnte sie parallel geschaltet werden, was früher wegen der Unstabilität stets ein wahres Kunststück erfordert hatte und mühelos kletterte der Zeiger des Wattmessers hinauf, so hoch, daß es niemand glauben wollte. Erst als die Sicherheitsventile der 1 iampfkessel abbliesen, weil die Turbine allein die ganze Last übernommen hatte, glaubte auch der jetzt hoch zufriedene Kunde, daß alle Schwierigkeiten überwunden waren. Ein großer, vielleicht der wichtigste Schritt in der Weiterentwicklung der Kaplanturbine war erfolgreich getan. Die Zusammenhänge über spezifische Drehzahl, Gefälle und Kavitationen waren eindeutig geklärt. Es war nun bekannt, wie weit man mit der spezifischen Drehzahl gehen konnte und wie die Kaplan- 94 Entstehung und Werdegang der Kaplanturbine bei der Firma Storek turbine einzubauen ist, um zum sicheren Erfolg zu kommen. Storek konnte einen Großteil der schlecht arbeitenden Anlage umbauen und die erste Kaplan-' turbine für eine Nutzfallhöhe von 17 m in Jahre 1922 in hydraulisch einwandfreier Weise ausführen. Ebenso war es möglich, z. B. die Anlage Kremsier in Mähren mit dein damals als wirtschaftliche Grenze der Schnelläufigkeit erkannten Wert' von etwa 1000 mit bestem Erfolg zu bauen. ‘ 1922 gelang Kaplan und Storek also die Überwindung der „Kinderkrankheiten“, die bei der Kaplanturbine lebensgefährlichen Charakter zu haben schienen, unter größten Opfern an Arbeit, Zeit und Geld. Der technische Sieg war errungen, der Weg ins Große frei. Eine wirklich „phantastische“ Entwicklung der Kaplanturbine begann. In Anerkennung der geleisteten Pionierarbeit für seine Idee gab Prof. Kaplan die Anregung, die vom Hause Storek gebauten Maschinen „Original Storek-Kaplan-Turbine“ zu nennen. Im Juli 1922 fanden im STOREKSchen Fabriklaboratorium in Brünn unter Leitung von Prof. Meixner, der in Vertretung des erkrankten Prof. Kaplan erschienen war, die übernahmsversuche durch die Herren des deutschen Kaplan- konzernes statt, der nun mit Macht an die Ausnützung der Patente ging. Die schwedische Firma „Aktiebolaget Kristinaham“ hatte sich schon sehr früh zum Bau von Kaplanturbinen entschlossen und ist dafür bekannt, daß sie das erste Großkraftwerk der Welt, die Anlage „Lilla Edet“, ausgerüstet mit Kaplanturbinen, für 14 000 PS gebaut hatte, deren Laufradform allerdings von Storek stammt. 1922 baute Storek die erste Kaplanturbine mit Präzisionskegelradgetriebe. Mit großen Schritten eilte die technische Entwicklung voran. Obwohl die von Storek unter Mitarbeit Kaplans herausgebrachten Konstruktionen nicht nur hydraulisch, sondern auch mechanisch mit ihren Verstelleinrichtungen in jeder Weise entsprachen, wurden neue Entwicklungen, die ebenso zuverlässige aber billigere Lösungen vorstellten, gesucht. Insbesondere kann auf diesem Gebiet der umlaufende Servomotor erwähnt werden, dessen genaue Beschreibung in den nachfolgenden technischen Ergänzungen erfolgt. Eine bemerkenswerte Konstruktion stellt auch das sogenannte schmutz- unempfindliche Laufrad (deutsches Patent Nr. 647053) dar. Dieses Laufrad verarbeitet auch stark verunreinigtes Betriebswasser ohne Leistungsverlust, wie er eintritt, wenn sich durch Geschwennnsel eine Veränderung des hydraulischen Profiles ergibt. Die patentierte Konstruktion weist nun Laufschaufeln mit entgegen der Drehrichtung geneigten Eintrittskanten auf, wodurch sich das von den Eintrittskanten erfaßte Geschwemmsel an diesen nicht halten kann, nach außen gedrückt und dort von einem in der Laufradkammer befindlichen Abstreifer abgestreift und in das Unterwasser befördert wird. (Näheres siehe technische Ergänzungen.) 1936 fand in Berlin die zweite Weltkraftkonferenz statt, in deren offiziellem Bericht es heißt, daß die Kaplanturbine zu den größten Fortschritten gehört, die auf dem Gebiet des Wassermaschinenbaues gemacht worlden sind. .Entstehung und Werdegang der Kaplanturbine bei der Firma Storek 95 Diese Feststellung ist uni so verständlicher, weil sich bei den vielen Großausführungen der Konzernfirmen die Kaplanturbine bis 40000 PS Leistung hervorragend bewährt hatte. 1934 war Kaplan, leider viel zu früh, auf seinem Besitz Rochuspoint in Unter- ach am Attersee im Salzkammergut an einem Schlaganfall gestorben. Er hatte sich von seiner schweren Krankheit nicht mehr richtig erholen können und gab sich in der Stille seines Besitzes ruhiger Forschungstätigkeit hin. Auch Storek, als treuer Vorkämpfer Kaplans, war als Firma aus dem Ringen um die Kaplan- Bild 3. Das schmutzunempfindliche Bild 4. Laufrad zur Storek-Kaplan-Turbine Laufrad. Hone, Italien. N = 29.000 PS. turbine recht geschwächt hervorgegangen. Es kostete unter den ungünstigen Verhältnissen, unter denen die Volksdeutsche Firma im gemischtsprachigen Gebiet der CSR. arbeiten mußte, viele Jahre angestrengtester Tätigkeit und eiserner Sparsamkeit, um die erlittenen Verluste auszugleichen. Die Entwicklung der Kaplanturbine ging jedoch auch unter diesen Umständen ungehindert weiter. Der von Storek gelieferte Nachweis, daß die Kaplanturbine die von ihrem Erfinder behaupteten Vorteile auch in der Praxis auf weist sowie der Umstand, daß Storek den Weg zum kavitationsfreien und richtigen Einbau aufgezeigt hatte, veranlaßte verschiedene prominente Turbinenfabriken des Auslandes, den Kaplanturbinenbau aufzunehmen (siehe Kaplankonzern), bzw. sich an Storek um technische Beihilfe zu wenden. In erster Linie kann hier die jahrzehntelange Zusammenarbeit mit der italienischen Firma „Riva Milano“ erwähnt werden, die sich etwa wie folgt abspielte: Riva gab die Bemessungsgrundlagen bekannt, Storek berechnete die Turbinen, lieferte die Laufräder und stellte die hydrau- 96 Entstehung und Werdegang der Kaplanturbine bei der Firma Storek lischen Angaben über die Eeitradberechnung. Die Lieferung tätigte Kiva. Ein gleiches Verhältnis wurde mit der Firma Lilpop, Kau & Löwenstein, Warschau, eingegangen, ebenso konnten mit einer bedeutenden französischen Firma diesbezügliche Abmachungen getroffen werden. An besonderen Anlagen, die im Rahmen dieser Zusammenarbeit gebaut wurden, seien angeführt: Die Anlage Mori I und Mori II mit .je 7000 PS bei 10 in Gefälle (1927 Italien) Kiva. Die Anlage Carigliano mit 8X5000 PS Lei 10 m Gefälle (1927 Italien) Kiva. Ir I * ' ; Wmtl Bild 5. Werksmontage einer Storek-Kaplan-Turbine für die Anlage Mori, Italien. Die Anlage Hone mit 25 000 PS garantierter und 29 000 PS erreichter Leistung bei 38,60 m Gefälle (1940 Italien) Kiva. Die Anlage Tehow mit 2X12 000 PS (Polen) Lilpop, Kau & Löwenstein. Während des Krieges kamen unter anderen die Großkraftanlagen Ilawa in der Slowakei mit 2 X 12 000 PS bei 13 m Gefälle und Orawa, ebenfalls in der Slowakei, mit 2X16 000 PS bei 17 m Gefälle mit Storek-Ivaplan-Turbinen zum Ausbau, die komplett, einschließlich der Kegler im Rrünner Werk Storeks erzeugt wurden. Desgleichen wurde noch gegen Kriegsende die hydromechanische Einrichtung für die Großkraftanlage Dyonisen in der Steiermark von Storek geliefert- Bezüglich der Stückzahlen der gelieferten Kaplanturbinen stand Storek bis 1945 an der Spitze der kaplanturbinenbauenden Firmen. Entstehung und Werdegang der Kaplanturbine bei der Firma Storek 97 Nach dem Kriegsende, das den Verlust des Brünner Werkes bei bester wirtschaftlicher Situation und bei einem Mitarbeiterstand von läOO Arbeitern und Angestellten mit sich brachte, übersiedelten die ehemaligen Brünner Gesellschafter, die Brüder I >ipl.