ÖSTERREICHISCHES FORSCHUNGSINSTITUT FÜR GESCHICHTE DER TECHNIK IN WIEN BLÄTTER FÜR GESCHICHTE DER TECHNIK ZWEITES HEFT SCHRIFTLEITUNG: DR. ING. L. ERHARD AUER VON WELSBACH VON ING. Dr. FRANZ SEDLACEK MIT 30 TEXTABBILDUNGEN WIEN VERLAG VON JULIUS SPRINGER • 1934 BLÄTTER FÜR GESCHICHTE DER TECHNIK ÖSTERREICHISCHES FORSCHUNGSINSTITUT FÜR GESCHICHTE DER TECHNIK IN WIEN BLÄTTER FÜR GESCHICHTE DER TECHNIK ZWEITES HEFT SCHRIFTLEITUNG: Dr. ING. L. ERHARD MIT 30 TEXTABBILDUNGEN WIEN VERLAG VON JULIUS SPRINGER • 1934 ÖSTERREICHISCHES FORSCHUNGSINSTITUT FÜR GESCHICHTE DER TECHNIK IN WIEN AUER VON WELSBACH VON ING. DR. FRANZ SEDLACEK MIT 30 TEXTABBILDUNGEN WIEN VERLAG VON JULIUS SPRINGER - 1934 Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung in fremde Sprachen, Vorbehalten Copyright 1935 by Julius Springer in Vienna Printed in Austria Vorwort. Vor 50 Jahren erstrahlte im chemischen Laboratorium der Wiener Universität zum erstenmal das Gasglühlicht, und damit begann für die gesamte Lichttechnik eine neue Epoche, die von Wien aus ihren Weg nahm. Dr. Caul Auer von Welsbach war es, der durch seine drei bahnbrechenden Erfindungen: das gassparende Auerlicht, die stromsparende Osmiumlampe und das funkensprühende Auermetall der Welt ein Meer von Licht erschloß. Um das Andenken an diesen Lichtbringer im ln- und Ausland lebendig zu erhalten, wurde vom Kuratorium des Technischen Museums gemeinsam mit der Lichttechnischen Gesellschaft in Wien ein Ausschuß eingesetzt, der unter der Eührung des Österreichischen Forschungsinstitutes für Geschichte der Technik im Jahre 1931 die Dr. Carl Auer-Welsbach Gedächtnisstiftung ins Leben rief. Diese unter dem Ehrenschutz des österreichischen Bundespräsidenten stehende Auerstiftung wählte den Altmeister der österreichischen Elektrotechnik, Präsident Ing. Johann Kremenezky, der anläßlich der Edison-Feier in der Lichttechnischen Gesellschaft im Jahre 1929 die Anregung zur Errichtung eines Auerdenkmals in Wien gegeben hatte, zu ihrem Vorsitzenden und den derzeitigen Rektor der Technischen Hochschule zu Wien, Prof. Dr. August Kann, zu dessen Stellvertreter; als Obmann des engeren Denkmalausschusses wurde Hofrat Prof. Arch. Dr. Karl Holey und als Sachwalter für alle Angelegenheiten der Auerstiftung der Direktor i. R. des Technischen Museums und Leiter des Forschungsinstituts für Geschichte der Technik Hofrat Dr. Ing. e. h. Ludwig Erhard, ehrenamtlich bestellt. Unter der ziel be wußten Führung ihres greisen Vorsitzenden Johann Kremenezky, der am 25. Oktober 1934 in Wien verschied und bis zuletzt an der Auerstiftung regsten Anteil nahm, hatte diese eine erfolgreiche Tätigkeit entfaltet. So wurde zunächst im Technischen Museum zu Wien eine entwicklungsgeschichtliche Darstellung des Gasglühlichtes durchgeführt, die späterhin auf die übrigen Erfindungen Auers ausgedehnt werden soll; auch dem Deutschen Museum zu München widmete die Auerstiftung eine wertvolle Bronzebüste des großen Lichttechnikers. Dank dem Entgegenkommen der österreichischen Bundesregierung wurde ferner der schöne öffentliche Park zwischen dem Technischen Museum und dem Schloß Schönbrunn in ,,Auer-Welsbach-Park“ umbenannt. Das günstige Ergebnis der bisherigen Geldsammlungen ermöglicht es der Auerstiftung, nunmehr auch an die Errichtung einer Auer-Gedenksäule zu schreiten, die vor dem neuen Chemischen VI Vorwort. Institut in Wien zur Aufstellung gelangt und schließlich sollen aus den noch zu erwartenden Geldspenden Beihilfen an auswärtige Hoch- und Fachschüler technischer Richtung zu Studienreisen nach Wien verliehen werden. — TJm überdies die unvergänglichen Leistungen Auers als Forscher und Erfinder den weitesten Kreisen zu erschließen, hat die Auerstiftung die Herausgabe der vorliegenden, von Ing. Dr. Franz Sedlacek verfaßten Darstellung der Herkunft, des Lebens und des Wirkens Auers von Welsbach veranlaßt, die als zweites Heft der „Blätter für Geschichte der Technik“ erscheint. Dieser Lebensabriß, zu dem auch hervorragende Mitarbeiter Auers durch ihre Berichte beitrugen, soll sinnfällig vor Augen führen, wie Dr. Carl Auer von Welsbach aus der wissenschaftlichen Forschung die Kraft gewann, Neues zu gestalten und wie seine tiefdurchdachten Erfindungen bald ins Allgemeine griffen, der Welt voranleuchteten und zuletzt Tausenden von Werktätigen nutzbringende Arbeit verschafften. Dr. Carl Freiherr Auer von Welsbach war und blieb stets ein treuer Sohn seiner engeren österreichischen Heimat, aber seiner überragenden wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung nach zählt er zu den Weltbürgern und seine Werke bilden ein Stück jener deutschen Geistesschöpfungen, welche die Weltmarke „Österreich“ tragen. Sein Name ist längst in den Geschichtstafeln der Naturwissenschaft und Technik unauslöschlich, eingegraben; möge nun das vorliegende Lebensbild Auers auch in den Herzen der zahllosen Nutznießer seiner reichen Geistesgaben das Gefühl der Dankbarkeit, der Liebe und der Verehrung für diesen wahrhaft großen Österreicher erwecken. Wien 1934. Dr. L. Erhard. YII Anläßlich des 25. Todestages von Dr. Carl Auer von Welsbach hat die Treibacher Chemische Werke A.-G. den Neudruck der 1934 erschienenen und völlig vergriffenen Dr. Carl Auer-Welsbach-Biographie ermöglicht. Ihrer großzügigen finanziellen Unterstützung ist es auch zu danken, daß das Auer-Denkmal vor dem Chemischen Iustitut in der Währingerstraße in Wien wiederhergestellt wird. Das Denkmal wurde über Anregung des Forschungsinstitutes für Technikgeschichte zur Ehrung des großen österreichischen Forschers und Erfinders errichtet. Die künstlerische Gestaltung besorgte Professor Wilhelm Fraß, und die feierliche Enthüllung erfolgte in Anwesenheit des Herrn Bundespräsidenten sowie der bedeutendsten Fachleute und Wissenschaftler auf dem Gebiete der Chemie und der Beleuchtungstechnik des In- und Auslandes am 7. November 1935. Durch die während des Krieges vorgenommene Entfernung der Bronzefigur wurde dem Denkmal die symbolische Bedeutung für Auers Großtaten genommen und die künstlerische Wirkung beeinträchtigt. Dieser unwürdige Zustand wurde durch die munifizente Förderung der Treibacher Chemische Werke A.-G. beendet, der es zu danken ist, daß das Denkmal nunmehr wieder in künstlerischer Gestalt ersteht. Wien 1954 yt'f K- y PäJ? 4! -üb ? j i l • RN^M ffWtt tu «ml Bti*«^«r > -.iWW‘,«b-:.r*v ! ':>Wll ■J*. im »i>» • i*£iu '■._ * wtnem MteW- .«tut?) . .o Jv)v, yqw .,^_./ r ' •«• •- '>* tu* , •’“ jruwt# - v •’: h v. ilühieifynhJSVt on öi 'iwS'-twl *&;<&- •: ‘ hMi^tf-^ÄA -«£(*£&, -i] % -i«i ■')• ‘V,r : H • 1 , i V'.i.-Ä •. *; • if»tii.*rJiitni:iä|i ««iT ‘ ' J - - *■ ■■''. 1 ■'■‘ , *'" ■■■■• .vV.i.^5- ,l!Vys.V‘. W *** f%4giip* • ' • - •-. vr, 'iHtMn \*•■.,*i<’»»r :i,ti<:i j :-v. -s • ; 4/ *J5ju«lw •»•rf.il*..* tiO! o*f*>?h**;**i nitßWJ- vjft vtefcM; *’;•' 'ttm- *"• • ••r. ji»t> ' .ÜNft '" 4 : • • jlfHf »* -* > .'■*<' *'.<> ’^fittAw.tjWHF v :i -" * • ' ’ |»0*/ *.■}> » a H* ^ivj; ;.-!•» . irrV. ■,*•■ •* ***< , H, 4 fo : - i wo^eftai **■ ' . Qr.i •xhi»-* Inhaltsverzeichnis. i. Der Vater, Alois Ritter Auer von Welsbach. Die Herkunft der Familie. Alois Auer und die österreichische Staatsdruckerei. Eine Revolutionsgeschichte. Der Naturselbstdruck. Alois Auers sonstiges Wirken. II. Jugend und Studien Carl Auers von Welsbach .•. Die Schuljahre. Wien und Heidelberg. Die Doktorprüfung. Robert ^ Wilhelm von Bunsen. III. Die seltenen Erden. Der chemische Begriff Erde früher und heute. Die Erforschung der Erdarten. Das Aluminium. Die Entdeckungsgeschichte der seltenen Erden bis zu Auer von Welsbach. IV. Die Zerlegung des Didyms. Rückkehr nach Wien. Die ersten wissenschaftlichen Arbeiten. Die Zerlegung des Didyms in die neuen Elemente Praseodym und Neodym. V. Das Inkandeszenzprinzip vor Auer . Die selbstleuchtende Flamme. Das Inkandeszenzprinzip. Brewsters Versuch. Das DRUMMONDsche Kalklicht. Gillards Platinlicht. Frankensteins Glühlicht. Tessie du Motays Zirkonlicht. Faii- nehjelms Magnesialicht. VI. Der Lanthan-Zirkon-Glühkörper . Auers erste Glühlichtversuche. Glühkörper mit Lanthanoxyd und Magnesia. Der Lanthan-Zirkon-Glühkörper. Einführung des Gas- glühlichtes. Pressestimmen. Der Rückschlag. VII. Der Thor-Cer-Glühkörper. Frühere Versuche mit Thor. Haitingers Chrom-Tonerde-Glühkörper. A UER8 Thor-Cer-Glühkörper. Beschaffung der Rohstoffe. Leistung und Erfolge des neuen Glühlichtes. Der Patentstreit in Deutschland. Weiterentwicklung des Gasglühlichtes. Seite 1—11 11—13 14—17 17—20 20—28 28—35 35—43 X 1 ii ha Its Verzeichnis. Seite VIII. Metallfadenlampen vor Auer. 44—48 Groves Versuch. Lampen mit Platin- und Iridiumdrähten. Versuche zur Verbesserung der Kohlenfadenlampe. Die NERNST-Lampe. IX. Die Osmiumlampe. 48—56 Auers Versuche mit Platindrähten und Thoroxyd. Versuche mit Osmium. Das Legierungs verfahren, das Kohle verfahren, das Pasteverfahren. Leistung und Erfolge der Osmiumlampe. Weiterentwicklung der Metallfadenlampe. X. Die Stellung des Auerlichtes und der Osmiumlampe in der Entwicklungsgeschichte der Beleuchtungstechnik. 56—60 Genetische Systematik der Beleuchtungsmittel. Anwendung technischer Entwicklungsgesetze. Die entwicklungsgeschichtliche Bedeutung der beiden AuERschen Erfindungen. XI. Das Cereisen... 60—64 Funkengebende Metalle. Geschichte der Cergewinnung. Die Erfindung des Auermetalls. Seine fabrikmäßige Erzeugung. Die Treibacher Chemischen Werke. XII. Die Zerlegung des Ytterbiums. Die späteren wissenschaftlichen Arbeiten. 64—71 Auers Ytterbiumzerlegung und der Prioritätsstreit mit Urbain. Die Forschungen über Thulium und das Element Xr. 61. Auers radioaktive Präparate. Spektroskopische Arbeiten. XIII. Auers Persönlichkeit, sein Lebensabend und Tod. 71—80 Auer und Edison. Auer als Naturforscher. Persönliches. Auers Tod. Ehrungen durch die Mit- und Nachwelt. Quellen und Schrifttum.. 81—85 I. Der Vater, Alois Ritter Auer von Welsbach. Die Herkunft (1er Familie. Alois Auer und die österreichische Staatsdruckerei. Eine Revolutionsgeschichte. Der Naturselbstdruck. Alois Auers sonstiges Wirken. Am Traunfluß in Oberösterreich, 25 Kilometer von der Landeshauptstadt Linz entfernt, liegt die alte Kreisstadt Wels. Hier lebten im 18. Jahrhundert die Vorfahren der Familie, der es bestimmt war, zunächst einen der trefflichsten alt- : '.'Ä.OS». Abb. 1. Das „Fraißlhaus in der Haid" bei Wels, das Stammhaus der Familie Auer. österreichischen Beamten, den eigentlichen Schöpfer der weltberühmten Staatsdruckerei in Wien, als dessen Sohn’aber jenen Mann hervorzubringen, den man den größten österreichischen Erfinder der neueren Zeit nennen muß. Der Erstgenannte, Alois Ritter Auer von Welsbach, hat eine umfangreiche Sammlung genealogischer Daten über alle Familien des Namens Auer 1 herausgegeben, worin 1 Alois Ritter Auer von Welsbacii, Beiträge zur Geschichte der Auer. Wien 1862. Oeschichte der Technik, II. 2. 1 2 Erster Abschnitt. er auch Angaben über die Herkunft seiner eigenen Familie macht. Er führt sie auf einen Hanns Auer zurück, der gegen Ende des 17. Jahrhunderts in Wels lebte. Dessen und seiner Frau Katharina Sohn hieß ebenfalls Hanns und wird in den Taufbüchern der Stadtpfarre Wels der ,,Flözer auf der Schaafwiesen“ genannt. Er hatte mit seiner Frau Magdalena fünf Kinder, von denen das zweit jüngste am 13. April 1732 auf den Namen Johann Georg getauft wurde. Dieser Johann Georg Auer, ,,Zimmermann auf dem Fraißlhaus in der Haid“ und seine Frau Maria hatten ebenfalls 5 Kinder. Das dritte unter ihnen wurde am 30. Jänner 1760 getauft und hieß Matthias. Matthias Auer war, wie sein Großvater, Flößer und heiratete, nachdem er zweimal Witwer geworden war, Maria Anna Mayr aus Apfelwang. Als vorletztes unter den sieben Kindern dieser Ehe kam Alois Auer am 11. Mai 1813 in Wels zur Welt. * * * Alois Auer besuchte zunächst die Normalschule und trat mit dem Beginn des Jahres 1825 in die kleine Buchdruckerei des Michael Haas am Vorstadtplatze zu Wels als Setzerlehrling ein. Da ihm der Besuch einer höheren Schule versagt war, trachtete er, in seiner freien Zeit, und das waren meist nur die Nächte, sich durch die Lektüre deutscher Schriftsteller, was ihm an Bildung fehlte, anzueignen. Als Schriftsetzer freigesprochen, warf er sich mit solchem Eifer auf das Studium fremder Sprachen, daß er an der Universität Wien .aus der französischen, italienischen und englischen Sprache, sowie der Erziehungskunde die öffentliche Prüfung ablegen konnte. Nachdem er kurze Zeit in Wels und dann in Linz als privater Sprachlehrer tätig gewesen war, wurden ihm die Lehrstellen der italienischen Sprache am dortigen Lyzeum und bei den Landständen übertragen. Als Schriftsetzer gelernter Fachmann, als Sprachlehrer (wenn auch geprüfter) Autodidakt, wandte Auer sich nun einer Tätigkeit zu, die diese beiden Gebiete miteinander verknüpfte, eine Verbindung, die für sein späteres Wirken bedeutungsvoll werden sollte: entsprangen doch seine schönsten Erfolge als späterer Direktor der Staatsdruckerei eben dieser Vereinigung von Schriftsetzerkunst mit Sprachwissenschaft, der „linguistischen Typographie“. Auer hatte zunächst den Gedanken, „eine neue Grammatik der französischen und italienischen Sprache zu ver- Abb. 2. Das Geburtshaus Alois Auers am Mühlbach in Wels. Das Haus trägt eine Gedenktafel. Der Vater, Alois Ritter Auer von Welsbach. 3 fassen, worin durch einen typometrisch eingetheilten und berechneten Schriftsatz auf den gleichlaufenden Columnen der beiden Grammatiken der gleiche Bau dieser Sprachen für das Auge nachgewiesen, zugleich aber auch dort, wo Abweichungen in den Regeln der einen Sprache von der anderen bestehen, (dies) mit 'c. _ jU** brückcrRi ♦V 1S\ üSh. Ki F ff- ;:vr • ; ;• H(Ü ' .Aiir+v i,: ^ ) ' ’KW / Abb. 3. Die alte Hof- und Staatsdruckerei in Wien. Die Druckerei war in einem dem Ärar überlassenen Teil eines Franziskanerklosters untergebracht. (Nach einer kolorierten Zeichnung von E. Hütter.) einem schnellen Blick anschaulich gemacht werden sollte “. 1 Das „typometrische System“ definiert Auer als die „arithmetische Buchstabenmaß- und Raum- 1 Alois Ritter Auer von Welsbach, Mein Dienstleben. Verkürzter Neudruck der vom Finanzministerium 1864 unterdrückten Originalausgabe. Im Aufträge des Sohnes des Verfassers herausgegeben und eingeleitet von Dr. Rudolf Payer-Thurn. Leipzig u. Wien 1923. 4 Erster Abschnitt. berechnung der Druckfläche eines Blattes oder Bogens“. 1 Diese neuen Grammatiken erregten Aufsehen und verschafften ihrem Verfasser die Gönnerschaft des Staatskanzlers Fürst Metternich und des Ministers Graf Kolowrat. Angesichts dieser wertvollen Beziehungen konnte Auer daran denken, einer anderen Idee, die ihn schon seit einiger Zeit beschäftigt hatte, festere Formen zu geben. Sein Plan war: die damals recht primitive österreichische Buchdruckerkunst müsse durch die Errichtung eines großen polygraphischen Instituts auf eine höhere und vorbildliche Stufe gehoben, ja es müsse damit zugleich die Hauptverlagsstätte Deutschlands nach Wien verlegt werden. Aber er erkannte, daß er zuerst die berühmtesten Druckereien, Kunstanstalten und Bibliotheken des Auslandes sehen müsse und unternahm auf eigene Kosten eine diesem Zweck gewidmete Studienreise nach Deutschland, Frankreich und England. Von dieser Reise heimgekehrt, legte er seinen Plan in einer Denkschrift nieder, die er seinen Wiener Gönnern überreichte. Bald darauf wurde Auer vom Grafen Kolowrat zur Erstattung eines Gutachtens über eine neue Setz- und Sortiermaschine herangezogen und am 24. Jänner 1841 wurde ihm die im Vorjahre erledigte Direktorstelle der Hof- und Staatsdruckerei in Wien übertragen. Dieses Institut war nun freilich damals nicht mehr als eine etwas herabgekommene Hilfsanstalt des Hofkammerexpedits. Die Staatsdruckerei war 1804 gegründet worden und hatte die Aufgabe, die von den Behörden und Ämtern benötigten Druckarbeiten durchzuführen. Für die ersten zehn Jahre hatte man einen Vertrag mit einer leistungsfähigen Wiener Buchdruckerei geschlossen, die sich der Staatsverwaltung zur Verfügung gestellt hatte. 1814 war der Betrieb verstaatlicht worden und weitere zehn Jahre später hatten sich bereits alle Nachteile dieser Maßnahme ausgewirkt. Infolge unzweckmäßiger und veralteter Betriebsführung war das Institut derart unrentabel geworden, daß man bereits seine Aufhebung erwog, um so mehr, als die meisten Ämter ihre Drucksorten lieber in privaten Druckereien herstellen ließen. In diesem Zustande befand sich die Staatsdruckerei, als der siebenundzwanzigjährige Setzer und Sprachlehrer Alois Auer an ihre Spitze berufen wurde. Die Aufstellung neuer Pressen und Maschinen, die Neuaufnahme und Heranbildung tüchtiger Arbeitskräfte, vor allem aber der Umguß sämtlicher Vorräte veralteter Lettern in neue unter Anwendung des typometrischen Systems, das waren die hauptsächlichsten Arbeiten der ersten Jahre seines Direktorats und als es ihm gelungen war, durch diese Maßnahmen, die wegen der Unterordnung unter eine Behörde oft schwer erkämpft werden mußten, das Institut wieder auf eine aufwärtsführende Bahn zu bringen, da konnte er auch an die Verwirklichung höherer typographischer Pläne denken. Auer hatte erkannt, daß die Herstellungsmöglichkeit orientalischer Schriften für Österreich von Wichtigkeit sei und begann, in der Staatsdruckerei solche Schriftzeichen schneiden und gießen zu lassen. Im Laufe weniger Jahre kam so eine reichhaltige und einzig dastehende Sammlung morgenländischer Schriftzeichen zustande, welche die Drucklegung orientalischer Sprachwerke ermöglichte, wovon Gelehrte des In- und Auslands in steigendem Maße Gebrauch machten. Das erste mit beweg- 1 Ebenda. Der Vater, Alois Ritter Auer von Welsbach. 5 liehen japanischen Lettern gedruckte Buch der Welt stammt aus dieser Zeit der österreichischen Staatsdruckerei. Wie anregend diese Neuerungen Auers auch auf die Angestellten des Instituts gewirkt haben müssen, beweist der Umstand, daß jüngere Setzer und Faktoren anfingen, an der Universität Vorlesungen über Türkisch und Arabisch, Chinesisch, Japanisch und Sanskrit zu hören. Das äußere Zeichen von Auers „linguistisch-typographischen“ Bestrebungen war die Herausgabe seiner großen „Sprachenhalle“,, einer Vaterunser-Sammlung in den verschiedensten Sprachen, zunächst nur in Antiqua gedruckt, später dann in den den Fremdsprachen eigentümlichen Schriftzeichen. Im selben Jahre wie das letztere Werk, 1847, kam auch seine „Typenschau des gesamten Erdkreises“ heraus. Auch den verschiedenen Zweigen der graphischen Künste widmete Auer eifrige Tätigkeit. Die Wiederbelebung der zu jener Zeit wenig geübten Xylographie, die Heranziehung der Galvanoplastik zur Herstellung von Platten für die feinsten Kunstdrucke, besonders aber die Ausbildung des damals noch neuen Farbensteindrucks, der Chromolithographie, welches Verfahren nicht nur künstlerischen, sondern auch wissenschaftlichen Zwecken, wie etwa der Illustration des Hebra- EusiNGERschen Werkes über die Hautkrankheiten dienstbar gemacht wurde — all diese Neuerungen fanden Auers tatkräftigste Förderung. Da das auf blühende Institut immer zahlreichere junge Leute anzog, die sich um die Aufnahme als Lehrlinge bewarben, führte Auer für diese Zöglinge einen regelrechten Unterricht ein, bei dem, seiner ganzen Einstellung entsprechend, die Sprachen eine wesentliche Holle spielten. Es ist bezeichnend, daß er in diesen ersten Jahren, 1841 bis 1847, das technische Personal von 45 auf etwa 700 Köpfe vermehrte, die Zahl der Verwaltungsbeamten aber nur um einen einzigen! Mag dieser und so mancher andere Zug an diesem modern eingestellten Menschen nicht so recht zu dem Bilde passen, das man sich von einem Regierungsrat des österreichischen Vormärz macht, so läßt die nun hereinbrechende Revolution des Jahres 1848 in Auer den altösterreichischen Beamten, der er durch und durch war, um so ausgeprägter hervortreten. Seinem Kaiser unbedingt ergeben, verstand er es, durch die oft schwierigen und bedrohlichen Situationen, in die er begreiflicherweise als Direktor der Staatsdruckerei dadurch kommen mußte, daß von allen Seiten her *fie Drucklegung von Plakaten, Bekanntmachungen u. dgl. von ihm gefordert wurde, geschickt hindurchzusteuern, äußerstenfalls unter Anwendung der altbewährten Verzögerungstaktik. In seinem Buch „Mein Dienstleben“ erzählt Auer folgende Begebenheit aus jenen Tagen: Feldmarschall Fürst Windischgrätz, der Kommandierende der kaiserlichen Truppen, hatte von Schloß Hetzendorf her Standrecht und Belagerungszustand über Wien verhängt und die Stadt zur sofortigen Übergabe auffordern lassen. Die Proklamation war in der Staatsdruckerei gedruckt worden. Sie hatte eine Gegenproklamation Messenhausers, des Kommandanten der Nationalgarde, zur Folge, deren sofortige Drucklegung dieser von Auer forderte. Auer ließ das Manuskript zunächst einen Tag liegen. Als man dann mitten in der Nacht energisch von ihm den Druck verlangte, ordnete er an, daß das Schriftstück gesetzt, daß jedoch nur ein einziger Abzug davon gemacht werde. Diesen legte er am Morgen seinem Chef, dem Finanzminister, vor, der ihm indessen auch nur raten 6 Erster Abschnitt. konnte, nach den Erfordernissen der Lage zu handeln. Alsbald kam eine bewaffnete Abordnung zu Auer, die den schriftlichen Befehl vorwies, ihn", falls der Druck nicht sofort durchgeführt werde, „ohne alle weitere Procedur standrechtlich zu behandeln und die Exemplification am Platze vorzunehmen“. Auer ließ nun die Auflage drucken, nachdem er heimlich das Impressum der Hof- und Staatsdruckerei aus dem Satze entfernt hatte. Dies fiel bei der Übernahme nicht auf, hatte aber zur Folge, daß dem Plakate der offizielle Charakter genommen wurde, wodurch es- viel von seiner Wirkung auf die Bevölkerung verloren haben soll. Als endlich Messenhauser selber mit bewaffneten Garden erschien und unter schärfsten Drohungen den Druck einer neuen Auflage mit dem Impressum der Anstalt verlangte, mußte Auer der Gewalt weichen, aber erst zu einem Zeitpunkt, als die Situation bereits wesentlich geändert war, zumal der Angriff Windischgrätz’ auf Wien inzwischen eingesetzt hatte. Daß in jenen unruhigen Tagen unter dem zahlreichen Personal der Staatsdruckerei kein nennenswerter Übergriff vorkam, auch dann nicht, als das Institut Millionen an Staatskreditpapieren herzustellen hatte, muß als Zeugnis für Auers außerordentliche Führereigenschaften gelten. In der auf das Sturmjahr 1848 folgenden Zeit war die Staatsdruckerei durch die Herstellung von Papiergeld und anderen staatlichen Wertpapieren, durch die Drucklegung der vielen mit der Neugestaltung des Staates zusammenhängenden Veröffentlichungen, später auch durch den Druck von Briefmarken und Stempeln außerordentlich in Anspruch genommen. Auer verstand es, durch eine starke Vermehrung der maschinellen Ausrüstung sowie auch durch bauliche Erweiterungen die Leistungsfähigkeit des Instituts bedeutend zu steigern. Die Staatsdruckerei beschäftigte damals über 1000 Angestellte. Trotz der vielen amtlichen Arbeiten und Verpflichtungen, zu denen noch die Oberaufsicht über die staatliche Druckerei in Lemberg kam, fand Auer Zeit, sich der Förderung und Vervollkommnung neuerer graphischer Verfahren, wie der Galvanographie, Chromolithographie, auch der Photographie anzunehmen. In das Jahr 1853 fällt die Veröffentlichung des von Auer gemeinsam mit dem Faktor Andreas Worring erfundenen Naturselbstdruckes. Um das Verfahren kurz zu erläutern, sei die kleine Beschreibung hier wiedergegeben, die Auer seiner Schrift „Die Entdeckung des Naturselbstdruckes“ voranstellte. „Frage: Wie erlangt man in einigen Secunden fast kostenfrei und täuschend ähnlich von jedem Original eine Druckplatte, ohne eines Zeichners oder Graveurs etc. zu bedürfen ? Lösung: Wenn das Original, sei es eine Pflanze, Blume oder ein Insect, Stoff oder Gewebe, kurz was immer für ein lebloser Gegenstand, zwischen eine Kupfer- und eine Bleiplatte gelegt, durch zwei fest zusammengeschraubte Walzen läuft. Das Original läßt durch den Druck sein Bild mit allen ihm eigenen Zartheiten, gleichsam mit seiner ganzen Oberfläche auf der Bleiplatte zurück. Trägt man auf diese geprägte Bleiplatte die Farben, wie beim Druck eines Kupferstiches auf, so erhält man durch einen einmaligen Druck von einer Platte jedesmal die der Natur täuschend ähnliche Copie mit den verschiedensten Farben. Der Vater, Alois Ritter Auer von Welsbaoii. 7 Bei einer großen Menge von Abzügen, welche die Bleiform wegen ihrer Weichheit zu liefern außer Stande ist, stereotypirt oder galvanisirt man dieselbe in beliebiger Anzahl, und druckt die stereotypste oder galvanoplastisch erzeugte Platte statt der Bleiplatte. Bei einem Unicum, welches keinen Druck verträgt, über streicht man das Original mit aufgelöster Guttapercha, und benützt nach vorher stattgefundenem Überzüge von Silberlösung die abgenommene Guttapercha-Form als Matrize zur galvanischen Vervielfältigung.“ Die Bemühungen, von natürlichen Gegenständen, insbesondere von Pflanzen, Abdrücke herzustellen,, sind alt. So findet man in dem ,,Kunstbuch des Alexii Pedemon- tani“ vom Jahre 1570 Angaben über ein Verfahren, Abdrücke von Pflanzen zu machen. Eine Sammlung grüner Pflanzenabdrücke, von der Beckmann berichtet, wurde von Johann und dessen Sohn Theophilus Kentmann im Jahre 1583 hergestellt. Um 1660 soll der Däne Welkenstein diese Kunst gelehrt haben, die um dieselbe Zeit auch von dem berühmten Italiener Hieronymus Cardan us beschrieben wurde. Linne erzählt von einem Amerikaner namens Hessel, der sich 1707 ebenfalls mit einem solchen Verfahren beschäftigte. Im Jahre 1728 legte der Erfurter Professor Joh. Hieronymus Kniphof zusammen mit dem Buchdrucker Joh. Michael Funke zu diesem Zweck sogar eine eigene Druckerei an, die ein Werk mit 1200 Abbildungen herausbrachte. Weitere Werke dieser Art kamen im Laufe des 18. Jahrhunderts heraus, auch wurden mehrfach Anleitungen veröffentlicht, wie solche „Ectypa“ herzustellen seien. Die ersten Verfahren bestanden darin, daß die Pflanze mit einer Kerze oder Lampe berußt und dann zwischen weichem Papier vorsichtig abgedruckt wurde, später wurden die Drucke durch Einschwärzen der getrockneten Pflanze mit zäher Buchdruckerfarbe hergestellt. Eine Pflanze hielt natürlich nicht viele Drucke aus. Alle diese Verfahren waren also von dem AuERschen noch weit entfernt. Abb. 4. Naturselbstdruck nach einer Pflanze. Aus: „Der polygraphische Apparat oder die verschiedenen Kunstfächer der k. k. Hof- und Staatsdruckerei zu Wien von Alois Auer.“ Wien 1853. 8 Erster Abschnitt. Auer scheint sich schon geraume Zeit mit dem Gedanken eines Naturdruckverfahrens befaßt zu haben, denn im Jahre 1849, anläßlich der Beratung über die Errichtung einer eigenen lithographischen Abteilung für die bildliche Wiedergabe wissenschaftlicher Gegenstände, meinte er, daß in Zukunft wohl der Zeichner für diese Zwecke in den.meisten Fällen entbehrlich werden würde. Es gelang ihm damals, einige gute Drucke von Versteinerungen, deren Platten der Faktor Andreas Worring galvanoplastisch nach den Originalen gewonnen hatte, herzustellen. Ähnliche Drucke von geätzten Achaten verfertigte kurze Zeit später der Professor am Polytechnischen Institut Leydolt. In das Jahr 1852 fällt die Ausarbeitung des eigentlichen Naturselbstdruckverfahrens, das zuerst der Wiedergabe von Spitzenmustern diente. Auer hat betont, daß sein Faktor Worring es war, der als Abformungsmaterial das Blei statt der zuerst verwendeten Guttapercha vorschlug. Den größten Beifall, besonders auch in der wissenschaftlichen Welt, erweckten jedoch die sodann hergestellten Pflanzenabdrücke. Wie der Professor an der Akademie der bildenden Künste, Ritter von Perger, berichtet, gerieten, als er in einem Vortrag vor dem zoologisch-botanischen Verein solche Drucke vorzeigte, ,,die sämmtlichen anwesenden Mitglieder in so freudiges Erstaunen, daß sich Herr Vicepräsident Ritter von Heufler bewogen sah, den weiteren Vorträgen Einhalt zu thun, bis ,sich die Aufregung gelegt habe'“. Die Einfachheit des Verfahrens, die Schönheit und überraschende Naturtreue der Drucke, die auch heute noch das Durchblättern eines derartigen Werkes genußreich machen, und der Beifall der Zeitgenossen lassen es verständlich erscheinen, wenn Auer die Bedeutung seiner Erfindung gewaltig überschätzte. Dies spricht sich in nichts so deutlich aus, wie in den Worten, mit denen er seine Schrift „Die Entdeckung des Naturselbstdruckes“ einleitet: „Drei große Momente ragen in der Cultur-Geschichte der Völker in Bezug auf die Presse hervor — die Erfindung der Schrift — Gutenbergs künstliche Druckform — und die Entdeckung, wie die Natur selbst zum Drucke sich hingibt.