Edition TMW Unter dem Losungsworte Krieg und Technik Das Technische Museum und der Erste Weltkrieg Sammelband Unter dem Losungsworte Krieg und Technik Das Technische Museum und der Erste Weltkrieg Titelseite: Kartoffelernte vor dem Technischen Museum© Technisches Museum Wien Herausgeber: Technisches Museum Wien mit Österreichischer Mediathek Koordination: Barbara Hafok Redaktion: Wolfgang Pensold Grafik: Ursula Emesz Fotografien: Gerhard Sedlaczek Lektorat: Hubert Weitensfelder Druck: Fairdrucker, Wintergasse 52, 3002 Purkersdorf 1. Auflage, 2015 Edition TMW Unter dem Losungsworte Krieg und Technik Das Technische Museum und der Erste Weltkrieg Caroline Haas/ Mirko Herzog/ Christian Klösch/ Helmut Lackner/ Otmar Moritsch/ Wolfgang Pensold/ Franz Rendl/ Christian Stadelmann/ Hubert Weitensfelder Wien 2015 Vorwort Der vorliegende Band 3 unserer Schriftenreihe Edition TMW widmet sich den Anfängen des Technischen Museums, das im verhängnisvollen Jahr 1914 vor der Eröffnung stand und vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges nicht unberührt blieb. Ludwig Erhard, erster Direktor des Hauses, woll te dem kriegsbedingten„Ausfall zahlreicher Sammlungsgegenstände“ begegnen, indem er die Museumssammlungen„durch kriegstechnische Darstellungen unter dem Losungsworte ‚Krieg und Technik‘“ zu vervoll ständigen ankündigte:„denn das Technische Museum ist berufen die kriegstechnischen Großtaten der österreichischen Industrie der Mitwelt eindrücklich vor Augen zu führen und den kommenden Geschlechtern als Vorbild dauernd zu erhalten.“ Die Ausbeute hielt sich letztlich zwar in Grenzen, doch gelangten auf diesem Wege doch einige Objekte mit unmittelbarem Kriegsbezug in die Sammlungen. In den von Kustoden und einer Kustodin unseres Hauses verfassten Beiträgen des vorliegenden Bands über die Beziehungen zwischen Technischem Museum und Weltkrieg wird besonders auf solche Sammlungsobjekte und ihre spezielle Geschichte eingegangen. Durch sie wird der Blick auf die Geschichte des Krieges zum Blick auf die Geschichte des Museums selbst. Gabriele Zuna-Kratky Direktorin Technisches Museum Wien 1 amFIUGnUtRerMscIhTePnRkeOlTHESE Inhalt 8 Helmut Lackner Der Krieg im Museum und das Museum im Krieg 22 Hubert Weitensfelder Kriegsbedingte Ersatzmittel 36 Franz Rendl Kriegskost: Mangelversorgung und Lebensmittelersatz 50 Wolfgang Pensold Ausnahmsverfügungen für den Kriegsfall 62 Mirko Herzog „ Diensthöflich übersendet”? Kriegsutensilien für das Postmuseum 86 Christian Stadelmann Patriotismus in der Kinderstube 98 Caroline Haas Mit Pauken und Trompeten Musik im Krieg 112 Christian Klösch Kraftfahrzeuge und Flugzeuge aus der Konkursmasse Österreich-Ungarns 124 Otmar Moritsch/ Wolfgang Pensold Metallsammlung für die Rüstung in historischen Filmbildern 139 Anmerkungen 151 Abbildungen 2 Helmut Lackner Der Krieg im Museum und das Museum im Krieg 9 2 2.GDeepzelamntbeeMr 1u9s1e4umseröffnung: Im Frühsommer 1914 planten die verantwortlichen Personen für das 1908/09 gegründete Technische Museum für Industrie und Gewerbe die Eröffnung des Neubaus gegen Jahresende. Mitten in diese hektischen Einrichtungsarbeiten platzte wenig später nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand und der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien sowie nach einer Kettenreaktion weiterer Kriegserklärungen zwischen den Bündnispartnern der Erste Weltkrieg. In dieser Situation lenkten zwei Männer die Geschicke des Museums: Wilhelm Exner(1840–1931), der mit 74 Jahren bei Kriegsausbruch um eine Generation ältere der beiden und anerkannter Initiator des Technischen Museums, sowie der von Exner 1898 aus Nürnberg nach Wien geholte Ludwig Erhard(1863–1940). Über die Berücksichtigung der Kriegstechnik im noch unfertigen Museum gerieten die beiden in den nächsten vier Jahren in eine heftige Kontroverse, wie sich überhaupt die ideologischen und politischen Positionen von Exner und Erhard im Laufe dieses Konflikts immer weiter voneinander entfernten. 1 invVaolridtreäng,e1f9ü1r5die Kriegs- 10 3 LuWdwilhigelEmrhEaxrdne(lrin(okbs)en) und 11 Neben diesem„Krieg im Museum“ hatte der Weltkrieg auch ganz reale Folgen für die neue Institution. Das„Museum im Krieg“ musste seit 1914 seine Eröffnung mehrmals verschieben. Exner setzte schließlich eine Öffnung des Hauses im Mai 1918 durch. Finanzielle Probleme bedrohten aber nach dem verlorenen Krieg die Existenz des Museums, bis schließlich die Regierung die Verstaatlichung mit 1. Jänner 1922 beschloss. Erst damit endeten für den Betrieb die Auswirkungen des Weltkriegs in organisatorischer und ökonomischer Hinsicht. Inhaltlich hatte Exner den jungen, ehrgeizigen Erhard im„Krieg im Museum“ längst in die zweite Reihe verwiesen und„sein“ Museum als„österreichische Kulturstätte“ eröffnet. 1 Der Krieg im Museum Wilhelm Exner stammte aus den kleinen Verhältnissen einer Eisenbahnerfamilie. 2 Zeitlebens kämpfte er als monarchietreuer Staatsbürger durch zahlreiche Aktivitäten um gesellschaftliche Anerkennung. Seine Maxime, dem Staat zu dienen, provozierte aber auch Kritik.„Exner an allen Enden“ titelte am 6. Jänner 1897 das Neue Wiener Tagblatt sarkastisch im Vorfeld seiner Bewerbung um den österreichischen Generalkommissär für die Weltausstellung in Paris. Exner erhielt die einflussreiche Position. Der Hyperaktive lehrte als Professor für Holztechnologie an der Hochschule für Bodenkultur, engagierte sich im einflussreichen Niederösterreichischen Gewerbeverein, gründete das Technologische Gewerbemuseum, war Präsident des Technischen Versuchsamtes, und das ist nur eine Auswahl. Seit er 1862 erstmals in London eine Weltausstellung besucht hatte, begleitete das Projekt eines technischen Museums seinen weiteren Lebensweg. Nach der Gründung eines Museums für Geschichte der österreichischen Arbeit im Jahr 1891, der Herausgabe der provokanten Publikation Wiener Museal-Fragen ein Jahr später, der Gründung des Deutschen Museums von Meisterwerken der Naturwissenschaften und Technik im Jahr 1903 in München durch den angesehenen Oskar von Miller sowie nach seiner Berufung durch den Kaiser in das Herrenhaus konnte Exner mit Verbündeten seine Idee des technischen Museums aus Anlass des sechzigjährigen Regierungsjubiläums 1908 verwirklichen und damit der Technik als Kulturleistung endlich die ihr von den Ingenieuren geforderte gesellschaftliche Anerkennung geben. 3 Aber mitten in dieses altruistische und gleichzeitig eigennützige Projekt platzte der Weltkrieg. Exner sah sein im neu errichteten Gebäude noch 12 nicht eröffnetes Museum gefährdet und nahm 1915 in der international anerkannten Wiener Medizinischen Wochenschrift ganz offen als verantwortungsvoller Staatsbürger kritisch gegen den Krieg Stellung: „Der jetzige europäische Krieg, den man unverständigerweise ‚große Zeit‘ nennt, dieser entsetzliche Zusammenstoß der K u l t u r v ö l k e r Europas, hat nicht nur, was ich hier nicht auszuführen brauche, Tausende von Menschenleben, Tausende von hohen Kulturwerten zerstört, sondern, was vielleicht ebenso bedeutungsvoll ist, den Aufstieg der Zivilisation, die Kulturentwicklung der Menschheit verzögert, auf eine Zeitspanne, die wir augenblicklich noch nicht einschätzen können. Die traurigste Missetat des Krieges jedoch ist die Verstümmelung des Menschen, die Zerstörung des Gesammtbildes des Mannes in seiner Erscheinung, durch den Verlust einzelner, vielleicht auch mehrerer seiner Gliedmaßen. Durch diese Verstümmelung, die an und für sich schon genug des Traurigen mit sich bringt, wird der Mensch aber auch in seiner Befähigung zur Mitwirkung an den Aufgaben des Staates eingeschränkt, da nur der berufstätige Mann ein vollwertiges Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft ist.“ 4 Der zweite Teil des Zitates verweist auf den Anlass dieses Kommentars und löst das Rätsel. Exner fühlte sich wieder einmal als Staatsbürger gefordert, an den„Aufgaben des Staates“ mitzuwirken, und gründete im Februar 1915 den Verein Die Technik für die Kriegsinvaliden, der mit Unterstützung von Wiener Chirurgen durch die Konstruktion und Fertigung mechanischer Prothesen die Eingliederung der von der Front heimgekehrten Kriegsinvaliden in das Erwerbsleben beschleunigen sollte. Ebenfalls im Februar stellte sich Exner als Ehrenpräsident der Gesellschaft zur Fürsorge für Kriegsinvalide zur Verfügung, und im Frühjahr desselben Jahres organisierten das Museum und das ältere Volksbildungsinstitut Urania zur Unterstützung seines Vereins eine Vortragsreihe„Krieg und Technik“. Nach einer Ausstellung des Vereins widmete Exner 1917 dem Museum rund 70 Prothesen – sein Beitrag zum Thema„Krieg und Technik“. Davon unterschied sich grundsätzlich der Zugang Ludwig Erhards. 5 Exner hatte ihn im Alter von 35 Jahren 1898 aus dem Bayerischen Gewerbemuseum in„sein“ k.k. Technologisches Gewerbemuseum zur Betreuung der Kleingewerbe-Förderung engagiert. Seit 1907 arbeitete Erhard vor allem für das in Gründung befindliche Museum und wurde 1912 dessen erster Direktor. Die Fäden hinter dieser Karriere zog Wilhelm Exner. Dass Erhard 13 4 invPaRliOdeTHzuErSEEiNngfülier dKerireugnsgin den Arbeitsprozess 14 während des Weltkriegs zu Exner wegen der Berücksichtigung der Kriegstechnik im Museum in Opposition geriet, musste für diesen eine Enttäuschung sein. Unterschiede in der Weltanschauung und im politischen Engagement hatten sich allerdings bereits seit Jahren abgezeichnet. War Exner ein loyaler Bürger der Monarchie – und später der Ersten Republik –, blieb Erhard zeitlebens Deutscher. 1904 stellte er sich als Gründungsvorsitzender des Österreichischen Verbands von Mitgliedern des Vereines deutscher Ingenieure(später Österreichischer Verein deutscher Ingenieure) zur Verfügung – eine Kampfansage an den älteren Österreichischen Ingenieurund Architekten-Verein. 6 Nach dem Anschlussverbot und der Tilgung des Namens„Deutschösterreich“ firmierte der Verband als Bezirksverein des VDI, und Erhard legte 1921 den Vorsitz bis 1929 zurück. In diesen Jahren befürwortete er den Anschluss Österreichs an Deutschland und bekannte sich nach 1938 in seinen Publikationen zum Nationalsozialismus. In einem museumsinternen Manuskript über die zukünftige Ausrichtung des Museums vom Mai 1915, also in der offensichtlich heißen Phase der Auseinandersetzung, verwies Erhard unter dem Titel„Kriegsacker im Museumsgelände“ auf zahlreiche Einschränkungen der geplanten Einrichtung durch die Sperrung des Zugverkehrs, den Ausfall vieler bereits zugesagter Objekte aus staatlichen Ämtern und Industriebetrieben sowie auf die Einberufung von Museumspersonal. Erhard wollte diese Probleme „unter dem Losungsworte ‚Krieg und Technik‘“ für eine Neuausrichtung des Museums nutzen: „Um den beklagenswerten Ausfall zahlreicher Sammlungsgegenstände anderweitig zu ersetzen, wird vorgeschlagen, nunmehr einzelne Gruppen durch kriegstechnische Darstellungen unter dem Losungsworte ‚Krieg und Technik‘ zu vervollständigen.[…] denn das Technische Museum ist berufen die kriegstechnischen Großtaten der österreichischen Industrie der Mitwelt eindrücklich vor Augen zu führen und den kommenden Geschlechtern als Vorbild dauernd zu erhalten.“ 7 Erhard dachte dabei u.a. an Sprengstoffe und Treibmittel, Geschütze und Geschosse, Kriegsbauten, Minen, Luftschiffe und Flugzeuge, Ausrüstung und Verpflegung im Krieg. Dazu verhandelte er mit den Organisatoren der Kriegsausstellung im Wiener Prater 1916 – eine weitere Ausstellung fand im folgenden Jahr statt – und erstellte umfangreiche Listen mit Objekten, die ins Museum kommen sollten. 8 Erhards Projekt scheiterte aber kriegsbedingt an bürokratischen Hürden. Nur wenige Objekte der Rüstungsindustrie aus der Ausstellung fanden damals den Weg ins Museum, u.a. 15 5 inDeiieneMr oAnuassrctehlileunzegi,g1t9d1e6r Bevölkerung den Krieg das Modell einer Kunstsalpeterfabrik, die im Komplex der Pulverfabriken am Steinfeld bei Wiener Neustadt entstanden war. 9 Grundsätzlich verwies das Kriegsministerium das Museum auf die Zeit nach der Auflösung der Kriegsausstellung bzw. überhaupt auf das Ende des Krieges, die Abstimmung betreffend„Objekte rein technischer Natur“ mit dem Heeresmuseum und auf die Zustimmung der Aussteller. 10 Nach dem Krieg kamen viele der Objekte und Bergungsgüter in das Sappen-Zeugdepot in Klosterneuburg. Für das Museum hatte dies keine Bedeutung mehr. 16 6 MSOpDreEnLgLsDtoEfRf aFuAsBKRuIKnsItNsaBlpLeUtMerAU (NÖ), 1916 Bis 1918 zeigte der Krieg also nur geringe Auswirkungen auf die Objektannahmen. Im Eingangsbuch finden sich z.B. Maße und Gewichte, die histo rische Feuerwehr, die Alchemie, Textilmaschinen, eine Korbflechterei, eine Hutmacherei und Musikinstrumente, Thonet-Sessel, die Landwirtschaft und das historische Ensemble eines Frischfeuers. Installiert wurde auch die erste Phase des historischen Schaubergwerks. Erhard war mit seinen Plänen im Wesentlichen am Widerstand der Organisatoren der Kriegsausstellung, die sich als Konkurrenzveranstaltung zum Museum entwickelte, und wohl auch am internen Widerstand von Exner gescheitert. Im Gegenzug lehnte er eine Mitarbeit an der Ausstellung im Prater ab und beantwortete eine Anfrage um Überlassung eines Modells des Schlachtschiffes S.M.S. Viribus Unitis abschlägig. 