-Ing. Heinz Storek und Dipl.-lng. Herbert Storek nach Linz. Dort mußte völlig neu begonnen werden. Das einzige Betriebskapital bildete. Bild 6. Storek-Kaplan-Turbine Sorio, Italien. N = 7ti50 PS .iCflh' das Ideengut der Firma Ig. Storek Brünn und die persönlichen Kenntnisse und Erfahrungen der Brüder Dipl.-lng. Heinz und Dipl.-lng. Herbert Storek, die einander insofern glücklich ergänzten, als Dipl.-lng. Heinz Storek seine großen Erfahrungen und Kenntnisse auf der erzeugungstechnischen Seite einsetzen konnte, während Dipl.-lng. Herbert Storek dies auf der konstruktiven Seite tat. Auch der makellose Iluf des alten Unternehmens erleichterte manche Geschäftsanbahnung. So wurden im Lauf der letzten Jahre Dipl.-lng. Herbert Storek als Erfinder eine Reihe neuer Patente erteilt, wovon sich zwei auf ein neuartiges Wehrkraftwerk und eines auf einen Turbinen-Generatorsatz mit lotrechter Welle beziehen. (Siehe technische Ergänzungen.) 98 Entstehung und Werdegang der Kaplanturbine bei der Firma Storek I>ie Weiterentwicklung der kleinen und mittleren Kaplanturbinen führte zur Konstruktion des mechanischen Servomotors zur Laufradverstellung, weil der hydraulische — auch eine patentierte Konstruktion Storeks — für kleinere Anlagen immer noch zu teuer war. Das Gebiet der kleinen und mittleren Kaplanturbine hat durch diesen Servomotor eine sehr preisgünstige Weiterentwicklung erfahren und damit dieser Maschine weitere Möglichkeiten bei kleinen und mittleren Anlagen erschlossen, da die Kaplanturbine zufolge ihrer ausgezeichneten Anpassungsfähigkeit einen Ausbau auf eine größere Wassermenge zuläßt, als Bild 7. Schnitt durch eine vertikale Storek-Kaplan-Turbine mit Präzisions-Kegelradgetriebe und umlaufendem Servomotor. dies normalerweise bei einer Franzisturbine der Fall ist. Eine wirtschaftlichere Ausnützung der Wasserkräfte ist damit gegeben, wodurch auch für die Steuerung der allgemeinen Energienot ein kleiner Beitrag geleistet werden konnte. Eine nähere Erklärung über diesen Servomotor findet sich in der technischen Ergänzung. Die Firma Brüder Storek besitzt heute noch keine eigene Erzeugungsstätte. Trotzdem ist es möglich gewesen, in der Zeit von 1947 bis Mitte 1952 in Zusammenarbeit mit anderen Maschinenfabriken mehr als 50.000 FS an Wasserkräften auszubauen. An dieser Stelle sei auch der österreichischen Bundesbahn, insbesondere Herrn Zentralinspektor Lukas, besonders gedankt, der Dipl.-Ing. Heinz Storek den hydromechanischen Ausbau des Großkraftwerkes Ettendorf im Stubachtal übertragen hat. Die Anlage konnte zur Zufriedenheit ausgeführt werden. Entstehung und Werdegang der Kaplanturbine bei der Firma Storek 99 Trotz der umwälzenden Ereignisse des Jahres 1945 ist es Storek möglich gewesen, seinem früheren Schaffensbereich die Treue zu halten und durch seine Arbeit an der Weiterentwicklung der Kaplanturbine und in der Eisenindustrie dem Fortschritt in der Technik zu dienen. Technische Ergänzungen. Der umlaufende Servomotor: Er besitzt in seinem Kolben eine eigene Druckerzeugung in Form einer dreirädrigen Zahnradpumpe und macht daher keine öl-Zu- und -ahleitung notwendig, wie dies bei anderen Konstruktionen der IM Bild 8. Wehrkraftanlage (Ö. P. Nr. 169.652). Bild. 9. Schematischer Aufbau der Wehrkraftanlage (D. P. Nr. 871.121). Fall ist. Der umlaufende Servomotor wird durch einen in vertikaler Ebene gelagerten Steuerschieber gesteuert, der mit dem Leitrad in geeigneter Weise kinematisch gekuppelt ist, so daß sich automatisch zu jeder Leitradstellung die zugehörige Laufradstellung einstellt. Der besondere Vorteil dieser Konstruktion liegt darin, daß sie so lange funktioniert, als die Turbine umläuft und somit als Notschlußorgan für den Fall Verwendung finden kann, wenn der vorhandene Öldruckgeschwindigkeitsregler versagen sollte. Ein einfacher Zentrifugalschalter mit astatischem Pendel löst die kinematische Verbindung zum Leit- und Laufrad und steuert den Schieber des Laufradservomotors auf Schließen, wodurch die Turbine am Durchgehen verhindert wird. Das schmutzunempfindliche Laufrad [deutsches Patent: 647053 (siehe Abb. 3)]. Schon im Jahre 1920 konnte Storek in Görz feststellen, daß die dort befindlichen, extrem schneiläufigen Turbinen mit ns 1400, die auch nur mit viel Mühe und Kosten nach anfänglichen Schwierigkeiten auf die garantierten Werte gebracht werden konnten, unerklärte Leistungsabfälle zeitigten. Die Maschinen gaben bei der Ingangsetzung die volle Leistung, die allmählich immer kleiner und kleiner wurde, um nach etw-a einem Tag bis auf einen Bruchteil der vollen Leistung abzusinken. Wurde nach Abstellung die Maschine untersucht, ergab sich 100 Entstehung und Werdegang der Kaplanturbine bei der Firma Storek ein in jeder Beziehung einwandfreier Zustand. Mit der neuerlichen Inbetriebnahme war auch wieder die volle Leistung vorhanden. Es lag der Verdacht nahe, daß sich im Laufe der Zeit Strömungsverlagerungen eingestellt haben könnten, die nun den Leistungsabfall bedingten. Wochenlange Versuche im Laboratorium sowie an der Anlage selbst bestätigten diese Annahme jedoch nicht. Da aber diese Erscheinungen hauptsächlich im Herbst auftraten, ergab sich die Vermutung, daß es sich doch um Verunreinigungen handeln könnte. Ein Versuch, wobei /• '/////////y /, Bild 10. Wasserturbinen-Generatorsatz mit lotrechter, gemeinsamer Welle und Turbine mit radialem Leitapparat von Dipl.