Edition TMW Von Bibergeil bis Theriak Apothekengefäße aus den Sammlungen des Technischen Museums Wien Mechthild Dubbi Von Bibergeil bis Theriak Apothekengefäße aus den Sammlungen des Technischen Museums Wien Titelseite: Vierkant-Apothekenflasche(Detail), Deutschland, 1747–1750 Rückseite(von li. nach re.): Apothekenkanne, verm. Frankreich, 18. Jh.; Albarello, Caltagirone(Sizilien), letztes Viertel 17. Jh.; Holzdose mit Deckel, unbekannt, 18./19. Jh.; Albarello mit Deckel, Paris, 1812–1820 Seite 4: Albarello(Detail), Alcora(Spanien), um 1730/40 Herausgeber: Technisches Museum Wien mit Österreichischer Mediathek Koordination: Barbara Hafok Autorin/Redaktion: Mechthild Dubbi Grafik: Ursula Emesz Fotografien: Gerhard Sedlaczek Lektorat: Philipp Rissel Druck: Fairdrucker GmbH, Wien 1. Auflage, 2014 Edition TMW Von Bibergeil bis Theriak Apothekengefäße aus den Sammlungen des Technischen Museums Wien Mechthild Dubbi Wien 2014 Vorwort Das Technische Museum Wien verfügt über eine einzigartige Objektsammlung, welche auf verschiedenen historischen Sammlungen basiert. Doch liegt es in der Natur der Sache, dass die Schausammlung des Museums aus Gründen des Platzangebots immer nur einen kleinen Teil dieser Bestände zeigen kann. Um dem abzuhelfen, präsentiert die Schriftenreihe „Edition TMW“ ausgewählte Sammlungsbestände im Gesamtüberblick sowie damit zusammenhängende Forschungen und Projekte des Hauses. Band 1 widmet sich„Apothekengefäßen“. Mit den„Apothekengefäßen“ wird eine Sammlung vorgestellt, die ebenso umfangreich und beeindruckend ist wie der Sammler prominent. Der für seine Sammelleidenschaft bekannte Erzherzog Franz Ferdinand hat mehr als 1300 der fragilen Apothekengefäße zusammengetragen. Im Jahr 1917, als das neu gegründete Technische Museum vor seiner Eröffnung stand, gelangten sie in dessen Sammlungsbestand. Wir freuen uns, diese kulturhistorischen Kostbarkeiten nun zum ersten Mal einer größeren Öffentlichkeit präsentieren zu können. Mein Dank gilt den Museumskolleginnen und-kollegen Mechthild Dubbi, Ursula Emesz, Peter Sedlaczek und Barbara Hafok für die Realisierung dieses Buchprojektes. Gabriele Zuna-Kratky Direktorin Technisches Museum Wien Inhalt 9 Prolog 11 Einleitung „… eine besondere Zierde des Technischen Museums“ – Die Geschichte einer Sammlung 23 Außenansicht: Werkstoff, Form, Design 25 Holz 25 Holzdosen – Die„Archaischen“ 28 Keramik 28 Albarelli – Die„Klassischen“ 32 Castelli, oder das Dorf der Keramiken 35 Die„wulstigen Italiener“ 38 „Eierstab“ oder„Zungenband“ 40 Rosen und Co. aus Lodi 42 Von Pfauen und Engerln 46 Typisch französisch 48 Die„Wiener“ 50 Die„Deutschen“ 53 Chevretten 58 Glas 58 Milchglas alias Porzellanglas 60 Glasflaschen – Die„bunten Deutschen“ 65 Das„Nönnchen“ 67 Kaltgemalte Schönheiten 71 Innenansicht: Inhaltsstoffe 73 „Kuriose“ Inhalte 80 Rezept„Mannasirup“ 82 Alchemie – Pharmazie – Kosmetika 82 Alchemie und Pharmazie 85 Rezept„Räucherpulver“ 88 Pharmazie und Kosmetika 94 Rezept„Zahnpulver“ 97 Objekte erzählen Geschichte(n) 97 Datierung, Provenienz, Kaufpreis 105 Die„Mohren“ 108 Was Papieraufkleber verraten 114 Manische Sammelleidenschaft und„Kunstverstand“ 114 „Bevi Cara“ 117 Die„Phantasievollen“ 121 Glossar 122 Abbildungen 149 Quellen und Literatur 151 Dank 8 Prolog 9 Juli 1917: Mitten im Ersten Weltkrieg bringt ein Regionalzug eine Waggonladung mit 29 Kisten„altertümlicher Glas- und Porzellangefäße“ von Salzburg nach Wien. Absender der kostbaren Fracht ist die Krupp’sche Gutsverwaltung des Schlosses Blühnbach, das etwa 50 Kilometer südlich von Salzburg liegt. Der Großindustrielle Arthur Krupp aus Berndorf(NÖ), Vorsitzender im Kuratorium des neu gegründeten Technischen Museums für Industrie und Gewerbe in Wien, macht dem Museum seine Apothekengefäße-Sammlung zum Geschenk. Erst rund 100 Jahre später bringen Recherchen Erstaunliches zu Tage. Der Sammler, der einen beachtlichen Bestand von mehr als 1300 Apothekengefäßen zusammengetragen hatte, ist niemand Geringerer als Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este. Bis zu seiner Ermordung am 28. Juni 1914 in Sarajewo war das Jagdschloss Blühnbach eines der erzherzoglichen Domizile, bevor es in den Besitz Arthur Krupps überging. Mit der vorliegenden Publikation soll die bisher nahezu unbekannte Sammlung nun zum ersten Mal einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die Stücke aus dem Zeitraum von ca. 1675 bis um 1825 erteilen Auskunft sowohl zu Gefäßformen, Werkstoffen und regionalen Designs, als auch zu Produktionstechniken und Inhaltsstoffen. Außerdem wohnt manchem Apothekengefäß eine Erzählung inne, die von seinem Marktwert, dem ursprünglichen Verwendungsort, aber auch von manischer Sammelleidenschaft und mangelndem Kunstverstand zeugt. Somit bietet sich im Gedenkjahr 2014 auch die Gelegenheit, die Person des habsburgischen Thronfolgers unter einem weniger bekannten, sehr privaten Aspekt zu zeigen. Insgesamt versteht sich das Buch nicht als Katalog einer Sammlung. Vielmehr wurde versucht, den Objektbestand unter den verschiedensten Aspekten zu beleuchten und diese der Leserschaft in Form von Geschichten nahezubringen. 2 Einleitung „… eine besondere Zierde des Technischen Museums“ – Die Geschichte einer Sammlung 11 Eine Spurensuche Ein scheinbar unlösbarer Fall, diese Gründungssammlung des Technischen Museums, die bei der Aufarbeitung eine Reihe von Fragen aufwarf. Die zum Teil kryptischen Hinweise in den Frühakten des Museums und andere Ungereimtheiten machten neugierig und regten dazu an, sich mit der Provenienz dieser Sammlung näher zu beschäftigen. Denn seit rund hundert Jahren wird innerhalb des Hauses hartnäckig tradiert, Arthur Krupp – Herrenhausmitglied, Großindustrieller in Berndorf und Vorsitzender des Museums-Kuratoriums – habe„seine“ umfangreiche Kollektion alter Apothekengefäße dem in Gründung befindlichen Technischen Museum für Industrie und Gewerbe in Wien im Jahre 1917 zum Geschenk gemacht; und seit ebenso langer Zeit ist die Rede von der„Sammlung Krupp“. Am Beginn der Spurensuche, die letztendlich eine(Teil-)Rekonstruktion der Sammlungsgeschichte erlaubte, stand eine Anzahl widersprüchlicher Angaben: Die Inventarnummern in den im Museum vorhandenen Verzeichnissen entsprechen nicht jenen an den Objekten, und die Nummern auf den Objekten lassen sich in keiner dieser ursprünglichen Aufstellungen finden. Zudem sind die verschiedenen Listen nicht kongruent, und die Stückzahlen der unterschiedlichen Aufzeichnungen stimmen nicht überein. Außerdem wurde die Sammlung bereits 1917 geteilt und unter zwei getrennten Nummernkreisen inventarisiert. Warum? Doch der Reihe nach. 12 Die Sammlung Eine erste Erwähnung – nicht mehr als eine Anspielung – der Apothekengefäße-Sammlung datiert vom 20. Jänner 1916. Damals schrieb Ludwig Erhard, der Direktor des neuen Technischen Museums, an Arthur Krupp in Berndorf mit Bezug„auf den seinerzeitigen liebenswürdigen Hinweis auf eine allfällige Bereicherung des Sammlungsbestandes für die alte Apotheke im T.M.“. Einige Wochen später folgte ein weiteres Schreiben, diesmal bereits mit konkreteren Anhaltspunkten. Mit Freude und Genugtuung habe man das großzügige Geschenk zur Kenntnis genommen, das eine besondere Zierde des Museums zu werden verspreche. Und man versichere, dass dem geschätzten Wunsche Krupps gemäß die Angelegenheit bis zur endgültigen Aufstellung im Museum geheim gehalten werde. Wozu diese mysteriöse Geheimhaltung? 1 Fo H to is g to ra ri f s ie c , h 1 e 9 s 8 E 3 nsemble„Alte Apotheke“ im Technischen Museum Wien, TMW-Archiv, FA-034469 13 Die Sammlung alter Apothekengefäße, um die es in dieser Korrespondenz ging, befand sich in dem etwa 50 Kilometer südlich von Salzburg – zwischen Hagengebirge und Hochkönigmassiv – gelegenen Schloss Blühnbach. Die Pläne, eine alte Apotheke im neuen Museum aufzustellen, nahmen immer deutlichere Formen an. Am 27. Mai 1916 fand ein Ortstermin in Blühnbach statt, bei welchem Mitarbeiter des Technischen Museums die Objekte besichtigten und deren Abmessungen erhoben, um die Ausstattung des Museumsraumes dem„Charakter der Schaustücke“ anzupassen. Bis zum Sommer 1917 waren trotz der herrschenden Kriegsumstände alle notwendigen Arbeiten durchgeführt und alle Vorbereitungen getroffen, um die Sammlung nach Wien zu holen. Nachdem man von einem Transport per Möbelwagen Abstand genommen hatte, wurde eine Transportversicherung für die per Bahn beförderte„Waggonsendung mit altertüml. Glas- u. Porzellangefäßen“ abgeschlossen. Es befremdet ein wenig, dass die Fracht auf „Eisenbahnunfälle, Einflüsse durch höhere Gewalt, Feuer u. Diebstahl, exkl. Bruch“ versichert war. Jedenfalls ersparte man sich auf diesem Wege eine höhere Versicherungsprämie. Es ist erstaunlich, welche Kräfte – auch männliche Arbeitskräfte – sich mitten im Ersten Weltkrieg mobilisieren ließen. Da wurde eigens ein Packer der renommierten Glasfirma Lobmeyr aus Wien angefordert, der gemeinsam mit einem Mitarbeiter des Technischen Museums das Verpacken der fragilen Fracht übernahm. Zwischen dem 15. und 22. Juli 1917 wurde die Sammlung verpackt, in ein Verzeichnis aufgenommen und am nächsten Tag per Bahn auf den Weg gebracht: 29 Kisten mit insgesamt 1334 Stücken. Und Arthur Krupp zahlte alles wie Frachtgebühren und Verpflegung der Packer. Noch bevor der Transport in Wien eintraf, suchte das Museum bei der Krupp’schen Gutsverwaltung in Blühnbach bereits an, aus dem vorhandenen Inventar eine Abschrift machen zu lassen, woraus allenfalls vorhandene Angaben über die Herkunft, Verwendungsart und Datierung der einzelnen Stücke zu entnehmen wären. Der dortige Forstmeister und Verwalter Karl Nölscher erteilte am 30. Juli 1917 die Auskunft, in den Inventarverzeichnissen seien durchwegs für die nach dort gesandten Apothekengefäße jeweils die Adresse des Antiquitätenhändlers, der Ort, wo die betreffenden Gegenstände gekauft, und der Preis, um welchen sie erstanden wurden, verzeichnet. Und er fragte an, ob das Museum an diesen dürftigen und den gestellten Wünschen kaum entsprechenden Daten interessiert sei. Zunächst zeigte das Museum kein Interesse, um dann 14 Tage später doch um einen Auszug aus dem Inventarverzeichnis zu ersuchen. 14 Daraufhin unterzog sich der Verwalter Nölscher der Mühe, aus den AltInventaren die Ankaufsorte der Gefäße herauszuschreiben. Rund sechs Wochen später übermittelte er dem Museum den gewünschten„Ausweis“ mit den bemerkenswerten Sätzen: „Ich konnte nur von einem Teil der Gefässe den Ankaufsort – der Herkunftsort ist nicht bekannt – angeben, weil von jenen Gefässen, welche aus dem Inventar nach weiland Sr. k. u. k. Hoheit, dem Durchl. Herrn Erzherzog Franz Ferdinand stammen, gar keine Daten zur Verfügung stehen. Die im Ausweise angeführten Nummern sind auf den Gefässen in roter Farbe angebracht.“ Hier kommt zum ersten Mal Erzherzog Franz Ferdinand, der in Sarajewo ermordete habsburgische Thronfolger, ins Spiel. Nun, auf den Gefäßen befinden sich keine„roten Nummern“, dafür trägt rund die Hälfte der Objekte Papieraufkleber mit gedruckten schwarzen Zahlen und dem handschriftlichen Vermerk„B.B.“, ganz offensichtlich ein Hinweis auf Blühnbach. Diese „schwarzen Nummern“ wiederum lassen sich in keinem der im Technischen Museum vorhandenen Verzeichnisse finden. Handelt es sich um zwei verschiedene Sammlungen, die da aus Blühnbach gekommen waren? Und demnach auch um zwei unterschiedliche Inventare? Welche Rolle spielt Arthur Krupp und welche Erzherzog Franz Ferdinand? Der Mäzen – Arthur Krupp Die weiteren Recherchen brachten Erstaunliches zu Tage. Arthur Krupp hatte Anfang 1916 offenbar allen Grund gehabt,„seine“ in Aussicht gestellte großzügige Schenkung zu diesem Zeitpunkt nicht publik zu machen. Denn die so generös zur Verfügung gestellte Sammlung gehörte ihm vermutlich nicht – noch nicht. Die Spurensuche führte nun weiter ins Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv. Dort wird man zu allen Belangen fündig, die den kaiserlichen Hof und die kaiserliche Familie betreffen. So auch in Sachen Blühnbach. Das „Allerhöchste Familienfondsgut Blühnbach“ war 1908 auf Betreiben Franz Ferdinands vom kaiserlichen Privat- und Familienfonds erworben und dem Erzherzog zur alleinigen Nutzung übertragen worden. Nach der Ermordung des Thronfolgers 1914 stand es zur Disposition. Der Familienfonds unternahm Anstrengungen, sich des ungeliebten Gutes, das anstatt Erträge abzuwerfen Unsummen an Aufwendungen verschlungen hatte, zu entle- 15 digen. Zu Beginn des Jahres 1916 gab es drei Kaufinteressenten für die Blühnbach-Immobilie. Neben illustren Namen wie dem Fürsten Karl Auersperg und dem königlich-preußischen geheimen Kommerzienrat Friedrich von Friedländer-Fuld galt Arthur Krupp als ernsthaftester Bewerber. Mit dem Pachtvertrag für das umfangreiche Jagdgebiet einschließlich des Schlosses und aller Einrichtungen für einen jährlichen Zins von 170.000 Kronen erwarb er im April 1916 auch eine Kaufoption. Zum Zeitpunkt der angekündigten Schenkung der Apothekengefäße-Sammlung, die sich im Schloss Blühnbach befand, hatte Krupp lediglich das Nutzungsrecht, von einem Besitz konnte noch nicht die Rede sein. Am 14. November 1916 kam der„Verkauf- und Kaufvertrag“ zustande, der den Blühnbach-Besitz einschließlich der gesamten mobiliaren Einrichtung des Schlosses umfasste. 6.025.000 Kronen, die bei Vertragsabschluss bereits bar bezahlt waren, ließ sich Arthur Krupp den Erwerb kosten. Diese Kaufsumme deckte die mehr als 5,8 Millionen Kronen an Aufwendungen, die der kaiserliche Familienfonds seit 1908 in das Gut investiert hatte. So groß war die Erleichterung, sich der Immobilie ohne Verluste entledigt zu haben, dass der oben bereits erwähnte Oberförster Karl Nölscher, inzwischen Gutsleiter der Krupp’schen Gutsverwaltung Blühnbach, im März 1917 von Kaiser Karl„in Anerkennung seiner vorzüglichen Dienstleistungen“ hinsichtlich der Verwirklichung des Verkaufs mit dem Goldenen Verdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Dem Großindustriellen Arthur Krupp lassen sich gewiss viele Verdienste zuschreiben, als(Kunst-)Sammler ist er jedoch nicht in Erscheinung getreten. So stand zu vermuten, dass er die Apothekengefäße im Schloss Blühnbach bereits vorfand. Nachdem er das gesamte Areal rechtmäßig erworben hatte, gehörte die Sammlung, die er dem Technischen Museum zum Geschenk machte, tatsächlich ihm. Der Sammler – Franz Ferdinand Erzherzog Franz Ferdinand dagegen war ein nahezu manischer Sammler, der im Laufe seines Lebens umfangreiche und beeindruckende Bestände zusammengetragen hat. In dem uns hier interessierenden Zusammenhang schreibt ein Zeit- und Augenzeuge, der in Sarajewo stationierte k. u. k. Offizier Ferdinand Fauland, in seinen Lebenserinnerungen mit dem Titel „Vorwiegend heiter“ die aufschlussreichen Sätze: 16 „Am Nachmittag war das hohe Paar inkognito, wie man so sagt, und doch aller Welt bekannt, in der Stadt gewesen, um in der Czarzsija, dem orientalischen Basar, Einkäufe zu besorgen. Einige schöne Kindertrachten für die beiden Buben und das Mäderl, die im fernen Konopischt auf die Rückkehr der Eltern warteten, etliche fein ziselierte Waffen, Gefäße und schöne Kupfertreibarbeiten für sich selber als Erinnerung an die Reise.“ Bemerkenswert ist diese Aussage deshalb, weil sich diese Begebenheit am 27. Juni 1914 in Sarajewo zutrug. Am Vortag des Attentats, in einem bereits äußerst angespannten politischen Klima, hatte es sich Franz Ferdinand nicht versagen können, seiner Sammlerleidenschaft nachzugehen – und unter anderem auch„Gefäße“ erworben, die sich möglicherweise in der hier zur Diskussion stehenden Sammlung befinden. Fauland überliefert uns diese Geschichte aus erster Hand, denn er war einer der Offiziere, die den Erzherzog im Basar„schützend zu umgeben hatten“, wie er schreibt. 2 An E s r i z c h h e ts rz k o a g rte T , h 1 r 9 o 1 n 4 folger Franz Ferdinand TMW-Archiv, BPA-016234 17 Das Inventar – Schloss Blühnbach Die Ermordung Franz Ferdinands zwang zu einer Bestandsaufnahme seiner zahlreichen Liegenschaften. Der beeindruckende Bestand an Verlassenschaftsakten im Haus-, Hof- und Staatsarchiv zeugt von dem Unterfangen, den umfangreichen Nachlass zu ordnen. 15 Kartons spannender Unterlagen warten unter dem Stichwort„Obersthofmarschallamt, Franz Ferdinand“ auf den Archivbenutzer und gewähren interessante Einblicke in das glamouröse Leben des Erzherzogs. Neben den Erhebungen für die Schlösser Eckartsau, Artstetten, Lölling, Belvedere, Chlumetz und Konopischt wurde auch für das Jagdschloss Blühnbach ein Inventar angefertigt, in dem akribisch jeder Gegenstand verzeichnet ist. Zwar befand sich das Schloss selbst in den Händen des kaiserlichen Familienfonds, doch gehörten die Einrichtungsgegenstände in den Besitz des Erzherzogs. Neben anderen Verzeichnissen – über Teppiche, Münzen, Gemälde usw. – wurde unter dem Titel„Inventur und Schätzung Blühnbach“ das„III. Teil-Inventar über die in die Verlassenschaft gehörigen Mobilien in Blühnbach“ verfasst, aufgenommen vom Obersthofmarschallamt in der Zeit vom 8. bis 17. November 1914. Das 227 Seiten umfassende Inventarverzeichnis, das am 19. Jänner 1915 in maschinschriftlicher Form vorlag, enthält 4171 Inventarnummern, unter denen sich jedoch zum Teil größere – im Anhang des Verzeichnisses näher erläuterte – Konvolute befinden, sodass die Gesamtzahl der Objekte wesentlich höher liegt. Der vom Kunstschätzer August Bittner veranschlagte Schätzwert für die Gesamteinrichtung belief sich auf 336.431 Kronen und 70 Heller. Die für unsere Spurensuche relevanten Einträge sind unter den folgenden Inventarnummern zu finden: „Post-No. 3150, 300 Stück keramische Apothekengefässe Post-No. 3151, 211 Stück Apothekengefässe aus Glas, 3 Apothekengefässe aus Zinn Post-No. 3152, 44 Apothekengefässe aus Holz Post-No. 3153, 23 Reibti[e]gel aus Stein Siehe Anhang Schätzwert 8000,- Kronen“ 18 3 An J s a i g ch d t s s c k h a l r o te ss , Blühnbach 1938–1941 TMW-Archiv, BPA-016233 Die Gefäße waren im dritten Stock des Schlosses im Gang aufgestellt. Der Anhang des Verzeichnisses gibt noch einmal dezidiert Auskunft über diese Objekte: „Grosse Sammlung von Apothekengefässen des 16.- 19. Jahrhunderts, österreichischen, deutschen, italienischen, französischen, belgischen und spanischen Ursprungs. Vertreten sind alle Stilgattungen, besonders schöne Empireformen; die verschiedensten Gefässformen, wie typische Albarelli, Töpfe[,] Krüge, Kannen, Vasen, Näpfe, Dosen[,] Schalen, teils mit und ohne Deckel, Henkel, Ausguss, mit Malerei, besonder[s] in blau, rosa und braun, Ranken- und Blattornamenten, Schriftbändern und pharmazeutischen[I] nschriften, Signaturen, Wappenschildern z. B. dem Rautenschild und datiert Dresden 1716, oder Potsdam F.R., dem Altwiener blauen Bi[n]denschild, italienischen Werkstättemarken, alle Arten von Keramik, wie: Majoliken, Fayencen, Porzellan, Steingut, Ton, ferner Glas, Zinn, Holz und Stein.“ Die Summe der im„Blühnbach-Inventar“ verzeichneten Gefäße ergibt 581 Stück. Konzediert man, dass im Verzeichnis hier und da noch weitere Einzelstücke aufgelistet sind, die sich möglicherweise auf den ersten Blick nicht 19 als Apothekengefäße zu erkennen geben, so dürfte die Gesamtzahl jedoch 650 Gefäße nicht überschreiten. Woher stammte der Rest von rund 700 Stück, die auf die 1334 Objekte fehlen, welche in einer Gesamtlieferung im Juli 1917 nach Wien transportiert wurden? Hatten die restlichen Gefäße sich möglicherweise früher in einer anderen erzherzoglichen Residenz befunden? Doch warum hätte man sie mitten im Krieg zunächst nach Blühnbach bringen sollen? Alle weiteren Inventare ergaben dazu keinen Befund. Arthur Krupp – doch ein Sammler, der zufällig die gleichen Sammlungsinteressen wie Franz Ferdinand teilte? Ein eher abwegiger Gedanke. Die Lösung – Der Hofburgbau Erst ein weiterer Blick in das Ende 1914 in Blühnbach aufgenommene Inventarverzeichnis brachte die Lösung des Rätsels. Denn dem oben genannten maschinschriftlichen„Blühnbach-Inventar“, das dem Schätzmeister für die Erhebung der Gesamtsumme zur Verfügung stand, ist ein zweites Inventar angeschlossen, eine – ebenfalls maschinschriftliche – Durchschrift, die auf den ersten Blick wie eine Rohfassung aussieht und sich auf den zweiten Blick auch als solche erweist. Nur: Diese Erst- oder Rohfassung enthält alle verzeichneten Gegenstände, die in Blühnbach aufgefunden wurden, wohingegen das„Blühnbach-Inventar-und-Schätz-Verzeichnis“ eine bereinigte Version darstellt, die nur die Gegenstände aus der Verlassenschaft, d. h. dem Privatbesitz des Erzherzogs, beinhaltet. Klingt kompliziert und ist es auch. Das„Gesamtverzeichnis Blühnbach“ trägt in roter Tinte den entscheidenden Hinweis:„Die roten Nummern sind Eigentum des Stadterweiterungsfonds(Hofburgbau).