11 Dieses mit rund sechs Metern Länge eindrucksvolle Schnittmodell blieb dann bis zur Übergabe an des Heeresgeschichtliche Museum 1956 eine Attraktion der Abteilung„Kriegsmarine“ im Erdgeschoss, der einzigen explizit der Kriegstechnik gewidmeten Fläche im Museum. 12 Die Objekte dieser Abteilung waren allerdings bereits vor dem Ersten Weltkrieg, u.a. von der k.u.k. Marinesektion und vom Stabilimento Tecnico Triestino, ins Museum gelangt. 17 Das Museum im Krieg Geprägt von seiner pazifistischen Einstellung warf Exner während des Kriegs sein ganzes Gewicht in die Waagschale, um Erhards Pläne zu verhindern. In der Generalversammlung des Museumsvereines im Juni 1915 führte er angesichts des Drängens nach Berücksichtigung der Kriegstechnik zähneknirschend aus: „Aber abgesehen von dieser uns durch die Zeitgeschichte aufgenötigten Pflicht[zur Berücksichtigung der Kriegstechnik, H.L.] verlieren wir unsere Hauptaufgabe und die ursprüngliche Mission des Museums nicht aus dem Auge.[…] Nach Beendigung des wahnsinnigen Krieges, in dem sich Europa zerfleischt, werden die Früchte der gemeinsamen Geistesarbeit aller Kulturvölker wieder aufleben.“ 13 Exner hielt auch während des Kriegs an seiner Überzeugung fest, ein„großes Friedenswerk“ zu schaffen. 14 Von diesem internen Konflikt abgesehen, hatte der Weltkrieg jedoch Auswirkungen auf die Museumsgründung, die nicht oder nur teilweise beeinflussbar waren. Die Zahlen der jährlichen Objektneuannahmen in den Jahren von 1914 bis 1918 zeigen etwa eindrucksvoll den kriegsbedingten Rückgang von über 1400 auf unter 400 Objekte. In diesen Zahlen sind allerdings nur die neu inventarisierten Einzelobjekte von Unternehmen und Privatpersonen, nicht jedoch die zahlreichen bereits bestehenden und übernommenen Sammlungen mit ihren alten Inventaren, wie z.B. das Eisenbahn- und Postmuseum, die Petermandl’sche Messersammlung oder die Sammlung der Apothekengefäße, enthalten. Der von Erhard in seinem Manuskript„Kriegsacker im Museumsgelände“ zu Recht erwähnte Ausfall zuvor zugesagter Objekte von Unternehmen auf Grund von Rüstungsaufträgen und der Einberufung von Teilen der Belegschaft ist in den sogenannten„Frühakten“ des Museumsarchivs dokumentiert. Hier nur ein Beispiel: Interessiert an aktuellen technischen Innovationen, stand Erhard seit 1913 in Kontakt mit Viktor Kaplan, Professor an der Deutschen Technischen Hochschule in Brünn(Brno). Kaplan hatte im Jahr zuvor im Versuchslabor dieser Hochschule mit der Entwicklung einer Turbine mit beweglichen Laufradschaufeln begonnen. Zwar erhielt das Museum im Oktober 1914 die Zeichnung einer Kaplan-Versuchsturbine, doch Ignaz Storek, der Besitzer jener Stahlhütte und Gießerei in Brünn, die mit Kaplan kooperierte, musste unmittelbar danach aus den angeführten Gründen die Anfertigung einer Turbine für die Schausammlung absagen. 15 Die erste Kaplan-Turbine kam erst 1926 ins Museum. 18 7 TuDrbaisneMkoodnenlltediiemseHr eKrabpstla1n9-14 nicht mehr geliefert werden Bereits zum Zeitpunkt der Grundsteinlegung im Jahr 1909 war klar, dass vom großzügigen Gesamtprojekt nur der mittlere Museumsbau ausgeführt werden konnte. An der Fassade des neuen Gebäudes kam es nach Kriegsbeginn zum Verzicht auf ursprünglich im Plan des Architekten Hans Schneider vorhandene Details. Unausgeführt blieb eine Figurengruppe über dem Mittelfeld, die Schrift„TECHNISCHES MUSEUM FÜR INDUSTRIE UND GEWERBE MCMXII“ im Mittelfeld und je eine Figur in den seitlichen Lisenen des Portikus sowie 24 Namen von Entdeckern und Erfindern in Versalien, von Ampère bis Watt, in den Putzfeldern zwischen dem ersten und dritten Obergeschoss. Von Beginn an stand eine mögliche Umwidmung des großen Gebäudes für Kriegszwecke im Raum. Hinter Exners Rücken unterbreitete ein Kuratoriumsmitglied in einem Schreiben vom Oktober 1914 an Sektionsrat Hans Löwenfeld-Russ im Handelsministerium und in einer Vorsprache beim Obersthofmeister Fürst Alfred von Montenuovo den Vorschlag, das Museum als Verwundeten-Spital zu verwenden. Es blieb bei der Idee, denn die Hallenkonstruktion sprach entschieden dagegen. 16 19 Eine andere Gefahr bedrohte im Jahr 1916 im Zuge der Metallablieferungen das neue Kupferdach des Museums. 17 Ein Einspruch mit dem Hinweis auf mögliche technische Schäden und die„ästhetischen Wirkung des dem kaiserlichen Schloss Schönbrunn gegenüberliegenden Museumsgebäudes“ blieb erfolglos, und das Kupfer musste im Jahr darauf gegen verzinktes Eisenblech getauscht werden. 18 Der Bau des Gebäudes und die während des Krieges fortgeführte museale Einrichtung sprengten bald das ursprüngliche Gesamtbudget von 4,5 Millionen Kronen. Bis 1916 vergrößerte sich die Finanzierungslücke ohne weitere Staatssubventionen und Großspenden auf 1,7 Millionen Kronen. Einen Anteil daran hatten auch die nur knapp zu einem Drittel durch Einnahmen gedeckten laufenden jährlichen Fixkosten von rund 300.000 Kronen, davon beinahe zwei Drittel Personalkosten. 19 Angesichts dieser Perspektiven sicherte sich der Museumsverein bei der k.k. priv. Oesterreichischen Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe einen Kreditrahmen von 1,6 Millionen Kronen. 20 Zusätzlich erhielt der Verein von der Industrie weitere Spenden in der Höhe von rund einer Million Kronen. Der Industrielle Artur Krupp widmete seine Spende von 300.000 Kronen explizit „für kriegstechnische Darstellungen.“ 21 Alle Auswirkungen des Krieges auf das Museum hatten ihre Ursache im zeitlichen Zusammenhang der Museumsgründung mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Die Hoffnung, nach der Fertigstellung des Gebäudes Ende 1914 zu eröffnen, musste nach Kriegsbeginn rasch aufgegeben und „zunächst auf unbestimmte Zeit hinausgeschoben“ werden. 22 Auch ein weiterer„unwiderruflich“ für den 2. Dezember 1916 geplanter Eröffnungs termin erwies sich als unrealistisch. Im November dieses Jahres beschloss daher das Exekutiv-Komitee des Kuratoriums,„mit Rücksicht auf den Ernst der Zeit die Eröffnung des Museums bis auf Weiteres zu verschieben.“ 23 Für eine Eröffnung noch vor Kriegsende fiel schließlich in einer sogenann ten„Beamtensitzung“ am 17. November 1917 die Entscheidung, bestätigt durch eine außerordentliche Generalversammlung am 2. Dezember. 24 Exner kam allen eventuellen anderweitigen Überlegungen zuvor und setzte die Eröffnung mit dem ersten Sonntag im Mai 1918 fest. Tatsächlich war es dann Montag, der 6. Mai. Auch wenn noch viele Objekte fehlten, wollte er eine alternative Nutzung des Gebäudes nach dem Krieg verhindern und schuf damit Fakten. Seine Taktik ging auf, und das Museum wurde trotz sehr eingeschränkter Öffnungszeiten geradezu gestürmt: Bis Jahresende 1918 besuchten rund 80.000 Menschen die neue Institution und bestätigten Exners Strategie eines„Friedensmuseums“ für die Zukunft. 20 8 erDöfifeneetrestneMn BuseesuumcherInnen in dem am 6. Mai 1918 Erhard lehnte eine solche, aus seiner Sicht voreilige Eröffnung immer ab. Bereits 1915 stand für ihn fest, dass auch nach Kriegsende noch Zeit für die Fertigstellung notwendig sein würde:„Die Eröffnung des Museums steht daher unmittelbar nach dem Krieg keineswegs in Aussicht; es werden dann vielmehr noch einige Monate vergehen, bis alle Gruppen fertiggestellt werden können.“ 25 Er blieb in dieser Sache bis an sein Lebensende in Opposition zu Exner und kritisierte in einem posthum erschienenen Aufsatz die seiner Meinung nach„bitteren Folgen der überstürzten Museumseröffnung.“ 26 Sein Vorbild in dieser Hinsicht war das Deutsche Museum in München, das 1925 seine Türen öffnete und 1932 einen großen Bibliotheksneubau fertigstellen konnte. 21 Schluss Die Gründungsgeschichte in München kann mit jener in Wien nicht direkt verglichen werden. Rückblickend riskierte Exner mit dem Mai 1918 zwar viel, traf aber wohl die richtige Entscheidung. Schwierig, ja nahezu aussichtlos gestaltete sich allerdings die„mißliche“ finanzielle Situation des privaten Vereinsmuseums, auch nach der Reduzierung des Personals von 101 auf 39 Personen bis Ende 1921, zumal der Kredit der Credit-Anstalt von 1916 noch nicht getilgt war. Ohne eine kontinuierliche Subventionierung durch das Staatsamt für Handel und Gewerbe, Industrie und Bauten war das Museum nach dem Krieg nicht überlebensfähig. Das rief das Staatsamt für Finanzen auf den Plan, das den Staatsrechnungshof mit einer Prüfung dieser Situation beauftragte. In einer„Einsichtsbemerkung“ vom 26. September 1919 forderte dieser in bewährter Diktion„die Verminderung der Ausgaben und die Erhöhung der Einnahmen“, nachdem die bisherigen Anregungen„nicht die entsprechende Würdigung gefunden“ hätten. Exner reagierte im Jahr darauf mit einer Reihe von Argumenten und einer Aufzählung bereits gesetzter Aktivitäten: Neben einer restriktiven Personalpolitik und der Reduzierung der Öffnungszeiten seit Sommer 1919 auf Samstagnachmittag und Sonntagvormittag konnte er mit einer Verdoppelung der Mitgliedszahlen des Fördervereins auf über 2000 sowie forcierten Werbemaßnahmen„durch Straßenplakate, Ankündigungen in Zeitungen und in der Straßenbahn“ auf eine erfolgreiche Gegenstrategie verweisen. 27 Die finanzielle Gebarung des Vereinsmuseums änderte sich dadurch nicht grundsätzlich. 1920 zog der Staat aus dieser Situation schließlich die Konsequenzen. Am 28. Juni stellte der Staatssekretär für Handel und Gewerbe, Industrie und Bauten, Johann Zerdik, im Kabinettsrat den Antrag auf Verstaatlichung des Technischen Museums, die mit 1. Jänner 1922 in Kraft treten sollte:„Als zweckmäßigster Weg zur Sanierung des Technischen Museums erscheine dessen Verstaatlichung. Diese Maßnahme sei geradezu eine Notwendigkeit, wenn die große Schöpfung nicht ernstlich gefährdet und die namhaften Opfer, die der Staat schon bisher für das Museum gemacht hat, nicht verloren sein sollten.“ 28 Im Zuge der Verstaatlichung erhielt der Staat von der Stadt Wien das Grundstück und vom Museumsverein das Gebäude sowie die Sammlungen. Diese Entscheidung beendete alle vorangegangenen Spekulationen um die Ausrichtung des Museums und stellte längerfristig die Weichen für einen erfolgreichen Betrieb. 2 Hubert Weitensfelder Kriegsbedingte Ersatzmittel 23 Das breite Spektrum der Ersatzstoffe Ersatzstoffe werden auch als Surrogate bezeichnet. Sie weisen eine Jahrhunderte zurückreichende Tradition auf. Gewöhnlich handelt es sich um Stoffe oder Waren, die aus Gründen der Kostenersparnis die„Originale“ ersetzen. In vorindustrieller Zeit wurde beispielsweise echter Marmor durch eine Vielzahl von miteinander vermischten Substanzen ersetzt. Im Lauf des 19. Jahrhunderts vervielfachten sich sowohl die Menge der erzeugten Waren als auch die Abfallstoffe aus Produktionsprozessen, für die neue Verwendungen gesucht wurden. Damit gewannen Surrogate vermehrt an Bedeutung. Ihr verminderter Preis ermöglichte es zwar den Käufern, Waren billiger zu erwerben. Doch standen Surrogate tendenziell in schlechtem Ruf, da sie oft dem Verdacht ausgesetzt waren, eigentlich „Verfälschungen“ zu sein. 1 Es erscheint zunächst sinnvoll, den Begriff„kriegsbedingte Ersatzmittel“ genauer zu bestimmen. Dazu rechne ich • Stoffe, die fehlende Materialien substituierten, als Ersatzstoffe im engeren Sinn • Metallerze, Kohle und Industrieminerale aus aktivierten Lagerstätten • neu entwickelte Gewinnungs- und Verarbeitungsprozesse • die Wiedergewinnung von Stoffen oder Waren(Metalle, Textilien, Gummi) durch Recycling Bis zum Ersten Weltkrieg waren Österreich-Ungarn und das Deutsche Reich in einen regen internationalen Handel mit Rohstoffen und Gütern eingebunden. Mit dem Ausbruch der Kampfhandlungen änderte sich diese Situation innerhalb kurzer Zeit. Nun fehlten wichtige Rohstoffe aus anderen Staaten und Kontinenten, darunter Salpeter aus Chile als Grundlage für Düngemittel, Kautschuk, tropische Öle sowie eine Reihe von 1 brPaluackhatt „Unsere Armee Metalle“, um 1915 24 2 PFKErRieDgEsmSCeHtaLlIlsTaTmENm-lGunEgL:ÄeUinTE und ein CHANUKKA-LEUCHTER Harzen und Wachsen. Weitere Stoffe waren zwar ausreichend vorhanden, aber ihre Förderung im Inland war in Friedenszeiten zu kostspielig oder zu umständlich gewesen. Im Vordergrund stand die Versorgung der Armee mit Metallen und chemischen Substanzen für Waffen und Explosiva, mit Textilien zur Bekleidung und Nahrungsmitteln. Dabei hatten die Entscheidungsträger abzuwägen, wie weit auf die Bedürfnisse der Zivilbevölkerung, aber auch der Nutztiere Rücksicht genommen werden sollte. Nun wurden vermehrt heimi- 25 3 WEieinns-NchemueElzrleana,v1o9n1A7 ltkupfer, sche Ressourcen genutzt, andere konnten durch den Austausch mit dem verbündeten Deutschland bezogen werden. So lieferte Österreich-Ungarn an das Nachbarland Bauxit als Rohstoff für die Aluminiumerzeugung sowie Quecksilber und importierte seinerseits Kalisalze für Düngezwecke. Darüber hinaus wurden in den besetzten Gebieten unter anderem Erze, Metalle und Naturharze requiriert. Von entscheidender Bedeutung war der Zugang zu Metallen. Vor allem fehlten Nichteisenmetalle, etwa Kupfer(zuvor vorwiegend aus den USA bezogen) und Kupferlegierungen wie Messing und Bronze, ferner Blei, Zink und Zinn. Darüber hinaus herrschte ein Mangel an Legierungsmetallen für spezielle Stahlsorten, wie Nickel, Mangan, Molybdän, Vanadium, Wolfram und Chrom. Als Gegenmaßnahme wurden vermehrt Lagerstätten abgebaut, etwa in Mühlbach am