-Ing. Herbert Storek (Österr. Pat. Nr. 169.917). unmittelbar vor die Turbine ein Schubkarren mit Laub gekippt wurde, bestätigte die Richtigkeit dieser Annahmen, denn die Leistung war schlagartig zurückgegangen. Bei Untersuchung der Turbine im abgestellten Zustand konnte jedoch von den Verunreinigungen nichts mehr wahrgenominen werden, weil sie durch Wirbelbildung, die beim Abstellen entsteht, weggespült worden waren. Der Leistungsabfall war dadurch entstanden, daß sich Laub an die Eintrittskanten gelegt hatte und diese allmählich so verdickte, daß sich dadurch eine starke Veränderung des hydraulischen Profils ergab. Wie bereits erwähnt, weist die patentierte Konstruktion Laufschaufeln auf, deren Eintrittskanten entgegen der Drehrichtung geneigt sind, so daß sich das erfaßte Geschwemmsel an ihnen nicht halten kann. War der Leistungsabfall bei den extrem schnellaufenden Turbinen Entstehung und Werdegang der Kaplanturbine bei der Firma Storek 101 in Görz besonders in Erscheinung getreten, so zeigte er sich auch bei normal schneiläufigen Kaplanturbinen dann, wenn sie in Anlagen zum Einbau gelangten, die, unmittelbar hinter größeren Städten gelegen, ein durch Kanalisation verunreinigtes Betriebswasser verarbeiten mußten. Für diese Anlagen hat sich auch bei stark verunreinigtem Betriebswasser das schmutzunempfindliche Laufrad ausgezeichnet bewährt und arbeitet ohne jeden Leistungsabfall. Die neuartige Wehrbauweise: Sie besteht darin, daß das Krafthaus und Wehr zu einer Einheit verbunden sind, welche jedoch gesamt nicht breiter baut, als das normale Wehr. Damit ist erreicht, daß man in engen Flußtälern, • 20 Bild 11. Mechanisch wirkender Servomotor für die Umwandlung von Steuerimpulsen. Von Dipl.-Ing. Herbert Storek (D. P. Nr. 839.180). wo die Errichtung eines Wehres besonders günstig ist, diese vorteilhafte Baustelle ausnützen kann, ohne die bekannten Buchten ausbauen zu müssen, wodurch erheblich Material gespart wird. In die Pfeiler, deren Breite durch die Wehrkonstruktion bedingt ist, wird an der Sohle eine quer durch die Pfeiler laufende Ausnehmung vorgesehen, in welche die Turbine zum Einbau gelangt. Es wird somit der Stauraum des Wehres als Schacht für die Turbine verwendet und eine besondere Spirale erspart. Da für die Turbine praktisch der ganze Stauraum zur Verfügung steht, kann mit einem geringen Strömungsverlusi; gerechnet werden. Die Leistung der Turbine wird durch den hohlen Pfeiler mittels der Turbinenwelle nach oben geführt und auf den auf der Krone der Pfeiler sitzenden Generator übertragen. Die Abbildung Nr. 9 zeigt schematisch den Aufbau einer solchen Ardage. Da die Anbringung eines Bechens in der 102 Entstehung und Werdegang der Kaplanturbine bei der Firma Storek üblichen Weise sich als unmöglich erwies, wurde auch hier eine neue Lösung angestrebt und gefunden. Die Turbine ist durch einen Zylinderrechen, der um die Maschine herum gebaut ist, geschützt. Der Rechen läßt sich drehen und die Rechenstäbe sind nicht vertikal, sondern horizontal angeordnet. Bei der Reinigung dreht sich der Rechen langsam und das Geschwemmsel wird durch einen Abstreifer abgestreift. Der Abstreifer führt das Geschwemmsel zu einem Kanal, der während der Reinigung geöffnet ist und die Verunreinigungen sofort in das Unterwasser oder in einen Siebkorb zur Gewinnung des Geschwemmsels leitet. Der Verbrauch an Spülwasser ist energiemäßig betrachtet im Vergleich zu einer Rechenreinigungsmaschine kleiner, abgesehen davon, daß die Reinigungszeit eine viel kürzere ist und dadurch auch kleinere Verluste, die sog. Rechenverluste bei verlegtem Rechen in Frage kommen. Berücksichtigt man weiter, daß der Großteil des Geschwemmsels entweder an der Oberfläche oder nahe der Oberfläche schwimmt und dieses Geschwemmsel bei überfall über die Wehrschütze automatisch abgeführt wird oder bei entsprechend angesammelter Menge von Zeit zu Zeit durch Absenken der Schützen entfernt werden kann, ergibt sich, daß der tiefliegende Korbrechen weit weniger belastet ist als der übliche, bis an die Wasseroberfläche geführte Rechen. Die Oberfläche des Korbrechens ist dabei nicht geringer als die des gebräuchlichen, da zufolge Kreisform eine sehr große Rechenlänge zur Verfügung steht. (Patentnummer: 169.652 und 174.581.) Der Turbinen-Generatorsatz mit lotrechter Welle: Er zeichnet sich durch einen einfachen Aufbau und geringste Bauhöhe aus. Dies wirkt sich durch Materialersparnis sowohl auf der maschinellen als auch auf der baulichen Seite aus. Der Stator des Generators wird direkt auf den Turbinendeckel gesetzt, während der Rotor auf die in zwei Lagern gelagerte Turbinenwelle aufgezogen wird. Die Nabe des Rotors bildet gleichzeitig die Spurlagerabstützung. Ausführungen dieser Art sind bereits in Montage und die erwähnten Ersparnisse haben sich an Hand der praktischen Ausführung tatsächlich nachweisen lassen. Der mechanische Servomotor: Er findet bei der kleinen und mittleren Kaplanturbine Verwendung. Mittels eines Reibradgetriebes, wofür aus dem Friktionspressenbau bei Storek reichhaltige Erfahrungen Vorlagen, wurde durch geeignete Übertragung mit billigen Mitteln eine Vervielfältigung der Verstellkräfte für das Laufrad von 1 :20 erreicht, so daß mit relativ sehr geringen Steuerkräften das Auslangen gefunden werden konnte. Laut Abb. 11 ist der Aufbau dieses Servomotors ersichtlich: Die Reibflächen stehen fest und sind nur axial im Sinne der Regulierbewegung verstellbar. Die Berührung mit den Reibrädern dauert nur so lange an, bis diese sich soweit verstellt haben, als es der Regulierbewegung entspricht und mithin der Reibungskontakt zwischen Reibrad und Reibscheibe aufgehoben wird. Da die Reibräder über ein geeignetes Schwungmoment verfügen, veranlassen sie eine gewisse überregulierung, wodurch die erwünschte Abhebung der Reibräder von den Reibscheiben erfolgt. Die dargestellte Konstruktion ist ein Sonderfall einer Ausführung, die auch in anderer, noch einfacherer Weise möglich ist. Anmerkung: Die bei den Zeichnungen der Bilder 8, 9, 10 und 11 angegebenen Zahlenhinweise entsprechen jenen in den Patentschriften. Mitteilungen und Berichte Nikola-Tesla-Kongreß für Wechselstrom- und Drehstromtechnik. Im Technischen Museum für Industrie und Gewerbe in Wien tagte in der Zeit vom 6. bis 13. September 1953 der erste internationale „Nikola -Tesla- Kongreß für Wechselstrom- und Drehstromtechnik“. In der Begrüßungsansprache wies der Direktor 1 des Technischen Museums, Dr. Josef Nagler, darauf hin, „daß das Technische Museum diesen Kongreß veranstaltet hat, weil es Aufgabe des Museums ist, Großleistungen auf dem Gebiete der Technik festzuhalten, sie der