Edition TMW Inventarnummer 1938 Provenienzforschung am Technischen Museum Wien Christian Klösch Inventarnummer 1938 Provenienzforschung am Technischen Museum Wien Titelseite: Der 17-jährige Walter Herlinger(Israel Hadar) vor dem Technischen Museum im Sommer 1939. Unmittelbar vor seiner Flucht nach Palästina, ließ er sich noch einmal vor dem Lieblingsmuseum seiner Heimatstadt fotografieren. Hinein durfte er nicht mehr – da er Jude war. Privatbesitz: Israel Hadar, Israel Rückseite(von li. nach re.): „Russenbriefe“ aus der ukrainischen Stadt Kamenez Podolski Florencia Glückselig mit dem Fiat 522 C ihrer Urgroßmutter Rosa Glückselig Der Durchlauferhitzer von Ernst Sonnenschein Seite 6: Blick in die Schau„Inventarnummer 1938” Herausgeber: Technisches Museum Wien mit Österreichischer Mediathek Koordination: Barbara Hafok Autor/Redaktion: Christian Klösch Grafik: Ursula Emesz Fotografien und Artwork: Gerhard Sedlaczek Lektorat: Hubert Weitensfelder 1. Auflage, 2015 Mit freundlicher Unterstützung von Edition TMW Inventarnummer 1938 Provenienzforschung am Technischen Museum Wien Christian Klösch Wien 2015 Vorwort Im Sommer 1939 wollte der damals 17-jährige Walter Herlinger(Israel Hadar) noch einmal sein Lieblingsmuseum besuchen: das Technische Museum. Er durfte aber nicht mehr hinein, für Juden war der Besuch verboten. Auf dem Cover dieses Buchs findet sich eine Aufnahme, die Herlinger vor dem für ihn nicht mehr zugänglichen Museum zeigt. Sie entstand wenige Tage vor seiner Flucht nach Palästina. Ausgrenzung – Beraubung – Vertreibung und letztendlich Ermordung: Das waren die Eskalationsstufen der Politik der Nationalsozialisten gegenüber Juden und politisch Andersdenkenden. Dieses Buch beschäftigt sich mit der Beraubung der österreichischen Juden und NS-Gegner sowie mit jenen Objekten, die auf direkten Wegen oder auch auf verschlungenen Pfaden in die Sammlungen des Technischen Museums gekommen sind. Die öffentliche Diskussion um Provenienzforschung wird beherrscht von der Frage der Rückgabe wertvoller Kunstgegenstände wie Gemälden und Zeichnungen. Dabei wird meist übersehen, dass die Nazis hauptsächlich Objekte des alltäglichen Lebens – wie Radio- und Fotoapparate, Möbel, Fahrräder, Musikinstrumente, Wäsche, Autos oder Motorräder – von „rassisch“ und politisch Verfolgten gestohlen haben. Seit der Verabschiedung des Österreichischen Kunstrückgabegesetzes 1998 durchforstet das Technische Museum Wien seine Bestände auf NS-Raubgut. Damit ist es weltweit eines der wenigen Technikmuseen, die systematisch und kontinuierlich Provenienzforschung betreiben. Und wohl als eines der ersten Museen überhaupt thematisiert es in seiner Dauerausstellung mit der Schau„Inventarnummer 1938“ das Schicksal der Menschen und der ihnen geraubten Objekte. Über 80.000 Objekte, Bücher und Archivalien wurden bereits auf die Unbedenklichkeit ihrer Herkunft überprüft. Von 1998 bis 2006 waren zunächst die Historikerin Barbara Pilz und die damalige Leiterin des Archivs, Manuela Fellner-Feldhaus, mit der Provenienzforschung betraut. Seit 2005 haben diese Aufgabe die Historiker Oliver Kühschelm(bis 2008) und Christian Klösch(seit 2005) übernommen. In dieser Zeit konnten einige hundert Objekte als NS-Raubgut identifiziert und restituiert werden. Trotz der schwierigen Erbensuche wurde mittlerweile die Hälfte der bisher identifizierten 16 Restitutionsfälle mit der Rückgabe oder dem Ankauf der Objekte abgeschlossen. Der vorliegende Band 4 unserer Schriftenreihe Edition TMW gibt nicht nur einen Überblick über die Bemühungen zur Provenienzforschung am Technischen Museum Wien in den letzten Jahrzehnten. Er ist zugleich eine Aufarbeitung der Geschichte des Technischen Museums in der NS-Zeit und widmet sich allgemein dem Raub von Alltagsgegenständen durch die Nationalsozialisten. Letztlich ist dieses Buch auch eine Dokumentation zur gleichnamigen Ausstellung„Inventarnummer 1938“, die sich, so ist zu hoffen, mit der Zeit selbst abschaffen wird: Wenn die Objekte in Zukunft an die Familien der rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben sind, soll dieses Buch die Bemühungen des Technischen Museums Wien um die Provenienzforschung dokumentieren. Gabriele Zuna-Kratky Direktorin Technisches Museum Wien Inhalt 11 Eva Blimlinger Geleitwort 12 Ausgrenzung – Beraubung – Vertreibung Ermordung von Juden 14 Der„Anschluss” Österreichs 16 Vertreibung und Ermordung der österreichischen Juden 19 Arisierung von Alltagsgegenständen 21 Rückgabe nach 1945 24 Das Technische Museum Wien im Dritten Reich 28 Im Dienst des Staates oder der NSDAP? 31 Tilgung der Vergangenheit: Die Affäre um die Gründungstafel 33 Kriegsende und Neuanfang 38 NS-Raubgut: Angebote von jüdischen Personen 40 Dias von Siegfried Gerstl(1862–1938) 41 Eine Münzwaage, ein Zählstempel und zwei Alkoholmeter von Dr. Theodor Wolf(1865–1941) 43 Archivalien von Marianne und Otto Zels 44 Bücher von Dr. Max Baczewski(1873–1938) 47 Zwei Abbildungen von Dr. Hans Fischl(1883–1943) 48 Eine Waage von Ernst Egger(1866–1944) 50 Zwei Objekte von Regine Ehrenfest-Egger(1867–1945) 52 NS-Raubgut: Übergaben von Ariseuren, Firmen und Behörden 53 Durchlauferhitzer von Ernst Sonnenschein 54 Der„Marcus-Wagen“ 56 Exkurs: Die Affäre um den„Marcus-Wagen“ 1940 59 Der Fall Theodor Schmidt 60 Der Nachlass des Technikhistorikers Hugo Theodor Horwitz(1882–1942) 62 Ein Segelschiffmodell von Emil Stiassny Schallplatten aus dem Besitz von Paul Herzfeld 63 Die Musikinstrumente aus der arisierten Musikhandlung Sternberg 66 Eine Zuweisung von Briefmarken, Postkarten und Briefen 68 Verdachtsfälle von Raubgut der Deutschen Wehrmacht 72 Ein beschlagnahmtes Radio aus Beständen der Wehrmacht 73 „Russenbriefe“ aus der Ukraine 76 Beschlagnahmte und arisierte Kraftfahrzeuge 78 Der Fiat 522 C der Rosa Glückselig 79 Ungeklärte Provenienzfall:„Austro Daimler ADR“ 82 Ein Puchmotor aus dem Besitz der NSDAP-Gauleitung Wien 83 Exkurs: Der große Autoklau Jüdischer Automobilbesitz in Österreich vor 1938 Die Enteignung der jüdischen Kraftfahrzeugbesitzer 86 Mobilitätsverbote für Juden in der Ostmark und im restlichen Deutschen Reich 87 Die Nutznießer der Beschlagnahmungen jüdischer Kraftfahrzeuge 94 Restitution von Kraftfahrzeugen von Juden nach 1945 96 Verdachtsfälle auf NS-Raubgut im TMW 96 Das Superpiano von Emerich Spielmann 99 Erwerbungen von arisierten Firmen vor und nach 1945 Schreibmaschine und Dampfmaschine der Firma Brüder Teich Ein Pianola der Firma Otto Götz 101 Erwerbungen aus Versteigerungen und aus dem Kunsthandel in der NS-Zeit 101 Erwerbungen vom Dorotheum 104 Erwerbungen vom Kunst-Auktionshaus Kärntnerstraße 104 Geschenke von NS-Organisationen 108 Geklärte Fälle 109 Die Orgel von Willibald Duschnitz(1884–1976) 111 Das Elektropathologische Museum 114 Die Büste von Anton Freiherr von Banhans 116 Resümee und Ausblick: Die Zukunft der Provenienzforschung am TMW 119 Anmerkungen 133 Abbildungen 141 Abkürzungen 10 Geleitwort 11 Bewegliches Kulturgut – das Kunstrückgabegesetz Als im Jahr 1998 in Österreich das Kunstrückgabegesetz als Folge der Beschlagnahme von zwei Schiele-Bildern in New York aus der Leopold Stiftung beschlossen wurde, standen vor allem Werke der bildenden und angewandten Kunst im Vordergrund. Da war zunächst die Sammlung Rothschild, die zahlreiche Objekte umfasste und schließlich an die berechtigten Eigentümer_innen zurückgegeben wurde, die Werke von Klimt, aber auch jene von weniger bekannten Künstler_innen, Porzellane und Silber. Von Beginn an waren daher im Kunstrückgabegesetz„Kunstgegenstände aus den österreichischen Bundesmuseen und Sammlungen“ genannt, die„unentgeltlich an die ursprünglichen Eigentümer oder deren Rechtsnachfolger von Todes wegen zu übereignen“ sind, wenn sie während des Nationalsozialismus entzogen worden waren, niemals Gegenstand eines Rückstellungsverfahren waren oder nach 1945 gewissermaßen von Bundesmuseen unter dem Vorwand des Ausfuhrverbots erpresst worden sind. Aber bereits Ende der 1990er Jahre war klar, dass nicht nur die Kunstmuseen zur Provenienzforschung aufgefordert waren, sondern alle Bundesmuseen und Sammlungen. Dazu zählt auch das Technische Museum Wien. Man mag sich fragen, was soll denn dort schon sein? Aber auch hier, wie in allen Sammlungen und Archiven, waren und sind entzogene, arisierte Objekte. Sind es doch Gegenstände des Alltags, die massenweise zum Beispiel durch die Vugesta (Verwaltungssstelle für jüdisches Umzugsgut der Gestapo) arisiert worden sind. Da findet sich der Durchlauferhitzer von Ernst Sonnenschein aus der Annagasse, dessen Besitzer in die USA flüchten konnte, oder der Turiner Fiat 522 C der Rosa Glückselig, die nach Bolivien flüchten konnte. Nicht zuletzt deswegen wurde in der Novelle des Kunstrückgabegesetzes 2009 der Anwendungsbereich auf„sonstiges bewegliches Kulturgut aus den österreichischen Bundesmuseen und Sammlungen“ erweitert. Die Mitarbeiter_innen der Kommission für Provenienzforschung haben in den nächsten Jahren noch Einiges zu tun. Eva Blimlinger, wissenschaftliche Koordinatorin der Kommission für Provenienzforschung 2 KEIN VERÖFFENTLICHUNGSRECHT Ausgrenzung – Beraubung – Vertreibung Ermordung von Juden 13 Im christlichen Abendland wurden Juden seit Jahrhunderten als „Christus-Mörder” verfolgt. Der traditionell christlich-religiös motivierte „Judenhass” bekam in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch den Rassenantisemitismus eine moderne Spielart. Während der religiöse Antisemitismus wenigstens noch die Möglichkeit bot, durch einen Religionswechsel Hass und Verfolgung zu entkommen, ließ der Rassenantisemitismus überhaupt keinen Spielraum mehr zu. Für seine Anhänger definierte sich das Judentum über Geburt und Abstammung und nicht über das persönliche religiöse Bekenntnis. Die Nationalsozialisten übernahmen diesen Rassenantisemitismus und machten ihn zum Grundpfeiler ihres politischen Denkens und Handelns. Seit Gründung der NSDAP wurden die„Juden” zum„Feindbild” des Deutschen Volkes aufgebaut und für alle negativen Entwicklungen in der Gesellschaft verantwortlich gemacht. Der Rassenhass der Nationalsozialisten fiel bei der deutschen und österreichischen Bevölkerung, die nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg und der schweren Wirtschaftskrise der 1920er- und 1930er-Jahre von Zukunftsängsten und Identitätskrisen geplagt war, auf fruchtbaren Boden. Die Stigmatisierung und Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung war der erste Schritt, der zu Beraubung, Vertreibung und Ermordung führte. Wer Jude war oder nicht, regelte im Denken der Nationalsozialisten allein die Abstammung. Personen, die drei oder vier jüdische Großeltern besaßen, galten als„Volljuden” und sollten aus der staatlichen Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Personen mit weniger jüdischen Vorfahren galten als„Mischlinge” und hatten je nach dem„Grad” eingeschränkte Rechte und Freiheiten. Der Rassenantisemitismus wurde im Deutschen Reich nach 1 NS-PLAKAT in Wien, April 1932 14 2 Auf der Mariahilfer Strasse jubeln Wiener Adolf Hitler zu, März 1938 der Verabschiedung der„Nürnberger Gesetze” ab 1935 offizielle Politik. Menschen, die nach der Definition der Nationalsozialisten als Juden galten, wurden Schritt für Schritt aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen. Im Laufe der Jahre nationalsozialistischer Herrschaft wurde ihr Leben im Deutschen Reich durch zahlreiche Verbote weiter erschwert und unmöglich gemacht, um sie zur Auswanderung und Flucht zu zwingen. 1 Der„Anschluss” Österreichs Während sich die Situation der Juden im Deutschen Reich seit der Machtübernahme Schritt für Schritt verschlechtert hatte, war der„Anschluss“ Österreichs am 12. und 13. März 1938 der Wendepunkt im Leben der österreichischen Juden. Von einem Tag auf den anderen verloren sie alle bürgerlichen Rechte und Freiheiten und wurden willkürlich verfolgt und beraubt. Die bis zu 214.000 Menschen in Österreich, die 1938 für das neue Regime als Juden galten, konnten auf keinen Schutz durch das Gesetz oder die Polizei zählen – sie waren vogelfrei. 15 KEIN VERÖFFENTLICHUNGSRECHT 3 Hitlerjugend beschmiert jüdische Geschäfte in Wien, März 1938 Schon in den ersten Tagen nach dem„Anschluss” plünderten Angehörige der NSDAP, der SA, der Gestapo und auch der Polizei sowie viele Privatpersonen jüdische Wohnungen. Sie raubten Geld, Schmuck und andere Wertgegenstände und nahmen Möbel oder Kraftfahrzeuge einfach mit sich. Diese„wilden Arisierungen” im März und April 1938 wurden vom Staat zunächst toleriert, doch schon bald erließ der NS-Staat Gesetze, welche die Beraubung der Juden in der neu annektierten„Ostmark” und auch im„Altreich” regeln sollten. Mit der„Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden” vom 26. April 1938 wurden alle Juden im gesamten„Deutschen Reich“ verpflichtet, ihr Vermögen zu melden, wenn es den Wert von 5.000 Reichsmark(RM) überstieg. In Wien wurde im damaligen Ministerium für Wirtschaft und Arbeit eine eigene„Vermögensverkehrsstelle” geschaffen, die das Vermögen der Juden in Österreich erfasste und ihre Beraubung in Zusammenarbeit mit Dienststellen der NSDAP und der Gestapo organisierte. Elf Monate nach dem„Anschluss” zog die Vermögensverkehrsstelle eine Zwischenbilanz. Bis zu diesem Tag erfasste sie Vermögenswerte von ca. 60.000 Juden und Jüdinnen im Ausmaß von 2.041.828.000 RM – nach heutigem Wert ca. 9,3 Milliarden Euro. 2 Da fast 90 Prozent aller österreichischen Juden in Wien lebten, war 16 hier auch das meiste jüdische Vermögen vorhanden. Von den ca. 33.000 jüdischen Betrieben in Wien wurden 75 Prozent aufgelöst und ihr Betriebsvermögen weiter verkauft. Die anderen Betriebe wurden„arisiert” und von Personen weitergeführt, die sich bei der staatlichen Vermögensverkehrsstelle um eine Betriebsübernahme beworben hatten. Die„Ariseure” waren meistens Personen, die der NSDAP oder einer Unterorganisation angehörten; sie wurden daher bevorzugt und übernahmen sehr billig und meist ohne große eigene finanzielle Mittel jüdischen Besitz. Auch 70.000 Wohnungen, die entweder Juden gehörten oder an solche vermietet waren, wurden nach deren Vertreibung von„Ariern” übernommen. Nutznießer der Beraubung an den Juden waren – ob direkt oder indirekt – die meisten der damals im Deutschen Reich lebenden Personen. Ziel der Judenverfolgung war es aber, die Juden nicht nur zu berauben, sondern sie durch den alltäglichen Terror dazu zu bringen, dass sie das Land so rasch wie möglich verließen. Die Erlaubnis zur Ausreise war aber an die Ablieferung sämtlicher Vermögenswerte gekoppelt. Darüber hinaus wollte der NS-Staat auch an das ausländische Vermögen von Juden herankommen, sodass auch diese Werte an den Staat übertragen werden mussten, um die Ausreise zu erlangen. Zusammen mit der Vermögensverkehrsstelle koordinierte die unter der Leitung von Adolf Eichmann stehende„Zentralstelle für jüdische Auswanderung” Beraubung und Vertreibung. Da aber viele Juden durch die Beraubung mittellos geworden waren und sich kaum mehr die Ausreise finanzieren konnten, wurden die jüdischen Kultusgemeinden gezwungen, mit einem Teil des von Juden entzogenen Geldes die Ausreise armer und mittelloser Juden zu organisieren und zu finanzieren. Vertreibung und Ermordung der österreichischen Juden Insgesamt gelang bis Anfang 1942 130.000 österreichischen Juden die Flucht. Der größte Teil von ihnen wurde von den USA(30.000) und von Großbritannien(27.000–30.000) aufgenommen. Nach dem Kriegseintritt der USA im Dezember 1941 wurde für die in Österreich verbliebenen Juden die Auswanderung praktisch unmöglich. Die 66.000 meist älteren Personen, die durch die restriktiven Aufnahmeformalitäten kein Exilland finden konnten, wurden in Ghettos oder in Konzentra- 17 4 Vor der Flucht versuchen, Juden ihren Hausrat zu verkaufen ANZEIGENSEITE NEUES WIENER TAGBLATT, 7.8.1938 18 KEIN VERÖFFENTLICHUNGSRECHT 5 Wiener Juden stellen sich beim Polizeikommissariat Margarethen um Pässe an, Mai 1938 KEIN VERÖFFENTLICHUNGSRECHT 6 Jüdische Kinder nach ihrer Flucht aus Wien bei der Ankunft am Liverpool Street Bahnhof in London, 13. 7. 1939 19 tions- und Vernichtungslager nach Osteuropa deportiert und dann ermordet. Nur etwa 1.000 bis 2.000 Juden konnten in Wien bis 1945, meist versteckt als sogenannte„U-Boote”, überleben. Nach 1945 kehrten nur wenige als Überlebende aus den Konzentrationslagern oder als Heimkehrer aus den Exilländern nach Österreich zurück, sodass sich die Zahl der in Österreich lebenden Juden auf ca. 5.000 bis 6.000 erhöhte. Viele Juden kamen nicht zurück, da sie den weiterhin stark verbreiteten Antisemitismus in der österreichischen Bevölkerung fürchteten. Auch die österreichische Regierung unterließ es, die Vertriebenen und die Holocaust-Überlebenden offiziell zur Rückkehr einzuladen und signalisierte damit, dass eine zahlenmäßig große jüdische Gemeinde in Österreich in Zukunft unerwünscht war. 3 Arisierung von Alltagsgegenständen Der Umfang der Beschlagnahmung von Alltagsgegenständen bei Juden nach dem„Anschluss“ lässt sich kaum beziffern. In der ersten Phase der „wilden Arisierungen” im März 1938 wurden vor allem Kraftfahrzeuge, Bargeld, Schmuck und andere Wertgegenstände beschlagnahmt. Um möglichst rasch auswandern zu können, boten auch viele Juden ihren Hausrat zu sehr günstigen Preisen mittels Zeitungsannoncen zum allgemeinen Verkauf an. Viele„arische” Österreicher und Österreicherinnen profitierten so von der Notlage dieser Menschen und kamen auf günstigem Weg zu Möbeln, Bildern, Büchern, Radios, zu Haushaltsgeräten wie Nähmaschinen und ähnlichen Gegenständen. Während des Pogroms vom 9. November 1938 kam es zu einer weiteren Welle willkürlicher Beschlagnahmungen. An diesen Raubzügen waren wieder Mitglieder der NSDAP, der SA und SS, aber auch Privatpersonen beteiligt. Im Verlauf des Pogroms wurden in Wien 42 Synagogen und Bethäuser in Brand gesteckt und verwüstet. 6.547 Juden wurden verhaftet, davon fast 4.000 im KZ Dachau interniert. 4 Der Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei Heinrich Himmler ermächtigte am 30. Juli 1938 die Gestapo, in Österreich beschlagnahmtes mobiles Vermögen von Juden öffentlich versteigern zu lassen. Die Versteigerungen führte das Dorotheum mit seinen Zweigniederlassungen in den Bundesländern im Auftrag der Gestapo durch. Beschlagnahmte Sachwerte 20 wie Schmuck, Juwelen und Kunstgegenstände oder Briefmarken wurden meist in den Räumlichkeiten des Dorotheums versteigert. Hausrat hingegen wurde manchmal auch direkt in den Wohnungen der Vertriebenen an Nachbarn und Passanten frei verkauft. Neben der Gestapo verkauften auch Zoll- und Finanzbehörden sowie die Gemeinde Wien; auch die NSDAP selbst beschlagnahmte Güter. Die von ihr eingerichteten„Wiedergutmachungsstellen” verteilte ferner beschlagnahmte Mobilien kostenlos an jene Parteigenossen, die sich in der Zeit von 1933 bis 1938 illegal für die NSDAP betätigt hatten. Profiteure der Arisierungen und Beschlagnahmungen waren ferner zahlreiche private Auktionshäuser und Antiquitätenhändler, die bis 1945 und auch noch später gute Geschäfte mit dem NS-Raubgut machten. Besonders wertvolle Kunst- und Sammelobjekte wurden durch das Bundesdenkmalamt erfasst, und nachdem Kunstexperten die wertvollsten Stücke für ein geplantes„Führermuseum“ in Linz ausgesucht hatten, Museen in der ganzen Ostmark angeboten. Mit Kriegsbeginn im September 1939 verschärfte sich die Lage für die im Deutschen Reich lebenden Juden noch weiter. So mussten Radios und Schreibmaschinen abgegeben werden, auch der Besitz eines Telefons war verboten. Die Gestapo beschlagnahmte ferner das Umzugsgut emigrierter Juden, das zum Teil noch in Häfen wie Hamburg und Triest oder bei Speditionen in Wien lagerte. Die Wiener Gestapo gründete Anfang September 1940 die„Verwaltungsstelle für jüdisches Umzugsgut der Geheimen Staatspolizei”(Vugesta). Mit Hilfe dieser Dienststelle verkaufte sie nicht nur das Umzugsgut der emigrierten Juden, sondern auch den Hausrat der aus Wien in die Vernichtungslager deportierten Juden an die Bevölkerung. Für die Räumung der Wohnungen und für die Arbeiten in den Depots setzte sie jüdische Zwangsarbeiter ein. Für Möbel und Einrichtungsgegenstände richtete sie eine eigene Verwertungsstelle in der Krummbaumgasse 8 im zweiten Wiener Gemeindebezirk ein. NS-Funktionäre und Personen mit Beziehungen zur Gestapo konnten besonders günstig einkaufen. Der Gesamterlös aus den Verkäufen dürfte zwischen 13 und 14 Millionen RM betragen haben. Teilweise wurden die Vermögenswerte auch über die NS-Volkswohlfahrt an die Bevölkerung verteilt. 5 21 KEIN VERÖFFENTLICHUNGSRECHT 7 Ab 1941 mussten Juden verpflichtend den Judenstern tragen, Wien um 1941 Rückgabe nach 1945 Zwischen 1945 und 1949 verabschiedete das österreichische Parlament sieben Rückstellungsgesetze. Für die meist im Ausland lebenden Opfer war diese Gesetzgebung sehr unübersichtlich, da vielen die österreichische Rechtslage und die unterschiedlichen Fristen für Rückstellungen unbekannt blieben. Diese konzentrierten sich auf die vorhandenen und auffindbaren Güter. Immobilien und größere Firmen, die die Kriegszeit ohne Auflösung überstanden hatten, konnten dadurch relativ leicht restituiert werden. Allerdings mussten bei Immobilen die Geschädigten den„arischen” Besitzern meist den Kaufpreis zurückzahlen, der bei der„Arisierung“ erzielt worden war. Viele Geschädigte hatten dieses Geld jedoch nie gesehen, da es auf Sperrkonten gelandet war, auf die Juden nicht zugreifen konnten. Damit mussten diskriminierende Steuern wie die„Reichsfluchtsteuer” oder die„Judenvermögensabgabe” beglichen werden. Diskriminierende Abgaben wurden durch den„Abgeltungsfonds” der 1960er Jahre entschädigt; allerdings konnte an die Überlebenden nur ein geringer Prozentsatz der ursprünglich verrechneten Steuern als Abschlagzahlung ausbezahlt werden. Herrenloses Vermögen, das nicht mehr von Opfern zurückgefordert wurde 22 KEIN VERÖFFENTLICHUNGSRECHT 8 Beschlagnahmeaktion von Wohnungsinventar durch den „Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg“, Paris Juli 1943 KEIN VERÖFFENTLICHUNGSRECHT 9 Beschlagnahmte Elektrogeräte und Radios in einem Lager in Paris, Juli 1943 23 oder werden konnte, übertrug der Staat an sogenannte„Sammelstellen“, die dieses Vermögen verwerteten und an NS-Opferorganisationen zur Verteilung brachten. Kunstgegenstände, die in Museen gelangt waren, konnten vielfach an die ursprünglichen Eigentümer zurückgestellt werden. Allerdings existierte seit den 1920er-Jahren ein Kunstausfuhrgesetz, das verhindern sollte, dass bedeutende Kunstgegenstände aus Österreich ausgeführt wurden. Daher konnten viele NS-Opfer nicht frei über ihr ehemaliges Vermögen verfügen. Um die Ausfuhrerlaubnis für einzelne Kunstwerke zu bekommen, mussten viele Eigentümer auf bedeutende Werke verzichten, die so im Eigentum der Bundesmuseen verblieben. 1995 versteigerte die Republik Österreich mehrere hundert„herrenlose” Kunstgegenstände, die jahrzehntelang in der Kartause Mauerbach eingelagert gewesen waren, zugunsten von NS-Opferorganisationen. In den 1990er Jahren wuchs in Österreich in Folge der„WaldheimAffäre” das Bewusstsein über das noch bestehende Unrecht gegenüber den NS-Opfern. 1995 wurde ein„Nationalfond der Republik für Opfer des Nationalsozialismus” ins Leben gerufen, der seitdem weitere Entschädigungen an NS-Opfer bzw. NS-Opferorganisationen auszahlt. Seit dem „Kunstrückgabegesetz” von 1998 durchforsten die staatlichen Museen in Österreich auf Bundes- und mit unterschiedlicher Intensität auch auf Landesebene ihre Sammlungen nach NS-Raubgut. Hunderte Objekte konnten seither an die Familien der ursprünglichen Eigentümer zurückgegeben werden. Das Kunstrückgabegesetz von 1998 fußt direkt auf der„Washingtoner Erklärung”, in der sich 44 Staaten zur Rückgabe von NS-Raubgut verpflichtet hatten. 6 Allerdings umfasst die Erklärung nur Raubgut im staatlichen Besitz. Privatpersonen können sich dieser Erklärung anschließen, müssen dies aber nicht tun. So bleibt noch viel NS-Raubgut weiter in privatem Besitz. Neben Kunst und Kunsthandwerk sind dies vielfach Gegenstände des täglichen Gebrauchs wie Möbel oder auch technische Geräte. 