Hochkönig(Kupfer), Bleiberg(Blei, Zink), im böhmischen Přibram(Blei, Silber) und in Dalmatien(Bauxit). Ferner entstand ein umfangreicher Kataster der in Industrie- und gewerblichen Betrieben vorhandenen Metallmengen. Auf dessen Grundlage mussten Unternehmen verzichtbare Metalle abgeben, beispielsweise Kupferleitungen aus Elektrizitätswerken. Weitere Einsparmöglichkeiten boten sogenannte Lagermetalle, die für Lager bewegter Teile in Maschinen und Ei- 26 senbahnrädern Verwendung fanden. Dabei wurden die Legierungsanteile von Kupfer, Blei, Zinn und Antimon zugunsten anderer Metalle verringert. Die Behörden riefen außerdem die Bevölkerung zu„Kriegsmetallsammlungen“ auf. Ferner wurden Kochgeschirre, Uhrwerke, Druckknöpfe und Stecknadeln nunmehr aus Eisen statt wie bisher aus Legierungen gefertigt, ebenso die Metallbeschläge in Eisenbahnen und Straßenbahnen. Darüber hinaus veranlasste man die Einschmelzung von Kirchenglocken und Orgelpfeifen. Kupfer als elektrischer Leiter wurde vielfach durch Aluminium oder Eisen ersetzt. Überdies entwickelten Techniker und Ingenieure„Ersatz“-Verfahren, um etwa die große Zahl requirierter Gegenstände einzuschmelzen und mittels Elektrolyse in hohem Reinheitsgrad neu zu gewinnen. Die wichtigsten Textilfasern waren bis zum Krieg überwiegend aus dem Ausland bezogen worden. Baumwolle stammte vor allem aus den USA, sie wurde unter anderem zur Erzeugung von Schießbaumwolle gebraucht. Schafwolle war aus Australien und Neuseeland, Südafrika und Argentinien eingeführt worden und stellte ein unverzichtbares Material für Monturen dar. Jute für Verpackungen kam aus der britischen Kolonie Indien. Als Ersatz wurde vermehrt„Kunstwolle“ aus zerrissenen und neugewebten Alttextilien erzeugt. Und Mischfasern aus Hanf und Papier ersetzten bei4 LeKdReIrEaGbfSäSllCeHn,U1H91a6us 27 spielsweise unter der Bezeichnung„Textilit“ die fehlende Jute. Im weiteren Verlauf des Krieges gewannen auch Spinnstoffe und Gewebe aus reinem Papier bzw. aus Holzzellulose größere Bedeutung. Darüber hinaus schlugen Fachleute den vermehrten Anbau von Flachs und Hanf vor und experimentierten mit den Fasern von Brennnesseln und vielen anderen Pflanzen. Auch Leder stellte ein zunehmend knappes Material dar. Als wirksames Gerbmittel hatte sich seit der Jahrhundertwende zunehmend das tanninreiche Quebrachoholz aus Argentinien durchgesetzt. Es wurde durch einheimische Gerbstoffe ersetzt, darunter Eichenknoppern, Eichen- und Fichtenrinde. Das Wachs der brasilianischen Karnaubapalme hatte etwa für Schuhpflegemittel Verwendung gefunden; als Ersatz diente nun Montan wachs aus Braunkohle. Aufgrund des Mangels an bestimmten Ledersorten sah sich die Zivilbevölkerung zunehmend auf Schuhwerk aus Lederflicken, Holz, Filz oder aus Kunstharzen angewiesen. Die Ledertreibriemen für Transmissionen zum Antrieb von Maschinen wurden durch Bänder aus Draht oder Papier ersetzt. Substituiert wurde ferner eine Reihe chemischer Substanzen. Das Glyzerin, ein wichtiger und vielseitig verwendbarer Bestandteil von Fetten, war besonders wichtig für die Herstellung von Sprengstoffen(Nitroglyzerin). Seine Abspaltung aus den Fetten verminderte aber unter anderem die Qualität von Nahrungsmitteln. Ersatzweise wurden kleinere Mengen Glyzerin durch biologische Fermentierung als„Fermentol“ hergestellt. Seifen waren bis zum Kriegsausbruch unter anderem mit Hilfe kolonialer Fettstoffe wie Palmkern- und Kokosöl erzeugt worden. Nun wurden sie mit Sand, Ton, Soda oder Wasser gestreckt und büßten dadurch enorm an Qualität ein. Österreich-Ungarn besaß in Galizien große Erdöllagerstätten; sie waren allerdings durch den Kriegsverlauf gefährdet und zeitweise von russischen Truppen besetzt. Daher wurde das knappe Benzin unter anderem durch Benzol, Teeröl, Naphthalin, Spiritus und verschiedene Gemische ersetzt. Kautschuk war zuvor aus englischen und belgischen Kolonien ins Land gelangt. Er wurde mit Schwefel zu Gummi vulkanisiert. Für den alltäglichen Gebrauch hatten Waren aus Gummi bereits seit Jahrzehnten erhebliche Bedeutung erlangt; nun benötigte die Armee den Werkstoff für Autorei fen, Ballons und medizinische Artikel. Daher mussten viele Kraftwagen im Zivilverkehr ohne Gummibereifung verkehren, was die Straßen arg in Mitleidenschaft zog. Als Kautschukersatz konnten lediglich mechanisch aufbereitete Regenerate aus Altgummi gewonnen werden. 28 Natürliche Harze waren aus den USA und Frankreich importiert worden, aus ihnen wurden beispielsweise Terpentin und Kolophonium erzeugt. Als Folge der Verknappung wurden die Schwarzföhrenwälder im Süden Wiens vermehrt bewirtschaftet und Naturharze durch Cumaronharze aus Steinkohlenteer-Derivaten ersetzt. Einige Harze und Wachse fanden eine Substituierung durch Phenol-Formaldehyd-Mischungen. Stickstoff und seine Verbindungen waren gleichermaßen unverzichtbar für Düngemittel und Explosivstoffe. Der Ausfall des Chilesalpeters erschwerte die Erzeugung von Dünger ungemein. Bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts war jedoch eine Reihe von Verfahren entwickelt worden, die eine chemische Bindung des in der Luft vorhandenen Stickstoffs ermöglichten. Davon erlangten drei besondere Bedeutung. Die deutschen Chemiker Adolf Frank und Nikodem Caro leiteten Luftstickstoff über erhitztes Kalziumkarbid; dabei bildete sich Kalkstickstoff, der vor allem als Dünger Ver wendung fand. Die Forscher Kristian Birkeland und Samuel Eyde gewannen im wasserkraftreichen Norwegen mit einer weiteren, sehr viel Energie erfordernden Methode gleichfalls für Düngezwecke den sogenannten „Norgesalpeter“. Kurz vor Kriegsausbruch entwickelten schließlich Fritz Haber und Karl Bosch einen Prozess, um aus Luftstickstoff und Wasserstoff unter hohem Druck mit Hilfe von Katalysatoren Ammoniak zu erzeugen. Ersatzmittel in den Sammlungen des TMW Bereits vor Kriegsausbruch versuchte das Museum, Substitute für Chilesalpeter zu beschaffen. Um die Jahreswende 1913/14 wandte sich Johann Blaschczik, der Zentraldirektor der Zementfabrik in Königshof(Králův Dvůr, Böhmen), als Vermittler an das neu eingerichtete Wiener Verkaufsbüro für Norgesalpeter; es wurde vom norwegischen Konsul Thorleif von Paus geleitet. Dieser kündigte die Bereitstellung von Materialproben, Zeichnungen und Fotografien von Fabriken sowie von Patentschriften an. 2 Offenbar kamen diese Lieferungen aufgrund des Kriegsbeginns zunächst nicht zur Ausführung. Erst 1921 bestätigte das Museum die Übermittlung einer Probe von Norgesalpeter. 3 Der Ausbruch des Krieges behinderte die Sammeltätigkeit des im Aufbau begriffenen Technischen Museums in hohem Maß. Die militärischen Auseinandersetzungen gaben aber auch Anlass, sich kriegsbedingten Neuerungen wie den Ersatzmitteln zuzuwenden. Das Museum bat mehre- 5 NORGESALPETER, 1914–1921 6 FAOTUbjReAktNe,a1u9s1d7em Kunststoff 29 30 re deutsche Firmen, zum Zweck der Dokumentation und Zurschaustellung Proben solcher Materialien zu übersenden. So wurde ein Unternehmen um die Bereitstellung von„Erhard Kriegsbronce“ ersucht. 4 Ferner lieferte eine Metallhütte in Breslau Muster von„Feldgrau“- und„Calcium“-Lagermetallen. 5 Auch eine chemische Fabrik und Zinnhütte aus dem Ruhrgebiet sandte ein Stück Lagermetall. 6 Die Übermittlung weiterer Proben stieß aber auf erhebliche bürokratische Hürden. Der Berliner Reichskommissar für Aus- und Einfuhrbewilligungen verfügte in einem Fall, dass ein bereits zugesagtes Stück Kriegsbronze nur dann die Grenzen passierten dürfe, wenn Österreich-Ungarn dafür im Gegenzug jeweils 1,5 Kilogramm Blei und Aluminium sowie 2,5 Kilogramm Kupfer an den Verbündeten lieferte. 7 Die renommierte chemische Fabrik Griesheim-Elektron sagte zunächst Musterstücke aus Elektronmetall(einer Magnesiumlegierung) sowie Flachstangen für Stromleitungen und Rundstangen für eine mechanische Bearbeitung zu. 8 In diesem Fall ordnete die Zentralstelle für Ausfuhrbewilligungen in Berlin an, dass die Verbündeten für die vorgesehenen Gegenstände mit einem Gewicht von 6,14 Kilogramm zum Ausgleich 5,833 Kilogramm Magnesium zur Verfügung stellen sollten. Das Unternehmen resignierte aufgrund dieses peniblen Bescheids und schlug vor, die Muster nach Kriegsende zu übermitteln. 9 Leichter war die Zusendung von Objekten aus„Faturan“ zu bewerkstelligen. Dabei handelte es sich um einen Phenol-Formaldehyd-Kunststoff nach dem Vorbild des Bakelits. Die Übermittlung erfolgte über die Zweigniederlassung eines Unternehmens, das in Hamburg und Harburg Kautschukwaren erzeugte. Geliefert wurden Telefonteile, zwei Pfeifenmundstücke, ein Schirmgriff, eine profilierte klei ne Säule und ein Federstiel. 10 Die bei Metallen erzielten Einsparungen wurden in der Öffentlichkeit eifrig propagiert. So waren auf einer Kriegsausstellung im Wiener Prater im Jahr 1916 zwei gravierte Walzen für Baumwolldruckereien präsent. Die eine bestand zur Gänze aus Kupfer, die andere war mit einem Eisenkern versehen, wodurch sich einige Kilogramm des wertvollen Nichteisenmetalls einsparen ließen. Beide Walzen stammten vom deutschen Unternehmen Rolffs& Cie., das im böhmischen Friedland(Frýdlant) eine Kattundruckerei betrieb. Nach dem Abbau der Kriegsausstellung gelangten die Objekte ins Museum. Kriegsmetallsammlungen in der Bevölkerung erbrachten zwar eine große Zahl von Gegenständen, trugen aber nicht wesentlich zur Linderung der Metallnot bei. Auch diese Aktionen wurden publikumswirksam inszeniert. So wurde ein kleiner Teil der gesammelten Objekte als kunsthistorisch 31 7 EISKEUNPFfEüRr TWeAxtLilZdEruucnkderWeiAenL,ZvEoAr U19S1K4UbPzFwE. R19U1N6 D wertvoll ausgesondert und um die Jahreswende 1915/16 im Festsaal des Militärkasinos am Wiener Schwarzenbergplatz öffentlich zur Schau gestellt. Einen Teil der geretteten Gegenstände erhielt das Museum für Kunst und Industrie(heute Museum für angewandte Kunst), 1924 gingen ferner rund tausend dieser Objekte an das Technische Museum. Ein PferdeschlittenGeläute aus Messing und ein Leuchter für das jüdische Chanukkafest illustrieren die Vielfalt dieser Sammlung. Einer der privaten Förderer des Museums war der Großindustrielle Bernhard Wetzler. Er betrieb während des Kriegs in Wien-Neu Erlaa einen Verhüttungsbetrieb zur Umschmelzung von Gegenständen aus Kupferlegierungen für den militärischen Gebrauch. 1921 überließen die SiemensSchuckert-Werke in Wien dem Museum eine Serie mit 30 Fotografien, welche die Verfahren in diesem Unternehmen dokumentierten. Die Verarbeitung heimischer Textilfasern wurde zwar dringend empfohlen, doch reagierte die Industrie recht zurückhaltend auf die dafür erforderliche 32 8 NESSELGEWEBE, Benedict Schroll’s Sohn, 1917 33 neue Ausrichtung ihrer bisherigen Produktion. Unter anderem war die Versorgung mit den Rohmaterialien nicht sichergestellt, und die Umstellung der Maschinen und der Arbeitsabläufe auf eine neuartige Faser hätte erhebliche Investitionen erfordert. Zu den offenbar wenigen größeren Firmen, die sich hier auf Experimente einließen, zählte das alteingesessene Unternehmen Benedict Schroll‘s Sohn. Die Teilhaber besaßen unter anderem Fabriken in den böhmischen Ortschaften Braunau-Ölberg (Broumov-Olivětín) und Halbstadt(Meziměstí). Sie verarbeiteten die Faser der Großen Brennnessel(Urtica dioica). Ende des Jahres 1917 übersandte die Firma dem Museum neben weiteren Proben bedruckte Muster von Nesselgeweben. Damals erzeugte bereits eine Reihe von Betrieben Textilien aus Papiergarn. Der dafür notwendige Grundstoff, die Natronzellulose, stammte zu einem erheblichen Teil von der Gräflich Henckel von Donnersmarck’schen Papierfabrik Aktiengesellschaft in Frantschach im Kärntner Lavanttal. Auch dieses Unternehmen übermittelte dem Museum Proben reiner und gemischter Papiergarngewebe, darunter Teppichmuster. Weitere Ersatzmaterialien stellte Bernhard Kohnstein, der Leiter der Lehrund Versuchsanstalt für Lederindustrie im 17. Wiener Gemeindebezirk, zur Verfügung. Dazu zählten„Kriegsschuhe“ mit Oberteilen aus Lederabfällen und Holzsohlen sowie weitere Sohlen aus Ersatzstoffen. 11 Mit fortschreitender Dauer des Krieges und dem damit verbundenen zunehmenden Rohstoffmangel stieg die Bedeutung von Ersatzmitteln aller Art weiter an. Gleichzeitig verschlechterte sich ihre Akzeptanz in der Bevölkerung. Um dieser Entwicklung gegenzusteuern, planten verschiedene Stellen eine größere Schau zu diesem Thema. Sie sollte im Wiener Prater stattfinden, wo bereits mehrere„Kriegsausstellungen“ über die Bühne gegangen waren. Während der Vorbereitungen wandte sich der Niederösterreichische Gewerbeverein an das Museum und ersuchte um die Überlassung von Objekten. Die Verfasser verwiesen darauf, dass die Militärverwaltung vor allem an Ersatzmetallen aus den Beständen des Museums interessiert war. 12 Die Leitung nannte in einem Antwortschreiben Türklinken und Schilder aus Eisen, Wasserarmaturen und Erzeugnisse der elektrotechnischen Industrie als mögliche Ausstellungsstücke. 