“ Man möchte heute an die dritte Stelle eher die Photographie setzen, bei der sich ebenfalls die Natur selber abbildet und — wenn man die photomechanischen Druckverfahren betrachtet —, wenigstens mittelbar, „zum Drucke sich hingibt“. Die Möglichkeit, druckfähige Platten nach Photographien herzustellen, bestand ja damals längst, die Bestrebungen hierzu hatten unmittelbar nach der Erfindung der Photographie eingesetzt. 1 Die gewaltige Bedeutung und die großen Zukunftsmöglichkeiten der Photographie verkannte Auer keineswegs. In seinem „Polygraphischen Apparat“ vom Jahre 1853, einer Art Systematik aller graphischen Verfahren, singt er wahre Loblieder auf die Photographie, die er im übrigen bezeichnenderweise der Gruppe der Naturselbstdruckverfahren zuzählt. Die Staatsdruckerei hat mehrere Werke in Naturselbstdruck herausgegeben, deren Pflanzenbilder einen Reiz haben, der in seiner Eigenart auch von den heutigen Verfahren nicht erreicht wird. 1 In der Sitzung der Pariser Akademie der Wissenschaften vom 19. August 1839 machte Arago das I)AGUERREsche Verfahren bekannt. Im April 1840 wurden von Josef IIerres in Wien und wenige Wochen später von Alfred Donnä in Paris I)a- guerrotypplatten vertieft geätzt und gedruckt. (E. Stenger, Geschichte der Photographie, S. 5 u. 25.) Der Vater, Alois Ritter Auer von Welsbach. 9 An manchen Neuerungen hat sich Auer dadurch ein Mitverdienst erworben, daß er ihren Urhebern tatkräftige Hilfe bot. So wurden unter seinem Direktorate von Josef Kliegl und von L. E. Tschulik neue Setzmaschinen erfunden, wobei er beiden Erfindern vom Kaiser namhafte Geldbeträge erwirkte. -Er verstand es, den Erfinder der Chemitypie, den Dänen Pill, an sein Institut zu fesseln, vor allem aber ist hier die von Paul Pretsch an der Staatsdruckerei 1854 gemachte Erfindung der Photogalvanographie zu nennen, zu der übrigens der Naturselbstdruck die Anregung gab. Außer der Direktion der Staatsdruckerei in Wien hatte Auer, wie schon erwähnt wurde, einige Jahre lang auch die Leitung der Lemberger staatlichen Druckerei inne. Im Jahre 1857 wurde ihm die Oberleitung über die Druckerei in Temesvar, über die Porzellanfabrik in Wien und über die einige Jahre vorher gegründete Papierfabrik Schlöglmühl bei Gloggnitz übertragen. Hier stellte Auer mehrjährige Versuche zur Herstellung von Maispapier an, die, wenngleich das Erzeugnis in den sechziger Jahren verwendet wurde, doch nicht zu dauerndem Erfolg führten. Die Papierfabrik Schlöglmühl war seinerzeit in der Erwägung gegründet worden, der Staat müsse seiner großen Druckerei auch eine das Papier liefernde Quelle verfügbar halten, schon um von den schwankenden und oft empfindlich ansteigenden Papierpreisen unabhängiger zu sein. Diesem wirtschaftlich-organisatorischen Gedanken der Zusammengehörigkeit von Papiererzeugung und Papierverarbeitung stellte Auer den technischen Parallelgedanken an die Seite: „Ich erkannte nämlich“, so schreibt er, 1 „die Möglichkeit, an die das Papier erzeugende Maschine unmittelbar die Schnelldruckpresse anzuspannen, sie von derselben bewegenden Kraft treiben und beide gleichzeitig wirken zu lassen, so daß der erzeugte l’apierbogen von der Papiermaschine im bereits gefeuchteten Zustande auf die Schnellpresse übergehe, daselbst bedruckt und am hinteren Ende derselben mit dem fertigen Drucke weggenommen werde...“. Dieser Gedanke war nun freilich nicht ohne weiteres in die Wirklichkeit zu übertragen, doch richtete Auer mehrere Schnellpressen der Staatsdruckerei so ein, daß er auf ihnen unmittelbar Rollenpapier bedrucken konnte, das dann erst durch die Maschine zu Bogen zerschnitten wurde. Auer zählt mit dieser Konstruktion zu den Wegbereitern der modernen Rotationsmaschine, die an die Stelle der hin- und herpendelnden Formenplatte den kreisenden Druckzylinder setzte und mit ihrer gigantischen Druckgeschwindigkeit die Riesen- auf lagen moderner Zeitungen ermöglichte. Eine von Auers kulturellen Ideen w r ar die immer wieder vertretene Forderung, die Erzeugnisse der graphischen Künste, oder wie er sagte, der „veredelten Presse“ müßten in weit höherem Maße allen Schichten des Volkes zugänglich gemacht "erden, sie müßten der Verbreitung von Kunstreproduktionen, von geographischen und geschichtlichen Kenntnissen, kurz der Volksbildung im allgemeinsten Sinne dienen. Diese Forderung hat sich mit der Vervollkommnung und Verbilligung der Keproduktionsverfahren und dem damit einsetzenden Aufschwung der illustrierten Blätter ja eigentlich erfüllt. 1 Dienstleben, 8. 59. 10 Erster Abschnitt. Einen großen Gedanken aber hat Auer sein Leben lang mit sich herumgetragen, ohne ihn je verwirklicht zu sehen, den Plan, daß der Staat alle deutschen Schriftsteller unter dem Schutze der Regierung in Wien vereinige, ihre Werke verlege und sie würdig honoriere, um 'damit Wien zum Mittelpunkt der deutschen Literatur zu machen. Doch Auer konnte sich schließlich damit begnügen, in Wien eine typographische Musteranstalt geschaffen zu haben, wie sie kein anderes Land der Welt besaß. Welches Ansehen die Staatsdruckerei im Auslande genoß, kam in den Erfolgen zum Ausdruck, die sie auf Ausstellungen errang, vor allem auf der Londoner Weltindustrieausstellung des Jahres 1851, wo sie in ihrer Ausstellungsklasse als einzige die höchste Auszeichnung, die Council Medal, erhielt und damit auch über die altberühmte Staatsdruckerei zu Paris den Sieg davontrug. Welchen Ruf aber ihr Leiter in der wissenschaftlichen Welt hatte, geht aus einem Brief hervor, in welchem Alexander von Humboldt sich über das graphische Museum des Professors G. J. Dekker lobend äußert, wobei als „der höchste Richter auf diesem Gebiete“ „der sehr berühmte Herr Director Auer in Wien“ 1 bezeichnet wird. Im Jahre 1849, zu einer Zeit also, als er längst Regierungsrat und eine anerkannte Persönlichkeit war, hatte Alois Auer geheiratet. Seine Frau «Therese, geb. Neuditschka, war die Tochter eines angesehenen Welser Kaufmanns. Der Ehe entstammten vier Kinder: Leopoldine, Alois, Amalie und Carl. Diese Frau, die den Gatten um viele Jahre überlebte, blieb den Kindern eine vortreffliche Mutter, insbesondere aber dem Jüngsten, den sie, so selbständig er schon frühzeitig in sein Schicksal eingriff, bis zu seinem ersten großen Erfolg mit treuer Hand geleitete. Eine große Zahl persönlicher Auszeichnungen wurde Auer im Laufe seines Ijebens zuteil. Im Gründungsjahr der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, 1847, wurde er zum wirklichen Mitglied dieser Körperschaft ernannt. 1850 wurde ihm das Prädikat Ritter von Welsbach verliehen. Die Ordensaus- Abb. 5. Alois Ritter Auer von Welsbach. .V ach einer Litographie von A . Seumann. 1 Dienstleben, 8. 52. ' 91 '. . "iV»t.‘'äv-AÄ*ith' Jugend und Studien Carl Auers von Welsbach. 11 Zeichnungen, die er von nahezu allen regierenden Fürsten Europas erhielt, ebenso wie die Mitgliedschaften zahlloser gelehrter Vereinigungen können hier nicht einzeln aufgezählt werden. Aber wohl ebenso zahlreich wie diese Ehrungen waren die Kränkungen, die Auer während seines Wirkens erfuhr, Kränkungen und Demütigungen, auch durch seine Vorgesetzte Behörde, die sich schließlich zu Intrigen verdichteten, welche ihn im Jahre '1864 verbittert in den Ruhestand treten ließen. 1 Auch die ihm sehr nahegehenden starken Einschränkungen im Betrieb der Staatsdruckerei haben ihn zu diesem Entschluß bewogen. Auer hat seine Pensionierung nicht lange überlebt. Er starb am 10. Juli des Jahres 1869 in Wien. Alois Auer von Welsbach hat seine Tätigkeit im österreichischen Staatsdienste in einer Schrift „Mein Dienstleben“ geschildert, deren Veröffentlichung ihm, allerdings vom damaligen Finanzministerium verboten wurde. .Diesem Buche sind die folgenden Sätze entnommen, mit denen er sein Lebenswerk und damit zugleich sich selber kennzeichnet: „Meine Gegner haben oft behauptet, daß, wenn ich weit über das Maß gewöhnlicher Pflichterfüllung hinausgestrebt und gewirkt habe, dies nur aus persönlichem Ehrgeiz geschehen sei. Ich. könnte dagegen einwenden, daß es bei der Beurtheilung der Verdienste eines Mannes weniger auf die Motive als auf die Resultate seiner Handlungen ankomme; allein das hieße dem Vorwurf aus- weichen, statt ihm zu begegnen. Ich gestehe es offen, daß ich den Ehrgeiz hatte, die Staatsdruckerei zu etwas mehr als einer gewöhnlichen Druckerei — sie zu einer polygraphischen Musteranstalt zu erheben, sie bei allen Weltausstellungen die ersten Preise davontragen zu sehen, um mein Vaterland, dessen Ruhm und Größe mir über Alles geht, wenigstens in den graphischen Künsten an der Spitze der civilisirten Nationen zu sehen...“ 2 II. Jugend und Studien Carl Auers von Welsbach. Lie Schuljahre. Wien und Heidelberg. Die Doktorprüfung. Robert Wilhelm von Bunsen. In dem Jahre, als Alois Auer zum Hofrat ernannt wurde, als er seinen großen Elan, die deutsche Dichtkunst in Wien zu vereinen, dem Ministerium unterbreitete, als ihn in der Papierfabrik Schlöglmühl jene bedeutsamen Neuerungen beschäftigten, die auf eine maschinelle Vereinigung der Papiererzeugung mit dem Druckvorgang abzielten — in diesem Jahre der Arbeit, Pläne und Erfolge, wurde ihm sein jüngster Sohn geboren, der den vom Vater eingeleiteten Aufstieg der Familie in so glänzender Weise fortsetzen sollte. Carl. Auer kam am 1. September 1B58 im Hause der alten Hof- und Staatsdruckerei in der'Singerstraße als biebenmonatskind zur Welt. Die Mutter hatte zwei Tage vorher den über 2000 m hohen Schneeberg erstiegen. Als Carl 11 Jahre alt war, starb sein Vater. So war es hauptsächlich die Mutter, die für die Erziehung der Kinder und ins- 1 Auer wurde 1864 auf längere Zeit beurlaubt. 1866 erfolgte seine Pensionierung. 2 Dienstleben, S. 84/85. 12 Zweiter Abschnitt. Jugendbildnisse Carl Auers von Welsbach. Abb. 8. Als Schüler der Josetstädter Abb. 9. Als Leutnant in der Reserve im Realschule. Festungsartilleriebataillon Nr. 9. Abb. 7. Als Zögling des Löwenburgschen Konviktes. Abb. 6. Knabenbildnis. Sach einem Ölgemälde. &*■ ■ l>eson(lere des Jüngsten zu sorgen hatte. Nach dem Besuch einer Privatvolksschule und nachdem er zwei Jahre Internist am Löwen BURGschen Konvikt in der Piaristen- gasse gewesen war, ging Carl Auer zunächst ans Gymnasium, trat aber dann in die Realschule über. Für die alten Sprachen soll er keine große Vorliebe gehabt haben. Um so regeres Interesse brachte er schon damals den Naturwissenschaften, i Jugend und Studien Carl Auers von Welsbach. 13 besonders der Physik und der praktischen Arbeit auf diesem Gebiete, dem Bau von Apparaten und dergleichen entgegen. An der Josef Städter Realschule legte Auer 1877 die Reifeprüfung ab. Am 1. Oktober.dieses Jahres trat er den Präsenzdienst als Einjährig-Freiwilliger beim Festungsartilleriebataillon Nr. 4 an. Bald nach Ablauf dieses Dienstjahres wurde er zum Leutnant in der Reserve im Festungsartilleriebataillon Nr. 9 ernannt, als der er dann später noch drei Waffenübungen mitmachte. 1 1878 ging Auer an die Universität Wien, um bei Adolf Lieben Chemie fcu studieren. Aber nach zwei Jahren wandte er sich nach Heidelberg, Liebens berühmtem Lehrer Robert Wilhelm von Bunsen zu. Hier an der Universität Heidelberg war er vom Sommersemester 1880 bis einschließlich zum Wintersemester 1881/82 immatrikuliert. Er hörte Vorlesungen über anorganische Experimentalchemie, organische Chemie, theoretische Chemie, Geschichte der Chemie, Physik, Mineralogie, er besuchte ein chemisches und ein mineralogisches Praktikum und bereitete sich auf das lateinische Vorexamen, das der Doktorprüfung vorausging,* vor. Nachdem er dieses Examen bei Wachsmuth abgelegt und die Doktorprüfung bei Bunsen und Kopp in Chemie, Quincke in Physik und Rosenbusch in Mineralogie mit der Note insignis cum laude bestanden hatte, wurde er am 2. Mai 1882 zum Doktor der Philosophie promoviert. Die Abfassung einer Dissertation verlangte Bunsen nicht, der, ein ebenso hervorragender Lehrer wie Naturforscher, sich mit jedem seiner Studenten täglich persönlich beschäftigte und w r ohl deshalb auf diesen sichtbaren Beweis wissenschaftlicher Reife verzichten konnte. Bunsen sagte auch, daß man Chemie nicht aus Büchern, sondern nur im Laboratorium lernen könne und hatte daher auch kein Lehrbuch verfaßt. Auer hatte zum Studium geschriebene Kolleghefte benützt, die ihm* sein Kollege Hans Heger (der spätere Herausgeber der Pharmazeutischen Post in Wien) bei seinem Abgang von der Universität hinterlassen hatte. Auer erzählte, daß Bunsen ihn nur sehr ungern von Heidelberg ziehen ließ. Er hätte in ihm gerne seinen weiteren Mitarbeiter und — nach späteren Andeutungen Bunsens zu schließen — wohl auch seinen Nachfolger gesehen. Aber Auer hatte keine Neigung und vielleicht auch keine Eignung für den Lehrberuf. In Heidelberg bei Bunsen hat Auer wohl die erste Anregung erhalten, in das I orschungsgebiet einzudringen, dem er sein Leben lang treu blieb, in die Chemie der seltenen Erden. In Heidelberg lernte er auch jene glänzende Analysenmethode gebrauchen, die ihm zum Führer bei all seinen Forschungsarbeiten werden sollte, ( lie Spektroskopie. Bunsen und Kirchhoff hatten sie begründet. Und sein großer Lehrer Bunsen war es auch, von dem die Brennerkonstruktion stammte, die Auer dann zum Heizgerät seines Gasglühlichtes machte. So hat Auer von Welsbach alles das, worauf er sein Lebenswerk auf baute, in Heidelberg empfangen. 1 In der militärischen Beschreibung des Jahres 1885 findet sich die Bemerkung: »»Konstruiert als Chemiker und Elektrotechniker Beleuchtungsapparate für militärische Zwecke und steht dieserhalb mit dem technisch-administrativen Militärkomitee in Verbindung.“ (Schriftliche Mitteilung des Kriegsarchives vom 27. Juli 1928.) 14 Dritter Abschnitt. Die seltenen Erden. Der chemische Begriff Erde früher und heute. Die Erforschung der Erdarten. Das Aluminium. Die Entdeckungsgeschiclite der seltenen Erden bis zu Auer von Wels rach. Das Wort Erde hat außer seiner gewöhnlichen Bedeutung als der dunklen, pflanzennährenden Bodensubstanz, außer seinem physikalisch-astronomischen und seinem theologischen noch einen speziellen chemischen Sinn angenommen. Als „Erden“ bezeichnet man die Oxyde bestimmter Metalle, deren verbreitetster, bekanntester und wichtigster Vertreter das Aluminium mit seinem Oxyde, der Ton- „erde“, ist. Irden, althochdeutsch „irdin“, heißt tönern, Irdenware ist aus Lehm gebranntes Geschirr. Im Altertum hatte der chemische Ausdruck Erde einen weiteren Sinn. Die Bezeichnung „terra“ mit einem charakterisierenden Beiwort gebrauchten die Römer für verschiedene erdartige Substanzen, vornehmlich solche, die eine auffallende Färbung hatten und als Malerfarbeh benützt wurden. Noch heute werden Bezeichnungen, wie „grüne Erde“, „Veroneser Erde“, „Terra di Siena“ allgemein gebraucht und die natürlichen Mineralfarben, zum Unterschied von den chemisch gewonnenen, die „Erdfarben“ genannt. Von einer Erörterung der Bedeutungen, welche die Alchemisten dem Wort Krde gaben, soll hier abgesehen werden. Die Hauptvertreter der phlogistischen Chemie, Becher und Stahl, nahmen eine Primitiverde an, die, wie sie meinten, allen Erdarten gemeinsam sei und die als „verglasbare Erde“ in der Kieselerde in reinster Form vorliege. Aber mit der zunehmenden Möglichkeit chemischer Charakterisierung lernte man die bekannten Erden exakter voneinander unterscheiden und neue kennen. Kalkerde und Kieselerde waren ja schon frühzeitig voneinander unterschieden worden. 1754 beschrieb Marggraf als vom Kalk verschieden die Alaunerde (= Tonerde). Im nächsten Jahre wies Black (ebenso 1760 Marggraf) auf die Eigentümlichkeit der Bittererde (= Magnesia) hin. 1774 fand Scheele die Schwererde (= Baryterde). 1782 konnte Bergman in seiner Scia- graphia als einfache Erdarten die Schwererde, Bittererde, Kalkerde, Tonerde und Kieselerde unterscheiden, zu denen später die 1789 von Klaproth entdeckte Zirkonerde, die 1792 von Hope und im nächsten Jahre von Klaproth aufgefundene Strontianerde und 1797 Vauquelins Beryllerde kamen. Das eigentliche Wesen dieser Erden aber wurde erst klar, als es im Jahre 1808 dem Engländer Humphry Davy gelang, aus vier solchen Erdarten auf elektrolytischem Wege vier neue metallische Elemente, das Calcium, Barium, Strontium und Magnesium zu erhalten, womit jene Erden als die Oxyde dieser vier Metalle erkannt waren. 1 Schon damals konnte vermutet werden, daß ähnlich auch hinter der Tonerde ein Metall zu suchen sei. Tatsächlich konnte neunzehn Jahre später (1827) der deutsche Chemiker Friedrich Wöhler aus der von Oersted im selben Jahre zum erstenmal hergestellten Chlorverbindung der Tonerde ein silberweißes 1 Heute zählt man diese Elemente und das Beryllium wegen einer gewissen chemischen Ähnlichkeit mit den Alkalimetallen einer zwischen diesen und den Erdmetallen liegenden Gruppe der „Erdalkalimetalle“ zu. Die seltenen Erden. 15 Metall gewinnen, das Aluminium. Der Name kommt von alumen, womit die Römer den Alaun, die älteste künstliche Tonerde Verbindung, bezeichneten. Das neue Metall, von Wöhler nur in ganz geringen Mengen hergestellt, wurde 1854 von Henri Sainte-Claire-Deville durch Reduktion des Minerals Kryolith mit Natrium zuerst in kompakten Stücken erzeugt. Seine elektrolytische Gewinnung aus geschmolzenem Aluminium-Natriumchlorid geht auf Bunsen (1855), die aus Tonerde auf Charles M. Hall (1886) zurück. Aus Kieselerde hatte schon 1810 Berzelius durch Glühen mit Eisen und Kohle das Kieselelement, wenn auch in unreinem Zustand, gewinnen können. 1823 erhielt er aus Kieselfluorkalium das reine Silicium. Aus der analogen Zirkonverbindung isolierte er im nächsten Jahre elementares Zirkon. 1828 fanden Wöhler und Bussy durch Reduktion des Chlorids das Metall Beryllium. So waren alle diese mit dem Ausdruck Erden bezeichneten Stoffe als Oxyde von Metallen oder metall- ähnlichen Elementen erkannt. Aber schon um die Wende des achtzehnten zum neunzehnten Jahrhundert hatte man weitere Erden aufgefunden, die sich schon dadurch von den meisten der früher genannten unterschieden, daß sie wesentlich seltener waren als sie, insbesondere als die Verbindungen des Aluminiums, das ja zu den verbreitetsten Elementen gehört und über 7 Hundertteile der uns bekannten Erdrinde ausmacht. Diese Elemente nennt man die seltenen Erden. Im Jahre 1788 wurde man durch einen Bergmeister namens Geyer auf ein in Ytterby bei Stockholm vorkommendes pechschwarzes Mineral von fettartigem Glasglanz aufmerksam, das 1794 durch Johann Gadolin, Professor in Abo, näher untersucht wurde. Gadolin fand in dem anfangs Ytterbit, später nach ihm Gado- Iinit genannten Mineral eine unbekannte Erde, deren Existenz drei Jahre später von Ekeberg in Upsala bestätigt wurde. Ekebero nannte sie Yttererde. Als sich der Berliner Chemiker Klaproth mit dieser neuen Erde beschäftigte, erwies sich, daß sie zusammengesetzter Natur sei. Als der eine Bestandteil wurde die damals schon bekannte Beryllerde festgestellt, für den zweiten, weiterhin neuen, behielt man den Namen Yttererde bei. Im Jahre 1803 fanden Klaproth und, unabhängig von ihm, der junge schwedische Forscher Berzelius und sein Mitarbeiter Hisinger in einem Mineral, das aus der verlassenen Eisenerzgrube Bastnäs bei Riddarhyttan in Westmanland, Schweden, stammte, eine weitere neue Erdart. Klaproth nannte sie, da sie beim Erhitzen gelb würde, Ochroiterde, 1 die beiden Schweden indessen gaben dem in dieser Erde zu vermutenden Metall den Namen Cerium, nach dem nicht lange vorher entdeckten Kleinplaneten Ceres. 2 Eine dritte neue Erde stellte Berzelius 1828 in einem bei Brevig in Norwegen vorkommenden Mineral fest. Schon im nächsten Jahre glückte es ihm, aus ihrer Ik)ppelfluoridverbindung durch Reduktion mit Kalium das Metall selbst, wenn 1 ochros = gelb (vgl. „Ocker“). 2 Der zwischen der Jupiter- und Marsbahn kreisende Planet Ceres war am 1. Jän- ner 1801 von Giuseppe Piazzi entdeckt, aber schon von Johannes Kepler 1596 in R einem „Mysterium cosmographicum“ vermutet worden: „Inter Jovem et Martern planetam interposui.“ 16 Dritter Abschnitt. auch nicht völlig rein, zu gewinnen. Nach dem nordischen Donnergott wurde es Thorium genannt. Freilich waren alle diese Erden noch keineswegs einheitliche Körper. Nach und nach gelang es, sie in weitere Bestandteile zu zerlegen und diese in reinem Zustand zu gewinnen. Ein Schüler von Berzelius, Carl Gustav Mosander, führte in wenigen Jahren eine Reihe wichtiger derartiger Trennungen aus. 1839 konnte er aus der Cererde einen Bestandteil absondern, den er schon seit langem mit Bestimmtheit darin vermutet hatte. Er nannte das neue Element, das er durch Reduktion mit Kalium aus dem Chlorid erhalten hatte, wegen seiner langen Verborgenheit Lanthan. 1 Drei Jahre später (1842) fand er, daß auch das Lanthan noch eine Begleitsubstanz habe, welche Didym 2 genannt wurde. Die Cererde stellte sich damit als ein Gemisch der Oxyde von Cer, Lanthan und Didym dar. Schon im nächsten Jahre stellte Mosander für die Yttererde ähnliche Verhältnisse fest. Er zeigte, daß sie aus einem weißen. Oxyd (Yttererde), einem gelben des Erbiums und einem rosafarbigen des Terbiums 3 bestehe. Mosander hatte seine Trennungsmethoden auf der Beobachtung aufgebaut, daß die oxalsauren Salze der seltenen Erden in Wasser ungleiche Löslichkeit haben. So war durch diese und mehrere andere Forscher auf dem Gebiete der seltenen Erden bereits eine Reihe neuer Elemente sichergestellt, als um 1860 durch die Arbeiten zweier Deutscher der Elementenforschung eine völlig neue Grundlage gegeben wurde. Robert Wilhelm v. Bunsen und Gustav Kirchhoff hatten mit der Spektroskopie die zweifellos eleganteste Analysenmethode geschaffen, ja darüber hinaus — wenn Fern Wirkung ein auf allen Gebieten der abendländischen Technik erstrebtes und für sie charakteristisches Ziel ist — nun auch der Chemie ihre „Fernmethode“ gegeben. Die Erkennung der Grundstoffe auf diesem optischen Wege führte schon in den nächsten Jahren zur Entdeckung neuer Elemente auch außerhalb der seltenen Erden. So fand man damals das Cäsium, Rubidium, Thallium und Indium. Besonders aber auf dem Gebiete der seltenen Erden, wo es ja galt, chemisch recht ähnliche Körper durch mühsame Trennungsoperationen voneinander zu sondern, mußte das für jedes Element charakteristische Spektrum zu einem unschätzbaren Führer werden. Doch auch die chemisch-analytischen Verfahren wurden alsbald weiter ausgebaut. So beschrieb 1873 der Russe Dimitri Mendele- JEW eine neue Trennungsmethode für Lanthan und Didym, bei der die Ammondoppelnitrate benutzt werden, ein Gedanke, der später in den Arbeiten Auers von Welsbach wiederkehrt. 1875 führte Bunsen mit Hilfe seiner Natriumthiosulfat- Methode und der von Mosander angegebenen Oxalat-Trennung genaue analytische Bestimmungen von Thor- und Cerpräparaten aus. Im selben Jahre konnten William Hillebrand und Norton durch die Elektrolyse der geschmolzenen, wasserfreien Salze reines metallisches Cer sowie auch Lanthan gewinnen. Reich an Entdeckungen neuer Erden war das Jahr 1879. Paul Emile Lecoq de Boisbaudran isolierte aus dem sibirischen Mineral Samarskit eine Erde, deren 1 lanthanein = verborgen bleiben. 2 didymo8 = Zwilling. 3 Die Elementennamen Erbium und Terbium wurden aus dem Worte Ytterby abgeleitet. Die Zerlegung des Didyms. 17 Metall er Samarium nannte. Nachdem schon im Vorjahre Jean Charles Galissard de Marignac in der alten Erbinerde Mosanders das Oxyd eines heuen Elements, des Ytterbiums gefunden hatte, zeigte Per Teodor Cleve, daß in dem Rückstand der Erbinerde außer dem Erbium noch zwei weitere Elemente vorhanden seien, welche die Namen Thulium und Holmium 1 erhielten. Unabhängig von Cleve hatte übrigens knapp vorher Soret auf Grund spektralanalytischer Untersuchungen in der Erbinerde eine neue Erde angenommen und einzelne Spektrallinien der späteren Elemente Thulium und Holmium gemessen. In dasselbe Jahr, 1879, fällt auch die Entdeckung des Scandiums, 2 welches Lars Fredrik Nilson bei seinen Arbeiten über das Ytterbium als einen Bestandteil der Erbinerde fand. Das Scandium hatte deshalb ( besonderes wissenschaftliches Interesse, weil es eines jener Elemente ist, deren Existenz von Mendelejew auf Grund der Lücken in seinem periodischen System vorausgesagt worden war. Man fand in ihm das MENDELEJEWSche „Ekabor“ mit allen seinen prophezeiten Eigenschaften wieder. So weit etwa war die Erforschung der seltenen Erden vorgeschritten, als der junge Auer von Welsbach seine Arbeiten begann, die — neben der Entdeckung neuer Elemente — durch eine Tat gekrönt wurden, deren sich kein anderer vor ihm rühmen konnte, durch die Schaffung einer Industrie der seltenen Erden. Auer von Welsbach hat auf die Erforschung der seltenen Erden ihre Verwertung folgen lassen. IV. Die Zerlegung des Didyms. Kiickkelir nach Wien. Die ersten wissenschaftlichen Arbeiten. Die Zerlegung des Didyms in die neuen Elemente Praseodym und Neodym. Als Carl Auer von Welsbach nach seiner Promotion im Jahre 1882 von Heidelberg nach Wien zurückgekehrt war, nahm er sich im chemischen Institut des Professors Adolf Lieben in der Währingerstraße zwei Arbeitsplätze und setzte die schon in Heidelberg begonnenen Arbeiten ül^er die seltenen Erden fort. Liebens Assistent wurde er nicht; ebensowenig w r ie er Bunsens Assistent geworden war. Haß er darauf verzichtete, sich nach einer Stellung, einem Erwerb umzusehen, daß er es sich von seiner Mutter ermöglichen ließ, seine Laufbahn als Privatgelehrter zu beginnen, zeigt von einer erstaunlichen Selbstsicherheit des jungen Chemikers, uls hätte.er es vorausgesehen, daß er schon nach wenigen Jahren ein reicher Mann sein werde. Schon im nächsten Jahre, 1883, konnte Lieben der Akademie der Wissenschaften Auers erste Arbeit vorlegen: „Über die Erden des Gadolinits von Ytterby.“ 3 In dieser Abhandlung werden die Methoden besprochen, die Elemente der seltenen Hrden, deren Verbindungen in dem Mineral im Gemisch vorliegen, in Gruppen zu 1 Thulium ist nach dem alten Lande Thule, Holmium nach der Stadt Stockholm benannt. * Scandium ist nach Skandinavien benannt. 3 (I. Mitteilung), Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften, Wien, 1883, 88 - Hd., II. Abt., S. 332. Schichte der Technik, H. 2. 2 18 Vierter Abschnitt. scheiden. Zur Trennung der Erbin- von den Yttererden hatte Bunsen eine Methode 1 angegeben, die Auer in dieser Arbeit in sehr origineller Weise verbesserte. 2 Diese neue Methode, das „Oxydverfahren“, hat Auer auch später noch mit Vorteil angewandt. Die zweite Mitteilung dieser Arbeit 3 behandelt das bei der Trennung der seltenen Erden verwendete Spektralverfahren. „Das wesentlich Neue, das diese Arbeit bietet, ist eine bisher nicht zur Anwendung gebrachte Methode der Lichtgewinnung für Spektralzwecke, bei welcher es möglich ist, ohne irgendwie größere experimentelle Hülfsmittel, die Empfindlichkeit der spectralanalytischen Prüfung bis zu einer weiten Grenze zu steigern.