2 Das Technische Museum Wien im Dritten Reich 25 Die Museumslandschaft Wiens war in der Zeit von 1938 bis 1945 einem tief greifenden Wandel unterzogen. Kustoden und Museumsdirektoren erhofften sich vom Dritten Reich goldene Zeiten für ihre Profession. Teilweise erfüllten sich ihre Hoffnungen auch: Die Eroberungszüge der deutschen Wehrmacht brachten den Museen Raubgut aus ganz Europa ein, vor allem aus dem Besitz der vertriebenen und ermordeten Juden. Andererseits verloren die Museen an Bedeutung, da Wien nicht länger Hauptstadt war, sondern mit Städten wie Hamburg, München, Köln und auch Linz um Zuteilung von Personal und Ressourcen aus der Reichshauptstadt Berlin wetteifern musste. 7 Das Technische Museum war nach dem„Anschluss“ mit der Konkurrenz durch das„Deutsche Museum“ in München konfrontiert, das besser mit der Großindustrie vernetzt war und über ein größeres Budget verfügte. Im Frühjahr 1938 überwogen aber die„Anschlussfreude“ und die Hoffnung, dass die bisherige chronische finanzielle Unterdotierung zusammen mit dem„Systemstaat“ der Vergangenheit angehören würde. Die allgemeine Jubelstimmung nach dem„Anschluss“ erfasste auch die Belegschaft. Bereits am 16. März 1938 wurden die 22 Beamten des Museums auf„den Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler“ vereidigt. Direktor Viktor Schützenhofer(1878–1961) konnte seinen Posten behalten. Die Gleichschaltung schien auf den ersten Blick tadellos zu funktionieren. 8 Erst 1939 und 1940 kam es aufgrund der„Verordnung zur Neuordnung des österreichischen Berufsbeamtentums“ zu personellen Veränderungen. Zwei langjährige Beamte wurden aus politischen bzw.„rassischen“ Gründen zwangspensioniert: Zunächst traf es den Kustos Erich KurzelRuntscheiner(1883–1957). Er war auch Vorstandsmitglied des„Öster1 Te 0 cWhnaisltcehreHneMrliunsgeeurm(I,srSaoeml Hmaedra1r9) 3vo9r dem 26 1 Te 1 cVhnikitsocrhSecnhMütuzseenuhmofsevr,oDnir1e9k3t0o–r1d9e4s9 reichischen Automobil Clubs“(ÖAC) und hatte sich in den 1920er-Jahren wissenschaftlich und publizistisch intensiv mit dem„Marcus-Wagen“ beschäftigt, der auf den jüdischen Mechaniker Siegfried Marcus zurückging. Ende Mai 1939 wurde Kurzel-Runtscheiner unter Beibehaltung voller Bezüge zwangspensioniert. Gründe dafür waren seine Mitgliedschaft bei der austrofaschistischen„Heimwehr“ und seine offen gezeigte Anhängerschaft für das Regime Dollfuß-Schuschnigg sowie offenbar auch die Tatsache, dass er mit der jüdischen Bankierstochter Elisabeth Thorsch verheiratet war. Kurzel-Runtscheiner fand – auch mit Unterstützung des ehemaligen Direktor des Technischen Museums und Nationalsozialisten Ludwig Erhard (1863–1940) – einen Posten als Leiter des Firmenarchivs der„Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg“(MAN) in Augsburg. Diese Stelle bekleidete er bis Herbst 1944 und kehrte dann nach Wien zurück. Im Juni 1945 wurde Kurzel-Runtscheiner wieder eingestellt und 1946 zum stellvertretenden Direktor ernannt. 9 Der zweite Betroffene, Franz Kaminek, hatte seit November 1915 als Mechaniker und Kinooperateur im Museum gearbeitet. Da seine Mutter Jüdin war, galt er nach den Nürnberger Rassengesetzen als„Mischling 27 1 d 2 esK„AVReTreEiInKsATReTcEhNnisvcohnesauMsguseesuchmlo“s, s1e9n3e8n jüdischen Mitgliedern 1. Grades“. Mit 30. Juni 1940 wurde er„mit vollem Ruhegenuss in den Ruhestand versetzt“. Kaminek war als Kinooperateur im„Ostmark“-Kino und später im„Waldmüller-Kino“ tätig, bevor er von 1942 bis 1945 von der Reichsfilmkammer„dienstverpflichtet“ wurde. Im November 1945 wurde er wieder am Museum eingestellt und verblieb dann bis zu seiner Pensionierung 1952. 10 Auch anhand der Mitgliederzahlen des Fördervereins des Museums lassen sich die antijüdischen Maßnahmen nachzeichnen, die unmittelbar nach dem „Anschluss“ einsetzten: Im Lauf des Jahres 1938 sank die Zahl der Einzelmitglieder von 301 auf 276, jene der Firmenmitgliedschaften von 112 auf 107. 11 Der Rückgang ist zum überwiegenden Teil auf Austritte von Juden bzw. auf Arisierungen von Firmen zurückzuführen. So findet sich auf 41 Karteikarten ausgeschiedener Mitglieder der Vermerk„Jude“. 28 Der Vorstand des Fördervereins war ebenfalls betroffen: Leopold Fialla, Prokurist der„Perlmooser Cementfabrik“ und Rechnungsprüfer im Verein, teilte dem Präsidium Anfang 1939 mit:„In Anbetracht des Umstandes, dass ich Nichtarier bin, sehe ich mich zu meinem Bedauern genötigt, den Austritt aus ihrem gesch. Verein hiermit anzumelden und meine Stelle als Mitglied ihres Überprüfungsausschusses niederzulegen.“ 12 In einem kurz gehaltenen Schreiben dankte Ludwig Erhard ihm für seine„bisherige Mühewaltung“. 13 Die antijüdische Gesetzgebung führte auch dazu, dass nun„Juden“ in der Definition der Nürnberger Gesetze der Besuch von Museen verboten wurde. Sogenannten„Mischlingen“ wurde er einzeln, aber nicht in Gruppen erlaubt. Als die Privat-Handelsschule Neumann aus Wien im April 1943 anfragte, ob einer ihrer„Mischlingskurse“ das Museum als Gruppe besuchen dürfe, wurde dies vom Reichsstatthalter untersagt – da nützte es auch nichts, dass einige dieser„Mischlinge“ sogar der HJ angehörten. 14 Im Dienst des Staates oder der NSDAP? Während sich von außen gesehen die Gleichschaltung des Museums mit dem nationalsozialistischen Regime ohne Probleme vollzog, entbrannte hinter den Kulissen ein heftiger Konflikt um die künftige Ausrichtung unter den geänderten politischen Gegebenheiten. Das Museum wurde seit der Verstaatlichung 1922 vom Handelsministerium verwaltet. Dass es mit 1. August 1938 in den Wirkungskreis des„Ministeriums für innere und kulturelle Angelegenheiten“ überführt wurde, störte noch niemanden. Führende Persönlichkeiten des Museums, wie Ludwig Erhard in seiner Funktion als Leiter des Forschungsinstituts für Technikgeschichte, Heinrich Goldemund als Präsident des Fördervereins sowie Georg Günther als Vertreter des Vorstandsrats des Museums verfolgten jedoch weiterreichende Pläne zur Umstrukturierung. Bereits im April/Mai 1938 initiierte Erhard Gespräche mit dem„NS-Bund Deutscher Technik“(NSBDT) in München mit dem Ziel, das Forschungsinstitut für Technikgeschichte und in weiterer Folge auch das Technische Museum organisatorisch mit dem NS-„Hauptamt der Deutschen Technik“ zusammenzuführen und unter die Leitung des NSBDT-Führers Fritz Todt zu stellen. 15 Dieses Angebot maßgeblicher Persönlichkeiten des Museums kam Todts Intentionen durchaus entgegen, da der NSBDT im Frühjahr 1938 erste Schritte zur Gründung eines„Hauses der Deutschen Technik“ in München setzte. Diese Institution sollte nicht nur die Zentrale des NSBDT werden 29 13 Das Technische Museum in den 1930er-Jahren und Schulungs- und Ausstellungsräume umfassen, sondern auch mit dem Deutschen Museum in München vereinigt werden. Eine Erweiterung dieses neu entstehenden Komplexes um das Technische Museum in Wien hätte somit der NSDAP die Möglichkeit eröffnet, die museale Darstellung von Naturwissenschaft und Technik im„Großdeutschen Reich“ direkt und zentral zu beeinflussen. Während die Direktion des Deutschen Museums die Pläne Fritz Todts abzuwehren versuchte, um zumindest institutionell die Unabhängigkeit zu bewahren, 16 sah die Gruppe um Ludwig Erhard, Heinrich Goldemund und Georg Günther in einer Anlehnung an die NSDAP die einzige Chance, die ursprünglichen Ausbaupläne des Museums doch noch zu verwirklichen. Gegen Erhards Pläne regte sich aber Widerstand seitens der staatlichen Museumsverwaltung, und auch Direktor Schützenhofer stand dem Vorhaben ablehnend gegenüber. Nach Erhards Tod Ende 1940 beschrieb Schützenhofer im Mai 1942 das Verhältnis zu seinem Vorgänger, woraus sich einige Rückschlüsse auf das Betriebsklima im Technischen Museum der Jahre 1938/39 ziehen lassen:„Selbst die Tatsache, dass Dr. E.[Erhard] nach dem Umbruch eine Art Privatisierung des Technischen Museums 30 und des Forschungsinstituts betrieb und ich den amtlichen Auftrag hatte, diesen Machenschaften entgegenzutreten, hat zu keiner Differenz zwischen uns geführt, da beide Teile jede Diskussion dieser Fragen sorgfältig vermieden“. 17 Den erwähnten amtlichen Auftrag hatte Schützenhofer offenbar von Friedrich Plattner, dem Staatskommissar im Ministerium für innere und kulturelle Angelegenheiten, erhalten. 18 Plattner versuchte 1939, einerseits die Übernahme des Technischen Museums durch die Partei zu erschweren und andererseits Schützenhofers Position als Direktor zu retten, indem er es der Oberleitung von Hans Kummerlöwe(1903–1995) anvertraute. Kummerlöwe, Direktor der„Staatlichen Museen für Tierkunde und Völkerkunde“ in Dresden und als Nationalsozialist der ersten Stunde Träger des„Goldenen Parteiabzeichens“, wollte seit Herbst 1938 seinen Wirkungskreis von Dresden nach Wien ausdehnen. 19 Gemäß seinen Plänen und einem Wunsch des Ministeriums entsprechend, sollte er die Oberleitung des Naturhistorischen Museums und des„Museums für Volkskunde“ in Wien übernehmen. Als sich im Februar 1939 die Pläne zur Übernahme des Technischen Museums durch Fritz Todt konkretisierten, bot Plattner Kummerlöwe als Alternative kurzerhand auch die Oberleitung des Technischen Museums an, offenbar verknüpft mit der Bedingung, dass Schützenhofer das Museum als Fachmann weiterführen sollte. 20 Plattners Schachzug ging auf. Kummerlöwe erhielt mit Erlass des„Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung“ vom 1. Juni 1939 die Oberleitung über alle sogenannten„wissenschaftlichen Staatsmuseen in Wien“ übertragen. 21 Der Kriegsausbruch im September 1939 beendete nicht nur den Machtkampf um Leitung und Status des Technischen Museums in Wien, sondern auch jenen um das Deutsche Museum in München. Für Fritz Todt rückten nun kriegswirtschaftliche Belange und seine„Organisation Todt“ in den Vordergrund. Alle Beteiligten kamen überein, den Status des Deutschen Museums in München und des Technischen Museums in Wien erst nach Kriegsende zu klären. Auch die Errichtung des „Hauses der Deutschen Technik“ in München sollte erst nach dem„Endsieg“ erfolgen. 22 Für das Technische Museum bedeutete dies für die Jahre bis 1945 die Aufrechterhaltung des bisherigen Zustands und für Schützenhofer die Rettung seines Direktionspostens. Er überstand auch eine Anzeige, die einige Mitarbeiter des Museums im Dezember 1938 bei der Gestapo gegen ihn einbrachten. Der Gestapo wurde bald klar, dass die Urheber 31 der Anzeige – darunter der ehemalige Vizedirektor Ernst Stelzer – sich aufgrund vermeintlicher oder tatsächlicher beruflicher Zurücksetzungen in der Vergangenheit an Schützenhofer rächen wollten. Nach der Einstellung des Verfahrens wehrte er sich gegen seine Widersacher mit Disziplinaranzeigen, die zu Entlassungen und Versetzungen führten. So wurde Franz Fiedler, immerhin Betriebsobmann der Deutschen Arbeitsfront(DAF) im Technischen Museum, strafweise ins Kunsthistorische Museum versetzt. 23 Für das Museum brachen„ruhigere“ Zeiten an. Von den ehrgeizigen Umund Ausbauplänen, die Erhard im Sommer 1938 propagiert hatte, wurde nichts verwirklicht. Tilgung der Vergangenheit: Die Affäre um die Gründungstafel Obwohl sich Staat und NSDAP nach Kriegsausbruch kaum mehr um die Belange des Technischen Museums kümmerten, rückte das Haus doch einige Male in den Fokus der Partei. So fiel im Dezember 1941 einem NSDAP-Funktionär auf, dass die seit Mitte der 1920er-Jahre im Stiegenhaus des Museums angebrachte„Gründungstafel“ auch den jüdischen Industriellen Bernhard Wetzler 24 und das Bankhaus Rothschild 25 unter den 20 Institutionen und Persönlichkeiten anführte, die sich um das Museum verdient gemacht hatten. Das NS-„Kreisamt für Technik, Wien VII“ wandte sich daraufhin brieflich an die Museumsdirektion und verlangte die Entfernung der Namen. Schützenhofer verwies darauf, dass man diese Frage bereits 1938 mit Karl-Otto Saur vom NSBDT und Staatskommissar Friedrich Plattner diskutiert habe und zum Beschluss gekommen sei, die Namen nicht zu tilgen, da es sich um eine historische Tafel handle. 26 Der Einwand wurde aber nicht akzeptiert. In einer ersten Reaktion verwarf der„Reichsstatthalter“ das„Herausmeißeln“ der beiden Namen, das„nur auffallend wirken“ würde. Es müsse die gesamte Tafel entfernt und durch eine neue ersetzt werden. 27 Bis zu ihrer Fertigstellung im April 1942 wurden auf der alten Tafel die beiden beanstandeten Namen„in geeigneter Weise gelöscht“. 28 Schützenhofer legte im Jänner 1942 den Kostenvoranschlag des Wiener Steinmetzmeisters Oreste Bastreri für eine neue Platte aus Carrara-Marmor vor, die zukünftig weder Gründer noch Spender enthalten sollte. 29 Im April 1942 meldete das Museum den Abschluss der Arbeiten, die einen 32 1 vo 4 r DIE EHRENTAFEL dem Festsaal 1 V 5 ONEinHAITQLEURAwREuLrdLe bis 1945 im Eisenbahnmuseum ausgestellt und ist seitdem verschollen 33 Aufwand von 1.077 RM erforderten. 30 Die neue Tafel erhielt zusätzlich auch das von Viktor Schützenhofer stammende Motto„Der Wirtschaft zum Nutzen“. Kriegsende und Neuanfang Nach den ersten schweren Luftangriffen auf Wien Mitte September 1944 kam es aufgrund des von Joseph Goebbels verordneten„totalen Kriegseinsatzes“ zur zeitweiligen Sperre der Wiener Museen. Das Technische Museum war nur mehr am Samstagnachmittag und Sonntagvormittag geöffnet und wochentags lediglich im Rahmen von Führungen um 10 Uhr und 14 Uhr zugänglich. 31 Es kann davon ausgegangen werden, dass das Museum Anfang 1945 für die Öffentlichkeit geschlossen wurde. Obwohl in den Jahren 1944 und 1945 rund 130 Fliegerbomben in unmittelbarer Nähe einschlugen, wurde das Gebäude nie direkt getroffen. Allerdings wurden durch Luftdruckeinwirkung während des schwersten Angriffs am 19. Februar 1945 durch die US Air Force auf den nahen Güterbahnhof Penzing fast die gesamte Verglasung und ein Teil des Dachs zerstört. Am 5. April 1945, als sowjetische Truppen Wien erreichten, rief Schützenhofer seine Mitarbeiter Eduard Stürzer und den Portier Seidl ins Museum, um am Abend alle Hitler-Bilder und NS-Devotionalien aus den Schauräumen zu beseitigen. 32 Die Umgebung des Museums wurde in den folgenden Tagen Schauplatz von Kampfhandlungen. Mitarbeiter und Bewohner der Dienstwohnungen im Museum – unter ihnen der Direktor und der Portier – konnten aber ein Übergreifen der Kämpfe auf das Gebäude und dessen Plünderung verhindern. Um das Eindringen von Soldaten abzuwehren, ließ Schützenhofer kurzerhand eine Eingangstür zumauern. 33 Nach dem Ende der Kampfhandlungen am Abend des 13. April 1945 wurde das Haus mehrfach von sowjetischen Soldaten nach Waffen und versteckten deutschen Soldaten durchsucht. Die Sowjetsoldaten verlangten auch ein Verzeichnis der Waffen, Radioapparate und Sendeanlagen des Museums. Historische Waffen und Radios durften im Haus verbleiben. Die Russen plünderten nach Angaben Stürzers„eine Vitrine mit Feuerzeugen und eine mit Uhren“. 34 Den Mai 1945 verbrachte das Museumspersonal zunächst mit der Reinigung der Ausstellungsflächen und der im Haus verbliebenen Objekte von Schutt und Glassplittern. Ende dieses Monats fanden bereits wieder Führungen für die Besatzungsmächte statt. Die Öffnung des Gebäudes nach 34 sechs Monaten Sperre am 14. Oktober 1945 als erstes Wiener Museum verkündete Schützenhofer in einem Radiovortrag. 35 Die Bergung von 15 Kisten mit ausgelagerten Museumsobjekten aus Hirschwang gelang mit Hilfe russischer und französischer Besatzungssoldaten zwischen Oktober 1945 und August 1946. Bis Ende 1946 gelangten auch die in Wiener Banksafes sowie in den Kellerräumen des Museums gelagerten Gegenstände der Schausammlung wieder an ihren ursprünglichen Platz, 36 womit„der frühere Zustand“ wiederhergestellt war. 37 Von den 20.000 geborgenen Objekten fehlten nach Angaben von Schützenhofer nur zwei. Mit organisatorischer und finanzieller Hilfe der französischen Besatzung unter General Emile Béthouard, in deren Zone das Museum seit 1. September 1945 lag, 38 wurde die Einglasung des Hauses im Herbst 1946 abgeschlossen. 39 Die Bibliothek stand ab Ende 1948 wieder zur Verfügung. Bei Kriegsende konnten von den 34 MitarbeiterInnen des Museums nur fünf ihren Dienst antreten. Zehn fehlten, da sie als Wehrmachtsoldaten in Kriegsgefangenschaft geraten waren. Der Hilfsarbeiter Leopold Bruna war 1944 gefallen, und auch der bekannte Maler der Neuen Sachlichkeit und Kustos Franz Sedlacek kehrte aus dem Krieg nicht mehr zurück. Als erste Maßnahme nach Kriegsende übertrug das„Staatsamt für Volksaufklärung, für Unterricht und Erziehung und Kultusangelegenheiten“ im Juli 1945 die Verwaltung des Technischen Museums aufgrund des Behördenüberleitungsgesetzes an das„Staatsamt für öffentliche Bauten, Übergangswirtschaft und Wiederaufbau“. Nach dem Verfassungsgesetz über das Verbot der NSDAP mussten alle unter das Gesetz fallenden Mitarbeiter des Technischen Museums erfasst werden. 40 Insgesamt galt etwa ein Drittel der Mitarbeiter als belastet; darunter waren nur Männer, keine der acht Frauen war in der Partei tätig gewesen. 41 „Illegal“ 3 Parteianwärter 1938–1945 6 Parteimitglieder 1938–1945 2 Summe 11 Mitarbeiter gesamt 34 Die drei„Illegalen“, unter ihnen auch der NS-Zellenleiter des Museums Josef Hofbauer, wurden suspendiert. Keiner kehrte ans Museum zurück. 42 Die acht Mitarbeiter, die in der NS-Zeit Parteimitglieder oder Anwärter geworden waren, durften als„Minderbelastete“ im Haus bleiben. Die 35 restlichen Mitarbeiter galten als unbelastet. Zu ihnen zählte Schützenhofer, dem es gelungen war, von 1930 bis zu seiner Pensionierung 1949 in der Position des Direktors alle politischen Systeme seiner Zeit – die Erste Republik, den austrofaschistischen Ständestaat, das Dritte Reich und die Zweite Republik – zu überstehen. Er war bis zum„Anschluss“ Mitglied der „Vaterländischen Front“ und des„Deutschen Schulvereins“, dann Mitglied des„Nationalsozialistischen Bundes Deutscher Technik“, der„Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt“ und des„Reichsluftschutzbundes“ gewesen. 43 Im Gegensatz zu Ludwig Erhard, der den„Anschluss“ euphorisch begrüßte, verhielt sich Schützenhofer jedoch nach 1938 auffallend zurückhaltend. Die Neuausrichtung des Museums vom„bodenständigen, lebendigen Kulturgut[…] für das Gesamtdeutschtum und für die deutsche im europäischen Südostraum“ 44 hin zur Institution der Völkerverständigung vollzog er bereits in einem Beitrag für eine UNESCO-Zeitschrift 1948. Er schrieb:„Wenn das Wiener Technische Museum[…] den zweiten Weltkrieg nahezu ungeschädigt durchstand, so hat es heute nicht nur seine legitimen Aufgaben zu erfüllen und damit am Wiederaufbau seines Landes mitzuwirken, sondern auch zweifellos die Verpflichtung, aber auch den Willen dazu, die schwergeschädigten Schwesterinstitute Europas im Rahmen der ihm gegebenen Möglichkeiten in ihren Wiederaufbaubestrebungen zu unterstützen und damit dem Gedanken der Völkerverbindung zu dienen.“ 45 Zu Schützenhofers Verabschiedung am 27. Jänner 1950 hielt sein Nachfolger Josef Nagler(1901–1990) eine Rede vor der Belegschaft, in der er die Wandlungsfähigkeit seines Vorgängers noch einmal positiv bewertete:„Wir müssen, so leid es uns tut, wollen wir ehrlich sein, feststellen, daß die Zeit Ihres Direktoriums für Sie nicht immer eine Zeit gewesen ist, die Ihnen viel Freude geboten hat, aber trotzdem haben Sie, sehr verehrter Herr Ministerialrat, jede Zeit gemeistert und sind jeder Situation gewachsen gewesen.“ 46 Nagler hatte nach seiner Tätigkeit in der deutschen Rüstungsindustrie nach 1945 seine Museumsarbeit als Physikkustos fortgesetzt. Er folgte 1950 auf Schützenhofer als dritter Direktor des Museums. Als Wiedergutmachung wurde ab 27. Juni 1945 auch Erich KurzelRuntscheiner wieder als Kustos eingestellt. Aufgrund seiner HeimwehrVergangenheit blieb er vor allem bei den Arbeitern des Museums unbeliebt. Daher teilte ihm Schützenhofer bereits 1945 mit, dass er nur für das Forschungsinstitut für Technikgeschichte wieder eingestellt worden sei und nicht für eine Dienstleistung im Museum in Betracht komme. Diese Regelung blieb auch ab 1. Jänner 1946 in Kraft, als Kurzel-Runtscheiner formal zum Vizedirektor ernannt wurde. 47 NS-Raubgut im Technischen Museum Wien NS-Raubgut: Angebote von jüdischen Personen 39 Von 1938 bis 1945 setzte das Technische Museum – abgesehen von neuen Objekten der Kriegstechnik und solchen, die im Zuge einer Sonderausstellung zu den Ersatzstoffen 1940 ins Museum kamen – keine neuen Sammlungsschwerpunkte. Nach dem„Anschluss“ im März 1938 häuften sich allerdings Widmungen von technischen Objekten, Büchern und Archivalien jüdischer Eigentümer. Eine aktive Rolle des Museums bei der Akquisition von Gegenständen aus jüdischem Besitz ist jedoch – im Gegensatz zum Wettlauf der Museen um die Zuweisung von Kunstwerken aus jüdischen Sammlungen – nicht belegbar. Zumeist boten Menschen, die durch die nationalsozialistischen Verfolgungen in eine ausweglose Lage geraten waren und auf schnellstem Wege auszureisen suchten, die Objekte selbst dem Museum an. Die Gegenstände, Bücher und Archivalien aus dem Eigentum von Siegfried Gerstl, Theodor Wolf, Marianne und Otto Zels, Max Ludwig Baczewski, Hans Fischl und Ernst Egger kamen alle im Zeitraum von April bis Anfang November 1938 ins Technische Museum, und zwar direkt von den verfolgten jüdischen Personen. In einem Erlass vom 8. November 1938 wies das „Ministerium für innere und kulturelle Angelegenheiten“ die Museen jedoch darauf hin, es sei„mit den rassischen Grundsätzen eines nationalsozialistischen Staates nicht vereinbar, dass Körperschaften des öffentlichen Rechts oder sonstige öffentliche Einrichtungen Schenkungen oder letztwillige Zuwendungen von Juden annehmen.“ 48 Strategie des NS-Staates war es, das Vermögen von Juden und Jüdinnen zunächst durch Organe des Staates zu beschlagnahmen. Zuweisungen von jüdischem Besitz an Museen sollten ausschließlich durch staatliche Stellen erfolgen. Tatsächlich lehnte das Technische Museum in der Folge einige Schenkungen von Juden ab. Emil Ehrenfest, Kärntnerstr. 21, Wien I, unter16 Sammlung von ABBILDUNGEN LANDWIRTSCHAFTLICHER GERÄTE aus dem Nachlass Siegfried Gerstl 40 breitete im Juli 1939 das Angebot,„ob das techn. Museum mein von mir seinerzeit gefahrenes Hochrad als Museumstück zum Präsent annehmen würde.“ Mit dem Vermerk„Jude! Ablegen! D.S.“ lehnte Direktor Schützenhofer das Geschenk ab. 49 Auch das Angebot von Clara Löwy, Wien II, Untere Donaustr. 29, eine alte amerikanische Nähmaschine der Marke„Wheeler& Wilson“ käuflich zu übernehmen, wurde vom Technischen Museum abgelehnt. 50 Offenbar nahm das Museum nur von Regine Ehrenfest-Egger auch nach dem November 1938 noch Objekte direkt aus jüdischen Besitz an. Dias von Siegfried Gerstl(1862–1938) Siegfried Gerstl, ein Experte für landwirtschaftliche Maschinen, kontaktierte das Museum Anfang August 1938:„Da ich als Jude möglicherweise gezwungen sein werde, meine Heimat, trotzdem ich 76 Jahre lang hier wohne, zu verlassen, und oben genannte Bücher u.s.w. nicht mitnehmen kann, so erlaube ich mir die Anfrage, ob Sie geneigt sind, im Falle ich auswandern müsste, diese zu übernehmen, kostenlos.“ 51 Am 6. August 1938 teilte Direktor Viktor Schützenhofer ihm mit, dass das Technische Museum„gerne bereit“ sei,„die ihm zugedachten Bücher und Glasbilder zu übernehmen.“ 52 Gerstl war Kommerzialrat und„handelsgerichtlich beeideter Sachverständiger für landwirtschaftliche Maschinen“. In dieser Funktion hielt er Vorträge bei landwirtschaftlichen Vereinen und publizierte Artikel in Fachzeitschriften wie der„Wiener Landwirtschaftlichen Zeitung“. 53 Am 9. August 1938 übersandte er dem Technischen Museum einen Sonderdruck seines Artikels„Die Mähmaschine in Österreich. Skizzen zur Geschichte der landwirthschaftlichen Geräte“. 54 In einem Dankschreiben bestätigte das Museum den Erhalt. Am 22. September 1938 teilte Gerstl ferner dem Museum mit, dass„200 Glasbilder“ mit den dazugehörigen Negativplatten sowie„insgesamt noch mehr als 500 Bücher“„zur Abholung für Ihr Museum vorbereitet“ seien. 55 Am darauffolgenden Tag verstarb er. Am 25. September 1938 übergab seine Witwe Irma Gerstl Glasbilder an das Technische Museum. Die Übergabe der Bücher konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Gerstls Beerdigung fand am 28. September in der jüdischen Abteilung des Wiener Zentralfriedhofs statt. Am 8. Jänner 1943 verhaftete die Gestapo Irma Gerstl in ihrer Wohnung in der Liechtensteinstraße und ließ sie ins KZ Theresienstadt deportieren, wo sie am 1. März 1943 verstarb. Da das Ehepaar Gerstl keine Kinder hatte, gestaltet sich die Erbensuche besonders schwierig, sodass noch keine Rückgabe erfolgen konnte. 