13 Die Schau fand schließlich im Zeitraum von Mai bis August des letzten Kriegsjahres statt. Das Museum wurde zwar im Begleitkatalog als teilnehmende Institution erwähnt; doch geht nicht hervor, mit welchen Objek ten es vertreten war. 14 34 9 HeTnEcPkPeIlCvHoMn DUSoTnEnRerAsmUaSrcPkA,PFIrEaRnGtsAchRaNc,h, 1917 In den Räumlichkeiten des Technischen Museums selbst wurden nach dem Krieg wahrscheinlich nur wenige Ersatzmittel präsentiert. Eine Ausnahme bildete die Abteilung für die chemische Industrie, wo die neuen Verfahren zur Verwertung des atmosphärischen Stickstoffs gezeigt wurden. Sie galten zu Recht als revolutionäre Innovationen. Viele Ersatzmittel und Behelfe waren aber lediglich der Not der Kriegsjahre geschuldet. Als nach dem Krieg die Importe„echter“ Rohstoffe wieder einsetzten, gerieten die meisten von ihnen in Vergessenheit bzw. verschwanden zumindest eine Zeitlang aus der kollektiven Erinnerung. 35 In der NS-Zeit und während des Zweiten Weltkriegs wurden allerdings viele Ideen wieder aufgegriffen und mit verbesserten Methoden realisiert. Nun wurde im Rahmen einer ausgeprägten Autarkiepolitik beispielsweise natürlicher Kautschuk durch künstlichen Gummi unter dem Markennamen„Buna“ ersetzt. Anlässlich des Hundertjahr-Gedenkens an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde im Technischen Museum Wien eine Reihe historischer Ersatzstoffe in den Depots neu entdeckt und als Teil einer Ausstellung präsentiert. Egal ob sie in Zeiten des Friedens erzeugt wurden oder Relikte eines Krieges darstellen: In jedem Fall sind Surrogate interessante und bislang wenig beachtete Sachzeugnisse in einem Spannungsfeld zwischen Technik- und Kulturgeschichte. 2 Franz Rendl Kriegskost: Mangelversorgung und Lebensmittelersatz 37 Rationierung Zu Beginn des Krieges, im Sommer 1914, wog auch unter Fachleuten aus Wirtschaft und Militär die Ansicht vor, dass er nicht lange dauern werde. 1 Einerseits würde das die Verflechtung der Wirtschaft nicht zu lassen, und andererseits könne ein Krieg mit den neuen zerstörerischen Waffen gar nicht lange währen. So waren für eine längere Dauer auch keine Vorkehrungen getroffen worden. Die Rekrutierung von Soldaten, die Bereitstellung der für die Versorgung und Verpflegung der Soldaten nötigen Lebensmittel wie auch aller für den Transport erforderlichen Fahrzeuge und Zugtiere hatten Auswirkungen auf die Versorgung im Hinterland. Vorräte waren nicht in dem Ausmaß vorhanden, wie dies für einen längeren Krieg nötig gewesen wäre. Die laufende Ernte erfolgte bereits unter ersten Einschränkungen. Die Seeblockade der Kriegsgegner verhinderte Importe aus Übersee, der für Österreich-Ungarn unglückliche Kriegsverlauf – rasch gingen Galizien und ein Teil der Bukowina verloren – machte Einfuhren aus den einstigen Kornkammern des Habsburgerreiches unmöglich. Dies und die Reduktion der Lieferungen aus Ungarn trugen zur bald einsetzenden Mangelsituation, vor allem in Wien, bei. Bereits im Oktober 1914 wurde zur Sicherung der Versorgung eine Streckung des Brotmehls(aus Weizen oder Roggen) mit einem Anteil von 30 Prozent Ersatzmehl verordnet. Zugelassen waren Gersten-, Mais- und Kartoffelmehl sowie Kartoffelbrei. Schon Anfang 1915 wurde der Ersatzmehlanteil auf 50 Prozent erhöht. 2 Zur Organisation der Versorgung wurde nach und nach für jeden Produktionszweig eine Zentrale geschaffen. Einer KriegsgetreideVerkehrsanstalt im Jahr 1915 folgten eine Öl- und Fettzentrale, eine Kriegskaffeezentrale, eine Zuckerzentrale usw., insgesamt waren es 91 Zentralen, 20 davon für Lebensmittel. Alle Erträge und Produktionen 1 KRIEGSKOCHBUCH, 1916 38 KEIN VERÖFFENTLICHUNGSRECHT 2 prBoedzuukgteskuanrtdenSpfüerisMeöelhel, und Brot, Rohfett, Butter, Kaffee, FettKaffeemischung, Tabakwaren, Kohle, 1915–1919 39 wurden verpflichtend erfasst. Nachdem die Preise entsprechend der schlechten Angebotssituation stark stiegen, und um die Versorgung auch der einkommensschwächeren Bevölkerung zu gewährleisten, wurden zunächst Höchstpreise verordnet. Die Folge war, dass vieles dem Markt vorenthalten blieb, also entweder gehortet wurde oder auf anderen – illegalen – Wegen zu höheren Preisen Abnehmer fand. Um eine bessere Verteilung des wenigen Verfügbaren zu erreichen, kam es bereits Anfang des Jahres 1915 zur Rationierung und Ausgabe von Bezugskarten für Mehl und Brot. Fortan konnte jeder gegen Vorlage seiner Karten nur eine bestimmte Menge bekommen. Zu seinen Zuteilungen kam man in Wien zudem nur durch langes Anstehen in Warteschlangen vor den Ausgabestellen und Geschäften, zu jeder Jahreszeit, oft schon in den frühen Morgenstunden. Um diese Situation zu entschärfen, erfolgte die Rayonierung, d.h. dass man seine Rationen nur noch in zugewiesenen Lokalen erhielt. Dabei war nach wie vor trotz langer Wartezeiten nicht sicher, dass man die angegebene Menge am Ende auch erhielt. Oft bekam man weniger, oder es war zuletzt nichts mehr da. Außerdem wurde mit Fortdauer des Krieges die Zuteilung an Lebensmitteln pro Person immer mehr reduziert, sodass die Mengen letztlich nicht mehr zum Überleben reichten. Ersatz musste bald auch für Fett und Öl, Zucker, Eier, Fleisch und noch einige andere Lebensmittel gefunden werden, die ebenfalls rationiert wurden. Die immer schlechter werdende Versorgungslage führte dazu, dass minderwertige oder verfälschte Lebensmittel zu überhöhten Preisen auf den Markt gelangten. Paprika konnte man mit Ziegelstaub versetzt erhalten, Fischkonserven mit einem undefinierbaren Öl-Wassergemisch oder gar mit Mineralöl, Brot mit einem Zusatz von Sägemehl, Pferde fleisch wurde als Schweine- oder Rindfleisch feilgeboten. Außerdem ordnete man, um des Fleischmangels Herr zu werden, fleischlose Tage an. Bald nach Kriegsbeginn kamen erste Ersatzlebensmittel auf den Markt, die teilweise sogar gesundheitsschädlich waren und nur der Bereicherung der Hersteller dienten. Mit zunehmender Not nahmen derartige Betrügereien zu und erreichten 1917 einen Höhepunkt. 3 Das 1916 eingerichtete k.k. Amt für Volksernährung sollte unter anderem Lebensmittel kontrollieren und solche unliebsamen Erscheinungen vermeiden helfen. Doch wurden den Herstellern, begründet mit der Kriegssituation, keine strengen Grenzen gesetzt. Auf ein Prüfverfahren einigte man sich erst im März 1918. 40 Unsere Kriegskost, ein Kriegskochbuch Zum Kampf gegen den Mangel dienten auch Kriegskochbücher, die die Hausfrauen anhalten sollten, auf knappe Lebensmittel zugunsten noch verfügbarer zu verzichten. In dem Kochbuch Unsere Kriegskost aus dem Jahr 1916 schrieb die Autorin Gisela Urban, dass der Krieg zu einer Ver langsamung oder gar Einstellung des zivilen Güterverkehrs geführt habe und daher„manche Lebensmittel zeitweise nicht oder nicht in solchen Mengen erhältlich sind, die den allgemeinen Bedarf decken.“ Aus diesem Grund sollten„nur jene Speisemengen gekocht werden, die unbedingt nötig sind.“ 4 Im Geleitwort verwies Prinz Eduard von und zu Liechtenstein, Leiter des Kriegshilfsbüros des k.k. Ministeriums des Inneren, auf die große Aufgabe der Hausfrau:„Je länger der Krieg dauert, desto willensfester, unermüdlicher und einsichtsvoller müssen wir Daheimgebliebene an unseren Aufgaben arbeiten. In erster Linie müssen die Hausfrauen mit größter Überlegung und Sparsamkeit in der Küche schalten und walten, um uns das wirtschaftliche Durchhalten zu sichern.“ 5 Für Gisela Urban, die auch das erste vom Innenministerium genehmigte Österreichische Kriegs-Kochbuch verfasste, begründete sich im allgemeinen Mangel eine patriotische Pflicht der Hausfrau: „Der Krieg hat uns das Sparen an Lebensmitteln zur Pflicht gemacht[…]. Nun, da die Beschränkung unseres Brot- und Mehlverbrauches und insbesondere der immer fühlbarer werdende Mangel an Fleisch und Fett die uns am liebsten gewordenen Ernährungsgewohnheiten beeinträchtigt, fordert er, daß wir eine noch durchgreifendere Veränderung unserer Kochmethoden vornehmen. Mit wenig oder ohne Mehl, mit wenig oder ohne Fleisch und Fett müssen Speisen bereitet werden, die uns nicht nur schmecken und sättigen, sondern die uns auch unseren vollen Bedarf an Nährstoffen zuführen. Diese Kriegsforderungen erhöhen die Schwierigkeiten, mit denen die Haushaltführung schon seit Kriegsbeginn verknüpft ist, noch ganz erheblich. Aber auch diese erhöhten Schwierigkeiten können und müssen beseitigt und besiegt werden. Es ist Pflicht der Hausfrauen, sich eingehend über das Maß von Nährstoffen zu belehren, das wir brauchen, um unseren Körper aufzubauen und um unsere Leistungsfähigkeit zu erhalten. Es ist ferner ihre Sache, die vorhandenen Nahrungsmittel in Bezug auf ihre Nährstoffe so zu 41 3 (APulsaskcahtnmitti)t, Merkblatt 1916 behandeln, daß sie uns einen Ersatz fehlender Nahrungsstoffe, insbesonde re einen Ersatz für Fleisch und Fett, bieten.“ 6 Als Ersatz für Mehl, Brot, Fleisch und Fett wurden andere, kohlehydrat reiche Lebensmittel herangezogen, vor allem die Kartoffel, die noch in großen Mengen zur Verfügung stand. Ebenfalls als Ersatz für das knappe Fett wurde Zucker betrachtet. Gisela Urban riet in ihrem Kochbuch, ihn in Form von Süßspeisen oder in Verbindung mit Obst als Marmelade, Jam, Gelee, Kompott und dergleichen zu nutzen:„Der Butter- und Fettaufstrich läßt sich durch einen Marmeladeaufstrich vollständig ersetzen, ohne daß unsere Lebensgewohnheiten dadurch besondere Störungen erfahren.“ 7 Zur Konservierung von Obst- und Gemüse wurden einige traditionelle Methoden propagiert: Trocknen(Dörren), Einkochen, Einsieden(Sterili sieren), ohne oder mit wenig Zucker. Auf Plakaten wurde aufgerufen, die Früchte des Waldes zu sammeln und zu verwerten. Einen Ersatz für Eiweiß sah man auch in Gerichten mit Pilzen(Schwämmen). Aus nahen Wäldern 42 4 19K1R5IEGSKOCHBUCH, und Wiesen versorgte man sich deshalb mit„pflanzlichem Wildgut“ 8 wie Pilzen und Beeren, in vielen Fällen jedoch, ohne die dafür notwendigen Kenntnisse über die Pflanzen zu besitzen. Das führte dazu, dass es trotz Beratungsstellen und diversen Merkblättern in vielen Fällen zu Vergiftun gen kam. Im Sommer 1918 häuften sich solche derart, dass man von einer „Schwämme-Epidemie“ sprach. 9 Die Menschen wurden auch angehalten, Tierknochen restlos zu verwerten oder an Sammelstellen abzugeben. Auch die Nutzung aller Arten von Tierblut, das hohen Nährwert habe, wurde 43 dringend empfohlen. 10 So entwarf die Autorin die unterschiedlichsten Gerichte von der Vorspeise bis zur Nachspeise auf der Basis von Tierblut. Ein weiteres Mittel zur Propagierung der durch den Krieg notwendig ge wordenen Umstellung der Nahrungsbeschaffung war die ErsatzmittelAusstellung im Wiener Prater. Sie übernahm 1918 mit einer Exposition unter dem Titel„Ernährung und Haushalt“ die Aufgabe, der Bevölkerung „die Wege zu weisen, um über die so schwere Zeit hinwegzukommen“. 11 Die Journalistin Klara Mautner kritisierte diese Ausstellung in der ArbeiterZeitung allerdings harsch: „Die Ersatzmittelausstellung im Prater, kosend ‚Ema‘ genannt, ist das Kind der Not und des guten Humors, der sich nicht unterkriegen lassen will.[…] Die ‚erste‘ Abteilung war für uns als richtige Kriegshausfrauen selbstver ständlich die Nahrungs- und Futtermittelabteilung. Wir studierten mit Emsigkeit die hübsch zusammengestellten Pilze, die sich im Schaukasten so harmlos und bescheiden darboten, als ob das Kilogramm von dieser Ware in trockenem Zustand nicht 80 Kronen kosten würde. Die ‚Kartoffelecke‘ ist mit besonderer Liebe eingerichtet. Da gibt es duftige ‚Kartoffelflocken‘, getrocknete Scheiben, geriebene, gemahlene, zerstampfte, gedörrte Kar toffeln, und die Hausfrau erfährt mit Entzücken und Rührung, was sich alles aus diesem wertvollen Nahrungsmittel herstellen läßt, das sie nicht besitzt. Übrigens grüßen einen von allen Seiten gute Bekannte. Da leuchtet Salatfix stech-gelb aus einer Vitrine, Omeletine und Eierol, Kakaoschale, Zitronin und alle die anderen Freunde der bedrängten Köchin lächeln ihr vertraut entgegen.[...] Zu dem belehrenden Kochvortrag kommen wir zu spät. Daß ich das sonderlich bedaure, könnte ich nicht behaupten. Wir haben in den letzten vier Jahren so viel theoretisch gekocht, daß wir fast das praktische Kochen darüber verlernt haben, und der Mehlspeisen ohne Mehl, Fett, Ei und Zucker sind wir alle schon einigermaßen müde geworden. Sie schmecken im besten Fall nach gebratener Luft und eingebrannten Illusionen. Überdies wird einem sicherlich in diesen Vorträgen nur erzählt, wie vortreff lich die Speisen munden, aber auf Kostproben muß verzichtet werden. Mag nun davon mit Rücksicht auf den Mangel an Material abgesehen worden sein, Eßausstellungen wenden sich ja stets an den falschen Sinn, so ist hingegen schwer zu begreifen, warum man es unterläßt, das Gebiet der Nahrungsmittelfälschung auch nur zu streifen. Auch Ersatzmittel können ja bekanntlich verfälscht werden[...], ja sie können sogar mit schädlichen Stoffen versetzt werden. Eine Ausstellung, die schließlich nicht nur der Pro paganda, sondern auch der Belehrung des Publikums dienen soll, hätte in diesem Punkte ruhig etwas weniger Diskretion üben können.“ 12 44 Kohlemangel und Kochkiste Der Krieg führte auch zu einem Engpass an Kohle, am Ende auch an Gas und Strom. Wie bei Lebensmitteln kam es auch bei der Kohle zu Rationie rung und damit zur Ausgabe von Bezugsscheinen. Eine Möglichkeit zur Einsparung von Kohle und eine Erleichterung für Kleinverbraucher sollte die Verwendung von sparsamen Heiz- und Kochgeräten wie Kochbeutel, Kochkiste und Selbstkocher bringen.„Kocht mit Kochkiste!