“ 4 In dieser Arbeit beschreibt Auer einen verhältnismäßig einfachen elektrischen Apparat, in welchem unter Reibung der Pole aneinander außerordentlich glänzende Öffnungsfunken erzeugt wurden, die sehr lichtstarke Spektren ergaben. Der eine Pol, der die zu Untersuchende Substanz trug, bestand aus Kohle, der andere, bewegliche (reibende) Pol aus Platin. Die so erzeugten Funkenspektren hatten auch den Vorteil, daß sie keine Luftlinien erkennen ließen. In einer Arbeit des Jahres 1884 wird die Aufarbeitung einer größeren Ceritmenge beschrieben. 5 In das Jahr 1885 fällt Auers erster großer wissenschaftlicher Erfolg: die Publikation seiner Arbeit über „Die Zerlegung des Didyms in seine Elemente.“ 6 „Ein neues Trennungsverfahren der fractionirten Krystallisation der Lanthan- und Didym- ammoniumdoppelnitrate in stark salpetersaurer Lösung, wobei sich diese Körper sehr different erhalten, machte es möglich, nicht nur das Lanthan dem Didym nach wenigen Operationen vollständig zu entziehen und ersteres zum großen Theile rein zu erhalten..., sondern auch das Didym selbst in seine specifischen Bestandteile zu zerlegen. Nach mehrhundertfacher Wiederholung des Trennungsverfahrens lagen die gewonnenen Elemente in reichlichem Maße und in reinem Zustande vor.“ 7 Das Didym, das seinen Namen „Zwilling“ seiner schwierigen Trennbarkeit vom Lanthan verdankte, hatte sich als selber aus Zwillingen bestehend erwiesen. Diese zusammengesetzte Natur des Didyms war zwar schon von verschiedenen Forschern vermutet worden, ohne daß jedoch bisher irgendein exakter Beweis dafür erbracht 1 Eindampfen des Nitratgemisehes, Erhitzen der Schmelze bis zur beginnenden Entwicklung von Stickoxyden, dann Lösen in kochendem Wasser. Beim Erkalten scheiden sich die basisch salpetersauren Salze, an Erbinerden angereichert, aus. Die Mutterlauge wird neuerlich so behandelt, die Fraktionen werden vereinigt und die Trennungen, wenn eine größere Menge Erbin abgeschieden werden soll, wohl hundertmal wiederholt. 2 „Dabei ist es aber gar nicht nötliig, die Lösung der Nitrate abzudampfen etc., es genügt, sie basisch zu machen, um die ganz gleichen Resultate, wie beim BüNSENSchen Verfahren zu erreichen. Das bewirkt man am leichtesten durch Zusatz der aufgeschlemmten Oxyde zur kochenden Lösung. In wenigen Secunden ist die Reaction vollendet. Es fällt sofort beim Erkalten ein reichlicher Niederschlag von yttriumhältigem, basisch salpetersaurem Erbium heraus. Damit ist das Princip des neuen Verfahrens gegeben.“ (Über die Erden des Gadolinits von Ytterby, I. Mitt. Sitz.-Ber. Akad. d. Wiss. Wien, 1883, 88. Bd„ II. Abt., S. 337.) 3 Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, II. Abt. 1883, 88. Bd., S. 1237. 4 Ebenda. 6 Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, Abt. II, 1884, 90. Bd., S. 337. 8 Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, Abt. II, 1885, 92. Bd., S. 317. 7 Ebenda. Die Zerlegung des Didyms. 19 worden wäre. Auer fand, daß das eine, dem Lanthan näherstehende der beiden neuen Elemente intensiv lauchgrün gefärbte Salze bilde, während die des zweiten, das im Mischelement Didym die Hauptmenge ausmacht, eine prachtvoll rosenrote Farbe haben. Auer, der bei der Benennung der beiden neuen Elemente offenbar doch an den Namen Didym anknüpfen wollte, selber jedoch nicht griechisch gelernt hatte, beriet sich wiederholt mit seinen Kollegen über die Namengebung. 1 ,,Da sonach die exakte Zerlegung des Didyms“, so heißt es in seiner Abhandlung, 2 ,,in mehrere Elemente realisiert ist, so schlage ich vor, die Bezeichnung Didym nunmehr ganz zu streichen und beantrage, für das erste Element, entsprechend der Grünfärbung seiner Salze und seiner Abstammung, die Benennung : Praseodym mit dem Zeichen Pr nnd für das zweite, als das ,neue Didym 4 , die Benennung: Neodym mit dem Zeichen Nd.“ 3 Die fraktionierte Kristallisation, die darauf beruht, daß beim Kristallisieren des Salz- gemisches dieser chemisch so außerordentlich ähnlichen Körper sich der eine in der Kristallmasse, der andere in der Mutterlauge anreichert, wodurch eine schrittweise Trennung ermöglicht wird — dieses von Auer zuerst angewendete Verfahren hat sich auch späterhin als eine sehr brauchbare Methode der präparativen Chemie erwiesen, nicht nur auf dem Gebiete der seltenen Erden, sondern z. B. auch auf dem der radioaktiven Stoffe. Jahre später, als Auer über große Mengen praseodym- und neodymreicher Nebenprodukte verfügte, die bei der technischen Lanthangewinnung für Glühstrümpfe angefallen waren, nahm er seine Arbeiten zur näheren Erforschung seiner beiden neuen Elemente wieder auf. Die Abhandlung 4 erschien im Jahre 1903. 1 Abb. 10. Zwei „Etiketten von Präparatengläsern der Didymtrennung. Die Abkürzungen bedeuten: „Neodym-ammonium-nitrat-Reihe. 1. Fraktion der 34. Reihe" und „Ex große Praseodym-ammonium-nitrat- Reihe. 1. Fraktion der 159. Reihe. 1896 (filtriert)." 1 Mündliche Mitteilung Herrn Dr. G. A. Raupenstrauciis (des späteren Erfinders 'l^s Lysols, der damals am Liebenschen Institute arbeitete). * Sitz.-Ber. d. Akad. er aus korbförmigen Platinnetzen bestanden, die an Argandbrennern angebracht waren. Das Gas wurde anfangs durch einen über glühendes Eisen ge- 1 Wasserdampfstrom erzeugt, später durch einen richtigen Wassergasprozeß. a ß das Licht dieses auch in Paris verwendeten ,,gaz platine“ als zu grell ver- ,Sc hrien war, lassen Karikaturen aus jener Zeit erkennen, die Fußgänger, Pferde und 24 Fünfter Abschnitt. Hunde mit Schutzschirmen zeigen. In den Jahren 1856 bis 1865 war in der Stadt Narbonne im Departement Aude eine Platingasanlage in Tätigkeit, die ebenfalls mit Wassergas gespeist wurde. Auch die Philadelphia Gras Works verwendeten 1851 kurze Zeit diese Beleuchtungsart. Die in Narbonne benützten Glühkörper bestanden aus einem Netz von sehr feinem Platindraht und hielten nicht länger als ein Jahr. Nach dieser Zeit wurden sie brüchig, was vielleicht auf den Angriff der im Straßenstaub enthaltenen Kieselsäure, nach anderer Ansicht auf die Einwirkung des im Wassergas vorkommenden, flüchtigen Eisencarbonyls zurückzuführen ist. Auch für die Öllampe suchte man das Inkandeszenzprinzip nutzbar zu machen. Die von Carl v. Frankenstein 1846 gebauten Beleuchtungsgeräte, die mit Öl gespeist „Solarlampen“, mit Spiritusbetrieb „Lunarlampen“ hießen, hatten Argand- brenner, in deren Flamme sich ein kegelförmiger Leuchtkörper befand. Er bestand aus einem Gewebe, das mit einer Erdmischung überzogen war und nach dem Abbrennen ein als Glühkörper dienendes Aschenskelett hinterließ. Während die mit der nichtleuchtenden Spiritusflamme beheizte Lunarlampe als eine echte Inkan- deszenzlampe zu betrachten ist, konnte der Glühkörper in der Solarlampe wohl nur zur Verstärkung der Lichtintensität der ohnehin schon leuchtenden Ölflamme dienen. Auch der Betrieb dieser Lampen mit Gas wurde versucht. Die Tatsache, daß Frankenstein Glühkörper verwendete, die als Träger der Leuchtsubstanz ein veraschtes Gewebe besaßen, wurde später in Deutschland gegen die AuERsche Erfindung ausgespielt. Aus diesem Grund muß hier der FRANKENSTEiNsche Leuchtkörper etwas genauer betrachtet werden. In einer 1847 veröffentlichten Broschüre 1 wird gesagt, daß der „Leuchtbrenner“ aus „einem kegelförmig, hohlen Körper“ besteht, der „aus irgendeinem lockeren Gewebe, z. B. sogenanntem Spitzengrund, verfertigt und mit einer Masse aus Kalkerde und Magnesia überzogen ist“. „Diese erdigen Substanzen“, heißt es dort weiter, „sind durch arabisches Gummi mit dem Zeug verbunden.“ Nach den Angaben eines anderen Aufsatzes 2 bereitet man einen dünnen Brei „aus gleichen Teilen fein zerriebener Kreide und gebrannter Magnesia (Magnesia usta) mit Wasser und knetet das Zeug in diesem Brei solange herum, bis es überall gleichmäßig durchnetzt ist“. Aus diesen Angaben geht hervor, daß Frankensteins Imprägnierflüssigkeit die Leuchtsubstanz fein gepulvert als Suspension fester Teilchen enthielt, während eine feinste Verteilung auf der Faser einzig durch die Verwendung einer Lösung erreicht werden kann. (Vgl. Abb. 11.) Diesen wesentlichen und grundlegenden Unterschied zwischen den Imprägnierungsmethoden Frankensteins und AxrERs hat das kaiserliche Patentamt in Berlin später nicht berücksichtigt. Daß sich bei dieser groben Imprägnierungsart kein Aschenskelett von einiger* maßen befriedigender Haltbarkeit bildete, ist verständlich. Darum mußten auch 1 „Notizen über von Frankensteins Lunar- und Solarlieht, nebst Kritik der Mäugd unseres gegenwärtigen Beleuehtungswesens“, Graz 1847, bei T. A. Kienreicii. Zit- nach v. Perger: „Frankenstein’s Lunar- und Solarlieht und Auer’s Gasglühlicht . Wien 1896, S. 5/6. 2 Polytechnisches Wochenblatt, 1848, Nr. 2, abgedruckt in Dinglers Polyteclm- Journal, 1848, 110. Bd., S. 396. Das Inkandeszenzprinzip vor Auer. ‘)r. W (J die FRANKENSTEiNschen Lampen bei jedem Anzünden mit einem neuen Glühkörper versehen werden. Von der Leistung dieser Lampen spricht der Bericht über einen Experimentalvortrag, den Frankenstein am 31. Juli 1847 in Wien hielt. Es heißt dort, daß die Lichtintensität der Öllampe um das „Zwei- bis Dreifache“ gesteigert, die Leuchtkraft der Gasflamme „auf das Doppelte“ erhöht werde. Von der Weingeistflamme aber wird gesagt, daß sie ein „blendend weißes Licht“ ausstrahle. 1 Gemäßigter klingt freilich ein Bericht des Professors C. H. Hassenstein in Leipzig, der den bemerkenswerten Satz enthält: „Das Lunarlicht soll nicht die gewöhnliche Beleuchtung ersetzen, sondern kann nur als Nachtlicht oder zur Be-’ ^bb. 11. Auers und Frankensteins Glühkörper, abgebrannt in 10-facher Vergrößerung. Auers Leuchtkörper (links) wurden mit Lösungen imprägniert, die von Frankenstein (rechts) nur mit Aufschlämmungen unlöslicher Körper getränkt. Das Gewebe zeigt nach dem Abbrennen deutlich die grundlegende Verschiedenheit der Verfahren. leuchtung für Krankenzimmer dienen, da es auch selbst für schwache Augen angenehm ist.“ 2 Auch der Name „Lunarlicht“, den der Erfinder wählte, deutet ja nicht gerade auf blendende Helle hin. In der gleichen Veröffentlichung findet sich zudem noch der Satz: „Daß das Lunarlicht aber von denen nicht benützt werden kann, welche sparen wollen, versteht sich von selbst.“ Aus all dem ergibt sich, daß die FRANKENSTEiNsche Lunarlampe lichtschwach, a | )er teuer im Betrieb war, da ihr Glühkörper keinerlei Haltbarkeit besaß. Der er gleich mit dem AüERschen Glühstrumpf zeigt also, daß außer der Verwendung anderen Materials auch der Unterschied in der Herstellung des Glühkörpers von ausschlaggebender Bedeutung ist. Zu den bisherigen Methoden der Inkandeszenzbeleuchtung waren zumeist ' ase verwendet worden, die, wie der Wasserstoff und das Wassergas, von Natur mit n ichtleuchtenden Flammen brannten. Die Voraussetzung für die Ver- lu 1 ^ iener Zeitung vom 26. August 1847, abgedruckt in Dinglers Polytechn. Journal, 184 L 1hl. 106, S. 317. Leipziger Tageblatt und Anzeiger, 1848, Nr. 56, S. 526. Zit. nach v. Perger, Rankenstein’s Lunar- und Solarlicht und Auer’s Gasglühlicht“, S. 7. 26 Fünfter Abschnitt. Wendungsmöglichkeit des Steinkohlenleuchtgases zu einer echten Inkandeszenz- beleuchtung schuf im Jahre 1850 Auers großer Lehrer Robert Wilhelm v. Bunsen. Der gewöhnliche Leuchtflammenbrenner besteht aus einem Rohr, an dessen Öffnung, die irgendwie zweckmäßig geformt sein kann, das ausströmende Gas entzündet wird, wobei es zur Verbrennung die umgebende Luft verbraucht. Bei der Argandgaslampe war schon für eine zusätzliche Luftzufuhr gesorgt, indem durch ein zentrales Rohr auch ins Innere der Flamme Luft geleitet wurde, so daß die Flamme ringförmig brannte und nicht nur von außen, sondern auch von innen Luft empfing. Beim Bunsenbrenner hingegen wird schon vor der Verbrennung eine Durchmischung des Gases mit Luft vorgenommen. Die Luft tritt in den unteren Teil des Brennerrohres durch seitliche Öffnungen ein, vermischt sich mit dem Gas und das Gas-Luft-Gemenge verbrennt oben nach dem Verlassen des Brennerkopfes. Die Verbrennung ist vollkommener, es kommt zu keiner Kohlenstoffabscheidung und daher auch zu keiner Leuchtflammenbildung. Die Bunsenflamme ist ,,ent- leuchtet“, aber heißer, sie ist eine reine Heizflamme. Das System des Bunsenbrenners wird bekanntlich auch bei den meisten Gaskoch- und heizgeräten verwendet. In den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts führte der französische Techniker Tessie du Motay Versuche zu einer Inkandeszenzbeleuchtung aus, wobei er zunächst Leuchtgas verwendete, das er jedoch nicht im BuNSENSchen Brenner, sondern im Knallgasgebläse mit Sauerstoff verbrannte. Interessanter als dies ist jedoch sein Glühkörper, der aus Zirkonerde bestand. Schon 1825 hatte Berzelius auf das hervorragende Strahlungsvermögen dieser äußerst schwer schmelzbaren Erde hingewiesen. Tessie du Motay wendete die Zirkonerde in Form von Stiften an. Als größere Anlagen nach seinem System geschaffen werden sollten, ging er vom Leuchtgas wieder auf das Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisch über und beleuchtete mit diesem „Hydrooxygenlicht“ 1867 die Plätze vor den Tuilerien und dem Hotel de Ville in Paris. Auch auf dem Westbahnhof in Wien war kurze Zeit eine Zirkonglühlichtanlage in Tätigkeit. Eipe Verbesserung des Zirkonlichts wurde durch Linnemann versucht, der durch Pressen Zirkonplättchen herstellte und sie in Platintellern faßte. Diese Glühkörper waren jedoch im Betrieb recht empfindlich. Wertvoller sind Linne- manns Studien zur Schaffung einer richtigen Brennerkonstruktion, l>ei der die Ausströmungsgeschwindigkeit so gewählt ist, daß die Verbrennung erst 0,5 bis 1 cm vor der Mündung erfolgt, wodurch sowohl der Brenner geschont, als auch die gesamte Hitze auf den Leuchtkörper konzentriert wird. Der LiNNEMANNsche Gebläsebrenner ist insbesondere von dem Mechaniker Max Wolz in Bonn noch vereinfacht und vervollkommnet worden. Widerstandsfähigere Glühkörper aus Zirkonerde erzielte Kochs durch ein Frittungsverfahren. Den Gedanken von Cruckshanks, Platindrähte mit Oxyden zu überziehen, nahm Edison in einem Patent des Jahres 1878 wieder auf. I nteressanterweise dachte er dabei außer an Zirkon auch an Cer und andere seltene Erden, aus deren Nitraten, Oxalaten oder Acetaten der Überzug herzustellen sei, der dann nach dem Erhitzen eine feste Oxydschicht hinterlassen sollte. 1881 erfand der Franzose C. Clamond körbchenförmig geflochtene Leucht- kör|>er aus Magnesia. Um sie herzustellen, wurde gebrannte Magnesia mit der Das Iiikandeszenzprinzip vor Auer. 27 Lösung eines Magnesiumsalzes, zu einer Paste geknetet und aus dieser ein Faden gepreßt. Diesen plastischen Magnesiafaden wand man in zwei sich kreuzenden Lagen über einen konischen Dorn, trocknete und brannte das Gebilde und umwickelte es zum Transport noch mit Papier, das dann bei der Verwendung abgebrannt wurde. Die CLAMONDsche Lampe war mit einer Art von Bunsenbrenner ausgestattet, der aber hängend, wie bei den späteren Invertlampen, .angeordnet war. Die Überlegung, daß bei der Verbrennung mit Luftsauerstoff etwa die vierfache Menge von Stickstoff miterhitzt werden muß, bewog Clamond, seinen Brenner mit einer Vorwärmungseinrichtung für die Verbrennungsluft zu versehen, einem zentralen Rohr, das durch radial gestellte Stichflämmchen beheizt wurde. Aus dem gleichen Jahre stammt ein amerikanisches Patent, das Charles M. Lung ren auf Leucht kör per aus Kalk, Magnesia oder Zirkonerde nahm. Aus diesen Substanzen, einzeln oder in Mischung, wurde mit einem organischen Bindemittel die Paste hergestellt, aus der, ähnlich wie bei Clamonds Verfahren, der Leuchtkörper, eine netzartige Kappe, geformt wurde. Auch A. M. Khotinsky (1881) und Leon Somze (1883) stellten aus diesen -Materialien ähnliche Leuchtkörper her. Während dieser jedoch dem Glühkörper noch eine Kappe aus Platingewebe aufstülpte, empfahl jener, die Glühmasse mit Kohlenstaub oder, da dieser bald verbrannte, mit Platinschwamm zu bedecken, um die Brillanz der Wirkung zu erhöhen. Khotinsky wollte übrigens auch brennbare Flüssigkeiten oder pulverisierte feste Körper zur Beheizung der Lampen verwendet wissen. Flüssige Kohlenwasserstoffe oder Alkohol wollte auch Chaimsono- vitz 1884 zur Erhitzung seiner Glühkörper — Bündel von Platin- oder Iridiumdrähten — benützen, wobei er auf den sonderbaren Gedanken verfiel, sowohl die Blanime als auch elektrische Erwärmung gleichzeitig wirken zu lassen. Besondere Beachtung gebührt noch dem Glühlicht, das der Schwede Otto Fahnehjelm 1883 speziell für Wassergas ausbildete. Da dieses Gas ja mit nichtleuchtender Flamme brennt, benützte Fahnehjelm gewöhnliche Schnittbrenner. *^ls Material für die Leuchtkörper dienten Oxyde, besonders Magnesia. Daraus w urden, ähnlich wie schon früher beschrieben, auf dem Weg über eine Paste Stäbchen geformt, die Fahnehjelm kammartig in einen Metallträger einsetzte. Der ganze „Glühkamm“ hatte eine Gestalt, die sich ungefähr der Flamme des Schnittbrenners anpaßte. Die einzelnen Glühnadeln eines Kammes konnten ausgewechselt werden. Es ist nicht uninteressant, daß die Glühnadeln, zuletzt aus dolomitischer Magnesia hergestellt, noch mit einer Chromverbindung präpariert wurden. Trotz gewisser Erfolge konnte sich auch das FAHNEHjELMsche Glühlicht, schon weil es nur für Wassergas verwendbar war, nicht allgemein durchsetzen. Die Konstruktionen von Seiffermann, von Wolters und Roslin, sowie von Nchiltsky, die Versuche zu einer Neubelebung des alten Kalklichts sind, die Flatinkörper von Jackson, Lewis, Popp, Sellow, Schoth, die alle in den beiden erN ten Jahren nach 1880 auftauchten, sie zeigen, wie sehr sich die Versuche einer Likandeszenzbeleuchtung in den Jahren knapp vor Auers Erfindung häufen. * * * 28 Sechster Abschnitt. Das Problem des Gasglühlichts bestand, wie in dieser Darstellung zu zeigen versucht wurde, seit etwa 60 Jahren vor Auers Erfindung. Aber es bestt d als ein ungelöstes Problem. Sauerstoff und Gebläse kamen für die allgemeine Anwendung zu teuer. Auch die bisherigen Konstruktionen auf der Basis des Bunsenbrenners waren zu kompliziert gewesen. Die Leuchtkörper aus Platinmetallen waren viel zu kostspielig, die aus Oxyden zu zerbrechlich und der einzige, der dem Auerstrumpf, äußerlich betrachtet, einigermaßen näher kam, der Frankenstein sehe Körper, obendrein lichtschwach. Ja, an der Verbreitung des DRUMMONDschen Kalklichts als der ersten Inkandeszenzleuchte gemessen, erscheinen die Erfolge der späteren Erfindungen sogar recht beschämend und man hat den Eindruck, als habe hier nicht eine Entwicklung, sondern nur eine Häufung von Konstruktionen stattgefunden. Denn keines all dieser Systeme brachte es zu mehr als bestenfalls einige Jahre lang tätigen Anlagen von lokaler Bedeutung oder zu Beleuchtungsgeräten für Spezialzwecke, keines ist beibehalten, nennenswert verbessert, weiterentwickelt und verbreitet worden., Sie verschwanden, wie sie gekommen waren und manche „Erfindung“ auf diesem Gebiet wurde erst bekannt, als man sie exhumierte, um sie gegen Auers Glühlicht auszuspielen. Auer von Welsbach hat das Problem des Inkandeszenzlichts restlos gelöst. Er hat damit einen Umsturz in der Gasbeleuchtungstechnik der ganzen Welt herbeigeführt. Daß aber auch seine Lösung, wie alle großen Erfindungen, nicht das Ergebnis eines glänzenden Einfalles, sondern konsequenter und beharrlicher Arbeit war, zeigt schon die Tatsache, daß er die Erfindung sozusagen in zwei Etappen machte. Denn seine erste Lösung, der Lanthan-Zirkon-Glühkörper, war nur ein halber Erfolg. VI. Der Lanthan-Zirkon-Glühkörper. Auers erste (rlühlichtversuehe. Glühkörper mit Lanthanoxyd und Magnesia. Ger Lanthan-Zirkon-Glühkörper. Einführung des Gasglühlichtes. Pressestimmen. Ger Küekschlag. Auf den (tedanken, Verbindungen der seltenen Erden zur Herstellung von Leucht körpern für ein Gas-Inkandeszenzlicht zu verwenden, kam Auer von Welsbach nach seinem eigenen Zeugnis dadurch, daß er, an der Untersuchung der Flammenspektren solcher Erden interessiert, ein Verfahren suchte, diese Spektren möglichst lichtstark zu erhalten. Die einfache Methode, eine kleine Menge der Substanz am Platindraht zu einer Perle zu schmelzen und deren Glühen durch das Spektroskop zu betrachten, ergab recht lichtschwache Spektren. „So legte ich mir denn die Präge vor, sagte er später in einem Vortrag, 1 „wie man die Erden in der P lamme zweckmäßiger anordnen könne, damit die Lichtwirkung eine intensivere 1 „Zur Geschichte der Erfindung des Gasglühlichtes.“ Vortrag, gehalten auf der 41. .Jahresversammlung des Deutschen Vereines von Gas- und Wasserfachmännern in Wien 1901. (Journ. f. Gasbel. u. W., 1901, 44. Jalirg., 8. «61 ff.) Auer schildert in diesem Vortrage die Geschichte seiner P>findung so lebendig, daß größere Teile daraus zitiert werden sollen. Der Lanthan-Zirkon-Glühkörper. 29 werde. Da dachte ich ganz zufällig daran, die Salze dieser Körper etwa von Baum- wollgewebe imbibieren zu lassen und diese(s) dann zu veraschen. Das wahrscheinlichere war, daß dieses Experiment nicht glücken werde, daß das Erdgebilde, das sich bei der Zerstörung des Gewebes durch die Flamme bilden sollte, keine Kohärenz besäße. Doch das Experiment gelang. Die Erde blieb in der Gestalt des Gewebes zurück. Als ich später einmal zu meinem Lehrer Bunsen nach Heidelberg kam und ihm mitteilte, in welcher Weise ich die Erden gestalte, schüttelte der alte Herr staunend den Kopf und meinte: Das scheine doch höchst unwahrscheinlich, daß die Oxyde sich so in einer kohärenten Form gestalten ließen, und ich erinnere mich ' noch mit vieler Freude an sein außerordentlich erstauntes Gesicht, als ich ihm dann die Erzeugung eines solchen Mantels zeigen konnte. Bei diesen verschiedenen Bemühungen, die Erden in eine für die Lichtwirkung günstige Form anzuordnen, stieß ich auf einen Körper, dessen überaus große Leuchtkraft man bisher wenig kannte, da man eben, wie gesagt, die Substanzen nur immer in Form kleiner Perlen untersuchte. Dieser Körper war das Lanthan, das Lanthanoxyd. ... das Lanthanoxyd war es, das mich auf die Idee gebracht hat, die seltenen Erden zur Lichtgewinnung im großen heranzuziehen. Der Lanthanoxydmantel war tadellos, aber da kam die erste Enttäuschung. Ich ging aus dem Laboratorium einige Tage fort, der Mantel war sorgfältig verschlossen, und als ich zurückkam, war er zu feinem Staub zerfallen. Ich habe das Experiment wiederholt — immer derselbe böse Effekt. Das Lanthanoxyd zerfiel z u feinem Staub. Diese erste Freude war also kurz. Dann kam ich auf die Idee, das Lanthanoxyd, dessen lichtgebende Eigenschaften festgestellt waren, dadurch haltbar zu machen, daß ich es in Verbindung brachte mit anderen Körpern, die nicht so leicht, wie das Lanthanoxyd, an der Luft Wasserdampf und Kohlensäure anziehen und dadurch schließlich zerfallen. Lcr erste Körper, mit dem ich experimentierte, war die Magnesia. Ich hatte damals längst erkannt, welche große Bedeutung es hätte, wenn die Körper in feinster Verteilung, in innigstem Gemenge geglüht werden. Die Verteilung muß herabreichen his zu den kleinsten Teilchen. Ich nannte dies molekulare Mischung. Mischt man nu n die Körper in dieser Weise und glüht sie, dann ändern sich sonderbarerweise ihre Eigenschaften. Die weiße Magnesia, das weiße Lanthanoxyd gab einen Glühkörper von dunkelbrauner Farbe. Die Eigenschaften der Komponenten waren in ( ien Eigenschaften der gebildeten Verbindungen nicht wiederzuerkennen. Aus Lanthanoxyd und Magnesia bestand der erste Glühkörper, der brauchbar schien. " r Zer fiel, nachdem er anhaltend geglüht worden w r ar, beim Liegen in der Luft n »cht. Dieser Glühkörper gab schon ein schönes Licht. Der Nutzeffekt war zwar rocht allzugroß, etwa der der Siemens-Regenerativbrenner. Eine unangenehme -•genschaft hatten diese Glühkörper aber. Kaum, daß man sie etwa 70 oder ^ Stunden in der Flamme leuchten ließ, sinterten sie stark. Sie wurden durchweinend, verloren ihr eigentümlich fein poröses Gefüge und wurden glasig. Also auc h dieses Experiment war schließlich mißglückt.“ In seiner ersten Patentanmeldung auf „Neuartige Leuchtkörper für Incan - ^cscenz- Gasbrenner, genannt ,Aktinophor“‘ vom 18. September 1885 gibt Auer optimale Zusammensetzung des neuen Glühkörpers 30 Sechster Abschnitt. 60% Magnesia, 20% Lanthanoxyd und 20% Yttriumoxyd an. Er hebt hervor, daß dieser Leuchtkörper, im Bunsenbrenner erhitzt, ein sehr intensives, fast weißes Licht gibt, sich dabei nicht verflüchtigt, keine Abnahme des Emissions' Vermögens nach langer Brennzeit zeigt und an der Luft unveränderlich * 1 ****|V V- m Slf. f// Jiir— Abb. 12. Die Aufhängung und das Abbrennen der Glühkörper. Zeichnung aus der österreichischen Patentschrift vom 27. Oktober 1885. ist. Diese Eigenschaften habe keiner der Bestandteile für sich in gleichem Maße. Das Yttrium sei ersetzbar durch die sogenannten Ytteriterden, das Lanthan durch Gemenge didymfreier, wenig Oer enthaltender Ceriterden. Die Zusammensetzung sei an kein bestimmtes Verhältnis gebunden, ,,es sind Verbindungen nach variablem Verhältnis“. Sowohl in dieser und den folgenden Patentanmeldungen, als auch in der vorhin zitierten geschichtlichen Darstellung betont Auer immer wieder, daß sich die Bestandteile des Leuchtkörpers im Zustand molekularer Mischung befinden müssen. Auer sah hierin die Grundlage seiner Erfindung. ,,... es ist das def Kern der Erfindung des Gasglühlichtes“, heißt es in dem vorhin zitierten Vortrag. ,,es handelt sich hierl>ei nicht um ein Verfahren, feuerfeste Körper in irgendeine l>estimmte, für die Lichtemission geeignete Form zu bringen“, sondern um die Der Lanthan- Zirkon- Glühkörper. 31 durch viele Experimente erhärtete Tatsache, „daß molekulare Mischungen gewisser Oxyde Eigenschaften annehmen können, die sich aus den Eigenschaften der Komponenten nicht hätten ableiten lassen“. 1 In diesem von Auer so betonten Umstande liegt ja auch der grundlegende Unterschied zwischen seinem Leuchtkörper und dem v. Frankensteins, der, wie schon früher 2 dargetan wurde, nur mit Aufschlämmungen getränkt und nicht mit Lösungen imprägniert war (vgl. Abb. 11). Die genannte Patentschrift enthält ferner die Angaben über die Herstellung der Mäntel. 3 Das Baumwoll- gewebe wurde mit Salzsäure gereinigt und mit einer 10%igen Lösung der Nitrate oder Acetate der Erden imprägniert, dann der Einwirkung von Ammoniakgas ausgesetzt und getrocknet. ^ on dem so behandelten Gewebe wurde ein rechteckiges Stück bestimmter Größe plissiert, an einem Rande mit einem dünnen Platindraht durchzogen, worauf m an diesen zum Ring bog und die dadurch zusammenstoßenden Geweberänder mit einem imprägnierten Baum- wollfaden vernähte. Der Mantel wurde an einem etwas stärkeren Platindraht befestigt und über dem Bunsenbrenner angebracht. Ein solcher Glühkörper normaler Größe ergab bei voller Weißglut etwa eine Lichtstärke von 15 bis -ü Hefnerkerzen. In seiner zweiten Patentanmeldung vom 27. Oktober 1885 setzt Auer in der Erdmischung des Glühkörpers Zirkonoxyd an die Stelle der Magnesia. Es wird eine Zusammensetzung von 00% Zirkonoxyd, 50% Zirkonoxyd 30% Lanthanoxyd oder auch und und 50% Lanthanoxyd 10% Yttriumoxyd angegeben. Nebenbei sei bemerkt, daß hier auch auf die Verwendbarkeit einer starken Spiritusflamme anstatt der entleuchteten Gasflamme hinge- wie.sen wird. 1 Journ. f. Gashel. u. W., 1901, 44. Jahrg., S. 062. 1 Vgl. s. 24f. Die Mäntel für die ersten Versuche soll Auers Mutter gehäkelt haben. Abb. 13. Auers Gasglühlichtbrenner. Zeichnung aus der österreichischen Patentschrift vom 27. Oktober 1885. •4 ► 32 Sechster Abschnitt. Mit dem Gasglühlicht, das mit Leuchtkörpern der zuletzt angegebenen Zusammensetzung, nämlich von gleichen Teilen Zirkon- und Lanthanoxyd ausgestattet war, trat Auer nun an die Öffentlichkeit. 1 v, 5 er frftater „^asgCüßtttötes“ tu fmm Jaßoratorium. ' !• *ii t!