41 17 MÜNZWAAGE aus dem Besitz von Theodor Wolf Eine Münzwaage, ein Zählstempel und zwei Alkoholmeter von Dr. Theodor Wolf(1865–1941) Mit Schreiben vom 23. Mai 1938 dankte der Direktor des Technischen Museums Hofrat Dr. Theodor Wolf für die Überlassung„einer Münzwaage, 2 Alkoholmeter und einem Stempel mit Zählwerk – die drei erstgenannten Gegenstände als Widmung, den letztgenannten als Leihgabe“. 56 Die Gegenstände wurden am 12. Mai 1938 erfasst und in das Inventar des Museums übernommen. Theodor Wolf war am 18. Juni 1865 in Mährisch Weißkirchen geboren worden. Er wohnte bis zu seinem Tod am 10. November 1941 in der Rathausstrasse 19/10 in Wien I. 57 Als Jude musste er am 14. Juli 1938 eine Vermögensanmeldung bei der Vermögensverkehrsstelle abgeben. 58 Wolf war unverheiratet und hatte keine Kinder. Auch in seinem Fall verlief die Suche nach Erben bis jetzt ergebnislos. 42 18 ZÄHLSTEMPEL als Leihgabe von Theodor Wolf 19 ZWEI ALKOHOLMETER von Theodor Wolf 43 20 Die Werft des Caesar Wolheim in Cosel bei Breslau, Radierung von Hugo Ulbrich, 1903 Archivalien von Marianne und Otto Zels Im April 1938 nahm das Geschwisterpaar Marianne und Otto Zels zwecks Widmung von Büchern, Archivalien und Drucken aus dem Besitz ihres verstorbenen Vaters Louis Zels mit dem Technischen Museum Kontakt auf. Louis Zels(1846–1921) war Direktor der„1. Österreichischen Canalschiffahrt-Gesellschaft“, seit 1879 Mitglied des Donau-Vereins und Herausgeber der Zeitschrift„Danubius“(1885–1908). 59 Er war mit Charlotte Jellinek, der Tochter des Predigers im Tempel in der Seitenstettengasse Dr. Adolf Jellinek verheiratet, und hatte drei Kinder. 60 Marianne Zels(1878–1957) war ab 1899 Inhaberin eines Modesalons in Wien und von 1910 bis 1926 als technische Leiterin der Modeabteilung der Wiener Werkstätte in der Neustiftgasse 32 tätig. 61 Nach einer kurzen Anstellung(1926–1927) als Werkstättenleiterin der Firma G. und E. Spitzer unterrichtete sie von 1926 bis März 1938 in der Klasse von Professor Josef Wimmer als Lehrerin für Mode an der Kunstgewerbeschule am Stubenring 3, in Wien I. 62 Ihr Bruder Ing. Otto H. Zels war als Ingenieur in der Automobilindustrie tätig und lebte seit längerer Zeit in Nizza. Am 19. April 1938 bedankte sich der Direktor des Technischen Museums in einem Brief bei Marianne Zels für das„besondere Entgegenkommen, dass Herr Ing. Zels eine größere Anzahl von Büchern, Bildern und Schriften aus dem Besitz seines Vaters der Bücherei und dem Archiv des Instituts zur 44 Verfügung zu stellen beabsichtigt.“ 63 Otto Zels hatte dem Museum bereits 1935 Objekte und Archivalien aus der Frühzeit des Kraftwagenbaus als Geschenk überlassen. 64 Am 25. April 1938 teilte Marianne Zels dem Museum in einem Brief mit: „Vor einer Stunde kam ein Brief meines Bruders aus Nizza, der mir erlaubt, alles was ich vorbereitet habe, dem Museum zu übergeben. Wollen Sie daher die Güte haben an einem Vormittag[…] einen Boten zu schicken, es sind vielleicht mehr als 1 ½ m 2 ich habe 2 Tische vollgepackt.“ 65 Die Objekte, darunter auch eine Radierung von Hugo Ulbrich mit dem Titel „Die Werft des Caesar Wollheim in Cosel bei Breslau“, wurde um den 10. Mai 1938 von Mitarbeitern des Technischen Museums in der Wohnung von Marianne Zels abgeholt. Als Jüdin wurde sie mit Bescheid des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst am 30. Mai 1938 zwangspensioniert. Sie lebte bis zu ihrer Flucht zu ihrem Bruder nach Nizza am 19. Juni 1939 weiterhin in der Wohnung Trauttmansdorffgasse 19, in Wien XIII. 66 Das weitere Schicksal des Geschwisterpaars während des Zweiten Weltkriegs ist nicht bekannt. Marianne Zels verstarb vermutlich 1957 in Bad Ischl. In den Indexbänden der Bibliothek sowie in der Zettelkartei sind keine Bücher und Zeitschriften mit Herkunftsvermerk von Marianne und Otto Zels bzw. von deren Vaters Louis Zels verzeichnet. Allerdings konnten im Zuge der Durchsicht der zwischen 1938 und 2005 inventarisierten Bücher und Zeitschriftenbestände der Bibliothek bzw. der Dubletten und nicht inventarisierten Bestände der Bibliothek Hinweise gefunden werden: 30 Bücher und Broschüren, 24 Bände der Zeitschrift„Danubius“ und 13 Hefte der „Bilanz der Donaudampfschifffahrtgesellschaft“ weisen Exlibris mit dem Namen„Louis Zels“ auf. Der Kunstrückgabebeirat hat die Restitution dieser Objekte 2006 empfohlen, Erben konnten jedoch noch nicht gefunden werden. Bücher von Dr. Max Baczewski(1873–1938) Am 16. September 1938 bot der Patentanwalt Dr. Max Baczewski dem Technischen Museum in einem Schreiben 65 Bücher zum Kauf an, da er „wegen Raummangels“ veranlasst sei,„einen Teil seiner Bibliothek aufzulassen.“ Er hielt auch fest, dass er„insbesondere bei Abnahme einer größeren Anzahl von Büchern“ bereit sei,„im Preise sehr entgegenzukommen.“ 67 Wenige Tage später antwortete ihm Direktor Viktor Schützenhofer: 45 21 BÜCHER aus dem Nachlass von Louis Zels 22 Ausschnitt der DONAUKARTE von Wien, Nachlass Louis Zels 46 23 BÜCHER von Max Baczewski „Auf der von Ihnen übermittelten Liste kämen für das Technische Museum, die in der beiliegenden Liste verzeichneten Bestände in Frage. Es wird die ergebene Bitte gestellt, die ausgewählten Bücher dem Technischen Museum womöglich als Geschenk überlassen zu wollen.“ Mit Schreiben vom 26. September 1938 erklärte sich Baczewski bereit,„die ausgewählten Bücher dem Technischen Museum als Geschenk zu überlassen.“ 68 Max Baczewski war bis 1938 zusammen mit Ing. Georg Popper Gesellschafter des Patentbüros H. Palm(Michalecki& Co.), Karlsplatz 3, Wien I. 69 Er fiel, obwohl er konfessionslos war, unter die Bestimmungen der Nürnberger Rassengesetze und musste im Juli 1938 bei der Vermögensverkehrsstelle ein„Verzeichnis über das Vermögen von Juden“ abgeben. 70 Baczewski starb am 19. November 1938, nachdem er, wie seine Frau in einem Schreiben an die Vermögensverkehrsstelle festhielt,„seit vielen Monaten schwer erkrankt und bettlägerig war.“ 71 Seine Frau Natalie Baczewski (geb. am 9. August 1883) war zuletzt vom 24. Juli 1942 bis zum 14. September 1942 in der Weintraubengasse 3/30 in Wien II gemeldet. 72 Danach wurde sie, als Jüdin nach den Nürnberger Gesetzen, nach Maly Trostinec bei Minsk deportiert und dort am 18. September 1942 ermordet. 73 In der Zettelkartei der Bibliothek des Technischen Museum Wien ist auf den Karteikarten mit den Signaturen 7168–7177 unter dem Vermerk „Spender“ der Name„Dr. Baczewski“ mit dem Eingangsdatum„19. Oktober 1938“ eingetragen. Weitere Zeitschriftenbände aus seinem Besitz wurden erst 1980 nachinventarisiert. Auch im Bestand der nicht inventarisierten 47 24 DAS PFERDEAUTO, Abbildung von Hans Fischl Bücherbestände und Doubletten konnte ein Buch eindeutig der ehemaligen Bibliothek von Max Baczewski zugeordnet werden. In allen Büchern und Zeitschriftenbänden befindet sich als Herkunftsvermerk der Stempel „Bibliothek d. Patentbüros H. Palm(Michalecki& Co)“. Insgesamt übernahm das Museum 13 Bücher und drei Zeitschriftenbände. Das Ehepaar Baczewski hatte zwei Kinder; dem Rechtsanwaltsanwärter Dr. Viktor Stefan Baczewski und seinem Bruder Alexander gelang noch vor Kriegseintritt der USA im Jahr 1940 die Flucht nach Amerika. Nachdem der Kunstrückgabebeirat 2006 die Restitution der Bücher empfohlen hat, konnten noch keine Erben gefunden werden. Zwei Abbildungen von Dr. Hans Fischl(1883–1943) Der Rechtsanwalt Dr. Hans Fischl schenkte dem Archiv des Technischen Museums bereits 1924„Sechs Fotos des Eisen und Hüttenwerkes Witkowitz“, aus der Zeit zwischen 1850 und 1896. 74 Am 20. April 1938 bedankte sich der Direktor des Technischen Museums Viktor Schützenhofer bei Hans Fischl, Albertgasse 17, Wien VIII, für die Übermittlung von Abbildungen eines„Pferde-Autos“ und einer„Probefahrt des Baron de Vaux’schen Pontonschiffes“ und teilte ihm mit,„dass diese dem Archiv des Technischen Museums einverleibt wurden“. 75 Hans Fischl konnte nach dem„Anschluss“ 48 nicht mehr rechtzeitig aus Österreich flüchten und wurde im Oktober 1943 ins KZ Auschwitz deportiert, wo er auch ermordet wurde. Seine Bibliothek sowie eine Ansichten- und Kartensammlung gelangten in die Österreichische Nationalbibliothek und in das Österreichische Theatermuseum. Alle diese Objekte wurden in den letzten Jahren an die Erben restituiert bzw. im Falle des Technischen Museums Wien angekauft. Eine Waage von Ernst Egger(1866–1944) In zwei Schreiben vom 5. Oktober und 2. November 1938 bot Baurat Ing. Ernst Egger dem Technischen Museum eine„Edison Röhre“ 76 und„vier Glas-Photographien in hübschen Blei-Buntglasrahmen“ sowie„eine alte kleine Tischwaage,[…] die aus der Zeit der Einführung des metrischen Gewichts stammt“, an. 77 Das Museum nahm die Objekte gerne an und holte sie in Eggers Wohnung in der Mommsengasse 25 in Wien IV ab. 78 Ernst Egger war zeitlebens sehr eng mit dem Technischen Museum verbunden. Er wurde am 18. November 1866 in Wien als Sohn des Pester Mechanikers Bernhard(Bela) Egger und der Wienerin Johanna Blau geboren. 79 Er arbeitete einige Zeit in den USA als Bautechniker und übernahm später als Präsident die„Vereinigte Glühlampen und Elektrizitäts-Aktiengesellschaft“ (Tungsram) in Ujpest, Ungarn, eine Firmengründung seines Vaters. Egger war auch Vizepräsident der„N.Ö. Eskomptegesellschaft“ und ab 1934 Vorstandmitglied der dieser nachfolgenden„Österreichischen Industriekredit AG.“, Am Hof 2, Wien I. 80 Im„Bund der österreichischen Industriellen“ führte er den Vorsitz im„Verband der Gaswerke“ und hatte eine Vorstandsfunktion im„Fachverband der Elektrizitäts- Gas- und Wasserwerke“ inne. 81 Ein Bruder von Ernst, Adolf Egger(1874–1964) gründete 1907 in Wien die „Fiat Werke Aktiengesellschaft“. 82 Ernst Egger hatte dem Technischen Museum schon vor 1938 Objekte als Geschenk überlassen, so z.B. im Mai 1934 zwei kleine Vitrinen, die den Werdegang der Tungsramröhren dokumentieren(Inv. Nr. 7.533), im Jänner 1935 einen Glasisolator aus dem Jahr 1893, der in den U-Bahn-Schächten in Chicago anlässlich der dortigen Weltausstellung verwendet wurde (Inv. Nr. 11.415), oder im Jänner 1937 eine mechanische Spieldose(Inv. Nr. 15.114). Egger war von 1933 bis zumindest 1936 Mitglied der Leitung des „Vereins zur Förderung des Technischen Museums und dessen angegliederter Institute.“ 83 Von der Mitgliederliste des Fördervereins wurde er 1938 mit der Anmerkung„Jude“ gestrichen. 84 49 25 BRIEFWAAGE von Ernst Egger Das im Technischen Museum beheimatete„Österreichische Forschungsinstitut für Technikgeschichte“ sollte im Auftrag und gegen Bezahlung durch Ernst Egger eine Biografie über seinen Vater, den Technikpionier und Firmengründer Bernhard(Bela) Egger(1831–1910), verfassen. 85 Nach dem„Anschluss“ stellte das Institut aber auf Grund der jüdischen Herkunft Bela Eggers die Arbeiten an der Biografie ein. Der Leiter des Forschungsinstituts, Ludwig Erhard, gab Egger den Rat„dieses Lebensbild als eine Art Familienchronik“ selbst herauszugeben. 86 Die Unterlagen, die Ernst Egger dem Forschungsinstitut überlassen hatte, gab dieses Anfang November 1938 an ihn zurück. 87 Ernst Egger, obwohl evangelisch getauft, wurde als Jude nach den Nürnberger Gesetzen verfolgt. Bis zum 5. Mai 1944 war er in seiner Wohnung in der Mommsengasse 25 in Wien IV gemeldet. Am 28. Juni 1944 wurde er ins KZ Theresienstadt deportiert und verstarb dort am 9. Dezember 1944. 88 Egger war mit Fanny, geb. Egger, geboren am 10. oder 12. Juli 1870 in Budapest, verheiratet. Sie verstarb am 12. Juni 1944 im Gefangenenhaus auf der Rossauerlände 7-9. 89 Auch die beiden Töchter des Ehepaars wurden ins KZ Theresienstadt deportiert. Elisabeth Ilka Egger, geboren am 12. Juni 1897, lebte bis Juli 1944 im Haus der Eltern in der Mommsengasse 25/1, Wien IV, bevor sie ins KZ Theresienstadt und dann im Oktober 1944 ins KZ Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde. 90 Ihre Schwester Marianne 50 Egger überlebte das KZ Theresienstadt. 2006 beschloss der Kunstrückgabebeirat die Restitution der Briefwaage an die Erben, diese konnten jedoch noch nicht gefunden werden. Zwei Objekte von Regine Ehrenfest-Egger (1867–1945) Ernst Egger meldete sich nach seinen Objektschenkungen von 1938 im November 1941 erneut und bot dem Museum nun verschiedene Gegenstände aus dem Besitz seiner Schwester Regine Ehrenfest-Egger zum Geschenk an. In einem Schreiben vom 1. Dezember 1941 dankte der Direktor des Technischen Museums Viktor Schützenhofer Regine Ehrenfest-Egger für die Überlassung eines Radioempfängers, eines Edison-Phonographen und eines Crosby-Dampf-Indikators aus dem Nachlass ihres verstorbenen Mannes Oberbaurat Ziv.-Ing. Arthur Ehrenfest-Egger. 91 Regine Ehrenfest-Egger war am 24. Dezember 1868 in Wien geboren worden. Am 25. Juni 1892 heiratete sie Arthur Ehrenfest in Wien, der am 21. Mai 1931 in Wien verstarb. Das Ehepaar lebte im Haus Mommsengasse 25 in Wien. An derselben Adresse war auch Regine Ehrenfest-Eggers Bruder Dipl.-Ing. Ernst Egger gemeldet. Der Sohn des Paares Fritz Ehrenfest-Egger lebte bis zu seiner Flucht nach London am 18. August 1939 im elterlichen Haushalt. 92 Regine Ehrenfest-Egger musste 1938 – obwohl evangelisch getauft – als Jüdin nach den Nürnberger Gesetzen eine Vermögensanmeldung bei der Vermögensverkehrsstelle einbringen. 93 Bis Frühjahr 1944 lebte sie in ihrer Wohnung in der Mommsengasse. Vom Ältestenrat der Israelitischen Kulturgemeinde Wien wurde sie bis dahin nicht als Jüdin erfasst. 94 Am 6. Mai 1944 musste sie aber ihre Wohnung verlassen und lebte bis zu ihrer Deportation am 28. Juni 1944 mit dem Transport XLVIII c/167 ins KZ Theresienstadt in der Malzgasse 7 in Wien II. Sie starb am 9. Februar 1945 in Theresienstadt. 95 Die Familien Egger und Ehrenfest-Egger waren dem Technischen Museum in Wien über lange Jahre freundschaftlich verbunden gewesen. Arthur Ehrenfest-Egger war bis zu seinem Tode Mitglied im Kuratoriums des „Österreichischen Forschungsinstituts für Geschichte der Technik“ 96 und hat dem Museum in dieser Funktion wiederholt verschiedene Gegenstände gewidmet. 97 51 26 SALONRADIO von Regine Ehrenfest-Egger, Baujahr 1924 27 DAMPFINDIKATOR aus dem Nachlass von Arthur Ehrenfest-Egger NS-Raubgut: Übergaben von Ariseuren, Firmen und Behörden 53 Nicht nur auf direkten Wege kamen Objekte von jüdischen und nichtjüdischen Verfolgten des NS-Regimes ins Technische Museum. So schenkten oder verkauften auch kommissarische Leiter und„Ariseure“ dem Museum Objekte von ehemals in jüdischen Besitz befindlichen Firmen. Auch auf Anweisung der Gestapo kamen gestohlene Objekte ins Museum. Nach 1945 gelangte jüdisches Raubgut auch oft aus dritter oder vierter Hand dorthin. Bei diesen Objekten ist es für die Provenienzforschung oft schwer und manchmal auch unmöglich, den ursprünglichen Eigentümer des Raubgutes zu identifizieren. Durchlauferhitzer von Ernst Sonnenschein Am 4. August 1938 wurde im Inventar des Technischen Museums Wien unter der Nummer 15.455 ein„Heißwassererhitzer, Therme I kompl.“ als Leihgabe der Gemeinde Wien, Städtische Gaswerke verzeichnet. Durch einen Schenkungsvertrag mit den Wiener Gaswerken vom 23. März 2007 ging dieses Objekt in das Eigentum des Technischen Museums Wien über. In den 1930er-Jahren hatten die Wiener Städtischen Gaswerke im Museum lange Zeit eine eigene Ausstellungskoje, in der sie zu Werbezwecken aktuelle Gasgeräte präsentierten. Diese kamen als Leihgaben ins Technische Museum und wurden nach einiger Zeit durch neue Geräte ersetzt. Die Übergabe dieses Durchlauferhitzers im August 1938 war daher nichts Ungewöhnliches. Auffallend war jedoch, das auf dem Grundblatt der Vermerk„v. Ernst Sonnenschein, I, Annagasse 3a“ angelegt wurde. Offenbar stammte das Gerät aus dieser Wohnung und damit aus dem Besitz des Wohnungseigentümers. In der Wohnung Annagasse 3a/1/16 war der am 21. Juli 1903 in Wien geborene jüdische Kaufmann Ernst Sonnenschein polizeilich gemeldet. Diesem gelang es im September 1938, aus Wien ins 28 DURCHLAUFERHITZER aus der Wohnung von Ernst Sonnenschein 54 Ausland zu flüchten. Seine Mutter Josefine Sonnenschein, geboren am 17. April 1885, wurde am 14. September 1942 nach Maly Trostinec deportiert und dort am 18. September 1942 ermordet. Von Ernst Sonnenschein ist nur bekannt, dass er nach dem Krieg in Frankreich lebte, wo er in den 1960er-Jahren verstarb. Durch den Schenkungsvertrag ist es erst möglich geworden, das Objekt zu restituieren, da laut Gesetzestext nur Objekte im Eigentum des Bundes unter das Kunstrückgabegesetz fallen. Im Jahr 2011 konnte ein in Niederösterreich lebender entfernter Verwandter Sonnenscheins ausfindig gemacht werden. Der Erbe war damit einverstanden, dass das Technische Museum Wien den Durchlauferhitzer auf Grundlage des Wertgutachtens eines Sachverständigen ankaufte. So ist er nun weiterhin, mit einer Zusatztafel zu seiner Geschichte versehen, in der Dauerausstellung„Alltag – eine Gebrauchsanweisung“ zu sehen. Der„Marcus-Wagen“ Der jüdische Mechaniker und Erfinder Siegfried Marcus(1831–1898) baute im Jahr 1888 seinen berühmten Wagen, der in Österreich lange als erstes Automobil der Welt gefeiert wurde. Unmittelbar nach seinem Tod erwarb der ÖAC den Wagen und zeigte ihn anlässlich der Weltausstellung im Jahr 1900 in Paris. Der ÖAC stellte den Wagen dem Technischen Museum als Leihgabe zur Verfügung, er war dort seit dessen Eröffnung im Jahr 1918 ausgestellt. Nach dem„Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 übernahm das„Nationalsozialistische Kraftfahrerkorps“(NSKK) die Räumlichkeiten und das gesamte Vermögen des ÖAC. Dazu zählte auch das Marcus-Auto. Am 24. Juni 1938 schenkte Dr. Pittner, der vom NSKK eingesetzte kommissarische Leiter des ÖAC, dem Museum sowohl den Original-Marcus-Wagen Inv.-Nr. 1.404) als auch ein Modell desselben (Inv.-Nr. 15.430). Erst 1958 erhob der ÖAMTC als Rechtsnachfolger des ÖAC Anspruch auf die Rückstellung der Objekte. Ein langwieriger Rechtsstreit endete am 28. Dezember 1962 mit einem Vergleich zwischen der Republik Österreich und dem ÖAMTC: Der Marcus-Wagen wurde an den ÖAMTC zurückgestellt, dieser stellte ihn – wie schon in der Zeit vor 1938 – dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung. Das Modell wurde dagegen dem ÖAMTC zurückgegeben. 98 29 Siegfried Marcus(1831–1898) 30 Der MARCUS-WAGEN, Baujahr 1888/89 55 56 Exkurs:„Siegfried Marcus war kein Deutscher[...], sondern Jude“: Die Affäre um den„Marcus-Wagen“, 1940 Der„Marcus-Wagen“, bis heute eines der bedeutendsten Objekte des Museums, musste 1940 aus politisch-ideologischen Gründen aus der Schausammlung entfernt werden. 99 Bereits kurz nach dem„Anschluss“ wurde auf Initiative des„Nationalsozialistischen Bundes Deutscher Technik“(NSBDT) und der Vertretung des IV. Wiener Gemeindebezirks das 1932 vor der Technischen Hochschule errichtete Denkmal für Siegfried Marcus wegen dessen jüdischer Herkunft ebenso beseitigt wie die Marcus-Gedenktafel im Haus der Genossenschaft der Maschinenbauer und Mechaniker in der Gumpendorfer Straße. 100 Siegfried Marcus galt in der österreichischen Öffentlichkeit in den 1930er-Jahren als Erfinder des Automobils. In die Auseinandersetzung, ob nun Carl Benz 1885 oder Marcus 1875, 1877 oder erst 1888/89 das Auto erfunden hätte, mischten sich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland 1933 antisemitische Töne. Der Kustos des Museums Erich Kurzel-Runtscheiner beschäftigte sich intensiv mit Marcus‘ Leben und Werk. In einer 1928 erschienenen Abhandlung über Marcus, die das Museum als Sonderdruck verkaufte, feierte er ihn als ersten, der ein „Benzinautomobile mit magnetelektrischer Zündung“ gebaut habe. 101 Nach dem„Anschluss“ kam es zunächst zu einer überraschenden Entwicklung: Das NSKK, das den ÖAC übernahm und seinen Besitz liquidierte, überließ den Marcus-Wagen, wie bereits erwähnt, dem Museum als Geschenk. Doch schon bald wurde das auch international bekannte Ausstellungsobjekt zu einem Problemfall. Einerseits wollte und konnte das Museum nicht auf den Marcus-Wagen verzichten, da vor allem ausländische Technikinteressierte nur seinetwegen das Haus besuchten, andererseits musste es auf den politischen Druck reagieren. Als Kompromiss ersetzte die Direktion ein Foto von Marcus und die Ausstellungstafel durch eine Beschriftung,„bei der oben die Leistung in großen Buchstaben und darunter der Name Marcus in kleinen Buchstaben angegeben“ war, beließ den Wagen jedoch in der Schausammlung. 102 Den Verkauf der Marcus-Broschüre von KurzelRuntscheiner stellte man ein, und in einem Ende 1939 neu aufgelegten Museumsführer fehlte die Passage über den Marcus-Wagen. Auf Anfragen, die weiterhin von Wissenschaftern und Journalisten aus der „Ostmark“ und dem„Altreich“ zu Marcus einlangten, pflegte Direktor Schützenhofer mit dem Satz:„bezüglich Siegfried Marcus erwähnen wir vor allem, dass er Jude war“ zu antworten. 103 Internationale Anfragen wurden mit dem 57 31 Der MARCUS- WAGEN in der Schausammlung des Technischen Museums, 1930er-Jahre 32 MUSEUMSFÜHRER des Technischen Museums, Ausgabe 1941 Vermerk„Beantwortung unterbleibt“ schnellstens ad acta gelegt. 104 Mit diesen Maßnahmen versuchte das Museum, möglichst wenig Aufmerksamkeit zu erregen. Allerdings sammelte man weiterhin Objekte zu Siegfried Marcus: Als Leihgaben kamen im September 1938 zehn Objekte aus seinem ehemaligen Besitz ins Museum. 105 1940 lud man einen früheren Mechaniker aus Marcus’ Werkstätte zu einem Gespräch ein, dessen Inhalt auch für Forschungszwecke protokolliert wurde. 106 Diese Doppelstrategie ging zunächst auf: Weder Wiener Parteikreise noch die Besucher/-innen schien der nach wie vor zur Schau gestellte Marcus-Wagen zu stören. Erst als im Frühjahr 1940 in der vom Reichsaußenministerium herausgegebenen Monatsschrift„Berlin – Rom – Tokio“ ein Artikel mit dem Titel„Weltgeltung 58 der deutschen Motorenindustrie“ erschien, regte sich Widerstand. Darin wurde auf die Leistung des„aus Mecklenburg stammenden deutschen Marcus“ hingewiesen, der„das erste Auto und damit die Anfänge einer riesigen Weltindustrie geschaffen“ hätte. 107 Der Konzernvorstand von Daimler-Benz wollte diese Behauptung nicht akzeptieren und wandte sich in einem von den Vorständen Wilhelm Kissel und Jakob Werlin unterzeichneten Brief an den„Reichskommissar für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Dritten Reich“ Josef Bürckel, um ihn auf„zwei schwerwiegende historische Unrichtigkeiten“ hinzuweisen: „Erstens trifft es keineswegs zu, dass Marcus ‚die Anfänge einer riesigen Weltindustrie’ geschaffen hätte“, und:„Zweitens: Siegfried Marcus war kein Deutscher[…], sondern Jude.“ Um letzteres zu beweisen, ließ Daimler-Benz in Marcus’ Geburtsstadt Malchin in Mecklenburg„eingehende Nachforschungen anstellen“. Der Daimler-Benz-Vorstand forderte Bürckel auf,„den ‚Marcus-Wagen‘ aus dem Wiener Gewerbe-Museum entfernen zu lassen“, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass seitens des Reichspropagandaministeriums„bereits die Anweisung an die gesamte deutsche Tages- und Fachpresse ergangen[sei], den Namen Marcus nicht mehr zu erwähnen“. 108 In einem weiteren Schreiben teilte Daimler-Benz dem Reichsstatthalter mit, dass man bereit sei, als Ersatz für den Marcus-Wagen„den ersten Benz-Wagen aus dem Jahr 1885 geschenkweise zur Verfügung zu stellen“. 109 Der im Sommer 1940 vollzogene Amtswechsel von Bürckel zu Baldur von Schirach verzögerte eine Entscheidung in Wien. Aber Daimler-Benz ließ nicht locker: Um die Sache zu beschleunigen, schickte man den Wiener Vertreter Hans Scharrer gemeinsam mit dem SS-Sturmbannführer Benedikt Karg am 10. September 1940 ins Museum, um mit Direktor Schützenhofer direkt zu verhandeln. In diesem Gespräch stimmte Schützenhofer zu, in Hinkunft dem„Benz-Wagen“ den repräsentativsten Platz in der Abteilung Kraftfahrzeugwesen einzuräumen, 110 jedoch wollte er den Marcus-Wagen, wie er dem Ministerium schrieb, an anderer Stelle weiterhin in der Schausammlung präsentieren:„Vom wissenschaftlichen Gesichtspunkt ist zu bemerken, dass die Erfindung des Marcus als Frühleistung eine allgemein anerkannte und in allen Fachkreisen bekannte Tatsache ist und der bisherige Verbleib des Marcuswagens im Technischen Museum keinen Ausnahmefall darstellt, da beispielsweise im Deutschen Museum in München auch noch die Juden Lieben(Lieben-Röhre) und Hertz(Hertzwellen) vertreten sind“. 