“ lautete eine der vielen Empfehlungen. Eine solche wärmehaltende Kochkiste sparte Heizmaterial, weil auf dem Herd nur noch erhitzt werden musste. Die ses System war schon länger bekannt, wurde aber in der Not des Ersten Weltkriegs weiter entwickelt. Durch die Zugabe von in oder auf dem Herd erhitzten Schamotte-Steinen, sogenannten„Wärmesteinen“, konnte in der Kiste von unten und oben zusätzlich Wärme zugeführt werden. In den metallenen Töpfen dazwischen sollte man auf diese Weise nicht nur fertig garen, sondern auch braten und backen können. Ein Exemplar dieses neuen Typs, die„Olso“-Kochkiste, ein Produkt der Firma gleichen Namens, zeigte man in der Ersatzmittel-Ausstellung 1918 im Wiener Prater. Sie wurde auch als„selbsttätiger Koch-, Brat- und Backapparat“ beworben, der vor„Kohlen- und Gas- Not“ bewahren sollte. Hausfrauen-Vereine wie die Rohö, die Reichsorganisation der Hausfrauen Österreichs, boten Kurse zum Selbstbau von einfacheren Kochkisten und deren Benutzung an. Im Kriegskochbuch hieß es dazu: „Mit Heizmaterial ist möglichst zu sparen. Kochkisten, Kochbeutel und Selbstkocher sind zu beachten. Auch sollten Hausfrauen überall dort wo dies möglich ist, mit dem rationeller als Kohlenfeuerung ausnützbaren Gas kochen. Beim Kochen mit Gas ist der Gebrauch von Kochkisten oder Selbstkochern besonders lohnend, weil die stete Betriebsbereitschaft der Gasfeuerung das Ankochen und auch das Fertigstellen der Speisen sehr erleichtert.[…] Das Wesen der Kochkiste, des Kochbeutels und des Selbstkochers beruht auf dem Prinzip der schlechten Wärmeleiter. Das Hineinstellen von heißen Gefäßen mit kochenden Speisen in eine mit Heu, Holzwolle, Sägespäne und dergleichen gefüllte Kiste, die dann fest geschlossen wird, hat die völlige Abschließung der Außentemperatur zur Folge. Da die Kistenfüllung aus schlechten Wärmeleitern besteht, die die Hitze nicht aufnehmen, wird die Hitze möglichst lange erhalten und sie genügt, um die Speisen gar werden zu lassen.[...] 45 5 unKdOKCOHCKHISBTUECOHL,SuOmm19it1W8 ärmesteinen 46 Durch die Verwendung der Kochkiste wird nicht nur Brennmaterial erspart, die Kochkiste erleichtert auch die Arbeit und hilft Zeit sparen, da nur das Ankochen und das Fertigstellen der Speisen(Einbrennen, Stauben, Zurichten und dergleichen) Arbeit verursacht.“ 13 In der Wiener Tageszeitung Die Zeit erschien am 7. August 1918 ein Bericht über die Ersatzmittel-Ausstellung, in dem auch auf die Olso-Kochkiste werbend Bezug genommen wurde, deren Vorführung das Interesse und die Bewunderung aller Hausfrauen gefunden habe. 14 Marianne Stern, gerichtlich beeidete Sachverständige für Lebensmittel, beschrieb im Kochbuch zur Olso-Kochkiste weitere Vorteile dieser Art des Kochens. Neben Zeit- und Heizmaterialersparnis erhalte sie den vollen Nährwert der Speisen, verhindere jegliches Anbrennen und halte überdies im Sommer die Küche kühl und frei von Dunst: „Alle diese Vorteile, beziehungsweise Ersparnisse, setzen sich natürlich in Zahlen, das ist in Geldersparnis um. Am greifbarsten und deutlichsten tritt dies wohl bei der Ersparnis an Heizmaterial zutage.[...] Die Berufsfrau kann morgens vor dem Fortgehen das Essen bereiten und findet es bei der Rückkehr fertig gekocht vor. Kein Hetzen und Eilen ist nötig, kein Verzicht auf die warme Mahlzeit, die der Vielgeplagten doppelt unentbehrlich ist. So wird die Vereinigung von Berufs- und Hausfrau möglich und die Kochkiste wird der Frau tatsächlich eine Mithilfe beim Erwerbe.“ 15 Die Benutzung von Kochkisten, Kochbeuteln oder Selbstkochern nahm in der Regel jedoch nur das Kochen bzw. Fertiggaren von Speisen ab. Die Zubereitung war, zumindest was die Kochzeiten betrifft, an die jeweiligen Geräte anzupassen. Deswegen empfahl es sich, einen Kurs zu besuchen oder wenigstens eine Broschüre zu erwerben, die eine Anleitung bot. Kartoffeltrocknung Zu einem wichtigen Lebensmittel wurde die Kartoffel. Einerseits bildete sie ein unverzichtbares Futtermittel für die Tierfütterung, und andererseits stieg ihr Wert unter den Kriegsumständen auch für die menschliche Nah rung. Doch bei guter Ernte kam es mangels geeigneter Lager und/oder Transportmittel oft zu größeren Verlusten durch Fäulnis oder Frost. Zur Sicherung des Ernteertrags und zur Schaffung von Vorräten, um allfällige schlechte Erträge ausgleichen zu können, wurde deshalb während des 47 Krieges die Kartoffeltrocknung gefördert. In getrockneter Form war das Lebensmittel leichter zu transportieren und dauerhaft haltbar. Die Gemein de Wien richtete 1916 eine Trocknungsanlage im ehemaligen Schöpfwerk im Stadtteil Breitensee ein. Die Maschinen stammten von der Berliner Trocknungsanlagen Gesellschaft m.b.H.(TAG). Der Betrieb konnte 1916 jedoch noch nicht aufgenommen werden, da die Ernte zu gering ausgefal len war. 16 Zur gleichen Zeit erfolgte die Einrichtung des Technischen Museums für Gewerbe und Industrie, in dem auch eine Abteilung für Bodenkultur in Planung war. Im Gremium der Fachkonsulenten der Abteilung entschied man sich 1916 bei der Wahl der Themen unter anderem auch für die Präsentation der Kartoffeltrocknung. Ludwig Erhard, der Direktor des Museums, wandte sich deshalb an das Stadtbauamt und ersuchte um eine Empfehlung an einen Erzeuger von Trocknungsanlagen. Es wurde ein Kontakt zur Trocknungsanlagen-Gesellschaft hergestellt. 17 In einem Schreiben an die Museumsdirektion stellte das Unternehmen ein Modell einer Kartoffel-Trocknungsanlage in Aussicht. Durch verschiedene kriegsbedingte Schwierigkeiten verzögerte sich die Lieferung um zwei Jahre, bis zum August 1918. Der Stellvertreter der Berliner Gesellschaft in Wien, Otto Reinle, ein Ausschussmitglied der Schau„Ernährung und Haushalt“ in der Ersatzmittel-Ausstellung, behielt sich jedoch vor, das zugesagte Modell vorher noch dort zu zeigen. Er bot zusätzlich an,„Typ-Muster“ von Trockenkartoffeln in Gläsern für die Ausstellung im Museum zur Verfügung zu stellen. 18 Der Katalog der Ersatzmittel-Ausstellung verzeichnete unter der Rubrik „Kriegswirtschaftsverband der Kartoffeltrocknungsindustrie“ folgende Exponate aus Kartoffeln: Flocken, Walzmehl, Walzgrieß, Schnitzel, Schnitzel mehl, Schnitzelgrieß, Scheiben(rohe, gedämpfte, geschälte und ungeschälte), Stifte, Abfälle(Kleie) und dazu noch das Modell einer Kartoffeltrocknungs anlage. Alle Exponate gelangten noch vor Kriegsende ins Technische Museum. Da Nahrungsmittel aus diesem Zeitraum nur selten erhalten sind, kommt diesen Objekten heute eine besondere Bedeutung zu. 48 6 ANMLOADGEEL, L19E1IN8 ER KARTOFFELTROCKNUNGS7 TROCKENKARTOFFEL-MUSTER in Gläsern, 1918 49 2 Wolfgang Pensold Ausnahmsverfügungen für den Kriegsfall 51 Bei dem im Folgenden beschriebenen Objekt handelt es sich um ein Handbuch mit dem Titel Orientierungsbehelf über Ausnahmsverfügungen für den Kriegsfall für die im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder. 1912 in der Hof- und Staatsdruckerei gedruckt, kam das geheime Handbuch rechtzeitig für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges heraus. Es regelte die Übergabe politischer Befugnisse an militärische Befehlshaber, die Handhabung des Pass- und Meldewesens, den Besitz von Waffen, Munition und Sprengmitteln, die Gerichtsbarkeit, den Eisenbahn- und Schiffsverkehr. Vor allem aber regelte es die Zensur der gesellschaftlichen Kommunikation – die Zensurierung der Druckschriftenproduktion sowie des Post-, Telegrafen- und Telefonbetriebs –, die im Zentrum der folgenden Betrachtungen steht. Nach dem Ende des Weltkrieges überdauerte der wertlos gewordene Orientierungsbehelf Jahrzehnte in der Amtsbibliothek der Post- und Telegrafenverwaltung und gelangte von dort letztendlich ins Technische Museum. Gegen die Ausstreuung falscher Nachrichten Am 28. Juni 1914 erlagen der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gattin in der bosnisch-herzegowinischen Landeshauptstadt Sarajevo einem Schussattentat. Der Attentäter, ein junger bosnischer Serbe namens Gavrilo Princip, lieferte damit Kaiser Franz Josef den willkommenen Anlass für einen Krieg gegen Serbien. Bereits seit Jahren traf man in Wien Kriegsvorbereitungen. Für den Mobilisierungsfall war die Verhängung eines Ausnahmezustands vorgesehen. Entsprechende Ausnahmeverfügungen sollten die militärische Geheimhaltung gewährleisten, Spionage unterbinden und gleich auch jeglichen Widerstand im Inland unterdrücken. 1 Im Orientierungsbehelf hieß es dazu grundsätzlich: 1 IlluSsietrgieerstpenropaganda in den 52 „Der Behelf verfolgt den Zweck, alle Militär- und Landwehrterritorialkommandos, ferner die Kommandos fester Plätze, die Landeschefs, die Finanzlandesbehörden, die Post- und Telegraphendirektionen und die Landesgendarmeriekommandos der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder darüber zu orientieren, welche Ausnahmsverfügungen für das genannte Staatsgebiet im Kriegsfalle oder bei unmittelbar drohender Kriegsgefahr erlassen werden sollen und welche Aufgaben den erwähnten Kommandos und Behörden bei der Vorbereitung und Durchführung dieser Ausnahmsverfügungen zufallen.“ 2 Am 25. Juli 1914, also drei Tage vor der Kriegserklärung ÖsterreichUngarns an Serbien, informierte das Innenministerium die Landeschefs darüber, dass die Verhängung des Ausnahmezustands eine ungehinderte Durchführung der militärischen Aktionen sicherzustellen habe. Dahingehend seien„alle bedenklichen Störungen der Ruhe und Ordnung zu unterdrücken und insbesondere auch alle Kundgebungen sowie Unternehmungen unbedingt zu verhindern“, die sich„gegen den Staat, die Wehrmacht oder die militärischen Maßnahmen“ richteten. Die Ausnahmeverfügungen sollten nötigenfalls in„rücksichtsloser Weise“ durchgesetzt werden. 3 Im Gebäude des Kriegsministeriums am Wiener Stubenring wurde das so genannte Kriegsüberwachungsamt als zentrale militärische Behörde eingerichtet. Geleitet von Feldmarschallleutnant Leopold Schleyer Edlem von Pontemalghera, setzte es sich aus Vertretern des Generalstabs und Beamten diverser Ministerien zusammen. Es sollte die Umsetzung der in Kraft tretenden Ausnahmeverfügungen überwachen und war befugt, „allen im Staatsgebiete mit der Durchführung betrauten militärischen und staatlichen Behörden, also auch den Postdirektionen sowie den Post- und Telegraphenämtern“ Weisungen zu erteilen. Im Gegenzug hatten die Behörden und Ämter verdächtige Wahrnehmungen,„die auf feindliche Absichten der Bevölkerung oder einzelner Personen“ schließen ließen, an das Kriegsüberwachungsamt zu melden. Als besonders verdächtig galten Personen, die„einen gegenüber den sonstigen Verhältnissen auffallend regen“ Post-, Telegrafen- oder Telefonverkehr betrieben. 4 Dahingehend wurde auch die Bevölkerung direkt aufgefordert, wachsam zu sein und verdächtige Beobachtungen zu melden. Am 3. August druckte die amtliche Wiener Zeitung nachstehende Erklärung ab: „Nach zuverlässigen Nachrichten hält sich in unserer Monarchie eine große Zahl subversiver Elemente auf, die die öffentliche und staatliche Sicherheit im höchsten Grade gefährden. Es ergeht darum die allgemeine 53 2 KoKmomnturonlilkeadtieorngaelsseTlelsilcdhaefrtlKicrhieegnsführung 54 3 auDfgaeshBorbieefngeheimnis ist Aufforderung, die amtlichen Organe aus patriotischem Pflichtgefühl nach jeder Möglichkeit darin zu unterstützen, diese nach jeder Richtung gefährlichen Elemente unschädlich zu machen. Durch rege Aufmerksamkeit in dieser Hinsicht kann jedermann zum Erfolg und glücklichen Ausgang der staatlichen Aktionen beitragen. Seriöse Mitteilungen in der angedeuteten Richtung können gegebenenfalls an das im Kriegsministerium amtierende Kriegsüberwachungsamt gerichtet werden.“ 5 Um der Spionage von außen wie auch der Revolte von innen vorzubeugen, sollten die Ausnahmeverfügungen die Menschen in ihrer Mobilität überwachen und vor allem die Zensurierung des Post-, Telegrafen- und Telefonverkehrs sowie der Presse möglich machen. Dazu bedurfte es allerdings der Aufhebung einzelner Bestimmungen des Staatsgrundgesetzes von 1867 über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger. Die Außerkraftsetzung von Artikel 10, der den Schutz des Briefgeheimnisses proklamierte, ermöglichte es, Postsendungen jeder Art durch Organe der Sicherheitsbehörden öffnen, kontrollieren und beschlagnahmen zu lassen. 6 Da sich aber nicht das gesamte Postaufkommen zensurieren ließ, behielten sich die Behörden vor, nur dort Hand anzulegen, wo es nötig schien. 7 Um dem unkontrollierten Zirkulieren gefährlicher Botschaften vorzubeugen, 55 wurde der Postverkehr mit den Ländern der Kriegsgegner gänzlich eingestellt. 8 Ebenfalls aus Gründen der Spionageprävention durften Brieftauben nur noch mit behördlicher Genehmigung gehalten werden. Öffentliche Signalanlagen, Eisenbahntelegrafen sowie Funkstationen wurden für die Nutzung durch Private gesperrt, wie auch der Telefonverkehr in andere Städte. 9 Dasselbe galt für Telefonverbindungen über die Reichsgrenzen hinaus. 10 Der innerstädtische Telefonbetrieb in Wien unterlag der Zensur durch die Vermittlungsbeamtinnen. Fielen unangemessene Worte, hatte das die Unterbrechung des Gesprächs und eine Meldung des Teilnehmers beim Kriegsüberwachungsamt zur Folge. 11 Beim Staatstelegrafen erfolgten Sperrungen von Telegrafenämtern und Linien, die ins Ausland führten. 