_JL MM liÜhiHl »iT. < • H säws»» c - Abb. 14. Auers Laboratorium im chemischen Institut in der Währingerstraße. Bild auf der Titelseite von: ,,Illustriertes Wiener Extrablatt “ vom i. Februar 1886. Im Text, der die neue Erfindung dem Leser erläutert, heißt es u. a. : „Dr. von Auer’s Atelier . . . ist von 6 bis 8 Uhr Abends, wo der Erfinder sein Licht persönlich demonstriert, förmlich belagert von Fachmännern aus allen Weltgegenden." Auer hatte die Arbeiten zu seiner Erfindung im zweiten chemischen Universitätsinstitut in der Währingerstraße, das Adolf Lieben leitete, ausgeführt. Dorthin lud er zu Anfang des Jahres 1886 die Vertreter der Presse ein und erläuterte 1 Diese Leuchtkörper waren anfangs mit kleinen Mengen von Cersalz verunreinigt. Da sich zeigte, daß dieser Cergehalt von günstigem Einfluß auf die Leuchtkraft sei, wurde später absichtlich etAvas Cersalz zugesetzt. Der Lanthan-Zirkon-Glühkörper. 33 ihnen in einem kurzen Vortrag seine Erfindung. Durch die nun folgenden, zumeist wohlwollenden und ermutigenden Besprechungen in den Tagesblättern wurde das neue Beleuchtungssystem schnell bekannt. Ja, ein Journalist war es, der im Bericht des Neuen Wiener Tagblattes der Erfindung, die Auer ursprünglich „Aktinophor“ genannt hatte, den Namen gab, den sie seither behielt: „Gasglühlicht“. Aber „während die Erfindung auf der einen Seite wohlwollende, ja vielleicht sogar begeisterte Aufnahme fand“, so erzählt Auer in dem früher zitierten Vortrag, 1 „fand sie auf der anderen Seite große Skepsis vor; ja man verlachte sie. Ich kenne berühmte Gastechniker, die damals bereit waren, mit jedermann eine Wette einzugehen, daß mehr als 1000 Flammen durch ein Jahr in keiner Stadt im Betrieb erhalten werden würden, und eine Koryphäe auf dem Gebiet der Gasbeleuchtung ... erklärte rundweg, als man sein Interesse an der Sache wachzurufen suchte: damit könne er sich nicht abgeben, seine Firma arbeite nur mit ernsten Dingen“. Auch seinen früheren Studienkollegen Dr. Hans Heger bat Auer damals in sein Laboratorium, um ihm das Gasglühlicht zu zeigen. Heger konnte zunächst nicht recht daran glauben, daß ein Aschenskelett genügend fest für irgendwelche praktische Zwecke sei. Sein zweiter Einwand war, daß das elektrische Licht wohl in Zukunft allein das Feld beherrschen und das Gas als Beleuchtungsmittel bald gänzlich verdrängen werde. Darauf konnte Auer lächelnd erwidern, daß er seine Erfindung bereits um eine Million Gulden an den Großindustriellen Lindheim verkauft habe. 2 Dieser Besuch veranlaßte Heger, der AuERschen Erfindung in seiner „Pharmazeutischen Post“ einen Artikel zu widmen, der dann von einem technischen Fachblatt zwar nachgedruckt, aber sehr skeptisch beurteilt wurde. In Auers Glühmasse werden seltene Erden vermutet. ,,... dieses Material“, so heißt es dort, 3 „würde jedoch von vornherein wegen seiner Kostbarkeit jeden ernstlichen Gedanken an eine Verwendung in größerem Maßstab ausschließen.“ „... soviel scheint uns jedoch schon jetzt ziemlich sicher, daß wir ,eine vollständige Umwälzung auf dem Gebiete der Gasindustrie ‘ von dieser Seite kaum erwarten dürfen.“ 4 Wesentlich anders klingt schon der Bericht derselben Zeitschrift über die 26. Jahresversammlung des Deutschen Vereins von Gas- und Wasserfachmännern, die im Juni des gleichen Jahres in Eisenach stattfand. „Auf das lebhafteste Interesse konnte von vornherein das Gasglühlicht von Dr. Auer rechnen; allgemeiner Beifall folgte auch den Demonstrationen des Herrn Pintsch, der eine Serie von Auer-Brennern, Welche theils mit Leuchtgas, theils mit Wassergas gespeist wurden, der Versammlung vorzeigte... Ohne Zweifel stehen wir in dem Auer-Brenner einem interessanten Fortschritt auf dem Gebiete der Glühlichtbeleuchtung gegenüber und die Gasindustrie hat alle Ursache, die weitere Entwicklung desselben zu fördern; ... Wir können daher nur wünschen, daß die Fabrikationsschwierigkeiten bald so weit überwunden sind, daß die von vielen Seiten begehrten Brenner in den Verkehr gebracht und weitere Erfahrungen gesammelt werden können.“ 5 In einem Experi- 1 Journ. f. Gasbel. u. \V„ 1901, 44. Jahrg., S. 662. 1 Mündliche Mitteilung Herrn I)r. Hans Hegers. 3 Journ. f. Gasbel. u. W., 1886, 29. Jahrg., S. 65. 4 Ebenda, S. 66. 8 Ebenda, S. 486. Geschichte der Technik, H. 2. 3 34 Sechster Abschnitt. mentalvortrag, in welchem Auer am 9. April 1886 sein Gasglühlicht im Niederösterreichischen Gewerbeverein bekannt machte, teilte er über die Leistung seines Beleuchtungssystems mit, daß, während eine gewöhnliche Straßen-Schmetterlingsflamme bei einem stündlichen Gasverbrauch von 142 1 eine Lichtstärke von etwa 12 Kerzen liefere, in einem Glühlichtbrenner mit 65 1 Gas 17 bis 25 Kerzen zu erzielen seien, was eine Ersparnis von 60 bis 70% bedeute. 1 Die Fabrikation der Imprägnierflüssigkeit, des sogenannten „Fluids“, wurde zuerst in zwei Kellerräumen des chemischen Instituts durchgeführt. Hierbei wurde Auer von einem Assistenten des Instituts, Ludwig Haitinger , 2 unterstützt, der später einer seiner verdienstvollsten Mitarbeiter wurde. Dann erwarb Auer das Haus Theresianumgasse 25, in dem er mit seiner Mutter wohnte, und verlegte die Fabrikation dorthin. Im Sommer 1887 kaufte er dann die Fabrik chemisch-pharmazeutischer Präparate Würth & Co. in Atzgersdorf bei Wien, die er für die Aufarbeitung der Erden und die Fluidherstellung einrichtete und mit deren Leitung er Haitinger betraute. Man hatte diese Fabrikation einer eigenen Firma, Welsbach & Williams, 3 übertragen, die von Atzgersdorf aus auch das Ausland belieferte, ausgenommen Amerika, wo die dortige Gasglühlicht-Gesellschaft unter der Anleitung Haitingers Abb. 15. Bildnis Dr. Carl Auers von Welsbach auf der Titelseite von .Illustriertes Osterr. Journal" vom 20. Februar 1886. 1 Wochenschr. d. Nied.-öst. Gew.-Vereines, 1886, 47. Jahrg., S. 493. 2 Ludwig Camillo Haitinger, geb. 23. Oktober 1860 in Wien, war nach dem Besuch einer Privatschule schon als Vierzehnjähriger im 2. chemischen Universitätslaboratorium unter Schneider und A. Lieben tätig. Mit 18 Jahren, ein Jahr vor der Ablegung der Realscliulmatura, veröffentlichte er eine Arbeit über Xitrobutylen. In der nächsten Zeit war er Assistent an dem genannten Institut, später Leiter der Fabrik von Welsbach & Williams und ab 1892 technischer Direktor der Österreichischen Gasglühlicht A.-G. in Atzgersdorf bei Wien. Haitinger hat rund zwei Dutzend z. T. sehr bedeutende Publikationen veröffentlicht. So klärte er die Konstitution der Clielidonsäure und des Pyrons auf und beobachtete, daß das Oxypyridin nach zwei ganz verschiedenen Konstitutionsformeln reagieren könne, eine Erscheinung, die man später Tautomerie nannte. Auf dem Gebiete der anorganischen Chemie sind neben Arbeiten über die seltenen Erden, welches Gebiet er übrigens auch in Dämmers Handbuch behandelte, vor allem seine Verdienste um die Radium- und Mesothoriumgewinnung hervorzuheben. 3 „Welsbach“ ist für den Engländer leichter auszusprechen als „Auer“. Seither Der Thor-Cer-Glühkörper. 35 eine eigene Fabrik bei Philadelphia errichtet hatte. Auers Kompagnon, Fred Williams de Lafontaine, ein Engländer, der früher in Indien gedient hatte, war es übrigens gewesen, der, um die englischen Kapitalisten für die Erfindung zu interessieren, einen der zerbrechlichen Glühstrümpfe in der Hand von Wien nach London gebracht hatte. Die Fabrikation der Leuchtstrümpfe geschah im Inland <|urch Lindheim & Co. in Wien, in Deutschland durch J. Pintsch. In Österreich- Ungarn waren etwa 50000 Brenner eingerichtet worden. Hatte die Glühlichtindustrie einen hoffnungsvollen Anfang genommen, so kam nun eine Zeit, da die Geschäfte immer schlechter gingen. Die neue Beleuchtungsart hatte doch noch verschiedene Mängel, deretwegen sie das Publikum vielfach ablehnte. Neben der leichten Zerbrechlichkeit der Leuchtkörper war es vor allem ihr noch immer ungewohntes, kalt-grünliches Licht, das die Leute beanstandeten, insbesondere wohl auch, weil es die Gesichtsfarbe der Damen unvorteilhaft veränderte. ,,Das Gasglühlicht kam ins Stocken“, so erzählt Auer , 1 „allmählich bereitete sich eine Art Stagnation vor, die ursprünglichen Zweifler wurden wieder laut. Für mich kam eine sehr böse Zeit. Denn die in ihren Hoffnungen getäuschten Kapitalisten fingen an, ungehalten zu werden, und statt mir Zeit und Muße zur Arbeit zu lassen, drohte man mir mit Prozessen. Die Fabrik, die einige Jahre früher errichtet worden war, ... kam außer Betrieb, das Heer der Chemiker verlief sich nach allen Weltgegenden. Schließlich erwarb ich die Fabrik selbst und war zuletzt deren einziger Chemiker.“ Damit endete die erste Periode des Gasglühlichts. VII. Der Thor-Cer-Glühkörper. Frühere Versuche mit Thor. IIaitingers Chrom-Tonerde-Glühkörper. Auers Thor- Cer-Glühkörper. Beschaffung der Rohstoffe. Leistung und Erfolge des neuen Glühlichts. Der Patentstreit in Deutschland. Weiterentwicklung des Gasglühlichts. Schon zu der Zeit, als Auer seinen Lanthan-Zirkon-Leuchtkörper herausbrachte, hatte er sich auch mit Versuchen über thoriumhältige Glühkörper beschäftigt. In einem am 22. Jänner 1886 angemeldeten Patent schreibt er von der Thorerde: „Sie besitzt von allen in der Flamme weiß leuchtenden Oxyden, welche die Chemie heute kennt, das größte Emissionsvermögen.“ Er gibt sodann Zusammensetzungen von Glühkörpern aus den Oxyden von Thor, Lanthan, Zirkon und noch anderen Erden an. 2 Als im Jahre 1889 die Fabrik in Atzgersdorf geschlossen werden mußte, wurde auch Ludwig Haitinger entlassen und stellenlos. Haitinger war damals damit hat das Auerlicht in den angelsächsischen Ländern den Namen „Welsbach-light“ behalten. 1 Journ. f. Gasbel. u. W., 1901, 44. .Jahrg., S. 663. 2 Diese Patentanmeldung enthält auch die auf S. 30 und 31 wiedergegebenen Zeichnungen über den Bau der Brenner und die Anordnung der Mäntel. — Eine weitere Patentanmeldung vom 4. Jänner 1887 betrifft die Erneuerung ausgebrannter Mäntel durch Überziehen mit Glühsubstanz. 3 * 36 Siebenter Abschnitt. betraut worden, für Dämmers Handbuch der anorganischen Chemie die Kapitel über seltene Erden, Chrom, Molybdän und Wolfram zu verfassen. Bei den Studien hierzu lernte er die Arbeiten des Franzosen Lecoq de Boisbaudran kennen, der das Leuchten geringer Mengen von Erden in der CROOKESschen Röhre und u. a. auch die Lichterscheinungen beschrieb, die chromhaltige Tonerde hierbei zeigt. Da hatte Haitinger den Gedanken, es könnten die Erdmischungen, die in der Entladungsrohre leuchten, in der Flamme ein ähnliches Verhalten zeigen. Anläßlich eines Besuches bei einem befreundeten Chemiker nahm er eine Eprouvette, goß eine Tonerdelösung mit etwas Chromsalzlösung zusammen und tränkte darin einen Kaden. Damit ging er zum Gebläse und staunte über das intensive Licht, das der veraschte Faden ausstrahlte. * 1 Auf Grund dieser Beobachtung schuf Haitinger nun einen Chrom-Tonerde-Glühkörper, mit dem er eine Lichtstärke von etwa 60 Kerzen erreichte. Dieser auch patentierte Leuchtkörper erlangte allerdings keine technische Bedeutung, da er infolge der Flüchtigkeit der Oxyde eine zu begrenzte Lebensdauer hatte, eine Brenndauer von nur 200 Stunden. Um die Jahreswende 1890/91 teilte Haitinger seine Beobachtungen Auer mit. Man stellte einige dieser überraschend lichtstarken Glühkörper her und photo- metrierte sie. Dieser Anregung ist es wohl hauptsächlich zu danken, daß Auer nun mit Eifer an die weitere Verbesserung seines Glühlichts ging. Aber er arbeitete nicht auf der Grundlage der HAiTiNGERschen Beobachtungen, sondern griff auf die Erfahrungen, die er selber schon früher mit dem Thoroxyd gemacht hatte, zurück. Es traf sich gut, daß in Atzgersdorf ein Vorrat an Thorsalz lag, den Haitinger einmal aus einer größeren Menge Rohstoff abgeschieden und verwahrt hatte. „Das Licht solcher Thoroxyd-Mischungen“, so erzählt Auer über seine damaligen Versuche, 2 „war intensiv, aber es hielt nicht an. Nach 50 oder 60 Stunden fiel es ab, und dann w'ar es nicht stärker als das der gewöhnlichen, ohne Thoroxyd hergestellten Glühkörper. Dieses Abfallen des Lichtes war überaus merkwürdig und es schien mir, wie wenn das Thoroxyd bisher wissenschaftlich nicht genügend erforscht worden wäre, das heißt, wie wenn das Thoroxyd Substanzen in sich schließen müßte, die die Chemiker damals nicht kannten... Damals fand ich jene Krystalli- sationsmethoden, die es ermöglichten, Thoriumsalze in sehr schneller Weise und im Großen völlig rein darzustellen. Da trat eine merkwürdige Erscheinung auf. Je reiner diese Thorpräparate wurden, desto weniger Licht gab der aus ihnen erzeugte Glühkörper. Ich setzte diese Versuche fort und kam schließlich zu einem Glühkörper, der als Mantel ... nur ein paar Kerzen gab. Ich überzeugte mich durch exakte chemische Untersuchung, daß dieses Thoroxyd reiner war als alle anderen bisher dargestellten reinen Thorpräparate und schloß daraus, vielleicht etwas voreilig, daß das Thorium kein Element wäre, daß es sich zerlegen ließe. Die Untersuchungen der Mutterlauge zeigten, daß der eigentliche lichtgebende Körper in der Mutterlauge sich anhäufe. Also die Zerlegung schien wahrscheinlich. Durch weitere Experimente gelang es mir, die Existenz des lichtgebenden Körpers nach- zuweisen. Diese Substanz ... war (1er. Nun war die Synthese der Mutterlauge • 1 Mündliche Mitteilungen des Herrn Direktors Ludwig Haitinger. 2 Journ. f. Gasbel. u. W., 1901, 44. Jalirg., S. 663. Der Thor-Cer-Glühkörper. 37 ein leichtes Spiel. Ich nahm eine reine Thorlösung, mischte percentisch Cerlösung zu, und siehe da, dieses überaus glänzende Licht . . . war gewonnen.“ Die Versuchsreihen zur Ermittlung der günstigsten Zusammensetzung ergaben, daß die größte Lichtstärke ein Glühkörper aus 99% Thoroxyd mit 1% Ceroxyd habe. Dieses Mengenverhältnis ist seither beibehalten worden. Der neue Leuchtkörper leistete bei 120 1 stündlichem Gasverbrauch 00 bis 70 Hefnerkerzen. Außerdem aber war er haltbarer als die früheren. Der Thor-Cer-Glühkörper brachte dem Gasglühlicht den vollen Erfolg. Nachdem Auer im August 1891 die Patente angemeldet hatte, begann er mit der Fabrikation. Die Fabrik in Atzgersdorf, täglich mit Depeschen bestürmt, konnte die Fluiderzeugung nicht mehr bewältigen. Es war ein Glück, daß im Erühjahr 1892 der getreue Haitinger seine wissenschaftlichen Arbeiten an der Universität im Stiche ließ und wieder als Direktor nach Atzgersdorf ging. Er war es, der die fabrikmäßige Aufarbeitung des Rohstoffes nach der von Auer angegebenen Methode organisierte. Es ist hier nötig, über den Rohstoff und seine Beschaffung zu sprechen, zumal es ja von vornherein kühn erscheinen mußte, seltene Elemente zur Rohstoffgrundlage einer neuen Industrie zu machen, selbst dann, wenn das Einzelerzeugnis, der Glühkörper, eine nur recht geringe Substanzmenge benötigte. Als Material zu seinen ersten wissenschaftlichen Arbeiten hatte sich Auer von Freunden seines Vaters eine größere Menge von Cerit und Gadolinit aus Schweden zu verschaffen gewußt. Aus Bastnäs in Schweden wurde auch das Material bezogen, als dann die Fabrikation des ersten Glühkörpers in Gang gekommen war. Es wurden im ganzen gegen 8 Tonnen Cerit verarbeitet. Dann wurde man durch einen New Yorker Mineralienhändler, Gordon, der ein Bekannter von Auers Kompagnon Williams war, auf einen bei der Gold Wäscherei in Carolina abfallenden, schweren Sand aufmerksam gemacht, der ebenfalls seltene Erden enthielt. Es wurde 1 Tonne von solchem „Carolina-Sand“ gekauft und auf Lanthan verarbeitet. Haitinger schied damals auch das Thorium 1 daraus ab und verwahrte es; dieses Material kam dann Auer bei den Versuchen zu seinem zweiten Glühkörper sehr zustatten. Gordon hatte einen Bruder, der in Santos den Kaffeehandel betrieb. Von diesem erhielt er eines Tages eine Probe eines gelben, schweren Sandes, der sich an der brasilianischen Küste vorfand. Dies war der sogenannte Monazitsand, der üun das Ausgangsmaterial der Glühkörperindustrie wurde. Er stammte aus monazithaltigen Gneisen und wurde durch die Flüsse aus dem Innern des Landes a ns Meer geschwemmt, wo er sich dann infolge der Sonderungswirkung des Wellenschlags und seines hohen Gewichts als Streifen am Strande ablagerte. Wegen seines Gewichts w r urde er übrigens von den Küstenbewohnern als Schiffsballast benützt. Als der Monazitsand sich als Rohstoff bew'ährt hatte, ließ Gordon eine größere Menge bereitstellen. Da erschienen Bewaffnete, vertrieben Gordons Leute und bemächtigten sich des Vorrats. Sie verluden den Sand auf drei Segler, deren einer, wohl infolge der beweglichen Ladung, in den Stürmen des Karaibischen Meeres Als oxalsaures Salz. 38 Siebenter Abschnitt. sank, während die beiden anderen Europa erreichten. Die eine Schiffsladung kaufte die deutsche Konkurrenz, die zweite wurde der Gesellschaft, die nun erst von dieser Vorgeschichte erfuhr, von Hamburg aus angeboten. Sie wurde schleunigst gekauft. Später mußte sich Gordon beim brasilianischen Staate Bahia um eine Konzession auf die Monazitsandgewinnung bewerben, wobei sich zuletzt noch die brasilianische Bundesregierung einmischte, mit dem Hinweis darauf, daß ein Küstenstreifen bestimmter Breite ihr unterstehe. Alles dies erfoiderte äußerst langwierige Verhandlungen und einen beträchtlichen Kostenaufwand. 1 Heute wird der Monazit aus Indien bezogen. — Der Hauptvorteil, der dem neuen Gasglühlicht nun so schnelle Verbreitung verschaffte, war wohl die bedeutende Lichtstärke des Thor-Cer-Glühkörpers. Beim Ersatz eines lbkerzigen Schnittbrenners durch einen Auerbrenner erhielt man die dreifache Lichtmenge bei 30% Gasersparnis. Erschien für die Praxis diese Lichtmenge in vielen Fällen unnötig groß, so ersetzte man gewöhnlich je zwei Schnittbrenner durch einen Auerbrenner und hatte bei noch immer erhöhter Lichtausbeute mit nur einem Drittel des früheren Gasverbrauchs zu rechnen. Ein anderer Vorteil des Auerlichts ist seine gegenüber der offenen Gasflamme geringere Wärmeentwicklung. Der unsinnigen Behauptung, das Gasglühlicht verbrauche mehr Sauerstoff als die offenbrennende Gasflamme, es erzeuge mehr Wärme und mehr Verbrennungsprodukte und verschlechtere daher stärker die Luft, ist schon Auer selber anläßlich eines Vortrags 2 über sein Lanthan-Zirkon-Glühlicht entgegengetreten, indem er daran erinnerte, daß ja eine gegebene Menge eines Gases bestimmter Zusammensetzung bzw. bestimmten Heizwertes bei vollständiger Verbrennung eine genau feststehende und berechenbare Sauerstoffmenge verbrauche und hierbei ebenso bestimmte Mengen von Kohlensäure, Wasserdampf und Wärme freigebe, gleichgültig, ob die Verbrennung rascher oder langsamer erfolge und in was immer für einem Gerät. 1st auch die Flamme des Bunsenbrenners heißer, d. h. die Verbrennung intensiver, so ist doch die entwickelte Gesamtwärme — gleiche Mengenverhältnisse vorausgesetzt — dieselbe. Dies verlangt das Gesetz von der Erhaltung der Energie. Da aber das Auerlicht, bezogen auf die erzeugte Lichtmenge, viel weniger Gas erfordert, so ist schon aus diesem Grund auch die Wärmeabgabe bedeutend geringer als bei der offenen Flamme.; Dazu aber kommt noch, wie W. v. Oechelhäuser 3 zeigte, ein zweiter, die Wärmeentwicklung noch weiter vermindernder Umstand: während in den alten Gasflammen bis zu 99% der vorhandenen Energie als Wärme für die Lichtentwicklung verlorengingen, sei anzunehmen, daß beim Auerlicht infolge des höheren Lichteffekts eine größere Energiemenge in Licht umgesetzt werde, die dann nicht als Wärme in Erscheinung treten könne. „Der Leuchtkäfer mit seinem grünlich hellen Licht ist in diesem Sinne gewissermaßen das Ideal jeder Beleuchtung, denn er stellt nach Langley 1 Mündliche Mitteilungen des Herrn Direktors Ludwig Haitinger. 2 Carl Auer von Welsbacii: „Über das Gasglühlicht“, Vortrag, gehalten im Xiederösterr. Gewerbeverein am 9. April 1886 (Wochensehr. d. Niederösterr. Gew.-V., 47. Jahrg., 1886, S. 493). 8 W. v. Oechelhäuser, Das Gasglülilicht. Auszug aus dein Vortrage über die Steinkohlengasanstalten als Licht-, Wärme- und Kraftcentralen, gehalten in der Sitzung des Vereins zur Beförderung des Gewerbefleißes zu Berlin am 7. November 1892, S. 2. Der Thor-Cer-Glühkörper. 39 das billigste Licht ohne Wärme in der Natur dar, und zwar mit etwa einem vierhundertsten Theil der Kosten an Energie, die in der Kerzenflamme verbraucht wird. Wenn daher die ganz weiße oder etwas grünliche Farbe des Auerlichtes Manchem auch nicht gefällt, so erinnert sie uns doch ... an den richtigen Weg, auf dem wir uns zum Licht des J ohanniskäf ers befinden :demLichtohneWärme.“ x Die Farbe des Auerlichtes war es vielfach, die den Gegnern dieser Beleuchtung als Ziel ihrer Angriffe diente, die freilich oft mit mehr Temperament als Überzeugungskraft geführt wurden. 1 2 Denn wäre die Farbe des Lichts wirklich als ein so schwerer Übelstand empfunden worden, so hatte man nicht gezögert, sie, wenn schon nicht durch Zusätze zur Leuchtmasse, 3 so doch durch die Verwendung leicht gefärbter Glaszylinder zu korrigieren. Ein weiterer Vorwurf, den man dem Gasglühlicht machte, war die geringe Haltbarkeit der Leuchtkörper. Als in der Wiener Hofburg Auerbrenner angebracht wurden, sprach auf eine Frage des Kaisers ein alter General die Befürchtung aus, daß diese neuartigen Beleuchtungskörper den ersten Einmarsch der Burgmusik wohl nicht aushalten würden. Blieb auch die leichte Zerbrechlichkeit der Leuchtmäntel eine Schwäche des Gasglühlichts, so muß man doch sagen, daß eine größere Stabilität als die erreichte von einem Aschenskelett auch kaum zu verlangen gewesen wäre. Wurden größere Erschütterungen vermieden, so hatten die Glühstrümpfe eine lange Brenndauer. Oechelhäuser 4 * berichtet, daß die sechs Mäntel seiner Versuchsreihe nach 2400 Stunden Brennzeit noch funktionierten. Hält man sich vor Augen, daß auch die damaligen Kohlenfadenlampen noch recht gebrechliche Gebilde waren und insbesondere sehr leicht durchbrannten, so wird es erklärlich, daß in Oechelhätjsers vergleichenden Versuchen zwischen elektrischer Beleuchtung und Gasglühlicht dieses bedeutend besser abschnittA Das Entscheidende jedoch im Konkurrenzkampf dieser beiden Beleuchtungsarten waren die Kosten. Oechelhäuser kommt zu dem Ergebnis, daß „in Berlin das elektrische Glühlicht z. Zt.“ (nämlich 1892) „ungefähr 4mal so theuer als Auerlicht ist“, 6 während der Wiener Generalgasdirektor Fähndrich, der im gleichen Jahre in Kiel über das Gasglühlicht sprach, dessen Kosten sogar mit weniger als ein Sechstel der des elektrischen Lichts annimmt. 7 1 Ebenda. 2 Vgl. z. B. die Schmähschrift des Berliner Elektroingenieurs F. II. Aschnek, Glühlicht mittels Q as erzeugt, (Leipzig, Oskar Leiner, 1893), die mit den Worten schließt: „Die Welt wird nicht in das Zeitalter der Gasglühlichtbeleuchtung eintreten, trotz aller Vorträge und Reklamen, die für diese Beleuchtung gemacht werden. Auch äiese Mode wird vorübergehen.“ 3 In seiner Patentanmeldung vom 22. Jänner 1886 gibt Auer Leuchtmassen für verschiedenfarbiges Licht an. Der Lanthan-Zirkon-Glühkörper war übrigens sowohl "ciQ- als auch gelbleuchtend hergestellt worden. Die beiden Marken waren durch verschiedene Verpackung gekennzeichnet. 4 Der früher zitierte Vortrag, S. 4. 8 Ebenda. * Ebenda, S. 6. 7 Vortrag, gehalten auf der 32. Jahresversammlung des Deutschen Vereins von Gas- und Wasserfachmännern in Kiel am 28. Juni 1892 (nach G. Hartwig, Das Gas- Rlühlicht, Dresden 1894, bei Hellmuth Henkler, S. 49). 40 Siebenter Abschnitt. Mit diesen Vorteilen des verbesserten Gasglühlichts, hauptsächlich den wirtschaftlichen, ist es zu erklären, daß es bei seiner Ausbreitung das elektrische Licht damals nicht allein überflügelte, sondern in vielen Fällen regelrecht verdrängte. In Wien und in den Städten Deutschlands gingen Gaststätten, Kaffeehäuser und Geschäfte, die schon elektrische Beleuchtung hatten, wieder auf das Gaslicht über und erzielten bedeutende Ersparnisse. Das neue Glühlicht verbreitete sich schnell. Anfangs November 1891 brannten im Opern-Cafe zu Wien die ersten Thor-Cer-Mäntel, ein Jahr später hatte das neue Auerlicht die Stadt erobert. In den ersten dreiviertel Jahren der Erzeugung wurden 90000 Brenner geliefert. 1893 stieg der Absatz weiter. Im April dieses Jahres betrug er noch 1240 Brenner, im November schon 42290, also mehr als das 34fache. In Deutschland sind in den 15 Monaten zwischen September 1892 und Ende 1893 etwa eine halbe Million Brenner zur Anwendung gekommen, davon 100000 in Berlin. Anfangs 1894 waren in Paris mindestens 150000 Auerbrenner in privatem Gebrauch. In den Krankenhäusern Wiens wurden durch das Auerlicht die ersten nächtlichen Operationen ermöglicht. Dieser glänzende Aufstieg war von ebenso beispiellosen geschäftlichen Erfolgen begleitet. Die österreichische Gasglühlicht-Aktien-Gesellschaft übernahm die Wiener Fabrikation, sowie Auers Patente und Verträge mit den ausländischen Gesellschaften. An diese lieferte sie zu vertraglich festgesetztem Preis die Imprägnierflüssigkeit, deren Herstellung ihr Fabrikationsgeheimnis blieb, wobei sie viel verdiente. Die größten Erfolge erzielte die deutsche Gesellschaft in Berlin und dies trotz der scharfen Konkurrenz in Deutschland, die der ungünstige Ausgang der Patentprozesse zur Folge hatte. Es mag genügen, wenn gesagt wird, daß die Gesellschaft nach dem Jahresabschluß 1893/94 eine Dividende von 130% auszahlte. Auch die ausländischen Gesellschaften, die englische, französische, belgische und holländische, sowie die irische und schweizerische Gasglühlicht-Gesellschaft erzielten riesige Gewinne. Von dem Umfang, den die Glühkörperindustrie annahm, geben einige schätzungsmäßige Zahlen, die Haitinger und Fattinger mitteilten, einen Begriff: „Versucht man die wirtschaftliche Bedeutung des Gasglühlichts während der 43- bzw. 38jährigen Dauer seines Bestehens zu ermessen, so kommt man zu gigantischen Zahlen, denn angenähert so viel Gas, als bei Benützung desselben verbraucht wurde, hat man gegenüber den alten Brennern erspart und gleichzeitig dabei dreimal soviel Licht erhalten. Die österreichische und deutsche Auer-Gesellschaft erzeugten seit Bestand rund 1500 Tonnen Thornitrat, die mindestens 1500 Millionen Glühkörpern entsprechen. Hierzu kommt noch die Produktion der amerikanischen Auer-Gesellschaft und der vielen fremden Fabriken, die zusammen wohl noch mehr als das Doppelte erzeugten, so daß man den Weltverbrauch auf rund 5 Milliarden Glühkörper einschätzen kann, an denen mindestens 200 Milliarden Kubikmeter Gas verbrannt wurden.“ 1 1 Haitinuek-Fattinoer: l)r. Fake Freiherr Acer von Weesracii |. Öst. CIiche Ztg. 1929, Xr. 17, 144. Der Thor-Cer-Glühkörper. 