111 Am 8. Oktober verfügte aber der neue Kulturreferent des Reichstatthalters Baldur von Schirach, den Marcus-Wagen ins Depot zu verfrachten, was noch am selben Tag vom Museum erledigt wurde. Am 16. November 1940 59 übergab der eigens nach Wien gereiste Daimler-Benz-Vorstand Werlin dem Technischen Museum in einem Festakt eine von Lehrlingen des Konzerns hergestellte Replik des Benz-Dreirads von 1885. 112 Den Text der Ausstellungstafel, der auch einen kurzen Abriss der Automobilgeschichte enthielt, lieferte Daimler-Benz gleich mit. Der Marcus-Wagen wurde dort unter der Rubrik„Vorläufer des Automobils“ erwähnt. 113 Im Juni 1945, noch bevor das Museum wiedereröffnet wurde, kam der Marcus-Wagen mit der ursprünglichen Ausstellungstafel wieder auf seinen alten Platz zurück. Auch das Benz-Dreirad blieb zumindest bis Anfang der 1960er-Jahre in der Schausammlung. 114 Ab 1946 wurde Siegfried Marcus wieder im Museumsführer erwähnt; seine beiden Fahrzeuge wurden„als Ahnherrn der Automobile in aller Welt“ bezeichnet. 115 Erst in den 1960er-Jahren konnten Gustav Goldbeck und Hans Seper nach technikgeschichtlichen Recherchen und nicht aufgrund„rassischer“ Kriterien nachweisen, dass das Benz-Dreirad tatsächlich vor dem Marcus-Wagen gebaut worden war. 116 Der Fall Theodor Schmidt Am 28. Februar 1941 nahm die Inventarverwaltung des Technischen Museums unter der Nummer 16.040 zwei Pferdekutschen, eine„Mailcoach“ und ein„Hanson Cap“, als Leihgaben in das Inventar auf. Eigentümer der beiden Kutschen war der ehemalige Präsident des österreichischen Olympischen Komitees und Eigentümer der Schokoladefabrik Fa. Viktor Schmidt, Kommerzialrat Dr. Theodor Schmidt gewesen. Als Repräsentant des austrofaschistischen Ständestaates wurde er in der NS-Zeit politisch verfolgt. Die beiden Leihgaben gingen in das Eigentum des Museums über, als die Geheime Staatspolizei, Staatspolizeileitstelle Wien, am 8. Juni 1942 Schmidts Vermögen beschlagnahmte. Am 2. Juni 1943 übergab das Technische Museum die beiden Kutschen „zwecks Bergung über Kriegsdauer“ an die Wagenburg Schönbrunn des Kunsthistorischen Museums, wo sie auch nach Kriegsende verblieben. Erst mit Bescheid der„Finanzlandesdirektion Wien, Niederösterreich und Burgenland, Dienststelle für Vermögenssicherung und Rückstellungsangelegenheiten” Zl. VR.-V-43.002-6/61 vom 1. Februar 1961 wurden die beiden Kutschen an den„früheren Eigentümer dieser Objekte Dr. Theodor A. Schmidt“ zurückgestellt. 117 60 33 Anselm Barnet(Mitte) mit seinen Kindern bei der Rückgabe des Nachlasses seines Vaters im TMW, Oktober 2006. Links Oliver Kühschelm und der stellv. Direktor des TMW Helmut Lackner, rechts Christian Klösch Der Nachlass des Technikhistorikers Hugo Theodor Horwitz(1882–1942) Am 7. Jänner 1942 teilte der Museumsdirektor Viktor Schützenhofer der „Farben-Lack und Firnisfabrik Lambrecht“ in der Ungargasse 15 in Wien III mit, dass die Firma Austro Transport„den mit Büchern gefüllten Kasten des Herrn Dr. Horwitz“ abholen und ins Museum transportieren werde. 118 Tatsächlich wurden im März und April 1943 im Indexband der Museumsbibliothek 97 Bücher mit dem Vermerk„Nachlass Dr. Ing. H. Horwitz“ verzeichnet. 119 Außerdem übernahm das Museum seinen Nachlass im Umfang von etwa 40 Mappen mit Manuskripten und Notizen aus seinem Schaffen. Hugo Theodor Horwitz lebte als Verfasser kultur- und technikhistorischer Schriften in Berlin und Wien. So veröffentlichter er von 1916 bis 1934 regelmäßig in der Zeitschrift„Beiträge zur Geschichte der Technik und Industrie“ des Vereins Deutscher Ingenieure in Berlin. 120 Im Sommer 1920 heiratete er Marianne Ehrmann(geb. am 20.10.1893 in Wien). Am 14. Juli 1921 wurde als einziges Kind Anselm Egon Horwitz geboren. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme war die Familie Horwitz Verfolgungen ausgesetzt. Horwitz, seine Frau und sein Sohn galten trotz ihrer katholischen Religionszugehörigkeit nach den Nürnberger Gesetzen als Juden. 61 34 Hugo Theodor Horwitz 35 BÜCHER UND MANUSKRIPTE von Hugo Theodor Horwitz Die gemeinsame Wohnung in der Schönburgstraße 48 in Wien IV musste die Familie am 2. März 1939 aufgeben. Nach mehreren Wohnungswechseln zog das Ehepaar Anfang Jänner 1941 in die Ungargasse 15, Wien III. Am 28. November 1941 verließ ein Deportationstransport mit rund 1.000 jüdischen Männern, Frauen und Kindern den Wiener Aspangbahnhof. Unter ihnen war auch das Ehepaar Horwitz. Ziel des Transports war das Ghetto der weißrussischen Hauptstadt Minsk, das Ende 1941 ungefähr 70.000 Juden und Jüdinnen beherbergte. Im Laufe der folgenden Jahre starben die Menschen an Hunger und Krankheiten, die meisten wurden jedoch von Einheiten der Einsatzgruppe B der Sicherheitspolizei des Sicherheitsdienstes(SD) erschossen. Von den 1.000 in das Ghetto Minsk deportierten österreichischen Juden sind nur drei Überlebende bekannt. 121 Hugo Theodor Horwitz‘ Schwester Elsa(geb. am 30.3.1883 in Wien), wurde am 6. März 1941 als„Pflegling“ am Steinhof in eine„nicht genannte Anstalt überführt“ und offenbar im Zuge der Euthanasie-Aktionen ermordet. Der einzige Überlebende der Familie war Anselm Egon Horwitz, ihm gelang im April 1939 die Flucht nach Irland und später die Emigration nach Kanada. Mit Hilfe der Israelitischen Kultusgemeinde Wien konnte er dort gefunden werden. Im Jahr 2006 besuchte Anselm Barnet, wie er sich später genannt hat, mit seinen Kindern das Technische Museum Wien. Im Rah- 62 men dieses Besuchs konnte der Nachlass seines Vaters und die persönlichen Dokumente seiner Eltern an ihn zurückgegeben werden. Er entschied, den wissenschaftlichen Nachlass seines Vaters dem Technischen Museum Wien zu schenken, die Bibliothek wurde vom Museum angekauft. Anselm Barnet starb Anfang 2015 in Kanada. Ein Segelschiffmodell von Emil Stiassny Anfang März 1943 übergab das Bundesmobiliendepot dem Technischen Museum ein Modell eines Segelschiffes als Schenkung, das unter der Nummer 16.037 inventarisiert wurde. Dieses Modell stammte ursprünglich aus dem Besitz des Hoteliers Emil Stiassny, der wegen seiner jüdischen Abstammung von den NS-Machthabern verfolgt wurde. Sein Vermögen wurde 1938 von der Gestapo beschlagnahmt und eingezogen. Neben seinen beiden Hotels verlor er auch seine Privatwohnung in der Heinestraße 21 in der Wiener Leopoldstadt. Die Mobilien kamen über die Gestapo ins Bundesmobiliendepot. Das Segelschiffmodell aus dem Technischen Museum Wien konnte 2003 an die Erben zurückgegeben werden. Schallplatten aus dem Besitz von Paul Herzfeld Am 15. Mai 1942 122 wandte sich Heinrich von Srbik, der Präsident der Akademie der Wissenschaften, mit einem Schreiben an die Vugesta, die den Verkauf des Eigentums von aus Wien geflohenen oder deportierten Juden organisierte. 123 Seinen Brief begann Srbik mit der Bemerkung, der Direktor des Dorotheums habe ihm mitgeteilt,„dass bestimmte aus jüdischem Umzugsgut stammende Tonaufnahmen(Grammophonplatten) abgegeben werden könnten. Es handelt sich um Tonaufnahmen, die 1915 zu Gunsten des Militärwaisenfonds hergestellt wurden(11 ganze und einige beschädigte Platten, Stimmporträts von Kaiser Franz Josef, 7 Stück, ferner von Erzherzog Friedrich, Erzherzog Josef, Feldmarschall Hötzendorf und Generaloberst Dankl).“ Srbik ersuchte um Überlassung dieser Platten. 124 Die Vugesta kam seiner Bitte nach und wies das Dorotheum an, die Aufnahmen kostenlos an die Akademie abzugeben. 125 Diese wurden 1993 vom„Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften“ an die„Österreichische Mediathek“ übergeben, die seit 2001 eine Außenstelle des Technischen Museum Wien bildet. 126 Im Zuge der Provenienzforschung konnte festgestellt werden, dass die Schallplatten aus dem Besitz des Spediteurs Paul Herzfeld stammen. 1938 lebte er gemeinsam mit seiner 63 37 PLATTENLABEL der Aufnahme von Kaiser Franz Josef I 36 SCHATULLE MIT TONAUFNAHMEN des Kaiserhauses, 1915 Gattin Stefanie in der Ausstellungsstraße 45/I/14 in Wien II. Er floh im August 1938 über die Tschechoslowakei nach Israel. In den 1950er-Jahren lebte Herzfeld in Tel Aviv, wo er auch starb. 127 Vor seiner Flucht lagerte er sein Umzugsgut bei der Spedition„Caro und Jellinek“ ein, wo es dann von der Gestapo beschlagnahmt und später verkauft wurde. Nach jahrelanger Erbensuche konnten im Jahr 2013 die Schallplatten an einen in Israel lebenden Verwandten übergeben werden. Die Musikinstrumente aus der arisierten Musikhandlung Sternberg Am 2. Juli 1936 übernahm das Museum unter den Inventarnummern 13.834–13.840 insgesamt 16 Instrumente sowie fünf Geigenbögen als Leihgaben der„Europa-Musikinstrumenten-Gesellschaft, Theodor Sternberg“ in der Gumpendorfer Straße 109, Wien VI. 128 Diese Instrumente hatten laut Aufstellung vom 1. Juli 1936 einen Wert von 830 österreichischen Schillingen. 129 14 37 INSTRUMENTE aus der Musikhandlung Sternberg 38 INSTRUMENTE aus der Musikhandlung Sternberg 15 66 Die„Europa-Musikinstrumenten-Gesellschaft“ stand im Besitz des am 6. März 1892 in Budapest geborenen jüdischen Kaufmanns Theodor Sternberg. Dieser verlegte 1937 seine Musikalienhandlung in die Mariahilferstraße 53, Wien VI. Nach dem„Anschluss“ Österreichs an das Dritte Reich konnte Sternberg als ungarischer Staatsbürger nach Ungarn flüchten und ließ sich in Budapest nieder. Von Ungarn aus versuchte er seine Musikinstrumenten-Gesellschaft in Wien zu verkaufen. Mit deren Verwaltung beauftragte die Vermögensverkehrsstelle den seit 15. April 1938 tätigen kommissarischen Leiter Karl Honza, der den Besitzern von Leihinstrumenten in Serienschreiben mitteilte:„Falls Sie das Instrument kaufen wollen, bitte ich um Vorschlag, wenn nicht ersuche ich um rascheste Rückstellung.“ 130 Die Korrespondenz zwischen Honza und dem Technischen Museum ist nicht erhalten. Allerdings ist auf einem Lieferschein der Firma Sternberg handschriftlich vermerkt:„Durch Kauf erworben. Pauschalpreis RM[Reichsmark] 160,– 28.12.1938.“ 131 Damit konnte das Museum die Musikinstrumente im Jahr 1938 um weniger als ein Drittel des tatsächlichen Werts erwerben. In weiterer Folge verkaufte die Vermögensverkehrsstelle Sternbergs Geschäft an die Klavierfabrikationsfirma Rudolf Reisinger. 132 Nach Kriegsende bemühte sich Theodor Sternberg – letztendlich erfolgreich – um die Rückstellung seiner ehemaligen Musikalienhandlung in Wien. 133 Er lebte weiterhin in den USA und verstarb im November 1979 in Norfolk, Virginia. 2007 entschied der Kunstrückgabebeirat, die Instrumente an Sternbergs Erben zurückzustellen. Diese konnten von der Israelitischen Kultusgemeinde auch in den USA gefunden werden. Eine Zuweisung von Briefmarken, Postkarten und Briefen Am 20. November 1967 übergab die„Finanzlandesdirektion für Wien, Niederösterreich und Burgenland, Dienststelle für Vermögenssicherung- und Rückstellungsangelegenheiten“ dem damaligen Post- und Telegraphenmuseum einen umfangreichen Bestand von ca. 6.000 Briefmarken, rund 7.000 Korrespondenzen und sonstigen vorphilatelistischen und philatelistischen Materialien sowie etwa 20 Briefmarkenalben als„Vermögenswerte unbekannter Herkunft“. 134 Auf Grund ihrer Provenienz war davon auszugehen, dass diese Objekte sogenanntes„herrenloses Vermögen“ darstellten: Dabei handelt es sich um Gegenstände, bei denen zwar erwiesen ist, dass sie ihren ursprünglichen Eigentümern in der NS-Zeit weggenommen worden sind, es jedoch 67 39 POSTSTÜCKE UND BRIEFMARKENALBEN der FLD-Wien, Abteilung Restitutionsangelegenheiten durch die Kriegsereignisse unmöglich geworden ist, die ursprünglichen Eigentümer zu identifizieren. Die einzige Möglichkeit, auf Personen zu schließen, bestand darin, im gesamten Bestand nach Namen von Menschen zu suchen, die in der NS-Zeit Verfolgungen ausgesetzt waren. Alle im Bestand auffindbaren Namen und Adressen wurden vom Historiker Oliver Kühschelm erfasst. Dabei konnten zehn Personen identifiziert werden, die in der NS-Zeit verfolgt wurden und nachweisbar im Besitz dieser philatelistischen Objekte gewesen waren. Es handelt sich dabei um 45 Korrespondenzstücke aus dem Eigentum folgender Personen: • Drei Briefkuverts aus dem Besitz von Aranka Baumann(1877–1941), Dornbacherstraße 43, Wien XVII • Eine Postkarte und zwei Korrespondenzkarten von Ing. Richard Blumenfeld, Bujattigasse 12, Wien XIII • Zehn Korrespondenzstücke von Antonie und Berthold Hermann, Volkertgasse 5, Wien II • 13 Korrespondenzstücke von Hans Kollner(1907–1966), Garbergasse 20, Wien VI • Fünf Briefkuverts und eine Ansichtskarte von Stefan(1891–1944/45) und Gerda Mayer, Steckhovengasse 4, Wien XIII • Ein Briefkuvert von Flora Schwarz, Dornbacherstrasse 43, Wien XVII 68 • Drei Briefkuverts von Oskar und Lilly Singer, Schwarzspanierstraße 15, Wien IX • Drei Briefkuverts von Wilhelm Spielmann(1909–1987), Wollzeile 27, Wien I • Vier Briefkuverts der Rechtsanwälte Hugo Spitzer und Franz Wittenberg, Aspernbrückengasse 2, Wien II Im Jahr 2008 beschloss der Kunstrückgabebeirat die Rückgabe dieser philatelistischen Objekte an die Erben jener Personen. 2011 wurden 13 Korrespondenzstücke an die Tochter Hans Kollners zurückgegeben. Bei den restlichen Personen konnten noch keine Erben gefunden werden. Verdachtsfälle von Raubgut der Deutschen Wehrmacht In den Jahren 1939 bis 1945 besetzte die Deutschen Wehrmacht zeitweise weite Teile Europas. Im Rahmen der Kriegshandlungen und während der Besatzungszeit hat die Wehrmacht in diesen Gebieten viele Objekte des alltäglichen Bedarfs für ihre Zwecke requiriert. Aber auch viele Wehrmachtsoldaten nahmen Gegenstände als Souvenirs oder als persönliche Kriegsbeute im Zuge von Fronturlauben mit nach Hause. Besonders eifrig waren Angehörige der Deutschen Reichspost, die an das damalige Reichspostmuseum Abteilung Wien Objekte aus den Postverwaltungen verschiedener Länder übermittelt haben. 40 TASCHENMÜNZWAAGE der polnischen Post, 1939 69 41 AMTLICHE BÜCHER UND VERZEICHNISSE der polnischen Post, 1939 Am 16. Oktober 1939 übersandte der„Armeefeldpostmeister beim Oberkommando Grenzabschnitt Süd“ dem Reichspostmuseum Abteilung Wien eine Münzwaage der polnischen Post mit einer 1-Zloty-Münze(Prägejahr 1929) und einer 50 Groszy-Münze(Prägejahr 1938),„wie sie von den polnischen Postämtern zur Prüfung des Gewichts der Münzen(50 Groschen bis 10 Zloty) verwendet wurden“. 135 Wenige Tage später, am 24. Oktober 1939, stellte die„Feldpost 523“ dem Reichspostmuseum Abteilung Wien(RPMW) eine Kiste mit einer Reihe von Gegenständen zu,„im Sinne einer Vfg. des Armeefeldpostmeisters vom 10.10.1939 III 2975[…] die ich in Tarnow u. Umgebung sicherstellen konnte“. Darunter befanden sich zwölf Verzeichnisse, Bücher und Amtsblätter der polnischen Post, die in der Folge im Inventar der Bibliothek des Reichspostmuseums Wien verzeichnet wurden. 136 Am 19. Dezember 1939 traf in Wien eine Tafel mit„6 Stück Kokarden von polnischen Soldaten- oder Feldpostkappen“ ein, die der Armeefeldpostmeister„K“ Arolsen„in Krakau sichergestellt“ hatte. 137 70 42 KERAMIKKRUG aus dem Verkehrsministerium in Prag, 1942 43 SCHILD der jugoslawischen Postverwaltung, 1941 44 DIENSTKAPPE der polnischen Post, 1939 71 45 AMTLICHE BÜCHER UND VERZEICHNISSE der ehemals tschechoslowakischen Post, 1942 Auch aus dem Protektorat Böhmen und Mähren wurde in der Zeit der deutschen Verwaltung immer wieder Objekte an das Reichspostmuseum Abteilung Wien abgegeben. Bereits im Oktober 1938, kurz nach der Annexion des Sudentenlandes, übersandte das Postamt Břeclav/Lundenburg dem Museum Stempel, Siegel, Bücher und Urkunden. 138 Im März 1942 übergab das Verkehrsministerium in Prag neben Kupferstichen und Holzschnitten unter anderem auch einen„Gmundner Keramikkrug mit Postillion“(Inv. Nr. 93.317) sowie ein Foto von der 200-Jahrfeier des Postamtes Karlsbad(Inv. Nr. C 3.687). 139 Über das Reichpostmuseum Berlin kamen im Jänner 1942 neun Bücher, die nach der„Eingliederung des Sudetenlandes“ erworben worden waren, ins Wiener Museum. 140 Im Februar und Mai 1942 schließlich übergaben die Postämter Krnov/ Jägerndorf und Svitavy/Zwittau Museum ihre historischen Kassentruhen (Inv. Nr. C 3.741 und Inv. Nr. C 3.692). 141 Nach der Eroberung Jugoslawiens im April 1941 gelangten immer wieder Gegenstände der dortigen Postverwaltung ins Wiener Museum. Bis jetzt konnte allerdings nur ein ovales Emailschild(Inv. Nr. 80.370) der jugoslawischen Postverwaltung ausfindig gemacht werden. Es sollen aber auch noch ein weiteres Emailschild, Briefkästen und Stempel aus dem Postamt Ptuj/ Pettau ins Museum gekommen sein. 142 72 46 RUNDFUNKEMPFÄNGER PHILIPS 845X, Baujahr 1941 Ein beschlagnahmtes Radio aus Beständen der Wehrmacht Am 23. Oktober 1979 inventarisierte das Technische Museum unter der Nummer 22.766 einen Rundfunkempfänger„Philips“, Typ 845 x-14(Fabrikationsnummer P568937 P02) als Geschenk von Leopold Löbl, Baumgartner Höhe 1/P4, Wien XIV. Er hatte dem Technischen Museum in diesem Jahr bereits mehrere historische Radioapparate als Geschenk überlassen. Auf dem Grundblatt des„Philips“-Rundfunkempfängers wurde jedoch ein Hinweis Leopold Löbls vermerkt, dass dieser„für die deutsche Wehrmacht beschlagnahmt und im Rahmen der, Wehrbetreuung[…] zur Rundfunkversorgung in Truppenunterkünften“ verwendet worden sei. Da Löbl in der Zwischenzeit verstorben ist, konnte er nicht mehr über den Vermerk befragt werden. Es ist aber anzunehmen, dass es sich bei dem vorliegenden Radio um einen Gegenstand handelt, der infolge der Kriegsereignisse von der Wehrmacht eingezogen und dem ursprünglichen Besitzer oder der Besitzerin nicht zurückgegeben wurde. 73 „Russenbriefe“ aus der Ukraine Ein besonders komplexer Fall im Rahmen der Provenienzforschung war der Fund eines Konvoluts mit 1.186 Briefen im Archivbestand des ehemaligen Post- und Telegraphenmuseums. 143 Es handelt sich um private Briefe in ukrainischer, russischer und jiddischer Sprache bzw. in kyrillischer und hebräischer Schrift. Die meisten Briefe sind verschlossen; viele stecken nicht in einem Kuvert, sondern das beschriebene Papier wurde zu einem Dreieck gefaltet, sodass der Brieftext auf der Innenseite zu liegen kam, während man außen die Angaben zum Empfänger notierte. Wie diese Briefe in das Technische Museum gekommen sind, darüber gibt ein Brief Auskunft, den Dr. Gustav Oelschläger(1900–1946) der damalige Telegrapheninspektor beim Generalpostkommissar Ukraine Rowno (Wolhynien) am 25. August 1942 an den damaligen Direktor des Post- und Telegraphenmuseums Erhard Riedel schrieb:„Das ist nun die letzte Sendung der russischen Briefsammlung; ich bitte, die Briefe in ihrer Gesamtheit beisammen zu lassen und geschlossen aufzuheben, da sie alle aus Wolhynien und aus der Zeit um den 22. Juni 1942[richtig: 1941] stammen. Diese Briefsammlung gibt dann ein Bild über die Stimmung im russischen Volk vor Beginn des Krieges“. Insgesamt übermittelte der promovierte Historiker Oelschläger, der seit 1932 Mitglied der NSDAP war, fünf Pakete mit„Russenbriefen“. Das Generalpostkommissariat Ukraine war bei Kriegsbeginn gegen die Sowjetunion zur Sicherstellung der Postversorgung eingerichtet worden. Die Korrespondenzstücke waren zum Großteil ungestempelt und verschlossen. Auf Grund der beiliegenden datierten Postkarten kann davon ausgegangen werden, dass die Stücke nach dem 21. Juni 1941 geschrieben wurden, aber auf Grund der Kriegshandlungen nicht mehr von der sowjetischen Post befördert werden konnten. Als Empfänger- oder Absenderadresse scheinen bei fast allen Briefen und Karten die westukrainische Stadt Kamenez Podolski bzw. der gleichnamige Bezirk auf. Kamenez Podolski wurde Anfang Juli 1941 von deutschen und ungarischen Truppen besetzt. In der Stadt lebten Armenier, Polen, Ukrainer, Russen und Juden. Letztere machten 1939 38 Prozent der Bevölkerung aus. Im Juli und August 1941 wurden tausende Juden aus der ungarisch besetzten Karpato-Ukraine abgeschoben, sodass sich die Zahl der Juden in Kamenez Podolski auf 26.000 erhöhte. Rund 23.600 Menschen wurden Ende August 1941 von den deutschen Besatzern in einem dreitägi- 74 47 BRIEFE aus dem Postamt der ukrainischen Stadt Kamenez Podolski, 1941/42 48 Übergabe der Briefe an Botschafter Volodymr Yu. Yel’chenko durch Helmut Lackner(links), stellv. Direktor des TMW, 2009 75 gen Massaker erschossen. 4.800 Juden blieben vorläufig am Leben und wurden in einem Ghetto interniert, bevor sie dann 1942 ebenfalls ermordet wurden. 144 In einem der Briefe, datiert mit 2. Juli 1941, schreibt beispielsweise Lea Gerner an ihren Ehemann Lenja:„Lieber Lenja! Wie schwer es ist wegzufahren erfragst du nicht. Aber was soll man machen, denn du verstehst ja selbst, dass ich hier allein nicht bleiben kann[…] Mach nichts für die Rettung der zurückgebliebenen Sachen[…] Hier bombardieren sie stark. Zum Teufel mit den Sachen.[…] Halte Kontakt mit Vater, über ihn werde ich auch deine Adresse erfahren. Mein Lieber, auf Wiedersehen. Ich küsse dich viele Male. Deine Lea und Schura. 3.7.41.“ 145 Im September 2009 wurden die Briefe an die Republik Ukraine zurückgegeben. Das„Nationalmuseum der Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg“ in Kiew organisierte im Jahr 2011 anlässlich des 70. Jahrestags des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion eine Ausstellung dieser Schriftstücke. Über 400 Angehörige der Adressaten/Absender konnten ausgeforscht werden und erhielten die Briefe zurück. 2 Beschlagnahmte und arisierte Kraftfahrzeuge 77 Unter den arisierten und beschlagnahmten Alltagsgegenständen stellen Kraftfahrzeuge einen Sonderfall dar. Im Gegensatz zu anderen Gegenständen der industriellen Massenproduktion sind sie selbst noch nach Jahrzehnten eindeutig identifizierbar. Mit Hilfe von Fahrgestellnummer, Motornummer, dem polizeilichen Kennzeichen sowie der Fahrzeugpapiere sind gute Voraussetzungen gegeben, sie ihren ursprünglichen Eigentümern zuordnen zu können. Die Provenienzforschung zu Kraftfahrzeugen wird in Österreich dadurch erleichtert, dass die Automobilklubs der Bundesländer bis kurz vor dem „Anschluss“ regelmäßig gedruckte Zulassungsverzeichnisse der Kraftfahrzeugeigentümer mit oft detaillierten Angaben zur Person(Titel, Vorname, Familienname, Beruf, Adresse etc.) und zum Kraftfahrzeug(Type, Kennzeichennummer) veröffentlichten. In einem Forschungsprojekt hat das Technische Museum Wien diese Kraftfahrzeugverzeichnisse digitalisiert und in einer Datenbank auf seiner Website veröffentlicht. 146 Die bisher erfassten rund 79.000 Kraftfahrzeugbesitzer/-innen decken 86 Prozent aller damals in Österreich gemeldeten Personen- und Lastkraftwagen und 54 Prozent der zugelassenen Motorräder ab; insgesamt sind ca. 67 Prozent aller Ende der 1930er-Jahre zugelassenen Kraftfahrzeuge erfasst. Eine eigene Datenbank erfasst jene Kraftfahrzeuge, die von den Nationalsozialisten 1938 von Juden und aus politischen Gründen verfolgten Personen beschlagnahmt worden sind. Aus 91 unterschiedlichen Quellen konnten bis jetzt ca. 3.000 beschlagnahmte Kraftfahrzeuge erfasst werden. Ausgangspunkt dieser Forschungen war die Untersuchung des Bestands an 56 Motorrädern und Motoren sowie 76 Automobilen und Automotoren der Kraftfahrzeugsammlung im Technischen Museum Wien. Im Zuge der Recherchen konnten dabei drei„bedenkliche“ Erwerbungen entdeckt werden. 49 Rosa Glückselig mit ihren Söhnen, 1920er-Jahre 78 50 Florencia Glückselig mit dem Auto ihrer Urgroßmutter, Mai 2010 Der Fiat 522 C der Rosa Glückselig Am 21. November 1951 wurde im Technischen Museum unter der Inventarnummer 16.388 als Geschenk der Verwaltung der Österreichischen Bundesgärten, Schönbrunn, Wien XIII, ein Personenkraftwagen Fiat 522 C verzeichnet. Neben dem Kraftfahrzeugbrief und der Korrespondenz übergaben die Bundesgärten auch einen Kaufvertrag vom 4. September 1939. Aus diesem geht hervor, dass der Wagen vom„Beauftragten des Reichskassenverwalters der SA für die SA in Österreich“, Prinz Eugenstraße 36, Wien IV, um 700 RM angekauft worden war. 147 Das Auto hatte bis dahin bei der SA-Gruppe Donau als Dienstwagen mit dem Kennzeichen A10887 in Verwendung gestanden. Im„Verzeichnis der Autonummern der Polizeidirektion Wien“ aus dem Jahr 1937 ist als Eigentümerin des Kraftfahrzeugs mit diesem Kennzeichen Rosa Glückselig, Neulerchenfelderstraße 27, Wien XVI, verzeichnet. 148 Die Kaufmannsgattin Rosa Glückselig(1896–1972) musste auf Grund ihrer jüdischen Herkunft nach dem„Anschluss“ ein Vermögensverzeichnis bei der Vermögensverkehrsstelle abgeben. 149 Darin erklärte sie, dass sie„ein Personenauto(Fiat 522) besaß, das jedoch am 16. März 1938 beschlagnahmt wurde und seither unauffindbar ist.