12 Dort, wo der Betrieb aufrecht blieb, wurde er strikt überwacht. Die entsprechende Dienstanweisung führte dazu aus: „Die Überwachung soll verhüten, daß durch Telegramme in offener oder versteckter Weise Angaben über die Schlagfertigkeit, Bereitstellung und Verwendung der eigenen Streitkräfte verbreitet oder Telegramme, welche der Sicherheit des Staates gefährlich sind oder gegen die öffentliche Ordnung verstoßen, befördert oder zugestellt werden.“ 13 Jede Privatperson, die ein Telegramm aufgab, war verpflichtet, sich zu deklarieren und Namen und Anschrift auf der Originalniederschrift zu notieren. Der Telegrafenbeamte, der das Telegramm annahm, war wiederum verpflichtet, den Aufgeber aufzufordern, seine Identität nachzuweisen. Dies konnte entweder durch ein amtliches Dokument mit Personenbeschreibung erfolgen oder aber durch zwei Zeugen, die den Aufgeber kannten und auch dem Telegrafenbeamten persönlich bekannt sein mussten:„Die Merkmale der Legitimationsdokumente, bzw. die Namen der Zeugen sind vom Annahmebeamten auf der Rückseite der Originalniederschrift des Telegrammes zu vermerken.“ 14 Dem Telegrafenbeamten oblag es zudem, den Inhalt des Telegramms zu prüfen und auch, sein Augenmerk auf den Empfänger zu richten. Telegramme in chiffrierter Form oder in einer nicht zugelassenen Sprache durften nicht befördert werden, auch nicht solche, die Abkürzungen oder gar keinen Text oder aber militärische Angaben enthielten. Telegramme, die sich an Adressaten im feindlichen Ausland richteten, wurden ebenfalls nicht befördert. Für Telegrafenämter in Frontnähe galt, auffällige Nachrichten soweit möglich zu hinterfragen, denn:„Erfahrungsgemäß gibt die Verbreitung von Gerüchten im Kriegsfalle sehr oft zu Übertreibungen Anlaß; eine absichtliche Irreführung durch Ausstreuung falscher Nachrichten durch den Feind ist nie ausgeschlossen.“ 15 Bedenkliche Telegramme aus dem Inland waren mit dem Kürzel 56 4 höDreien Vmeirtmittlungsbeamtinnen „bst“ für„beanstandet“ zu versehen und wie die Telegramme, die aus dem noch zugänglichen Ausland kamen oder dorthin gehen sollten, an die nächste Telegrammzensurkommission zur Überprüfung weiterzuleiten. 16 Eine solche Kommission war für den Kriegsfall in jeder Stadt vorgesehen, in der eine Post- und Telegrafendirektion ihren Sitz hatte. Sie hatte Tag- und Nachtdienst zu absolvieren, um die anfallenden Telegramme möglichst ohne Verzögerung zu erledigen. Die sprachliche Zusammensetzung der jeweiligen Kommission richtete sich nach den gebräuchlichen Landessprachen des betreffenden Kronlands. In der in Wien sitzenden Haupt-Zensurkommission musste neben der deutschen Sprache auch Tschechisch, Polnisch, Ruthenisch, Serbokroatisch, Slowenisch, Slowakisch und Rumänisch vertreten sein. 17 Telegramme aus dem Ausland durften von Telegrafenämtern grundsätzlich erst dann dem Empfänger zugestellt werden, wenn sie bei der zuständigen Kommission die Zensur durchlaufen hatten. Wenn„hinsichtlich der Person des Empfängers“ Bedenken bestan- 57 den, konnte die Zustellung sogar bei vollzogener Zensurierung unterbleiben. 18 Beanstandete Telegramme wurden„inhibiert“, also beschlagnahmt. Den Absender setzte man aus Sicherheitsgründen erst zwei bis drei Wochen später davon in Kenntnis. 19 Aufmerksamkeit gegenüber den Äußerungen der Presse Auch Artikel 13 des Staatsgrundgesetzes, der die Freiheit der Presse gewährleistete, wurde für den Mobilisierungsfall außer Kraft gesetzt. 20 Die Wiedereinführung der Vorzensur über Druckschriften bedeutete, dass die Zeitungen Pflichtexemplare ihrer aktuellen Ausgabe zur Zensurierung bei den zuständigen Behörden zu hinterlegen hatten. 21 Die Niederösterreichische Statthalterei, in deren Zuständigkeit die Reichshauptstadt Wien mit ihrer bedeutenden Tagespresse fiel, gab eine Verfügung heraus, die in der amtlichen Wiener Zeitung am 28. Juli bekanntgemacht wurde; demnach musste von jeder periodischen Druckschrift, also einer Zeitung oder einer Zeitschrift, mindestens eine Stunde, von allen anderen Druckschriften mindestens acht Tage vor Ausgabe ein Exemplar bei den örtlichen Sicherheitsbehörden abgeliefert werden. An Orten, wo ein Staatsanwalt seinen Sitz hatte, war auch diesem ein Exemplar vorzulegen. Bei Zuwiderhandeln drohte eine Geldstrafe von bis zu 2000 Kronen bzw. Arrest bis zu sechs Monaten. 22 Die Zensurgruppe im Kriegsüberwachungsamt observierte alle in Wien erscheinenden Blätter hinsichtlich militärisch relevanter Nachrichten. Sie kontrollierte darüber hinaus die in Wien von Zeitungskorrespondenten an ihre Redaktionen aufgegebenen Pressetelegramme, sowie alle von der amtlichen Nachrichtenagentur – dem k.k. Telegraphen-KorrespondenzBureau – an die Zeitungen ausgegebenen aktuellen Nachrichten. Außerdem erließ das Kriegsüberwachungsamt allgemeine Weisungen an Behörden wie die Staatsanwaltschaft, die Polizei und die Bezirkshauptmannschaften, die als Pressebehörden die Zensur in ihren Zuständigkeitsgebieten ausübten. Es wirkte damit auch auf die Zensuraktivitäten in der Provinz ein und hielt überdies Kontakt zu den Zensurbehörden in Ungarn sowie im verbündeten Ausland, vor allem im Deutschen Reich. 23 Den österreichischen Zeitungen und Zeitschriften war es grundsätzlich verboten, über militärische Operationen oder Truppenbewegungen, den Zustand von Befestigungswerken oder den Transport von militärischen 58 Gütern zu berichten. An militärischen Nachrichten durften sie nur amtlich Genehmigtes abdrucken. Dazu zählten Meldungen, die vom Preßbureau des k.u.k. Kriegsministeriums genehmigt waren, oder vom k.u.k. Kriegspressequartier, einer dem Armeeoberkommando unterstellten Institution, bei der Korrespondenten der großen Zeitungen akkreditiert waren. 24 Ebenfalls erlaubt waren Meldungen, die vom k.k. Telegraphen-Korrespondenz-Bureau ohnehin schon an die amtliche Wiener Zeitung und die amtlichen Landeszeitungen übermittelt worden waren. 25 Die strenge Reglementierung hatte gute Gründe. Abgesehen von der Wahrung militärischer Geheimnisse ging es den Behörden darum, allfälligen publizistischen Widerstand gegen die Kriegsführung im Keim zu ersticken. In einer Weisung des Justizministers hieß es dazu recht deutlich: „Die Staatsanwaltschaften sind sofort streng vertraulich, womöglich telephonisch, anzuweisen, allen Äußerungen der Presse eine erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden und – außer den Mitteilungen über militärische Vorkehrungen – allen Staats- und militärfeindlichen oder gegen die höchsten Personen im Staate gerichteten sowie allen serbophilen und insbesondere auch solchen Artikeln, die unter dem Scheine der Friedensliebe gegen den Staat und seine Bestrebungen, seine Einfluß- und Machtsphäre hetzen, mit der größten Strenge und unter weitestgehender Auslegung des Gesetzes unnachsichtlich und mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten.“ 26 Ein bezeichnender Vorfall ereignete sich bereits kurz vor Kriegsausbruch. In der Ausgabe vom 24. Juli wandte sich der Leitartikler der regierungskritischen Arbeiter-Zeitung unter dem Titel„Das Ultimatum an Serbien“ scharf gegen die überzogenen Forderungen, die Österreich-Ungarn an Serbien stellte. Als Reaktion darauf erging eine interne Note des Kriegsministeriums an das Innenministerium mit dem Hinweis, dass es wohl den Interessen der Regierung entsprochen hätte, wäre dieser Artikel vor Drucklegung konfisziert worden. 27 In den folgenden Jahren erschien vor allem die Arbeiter-Zeitung oft mit Zensurlücken an jenen Stellen, wo ein beanstandeter Artikel aus dem Satz entfernt hatte werden müssen. Aus der Sicht der Zensoren war diese Vorgangsweise nicht allzu geschickt, denn die verräterische leere Stelle ließ jeden Zeitungsleser wissen, dass ihm die Obrigkeit etwas verheimlichen wollte. In gravierenden Fällen gingen die Zensurbehörden noch weit über Streichungen von Textpassagen hinaus und stellten eine widerspenstige Zeitung zeitweise oder ganz ein. Um das Einsickern allfälliger„Feindespropaganda“ aus dem Ausland zu verhindern, waren in Wien überdies nur Zeitungen und Zeitschriften 59 5 er„h…öhatleleAnuÄfmußeerkrusanmgekneitdzeurzPurwesesnediesnt“eine aus dem verbündeten oder neutralen Ausland zugelassen, während im „feindlichen“ Ausland erscheinende Blätter einem generellen Verbot unterlagen. 28 Die restriktive Zensurpraxis brachte jedoch schon in den ersten Kriegstagen Unruhe hervor. Am 5. August 1914 erschien in der Wiener Zeitung ein beschwichtigender Aufruf, der Gerüchte zu zerstreuen suchte, die in der Bevölkerung kursierten: 60 „Trotz wiederholter Versicherung, daß alle mit der allgemeinen Lage und den Kriegsereignissen zusammenhängenden authentischen Nachrichten seitens der leitenden Stellen ehestens zu allgemeiner Kenntnis gebracht werden, finden die abenteuerlichsten Gerüchte in weiten Kreisen der Bevölkerung fortgesetzt bereitwilligste, durch keinerlei vernünftige Überlegung korrigierte Aufnahme und allgemeinste Verbreitung. Diese Erscheinung ist umso bedauerlicher, als sich erfahrungsgemäß gerade alarmierende Ausstreuungen am hartnäckigsten erhalten und eine nicht genug scharf zu verurteilende unverantwortliche Irreführung der öffentlichen Meinung hervorrufen. Es bedarf daher der unausgesetzten Mithilfe der gesamten Bevölkerung, um derartige in ihrer Mitte erstandene und durch sie selbst kritiklos weitergegebene und dabei aufgebauschte Nachrichten radikal zu unterdrücken. Gerade die Öffentlichkeit aber in ihren vielfachen sozialen Verzweigungen ist in den allermeisten Fällen selbst in der Lage, die Grundlosigkeit und Unhaltbarkeit plötzlich aufgetauchter Gerüchte jeder Art in der kürzesten Zeit einwandfrei festzustellen und letzteren damit auch den Boden zu entziehen, bevor sie in die Allgemeinheit zu dringen und nach irgend einer Richtung falsche Bilder zu erzeugen vermögen. Im Zusammenhange damit wird daher betont, daß jede Nachricht über Kriegsereignisse und sonstige mit der allgemeinen Lage in Zusammenhang stehende Vorkommnisse von amtlicher Seite zur gegebenen Zeit ohne Beschönigung und Verdrehung zur Veröffentlichung gelangen wird, so daß sich das Publikum auch in dieser Hinsicht mit vollstem Vertrauen auf die Kenntnisnahme der offiziellen Nachrichten beschränken und jeder Entstellung des derart einwandfrei fixierten Tatbestandes wie auch jeder Eskomtierung möglicher Ereignisse mit größter Energie entgegentreten kann.” 29 Die folgenden Wochen zeigten, dass dies nur bedingt zutraf, dass es der Militärführung weniger darum ging, kursierende Gerüchte zu unterdrücken, als um die bittere Tatsache, dass die österreichischen Armeen teils vernichtende Niederlagen unter horrenden Verlusten erlitten hatten. Die Zensur sorgte dafür, dass davon kaum etwas an die Öffentlichkeit drang. Der Schriftsteller Stefan Zweig notierte am 7. September in seinem Tagebuch, dass die ursprüngliche Euphorie der Wiener umgeschlagen habe und„große Erbitterung über die Unwahrhaftigkeit der Zensur” herrsche, welche beharrlich verschweige, dass Czernowitz schon unter russischer Besetzung liege und stattdessen noch von siegreichen Gefechten aus jener Gegend berichten lasse: „Die Menschen oben scheinen ganz vernichtet, von ganzen blühenden Regimentern keine 50 Mann mehr, alle Officiere gefallen – es ist grauen - 61 6 einNeeZbeennsduerlmückaemtlichen Schlachtbericht klafft haft, was für Metzeleien dort waren. Langsam spürt es jetzt auch die Stadt; die Straßen sind merklich stiller geworden in den letzten Tagen, die Zuversicht geringer. Die Absperrung von der Außenwelt tut Alles, um die innere Unruhe nur noch zu verstärken.” 30 Es war also offenbar die restriktive Zensurpraxis, die dafür sorgte, dass sich in der Bevölkerung allerlei Gerüchte aus dubiosen Quellen verbreiteten. Damit bewirkten die Maßnahmen, die das Aufkommen von Unruhe vermeiden hätten sollen, das genaue Gegenteil. Sie verängstigten die Menschen – vielleicht mehr, als dies die ernüchternde Wahrheit getan hätte. Mirko Herzog 63 „ Diensthöflich übersendet”? Kriegsutensilien für das Postmuseum In der bruchstückhaft überlieferten Geschichte des Wiener Post- und Telegraphenmuseums(1891–1992) bilden die Jahre des Ersten Weltkriegs keine Ausnahme. 1 Bei Kriegsausbruch im Juli 1914 war das k.k. Postmuseum – erst zu Jahresbeginn aus dem alten Standort im Prater ins Technische Museum übersiedelt – mit der Aufstellung seiner Sammlungen in den neuen Räumlichkeiten beschäftigt. Während der Zufluss an Neu zugängen für Archiv und Bibliothek – Landkarten, Bilder, Bücher und Urkunden – nicht abriss, geriet die Einrichtung der Schausäle bald ins Stocken. Zum einen machten sich die ersten Auswirkungen des Krieges auf Personal- und Materialressourcen bemerkbar, zum anderen erwies sich die reservierte Belegfläche als zu klein für die Fülle an Apparaten und Anlagen aus der Telegrafie, Telefonie und Rohrpost. An Räume für eine Bibliothek oder ein Archiv war vorläufig gar nicht zu denken. Ob die Museumsverantwortlichen in dieser Situation die Absicht hegten, Mementos der scheinbar angebrochenen„Großen Zeit” aus dem Bereich der Feldpost zu sammeln, ist nicht bekannt. Im Gegensatz zum deutschen Reichspostmuseum in Berlin, das sonst stets als Vorbild diente, hatte man im kleinen Wiener Pendant nur wenige Exponate zu Post und Militär verstreut ausgestellt. 