Allgemeinheit zur Kenntnis zu bringen, Jubiläen wahrzunehmen und über die Grenzen des Landes, der Nation, der Politik anzuerkennen. Die Leistungen Nikola Teslas haben der Elektrotechnik die Wege gewiesen, die sie heute geht. Tesla hat in seinem ganzen Leben, in seinen Versuchen, durch die er seine Entdeckungen festlegte, die richtige Synthese zwischen Theorie und Praxis geschaffen, die ihm seine großen Erfolge ermöglicht hat. So soll auch dieser Kongreß unter dem Namen dieses großen, genialen Mannes Nikola Tesla die praktischen Wissenschaftler zu internationalem Gedankenaustausch auf dem Gebiete der Wechselstrom- und Drehstromtechnik vereinen, gemäß dem FARADAVschen Grundsatz: «Ich habe mehr Vertrauen zu einem Manne, der geistig und körperlich an einer Sache arbeitet, als zu sechs anderen, die nur darüber reden. Nichts ist so gut wie ein Experiment, welches Irrtümer beseitigt und unbedingt Fortschritte herbeiführt. Laßt der Phantasie freien Lauf, aber haltet sie fest im Experiment und leitet Eure Phantasie durch das Experiment!» In diesem Sinne sollen die Tesla-Kongresse die praktischen Wissenschaftler auch künftighin zur gemeinsamen Arbeit vereinen.“ Hierauf eröffnete in Vertretung des Herrn Bundesministers für Handel und Wiederaufbau DDDr. Udo Illig Herr Sektionschef Dipl.-Ing. Rudolf Schober den Kongreß mit folgender Ansprache: „Vor etwas mehr als einem Jahr haben wir hier das Standbild Nikola Teslas enthüllt, eine Büste in Erz, die der große jugoslawische Künstler und Bildhauer Ivan Mestrovic von seinem genialen Landsmann und Erfinder ge- 104 Mitteilungen und Berichte formt hat. Heute wollen wir im Gedenken an den Namen des Forschers lind Wegbereiters einer neuen Epoche der Elektrotechnik Nikola Tesla einen Kongreß für Wechselstrom und Drehstromtechnik beginnen. Das Bundesministerium für Handel und Wiederaufbau, zu dem die Angelegenheiten der Technik ressortieren, nimmt wärmsten Anteil an einem solchen Geschehen, an einer solchen Reunion der technischen Fachwelt, an einer derart völkerverbindenden Tagung und begleitet den Kongreß mit seiner aufrichtigsten Sympathie. — Der Herr Bundesminister DDDr. Illig hätte hier dies gerne persönlich zum Ausdruck gebracht und er bedauert es ungemein, durcli eine Dienstreise verhindert zu sein. Ich erfülle einen Wunsch des Herrn Bundesministers, wenn ich dem Tesla-Kongreß den besten Wunsch des Ministeriums für gutes Gelingen und für einen schönen Erfolg überbringe. — Ich darf meiner Freude über die Teilnahme an dem Kongreß von so hochgeschätzten Teilnehmern aus dem In- und Ausland Ausdruck verleihen. Teslas Wiege hat in Jugoslawien gestanden, seine grundlegende wissenschaftliche Ausbildung hat der Jüngling in Graz und Prag erhalten und im .lahre 1908 wurde er als berühmter Forscher zum Doktor techn. h. c. an der Technischen Hochschule in Wien promoviert. Das Andenken des genialen Forschers, den so zahlreiche Beziehungen zu unserer österreichischen Heimat verbinden, möge an diesem Kongreß in diesen Tagen besonders lebendig werden. Möge diese Tagung auch ein kleiner Beitrag sein zur friedlichen Zusammenarbeit der Völker im Dienste der gesamten Völker. Mit diesem Wunsche erkläre ich den «Nikola-Tesla-Kongreß 1953» als eröffnet.“ .'Vnschließend hielt Dr. Milan Vidmar, ord. Mitglied der slowenischen Akademie in Ljubljana und ord. Professor der Universität Ljubljana, seinen Festvortrag über „Nikola Tesla und die Geschichte der Elektrotechnik“, dem der Festvortrag von Dr. Jqsip Loncar, ord. Mitglied der jugoslawischen Akademie der Wissenschaften und Künste und ord. Professor an der technischen Fakultät der Universität Zagreb, betitelt „Zur Problematik der historiographischen Bearbeitung Teslas“ folgte. Dann sprach Nicola Sidney über „Technik als seelischgeistiges Erlebnis“ und rezitierte die von ihm verfaßten Sonette „Nikola Tesla findet das Drehstromprinzip“ und „Das elektrische Drehfeld als Ersatzschema der universellen Dreieinigkeit“, die dem Andenken Nikola Teslas gewidmet sind. Die feierliche Kongreßeröffnung wurde mit der Eröffnung und Besichtigung der „Nikola-Tesla-Ausstellung“, die von führenden österreichischen Elektro- firmen, wie insbesondere „Danubia“, Ges. f. Gaswerks-, Beleuchtungs- u. Meßapparate, „Elin“ A.-G. für elektrische Industrie, „Norma“, Fabrik für elektrische Meßgeräte, Kapsch & Söhne, Telephon- u. Telegraphen-Fabrik A. G. und Siemens & Halske Ges. m. b. H„ beschickt wurde, abgeschlossen. An der Eröffnungsfeier nahmen rund 240 Personen teil. Am nächsten Tag begannen in Anwesenheit bedeutender Fachgelehrter die wi ssenschaftl ichen Referate. Mitteilungen und Berichte 105 Es sprachen Montag, den 7. September 1953: Dipl.-Ing. Heinrich Schmidt von der Generaldirektion der österreichischen Bundesbahnen: „über die Stromversorgung von Wechselstrombahnen“. — Dr.-Ing. Drago Matanovjc, Professor an der Technischen Hochschule in Ljubljana, über: „Die Schutzmaßnahmen im dreiphasigen Niederspannungsverteilungsnetz mit geerdetem und isoliertem Sternpunkt“. — Dr. techn. Vratislav Kozelj, Professor an der Technischen Hochschule in Ljubljana, über: „Magnetische Wanderfelder von Teilstatoren“. Dienstag, den 8. September 1953: Dr.-Ing. Ilja Obradoviö, Professor, Direktor des Instituts für elektrotechnische Forschungen „Nikola Tesla“ in Beograd, über „Die selbsttätige Zeitregelung und Lastverteilung in großen Verbundnetzen“. — Dr. Stefan Jelli- nek, o. Professor der Universität Oxford, Gastprofessor an der Technischen Hochschule in Wien, über: „Der elektrische Strom und die Blutgefäße in mikroskopischen Bildern“. — Dipl.-Ing. Hans Eigl der Firma Siemens & Halske Ges. m. b. H. in Wien, über: „Fernwirkeinrichtungen im Dienste des Verbundbetriebes“. — Professor Dr.-Ing. Aleksander Damjanovic, Professor der Universität in Beograd, über: „Einige Beiträge zur Geschichte der Elektrotechnik“. — Dr. Ernst Ledinegg, ao. Professor an der Technischen Hochschule in Graz, über: „Die Hochfrequenzineßmethoden im Dispersionsgebiet der Permeabilität“. — Dipl.-Ing. Dr. Eugen Skudrzyk, ao. Professor des Instituts für Niederfrequenztechnik der Technischen Hochschule in Wien, über: „Der Tesla-Transformator in der Schwachstromtechnik und Mechanik“. Mittwoch, den 9. September 1953: Dr. Josef Lukesch, Vizedirektor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien, über: „Konstruktion einer modernen Radiosonde“. — Dr.-Ing. Drago Matanoviö, Professor an der Technischen Hochschule in Ljubljana, über: „Beitrag zur wirtschaftlichen Kompensierung des Leistungsfaktors“. — Dipl.