“ 150 Rosa Glückselig war mit dem Gemischtwarenhändler Moritz Glückselig 151 79 (1890–1974) verheiratet und hatte zwei Söhne. In der Ottakringer Neulerchenfelderstraße 27, wo die Familie auch wohnte, betrieb sie das Delikatessengeschäft„Zur Raxbahn“. Moritz Glückselig war vom Mai 1938 bis März 1939 in den KZ Dachau und Buchwald interniert. Im März 1939 konnte die Familie nach Bolivien emigrieren. Wenig später zog sie nach Buenos Aires, wo sie die Gemischtwarenhandlung„Fiambreria Austria“ eröffnete. Im Jahr 2008 wurde das Fahrzeug an den in Buenos Aires lebenden Sohn restituiert. Das Technische Museum Wien erwarb im gleichen Jahr das Fahrzeug von der Familie Glückselig auf Grund seiner zeitgeschichtlichen Bedeutung für die Schausammlung. Ungeklärter Provenienzfall: „Austro Daimler ADR“ Der Austro Daimler ADR ist einer der aufwändigsten Fälle der Provenienzforschung am Technischen Museum Wien und konnte trotz mehrjähriger Forschung noch nicht abgeschlossen werden. Fest steht, dass dieses Fahrzeug mit der Motornummer 24001 von der Gestapo im Jahr 1938 beschlagnahmt und nachweislich am 10. August 1938 vom Wiener Dorotheum, Abteilung für technische Gegenstände, unter der Katalognummer 367 zur Versteigerung angeboten wurde. Im Mitteilungsblatt des Dorotheums wurde es als„PK Austro Daimler ADR M.N. 24001, Kabriolett, schwarz“ um einem Ausrufungspreis von 250 RM angeboten. 152 Es war eines von rund 1.125 Kraftfahrzeugen, die im August und September 1938 im Auftrag der Gestapo durch das Dorotheum versteigert wurden. 153 Trotz intensiver Recherchen konnte der Eigentümer dieses Fahrzeugs im Jahre 1938 noch nicht eruiert werden. Es sind folgende Voreigentümer bekannt: Das Technische Museum Wien erwarb das Austro Daimler ADR Cabriolet Baujahr 1930 im Mai 2003 im Tauschweg von Ing. Horst Brozlar, einem damals bedeutenden Wiener Sammler von Luxusautomobilen der 1930er-Jahre. Das Fahrzeug, das zum Zeitpunkt seiner Entstehung das Spitzenprodukt im Luxussegment der österreichischen Automobilindustrie darstellte, wurde im Museum mit Nummer 58.873 inventarisiert und ausgestellt. Brozlar, der mit dem Fahrzeug an einigen Oldtimer-Rallyes wie z.B. der Trans-Appenica 2002 in Italien teilnahm, hatte es erst im März 2000 vom US-amerikanischen Sammler Bernard Berman erworben. Berman(1920–2006) lebte in Allentown, Pennsylvania, und besaß an die 30 historische Kraftfahrzeuge, darunter auch drei der Marke Austro 80 51 Henry Goldhann mit seinem AUSTRO DAIMLER ADR, 1976 Daimler. In den 1980er-Jahren ließ er das Fahrzeug aufwändig renovieren. Es erhielt eine neue rote Lackierung nach dem Vorbild von US-amerikanischen Luxusautomobilen der 1930er-Jahre. 1986 wurde es vom American Automobile Club(AAC) zum besten ausländischen Fahrzeug in der Kategorie Oldtimer gekürt. 1988 errang es einen Klassensieg beim bedeutendsten Oldtimer-Wettbewerb der USA, dem„Concours d'Elegance“ in Pebble Beach in Kalifornien. 154 Berman war seit 1981 Eigentümer des Austro Daimler ADR. Zuvor stand dieser im Eigentum des Wiener Journalisten Henry Goldhann(gest. 1995). Goldhann hatte sich seit den 1950er-Jahren dem Ankauf und der Restaurierung alter Fahrzeuge gewidmet und war 1972 einer der Gründer des Automobil Veteranen Clubs Austria. 155 Den Austro Daimler ADR hatte er Ende der 1950er Jahre bei Amstetten 156 (Niederösterreich), nach anderen Angaben 1963 als Wrack bei Blindenmarkt(Niederösterreich) von einem Bauern 157 erworben. Nach dem Erwerb durch Goldhann wurde das Fahrzeug in den Jahren bis 1975 schrittweise instandgesetzt. Wer den Wagen zuvor besessen hatte, ist nicht bekannt. Die Austro Daimler Werke in Wiener Neustadt erzeugten im Zeitraum von 1927 bis 1931 zwischen 2.400 und 2.600 Fahrzeuge der Type Austro Daimler ADR 6. 158 Im„Verzeichnis der Autonummern der Polizeidirektion Wien“ aus dem Jahr 1937 sind 198 Personen bzw. Firmen verzeichnet, die einen solchen Wagen 81 52 Der AUSTRO DAIMLER ADR in der Schausammlung des TMW, 2008 zum Stichtag 30. März 1937 besessen haben. Von ihnen konnten 50 Fahrzeuge jüdischen Eigentümer/-innen zugeordnet werden. Zusätzlich wurden weitere im jüdischen Eigentum befindliche Austro Daimler aus Niederösterreich(4), Oberösterreich(2) und der Steiermark(1) eruiert. 159 Von diesen insgesamt 57 Fahrzeugen konnte bei 13 festgestellt werden, dass es sich nicht um jenes Automobil handeln kann, das sich im Technischen Museum Wien befindet. Bei 44 Fahrzeugen kann zum derzeitigen Forschungsstand keine Aussage darüber getroffen werden, ob sich darunter jenes im Museum befindet. Von Austro Daimler ADR-Fahrzeugen, die nachweislich im jüdischem Eigentum standen, fand sich in den Akten nur zu jenem des Bankiers Jakob Turnauer ein Hinweis auf ein„(seit Anfang April) beschlagnahmtes und im August[1938] versteigertes“ Automobil. Allerdings lässt sich auf Grund der unbekannten Motornummer nicht feststellen, um welchen der insgesamt zwölf versteigerten Austro Daimler ADR es sich dabei handelt. 160 Im Sinne der Provenienzforschung muss dieser Fall als„ungeklärt“ klassifiziert werden. Ein über 80 Seiten umfassendes Dossier wurde vom Kunstrückgabebeirat zwar diskutiert, wobei festgehalten wurde, dass der Entzug des Fahrzeugs als erwiesen erachtet wird, jedoch werden weitere Recherchen für notwendig befunden. 82 53 MOTOR eines Puchmotorrads S 4 Ein Puchmotor aus dem Besitz der NSDAP-Gauleitung Wien Der pensionierte Altwarenhändler Ernst Modercin, Bürgergasse 9/9, Wien XI, übergab dem Technischen Museum am 17. März 1973 einen„Motorradmotor mit der Motornummer: 61790, Marke Puch S4, 248 ccm, Model 1938“ als Geschenk, der unter der Inventarnummer 18.712 verzeichnet wurde. 161 Der Motor war ursprünglich in eine Beiwagenmaschine der Marke „Puch S4“ eingebaut gewesen, die zum Zeitpunkt der Schenkung aber bereits verschrottet war. Als weiteres Dokument übergab Modercin dem Museum auch den Kraftfahrzeugbrief des Motorrads, in dem dessen Voreigentümer aufgelistet sind. Daraus geht hervor, dass das Fahrzeug am 30. November 1939 auf die NSDAP-Gauleitung Wien, Renngasse 6, Wien I, angemeldet war. Aus den vorliegenden Unterlagen lässt sich nicht ablesen, wie die Beiwagenmaschine 1939 in den Besitz der Gauleitung gekommen war. Es besteht die Möglichkeit, dass sie 1938 im Zuge des „Anschlusses“ durch die NSDAP oder die Gestapo beschlagnahmt wurde. Exkurs: Der große Autoklau. Entzug und Restitution von Kraftfahrzeugen in Österreich während und nach der NS-Zeit 83 Jüdischer Automobilbesitz in Österreich vor 1938 Laut Volkszählung von 1934 lebten in Österreich 191.481 Personen jüdischen Glaubens, die überwiegende Mehrzahl davon, nämlich 176.034(92 Prozent), in Wien. 162 Wien war nicht nur das bevölkerungsreichste Bundesland Österreichs, es wies auch bei weitem die größte Dichte an Kraftfahrzeugen auf. Während rund 28 Prozent der Bevölkerung Österreichs in Wien lebten, waren fast die Hälfte aller Personenwagen und Taxis sowie etwa 43 Prozent der Lastkraftwagen in Wien gemeldet. Es gibt nur wenige Motorradverzeichnisse aus dieser Zeit und kaum gesicherte Hinweise auf die tatsächliche Anzahl der Lastkraftwagen im Eigentum jüdischer Firmen. Die erhobenen Zahlen sind für die Personenkraftwagen aus Wien am aussagekräftigsten. Von den 10.257 Personenwagen, die 1937 in Wien gemeldet waren, standen 2.096 im jüdischen Eigentum, das entspricht einem Anteil von 20 Prozent. Verglichen mit ihrem Bevölkerungsanteil von 9,4 Prozent waren also Juden unter den Haltern von Personenkraftwagen weit überrepräsentiert. Innerhalb kürzester Zeit nach dem „Anschluss“ wurden 20 Prozent aller in Wien gemeldeten Personenwagen geraubt – der größte Autoklau in der österreichischen Geschichte. Die Enteignung der jüdischen Kraftfahrzeugbesitzer „Ich hatte einen alten Steyr XXX, Wert schätzungsweise RM[Reichsmark] 500, der mir Mitte März beschlagnahmt wurde”, schrieb die Hausfrau Selma Baum 1938 in ihrer Vermögensanmeldung. Der jüdische Rechtsanwalt Heinrich Rübner erklärte:„Ich besitze auch ein Auto Marke Steyr 430, welches 5 Jahre alt ist. Ich kann jedoch dieses nicht schätzen, da der Wagen zusammen mit den übrigen Autos jüdischer Besitzer unmittelbar nach dem 11. März 1938 beschlagnahmt wurde und ich weder weiss, wo sich der Wagen befindet, noch in welchem Zustand er ist”. 163 Solche und ähnliche Angaben findet man in vielen Vermögensanmeldungen, die österreichische Juden im Frühsommer 1938 bei der Vermögensverkehrsstelle im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit abgeben mussten.Unmittelbar nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich am 13. März 1938 kam es, 84 54 Alfred Eibuschitz mit seinem Fiat 1500. Das NSKK benutzte das beschlagnahmte Auto 1939 als Dienstfahrzeug initiiert von österreichischen Nationalsozialisten und Antisemiten, vor allem in Wien zu pogromartigen Tumulten. Bei Hausdurchsuchungen wurden neben Wertgegenständen, Schmuck und Geld besonders häufig auch Kraftfahrzeuge beschlagnahmt. Diese wilden Beschlagnahmungen gingen als „Märzaktion“ in die österreichische Historiographie ein. 164 Tatsächlich war bis Ende März 1938 ein Großteil der Kraftfahrzeuge der österreichischen Juden beschlagnahmt und enteignet worden. Doch es blieb nicht beim bloßen Raub der Fahrzeuge, vielfach kassierten die SA-Leute außerdem Geld für Benzin oder verlangten von den Eigentümern auch noch, die requirierten Fahrzeuge vor ihren Augen zu waschen. 165 Zum einen verfehlten diese Aktionen nicht ihren Zweck, Angst und Terror zu verbreiten; sie zählten zu den vielen Maßnahmen, die österreichische Juden letztlich aus dem Land vertrieben. Zum anderen aber benötigten die NSDAP und ihre Organisationen, die ja vor dem„Anschluss“ in Österreich verboten waren, dringend Kraftfahrzeuge für ihren Aufbau. Für sie lag es nahe, sich diese von Juden und Regimegegnern zu holen. Jene Automobile, die bei Repräsentanten der autrofaschistischen Elite beschlagnahmt wurden, gaben die Nazis meist nach ein paar Monaten, wenn auch häufig in beschädigtem Zustand, zurück. Den Juden hingegen wurden die Fahrzeuge entschädigungslos enteignet. 85 55 Beschlagnahmeverfügung der Gestapo Innsbruck für den Steyr 200 von Dr. Alois Pollak, April 1938 86 Die flächendeckend vorgenommenen Hausdurchsuchungen legen den Verdacht nahe, dass diese nicht spontan, sondern von den Führungsorganen der NSDAP zentral geplant und angeordnet wurden. 166 Wenige Tage nach dem Einmarsch wurde am 18. März 1938 der Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei im§ 1 der„Zweiten Verordnung zum Gesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Dritten Reich“ ermächtigt, die „zur Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung notwendigen Maßnahmen auch außerhalb der sonst hierfür bestimmten gesetzlichen Grenzen zu treffen.“ 167 Damit hatte die Gestapo freie Hand, in die Persönlichkeitsund Besitzrechte aller Bürger nach eigenem Gutdünken einzugreifen. Und dieser Freiraum wurde intensiv genutzt, um Beschlagnahmungen aller Art durchzuführen. Viele Bescheide der Gestapo über die Beschlagnahme von Kraftfahrzeugen fußten auf jener Verordnung vom 18. März und beriefen sich auf eine angebliche„staats- und volksfeindliche“ Betätigung der jeweiligen Person. 168 Für Juden reichte allein die Tatsache, Jude zu sein, für den Nachweis der Staatsgefährdung. Alle auf diese Art von der Gestapo vorgenommenen Beschlagnahmungen wurden acht Monate später durch die „Verordnung über die Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermögens im Land Österreich" vom 18. November 1938 nachträglich„legalisiert“. 169 Mobilitätsverbote für Juden in der Ostmark und im restlichen Deutschen Reich Während in der Ostmark bereits in der„Märzaktion“ der überwiegende Teil der Kraftfahrzeuge jüdischer Besitzer beschlagnahmt wurde, setzten die antijüdischen Maßnahmen im Bereich der Mobilität im restlichen Deutschen Reich erst mit und nach dem Novemberpogrom 1938 ein. 170 Während der Reichspogromnacht brannten nicht nur die Synagogen; es wurden auch Fahrzeuge beschlagnahmt. Am 3. Dezember 1938 wurden die Führerscheine von Juden sowie die Zulassungspapiere ihrer Kraftfahrzeuge für ungültig erklärt und mussten bis 31. Dezember 1938 bei der Polizei abgeliefert werden. Auch jüdische Fahrschullehrer verloren ihre Lehrbefugnisse. 171 Am 14. Dezember 1938 folgte ein Verbot für Juden, überhaupt ein Kraftfahrzeug zu besitzen. Falls Juden im Deutschen Reich zu diesem Zeitpunkt noch im Besitz von Kraftfahrzeugen waren, mussten sie diese umgehend – und oft unter ihrem Wert – an„Deutsche“ oder an die NSDAP veräußern. 172 Im„Altreich“ schloss man mit einer Verzögerung von neun Monaten Anfang 1939 auf dem Gebiet der„Arisierung“ von Kraftfahrzeugen zur angeschlossenen„Ostmark“ auf. In der„Ostmark“ gingen die Sanktionen gegen jüdischstämmige Personen zum Teil über die geltenden Gesetze hinaus: So 87 56 Der eingezogene FÜHRERSCHEIN von Rudolf Adler versuchte die Vermögensverkehrsstelle im Wiener Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit auf Weisung von Staatskommissar Walter Rafelsberger, eine„vollständige Säuberung der Anstalten und Unternehmungen, die dem Verkehr dienten, vom jüdischen Einfluss, durchführen.“ Dabei sollten „Mischlinge“ ihre Konzessionen für den Fracht- und Personenverkehr, Taxilizenzen, die Fahrzeuge und Führerscheine verlieren. Und auch Personen, die mit Juden verheiratet waren, wurden in einigen Fällen – selbst gegen damals geltendes Recht – Fahrzeuge entzogen. 173 Die Nutznießer der Beschlagnahmungen jüdischer Kraftfahrzeuge Die raschen, oft planlos wirkenden Aktionen in Österreich wurden nach dem„Anschluss“ von unterschiedlichsten Akteuren durchgeführt. De facto war die Gestapo im März und April 1938 nur für etwa ein Drittel aller Beschlagnahmungen verantwortlich, den Rest führten Angehörige der NSDAP durch. Partei und Staat verloren bald den Überblick über die durchgeführten Aktionen. Mittels Verfügung des„Reichskommissars für die Wiederver- 88 einigung Österreichs mit dem Deutschen Reich" wurde am 3. Mai 1938 die Gestapo mit der Verwaltung und Verteilung der beschlagnahmten Fahrzeuge betraut. Zugleich wurden alle Dienststellen der NSDAP aufgefordert, „die beschlagnahmten Fahrzeuge sofort listenmäßig zu melden und dabei Kennzeichen, Fahrgestell- und Motornummer, Type, Baujahr, zurückgelegte Fahrkilometer und ehemalige Eigentümer anzugeben“. Im Bedarfsfall mussten die Fahrzeuge der Gestapo zu Verfügung gestellt werden. 174 Die Stapoleitstelle Wien sammelte so allein Daten von 1.700 beschlagnahmten Kraftfahrzeugen, die ihrerseits insgesamt einen Wert von über einer Million RM repräsentierten. 175 Die von der Gestapo selbst beschlagnahmten Kraftfahrzeuge wurden in Wien an drei großen Lagerplätzen zusammengezogen. Mit Erlass vom 30. Juli 1938 war die Gestapo auch befugt, die Fahrzeuge nicht nur zu benützen bzw. verschiedenen Parteigliederungen oder staatlichen Stellen zuzuweisen, sondern sie gegebenenfalls auch zu verkaufen. 176 Mit der Verwertung beauftragte sie in der Folge das staatliche Auktionshaus Dorotheum in Wien. An zehn Terminen im August und September 1938 konnten die Wiener gebrauchte Kraftfahrzeuge aus den Beschlagnahmungen der Gestapo günstig erwerben. Zwischen 600 und 1.000 Kraftfahrzeuge fanden auf diesem Weg einen neuen„arischen“ Eigentümer. Den Erlös aus der Aktion bezifferte das Dorotheum mit 420.000 RM. 177 Den Käufer/-innen war durchaus bekannt, dass diese Kraftfahrzeuge vorher im Eigentum von Juden gewesen waren. Die wenigsten hatten aber dabei offenbar ein schlechtes Gewissen, denn nach 1945 wurde nur ein einziger dieser Erwerber aktenkundig, indem er sein Fahrzeug als„entzogenes Vermögen“ anmeldete. 178 Auch die geschädigten Juden wussten, dass ihre Fahrzeuge versteigert wurden. 179 Die öffentlichen Versteigerungen erregten den Unmut der Parteidienststellen der NSDAP, die die Fahrzeuge lieber für ihren eigenen Gebrauch oder als Belohnung von Parteimitgliedern verwertet sehen wollten. Im September 1938 kam es schließlich„auf höhere Anweisung“ hin zu einem Versteigerungsstopp von Kraftfahrzeugen. 180 Die vielen neuen Dienststellen, die nach dem„Anschluss“ ins Leben gerufen wurden, hatten einen großen Bedarf an Dienstfahrzeugen. Die Eingliederung Österreichs ins Deutsche Reich sowie den Aufbau der NSDAP in Österreich sollten neben den österreichischen Behörden auch jene des Reichstatthalters und des„Reichskommissars für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“ administrieren. Diese Dienststellen 89 57 Dorotheums-Versteigerung von beschlagnahmten Kraftfahrzeugen im Auftrag der Gestapo, 20.9.1938 90 58 NSKK-Kolone mit dem beschlagnahmten Opel(A15527) von Paul Ortner, Riederberg 1939 übernahmen den Fuhrpark des ehemaligen österreichischen Bundeskanzleramtes und der Präsidentschaftskanzlei. Bald kamen die bei Juden beschlagnahmten Fahrzeuge von der Gestapo hinzu. Der Fuhrpark des „Reichskommissars für die Wiedervereinigung Österreich mit dem Deutschen Reich“ umfasste 35 Fahrzeuge, darunter sieben beschlagnahmte. 181 So fuhr der 1946 in Nürnberg zum Tode verurteilte Staatssekretär und spätere Chef des Reichssicherheitshauptamts Ernst Kaltenbrunner einen Renault, der beim jüdischen Wiener Bankhaus Edmund Grün beschlagnahmt wurde. SA Standartenführer Ferdinand Köfler benützte einen Steyr 100, der bei der Wiener Jüdin Eva Pick beschlagnahmt worden war. 182 Der Fuhrpark des Reichstatthalters umfasste im Oktober 1938 27 Fahrzeuge, darunter war etwa ein Drittel von Juden beschlagnahmt, alle waren erst 1937 zugelassene Neuwagen. 183 Zwischen Gestapo und Parteidienststellen tobte ein heftiger Verteilungskampf um die eingezogenen Kraftfahrzeuge. Die„Vermittlungsstelle der NSDAP“, die für die ehemals illegal agierenden österreichischen Nationalsozialisten zuständig war, ihnen Stellen vermittelte und auch andere Maß- 91 nahmen der„Wiedergutmachung“ setzte, konnte erreichen, dass illegale Nationalsozialisten mit Wagen der österreichischen Juden entschädigt wurden. 184 Mindestens 98 Nationalsozialisten kamen in den Genuss dieser Kompensation. 185 Die NSDAP gab sich damit aber noch nicht zufrieden. In einem Schreiben beklagte sich der Reichkassenverwalter der NSDAP beim Reichstatthalter darüber, dass die Partei bei der Zuweisung der Kraftfahrzeuge von der Gestapo mit„nur wenig zufriedenstellendem Wagenmaterial“ versorgt werde. Darüber hinaus beschwerte er sich, dass die SS unter den Wagen bei der Gestapo frei wählen dürfe und SS-Leute beim Verkauf der Wagen Schmiergeld einsteckten. 186 Auch um die Verteilung der wenigen jüdischen Taxis und Taxilizenzen in Wien gab es harte Auseinandersetzungen. Die„NS Wirtschaftsgenossenschaft der Fuhrwerkunternehmer reg. Gen. M.b.H.“, eine Art Kartell nationalsozialistischer Taxi- und Fuhrwerkunternehmer, nutzte die neuen politischen Verhältnisse, um unliebsame Konkurrenten zu verdrängen. 187 Eine Schlüsselfigur in diesem Zusammenhang war der NSKK-Führer Anton Pressinger, der 1934 wegen Sprengstofftransporten zu 14 Jahren Kerker verurteilt und dessen Taxi beschlagnahmt worden war. Nach dem „Anschluss“ wurde er Führer im Stabe der„NSKK Motorstandarte 93“ und übernahm die„Zunft der Fuhrwerker“ in Wien. Damit stand Pressinger im Zentrum der„Arisierung” von Taxiunternehmen, und auch er selbst griff zu: Ein Julian Schwamm entzogenes Taxi der Marke Steyr 45 wies er sich mit Genehmigung des„Reichstatthalters“ als Wiedergutmachung selbst zu. Außerdem erhielt er seine Konzession als Taxiunternehmer zurück, 4.000 RM Wiedergutmachung ausgezahlt und eine Konzession als Lastwagenunternehmer übertragen, die zuvor einem Juden entzogen worden war. 188 Nachrichten über die chaotischen Zustände in der Ostmark und die Selbstbereicherungen der NS-Parteigänger gelangten schon bald bis in die Reichskanzlei nach Berlin: Der Reichsminister und Chef der Reichskanzlei Hans Heinrich Lammers forderte in einem Schreiben vom 7. Juli 1938 den Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei auf, eine Liste sämtlicher in Österreich entzogener Vermögenswerte zu übermitteln. Adolf Hitler wollte offenbar selbst im Detail darüber entscheiden, was mit den beschlagnahmten Vermögenswerten geschehen sollte. Lammers betonte besonders, dass„das vom Führer gewünschte Verzeichnis nicht nur beschlagnahmte Kunstwerke umfassen, sondern sich auf sämtliche Vermögenswerte erstrecken soll, die beschlagnahmt worden sind, und zwar ohne Rücksicht darauf ob sie bereits eingezogen worden sind oder nicht.“ 189 92 59 Bestätigung der Beschlagnahme des Wagens von Sigmund Freund durch die Gestapo, ausgestellt durch den Garagenbesitzer Berthold Klein, Juli 1938 60 Der GRÄF& STIFT von Sigmund Freud, am Steuer sein Fahrer Josef Malina, 1920er-Jahre 93 Resultat der Order aus der Reichskanzlei waren zwei rasch zusammengestellte und recht unvollständige Listen: Die erste, undatierte Liste wurde am 14. Juli 1938 nach Berlin zur Vorlage übermittelt. Diese 19-seitige Aufstellung enthält im Detail fast nur Liegenschaften, beschlagnahmte Kraftfahrzeuge wurden nur pauschal erwähnt:„Etwa 1700 Kraftwagen im Durchschnittswert von je 600 RM: 1.020.000 RM.“ 190 Eine weitere Aufstellung lieferte die SS: Die Gesamtzahl der beschlagnahmten Kraftfahrzeuge in Verwendung der NSDAP und deren Gliederungen bezifferte sie Ende August 1938 auf 1.116 Stück. 191 Anfang 1939 beklagte sich das Wiener Finanzministerium bei Reichstatthalter Arthur Seyß-Inquart, dass es„keine Evidenz der zu Gunsten des Landes Österreich eingezogenen Vermögenswerte“ gebe und dass„beträchtliche Vermögenswerte des Landes Österreich gar nicht in ihrer Evidenz stehen und von Organen verwaltet werden, die sie gar nicht kennt.“ 192 In zwei Runderlässen vom 16. und 20. Februar 1939 wurden die staatlichen und die Parteidienststellen nochmals aufgefordert, Listen mit beschlagnahmten Gegenständen, insbesondere auch Kraftfahrzeugen, zu erstellen und rasch zu übersenden. 193 Resultat all dieser Aufforderungen waren Ergänzungslisten mit weiteren 555 beschlagnahmten Automobilen, sodass sich die Zahl der in Verwendung der NSDAP befindlichen beschlagnahmten Kraftfahrzeuge auf 1.652 erhöhte. 194 Zusammen mit den 600 bis 1.000 über das Dorotheum bereits im Vorjahr verkauften Kraftfahrzeugen und den Automobilen in Verwendung von staatlichen Stellen ergibt sich die auch durch andere Quellen gut dokumentierte Zahl von zumindest 2.500 bis 3.000 auf dem Gebiet des ehemaligen Österreich beschlagnahmten Kraftfahrzeugen. Mit Kriegsbeginn 1939 wurde das Reichsleistungsgesetz verabschiedet, das im§ 15 die Inanspruchnahme von Gegenständen – auch von Kraftfahrzeugen – für staatliche Aufgaben regelte. Der„Bevollmächtigte für den Nahverkehr“ des Reichstatthalters in Wien konnte nach diesem Gesetz bei jeder privaten oder juristischen Person Kraftfahrzeuge gegen Entschädigungszahlungen anfordern oder bestimmen, dass Fahrzeuge an bestimmte Personen – wie z.B. Ärzte, Funktionäre der NSDAP etc. – verkauft werden mussten, falls dies von kriegswirtschaftlichem Interesse war. 195 Kraftfahrzeuge für die Wehrmacht requirierten hingegen die„Wehrersatz-Inspektionen“, 196 die schon in den Jahren zuvor regelmäßig als„polizeiliche Überprüfungen“ getarnte Fahrzeugmusterungen für den Fall einer Mobilmachung durchgeführt hatten. 197 Auf Grund dieses Gesetzes zog die Wehrmacht bis Oktober 1944 im gesamten Deutschen Reichsgebiet insgesamt 153.058 Privatfahrzeuge ein. 198 94 Restitution von Kraftfahrzeugen von Juden nach 1945 Nach Kriegsende stellte sich die Verkehrssituation in Österreich katastrophal dar. Unzählige Autos waren in den Kampfhandlungen zerstört oder von den Einheiten der deutschen Wehrmacht bei Privatpersonen requiriert und als Fluchtfahrzeuge Richtung Westen benützt worden. War es schon auf Grund der damaligen Verhältnisse in den Verkehrsämtern beinahe unmöglich, Fahrzeuge wiederzufinden, die kurz vor Kriegsende verloren gegangen waren, so war es noch schwieriger, jene Fahrzeuge aufzuspüren und den rechtmäßigen Eigentümern zurückzugeben, die kurz nach dem„Anschluss“ 1938„arisiert“ worden waren. In den Archiven sind Suchanfragen von jüdischen Emigranten dokumentiert, die in Österreich ihre entzogenen Kraftfahrzeuge suchten. So versuchten Gustav Fuchs aus New York und Hans Fuchs aus Tel Aviv 1948, ihre von der HJ beschlagnahmten Steyr 50 zu finden. 