41 Verlockt durch den verhältnismäßig hohen Preis von M 2,50, den die Deutsche Gasglühlicht-Gesellschaft für ihre Mäntel erzielte, begann um 1894/95 in Deutschland eine Anzahl bekannter Firmen AuERsche Glühkörper herzustellen, die den echten zwar nicht sogleich ebenbürtig waren, aber doch von Lieferung zu Lieferung brauchbarer wurden. Die deutsche Gesellschaft stellte gegen zehn Firmen den Klageantrag wegen Patentverletzung, wurde jedoch abgewiesen. Nun klagten diese zehn Firmen auf Nichtigkeitserklärung und Zurücknahme der AuERschen Patente. Der jahrelange Streit, einer der interessantesten Patentprozesse, wurde durch die Entscheidung des Reichsgerichtes vom 6. Juli 1898 beendet. Auer war früher, als er in Deutschland seinen Thor-Cer-Glühkörper patentieren lassen wollte, abgewiesen worden, da das Patent angeblich schon durch ein früheres gedeckt sei, in welchem ihm ein Thoroxydmantel, der geringe Beimengen anderer Stoffe enthielt, geschützt worden war. Auf dieses Patent mußte sich Auer infolgedessen in dem Prozeß stützen. Das Kammergericht bzw. Reichsgericht kam. jedoch auf Grund der Gutachten namhafter Chemiker, wie Landolt, Witt, Fresenius, Hintz, Marckwald, Knorre zu der Ansicht, daß der neue Thor-Cer-Mantel, dem ja das Auerlicht seinen großen Erfolg verdanke, eine von dem früheren Patent gänzlich unabhängige, neue Erfindung Auers sei, die jedoch in Deutschland nicht unter Patentschutz stehe. Es könne also, nach dem Bekanntwerden des Verfahrens aus der englischen Patentschrift, jeder in Deutschland Thor-Cer-Mäntel fabrizieren. Dabei gab das Kammergericht den seinerzeitigen Irrtum des Patentamtes in Berlin, welches das Wesen von Auers Erfindung nicht verstanden hatte, zu und bedauerte, daß Auer damals nicht gleich den Beschwerdeweg beschritten habe, wodurch die Krage wohl rechtzeitig geklärt worden wäre. Neben dem Irrtum der deutschen Katentbehörde trägt also Auers schlechte patentrechtliche Beratung schuld an dem unglücklichen Ausgang des Gasgliihlichtprozesses in Deutschland. * * * Wenn es zum Verständnis und für die Beurteilung von Auers Erfindung notwendig war, die wichtigsten Leistungen seiner Vorgänger zu nennen, so wird es aus den gleichen Gründen zweckmäßig sein, auch die Verbesserungen und die weitere Ausgestaltung des Auerlichts kurz zu betrachten. Der überwiegende Teil dieser Neuerungen diente ja eben der Ausgestaltung und Ausstattung des Glühlichts, uicht so sehr seiner prinzipiellen Verbesserung. Stoßfänger, Druckregler und vor allem die zahllosen Zünderkonstruktionen sind hier zu nennen. In seinem Cereisen- feuerzeug hat Auer von Welsbach später ja selber ein Gerät geschaffen, das die eine große Schwäche des Gaslichts, die in der Unbequemlichkeit des Anzündens l>esteht, mildern sollte. Wichtiger aber als die mannigfache Ausgestaltung der Gasbeleuchtung sind die ^ erl>esserungen, die das Material des Gasglühlichts selbst betreffen, den Leuchtkörper, den Brennstoff und die Art, wie er verbrannt wird. Auer von Welsbach hatte seine Leuchtkörper aus Baumwollgarn hergestellt, ^erfahren, wie die von Oskar Knüfler (1894) und von A. M. Plaissetty (1900), an die Stelle der gewachsenen Faser Fäden aus Kunstseide zu setzen, hatten zu- 42 Siebenter Abschnitt. nächst keinen rechten Erfolg. Eine bedeutende Materialverbesserung hingegen war die Einführung der Leuchtkörper aus Ramiefaser 1 durch Buhlmann im Jahre 1898. Die Glühstrümpfe aus dieser Faser zeigten gegenüber denen aus Baumwoll- häkelgarn eine kräftigere Leuchtwirkung und, da sie zudem die der Flamme angepaßte Form länger beibehielten, auch eine beständigere Lichtemission. Außerdem hat der Ramieglühkörper eine bessere mechanische Haltbarkeit. Diesen Vorteilen der Ramiefaser ist es zuzuschreiben, daß sie bald das wichtigste Glühkörpermaterial wurde. In den letzten Vorkriegsjahren hatte die Ramie als Glühstrumpffaser die Baumwolle etwa zu vier Fünfteln verdrängt. Um dieselbe Zeit aber begannen auch Leuchtkörper aus Kunstseide, insbesondere für Preßgasglühlicht eine Rolle zu spielen. Schon vor Auer hatte man versucht, neben dem Leuchtgas auch andere Brennstoffe zum Betrieb von Inkandeszenzleuchten heranzuziehen. So brannte von Frankenstein in seinen „Solarlampen“ Öl, in seinen „Lunarlampen“ Spiritus. 2 Nach Auers Erfindung gelang es dann, flüssige sowie auch andersartige gasförmige Brennstoffe im Auerbrenner zu verwenden. Da es nicht mehr nötig war, aus besonderen Gaskohlen ein Gas von starker Leuchtkraft zu destillieren, gewannen reine Heizgase, wie das Wassergas, z. B. auch als Beimischung zum Destillationsgas der Gaswerke, besondere Wichtigkeit. 3 Das Ölgasglühlicht wurde vor allem für die Waggonbeleuchtung Abb. 16. Ein Glühstrumpf für 1000 Kerzen und ein Strumpf für Sparbeleuchtung geben ein Bild von dem späteren Ausbau der Auerschen Erfindung. 1 Die Ramiefaser stammt von einer strauchartigen Pflanze Ostasiens, die zu den Urticaceen (Nesseln) gehört. Für Textilzwecke werden zwei Arten, Boehmeria nivea (Chinagras) und Boehmeria tenacissima (Ramie) verwendet. In Europa wurde dieses Material zum ersten Male 1850 von Marshall in Leeds versponnen. * Siehe S. 24. 3 Die Verwendung des Wassergases hat insbesondere der österreichische Gastechniker Prof. Dr. Hugo Straciie angeregt. Der Thor-Cer-Glühkörper. 43 r~ bedeutungsvoll, während das Acetylen, seinem hohen Heizwert- entsprechend, im Glühlichtbrenner eine besonders gute Leuchtkraft ergab. Auch Spiritus und Petroleum, sowie die leichteren, unter den Namen Benzin, Ligroin, Gasolin bekannten Erdöldestillate wurden mit Erfolg als Glühlichtbrenn- stoffe verwendet und spielten, z. B. für die Beleuchtung entlegener Einzelsiedlungen, eine bedeutende Rolle. Die V er besserungsbestrebun - gen, die durch eine geänderte Art der Gasverbrennung gekennzeichnet sind, haben sich vor allem auf drei Probleme konzentriert: das hängende Glühlicht, die Preßgasbeleuchtung und das Niederdruck-Starklicht. In ihnen erreicht die Gasbeleuchtungstechnik die Höhe ihrer Entwicklung. Sie hat bis zu Lichtstärken von mehreren tausend Kerzen geführt. Überblickt, man diese Entwicklung der Gasbeleuchtung seit Auer, so erscheint sie zweifellos gewaltig. Trotzdem werden in dieser Entwicklung weder neue ^ e ge beschritten, noch wird prinzipiell Wesentliches aus Auers Erfindung fallen gelassen. Die Seele des Gasglühlichts, die Zusammensetzung des Leuehtfluids, blieb unverändert. Man fand eine leistungsfähigere Faser für den Leuchtkörper, man ordnete ihn hängend an > man setzte Gas oder Luft unter Üruck und intensivierte die Verbrennung — alles dies ist Ausgestaltung, Fortentwicklung, Steigerung des AuERschen Werkes und beweist nicht eine Unfertigkeit dieser Erfindung, ändern ihre ungeheure Fruchtbarkeit. Das Gasglühlicht ist erstaunlich vollkommen und fertig aus der Hand seines Erfinders hervorgegangen, und so wie kein anderer vor Auer ein taugliches Inkandeszenzlicht fertiggebracht hatte, so konnte auch nachher seine Erfindung von fremden Händen wohl ausgestaltet, nic ht aber grundsätzlich umgestaltet werden. Abb. 17. Dr. Carl Auer von Welsbach. Xach einer Photographie. 44 Achter Abschnitt. VIII. Metallfadenlampen vor Auer. Groves Versuch. Lampen mit Platin- und Iridiumdrähten. Versuche zur Verbesserung der Kohlenfadenlampe. Die NERNST-Lampe. Die Geschichte der elektrischen Glühlampe läßt erkennen, daß man bei der Wahl der Leuchtkörper vielfach zu den gleichen Stoffen griff wie beim gasbeheizten Inkandeszenzlicht: zu Metallen und zu Oxyden. Dazu kommt beim elektrischen Glühlicht noch die Kohle, das Material der ersten erfolgreichen Glühlampen. Aber auch für diesen Stoff, der doch wegen seiner Verbrennbarkeit für das Gasglühlicht ausscheiden sollte, finden sich dort wenigstens andeutungsweise Verwendungsbestrebungen : das Bedecken anderer Leuchtkörper mit Kohlepulver, um ihre Leuchtkraft zu erhöhen. 1 Auch die immer wiederkehrenden Versuche, verschiedene Materialien miteinander zu kombinieren und damit auch ihre Vorzüge zu vereinen, hat die Entwicklung der Glühlampe mit der des Gasglühlichts gemein. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts beobachteten sowohl der Franzose Louis Jacques Thenard als auch der Engländer Humphry Davy, daß Metalldrähte durch den elektrischen Strom bis zum Glühen erhitzt werden können. In den dreißiger Jahren wurde von dem belgischen Professor Jobard der Vorschlag gemacht, diese damals also schon seit dreiundeinhalb Jahrzehnten bekannte Erscheinung zur Grundlage eines Beleuchtungssystems zu machen und als Leuchtkörper für ein derartiges Gerät Kohlestäbchen im luftverdünnten oder luftleeren Raum an- zu wenden. Im Jahre 1840 baute sich der englische Physiker William Robert Grove eine elektrische Lampe, bei der eine dünne Platindrahtspirale, an starke kupferne Stromzuführungsdrähte angeschlossen, unter einem gasgefüllten und durch eine Wassertasse abgedichteten Glasbecher zum Glühen gebracht wurde. Als Gasfüllungen verwendete Grove Stickstoff, Wasserstoff und Kohlensäure, als Stromquelle diente ihm eine Reihe hintereinander geschalteter Elemente. Dieser Versuchsapparat konnte einige Stunden lang in Betrieb erhalten werden. Er kann als der erste Vorläufer der Metallfadenlampe gelten. Eine bereits als technisches Gerät gedachte Konstruktion, die freilich etwas absonderlicher Art war, wurde schon im nächsten Jahre von Frederic de Moleyns in Cheltenham geschaffen. Dieser Erfinder ließ, um die Leuchtkraft zu erhöhen, aus einem kleinen Vorratsbehälter Kohlepulver über eine glühende Drahtspirale rieseln, wobei allerdings auch das Lampengefäß geschwärzt und der Platindraht angegriffen wurde. Nachdem in den Jahren 1844 bis 1846 mehrere Erfinder, wie King, de Changy, Starr, Staite, Greener an verschiedenen Konstruktionen den JoBARDschen Gedanken der Kohlestablampe abgewandelt hatten, soll um 1846 der Deutschamerikaner Heinrich Goebel in New York die ersten brauchbaren Kohlenfadenlampen gebaut haben, evakuierte Glasfläschchen mit einem Leuchtfaden aus verkohlter Bambusfaser, der an die Stromzuführungsdrähte mit einem eigenen Kitt leitend angeschlossen war. Die Erfindung Goebels wurde erst 1893 anläßlich eines Prozesses 1 Vgl. die Konstruktion Kiiotinskys, S. 27. Metallfadenlampen vor Auer. 45 wieder ans Licht gezogen, wobei auch einige der GoEBELschen Lampen aufgetrieben und gezeigt wurden. Daß diese Lampen tatsächlich aus so früher Zeit stammen, ist jedoch nicht unwidersprochen geblieben. Während man auf der einen Seite in Goebel den eigentlichen Erfinder der Kohlenfadenlampe sieht, vermutet Anton Lederer in den GoEBELschen Lampen eine viel spätere bedeutungslose Konstruktion, die von dem einen der Prozeßgegner zu einem Patentumgehungsmanöver ausgenützt wurde. 1 Der Fall Goebel muß wohl als eine bisher noch nicht geklärte Streitfrage betrachtet werden. Das Metall Platin, nach dem so viele Glühlampenerfinder, besonders bei ihren ersten Konstruktionen, griffen, hat die Schwäche, daß sein Schmelzpunkt zu niedrig, etwa bei 1760° liegt, eine Temperatur, der man bei voller Leuchtkraft des Drahtes bereits nahekommt. Staite und Petrie schlugen deshalb in den Jahren 1848 und 1849 vor, das Metall Iridium, das erst bei etwa 2200° schmilzt, anstatt des Platins zu verwenden. Staite gelang es auch, dieses spröde Metall durch andauerndes Walzen und Hämmern bei Weißglut in einen für die mechanische Formgebung genügend duktilen Zustand zu bringen. Diese Bearbeitungsmöglichkeit des Iridiums hatte jedoch ebensowenig die Konstruktion einer brauchbaren Metallfadenlampe zur Folge, wie die von de Changy zehn Jahre später gemachte Beobachtung, daß Platinfäden die hohe Erhitzung etw r as besser aushalten, wenn man sie während des Evakuierens langsam anheizt und damit gründlich von adsorbierten Gasresten befreit. An Einfachheit nicht zu überbieten ist Chauvins Versuch einer Metallfadenlampe vom Jahre 1875. Dieser Erfinder brachte eine Platindrahtspirale in einem Glasballon unter und verschloß den Ballonhals durch einen Kautschukstopfen, den die Zuführungsdrähte durchbohrten. Bald darnach begann sich Thomas Alva Edison mit der Konstruktion einer elektrischen Glühlampe zu beschäftigen. Es sei nebenbei bemerkt, daß um diese ^eit eine Erfindung auftauchte, die zur Popularisierung des Gedankens der elektrischen Beleuchtung nicht unwesentlich beitrug: die jABLOCHKOFFsche Kerze. Diese sehr sinnreich veränderte Bogenlampe gelangte zu einer gewissen Verbreitung. Edison griff das Problem der elektrischen Beleuchtung zunächst von der Seite der Metalldrahtlampe an. Seine erste Platindrahtlampe war nicht viel vollkommener als die vorhin genannte Konstruktion Chauvins. Die Zuleitungsdrähte gingen durch einen Gipszylinder, der die evakuierte Glaskugel abschloß. Aber bald machte auch Edison die Erfahrung seiner Vorgänger, daß der Platinfaden allzuleicht abschmolz. So griff er zu Kombinationen von Platin mit Oxydglühkörpern. Indem er einen über 9 m langen Platindraht um einen Kalkzylinder wickelte, erhielt er einen Glühkörper mit einem Widerstand von — heiß gemessen — 750 Ohm. Diese drahtumwundenen Zylinder und Stäbchen aus feuerfesten Massen können als ^ orläufer der späteren Nernstlampe gelten. Auch eine andere Möglichkeit der Vereinigung von Metallfäden mit Erden versuchte Edison: er überzog Platindrähte mit feuerfesten Oxyden, wie Kalk, Magnesia, Zirkonoxyd, Ceroxyd, ja sogar 1 Über die Gründe, die hierfür sprechen, vgl. Anton Lederer, Die Glühlampe. liRtoriscli-kritisclie Notizen, „Die Lichttechnik“, Beilage zu „Elektrotechnik und •'lasehinenbau“, Wien 1925. 46 Achter Abschnitt. mit Kohle. Er formte auch Glühkörper aus Mischungen von fein verteiltem Platin mit Zirkonerde, er zog Platin-Iridium-Legierungen in den Kreis seiner Versuche und erdachte sinnreiche Reglervorrichtungen, die eine Überhitzung und damit das Durch brennen der Platindrähte in den Lampen automatisch verhüten sollten. Schon diese flüchtigen Andeutungen zeigen, daß Edison, wenn er sich auch nicht allzulange mit der Metallfadenlampe beschäftigte, dies doch recht eingehend tat, ja, daß er kaum einen Weg unbetreten ließ, der die Materialschwierigkeiten der Metalldrahtlampe etwa hätte umgehen können. Erst als alle diese Versuche keine befriedigenden Konstruktionen ergaben, wandte er ihnen entschlossen den Rücken und ging zur Kohlenfadenlampe über. Daß er hier in der verkohlten Bambusfaser das Material der technisch brauchbaren Glühlampe fand und daß er auf dieser Grundlage die Industrie der Glühlampe schuf, ist bekannt. Gleichzeitig mit Edison bemühten sich auch andere Konstrukteure um die Metalldrahtlampe. So nahm der Erfinder des bekannten Schnellfeuergeschützes Hiram St. Maxim ein Patent auf eine Platindrahtlampe mit Wärmeregulator, während St. George Lane Fox eine ebenfalls mit Platindraht ausgestattete Vakuumglühlampe baute, wobei er jedoch angab, daß anstatt des Vakuums auch eine Stickstoffüllung geeignet sei, die Zerstäubung des Leuchtdrahts zu verhüten. Beide Erfinder gingen übrigens, gleich Edison, wenige Jahre später zur Kohlenfadenlampe über. Auch ein Patent 1 verdient genannt zu werden, in welchem T. N. Aronson und H. B. Farmie die Verwendung von Osmium für die Glühkörper elektrischer Vakuumlampen vorschlugen. Freilich knüpften sich keinerlei praktische Folgen an diese Anregung. Edison hatte in seiner Kohlenfadenlampe die erste erfolgreiche Glühlampe in die Welt gesetzt. Es soll hier nicht untersucht werden, welche der Konstruktionen, die andere knapp vor ihm oder gleichzeitig mit ihm schufen, etwa auch die technische Eignung für eine weitere Verbreitung gehabt hätte . 2 Tatsache ist, daß Edison es nicht nur verstand, seiner Konstruktion die Voraussetzungen hierzu zu geben, sondern auch eine Industrie der Glühlampe zu begründen und die Ausbreitung der elektrischen Beleuchtung über die ganze Welt einzuleiten. Diesem allgemein sichtbaren Erfolg der Kohlenfadenlampe ist es wohl zuzuschreiben, daß in den folgenden Jahren der Metallfadenlampe so gut wie keine Bemühungen mehr zugewendet wurden. Das Streben aller der Erfinder, die sich eine \ erbesserung der Glühlampe angelegen sein ließen, ging vielmehr vor allem dahin, organische Stoffe ausfindig zu machen, die in verkohltem Zustand einen noch vollkommeneren Leuchtfaden abgaben als die EmsoNsche Bambusfaser. Edison selbst hatte ja, vom Papier ausgehend, lange gesucht, ehe er auf dieses Material verfallen war. Wurden zunächst andere natürliche Fasern, von Holz oder Gräsern aller Art, ja sogar Menschenhaare zur Gewinnung besserer Kohlenfäden erprobt, so ging man bald mehr und mehr zur Herstellung synthetischer Leuchtfäden über. Die Verfahren bestanden darin, aus einer geeigneten plastischen Masse organischer Natur 1 Brit. Pat. 4163 v. 18. Okt. 1878. 2 Auch auf eine Besprechung der verdienstvollen Arbeiten anderer Erfinder von Kohlenfadenlampen, wie Sawyer und Man und hauptsächlich Swan muß lüer verzichtet werden. Metallfadenlampen vor Auer. 47 durch Pressen, Walzen u. dgl. die Fäden zu formen, die man dann verkohlte. Soweit diese plastischen Massen Pasten aus Ruß oder Graphit mit geeigneten Bindemitteln waren, erinnert das Verfahren übrigens an das später von Auer von Welsbach angewandte zum Formen der Osmiumfäden. Andere brauchbare Massen fand man in den zähflüssigen Lösungen der Zellulöse und ihrer Verbindungen. Hierher gehören die Methoden, bei denen Baumwolle entweder in Schwefelsäure pergamen- tiert oder in Kupferoxydammoniak oder Chlorzinklauge gelöst wurde, auch die Herstellung der Fäden aus Nitrozellulose und aus Eisessigkollodium. Die Fäden, die (ähnlich wie bei der Fabrikation der Kunstseide) aus Düsen gespritzt wurden, hatten den Vorteil großer Gleichmäßigkeit. Alle diese Verbesserungen und manche andere konstruktiver Art trugen sicherlich zur Vervollkommnung der Kohlenfadenlampe bei. Trotzdem kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die damalige Entwicklung der Glühlampe nachgerade in eine Sackgasse geraten war. Man kann sagen, daß man im letzten Jahrzehnt vor 1900 aus dem Material des Leuchtfadens, der Kohle, das Erreichbare herausgeholt hatte. Aber dieses Material war, sowohl an der Lichtausbeute, als an seiner mechanischen Festigkeit und seiner Lebensdauer beurteilt, nur von beschränkter Eignung. Fs war kein rechter Weg erkennbar, der eine Zukunftsentwicklung mit merklicher Leistungssteigerung oder neuen Möglichkeiten verhießen hätte. Sich vorläufig mit dem Erreichten zu bescheiden, mußte aber schon aus wirtschaftlichen Gründen ganz unmöglich erscheinen. Denn eine elektrische Lampe, die je Hefnerkerze einen Aufwand von 3,5 Watt erforderte, konnte mit dem Gasglühlicht Auers, das, mit dem neuen Thor-Cer-Glühkörper ausgestattet, in jenem Jahrzehnt seinen großen Triumphzug angetreten hatte, nicht in Wettbewerb treten. Neuerliche Bestrebungen, eine Metallfadenlampe zu schaffen, traten nur sehr vereinzelt hervor. Man könnte hier an die mit Wolfram metallisierten Kohlefäden denken, die Tibbits schon 1889 dadurch herstellte, daß er Textilfasern mit wolframsauren Salzen tränkte und dann im Wasserstoffström glühte, oder an den Vorschlag A. de Lodyguines (1893), Platindrähte mit schwerer schmelzbaren Metallen, wie Khodium und Iridium, Ruthenium und Osmium, Molybdän, Wolfram oder Chrom °der zur Verbesserung der Lichtausbeute auch mit deren Oxyden zu überziehen. Im übrigen aber wartete die elektrische Beleuchtungstechnik am Ende des neunzehnten Jahrhunderts auf den Mann, der der Glühlampe den Weg zu weiterer Entwicklung weisen und sie mit Eigenschaften ausstatten sollte, die sie ihrem mächtigsten Konkurrenten, dem AuERschen Gasglühlicht ebenbürtig machte. Es wird immer eine der wunderbarsten Fügungen der Technikgeschichte bleiben, daß dieser Mann Auer von Welsbach selber war. Fast gleichzeitig mit Auers Osmiumlampe tauchte noch eine andere Konstruktion auf, die sich ebenfalls durchsetzen konnte, dann aber keine Weiterentwicklung mehr erfuhr: die Nernstlampe. 1897 nahm der deutsche Chemiker Walter Nernst ein Patent auf eine elektrische Lampe, die als Leuchtkörper ein Stäbchen aus einem Gemisch feuerfester Oxyde hatte. Nernst verwendete hauptsächlich Magnesia, jedoch auch seltene Erden. Da solche Massen erst in der Hitze stromleitend werden, war es notwendig, den Glühkörper nach dem Einschalten des Stroms mit einer kleinen Spiritusfackel anzuwärmen, worauf dann die Lampe in 48 Neunter Abschnitt. Funktion trat — eine elektrische Lampe, die sozusagen erst angezündet werden mußte. Dieser große Mangel wurde durch eine Verbesserung der A. E. G., die Nernsts Patente erworben hatte, einigermaßen gemildert, indem man den Glühkörper mit einem Heizdraht aus Platin umwickelte und damit das Anheizen durch den Betriebsstrom besorgen ließ. Die dadurch nötig gewordenen Hilfsapparaturen (Vorschal twiderstand, automatische Ausschaltung der Heizspirale) stellten freilich gegenüber der Kohlenfadenlampe eine unerwünschte Komplikation dar, die auch das Wegfallen des Vakuums nicht wettmachen konnte. Trotzdem die Nernstlampe einen sehr merkbaren wirtschaftlichen Fortschritt bedeutete — sie beanspruchte nur 2 Watt je Hefnerkerze gegenüber 3,5 Watt der Kohlenfadenlampe —, wurde ihre Schwäche, daß man nach dem Einschalten immer erst die Anwärmungszeit abwarten mußte, ehe die Lampe aufleuchtete, als so große Unbequemlichkeit empfunden, daß sich diese Lampe beim großen Publikum nie so recht einbürgerte. So wurden am Ende des neunzehnten Jahrhunderts von der kaum mehr verbesserungsfähigen Kohlenfadenlampe aus zwei ganz verschiedene Entwicklungswege betreten: Der eine, von Walter Nernst eingeschlagene, ging über die Oxydglühkörper und — versandete bald wieder. Der zweite Weg, der des Metallfadens, führte zur Osmiumlampe und in gerader Linie weiter zur Tantal- und Wolframlampe und damit zu unseren heutigen Beleuchtungsgeräten. Es ist das Verdienst Auers von Welsbach, diesen Weg gewiesen und bis zu seiner ersten, entscheidenden Station selbst durchmessen zu haben. IX. Die Osmiumlampe. Auers Versuche mit Platindrähten und Tlioroxyd. Versuche mit Osmium. Das Legierungsverfahren, das Kohleverfahren, das Paste verfahren. Leistung und Erfolge der Osmiumlampe. Weiterentwicklung der Metallfadenlampe. Der zweifellos imponierendste Zug an dem Bilde Carl Auers von Welsbach als Techniker und Industrieller sowohl wie auch als Mensch kommt in der Tatsache zum Ausdruck, daß er nach dem beispiellosen Erfolg seines Gasglühlichts, ja nachdem er der Welt überhaupt erst eine wirklich moderne Gasbeleuchtung geschenkt hatte, sich dem natürlichen Konkurrenten dieser Beleuchtungsart, dem elektrischen Licht, zu wandte. Wenn man der aus Berufs- und Fachgründen zwar begreiflichen, oftmals recht parteiischen Einstellung der Gasfachmänner und Elektroingenieure, wie sie in den Publikationen der damaligen Zeit zum Ausdruck kommt, Auers souveräne Betrachtung und alltechnische Gesinnung entgegenhält, so erscheint diese Seite seines Wesens nur um so bewundernswerter. Jeder andere wäre nach einem Erfolg, wie der des Gasgliihlichts es war, ein eingeschworener Gasbeleuchtungsmann geblieben — schon aus beruflichem Egoismus. Auer ging zur elektrischen Lampe über. Die Begründung dafür, die er später einmal schrieb, könnte nicht selbstverständlicher und schlichter klingen: „Von Jugend auf mit Versuchen über das elektrische Licht beschäftigt, hatte ich dieses Arbeitsgebiet liebgewonnen, und Die Osmiumlampe. 49 so beschloß ich denn, zu versuchen, ob ich nicht auch dem elektrischen Licht zu Hilfe kommen konnte .“ 1 Zur Erfindung der Osmiumlampe gelangte Auer auf einem interessanten Umweg, der auch über das Gebiet der seltenen Erden führte. „Bei den vielen Versuchen,“ so erzählte er , 2 „die ich über das Lichtausstrahlungsvermögen anstellte, hatte ich oft Gelegenheit, zu erkennen, wie außerordentlich verschieden sich die Körper in dieser Beziehung verhielten. Während der eine Körper oft nur zur hellen Rotglut kam, gab der andere, unter gleichen Verhältnissen erhitzt, schon blendend weißes hiebt. Diese Beobachtungen bezogen sich allerdings zumeist auf das Erhitzen in chemischen Energiequellen und waren demnach nicht direkt beziehbar auf die durch den elektrischen Strom hervorgerufenen Glühprozesse. Doch lag die Vermutung nahe, daß die Körper, im Strom erhitzt, gleichfalls erhebliche Unterschiede in ihrem Licht- und Wärmeausstrahlungsvermögen aufweisen könnten, ihre Lichtfarbe mithin verschieden wäre. Insbesondere richtete sich mein Augenmerk auf die schwer schmelzbaren Metalle, von denen ich annahm, daß sie sich in der Lampe ganz anders und besser verhalten müßten als der Kohlenstoff. Bestimmte Erfahrungen lagen in dieser Richtung, so viel ich weiß, nicht vor. Mein Arbeitsziel war es also, ein Metall zu finden, das in der Gestalt eines dünnen, elastischen Fadens oder Drahts eine bis zur strahlenden Weißglut gehende Erhitzung ohne Formveränderung auszuhalten imstande war. Platin mit seinem verhältnismäßig niedrigen Schmelzpunkt kam natürlich nicht in Betracht. Die anderen als sehr schwer schmelzbar bekannten Metalle hingegen waren als dünne Fäden oder Drähte nicht zu beschaffen. Da verfiel ich auf eine etwas absonderliche Idee. Ich hatte früher einmal gesehen, daß ein sehr feiner Aluminiumdraht, durch den Strom allmählich zum Glühen gebracht, bis zur hellen Weißglut erhitzt werden könne, ohne abzuschmelzen. Unter Berücksichtigung des niedrigen Schmelzpunkts des Aluminiums gewiß ein überraschendes Experiment. Ich wiederholte es und es gelang ganz leicht. Die Erklärung dafür zu finden, war nicht schwierig. Der allmählich in Rotglut kommende Aluminiumdraht überzieht sich nämlich mit einer nach und nach dichter werdenden ziemlich schwer schmelzbaren Tonerdeschicht, in der das zum Schmelzen kommende Metall, wie in einer Röhre festgehalten, bis nahe zum Siedepunkt gebracht werden kann, ohne daß das halbgeschmolzene Röhrchen berstet.“ Die Erfindungsgeschichte der Osmiumlampe ist so recht kennzeichnend für Auers Art zu erfinden. Die Literatur hat Auer nie viel benützt. Die früheren Versuche mit dem viel schwerer schmelzbaren Metall Iridium scheint er nicht gekannt zu haben. Die Erinnerung an das Experiment mit dem Aluminiumdraht, das er einmal gesehen hat, gibt ihm den ersten Erfindungsgedanken. „Diesen Versuch“, so fährt Auer fort, „wollte ich unter gewissen, mehr Erfolg versprechenden Abänderungen nachahmen. Statt des Aluminiums wählte ich Platin, und den emailleartigen Überzug wollte ich aus dem fast unschmelzbaren Thoroxyd hersteilen. Das war auf den ersten Blick eine recht schwierige Aufgabe, 1 Carl Auer von Welsbach, Zur Geschichte der Metallfadenlampe. Elektrotechn. Zeitschr., 42. Jahrg. (1921), S. 453. 1 Ebenda. (Schichte der Technik. H 2. 50 Neunter Abschnitt. in Wirklichkeit jedoch eine höchst einfache Sache. Ich bewerkstelligte dies in folgender Weise: Ich zog einen dünnen Platindraht durch die mit einer verdünnten Thornitratlösung befeuchteten Fingerspitzen, glühte ihn dann in der Flamme aus und wiederholte diesen Versuch behutsam solange, bis der Platindraht mit einer eben sichtbaren Thoroxydschicht überzogen war. Nun zerschnitt ich ihn, um metallische Berührungsstellen zu schaffen, bog ihn in der Flamme bügel-förmig ab und setzte ihn an die aus Platin bestehenden, mit Strom versorgten Pole an; infolge einer kleinen Bogenbildung frittete er alsbald an und begann zu glühen. Mit dem allmählichen Ansteigen der Stromstärke kam er bis nahe zur Weißglut. Da begann er plötzlich an einer Stelle hell aufzuleuchten, während gleichzeitig der übrige Teil des Fadens an Leuchtkraft verlor. Durch entsprechende Verstärkung der Spannung gelang es leicht, die weißglühende Stelle zu vergrößern und so nach und nach den ganzen Faden in Weißglut zu versetzen. Der früher starr gewesene Faden war nun leicht beweglich — das Platin war in seiner Hülle geschmolzen. Das Licht ließ sich bis zur strahlenden Weißglut verstärken, ohne daß der Fäden Schaden nahm. Es war überraschend, wie gering, relativ genommen, die Wärmestrahlung im Verhältnis zur Lichtstrahlung war. In diesem Versuch war wohl die erste niedrigwattige Metallfadenlampe in freilich nicht gebrauchsfähiger Form erstanden. Ich sah mich meinem Ziel schon nähergerückt; allein die Enttäuschung blieb nicht lange aus. Beim Unterbrechen des Stroms bewegte sich der Faden zwar ein wenig, blieb aber scheinbar intakt. Als ich es aber dann versuchte, den Strom wieder einzuschalten, gelang das nicht mehr; die Leitung im Faden war unterbrochen. Bei näherer Prüfung konnte man an einer Stelle ein kleines Platinkügelchen wahrnehmen, wogegen an einer anderen die Platinseele zerrissen war. Ich wiederholte den Versuch unter den mannigfachsten Abänderungen, leider jedoch immer mit dem gleichen ungünstigen Ergebnis. Nun ersann ich eine kleine Vorrichtung, die in selbsttätiger Weise es gestattete, die Thoroxydhülle beträchtlich zu verstärken und sie glashart zu machen. Wiederum ohne jeden Erfolg. Das schmelzende Platin sprengte die Hülle stets an irgendeiner Stelle, und. auch der Platinfaden zerriß immer wieder. Unter solchen Umständen gab ich es natürlich auf, diese Versuche ins Praktische zu übertragen, experimentierte indes aus wissenschaftlichen Gründen weiter. Da, bei einem Versuch mit recht langem, bügelförmigem Faden, zeigte sich eine merkwürdige Erscheinung. Der glühende Faden krümmte sich und kam längsseits zur Berührung; von diesem Augenblick an fiel der untere Teil aus dem Glühen, der Strom ging an der Berührungsstelle über. Wiederholte, in verschiedener Weise abgeänderte Versuche hatten das gleiche Ergebnis. Ich schloß daraus, daß dichtes, stark gefrittetes Thoroxyd in glühendem Zustand den Strom leiten müsse. Weitere Versuche bestätigten diese Annahme. Ich erzielte den für das Leitvermögen notwendigen innigen Zusammenhang der Teilchen dadurch, daß ich das komprimierte Oxyd mit einer Thornitratlösung tränkte, dann ausglühte und diesen Vorgang solange wiederholte, bis das Oxyd glasartige Beschaffenheit angenommen hatte. Andere feuerbeständige Oxyde, wie z. B. die seltenen Erden, verhielten sich ähnlich wie das Thoroxyd. Die Osmiumlampe. 