“ Der Wiener Stadterweiterungsfonds(STEF) wurde 1858 im Zuge der Schleifung der Stadtmauern und der Verbauung des vorgelagerten Glacis gegründet und untersteht bis heute dem Innenministerium. Der Wiener Hofburgbau und die 1906 für diesen ins Leben gerufene Antiquitätensammlung fielen in seinen Zuständigkeitsbereich. Die komplette Apothekengefäße-Sammlung, die im dritten Stock des Schlosses aufgefunden wurde, umfasste 1554 Stücke, von denen 581 dem Privatbesitz des Erzherzogs und 869 dem Hofburgbau zugeschrieben wurden. Die restlichen 104 Gefäße stammten aus der Hofapotheke Wien. Zu den Ungereimtheiten der Sammlungsgeschichte gehört auch die Tatsache, dass die hier verzeichneten Stückzahlen nicht mit den im Jahr 1917 nach Wien geschickten übereinstimmen. 20 Eines steht jedoch fest: Wenn Oberförster Nölscher vom Inventar des Erzherzogs sprach(zu dem gar keine Daten zur Verfügung standen), dann meinte er das„Schätzverzeichnis Blühnbach“ mit der Auflistung des Privatbesitzes, wogegen das Inventar, aus dem er die„roten Nummern“ und Ankaufsorte herausgeschrieben hatte, offenbar das„HofburgbauInventar“ war. Die Suche nach diesem„Hofburgbau-Inventar“ blieb leider ergebnislos. Dagegen brachten die Recherchen ein weiteres Verzeichnis und gleichzeitig einen bemerkenswerten Fund zu Tage, ein Inventar aller aus den Sammlungen des Hofburgbaus nach Blühnbach entsandten Antiquitäten. Die dort verzeichneten Inventarnummern stimmen genau mit den „schwarzen Nummern“ auf den Papieraufklebern überein. Demnach hatte man jeden nach Blühnbach gesandten Gegenstand handschriftlich mit „B.B.“ gekennzeichnet. Damit ist die Vermutung, bei diesen Papieretiketten handle es sich um die sogenannten„Krupp-Nummern“, eindeutig widerlegt. Franz Ferdinand hatte, seit die Antiquitätensammlungen des Hofburgbaus im März 1906 ins Leben gerufen worden waren, immer wieder umfangreiche Bestände für seine Schlösser entnommen, ohne die Kosten abzugelten. Die Rechnung wurde nach seinem Ableben dem kaiserlichen Privat- und Familienfond präsentiert. Dieser musste nicht nur 360.500 Kronen für„die in die Verlassenschaft gehörigen Mobilien in Blühnbach“ an die Erben zahlen, sondern auch die aus den Sammlungen des Stadterweiterungsfonds entnommenen Antiquitäten mit 179.600 Kronen ablösen. Durch diese Ablösezahlungen gingen auch die Sammlungen der Apothekengefäße aus dem Nachlass Franz Ferdinands und aus dem Besitz des Stadterweiterungsfonds in das Eigentum des kaiserlichen Familienfonds über und waren daher Bestandteil des Kaufvertrags von Arthur Krupp. Mit dem Erwerb des Schlosses Blühnbach erwarb Krupp somit auch die Apothekengefäße-Sammlung. Schlussbemerkungen Einige Fragen müssen offenbleiben: Warum kaufte Franz Ferdinand etwa die Hälfte der Gefäße auf eigene Kosten und die andere Hälfte aus dem Stadterweiterungs- bzw. Hofburgbaufonds? Die Gefäße der Sammlung(en) zeigen jedenfalls keine ersichtlichen Unterschiede. Warum wurden nicht die offiziellen Inventarnummern der Papieraufkleber beim Verpacken der 21 Gefäße in ein Verzeichnis aufgenommen? Was hat es mit den von Karl Nölscher erwähnten„roten Nummern“ auf sich? Wurden diese von den Gefäßen entfernt, um jede Verbindung zum Thronfolger auszuschließen? Was war dem Technischen Museum über die Entstehungsgeschichte der Sammlung bekannt? Vermutlich hatte man andere Sorgen, als sich auf Spurensuche zu begeben: Es war Krieg, das Personal war knapp, und das Museum stand kurz vor der Eröffnung, die am 6. Mai 1918 stattfand. Die Sammlung wurde geteilt und mit zwei getrennten Nummernkreisen inventarisiert. Bereits bei dieser Teilung der Sammlung sind nicht nachvollziehbare Fehler unterlaufen. Die beiden Nummernkreise des Museums sind nicht zur Gänze mit den ursprünglichen Teilsammlungen kongruent. Der aus der Hofburg stammende Teil wurde zur„Sammlung Krupp“, der aus der Verlassenschaft Franz Ferdinands stammende Teil zur„Sammlung diverser Apothekengefäße“. Das ist der Status quo – bis heute. Eine der Teilsammlungen, die sog. Sammlung Krupp, wurde 2003 wissenschaftlich aufgearbeitet. Im Zuge des Projektes und der aufgeworfenen Fragen wurde anschließend die komplette Sammlung neu geordnet, digitalisiert und im Jahr 2006 als Studiensammlung neu aufgestellt. Ein letzter Hinweis auf den Erzherzog wurde in einem Schreiben des Museums an die Arthur Krupp’sche Gutsverwaltung Blühnbach vom 9. Oktober 1917 getilgt. Das Briefkonzept zeigt dies eindeutig, da der entsprechende Passus gestrichen wurde. „Die unterzeichnete Di[rekti]on beehrt sich für die freundl. Bekanntgabe des Ankaufsortes für die verschiedenen übersandte Apothekergefässen aus dem Nachlass weiland Sr. K. u. k. Hoheit dem Durchlauchtigsten Herrn Erzherzog Franz Ferdinand verbindl. zu danken. M.[it] v.[orzüglicher] H.[ochachtung] … L[udwig] E[rhard] 9.X.17“ Das Verdienst Arthur Krupps soll nicht geschmälert werden. Neben anderen Objekten, die er dem neuen Technischen Museum für Industrie und Gewerbe in Wien spendete, war auch die Apothekengefäße-Sammlung ein generöses Geschenk, immerhin im Wert von 15.000 bis 20.000 Kronen. Darüber hinaus finanzierte Krupp mit dem Nachbau einer barocken Apotheke auch den entsprechend würdigen Rahmen, in dem diese beeindruckende Sammlung präsentiert werden konnte. Die Hoffnungen der Museumsgründer erfüllten sich. Das Ensemble„Alte Apothe€s. 2 Außenansicht Werkstoff, Form, Design 23 Der Stoff, aus dem die Gefäße sind Holzdosen, vornehmlich aus Linden- oder Buchsbaumholz, gehören zu den ältesten Aufbewahrungsbehältern für Arzneimittel und Pflanzendrogen, da sie den Geruch und Geschmack von Gewürzen, Samen und Kräutern nicht beeinträchtigen. Glasierte Keramiken aus dem arabischen Raum erreichten zunächst Spanien. Die spanisch-maurischen Produkte wiederum gelangten über die Insel Mallorca nach Italien, vor allem nach Faenza. Mallorca gab der „Majolika“ ihren Namen, von Faenza leitet sich die„Fayence“ ab. Das Porzellan mit seiner höheren Reinheit, Härte und Säurefestigkeit begann gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Majolika/Fayence aus den Apotheken zu verdrängen. Zunehmende Konkurrenz erhielt die Keramik ab dem 17. Jahrhundert auch durch den Werkstoff Glas. Milchglas dagegen täuschte das kostbarere Porzellan nur auf den ersten Blick vor; es wurde auch Porzellanglas genannt. Maßgeschneidert Apothekengefäße boten für ihre vielfältigen Inhalte maßgeschneiderte Formen. Holzdosen waren besonders geeignet für trockene Vorräte wie Gewürze, Pflanzenteile, Samen, Pulver, Kräuter oder Globuli(kleine Kugeln). Der Albarello war über Jahrhunderte das Apothekengefäß schlechthin: hoch, schlank, zylindrisch, leicht tailliert oder doppelt gewulstet, mit Standfuß und Hals. Die handliche, besonders für Salben geeignete Form erlaubte Verschlüsse aus Pergament, Stoff oder Leder zum Zubinden. 24 Bauchige Kannen mit Ausgusstülle und(meistens) mit Henkel wurden vor allem für die Aufbewahrung von Sirupen, Honig und Ölen verwendet. Daher stammt auch der Name„Sirupkanne“. Vierkant-Glasflaschen mit engem Hals waren für Essenzen, Tinkturen, Wässer, Elixiere, Öle und andere Flüssigkeiten bestimmt. Weithals-Vierkantgläser nahmen feste, dickflüssige oder pulverige Substanzen auf. Typisch! Viele Apothekengefäße können ihre regionale Herkunft nicht verleugnen. Die Spanier sind vorwiegend mit hohen, schlanken, taillierten Gefäßen vertreten. Damit stellen sie die meisten„Klassiker“ der Sammlung. Die Italiener führten in der Barockzeit rundere und bauchigere Formen ein. Charakteristisch ist der doppelt gewulstete zylindrische Gefäßkörper mit weiter Mündungsöffnung und umlaufendem Beschriftungsband. Die Holländer und Belgier, allen voran Delft, versuchten mit ihren blauen Bemalungen das teure chinesische Porzellan zu imitieren. Typische Motive sind Pfauen, Engel und Masken. Die Pariser und Wiener punkten mit der Eleganz ihrer Porzellangefäße: schlichte zylindrische Form mit oder ohne Ausgussschnabel, hochgezogene Deckel, runde oder spitz zulaufende Knöpfe. Die Deutschen trieben es mit ihren Glasgefäßen am buntesten. Denn nirgendwo sonst erzeugte man eine solche Fülle leuchtender Emailmalereien wie in den Glashütten in Thüringen und Sachsen. Holz Holzdosen – Die„Archaischen“ 25 Dose kommt von„dosis“, der griechischen Bezeichnung für Menge oder auch für Arzneigabe. Kleine Dosen(Mengen) wurden in kleinen Dosen (Behältern) aufbewahrt oder an Patienten abgegeben. Und Büchse kommt von Buchs(baum), waren doch die frühesten Arzneigefäße vornehmlich aus Buchsbaum- oder Lindenholz gefertigt. Damit gehören Holzdosen oder -büchsen zu den ältesten Aufbewahrungsbehältern für Arzneimittel und Pflanzendrogen überhaupt. Bereits im Jahre 1532 empfiehlt ein Kräuterbuch, Blumen und wohlriechende Kräuter in Behältern aus Lindenholz aufzubewahren, damit sie ihren Geschmack behalten und nicht ersticken. Holzbüchsen waren besonders geeignet, kleinere Mengen an trockenen Vorräten wie Gewürze, Pflanzenteile, Samen, Pulver, Kräuter oder auch Globuli aufzunehmen. Größere Mengen wurden in Holzladen oder Drogenbehältern aufbewahrt. Da es sich hierbei meistens um Vorratshaltung handelte, fristeten viele Holzgefäße ein unbeachtetes Schattendasein in den Kräuter- und Materialkammern der Apotheken. Nur die Büchsen, die in der Offizin, also im Verkaufsraum, aufgestellt wurden, waren farbig dekoriert, um sich in die Farbenpracht der bemalten Glas- und Keramikgefäße harmonisch einzufügen. Die beiden zylindrischen gedrechselten Holzdosen mit eingepasstem, flachem Deckel(Abb. 4) stammen vermutlich aus Deutschland, aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts. Die Bemalung der Schauseite erfolgte mit Ölfarben. Das querovale Beschriftungsfeld ist einmal von einer Kartusche mit einem muschelartigen Abschluss und einmal von einem Lorbeerkranz umgeben. Beide Bemalungen zeigen im oberen Teil eine Schleife mit abflatternden Bändern. Die konischen Holzdosen mit gedrechseltem Standfuß(Abb. 5) stammen möglicherweise aus Österreich, aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Namenskartuschen sind von vergoldeten Rocaillen umgeben, an Fuß und Abschluss befinden sich Ringe in Rot und Gold. Vermutlich waren die Dosen ursprünglich blau-weiß marmoriert und wurden später übermalt. Ohne auf jedes einzelne Objekt näher einzugehen, vermitteln allein die weiteren Abbildungen einen Überblick über die Vielfalt an Formen und 26 Designs der in der Sammlung befindlichen Holzdosen(Abb. 6). Die meisten sind unbekannter Provenienz, dürften jedoch zum Großteil aus dem 18. Jahrhundert stammen und dem deutschsprachigen Raum zuzuschreiben sein. 4 VeZrWm.EDI HeuOtsLcZhDlaOnSdE, Nle,tzIntev.sNVr.ie1r1te3l2128/2. 1J0h,. 213 5 VeVrmIE.RÖHsOteLrZreDicOhS, EeNrst,eInHv.äNlfrt.e111382. 2Jh/1.09, 111, 203, 208 27 Inv.Nr. 11336/112, 246, 111 Inv.Nr. 11336/117, 101, 113, 408 6 VeZrEmH. NDeHuOtsLcZhDlaOndS/EÖNsterreich, 18./19.Jh. Inv.Nr. 11336/248, 249, 605 28 Keramik Albarelli – Die„Klassischen“ Vom Bambusrohr zum Apothekengefäß? Die Herkunft des Namens„Albarello“ für Apothekentöpfe ist nicht eindeutig geklärt. Manche glauben den Ursprung im persischen(arabischen)„el barani“=„Spezereigefäß“ gefunden zu haben; das waren Gefäße für kostbare Gewürze. Andere sehen den Namen im italienischen„alberello“=„Bäumchen“, was einerseits auf die Verwendung von Holz als Gefäßmaterial hinweisen kann, andererseits auf die Form von Bambusrohr Bezug nimmt. Die einzelnen Abschnitte des Bambusrohrs könnten im Orient zum Transport von Arzneistoffen verwendet worden sein. Wie dem auch sei, der typische Albarello war über Jahrhunderte hinweg das klassische Apothekengefäß schlechthin: hoch, schlank, zylindrisch, leicht tailliert, mit Standfuß und Hals mit Binderand. Die Form war besonders handlich und erlaubte Verschlüsse aus Pergament, Stoff oder Leder. Zunächst wurden die Inhaltsangaben auf diese Abdeckungen geschrieben, im Laufe der Zeit entwickelte sich eine reiche Ornamentik, in die sich die Aufschriften künstlerisch einfügten. Die ersten Albarelli entstanden im 12. Jahrhundert in Persien, denn dort hatte man die Zinnglasur erfunden. Der nach dem ersten Brand naturfarbene poröse Scherben erhielt dabei eine Glasur aus geschmolzenem Zinn, Blei, Sand, Pottasche und Wasser. Das Wasser dringt in das poröse Material ein, die Zinnoxidglasur haftet an der Oberfläche und wird durch den neuerlichen Brand zu einer undurchlässigen Schicht. Nun ließen sich Keramikgefäße herstellen, die sich auch für die Pharmazie hervorragend eigneten. Die Araber brachten diese neue Kunst der Keramikherstellung nach Spanien. Die spanisch-maurischen Produkte wiederum gelangten über die Insel Mallorca nach Italien, vor allem nach Faenza. Mallorca gab der„Majolika“ ihren Namen, von Faenza leitet sich die„Fayence“ ab: zwei Namen für ein mehr oder weniger gleiches Material. Von Italien aus trat die Majolika/Fayence ihren Siegeszug nach ganz Europa an, besonders nach Frankreich, Holland und Deutschland. Jedoch wurde die Farbenpracht und Schönheit der italienischen Erzeugnisse des 16. Jahrhunderts nie mehr erreicht. Das Porzellan mit seiner qualitativen 29 Überlegenheit an Reinheit, Härte und Säurefestigkeit begann gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Majolika/Fayence aus den Apotheken zu verdrängen. Die meisten„Klassiker“ der Sammlung stammen aus Spanien. Zwei Gefäße aus Alcora(nördlich von Valencia)(Abb. 14) zeigen typische Figuren und Grotesken, die durch die Arbeiten des französischen Ornamentstechers Jean Bérain(1637–1721) beeinflusst sind. Nach Alcora gelangten diese Vorbilder durch die Kunsttöpfer Joseph Olérys und Edouard Roux, die zwischen 1727 und 1737 in Südfrankreich arbeiteten. Der Albarello mit Muschelmotiv(Abb. 10) ist älter und stammt ebenfalls aus Alcora oder aus der Provinz Katalonien. Mehrere ähnliche Objekte mit einem Lilienmotiv(Abb. 15) wurden in Talavera(südwestlich von Madrid) gefertigt. Die Albarelli mit Tiermotiven(Abb. 16/17) sind vermutlich ebenfalls aus Spanien. 7 SpAaLnBieAnR, EvLeLrmO., Inv.Nr. 18. Jh. 11322/85 8 KaAtaLlBoAniReEnL(LSOp,aInniev.nN),r.v1e1rm32.21/88.7Jh. 9 BaArcLeBlAonRaEL(SLpOa,nIinevn.N), r1. 81.1J3h2.2/89 1 A 0 lcoArLaBoAdReErLPLrOov, iInnzv.KNar.ta1l1o3n2ie2n/8(6Spanien), letztes Viertel 17. Jh. 30 1 A 1 raAgóLBnA(SRpEaLnLiOen,)I,nvve.Nrmr..11173.2J2h/4. 12 1 Ve 2 rmZW. AErIaAgLóBnA(RSpELaLnIi,eInn)v,.ENnr.d1e11372.2//A5n1f5.,1581.6Jh. 1 Ve 3 rmAL. BAAraRgEóLnLO(S,pInanv.iNenr.),1v1e3r2m2/.41174. Jh. 1 A 4 lcoZrWa E(SIpAaLnBieAnR)E, uLLmI, Inv.Nr. 11322/134, 1730/40 135 31 1 Ta 5 laAvLeBraA(RSEpLaLnOie,nI)n,v1.N8.r.J1h1. 322/410 1 Ve 6 rmZW. SEpI aAnLiBenA,RleEtLzLtIe,sInVvi.eNrtr.e1l 11372./2e/r4s0te2s, 405 Viertel 18. Jh. 1 Ve 7 rmAL. BSApaRnEiLeLnO, v, eInrmv.N. 1r.71. 1J3h2. 2/335 Die anderen europäischen Herstellungszentren übernahmen zwar zunächst den spanisch-maurischen Stil, bildeten jedoch bald einen eigenständigen Formenreichtum aus. Wirklich„alte, klassische“ italienische Albarelli etwa aus dem 16. Jahrhundert, wie andere Apothekengefäße-Sammlungen sie in ihren Reihen haben, befinden sich nicht in unserem erzherzoglichen Bestand. Ein sehr schönes italienisches Gefäß in klassischer Albarelloform aus dem 17. Jahrhundert stammt aus Caltagirone(Sizilien)(Abb.18) und darf mit Recht als Unikat der Sammlung bezeichnet werden. 1 C 8 altAaLgBirAoRnEeL(LSOizi,liIennv.)N, r. 11322/401 letztes Viertel 17. Jh. 32 Castelli, oder das Dorf der Keramiken Mit Castelli soll eine typische italienische„Città della Ceramica“, eine Stadt der Keramik, vorgestellt werden. Der Ort, eine der traditionsreichsten Keramikstätten Italiens, liegt in der Provinz Teramo, in der Region Abruzzen. Seit Jahrhunderten leben hier viele Bewohner von der Keramikarbeit. Ein großes Vorkommen an Tonerde, weite Wälder für das nötige Brennholz und reiche Wasservorräte waren die idealen Voraussetzungen für die Ansiedlung dieses Produktionszweiges. Noch heute finden sich in dem kleinen Ort Castelli zahlreiche handwerkliche Keramikbetriebe. Die Produktion bietet inzwischen für jeden Geschmack etwas, sowohl Traditionelles als auch Modernes. Eine Apothekenkanne unserer Sammlung(Abb. 19) entstand um 1700 und zeugt trotz abgebrochener Ausgusstülle von der exzellenten Qualität der Fayencen dieses Produktionsortes. Die Kanne zeigt eines der für Castelli typischen religiösen Motive: In einem bogenförmigen Blattkranz mit stilisierten Blättern wird die Verkündigung mit dem lilientragenden Engel und Maria dargestellt. Zwei Reihen von schmalen umlaufenden Bändern am Ablauf begrenzen die Darstellung nach unten. Das Motiv der„Verkündigung“ wird uns weiter unten noch ein weiteres Mal begegnen, und zwar in Form einer volkstümlichen Kopie aus dem 19. Jahrhundert(vgl. Kapitel „Manische Sammelleidenschaft und ‚Kunstverstand‘“). 1 In 9 v.NAPr.O11T3H2E2K/4E7N5KANNE, „Mariä Verkündigung“ Castelli(Italien), um 1700 33 Nicht sicher, doch vermutlich aus Castelli stammen zwei Albarelli, von denen einer auf der Rückseite die Jahreszahl 1746 trägt. Auf der Schauseite (Abb. 20) prangt jeweils ein Wappen in einer Kartusche mit Helm, Helmzier und Helmdecke in Blau. Das Wappen selbst zeigt einen dreikronigen Baum, drei Sterne und einen steigenden Löwen. Der heraldische Löwe wird seit jeher entweder steigend mit nur einer Pfote oder springend mit beiden Hinterpfoten am Boden dargestellt. 2 Ve 0 rmAL. BCAaRstEeLllLi O(It,aIlniev.nN),r.u1m1312724/6348 2 C 1 asAteLlBliA(IRtaEliLeLnO),,1In8.v.JNhr.. 11322/552 Für einen anderen Albarello-Typ(Abb. 21) gilt die Provenienz Castelli als Herstellungsort jedoch als gesichert. Seine vorrangigen Bemalungsmerkmale mit Wiedererkennungswert sind ein spitzovaler Wappenschild mit Helm, im Schildfuß ein grüner Dreiberg, darüber drei goldene Lilien, im Schildhaupt ein geflügelter Engelskopf und unterhalb des Wappens und am Fuß umlaufende blaue Doppelbänder. Und dann befinden sich in der Sammlung 17 Albarelli unterschiedlicher Größen, deren Herkunft in Fachkreisen nicht eindeutig geklärt ist(Abb. 22). Der Gefäßtyp wird in der Literatur zum einen dem Ort Castelli zugeschrieben, zum anderen der Region Abruzzen allgemein, ja sogar Neapel wird in Erwägung gezogen. Gemeinsam ist diesen nur in Blautönen bemalten Gefäßen die„Dramaturgie“ der auf der Vorderseite dargestellten Landschaftsszenen, die seitlich wie ein gerahmtes Bild von mehreren Längsstrichen begrenzt werden. Die im oberen Teil der Darstellung drapierten Wolken verstärken den bühnenartigen Charakter von Landschaft und meist burgartigen Gebäuden. Der große Apothekentopf fällt ein wenig aus dem Schema und zeigt auf der Schauseite eine Landschaft mit Bergen und einer Ortschaft im Hintergrund, im Vordergrund ein Paar; der Mann führt das Reittier, auf dem 34 die Frau sitzt. Der kulissenartige Effekt der Darstellung unterscheidet sich nicht von den anderen Gefäßen des Konvoluts. Der Topf trägt auf der Rückseite die Jahreszahl 1794. Somit lässt sich die ganze Gruppe wohl ins 18. Jahrhundert datieren. Ein kleines Detail am Rande: Jedes Jahr findet im August in Castelli eine Keramikmesse statt, bei der die Keramiker ihr Können einem größeren Publikum demonstrieren. End- und Höhepunkt dieses Kunsthandwerkmarktes ist der traditionelle„Tellerwurf“, bei dem Teller von einer Erhöhung des Ortes heruntergeworfen werden. Dieser Brauch geht angeblich darauf zurück, dass früher die Handwerker schlecht erzeugte Teller zum Diskuswurf verwendeten. Und falls es nicht stimmt, so ist es doch zumindest gut erfunden. Ebenso wie die folgende Geschichte: Was für den Trevi-Brunnen in Rom die Münzen, scheinen für Castelli die Teller zu sein. Gilt doch offenbar das Werfen des Tellers als Versprechen, nach Castelli zurückzukehren. Doch dies ist eine andere Geschichte. 2 A 2 brAuPzzOeTnH(IEtaKliEeNn)T, O18P.FJhU.ND ALBARELLI, Inv.Nr. 11322/365, 367, 337, 442, 640 35 Die„wulstigen Italiener“ Über Jahrhunderte hatten die klassischen Apothekengefäße ihre typische schlanke, taillierte Albarello-Form nicht verändert. Auch die Italiener übernahmen diesen Stil zunächst von den Spaniern. In der Barockzeit wurden die Gefäßformen im italienischen Raum runder und bauchiger. Gemeinsam ist diesem neuen Gefäßtyp ein doppelt gewulsteter zylindrischer Gefäßkörper mit eingezogenem Binderand und weiter Mündungsöffnung. Die Gefäßmitte zwischen den Wülsten ist immer dem umlaufenden Beschriftungsband vorbehalten. Die Formen variieren von geschwungenen Übergängen(Abb. 23) bis hin zu nahezu hantelförmiger Gestalt(Abb. 33). Typisch italienisch sind sie jedoch alle. Charakteristisch für die Gefäße aus Norditalien – Bassano, Nove und weitere weniger bekannte Orte in den Regionen Ligurien und Venetien – ist ein Blatt- und Blütendekor in Blau und Manganviolett auf weißer Glasur. Blattranken, stilisierte Blütenmotive, Fruchtgehänge und umlaufende Bänder in Blau bestimmen diesen sehr beliebten, immer wieder leicht abgewandelten Dekor seit dem 17. Jahrhundert. Ein Konvolut von mehr als 20 nahezu identisch bemalten Gefäßen aus Nove(Abb. 23) bildet die größte Einzelgruppe der gewulsteten Albarelli. Zu dieser Gruppe gehören zusätzlich noch rund zehn Kannen. Der doppelt gewulstete Gefäßkörper dieser Apothekentöpfe zeigt geschwungene Übergänge, wobei der obere Gefäßteil ausladender ist als der untere. Auch der Albarello aus Venetien aus dem 18. Jahrhundert(Abb. 24) gehört zu einer Gruppe von 15 sehr ähnlich bemalten Gefäßen. Über die beiden Gefäßwülste laufen wellenförmig schwingende Blattranken mit sehr dicht gesetzten, fast grafisch wirkenden Blättern und Blüten in den Zwischenräumen. 