2 Ein systematischer Erwerb von Objekten der Institution Feldpost, wie im Fall des Berliner Reichspost museums, 3 ist aus der einzig verfügbaren Quelle zu diesem Thema nicht herauszulesen. Bei der Quelle handelt es sich um das Inventarverzeichnis A II, angelegt im Jahr 1892 und geführt bis 1938. Auf 16 Seiten im Folioformat bildet sich die Sammlungsaktivität des Postmuseums von Juli 1914 bis November 1918 in etwa so ab: Rund 200 Eintragungen listen 400 unterschiedlichste Gegenstände auf, überwiegend Archivgut aus der Zeit des 18. und 19. Jahrhunderts. Von den 400 Neuzugängen beträgt der Anteil kriegsbe 1 W „ EPHoRstShCoHrnILiDn ,EWiseienn”,, 1917 64 zogener Stücke nur gut ein Sechstel bzw. konkret 41 Objekte und 30 Fotografien. Die erste der Eintragungen – ein„russischer Briefkasten”, eingesendet vom Amtsleiter des Feldpostamts 93 – datiert vom Frühjahr 1915, die letzte Inventarisierung vor Kriegsende betrifft einige Fotos eines Postflugzeugs, das im März 1918 auf der Strecke Wien-Kiew einge setzt wurde. Den ersten und bis 1918 einzigen Neuzugang mit Kriegsbezug nicht zur Front, sondern zur Heimat verzeichnet das Inventarbuch zur Jahreswen de 1917/18. 4 Auf Anordnung des Generaldirektors für Post- und Telegraphenangelegenheiten, Friedrich Wagner von Jauregg(1858-1932), wurde damals ein sogenannter„Wehrschild” ans Postmuseum abgegeben. Initiiert vom k.k. Postbeamtenverein, war im Handelsministerium ein großes Holzschild mit der Bezeichnung„Posthorn in Eisen” für eine kriegstypische Wohltätigkeitsaktion aufgestellt und zwischen Mai und Oktober 1917 gegen Geldspenden durch die Bevölkerung mit Eisennägeln beschlagen worden. 5 Die meisten Neuzugänge zum Thema„Post im Krieg” waren Dienstutensilien wie Plombenzangen und Stempel serbischer oder russischer Feldpostämter. Arbeitsgeräte österreichischer Provenienz finden sich bis Kriegsende aus einsichtigen Gründen nur ausnahmsweise, als etwa dem Postmuseum nach dem Fall der Festung Przemyśl Ende März 1915 Plombenzangen und Stempel der dort stationierten Feldpostämter übergeben wurden, darunter neue Geräte, die gar nicht mehr zum Einsatz gekommen waren. Weitere Feldpostrelikte werden neben wenigen Lichtbildern nur mehr in den 1920er und 1930er Jahren verzeichnet, fallweise und in kleinen Stückzahlen. 6 Der größte Sammlungszugang für diese Zeit waren rund 800 gestempelte Leerkuverts, adressiert an das Feldpostamt 51. 7 Anfang der 1950er Jahre wurde dem Postmuseum ein kleiner Bestand von Memorabilia des ehemaligen Feldpostsekretärs Adalbert Markus(1868– 1955) übergeben. 8 Für Ausstellungs- oder Forschungszwecke genutzt wurden diese Bestände nicht. Ebenfalls im Dunkel des Postarchivs blie ben eine um 1975 erworbene Sammlung von Briefen und Postkarten in Zusammenhang mit der Suche nach Kriegsgefangenen in Russland 9 und eine Sammlung aus rund 200 ungelaufenen italienischen Feldpostkarten ungeklärter Herkunft, die 1978 im Depot des Technischen Museums auf gefunden wurden und aus 50 Varianten verschiedener Vordrucke, zum Teil in Form von Abreissblöcken, bestehen. 10 65 2 Pr P ze L m O y M śl B , E 1 N 91 Z 5 ANGE für das Festungspostamt Sammlungszugänge mit Kriegsbezug sind für die Zeit des Ersten Weltkriegs also nur spärlich nachweisbar; das Gros der Einträge mit 35 Neuzugängen datiert aus dem Jahr 1916. 11 Dass sich gerade in diesem Jahr Dienstutensilien aus den Frontgebieten mehrten, dürfte kein Zufall sein: Damals übernahm Josef von Posch(1851–1932) erneut die Leitung der k.u.k. Generalfeldpostdirektion, die er bis Kriegsende innehatte. 12 Während seiner ersten Amtszeit von 1906 bis 1913 hatte Posch für den Kriegseinsatz der Post die Pläne ausgearbeitet, nach denen die Feldpost im August 1914 aktiviert werden sollte. 13 Als Ministerialrat hatte er sich ehrenamtlich für das Postmuseum engagiert. Er gehörte der philatelistischen Fachgruppe des Museums an und war für den Ausbau der Marken sammlung zuständig, die 1912 aus immerhin 1000 Kartons mit circa 30.000 verschiedenen Briefmarken bestand. Von 1912 bis 1916 fungierte Posch als Direktor des Postmuseums. 14 Es hat zumindest den Anschein, daß Posch in seiner Funktion als Gene ralfeldpostdirektor über die Armeepostdirektionen auf die Amtsleiter der untergeordneten Feldpostämter einwirkte, nicht nur„erbeutete” Postbe triebsobjekte des Gegners nach Wien an das Postmuseum zu schicken, sondern – seinen philatelistischen Interessen gemäß – auch Feldpostkar - 66 3 Feldpostkarte an das k.k. Postmuseum Wien, 1916 ten. Denn im Februar 1916 sandten die Amtsleiter verschiedener Feldpostämter, zum Teil an gleichen Tagen, 23 Karten mit einem offenbar vorgegebenen Text nach Wien ans Postmuseum:„Im Felde am 7. Feber 1916. Auf Befehl der k. und k. Armeepostdirektion Nr. 5 wird diese Feld postkorrespondenzkarte diensthöflich übersendet.(Der Amtsleiter)”. 15 Waren die Karten ihrer Feldpoststempel wegen für die künftige PhilatelieAbteilung im Postmuseum gedacht, deren Saal noch der Ausgestaltung harrte? 16 Die Frage lässt sich nicht beantworten. Ins Inventarbuch A II wurden die Feldpostkarten nicht aufgenommen, weder in der Kriegszeit noch in den Jahren bis 1938. Wenn es eigene Verzeichnisse zur Philateliesammlung gab, so sind diese nicht erhalten. Ihre aktuellen Signaturen erhielten die Feldpostkarten von 1916 spätestens in den 1970er Jahren, als sie nach philatelistischen Kriterien inventarisiert wurden, zusammen mit vielen hundert Karten und Leerkuverts aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, die in den Jahren und Jahrzehnten nach 1918 übernommen worden waren, darunter der bereits erwähnte Bestand an rund 800 Briefkuverts, adressiert an das Feldpostamt 51(Armeeoberkommando-Quartiersmeistersabteilung). In diese Stelle war seinerzeit Posch als Generalfeldpostdirektor einberufen worden, und dort hatte zeitweise auch Feldpostsekretär Adalbert Markus sein Amt ausgeübt. 17 Aus der Generalfeldpostdirektion gelangten Ende August 1916 auch die ersten Feldpostfotografien ans Postmuseum und wurden dort inventari siert. 18 Bis 1918 wuchs ihr Bestand, wie eingangs erwähnt, auf 30 Stück an. Von diesen Fotografien abgesehen, dürfte der Rest des heute vorhande - 67 4 Offiziell genehmigte Feldpostfotografie, 1916 nen Lichtbildbestands zur k.u.k. Feldpost aus den Jahren nach 1918 stam men. Inventarisiert wurden die Aufnahmen in den 1930er Jahren. Damals zählte man neben 45 Objekten sowie zwölf Zeichnungen und Drucken rund 290 Fotografien. 19 Herkunft und Zweck der meisten Feldpostfotografien sind nicht ausge wiesen. Ein Hinweis ergibt sich im Falle einer Lichtbildserie aus rund 50 Aufnahmen in serieller Aufmachung(Kartonblätter im gleichen Format und mit gleicher Beschriftung), wo auf einigen Rückseiten der Stempel„Vom Preßbureau des Kriegsministeriums genehmigt. 26. Sept. 1916” aufgedruckt wurde. Offensichtlich war die Serie dafür gedacht, öffentlich gezeigt zu werden, vielleicht in einer der zahlreichen Kriegsausstellungen im In- sowie im verbündeten und neutralen Ausland. Möglicherweise stammen die Aufnahmen von einem der(Amateur-)Fotografen, die seit 1915 auf ausdrücklichen Wunsch der Armeeführung mit ihrer eigenen Kamera festhielten, was ihnen in Marsch- oder Gefechtspausen vor die Linse kam. Der Bildhunger der Menschen daheim, fern von Schützengräben und Schlachtfeldern, sollte mit immer wieder neuen„authentischen” Eindrücken vom Leben im Felde gestillt werden – selbstverständlich nur mit solchen, die den Vorstel lungen der Zensur entsprachen. 20 Die Kriegspropaganda tat das Ihre, um 68 die unverfälschte Unmittelbarkeit der„tausendfach von den Kombattanten selbst” betriebenen Fotografie zu suggerieren: „Denn die Linse, von wie künstlerischem Auge sie auch gestellt sein mag, dichtet nichts hinzu und nimmt nichts fort: in ihren Films ist die nackte Wahrheit der Landschaft und der Menschen. Unzählige solcher kleiner Momentaufnahmen, fertig ausgeführt oder erst zu entwickeln, sind von der Front ins Hinterland zurückgewandert, Grüße aus der Wirklichkeit an die unerfahrene Gedankenvorstellung.” 21 Die zum Großteil technisch nicht ausgefeilten, dadurch ungekünstelt oder ungestellt wirkenden Aufnahmen haben insbesondere bei Geländefotos den quasi-dokumentarischen Charakter einer Fotoreportage. Weniger offenkundig wird so der propagandistische Wert der Fotos als illustrative Beispiele für das Pflichtbewusstsein und Durchhaltevermögen von Sol daten und Zivilisten im mühevollen Feldpostalltag zwischen Front und Heimat. Der Bilderzyklus ist nicht der einzige seiner Art, der im Postarchiv erhalten blieb, aber der umfangreichste. Nach Kriegsende hatte man für derlei Hinterlassenschaften der„Großen Zeit” staatlicherseits keine Verwendung mehr. Die Bebilderung des patriotischen Einsatzes für eine Monarchie, deren Weg in den Untergang Leid und Elend über Millionen Menschen gebracht hatte, bot für die Öffentlichkeit wohl kaum mehr positives Identifikationspotential. Wann aus welcher Behördenstelle, über welche mehr oder minder verschlungenen Wege die Feldpostfotos ins Postmuseum kamen, liegt im Dunkeln – wie im übrigen auch die meisten Fotografien für die nächsten Jahrzehnte im Dunkeln ei nes Kanzleischranks verwahrt blieben. Noch Ende der 1930er Jahre waren, trotz des Aufblühens monarchistischer Nostalgie im Ständestaat, insge samt nur elf der rund 290 Lichtbilder ausgestellt. 22 „Alles will Feldpostkarten, jeder will schreiben” Das immer wieder variierte Hauptmotiv der oben erwähnten Fotoserie ist ein durchgängiges Motiv auch der übrigen Feldpostfotografien: Frau en und Männer bei der Arbeit, ganze Berge von Paketen, Briefen und Postkarten zu sichten, prüfen, sortieren, verpacken, transportieren und zu verteilen. Tatsächlich hatten Tausende Zivilisten, Postbeamte und Soldaten Tag für Tag, Nacht für Nacht bis dahin unvorstellbare Mengen an Postgut zu bewältigen. 1915 wurden in der Feldpostsortierstelle in Wien„täglich 69 5 lanFde:ldspamosmtaellltna,gsoimrtiHeriennte, rverladen, Prag, 1916 70 6 dieVoFnrodnetr: Heimat an Transport und Bearbeitung von Feldpostsendungen 71 weit über eine halbe Million” Postsendungen abgefertigt. 23 Ende De zember 1916 wies die Feldpostsortierstelle und-paketsammelstelle Prag fast 302 Millionen bearbeitete Poststücke seit Kriegsbeginn aus. 24 Grob geschätzt, dürften während des Krieges in Österreich-Ungarn etwa 1,5 Milliarden Feldpostsendungen befördert worden sein. 25 Jedes Poststück durchlief ein weitgespanntes Netz aus verschiedenen Stationen: zuerst vom heimischen Postamt in die nächste Postsortierstelle, welche die zivile von der militärischen Post trennte und alle Feldpost sendungen an eine der 17 Sammelstellen in den Kronländern schickte. In den Sammelstellen wurden Briefe und Karten von den gewichtigeren Paketen mit„Liebesgaben”(warme Wäsche, Tabak, Bücher und Delikatessen) und„Warenproben”(haltbare Lebensmittel und Gebrauchsartikel wie Seife, Kämme oder Messer) separiert; die Zustellung der Briefpost hatte Vorrang. Von der Sammelstelle erfolgte die Zuweisung zum Hauptfeldpostamt – stets an einem Bahnnetz gelegen –, und von dort gingen die Poststücke per Zug weiter zu einem der aberhundert Feld post- oder Etappenpostämter. Während der Fahrt ordneten die Beamten die Poststücke den einzelnen Ämtern im Etappen- und Frontgebiet zu. Von den Eisenbahnstationen führte der beschwerliche Weg weiter mit Lastkraftwagen oder – viel häufiger – Pferdefuhrwerken in Richtung Front und Schützengraben. Diese„Trains” oder Feldpostzüge aus zum Teil ausgedienten Postkutschen und alten Packpferden begleiteten militärische Einheiten und eröffneten, sobald der Vormarsch stockte, kleine improvisierte Postämter in Zelten oder Scheunen, gekennzeichnet durch ein Schild mit der Aufschrift K.u.k. Feldpostamt und einer Nummer. Diese Nummern standen auch auf den Karten und Kuverts der Feldpostsendungen aus der Heimat; da die Soldaten an der Front keine Adresse hatten, ihr Standort sich oft veränderte und über dies geheim gehalten wurde, mussten Angehörige auf Briefen und Karten die Feldpostnummer ihrer Truppeneinheit angeben. Die Feldpostbediens teten wussten, wo die betreffende Einheit gerade stand, sofern diese nicht plötzlich ihren Standort verändert hatte und das Feldpostamt sich auf die tagelange Suche nach dieser oder jener Kompanie begeben musste. In die Schützengraben gelangten die Beamten nicht; Post dorthin wurde von Offizieren oder sogenannten„Postordonnanzen” übernommen. Die mannigfachen Unwägbarkeiten und Hindernisse, mit denen die Feldposttrains in Frontnähe konfrontiert waren, waren kaum geeignet, auf Lichtbildern und Ansichtskarten propagandistisch verwertet zu werden. 26 72 7 WAiennsi1c9h1t4sk–a1r9t1e8 „ Postordonnanz im Schützengraben”, 8 FeVldeprtoesiltuinngGdoezrd (Galizien), Oktober 1914 73 So berichtet der Wiener Feldpostbeamte Ernst August Finke von seinem Dienstalltag an der Nordostfront im Herbst 1914 in sehr ernüchternden Szenen. Finke schildert die Arroganz der Frontoffiziere und die bürokrati sche Beckmesserei im Hinterland, lückenhafte Befehlsketten und nächt liche Irrfahrten durch unbekanntes Gelände,(beifällig aufgenommene) Hinrichtungen vermeintlicher Frontspione und die allgegenwärtige Ge fahr, dank der modernen weittragenden Geschütze auch Kilometer hinter der Feuerlinie unter Beschuss zu geraten. So ungeduldig die Feldpost von den Soldaten erwartet wurde, so hinderlich wurden ihre schwerbeladenen Fuhrwerke im Chaos der Rückzugsmanöver. Dann mussten die Feldpostbeamte sich gegen die eigenen Kameraden zur Wehr setzen, damit nicht sehnsüchtig erwartete Lebenszeichen säckeweise im Straßenschlamm landeten. 