-Ing. Edgar Gruder der „Elin“ A.-G. für elektrische Industrie in Wien, über: „Die Entwicklung des österreichischen Elektro-Schwermasehinen- baues nach 1945. Spitzenleistungen der ,ELIN‘ auf allen Gebieten“. Dem Vortrag schloß sich ein Tonfilm „Neues Tauern gold“ an, in dem man die Verwertung der Elin-Erzeugnisse beim Ausbau der Tauernkraftwerke Kaprun verfolgen konnte. Freitag, den 11. September 1953: Dipl.-Ing. Dr.-Ing. Dr. pliil. Heinrich Sequenz, o. Professor a. D. an der Technischen Hochschule in Wien, korresp. Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Wien, über: „Mehrstrangwicklungen“. — Dipl.-Ing. Dr. techn. Karl Koch, Privat- und Honorardozent an der Technischen Hochschule in Wien, über: „Moderne Methoden magnetischer Messungen an Elektroblechen“. — Dr. techn. Vratislav Bedjanic,, Professor an der Technischen Hochschule in Ljubljana, über: „Der Stabstrombelag als Ausgangspunkt für die Ausmittlung von Ankerfeldern elektrischer Maschinen". — Dr. Aleksander Damjanoviö, Professor an der Universität in Beograd, über: „Eine neue Lösung für die Verbesserung der 106 Mitteilungen und Berichte Charakteristik des Breitbandverstärkers”. — Dipl.-Ing. Dr. techn. Franz Brilli, technischer Konsulent, über: „Das Berufsbild des Anlagenprüfingenieurs als Spiegelbild Teslascher Leistung”. Damit waren die Referate abgeschlossen. Sie standen alle auf höchstem akademischen Niveau und wurden mit größtem Interesse aufgenommen und diskutiert. Sie wurden, soweit sie zeitgerecht Vorgelegen waren, in einem Sonderheft der „Blätter für Technikgeschichte“ veröffentlicht und den Kongreßteilnehmern vor Beginn der Tagung ausgefolgt. Jene Interessenten, die verhindert waren, an dem Kongreß teilzunehmen, können dieses Sonderheft noch nachträglich erwerben. Es ist geplant, die darin nicht enthaltenen Referate als Nachtragsheft ebenfalls in Druck erscheinen zu lassen. Den Kongreßteilnehmern wurden Besichtigungen von österreichischen Industriewerken ermöglicht, so: Elektrizitätswerk Simmering. Nach der durch Senatsrat Dr. techn. Dipl.-Ing. R. Mokesch erfolgten Begrüßung, der er einen kurzen einleitenden Vortrag zur Geschichte des Elektrizitätswerkes Simmering anschloß, wurde das Werk besichtigt. Die Teilnehmer waren von der technischen Einrichtung des Werkes sowie von den bereitwilligst erteilten Auskünften außerordentlich befriedigt. Elektropathologisches Institut, Wien. Der Initiator und Begründer dieses Instituts, Professor Dr. Stefan Jellinek, zeigte seine, in der Welt einzig dastehende Sammlung, nach deren Vorbild nunmehr in Oxford ein ähnliches Institut errichtet wird. Professor Jellinek begleitete diese Führung mit seiner bekannten, lebhaften Vortragsart, die alle Anwesenden hinriß und die zu lebhafter Teilnahme und Diskussion Anlaß gab. Zentralröntgeninstitut im Allgemeinen Krankenhaus, Wien. In diesem, noch aus der Zeit Kaiser Josefs II. stammenden Gebäude konnten unter der sachkundigen, hervorragenden Führung von Dr. Lehner die modernsten Röntgenapparate besichtigt werden. Sie gaben Einblick in den hohen Stand der Elektromedizin. Verbundwerk Bisamberg. Betriebsleiter Dipl.-Ing. Leonhard Maerschalk begrüßte die Teilnehmer. Er erklärte in fesselnder Weise die Bedeutung des Verbundwerkes Bisamberg, das zur Aufnahme des 220000 Volt-Stromes vom Tauernkraftwerk Kaprun dient. Dieser Strom wird in zwei Transformatoren von je 100000 kVA auf 110000 Volt transformiert und über vier Leitungen mit je 110000 Volt in den Wiener Raum gesendet, einerseits in das Umspannwerk Wien-Nord und anderseits nach Wien-West. Diese Anlage wurde genauest besichtigt, ebenso die Mitteilungen und Berichte 107 L'20000 Volt-Druckluftsehalter, die Kondensatorenbatterie zur Verbesserung des Leistungsfaktors und die drei Transformatoren von je 15000 kVA für das 00 000 Volt-Netz für Niederösterreich. — Anschließend wurde die Burg Kreuz en st ein in Korneuburg besucht, die mit ihrer reichen von Graf Hans Wilczek angelegten Sammlung . viel Begeisterung fand. T a u e r n k r a f t w e r k K a i> r u n. Mit Bewilligung von Generaldirektor Dr. Jakob Kroupa konnten unter der Leitung von Dipl.-lng. Bürgstaller die Baustellen der Tauernkraftwerke besichtigt werden. Vom Kesselfallhaus aus wurde durch den Kabelstollen zur Liinbergsperre aufgefahren und dort die Staumauer, auch im Innern, sowie der Ausbau der Oberstufe Ivaprun besichtigt. Die Teilnehmer wurden daraufhin mit Auto und Seilbahn zur Baustelle Mooserboden geführt. Schließlich erfolgte die Besichtigung des Krafthauses Kaprun-Hauptstufe, bei der Schaltmeister Toifl in lebendiger Weise die Führung durch diesen Eckpfeiler des österreichischen Verbundnetzes leitete. Diese gigantischen Ingenieurleistungen legten Zeugnis ab für den starken Aufbauwillen Österreichs und erregten die größte Bewunderung der Teilnehmer. Den Abschluß bildete die interessante Besichtigung der „E1 in“-Werke in Weiz. Nach dem Empfang durch Direktor Dipl.-lng. Franz Stockreiter wurde die Exkursion durch Dipl.-lng. Karl Deppich in ausführlicher Weise durch dieses größte Elektrounternehmen Österreichs, dessen ltuf Großaufträge aus der ganzen Welt nach Österreich eingebracht hat, geführt. Außer den wissenschaftlichen Referaten und den Besichtigungen von österreichischen Industriewerken bot eine zwanglose Zusammenkunft im Rathauskeller des Neuen Wiener Rathauses sowie ein gemütlicher Abend am Kahlenberg den Kongreßteilnehmern Gelegenheit zu persönlicher Fühlungnahme. 'Mit Befriedigung konnte festgestellt werden, daß alle Teilnehmer von dem hohen Niveau der wissenschaftlichen Fachvorträge überaus beeindruckt waren. Es wurde nur mit Bedauern festgestellt, daß die Gelehrten aus dem Deutschen Reich wegen Erfüllung ihrer Wahlpflicht an diesem ersten internationalen „Nikola Tesla-Kongreß” nicht teilnehmen konnten. Dieses Bedauern ist uns durch viele Briefe von den deutschen Fachkollegen ausgedrückt worden. Es ist daher zu erwarten, daß die nächsten Kongreßveranstaltungen auch von den Wissenschaftlern des weiteren Auslandes rege besucht werden werden. Mit diesem Wunsche und mit dem aufrichtigsten Dank an alle, die die Bestrebungen des Nikola Tesla-Kongresses unterstützt haben, schloß der Direktor des Technischen Museums, Dr. Josef Nagler, den ersten internationalen Nikola Tesla-Kongreß. Als erster Widerhall dieser Tagung kann mitgeteilt werden, daß in Minneapolis USA. eine Vereinigung „Tesla international“ gegründet wurde, mit der Einladung, an dieser ebenfalls werktätig teilzunehmen. Technikgeschiclite, 15. Heft. 8 Gedenktage der österreichischen Technikgeschichte im Jahre 1954. Auszug aus Karteien technikgeschichtlicher Ereignisse Von Therese Stampfl. Januar. 