2 N 3 ovAeL(BItAaRlieEnL)L,O, Inv.Nr. 11322/12 verm. Anf. 18. Jh. 2 Ve 4 nAeLtiBeAnR(vEeLrLmO. ,BIansvs.Nanr.o1)1, 322/275 18. Jh. 36 2 Ve 5 rmAL. BLAigRuEriLeLnO(I,taInlive.Nn)r,. 11322/65 erstes Viertel 18. Jh. 2 B 6 asAsaLnBoA(RItEaLliLeOn),, Inv.Nr. 11322/220 letztes Viertel 18. Jh. 2 Ve 7 nAeLtiBeAnR(vEeLrLmO. ,BIansvs.Nanr.o1)1, 31282. /J2h5.3 2 Ve 8 rmAL. BBAasRsEaLnLoO(I,tIanlvie.Nn)r,. 11322/300 18. Jh. 2 B 9 asAsaLnBoA(RItEaLliLeOn),, Inv.Nr. 11322/341 zwischen 1675 und 1725 3 Ve 0 rmAL. BBAasRsEaLnLoO(I,tIanlvie.Nn)r,. 11322/344 18. Jh. 3 Ve 1 rmAL. BLAigRuEriLeLnO(I,taInlive.Nn)r,. 11322/462 18. Jh. 3 N 2 ovAeL(BItAaRlieEnL)L,O18,.InJvh.N. r. 11322/508 37 Nicht alle italienischen„Wulst-Albarelli“ lassen sich regional so eindeutig zuordnen wie die oben beschriebenen blau-weißen aus Norditalien. Das hantelförmige Gefäß(Abb. 33) stammt möglicherweise aus Venedig aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Auffallend sind die Bemalung in Hell- und Dunkelblau auf graublauer Glasur, die Weinlaubranken und das Schriftband mit aufgerollten Enden. Das Apothekengefäß mit den stark stilisierten Gesichtern(Abb. 34) lässt sich innerhalb Italiens gar nicht näher lokalisieren. Die Darstellung, vermutlich aus dem 18. Jahrhundert, könnte bei sehr viel Phantasie nahezu als Vorläufer des in den 1940er-Jahren entstandenen und in den 1980er-Jahren wiederbelebten„Kilroy was here“ gelten. Kilroy, das Gesicht, das über eine Mauer schaut, auch wenn hier die charakteristische Nase und die Hände fehlen. Als Besonderheit fällt bei diesem Gefäß auf, dass der untere Wulst etwas größer ist als der obere. Zwei weitere Gefäße dieses Typs fanden Eingang in die Sammlung. Ebensowenig ist die genaue Herkunft eines weiteren Gefäßes(Abb. 35) bekannt. Die Bemalung in den Farben Blau, Gelb und Manganschwarz, bei der sich oberhalb der Beschriftungs-Kartusche eine Art Vase mit Blättern und Früchten befindet, ist auf insgesamt sieben sehr ähnlichen Albarelli zu finden. 3 In 3 v.NALr.B1A1R32E2L/L4O7,4 Verm. Venedig, verm. Mitte 17. Jh. 3 In 4 v.NALr.B1A1R32E2L/L5O9,8 Italien, verm. 18. Jh. 3 In 5 v.NALr.B1A1R32E2L/L6O0,0 Italien, 18. Jh. In die Kategorie der doppelt gewulsteten Apothekengefäße gehören auch die im Folgenden beschriebenen„Eierstab-Albarelli“. Sie werden aufgrund ihres ganz eigenen Charakters und ihrer Menge als gesonderte Gruppe behandelt. 38 „Eierstab“ oder„Zungenband“ Sie gleichen einander – auf den ersten Blick – wie ein Ei dem anderen. Rund 50 dieser gleichförmigen Gefäße befinden sich in der Sammlung, etwa 40 Albarelli und 10 Kannen sowie eine Flasche. Einige der Albarelli tragen eine Datierung in der Glasur, mehrere Gefäße zusätzlich zur Aufschrift Buchstabenkombinationen, offenbar Besitzerinitialen. Entstanden ist diese Objektgruppe in Oberitalien, vermutlich in Ligurien oder Venetien, im 18. Jahrhundert(Abb. 36). Allen Gefäßen gemeinsam ist die blaue Bemalung auf weißem Grund und die Frakturschrift in Manganschwarz. Das Schriftband verläuft in der Mitte der Wandung. Oberhalb und unterhalb davon täuscht der Dekor in einer Art„Trompe-l‘Œil“-Malerei Eierstäbe im Stil getriebener Silberarbeiten vor. Diese Illusionsmalereien mit beabsichtigten Augentäuschungen waren vor allem im Barock sehr beliebt. Das Eierstabmotiv wird auch als Zungendekor oder Zungenband bezeichnet. Charakteristisch ist die Aneinanderreihung zungenförmiger, ovaler, lanzettartiger Ornamente zu Bändern. Zusätzlich finden sich schmale umlaufende blaue Linien an Fuß und Hals sowie um die Dekorpartien herum. Die Beschriftung der Kannen ist unterhalb des Henkels angebracht und definiert damit die Schauseite. Die Henkel selbst zeigen schuppenartige Muster, teilweise(Besitzer-)Symbole wie zum Beispiel eine Glocke oder ein Speichenrad oder auch Besitzerinitialen. Die Art der Bemalung und die größere Menge ähnlicher, gleichförmig scheinender Gefäße deuten darauf hin, dass wir es hier mit einem Übergang in Richtung Manufakturware zu tun haben. Bei aller Gleichförmigkeit lassen sich jedoch bei näherem Hinschauen durchaus Unterschiede erkennen: • Zartheit bzw. Grobheit der Bemalung • Sorgfalt bzw. Nachlässigkeit der Ausführung • einerlei oder mehrerlei Blau, verwaschenes Hellblau oder tiefes Dunkelblau • kreisrunde, halbrunde oder ovale Aussparungen in den Zwickeln des Musters • spiegelverkehrte Ausführungen. Es handelt sich somit doch noch eher um eine Massenproduktion von Individuen. 39 3 In 6 v.NAPr.O11T3H2E2K/4E6N7F, L3A06S,C6H7E, 2, 2A9L,B2A3R0,E2L4L1I ,U6N7D6, APOTHEKENKANNEN 243, 244, 315, 317 Ligurien oder Venetien, 18. Jh. 40 Rosen und Co. aus Lodi Die lombardische Stadt Lodi erlebte die Blütezeit ihrer Keramikkunst im 18. Jahrhundert. Neben Nove, Bassano und Pesaro war der Ort eines der wichtigsten Produktionszentren in Oberitalien. Bekannt waren die Erzeugnisse aus Lodi insbesondere für ihre florale Ornamentik, phantasievollen Blumenmotive und typischen Blumen wie Rosen, Glockenblumen oder Ranunkel. Dabei dominieren zarte Farbtöne in Gelb, Hellgrün und Rosa. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts geriet die Keramik von Lodi in eine schwere Krise, von der sie sich ab 1850 wieder erholte. Doch waren es wohl eher Produkte in einem typisch nachahmenden Stil, die die weitere Entwicklung prägten. Mehr als ein Jahrhundert später, im Jahre 1990, erhielt Lodi eine Auszeichnung als„Herstellungsgebiet künstlerischer und traditioneller Keramikgegenstände“ und darf sich nun„Vecchia Lodi“(„Altes Lodi“) nennen. Die keramischen Erzeugnisse aus Lodi sind dementsprechend unter der Bezeichnung„Ceramica Vecchia Lodi“ bekannt. Ein Konvolut von rund 20 Apothekengefäßen(12 Kannen und 7 Standgefäße) befindet sich in unserer Sammlung(Abb. 37). Aufgrund des typischen Dekors darf man diese Gefäße wohl Lodi am Ende des 18. Jahrhunderts zuordnen: Am Fuß zeigen sie Streublumen, auf den Wülsten Rosen, eine Art Gänseblümchen in Gelb und Blau, Blütenknospen und ausschwingende Zweige mit Rosenknospen. Auf der Schauseite am Hals scheint eine stilisierte Blumengruppe mit Zweigen auf, ebenso ein Zweig mit Rosenknospen am Henkel. Das Ausgussende der Tülle ist mit plastisch ausgeformten, anliegenden Blütenblättern geschmückt, die blau bemalt sind. Fuß, Ablauf, Schulter und Henkelrand sind mit umlaufenden Bändern versehen. Das Beschriftungsfeld in der Mitte des Gefäßkörpers ist durch umlaufende Doppelbänder in Manganviolett betont. Zwei typische Vertreter des 19. Jahrhunderts dürften dagegen eine Apothekenkanne und eine Apothekenvase sein, die aus Lodi stammen oder im dortigen Stil gearbeitet wurden(Abb. 38). Auch hier finden wir Rosen- und Blattzweige, Rosengirlanden und umlaufende Bänder. Die wenig sinnvollen Aufschriften„Ripf. Dinu.“ und„Gaq. Negn.“ lassen jedoch vermuten, dass es sich hier um Nachahmungen mit reinem Dekorcharakter handelt. 41 3 A 7 POATPHOETKHEENK-ESNTAKNANDNGEEFUÄNSDSE, Inv.Nr. 11322/395, 376, 380 Verm. Lodi(Italien), letztes Viertel 18. Jh. 3 A 8 POATPHOETKHEENKVEANSKEAMNINTEDUENCDKEL, Inv.Nr. 11322/601, 277 Verm. Lodi(Italien) bzw. im Stil von Lodi gearbeitet, verm. 19. Jh. 42 Von Pfauen und Engerln Delft in Holland ist berühmt für seine Keramiken; vor allem Kacheln und Fliesen sind allgemein bekannt. Doch warum ist die Delfter Ware blauweiß? Die Niederländisch-Ostindische Kompanie importierte im 17. Jahrhundert auch chinesisches Porzellan. Und um eben dieses zu imitieren, dekorierte man die eigenen Keramikwaren fast ausschließlich in Blau und erreichte mit der zusätzlichen Bleiglasur wirklich teilweise eine gewisse Ähnlichkeit. Ihre Blütezeit erlebte die Delfter Keramik zwischen 1670 und 1770. Danach führten englisches Steingut und die neuen Porzellanmanufakturen zu einem allmählichen Niedergang der Delfter Fayencen. Ein typisches Delfter Dekor ist das Pfauenmotiv, das in leicht abgewandelter Form im holländisch-belgischen Raum vorkommt. Delfter„Pfauen“ bilden mit weit über 100 Objekten den größten Einzelbestand innerhalb der Sammlung. Alle Gefäßformen sind vertreten: Albarelli, Standgefäße, Kannen und Flaschen. Nicht alle Gefäße lassen sich eindeutig Delft zuschreiben, manche mögen aus Belgien oder auch aus Nordfrankreich stammen. Die Grundelemente des Pfauendekors sind: am Scheitelpunkt der Beschriftungskartusche ein Früchtekorb, flankiert von zwei Pfauen; im unteren Teil der Kartusche ein geflügelter Engelskopf, davon ausgehend Fruchtgehänge und Quasten; häufig unterhalb des Korbes eine halbe Maske. Allein die Ausführungen der Pfauen und Engelsköpfe sind unterschiedlichste Variationen des immer gleichen Themas, von sehr fein gezeichnet(Abb. 39) bis hin zu plump und schwerfällig(Abb. 40). Doch nicht nur Pfauen und Engerl gehörten zum typischen Repertoire der Holländer und Belgier. Rund zehn Apothekengefäße der Sammlung, die dieser Region zuzuordnen sind, haben eine wellenförmige Beschriftungskartusche. Ein Teil dieser Gefäße zeigt unterhalb der Kartusche den bereits bekannten geflügelten Engelskopf und oben anstelle der Pfauen eine Art Zwiebelpflanzen, möglicherweise Schachbrettblumen. Andere Gefäße, wie das Apotheken-Standgefäß in Abb. 43, zeigen anstelle des Engelskopfes eine(Satyr-)Maske und anstatt der Pfauen zwei Singvögel mit ausgebreiteten Flügeln, die ihren Blick nach rückwärts zu einer Art Nelke wenden. Um 1800 hatten die Delfter den Höhepunkt ihrer Keramikproduktion bereits überschritten. Das Gefäß der Abb. 40 könnte ein Beweis dafür sein. Die unelegante Ausführung, besonders jene der plumpen Vögel, stammt möglicherweise schon aus dem 19. Jahrhundert. 43 3 Ve 9 rmAL. BBAeRlgEieLnLO, e,rIsntve.sNVr.ie1r1t3e2l 21/81.6J4h. 4 Ve 0 rmAP. OHoTlHlaEnKdEoNdFeLrABSeClgHiEen, I,nvve.Nrmr..11183.2J2h/.142 4 Ve 1 rmAL. BDAeRlfEt L(HLOol,laInnvd.)N, 1r.81.1J3h2.2/115 4 Ve 2 rmAP. ODeTlHftE(KHEoNllaKnAdN),N18E., Inv.Nr. Jh. 11322/101 4 Ve 3 rmAP. OBeTlHgiEeKnE, Nve-rSmTA. 1N8D. JGhE. FÄSS, Inv.Nr. 11322/564 44 45 4 14 4 2A, 1P5O3T, H16E4K,E2N07G, E3F3Ä8,S5S6E4(uDnEdTA11IL3S3)6, /In3v3.5N,r4. 0121322/101, 115, Holland und Belgien, 18. Jh. 46 Typisch französisch Zylindrischer Gefäßkörper, kegelförmiger Deckel, spitz zulaufender Knauf. Diese Apothekentöpfe können ihre französische Herkunft nicht verleugnen. Die edelsten dieser Gefäße(Abb. 45/47) präsentieren sich vergoldet. Auf der Schauseite eine schildförmige, gold umrandete Kartusche mit der Beschriftung, zwei Palmen mit goldenem Stamm, grünen Blättern und violetten Fruchtbündeln, über der Kartusche zwei goldene Schlangen. Im Scheitelpunkt der Palmstämme eine stilisierte Blüte in Gold. Rechts und links davon zwei einander zugewandte Sphingen in Braun auf einem Sockel mit Hieroglyphen. Aufgrund der Bodenmarke„De Roche à Paris“ lassen sich diese Gefäße eindeutig zuordnen. Sie stammen aus der in der Rue Coquillière gelegenen Werkstatt des Porzellanmalers Deroche in Paris, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts zunächst unter seinem Namen in Betrieb war und später als„Pochet-Deroche-Gosse“ firmierte. Deroche stellte in erster Linie Apothekengefäße her. Später wurde der Betrieb in die Rue Jean-Jacques Rousseau verlegt. Andere französische Apothekengefäße(Abb. 46) geben sich bescheidener. Es handelt sich um ein ganzes Dutzend ähnlich ausgeführter Stücke. Hier wird durch eine goldbraune Bemalung eine wesentlich kostbarere Bemalung 4 In 5 v.NALr.B1A1R32E2L/L4O33MIT DECKEL, De Roche à Paris, datierbar auf die Zeit zwischen 1812 und 1820 47 in Gold, wie sie bei Porzellangefäßen üblich war, vorgetäuscht. Auf weißer Glasur eine Kartusche mit der Beschriftung, umgeben von zwei sich am Fuß kreuzenden Lorbeerzweigen. Umlaufende Bänder in goldbraun, am Deckelknauf vom Zentrum ausgehende vertikale goldbraune Striche. Die Aufschriften dieser Gefäße sind, was eher ungewöhnlich ist, in Französisch statt in Latein ausgeführt. Auch wenn der Hersteller nicht bekannt ist, so ist das Design doch so eindeutig pariserisch, dass sich diese Objekte ebenfalls Paris um 1810 zuordnen lassen. 4 In 6 v.NALr.B1A1R32E2L/L4O36MIT DECKEL, Paris, um 1810 4 In 7 v.NALr.B1A1R32E2L/L4O34MIT DECKEL, De Roche à Paris, datierbar auf die Zeit zwischen 1812 und 1820 48 Die„Wiener“ Die 1718 gegründete„Wiener Porzellanmanufaktur“ ist seit 1923 unter dem Namen„Augarten“ bekannt. Charakteristisch für die„Wiener“ war und ist eine umfassende Markierung ihrer Produkte. Durch die unterglasurblaue Marke, den Bindenschild, lässt sich jedes Stück eindeutig der Manufaktur zuschreiben. Doch damit nicht genug: Anhand von Mitarbeiter-Kennzeichen – teils Ziffern, teils Buchstaben – sind in den meisten Fällen auch die Weißdreher, die Blau- und die Buntmaler bekannt. Manche Buntmaler des 19. Jahrhunderts blieben der Porzellanmanufaktur ein Leben lang treu. Lorenz Gschladt etwa brachte es auf 52 Dienstjahre, sein Kollege Christian Wieringer gar auf 61 Jahre. Zwei schlichte zylindrische Gefäße mit hochgezogenem Deckel mit rundem Knauf haben eine sehr ähnliche Bemalung. Das eine Gefäß(Abb. 48) zeigt links einen fruchttragenden Eichenzweig und rechts einen fruchttragenden Lorbeerzweig sowie umlaufende Bänder in Grün, das andere(Abb. 49) zwei Lorbeerzweige und umlaufende Bänder in Gold. Die am Boden eingestempelten Zahlen„818“ und„822“ stehen für die Jahre 1818 und 1822, die jeweils aufgemalte Zahl„106“ für den Buntmaler Lorenz Gschladt. Insgesamt befinden sich neun sehr ähnliche Gefäße in der Sammlung. Ein weiteres zylindrisches Gefäß(Abb. 50) trägt zwei sich kreuzende Vergißmeinnichtzweige und umlaufende blaue Bänder. Die Nummer 141 weist den Maler als Joseph Lachel aus, der zwischen 1812 und 1824 in der Manufaktur tätig war. Das zylindrische Gefäß mit Ausgussschnabel und eingepasstem, leicht hochgezogenem Deckel(Abb. 51) stammt aus dem Besitz der ehemaligen Hofapotheke in Wien. Es zeigt einen ovalen Kranz aus Weinlaub mit Beeren, der von einem Band in den Farben Violett-Weiß-Violett umflochten ist. An der Oberseite des Kranzes ist eine blaue Schleife mit flatternden Bändern zu sehen, auf dem Deckel eine Art umlaufender Perlenkette. Am Boden finden sich ein schwer lesbarer Jahresstempel(vermutlich 812) und die Buntmalerzahl 42(Christian Wieringer). Dass dieses Gefäß, ebenso wie vier weitere, aus dem Besitz der ehemaligen Hofapotheke in Wien stammt, lässt sich anhand von Vergleichsstücken aus der Hofapotheke selbst nachweisen, von denen sich ebenfalls etliche im Besitz des Technischen Museums Wien befinden. Vermutlich wurden diese Gefäße bei Bedarf immer wieder ergänzt; das würde auch die teilweise abweichende Art der Bemalung und der Beschriftungen erklären. 49 Die hier gezeigte Kanne(Abb. 51) weist darüber hinaus noch ein Kuriosum auf: Die Bemalung erfolgte nicht parallel zum Ausgießer, sondern leicht versetzt. Möglicherweise wurde das Stück auch aus diesem Grunde ausgemustert und fand so seinen Weg in die Sammlung des Erzherzogs. Wie eine ordnungsgemäße Bemalung ausschaut, zeigt eine andere Kanne des gleichen Typs(Abb. 52), deren Maler nicht bekannt ist. 4 W 8 ieAnLeBrAPRoErzLeLlOlanMmIaTnDuEfaCkKtuEr,L1, 8In1v8.Nr. 11322/429 4 W 9 ieAnLeBrAPRoErzLeLlOlanMmIaTnDuEfaCkKtuEr,L1, 8In2v2.Nr. 11322/608 5 W 0 ieAnLeBrAPRoErzLeLlOlanMmIaTnDuEfaCkKtuEr,Lz, wInisv.cNhre.n111382122/4u5n7d 1824 (Datierung durch die Malernummer möglich) 5 W 1 ieAnLeBrAPRoErzLeLlOlanMmIaTnDuEfaCkKtuEr,Lv, eInrmv.N. 1r.81112322/493 5 W 2 ieAnLeBrAPRoErzLeLlOlanMmIaTnDuEfaCkKtuEr,L1, 7In9v7.Nr. 11322/491 50 Die„Deutschen“ An ihren blauen Blattkränzen kann man sie erkennen. Diese Form der Beschriftungskartusche ist typisch für den deutschen Sprachraum. So farbenfroh die Glasgefäße der deutschen Apotheken waren, wie wir später noch sehen werden, so schlicht nehmen sich die deutschen Fayencen aus. Sie können ihre Anlehnung an die Delfter Ornamentik nicht verleugnen, haben jedoch außer der blauen Bemalung auf weißem Grund mit den räumlich nahen Holländern und Belgiern recht wenig gemeinsam. Denn es bildete sich ein ganz eigener deutscher Stil mit Wiedererkennungswert heraus. Der blaue Blattkranz wurde auch bei den emailbemalten Glasflaschen aus Deutschland zum beliebtesten immer wiederkehrenden Motiv. Stilelemente der blauen Blätterkränze sind in Variationen folgende: Das Beschriftungsfeld wird von zwei sich unten kreuzenden Zweigen gebildet, die zum Teil abwechselnd Blatt- und Fruchtpaare tragen. Diese Zweige sind am unteren Kreuzungspunkt von einem Band zusammengehalten, oder sie treffen sich unten in einer Blüte. Im Scheitelpunkt der Zweige befinden sich in der Regel stilisierte Blüten oder auch eine Bandschleife. Die Bemalung erfolgt meist in Blau auf weißlicher Glasur, seltener auf grauem Grund. Bei einem der Gefäße(Abb. 54) ist die ovale Beschriftungskartusche mit gelber Ölfarbe ausgemalt, so eine Vergoldung vortäuschend. 5 Ve 3 rmAL. BDAeRuEtsLcLhOla,nIdnv,.zNwr.e1it1e3H22ä/lf5t0e718. Jh. 5 In 4 v.NALr.B1A1R32E2L/L4O90(Deckel nicht original), Verm. Deutschland, letztes Viertel 18. Jh 51 5 B 5 odAeLnBgAeRmELaLrkOt:, Inv.Nr. 11322/350 drei Halbmonde Hannoversch-Münden, um 1770 5 D 6 euAtLscBhAlaRnEdLL(vOe,rmIn.v.KNerl.s1te1r3b2a2c/h45),0 zweite Hälfte 18. Jh. 5 Ve 7 rmAL. BDAeRuEtsLcLhOla,nIdnv,.Nr. 11322/339 verm. zweite Hälfte 18. Jh. Nur wenige dieser Gefäße tragen eine Bodenmarke, wie etwa die mit drei Halbmonden gemarkten Fayencen aus dem niedersächsischen Hannoversch-Münden(Abb. 55). So sind Zuschreibungen an den deutschen Herstellungsraum nicht immer eindeutig zu treffen, doch aufgrund der Dekore von hoher Wahrscheinlichkeit. Neben den blauen Blattkränzen finden sich unter den deutschen Fayencen weniger häufig auch gelbe Lorbeerkränze(Abb. 61), die von einem Kurfürstenhut mit Reichsapfel bekrönt sind. Über die Spangen der Krone laufen blaue Perlen, links und rechts neben der Krone flattern blaue Bänder einer Schleife. Ein weiteres Motiv dürfte ebenfalls dem deutschen Raum zugeordnet werden. Hier sind die Blattkränze zu breiten Rändern reduziert, auf deren Oberseite befindet sich ein Lorbeerkranz mit Schleife(Abb. 60). Auch hier trifft man zum Teil auf golden ausgemalte Beschriftungsfelder, die den Gefäßen einen edleren Anstrich geben. Doch bilden diese Dekore in der Masse der blauen Blattkränze eher eine Ausnahme. 52 5 Ve 8 rmAP. ODTeuHtEscKhElNanFdL,AzSwCeHitEe,HInävl.fNter.1181.3J2h2./190 5 Ve 9 rmAL.BDAeRuEtsLcLhOla,nIndv,.vNerr.m11. 3u2m2/1383010 6 Ve 0 rmDR. DEIeAuPtsOchTlHanEdK,E1N7-9S0T–A1N80D0GEFÄSSE, Inv.Nr. 11322/328, 184, 327 6 D 1 euZtWscEhIlaAnLdB,AzwREeLitLeI,HInävlf.tNer.1181. 3J2h2. /186, 183 53 Chevretten Was haben Apothekenkannen und Ziegen gemeinsam? Sie haben Hörner. Chevretten sind Kannen, die sich durch eine mehr oder weniger steile, spitze Ausgusstülle auszeichnen. Diese Tülle, die dem Horn einer Ziege (frz. chèvre= Ziege) ähneln soll, gab der Gefäßform ihren Namen. Die bauchigen Kannen mit und ohne Henkel wurden für die Aufbewahrung von Flüssigkeiten, besonders von Sirupen, Honig und Ölen verwendet. Daher werden diese Gefäße auch Sirupkannen genannt. Den italienischen Chevretten(Abb. 62–66) gemeinsam sind ein birnenförmiger Gefäßkörper mit zylindrischem Hals und Binderand sowie ein Bandhenkel und eine manchmal leicht geknickte Ausgusstülle. Eine weitere Besonderheit ist die Anordnung des umlaufenden Schriftbandes unterhalb des Henkels, wodurch diese Seite als Schauseite definiert ist. An Motiven 6 Ve 2 nAePtiOenTH(NEoKvEeNoKdAeNr BNaEs,sIannvo.N),re. 1rs1t3e2s2V/i2e3r9tel 18. Jh. 6 Ve 3 rmAP. OBaTsHsaEnKoEN(ItKaAlieNnN),E1,8I.nJvh.N. r. 11322/199 6 B 4 asAsaPnOoT(HItaElKieEnN),KzAwNiscNhEe,nIn1v6.N75r.u1n1d32127/26535 6 N 5 ovAeP(OItaTlHieEnK),EvNerKmA.NANnEf.,1In8.v.JNhr.. 11322/287 54 finden sich vorzugsweise die typischen Frucht- und Blumengehänge, Blattund Früchtefestons mit abflatternden Bändern sowie stilisierte Blätter und Blüten in Blau auf Weiß. Doch gibt es durchaus auch farbenfrohere Ausführungen: 6 It 6 aliDenR,EvIeArmPO. 1T8H.EJKhE. NKANNEN, Inv.Nr. 11336/378, 381, 227 Die Kannen aus dem holländischen, belgischen und nordfranzösischen Raum(Abb. 67–69) zeigen dagegen einen vorwiegend ovoiden bis kugelrunden Gefäßkörper, Bemalung und Beschriftung auf der Vorderseite unterhalb der Ausgusstülle und keinerlei Bemalung auf der Rückseite. Es gibt sie mit und ohne Henkel. Bei den Dekoren finden sich die typischen Motive: Masken, Singvögel, bandförmige Kartuschen. Die meisten der Kannen stammen aus dem 18. Jahrhundert, doch wurde die typische niederländische Form auch noch bis ins 20. Jahrhundert beibehalten. Als Beispiel für eine kleine Gefäßgruppe mag eine der Kannen(Abb. 67) dienen. Der Boden des Objekts ist mit der„Porzellanflasche“ der Werkstatt„De porceleyne Fles“ und der Marke von Thooft& Labouchère gemarkt. Diese schon vor 1655 gegründete Werkstatt wurde 1876 von Joost Thooft erworben. Das Gefäß kann daher auf den Zeitraum zwischen 1876 und 1917 datiert werden, in welchem Jahr die Sammlung an das Technische Museum gelangte. 