199 Auch Paul Klein, der bis 1938 in Zwettl(Niederösterreich) gelebt hatte und nach Cleveland in den USA emigriert war, ließ im Jahr 1948 nach seinem von den Nazis entzogenen Steyr 50 fahnden – ohne Erfolg. 200 Nur wenige konnten zumindest Teilerfolge erzielen: Die Familie Gottesmann aus Wien besaß 1938 einen Steyr 100. Nach dem„Anschluss“ wurde das Fahrzeug von unbekannten Personen aus der Garage weggeführt. Dr. Leo Gottesmann, der in die USA emigriert war, stellte 1949 einen Rückstellungsantrag für den entzogenen Kraftwagen. Tatsächlich konnten die österreichischen Behörden das fragliche Fahrzeug aufspüren: Der Steyr 100 war 1945 als Wrack in einem Straßengraben bei Stein an der Donau in Niederösterreich gefunden worden. Das Bundesministerium für Vermögenssicherung hatte das Autowrack übernommen und an die Austria Tabakwerke verliehen, die das Fahrzeug ihrerseits dazu benutzten, um Ersatzteile für einen anderen Steyr 100 an der Hand zu haben. Die Rückstellungskommission entschied am 14. April 1950, dass die Tabakwerke„binnen 14 Tagen einen Motor Steyr 100 C2803, eine Vorderfeder samt Querträger, einen Kühler, eine Lenkung, eine Kardanwelle und zwei vordere Kotflügel zurückzustellen“ hatten. 201 Das waren die einzigen Bestandteile, die noch dem ursprünglichen Wagen zuzuordnen waren. Ob diese in die USA übersandt worden sind, ist unbekannt. Der Fall jedoch zeigt einerseits wieder, wie wertvoll jegliche Autobestandteile in der frühen Nachkriegszeit waren, und andererseits, wie kompliziert sich Rückstellungen von Fahrzeugen mitunter gestalteten. In dieser Geschichte wird auch ein Prinzip der österreichischen Rückstellungsgesetzgebung überdeutlich sichtbar: Zurückgegeben wurde nur, was noch vorhanden war, dies entsprach oft nicht dem Wert zum Zeitpunkt des Entzugs. 95 61 Karl Farkas neben seinem Buick mit Sohn, Ehefrau und Vater. Das Fahrzeug wurde von der Gestapo im März 1938 beschlagnahmt. Die wenigen dokumentierten Rückstellungsfälle endeten sonst meist mit Vergleichen: Fritz Löwy, der 1938 einen Steyr 50 besessen hatte, bekam 1949 eine vom„Ariseur“, dem Fleischhauer Alois Schmölz, zu entrichtende Entschädigung in der Höhe von 500 Schilling zugesprochen. 202 In ganz seltenen Fällen wurde aber auch das entzogene Fahrzeug direkt restituiert: So erhielt der Taxichauffeur Viktor Koppel im November 1949 auf Beschluss der Rückstellungskommission vom„Ariseur“ sein Taxi Marke Fiat 1001 zurück. 203 Die letzte dokumentierte Rückstellung war wohl jene des Fiat 522 C aus dem Technischen Museum Wien an den Sohn von Rosa Glückselig im Jahr 2008. 2 Verdachtsfälle auf NS-Raubgut im TMW 97 Das Superpiano von Emerich Spielmann Am 12. Juli 1947 erwarb das Technische Museum von Julius Carl Hofman(n), Piaristengasse 36, Wien VIII, um 500 Schilling ein„Automatisches Klavier, elektrisches Klangscheibeninstrument“ und verzeichnete das Instrument unter der Inv. Nr. 16.171. 204 Erst später, vermutlich im Jahr 1971, wurde das Musikinstrument als„Superpiano“ von Emerich Spielmann identifiziert. Eine entsprechende handschriftliche Notiz befindet sich auf dem Grundblatt zur Inv. Nr. 16.171, versehen mit dem Kürzel„HK 8/71“. 205 Der jüdische Architekt Emerich Spielmann experimentierte in den 1920erund 1930er-Jahren mit der Konstruktion elektronischer Musikinstrumente. In seiner Vermögensanmeldung gibt er am 8. Juli 1938 an:„Ich beschäftige mich seit dem Jahr 1928 mit der Konstruktion eines lichtelektrischen Musikinstrumentes(Superpiano), für das ich in den Jahren 1928 bis 1931 diverse Patente erhielt. Dieselben sind mangels Zahlung der Patentgebühren bereits verfallen. Ich besitze Modelle der Erfindung, an welchen ich noch immer arbeite. Hierzu Werkzeuge, diverse Laboratoriumsbehelfe, Apparate, Utensilien und technische Werke. Die Erfindung ist für eine industrielle Verwertung noch nicht reif.“ 206 In den 1930er-Jahren ist die Entwicklung von zwei unterschiedlichen Spielarten der Superpianos nachweisbar. Im Mai 1939 gelang Emerich Spielmann und seiner Tochter Anna die Flucht über London in die USA, wo er in der Stadt Elmhurst auf Long Island im Bundesstaat New York lebte. Ob er das Superpiano vor seiner Emigration verkaufte, ist unklar. Sein Umzugsgut, bestehend aus„3 Colli“, wurde von der Gestapo am 7. Jänner 1941 beschlagnahmt und„der Verwertung zugeführt“. Der Verkauf dieses Umzugsgutes 1942 brachte für die Vugesta einen Erlös von 200 RM. 207 Ob das Superpiano damals ebenfalls mit versteigert wurde, ist ebenso 62 Emerich Spielmann und sein Superpiano, Radio-Wien, Februar 1929 63 Das SUPERPIANO im TMW 98 64 SCHREIBMASCHINE SYSTEM ULTIMA 65 DAMPFMASCHINE, Baujahr 1885 99 ungeklärt wie die Frage, auf welche Weise es in den Besitz von Julius Carl Hofman(n) gekommen ist. Möglicherweise hat es dieser nach dem Krieg ganz legal von Emerich Spielmann erworben. Ebenso möglich ist aber auch ein Entzugsvorgang während der NS-Zeit, sodass noch weitere Nachforschungen zu diesem Erwerb nötig sind. Erwerbungen von arisierten Firmen vor und nach 1945 Schreibmaschine und Dampfmaschine der Firma Brüder Teich Am 23. November 1939 übergab die Firma Brüder Teich, Badgasse 21, Wien IX, dem Museum„eine alte Schreibmaschine, System Ultima Fabrikatsnummer 6465“ als Geschenk, die unter der Inv. Nr. 15.899 verzeichnet wurde. 208 Fast zehn Jahre später, am 11. Februar 1948, bedankte sich die Direktion des Museums bei den Brüdern Teich für die„Überlassung eines Heißluftmotors älterer Erzeugung“. 209 Mit Kaufvertrag vom 11. Mai 1938 „arisierten“ die Brüder Teich den Konkurrenzbetrieb„Galvanoplastik und Stereotypie Wilhelm Gergely, Kirchberggasse 33, Wien VII“, der im Besitz des jüdischen Ehepaares Wilhelm und Irene Gergely stand. 210 Die beiden Unternehmen wurden in der Folge fusioniert. Dem Ehepaar Gergely gelang 1938 die Flucht nach Großbritannien, wo Wilhelm Gergely während des Kriegs verstarb. Seine Witwe reichte 1948 beim Landesgericht für Zivilrechtssachen Wien einen Rückstellungsantrag ein. Das Verfahren endete am 18. Mai 1949 durch Abschluss eines Vergleichs, wodurch das Unternehmen Gergelys nach Leistung einer Zahlung endgültig in das Eigentum der Firma Teich überging. 211 Bei beiden Objekten, die dem Technischen Museum 1939 und 1948 überlassen worden sind, kann derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass sie aus dem Inventar der arisierten Firma stammen. Ein Pianola der Firma Otto Götz Am 12. Juni 1944 teilte das Museum„Herrn Otto Götz, Taubergasse 66, Wien 17“ in einem Schreiben mit:„Bezugnehmend auf die i.k.W. geführten Verhandlungen übernimmt das Technische Museum das von Ihnen angebotene, geringfügige Instandsetzung benötigende, amerikanische Pianola samt 73 Notenrollen und 100 Spielbänkchen zu folgenden Bedingungen: Sie erhalten RM 200.-(zweihundert Reichsmark) bar sowie ein nicht spielbares altes Phonola, das zur Zeit im Besitz des Technischen Museums ist“. 212 Der Möbelverkäufer Otto Götz und die private Geldgeberin Anna Maschek arisierten im Juni 1938 das Möbelgeschäft„Möbel-Winter“, Stadtbahnviadukt 23, Wien VIII. 213 Götz war zuvor beim jüdischen Möbelhändler Erwin Winter beschäftigt gewesen und gewann, da er nicht über die nötigen Barmittel zur„Arisierung“ verfügte, über den Rechtsanwalt Dr. Josef Haffner, Opernring 1, Wien I, dessen spätere Ehegattin Anna Maschek als Geldgeberin für die Arisierung. Erwin Winter gelang mit seiner Frau Lisl(geb. am 28. Jänner 1901) die Flucht nach New York. 214 Am 1. März 1946 wurden die Ariseure der Möbelhandlung Winter, Otto Götz und Anna Maschek verh. Haffner, in Wien verhaftet. Am 16. März 1950 66 PIANOLA 101 schlossen Erwin Winter und Otto Götz einen Rückstellungsvergleich, durch den sämtliche Betriebsstätten des Unternehmens wieder in Winters Eigentum gelangten. 215 Das Pianola wurde von einem„arisierten“ Unternehmen erworben. Es ist fraglich, ob es sich bereits 1938 im Lagerbestand des ursprünglich jüdischen Unternehmens befand oder später durch die Geschäftstätigkeit der„Ariseure“ in den Besitz der Firma kam. Selbst in diesem Fall kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Möbelhandlung Götz das Pianola im Zeitraum zwischen 1938 und 1944 aus jüdischem Umzugsgut erhalten hat. Erwerbungen aus Versteigerungen und aus dem Kunsthandel in der NS-Zeit Auf Grund des europaweiten Raubzugs der Nationalsozialisten in den Jahren bis 1945 und der fast vollständigen Ausplünderung der in Österreich lebenden Juden sind Erwerbungen aus dem Kunst- und Antiquitätenhandel in der NS-Zeit mit besonderer Aufmerksamkeit zu untersuchen. Das Technische Museum war beim Ausbau seiner Sammlung von Anfang an auf Leihnahmen und Spenden angewiesen, da kaum finanzielle Mittel vorhanden waren, um Sammlungsobjekte anzukaufen. Deswegen überrascht, dass das Museum in der NS-Zeit bei zwei Auktionen des Dorotheums und einer Auktion des Kunst- und Auktionshauses Kärntnerstraße Objekte erworben hat. Erwerbungen vom Dorotheum Bei vier Auktionen im Zeitraum zwischen November 1938 und Dezember 1941 erwarb des Technische Museum im Dorotheum, Abteilung für Technische Geräte in der Feldgasse, Wien VIII, insgesamt 19 Gegenstände um den Betrag von über 600 RM. 216 Es handelt sich dabei um Präzisionsmessgeräte, einen Kompass und gebrauchte medizinische Untersuchungsgeräte. Bei all diesen Objekten konnte nicht festgestellt werden, wer zum Zeitpunkt der nationalsozialistischen Machtübernahme in Österreich im März 1938 deren Eigentümer waren. Da das Dorotheum in der Zeit des Nationalsozialismus eine bedeutende Rolle in der Verwertung entzogener oder arisierter Vermögenswerte spielte, ist nicht auszuschließen, dass alle oder ein Teil der erworbenen Objekte aus arisiertem Eigentum stammten. 217 102 67 Ankäufe aus dem Dorotheum in der NS-Zeit 103 104 Erwerbungen vom Kunst-Auktionshaus Kärntnerstraße Beim Kunst- und Auktionshaus in der Kärntnerstraße erwarb das Technische Museum insgesamt 21 Eisengussobjekte aus der Zeit des frühen 19. Jahrhunderts. Diese stammen aus zwei unterschiedlichen Sammlungen. Im Katalog der Versteigerung sind unter dem Kürzel des Auftraggebers„F.B.“ 19 Objekte verzeichnet, die das Museum bei Auktionen zwischen dem 7. und 10. März 1944 erwarb. 218 Darunter befanden sich Kerzenleuchter, Briefbeschwerer, Armbänder und Halsketten, Siegelabgüsse und Plaketten. 219 Vom Auftraggeber„R.S.“ 220 stammen hingegen zwei Eisenplaketten mit Bildnissen der Apostel Petrus und Paulus. 221 Die 21 Objekte wurden um den beachtlichen Betrag von 1.653 RM angekauft. Da Auktionshäuser in der Zeit des Nationalsozialismus eine ähnlich wichtige Rolle spielten wie das Dorotheum, erscheint es möglich, dass diese Objekte auf Grund der Verfolgung und Beraubung der bisherigen Eigentümer durch die nationalsozialistischen Machthaber 1944 in den Kunsthandel kamen und vom Museum erworben wurden. Geschenke von NS-Organisationen In den Jahren 1938 bis 1945 gelangten zumindest zwei Gegenstände als Geschenke der NSDAP und deren Gliederungen ins Museum. Auch hier kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese beschlagnahmt worden waren oder ursprünglich aus jüdischem Besitz stammten. Es handelt sich dabei um eine Schreibmaschine„ältester Konstruktion, ein englisches Erzeugnis“(Inv. Nr. 16.091), das die NSDAP Hollabrunn dem Museum im Juli 1942 als Ergebnis einer Altmetallsammlung dieser Ortsgruppe anbot. Vom NSBDT stammt ferner eine Bronzebüste des Montanisten und Erfinders Peter von Rittinger(1811–1872)(Inv. Nr. 16.119). Sie wurde im Dezember 1943 übergeben und ist beim Eingang zum Schaubergwerk im Technischen Museum Wien ausgestellt. 105 68 SCHREIBMASCHINE der NSDAP-Kreisleitung Hollabrunn 69 Peter von Rittinger, BÜSTE aus Bronze 70 Kunsteisengüsse aus einem Erwerb des Kunst-Auktionshauses Kärntnerstraße, 1944 2 Geklärte Fälle 109 Die Orgel von Willibald Duschnitz(1884–1976) Der Industrielle Kommerzialrat Willibald Duschnitz war der Eigentümer der „Ersten Österreichisch-Ungarischen Filzfabrik Adolf Duschnitz“ in Achau (Niederösterreich). Seine Liebe galt aber auch der Bildenden Kunst und der Musik. Er war ein passionierte Sammler flämischer und holländischer Gemälde des 16. und 17. Jahrhunderts, Skulpturen und Möbeln der Renaissance sowie Kunstwerken der Antike. 222 Duschitz ließ die Familienvilla in der Karl-Ludwig-Straße 73(heute Weimarerstraße 87), Wien XIX, in den Jahren 1915/16 von Adolf Loos großzügig umbauen. Die Wohnfläche wurde verdoppelt; die Gemälde und Möbel erhielten nun eine üppige Kulisse. Der 60 m² große Musiksaal war mit einer Gesamthöhe von 4,5 Metern neben dem Speisezimmer und dem Renaissancezimmer der repräsentativste Raum. An die Stirnseite des Musikzimmers ließ Duschnitz, der Hobbyorganist und Komponist war, eine Orgel einbauen. Die Orgel Opus 1873 mit Organola stammte vom Ludwigsburger Unternehmen E.F. Walcker& Co und wurde am 4. Mai 1916 geliefert. Elsie Altmann-Loos, die zweite Ehefrau von Adolf Loos, berichtete über einen Besuch in der Villa Duschnitz um 1916:„Eines der schönsten Häuser, zumindest was die Innenräume betraf, denn es war nur ein Umbau, war das Duschnitz-Haus im Cottageviertel. Es hatte das herrlichste Marmorspeisezimmer, das ich je gesehen habe, und außerdem war auch eine Orgel eingebaut, deren Pfeifen im ganzen Haus verteilt waren... Er selbst war Orgelspieler und wollte immer allein sein. Er lebte in einer Zauberwelt, und jeder Außenstehende brachte Alltag ins Haus, und das wollte er nicht.“ 223 Willibald Duschnitz gelang es nach dem Anschluss, Vermögenswerte und auch Teile der Kunstsammlung mit in die Emigration nach Großbritannien 71 Hochzeit von Eva Duschnitz und Gerald Byrne, Wien 1935 110 72 Willibald Duschnitz am Wörthersee, 1930er Jahre 73 Lied von Willibald Duschnitz, 1904 74 Die WALCKER-ORGEL im Festsaal des TMW 111 mitzunehmen. Nach einer Zwischenstation in Frankreich flüchtete er 1940 vor den Nazis nach Brasilien. Im Jahr darauf beschlagnahmte die Gestapo seine Villa, in der sich noch die Orgel befand. Während der Kriegszeit wurde die Villa von der Deutschen Wehrmacht, nach 1945 von der amerikanischen Besatzungsmacht und der neuen österreichischen Bundesregierung Figl benutzt. 1948 kehrte Duschnitz erstmals wieder nach Wien zurück und bemühte sich um die Rückgabe seines Besitzes. Die Villa wurde ihm 1950 zurückgegeben. Im Sommer 1954 ließ er die Orgel durch Karl Soukup abmontieren und auf dem Fabrikgelände in Achau Riedenhof in Kisten lagern. 1955 verkaufte er sie an die Pfarre Leopoldsdorf für die neuerrichtete Pfarrkirche. 224 1994 erwarb das Technische Museum Wien die Orgel auf Anraten des Bundesdenkmalamts aufgrund einer Expertise von Dr. Karl Schütz, damals Professor für Orgelkunde an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien, und ließ sie nach umfangreichen Instandsetzungsarbeiten durch Orgelbaumeister Wolfgang Bodem in den Festsaal des Museums einbauen. Im Januar 2014 fand die Forscherin Bettina Schöngut, deren Onkel Firmendirektor und später Inhaber der ehemaligen Duschnitz-Firma war, im Zuge ihrer Recherchen zur Geschichte der Familie Duschnitz die Orgel im Technischen Museum Wien wieder. Bis dahin bestand die Vermutung, dass Willibald Duschnitz die Orgel nach Brasilien mitgenommen hätte. Bettina Schöngut gelang es nach intensiven Forschungen ein Gesamtbild der Geschichte des Instruments zu rekonstruieren. 225 In Zusammenarbeit mit der Provenienzforschung im Technischen Museum Wien ist es möglich geworden, die wechselvolle Geschichte dieses einzigartigen Instrumentes zu erforschen und damit auch zu klären, dass der Erwerb durch das Technische Museum Wien im Jahr 1994 unbedenklich war. Das Elektropathologische Museum 226 Das Elektropathologische Museum wurde in den vier Jahrzehnten von 1899 bis 1938 von Stefan Jellinek aufgebaut. Jellinek war bis 1938 als außerordentlicher Professor am Institut für gerichtliche Medizin der Universität Wien tätig. Das Museum umfasste zum Stichtag 12. März 1938 rund „2.000 Objekte(Moulagen, anatomische Präparate, Aquarelle, beschädigte Objekte aus der Elektro-Wirtschaft, Naturalien etc.).“ 227 Aufgrund Jellineks jüdischer Herkunft versetzte die Universität Wien ihn mit Ende Juni 1938 in den Ruhestand. 228 Mehrere Gesuche an das Medizinische Dekanat und 112 75 Familie Stefan Jellinek in Wien, 1927 76 Das Elektropathologische Museum der Wiener Universität, um 1930 113 77 Selbstgefertigter HEIZKÖRPER UND HEIZSTRAHLER aus der Sammlung des EPM auch die Fürsprache seines langjährigen Angestellten und Kustos Franz Maresch, 229 der ab 1936 illegaler Gauleiter der NSBO(Nationalsozialistischen Betriebszellen-Organisation) in Wien war, erwirkten keine Ausnahmegenehmigung für seine Weiterbeschäftigung an der Universität Wien. 230 Jellineks Sammlung, die weltweit einzigartig war, wollte die Universität jedoch behalten. Die Medizinische Fakultät sah in einer„Beschlagnahme“ die einzige Möglichkeit dazu:„Da eine Schenkung von Seiten Prof. Jellinek nicht angängig[!] ist, bleibt also, um das Museum der Fakultät zu erhalten nur die Möglichkeit, dass diese Sammlung von Staatswesen beschlagnahmt wird.“ 231 Am 21. Juni 1939 schätzte Philipp Schneider, der Vorstand des Instituts für gerichtliche Medizin, den Wert der Sammlung auf 250.000 bis 300.000 RM. 232 Am 28. Februar 1939 teilte Jellinek dem Medizinischen Dekanat mit, dass er eine Berufung an die Universität Oxford erhalten habe. 233 Im August 1939 konnte er noch rechtzeitig vor Kriegsausbruch ausreisen, auf seine wertvolle Sammlung musste er allerdings verzichten. Das Elektropathologische Museum war zu diesem Zeitpunkt schon„entschädigungslos in den Besitz der Universität Wien übergegangen.“ 234 In den Jahren von 1939 bis 1945 wurde Franz Maresch, der mittlerweile„Leiter der Hauptabteilung Arbeitsschutz im Amt Soziale Selbstverwaltung der Deutschen Arbeits Front“ geworden war, weiterhin als Kustos des Museums beschäftigt. 235 114 Im Frühjahr 1946 nahm Stefan Jellinek, der seit 1939 am Queens College der Universität Oxford tätig gewesen war, mit der Universität Wien Kontakt auf, um die Zukunft des Elektropathologischen Museums zu klären. Offenbar wurde ihm dieses auf kurzem Wege wieder übertragen, ohne dass er einen Rückstellungsantrag einbringen musste. In seinem Testament, datiert vom 8. September 1947, führt Jellinek aus, dass ihm die Sammlung aufgrund eines„Bescheids des Rektorats der Universität Wien G. Z. 4265/206 von 1945/46 vom 8. Juli 1946“ zurückgestellt worden war. 236 Nach Stefan Jellineks Tod am 2. September 1968 in Edinburgh wurde sein Sohn Ernst Heinrich Jellinek als Universalerbe seines Nachlasses eingesetzt. 237 Am 27. Juli 1980 übereignete dieser das Elektropathologische Museum der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt und dem Österreichischen Verband für Elektrotechnik zu gleichen Teilen.“ 238 Als sich der Verband für Elektrotechnik im Jahr 2002 zurückzog, ging der Hälftebesitz, wie es im Übereinkommen vom 3. April 1989 geregelt worden war, der anderen Vertragspartei – der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt – zu. 239 Diese übergab ihrerseits das Elektropathologische Museum im Mai 2005 dem Technischen Museum Wien als Schenkung. Die Büste von Anton Freiherrn von Banhans Karl Freiherr von Banhans,(1861–1942) amtierte in den Jahren 1916 bis 1918 als Eisenbahnminister. 1931 verfasste er ein Testament und setzte seine Frau Eugenie Banhans als Universalerbin ein. 240 Darin bat er seine Frau, nach seinem Ableben„die Tilgnerbüste meines seligen Vaters[...] dem'Technischen Museum für Eisenbahnwesen', XIII Mariahilferstrasse,[...] zu überlassen.“ 241 Banhans‘ Vater Anton(1825–1902) hatte in den 1870er-Jahren verschiedene Ministerposten bekleidet und ab 1890 als Präsident der Donau-Dampfschifffahrtsgesellschaft fungiert. Nach Karl von Banhans‘ Tod 1942 war seine jüdische Frau Eugenie den Verfolgungen des NS-Regimes ungeschützt ausgesetzt. Am 13. August 1942 wurde sie ins KZ Theresienstadt deportiert. Dort verstarb sie kurz darauf, am 22. August 1942. 242 Eugenie Banhans wurde auf Grund ihrer jüdischen Herkunft im Verlassenschaftsverfahren vor dem Amtsgericht Wien am 21. Dezember 1943 als „nicht erbwürdig“ erklärt. 243 An ihrer Stelle berief das Gericht„die Stämme der vorverstorbenen Verwandten väterlicherseits und mütterlicherseits“ je zur Hälfte als Erben. In einem Schreiben vom 14. September 1942 teilte der Notar Dr. Paul Pauls-Höfken dem Eisenbahnmuseum mit, dass„der am 15. Juli 1942 verstorbene Eisenbahnminister a.D. Exz. Dr. Karl Freiherr von 115 78 Karl Banhans (1861–1942) Banhans“ diesem„die Tilgnerbüste seines seligen Vaters“ vermacht hatte. 243 Das Museum teilte Pauls-Höfken am 19. September 1942 schriftlich mit, dass„das pa. Legat selbstverständlich dankend angenommen wird.“ 244 In einer Sitzung vom 10. Juni 2011 prüfte der Beirat gemäß§ 3 des Bundesgesetzes über die Rückgabe von Kunstgegenständen aus den Österreichischen Bundesmuseen und Sammlungen, ob die Übernahme der Büste durch das damalige Eisenbahnmuseum rechtens war oder einen Entzugsvorgang darstellte. Der Beirat kam zum Schluss,„dass Eugenie Banhans, hätte sie das Erbe nach ihrem Mann antreten können, verpflichtet gewesen wäre, auf Grund des Vermächtnisses ihres Ehemannes Karl Banhans die Büste an das Technische Museum für Eisenbahnwesen herauszugeben. Am Übergang des Eigentums – letztlich – an die Republik Österreich hätte sich dadurch nichts geändert. Der Ausschluss Eugenie Banhans’(und ihrer Erben) vom Erbrecht nach ihrem Ehemann war daher nicht dafür kausal, dass die Büste in das Eigentum der Republik Österreich überging.“ 245 Der Beirat sprach die Empfehlung aus, die Büste nicht zurückzugeben. 116 Resümee und Ausblick der Provenienzforschung am Technischen Museum Wien Nach der Verabschiedung des Kunstrückgabegesetzes 1998 ging man allgemein davon aus, dass die Provenienzforschung in den österreichischen Museen in wenigen Monaten abgeschlossen werden könnte. Heute weiß man aber, dass dies nie richtig der Fall sein wird. Seit 1998 untersucht das Technische Museum Wien systematisch alle seine ab 1933/38 getätigten Erwerbungen auf darunter befindliches NS-Raubgut. Obwohl bisher über 80.000 Objekte überprüft worden sind, ist dieser Prozess noch nicht abgeschlossen. Das Technische Museum Wien besteht seit über 100 Jahren als eigenständige Institution. Im Lauf seiner Geschichte sind immer wieder neue Sammlungen und auch ganze Museen in seine Bestände integriert worden. So wurden 1980 neben dem„Historischen Museum der österreichischen Eisenbahnen“ auch das„Post- und Telegraphenmuseum“ integriert. 1999 folgte noch die Österreichische Mediathek. Seither wurden weitere wichtige Sammlungen aufgenommen, zuletzt das„Elektropathologische Museum“ aus dem Besitz der Allgemeinen Unfall-Versicherungsanstalt(AUVA). Alle diese Museen und Abteilungen waren in der NS-Zeit eigenständige Institutionen, die selbstständig gesammelt haben und deren Erwerbungen auch separat untersucht werden müssen. Die systematische Überprüfung der Österreichischen Mediathek, des Archivs, der Bibliothek und des Inventars des Technischen Museums konnte mittlerweile abgeschlossen werden. Ausständig sind noch die Untersuchung der Bestände des ehemaligen Eisenbahnmuseums sowie der Bibliothek des früheren Post- und Telegraphenmuseums. Darüber hinaus werden im Rahmen einer seit 2002 durchgeführten Generalinventur der Bestände des Museums immer wieder Objekte nachinventarisiert, die zwischen 1933/38 und 1945 ins Technische Museum gekommen sind. Weiterhin gibt es viele Objekte, deren Herkunft einen Entzugshintergrund naheliegend erscheinen lässt, wenngleich die Quellenlage derzeit noch keine exakte Bestimmung zulässt. 