Ferdinand Redtenbacher.
Von
Prof. Dr. Franz Schnabel, Heidelberg.
Mit 1 Abbildung.
Am 16. April 1938 waren 75 Jahre seit dem Tode des großen österreichischen Ingenieurs Ferdinand Redtenbacher vergangen. Aus diesem Anlaß geziemt es sich, daß die Ingenieure allüberall im deutschen Kulturgebiet sich dieses Deutschösterreichers erinnern, der aus der Geschichte der deutschen Technik und der deutschen Bildung nicht fortgedacht werden kann und in welchem, wie kaum in irgendeinem anderen Führer der Technik, die innere Einheit des gesamtdeutschen Lebens zum Ausdruck gekommen ist. Mit seinem Namen und seiner Leistung verknüpft sich eine der denkwürdigsten Stufen in der Geschichte der deutschen Technik. Er ist es gewesen, der als erster den Maschinenbau aus der Werkstätte des Handwerkers in das Studierzimmer des Gelehrten und in das Laboratorium der Hochschule verpflanzt hat und ihn so auf die geistigen Grundlagen stellte, ohne die wir uns den Maschineningenieur nicht mehr denken können. Mit Recht ist daher dieser große Österreicher und Deutsche auf dem Denkmal, das ihm seine in alle Weltteile gezogenen Schüler schon vor einem halben Jahrhundert im Ehrenhofe der Technischen Hochschule Karlsruhe errichtet haben, als der „Schöpfer des wissenschaftlichen Maschinenbaues“ bezeichnet.
Ferdinand Redtenbachers Leben umspannte das ganze Deutschland, das damals noch in viele Staaten zerfiel, aber doch als einheitliches Volkstum sich begreifen lernte. Er war am 25. Juli 1809 in Steyr als Sproß eines alten oberösterreichischen Gewerkengeschlechtes geboren. Als junger kaufmännischer Angestellter ersparte er sich die Mittel, um an der Technischen Hochschule und an der Universität in Wien zu studieren. Er kam dann als Lehrer an das Gewerbeinstitut in Zürich, und 1841 wurde er Professor an dem damaligen Polytechnikum in Karlsruhe, das durch ihn Weltruf erlangte. Denn er hat hier durch seine Arbeit in Hörsaal und Laboratorium und durch seine Bücher die wissenschaftlichen Prinzipien der Mechanik entwickelt und die Ausbildung der jungen Ingenieure nach wissenschaftlichen Grundsätzen aufgebaut, so- daß sein Vorbild maßgebend wurde für alle Technischen Hochschulen.
Es ist nicht zuviel gesagt, wenn man behauptet, daß die Wesensgestalt der deutschen technischen Hochschule auf ihn zurückgeht. Und wenn viele Menschenalter hindurch die Hochschulen Deutschlands von Studierenden aus aller Herren Ländern aufgesucht wmrden, so verdankten sie dies in erster Linie den Anregungen, die von diesem großen Lehrer und Ingenieur ausgegangen sind.