55 6 D 7 elAftP(HOoTlHlaEnKdE),NzwKAisNchNeEn,1In87v.6Nur.n1d1312921/7281 6 Ve 8 rmAP. OBeTlHgiEeKnEoNdKeAr NNNorEd,frInavn.kNrer.ic1h1,3v2e2r/m57.518. Jh. 6 Ve 9 rmAP. OFrTaHnkErKeEicNh,K1A8N. JNhE. , Inv.Nr. 11322/679 Zeigten die italienischen Offizinen(Apotheken-Verkaufsräume) die Sirupkannen in den Regalen von hinten, die niederländischen diese von vorne, so boten die Apotheken im deutschsprachigen Raum wieder ein ganz eigenes Bild. Die typische deutsche, schweizerische und wienerische Apothekenkanne ist parallel zur Ausgusstülle, also seitlich bemalt und beschriftet(Abb. 70–72). Hierher gehören auch die zylindrischen Albarelli mit Ausgießer der Wiener Porzellanmanufaktur, wie weiter oben im Kapitel„Die ‚Wiener ’ “ zu sehen ist(Abb. 51/52). Die Chevrette(Abb. 70) aus Winterthur in der Schweiz ist vermutlich eine Arbeit von Abraham Pfau aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Charakteristisch für dieses Gefäß sind die sechskantige Ausgusstülle, der gekehlte Bandhenkel und die Ausführung der Aufschrift in Ölfarbe. Drei dieser Kannen mit Lorbeerkranz und blauen Schleifen haben Eingang in die Sammlung gefunden. Die Beschriftungen sind aufgrund der empfindlichen Kaltmalerei(Ölfarbe) stark abgegriffen. 56 Die henkellose, birnenförmige Sirupkanne in Abb. 71 ist aufgrund der Bodenmarkierung als Meißener Porzellan um 1820 ausgewiesen. Die unterglasurblaue Marke„3“(in stilisierter Form) wurde 1822 an Labor-, Apotheken- und technischem Porzellan angebracht, welches aus der Masse „3“ hergestellt war. Die Wappenkartusche in Ockergelb, schwarz konturiert und mit schwarzer Beschriftung, imitiert offensichtlich jene goldenen Kartuschen, wie sie häufig auf Apothekengefäßen dieser Zeit zu finden waren. Die Ausführung erfolgte auch hier in Kaltmalerei(Ölfarbe), was starke Abnutzungserscheinungen zur Folge hatte. 7 W 0 inAtePrOthTuHr E(SKcEhNwKeAizN), NveEr,mIn. vA.Nrbr.e1it1v3o2n2/A9b4raham Pfau, zweite Hälfte 17. Jh. 7 M 1 eiAßPeOn T(DHeEuKtEscNhKlaAnNd)N, uEm, In1v8.N22r. 11322/487 7 Ve 2 rmAP. ODeTuHtEscKhElNanKdA, N18N. EJ,hI.nv.Nr. 11322/520 Sowohl bei den Kannen aus dem deutschsprachigen Raum als auch bei jenen aus Italien gibt es hin und wieder„Ausreißer“ zu verzeichnen, die das Schema durchbrechen. Etwa bei einer italienischen Kanne, als deren Schauseite ganz untypisch die Vorderseite definiert ist(Abb. 73), oder bei einer vermutlich deutschen Kanne, die ihre Aufschrift auf der Vorderseite trägt(Abb. 74). Ob es sich dabei um Fehlbemalungen handelt? 57 7 It 3 aliAenP,OvTeHrmE.K1E8N. KJhA.NNE, Inv.Nr. 11336/224 7 Ve 4 rmAP. ODeTuHtEscKhElNanKdA, NleNtzEte, sInVv.ieNrrt.e1l11382.2J/h6.38 58 Glas Milchglas alias Porzellanglas Schaut(fast) aus wie Porzellan, ist es aber nicht. Das Material Milchglas in Kombination mit der Gefäßform täuscht auf den ersten Blick das kostbarere Porzellan vor. Milchglas ist milchweißes, opakes Glas. Aufgrund des Zusatzes von Knochenasche als Trübungsmittel wird es auch Beinglas genannt. Da es Porzellan imitierte, hieß es früher auch Porzellanglas. Auf diesem Untergrund kommen die verwendeten Emailfarben besonders gut zur Geltung. Die Milchglasgefäße gehören mit ihrer vasenartigen, zarten Form und der leuchtenden Bemalung zu den elegantesten und schönsten Gefäßtypen der Sammlung. Wie die zahlreichen„bunten“ Glasflaschen sind auch die Milchglasgefäße typisch für den deutschen Raum, vor allem des 18. Jahrhunderts. Die Bemalung des becherförmigen Gefäßes in Abb. 75 erfolgte mit Emailfarben in Blau, Gelb, Rot und Schwarz. Ein blauer Blätterkranz bildet das ovale Beschriftungsfeld, links und rechts im Kranz findet sich je eine stilisierte Blüte in Rot, unten in der Mitte eine Blüte in Gelb, im Scheitelpunkt des Kranzes sitzt eine fünfzackige Blattkrone in Gelb. Bei der Bemalung handelt es sich um ein sehr beliebtes Dekormotiv, das sich auch auf einer ganzen Reihe von Vierkant-Glasflaschen wiederfindet. Bei einem anderen Gefäßtyp(Abb. 77) beschränkt sich die Emailmalerei auf zurückhaltendere Farben. Ein rosafarbener Blätterkranz mit roten Höhungen und Schraffuren wird unten von einer gelben Schleife zusammengehalten. Im Scheitelpunkt finden wir die bereits bekannte fünfzackige Krone. Zum Schluss soll noch ein Stück vorgestellt werden, das sich erst auf den zweiten Blick von den anderen hier gezeigten unterscheidet. Die Milchglasflasche mit Stöpsel(Abb. 76) ist im Unterschied zu den vorigen Gefäßen in Kaltmalerei, d. h. mit Ölfarben ausgeführt. Die ovale, leere Kartusche im asymmetrischen Stil des Rokoko wird von einer gelben Blattranke gebildet, die neben weiteren Blatt-, Blüten- und Muschelmotiven als Abschluss im Scheitel eine Art geöffneter Muschel besitzt. Kaltmalerei ist im Unterschied zu der gebrannten Emailmalerei sehr empfindlich und greift sich schneller ab. Auch bei diesem Gefäß fehlen bereits kleinere Teile der Bemalung. 59 7 D 5 euMtsIcLhClHanGdL,AMSiBttEeC1H8E. JRhM. IT FUSS, Inv.Nr. 11322/602 7 D 6 euMtsIcLhClHanGdL,AzSwFeLitAeSHCäHlfEteM1I8T. FUSS Jh. UND STÖPSEL, Inv.Nr. 111322/557 7 D 7 euMtsIcLhClHanGdL,AvSeFrmLA. S17C3H0E–1M75IT0 FUSS, Inv.Nr. 11322/553 60 Glasflaschen – Die„bunten Deutschen“ Ganz schön bunt treiben es die Apotheken-Glasgefäße aus Deutschland. So farbenfroh wie in den deutschen Offizinen(Apotheken-Verkaufsräumen) ging es sonst nirgendwo zu. Denn nirgends erzeugte man eine solche Fülle leuchtender Emailmalereien, auch Schmelzmalerei genannt, wie in den Glashütten in Thüringen und Sachsen. Die Keramik als führender Werkstoff für Apothekengefäße erhielt seit dem 17. Jahrhundert zunehmend Konkurrenz durch den Werkstoff Glas, denn Glas bot hervorragende Eigenschaften – es ist säurebeständig, dicht und durchsichtig. Im Laufe der Zeit bildeten sich die typischen Gefäßformen heraus, wie sie für den Gebrauch in Apotheken zweckmäßig erschienen: Vierkant-Glasflaschen und Weithals-Vierkantgläser überwiegen bei Weitem, auch in unserem Sammlungsbestand. Die Flaschen mit engem Hals waren für Essenzen, Tinkturen, Wässer, Elixiere, Öle und andere Flüssigkeiten bestimmt. Die Weithals-Gefäße nahmen feste, pulverige oder dickflüssige Substanzen auf. Die leuchtenden Dekore sind nicht nur schön anzuschauen; die Emailmalerei, bei der im Ofen Metalloxide auf die Oberfläche eingebrannt werden, ist auch sehr widerstandsfähig. Die Aufschrift der Gefäße wird durch schwarze Lettern deutlich hervorgehoben. Der Dekor entwickelt sich um das Beschriftungsfeld herum. Beliebt waren ovale Felder mit farbigem Band und Schleife(Abb. 78) und zu Beginn des 19. Jahrhunderts herzförmige Kartuschen(Abb. 79/80). Häufig finden sich Einfassungen der Beschriftungsschilder durch Blattkränze oder Rollwerk mit abschließender Krone (Abb. 81–83). Das Motiv, das während des 18. Jahrhunderts in immer wieder leicht abgeänderter Form offenbar am beliebtesten war(Abb. 83), ist ein ovaler blauer Blattkranz mit stilisierten Blüten in Rot und Gelb und einer fünfzackigen Krone in Gelb. Diese Art der Bemalung ist in der Sammlung auf einigen Dutzend Glasgefäßen zu finden. Eher selten dagegen ist etwa der mehreckige Schild mit blauem Stechhelm(Abb. 84). 61 7 In 8 v.NVIrE. R1K13A2N2T/5-G31LASFLASCHE MIT STÖPSEL, Deutschland, letztes Viertel 18. Jh. 7 D 9 euVtIsEcRhKlaAnNd,T-uGmLA18S4F0LASCHE, Inv.Nr. 11322/665 8 In 0 v.NVIrE. R1K13A2N2T/6-G15LASFLASCHE MIT STÖPSEL, Deutschland, um 1840 8 D 1 euWtsEcIhTlHanAdL,Sv-eVrImER. KzwAiNscThGeLnA1S7,0I0nvu.Nndr. 11322/629 1730 8 In 2 v.NVIrE. R1K13A2N2T/6-G12LASFLASCHE MIT STÖPSEL, Deutschland, verm. erste Hälfte 18. Jh. 8 D 3 euVtIsEcRhKlaAnNd,T-MGiLttAeS1F8L.AJShC. HE, Inv.Nr. 11322/619 8 D 4 euVtIsEcRhKlaAnNd,T-uGmLA17S7F0LASCHE, Inv.Nr. 11322/527 62 Der sächsische Kur(fürsten)hut mit weißem Hermelin, rotem Samt, goldenen Kronenspangen und goldenem Reichsapfel ist dagegen recht zahlreich in der Sammlung vertreten. Doch verwundert das nicht, wenn man in Betracht zieht, dass in Sachsen und Thüringen die Zentren der Produktion emailbemalter Glasgefäße zu Hause waren. Rund ein halbes Dutzend Weithals-Vierkantgläser, meistens mit Holzdeckel(Abb. 85) mit weißem, leicht ovalen Schild und einer Rollwerkkartusche in Gelb sowie dem besagten Kurhut, die goldenen Kronenspangen nur angedeutet, lassen sich keiner bestimmten Apotheke zuordnen. Die Bemalung erscheint auch nicht so brillant wie bei einem ganzen Dutzend zylindrischer Glasflaschen, teils mit Schliffstopfen, die aufgrund des Motivs eindeutig der ehemaligen Dom-Apotheke im sächsischen Merseburg zuzuschreiben sind(Abb. 87). Über der Signatur findet sich dort der bekannte Kurhut mit Reichsapfel, unten links das Wappen von Kursachsen mit gekreuzten Schwertern und rechts das Wappen des Bistums Merseburg mit einem schlichten Kreuz. Das kleine Konvolut lässt sich um 1740 datieren. 8 M 5 ITWHEOITLHZADLESC-KVIEELR, KANTGLAS Inv.Nr. 11322/630 Deutschland, erste Hälfte 18. Jh. Weitere Glasbecher vermitteln ein Bild davon, wie farbenfroh ein deutscher Apothekenraum im 18. Jahrhundert gewirkt haben dürfte(Abb. 86). 63 Inv.Nr. 11336/627, 628 Inv.Nr. 11336/444, 636, 522 8 D 6 euStEsCchHlaSnGdL1A8S. BJhE.CHER, Inv.Nr. 11336/639 64 8 In 7 v.GNLr.A1S1F3L3A6/S5C2H1,E5N33A-5U4S0,D6E3R2,D6O50M, -6A5P2OTHEKE MERSEBURG(SACHSEN), Deutschland, um 1740 65 Das„Nönnchen“ Ziemlich despektierlich und respektlos.„Nönnchen“, so bezeichnete man diese bauchigen, birnenförmigen Apothekenflaschen mit eingestochenem Boden auf rundem Fuß und engem Hals mit Binderand(Abb. 88). 8 D 8 euAtPscOhTlaHnEdK, EeNrstFeLAHSäClftHeE1,8In. Jv.hN. r. 11322/554 66 Glaubte man doch einen gewissen optischen Zusammenhang zu erkennen, und zwar zwischen den Folgen der Fehltritte von Nonnen und der ‚schwangeren‘ Gefäßform. Derartige„Nönnchen“ wurden in erster Linie zur Aufbewahrung ätherischer Öle und spirituöser Zubereitungen verwendet. Die Bemalung der Schauseite erfolgte mit Emailfarben in Gelb, Grün, Blau, Rot, Weiß und Schwarz. Die überaus qualitätsvolle Art der Malerei lässt vermuten, dass es sich dabei um die Sonderanfertigung einer sächsischen Glashütte für eine der dortigen Apotheken handelt. Das Beschriftungsschild ist als barocke Wappenkartusche ausgeführt, umgeben von zwei sich unten kreuzenden, mit einer gelben Schleife verbundenen grünen Zweigen mit weißen Höhungen. Zwischen den grünen Blättern sitzen stilisierte gelbe Blatt- oder auch Blütenmotive. Besonders fein ist die über dem Wappen befindliche fünfzackige Krone gearbeitet. Auf ihren Zacken sitzen Perlen, ihr Reif ist mit blauen Edelsteinen verziert. Durch die zarten schwarzen Schraffuren der Krone wird diese fast plastisch herausgearbeitet. Emaildekore finden sich, wie wir soeben gesehen haben, vor allem auf Flaschen aus farblosem Glas. Nach dem Bemalen der Gefäße mussten die aufgetragenen Emailfarben eingebrannt werden. Daher waren die Emailglasmaler stets an Glashütten gebunden, da sie zum Einbrennen der Farben die Öfen der Glashütten mitbenützten. Ungebunden waren dagegen die Glasmaler der sogenannten Kaltmalerei, die mit einfachen Ölfarben auf kaltem Wege, also ohne Hitzezufuhr, arbeiteten. Dabei handelt es sich jedoch um eine Malerei von weit geringerer Haltbarkeit, wie entsprechende Stücke der Sammlung zeigen, denen wir uns nun zuwenden werden. 67 Kaltgemalte Schönheiten Wie fragil und wenig haltbar Kaltmalereien im Vergleich zu Emailmalereien sind, soll anhand einiger Beispiele gezeigt werden, deren ursprünglicher Zustand bereits beim Erwerb der Stücke nicht mehr unversehrt gewesen sein dürfte. Eine Reihe von kleinen Glasbechern mit Fuß aus dem 18. Jahrhundert stammt vermutlich aus der Region Süddeutschland oder dem Habsburgerreich. Kaltmalereien kommen vor allem im südlichen deutschsprachigen Raum vor, wohingegen die Emailmalereien eher in Sachsen und Thüringen anzutreffen sind. Die circa 20 nur etwa 11 cm hohen, sehr zerbrechlich wirkenden Gefäße sind in unterschiedlichem Erhaltungszustand. Etwa die Hälfte von ihnen trägt ein Rosenmotiv (Abb. 89). 8 Ve 9 rmGL. ASüSdBdEeCuHtsEcRh,laKnAdLToMdeArLHERabEsI,bIunrvg.Nerr.m1o13n3a6rc/h4i2e3,,1482.4J,h4.36 68 Die andere Hälfte des kleinen Konvoluts, in gleicher Gefäßform, hat anstelle des verstreuten Rosenmotivs lediglich auf der Vorderseite eine Kartusche mit einer einzelnen angedeuteten Rosenknospe. Weitere Stücke mit einer schwarzen Kartusche und goldener Schrift zeigen einen schlechten Zustand, den kaltgemalte, in ständigem Gebrauch stehende Apothekengefäße im Laufe der Zeit annehmen können. Eine weitere kleine Gruppe kaltgemalter Glasgefäße hat ein ähnliches Schicksal erlitten. In ihrem Fall handelt es sich um Apothekenvasen aus Milchglas(Abb. 90). An anderer Stelle wurde bereits auf die Verwendung von Milchglas als Porzellanimitat hingewiesen. Hier steht weniger das Material der Gefäße im Mittelpunkt, sondern deren Bemalung. Die acht Gefäße, teils mit, teils ohne Deckel, haben sich in unterschiedlichem Zustand erhalten, von leichteren Beschädigungen der Malerei bis hin zu nahezu völliger Zerstörung, wo nur mehr Reste der Bemalung vorhanden sind. Die am besten erhaltenen Glasvasen geben zumindest einen Einblick, wie die Bemalung ursprünglich ausgesehen hat. Die Gefäße stammen aus dem 18. Jahrhundert, gefertigt wurden sie in Deutschland. Auf der Rückseite befindet sich jeweils eine Blume mit Stiel, Blättern und Blüte in Grün und Rot, schwarz schraffiert und konturiert. Die Beschriftung auf der Vorderseite, die Anfangsbuchstaben jeweils in Rot, die übrige Schrift in Schwarz, lässt sich zum Teil nur noch erahnen. Die Deckel sind ebenfalls bemalt, mit einer rundumlaufenden Blumenranke in Grün und Rot, schwarzen Konturen und Schraffuren, die Knöpfe zeigen noch Reste von Rot. 9 In 0 v.MNrI.L1C1H3G22L/A58S6V,A5S8E9N MIT DECKEL, Deutschland, 18. Jh. 69 Doch nicht alle kaltgemalten, d. h. mit Ölfarben bemalten Gefäße weisen einen so hohen Zerstörungsgrad auf. Einige Gegenbeispiele befinden sich sogar in einem untypisch guten Erhaltungszustand(Abb. 91). Die Bemalung der Schauseite mit Ölfarben zeigt ein schräg von unten nach oben führendes Schriftband mit fahnenartig auslaufenden Enden in Rot, nahezu wie Siegellack anmutend. Möglicherweise waren diese Glasflaschen nicht so häufig in Gebrauch. 9 In 1 v.DNRr.E1I1V3I2E2R/K53A5N, T5-4G1L, A56S8FLASCHEN, Deutschland, 18. Jh. Insgesamt erweisen sich Kaltmalereien bei Weitem nicht als so widerstandsfähig wie Emailmalereien, die auch nach Jahrhunderten nichts an Leuchtkraft und Beständigkeit verloren haben. Die Beweise dazu liefert die große Masse der farbenfrohen Glasflaschen und Vierkantgläser der Sammlung. 2 Innenansicht Inhaltsstoffe 71 Geht es um Sammlungen von Apothekengefäßen, dann stehen häufig Fragen zum Design, zur Herkunft, zur Geschichte, zur Datierung im Vordergrund; Fragen, wie sie im ersten Teil dieses Buches unter der Perspektive der Außenansicht abgehandelt wurden. Doch was befand sich IN den historischen Gefäßen? Mit welchen Drogen(im Sinne von Arzneimitteln), welchen Zubereitungen und Verschreibungen haben wir es, in unserem Fall vorwiegend im 18. Jahrhundert, zu tun? Diesen Fragen wird weit weniger häufig nachgegangen. Vieles, was die historischen Apothekengefäße enthielten, ist uns auch heute noch geläufig: Salvia(Salbei), Calendula(Ringelblume), Piper alba (weißer Pfeffer), Piper negra(schwarzer Pfeffer), Semen lini(Leinsamen), selbst Sal Glauberi(Glaubersalz) ist uns noch ein Begriff. Ebenfalls vertraute Namen wie Veilchen-, Zitronen- und Orangenschalensirup, Rosenund Brombeerwasser oder Pfefferminz- und Schafgarbenöl wurden nicht ausschließlich als Einzelarznei abgegeben, sondern dienten ihrerseits teilweise wieder als Ingredienz für zusammengesetzte Verschreibungen. Auch Weingeist, Äther oder Rosmarinspiritus können wir uns noch vorstellen und auch Kümmel- oder Spargelsamen, Moschus- und Aloetinktur, Pfingstrosen- und Arnikawurzel, um hier nur willkürlich einige Inhaltsstoffe aus dem sehr reichhaltigen Arzneiangebot zu nennen. Viele der geläufigeren Kräuter und Heilpflanzen, oder, um in der Sprache der Pharmazie zu bleiben, viele dieser Drogen begegnen uns auch heute noch in Form von Tees, Pulvern oder Tinkturen. Andere in früheren Zeiten verwendete Arzneimittel kann und will man sich heutzutage nicht mehr vorstellen. Die meisten von ihnen sind inzwischen „obsolet“ im Sinne von„nicht mehr gebräuchlich, nicht mehr üblich, veraltet“, andere erscheinen uns auch„kurios“, im Sinne von„auf unverständliche, fast spaßig anmutende Weise sonderbar, merkwürdig“. Einige von ihnen sollen im Folgenden vorgestellt werden. 72 9 A 2 ufAscLhBrAiftR: ECLLCOal,eInndv.uNlar.e1(1C3o2n2s/1e1rv4a Calendulae, Ringelblumenblütenzucker, Ringelblumenblüten in Zucker) Belgien(verm. Brüssel), 18. Jh. 9 A 3 ufVscIEhRriKftA: ONlT-RGoLsAarS. F(OLAleSuCmHREo, sInavr.uNmr., 11336/232 Rosenöl) Verm. Deutschland, verm. 18. Jh. 9 A 4 uf A sc P h O ri T ft H : R E a K d E . N P V e A o S n E ie. M (R IT ad D ix EC P K ae E o L n , I ia n e v. , N P r f . in 1 g 13 st 3 r 6 o / s 3 e 9 n 6 -Wurzel) Verm. Alcora(Spanien), um 1800 9 A 5 ufAscLhBrAiftR: ESLGLOla,uIbnev.rN(Sr.a1l1G3l3a6u/b4e7r8i, Glaubersalz) Verm. Holland oder Belgien, verm. 18. Jh. 9 A 6 ufGscLhAriSftF:LOAlS: CMHillEe,foInl:v.(NOrl.e1u1m32M2/i6lle31folii, Schafgarbenöl) Deutschland, um 1840–1850 9 A 7 ufAscPhOriTftH: SE.KVEioNlKarAuNmN(SEy, rIunpv.uNsr.V1io1l3a2r2u/m51, 1Veilchensirup) Belgien oder Nordfrankreich(Brüssel, Tournai, Lille), erstes Viertel 18. Jh. 9 A 8 ufAscPhOriTftH: AEKREoNsaFrLuAmSC(AHqEu,aInRvo.Nsar.ru1m13,2R2o/5se0n8wasser) Verm. Holland oder Belgien, verm. 18. Jh. „Kuriose“ Inhalte 73 Vor allem einige tierische Substanzen mögen uns heute merkwürdig erscheinen: Regenwurmöl etwa oder Fuchsöl, Hundeöl und Skorpionöl (Abb. 99–102), um nur einige zu nennen, bei denen die entsprechenden Tiere meistens in Olivenöl ausgekocht wurden. Auch tierische Fette – wie Dachs-, Pferde-, Bären- und Hühnerfett – kamen häufig zur Anwendung. 99 100 74 101 9 A 9 ufAscPhOriTftH: OEKl:ELNumKAbNricN: Ete, rI.n(vO.Nler.u1m13L2u2m/2b0r0icorum terrestrium, Regenwurmöl) Venetien(Nove oder Bassano), erstes Viertel 18. Jh. 102 1 A 0 u 0 fscAhPrOiftT: OHEl.KVEuNlpKinA.N(ONlEeuMmITVuDlEpCinKuEmL,, Inv.Nr. 11336/92 Fuchsöl) Dieses Öl, bei dem unter anderem ein Fuchs ausgekocht wurde, war fast 2000 Jahre in Verwendung und wurde bei Gelenksschmerzen, gegen Nieren- und Rückenschmerzen angewandt. Verm. Italien, 18. Jh. 1 A 0 u 1 fscAhPrOiftT: OHEl:KCEaNtuKlAorNuNmE. ,(OInlve.uNmr. 11322/514 Catellorum, Hundeöl); hergestellt durch Auskochen neugeborener Hunde in Olivenöl Venetien(verm. Bassano), 18. Jh. 1 A 0 u 2 fscAhPrOiftT: OHEl.KdEeNsKcAorNpNioEn,i Inv.Nr. 11322/235 s.(Oleum Scorpionum simplex, einfaches Skorpionöl) Im Gegensatz zum zusammengesetzten Skorpionöl. Hergestellt wurde dieses Öl durch das Kochen lebender Skorpione in Olivenöl. Das einfache Skorpionöl wurde bei Harn- und Steinleiden verwendet. Ligurien oder Venetien, 18. Jh. 75 Eine der beliebtesten tierischen Substanzen bis ins 19. Jahrhundert hinein war„Bibergeil“(Castoreum), ein Sekret aus den Drüsensäcken, auch Castorbeutel, Geildrüsen, Geilsäcke genannt, des Bibers. Verabreicht wurde es etwa gegen Krämpfe und Epilepsie. Die Nachfrage nach dieser Droge war zeitweise so hoch, dass die Biber als Tiergattung in Gefahr gerieten. Wie gefragt diese Substanz war, darüber gibt auch der Sammlungsbestand Aufschluss, denn es gab die Arznei in nahezu allen Darreichungsformen, als Öl, als Essenz, als Tinktur, als Pulver(Abb. 103). 103 APOTHEKENGEFÄSSE „Castoreum“(Bibergeil) APOTHEKENKANNE, Inv.Nr. 11336/93 Italien, verm. 18. Jh. ALBARELLO, Inv.Nr. 11322/134 Alcora(Spanien), um 1730/40 VIERKANT-GLASFLASCHE MIT STÖPSEL, Inv.Nr. 11336/562 Verm. Deutschland, verm. 18. Jh. HOLZDOSE MIT DECKEL, Inv.Nr. 11323/17 Wiener Hofapotheke, 1750–1850 VIERKANT-GLASFLASCHE, Inv.Nr. 11336/626 Wiener Hofapotheke, 1750–1850 76 So beliebt„Bibergeil“ auch gewesen sein mag, an ein Arzneimittel reichte es nicht heran: Der„Theriak“ war über Jahrhunderte hinweg das Heilmittel schlechthin, ein kostbares und begehrtes Gut aus zahlreichen Bestandteilen. Ursprünglich soll König Mithridates VI. von Pontus(131–64 v. Chr.) mit Giften und Gegenmitteln experimentiert und ein giftresistentes Mittel komponiert haben, das ihn durch regelmäßige Einnahme vor Mord durch Vergiftung schützte(Abb. 104). Noch heute spricht man von Mithridatismus als durch Gewöhnung erworbene Immunität. Andromachos, dem Leibarzt des Kaisers Nero, wird die Weiterentwicklung des Rezeptes zugeschrieben, das dann als Theriak seinen Siegeszug antrat. Der venezianische Theriak(Abb. 105) galt als der beste. Die ursprünglich als Gegengift entwickelte Arznei feierte im Mittelalter und in der Renaissance ihre Hochblüte als Allheilmittel – nun vor allem auch gegen Syphilis, Pest und Cholera. Die Anzahl der verwendeten Ingredienzien stieg und stieg, bis auf einige Dutzend, darunter neben Opium etwa auch Entenblut, Vipern- und Krötenfleisch, die als magische Zutaten galten. Die Rezeptur wurde immer unübersichtlicher, Fälscher, Scharlatane und Quacksalber immer zahlreicher. Im Laufe des 19. Jahrhunderts begann der Theriak an Bedeutung zu verlieren. Das Deutsche Arzneibuch von 1892 nennt noch eine stark reduzierte Rezeptur, bestehend aus lediglich zwölf pflanzlichen Zutaten: Opium, Wein, Angelikawurzel, Schlangenwurzel, Baldrianwurzel, Meerzwiebel, Zitwerwurzel, Zimt, Kardamom, Myrrhe, Eisenvitriol und Honig. Heute ist der Theriak, diese einst magische Medizin, gänzlich entzaubert. Letzte Anklänge finden sich im Schwedenbitter, im Wesentlichen in dessen geschmacksgebenden Substanzen wie Zimt, Baldrian und Kardamom. 