117 Die Provenienzforschung selbst hat sich weiterentwickelt: So werden nicht mehr nur die Erwerbungen der Vergangenheit erforscht. Auch bei Neuannahmen von Objekten, die vor 1945 erzeugt worden sind, wird möglichst lückenlos untersucht, ob es sich nicht um NS-Raubgut handelt. Neben den Objekten im Eigentum des Museums rücken zunehmend Leihnahmen in den Fokus der Provenienzforschung: Es erweist sich als notwendig, auch jene Familien von NS-Opfern zu verständigen, die den Museen vor 1938 Leihgaben übergeben haben. Zwar sind diese Objekte de facto noch immer im Besitz dieser Familien, doch ist in vielen Fällen infolge von Vertreibung und Holocaust das Wissen darüber verloren gegangen. Neu in den Fokus der Forschung sind auch arisierte Kraftfahrzeuge gerückt: Im Mai 2013 wurde der Öffentlichkeit erstmals eine OnlineDatenbank zum„NS-KFZ-Raub“ präsentiert. Sie wurde im Zuge eines Forschungsprojekts mit dem Titel„Entzug und Restitution von Kraftfahrzeugen und die sozio-ökonomischen Folgen. Aspekte zur Verkehrsgeschichte Österreichs 1930–1955“ in Kooperation mit der Israelitischen Kultusgemeinde Wien erstellt. Durch Hinweise von Nutzer/-innen sowie durch weitere Recherchen konnte die Datenbank der entzogenen Kraftfahrzeuge weiter aktualisiert und auf andere Regionen des ehemaligen „Deutschen Reiches“ erweitert werden. Sie soll auch in Zukunft systematisch erweitert werden. Eine Hauptaufgabe der Provenienzforschung bleibt aber weiterhin aktuell: Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sollen die auf der ganzen Welt verstreut lebenden Nachkommen der ursprünglichen Eigentümer ausfindig gemacht und bezüglich ihrer Ansprüche verständigt werden. 4 Anmerkungen 119 Ausgrenzung – Beraubung – Vertreibung Ermordung von Juden 1 Vgl. Hans Safrian, Hans Witek: Und keiner war dabei. Dokumente des alltäglichen Antisemitismus in Wien 1938. Wien 2008; Gerhard Botz: Nationalsozialismus in Wien. Machtübernahme, Herrschaftssicherung, Radikalisierung 1938/39. Wien 2008. 2 Dieser Betrag errechnet sich im Jahr 2014 bei einem Umrechnungskurs von RM zu Euro von 1:4,58. Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsmark#Reichsmark_in_.C3.96sterreich(9.7.2015). 3 Österreichische Historikerkommission: Schlussbericht der Historikerkommission der Republik Österreich. Vermögensentzug während der NS-Zeit sowie Rückstellungen und Entschädigungen nach 1945. Wien 2003. 4 Vgl. die Informationen in der NS-Opferdatenbank, www.doew.at(9.7.2015). 5 Gabriele Anderl, Edith Blaschitz, Sabine Loitfellner u.a.:„Arisierung“ von Mobilien. Wien, München 2004(= Veröffentlichungen der Österreichischen Historikerkommission 15). 6 Zu Restitution von Kulturgut aus den österreichischen Museen nach 1998 siehe die Veröffentlichungen der Kommission für Provenienzforschung, (www.provenienzforschung.gv.at/): Gabriele Anderl, Christoph Bazil, Eva Blimlinger u.a.(Hg.):... wesentlich mehr Fälle als angenommen. 10 Jahre Kommission für Provenienzforschung. Wien 2009(= Schriftenreihe der Kommission für Provenienzforschung 1). Das Technische Museum Wien im Dritten Reich 7 Dieses Kapitel basiert auf: Christian Klösch: Das Museum in der NS-Zeit, in: Helmut Lackner, Katharina Jesswein, Gabriele Zuna-Kratky(Hg.): 100 Jahre Technisches Museum Wien. Wien 2009, S. 272-285. 8 TMW-Archiv, Direktionsakten, P.Z. 1529/1939. 9 Ebenda, BPA-009786, Personalakt Kurzel-Runtscheiner, sowie Österreichisches Forschungsinstitut für Technikgeschichte, Allgemeine Korrespondenz, 1938 ff. Seine Stellungnahme zu den Vorwürfen blieb im Juli 1939 erfolglos: Er habe sich zwar im Februar 1934 beim Heimatschutz„im Kampf gegen den Marxismus“ engagiert und das„Regime“ im üblichen Maß unterstützt, sei aber nicht weiter aktiv gewesen. Elisabeth Thorsch hatte er 1912 geheiratet, wurde aber 1928 von ihr geschieden. Nur wegen der drei gemeinsamen Kinder sei er weiter mit ihr in Kontakt geblieben. Vgl. ebenda, Kurzel-Runtscheiner an das Amt des Reichsstatthalters, Abt. I, Wien, 11.7.1939. 120 10 Ebenda, Personalakt Franz Kaminek. Vgl. ÖStA, AdR, Bundesministerium für Handel und Verkehr, Kt. 3770, Zl. 96.867-10/1938. 11 TMW-Archiv, BPA-009662, Generalversammlung des Vereins TMW und BPA-009659, Vereinsleitung. 12 Ebenda, BPA-009647/3, Korrespondenz Verein TMW 1939. 13 Ebenda, BPA-009646/5, Korrespondenz Verein TMW 1939. 14 ÖStA, AdR, Bundesministerium für Unterricht, 15 B1, Kt. 159, Zl. 2687-b/43. 15 Vgl. TMW-Archiv, BPA-009829, Forschungsinstitut, Korrespondenz mit dem Amt für Technik Wien. Zur Technikdiskussion unter Fachleuten vgl. Christian Kehrt: Zum Technikdiskurs im Zweiten Weltkrieg. Der Verein Deutscher Ingenieure 1939–1945, in: Militärgeschichtliche Zeitschrift 61/1(2002), S. 49–71. 16 Siehe dazu Eve Duffy: Im Spannungsfeld von Selbststeuerung und Fremdbestimmung 1925–1944, in: Wilhelm Füßl, Helmuth Trischler(Hg.): Geschichte des Deutschen Museums. Akteure, Artefakte, Ausstellungen. München 2003, S. 131–139; Elisabeth Vaupel, Stefan L. Wolff(Hg.): Das Deutsche Museum im Nationalsozialismus. Eine Bestandsaufnahme. München 2010. 17 TMW-Archiv, Personalakt Stampfl, Schützenhofer an den Reichsstatthalter in Wien, 30.5.1942. 18 Zu Plattner siehe ÖStA, AdR, Gauakt Friedrich Plattner. 19 Zur Biografie Kummerlöwes siehe: Eugeniusz Nowak: Wissenschaftler in turbulenten Zeiten. Erinnerungen an Ornithologen, Naturschützer und andere Naturkundler. Schwerin 2005, S. 88–95. 20 Vgl. dazu ÖStA, AdR, Bundesministerium für Unterricht, 15 B1, Kt. 159, Zl. 6188/-M/1941. 21 Hannelore Burger: Maschinenzeit, Zeitmaschine. Technisches Museum Wien 1918–1988. Wien 1991. S. 57; TMW-Archiv, Direktionsakten, P.Z. 1550/1939. Vgl. auch Hans Kummerlöwe, Zur Neugestaltung der Wiener wissenschaftlichen Staatsmuseen, in: Annalen des Naturhistorischen Museums in Wien(1939), S. 24–39. 22 Ebenda. Zum Deutschen Museum siehe Duffy, Im Spannungsfeld (wie Anm. 16), S. 139. 23 TMW-Archiv, Personalakte Kaspar Szady, Franz Fiedler, Emma Lenz, Hans Lenz. 24 Bernhard Wetzler(1839–1922) stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie aus Böhmen, baute seit den 1860er-Jahren in Wien einen Nahrungsund Genussmittelkonzern auf, war Generalrat und Präsident der AngloÖsterreichischen Bank sowie von 1910 bis 1918 Herrenhausmitglied. Wetzler unterstützte Wilhelm Exner im Verein„Die Technik für die Kriegsinvaliden“ und erwarb 1917 mit Karl von Škoda die Uhrensammlung Marie Ebner-Eschenbachs für die Stadt Wien. 25 Bei„S. M. v. Rothschild“ handelt es sich um das von Salomon Mayer Rothschild(1774–1855) in Wien begründete Bankhaus, das seit 1911 Louis Nathaniel von Rothschild(1882–1955) leitete. Er wurde im März 1938 verhaftet, konnte aber nach neun Monaten emigrieren. 26 TMW-Archiv, Direktionsakten, P.Z. 1076/1941, Technisches Museum an Reichsstatthalter in Wien, 25.11.1941. 121 27 Ebenda, Direktionsakten, P.Z. 1076/1941, Aktenvermerk Reichsstatthalter Wien, 8.12.1941. 28 ÖStA, AdR, Bundesministerium für Unterricht, 15 B1, Kt. 159, Zl. 7115/M/1941; Zl. 639/-M/1942. 29 TMW-Archiv, Direktionsakten, P.Z. 1135/1942, Technisches Museum an Reichsstatthalter Wien, 17.1.1942. 30 Ebenda, Direktionsakten, P.Z. 101, Technisches Museum an Reichsstatthalter Wien, 25.4.1942; vgl. auch Eduard Stürzer: Erinnerungen an meine 45jährige Tätigkeit am Wiener Technischen Museum für Industrie und Gewerbe, in: Blätter für Technikgeschichte 30(1968) S. 89–113, hier S. 98. 31 TMW-Archiv, Direktionsakten, P.Z. 666/1944. 32 Ebenda, BPA 013965/2, Aufzeichnungen von Eduard Stürzer. 33 Stürzer, Erinnerungen(wie Anm. 30), S. 111. 34 Ebenda. Zum Topos des„(Uhren) stehlenden Russen“ vgl. Wolfram Dornik: Besatzungsalltag in Wien. Die Differenzierung von Erlebniswelten: Vergewaltigungen – Plünderungen – Erbsen – Straußwalzer, in: Die Rote Armee in Österreich. Sowjetische Besatzung 1945–1955. Beiträge. Graz, Wien, München 2005 (= Veröffentlichungen des Ludwig-Boltzmann-Instituts für KriegsfolgenForschung Graz – Wien – Klagenfurt 4), S. 449–467, hier S. 466. 35 TMW-Archiv, Personalakt Kurzel-Runtscheiner, Radiovortrag Oktober 1945. 36 Archiv des BDA, Hirschwang Kt. 1, fol. 1–67. 37 TMW-Archiv, BPA-013968/2, Zusammenfassende Feststellung der vom April 1945 bis Ende 1948 erreichten Ziele des Wiederaufbaus(undatiert, wahrscheinlich Viktor Schützenhofer), S. 3. 38 Dornik, Besatzungsalltag(wie Anm. 34), S. 451–454. 39 TMW-Archiv, BPA 011334/5, Personenmappe Nagler, Direktionsakten, P.Z. 951/1947, Summarischer Bericht über die im Jahre 1947 durchgeführten Arbeiten, sowie Summarischer Bericht über die im Jahre 1948 durchgeführten Arbeiten. Vgl. Stürzer, Erinnerungen(wie Anm. 30), S. 112. 40 ÖStA, AdR, Bundesministerium für Unterricht, 15 B1, Kt. 159, Zl. 2040-d/45, Verzeichnis der Beamten und Angestellten. 41 Ebenda, Zl. 2632-II/45. 42 TMW-Archiv, Mappe Personal 1938–45. 43 Ebenda, BPA-011330/3, Personenmappe Schützenhofer, Fragebogen 15.5.1942. 44 Viktor Schützenhofer: Das Technische Museum Wien, in: Mitteilungen aus dem Haus der Deutschen Geschichte. München 1939, S. 291–293, hier S. 293. 45 Viktor Schützenhofer: Das Wiener Technische Museum für Industrie und Gewerbe, in: UNESCO. Monatsschrift für Erziehung, Wissenschaft und Kultur der Österreichischen Liga für Vereinte Nationen. Wien 1948, S. 306-308, hier S. 308. 46 TMW-Archiv, BPA-013970/2, Manuskript der Abschiedsrede für Viktor Schützenhofer von Josef Nagler, 29.1.1950. 47 Ebenda, Personalakt Kurzel-Runtscheiner; ebenda, BPA-011336/1–4. Vgl. den Nachruf in: Blätter für Technikgeschichte 19(1957), S. 109 f. 122 NS-Raubgut im TMW: Angebote von jüdischen Personen 48 TMW-Archiv, Direktion, Ministerium für innere und kulturelle Angelegenheiten, 8.11.1938. 49 TMW-Archiv, Korrespondenz Gruppe 11, P.Z. 1669/1939. 50 TMW-Archiv, Korrespondenz Gruppe 19, 1939, Zl. 2109. 51 Ebenda, Bibliothek, P.Z. 1888/1938, Unterstreichungen im Original. 52 Ebenda. 53 Einige seiner Artikel erschienen als Sonderdrucke: Neuerungen an den Sämaschinen von Rudolf Sack. Wien 1898; Unsere Zoll- und Handelspolitik bezüglich des landwirtschaftlichen Maschinenwesens, in: Mittheilungen der österreichischen Centralstelle zur Wahrung der land- und forstwirtschaftlichen Interessen. Wien 1901; Zur Theorie des Pfluges. Wien 1897. 54 TMW-Archiv, Bibliothek, P.Z. 1888/1938. 55 Ebenda, P.Z. 2120/1938. 56 Manuela Fellner, Barbara Pilz: Provenienzforschung im Technischen Museum. TMW-Archiv, Ordner Provenienz 1938, Zl. 1322/1938. 57 Auskunft des Matrikelamtes der IKG Wien, April 2005. 58 ÖStA, AdR, VVST, VA 27606. 59 Mitglieder-Verzeichnis des Donau-Vereins. Wien 1891; Jahrbuch des österreichischen Ingenieur- und Architektenverein(1912), S. 103. 60 Auskunft des Matrikelamtes der IKG Wien, April 2006. 61 Peter Noever(Hg.): Der Preis der Schönheit. 100 Jahre Wiener Werkstätte. Ausstellungskatalog des MAK Wien zur gleichnamigen Ausstellung, 10.12.2003–7.3.2004. Wien 2003, S. 195. 62 Angaben zu ihrem beruflichen Werdegang stammen von Silvia Herkt, Universität für angewandte Kunst, und aus dem Personalakt von Marianne Zels im Archiv der Universität für angewandte Kunst. 63 Fellner, Pilz, Provenienzforschung im Technischen Museum(wie Anm. 56), Ordner Provenienz 1938, Zl. 1091/1938, Wien 2000. 64 TMW-Archiv, Zl. 2572/1935, Viktor Schützenhofer an Otto H. Zels, 19.10.1935; ferner Zl. 2852/1935. 65 Ebenda. 66 WStLA, Meldeanfrage Marianne Zels. 67 Fellner, Pilz, Provenienzforschung im Technischen Museum(wie Anm. 56), Ordner Provenienz 1938, Zl. 2078/1938. 68 Ebenda, Zl. 2150/1938. 69 Wiener Adressbuch. Lehmanns Wohnungsanzeiger für das Jahr 1937. Band 2. Protokollierte Firmen. Wien 1937, S. 73. 70 ÖStA, AdR, VVST, VA 34590, Max Baczewski. 71 Ebenda, Brief Nathalie Bazcewski an Vermögensverkehrsstelle, undatiert. 72 WStLA, Meldeanfrage Nathalie Bazcewski. 73 Vgl. NS-Opferdatenbank, www.doew.at(11.10.2005). 74 TMW-Archiv, BPA-000893. 123 75 Fellner, Pilz, Provenienzforschung im Technischen Museum(wie Anm. 56), Ordner Provenienz 1938, Zl. 1099/1938. 76 Ebenda, Zl. 2204/1938, Wien 2000. 77 TMW-Archiv, Personenmappe Bernhard Egger, Ernst Egger an Viktor Schützenhofer, 2.11.1938. 78 Vgl. Indexband des Inventars des TMW. In der Rubrik„Anmerkung“ wird auf eine dazugehörige Korrespondenz unter der Zahl 2410/38 hingewiesen, die jedoch nicht mehr vorhanden ist. Im Zuge der Generalinventur des TMW konnte bisher nur die Waage aufgefunden werden. 79 Auskunft des Matrikelamtes der IKG Wien, Jänner 2006. Zu Ernst Egger siehe auch: Österreichische Akademie der Wissenschaften(Hg.): Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950, Band 1. Wien 1957, S. 221 f. 80 Vgl. Peter Melichar: Neuordnung im Bankwesen. Die NS-Maßnahmen und die Problematik der Restitution. Wien 2002(= Veröffentlichungen der Österreichischen Historikerkommission 11), S. 38, bzw. Wiener Adressbuch(wie Anm. 69), S. 72: Österreichische Industriekredit AG. 81 70. Geburtstag des Präsidenten Baurat Ing. Ernst Egger, in: Neue Freie Presse, 18.11.1936. 82 TMW-Archiv, Personenmappe Adolf Egger. 83 Ebenda, Förderverein, BPA-009674, Verein zur Förderung des TM – Mitglieder der Vereinsleitung; BPA-000946/9, Vereinskorrespondenz 1933, Ernst Egger an Verein zur Förderung des TM, 11.1.1933. 84 Ebenda, BPA-000910/8, Mitgliederverzeichnis Verein zur Förderung des TM 1938. 85 Ebenda, Personenmappe Bernhard Egger, Besprechung 19.2.1937. Bernhard (Béla) Egger war ein Pionier der Schwach- und Starkstromelektrotechnik in Österreich-Ungarn. Er gründete u.a. die Firma„Egger und Co. Erste österreichisch-ungarische Fabrik für elektrische Beleuchtung und Kraftübertragung“, die 1910 zur„Österreichischen Brown-Boveri-Werke AG, Wien“ umgewandelt wurde. Das Budapester Zweigwerk wurde als Firma„Tungsram“ selbstständig weitergeführt. Zu Egger siehe auch: Österreichische Akademie der Wissenschaften(Hg.): Österreichisches Biographisches Lexikon,(wie Anm. 79), S. 221 f. 86 TMW-Archiv, Personenmappe Bernhard Egger, Ludwig Erhard an Ernst Egger, 17.3.1938. 87 Ebenda, Aufstellung der Unterlagen und Brief Ludwig Erhard an Ernst Egger, 7.11.1938. Die Übergabe wurde von Ernst Egger mit einer Postkarte, datiert vom 12.11.1938, bestätigt. 88 Vgl. NS-Opferdatenbank, www.doew.at(15.1.2006). 89 Ebenda. 90 ÖStA, AdR, FLD 15144, Ernst Egger: Abschrift der Todeserklärung für Elisabeth Ilka Stahl, 5.3.1947. 91 Fellner, Pilz, Provenienzforschung im Technischen Museum(wie Anm. 56), Ordner Provenienz 1941, Zl. 1026/28b – 1941, Wien 2000. 92 WStLA, Meldeanfrage Fritz Ehrenfest-Egger. 93 Vgl. ÖStA, AdR, VVST, VA 38988, Regina Ehrenfest-Egger. 94 Der Ältenstenrat der IKG Wien forderte am 8. Juli 1944 eine Nachzahlung 124 des Mitgliedbeitrages für 1943/44, da„die Betroffene bisher vom Ältestenrat der Juden in Wien nicht erfasst[worden war]. Der Gefertigte erlangte erst am 28.6.1944 Kenntnis, dass die Betroffene Jüdin sei, bzw. als Jüdin gelte und nach Theresienstadt umgesiedelt werde.“ ÖStA, AdR, 06, Abgeltungsfonds, 7090: Friedrich Ehrenfest-Egger, Dr. Josef Löwenherz an Oberfinanzpräsident Wien, 8.7.1944. 95 WStLA, Meldeanfrage Regina Ehrenfest-Egger. 96 TMW-Archiv, BPA-009774(E), Niederösterreichischer Gewerbeverein an Forschungsinstitut für Geschichte der Technik, 15.9.1931. 97 So z.B. im Juli 1914 zwei Bell-Telephone(Inv. Nr. 10.989/1–2). NS-Raubgut im TMW: Übergaben von Ariseuren, Firmen und Behörden 98 TMW-Archiv, Korrespondenz Gruppe 11, P.Z. 115/1963, Bundesministerium für Handel und Verkehr an das Technische Museum, 15.1.1963. 99 Vgl. Klösch, Das Museum in der NS-Zeit(wie Anm. 7), S. 280–283. 100 TMW-Archiv, P.Z. 1853/1938; Motor 1(1946), S. 17. Das von Franz Seifert entworfene Denkmal im Resselpark wurde 1948 wieder aufgestellt. 101 Erich Kurzel-Runtscheiner: Österreichs Anteil an der Entwicklung des Automobils, in: Zeitschrift des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines 76(1924), Heft 1/2, S. 11–15, und Heft 5/6, S. 45–49. Erich Kurzel-Runtscheiner: Siegfried Marcus. Zur dreißigsten Wiederkehr seines Todestages, in: Zeitschrift des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines 80(1928), Heft 29/30, S. 262–264, und Heft 31/32, S. 285–287, hier: erweiterter Sonderabdruck. Wien o.J., S. 14. Als 2. erweiterte Auflage wurde die Schrift 1956 vom ÖAMTC herausgegeben. 102 ÖStA, AdR, Bundesministerium für Unterricht, 15 B1, Kt. 159, Zl. 2407C/1940. 103 TMW-Archiv, P.Z. 1342/1940; P.Z. 631/1939. 104 Ebenda, P.Z. 1818/1939. 105 Inv. Nr. 15441–15450. Leihgaben von Ing. Victor Tischler. Vgl. TMW-Archiv, Korrespondenz Gruppe 11, 1950: P.Z. 24, 180; 1949: P.Z. 56, 519, 519; 1948: P.Z. 1338, 1387, 1456. 106 TMW-Archiv, Korrespondenz Gruppe 11, P.Z. 1014/1940. 107 Berlin – Rom –Tokio, Heft 3/1940, S. 32–34. 108 ÖStA, AdR, Bundesministerium für Unterricht, 15 B1, Kt. 159, ZL 2407C/1940, Daimler-Benz an Gauleiter Bürckel, 30.5.1940. 109 Ebenda, Daimler-Benz an Gauleiter Bürckel, 12.7.1940. 110 Ebenda, Technisches Museum an Daimler-Benz, 16.9.1940. 111 Ebenda, Zur Information[…], gez.[Dr. Ludwig von] Berg,[Dr. Alfred] Eckmann, 4.10.1940. 112 Inv.-Nr. 16.756. 125 113 TMW-Archiv, Korrespondenz Gruppe 11, P.Z. 1204/1940. 114 Vgl. den Museumsführer: Technisches Museum für Industrie und Gewerbe. 2. erweiterte Auflage. Wien 1959, S. 172. 115 TMW-Archiv, Direktion, BPA-013966/2. 116 Der Wagen wird seit 1961 auf 1888/89 datiert. Vgl. Gustav Goldbeck: Siegfried Marcus. Ein Erfinderleben. Düsseldorf 1961(= Beiträge zur Technikgeschichte); Hans Seper: Damals als die Pferde scheuten. Die Geschichte der österreichischen Kraftfahrt. Wien 1968, S. 289–317; Hans Seper: Neue Ergebnisse der Marcus-Forschung. Masch. Manuskript mit Fotos in der Bibliothek des Technischen Museums Wien, April 1967, und Hans Seper: Siegfried Marcus und seine Verbrennungsmotoren, in: Blätter für Technikgeschichte 35(1973), S. 61–113. Neuerdings Ursula Bürbaumer: Das erste Auto der Welt? Männer und Motoren in Österreich im 19. Jahrhundert. Wien 1998; Helmuth Grössing(Hg.): Autos – Fahrer – Konstrukteure. Automobilismus im Aufbruch. Wien 2000; Horst Hardenberg: Siegfried Marcus. Mythos und Wirklichkeit. Bielefeld 2000 (= Wissenschaftliche Schriftenreihe des DaimlerChrysler Konzernarchivs 3). Im Gegensatz dazu datiert Alfred Buberl mit Unterstützung der SiegfriedMarcus-Forschungsgesellschaft und des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereins den Wagen weiterhin in die 1870er-Jahre. Vgl. Alfred Buberl: Die Automobile des Siegfried Marcus. Bad Sauerbrunn 1994, und Alfred Buberl: Siegfried Marcus. Der Erfinder des Automobils. Stockerau 1999. 117 TMW-Archiv, Korrespondenz Direktion P.Z. 310/1961. 118 Siehe Fellner, Pilz, Provenienzforschung im Technischen Museum(wie Anm. 56), Ordner Provenienz 1941-45, Zl. 41/1942. 119 Gerhard Renner: Die Nachlässe in den Bibliotheken und Museen der Republik Österreich. Ausgenommen die Österreichische Nationalbibliothek und das österreichische Theatermuseum. Band 1. Wien 1993, S. 177. 120 Die folgenden Daten wurden zusammengestellt aus den von Christian Mertens der Wiener Stadt und Landesbibliothek zu Verfügung gestellten Unterlagen sowie aus den biografischen Angaben in einem 15-seitigen„Expose“ von Hugo Theodor Horwitz aus dem TMW-Archiv. Zu Horwitz siehe auch: Thomas Brandstetter, Ulrich Troitzsch(Hg.): Hugo Theodor Horwitz. Das Relais-Prinzip. Schriften zur Technikgeschichte. Wien 2008. 121 Vgl. NS-Opferdatenbank, www.doew.at(22.7.2015). 122 Dieser Fall wurde von Oliver Kühschelm recherchiert und bearbeitet. 123 Vgl. Anderl, Blaschitz, Loitfellner, Arisierung(wie Anm. 5), S. 123. 124 Archiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Phonogrammarchiv 1/5, Akt 145/1942: Schreiben Akademie an Vugesta, 15.5.1942. 125 Ebenda. 126 Archiv der TMW-Mediathek: Schreiben des Phonogrammarchivs an die Österreichische Phonothek, 1.4.1993. 127 ÖStA, AdR, Hilfsfonds 9644, 11002, 16051, Paul Herzfeld. 128 Siehe Inventarbuch des TMW sowie TMW-Archiv, Korrespondenz Gruppe 26: P.Z. 1777/36 und P.Z. 1779/36. 129 TMW-Inventarverwaltung, Anmeldeschein, Lieferschein der Europa- 126 Musikinstrumenten-Gesellschaft, Theodor Sternberg, 1.7.1936. 130 Ebenda, Briefformular, undatiert. 131 TMW-Inventarverwaltung, Anmeldeschein, Lieferschein der EuropaMusikinstrumenten-Gesellschaft, Theodor Sternberg, 1.7.1936. 132 Vgl. Eintragung im Wiener Adressbuch. Lehmanns Wohnungsanzeiger für das Jahr 1941. Band 2, Wien 1941, S. 600. 133 WStLA, VEAV, 6. Bez., C200, Sternberg Theodor, Erkenntnis 50RK 416/59– 32, 14.6.1951. 134 Dieser Bestand wurde von Oliver Kühschelm erfasst und bearbeitet. 135 Die Münzwaage wurde unter der Inventarnummer C3183 verzeichnet. Vgl. TMW-Archiv, Postarchiv, Ordner: 1938-45: Angebote Erwerbungen I, Armeefeldpostmeister beim Oberkommando Grenzabschnitt Süd an das RPMW, 16.10.1938. 136 Es handelt sich um folgende Bücher: TMW-Postbibliothek, 1 Verzeichnis der Scheckteilnehmer 1921(P333); 1 Verzeichnis der Scheckteilnehmer 1936(P 332); 1 kleiner Posttarif 1934(P341); 1 Behördenverzeichnis(704); 1 Bahnpostkatierungsübersicht 1938/39(P703/1); 1 Bahnpostkatierungsübersicht 1939/40 (P703/2); 1 Postordnung(P408); 3 Bücher(Behelfe oder Vorschriften) 1934, 1936, 1937(P334/1-3); 2 Amtsblätter 1922, 1938(P254/1; P254/2). 137 Die Kokarden wurden unter der Nummer C3184 verzeichnet. TMW-Archiv, Postarchiv, Ordner: 1938–45: Angebote Erwerbungen I, Armeefeldpostmeister „K“ Arolsen an RPMW, 14.12.1939. 138 Ebenda, Postarchiv, Ordner: 1938–45: Angebote Erwerbungen I, Postamt Břeclav/Lundenburg an RPMW, 20.10.1938. 139 Ebenda, Angebote Erwerbungen II, Verkehrsministerium Prag an GD der Post, 3.3.1942. 140 Ebenda, Reichspostmuseum Berlin an RPMW, 10.1.1942. Es handelt sich dabei um die Inv. Nrn. 1624, 1625, L 80/IV, 1040/I, 1626, 1627, 1628, 1629, 1630. 141 TMW-Archiv, Postarchiv, Ordner: 1938–45: Angebote Erwerbungen II, Postamt 1 Zwittau an RPMW Wien, 6.5.1942. 142 Ebenda, Erwerbungen IV, Sammlungen aus dem Postmuseum, Präsident der RPD Graz an Direktor Riedel, 2.8.1941; Ebenda, RPD Graz an RPMW, 8.8.1941, Ebenda, RPMW an RPD Graz, 7.8.1941. 143 Dieser Fall wurde von Oliver Kühschelm bearbeitet. 144 Diese Angaben stammen aus dem Dossier von Oliver Kühschelm. 145 Der Brief in russischer Sprache wurde von Oliver Kühschelm übersetzt. Absender:„Gerner, Stadt Kamenez Podolski, polnisches Folwarki, Woroschilow-Straße 32.” Beschlagnahmte und arisierte Kraftfahrzeuge 146 Dieses ForMuse-Projekt(www.formuse.at) führte das Museum in Zusammenarbeit mit der Israelitischen Kultusgemeinde Wien und dem 127 Deutschen Museum in München in den Jahren 2009-2011 durch. Siehe: http://historische-kfz-verzeichnisse.technischesmuseum.at/. 147 TMW-Inventarverwaltung, Anlage zu Inv. Nr. 16.388, Beauftragter des Reichskassenverwalters der SA für die SA in Österreich an Staatliche Gartenverwaltung Schönbrunn, 4.9.1939. 148 Verzeichnis der Autonummern der Polizeidirektion Wien. Wien 1937. 149 ÖstA, AdR, VVST, VA 46322, Rosa Glückselig. 150 Ebenda. 151 ÖstA, AdR, VVST, VA 46380, Moritz Glückselig. 152 Dorotheum, Abteilung für technische Geräte, Kraftwagenversteigerung, Wien X, Lilienthalgasse, Gelände des Arsenals, Mittwoch, 10.8.1938. 153 Listen der versteigerten Kraftfahrzeuge sind mit einigen Lücken in der Österreichischen Nationalbibliothek(Sign. Neu-Per 601547-C) erhalten geblieben. 154 TMW-Inventarverwaltung, Anlage Inv. Nr. 58873, Franz Steinbacher: Zustands- und Wertgutachten Nr. 102/03-I Austro Daimler Typ ADR 11/70 HP – Innenlenker Cabriolet, Wien, 6.1.2003. 155 Biografische Details zu H. Goldhann siehe www.avca.at/der_club/ henry_goldhann(28.09.2011). 156 Österreichischer Motor Veteranen Verband, FIVA Identity Card 18981, Erhebungsformular, 23.6.2002. 157 Telefonische Mitteilung von Gunter Heger, 22.3.2010. G. Heger begleitete nach eigenen Angaben damals Herrn Goldhann bei diesem Kauf. Teile des Autos befanden sich unter freien Himmel in einem Obstgarten, andere Teile waren in einer Scheune untergestellt. 158 Martin Pfundner: Austro Daimler und Steyr. Rivalen bis zur Fusion. Die frühen Jahre des Ferdinand Porsche. Wien 2007, S. 224. Siehe auch: Peter Zumpf, Gerhard Geissl, Gerhard Weinzettl: Austro Daimler. Wiener Neustadt. Wiener Neustadt 2003, und Franz Pinczolits: Austro Daimler. Paul Daimler und Ferdinand Porsche – Pioniere des Automobils. Wiener Neustadt 1986. 159 Für die Unterstützung bei der Identifizierung der jüdischen EigentümerInnen sowie für die Möglichkeit das Archiv des Österreichischen Nationalfonds zu benützen bedanke ich mich bei Hannah Lessing und den MitarbeiterInnen des Nationalfonds, insbesondere bei Iris Petrinja, Albena Zlatanova und Wolfgang Gasser. 160 ÖStA, AdR, VVST, VA 38778, Jacob Turnauer. 161 TMW-Inventarverwaltung, Anlage zu Inv. Nr. 18.712, Übergabebescheinigung 17.3.1973. 162 Dieses Kapitel beruht auf: Christian Klösch: The great auto theft: confiscation and restitution of motorised vehicles in Austria during and after the Nazi period, in: The Journal of Transport History 34/2(2013), S. 117–140, und Christian Klösch: Die Provenienzforschung zu arisierten Kraftfahrzeugen am Beispiel des Kraftfahrzeugbestandes am Technischen Museum Wien, in: Anderl, Bazil, Blimlinger u.a.