1. 1889. Johann Kravogl, gestorben in Brixen. — Pionier auf dem Gebiete der Elektrotechnik, baute 18G7 das „elektrische Kraftrad“, mit dem es gelang, zum ersten Male elektrische Energie in mechanische umzuwandeln. 7. 1904. Gleichstellung der technischen Hochschulen mit den Universitäten. 10. 1914. In Gbely, östlich von Lundenburg, wurde in einer Tiefe von 163,8 m erstmalig Erdöl festgestellt. Es handelte sich hiebei um ein hervorragendes Schmieröl mit niederem Gefrier- und hohem Flammpunkt. 16. 1909. Fridolin Reiser, gestorben in Leoben. — Pionier der Tiegelgußstahlindustrie Österreichs. Leiter der Gußstahlwerke Böhler & Co. in Kapfenberg von 1867 bis 1908. 23. 1914. Karl Pichelmayer, gestorben in Wien. — O. ö. Professor an der Technischen Hochschule WTen, bedeutender Elektrotechniker, der sich mit der Theorie und Konstruktion elektrischer Maschinen erfolgreich beschäftigte. 23. 1799. Alois Ritter von Negrelli, geboren zu Primiero, zählt zu den bedeutendsten Technikern seiner Zeit. Über Wasser-, Straßen- und Brückenbau hat er den Weg zu dem damals noch in den Kinderschuhen befindlichen Eisenbahnbau gefunden und hat an dem Ausbau des Eisenbahnnetzes in Österreich hervorragenden Anteil genommen. 23. 1734. Wolfgang Ritter von Kempelen, geboren zu Preßburg. — Mechaniker, konstruierte einen Schachautomaten und eine Sprechmaschine. Februar. 5. 1914. Adalbert Waltenhofen Ritter von Eglofsheimb, gestorben in Wien. — Physiker und Elektrotechniker, gestaltete den elektrotechnischen Unterricht an der damals eben errichteten Lehrkanzel für Elektrotechnik an der Technischen Hochschule in Wien aus und entwarf einen Organisationsplan zur Errichtung eines Elektrotechnischen Instituts. 21. 1829. Josef Ressel erwirbt ein österreichisches Privileg auf seine Erfindung eines Schraubenantriebes von Schiffen. 22. 1914. John Georg Hardy, gestorben in Wien. — Begründer und erster Präsident des österreichischen Verbandes der Patentanwälte, erwarb sich große Verdienste um das österreichische Patentgesetz. Erfinder der selbsttätigen Einkammersaugbremse. Therese Stampfl: 109 März. 1. 1839. Erteilung der Haubewilligung für die Strecke der Eisenbahn von Wien nach Wiener Neustadt. 7. 1874. Eröffnung der Zahnradbahn von Wien-Nußdorf auf den Kahlenberg. 24. 1879. Karl Karmarsch, gestorben in Hannover. — Technologe, war Assistent bei ALTMÜTTER am Polytechnischen Institut in Wien, folgte einem Kuf nach Hannover. . wo er die Leitung der dortigen Gewerbeschule übernahm und diese zur Technischen Hochschule erhöh. 26. 1804. Wolfgang Ritter von Kempelen, gestorben in Wien. — Mechaniker, konstruierte einen Schachautomaten und eine Sprechmaschine. April. 4. 1814. Blasius Hueber, gestorben zu Inzing, Tirol. — Feldmesser und Kartograph in Tirol, stellte die Landesgrenze zwischen Tirol und Vorarlberg fest. 7. 1724. Friedrich von Knaus, geboren in Stuttgart. — Hofmechaniker unter Kaiserin Maria Theresia, die ihm die Einrichtung des physikalischen Hofkabinetts übertrug. Für dieses verfertigte er mehrere Kunstwerke. Das bekannteste ist der KNAUSsche Schreibapparat, der sich im Technischen Museum in Wien befindet. 14. 1859. Ignaz Bösendorfer, gestorben in Wien. — Berühmter Wiener Klavierbauer, begründete die noch heute bestehende Firma Ignaz Bösendorfer. 24. 1879. Felix Ehrenhaft, geboren in Wien. — Physiker, bis 1938 Vorstand des III. Physikalischen Instituts der Universität Wien, ab 1947 Leiter des I. Physikalischen Instituts. 25. 1859. Erster Spatenstich zum Bau des Suezkanals, der nach den Plänen Alois Negrellis ausgeführt wurde. 26. 1914. Eduard Suess, gestorben in Wien. — Geologe, Begründer der „Ersten Kaiser- Franz-.Tosef-Hochquellenleitung“ für die Stadt Wien. 29. 1899. Gustav Tauschen, geboren in Wien. — Erfinder der lesend, schreibenden Rechenmaschinen und vieler Neuerungen auf verschiedensten Gebieten. Mai. 5. 1819. Franz Fischer Edler von Röslerstamm, geboren zu Nixdorf, Böhmen. — Seit 1844 im Dienst der Osten-. Staatsbahnen, machte mehrere Erfindungen, die bedeutendste ist die Erfindung der durchgehenden Zugvorrichtung. 10. 1809. Peter Ritter von Tunner, geboren in Feistritz. Bedeutender Hüttenfachmann, Begründer der Montanistischen Hochschule in Leoben. 14. 1884. Einmauerung des letzten Steines in den Arlbergtunnel. 16. 1859. Eröffnung der letzten Teilstrecke Trient—Bozen der ,,k. k. Südtiroler-Bahn“. Die Entwurfsarbeiten leitete Alois Negrelli. 26. 1814. Wilhelm Freiherr von Engerth, geboren zu Pleß. — Er schuf die erste Gebirgslokomotive für die Semmeringbahn und für andere Gebirgsbahnen; er ist auch der Erfinder der Absperrvorrichtung, des sogenannten ..Schwimmtores“, in Nußdorf für die Donauregulierung. 31. 1894. Inbetriebnahme der (in Lemberg). ersten elektrischen städtischen Juni. Straßenbahn in Österreich 6. 1909. Ministerialerlaß, womit die Lehrkanzel für Luftschiffahrt und Automöbil- wesen an der Technischen Hochschule in Wien errichtet und mit Professor Richard Knoller besetzt wurde. 9. 1809. Christian Gottlieb Hornbostel, gestorben in Wien. — Er führte die Seiden- iudustrie in Österreich ein. x* 110 Gedenktage. 10. 1864. In der Wiener Gemeinderatssitzung berichtete Eduard Suess über die Erhebungen der Wasserleitungskommission, die auf Grund gründlicher Prüfungen vorschlug, mehrere ergiebige Quellen aus dem Kalkalpengebiet Rax-Schneealpe im natürlichen Gefälle in drei Hochbehälter zu bringen und von diesen zu verteilen. 15. 1904. Erstmalige drahtlose Übertragung eines Musikstückes auf Grund der Erfindung von Otto Nussbaumer. 17. 1939. Theodor Reich, gestorben in Wien. — Erfinder der ruckweisen Filmfortbewegung. 18. 1929. Verstärkung des Radiosenders in Graz. 20. 1909. Grundsteinlegung zum Bau des Technischen Museums für Industrie und Ge werbe in Wien. 24. 1924. Konstituierung der Tiroler Wasserkraftwerke A.-G., die zum Ausbau des Achenseekraftwerkes begründet wurde. Juli. 1. 1829. Erste Probefahrt des Bootes „Civetta“, das mit der von Josef Ressel erfundenen Schiffsschraube ausgestattet war. 1. 1929. Max Mauermann, gestorben in Wien. Erfinder des rostsicheren Stahles. 1. 1934. Die Wiener Stadtbahn geht in das Eigentum der Stadt Wien über. 2. 1909. Christian Reithmann, gestorben in München. — Erfinder und Erbauer des Zwei- und Viertaktmotors. 