1 A 0 u 4 fscAhLrBiftA: RMEiLthLrOid,aInt.vD.Narm. 11(M32it2h/r3id70atium Damocratis, zur Gruppe der Theriaca gehörende, berühmte Arzneibereitung) Verm. Brüssel, letztes Viertel 17. Jh. 1 A 0 u 5 fscAhLrBiftA: RTEhLeLriOac, aIn. vV.eNr(.T1h1e3ri2a2c/a28v3enetiana, venezianischer Theriak, der als der beste galt) Verm. nördliche Niederlande(Holland), Mitte 17. Jh. 77 Der Theriak war vermutlich die Heilmittel-Komposition mit den meisten Zutaten. Doch auch andere Arzneien waren komponiert, und die Aufschriften auf den Gefäßen sind für uns nicht mehr selbsterklärend. Zu nennen wäre hier etwa die„Apostelsalbe“(Unguentum Apostolorum)(Abb. 106), die ihren Namen einzig aus ihren zwölf Bestandteilen bezieht, darunter etwa Terpentin und Myrrhe. Auch die„Gräfinnensalbe“(Unguentum Comitissae) ist heute obsolet(Abb. 107/108). Benannt war sie nach einer Contessa del Varignano und enthielt unter anderem Mispeln und Heidelbeeren. Verwendung fand sie bei zu starker Monatsblutung und Abortgefahr, sprich Gefahr einer Fehlgeburt. In die Kategorie der frauenspezifischen Arzneimittel gehört auch das Pulvis contra abortum(Abb. 109)=„Pulver wider das Mißgebähren“, wie es in der 1 A 0 u 6 fscAhLrBiftA: RVEALpLOos,tIonlvo.Nrurm. 11(U3n3g6/u3e9n3tum Apostolorum, Apostelsalbe) Verm. Holland oder Belgien, verm. 18. Jh. 1 A 0 u 7 fscAhLrBiftA: RUEnLgLuOm, :InCvo.Nmr.it1is1s3a2e2:/(1U3nguentum Comitissae, die„Gräfinnensalbe“, wurde bei zu starker Monatsblutung und Abortgefahr verwendet) Nove(Italien), verm. Anf. 18. Jh. 1 A 0 u 8 fscAhLrBiftA: RUECLLoOm,itInisvs.aNer.. 11322/468 (Unguentum Comitissae, „Gräfinnensalbe“, wurde bei zu starker Monatsblu tung und Abortgefahr verwendet) Verm. Belgien, 18. Jh. 1 A 0 u 9 fscHhOrifLtZPDuOlv.SCEoMnItT. ADbEoCrtKuEmL,. Inv.Nr. (Pulvis 11336/311 contra abortum, Pulver gegen Fehlgeburt) Unbekannt, 18./19. Jh. 78 Abhandlung von Johann Jacob Woyt mit dem Titel„Gazo-phylacium Medico-Physicum, Oder Schatz-Kammer Medicinisch- und Natürlicher Dinge“ aus dem Jahr 1734 heißt, mit dem Hinweis, das Pulver in einer warmen Suppe zu sich zu nehmen. Auch Darreichungsformen in Fleischbrühe, in weichgekochtem Ei, in Wein oder mit Zucker finden sich. Wie immer diese Arznei verabreicht wurde, Ziel der Einnahme war es, eine vorzeitige Niederkunft der Schwangeren zu verhindern. Das Pulver in häufig leicht variierender Zusammensetzung einer Vielzahl an Ingredienzien enthielt u. a. Elfenbeinspäne und Korallen. Die gern gestellte Frage, ob sich in der Apothekengefäße-Sammlung auch Behältnisse für„Mumia“ und/oder„Menschenfett“(Axungia hominis) befinden, muss verneint werden. Die Frage ist keine rhetorische oder rein spekulative, denn in anderen renommierten Sammlungen befinden sich durchaus Gefäße mit entsprechenden Aufschriften, die auf diese Inhalte schließen lassen. Mumia, Teile des einbalsamierten menschlichen Körpers, war im 17. und 18. Jahrhundert ein ähnlich begehrtes Gut wie der oben beschriebene Theriak. Zunehmende ethische Bedenken, Vorwürfe des Kannibalismus und humanistisches Gedankengut brachten die Mumia zu Beginn des 19. Jahrhunderts zunehmend in Verruf, sodass sie schließlich aus den Arzneibüchern verschwand. In der seit den 1870er-Jahren entstandenen Warenkunde-Sammlung des Technischen Museums findet sich jedoch die Substanz, die sich in den nicht vorhandenen Apothekengefäßen befunden haben dürfte, nämlich eine„echte“ Mumienprobe:„Mumia Egyptica vera“ (Abb. 110). 1 In 1 v 0 .N„r.M8u8m27i2a Egyptica vera“, Um 1900 79 Für unser heutiges Verständnis weniger makaber als vielmehr befremdlich sind sehr profane Substanzen, die man heutzutage ebenfalls nicht unbedingt in einer Apotheke vermuten oder kaufen würde. Zwei recht große italienische Gefäße enthielten nämlich schlicht und einfach Senf oder Mostard(Abb. 111/112) für den Verkauf. Zwei Vierkant-Glasflaschen dagegen mit der Aufschrift„Kirsch“(Abb. 113/114) zeigen sehr schön, dass viele Apotheker sich mit dem Verkauf von Spirituosen ein Zubrot verdienten. 1 A 1 u 1 fscAhLrBiftA: RMEoLsLtOar,dInavS.Nopr.r1a1F3i2n2a/5(M62ostard, Senf, Mostrich) Verm. Italien, 18. Jh. 1 A 1 u 2 fscAhLrBiftA: RMEoLsLtOar, Inv.Nr. 11336/548 Da Fina(Mostard, Senf, Mostrich) Italien, verm. 18. Jh. 1 A 1 u 3 fscVhIEriRftK: AKiNrsTc-hG(LKAirSsFchLwASasCsHerEo, Idnevr.NKri.rs1c1h3l2ik2ö/5r)26 Deutschland, um 1770 1 A 1 u 4 fscVhIEriRftK: AKiNrsTc-hGLLiAqSuFeLr A(KSiCrsHchEl,ikIönvr).Nr. 11322/563 Deutschland, zwischen 1770 und 1790 80 Rezept„Mannasirup“ 1 A 1 u 5 fscAhPrOiftT: SHyErK: MENanKnAaNt:N(SEyMruIpTuDs EMCaKnEnLa,tuInsv,.SNyrr.u1p1u3s22L/a4x9a2tivus de Manna, Manna-Sirup) Wiener Porzellanmanufaktur, 1812 Enthielt u. a. Manna, Anis, Fenchel, Macis und wurde Kindern als mildes Abführmittel gegen Verstopfung gegeben. 81 116 MACISBLÜTEN, Inv.Nr. 85586 ANIS, Inv.Nr. 85575 MANNA, Inv.Nr. 78812 FENCHEL, Inv.Nr. 85590 Um 1900 82 Alchemie – Pharmazie – Kosmetika Alchemie und Pharmazie Alchemie und Pharmazie haben gemeinsame Wurzeln. Ein Stück des Weges sind sie miteinander gegangen, bis sich ihre Wege endgültig trennten. Es war Paracelsus, der im 16. Jahrhundert der Alchemie eine konkrete Aufgabe zuschrieb, nämlich die, Arzneien zu machen. Die Zeichen und Formeln der Alchemisten haben sich auch in der Pharmazie lange Zeit als nützlich erwiesen. Die Symbole θ für Salz, für Pulver, für Wasser, für Ammoniak, Ω für Spiritus, für Antimon, Φ für Salpeter, für Schwefel und viele andere finden sich bis in das 19. Jahrhundert in pharmazeutischen Rezepturen und auf Arzneigefäßen. Weniger Zauberei als vielmehr eine möglichst rasche Verständigung zwischen Arzt und Apotheker steckte hinter der Verwendung der praktischen Zeichensprache. Dass diese geheimnisvollen Symbole für das Publikum unverständlich waren, mag vielleicht im einen oder anderen Fall zur Genesung des Patienten sogar entscheidend beigetragen haben. Einige Dutzend Glasflaschen mit alchemistischen Zeichen haben Eingang in die Sammlung gefunden. Dabei sind die Gefäße mit dem beliebten blauen Blätterkranz am häufigsten vertreten. Auf einer Vierkant-Glasflasche(Abb. 117) findet sich das alchemistische Zeichen für„Aqua“. Die Flasche enthielt„Aqua: Violar“: (Aqua Violarum, Veilchenwasser), das als kühlend galt. Das alchemistische Symbol Ω für„Spiritus“ findet sich etwa auf der Vierkant-Glasflasche(Abb. 118). „Spiritus Formic“.(Spiritus Formicarum, Ameisengeist) wurde als Antirheumatikum verwendet. Gleich drei alchemistische Zeichen trägt das Gefäß(Abb. 119): Ω für„Spiritus“, θ für„Sal“ und für„Ammoniak“. Dies ergibt zusammen mit dem Zusatz Anis„Spiritus Salis ammoniaci anisatus“, den anishaltigen Salmiakgeist. Dieser wurde bei Lungen- und Brustleiden sowie gegen Blähungen gegeben. Die alchemistischen Zeichen Ω für„Spiritus“ und Φ für„Nitri“(Salpeter) trägt die Vierkant-Glasflasche(Abb. 120);„Spiritus Nitri dulc“.(Spiritus Nitri dulcis, versüßter Salpetergeist) wirkte als Analeptikum stimulierend, aber auch innerlich reinigend und schleimabführend. Eine andere Flasche(Abb. 121) beinhaltete Ω Vini,„Spiritus Vini“(Weingeist oder reiner Alkohol). 70%igen Alkohol bekommt man auch heute noch in der Apotheke zu kaufen. 83 1 A 1 u 7 fscVhIEriRftK: AANquTa-G: VLiAoSlaFrL: A(ASqCuHaEV,iIonlva.rNurm. 1, 1V3e2il2c/h5e2n8wasser) Deutschland, um 1750 1 A 1 u 8 fscVhIEriRftK: SApNirTit-uGsLFAoSrFmLiAc.S(CSpHiEritMusITFoSrTmÖicPaSrEuLm, ,InAvm.Ner.is1e1n3g2e2i/s5t)21 Deutschland, zwischen ca. 1730 und 1750 1 A 1 u 9 fscVhIEriRftK: ASpNirTi-tGusLASaSlFisLaAmSCmHoEn,iaInciv.aNnri.s1: 1(S3p2i2ri/t5u3s9Salis ammoniaci anisatus, anishaltiger Salmiakgeist) Deutschland, Mitte 18. Jh. 1 A 2 u 0 fscVhIEriRftK: ASpNirTi-tGusLANSitFriLdAuSlCc:H(SEp, iIrnitvu.Ns rN. 1it1r3i d22u/lc6i4s2,„versüßter Salpetergeist“) Deutschland, Mitte 18. Jh. 1 A 2 u 1 fsc V h IE ri R ft K : A S N pi T r it G u L s A V S in F i LA A S lk C o H ho E, l Inv.Nr. 11336/413 (Weingeist) Deutschland, 18. Jh. 84 Ein Weithals-Vierkantglas mit Deckel(Abb. 122) trägt das alchemistische Zeichen für„Pulvis“. Das Gefäß enthielt Pulvis Sympathetic:(Pulvis Sympatheticus,„Sympathetisches Pulver“), hergestellt aus pulverisiertem römischem Vitriol, einem Eisensalz. Dieses Pulver sollte Wunden auch über große Entfernungen hinweg heilen, wenn man es auf ein Tuch mit dem Blut der Wunde gab. Hier treffen sich Alchemie und Pharmazie am unmittelbarsten, indem nicht nur das alchemistische Symbol als Zeichen übernommen wird, sondern auch alte„unwissenschaftliche“ Inhalte mit transportiert werden. 1 In 2 v 2 .N W r. 1 E 1 IT 3 H 22 A / L 5 S 7 0 VIERKANTGLAS MIT HOLZDECKEL, Aufschrift: Pulvis Sympathetic: (Pulvis Sympatheticus, „Sympathetisches Pulver“) Deutschland, erste Hälfte 18. Jh. Ein Deckelgefäß aus Kobaltglas(Abb. 123) fällt gleich in mehrerlei Hinsicht aus dem Rahmen. Vermutlich stammt es aus Deutschland, aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Darauf verweist die spitzbogige Form des Beschriftungsschildes, die in der Biedermeierzeit sehr beliebt war. Auffallend ist die teilweise recht pastose silbrig-weiße Bemalung. Bei diesem Unikat der Sammlung handelt es sich um eines der wenigen bekannten Gefäße, die auch eine Beschriftung in weißer Farbe tragen. Aufschrift(mit dem alchemistischen Zeichen θ für„Sal“):„Pulv: Fumal: Sal“(Pulvis fumalis, Räucherpulver). Bemerkenswert ist die Verwendung des alchemistischen Zeichens zu einem Zeitpunkt, als diese Symbole bereits weitgehend aus den Gefäßaufschriften verschwunden waren. Die warenkundliche Sammlung des Museums mit ihrem reichhaltigen Fundus an anorganischen und organischen Rohstoffen erlaubt es, das Rezept dieses Räucherpulvers(bis auf die benötigten Rosenblätter) aus den eigenen Beständen zusammenzustellen(Abb. 124). Rezept„Räucherpulver“ 1 A 2 u 3 fscDhEriCftK: EPuLGlv:LFAuSm, Ianlv:.SNar.l 11322/430 (Pulvis fumalis, Räucherpulver) Verm. Deutschland, erste Hälfte 19. Jh. 85 Es gab mehrere verschiedene Mischungen für Räucherpulver, eine enthielt beispielsweise Lavendel, Rosenblüten, Gewürznelken, Benzoe, Weihrauch, Bernstein und Mastix. 86 124 WEIHRAUCH, Inv.Nr. 51733, 51735 MASTIX, Inv.Nr. 51756, 87030 BERNSTEIN, Inv.Nr. 51741, 51781 LAVENDELBLÜTEN, Inv.Nr. 14778/13 NELKEN, Inv.Nr. 14774/10 BENZOEHARZ, Inv.Nr. 51654 Um 1900 87 88 Pharmazie und Kosmetika Große Augen oder kleiner Busen, rote Lippen oder weiße Zähne, gepflegte Hände oder ein makelloses Gesicht, gefärbte Haare oder fleckenlose Haut – für jeden Anlass das richtige Mittel. Kosmetika und Arzneimittel sind eng miteinander verbunden, was sich auch in älteren Bezeichnungen spiegelt:„Cosmetica medicamenta“,„Schmink-Arznei“ oder„Weibische Artzney“. Der unmittelbare Zusammenhang zwischen Arznei und Kosmetika wird verständlich, wenn man bedenkt, dass die meisten pflanzlichen, tierischen und mineralischen Drogen sowohl zu heilenden als auch zu verschönernden Zwecken Anwendung fanden und zum Teil immer noch finden. Große Augen? Kein Problem!„Belladonna“, die„schöne Frau“, eine alkaloidhaltige Droge, machte es möglich. Dabei handelt es sich um die„Tollkirsche“. Der Saft, in die Augen geträufelt, führte zu schönen schwarzen Augen, indem er die Pupillen vergrößerte. Medizinische Anwendung fand der Tollkirschenextrakt bei Gelbsucht, Wassersucht und Keuchhusten(Abb. 125/126). 1 A 2 u 5 fscAhLrBiftA: REExLtrLBOe,lIlnadv.N(Er.xt1r1a3c2tu2m/18B2elladonnae, Tollkirschextrakt) Deutschland, zweite Hälfte 18. Jh. 1 In 2 v 6 .N W r. 1 E 1 IT 3 H 36 A / L 7 S-VIERKANTGLAS MIT HOLZDECKEL, Aufschrift: Herb. Belladon. Pulv(Pulvis Belladonnae, Tollkirschpulver) Verm. Deutschland, verm. 18. Jh. 89 Kleiner Busen gefällig? Die Kleidermode mit ihren Schnürbrüsten, Miedern und Korsetts ließ zu manchen Zeiten einen großen Busen nicht wünschenswert erscheinen. Daher waren Mittel begehrt, um eine„große hangende Brust klein und keck zu machen“. Der hochgiftige Schierling, durch Sokrates weltberühmt geworden, fand in Form von Umschlägen aus zerstoßenem Kraut mit Essig oder aus destilliertem Schierlingwasser Anwendung. Heute ist der Schierling für die Verwendung in kosmetischen Produkten verboten. 1 A 2 u 7 fscAhLrBiftA: REExLtrLaOit MIT DECKEL, Inv.Nr. 11322/259 de Cigüe.(Extractum Conii, Schierlingsextrakt) Paris, um 1810 1 LI 2 N 8 G M (C U i S e T n E ta RB V L ir A o T sa T ), M In IT v.N G r I . F 5 T 3 I 9 G 4 E 8 M /3 WASSERSCHIER Um 1900 90 Eine makellose Haut? Offenbar war man nicht zimperlich, wenn es darum ging, sich eine makellose und reine Haut zu verschaffen. So benutzte man neben Quecksilberpräparaten(Abb. 129) auch Spiritus salis(Salzsäure), um sich die Haut abzubeizen. Heute würden wir wohl von einem chemischen Hautpeeling sprechen. Medizinische Anwendung fanden Quecksilbersalben (Unguentum Mercuriale) bei Hautleiden und bei der Behandlung von Syphilis, auch„neapolitanische Krankheit“ genannt. Die dermaßen geschundene Haut brauchte Linderung. Hervorragend geeignet schien dazu das Eieröl (Abb. 130), gewonnen durch das Auspressen von hartgekochtem Eigelb. Es diente auch zur Pflege und Heilung rauher Haut, aufgesprungener Lippen und gegen Narben und Schwangerschaftsstreifen. 1 A 2 u 9 fscAhLrBiftA: RUEnLMLOe,rcInuvr.iNal.r.(1U1n3g2u2e/1n3tu0m Mercuriale, Quecksilbersalbe, bestand aus Quecksilber, Bleiweiß, Myrrhe, Lorbeeröl, Schlangenfett und Schweineschmalz) Verm. Belgien oder Nordfrankreich, 18. Jh. 1 In 3 v 0 .NVr.IE1R13K2A2N/6T1-G1 LASFLASCHE MIT STÖPSEL, Aufschrift: Ol: Ovor:(Oleum Ovorum, Eieröl) Deutschland, Mitte 18. Jh. Sommersprossen? Der Kampf gegen Flecken und für eine weiße Haut lässt sich anhand der unzähligen Bleichmittel ablesen. Das Bleiweiß(Cerussa)(Abb. 131/132) galt, nicht zuletzt wegen seiner weißen Farbe, als 91 1 A 3 u 1 fscAhLrBiftA: RPEuLlvLiOs CMeIrTusDseEC(BKleEiLw,eInißv.pNurl.v1e1r)336/166 Verm. Italien, verm. 18. Jh. 1 U 3 m 2 1 B 9 L 0 E 0 IWEISS, I nv.Nr. 89012 1 In 3 v 3 .NAr.P1O13T2H2E/4K5E3NTOPF MIT DECKEL, Aufschrift: Therbinthin. Venet.(venezianischer Terpentin) Verm. Deutschland, 18. Jh. 1 In 3 v 4 .NVr.E5N3E56T2IANISCHER TERPENTIN, Um 1900 92 besonders wirkungsvoll. Medizinische Anwendung fanden Bleiweißsalben bei der Wundheilung. Sehr gern wurde zu Limonensaft oder auch zu Terpentin(Abb. 133/134) gegriffen, wenn es darum ging, den Kampf gegen Sommersprossen und Altersflecken aufzunehmen. Die richtige Haarfarbe? Zu weißer Haut passte besonders gut schwarzes Haar. Ein beliebtes Mittel zum Dunkelfärben der Haare war der„Lapis infernalis“(Höllenstein)(Abb. 135/136). Dabei handelt es sich um Silbernitrat, das auf das Haar aufgebracht wurde. Unter Lichteinwirkung bildet sich feines, schwarzes metallisches Silber, das sich auf dem Haar ablagert. In der Medizin wurde der Höllenstein als Ätzmittel bei schlecht heilenden Wunden eingesetzt. Noch heute kommen„Höllenstein-Ätzstifte“ gegen Warzen zur Anwendung. 1 A 3 u 5 fsc W hr E if IT t: H L A ap LS : I n V f I e E r R n K : A (L N ap T i G s L in A fe S r , nInavli.sN, rH. 1ö1ll3e2n2s/t6e7in2, Silber(I)-nitrat) Deutschland, nach 1750 1 U 3 m 6 1S9I0L0BERNITRAT, Inv.Nr. 90996 93 Rote Lippen? Dazu diente etwa eine Zubereitung aus Drachenblut oder eine rot gefärbte Pomade, die zum Beispiel durch die fettlöslichen Rotpigmente der Ochsenzungenwurzel erzeugt wurde(Abb. 137/138). 1 D 3 E 7 CKHEOLL, ZDOSE MIT Inv.Nr. 11322/209 Aufschrift: Rad. Alcann. (Radix Alcannae, entweder die färbende Ochsenzunge oder auch, in Apotheken jedoch selten gebraucht, die Wurzeln des Hennastrauchs, ebenfalls färbend) Verm. Deutschland, letztes Viertel 18. Jh. 1 W 3 U 8 R O ZE C L H , SENZUNGENInv.Nr. 36780 19. Jh. Weiße Zähne? Bis ins 19. Jahrhundert verwendete man vor allem Zahnpulver. Das„Pulvis Dentifricius“ war in den Arzneitaxen verzeichnet und demnach ein Apothekenprodukt. Das Glasgefäß der Abb. 139 erhielt sein Papieretikett wahrscheinlich nachträglich gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Auch das typische Rezept eines Zahnpulvers des 19. Jahrhunderts lässt sich aus den Beständen unserer warenkundlichen Sammlung„nachspielen“ (Abb. 140). 94 Rezept„Zahnpulver“ 1 In 3 v 9 .N W r. 1 E 1 IT 3 H 22 A / L 6 S 6 1 VIERKANTGLAS MIT HOLZDECKEL, Aufschrift: Auf dem ursprünglich unbeschrifteten Schild klebt ein Etikett aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Aufschrift„Pulv. Denth. M.“(Pulvis Dentifricius, Zahnpulver). Deutschland, Mitte 18. Jh. Dieses Pulver enthielt u. a. Bimsstein, Sepiaschale, präparierte Korallen, Muskatnussöl und Nelkenöl. 95 140 BIMSSTEIN, Inv.Nr. 3894, 3891 NELKENÖL, Inv.Nr. 89628 KORALLEN, Inv.Nr. 82602 SEPIASCHALE, Inv.Nr. 14689/4 MUSKATÖL, Inv.Nr. 82770/5 19. Jh. 2 97 Objekte erzählen Geschichte(n) Datierung, Provenienz, Kaufpreis Viele Apothekengefäße sind Teil einer großen anonymen Objektmasse, d. h. sie geben nicht viel preis über ihre Herstellung oder wo sie in Verwendung standen. Andere hingegen erzählen Geschichten, von nicht zu entschlüsselnden Initialen bis zur eindeutigen Bestimmung. Manchem Objekt ist seine Geschichte – oder besser seine Jahreszahl – im wahrsten Sinne eingebrannt, in der Glasur bzw. in der Malerei. Das älteste datierte Gefäß der Sammlung ist eine etwa 30 cm hohe Apothekenkanne unbekannter Herkunft, auf der Rückseite mit 1667 datiert(Abb. 141). Ein vermutlich aus Italien stammender Albarello trägt, schildförmig gerahmt, die Jahreszahl 1699(Abb. 142). 1 U 4 n 1 beAkPaOnnTtH, 1E6K6E7NKANNE, Inv.Nr. 11336/510 98 1 Ve 4 r 2 mA. LItBaAlieRnE,L1L6O99, Inv.Nr. 11336/589 1 Ve 4 r 3 mA. PNOeaTpHeElKoEdNeTr OCaPsFt,eIlnliv.(NItar.li1e1n3),2127/39347 1 Ve 4 r 4 mA. LCBaAstReEllLi L(IOta,liIennv).,N1r7. 4161322/347 Auch das 18. Jahrhundert hat Datierungen zu bieten, die sich teils auf der Rückseite, teils auf der Unterseite, teils auf der Schauseite der Apothekengefäße befinden. Doch wie man sieht, bieten einige Gefäße nicht nur Jahreszahlen, sondern diese auch in Kombination mit dem Herstellungsort, wie etwa„Pesaro“(Abb. 145), oder Besitzerinitialen, wie etwa„ALLA 99 Montagna“, offenbar der Name der Apotheke(Abb. 146). Andere wiederum setzen die Initialen in ein Gold vortäuschendes Medaillon, wie etwa die Buchstaben FM auf einem vermutlich italienischen Standgefäß des ausgehenden 18. Jahrhunderts(Abb. 147). Oder die Gefäße sind zusätzlich mit einer bildlichen Darstellung geschmückt, wie ein Albarello aus dem venezianischen Raum(Abb. 148), dessen(Frauen-)Büste von den Buchstaben F. und R. flankiert ist. 1 In 4 v 5 .NAr.P1O13T3H6E/3K7E4N-STANDGEFÄSS MIT DECKEL, Pesaro(Italien), 1787 100 1 B 4 as 6 saAnLoBA(ItRaEliLeLnO), ,1I7n1v1.Nr. 11322/66 1 Ve 4 r 7 mA. PItOaliTeHnE, lKeEtzNte-SsTVAieNrtDeGl 1E8F.ÄJShS. , Inv.Nr. 11322/452 1 Li 4 g 8 urAieLnBoAdReErLVLeOn,eIntive.nN,r.1181. 3Jh22. /460 101 Andere Gefäße wiederum geben aufgrund von Monogrammen Aufschlüsse über hochherrschaftliche Provenienzen. Ein mit 1716 datierter Albarello(Abb. 149) zeigt auf der Schauseite drei Wappenschilde, darüber den sächsischen Fürstenhut, im linken Schild das Monogramm des Herzogs Christian zu Sachsen-Weißenfels, im mittleren das Wappen der Herzöge zu Sachsen-Weißenfels und im rechten Schild das Monogramm LC der Herzogin Louise-Caroline. Ein weiterer, undatierter Albarello(Abb. 150) trägt die Initialen„F W R“, die für„Fridericus Wilhelmus Rex“ stehen, sprich für den preußischen König Friedrich Wilhelm. Über dem Monogramm befindet sich die fünfreifige preußische Königskrone. Es handelt sich um ein Gefäß aus der Berliner Hofapotheke. 1 D 4 re 9 sdAeLnB,A1R7E1L6LO, Inv.Nr. 11336/207 1 B 5 e 0 rlinAeLrBHAoRfEaLpLoOth, eInkve.,Nur.m111373460/397 102 Treten Jahreszahlen und/oder Besitzerinitialen in Kombination mit einem Kreuz auf, haben wir es vermutlich mit dem Hinweis auf eine Klosterapotheke zu tun. Ein typisch italienischer Wulst-Albarello mit Eierstabdekor (Abb. 151) zeigt neben den Buchstaben A M C ein solches Kreuz und die Jahreszahl 1749. 1 Li 5 g 1 urAieLnBoAdReErLVLeOn,eIntive.nN,r.117143922/226 1 Li 5 g 2 urAieLnBoAdReErLVLeOn,eIntive.nN,r.1181. 3Jh22. /308 Ein Hinweis ganz anderer Art, der auf eine Klosterapotheke hindeuten könnte, findet sich bei einer Gruppe von Albarelli aus den Abruzzen, für die hier eines exemplarisch stehen möge(Abb. 153). Das Konvolut, zu dem das Gefäß gehört, wurde weiter oben im Kapitel„Castelli“ bereits beschrieben. Neben der typischen Landschaft mit Gebäuden findet sich hier jedoch eine Besonderheit. Im oberen Bereich ist in die Blaumalerei ein Herz mit der Inschrift„Iesus“ eingeritzt. Die Buchstaben„S. F.“ auf der Gefäßrückseite stehen möglicherweise als Abkürzung für„Sancti Francisci“,„Heiliger Franziskus“. Eventuell stammt das Gefäß aus einer Klosterapotheke, möglicherweise einer des Franziskanerordens. 