51 Es war nicht schwierig, mit Hilfe solcher gefritteter Stäbchen sehr schöne Lichteffekte zu erzielen. Ich ging der Sache indessen nicht weiter nach, weil die Schwierigkeit des Vorglühens in einer für praktische Zwecke bestimmten Lampe nicht leicht zu überwinden gewesen wäre.“ Mit dem Glühstäbchen aus gefritteten feuerfesten Oxyden stand Auer vor demselben Problem, dessen Lösung Walter Nernst erzwang, freilich ohne daß seiner Konstruktion dauernder Erfolg und weitere Fortentwicklung beschieden gewesen wären. Auer, als Techniker offenbar von feinerem Instinkt, zog sich von diesem Problem zurück, was um so bemerkenswerter ist, als es für ihn, den Mann der seltenen Erden, doch ein verlockender Gedanke sein mußte, seinem Gasglühlicht unter Verwendung ähnlicher Leuchtkörperstoffe ein elektrisches Gegenstück an die Seite zu stellen. Doch Auer ließ sich durch die schön leuchtenden Oxydstäbchen nicht vom Weg abbringen. „Mein Ziel blieb nach wie vor“, so fährt er fort, „der schwerschmelzbare, elastische Metallfaden. Nach den Versuchen mit Platin begann ich meine Arbeiten auf die anderen schwerschmelzbaren Platinmetalle auszudehnen, namentlich auf das den höchsten Schmelzpunkt besitzende Osmium. Alle diese Platinmetalle sind bekanntlich höchst spröde Körper, die ein Ziehen zu Draht unter keinen Umständen erlauben. Auf dem Wege der mechanischen Gestaltung war sonach nichts zu erreichen. Osmium und Ruthenium, die in hohem Maße verbrennlich sind und überaus gefährliche und giftige Verbrennungsprodukte geben, in dünne, elastische Fäden zu bringen, war keine ganz leichte Aufgabe. Zunächst imprägnierte ich Baumwollfäden mit den entsprechenden Salzlösungen und verglühte sie; dann überzog ich verbrennbare Fäden mit einer Schicht des fein zerriebenen Metalls; alles jedoch ohne eigentlichen Erfolg. Die Fäden waren stets ungleichmäßig und brannten daher an den dünnen Stellen durch, lange bevor der Faden konsolidiert war. Allein das eine zeigten mir diese Versuche mit aller Deutlichkeit, daß das Osmium den anderen Platinmetallen weit überlegen war, und daß ich hoffen durfte, in ihm das geeignete Metall für die neue Lampe gefunden zu haben. Ich versuchte nun ein anderes Verfahren. Ich spannte in einer weiten Röhre haarfeine Drähte aus, füllte die Röhre mit reduzierend wirkenden Gasen, die Dämpfe von Osmiumtetroxyd 1 enthielten, und erhitzte die Metallfäden durch den Strom soweit, daß das Osmium sich abzuscheiden begann. Dieser Prozeß wurde dann solange fortgesetzt, bis die Fäden die gewünschte Stärke angenommen hatten. Auf diese Weise gewann ich mitunter ganz brauchbare Fäden. Allein technisch vorteilhaft war dieses Verfahren noch immer nicht, teils weil es schwer hielt, die Seele des Glühfadens zu entfernen, teils weil die Fäden nicht genügend gleichartig und elastisch waren.“ In seiner Patentanmeldung vom 15. Jänner 1890 spricht Auer von einem Legierungsverfahren und einem Kohleverfahren und meint mit jenem die eben beschriebene Methode, Osmium auf Metalldrähten niederzuschlagen und diese dann auszuglühen, mit diesem hingegen die Verwendung eines Fadens aus Kohle oder organischer Faser, der mit Osmium überzogen und dann ebenfalls geglüht wurde. 1 Das Oxyd 0s0 4 entsteht durch Verbrennung von Osmium und ist flüchtig. Seine Läinpfe sind giftig und verursachen insbesondere schlimme Augenentzündungen. 4 * 52 Neunter Abschnitt. Diese Methode, die Kombination des Osmiums mit Kohle oder organischer Substanz zum Zweck der Formung, leitet bereits zu Auers Pasteverfahren über, das ihm schließlich den Erfolg brachte. Fr beschreibt es folgendermaßen : 1 „Amorphes Abb. 18. Osmiumlampen. Links 10O-Voltlampe mit 50 Hefnerkerzen, rechts 20 Voltlampe mit 8 Hefnerkerzen. Der Leuchtfaden wurde beim Glühen beweglich und mußte durch seitliche Glasstützen gehalten werden. Osmium, wie man es durch gelindes Glühen von Osmylditetramminchlorid 2 leicht erhält, wurde unter Zusatz von Zucker oder auch für sich zu feinstem Pulver zerrieben und geschlämmt; das Osmiumpulver wurde hernach mit einer viskosen Lösung von Gummi oder gebranntem Zucker versetzt und zur Paste geknetet. Diese wurde hierauf in einen mit einer feinen Düse versehenen Zylinder gebracht 1 Elektrotechn. Zeitschr., 42. Jalirg. (1921), S. 454. * Das Original enthält (len Druckfehler „Osminditetraminchlorid“. Die Osmiumlampe. 53 und durch gut schließende Stempel unter hohem Druck zum Faden gepreßt. Der spinnende Faden wurde auf einer beweglichen Unterlage aufgefangen, in passende Stücke zerschnitten, diese geformt, hernach auf einer heißen Tonplatte getrocknet. Die so gewonnenen Fäden kamen in eine Muffe und wurden unter Luftabschluß zum gelinden Glühen erhitzt. Diese nun Kohlenstoff enthaltenden Fäden, die nicht schwierig zu verarbeiten waren, wurden in passende Fassungen eingeklemmt oder mit Osmiumbrei befestigt und waren so zum „Formieren“ fertig. Das Formieren hatte den Zweck, den Kohlenstoff zu entfernen und den Faden zum Sintern zu bringen. Hierzu diente ein gleichzeitig reduzierend und oxydierend wirkendes Gasgemisch, wie es beispielsweise dem Bunsenbrenner nach dem Zurückschlagen der Flamme entströmt. In einem solchen Gasgemenge wurde der Faden bei'hoher Spannung erst bis zur Rotglut, dann dem sinkenden Widerstand entsprechend, bei niedrigerer Spannung bis zur strahlenden Weißglut erhitzt. Nach kurzer Zeit nahm er seine endgültige Form an. Er war nun zum Einsetzen in die Lampe fertig... Die Osmiumlampe war, wie ich glaube, die erste niederwattige Metallfadenlampe, die im Handel erschienen ist. Von da an schossen die Glühlampenpatente wie die Pilze aus dem Boden. Die moderne Glühlampentechnik begann sich zu entfalten...“ Die Osmiumlampenpatente Auers wurden von der Österreichischen Gasglühlicht- und Elektrizitätsgesellschaft übernommen. Im Jänner 1902 machte im Elektrotechnischen Verein in Wien der Oberingenieur Robert Gabriel die Fachwelt mit der Osmiumlampe bekannt, im Herbst dieses Jahres kam die Lampe, anfangs „Auer-Oslicht“ genannt, auf den Markt. Der Hauptvorteil dieser ersten erfolgreichen Metalldrahtlampe gegenüber der Kohlenfadenlampe bestand in ihrer Wirtschaftlichkeit. Während diese je Kerze 3,5 Watt verbrauchte, betrug der Verbrauch der Osmiumlampe je Kerze nur 1,5 Watt. Freilich hatte die Osmiumlampe auch ihre Schwächen. So konnte sie, da der Leuchtfaden in der Wärme weich und beweglich wurde, anfangs nur hängend gebrannt werden; auch mußte man, da die ersten Lampen nur bis zu Spannungen von etwa 50 oder 70 Volt hergestellt werden konnten, gewöhnlich drei Lampen hintereinander schalten. Demgegenüber stehen aber noch die Vorteile einer hohen Lebensdauer von mindestens 1000 bis 2000, jedoch auch bis zu 5000 und 6000 Brennstunden, einer nur geringen Lichtabnahme bei langer Brennzeit, geringer Wärmeentwicklung und des Fehlens der starken Schwärzung, die das Glas von Kohlenfadenlampen bei längerem Betrieb zeigt. Auch auf das reinweiße Licht der Osmiumlampe wurde, besonders von ärztlicher Seite, hingewiesen. 1 Auer hatte sich rechtzeitig alle erreichbaren Vorräte an Osmium gesichert. Hie Leitung der Fabrik in Atzgersdorf hatte man in die Hände Anton Lederers , 2 1 F. R. v. Arlt in Wochenschrift f. Therapie u. Hygiene des Auges, Jahrg. VII, Nr. 20. 1 Anton Lederer, geh. 2. Mai 1870 in Prag, studierte nach dem Besuche des Gymnasiums zuerst Pharmazie und übernahm eine Apotheke. Teils Neigung, teils w ohl auch seine Ehe mit der Tochter des großen Physikers Ernst Mach führten Lederer bald zur Physik. 1898 ging er an die Universität Wien, wo er durch Ad. Lieben mit A-uer von Welsbach in Verbindung kam, dem er in Treibach bei der technischen Ausgestaltung der Osmiumlampe wertvolle Dienste leistete. 1903 wurde Lederer 54 Neunter Abschnitt. eines bewährten Helfers Auers von Welsbach, gelegt, der sich um die technische Ausgestaltung der Osmiumlampe besonders verdient gemacht hat. Der Absatz der Lampen war so organisiert, daß sie an den Verbraucher von der Gesellschaft verliehen wurden, die auch für die Instandhaltung zu sorgen hatte. 1904 wurde das Osmiumlampengeschäft von der Gesellschaft abgetrennt und ging als „Osmiumlicht-Unternehmung“ an den Mitarbeiter Auers, Felix Kuschenitz , * 1 über. Nach zwei Jahren ging diese Firma in der Westinghouse Metallfaden-Glühlampen- fabrik auf. Der Osmiumlampe selber war keine lange Geltungszeit beschieden; sie wurde bald durch die Tantal- und die Wolframlampe abgelöst. Das große Verdienst Auers von Welsbach aber bestand darin, daß er die Glühlampentechnik aus der Sackgasse der Kohlenfadenlampe herausgeführt hatte, indem er — was vor ihm keinem gelungen war — eine überhaupt brauchbare Metallfadenlampe geschaffen oder, genauer gesagt, ein Verfahren zur Formung schwerstschmelzbarer Metalle zu feinen Glühfäden, sein „Pasteverfahren“ ersonnen hatte, nach welchem ja auch die Wolframlampen anfangs hergestellt wurden. Die Tatsache, daß er nicht selber auf das Wolfram gekommen ist, berührt Auer in dem früher zitierten Aufsatz mit den Worten: 2 „Nicht unerwähnt will ich schließlich lassen, daß ich auch andere Metalle in den Kreis meiner Versuche zog. Allein keines von diesen schien mir dem Osmium überlegen zu sein. Hierbei hatte ich freilich das Wolfram übersehen. Eine Unachtsamkeit, der es in erster Linie zuzuschreiben war, daß meiner Erfindung der materielle Erfolg versagt blieb.“ Dieses „Übersehen“ des Metalls Wolfram hatte, wie später nachgewiesen wurde, 3 seinen Grund darin, daß die damaligen Handbücher übereinstimmend dem Osmium den höchsten. Schmelzpunkt zuschrieben. von der Österreichischen Auer-Gesellschaft in die Fabrik in Atzgersdorf berufen, die er dann auch als selbständige Osmiumlicht-Unternehmung sowie später unter Westing- house leitete. Es gelang ihm, das AuERsche Pasteverfahren auf das Metall Wolfram anzuwenden. Verbesserungen dieser Wolframlampe sind in zahlreichen Patenten Lederers niedergelegt. 1912 stellte er das Werk auf das amerikanische Wolframdraht- Ziehverfahren um. 1921 schied Lederer von der nun als „Vertex-Werk“ vom Osram-Philips-Konzern übernommenen Fabrik. Er richtete sich in der „Hermes-Villa“, einem Schlößchen im Lainzer Tiergarten, ein Laboratorium ein, wo er sehr erfolgreiche Versuche mit Edelgas-Glühröhren durchführte. An dieser seiner Arbeitsstätte starb Lederer am 1. August 1932. 1 Felix Kuschenitz, geb. 29. September 1868 in Wien, besuchte hier die Bürgerund Staatsgewerbeschule und trat nach kurzer Tätigkeit in einem Patentanwaltsbureau in die Dienste der das AuERsche Leuchtfluid herstellenden Firma Welsbach & Williams. Nach der Schließung der Fabrik blieb er als Sekretär und Assistent bei Auer, dem er auch später bei den Versuchen, die zur Erfindung der Osmiumlampe führten, zur Seite stand. 1904 ging die Glühlampenfabrik in Atzgersdorf als selbständige Firma unter dem Namen Osmiumlicht-Unternehmung in Kusciienitz’ Besitz über. Bald darauf wurden in dieser Fabrik durch Lederer die ersten Wolframlampen hergestellt. Kuschenitz leitete noch bis 1907 die inzwischen gegründete Westingliouse-Metallfaden- Glühlampenfabrik Ges. m. b. II. in Wien, wonach er nur noch im Aufsichtsrate dieser Gesellschaft verblieb. s Elektrotechn. Zeitschr., 42. Jahrg. (1921), S. 454. 3 D’Ans: Carl Freiherr Auer von Welsbach. Ber. d. Deutschen Chemischen Gesellschaft, Jahrg. 64 (1931), Heft 5, Abt. A, S. 80. Die Osmiumlampe. 55 Auer von Welsbach, zu dessen Eigenheiten es gehörte, wenig die Literatur zu benützen, war hier, wo er es getan hatte, von ihr im Stich gelassen worden. Es wurde schon gesagt, daß die Osmiumlampe bald durch andere Metallfadenlampen ersetzt wurde. 1902 empfahl der Chemiker Werner von Bolton die Verwendung des Metalls Tantal, das vor dem Osmium den Vorteil hat, sich zu Drähten ziehen zu lassen. 1904 brachte die Firma Siemens & Halske die Tantallampe auf den Markt. Diese Lampe verbrauchte 1,7 bis 1,8 Watt je Kerze; sie war also etwas unwirtschaftlicher als die Osmiumlampe. Abgesehen von dieser Lampe, deren Leuchtdraht bereits gezogen wurde, lassen alle anderen Formungsmethoden dieser Jahre die Gedanken Auers von Welsbach erkennen. Die Methoden sind zum Teil Auers altem Kohleverfahren, zum Teil seinem Pasteverfahren nachgebildet. Zur ersten Gruppe, „Substitutionsverfahren“ genannt, gehört das Verfahren von F. Blau (1901), das darin bestand, einen Kohlefaden durch Erhitzen in Osmium- oder Rutheniumtetroxyd enthaltenden Gasgemischen zu metallisieren oder das von A\ Just und F. Hanaman (1903), welches die Metallisierung in Dämpfen von Oxy- halo'genVerbindungen des Wolframs anstrebt. Diese „Substitutionsverfahren“ erwiesen sich aber für die Praxis als zu kompliziert, weshalb man sich mehr und mehr Methoden zuwandte, die sich an Auers Pasteverfahren anlehnten. Schon um 1900 hatte Eberhard Sander Zirkon- und Rhodiumverbindungen mit einem organischen Bindemittel zu einer Paste verarbeitet, aus der er Fäden preßte, die dann geglüht und in Wasserstoff formiert wurden. Solche Zirkonlampen wurden eine Zeitlang auch erzeugt. 1902 wendete Jakob Gülcher das Pasteverfahren auf Iridiummohr, <1. i. fein Verteiltes Metall, an und stellte mit seinen Iridiumfäden Niedervoltlampen her. Am wichtigsten für die Weiterentwicklung der Metallfadenlampe aber war die Benützung des Pasteverfahrens zur Formung des Metalls Wolfram. Dies gelang um 1904/05 Anton Lederer in Atzgersdorf. Das etwa gleichzeitige Verfahren von Lr. Hans Kuzel, der eine Paste aus kolloidalem Wolfram anwendete, kann selbstverständlich ebenfalls nur als eine Variation des AuERschen Pasteverfahrens gelten. Die AuERsche Formgebungsmethode für Glühlampendrähte blieb, angewandt auf das Metall Wolfram, bis gegen 1910 in Verwendung. Inzwischen war es dem Amerikaner Coolidge der General Electric Co. gelungen, dieses spröde Metall bei entsprechender thermischer und mechanischer Behandlung durch Ziehen in Drahtform zu bringen. 1 Die Zerstäubung des Wolframfadens durch Füllung der Lampe mit einem indifferenten Gas zu verhindern, geht auf den Vorschlag Langmuirs (1913) zurück. Aus diesen kurzen Daten über die Weiterentwicklung der Metallfadenlampe und aus den früheren über ihre Vorgeschichte ergeben sich zwei Tatsachen. Erstens: Auer von Welsbach schuf ein Formungsverfahren für schwerschmelzende Metalle, das auf das Metall Osmium angewandt, ihn instandsetzte, die erste brauchbare Metallfadenlampe zu bauen und fabrikatorisch zu erzeugen; zweitens: auch als man im Wolfram das Leuchtfadenmetall gefunden hatte, bei dem man dann blieb, w urde die AuERsche Formungsmethode auf dieses Material zunächst weiter verwendet. Erst das Ziehverfahren der General Electric Co. brachte eine Neuerung, 1 Schon William Edward Staite beschrieb 1848 ein ähnliches Verfahren zur Formung des ebenfalls sehr spröden Iridiums. Vgl. S. 45. 56 Zehnter Abschnitt. die über Auers Arbeiten hinausging. Eine gerechte Beurteilung, wenn schon nicht in juristischem, so doch in entwicklungsgeschichtlichem und technischem Sinne muß daher Auer von Welsbach nicht nur das Verdienst an der von ihm selber gebauten Osmiumlampe zuerkennen, sondern darüber hinaus auch den Hauptanteil an der Erfindung der Wolframlampe, für deren Leuchtfaden er ja die erste Formgebungsmethode geliefert hat. In der Entwicklungsgeschichte der Glühlampe heben sich aus der Menge der Erfinder, alle anderen überragend, zwei Persönlichkeiten ab: der Amerikaner Thomas Alva Edison und der Österreicher Carl Auer von Welsbach. X. Die Stellung des Auerlichtes und der Osmiumlampe in der Entwicklungsgeschichte der Beleuchtungstechnik. Genetische Systematik der Beleuchtungsmittel. Anwendung technischer Entwicklungsgesetze. Die entwicklungsgeschichtliche Bedeutung der beiden AuERschen Erfindungen. Die in den vorhergehenden Abschnitten behandelten beiden Erfindungen Auers von Welsbach gehören dem gleichen technischen Gebiet an, dem Beleuchtungswesen. Es wird daher zweckmäßig sein, sie in ihrer entwicklungsgesohichtlichen Bedeutung gemeinsam zu betrachten. Untersucht man die Entwicklung der Beleuchtungstechnik mit der Absicht, auch zu einer Systematik dieses Gebiets zu gelangen, so stellt sich als das ursprünglichste Beleuchtungssystem die natürliche Leuchtflamme dar. Der Kienspan, die Fackel uiuj die Kerze, die Öl- und Petroleumlampe, der Acetylen- und der offene Leuchtgasbrenner haben die selbstleuchtende Flamme gemeinsam. Von dieser Flamme wurde schon gesagt, daß ihr Leuchten durch ausgeschiedene und auf Weißglut erhitzte Kohlenstoffteilchen hervorgerufen wird. In diesen Rußteilchen kann man also den natürlichen Leuchtkörper sehen, der in der wärmegebenden Heizflamme enthalten ist. Eine Verbesserung der Lichtwirkung selbstleuchtender Flammen ließ sich demnach erreichen, indem man durch geeignete Beimengungen die Abscheidung der Kohlenstoffteilchen begünstigte (Karburierung des Gases) oder indem man durch Erhöhung der Flammentemperatur infolge besserer Luftzufuhr die Weißglut dieser Teilchen steigerte (Argandbrenner). Zu einem völlig neuen Beleuchtungssystem gelangte man, als man den in der Flamme enthaltenen, natürlichen Leuchtkörper durch einen künstlichen ersetzte. Dieses System, die Inkandeszenzbeleuehtung, bot den Vorteil, daß man, von dem Zwang des einzigen natürlichen Leuchtkörpers, des Kohlenstoffs frei, nun unter verschiedenen Leuchtmassen die Wahl hatte. Man griff denn auch, wie bekannt, sowohl zu dem Metall Platin, als auch zu feuerfesten Oxyden, wie Kalk, Magnesia, Zirkonoxyd und schließlich den seltenen Erden. Die Ausschaltung des natürlichen Leuchtkörpers ließ die Flamme zur nichtleuchtenden, reinen Heizflamme werden. Man verwendete daher entweder Flammen, die von Natur aus diese Eigenschaft hatten (Wasserstoff, Wassergas, Spiritus), oder man entleuchtete sie im Gebläse oder im Bunsenbrenner. Zur Entwicklungsgeschichte der Beleuchtungstechnik. 57 Ein Beleuchtungssystem ist einerseits durch die Art der Energiezufuhr, anderseits durch die Art des lichtausstrahlenden Körpers charakterisiert. Hatte man beim Übergang von der Leuchtflamme zum Inkandeszenzlicht den Leuchtkörper geändert, die Art der Energiezufuhr, nämlich durch Verbrennung, aber beibehalten, so ist der Übergang zur nächsten Entwicklungsphase dadurch gekennzeichnet, daß diesmal der künstliche Leuchtkörper beibehalten, dagegen die Art der Energie- V.ufuhr abgeändert wurde. Bei den Beleuchtungsgeräten dieser dritten Entwicklungsphase wird der künstliche Leuchtkörper nicht mit der Energie des chemischen Prozesses der Verbrennung beheizt, sondern durch Zufuhr elektrischen Stroms. Die Mannigfaltigkeit der elektrischen Leuchten ergibt sich ähnlich wie beim Gas- inkandeszenzlicht, aus der Verwendung verschiedener Glühkörper (Kohlefäden; Metallfäden aus Osmium, Tantal, Wolfram; feuerfeste Oxyde in der Nernstlampe). Außer diesen elektrischen Glühlampen gehört aber in diese Gruppe auch die Bogenlampe, in der zum überwiegenden Teil den glühenden Kohlespitzen selber und vor allem dem positiven Krater die Rolle des Leuchtkörpers zukommt. Wenn die Technik der Glühlampe heute auf der Höhe ihrer Entwicklung steht und dieses Beleuchtungsgerät das herrschende ist, so dürfte es doch kaum verfrüht sein, schon jetzt von der nächsten Entwicklungsphase zu sprechen und als ihren Vertreter die elektrische Entladungsrohre anzusehen. Ist dieses System in der Form der Quarzlampe, der Glimmlampe, der farbigen Leuchtröhren mit Neon, Quecksilber- oder Natriumdampf bisher hauptsächlich für Spezialzwecke verwendet worden, so ist man gegenwärtig bereits dabei, Natrium-Quecksilberdampflampen für die Beleuchtung der Landstraßen und elektrodenlos erregte Neonröhren für Leuchtturmzwecke zu erproben. Wegen ihrer viel größeren Wirtschaftlichkeit sieht man die Entladungsrohre als die Beleuchtungsart der Zukunft an. Der hier versuchten Systematik gliedert sich die Entladungsrohre in der Weise ein, daß sie — gegenüber der Glühlampe — charakterisiert erscheint durch die Beibehaltung der elektrischen Betriebsenergie und den Wechsel des Leuchtkörpers: An die Stelle des festen Glühkörpers tritt ein verdünntes Gas. Es ist bekannt, daß wir heute außer Glühlampe und Leuchtröhre auch das Inkandeszenzlicht und die freie Leuchtflamme noch benützen. Trotzdem muß man in diesen vier Gruppen Entwicklungsphasen der Beleuchtungstechnik sehen, die genetisch aufeinanderfolgen, mögen sie sich zeitlich noch so sehr überdecken. Als eigentümliche Regelmäßigkeit dieser Entwicklungsfolge fällt auf, daß mit jedem Übergang von einem System zum anderen die Beibehaltung und Abänderung von leucht kör per und Energiezufuhr abwechseln . 1 Diese Folge der Beleuchtungssysteme ist einerseits von einer beständigen Steigerung der Wirtschaftlichkeit begleitet , 2 anderseits aber werden die ungünstigen Nebeneigenschaften der Beleuchtungsarten v on Stufe zu Stufe mehr ausgemerzt. So hat das Inkandeszenzlicht gegenüber der freien Leuchtflamme schon den Vorteil völliger Rußlosigkeit, es leidet aber noch an dem Übelstand der Abgase und starken Wärmeproduktion. Die Glühlampe ist l>ereits eine Beleuchtungsart ohne Abgase, erzeugt aber noch viel Wärme, während 1 Siehe die Tabelle S. 58. 2 In technischer Hinsicht, wie die fünfte Rubrik der Tabelle zeigt. Praktisch werden diese Verhältnisse freilicli durch den Preis der elektrischen Energie stark beeinflußt. 58 Zehnter Abschnitt. =3 9ä SQ u Oä ’S _ 3 SP« H CO h t" o' o o' cT o' © 5 © © ci ö ® 3 .Sa© «*h a h 'S « ft 3 3 -M 3 "p ; a i. | ft © O ®o® Sh .£3 00 © © 3 - C5 © a © «MD -tä © pP «.s HZ ft 'Ö a 3 O gpsi ◄ ob ö •§ 3 © 5 O 05 <1 © A a Lp ,© „ § ^ (- Öh © ? © © "© © - S £ ft« 5 S S 7v ® H ^ N cj ,® r fi s< H © aw j 5 2 a a « o © 55 <® ^ bc 2 ft Sh g © 3 h :a Sa®* 3 a © £ * © es S 2 P-H .^h * © 1 © Sh •> HL PT, , © H-l p, S- n ! 8 a © © a Sh s '© «* 3 3 . © g a ® hr S3 ft ■3 Sh £ > © s :C8 CO CD 00 o © © A -t- 3 a fi a 3 Sh © csa ü 3 .H A H ft ft © © 3 3 3 pfS £ J (5 o © *2 ^ M Ä S be r g S cj ^ s a a ^ a- ^ ri3 co *w 2 a ^ p5 :3 •+ 3 > © rS _a pO ^ ^3 ^ Ä ^ O 0> H fi J £ c § pfl ^ 3 _5 O a © 8 | | 5 5 ® -g .2 r3 c oj sad fli La N © *m hh> ® N d a * © Eh ft a / a o © © *H 00 E_ 1 a © u a •< K W £ CO S3 S © s ^5 N Ä a .2 J -s Ja^ o a ft a ” ’S tc-s © 4 ^ -r ft W c Elektrische Beibelialtung der Ausschaltung des j Moorelicht, Quecksilberdampflampe. 42 Weniger Entladungsrohre elektrischen festen Leuchtkör- j Quarzlicht, ! Natriumdampflampe. 50 Wärme Energiezufuhr pers und Ersatz j Glimmlampe, 1 desselben durch ! Farbige Leucht- ; ein verdünntesGas röhren Zur Entwicklungsgeschichte der Beleuchtungstechnik. 59 bei der Entladungsrohre dieser Nachteil noch weiter gemildert ist. Der zukünftigen Technik mag es wohl Vorbehalten sein, das System des kalten Lichts, das Nur-Licht- system, zu schaffen . 1 Untersucht man — um dann die AuERSchen Erfindungen zu beurteilen — vorerst noch, in welcher Art und Weise allgemein gültige technische Entwicklungsgesetze (soweit sie überhaupt bekannt sind!) sich im Werden der Beleuchtungstechnik ausgewirkt haben, so kann hierfür eine Betrachtungsweise fruchtbar werden, die zuerst Ludwig Erhard angegeben hat . 2 Erhard sieht die Technik auf allen ihren Gebieten im Organischen beginnen und dem Anorganischen zustreben, wobei stets sehr charakteristische organisch-anorganische Zwischenstufen durchlaufen werden. Diese Entwicklungsregel gilt sowohl für die tektonische als auch für die energetische Seite der Technik. Sie kann auch beim Beleuchtungswesen gut verfolgt werden. Die Leuchten, die dem System der selbstleuchtenden Flamme zugehören, sind völlig organischer Natur. Auch das Leuchtgas ist es seiner Herkunft nach, während man das Acetylen in dieser Hinsicht allenfalls als an der Schwelle des Anorganischen stehend betrachten mag . 3 Einen deutlichen Übergang zum anorganischen Gebiet bildet das Inkandeszenzlicht. Wird es als Gaslicht noch von organischem Brennstoff gespeist, so ist der organische Leuchtkörper der Flamme, der Kohlenstoff, der vorhin der „natürliche“ genannt wurde, nun durch den künstlichen und anorganischen ersetzt. Der endgültige Schritt zum Anorganischen aber wird mit dem elektrischen Licht getan, bei dem auch die Betriebsenergie eine typisch „anorganische“ ist. AbeF auch hier zeigt sich, daß man bei den ersten erfolgreichen Konstruktionen, Bogenlicht und Kohlenfadenlampe, noch zu Leuchtkörpern organischer Abkunft griff, auf die dann erst der Metallfaden folgte. Die modernen Glühlampen aber und die mit verdünnten Gasen gefüllten Entladungsrohren sind in ihrem anorganischen Charakter wohl kaum mehr zu überbieten. Stellt man sich die Frage, was Auers Erfindungen für diese Entwicklung bedeuten, so ergeben sich etwa folgende Erwägungen. Mit der Einschränkung, daß die einzelnen, durch bestimmte Beleuchtungssysteme charakterisierten Entwicklungsphasen einander, wie schon erwähnt wurde, zeitlich stark überlagern, kann man sagen, daß beim Auftreten des Auerlichts die Beleuchtungstechnik noch im Zeichen der selbstleuchtenden Flammen stand. Die freibrennende Gasflamme und für häusliche Zwecke die Petroleumlampe und Kerze waren die herrschenden Beleuchtungsmittel. Die elektrische Beleuchtung konnte sich, abgesehen von den hohen Kosten, schon deshalb nicht so schnell ausbreiten, weil Elektrizitätswerke erst gebaut 1 Wie weit wir von diesem Ziel noch entfernt sind, zeigt die Tatsache, daß hei der modernen Glühlampe nur 3 bis höchstens 10% der zugeführten Energie in Licht verwandelt werden. Die entsprechenden Werte für andere Beleuchtungsarten können jedoch durch Umrechnung aus der Kerzenstärke nicht in einfacher Weise gefunden werden, da das Licht der einzelnen Beleuchtungsgeräte große spektrale Unterschiede aufweist und der Energiegehalt des Lichtes sich längs des Spektrums stark ändert. 2 L. Erhard, Der Weg des Geistes in der Technik. Deutsches Museum, Abhandlungen und Berichte, 1929, VDI-Verlag, Berlin, ferner L. Erhard, Zur Entwicklungsgeschichte der Technik, „Blätter für Geschichte der Technik“, 1. Heft (1932), S. 3 bis 25. 3 Acetylengas wird bekanntlich aus Calciumcarbid, dieses aus Kalk und Koks im elektrischen Ofen hergestellt. 60 Elfter Abschnitt. werden mußten, Gasanstalten aber vorhanden waren. Daß die lichtstarke Acetylenflamme keine allgemeine Verbreitung gefunden hat, ist übrigens zweifellos der Hauptsache nach dem AuERschen Gasglühlicht zuzuschreiben. 