5. 1909. Eröffnung der Südrampe der Tauernbahn, damit Fertigstellung der zweiten Verbindung mit Triest. 7. 1839. Inbetriebnahme der Bahnstrecke Wien—Brünn. 9. 1864. Paul Traugott Meissner, gestorben in Wien-Neuwaldegg. — Begründer der modernen Luftheizungstechuik. 10. 1869. Alois Auer Ritter von Welsbach, gestorben in Wien. — Erfinder des Naturselbstdruckes. — Direktor und Neubegründer der k. k. Hof- und Staatsdruckerei in Wien. 12. 1869. Feierliche Enthüllung des Gliega-Tienkmales am Semmering. 17. 1854. Aufnahme des Gesamtverkehrs über den Semmering. 19. 1844. Fritz Franz Maier, geboren in Znaim. — Erfinder der „Maier-Schiffsform". 19. 1879. Wilhelm Kress erhält das deutsche Patent Nr. 8706 auf seine spielzeugmäßig« 1 Ausführung eines Drachenfliegermodelles unter dem Titel: „Spielzeug, genanm Aeroveloce“. 19. 1914. .Johann Puch, gestorben in Agram. — Pionier der österreichischen Fahrzeugindustrie, Begründer der Puchwerke in Graz. 21. 1849. Grundsteinlegung zum Bau des Wiener Arsenals. 25. 1809. Ferdinand Redtenbacher, geboren in Steyr. — Begründer der Maschinenbau- Wissenschaft. 28. 1934. Paul Ludwik, gestorben in Wien. — Professor für mechanische Technologie und Materialprüfungswesen an der Technischen Hochschule, Wien. August. 4. 1929. Carl Auer Freiherr von Welsbach, gestorben auf Schloß Welsbach bei Treibach in Kärnten. — Erfinder des Gasglühlichtes, der Osmiumlampe und des funkengebenden Cereisens. 14. 1789. Friedrich von Knaus, gestorben in Wien. — Hofmechaniker unter Kaiserin Maria Theresia, die ihm die Einrichtung des physikalischen Hofkabinettes übertrug. Für dieses verfertigte er mehrere Kunstwerke. Das bekannteste ist der KNAUSsche Schreibapparat, der sich im Technischen Museum in Wien befindet. Therese Stamps : Ul 18. 1919. Franz Pichler, gestorben in Weiz. — Hedentender Klektrofaehmann, Begründer des Werkes Weiz der „Elin“ A.-G. 23. 1934. Viktor Kaplan, gestorben in Unterach am Attersee. — Bedeutender Turbinenbauer, Schöpfer der modernen hoclischnelläufigen Großturbine, „Kaplan- Turbine“. September. 1. 1859. Genehmigung der von einem Fachmännerkomitee ausgearbeiteten Ausführungspläne für die Wiener Stadterweiterung. 3. 1869. Fritz Pregl, geboren in Laibach. Chemiker, erhielt 1923 für die Entdeckung der Mikroanalyse anorganischer Stoffe den Nobelpreis. 4. 1884. Wilhelm Freiherr von Engerth, gestorben zu Leesdorf bei Baden. — Er schuf die erste Gebirgsloko motive für die Semmeringbahn und für andere Gebirgsbahnen, er ist auch der Erfinder der Absperrvorrichtung, des sogenannten „Schwimmtores“, in Nußdorf für die Donauregulierung. 5. 1949. Inbetriebnahme des Salza-Kraftwerkes der Steirischen Wasserkraft- und Elek- trizitäts A.-G. 6. 1884. Aufnahme des Güterverkehrs durch den Arlbergtunnel. 7. 1909. Georg Wellner, gestorben in Auen bei Velden. — Pionier der Luftschiffahrt. 7. 1824. Franz Anton Ritter von Gerstner erhielt das Privileg „zu dem Bau und Betrieb einer zwischen Mauthausen und Budweis die Donau mit der Moldau verbindenden Holz- und Eisenbahn“. 13. 1869. Paul Daimler, geboren in Karlsruhe, war der Direktor der Österreichischen Daimler-Motoren-Werke in Wiener Neustadt bis 1922. 19. 1794. Simon Plössl, geboren in Wien. — Optiker, erzeugte erstmalig das dialytische Fernrohr. 20. 1884. Feierliche Eröffnung der Arlbergbahn in Innsbruck bis Bregenz. 21. 1884. Inbetriebnahme der ganzen Strecke für den öffentlichen Verkehr. Oktober. 1. 1924. Eröffnung des Stubenringsenders der österr. Radioverkehrs A.-G., mit dem die Radioübertragung in Österreich aufgenommen wurde. 1. 1949. Offizieller Baubeginn für die Kraftwerke Thurnberg-Wegscheid und Dobra- Krumau der N.-ö. Elektrizitätswirtschafts A.-G. 8. 1859. Rudolf Wegscheider, geboren in Groß-Reskerek. — Vorstand des I. Chemischen Instituts der Universität Wien. 17. 1934. Bruno von Enderes, gestorben in Wien. — Bedeutender Fachmann auf dem Gebiete des Eisenbahnbaues; bester Kenner der Geschichte der Technik. 18. 1944. Josef Maria Eder, gestorben in Kitzbühel. — Begründer der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt, veröffentlichte das „Handbuch für Photographie“. 20. 1874. Max Singer, geboren in Wien. — Ingeniergeologe und Wasserbaufachmann. 25. 1934. Johann Kremenetzky, gestorben in Wien. — Großindustrieller, Chef der „Elektrischen Glühlampenfabrik A.-G.“. 26. 1879. Feierliche Eröffnung des Technologischen Gewerbemuseums (Sektion I für Holzbearbeitung) im Niederösterreichischen Gewerbeverein. 27. 1854. Max Deri, geboren in Bacs (Ungarn). — Pionier der Elektrotechnik, insbesondere auf dem Gebiet der Starkstromtechnik, Erfinder des Wechselstrom- Transformators. 28. 1854. Johann Joseph Prechtl, gestorben in Wien. — Organisator und erster Direktor des Polytechnischen Institutes in Wien. Pionier auf dem Gebiete der Gasbeleuchtung. 30. 1929. AUGUST Musger, gestorben in Graz. — österreichischer Erfindei- der Zeitlupe. 31. 1774. Stephan Ritter von Kees, geboren in Wien. — Technologe, Begründer der Systematik des Gewerbewesens in Österreich. 112 Gedenktage. November. 1. 1899. Aufnahme der Gasversorgung für Wien durch die Wiener Städtischen Gaswerke. 10. 1864. Simon Stampfer, gestorben in Wien. — Geodät, Professor der praktischen Geometrie am k. k. polytechnischen Institut in Wien, stellte eine vollständige Theorie über Planimeter auf. 15. 1849. Gründung der Geologischen Beichsanstalt in Wien. 16. 1869. Feierliche Eröffnung des Suez-Kanals, der nach den Entwürfen Alois NEGRELLIs erbaut wurde. 24. 1824. Ignaz Heger, geboren in Wien. — Professor der mechanischen Technologie an der Technischen Hochschule, Wien. Dezember. 4. 1839. Josef Franz .Tacquin, gestorben in Wien. —Botaniker und Chemiker, beschäftigte sich mit der Zuckergewinnung aus dem Ahornsaft. 15. 1949. Inbetriebnahme der fertiggestellten 220.000-Volt-Leitung Kaprun-Ernsthofen. 24. 1814. Ernennung Johann Joseph Prechtls zum ersten Direktor des nach seinem Entwurf errichteten Polytechnischen Instituts in Wien. 25. 1879. Igo Etrich, geboren in Oberaltstadt b. Trautenau. — Pionier des Flugzeugbaues. 27. 1924. Inbetriebnahme des Wasserkraftwerkes Opponitz a. d. Ybbs. Technikgeschichtliche Bücherschau entfällt in dieser Nummer, wird aber im nächsten Heft nachgeholt werden. Manzsche Buchdruckerei, Wien IX. DER WEG: VOM KAUTSCHUK ZUM FERTIGEM GUMMI-E R ZEUGNIS FUHRT UBER SEMPERIT ÖSTERREICHISCH-AMERIKANISCHE GUMMIWERKE AKTIENGESELLSCHAFT WIEN Tel.: U 20545 „UNIVERSALE" HOCH- UND TIEFBAU AKTIENGESELLSCHAFT WIEN I. RENNGASSE 6 Fernschr.: 01-1568 ZWEIGNIEDERLASSUNGEN : LINZ - GRAZ - SALZBURG - KLAGENFURT - LIENZ HOCH- U. INDUSTRIEBAU E I S E N B ETO N B AU STRASSENBAU BRÜCKENBAU EISENBAHNBAU TUNNELBAU WASSERBAU WASSERKRAFTANLAGEN NEUE SPEZIALABTEILUNG FÜR PFAHLFUNDIERUNGEN ?.