103 1 A 5 b 3 ruAzzLeBnA(RItEaLliLeOn),, Inv.Nr. 18. Jh. 11322/444 Klöster sind seit dem Mittelalter Orte des Wissens und der Gelehrsamkeit, auch auf den Gebieten der Medizin, der Heilkräfte und Heilverfahren. So wurden Klosterspitäler zu wichtigen Einrichtungen der medizinischen Versorgung und Klosterapotheken mit ihren Gärten zu bedeutenden Zentren der Kräutermedizin. Medizinisches Wissen verlagerte sich nach und nach in die Akademien und Universitäten, die Klosterapotheken konnten sich aber bis in das 18. Jahrhundert hinein erhalten. Einige spanische Gefäße sind mit Emblemen von Ordensgemeinschaften geschmückt. Gemeinsam sind ihnen ein Doppeladler mit Krone und ein ovales Medaillon, das den Körper bildet. Darunter befindet sich die Beschriftungskartusche. Ein flammendes oder von Pfeilen durchbohrtes Herz(Abb. 154) ist das Emblem der Augustiner. Die Jesuiten wählten sich das Jesusmonogramm IHS zu ihrem Zeichen(Abb. 155). Ergänzt wird das Monogramm durch ein Kreuz. Die drei Nägel unterhalb des IHS stehen für die drei Gelübde der Jesuiten: Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam. Das Emblem der spanischen Inquisition zeigt ein Kreuz, ein Schwert und eine Märtyrerpalme(Abb. 156). 104 1 A 5 ra 4 gAónLB(SApRaEnLiLeOn),, Inv.Nr. 11322/336 spätes 17. Jh. 1 A 5 ra 5 gAónLB(SApRaEnLiLeOn),, Inv.Nr. frühes 11322/408 18. Jh. 1 Ve 5 r 6 mA. LTBalAavReErLaLoOd,eInr vA.Nlcro. r1a1(3S2p2a/n47ie2n), 18. Jh. 105 Die„Mohren“ Aus all den leuchtenden und bunten Vierkant-Glasflaschen und Weithals-Vierkantgläsern aus Deutschland sticht eine kleine Gruppe an Objekten besonders hervor. Alle gleich – alle verschieden. Gefäße aus der ehemaligen Mohren-Apotheke in Mainz gehören zu den besten Arbeiten auf dem Gebiet der Apothekengläser und zählen zu den begehrtesten Sammlerobjekten. Oben findet sich das Wappen von Kurmainz mit einem Putto, unten links ein Mohr mit blauem Namensschild mit den Initialen„CR“ des damaligen Hofapothekers Caspar Ritter, der die Apotheke 1747 übernommen hatte. Obwohl sich alle Gläser der Sammlung eindeutig der Mohren-Apotheke in Mainz zuordnen lassen, fallen die(Qualitäts-)Unterschiede in der Ausführung der Bemalung sofort ins Auge. Die Gestaltung der„Mohren“ und der„Putten“ reicht von akribisch bis nachlässig, die der Frisuren, Flügel und Gewänder von elegant bis nahezu unkenntlich. Zwei der Gläser weisen gar keinen„Putto“ auf. Die Gläser machen Lust darauf, vergleichende Studien der unterschiedlichen Malweisen anzustellen. Doch unabhängig von den künstlerischen Fertigkeiten der Glasmaler ist jedes Stück ein kleines Juwel, das dank der brillanten Emailfarben über Jahrhunderte hinweg nichts von seiner Leuchtkraft und seinem Charme eingebüßt hat. 1 R 5 E 7 NADPROEITVHIEEKREKAINNTM-GALINAZS,FILnAv.SNCr.H1E1N33A6U/2S64D,E2R62M, 9O6HDeutschland, zwischen 1747 und 1750 106 107 1 M 5 O 8 HVRIEERNKAAPNOTT-GHLEAKSEFILNAMSCAHINEZN(ADUetSaiDlsE) R 108 Was Papieraufkleber verraten Nicht immer„spricht“ das Objekt selbst zu uns, d. h. nicht immer sind eindeutige Informationen wie etwa Signaturen, Initialen, Embleme, Wappen, Monogramme, Datierungen als ursprünglicher Bestandteil des Objekts vorhanden. Manchmal fügt der Sammler wertvolle Hinweise hinzu, die Aufschluss über die Geschichte eines Objekts zu geben vermögen. In unserem Fall sind es Papieretiketten, die bei der Archivierung der Gefäße nachträglich aufgebracht wurden. Diese Aufkleber erzählen etwa über Erwerbsorte, Händler, die Erwerbspreise oder ehemalige Standorte der Gefäße. Erworben wurden die Gefäße im nahezu gesamten europäischen Raum, von Berlin bis Madrid, von Brüssel bis Venedig, von Straßburg bis Wien, von Dresden bis Trient, von Den Haag bis Salzburg, von A wie Antwerpen bis Z wie Zürich. Darüber geben sowohl die alten Inventarverzeichnisse als auch vereinzelt die Papieretiketten Auskunft, wie etwa bei einer Holzdose (Abb. 159), die in Dresden erworben wurde. Wo die Gefäße ehemals in Verwendung standen, ist in den meisten Fällen nicht zu beantworten. Lediglich bei einer kleinen Gruppe von Objekten lässt sich mit gutem Grund vermuten, dass sie nicht über einen Händler, sondern offenbar direkt an ihrem Einsatzort erworben wurden. Papieraufkleber mit der Provenienz „Barmherzige Brüder Neustadt“ legen dies nahe(Abb. 160). 1 U 5 n 9 beHkOanLnZtD, 1O8S. EodMeIrT1D9.EJChK. EL, Inv.Nr. 11336/115 109 1 U 6 n 0 beAkLaBnAntR,EvLeLrmO., Inv.Nr. 18. Jh. 11336/470 Über eine andere Frage geben die Papieretiketten umfangreich Auskunft und gewähren interessante Einblicke in die Sammlerpersönlichkeit. Denn: Wie viel war der Sammler bereit, für seine Stücke zu bezahlen? Was war ihm seine Leidenschaft wert? Die Archivierung bzw. Inventarisierung der Sammlung war seinerzeit zwar nicht akribisch genug, um alle Gefäße zu erfassen, dennoch gibt eine ganze Reihe der angekauften Objekte Auskunft über den Kaufpreis. Einige wenige Beispiele mögen das zeigen. Wenden wir uns zunächst den Stücken zu, die in der Kronen-Währung erstanden wurden. Legt man die Kaufkraftparität des Gulden und der Krone zum Euro zugrunde, so ergibt das für den entsprechenden Zeitraum, auch wenn das genaue Kaufdatum meistens nicht bekannt ist, folgende Werte. Nach der Einführung der Krone anstelle des Guldens im Jahr 1892 betrug der Gegenwert einer Krone etwa 10,2 Euro. Der Wert fiel im Verlauf der folgenden Jahrzehnte bis zu Beginn des Ersten Weltkriegs auf ca. fünf Euro. Für den Zeitraum der Objektankäufe – von etwa 1890 bis 1914 – ergibt sich damit ein Umrechnungswert von rund fünf bis zehn Euro pro Krone. Demnach hätte die große Apothekenvase(Abb. 161) zu 60 Kronen zwischen 300 und 600 Euro nach heutigem Wert gekostet, der große Albarello(Abb. 162) zu 30 Kronen zwischen 150 und 300 Euro und der Albarello(Abb. 163) zu 12 Kronen zwischen 60 und 120 Euro. 110 1 U 6 n 1 beAkPaOnnTtH, vEeKrEmN. V1A8.SJEh,.Inv.Nr. 11336/95 1 D 6 e 2 utAscLhBlAanRdE,L1L7O1,5Inv.Nr. 11336/294 1 U 6 n 3 beAkLaBnAntR,E1L8L./O19,.InJvh.N. r. 11336/471 111 Doch nicht nur innerhalb der Habsburgermonarchie wurden Gefäße angekauft, sondern auch im deutschen Raum. Dementsprechend sind die Kaufpreise zum Teil auch in Mark ausgewiesen, wie die Währung zwischen 1871 und 1923 offiziell hieß. Eine Mark entsprach um 1900 etwa sechs Euro, fiel dann bis 1914 kontinuierlich auf einen Wert von 4,70 Euro. Der Einfachheit halber legen wir hier ebenfalls einen Mittelwert von fünf Euro zugrunde. Die Apothekenvase(Abb. 164) für 15 Mark wurde demnach für ca. 75 Euro nach heutigem Wert erworben, der Apothekentopf in Kaltmalerei(Abb. 165) kostete sechs Mark, das entspricht in etwa 30 Euro, und die Vierkant-Glasflasche mit Stöpsel(Abb. 166) war für fünf Mark zu haben, also für ca. 25 Euro. Die Preise erscheinen im Vergleich zu heutigen Auktionspreisen vergleichsweise niedrig bis sehr niedrig. Heute erfolgt der Ausruf eines historischen Apothekengefäßes selten unter 500 Euro, vom tatsächlichen Versteigerungspreis zu schweigen. Doch wird man die beiden Zeiträume nicht eins zu eins vergleichen können. 1 Ve 6 r 4 mA. PDOeuTtHscEhKlEanNdV,AvSeErm, I.n1v.8N. rJ.h1.1336/516 112 1 Ve 6 r 5 mA. LDBeAuRtsEcLhLlaOn,dIn, vv.eNrmr..11183.3J6h/2. 06 1 In 6 v 6 .NVr.IE1R13K3A6N/6T6-G1 LASFLASCHE MIT STÖPSEL, Verm. Deutschland, verm. 18. Jh. 113 Die komplette Sammlung, wie sie seinerzeit nach dem Tod des Erzherzogs im Schloss Blühnbach aufgefunden wurde, lässt sich anhand der im Nachlass befindlichen Schätzungen auf rund 15.000 bis 20.000 Kronen veranschlagen. Dividiert man diese Summe durch die Anzahl der ca. 1400 Objekte, dann ergibt sich ein Kaufpreis von durchschnittlich 10 bis 15 Kronen= 50 bis 150 Euro pro Gefäß. Ein letzter, sehr individueller Papieraufkleber, wirft ein zusätzliches Streiflicht auf den Sammler Franz Ferdinand. Ein italienischer Albarello, vermutlich aus dem 18. Jahrhundert(Abb. 167), trägt am Boden ein rundes Papieretikett, das eine Widmung enthält:„Geschenk von Sr und Ihro Durchlaucht Fürsten und Fürstin von Löwenstein zum fünfzigsten Geburtstage.“ Auch wenn nicht eindeutig nachzuweisen ist, ob es sich um ein Geschenk des Fürstenpaares an den Erzherzog handelt oder ob sich der Papieraufkleber bereits vor einem möglichen Ankauf auf dem Gefäß befand, eines ist sicher: Franz Ferdinand beging am 18. Dezember 1913 seinen 50. Geburtstag. Demnach könnte es sich sehr wohl um ein persönliches Geschenk gehandelt haben, denn die Sammelleidenschaft des Thronfolgers dürfte in höchsten und allerhöchsten Kreisen allgemein bekannt gewesen sein. 1 It 6 al 7 ieAn,LvBeArRmE.L1L8O. J, hIn. v.Nr. 11336/94 114 Manische Sammelleidenschaft „Bevi Cara“ Nicht alles, was der Sammler Franz Ferdinand an„Apothekengefäßen“ zusammengetragen hat, verdient auch diesen Begriff. Eine ganze Reihe von Gefäßen soll dies verdeutlichen. Es handelt sich um etwa 15 Krüge mit der Aufschrift„Bevi“(„Trink!“) –„Bevi Cara“(„Trink, meine Liebe!“),„Bevi Giorgio“,„Bevi Matteo“,„Bevi Nina“,„Bevi Catterina“,„Bevi Bortolo“, um nur einige zu nennen. Es sind schlicht und einfach Krüge oder Trinkgefäße, die vermutlich niemals eine Apotheken-Offizin von innen gesehen haben, es sei denn, sie wären von den dort Tätigen zu privaten Zwecken verwendet worden. 115 1 It 6 al 8 ieKnR, vÜeGrmE,. Inv.Nr. 11336/47–49, Ende 19. Jh. 53, 553–558 116 In dieselbe Kategorie der eher volkstümlichen, jedoch nicht für Apothekenzwecke vorgesehenen Gefäße gehört auch eine andere Kanne, die darüber hinaus noch in einem weiteren Kontext interessant erscheint(Abb. 169). Dieser Krug mit der bildlichen Darstellung der„Verkündigung Mariäs durch den Erzengel Gabriel“ hat seine Vorlage in einer authentischen Apothekenkanne, einem Stück aus Castelli(Abb. 170). Die feine Keramik aus Castelli, um 1700 herum in einer der traditionsreichsten Keramikregionen Italiens entstanden, ist vermutlich um 150 bis 200 Jahre älter als die schlichte, naive„Kopie“, die auch einer gewissen Komik nicht entbehrt. 1 „M 69 arKiäRUVeGr,küInnvd.Nigr.u1n1g3“36/552 Verm. Italien, verm. 19. Jh. 1 „M 70 arAiäPVOeTrkHüEnKdEigNuKnAgN“ NE, Inv.Nr. 11322/475 Castelli(Italien), um 1700 117 Die„Phantasievollen“ Wie wirkt„Ung Pinz“? Wogegen hilft„Turbit“? Wann sollte man zu„Ol. Cisel.“ greifen? Wer von diesen Arzneien Hilfe gegen seine Leiden erwartet, wird enttäuscht werden, entspringen die klingenden Namen doch offensichtlich der reinen Phantasie des Gefäßmalers und sind in keinem Arzneimittel-Index zu finden. Da begegnen uns„Lil sil.“,„Rigut“,„Ol. Lise“, „Rusru. Mieh.“,„Manthr. Sir.“,„Asensil“ und weitere Ungereimtheiten. Ein ganzes Konvolut solcher dekorativer Gefäße – 12 Flaschen, 15 Kannen und 17 Albarelli – fanden Eingang in die Sammlung(Abb. 171). Fast keine der Beschriftungen ist eindeutig zuordenbar. Der unbekümmerte Umgang mit den Aufschriften zeigt sich nicht nur in den Phantasienamen, sondern auch an der Art der Zuweisung zu bestimmten Gefäßtypen, eine Zuweisung, die völlig an der Praxis vorbeigeht. So werden Öle in Albarelli oder Konfekte in enghalsige Flaschen verbannt. Durch das blaue, stilisierte N(Nove) auf der Unterseite der Standfüße lassen sich alle Gefäße regional zuordnen. Das ganze Konvolut wurde in Trient erworben. Fast kitschig in ihrer Buntheit, stechen diese PseudoApothekengefäße sofort aus dem Gros der seriösen Gefäße heraus. Vermutlich handelt es sich um Produkte des 19. Jahrhunderts im Stil des 18. Jahrhunderts. Dafür sprechen die fast zu perfekte Oberfläche, die fast schrille Farbigkeit und die Phantasie-Beschriftungen. Die Bemalung erfolgte auf weißer Glasur in den Farben Blau, Manganschwarz, Gelb, Rot, Grün. Auf der Gefäßmitte finden sich jeweils ein blau schattiertes umlaufendes Beschriftungsband, eine Beschriftung in gotischen Lettern, ober- und unterhalb des Bandes je eine Dreiergruppe verschiedenfarbiger Chrysanthemenblüten mit roter Mitte und gelbem Körbchen sowie umlaufende Bänder in Blau an Fuß, Ablauf, um das Beschriftungsband und an Deckel und Henkel. Die Knäufe der Deckel sind aus naturalistisch geformten Früchten und Blättern gebildet. Neben dieser Gruppe befinden sich noch einige„phantasievolle“ Einzelstücke in der Sammlung. Ein anderer Gefäßtyp(Abb. 172) aus Nove ist mit unterschiedlichen Aufschriften dreimal vertreten. Der Gefäßkörper ist in diesem Fall zwar zylindrisch, doch die umlaufenden blauen Bänder und die ausmodellierten Früchte zeigen auch hier Anklänge an die Gruppe. Ob es sich überhaupt um ein Apothekengefäß im klassischen Sinne handelt, ist fraglich, da auch in diesem Fall die Beschriftung wenig Sinn ergibt. Noch mehr trifft diese Vermutung auf die Kanne der Abb.173 zu. Ihr Produkti- 118 onsort ist unbekannt; vermutlich stammt sie aus dem frühen 19. Jahrhundert. Möglicherweise waren alle diese Gefäße als Schaustücke mit reinem Dekorcharakter gedacht; handelt es sich doch um recht dekorative Gefäße, durchaus geeignet, den bürgerlichen Kaminsims zu zieren. 171 APOTHEKENKANNE MIT DECKEL, Inv.Nr. 11322/26 Aufschrift: Turbit(Turbith, Turpethum, Turpeth? Wurzel der Pflanze Ipomoea turpethum). Die Wurzel selbst wäre nie in einer Kanne aufbewahrt worden, die Art der Zubereitung müsste auf der Kanne angegeben sein, sollte diese Turpeth enthalten. ALBARELLO MIT DECKEL, Inv.Nr. 11322/48 Aufschrift: Ol. Cisel. Wahrscheinlich eine Phantasiebeschriftung, nicht eindeutig einer Salbenzubereitung zuordenbar. APOTHEKENFLASCHE, Inv.Nr. 11322/56 Aufschrift: Cons. Rosaro. Würde„Conserva rosarum“, einer Zubereitung aus Zucker und Rosen, auch„Zuccaro rosato“ genannt, entsprechen, die je nach Art der Rosen von unterschiedlicher Wirkung war. Allerdings wurden schon aus praktischen Gründen derartige Zubereitungen nicht in Flaschen aufbewahrt. Nove(Venetien), verm. 19. Jh. 119 1 A 7 u 2 fscAhPrOiftT: UHnEgKEPNinTzO. WPFahMrsIcThDeiEnClicKhEeL,inInevP.Nhra.n1t1a3s2ie2-/74 beschriftung, nicht eindeutig einer Salbenzubereitung zuordenbar. Nove(Venetien), verm. 19. Jh. 1 U 7 n 3 beDkEaCnnKtE, LvKerAmN.NerEs,teInsv.VNier.rt1e1l31292./J6h3.3 Diese wenigen Beispiele für Trinkkrüge bzw.-gefäße sowie für Dekorstücke machen bereits deutlich, worauf es dem Sammler NICHT ankam. Intention zum Aufbau der Sammlung war keineswegs der Gedanke, eine weitestgehend lückenlose Dokumentation zweckgebundener Gefäße, hier Apothekengefäße, zu schaffen. Gesammelt wurde vielmehr massenhaft und offensichtlich mehr Quantität als Qualität.„Kunstverstand“ wird man dem manischen Sammler Franz Ferdinand in diesem Fall wohl eher nicht unterstellen. 2 Glossar 121 Feston Ein girlandenartiges„Gehänge“, ein horizontal verlaufendes und bogenförmig nach unten hängendes Ziergebinde aus Blüten und Blättern, manchmal auch aus Früchten. Das Feston ist in der Mitte breiter und voller als an den Enden, im Unterschied zur„Girlande“, die überall die gleiche Stärke aufweist und beliebig lang ist. Manchmal sind Festons mit Bändern umwunden, die in Schleifen enden. Frakturschrift Fraktur – von lat. fractura,„das Brechen“ – ist ein Schrifttyp des 15./16. Jh., bei dem die Buchstaben eckig, wie„gebrochen“ aussehen. Kartusche Ein tafel- bzw. wappenförmiges Ornament, dessen medaillonartiges Mittelfeld sich als Zierrahmen für das Anbringen von Inschriften eignet. Ist die Kartusche an den Ecken und Rändern eingerollt, spricht man auch von„Rollwerk“(s. dort). Offizin Ursprünglich von lat. officina,„Werkstätte, Arbeitsraum“. Obwohl sich im Laufe der Jahrhunderte Produktion und Verkauf der Heilmittel räumlich trennten, hat sich das Wort„Offizin“ für den Verkaufsraum einer Apotheke bis heute erhalten. Rocaille Das aus dem Französischen stammende Wort bedeutet soviel wie„Muschelwerk“ bzw.„Haufen kleiner Steine“ oder„Steingarten“, ein im 18. Jh. in Frankreich entstandenes schnörkel- oder muschelartiges Dekorelement, das sich auf natürliche Gestaltungselemente – wie Muscheln, Gehäuse, Meeresschnecken, Kiesel und Steine – der barocken Grotten- und Parkgestaltung zurückführen lässt. Rollwerk Ein Kartuschenwerk(s. dort) mit eingerollten Rändern und Ecken. Das Rollwerk entstand durch das Einrollen der Enden von Spruchbändern. Trompe l‘œil Aus dem Französischen, soviel wie„trügerischer Schein“ oder„Augentäuschung“. Es handelt sich um eine illusionistische Malerei, die das Auge des Betrachters bewusst irreleitet, indem sie mittels der Perspektive eine dreidimensionale Räumlichkeit vortäuscht. 122 Abbildungen Abb. 1 Historisches Ensemble ALTE APOTHEKE im Technischen Museum Wien Fotografie, 1983 TMW-Archiv, FA-034469 Abb. 2 ERZHERZOG THRONFOLGER FRANZ FERDINAND Porträt, Ansichtskarte, 1914 TMW-Archiv, BPA-016234 Abb. 3 JAGDSCHLOSS BLÜHNBACH Ansichtskarte, 1938-1941 TMW-Archiv, BPA-016233 Abb. 4 ZWEI HOLZDOSEN , Inv.Nr. 11322/210, 213 Aufschrift: Globul. Martial. P.(Globuli martialis, Globuli tartari ferruginosi seu martiati,„Eisenkugeln“, Gemisch von Eisen(II)- und Eisen(III)-Verbindungen mit Resten von metallischem Eisen und Weinstein; bei Eisenmangel und„Blutarmut“ verabreicht) Aufschrift: Sem. Paeoniae(Semen Paeoniae, Pfingsrosensamen) Höhe: 13,0 – 20,0 cm; Bodendurchmesser: 6,5 – 9,5 cm Verm. Deutschland, letztes Viertel 18. Jh Abb. 5 VIER HOLZDOSEN, Inv.Nr. 11322/109, 111, 203, 208 Aufschrift: Sal mirabile Glauberi(Glaubersalz, Natriumsulfat, abführend; benannt nach Johann Glauber – 1604-1670 –, der die Verwendung des Salzes propagierte) Aufschrift: Semen Lini(Leinsamen) Aufschrift: Sal amarus(Bittersalz, Magnesiumsulfat, abführend) Aufschrift: Rad. Gentianae concisae(Radix Gentianae concisae, geschnittene Enzianwurzel) Höhe: 13,5 – 18,0 cm; Bodendurchmesser: 8,5 – 10,0 cm Verm. Österreich, erste Hälfte 18. Jh. Abb. 6 ZEHN HOLZDOSEN , Inv.Nr. 11336/101, 111-113, 117, 246, 248-249, 408, 605 Höhe: 16,0 – 24,0 cm; Bodendurchmesser: 7,0 – 11,5 cm Verm. Deutschland/Österreich, 18./19. Jh. 123 Abb. 7 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/85 Aufschrift: Ung Aragon(Unguentum Aragon, richtig eigentlich Unguentum Arogon – abgeleitet aus dem griechischen Wort für„ich helfe, eile zur Hilfe“; Salbe aus u. a. Rosmarin, Salbei, Majoran, Lorbeerblatt, Weihrauch, Lorbeeröl und Bärenfett; gegen Nervenleiden und zur Nervenstärkung) Höhe: 23,5 cm; Bodendurchmesser: 8,0 cm Spanien, verm. 18. Jh. Abb. 8 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/87 Aufschrift: Co(n)f. Hyacinth.(Confectio de Hyacintho; Zubereitung aus„Species de Hyacintho“ unter Verwendung von Zitronensaft; Species de Hyacintho seinerseits enthielt neben dem präparierten Hyacinth zahlreiche weitere Edelsteine, dann Perlen, Gold und Silber aber auch gebranntes Hirschhorn, Sandelholz, Safran, Myrrhae; gegen pestilenzialische Fieber, bei Herzbeschwerden) Höhe: 21,5 cm; Bodendurchmesser: 10,0 cm Katalonien(Spanien), verm. 18. Jh. Abb. 9 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/89 Aufschrift: Ung. Medic co(n)f.(Eventuell Unguentum citrinum? Wurde auch als Unguentum basilicon, die Königssalbe, bezeichnet; Salbe gegen u. a. Augenrötungen, Hautpusteln, aber auch ganz allgemein als Wundsalbe verwendet; enthielt neben Alabaster, Borax, Kampfer, Bleiweiß, Hühnerfett und Schweineschmalz auch noch den Saft von Zitronen und das Öl der Zitronenschale) Höhe: 22,0 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Barcelona(Spanien), 18. Jh. Abb. 10 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/86 Aufschrift: Piper. Long.(Piper longum, langer Pfeffer) Höhe: 28,0 cm; Bodendurchmesser: 10,5 cm Alcora oder Provinz Katalonien(Spanien), letztes Viertel 17. Jh. Abb. 11 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/412 Höhe: 28,0 cm; Bodendurchmesser: 9,0 cm Aragón(Spanien), verm. 17. Jh. Abb. 12 ZWEI ALBARELLI , Inv.Nr. 11322/515, 516 Höhe: 23,0 cm; Bodendurchmesser: 8,5 cm Verm. Aragón(Spanien), Ende 17./Anf. 18. Jh. 124 Abb. 13 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/414 Höhe: 30,0 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Verm. Aragón(Spanien), verm. 17. Jh. Abb. 14 ZWEI ALBARELLI , Inv.Nr. 11322/134, 135 Aufschrift: Castoreum.(Castoreum, Bibergeil) Aufschrift: Vitriol. rom.(Vitriolum romanum, auch Vitriolum viride, Eisenvitriol, Ferrum sulphuricum) Höhe: 29,5 cm; Bodendurchmesser: 10,5 cm Alcora(Spanien), um 1730/40 Abb. 15 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/410 Aufschrift: G. Opoponax.(Opopanax-Gummi) Höhe: 27,0 cm; Bodendurchmesser: 10,0 cm Talavera(Spanien), 18. Jh. Abb. 16 ZWEI ALBARELLI , Inv.Nr. 11322/402, 405 Aufschrift: R. Tormentile.(Radix Tormentillae, Blutwurz) Aufschrift: S. Sparagi(Semen Asparagi, Spargelsamen) Höhe: 25,0 cm; Bodendurchmesser: 9,0 cm Verm. Spanien, letztes Viertel 17./erstes Viertel 18. Jh. Abb. 17 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/335 Höhe: 26,0 cm; Bodendurchmesser: 9,0 cm Verm. Spanien, verm. 17. Jh. Abb. 18 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/401 Höhe: 22,5 cm; Bodendurchmesser: 10,0 cm Caltagirone(Sizilien), letztes Viertel 17. Jh. Abb. 19 APOTHEKENKANNE , Inv.Nr. 11322/475 „Mariä Verkündigung“ Höhe: 19,5 cm; Bodendurchmesser: 8,5 cm Castelli(Italien), um 1700 Abb. 20 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/348 Höhe: 15,5 cm; Bodendurchmesser: 10,0 cm Verm. Castelli(Italien), um 1746 125 Abb. 21 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/552 Höhe: 19,0 cm; Bodendurchmesser: 12,5 cm Castelli(Italien), 18. Jh. Abb. 22 APOTHEKENTOPF UND ALBARELLI , Inv.Nr. 11322/337, 365, 367, 442, 640 Höhe: 10,5 – 28,0 cm; Bodendurchmesser: 6,5 – 17,0 cm Abruzzen(Italien), 18. Jh. Abb. 23 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/12 Aufschrift: Ungum. Rosatum: Mese:(Unguentum rosatum Mesue,„weiße Rosensalbe“; Salbe aus Schweineschmalz und Rosen, zur Hautpflege; benannt nach Mesue, dem – allerdings eher fiktiven – Verfasser des„Grabadin“, der Vorschriften zur Arzneibereitung enthielt) Höhe: 19,0 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Nove(Italien), verm. Anf. 18. Jh. Abb. 24 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/275 Aufschrift: Ung. Cerus.