1 Die Inkandeszenzbeleuchtung war, wie schon früher ausgeführt wurde, sowohl als Erfindungsgedanke, wie als konstruktive Tatsache vor Auer längst vorhanden. Aber keine der bisherigen Konstruktionen hatte nennenswerte Bedeutung erlangt. Auer hat die einzige überhaupt jemals bedeutungsvolle Inkandeszenzbeleuchtung geschaffen. Er setzte seinen Glühstrumpf nicht an die Stelle früherer, unvollkommener Konstruktionen, sondern an den Platz der offenen Gasflamme. Sein Leuchtkörper verdrängte nicht die aus Platin, Kalk, Magnesia oder Zirkonoxyd, sondern den Kohlenstoff der selbstleuchtenden Flamme, denn einzig diese hatte vor ihm geherrscht. Im Falle der elektrischen Beleuchtung liegen die Verhältnisse ähnlich und doch wieder anders. Auch hier gab es längst den Erfindungsgedanken der Glühlampe, außerdem aber bereits eine erfolgreiche Konstruktion, die Kohlenfadenlampe Edisons. Aber man darf nicht vergessen, daß diese Glühlampe im Grund genommen eine Erstkonstruktion blieb und daß die Entwicklung auf einem anderen Wege weiterschritt, von Auer geführt. Ähnlich wie beim Gasglühlicht wies Auer auch hier der bereits vorhandenen Konstruktion das richtige Material. Man hat daher in seinen beiden Erfindungen nicht sosehr Neukonstruktionen zu sehen als Lösungen überaus schwieriger Materialfragen, Angelegenheiten des Stoffs, eben Erfindungen eines Chemikers. Mit Bezug auf die oben dargelegten allgemeinen Gedanken über die Entwicklung der Beleuchtungstechnik läßt sich Auers Wirken auf diesem Gebiet etwa so umschreiben : Die bisherige Beleuchtungstechnik verwendete zwei Energieformen zur Speisung ihrer Leuchten, die Verbrennungsenergie und die elektrische. Auer von Welsbach war es, der in beiden Fällen den Übergang vom organischen zum anorganischen Leuchtkörper technisch und industriell vollzog. XI. Das Cereisen. Funkeiigebende Metalle. Geschichte (1er Cergewinnung. Die Erfindung des Auei- inetalls. Seine fabrikmäßige Erzeugung. Die Treibaclier Chemischen Werke. Bei der dritten großen Erfindung Auers von Welsbach, dem funkengebenden „Auerinetall“, kann man kaum von Vorläufern sprechen. Außer dem alten Schlagfeuerzeug aus Stahl und Stein, das bekanntlich jahrhundertelang das einzige Gerät zum Feuermachen war, könnte man die REAUMURsche Legierung nennen, die aus 70 Teilen Antimon und 30 Teilen Eisen besteht und beim Feilen eine rötliche Funkengarbe gibt, mit der sich Zunder zum Glimmen bringen läßt. Die noch 1 D’Ans zitiert in seiner Arbeit über Auer v. Welsbach die Worte eines Führers der französischen Carbidindustrie: „Auer c’est l’homme qui a tuö l’acetylene“. Berichte d. Deutsch. Chem. Ges., Jahrg. 64 (1931), Abt. A, S. 77. Das Cereisen. Gl besser funkende Legierung des Antimons mit Mangan wurde erst zu einer Zeit gefunden, als Auers Cereisen schon bekannt war und konnte sich daher neben diesem nicht behaupten. Auch die sogenannten Sturmfeuerzeuge, bei denen die Funken durch Reibung eines Schmirgelrädchens an einem Stahlstück erzeugt wurden, haben nie nennenswerte Bedeutung besessen. Daß das Metall Uran beim Ritzen mit der Feile oder auch beim Schütteln seiner Stücke Funken gibt, beobachtete zuerst der französische Chemiker Moissan, der auch empfahl, Uran mit Eisen zu legieren, um stärkere Funken zu erzielen. Metallisches Cerium 1 war, wenn auch nicht rein, zuerst von Mosander im Jahre 1826 durch Zersetzung des Chlorids mit Kalium hergestellt worden. Ebenso wie er erhielt auch Beringer 1842 das unreine Cermischmetall noch als braunes Pulver, das aber beim Reiben mit dem Polierstahl grauen Metallglanz annahm. Wühler, der 1867 Cerchlorid im Tiegel mit Natrium schmolz, erhielt bereits kleine Metallkügelchen, doch ist es nicht sicher, ob diese nicht mit Natrium legiert waren. Der Versuch Winklers vom Jahre 1891, Ceroxyd mit Magnesium zu reduzieren, ergab nur ein verunreinigtes schwarzes Pulver. Samter (1911), Moldenhauer (1914) und andere haben versucht, Cerverbindungen mit Calcium zu reduzieren. Das in der Technik erfolgreiche Verfahren, das Metall durch Elektrolyse der geschmolzenen Ceritchloride zu gewinnen, geht auf Bunsen und seine Schüler Hillebrand und Norton zurück, die es 1875 laboratoriumsmäßig durchführten. Aus den geringen Chloridmengen, über die sie verfügten, konnten sie an einer Kathode aus feinem Eisendraht wenige Gramm des Metalls erhalten. 1888 verwendete Borchers zur Aufnahme der Chloridschmelze (Ceritchloride mit Natrium- und Kaliumchlorid) einen Eisentiegel, der zugleich die Kathode war und fand, daß für die Abscheidung kompakten (nicht pulverförmigen) Metalls weniger die Kathodenstromdichte, 2 als eine hohe Erhitzung des Schmelzbades wichtig sei. Seinem Schüler Stockem gelang es 1901, den Ofen so zu verbessern, daß er nicht wie bisher von außen, sondern mit dem Elektrolysierstrom selbst beheizt wurde, wodurch es möglich war, die Tiegelwandung zu kühlen und damit zu verhindern, daß das abgeschiedene Metall Verunreinigungen aus ihr aufnahm. Ähnlich waren auch die Öfen gebaut, die Muthmann in München und seine Schüler verwendeten. In einem Ofen, der teils durch den Elektrolysengleichstrom, teils durch wechselstromdurchflossene Glühstäbchen beheizt wurde, konnten sie in 6 Stunden mit einer Stromstärke von 120 Ampere bei 61% Stromausbeute etwa dreiviertel Kilogramm Cermischmetall hersteilen. Auer von Welsbach wurde vor allem dadurch bewogen, sich mit der Cer- Rewinnung zu beschäftigen, daß er für die bei der Monazitsandverarbeitung anfallenden cerhältigen „Berge“ eine nutzbringende Verwendung suchte. Da er nicht »ur die elektrolytische Herstellung des Cermetalls, sondern auch dessen auffallendes unkensprühen bei mechanischer Bearbeitung von seinem Lehrer Bunsen her kannte, scheint es naheliegend, daß er schon von Anfang an die Schaffung eines Zündgeräts dachte und vielleicht auch daran, hiermit zugleich einen Hauptnachteil 1 Pber die Entdeckung des Elementes Cer vgl. 8. 15. 2 Stroindiehte ist die Stromstärke, bezogen auf die Elektrodenfläche, also die Ampereanzahl je Quadratzentimeter. 62 Elfter Abschnitt. des Gaslichts zu mildern und es durch die Beigabe einer selbsttätigen Zündvorrichtung dem elektrischen Licht ebenbürtiger zu machen. Der Ausdruck Pyrophorismus, der ursprünglich allgemein die Eigenschaft der Selbstentzündlichkeit fester Körper bedeutete (z. B. die Eigenschaft äußerst feinen Eisenpulvers, bei der Berührung mit Luft aufzuglühen und zu Oxyd zu verbrennen) — dieser Ausdruck wurde von Auer von Welsbach für das Funkensprühen geschlagener oder gefeilter Metalle eingeführt. Man erzählt, Auer habe, als er nach der BuNSENschen Methode Cermetall hergestellt und ein an dem Eisendraht der Kathode hängendes Cerklümpchen angefeilt hatte, beobachtet, daß die nahe am Eisen liegenden und offenbar mit Eisen legierten Metallschichten unter der Feile besonders lebhaft Funken sprühten und er habe daraus geschlossen, daß Eisen ein wesentlicher Bestandteil des pyrophoren Metalls sein müsse. Versuche mit verschiedenem Eisenzusatz ergaben dann als günstigste Zusammensetzung eine Legierung von 70% Cer mit 30% Eisen. Auch das heutige Auermetall hat noch diese Zusammensetzung. 1903 meldete Auer seine pyrophoren Metallegierungen zum Patent an. Viel schwieriger als die Feststellung der optimalen Zusammensetzung war es jedoch, eine Methode zur industriellen Herstellung der Legierung zu finden. Die ersten Proben, die die Elektrolyse lieferte, waren lunkerig und sahen mit ihren vielen kleinen Poren ,,wie metallisiertes Brot“ 1 aus. Stücke hinwieder, die aus der einigermaßen kompakten Rinde herausgesägt wurden, waren nicht lager beständig und zerfielen nach kurzer Zeit zu Staub. Dennoch fanden sich, gerade unter den älteren Proben, auch wieder haltbare Stücke, eine Beobachtung, die dazu beitrug, daß die Versuche nicht aufgegeben wurden. Trotz allen Schwierigkeiten prophezeite damals Auer seinen Chemikern, daß einst das Cereisen so wie die Streichhölzer in jedem kleinen Kaufmannsladen zu haben sein werde. 2 Angesichts der ausschließlichen und unbestrittenen Alleinherrschaft der Zündhölzer sowie der kostspieligen Her* Stellungsmethode des Rohchlorids mußte diese Vorhersage recht gewagt erscheinen. Im Sommer 1908 war es endlich gelungen, die Elektrolyse so zu leiten, daß porenfreies und haltbares Metall entstand. Es hatte sich gezeigt, daß nicht so sehr Reinheit des Chlorids als vielmehr seine möglichst vollkommene Trocknung hierfür nötig sei. Allerdings war Auer schon früher zu der Überzeugung gekommen, daß aus Monazitsandrückständen wegen ihres Phosphorgehalts überhaupt kein haltbares Cereisen zu erzeugen sei, und war daher dazu übergegangen, als Rohstoff die Mineralien Cerit und Allanit zu verwenden, womit er freilich seinen urspünglichen Gedanken, die cerhältigen Rückstände zu verwerten, verlassen mußte. Seinem Mitarbeiter Dr. Franz Fattinger 3 gelang es 1909, die Verarbeitung der „Berge“ so durchzuführen, daß phosphorfreie Ceritchloride entstanden, die haltbares Cer- 1 Oswald Gamber, Die Herstellung des Cereisens und die Gewinnung der Chloride der seltenen Erden (A. Hartleben), S. 4. 2 Ebenda. 3 Franz Fattinger, geb. 8. November 1881 in Waidliofen a. d. Ybbs, besuchte die Realschule und studierte an der Technischen Hochschule in Wien. Nach zweijähriger Tätigkeit in der chemischen Fabrik J. Medinger & Söhne in Neufeld a. d. Leitha ging er 1908 als Vorprüfer ans Patentamt in Wien und erwarb im gleichen Jahre den Doktorgrad an der Wiener Technischen Hochschule. Dann trat er in Treibach in Auers Dienste. Fattinger war insbesondere an der Durchführung der Cereisenpatentprozesse hervor- Das Cereisen. 63 eisen ergaben. Damit war die wirtschaftliche Verwertung der Monazitsandrückstände für die Cereisenfabrikation ermöglicht. Es war Auers Absicht, das Cereisen für alle nur möglichen Zündungszwecke zu verwenden: für Feuerzeuge und Gaszünder, als Zündung für Fahrrad-, Automobil- und Grubenlampen, zur Geschoß- und Minenzündung, als Signalapparat, ja es ist interessant, daß Auer sogar an einen Motor mit Cereisenzündung dachte. Anfänglich wurden drei Marken pyrophorer Legierungen erzeugt. ,,Cer“ oder Auermetall I war eine Legierung aus ziemlich reinem Cer und Eisen für Zündzwecke. Mit „Lanthan“ oder Auermetall II bezeichnete man eine Mischung von Cer, Lanthan und Eisen, die große helle Funken gab und für Lichtsignale Verwendung finden sollte. „Erdmetall“ oder Auermetall III bestand aus Eisen und dem natürlichen Cermischmetall, wie es sich ohne die Abtrennung der Begleitmetalle Lanthan, Neodym und Praseodym aus dem Chlorid ergab. Die Erzeugung der Marke „Cer“ wurde wegen der kostspieligen, und wie sich zeigte, überflüssigen Reinigung des Chlorids später wieder eingestellt. „Lanthan“, das als Signalmittel gedacht war, bewährte sich nicht und wurde aufgelassen; den Namen Auermetall II erhielten gefrittete Körper, die aus gesägten Spänen von Auermetall I hergestellt waren und besonders stark funken sollten. Aber alle diese Erzeugnisse verschwanden wieder und nur ein einziges, das „Erdmetall“, aus 30% Eisen und 70% des Cermischmetalls bestehend, wurde beibehalten. In Auermetall I umbenannt, wurde es über die ganze Welt verbreitet. Zur Erzeugung des Cereisens hatte Auer im Jahre 1907 die Treibacher Chemischen Werke gegründet. Schon mehrere Jahre vorher hatte er von der Alpinen Montan-Gesellschaft die stillgelegten alten Eisenwerke der Grafen Egger zu Trei- bach in Kärnten übernommen und zu einem Forschungslaboratorium ausgestaltet. Im Jahre 1908 brachte die Fabrik 800 kg Cereisen auf den Markt. Dann zog man die in der Thoriumfabrik in Atzgersdorf lagernden „Berge“ von Rohsulfaten heran und die Cereisenerzeugung stieg schnell. Der Rohstoffvorrat hatte etwa 400 bis 500 Waggons betragen. Während des Krieges, im Jahre 1915, als etwa ein Fünftel dieser Menge verbraucht war, beschlagnahmte die Regierung den gesamten Restvorrat, um die Erzeugung des Pflanzenschutzmittels Perozid sicherzustellen, doch gelang es bald wieder, genügende Vorräte freizubekommen. Die größte Jahreserzeugung an Cereisen betrug seither in Treibach 47613 kg. Heute stellt die Fabrik außer dem Auermetall auch Speziallegierungen, wie Ferrowolfram, Ferromolybdän, Ferrochrom, Ferrovanadin, sowie radioaktive Präparate her. Die Ausnützung der Cereisenpatente in Deutschland übernahm die Pyrophor - Metallgesellschaft in Köln. Infolge von Nichtigkeitsklagen durch irrige Auslegung einer das Cereisen betreffenden englischen Literaturstelle wurde das deutsche Reichspatent sehr wesentlich eingeschränkt. Dr. Franz Fattinger konnte diesen Trrtum klären und nachweisen, daß eine Cerlegierung mit einem erheblichen Eisenragend beteiligt. Als Generaldirektor der Treibaclier Chemischen Werke organisierte er hier die fabrikatorische Gewinnung der Legierungen der seltenen Erdmetalle, später dann die Erzeugung von Ferrolegierungen und die Verwertung von Radium und Mesothorium enthaltenden Präparaten. Fattingers wissenschaftliche Veröffentlichungen behandeln hauptsächlich die Theorie der Funkenbildung pyrophorer Legierungen. 64 Zwölfter Abschnitt. gehalt vor Auer nicht bekannt war, daß somit das Auermetall als eine Pioniererfindung gelten müsse. In Österreich und in Amerika verloren denn auch die Einbringer der Nichtigkeitsklagen ihre Prozesse und die Cereisenpatente blieben hier in vollem Umfang aufrecht. Wie bei seinen anderen großen Erfindungen, hat sich Auer von Welsbach auch hier, nachdem einmal die neue Industrie geschaffen war, von ihr zurückgezogen, um wieder alle seine Kräfte für seine Forschungstätigkeit frei zu haben. Und auch diesmal hatte er es verstanden, sein Werk in die richtigen Hände zu legen, indem er die Leitung der Treibacher Chemischen Werke seinem Mitarbeiter I)r. Franz Fatting er übertrug. Einen recht anschaulichen Begriff von der Bedeutung, die das Cereisen als Konkurrent der Zündhölzer erlangte, gibt eine Berechnung F. Fattingers vom Jahre 1929: 1 Die Welterzeugung an Cereisen beträgt etwa 100000 kg. Diese Menge ergibt 500 Millionen Zündsteine, die für 500 Milliarden Zündungen reichen. Dies entspricht rund sechs Milliarden Schachteln Zündhölzer neben einer Welterzeugung von etwa 20 Milliarden Schachteln. Angesichts dieses ungeheuren Erfolges, der dem Cereisen in der einen Verwendung als Feuerzeug beschieden war, ist es wohl zu verschmerzen, daß die anderen Verwendungsmöglichkeiten, an die der Erfinder gedacht hatte, als Signal mittel, Minen- und Motorzündung nicht Wirklichkeit wurden. XII. Die Zerlegung des Ytterbiums. Die späteren wissenschaftlichen Arbeiten. Auers Ytterbiumzerlegung und-der Prioritätsstreit mit Urbain. Die Forschungen über Thulium und das Fdement Xr. 61. Auers radioaktive Präparate. Spektroskopische Arbeiten. „Als ich vor mehr als zwei Jahrzehnten“, so schrieb Auer im April 1906, „meine Untersuchungen über die Erden des Gadolinits von Ytterby unterbrach, hatte ich die Überzeugung gewonnen, daß eine endgültige Erforschung der Erden der Yttergruppe nur durch groß angelegte Arbeiten zu erzielen sei. Von den Erfolgen meiner Bemühungen auf technischem Gebiet erhoffte ich die Förderung dieses Teiles der chemischen Forschung. Tatsächlich strömte auch in einer von Jahr zu Jahr sich steigernden Menge das wertvollste Rohmaterial auf den Markt. Die wissenschaftlichen Errungenschaften aber hielten mit diesem Segen nicht gleichen Schritt. Obzwar sich viele Chemiker der Erforschung dieser Gebiete zuwandten, blieben umfassende und grundlegende Arbeiten dennoch selten. So entschloß ich mich denn vor etwa sechs Jahren, mit genügenden Hilfsmitteln ausgerüstet, die Untersuchungen über die Erden der Yttergruppe wieder aufzunehmen.“ 2 1 Österr. Chem. Ztg. 32 (1929), S. 145. * Über die Elemente der Yttergruppe (I. Teil). Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, 115 (1906), Abt. II b, S. 737. Ytterbiumzerlegung und andere Arbeiten. 05 Etwa um das Jahr 1900 nahm Auer eine halbe Tonne Roh-Ytteroxalate, die von der österreichischen Gasglühlichtgesellschaft aus Monazitsand hergestellt worden waren, in Arbeit. Das Trennungsverfahren, das er zu diesem Zweck ausarbeitete, beruhte auf der verschiedenen Löslichkeit der Ammondoppeloxalate der einzelnen Erden der Yttergruppe. Auch durch diese langwierigen Trennungsreihen bildete das Funkenspektrum, mit Auers selbstkonstruierten Apparaten erzeugt, stets den Führer. Das Spektrum war es auch, das in einer Endfraktion, die reines Ytterbium enthalten sollte, auffallende Veränderungen zeigend, das erste sichere Anzeichen für die Zerlegbarkeit des Elements Ytterbium lieferte. Da auch der französische Forscher Urbain das Ytterbium zerlegt hatte und seine Publikationen annähernd gleichzeitig mit der Auers herausbrachte, entstanden zwischen diesen beiden Gelehrten Meinungsdifferenzen in der Prioritätsfrage dieser Entdeckung. Es sollen daher die entscheidenden Veröffentlichungen beider hier sowohl zeitlich als auch inhaltlich, soweit dies auf beschränktem Raum möglich ist, verglichen werden. Daß das Ytterbium ein Mischelement sei, hatten schon andere Forscher vermutet. Gewißheit darüber erlangte Auer durch Beobachtungen, die er zu Beginn des Jahres 1905 machte, worüber er der Akademie der Wissenschaften am 30. März desselben Jahres berichtete. In diesem Bericht heißt es: „Im Verlaufe der Untersuchungen, die ich auf den! Gebiet der seltenen Erden seit Jahren durchführe, gelang es mir kürzlich, den Nachweis zu erbringen, daß das von Marignac im Jahre 1878 entdeckte Ytterbium, dessen elementare Natur auf Grund spektralanalytischer Beobachtungen später in Zweifel gezogen worden ist, 1 in der Tat ein zusammengesetzter Körper ist. Es besteht hauptsächlich aus zwei Elementen.“ 2 Auer gibt an, daß die Funkenspektren der neuen Elemente Teile des Ytterbiumspektrums seien, jedoch anscheinend manche Linien gemeinsam hätten. Abb. 19. Präparatenglas, welches bei den Arbeiten zur Ytterbiumtrennung reines Cassiopeium enthielt. Die Abkürzungen auf den Etiketten bedeuten: .Cassiopeium rein für die Atomgewichtsbestimmung. Ex Endlauge der Reihen 169 bis 261. Ferner bis 16. Fraktion der 164. Reihe. 16,6 Gramm. Cassiopeium II Sulfat.* 1 Exner und Haschek, Sitzungsberichte der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien, niathem.-naturw. Klasse, Bd. CV1I, Abt. II a. (Fußnote des Originals.) 2 Anzeiger der mathem.-naturw. Kl. d. Akad. d. Wiss., Jalirg. 1905, Nr. X. Geschichte der Technik, H. 2. "» Zwölfter Abschnitt. (56 In einer Arbeit vom Juni 1906, die Auer zu einer seinem Lehrer Adolf Lieben gewidmeten Festschrift 1 beitrug und die die Anwendung der Funkenspektren zur Untersuchung von Elementen auf ihre Einheitlichkeit behandelt, beschreibt er, wie er durch langwieriges Fraktionieren Ytterbiumpräparate erhielt, deren Spektren bei fortschreitender Trennung immer verschiedener wurden, bis er die neuen Elemente vor sich hatte. Auch photographierte er damals bereits diese Spektren. Die schon eingangs zitierte Arbeit über die Elemente der Yttergruppe schließt Auer mit der Bemerkung, er habe es unterlassen, dieser Abhandlung Zeichnungen der verschiedenen Spektren beizugeben, da er hierauf noch später zurückkommen werde. Er hat es auch unterlassen, für seine neuen Elemente schon damals Namen öffentlich vorzuschlagen, ebenso wie auch offizielle Angaben über ihre Atomgewichte zu machen, obwohl er die erste Atomgewichtsbestimmung bereits im Oktober 1905 ausgeführt hatte. 2 Auer, der seine Priorität längst gesichert glaubte, hatte alle genaueren Angaben einer eingehenden Abhandlung Vorbehalten, die er auch tatsächlich am 19. Dezember 1907 der Akademie der Wissenschaften einreichte, und niemals hätte irgendein Zweifel an seinem Vorrechte auf die Ytterbiumzerlegung laut werden können, wäre nicht 44 Tage vor dieser ausführlichen Abhandlung die Arbeit Urbains ,,Un nouvel element: le lutecium, resultant du dödoublement de rytterbium de Marignac “ 3 erschienen. Urbain nannte sein neues Element „Lutetium“, 4 den Restbestandteil des Ytterbiums „Neo-Ytterbium“. Obw r ohl Auer in seinen bisherigen Berichten die Mitteilung genauerer Angaben angekünäigt hatte, hält ihm Urbain gerade das Fehlen dieser Angaben und der Ausmessung der Spektrallinien vor. 5 Freilich kann man auch nicht von präzisen Angaben sprechen, wenn Urbain von den Atomgewichten seiner Elemente sagt: „Le poids atomique du neo-ytterbium ne doit pas etre tres eloigne de 170 et le poids atomique du lutecium ne doit pas etre de beaueoup superieur ä 174.“ 6 Urbain hat als charakteristisch für das Lutetiumspektrum 34 Linien angegeben- und gemessen. Auer ficht die Richtigkeit eines Teils dieser Linien an, während er andere wichtige Linien vermißt. Auer kommt in seiner "Entgegnung an Urbain 7 geradezu zu dem Schluß, daß die URBAiNschen Angaben zur Identifizierung des Spektrums des 1 Bemerkungen über die Anwendung der Funkenspektren bei Uomogenitätsprüfun- gen, Lieben -Festschrift 1906, S. 720. 2 Sitz.-Her. d. Akad. d. Wiss., 119 (1910), Abt. 11b, nach S. 988. F. Wenzel (eilte mit, daß ihm Auer auf briefliche Anfrage schon 1906 bekanntgegeben habe: ..Ytterbium besteht aus Cassiopeium, Cp — 174,28, und Aldebaranium, Ad — 172,52.“ Her. d. Deutschen Chem. Des., 57. .lahrg. (1924), VI. 3 Compt. rend. Acad. Sciences 145 (1907), S. 759. 4 Xach Lutetia, der römischen Siedlung auf dem Hoden von Paris. 5 „De meme, M. Auer v. Welsbach ... a annonce tout recemment que le fractionnement de l’oxalate double d'ammoniaque et d’ytterbium lui avait donne 1' occasion d’observer des variations spectrales qu’il n’a point pröcisees. II n’a donne aucune mesure des raies qu’il a observees entre 7000 et 5000, et n’a aucunement specific les elements dont il suppose l’existence dans l’aneien ytterbium.“ Comptes rendus de 1' Academic des sciences, 145 (1907). 6 FJieuda. 7 Zur Zerlegung des Ytterbiums, Sitz.-Her. d. Akad. d. Wiss., Wien, 118 (1909), Abt. Ilb, S. 511. Ytterbiumzerlegung und andere Arbeiten. 67 neuen Elements nicht brauchbar seien. Erst später zeigte sich, daß er damit recht hatte. Die schon erwähnte ausführliche Abhandlung Auers von Welsbach „Die Zerlegung des Ytterbiums in seine Elemente“ 1 enthält eine eingehende Beschreibung des TrennungsVerfahrens, dann eine genaue Besprechung der Funkenspektren. Auf Tabellen, die sich über 20 Seiten erstrecken, hat Auer seine Messungen der Wellenlängen niedergelegt. Diese Tabellen werden durch einige hervorragende photographische Spektraltafeln ergänzt. Den beiden neuen Elementen, aus denen das Abb. 20. Das nach Auers Angaben gebaute große Spektroskop, das er bei seinen Spektraluntersuchungen verwendete. (Nach Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, II b, 131. Bd. 1922, Tafel V.) ,» ■ \ - of- H ■ • Ytterbium besteht, gab Auer die Namen „Aldebaranium“ und „Cassiopeium“. 2 Als ihre Atomgewichte gab er die Mittelwerte je dreier Analysen bekannt: Aldebaranium (Zeichen Ad) = 172,90, Cassiopeium (Zeichen Cp) = 174,23. Ein Nachtrag zu dieser Arbeit, der 1913 erschien, verbessert diese Werte in 173,00 für Ad und 175,00 für Cp 3 (die offiziellen Zahlen von 1934 sind 173,04 und 175,0). Mit dem Prioritätsstreit zwischen Auer von Welsbach und Urbain befaßte sich im Jahre 1909 die Internationale Atomgewichtskommission, welcher übrigens Urbain als Mitglied angehörte. Die Kommission zog, ohne die früheren Mitteilungen Auers zu berücksichtigen, nur die 1907 veröffentlichten Arbeiten der beiden Forscher in Betracht, sprach Urbain die Priorität zu und nahm die von ihm vor- 1 Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, 116 (1907), Abt. II b, S. 1425. * Nach den Gestirnen Aldebaran und Cassiopeia. n Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, 122 (1913), Abt. Ilb, S. 969 u. 970. (58 Zwölfter Abschnitt. geschlagenen Namen für die beiden neuen Elemente, Neo-Ytterbium und Lutetium an. Für diese Entscheidung, die ihn schwer kränkte, erhielt Auer im Jahre 1924 anläßlich eines anderen Prioritätsstreits Genugtuung. Urbain hatte die Fraktionierung seiner Lutetiumpräparate fortgesetzt und 1911 die Entdeckung eines neuen Elements mitgeteilt, das er Celtium nannte. Als 11 Jahre später Coster und v. Hevesy das Hafnium entdeckten, teilte Urbain sofort mit, daß dieses Element sein Celtium sei und beanspruchte die Priorität der Entdeckung für sich. Einwandfreie Untersuchungen anderer Forscher ergaben aber, daß Urbains Celtium nichts anderes als ein stark gereinigtes Lutetium sei, mit anderen Worten, Auers fol M. 'Jy\ /(11 /Clh d / t > //// i/'/ftttu /< it*/*/* /i . 7/t / . rt* t- ttf **t ** *■ • Sy/Xif Abb. 21. Probe von Auers Handschrift. Überschrift auf einem Umschlagblatt für Laboratoriumsnotizen. Cassiopeium. Wie unrein mußte also Urbains Lutetium früher, als er Auer die Priorität streitig gemacht hatte, gewesen sein, daß er es nun, in gereinigtem Zustand nicht mehr erkannte und für ein neues Element hielt! Die Deutsche Atomgewichtskommission 1 trug denn auch diesen Feststellungen Rechnung und wählte für das Element mit der Ordnungszahl 71 Auers Namen Cassiopeium, behielt aber für den ftest des ursprünglichen Mischelements, der übrigens fast 90% ausmacht, den historischen Namen Ytterbium bei. Sie gestand damit Auer von Welsbach die Priorität der Zerlegung des MARiGNACschen Ytterbiums zu, „weil seine ausführlichen Veröffentlichungen über die Uneinheitlichkeit des Ytterbiums seine Behauptung aus den Jahren 1905 und 1900 bestätigen, und weil er zur Zeit der ersten Veröffentlichung Urbains ganz offensichtlich mit der Reindarstellung der beiden Ytterbiumkomponenten weiter gelangt war als dieser“. 2 In der Geschichte der Elementenerforschung ist als eines der wichtigsten Ereignisse die Aufstellung des „periodischen Systems der Elemente“ anzusehen. Dieses System, von dem Deutschen Lothar Meyer und dem Russen Dimitri 1 Die Ausschließung der deutschen Belehrten von der internationalen Atomgewichts- festsetzung während der Nachkriegsjahre hatte die Schaffung einer Deutschen Atom- gewichtskonnnission nötig gemacht. Sie bestand von 1921 bis 1931. 2 Berichte d. Deutschen Cliein. Ges., 57. dahrg. (1924), YI11. Ytterbiumzerlegung und andere Arbeiten. 09 Mendelejew 1869 fast gleichzeitig entworfen, enthält die chemischen Grundstoffe nach ihren Atomgewichten geordnet, wobei sich eigentümliche Regelmäßigkeiten ergaben. Die interessantesten Stellen an diesem System aber waren seine Lücken: man wagte es, die in diese Lücken gehörenden, offenbar noch unentdeckten Elemente in allen ihren chemischen Eigenschaften vorauszusagen und fand diese Prophezeiungen an den später entdeckten Elementen, Gallium, Germanium, Scandium u. a., in verblüffender Weise erfüllt. Einer der Fehler dieses ausgezeichneten Systems war, daß in ihm eine große Gruppe chemisch sehr ähnlicher Grundstoffe keinen Platz fand,,eben die seltenen Erden. Diesem Mangel abzuhelfen war der modernen Atomphysik Vorbehalten. War früher jedes Element durch sein Atomgewicht und durch die Linien seines Lichtspektrums charakterisiert gewesen, so ergab nun die Röntgen- oder Hochfrequenzspektroskopie Aufschluß über die Kernladung des Atoms, und da es ebensoviel chemische Elemente gibt wie Atomkerne verschiedener Kernladungszahl, konnte man diese Zahl ganz einfach auch als Ordnungszahl oder Atomnummer bezeichnen. Das periodische System, mit den Erkenntnissen der neueren Atomphysik ausgebaut, nahm nun auch die Gruppe der seltenen Erden auf, ja man weiß auch ihre Reihenfolge und ihre Anzahl, nämlich 15. Für diejenigen Stoffe, deren Elementarnatur Auer von Welsbach behauptet hatte, wurde diese durch die neue Methodik bestätigt, und für die AuERschen Elemente ergaben sich die Ordnungszahlen: Praseodym 59, Neodym 60, Ytterbium (nach Auer Aldebaranium) 70 und Cassiopeium 71. Dieses ist zugleich das letzte Element in der Reihe der seltenen Erden. Die Vermutungen Auers, das Thulium sei aus 3 Komponenten (Tu t , Tu,j und Tu in ) zusammengesetzt, 1 ja die ganze Gruppe der seltenen Erden enthalte überhaupt weit mehr Elemente, als man annehme, haben sich nicht bestätigt. Nach der Methode der Hochfrequenzspektren sind bisher die Elemente Hafnium (1922), dann Masurium und Rhenium (1925) entdeckt worden. Von den seltenen Erden ist nur das Element Nr. 61 zurzeit noch unbekannt. 2 Auch Auer von Welsbach hat vergeblich nach ihm gesucht. 3 Bunsen und Kirchhoff hatten um 1860 die alte, mit chemischen Mitteln arbeitende Elementenforschung um die Spektroskopie bereichert, die dann Auer von Welsbach so glänzend zu handhaben verstand. Die moderne Atomphysik aber hatte durch ihre rationelle Methodik der alten Romantik des Elementenaufspürens das Ende bereitet. Man darf wohl sagen, daß Auer von Welsbach der letzte dieser alten Elementenjäger war. Die Gabe Auers, durch klug erdachte Operationen schwierige chemische Trennungen durchzuführen und seine Erfahrung in der Isolierung kleiner Substanzmengen aus großen Rohstoffmassen mußten ihn besonders auch für ein Forschungsgebiet befähigen, das vom Beginn des 20. Jahrhunderts an die chemische 1 Notiz über die Elemente des Thuliums. Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, 120 (1911), Abt. Ilb, S. 193. 2 Inzwischen glaubten amerikanische Forscher in ihrem „Illinium“, italienische in ihrem „Florentium“ und der Deutsche R. J. Meyer spektralanalytisch das Element Nr. 61 erkannt zu haben. 3 über einige Versuche zur Auffindung des Elementes Nr. 61. Chem. Ztg. 50 (1926), 990. 70 Zwölfter Abschnitt. Welt aufs lebhafteste beschäftigte, die Chemie der radioaktiven Stoffe. Die Wiener Akademie der Wissenschaften hatte 10 Tonnen Pecherzrückstände der Urangewinnung von Joachimsthal übernommen, deren Verarbeitung auf Radium Ludwig Haitinger leitete. Aus diesem Material waren durch Ammoniakfällung 1800 kg „Hydrate“ abgeschieden worden, deren weitere Untersuchung die Radiumkommission Auer von Welsbach übertrug. 1 Die Präparate von Ionium, Polonium und Actinium, die Auer daraus für die Akademie, bzw. für das neugegründete Radiuminstitut Abb. 22. Das Laboratorium im Schlosse Welsbach, in welchem Auer bis knapp vor seinem Tode arbeitete. =»- J 5 . ; i tfc, «1. \ l « t iliSi K4J 1 herstellte, leisteten der Wissenschaft die wertvollsten Dienste. Die Bereitwilligkeit und Freigebigkeit, mit der Auer stets seine wertvollen, oft in mühsamen Trennungsoperationen gewonnenen Präparate sowohl österreichischen als auch ausländischen Gelehrten zur Verfügung stellte, kann überhaupt gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Er hat dadurch die Röntgenspektroskopie in fruchtbarster Weise gefördert und durch seine loniumpräparate der Tsotopieforschung eine ihrer experimentellen Voraussetzungen gegeben. Seine spektroskopischen Erfahrungen legte Auer — abgesehen von den schon genannten Arbeiten — in einer Abhandlung des Jahres 1922 nieder. Sie beschreibt die Spektralverfahren, die er bei seinen Arbeiten angewendet hatte, gibt eine Schilderung der von ihm konstruierten Funkenapparate mit ihren eigenartig ausgebildeten Polen, behandelt die visuelle und photographische Prüfung der Spektren 1 Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, 119 (1910), Abt. Hb, S. 1011. Auers Persönlichkeit, sein Lebensabend und Tod. 71 und enthält einige Abbildungen der AuERschen Apparaturen . 1 Ein größeres Werk über Spektroskopie hat Auer, ebenso wie manche andere Abhandlung, die er vorhatte, nicht geschrieben. Seine Schriften erscheinen, an ihrem Umfang gemessen, ja überhaupt äußerst bescheiden, verglichen mit seinem riesenhaften Lebenswerk. Und ebenso wie er selber nicht viel schrieb, benützte er die Schriften anderer kaum bei seinen Arbeiten. Ja selbst in geschäftlichen Dingen vermied er, wo es ging, das Schreiben und bediente sich des Telegraphen — ein Mann der Tat, der Worte nicht liebte. XIII. Auers Persönlichkeit, sein Lebensabend und Tod. Auer und Edison. Auer als Naturforscher. Persönliches. Auers Tod. Ehrungen durch die Mit- und Nachwelt. Wenngleich die Werke der Naturforscher und Techniker, ungleich denen der Künstler, in ihrer Sachlichkeit unpersönlich erscheinen, so haftet doch der Art, wie sie entstanden sind, oft individuelle Eigenart, persönlicher Stil an. Auer von Welsbach ist dafür ein Beispiel, insbesondere, wenn man ihn mit anderen vergleicht. Man hat Auer von Welsbach gelegentlich den „österreichischen Edison“ genannt. Abgesehen davon, daß keiner der beiden kongenialen Männer es nötig hat, vom anderen den berühmten Namen zu leihen, kann dieser etwas journalistische Vergleich wohl nur auf die äußere Tatsache bezogen werden, daß beide sich eingehend mit Problemen des künstlichen Lichts beschäftigten. Im übrigen lassen sich kaum zwei Erfinderpersönlichkeiten von größerer Verschiedenheit denken. Schon im Werdegang der beiden Männer kommt dies zum Ausdruck. Welcher Unterschied zwischen dem amerikanischen Zeitungsjungen, der sich all sein Wissen nebenher zusämmentrug, und dem österreichischen Hofratssohn, der ein geregeltes Universitätsstudium absolvierte, zwischen dem Amerikaner, der bald nach diesem, bald nach jenem Problem griff, der erfand, wo es etwas zu erfinden gab, und dem Österreicher, der sich von Anfang an auf ein Spezialgebiet — allerdings das schwerste der damaligen Chemie — konzentrierte, dieses aber dann während eines Menschenlebens bis auf den Grund durchforschte und technisch ausschöpfte. Denn das Verwendungsgebiet der seltenen Erden hat seit Auer keine nennenswerte Erweiterung mehr gefunden. Ist man geneigt, bei den meisten Erfindungen Edisons den Erfolg nicht allein einer gesunden Idee zuzuschreiben, sondern vor allem auch einem ans Wunderbare grenzenden Aufwand an Logik, Systematik und Geduld, der geradezu auf den richtigen Weg führen mußte, so scheint bei Auer oft ein eigentümlicher instinktmäßiger Spürsinn zu walten, der, möglicherweise an der Eigenart seiner chemischen Arbeiten, den endlosen Trennungsreihen geschärft, auch den Erfinder den richtigen Weg intuitiv erfühlen ließ. Es ist bekannt, daß Edison das Material für den Kohlenfaden seiner Lampe, die verkohlte Bambusfaser, dadurch fand, daß er eben alle Substanzen, deren er habhaft werden konnte, für seinen Zweck erprobte. 1 Spektroskopische Methoden der analytischen Chemie. Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, 131 (1922), Abt. IIb, S. 339. 72 Dreizehnter Abschnitt. Als Auer sich anschickte, die elektrische Glühlampe zu verbessern, hatte er ein hervorragendes Leuchtkörpermaterial in Händen, die Oxyde der seltenen Erden. Seine ersten Versuche bewegten sich ja auch in dieser Richtung. Aber er setzte seine Versuche mit gefritteten Thoroxydstäbchen nicht fort. Zweifellos wäre es auch ihm gelungen, auf dieser Basis eine brauchbare Lampe zu konstruieren, so wie es Walter Nernst gelungen war. Aber Auer von Welsbach wandte sich von seinem ureigenen Material, den seltenen Erden, sowie auch allen Kombinationen dieser mit Metallen ab und dem reinen Metalldraht zu. Der Erfolg und die spätere Entwicklung gaben ihm recht: die Glühlampe entwickelte sich weder als Kohlenfaden- Abb. 23. Schloß Welsbach in Kärnten. Auers Wohnsitz und Arbeitsstätte während seiner Altersjahre. ■m.- va £ ^ wmrms v. ( Uh- • j, t » i Wfl 1 noch als Oxydkörper-, sondern als Metallfadenlampe weiter. Ein untrügliches Gefühl muß Auer von Welsbach den Weg von „seinen“ seltenen Erden weg zur Osmiumlampe gewiesen haben. Einer der auffallendsten Züge an Auers Persönlichkeit als wissenschaftlich Schaffender war es, jede Arbeit bis herab zu der scheinbar nebensächlichsten eigenhändig auszuführen. Wo es ging, baute er sich seine Apparate selber. Er war ein ausgezeichneter Glasbläser. Mit der Osmiumlampe beschäftigt, blies er stets selber seine Glasbirnen und evakuierte sie mit selbstgebauten Vorrichtungen. Mit diesem Drang, alles selber zu tun, hängt es wohl auch zusammen, daß Auer nicht viel die Literatur benützte, sondern es vorzog, seine Erfahrungen selber zu machen. Mag dieses Prinzip in manchem Falle zeitraubend gewesen sein, die bis ins Letzte gehende Kenntnis der Materie, die es ihm eintrug, hätte sich Auer auf anderem Wege wohl nicht erwerben können. Man wird durch diesen Wesenszug an Auers großen Lehrer Robert Wilhelm von Bunsen erinnert, der auch kein Freund gelehrter Schriften war, der kein Lehrbuch geschrieben hatte, sondern seine Studenten lieber im praktischen Experimente unterwies. Sicher hat diese Eigenart des Lehrers auf Auer eingewirkt, den verwandten Zug in ihm frühzeitig bestärkend. Trotzdem Auers Persönlichkeit, sein Lebensabend und Tod. 73 haben Lehrer und Schüler den Büchern eine gewisse pietätvolle Ehrfurcht nicht vorenthalten. Als Bunsen starb, hinterließ er eine schöne Bibliothek von größtenteils unaufgeschnittenen Bänden. Auer erwarb sie und verwahrte sie — ebenso unbenützt — in Treibach. Hatte Auer von Welsbach infolge seiner Eigenart, werdende Arbeiten nicht aus der Hand zu geben, eigentlich nie wirkliche Mitarbeiter, so legte er die Weiter- Abb. 24. Dr. Carl Auer von Welsbach in seinen letzten Lebensjahren. fiihrung fertiger Arbeiten, seiner Industrieunternehmungen, stets in die Hände bewährter Männer, die er dafür zu finden verstand. Es liegt eine bewundernswerte Stärke darin, daß dieser Mann sich von seinen großartigen Industriegründungen nicht dauernd in Bann schlagen ließ, sondern immer wieder den Weg zum Jungbrunnen seiner Wissenschaft zurückfand. Seinen Fähigkeiten nach war Auer auch Industrieller, seiner Neigung nach war er Gelehrter. Man wird kaum einen zweiten Naturforscher finden, der die wissenschaftliche Tätigkeit seines Lebens so sehr auf ein einziges Forschungsfeld konzentrierte, wie Auer von Welsbach. Schon als Heidelberger Student hatte er sich für die seltenen 74 Dreizehnter Abschnitt. Erden entschieden und sechs Jahre vor seinem Tod schrieb er an Stefan Meyer: „Die seltenen Erden, die heute eine so große Rolle spielen, lassen mich nicht zur Ruhe kommen; sie haben meine Absicht, meine wissenschaftlichen Arbeiten endlich abzuschließen, gründlich vereitelt .“ 1 Aber trotz dieser Abgegrenztheit seines Forschungsfeldes hat Auers Tätigkeit erstaunlich weite Kreise gezogen. Seine Beschäftigung mit Spektroskopie und seltenen Erden hatte es mit sich gebracht, daß er auch für die Beschaffung radioaktiver Präparate — gerade in den Jahren der auf blühenden Radiumforschung — Unschätzbares leisten konnte. Der strahlende Auermantel hinwieder gab der Physik Anregung, sich eingehend mit dem Leuchten glühender fester Körper zu befassen. Für die seltenen Erden, denen Auer einen Großteil ihrer Seltenheit genommen hatte, fanden sich in der Medizin, in der Porzellan- und Glasindustrie neue Verwendungsgebiete, und als man für die Zylinder der Auerbrenner ein thermisch resistentes Glas brauchte, bot dies für das Jenaer Glaswerk Schott und Genossen den Anlaß, Forschungen anzustellen und ein solches Glas zu schaffen. Vor allem aber hat die Industrie der Beleuchtungskörper durch das Gasglühlicht ungeheuren Auftrieb erhalten, während eine andere Industrie, die des Feuerzeugs, durch die Erfindung des Cereisens überhaupt erst ins Leben trat. Es dürfte schwer fallen, neben den Umwälzungen auf den Gebieten der Gastechnik und elektrischen Beleuchtung auch alle diese Ausstrahlungen des AuERschen Wirkens in fernerliegende Gebiete in ihrer Tragweite einigermaßen zu erfassen. * * * Auer von Welsbach verstand es, sein Leben nach seinem eigenen Willen zu gestalten. Schon in jungen Jahren ist dieser Zug merkbar. Selbstbewußt beginnt er seine Laufbahn als Privatgelehrter und schon nach kurzer Zeit gibt ihm der Erfolg recht. Sein Drang, alles selber zu machen, mag es erklären, wenn er der Arbeit anderer nicht immer gleich volles Vertrauen schenkte und sich mehr auf sich selber verließ. Auer pflegte weder gesellschaftlichen noch freundschaftlichen Verkehr. Alle Personen, mit denen er verkehrte, waren durch geschäftliche Interessen mit ihm verbunden und der Verkehr beschränkte sich in der Regel auch nur auf diese. Immer verstand es Auer, zu den Personen seines Umgangs Distanz zu halten und Vertraulichkeiten nicht aufkommen zu lassen. Gesellschaften gab Auer nie und auch für Theater, Konzerte und Vergnügungen hatte er, wohl auch wegen seiner Schwerhörigkeit, kein Interesse. Unternahm er aber einmal mit seiner Frau und seinem Mitarbeiter Felix Kuschenitz 2 eine Vergnügungsreise, so hatte dieser den Eindruck, Auer sehne sich kurz nach der Abreise schon wieder in sein Laboratorium zurück und er habe offenbar die Reise nur unternommen, um seiner Frau ein schon lange gegebenes Versprechen einzulösen. Trotzdem war Auer von Welsbach keineswegs dem Reisen abgeneigt, nur hätte er es gerne auf seine besondere Art getan: eine eigene Yacht aijzuschaffen und auf ihr die Meere zu befahren, das war sein lange Jahre gehegter Wunsch, dessen Erfüllung er immer und immer 1 brief vom 24. Oktober 1923. * Ich verdanke diese Mitteilungen über Auers Wesenszüge Herrn Direktor F. Kuschenitz. Auers Persönlichkeit, sein Lebensabend und Tod. 75 wieder aufschob, nicht nur aus Rücksicht auf seine Arbeit, sondern auch weil er fühlte, daß er zu Hause zur Erziehung seiner Kinder nötiger sei. Später, als die Kinder groß waren, fühlte er sich nicht mehr jung genug für diese Pläne. Der Zauber des Automobilfahrens bot ihm einigen Ersatz für den Verzicht auf jene romantischen Seefahrten. Auer von Welsbach hat, ähnlich seinem Vater, erst als er auf der Höhe seiner Erfolge stand, geheiratet. Er tat auch dies ganz in seiner eigenwilligen, von der geselligen Welt abgewandten Art: mitten im Winter ließ sich das Paar auf Helgoland J * - m Abb. 25. Kassette des Siemensringes, der Auer 1920 verliehen wurde. nach englischem Recht trauen, nur von den beiden Trauzeugen begleitet. Auers Gemahlin ist ihrem Manne eine treue Gefährtin geworden, die ihr Leben ganz auf das arbeitsreiche Dasein des Gatten einstellte. Seiner Ehe entstammen drei Söhne und eine Tochter. Sosehr Auer mitten im Leben stand, war er doch im Grund ein einsamer Mensch. Still und in sich gekehrt, emsig arbeitend, hat ihn sein Studienkollege Hans Heger von Heidelberg her in Erinnerung. Dieser Zug hat sich in Auers Altersjahren durch seine Schwerhörigkeit noch verstärkt. Auch im Kreise seiner Familie war Auer wenig mitteilsam. Er mußte schon in ganz besonders guter Laune sein, um einmal Geschichten aus seinem Leben zu erzählen. Er sprach bei Tisch wenig; wenn er aber sprach, so galt als ungeschriebenes Gesetz, daß alle Anwesenden schwiegen und zuhörten. Sprach jemand weiter, dann brach Auer sofort seine Rede ab. In Wien bestand seine Erholung von der Tagesarbeit in einem zweistündigen einsamen Spaziergang vor dem Abendessen. Entspannung und Ruhe vom Treiben der lauten Welt aber suchte er auf seinem Besitz in Kärnten. Er hatte 70 Dreizehnter Abschnitt. diesen Besitz im Jahre 1894 von der berühmten Schauspielerin Marie Geistinger erworben, die sich dort nächst dem uralten Schloß Rastenfeld eine Villa gebaut hatte. Hier erbaute Auer im Jahre 1899 sein Schloß Welsbach, das er mit einem großen Laboratorium ausstattete, das dann während seiner letzten Lebensjahre zur eigentlichen Stätte seines wissenschaftlichen Wirkens wurde. Die Art, wie Auer auf Schloß Welsbach seine freien Stunden verbrachte, zeigt so recht, in welch inniger Verbundenheit dieser Naturforscher zur Natur stand, mit welcher Liebe der Anorganiker an Tier und Pflanze hing. Auer liebte Hunde und war ein begeisterter Jäger. Als ihm dann seine zunehmende Schwerhörigkeit die Ausübung des Waidwerks unmöglich machte, begnügte er sich mit dem Fischfang. Mit unendlicher Liebe und Geduld pflegte er die mühsam akklimatisierten Bäume seines Parks und zog Edelobst und Trauben. Aber trotz dem w r elt- abgewandten Leben, das Auer in seinen späteren Jahren führte, blieb er doch stets voll Interesse für die Allgemeinheit. Er wurde zum Wohltäter seiner Gemeinde und des Landes Kärnten und w r ar vor allem um die heranwachsende Jugend besorgt, deren Schicksal ihm besonders in den Nachkriegsjahren am Herzen lag. Dem Bürgermeister von Klagen- furt sagte er einmal, daß es die Erwachsenen schließlich ertragen könnten, wenn es ihnen einmal schlecht gehe, für die Kinder aber müsse unter allen Umständen gesorgt werden. So organisierte er damals eine großzügige Milchbeschaffungsaktion für die Stadt Klagenfurt und führte sie trotz dem Widerstand der Landbevölkerung energisch durch. Es ist kennzeichnend für Auers Charakter, daß er bei der Ausübung seiner Wohltätigkeit, wenn möglich, ungenannt bleiben wollte. Als er während des Kriegs einmal eine ansehnliche Summe für Eürsorgezwecke spendete und man ihm mitteilte, daß der darauf bezügliche Akt durch die Kabinettskanzlei des Kaisers gehen müsse, stellte er sofort die Bedingung, daß sein Name nicht genannt und als Spender nur ,,ein Kärntner“ angegeben w'erden dürfe. Kaiser Franz Joseph zeigte bei jeder Gelegenheit, daß er die überragende Bedeutung Auers von Welsbach zu würdigen wisse. Der sonst sehr zurückhaltende und auf Etikette bedachte Monarch ging bei Audienzen, was gar nicht seiner sonstigen Gepflogenheit entsprach, Auer stets entgegen und reichte ihm die Hand. Auer von Welsbach, dem großen Forscher, Erfinder und Industriellen wurden zahlreiche Ehrungen zuteil. Im Jahre 1901 erhob ihn der Kaiser in den erblichen Freiherrnstand. Die Universitäten Graz und Freiburg, die Technischen Hochschulen zu Wien, Graz und Karlsruhe verliehen ihm ihre Ehrendoktorate, die Abb. 26. Plakette Auers von Welsbach, die anläßlich seines 70. Geburtstages von Prof. L. Hujer angefertigt wurde. Auers Persönlichkeit, sein Lebensabend und Tod. 77 Universität Heidelberg ernannte ihn zum Ehrensenator. Er war Mitglied der Akademien der Wissenschaften in Wien, Berlin und Stockholm, Ehrenmitglied der Deutschen Chemischen Gesellschaft und anderer Fachvereinigungen, er besaß den Siemensring * 1 und mehrere ausländische Medaillen, er erhielt 1921, anläßlich ihrer erstmaligen Verleihung die Exnermedaille des Niederösterreichischen Ge wer be - Vereins und war Ehrenbürger mehrerer Städte und Gemeinden. fff äI Abb. 27. Die Feier des 70. Geburtstages auf Schloß Welsbach. Auer, im Kreise seiner Familie, empfängt Deputationen der Kärntner Gemeinden. Aber die vielleicht eindrucksvollste Ehrung war es, als im Spätsommer des Jahres 1928 die gesamte wissenschaftliche Welt in gleicher Weise wie die schlichte Landbevölkerung seiner Kärntner Gemeinde dem Siebzigjährigen zu seinem Geburtstag huldigte. 2 Damals wurden Auer zwei große Kristallvasen überreicht, deren eine mit Neodymoxyd violettrot, die andere mit Praseodymoxyd gelbgrün gefärbt war, und es wird erzählt, daß der Jubilar alsbald sein Taschenspektroskop hervorzog und die beiden Gläser recht eingehend prüfte, wohl um zu sehen, ob seine Elemente Neodym und Praseodym für die Glasfärbung auch in genügender Reinheit verwendet worden seien. Auer von Welsbach hat diese Geburtstagsfeier um kein volles Jahr überlebt. 1 Siehe Abb. 25. 1 Eine herzlich gehaltene Adresse, von Prof. Fritz Paneth verfaßt, sandte die Deutsche Chemische Gesellschaft ihrem Ehrenmitgliede. Berichte d. Deutsch. Chem. Ges., 61 A (1928), S. 147. 78 Dreizehnter Abschnitt. Er starb am 4. August des Jahres 1929 um 1 / 2 4 Uhr morgens auf seinem Schloß Welsbach. D’Ans, dem wir einen ausgezeichneten biographischen Aufsatz verdanken, schreibt über Auers Tod: „Am Freitag, den 2. August 1929, bei einer Ausfahrt mit dem Auto, wurde ihm schlecht bei großen Schmerzen in der Magengegend. Die Untersuchung durch die Ärzte am folgenden Tag war sehr schmerzhaft, sie erkannten die Schwere der Erkrankung und rieten zu einer Durchleuchtung. '"fiX V.' ,• **»*% , ^t H> ‘ V< Abb. 28. Der Auer-Welsbach-Park mit dem Schloß Schönbrunn vom Technischen Museum aus gesehen. Doch stand er darnach auf, ging in den Garten, blickte umher, schloß sein Arbeitszimmer auf, verbrannte mehrere Papiere, blieb lange vor dem Bild seines Vaters stehen, ging darauf ins Laboratorium, deckte sein Spektroskop auf, streichelte es mit der Hand zärtlich, blickte auf die anderen, nahm von seinen letzten, noch immer in Arbeit befindlichen Thuliumreihen durch eine weite Handbewegung Abschied, schloß die Räume wieder ab und legte sich ruhig hin. Zwölf Stunden darauf, am frühen Morgen des Sonntags, war er sanft für ewig entschlummert.“ 1 Die Leiche Auers von Welsbach wurde am 6. August auf Schloß Welsbach feierlich eingesegnet, hierauf nach Wien übergeführt, wo am 7. August die Beisetzung in der Familiengruft des Hietzinger Friedhofs stattfand. * * * 1 J. D’Ans: Carl Freiherr Auer von Welsbach. Berichte d. Deutsch. Chem. Ges., Jahrg. 64 (1931), Heft 5, Abt. A, S. 91. Auers Persönlichkeit, sein Lebensabend und Tod. 79 Wenn manchmal festgestellt wurde, daß große Männer Österreichs im Ausland meist viel zu wenig bekannt und gewürdigt wurden, so bildet Auer von Welsbach eine Ausnahme. Sein Name hatte auch außerhalb der österreichischen Heimat stets einen guten Klang. Und wenn gerade die deutschen Patentbehörden Auer wiederholt schwere Sorgen bereitet hatten, so war es auch wieder die deutsche Wissenschaft, , ...*t : •' ' -u. ;•. Abb. 29. Entwurf des Wiener Bildhauers Pro!. Wilhelm Fraß für das Auer-Denkmal vor dem neuen Chemischen Universitäts-Institut in Wien. die ihm Urbain gegenüber tatkräftig beistand und ihn als einen ihrer Größten feierte. Schon zu Auers Lebzeiten war das Haupt dieses großen Österreichers mit dem verdienten Lorbeer umwunden worden. Für die Nachwelt aber besteht die Verpflichtung, seinen Namen und die Kenntnis seiner Verdienste in alle Schichten des Volks dringen zu lassen, so wie ja auch seine Erfindungen allen zugute kamen. Die ,,Dr. Carl Auer-Welsbach-Gedächtnisstiftung“ hat es übernommen, das, was wir Auer schulden, zu erfüllen . 1 Für die Nutznießer aber von Auers Erfindungen in 1 Siebe Vorwort. 80 Dreizehnter Abschnitt. aller Welt ist es ein schönes Zeugnis, daß ihre Freigebigkeit es ermöglicht hat, dem großen österreichischen Gelehrten und Erfinder nun auch in Wien ein weithin ragendes Denkmal zu setzen. Der Entwurf zu diesem Denkmal, die gleich einer lodernden Flamme himmelan gereckte Figur eines Lichtbringers, ist ein Werk des Wiener Bildhauers Prof. Wilhelm Frass. In gleicher Weise aber wie am Sockel jenes Kunstwerks mögen am Ende dieses kleinen Buches als eines bescheideneren, literarischen Denkmals die Worte stehen, die Carl Auer von Welsbach zu seinem Wappenspruch erwählt hat und deren Erfüllung sein Lebenswerk gewidmet war: 1‘ LU S LUC I S. ! . Abb. 30. Wappen der Familie Auer von Welsbach. afls iU's lucft Quellen und Schrifttum. Dieser Nachweis macht, insbesondere für die größeren technischen Gebiete, wie das Gasglühlicht, die Osmiumlampe usw., keinen Anspruch auf Vollständigkeit ; er enthält nur die wichtigsten und für die vorliegende Arbeit benützten Veröffentlichungen. Für mündliche Mitteilungen schuldet der Verfasser besonderen Dank Herrn Baron Dr. Herbert Auer von Welsbach, dann den einstigen Mitarbeitern Auers, den Herren Generaldirektor Dr. Franz Fattinger, Direktor Ludwig Haitinger und Direktor Felix Kuschenitz, sowie ferner den Herren Dr. Hans Heger, Prof. Dr. Stefan Meyer und Dr. Gustav Raupenstrauch. Schriften von Alois Ritter Auer von Weesbach. Theoretisch-praktische französische Sprachlehre für (len öffentlichen, Privat- und Selbstunterricht. Nach einem ganz neuen Systeme bearbeitet. Linz 1839. Theoretisch-praktische italienische Sprachlehre für den öffentlichen, Privat- und Selbstunterricht. Nach einem ganz neuen Systeme bearbeitet. Linz 1840. Übersicht aller Regeln und Ausnahmen der französischen Sprache. Übersicht aller Regeln und Ausnahmen der italienischen Sprache. Sprachenhalle, oder das Vater-Unser in 608 Sprachen und Mundarten, mit lateinischen Typen, in 9 Tafeln. Wien 1844. Sprachenhalle, oder das Vater-Unser in 206 Sprachen und Mundarten, mit allen den Völkern eigenthümlichen Typen, in 8 Tafeln. Wien 1847. Grammatischer Atlas oder theoretisch-tabellarische Darstellung aller nach Stämmen geordneten Sprachen des Erdkreises. (Mitarbeiter.) 1864. Typenschau des gesamten Erdkreises, angefertigt in der k. k. Hof- und Staatsdruckerei im Jahre 1847. 10 Tafeln. Hiezu ein Stammbaum aller Alphabete des Erdkreises. 1848. Das Raumverhältnis der Buchstaben. 1849. Geschichte der k. k. Hof- und Staatsdruckerei in Wien. In 2 Theilen. I. Geschichte, II. Beschreibung. Mit Plänen etc. Wien 1851. Der polygraphische Apparat oder die verschiedenen Kunstfächer der k. k. Hof- und Staatsdruckerei zu Wien. Wien 1853. Mit vielen Abbildungen. Die Entdeckung des Naturselbstdruckes etc. Mit vielen Tafeln in 4 Sprachen: Deutsch, Italienisch, Englisch, Französisch. Wien 1854. Eigenthumsstreit bei neuen Erfindungen, besonders bei dem in der k. k. Hof- und Staatsdruckerei in Wien entdeckten Naturselbstdrucke. Wien 1853. Das Benehmen eines jungen Engländers namens Henry Bradbury etc. Wien 1854. Die Industrie-Ausstellungen von London, München, Paris bezüglich der k. k. Hof- und Staatsdruckerei. n Geschichte der Technik, II. 2. 82 Quellen und Schrifttum. Das sogenannte Deficit (?) der Hof- und Staatsdruckerei. Wien, 14. Februar 1852. Vortrag über den Typenschnitt fremder Alphabete bei der orientalischen Versammlung in Hessen-Darmstadt im October 1845. Leipzig. Mehrere Aufsätze in den Zeitschriften „Faust, Gutenberg, Kosmos, Robinson“. Einige Worte über die Aufstellung eines grammatischen Lehrgebäudes für alle verwandten Sprachen des Erdkreises. Einige Worte über die Veredlung der Presse, die Hebung des österreichischen Buchhandels und die Besserstellung der deutschen Autoren. Wien 1857. Beiträge zur Geschichte der i^uER. Wien 1862. Mein Dienstleben. Verkürzter Neudruck der vom Finanzministerium 1864 unterdrückten Originalausgabe. Im Aufträge des Sohnes des Verfassers herausgegeben und eingeleitet von I)r. Rudolf Payer-Thurn. Leipzig u. Wien 1923. H. Bradbury, Nature-Printing: its Origin and Objects. London 1856. C. R. v. Ettingshausen, Bericht über neuere Fortschritte in der Erfindung des Naturselbstdruckes. Wien 1863. Die k. k. Hof- und Staatsdruckerei, 1804—1904. Festschrift. Wien 1904. Alois Auer R. v. Welsbach, Ein Gedenkblatt, herausg. v. d. Stadtgemeinde Wels, 1913. (Verf.: F. Wiesinger, Wels.) Schriften von Dr. Carl Frh. Auer von Welsbach. Über die Erden des Gadolinits von Ytterby I. Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, 88. Bd. (1883), II, 332. Über die Erden des Gadolinits von Ytterby II. Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, 88. Bd. (1883), Ha, 1237 — 1251. Uber die seltenen Erden. Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, 90. Bd. (1884), 337. Die Zerlegung des Didyms in seine Elemente I. Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, 92. Bd. (1885), 317—330. Die Zerlegung des Didyms in seine Elemente II. Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, 112. Bd. (1903), 1037—1055. Die Zerlegung des Ytterbiums. Anzeiger der mathem.-naturw. Kl. d. Akad. d. Wiss., Wien, Jahrg. 1905, Nr. X. Bemerkungen über die Anwendung des Funkenspektrums bei Homogenitätsprüfungen. Lieben-Festschrift 1906, 720—728. Über die Elemente der Yttergruppe (I. Teil). Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, 115. Bd., Abt. IIb (1906), 737—747. Die Zerlegung des Ytterbiums in seine Elemente. Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, 116. Bd., Abt. Ilb (1907), 1425—1470. Zur Zerlegung des Ytterbiums. Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, 118. Bd., Abt. Ilb (1909), 507—512, und Beilage zur Abhandlung: Zur Zerlegung des Ytterbiums, anschließend I—VI. Zur Zerlegung des Ytterbiums. Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, 119. Bd., Abt. Ilb (1910), nach S. 988. Uber die chemische Untersuchung der Actinium enthaltenden Rückstände der Radiumgewinnung (I. Teil). Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, 119. Bd., Abt. II a (1910), 1011—1054. Notiz über die Elemente des Thuliums. Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, 120. Bd., Abt. Ilb (1911), 193—195. Die Zerlegung des Ytterbiums in seine Elemente. (Nachtrag.) Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, 122.1kl., Abt. Ilb (1913), 955—970. Spektroskopische Methoden der analytischen Chemie. Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, 131. Bd., Abt. Ilb (1922), 339. Über einige Versuche zur Auffindung des Elementes Nr. 61. Cheni. Ztg. 50 (1926), 990. Quellen und Schrifttum. 83 Über das Gasglühlicht. Vortrag, gehalten im N.-ö. Gewerbe verein. Wochenschrift d. N.-ö. Gew.-Ver., 1886. Zur Geschichte der Erfindung des Gasglühlichtes. Journal f. Gasbeleucht, u. W., 1901. Zur Geschichte der Metallfadenlampe. Elektrotechn. 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