(Hg.):... wesentlich mehr Fälle als angenommen(wie Anm. 6), S. 442–452. 128 163 ÖStA, AdR, VVST, VA 44407, Heinrich Hübner, und ebenda, VA 31192, Selma Baum. 164 Siehe dazu z.B. Botz, Nationalsozialismus in Wien(wie Anm. 1); Safrian, Witek, Und keiner war dabei(wie Anm. 1); Anderl, Blaschitz, Loitfellner, Arisierung(wie Anm. 5). 165 Herbert Rosenkranz: Verfolgung und Selbstbehauptung der Juden in Österreich 1938–1945. Wien 1978, S. 28. 166 ÖStA, AdR, Historikerkommission, Berlin, Kt. 1(8. Tranche), Landesarchiv Berlin, B Rep. 039-01 Nr. 333, Abschrift, eidesstattliche Versicherung, Anton Brödl, ehemaliger Beamter der Gestapo Wien, 23.10.1939. 167 RGBl 1938, Teil I, S. 262. 168 DÖW 20721/62, Abschrift der Verfügung Beschlagnahme Steyr 30, A 15787, 30.4.1938. 169 Siehe dazu: Hans Safrian: Beschleunigung der Beraubung und Vertreibung. Zur Bedeutung des„Wiener Modells“ für die antijüdische Politik des„Dritten Reiches“ im Jahr 1938, in: Constantin Goschler, Jürgen Lillteicher(Hg.):„Arisierung“ und Restitution. Die Rückerstattung jüdischen Eigentums in Deutschland und Österreich nach 1945 und 1989. Göttingen 2002, S. 61–89, hier S.74–76 und ÖStA, AdR, Historikerkommission, Berlin, Kt. 1(8. Tranche), Landesarchiv Berlin, B Rep. 039-01 Nr. 333, Bundesarchiv an das Landgericht Berlin, 1.12.1961. 170 Zur Beschlagnahme von Kraftfahrzeugen im Deutschen Reich siehe: Dorothee Hochstetter: Motorisierung und„Volksgemeinschaft“. Das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps(NSKK) 1931–1945. München 2005(= Studien zur Zeitgeschichte 68). 171 ÖStA, AdR, Bundeskanzleramt-Präsidium, Rst. I 2366/39, Minister für Wirtschaft und Arbeit an Reichsverkehrsministerium Berlin, 31.1.1939. 172 Joseph Walk(Hg.): Das Sonderrecht für Juden im NS-Staat. Eine Sammlung der gesetzlichen Maßnahmen und Richtlinien – Inhalt und Bedeutung, Karlsruhe 1981. 173 ÖStA, AdR, VVST, VA 15358, Gertrude Blitz. 174 ÖStA, AdR, Bundeskanzleramt-Präsidium, RSt I-3457/39, Zl. 3836-Pr./1938, 3.5.1938, und ebenda, Bürckel Materie, Kt. 65, Ordner 2035, Beschlagnahmte Fahrzeuge, Meldung beschlagnahmter Kraftfahrzeuge, 4.5.1938. Die SS ging im August 1938 davon aus, dass 40 Prozent der Fahrzeuge durch die Gestapo und 60 Prozent durch die NSDAP und ihre Gliederungen beschlagnahmt wurden. BA Berlin, NS19/1141, Vermerk, 24.8.1938. 175 Ebenda, Historikerkommission, Berlin, Kt. 1(8. Tranche), Landesarchiv Berlin, B Rep. 039-01 Nr. 333, Verzeichnis der in Österreich eingezogenen Vermögenswerte, Staatspolizeileitstelle Wien, undatiert. 176 Mit 15. März 1939 wurde dieser Erlass aufgehoben, die Gestapo musste nun alle beschlagnahmten Gegenstände an die staatlichen Stellen abgeben. Ebenda, BMfF, Abwicklungsstelle, Kt. 2, Reichsführer SS an Staatspolizeileitstelle Wien, 15.3.1939. 177 Ebenda, BKA-Präsidium, RSt I-3457/39, Zl. 137.276-16, Ministerium für Wirtschaft und Arbeit an Reichstatthalter, 8.11.1938; BA Berlin, R 3102/4346, 129 Rechnungsbericht der Betriebsführung des Dorotheums über das Geschäftsjahr 1938, S. 36. 178 WStLA, VEAV, 1. Bez. Zl. 1077 N, Josef Katlein. 179 ÖStA, AdR, VVST, VA 12303, Markus Schläffer; ebenda, VA 38778, Jakob Thurnauer; ebenda, VA 45690, Carl Moldauer. 180 Ebenda, NS-Vermittlungsstelle, Kt. 2, Ordner 26, NS-Vermittlungsstelle an Gau Oberdonau, 10.9.1938. 181 Ebenda, Bürckel Materie, Kt. 8, Ordner 1270, Fahrzeugwesen, 1.4.1938. 182 Ebenda, BKA-Inneres, Kt. 36, Zl. II4-214918/38; Kt. 37, Zl. J-12613/1940, 5.6.40; Kt. 37 Zl. II-4-124496/39. 183 Ebenda, BKA-Präsidium, Zl. 9275/38, 21.10.1938; BKA-Inneres, Kt. 36, Zl. 187724/5 – 1938, 20.6.1938. 184 Siehe dazu Listen in: Ebenda, NS-Vermittlungsstelle, Kt. 2, Ordner 26, Reichstatthalter an NS-Vermittlungsstelle, 29.7.1938. 185 Ebenda, NS-Vermittlungsstelle, Kt. 16, Ordner 88, und ebenda, NS-Vermittlungsstelle, Kt. 5, Ordner 58. 186 Ebenda, Bürckel Materie, Kt. 65, Ordner 2035, Beschlagnahmte Fahrzeuge, NSDAP Finanz- und Parteiverwaltung an Reichstatthalter, 18.8.1938. 187 Ebenda, NS-Vermittlungsstelle, Kt. 2, Ordner 26, Rundschreiben, 22.6.1938. 188 Ebenda, Gauakten, Anton Pressinger, Wiener Fuhrwerkerzunft an Amt des Reichstatthalters, 16.8.1938. 189 Ebenda, Bundesministerium für Handel und Verkehr, Kt. 214, Zl. 155913R/38, Amt des Reichstatthalters Zl. 42.247-Prot. 1/38, Abschrift zu RK 13457B, 7.7.1938. 190 Ebenda, Historikerkommission, Berlin, Kt. 1(8. Tranche), Landesarchiv Berlin, B Rep. 039-01 Nr. 333, Verzeichnis der in Österreich eingezogenen Vermögenswerte, Staatspolizeileitstelle Wien, undatiert. 191 BA Berlin, NS 19/1141, Aktenvermerk, 24.8.1938. 192 ÖStA, AdR, BMfF, Abwicklungsstelle, Kt. 1, Zl. 1801/16/39, Minister für Finanzen an Gauleiter Bürckel, 17.1.1939. 193 Ebenda, Zl. 400.999-I/2/38, Runderlass, 16.2.1939. 194 Ebenda, Bundeskanzleramt-Präsidium, RSt I-3457/39, RSt I-3997/39, Verzeichnis, 21.3.1939. 195 RGBl 1939, Teil I, S. 1645; siehe auch ÖStA, AdR, Bundesministerium für Handel und Wiederaufbau, Kt. 212, Zl. 121510-VI/31/46, und BH Operpullendorf, Anmeldung entzogenen Vermögens: Franz Fertsak, 13.11.1948. 196 Vgl. dazu OÖLA, BH Ried, Kt. 272, Abt 2/16/584, Schriftwechsel Wehrersatz-Inspektion Oberösterreich mit der BH Ried. 197 VLA, Amt der Vorarlberger Landesregierung II, Schachtel 833, AZ 23/2, 2. Gebirgsdivision an Landeshauptmannschaft Vorarlberg, 4.7.1938. 198 BA Berlin, R 1501/2936, Deutsche Automobil Treuhand an Oberkommando der Wehrmacht, 12.10.1944. 199 NÖLA, BH Hollabrunn, Kt. 340, RA K. Landau an BH Hollabrunn, 13.11.1948. 200 Ebenda, Korrespondenz Gruppe X 1948, I. Teil, Ordner Zl. 1-200, BH Zwettl an BH Korneuburg, 24.2.1948. 130 201 WStLA, VEAV, 1. Bez., C430, Rückstellungserkenntnis, 63 RK 1123/49-10, 14.4.1950, und ÖStA, AdR, BM VS, Abt. 3, Karteikarte Steyr 100, C2803. 202 Siehe ÖStA, AdR, VVST, VA 25537 und WStLA, VEAV, 13. Bezirk, C30, Rückstellungserkenntnis, 63RK 865/48-14, 23.5.1949. 203 WStLA, VEAV, 10. Bezirk, 30, Rückstellungserkenntnis, 63RK 411/48-10, 26.11.1949. Verdachtsfälle auf NS-Raubgut im TMW 204 TMW-Archiv, Inventarverwaltung, Meldung, 12.7.1947. 205 Ebenda, Grundblatt. 206 ÖStA, AdR, VVST, VA 9382, Emerich Spielmann, Bemerkungen, 8.7.1938. 207 ÖStA, AdR, FLD für Wien, Niederösterreich und Burgenland, 17342, Mappe 7, Vugesta an Gestapo Wien, 31.12.1942 und ÖStA, AdR, VVST, Abwicklungsstelle der VVST, Vugesta-Kartei und 9 Bände Vugesta-Geschäftsbücher, Eintrag 3278, Emerich Spielmann, Tuchlauben 3, Wien I. 208 Fellner, Pilz, Provenienzforschung im Technischen Museum(wie Anm. 56), Ordner Provenienz 1939, P.Z. 2268/39, Meldung, 23.11.1939, Wien 2000. 209 TMW-Archiv, P.Z. 135/48, Direktion des TM Wien an Fa. Brüder Teich, 11.2.1948. 210 ÖStA, AdR, VVST, Akt Gewerbe 427: Wilhelm Gergely, Kaufvertrag, 11.5.1938. 211 WStLA, VEAV, MA 7, 412: Wilhelm Gergely, Vergleichsausfertigung 50 RK 673/48-14, 13.5.1949. 212 Fellner, Pilz, Provenienzforschung im Technischen Museum(wie Anm. 56), Ordner Provenienz 1938, P.Z. 448/1944, Wien 2000. 213 ÖStA, AdR, VVST, Arisierungsakt Erwin Winter, St 7945, Gedächtnisprotokoll, 11.6.1938. 214 Vgl. auch: ÖStA, AdR, VVST, VA 39212, Elise Winter. 215 WStLA, VEAV, Otto Götz, 911, Vergleichsausfertigung 52RK 65/47-55. 216 Es handelt sich um folgende Objekte: Normameter, Inv. Nr. 15.461, Ankauf: 12.11.1938, 44,70 RM; Erdschluss-Asymeter, Inv. Nr. 15.488, Ankauf: 17.2.1939, 44,70 RM; Präzisions-Messgerät, Inv. Nr. 15.963/ 1-5, Ankauf: 21.2.1940, 110 RM; Präzisions-Messgerät, Inv. Nr. 15.964/ 1-2, Ankauf: 21.2.1940, 110 RM; PräzisionsMessgerät, Inv. Nr. 15.965/ 1-7, Ankauf: 21.2.1940, 99 RM; Präzisions-Messgerät, Inv. Nr. 15.966/1-2, Ankauf: 21.2.1940, 98 RM; Diathermieapparat, Inv. Nr. 16.066, Ankauf: 22.11.1941, keine Preisangabe; Präzisions-Drehspul-Messgerät, Inv. Nr. 15.496, Ankauf: 2.3.1939, 54,70 RM; Schiffkompass, Inv. Nr. 15.968, Ankauf: 21.2.1940, keine Preisangabe; Bestandteile eines Diathermieapparates, Inv. Nr. 16.071/ 1-9, Ankauf: 8.12.1941, 40,30 RM. 217 Vgl. Stefan A. Lütgenau, Alexander Schröck, Sonja Niederacher: Zwischen Staat und Wirtschaft. Das Dorotheum im Nationalsozialismus. Wien 2006. 218 Kunstauktionshaus„Kärntnerstraße“ Ferdinand Nagler. Kunstauktion vom 7. bis 10. März 1944, Katalog, S. 5, 35–37. Für Auffindung und Überlassung des 131 Katalogs danke ich Leonhard Weidinger Provenienzforscher des Museums für angewandte Kunst(MAK). 219 Kerzenleuchter, Katalognummer 690, Inv. Nr. 16.122, 149,50 RM; Gerahmte Plakette mit Christus, Katalognummer 708, Inv. Nr. 16.123, 103 RM; Zwei Devotionalien, Hände, Katalognummer 725, Inv. Nr. 16.125 /1-2, 57 RM; Runde Plakette, weibliches Antlitz, Katalognummer 728, Inv. Nr. 16.126, 57 RM; Vier Siegelabgüsse, Katalognummer 731, Inv. Nr. 16.127/ 1-4, 115 RM; Armband, Katalognummer 736, Inv. Nr. 16.128, 149,50 RM; Armband und Halskette, Katalognummer 737, Inv. Nr. 16.129/ 1-2, 199,50 RM; Ovale Plakette, bemalter Offizierskopf, vermutlich Katalognummer 704, Inv. Nr. 16.131, 80 RM; Gerahmte Plakette, Herrenbildnis, vermutlich Katalognummer 707, Inv. Nr. 16.135, 100 RM; Schmuckständer mit Korb, Firma Glanz, Wien, vermutlich Katalognummer 707, Inv. Nr. 16.136, 40 RM; Devotionalie, Fuß, Katalognummer 724, Inv. Nr. 16.124, 34,50 RM; Runder Schild mit Gestalt aus der griechischen Mythologie, vermutlich Katalog Nr. 684, Inv. Nr. 16.132, 300 RM; Statuette, Inv. Nr. 16.133, 50 RM; Durchbrochener Teller, Firma Glanz, Wien, vermutlich Katalognummer 698 oder 699, Inv. Nr. 16.134, 80 RM. 220 Kunstauktionshaus„Kärntnerstraße“ Ferdinand Nagler. Kunstauktion vom 7. bis 10. März 1944, Katalog, S. 4, 37. 221 Zwei Eisenplaketten: Paulus und Petrus, Katalognummer 744, Inv. Nr. 16.130/1-2, 138 RM. Geklärte Fälle 222 Harold H. Chipman, Leonhard Weidinger: Ein Enthusiast für Industrie und Kunst – Willibald Duschnitz, in: Eva Blimlinger, Heinz Schödl(Hg.) Die Praxis des Sammelns. Personen und Institutionen im Fokus der Provenienzforschung. Wien 2014(= Schriftenreihe der Kommission für Provenienzforschung 5), S. 71–98. 223 Elsie Altmann-Loos: Mein Leben mit Adolf Loos. Wien 1984, S. 82 f. 224 Diözesanarchiv Wien, Bestand Bauamt, Kt. 130, Faszikel 2, Bauakten Leopoldsdorf bei Wien 1945-1972. Für den Hinweis danke ich Johann Weißensteiner vom Diözesanarchiv. 225 Bettina Schöngut: Einmaliges Schicksal einer Orgel. Unveröffentlichtes Aktendossier. Wien 2014. Wir danken Harold Chipman für Fotos und Informationen zum Leben seiner Mutter Eva(geb. Duschnitz) und seines Grossvaters Willibald Duschnitz. 226 Vgl. dazu: Christian Klösch: Der Entzug des Museums, in: Technisches Museum Wien, Naturhistorisches Museum Wien(Hg.): Achtung Strom. Stefan Jellinek und das Elektropathologische Museum. Wien 2013, S. 40–48. 227 ÖStA, AdR, VVST, VA 34521, Stefan Jellinek. 228 UAW, 1013/1937/38, Ministerium für innere und kulturelle Angelegenheiten an Stefan Jellinek, 27.6.1938, und NS-Dozentenbund an Medizinisches Dekanat, 4.7.1938. 229 Zur Tätigkeit von Franz Maresch in den Jahren 1933–1945 siehe: ÖStA, AdR, 132 Gauakt: Franz Maresch; Hannes E. Schopper: Presse im Kampf. Geschichte der Presse während der Kampfjahre der NSDAP 1933–1938 in Österreich. Brünn 1940, S. 120, Helmut Lackner: Stefan Jellinek, Franz Maresch und die elektropathologische Sammlung, in: Technisches Museum Wien, Naturhistorisches Museum Wien(Hg.), Achtung Strom(wie Anm. 226), S. 8–40. 230 UAW, 1013/1937/38. 231 Ebenda, 1781/1937/1938, Medizinisches Dekanat an Ministerium für innere und kulturelle Angelegenheiten, Abteilung IV, Erziehung, Kultus und Volksbildung, 20.12.1938. 232 Ebenda, 1781/1937/1938, Prof. Dr. Philipp Schneider an Medizinisches Dekanat, 21.6.1939. Da der Sachwert der Gegenstände gering war, nahm Schneider Jellineks 30-jährige Arbeitszeit, die 14-jährige Tätigkeit seines Mitarbeiters Franz Maresch, die Einrichtungskosten sowie den Sachwert des Inventars, der Präparate und Ausstellungsobjekte als Grundlage für seine Schätzung. 233 UAW, 1013/1937/1938, Stefan Jellinek an Medizinisches Dekanat, 28.2.1939. 234 Ebenda, 217/1941, Schneider an den Kurator der wissenschaftlichen Hochschulen in Wien, 20.1.1941. 235 Ebenda, 217/1941, Schneider an den Kurator der wissenschaftlichen Hochschulen in Wien, 20.1.1941. Zum Lebenslauf von Franz Maresch siehe: Ebenda, 79/1963/1964, Beruflicher Lebenslauf, August 1963. 236 Bezirksgericht Innere Stadt, Verlassenschaftsakt Prof. Stefan Jellinek, Testament 8.9.1947. 237 Ebenda. 238 TMW-Archiv, Sammlung EPM, Übereignungserklärung, 27.7.1980. 239 Ebenda, Übereinkommen, 3.4.1989. 240 „Mein letzter Wille ist eigentlich meine letzte Bitte an meine Gattin Eugenie, geb. Leon von Wernburg, die ich hiermit zu meiner Universalerbin einsetze.“ WStLA, 2.3.1.1(I). A4/17-17a, Verlassenschaftsakt Karl Banhans, Mein letzter Wille, Weihnachten 1931. 241 Ebenda. Das„Historische Museum der österreichischen Eisenbahnen“ war zwar ebenfalls im Gebäude des Technischen Museums Wien beheimatet, aber bis zu der Fusionierung 1980 eine unabhängige Institution. 242 Vgl. NS-Opferdatenbank, www.doew.at(15.6.2010). 243 WStLA, 2.3.1.1(I). A4/17-17a, Verlassenschaftsakt Karl Banhans,[vgl. Anm. 240], Niederschrift der Verlassenschaftsabhandlung, 21.12.1943. 244 TMW-Archiv, Eisenbahnarchiv, Kt. Alte Korrespondenz, Paul Pauls-Höfken an Technisches Museum für Industrie und Gewerbe, 14.9.1942. 245 Ebenda, handschriftlicher Vermerk auf Brief des Technischen Museums an Historisches Museum der österreichischen Eisenbahnen, 15.9.1942. 246 Siehe: Beschluss des Beirats für Provenienzforschung, 6.10.2011, www.provenienzforschung.gv.at/wp-content/uploads/2014/04/Banhans_ Karl_2011-06-10.pdf(31.8.2015). Abbildungen 133 Ausgrenzung – Beraubung – Vertreibung Ermordung von Juden Abb. 1 NS-Plakat in Wien, April 1932 ÖNB, Bildarchiv 161.513 – B Abb. 2 Auf der Mariahilfer Strasse jubeln Wiener Hitler zu, März 1938 TMW-Archiv, FE-GA-1938-0576-1 Abb. 3 Hitlerjugend beschmiert jüdische Geschäfte in Wien, März 1938 ÖNB, Bildarchiv Hilscher, H4848 Abb. 4 Vor der Flucht versuchen Juden, ihren Hausrat zu verkaufen Anzeigenseite, Neues Wiener Tagblatt, 7.8.1938 Abb. 5 Wiener Juden stellen sich beim Polizeikommissariat Margarethen um Pässe an, Mai 1938 ÖNB, Bildarchiv Hilscher, H 5175/2 Abb. 6 Jüdische Kinder nach ihrer Flucht aus Wien bei der Ankunft am Liverpool Street Bahnhof in London, 13. 7. 1939 ÖNB, Bildarchiv, S 52/10 Abb. 7 Ab 1941 mussten Juden verpflichtend den Judenstern tragen, Wien um 1941 ÖNB, Bildarchiv Hilscher, H 7067/36 Abb. 8 Beschlagnahmeaktion von Wohnungsinventar durch den„Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg“, Paris Juli 1943 BA Koblenz, B323 Abb.-311-009 Abb. 9 Beschlagnahmte Elektrogeräte und Radios in einem Lager in Paris, Juli 1943 BA Koblenz, B323 Abb.-311-069 134 Das Technische Museum Wien im Dritten Reich Abb. 10 Walter Herlinger(Israel Hadar) vor dem Technischen Museum, Sommer 1939 Privatbesitz Israel Hadar, Tel Aviv Abb. 11 Viktor Schützenhofer, Direktor des Technischen Museums von 1930–1949 TMW-Archiv, BPA-011409 Abb. 12 Karteikarten von ausgeschlossenen jüdischen Mitgliedern des„Vereins Technisches Museum“, 1938 TMW-Archiv, BPA-009710-17 Abb. 13 Das Technische Museum in den 1930er-Jahren TMW-Archiv, BPA-014954 Abb. 14 Die Ehrentafel vor dem Festsaal TMW-Archiv Abb. 15 Ein Aquarell von Hitler wurde bis 1945 im Eisenbahnmuseum ausgestellt und ist seitdem verschollen TMW-Eisenbahnmuseum, Inv. Nr. 2111 NS-Raubgut: Angebote von jüdischen Personen Abb. 16 Sammlung von Abbildungen landwirtschaftlicher Geräte aus dem Nachlass Siegfried Gerstl TMW-Archiv, NL Gerstl u. SW Neg 1513 Abb. 17 Münzwaage aus dem Besitz von Theodor Wolf Inv. Nr. 15.395 Abb. 18 Zählstempel als Leihgabe von Theodor Wolf Inv. Nr. 15.397 Abb. 19 Zwei Alkoholmeter von Theodor Wolf Inv. Nr. 15.396/1-2 135 Abb. 20 Die Werft des Caesar Wolheim in Cosel bei Breslau, Radierung von Hugo Ulbrich, 1903 TMW-Archiv, BPA-001473 Abb. 21 Bücher aus dem Nachlass von Louis Zels TMW-Bibliothek Abb. 22 Ausschnitt der Donaukarte von Wien, Nachlass Louis Zels TMW-Bibliothek, Situations-Plan der Donau in der Strecke Ispermündung – Theben, Maßstab 1:14.400 Abb. 23 Bücher von Max Ludwig Baczewski TMW-Bibliothek, Sign. 7.168-7.177 Abb. 24 Das Pferdeauto, Abbildung von Hans Fischl TMW-Archiv, BPA-015073 Abb. 25 Briefwaage von Ernst Egger Inv. Nr. 15.460 Abb. 26 Salonradio von Regine Ehrenfest-Egger, Baujahr 1924 Inv. Nr. 16.085 Abb. 27 Dampfindikator aus dem Nachlass von Arthur Ehrenfest-Egger Inv. Nr. 16.060/ 1-3 NS-Raubgut: Übergaben von Ariseuren, Firmen und Behörden Abb. 28 Durchlauferhitzer aus der Wohnung von Ernst Sonnenschein Inv. Nr. 15.455 Abb. 29 Siegfried Marcus(1831–1898) TMW-Archiv, B-000904 Abb. 30 Der Marcus-Wagen, Baujahr 1888/89 Inv. Nr. 1.404 136 Abb. 31 Der Marcus-Wagen in der Schausammlung des Technischen Museums, 1930er-Jahre TMW-Archiv, BPA-002059-3 Abb. 32 Museumsführer des Technischen Museums, Ausgabe 1941 TMW-Archiv, AN-3469 Abb. 33 Anselm Barnet(Mitte) mit seinen Kindern bei der Rückgabe des Nachlasses seines Vaters im TMW, Oktober 2006. Links Oliver Kühschelm und der stellv. Direktor des TMW Helmut Lackner, rechts Christian Klösch TMW Abb. 34 Hugo Theodor Horwitz Privatbesitz Familie Barnett Abb. 35 Bücher und Manuskripte von Hugo Theodor Horwitz TMW-Archiv, NL-024 Abb. 36 Schatulle mit Tonaufnahmen des Kaiserhauses, 1915 Privatbesitz Abb. 37 Plattenlabel der Aufnahme von Kaiser Franz Josef I TMW-Mediathek Abb. 38 Instrumente aus der Musikhandlung Sternberg Von links nach rechts: Mandoline(Inv. Nr. 13.837), Geige(Inv. Nr. 13.834/1), Trompete(Inv. Nr. 13.839), Oboe(Inv. Nr. 13.838), Geige(Inv. Nr. 13.834/2) Abb. 39 Poststücke und Briefmarkenalben der FLD-Wien, Abteilung Restitutionsangelegenheiten TMW-Archiv, Postarchiv Abb. 40 Taschenmünzwaage der polnischen Post, 1939 Inv. Nr. 84.126 Abb. 41 Amtliche Bücher und Verzeichnisse der polnischen Post, 1939 TMW-Archiv, Postarchiv Abb. 42 Keramikkrug aus dem Verkehrsministerium in Prag, 1942 Inv. Nr. 93.317 Abb. 43 Postschild der jugoslawischen Postverwaltung, 1941 Inv. Nr. 80.370 Abb. 44 Dienstkappe der polnischen Post, 1939 Inv. Nr. 79.487 Abb. 45 Amtliche Bücher und Verzeichnisse der ehemals tschechoslowakischen Post, 1942 TMW-Archiv, Postarchiv Abb. 46 Rundfunkempfänger Philips 845X, Baujahr 1941 Inv. Nr. 22.766 Abb. 47 Briefe aus dem Postamt der ukrainischen Stadt Kamenez Podolski, 1941/42 Abb. 48 Übergabe der Briefe an Botschafter Volodymr Yu. Yel’chenko durch Helmut Lackner(links), stellv. Direktor des TMW, 2009 TMW-Archiv Beschlagnahmte und arisierte Kraftfahrzeuge Abb. 49 Rosa Glückselig mit ihren Söhnen, 1920er-Jahre Privatbesitz Familie Glückselig, Buenos Aires Abb. 50 Florencia Glückselig mit dem Auto ihrer Urgroßmutter, Mai 2010 TMW-Archiv Abb. 51 Henry Goldhann mit seinem Austro Daimler ADR, 1976 TMW-Archiv Abb. 52 Der Austro Daimler ADR in der Schausammlung des TMW, 2008 Inv. Nr. 58.873/1 137 138 Abb. 53 Motor eines Puchmotorrads S 4 Inv. Nr. 18.712 Abb. 54 Alfred Eibuschitz mit seinem Fiat 1500. Das NSKK benutzte das beschlagnahmte Auto 1939 als Dienstfahrzeug Das Auto und seine Besitzer in Österreich, Wien 1937, S. 112 TMW-Bibliothek, Sign. 6.990 Abb. 55 Beschlagnahmeverfügung der Gestapo Innsbruck für den Steyr 200 von Dr. Alois Pollak, April 1938 TMW-Archiv Abb. 56 Der eingezogene Führerschein von Rudolf Adler NÖLA, BH Melk Abb. 57 Dorotheums-Versteigerung von beschlagnahmten Kraftfahrzeugen im Auftrag der Gestapo, 20.9.1938 TMW-Archiv Abb. 58 NSKK-Kolone mit dem beschlagnahmten Opel(A15527) von Paul Ortner, Riederberg 1939 TMW-Archiv, Sammlung Fenzlau, FE-GA-1939-0056 Abb. 59 Bestätigung der Beschlagnahme des Wagens von Sigmund Freund durch die Gestapo, ausgestellt durch den Garagenbesitzer Berthold Klein, Juli 1938 Privatbesitz Gertrud Malina, Wien Abb. 60 Der Gräf& Stift von Sigmund Freud, am Steuer sein Fahrer Josef Malina, 1920er-Jahre Privatbesitz Gertrud Malina, Wien Abb. 61 Karl Farkas neben seinem Buick mit Sohn, Ehefrau und Vater. Das Fahrzeug wurde von der Gestapo im März 1938 beschlagnahmt Dokumentationsstelle für Literatur in Niederösterreich, St. Pölten 139 Verdachtsfälle auf NS-Raubgut im TMW Abb. 62 Emerich Spielmann und sein Superpiano, Radio-Wien, Februar 1929 Abb. 63 Das Superpiano im TMW Inv. Nr. 16.171 Abb. 64 Schreibmaschine System Ultima Inv. Nr. 15.899 Abb. 65 Dampfmaschine Baujahr 1885 Inv. Nr. 16.183 Abb. 66 Pianola Inv. Nr. 16.144/1 Abb. 67 Ankäufe aus dem Dorotheum in der NS-Zeit Von links nach rechts: Erste Reihe: Normameter(Inv. Nr. 15.461), PräzisionsMessgerät(Inv. Nr. 15.966), Schiffkompass(Inv. Nr. 15.968). Zweite Reihe: Erdschluss-Asymeter(Inv. Nr. 15.488), Präzisions-Messgerät(Inv. Nr. 15.965/ 4-7), Diathermieapparat(Inv. Nr. 16.066). Dritte Reihe: Präzisions-Messgerät (Inv. Nr. 15.963/ 3), Präzisions-Messgerät(Inv. Nr. 15.964/ 2) Ab. 68 Schreibmaschine der NSDAP-Kreisleitung Hollabrunn Inv. Nr. 16.091 Abb. 69 Peter von Rittinger, Büste aus Bronze Inv. Nr. 16.119 Abb. 70 Kunsteisengusse aus dem Kunst- Auktionshauses Kärntnerstrasse, 1944 Von links nach rechts: Erste Reihe: Schmuckständer mit Korb, Firma Glanz, Wien (Inv. Nr. 16.135), Armband(Inv. Nr. 16.129/1), Kerzenleuchter(Inv. Nr. 16.122), Eisenplakette„Paulus“(Inv. Nr. 16.130/1), Eisenplakette„Petrus“(Inv. Nr. 16.130/2), Zwei Siegelabgüsse, Inv. Nr. 16.127/ 3-4. Hintergrund: Armband(Inv. Nr. 16.128) 140 Geklärte Fälle Abb. 71 Die Hochzeit von Eva Duschnitz mit Gerald Byrne, Wien 1935 Privatbesitz Harold Chipman Abb. 72 Willibald Duschnitz am Wörthersee, um 1930 Privatbesitz Harold Chipman Abb. 73 Lied von Willibald Duschnitz, 1904 Privatbesitz Harold Chipman Abb. 74 Die Walcker-Orgel im Festsaal des TMW Inv. Nr. 36.205 Abb. 75 Familie Stefan Jellinek in Wien, 1927 TMW-Archiv, Sammlung EPM Abb. 76 Das Elektropathologische Museum der Wiener Universität, um 1930 TMW-Archiv, Sammlung EPM Abb. 77 Selbstgefertigter Heizkörper und Heizstrahler aus der Sammlung des EPM Inv. Nr. 67.301 und 67.318/1 Abb. 78 Karl Banhans(1861–1942) TMW-Archiv, B-001103 Abkürzungen AAC American Automobile Club AdR Archiv der Republik AVCA Automobil Veteranen Club Austria BA Bundesarchiv BDA Bundesdenkmalamt BH Bezirkshauptmannschaft BKA Bundeskanzleramt BMfF Bundesministerium für Finanzen B Rep Berlin Repositur BPA Bild- und Planarchiv DAF Deutsche Arbeitsfront DÖW Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands EPM Elektropathologisches Museum FLD Finanzlandesdirektion GD Generaldirektion Gestapo Geheime Staatspolizei IKG Israelitische Kulturgemeinde Kt. Karton MAK Museum für angewandte Kunst NÖLA Niederösterreichisches Landesarchiv NSBDT NS-Bund Deutscher Technik NSBO Nationalsozialistische Betriebszellen-Organisation NSDAP Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter Partei NSKK Nationalsozialistisches Kraftfahrkorps ÖAC Österreichischer Automobil Club ÖAMTC Österreichischer Automobil und Touring Club ÖNB Österreichische Nationalbibliothek, Wien ÖStA Österreichisches Staatsarchiv OÖLA Oberösterreichisches Landesarchiv P.Z. Postzahl RGBl Reichsgesetzblatt RM Reichsmark RPD Reichspostdirektion RPMW Reichspostmuseum, Abteilung Wien RSt Reichsstatthalter SA Sturmabteilung SD Sicherheitsdienst SS Sturmstaffel TMW Technisches Museum Wien UAW Universitätsarchiv Wien 141 142 UNESCO United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization VA Vermögensanmeldung VEAV Vermögensanmeldeverordnung Vgl. Vergleiche VLA Vorarlberger Landesarchiv Vugesta Verwaltungssstelle für jüdisches Umzugsgut der Gestapo VVST Vermögensverkehrsstelle WStLA Wiener Stadt- und Landesarchiv Zl. Zahl Die öffentliche Diskussion um Provenienzforschung wird beherrscht von der Frage der Rückgabe von wertvollen Kunstgegenständen. Dabei wird meist übersehen, dass die Nazis hauptsächlich Objekte des alltäglichen Lebens, wie Radio- und Fotoapparate, Möbel, Fahrräder, Musikinstrumente, Wäsche, Autos oder Motorräder, von„rassisch“ und politisch Verfolgten gestohlen haben. Im Technischen Museum Wien, das seit jeher Objekte des Alltags sammelt, finden sich auch Gegenstände aus ehemaligem jüdischem Eigentum. Der vorliegende Band 4 unserer Schriftenreihe Edition TMW gibt nicht nur einen Überblick über die Bemühungen zur Provenienzforschung am Technischen Museum Wien in den letzten Jahrzehnten. Es zeigt auch die alltägliche Praxis des NS-Raubzugs, rekonstruiert die Lebensgeschichten der Beraubten und dokumentiert die Geschichte des Museums in der NS-Zeit.