(Unguentum cerussae, Bleiweißsalbe; enthielt u. a. Bleiglätte – Blei(II)-oxid – und Bleiweiß,„Cerussa“ – Bleicarbonat; gegen Hautleiden) Höhe: 16,0 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Venetien(verm. Bassano), 18. Jh. Abb. 25 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/65 Aufschrift: Berberis.(Berberitze; von dieser wurden sowohl die Beeren, die Rinde als auch die Samen verwendet) Höhe: 11,5 cm; Bodendurchmesser: 6,5 cm Verm. Ligurien(Italien), erstes Viertel 18. Jh. Abb. 26 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/220 Höhe: 18,0 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Bassano(Italien), letztes Viertel 18. Jh. Abb. 27 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/253 Aufschrift: Sarcocola:(Sarcocolla, ein orientalisches Gummiharz) Höhe: 19,5 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Venetien(verm. Bassano), 18. Jh. 126 Abb. 28 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/300 Aufschrift: Rabarbaro fin.(Rhabarberwurzel von besonderer Qualität) Höhe: 11,0 cm; Bodendurchmesser: 7,0 cm Verm. Bassano(Italien), 18. Jh. Abb. 29 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/341 Aufschrift: Pille. Auree.(Pilulae Aureae, in denen u. a. Aloe, Anis, Rosenblätter, Safran mit Rosenhonig als Bindemittel zu Pillen verarbeitet wurden) Höhe: 16,5 cm; Bodendurchmesser: 8,5 cm Bassano(Italien), zwischen 1675 und 1725 Abb. 30 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/344 Höhe: 13,0 cm; Bodendurchmesser: 7,0 cm Verm. Bassano(Italien), 18. Jh. Abb. 31 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/462 Aufschrift: Un. basilic.(Unguentum Basiliconis, Königssalbe; enthielt u. a. Borax, Campher, weiße Korallen, Marmor, Bleiweiß, Schweineschmalz, Hühnerfett, Zitronenschale- daher auch als„Unguentum citrinum“ bezeichnet; von wundheilender Wirkung) Höhe: 17,0 cm; Bodendurchmesser: 8,5 cm Verm. Ligurien(Italien), 18. Jh. Abb. 32 ALBARELLO, Inv.Nr. 11322/508 Aufschrift: Ung: Marriato:(Unguentum martiatum? Salbe wider sogenannte„kalte Schäden“, Krankheiten der Nerven, Leber, Milz, soll Geschwülste erweichen; enthielt eine große Anzahl verschiedenster Bestandteile, darunter auch Wachs, Bären- und Hühnerfett als Salbengrundlagen, Mastix, Rosmarin, Lorbeer, Salbei, Raute, Schafgarbe) Höhe: 16,5 cm; Bodendurchmesser: 8,0 cm Nove(Italien), 18. Jh. Abb. 33 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/474 Aufschrift: Zucharo Bug:(Zucchero Buglossa, eigentlich Conserva Florum Buglossae, Ochsenzungenblumenzucker; wie Boretschblütenzucker gegen Herzbeschwerden und Melancholie) Höhe: 20,0 cm; Bodendurchmesser: 8,0 cm Verm. Venedig, verm. Mitte 17. Jh. 127 Abb. 34 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/598 Aufschrift: Seme di Peonia(Semen Paeoniae, Pfingstrosensamen. Seit der Antike wurden Pfingstrosensamen verwendet. Dioskurides, ein griechischer Arzt im 1. Jh. n. Chr., führt als Indikationen u. a. den roten Fluß, Magenleiden, Steinleiden, Albdrücken und die Verwendung als Uterinum auf. Von ihm übernahmen die Kräuterbuchautoren des 16. Jahrhunderts die Anwendung der Pfingstrosensamen. 1830 werden Pfingsrosensamen als Mittel des Aberglaubens gegen Gicht erwähnt, wobei man Kindern Ketten aus diesen Samen um den Hals hing. Dennoch gab es noch bis ins 20. Jahrhundert Zubereitungen mit Pfingstrosensamen, die offizinell – im Arzneibuch aufgeführt – waren.) Höhe: 20,0 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Italien, verm. 18. Jh. Abb. 35 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/600 Aufschrift: Ello. diafinico(Ellettuario diafinico, Electuarium diaphoenicum; abführende Latwerge aus u. a. Datteln, Skammonium, Turpethwurzel; bei Wassersucht, Lähmung und allgemeiner Lethargie) Höhe: 20,5 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Italien, 18. Jh. Abb. 36 APOTHEKENFLASCHE , ALBARELLI und APOTHEKENKANNEN , Eierstabdekor, Inv.Nr. 11322/67, 229-230, 241, 243-244, 306, 315, 317, 467, 676 Höhe: 11,5 – 22,5 cm; Bodendurchmesser: 6,0 – 9,0 cm Ligurien oder Venetien(Italien), 18. Jh. Abb. 37 APOTHEKENKANNE UND-STANDGEFÄSSE , Inv.Nr. 11322/395, 376, 380 Höhe: 20,5 – 21,5 cm; Bodendurchmesser: 11,0 cm Verm. Lodi(Italien), letztes Viertel 18. Jh. Abb. 38 APOTHEKENKANNE UND –VASE MIT DECKEL , Inv.Nr. 11322/601, 277 Aufschrift: Ripf. Dinu.(Phantasiebeschriftung) Aufschrift: Gaq. Negn.(Phantasiebeschriftung) Höhe(mit Deckel): 26,0 – 28,0 cm; Bodendurchmesser: 8,5 cm Verm. Lodi(Italien) bzw. im Stil von Lodi gearbeitet, verm. 19. Jh. Abb. 39 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/164 Aufschrift: C. Calendulae.(Conserva Calendulae, Ringelblumenblütenzucker, Zubereitung aus Ringelblumenblüten in Zucker) Höhe: 20,5 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Verm. Belgien, erstes Viertel 18. Jh. 128 Abb. 40 APOTHEKENFLASCHE , Inv.Nr. 11322/142 Aufschrift: A Rosar(Aqua Rosarum, Aqua Rosae, Rosenwasser;„Nebenprodukt“ bei der Destillation aus Rosenblättern, wobei das dabei gewonnene Rosenöl wesentlich wertvoller war; Rosenwasser oft an Stelle von Wasser in verschiedensten Zubereitungen eingesetzt) Höhe: 27,0 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Verm. Holland oder Belgien, verm. 18. Jh. Abb. 41 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/115 Aufschrift: C Ros: rub:(Conserva Rosarum rubrarum, in Zucker eingelegte rote Rosenblätter; als Adstringens und Roborans) Höhe: 18,5 cm; Bodendurchmesser: 10,0 cm Verm. Delft(Holland), 18. Jh. Abb. 42 APOTHEKENKANNE , Inv.Nr. 11322/101 Aufschrift: S Mirtini comp:(Syrupus Mirthi compositus, Myrthensirup; adstringierende Wirkung; gegen Zahnfleischentzündungen, Mundfäule, Durchfall) Höhe: 22,5 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Verm. Delft(Holland), 18. Jh. Abb. 43 APOTHEKEN-STANDGEFÄSS , Inv.Nr. 11322/564 Aufschrift: U Populeum.(Unguentum Populeum, Pappelsalbe; enthielt frische Pappelknospen, Bilsenkraut, Mandragora und Schweinefett; wurde auf die Schläfen gestrichen und wirkte schlaffördernd) Höhe: 21,0 cm; Bodendurchmesser: 12,5 cm Verm. Belgien, verm. 18. Jh. Abb. 44 APOTHEKENGEFÄSSE(Details) , Pfauendekor, Inv.Nr. 11322/101, 115, 142, 153, 164, 207, 338, 564 und 11336/335, 402 Holland und Belgien, 18. Jh. Abb. 45 ALBARELLO MIT DECKEL , Inv.Nr. 11322/433 Aufschrift: Ung. Althaea(Unguentum Altheae, Eibischsalbe; enthält u. a. Eibischwurzel, Leinsamen, Wachs, Butter) Bodenmarke: De Roche à Paris, eingepresste Ziffer 8(?) Höhe(mit Deckel): 21,0 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm De Roche à Paris, datierbar auf die Zeit zwischen 1812 und 1820 129 Abb. 46 ALBARELLO MIT DECKEL , Inv.Nr. 11322/436 Aufschrift: Sel de Glauber.(Glaubersalz, Natriumsulfat) Höhe(mit Deckel): 19,0 cm; Bodendurchmesser: 10,0 cm Paris, um 1810 Abb. 47 ALBARELLO MIT DECKEL , Inv.Nr. 11322/434 Aufschrift: Ext: G: Opii(Extractum Gummi opii, Opiumextrakt) Bodenmarke: De Roche à Paris, eingepresste Ziffer 8(?) Höhe(mit Deckel): 21,0 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm De Roche à Paris, datierbar auf die Zeit zwischen 1812 und 1820 Abb. 48 ALBARELLO MIT DECKEL , Inv.Nr. 11322/429 Aufschrift: Ung. Juniperi:(Unguentum Juniperi, Wacholdersalbe; scheint erst während des 19. Jahrhunderts gebräuchlich geworden zu sein; bestand aus Schweineschmalz, gelbem Wachs, Wacholderbeeren, ätherischem Wacholderbeeröl; als Einreibung bei Wassersucht noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verwendet) Höhe(mit Deckel): 17,0 cm; Bodendurchmesser: 10,0 cm Wiener Porzellanmanufaktur, 1818 Abb. 49 ALBARELLO MIT DECKEL , Inv.Nr. 11322/608 Aufschrift: Extr: Tormentill:(Extractum Tormentillae, Blutwurz-Extrakt; seit dem 17. Jahrhundert bei Wunden und Geschwüren in Verwendung) Höhe(mit Deckel): 12,5 cm; Bodendurchmesser: 8,0 cm Wiener Porzellanmanufaktur, 1822 Abb. 50 ALBARELLO MIT DECKEL , Inv.Nr. 11322/457 Aufschrift: Ext: Chamomil: Hrb: fl:(Extractum chamomillae herbae fluidum, Flüssigextrakt der Kamille; seit Ende des 18. Jahrhunderts in Verwendung, galt als krampfstillend) Höhe(mit Deckel): 12,0 cm; Bodendurchmesser: 7,5 cm Wiener Porzellanmanufaktur, zwischen 1812 und 1824(Datierung aufgrund der Malernummer) Abb. 51 ALBARELLO MIT DECKEL , Inv.Nr. 11322/493 Aufschrift: Syr. Kermesin:(Syrupus Kermesini, Kermessirup; bis ins 19. Jahrhundert hinein gebräuchlich, dann allerdings nicht mehr offizinell, also in den Arzneibüchern vertreten; enthielt u. a. Kermeskörner – die Kermesschildlaus – und galt als Adstringens und Cardiacum) 130 Höhe(mit Deckel): 20,5 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Wiener Porzellanmanufaktur, verm. 1812 Abb. 52 ALBARELLO MIT DECKEL , Inv.Nr. 11322/491 Aufschrift: Syr. Aceto Citri:(Syrupus Acetositatis citri, Zitronensirup; ihm wurden kühlende Eigenschaften zugeschrieben, wirksam gegen Würmer, bei Herz- und Verdauungsbeschwerden) Höhe(mit Deckel): 20,5 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Wiener Porzellanmanufaktur, 1797 Abb. 53 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/507 Aufschrift: Syr. Citri: C.(Syrupus de Corticibus citri, Sirup aus Zitronenschalen) Höhe: 16,0 cm; Bodendurchmesser: 11,0 cm Verm. Deutschland, zweite Hälfte 18. Jh. Abb. 54 ALBARELLO (Deckel nicht original), Inv.Nr. 11322/490 Aufschrift: Cort. Rad Granat(Cortex Radix granatorum, Wurzelrinde des Granatapfelbaums) Höhe: 17,0 cm; Bodendurchmesser: 10,5 cm Verm. Deutschland, letztes Viertel 18. Jh. Abb. 55 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/350 Aufschrift: Extr: Veronic:(Extractum Veronicae, Ehrenpreisextrakt) Bodenmarke: drei Halbmonde Höhe: 14,0 cm; Bodendurchmesser: 8,5 cm Hannoversch-Münden, um 1770 Abb. 56 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/450 Aufschrift(in Kaltmalerei): Extr. Sambuc. cont.(Extractum sambuci, Holunderextrakt; galt u. a. als schweißtreibend) Höhe: 17,0 cm; Bodendurchmesser: 8,0 cm Deutschland(verm. Kelsterbach), zweite Hälfte 18. Jh. Abb. 57 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/339 Höhe: 13,0 cm; Bodendurchmesser: 8,0 cm Deutschland, verm. zweite Hälfte 18. Jh. Abb. 58 APOTHEKENFLASCHE , Inv.Nr. 11322/190 131 Höhe: 16,5 cm; Bodendurchmesser: 8,0 cm Verm. Deutschland, zweite Hälfte 18. Jh. Abb. 59 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/331 Höhe: 9,5 cm; Bodendurchmesser: 5,5 cm Verm. Deutschland, verm. um 1800 Abb. 60 DREI APOTHEKEN-STANDGEFÄSSE , Inv.Nr. 11322/328, 184, 327 Aufschrift: Extr: Mart: pom:(Extractum Martis pomatum, äpfelsaurer Eisenextrakt; im 18. Jahrhundert sehr gebräuchliche Zubereitung; enthielt ca. 5% Eisen als Fe(II) und Fe(III)- Komplex organischer Säuren) Höhe: 9,0 – 10,5 cm; Bodendurchmesser: 7,0 – 8,5 cm Verm. Deutschland, 1790–1800 Abb. 61 ZWEI ALBARELLI , Inv.Nr. 11322/186, 183 Aufschrift: Extr. Rhus. toxicoden(Extractum Rhus toxicodendron, Giftsumach-Extrakt; seit dem 19. Jahrhundert in Verwendung; die Blätter innerlich gegen Lähmungen) Höhe: 9,5 cm; Bodendurchmesser: 6,5 – 7,5 cm Deutschland, zweite Hälfte 18. Jh. Abb. 62 APOTHEKENKANNE , Inv.Nr. 11322/239 Aufschrift: Syr: Cort: Aurant:(Syrupus de corticibus aurantii, Orangenschalensirup. In der Augsburger Pharmakopöe von 1710 gibt es einen„Syrupus de corticibus citri“, wobei ein Mazerat aus Zitronenschalen, Kermesbeeren und Weißwein zu einem Sirup verarbeitet wurde.) Höhe: 17,5 cm; Bodendurchmesser: 9,0 cm Venetien(Nove oder Bassano), erstes Viertel 18. Jh. Abb. 63 APOTHEKENKANNE , Inv.Nr. 11322/199 Aufschrift: Ol: Lumbric: ter.(Oleum Lumbricorum terrestrium, Regenwurmöl) Höhe: 19,0 cm; Bodendurchmesser: 8,5 cm Verm. Bassano(Italien), 18. Jh. Abb. 64 APOTHEKENKANNE , Inv.Nr. 11322/635 Aufschrift: Miel Ros: Sol:(Mel rosatum solutivum, Mele rosato semplice, Rosenhonig; Zubereitung aus gereinigtem Honig und wässrigem Rosenblätter-Mazerat) Höhe: 20,0 cm; Bodendurchmesser: 9,0 cm Bassano(Italien), zwischen 1675 und 1725 132 Abb. 65 APOTHEKENKANNE , Inv.Nr. 11322/287 Aufschrift: Sirup. Accetos:(Syrupus Acetosus simplex, Sirup aus Zucker und Essig oder auch Syrupus de Succo Acetosae Mesuae, Sirup aus Sauerkleesaft und Zucker) Höhe: 22,0 cm; Bodendurchmesser: 10,0 cm Nove(Italien), verm. Anf. 18. Jh. Abb. 66 DREI APOTHEKENKANNEN , Inv.Nr. 11336/378, 381, 227 Höhe: 19,5 – 21,0 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Italien, verm. 18. Jh. Abb. 67 APOTHEKENKANNE , Inv.Nr. 11322/281 Aufschrift: Syr: Sambuci(Syrupus Sambuci, Holundersirup) Höhe: 20,5 cm; Bodendurchmesser: 10,5 cm Delft(Holland), zwischen 1876 und 1917 Abb. 68 APOTHEKENKANNE , Inv.Nr. 11322/575 Aufschrift: Mel. ros. solu(Mel rosatum solutivum, sirupartige Zubereitung aus gereinigtem Honig und wässrigem Rosenblätter-Mazerat) Höhe: 25,5 cm; Bodendurchmesser: 12,0 cm Verm. Belgien oder Nordfrankreich, verm. 18. Jh. Abb. 69 APOTHEKENKANNE , Inv.Nr. 11322/679 Aufschrift: S. De Absinth.(Syrupus absinthii, Wermutsirup aus Wermutkraut – Artemisia absinthium) Höhe: 18,0 cm; Bodendurchmesser: 11,0 cm Verm. Frankreich, 18. Jh. Abb. 70 APOTHEKENKANNE , Inv.Nr. 11322/94 Aufschrift(in Ölfarbe): Ol: Laurin.(Oleum Laurinum, Lorbeeröl aus den Früchten des Lorbeers) Höhe: 20,5 cm; Bodendurchmesser: 12,5 cm Winterthur(Schweiz), verm. Arbeit von Abraham Pfau, zweite Hälfte 17. Jh. Abb. 71 APOTHEKENKANNE , Inv.Nr. 11322/487 Aufschrift: Syrupus communis(„gemeiner Sirup“, Sirup aus Wasser und Zucker, durch Kochen hergestellt; häufig verwendet, auch um den unangenehmen Geschmack mancher Zubereitungen zu kaschieren) 133 Höhe(mit Deckel): 22,0 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Meißen(Deutschland), um 1822 Abb. 72 APOTHEKENKANNE , Inv.Nr. 11322/520 Höhe: 18,0 cm; Bodendurchmesser: 8,5 cm Verm. Deutschland, 18. Jh. Abb. 73 APOTHEKENKANNE , Inv.Nr. 11336/224 Höhe: 20,0 cm; Bodendurchmesser: 10,0 cm Italien, verm. 18. Jh. Abb. 74 APOTHEKENKANNE , Inv.Nr. 11322/638 Aufschrift: O. Nucum. Iug.(Oleum Nucum juglans, Walnussöl) Höhe: 17,0 cm; Bodendurchmesser: 10,5 cm Verm. Deutschland, letztes Viertel 18. Jh. Abb. 75 MILCHGLASBECHER MIT FUSS , Inv.Nr. 11322/602 Aufschrift(mit dem alchemistischen Zeichen für„Antimonium“): Antimonium diaph:(Antimonium diaphoreticum,„Schweißtreibender Spießglanzkalk“; seit Beginn des 17. Jahrhunderts gebräuchliches Arzneipräparat; bestand aus Kaliumtrioxoantimonat(V) und Antimonpentoxihydrat, hergestellt durch Verpuffen von Grauspießglanz – Antimonium – mit überschüssigem Salpeter; galt als blutreinigend; bei sogenannten„bösen“ Fiebern, aber auch gegen Syphilis) Höhe: 13,0 cm; Bodendurchmesser: 7,5 cm Deutschland, Mitte 18. Jh. Abb. 76 MILCHGLASFLASCHE MIT FUSS UND STÖPSEL , Inv.Nr. 11322/557 Höhe(mit Stöpsel): 19,0 cm; Bodendurchmesser: 7,5 cm Deutschland, zweite Hälfte 18. Jh. Abb. 77 MILCHGLASFLASCHE MIT FUSS , Inv.Nr. 11322/553 Aufschrift: Ung: Althae:(Unguentum Altheae, Unguentum de Altheae simplex, Eibischsalbe; enthielt neben Wachs und Butter als Salbengrundlagen auch Eibischwurzel und Leinsamen) Höhe: 11,5 cm; Bodendurchmesser: 6,0 cm Deutschland, verm. 1730–1750 134 Abb. 78 VIERKANT-GLASFLASCHE MIT STÖPSEL , Inv.Nr. 11322/531 Aufschrift: Kali Acetic:(Kalium aceticum, Kaliumacetat; erst gegen 1800 so genannt, bis dahin als„Terra foliata Tartari“ bezeichnet) Höhe: 21,5 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Deutschland, letztes Viertel 18. Jh. Abb. 79 VIERKANT-GLASFLASCHE , Inv.Nr. 11322/665 Aufschrift: Tinct: Moschi. ven:(Tinctura Moschi, Moschustinktur; galt als Aphrodisiacum und Alexipharmakon, also ganz allgemein als Allheilmittel gegen Gifte) Höhe: 11,5 cm; Bodendurchmesser: 6,5 cm Deutschland, um 1840 Abb. 80 VIERKANT-GLASFLASCHE MIT STÖPSEL , Inv.Nr. 11322/615 Aufschrift: Acet: Myrrhae(Acetum Myrrhae, Myrrhae-Essig; unter dieser Bezeichnung nicht offizinell, d. h. nicht in den Arzneibüchern auffindbar wie z. B. Myrrhaeextrakt oder Myrrhaetinktur) Höhe(mit Stöpsel): 14,0 cm; Bodendurchmesser: 6,5 cm Deutschland, um 1840 Abb. 81 WEITHALS-VIERKANTGLAS , Inv.Nr. 11322/629 Aufschrift: Hydrar: Sulph: Nigr:(Hydrargyrum sulphuratum nigrum, schwarzes Quecksilbersulfid; bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts als Aethiops mineralis, „Mineralischer Mohr“, bezeichnet; enthielt Quecksilbersulfid, Quecksilber und Schwefel und galt als„zerteilendes, auflösendes“ Mittel) Höhe: 12,0 cm; Bodendurchmesser: 7,0 cm Deutschland, verm. zwischen 1700 und 1730 Abb. 82 VIERKANT-GLASFLASCHE MIT STÖPSEL , Inv.Nr. 11322/612 Aufschrift: Elix: Nephrit:(Elixir Nephriticum, alkoholischer Auszug von u. a. Wacholderbeeren mit Fenchelwasser; bei Nierenleiden verwendet) Höhe: 14,5 cm; Bodendurchmesser: 5,0 cm Deutschland, verm. erste Hälfte 18. Jh. Abb. 83 VIERKANT-GLASFLASCHE , Inv.Nr. 11322/619 Aufschrift: Syr: Cinamom:(Syrupus de Cinnamomo, Zimtsirup; für Herz und Magen) Höhe: 17,0 cm; Bodendurchmesser: 8,0 cm Deutschland, Mitte 18. Jh. 135 Abb. 84 VIERKANT-GLASFLASCHE , Inv.Nr. 11322/527 Aufschrift: Nelcken(Gewürznelkenwasser? Im 18. Jahrhundert gab es ein„Aqua Caryophillorum aromaticorum“.) Höhe: 22,5 cm; Bodendurchmesser: 10,5 cm Deutschland, um 1770 Abb. 85 WEITHALS-VIERKANTGLAS MIT HOLZDECKEL , Inv.Nr. 11322/630 Aufschrift: Lap Medicamen Crol(Lapis Medicamentosi Crollii; enthielt u. a. Alaun, Eisenvitriol und wurde bei Steinleiden verwendet. Den Namen trug diese Zubereitung nach Oswald Croll, der ca. 1560 bis ca. 1609 lebte, Arzt in Anhalt war und die„Basilica chymica“ verfasste, welche als erstes Lehrbuch der Chemiatrie gilt.) Höhe(mit Deckel): 14,0 cm; Bodendurchmesser: 7,0 cm Deutschland, erste Hälfte 18. Jh. Abb. 86 SECHS GLASBECHER , Inv.Nr. 11336/444, 522, 627-628, 636, 639 Höhe: 7,0 – 11,0 cm; Bodendurchmesser: 4,5 – 8,0 cm Deutschland, 18. Jh. Abb. 87 12 GLASFLASCHEN AUS DER DOM-APOTHEKE IN MERSEBURG (Sachsen), Inv.Nr. 11336/521, 533-540, 632, 650, 652 Höhe: 15,0 cm; Bodendurchmesser: 7,5 cm Deutschland, um 1740 Abb. 88 APOTHEKENFLASCHE(„NÖNNCHEN“) , Inv.Nr. 11322/554 Aufschrift: Ess: Card: Benedict:(Essentia Cardui benedicti, Cardobenedikten-Essenz) Höhe: 13,0 cm; Bodendurchmesser: 6,0 cm Deutschland, erste Hälfte 18. Jh. Abb. 89 DREI GLASBECHER(Kaltmalerei) , Inv.Nr. 11336/423-424, 436 Höhe: 10,5 – 11,0 cm; Bodendurchmesser: 5,0 – 6,0 cm Verm. Süddeutschland oder Habsburgermonarchie, 18. Jh. Abb. 90 ZWEI MILCHGLASVASEN MIT DECKEL (Kaltmalerei), Inv.Nr. 11322/586, 589 Höhe(mit Deckel): 15,0 – 15,5 cm; Bodendurchmesser: 6,5 – 8,0 cm Deutschland, 18. Jh. 136 Abb. 91 DREI VIERKANT-GLASFLASCHEN , Inv.Nr. 11322/535, 541, 568 Aufschrift: TR. GG. Assa. foetid.(Tinctura Asae foetida, Stinkasant-Tinktur; u. a. bei Hysterie und gegen Blähungen) Aufschrift: TR. Jalapp.(Tinctura Jalapae; das Harz mit Zimt, Anis, Zitronenschale in Alkohol ausgezogen, dann ausgepresst und filtriert; wirkte abführend) Aufschrift: Oximel. scillitic.(Oxymel scilliticum, Mischung aus Honig und Meerzwiebelessig) Höhe: 14,0 cm; Bodendurchmesser: 7,0 cm Deutschland, 18. Jh. Abb. 92 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/114 Aufschrift: C Calendulae(Conserva Calendulae, Ringelblumenblütenzucker, Ringelblumenblüten in Zucker) Höhe: 18,5 cm; Bodendurchmesser: 10,0 cm Belgien(verm. Brüssel), 18. Jh. Abb. 93 VIERKANT-GLASFLASCHE, Inv.Nr. 11336/232 Aufschrift: Ol Rosar.(Oleum Rosarum, Rosenöl) Höhe: 18,0 cm; Bodendurchmesser: 7,0 cm Verm. Deutschland, verm. 18. Jh. Abb. 94 APOTHEKENVASE MIT DECKEL , Inv.Nr. 11336/396 Aufschrift: Rad. Peonie.(Radix Paeoniae, Pfingstrosen-Wurzel) Höhe(mit Deckel): 32,0 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Verm. Alcora(Spanien), um 1800 Abb. 95 ALBARELLO , Inv.Nr. 11336/478 Aufschrift: S Glauber(Sal Glauberi, Glaubersalz) Höhe: 18,0 cm; Bodendurchmesser: 8,5 cm Verm. Holland oder Belgien, verm. 18. Jh. Abb. 96 GLASFLASCHE , Inv.Nr. 11322/631 Aufschrift: Ol: Millefol:(Oleum Millefolii destillata, Schafgarbenöl, gewonnen durch Wasserdampfdestillation der Pflanze; wegen seiner tonischen und krampfstillenden Wirkung als Wundmittel verwendet) Höhe: 14,0 cm; Bodendurchmesser: 7,0 cm Deutschland, um 1840–1850 137 Abb. 97 APOTHEKENKANNE , Inv.Nr. 11322/511 Aufschrift: S. Violarum(Syrupus Violarum, Veilchensirup; galt als„kühlend“) Höhe: 22,0 cm; Bodendurchmesser: 11,0 cm Belgien oder Nordfrankreich(Brüssel, Tournai, Lille), erstes Viertel 18. Jh. Abb. 98 APOTHEKENFLASCHE , Inv.Nr. 11336/508 Aufschrift: A Rosarum(Aqua Rosarum, Rosenwasser) Höhe: 29,0 cm; Bodendurchmesser: 11,5 cm Verm. Holland oder Belgien, verm. 18. Jh. Abb. 99 APOTHEKENKANNE , Inv.Nr. 11322/200 Aufschrift: Ol: Lumbric: ter.