(&* ' ^ KOLBEN <9 sf MKKOLBEN I KOLBENRINGE 'O'LABSTREI FRI NGE KOLBENBOLZEN. KOLBENKRAUS P R'ffZ IS I 0 N $ V E R K S T'R'TTE N u GIESSEREI KG WIEN • GRAZ • SALZBURG „MONTANVERSICHERUNG“ Feuerversicherung Maschinenbruch-, Montage- und Garantie-Versicherung Betriebsunterbrechungs- (Chömage-) Versicherung Verbundene Hausratversicherung Gegründet 1866 Gegenseitiger Versicherungs - Verein für Montanwerke, Maschinen- u. 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Kurzel-Runtscheiner, Zwei Meister der Kunstmechanik am Hofe Kaiserin Maria Theresias: Ludwig Knaus und Friedrich von Knaus. — V. Schützenhofer, Josef Werndl, der Mann und sein Werk. — A. Bihl, Julius Lott, der Erbauer der Arlbergbahn. — J. Altmann, Aus der Ahnenreihe österreichischer Kraftwagen. — F. Fattinger, Geschichte einer der ältesten Industriestätten: Treibach in Kärnten. — F. Sedlacek, Das Werden des Kärntner Blei weiß Verfahrens. — C. Schraml, Versuch der Einführung der Gasbeleuchtung bei den Salzwerken des Kammergutes. — E. Neweklowsky, Die Ladenkarlfahrt auf der Steyr. — C. Schraml, Der Holzaufzug und die Wasserriesen im Außerweißenbach. — G. Strele, Die Entwicklung der Wildbachverbauung in Österreich. — V. Thiel, Geschichte der Donauregulierung bei Wien. — F. Kirnbaüer, Bergmännische Zeichen: Die Entwicklung von Bergbauzeichen auf Landkarten. — Bergmännische Wasserzeichen in altem Steyrer Schreibpapier. Heft 6 1939. 82 S. 35 Abb. und 1 Plan. Schriftleitung: Dr. Ing. L. Erhard. Aus dem Inhalt: 0. Lanser, Alte Brücken und Mühlen in Tirol. — F. Kargl, Siebzig Jahre Brennerbahn. — K. Holet, Hofrat Dr. Ing. E. h. Ludwig Erhard 75 Jahre. — Buchbesprechung. Heft 7 1940. 154 S. 102 Abb. und 2 Tafeln. Schriftleitung: Dr. Ing. L. Erhard. Aus dem Inhalt: F. Kirnbauer, Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich. Heft 8 1942. 88 S. 55 Abb. Schriftleitung: Dr. Ing. L. Erhard f und o. ö. Prof. Dr. K. Holey. Aus dem Inhalt: K. Holet, Ludwig Erhard. — K. Feiler, Geschichtliches über die Linz-Budweiser Eisenbahn, die älteste deutsche Schienenstraße. — 0. Dirmoser, Bahnbrecher auf dem Gebiet des Geschützwesens. — Mitteilungen und Berichte: Tätigkeitsbericht des Forschungsinstitutes über die Jahre 1938 bis 1940. — Merkblatt zur Anlegung von Betriebsarchiven. Heft 9 1947. 44 S. 10 Abb. Schriftleitung: Dipl.-Ing. V. Schützenhofer. Aus dem Inhalt: V. Schützenhofer, Vom k. k. Fabriksprodukten- Kabinett zum Wiener Technischen Museum von heute. — V. Schützenhofer, Aloys von Widmanstatten. Heft 10 1948. 91 S. 19 Abb. Schriftleitung: Dipl.-Ing. V. Schützenhofer. Aus dem Inhalt: Kurt von Lössl und Ernst von Lössl, Friedrich Ritter von Lössl, I. Teil: Der Lebenslauf, II. Teil: Die Arbeiten Friedrich Ritter von Lössls auf aerodynamischem und flug-mechanischem Gebiet. — E. Kurzel-Runtscheiner, Wilhelm Kress, ein österreichischer Pionier der Luftfahrt. — R. Saliger, Ing. Gustav Adolf Wayss, ein Bahnbrecher des Stahlbetons. — E. Kurzel-Runtscheiner, Technikgeschichtliche Bücherschau. — Th. Stampfl, Gedenktage der österreichischen Technikgeschichte im Jahre 1948 und 1949. Fortsetzung auf der IV. Umeehlagteüe. ForttMtung von der III. Umtchlagseitt. BLATTER FÜR TECHNIKGESCHICHTE Heft 11 1949. 116 S. 41 Abb. Schriftleitung: Dipl.-Ing. V. Schützenhofer. Aus dem Inhalt: F. Kirnbauer, Goethe, Naturwissenschaften und Technik. — V. Schützenhofer, Alois Negrelli, sein Leben und sein Werk. — E. Kurzel-Runtscheiner, Franz Freiherr von Wertheim. — H. Benedikt, Die Schreibmaschine des Grafen Neipperg. — R. Kieffer und F. Benesovsky, Zur Geschichte der Metallwerk Plansee G. m. b. H. in Reutte in Tirol. — H. Benedikt, Schiffahrt im Pongau. — E. Kurzel-Runtscheiner, Technikgeschichtliche Bücherschau. — Th. Stampfl, Gedenktage der österreichischen Technikgesohichte im Jahre 1950. Heft 12 1950. 112 S. 42 Abb. Schriftleitung: Dr. phil. Josef Nagler. Aus dem Inhalt: V. Schützenhofer, Löhner — vom Wagnergewerbe zur Großindustrie. — P. Siebertz, Rudolf Diesel und der Automobilmotor. Ein Beitrag zur Geschichte des Fahrzeugdiesels unter besonderer Berücksich- ' tigung der Rolle Ludwig Löhners darin. — 0. Regele, Herman von Hoernes. Luftschilfer, Flugtechniker und Luftfahrthistoriker. — F. Binder und M. Rohlena, Zum Gedenken an Dr.-Ing. h. c. Karl Wurmb, den Erbauer der österreichischen Alpenbahnen 1901—1907. — K. Melicher, Baugeschichtliche Bilder von der Arlbergbahn. — E. Kurzel-Runtscheiner, Kitzbühel, die alte Bergstadt. — F. Dan gl, Österreichs Beitrag der Lumineszenzanalyse und Fluoreszenzmikroskopie. — E. A. Kolbe, Zur Geschichte der ehemaligen Staatl. Schwefelsäurefabrik in Wien-Heiligenstadt und der ehern, k. k. Salmiakfabrik in Nußdorf. Mitteilungen und Berichte: 75 Jahre Marcus- Automobil. — E. Kurzel-Runtscheiner, Technikgeschichtliche Bücherschau. — Th. Stampfl, Gedenktage der österr. Technikgeschichte im Jahre 1951. Heft 13 1951. 72 S. 26 Abb. Schriftleitung: Dr. phil. Josef Nagler. Aus dem Inhalt: P. Dolch, Entwicklung und Stand der Stickstoffdüngerindustrie in Österreich. — E. Kurzel-Runtscheiner, Das Unter - inntal, eine technikgeschichtliche Landschaft. — Alfred Collmann, Lebensweg und Leistung. — Mitteilungen und Berichte: J. Nagler, Nikola Tesla- Kongreß. — E. Kurzel-Runtscheiner, Technikgeschichtliche Bücherschau. — Th. Stampfl, Gedenktage der österreichischen Technikgeschichte im Jahre 1952. Heft 14 1952. 108 S. 48 Abb. Schriftleitung: Dr. phil. Josef Nagler. Aus dem Inhalt: F. Kirnbauer, 150 Jahre Kaolingewinnung in Kriechbaum bei Schwertberg. — F. Kirnbauer, Geschichte der Wiener Porzellanmanufaktur und ihre Beziehung zur Entwicklung der technischen Verwendung des Kaolins. — O. Regele, Zur Geschichte des kl u. k. Technischen Militär-Komitees 1869—1918. — O. ReGELE, Über die Captif-Schraube des Wilhelm Kress. — F. Fattinger sen., Beginn der Ferrolegierungen für die Edelstahlerzeugung in Österreich. — H. Gollob, Joseph Mauritius Stummer von Traunfels. — Mitteilungen und Berichte: Die Enthüllungsfeier der NiKOLA-TESLA-Büste im Technischen Museum für Industrie und Gewerbe in Wien. — E. Kurzel-Runtscheiner, Technikgeschichtliche Bücherschau. — Th. Stampfl, Gedenktage der österreichischen Technikgeschichte im Jahre 1953.