Geschichte der Donauregulierung bei Wien.
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hunderts als eine Leistungsprobe europäischer Technik ansehen. Denn schon seit dieser Zeit erregte die Frage auch das Interesse ausländischer Techniker und im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts kamen ihrer viele aus den Niederlanden, aus Frankreich und Italien nach Wien, um hier Studien und Projekte zu machen, wodurch ein für den Ausbau der Wasserbaukunst nutz- und fruchtbringender Austausch der Kenntnisse und Erfahrungen entstand.
Da die beständigen Veränderungen im Strombett bei Wien den Anlaß zu den Regulierungsversuchen gegeben haben, möchte ich sie in Kürze kennzeichnen. Der Steilrand, der sich von den Abhängen des Nußberges durch das Wiener Stadtgebiet bis zur St.-Marxer-Linie verfolgen läßt, läßt den Lauf erkennen, den der Strom in vorgeschichtlicher Zeit genommen hat. Es war ein wasserreicher schiffbarer Arm, wie der Umstand schließen läßt, daß man bei den Grabungen für den Bau der Salzgrieskaserne 1746 auf starke hölzerne Wehren gegen den Andrang des Wassers stieß. An einem Turm des Passauerhofs in der Nähe der Kirche Maria am Gestade sollen noch 1770 starke Eisenringe zum Befestigen der Fahrzeuge gesehen worden sein. Wohl noch in der Mitte des 12. Jahrhunderts dürfte der Donauarm seinen Lauf über den heutigen Salzgries genommen haben. In geschichtlicher Zeit läßt sich ein allmähliches Zurücktreten des Donaustroms vom Steilrande verfolgen, wodurch sich das Landschaftsbild veränderte. Der Strom suchte seinen Lauf mehr nach Norden von Wien weg in das Marchfeld zu verlegen. Während am linken Ufer infolge des heftigen Wasserandrangs Brüche und Risse entstanden, die zur Bildung neuer Arme führten, lagerte der Strom gegen das rechte Ufer zu infolge des geringeren Gefälls sein Gerolle und Geschiebe ab. Der Wasserreichtum des Stroms wandte sich den nördlichen Armen zu, während die südlichen bei Wien gelegenen zu versanden drohten. Diese Gefahr nun, die den Wiener Donauhandel in seinem Lebensnerv berührte, veranlaßte das Bestreben, dem Strom Fesseln anzulegen. Wien hatte ein Lebensinteresse daran, eine geregelte, auch von großen Handelsschiffen benutzbare Wasserverbindung bis unmittelbar an die Stadt zu erhalten. Aber auch militärisch- strategische Rücksichten waren hierbei wirksam, da in dem Wasserreichtum des bei der Stadt vorbeiziehenden Armes eine Verstärkung der Position Wiens gegen feindliche Bedrohungen lag.
Die technischen Mittel, deren man sich zu diesem Zweck bediente, waren verschiedener Art. Zu Baggerungen scheint man der Kostspieligkeit und der zeitlich beschränkten Wirkung wegen nicht sehr häufig und nur in der oberen Strecke des Wiener Donauarmes Zuflucht genommen zu haben; so wurden 1376 Baggerarbeiten unter Anwendung von Handbaggern, 1567 in größerem Maßstab vom Wasserbaumeister Hans Gasteiger, der aus München berufen worden war, mit der von ihm erfundenen Baggermaschine vorgenommen 1 . Einen dauernden Erfolg erhoffte man
1 Hans Gasteiger stammte aus Tirol und errang als Wasserbautechniker in Deutschland einen hervorragenden Ruf. Er war längere Zeit in Bayern tätig und wurde um die Mitte des 16. Jahrhunderts von Kaiser Ferdinand I. zur Durchführung großer Werke berufen: so zu einer Räumung des Donaubettes zwischen Wien und Krems von Schiffahrtshindernissen, zu einer Schiffbarmachung des Donauarmes nächst der Stadt Wien, sowie zu einer Wasserversorgung der neuen Wiener Festungswerke. Unter Maximilian II. baute er eine Wasserleitung von der Schwechat in das Lustschloß Laxenburg. Hierauf war er wieder mehrere Jahre an der Enns tätig. Er erbaute den von Ilieflau beginnenden