(Oleum Lumbricorum terrestrium, Regenwurmöl) Höhe: 17,5 cm; Bodendurchmesser: 9,0 cm Venetien(Nove oder Bassano), erstes Viertel 18. Jh. Abb. 100 APOTHEKENKANNE MIT DECKEL , Inv.Nr. 11336/92 Aufschrift: Ol. vulpin.(Oleum Vulpinum, Fuchsöl, bei dem unter anderem ein Fuchs ausgekocht wurde; war fast 2000 Jahre in Verwendung; bei Gelenksschmerzen, gegen Nieren- und Rückenschmerzen) Höhe(mit Deckel): 24,0 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Verm. Italien, 18. Jh. Abb. 101 APOTHEKENKANNE , Inv.Nr. 11322/514 Aufschrift: Ol: Catulorum.(Oleum Catellorum, Hundeöl; hergestellt durch Auskochen neugeborener Hunde in Olivenöl) Höhe: 20,0 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Venetien(verm. Bassano), 18. Jh. Abb. 102 APOTHEKENKANNE , Inv.Nr. 11322/235 Aufschrift: Ol. de scorpioni s.(Oleum Scorpionum simplex, einfaches Skorpionöl, im Gegensatz zum zusammengesetzten Skorpionöl; hergestellt durch das Kochen lebender Skorpione in Olivenöl; bei Harn- und Steinleiden verwendet) Höhe: 20,0 cm; Bodendurchmesser: 8,5 cm Ligurien oder Venetien, 18. Jh. Abb. 103 APOTHEKENKANNE , Inv.Nr. 11336/93 Aufschrift: Ol. Castor(Oleum Castorei, Bibergeil-Öl) Höhe: 19,5 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Italien, verm. 18. Jh. 138 ALBARELLO, Inv.Nr. 11322/134 Aufschrift: Castoreum.(Bibergeil) Höhe: 29,5 cm; Bodendurchmesser: 10,5 cm Alcora(Spanien), um 1730/40 VIERKANT-GLASFLASCHE MIT STÖPSEL, Inv.Nr. 11336/562 Aufschrift: Ess. Castor(Essentia Castorei, Bibergeil-Essenz) Höhe: 11,0 cm; Bodendurchmesser: 4,5 cm Verm. Deutschland, verm. 18. Jh. HOLZDOSE MIT DECKEL, Inv.Nr. 11323/17 Aufschrift: Pulv. Castorei(Pulvis Castorei, Bibergeil-Pulver) Höhe(mit Deckel): 11,5 cm; Bodendurchmesser: 7,5 cm Wiener Hofapotheke, 1750–1850 VIERKANT-GLASFLASCHE, Inv.Nr. 11336/626 Aufschrift: TR. Castorei(Tinctura Castorei, Bibergeil-Tinktur) Höhe: 12,0 cm; Bodendurchmesser: 5,5 cm Wiener Hofapotheke, 1750–1850 Abb. 104 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/370 Aufschrift: Mithridat. Dam(Mithridatium Damocratis, zur Gruppe der Theriaca gehörende, berühmte Arzneibereitung, die seit der Antike in Gebrauch war; bestand aus einer großen Anzahl an Arzneidrogen und galt als giftwiderstehendes Allheilmittel; soll von Mithridat, König von Pontus – 131 – 64 v. Chr. – zusammengestellt worden sein, der sich so vor Vergiftungen schützen wollte, später durch Damocrates in der Zusammensetzung verbessert) Höhe: 17,0 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Verm. Brüssel, letztes Viertel 17. Jh. Abb. 105 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/283 Aufschrift: Theriaca. Ve(Theriaca venetiana, venezianischer Theriak, der als der beste galt) Höhe: 25,5 cm; Bodendurchmesser: 15,0 cm Verm. nördliche Niederlande(Holland), Mitte 17. Jh. Abb. 106 ALBARELLO , Inv.Nr. 11336/393 Aufschrift: V Apostolorum(Unguentum Apostolorum, Apostelsalbe) Höhe: 16,5 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Verm. Holland oder Belgien, verm. 18. Jh. Abb. 107 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/13 Aufschrift: Ungum: Comitissae:(Unguentum Comitissae, die„Gräfinnensalbe“; benannt nach einer Contessa del Varignano; enthielt u. a. Mispeln und Heidel- 139 beeren; bei zu starker Monatsblutung und Abortgefahr verwendet) Höhe: 19,0 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Nove(Italien), verm. Anf. 18. Jh. Abb. 108 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/468 Aufschrift: U Comitissae.(Unguentum Comitissae,„Gräfinnensalbe“; wie Abb. 107) Höhe: 17,5 cm; Bodendurchmesser: 9,0 cm Verm. Belgien, 18. Jh. Abb. 109 HOLZDOSE MIT DECKEL , Inv.Nr. 11336/311 Aufschrift Pulv. Cont. Abortum.(Pulvis contra abortum, Pulver gegen Fehlgeburt) Höhe(mit Deckel) 11,0 cm; Bodendurchmesser: 7,5 cm Unbekannt, 18./19. Jh. Abb. 110 „ MUMIA EGYPTICA VERA “, Inv.Nr. 88272 Um 1900 Abb. 111 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/562 Aufschrift: Mostarda Sopra Fina(Mostard, Senf, Mostrich, feiner Qualität) Höhe: 45,0 cm; größter Durchmesser: 32,0 cm Verm. Italien, 18. Jh. Abb. 112 ALBARELLO , Inv.Nr. 11336/548 Aufschrift: Mostar Da Fina(Mostard, Senf, Mostrich, feiner Qualität) Höhe: 35,0 cm; größter Durchmesser: 24,5 cm Italien, verm. 18. Jh. Abb. 113 VIERKANT-GLASFLASCHE MIT STÖPSEL , Inv.Nr. 11322/526 Aufschrift: Kirsch(Kirschwasser oder Kirschlikör) Höhe(mit Stöpsel): 27,0 cm; Bodendurchmesser: 10,0 cm Deutschland, um 1770 Abb. 114 VIERKANT-GLASFLASCHE MIT STÖPSEL , Inv.Nr. 11322/563 Aufschrift: Kirsch Liquer(Kirschlikör) Höhe(mit Stöpsel): 26,5 cm; Bodendurchmesser: 10,0 cm Deutschland, zwischen 1770 und 1790 140 Abb. 115 APOTHEKENKANNE MIT DECKEL , Inv.Nr. 11322/492 Aufschrift: Syr: Mannat:(Syrupus Mannatus, Syrupus Laxativus de Manna, Manna-Sirup; enthielt u. a. Manna, Anis, Fenchel, Macis; wurde Kindern als mildes Abführmittel gegen Verstopfung gegeben) Höhe(mit Deckel): 20,5 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Wiener Porzellanmanufaktur, 1812 Abb. 116 Rezept„ MANNASIRUP “ Macisblüten, Inv.Nr. 85586 Anis, Inv.Nr. 85575 Manna, Inv.Nr. 78812 Fenchel, Inv.Nr. 85590 Um 1900 Abb. 117 VIERKANT-GLASFLASCHE , Inv.Nr. 11322/528 Aufschrift(mit dem alchemistischen Zeichen für„Aqua“): Aqua: Violar:(Aqua Violarum, Veilchenwasser; galt als kühlend) Höhe: 20,5 cm; Bodendurchmesser: 10,0 cm Deutschland, um 1750 Abb. 118 VIERKANT-GLASFLASCHE MIT STÖPSEL , Inv.Nr. 11322/521 Aufschrift(mit dem alchemistischen Zeichen für„Spiritus“): Spiritus Formic. (Spiritus Formicarum, Ameisengeist; verwendet als Diuretikum, Antirheumatikum) Höhe: 14,0 cm; Bodendurchmesser: 5,0 cm Deutschland, zwischen ca. 1730 und 1750 Abb. 119 VIERKANT-GLASFLASCHE , Inv.Nr. 11322/539 Aufschrift(bis auf die Bezeichnung„anis:“ mit alchemistischen Symbolen): Spiritus salis ammoniaci anis:(Spiritus salis ammoniaci anisatus, anishaltiger Salmiakgeist; Roborans bei Lungenleiden, Resolvens bei Brustleiden, gegen Blähungen) Höhe: 12,5 cm; Bodendurchmesser: 5,0 cm Deutschland, Mitte 18. Jh. Abb. 120 VIERKANT-GLASFLASCHE , Inv.Nr. 11322/642 Aufschrift(mit den alchemistischen Zeichen für„Spiritus“ und„Nitri“): Spiritus Nitri dulc:(Spiritus Nitri dulcis,„versüßter Salpetergeist“; Analeptikum – stimulierend – aber auch innerlich reinigend und schleimausführend) 141 Höhe: 11,5 cm; Bodendurchmesser: 5,5 cm Deutschland, Mitte 18. Jh. Abb. 121 VIERKANT-GLASFLASCHE , Inv.Nr. 11336/413 Aufschrift(mit dem alchemistischen Zeichen für„Spiritus“): Spiritus Vini Alkohol (Weingeist) Höhe: 18,5 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Deutschland, 18. Jh. Abb. 122 WEITHALS-VIERKANTGLAS MIT HOLZDECKEL , Inv.Nr. 11322/570 Aufschrift(mit dem alchemistischen Zeichen für„Pulvis“): Pulvis Sympathetic: (Pulvis Sympatheticus,„Sympathetisches Pulver“; hergestellt aus pulverisiertem römischen Vitriol, einem Eisensalz; sollte Wunden auch über große Entfernungen hinweg heilen, wenn man dieses auf ein Tuch mit dem Blut der Wunde gab) Höhe(mit Deckel): 15,0 cm; Bodendurchmesser: 7,0 cm Deutschland, erste Hälfte 18. Jh. Abb. 123 DECKELGLAS , Inv.Nr. 11322/430 Aufschrift(mit dem alchemistischen Zeichen für„Sal“): Pulv: Fumal: Sal(Pulvis fumalis, Räucherpulver; enthielt beispielsweise Lavendel, Rosenblüten, Gewürznelken, Benzoe, Weihrauch, Bernstein, Mastix; feingepulverte Mischung zum Räuchern) Höhe(mit Deckel): 27,5 cm; Bodendurchmesser: 11,0 cm Verm. Deutschland, erste Hälfte 19. Jh. Abb. 124 Rezept„ RÄUCHERPULVER “ Weihrauch, Inv.Nr. 51733, 51735 Mastix, Inv.Nr. 51756, 87030 Bernstein, Inv.Nr. 51741, 51781 Lavendelblüten, Inv.Nr. 14778/13 Nelken, Inv.Nr. 14774/10 Benzoeharz, Inv.Nr. 51654 Um 1900 Abb. 125 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/182 Aufschrift: Extr Bellad(Extractum Belladonnae, Tollkirschextrakt; aus dem Saft des frischen Krautes hergestellt; von reizender und narkotischer Wirkung; bei Gelbsucht, Wassersucht und Keuchhusten verwendet) Höhe: 10,0 cm; Bodendurchmesser: 5,0 cm Deutschland, zweite Hälfte 18. Jh. 142 Abb. 126 WEITHALS-VIERKANTGLAS MIT HOLZDECKEL, Inv.Nr. 11336/7 Aufschrift: Herb. Belladon. Pulv(Pulvis Belladonnae, Tollkirschpulver) Höhe(mit Deckel): 13,0 cm; Bodendurchmesser: 5,5 cm Verm. Deutschland, verm. 18. Jh. Abb. 127 ALBARELLO MIT DECKEL , Inv.Nr. 11322/259 Aufschrift: Extrait de Cigüe.(Extractum conii, Schierlingsextrakt) Höhe(mit Deckel): 19,0 cm; Bodendurchmesser: 10,0 cm Paris, um 1810 Abb. 128 MUSTERBLATT MIT GIFTIGEM WASSERSCHIERLING (Cienta virosa), Inv.Nr. 53948/3 Um 1900 Abb. 129 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/130 Aufschrift: Un Mercurial.(Unguentum Mercuriale, Quecksilbersalbe oder auch „Neapolitanersalbe“ genannt; bestand aus Quecksilber, Bleiweiß, Myrrhe, Lorbeeröl, Schlangenfett und Schweineschmalz; gegen Syphilis, die„neapolitanische“ Krankheit, verwendet) Höhe: 18,0 cm; Bodendurchmesser: 11,5 cm Verm. Belgien oder Nordfrankreich, 18. Jh. Abb. 130 VIERKANT-GLASFLASCHE MIT STÖPSEL , Inv.Nr. 11322/611 Aufschrift: Ol: Ovor:(Oleum Ovorum, Eieröl; durch das Auspressen von hartgekochtem Eigelb gewonnen; bis ins 19. Jahrhundert hinein verwendet bei Wundreiben, Verbrennungen und als Kosmetikum) Höhe: 13,0 cm; Bodendurchmesser: 6,0 cm Deutschland, Mitte 18. Jh. Abb. 131 ALBARELLO MIT DECKEL , Inv.Nr. 11336/166 Aufschrift: Pulvis Cerusse(Pulvis Cerussae, Bleiweißpulver) Höhe(mit Deckel): 13,0 cm; Bodendurchmesser: 7,0 cm Verm. Italien, verm. 18. Jh. Abb. 132 BLEIWEISS , Inv.Nr. 89012 Um 1900 143 Abb. 133 APOTHEKENTOPF MIT DECKEL , Inv.Nr. 11322/453 Aufschrift: Therbinthin. Venet.(venezianischer Terpentin) Höhe(mit Deckel): 26,0 cm; Bodendurchmesser: 11,5 cm Verm. Deutschland, 18. Jh. Abb. 134 VENETIANISCHER TERPENTIN , Inv.Nr. 53562 Um 1900 Abb. 135 WEITHALS-VIERKANTGLAS , Inv.Nr. 11322/672 Aufschrift: Lap: Infern:(Lapis infernalis, Höllenstein, Silber(I)-nitrat; um 1750 zur Gruppe der ganz starken Ätzmittel gezählt und bei schlechtheilenden Wunden verwendet) Höhe: 8,5 cm; Bodendurchmesser: 4,5 cm Deutschland, nach 1750 Abb. 136 SILBERNITRAT , Inv.Nr. 90996 Um 1900 Abb. 137 HOLZDOSE MIT DECKEL , Inv.Nr. 11322/209 Aufschrift: Rad. Alcann.(Radix Alcannae, entweder die färbende Ochsenzunge oder auch, in Apotheken jedoch selten gebraucht, die Wurzel des Hennastrauchs, ebenfalls färbend) Höhe(mit Deckel): 20,0 cm; Bodendurchmesser: 9,0 cm Verm. Deutschland, letztes Viertel 18. Jh. Abb. 138 OCHSENZUNGENWURZEL , Inv.Nr. 36780 19. Jh. Abb. 139 WEITHALS-VIERKANTGLAS MIT HOLZDECKEL , Inv.Nr. 11322/661 Aufschrift: Auf dem ursprünglich unbeschrifteten Schild klebt ein Etikett der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Aufschrift„Pulv. Denth. M.“(Pulvis Dentifricius, Zahnpulver; enthielt u. a. Bimsstein, Sepiaschale, präparierte Korallen, Muskatnussöl, Nelkenöl) Höhe(mit Deckel): 13,5 cm; Bodendurchmesser: 6,0 cm Deutschland, Mitte 18. Jh. 144 Abb. 140 Rezept„ ZAHNPULVER “ Bimsstein, Inv.Nr. 3894, 3891 Nelkenöl, Inv.Nr. 89628 Korallen, Inv.Nr. 82602 Sepiaschale, Inv.Nr. 14689/4 Muskatöl, Inv.Nr. 82770/5 19. Jh. Abb. 141 APOTHEKENKANNE , Inv.Nr. 11336/510 Höhe: 31,0 cm; Bodendurchmesser: 11,5 cm Unbekannt, 1667 Abb. 142 ALBARELLO , Inv.Nr. 11336/589 Aufschrift: Ung. Sanato(Unguentum Sanato(?)) Höhe: 22,0 cm; Bodendurchmesser: 10,0 cm Verm. Italien, 1699 Abb. 143 APOTHEKENTOPF, Inv.Nr. 11322/337 Höhe: 28,0 cm; Bodendurchmesser: 17,0 cm Verm. Neapel oder Castelli(Italien), 1794 Abb. 144 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/347 Höhe: 16,0 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Verm. Castelli(Italien), 1746 Abb. 145 APOTHEKEN-STANDGEFÄSS MIT DECKEL , Inv.Nr. 11336/374 Aufschrift: Ung: Apostolo(Unguentum Apostolorum, Apostelsalbe; trug ihren Namen von den zwölf Bestandteilen der Salbe) Höhe(mit Deckel): 24,0 cm; Bodendurchmesser: 9,5 cm Pesaro(Italien), 1787 Abb. 146 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/66 Aufschrift: Pille. Lucis.(Pilulae Lucis maiores, auch„Pilulae opticae“ genannt; Pillen aus Rosen, Veilchen, Muskat, Anis, Crocus, Macis etc.; sollten die Sehkraft stärken und bewahren) Höhe: 12,0 cm; Bodendurchmesser: 7,0 cm Bassano(Italien), 1711 145 Abb. 147 APOTHEKEN-STANDGEFÄSS , Inv.Nr. 11322/452 Aufschrift: Difensiv:(Unguentum Defensivum, Salbe aus Wachs, Terra sigillata – eine Art Heilerde –, Drachenblut – ein Harz –, Essig und Rosenöl; galt als wundheilend) Höhe: 17,0 cm; Bodendurchmesser: 5,5 cm Verm. Italien, letztes Viertel 18. Jh. Abb. 148 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/460 Aufschrift: Teriaca. smeraldina.(Theriaca Smaragdina; enthielt u. a. präparierte Edelsteine, darunter auch Smaragde(wenn auch nicht echte), Elfenbein, präp. rote Koralle, Safran etc.; Elektuarium verabreicht u. a. gegen Schwindel und Epilepsie) Höhe: 19,0 cm; Bodendurchmesser: 8,5 cm Ligurien oder Venetien, 18. Jh. Abb. 149 ALBARELLO , Inv.Nr. 11336/207 Höhe: 18,0 cm; Bodendurchmesser: 12,0 cm Dresden, 1716 Abb. 150 ALBARELLO , Inv.Nr. 11336/397 Initialen„F W R“(Fridericus Wilhelmus Rex, König Friedrich Wilhelm von Preußen) Höhe: 14,5 cm; Bodendurchmesser: 8,0 cm Berliner Hofapotheke, um 1740 Abb. 151 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/226 Aufschrift: U. d. ceru. canfo.(Unguentum cerussae camphoratum, die kampferhaltige Bleiweißsalbe; enthielt Bleiweiß, Kampfer, Rosenöl und weißes Wachs als Salbengrundlage; galt als sogenanntes„Mundificantium“, Mittel zur Wundheilung) Höhe: 21,0 cm; Bodendurchmesser: 10,5 cm Ligurien oder Venetien, 1749 Abb. 152 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/308 Aufschrift: U. populeon.(Unguentum populeum, Pappelsalbe; aus frischen Pappelknospen, Bilsenkraut, Mandragora und Schweinefett als Salbengrundlage; wurde auf die Schläfen gestrichen und förderte den Schlaf) Höhe: 19,0 cm; Bodendurchmesser: 9,0 cm Ligurien oder Venetien, 18. Jh. 146 Abb. 153 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/444 Höhe: 22,0 cm; Bodendurchmesser: 9,0 cm Abruzzen(Italien), 18. Jh. Abb. 154 ALBARELLO , Inv.Nr. 11322/336 Aufschrift: Cortic. Cinamo.(Cortex Cinnamomi, Zimtrinde; galt als magenstärkend und besonders nützlich für Schwangere) Höhe: 27,0 cm; Bodendurchmesser: 8,5 cm Aragón(Spanien), spätes 17. Jh. Abb. 155 ALBARELLO, Inv.Nr. 11322/408 Aufschrift: Flos Balaust(Flos Balaustion, Blüten des wilden Granatapfelbaums, Punica granatum; seit der Antike verwendet; galten als adstringierend, daher bei blutenden Wunden zum Verkleben, bei Darmleiden und in Mundwässern eingesetzt) Höhe: 30,5 cm; Bodendurchmesser: 10,5 cm Aragón(Spanien), frühes 18. Jh. Abb. 156 ALBARELLO, Inv.Nr. 11322/472 Höhe: 19,5 cm; Bodendurchmesser: 6,5 cm Verm. Talavera oder Alcora(Spanien), 18. Jh. Abb. 157 DREI VIERKANT-GLASFLASCHEN AUS DER MOHREN-APOTHEKE IN MAINZ , Inv.Nr. 11336/96, 262, 264 Aufschrift: Aq: Fortis:(Aqua Fortis, Salpetersäure) Aufschrift: TR: Cinamom(Tinctura Cinnamomi, Zimttinktur) Aufschrift: Liqu: Kali Acetic:(Liquor Kalii Acetici, Kaliumacetatlösung) Höhe: 15,0 – 19,5 cm; Bodendurchmesser: 7,5 – 9,0 cm Deutschland, zwischen 1747 und 1750 Abb. 158 VIERKANT-GLASFLASCHEN AUS DER MOHREN-APOTHEKE IN MAINZ(Details), Inv.Nr. 11322/680, 11336/17, 264, 238, 411, 542, 96, 262, 98, 546, 11675, 75634 Deutschland, zwischen 1747 und 1750 Abb. 159 HOLZDOSE MIT DECKEL , Inv.Nr. 11336/115 Aufschrift: Ichthyocoll(Ichthyocolla, Colla piscium, Hausenblase) Höhe(mit Deckel): 15,5 cm; Bodendurchmesser: 8,5 cm Unbekannt, 18./19. Jh. 147 Abb. 160 ALBARELLO , Inv.Nr. 11336/470 Höhe: 16,5 cm; Bodendurchmesser: 8,0 cm Unbekannt, verm. 18. Jh. Abb. 161 APOTHEKENVASE , Inv.Nr. 11336/95 Aufschrift: Far. Fenugre.(Far. Fenugrec, Bockshornklee(?)) Höhe: 27,0 cm; Bodendurchmesser: 10,0 cm Unbekannt, verm. 18. Jh. Abb. 162 ALBARELLO , Inv.Nr. 11336/294 Höhe: 22,0 cm; Bodendurchmesser: 11,5 cm Deutschland, 1715 Abb. 163 ALBARELLO , Inv.Nr. 11336/471 Aufschrift: S. Anisi(Semen Anisi, Anissamen) Höhe: 21,5 cm; Bodendurchmesser: 10,0 cm Unbekannt, 18./19. Jh. Abb. 164 APOTHEKENVASE , Inv.Nr. 11336/516 Aufschrift: Syr. Aurantior Cort.(Syrupus aurantiorum cortex, Syrupus de corticibus aurantii, Orangenschalensirup) Höhe: 17,5 cm; Bodendurchmesser: 8,5 cm Verm. Deutschland, verm. 18. Jh. Abb. 165 ALBARELLO , Inv.Nr. 11336/206 Aufschrift: Extr Ruthae.(Extractum Rut(h)ae, Weinrautenextract(?)) Höhe: 9,5 cm; Bodendurchmesser: 6,5 cm Verm. Deutschland, verm. 18. Jh. Abb. 166 VIERKANT-GLASFLASCHE MIT STÖPSEL , Inv.Nr. 11336/661 Aufschrift: Ambra Grisea(graue Substanz vom Verdauungstrakt des Pottwales) Höhe(mit Stöpsel): 13,5 cm; Bodendurchmesser: 5,5 cm Verm. Deutschland, verm. 18. Jh. Abb. 167 ALBARELLO , Inv.Nr. 11336/94 Aufschrift: Ung. de Plunbei.(Unguentum Plumbi, Bleisalbe) Höhe: 19,5 cm; Bodendurchmesser: 8,5 cm Italien, verm. 18. Jh. 148 Abb. 168 ZEHN KRÜGE, Inv.Nr. 11336/47–49, 53, 553-558 Höhe: 12,5 – 17,5 cm; Bodendurchmesser: 6,5 – 10,0 cm Italien, verm. Ende 19. Jh. Abb. 169 KRUG , Inv.Nr. 11336/552 „Mariä Verkündigung“ Höhe: 13,0 cm; Bodendurchmesser: 8,5 cm Verm. Italien, verm. 19. Jh. Abb. 170 APOTHEKENKANNE , Inv.Nr. 11322/475 „Mariä Verkündigung“ Höhe: 19,5 cm; Bodendurchmesser: 8,5 cm Castelli(Italien), um 1700 Abb. 171 APOTHEKENKANNE, ALBARELLO UND APOTHEKENVASE MIT PHANTASIEAUFSCHRIFTEN , Inv.Nr. 11322/26, 48, 56 Aufschrift: Turbit(Turbith, Turpethum, Turpeth? Wurzel der Pflanze Ipomoea turpethum). Die Wurzel selbst wäre nie in einer Kanne aufbewahrt worden, die Art der Zubereitung müsste auf der Kanne angegeben sein, sollte diese Turpeth enthalten. Aufschrift: Ol. Cisel. Wahrscheinlich eine Phantasiebeschriftung, nicht eindeutig einer Salbenzubereitung zuordenbar. Aufschrift: Cons. Rosaro. Würde„Conserva rosarum“, einer Zubereitung aus Zucker und Rosen, auch„Zuccaro rosato“ genannt, entsprechen, die je nach Art der Rosen von unterschiedlicher Wirkung war. Allerdings wurden schon aus praktischen Gründen derartige Zubereitungen nicht in Flaschen aufbewahrt. Höhen(mit Deckel): 17,5 – 22,5 cm; Bodendurchmesser: 7,5 – 9,0 cm Nove(Venetien), verm. 19. Jh. Abb. 172 APOTHEKENTOPF MIT DECKEL , Inv.Nr. 11322/74 Aufschrift: Ung Pinz. Wahrscheinlich eine Phantasiebeschriftung, nicht eindeutig einer Salbenzubereitung zuordenbar. Höhe(mit Deckel): 18,0 cm; Bodendurchmesser: 13,0 cm Nove(Venetien), verm. 19. Jh. Abb. 173 DECKELKANNE , Inv.Nr. 11322/633 Höhe(mit Deckel): 21,0 cm; Bodendurchmesser: 11,0 cm Unbekannt, verm. erstes Viertel 19. Jh. Quellen und Literatur Archivalische Quellen TMW Archiv, BPA-013846, Frühakten, Mappe 78/VIII. Österreichisches Staatsarchiv, Haus-, Hof- und Staatsarchiv: Obersthofmarschallamt, Franz Ferdinand, Karton 491–506. Österreichisches Staatsarchiv, Haus-, Hof- und Staatsarchiv: Generaldirektion der Privat- und Familienfonde, Sonderreihe, Karton 111 und 112. Österreichisches Staatsarchiv, Allgemeines Verwaltungsarchiv: Ministerium des Inneren, I/10, II. STEF-Allg., Karton 322. Literatur Aichelburg, Wladimir: Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este und Artstetten. Wien 2000, hier:„Der Kunstliebhaber“, S. 51–54. Aichelburg, Wladimir: Der Thronfolger und die Architektur. Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este als Bauherr. Wien 2003, hier:„Blühnbach“, S. 115–152. Aichelburg, Wladimir: Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este 1863– 1914. Notizen zu einem ungewöhnlichen Tagebuch eines außergewöhnlichen Lebens. Wien 2014, hier: Bd. 3,„Blühnbach“, S. 885–899, bes. S. 893–895. Anagnostou, Sabine: Missionspharmazie. 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Die italienischen Fayencen im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg. Bestandskatalog. Nürnberg 2000. Hein, Wolfgang-Hagen: Die Deutsche Apotheke. Bilder aus ihrer Geschichte. Stuttgart 1960. Hein, Wolfgang-Hagen: Emailmalereigläser aus deutschen Apotheken. Frankfurt am Main 1972. Hein, Wolfgang-Hagen und Müller-Jahncke, Wolf-Dieter: Kostbarkeiten aus dem Deutschen Apotheken-Museum Heidelberg. Berlin u. a. 1993. Hoffmann, Robert: Erzherzog Franz Ferdinand als Kunstfreund und Denkmalpfleger, in: Justin Stagl(Hg.): Ein Erzherzog reist. Beiträge zu Franz Ferdinands Weltreise. Salzburg 2001, S. 25–49, bes. 27–29. Huwer, Elisabeth: Das Deutsche Apotheken-Museum. Schätze aus zwei Jahrtausenden Kultur- und Pharmaziegeschichte. Regensburg 2006. Kallinich, Günter: Schöne alte Apotheken. Heilkunst – Aberglaube – Pharmazeutische Technik. Hamburg 1975. Koning, D. A. Wittop: Delftse Apothekerspotten. Deventer 1954. Mez-Mangold, Lydia: Apotheken-Keramik-Sammlung„Roche“. Bestandskatalog. Basel 1990. 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Mechthild Dubbi 151 Die Sammlung – bisher nahezu unbekannt. Der Sammler – Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este. Die rund 1300 Apothekengefäße aus dem Zeitraum von etwa 1675 bis um 1825 erteilen Auskunft zu Gefäßformen, Werkstoffen, regionalen Designs, Produktionstechniken und Inhaltsstoffen, erzählen jedoch auch von manischer Sammelleidenschaft und beleuchten damit im Gedenkjahr 2014 eine eher private Facette des habsburgischen Thronfolgers. Das Buch versteht sich nicht als Katalog einer Sammlung. Vielmehr werden die Objekte unter den verschiedensten Aspekten beleuchtet und der Leserschaft in Form von Geschichten nahegebracht.