27 Der wichtigste Teil der Feldpostarbeit, die Verteilung von Poststücken und Ausgabe neuer Feldpostkarten an die Soldaten, spielte sich oft anders ab, als Kriegsmaler und Kriegsfotografen es gerne festhielten. Empfahlen sich für den Fotoreferenten des k.u.k. Kriegsarchivs die Rastpausen der Infanterie für eine„Unmenge reizender Aufnahmen”, insbesondere bei der Verteilung der Feldpost – denn„nie sah ich im Bilde das, was ich so oft im Schützengraben geschaut: weich-glückliches Lächeln im harten Kriegergesicht, wenn der Heimatsbrief[sic] kam” 28 –, lieferte die Frontwirklichkeit weniger beruhigende Bilder. Statt Szenen mit Männern, die ordentlich aufgereiht oder in gemütlicher Runde Briefe und Karten von Postbeamten oder Offizieren übernehmen, schildert der Feldpostbeamte Finke ein eher verstörendes Erlebnis, ganz gegensätzlich zum offiziellen Bild: „Über die Felder kommt eine Kompagnie Infanterie. Sie ist total er schöpft und lagert sich auf der Wiese. Ein Mann bettelt uns um Brot an. Gleich sind wir von der ganzen Mannschaft umringt. Alle Müdigkeit ist vergessen. Wir geben ihnen alles, was wir haben, doch viel zu wenig, daß jeder etwas bekommen hätte. Der Offizier treibt die Leute wieder mit Gewalt zurück. Dann sprechen wir miteinander. Er gibt mir einen Brief. Auf einmal weiß jeder, daß hier ein Feldpostamt ist. Alles will Feldpost karten, jeder will schreiben und wie jämmerlich mancher bitten kann. Leider sind alle Karten bald verteilt und immer mehr Leute kommen, bitten, betteln und jammern. – Entsetzlich! Angst, Müdigkeit und Hun ger, ja alles ist vergessen und nur mehr der Wunsch ist vorhanden, eine 74 Nachricht über das Befinden nach Hause zu senden.[...] Dann nehmen wir alles, es war uns gleichgültig, ob der Zettel der Größe einer Feldpostkarte entsprach oder nicht, ob das Papier dünn oder dick, rot oder blau war bzw. ob es von einem Notizbuch oder vom Rande einer Zeitung herstammte.” 29 Weder Hunger noch Erschöpfung waren zu groß, um nicht zumindest ein paar Worte der Nachricht auf irgendein Stück Papier zu kritzeln, das man der Feldpost mitgeben konnte. Die Episode vermittelt eindrücklich, wie groß das Bedürfnis der Soldaten war, sich den Lieben daheim mitzuteilen, soweit es das Postkartenformat, die Zensur und die persönlichen Schreibkenntnisse zuließen – und natürlich die Situation im Schützengraben. Nie zuvor wurde von so vielen Menschen so viel geschrieben. Auch für im Briefeschreiben ungeübte Menschen und für nicht-alphabetisierte Soldaten war der Krieg ein erzwungener Anlass zu schreiben, sei es mit Hilfe des Schreibens mächtiger Kameraden oder indem sie sich während des Krieges selbst das Schreiben beibrachten. 30 Karten und Briefe waren die letzte Verbindung mit dem zivilen Leben, die einzige Möglichkeit, mit Verwandten und Freunden in Kontakt zu bleiben:„Die Post bezeugt, dass die Familien und die Freunde sie nicht vergessen, dass die Soldaten noch ein Haus haben, wohin sie zurückkehren kön nen, und daß es noch anderes außer Krieg und Tod gibt.” 31 Der kontinuierliche Kontakt in Form wechselseitiger Grüße und Mitteilungen wirkte sich positiv auf die Stimmungslage der Soldaten und damit auf ihren Kampfwillen und ihr Durchhaltevermögen aus und trug indirekt zu einer erfolgreichen Kriegsführung bei. Ganz im Sinne der Kriegspropaganda formulierte der Schriftsteller Stefan Zweig (1881–1942) an seinem Schreibtisch im Kriegsarchiv salbungsvoll den Zusammenhang zwischen geistiger Kommunikation und physischer Kampfbereitschaft: „Der einzelne Soldat muß immer wieder erinnert werden, wofür er kämpft, muß die Heimat spüren,[…] Briefe von der Heimat erinnern ihn an Frau und Kind, an Haus und Hof, für deren Glück und Wohlstand er kämpft, die Zeitungen belehren ihn über die Resultate seiner Anstrengungen, über die Fortschritte des Gemeinsamen, zu der seine eigene Tat ihr Unsichtbares, aber dennoch Wirksames täglich beifügt.[…] Ganze Welten von Heimat und Ferne bringen die Briefpakete der Feldpost auf rollenden Rä dern täglich hin und her. Im ungeheuren Verdauungs- und Verarbeitungsprozess des Kriegsorganismus ist sie gleichsam das sensible Nervensystem, der Reizbringer, der die Nerven und damit auch die Muskeln spannt.” 32 Die Organisation des Feldpostverkehrs war demzufolge darauf abgestellt, den rund acht Millionen Soldaten der k.u.k. Armee in Karten und Briefen von daheim so viel moralische Unterstützung wie nur möglich zukommen zu lassen. Zu diesem Zweck wurden alle Briefe und Karten unter 100 Gramm Gewicht ab dem fünften Mobilisierungstag gebührenfrei befördert.„Feldpost Korrespondenzkarten“(„Tabori postai le- 75 9 19F1e6l–d1p9o1s8tkarte „ Ich bin gesund”, velezölap“) waren im Standardformat 9 mal 14 Zentimeter mit normier tem Aufdruck hergestellt; um die Sortierung zu erleichtern, gab es zu unterschiedlichen Zeiten Auflagen aus grauem, rosa oder grün gefärbtem Papier. Kam es infolge Überlastung der Transportwege zu Logistikproblemen, gab es Truppenverschiebungen oder musste das Nummerierungs system der Feldpost aus Sicherheitsgründen geändert werden, wurden „Postsperren” verhängt, bei denen ausführliche Kommunikation zwischen Front und Heimat untersagt war. Für Postsperren wurden ab August 1916 spezielle Karten produziert, die – dem Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn Rechnung tragend – in neun Sprachen den Aufdruck“Ich bin gesund und es geht mir gut” trugen, aber kein Textfeld zum Beschreiben boten. Die Mitteilsamkeit der Soldaten in Richtung Heimat war so groß, daß bereits in den ersten Kriegswochen Lieferengpässe bei den staatlichen Drucksorten eintraten und die Behörden in der österreichischen Reichs hälfte die private Herstellung von Feldpostkarten erlaubten. Zu den Standardkarten der Feldpost kam für die kommenden vier Jahre eine Flut von Propagandapostkarten. Auch handelsübliche Ansichtskarten mit Ortsbildern konnten verschickt werden, sofern der Ortsname vom Schreiber unkenntlich gemacht wurde(was durchschnittlich nur bei jeder zweiten Ansichtskarte befolgt wurde). 33 Zeichnerisch Begabte verfertigten ihre eigenen Bildpostkarten – launige Karikaturen des Soldatenlebens oder begeisterte Kundgebungen von schwarz-gelbem Kriegspatriotismus. Auch die schon in Friedenszeiten beliebte Gepflogenheit, Privatfotografien als Ansichtskarten zu verschicken, wird in der„Großen Zeit“ weitergeführt; wer Gelegenheit und Mittel hatte, ließ sich stolz mit Kameraden für die 76 10 Propagandapostkarte„ Hand weg!” 1916 77 1 b 1 ed P ie ri n va st t e e t F e o , A to p p r o il s 1 t 9 ka 1 r 5 te: FeldpostDaheimgebliebenen am Ort seines Kriegseinsatzes ablichten, in einer für die Zensur möglichst unverfänglichen Szenerie posierend. Ins Konzept der Kriegspropaganda passte, daß derlei massenhaft kursierende Feldpostkarten und-briefe wie die publizierten Soldatenfotos in der frontfernen Öffentlichkeit als unmittelbare und„kampfnahe” Manifestationen persönlich erlebter Kriegswirklichkeit galten. 34 „Der Feldpostbrief wurde zu dem Medium des ‚Augenzeugen’, durch dessen Schilderung der Krieg erst ‚erzählbar’ gemacht werden konnte. An die Stelle des fiktiven Erzählens und Schreibens über den Krieg, das sich vor allem in Form der weit verbreiteten Kriegslyrik äußerte, traten mit den Briefen somit ‚Texte, die eine authentische Innenansicht der Schlachten und vom Alltag der Soldaten zu geben versprachen.’ Die massenhafte Publikation von Feldpostbriefen[…] verringerte somit ‚die Kluft zwischen privater Existenz und öffentlicher(Kriegs-)Welt’ und diente der Untermau erung einer ‚wehrhaften Nation’, sowie der Konstruktion eines ‚durch die Medien künstlich vereinheitlichten männlichen Kriegserlebnisses’”. 35 Schon in den ersten Kriegsmonaten überschwemmten Feldpost-Veröffent lichungen den Zeitungs- und Buchmarkt in Österreich und Deutschland. In Wien richtete die Illustrierte Kronen-Zeitung die Rubrik„Aus unsrer 78 Feldpostmappe” ein und fasste die Grußtexte und Briefe, Fotos und Zeichnungen ab Jänner 1915 heftweise in ihrer Bibliotheksreihe unter dem Titel Soldatengrüße aus dem Felde. Feldpostkarten und Briefe unserer Vaterlandsverteidiger an die Kronen-Zeitung zusammen. Das erste Heft eröffnete mit einem Dankschreiben der k.k. Hofbibliothek, die sich erfreut zeigte, als Spende der Zeitung die originalen Briefe und Bilder in ihre Kriegssammlung aufnehmen zu können, die„als unmittelbare Zeugen des Soldatenlebens im Felde unter den historischen Denkmälern einer grossen Zeit eine hochwillkommene Bereicherung unserer Sammlung bilden.” 36 Die Bewertung von Feldpostbriefen und –karten als künftige historische Kriegsdokumente koppelte sich direkt an ihre vermeintliche Authentizität als persönliche Quellen.„Ganz heiss”, so versichert Stefan Zweig im Auftrag des Kriegsarchivs,„kommen sie aus dem Herzen des Kriegers, ganz warm aus der Unmittelbarkeit des Erlebnisses. Aber gerade diese Unmittelbarkeit ist ihr höchster Wert. Aus diesen Millionen flüchtiger Blätter wird einmal die Geschichte dieses Krieges vielfach menschlich belebt werden. [...] Unschätzbare Dokumente der Kultur und Geschichte sind diese Briefe, die unsere Soldaten irgendwo am Rande des Reiches zwischen Gefecht und Rast geschrieben haben.” Der Feldpost kämen größte Verdienste für die Geschichtsschreibung zu:„denn allen zukünftigen Generationen wird sie noch für Jahrhunderte eine Quelle bedeuten, aus der für sie vaterländisches Selbstvertrauen, Stolz und Lebensgefühl quillt.” 37 Freilich boten die in Tageszeitungen abgedruckten oder gesammelt in Bü chern edierten Feldpostbriefe inhaltsreichere und interessanter zu lesende Beschreibungen vom Leben im Felde als der größte Teil der Nachrichten, die auf offenen Karten hin und her gingen. Schließlich wurden die Briefe zu Propagandazwecken veröffentlicht und hatten die Aufgabe, den Krieg im Einzelschicksal zu glorifizieren. Für die Kriegspatrioten dürften hinge gen die meisten Mitteilungen im Kartenformat als Quellen für„vaterländisches Selbstvertrauen, Stolz und Lebensgefühl” schlichtweg zu banal gewesen sein. Abgesehen von der formatbedingt unterschiedlichen Textlänge gibt es in den meisten Briefen und Karten zwischen Front und Heimat eine Gemeinsamkeit: Der Krieg und die damit einhergehenden Veränderungen wurden eher am Rande erwähnt und von den Soldaten so beschrieben, dass sich in ein paar unspektakulären Zeilen das zeitgemäß männliche Bild des Kriegers entwarf, der in aller Ruhe seine Pflicht tut. Im Mittelpunkt des Gedankenaustauschs stand hingegen das Vertraute, das Alltägliche, das Privat-Familiäre – alles, was man im Frieden gemeinsam 79 geteilt hatte und nun, unter Anpassung an die neuen Belastungen, so weit als möglich zu bewahren versuchte. 38 Diese im übrigen wechselseitige In szenierung von„Normalität” via Feldpost wurde, je länger der Krieg dau erte und je größer die Opfer und Entbehrungen wurden, immer brüchiger. Das Schweigen über Angst und Not – sowohl das freiwillige Verschweigen als auch das durch die Zensur auferlegte – wurde immer öfter gebrochen, zumindest in den Briefen; auf den offenen Postkarten erlegten sich die Schreibenden größere Vorsicht auf. Auch auf den rund 500 Feldpostkarten aus der Zeit zwischen 1914 und 1917, die in den Sammlungen des ehemaligen Postmuseums überliefert sind, liest sich der Inhalt beinahe so, als würde man zu Friedenszeiten der Familie und Freunden Grüße von einer Reise, Glückwünsche oder Bitten um kleine Gefälligkeiten senden. Einige Beispiele: „Auch hier Kälte und Eis, hoffentlich ist’s an der blauen Adria wärmer.” 39 „Liebe Gusti! Habe heute deinen Brief vom 26.[Dezember] erhalten, also sehr rasch. Die Weihnachtspackerl habe ich nicht erhalten. Hast Du das Postsparkassenbuch bekommen? Heute ist der erste schöne Tag hier, wolkenlos, aber sehr unruhig. Auch mehrere feindliche Flieger haben die Gegend etwas beunruhigt und wurden fleißig beschossen. Ob ich Urlaub erhalte, ist ziemlich ungewiß, da es hier so viel Arbeit gibt.” 40 „Schon lange bin ich ohne jede Nachricht von Dir. Ich hoffe dass Du die Mühen des Krieges so gut überstehst wie ich.” 41 „Lieber Freund! Herzlichen Glückwunsch zur neuen Vaterwürde, wir wer den es Euch im April nachmachen. Wenn Du Urlaub hast, besuche uns mit Deiner Frau Gemahlin und Deinem Sohn.” 42 „Meine Frau hat mir geschrieben, daß die Bestellung von 100 Büchsen condensierter Milch bereits abgegangen ist.” 43 „Im Schützengraben. Liebes Frl. Malie! Teile Ihnen mit dass ich seit 20. 2. im Schützengraben bin. Mir geht es Gott sei Dank sehr gut was ich ja von Ihnen auch hoffen kann. Seit gestern hatte sich die Kälte hier etwas gestossen. Ich bin schon schwarz wie ein Neger von meiner Erdbude. Kommt nicht bald Frieden? Würde mich freuen wieder einmal in Wien zu sein aber leider. Lassen Sie wieder einmal was hören und seien Sie sowie Ihre Eltern und Frl. Poldi vielmals gegrüßt.” 44 80 Wieviel dieser mehr oder minder bemühten„Normalität” im Gedanken austausch schuldete sich der vorbeugenden Selbstzensur zum Zweck der gegenseitigen Beruhigung(nicht alles wollte man erzählen), wieviel der allgegenwärtigen Militärzensur(nicht alles durfte man erzählen)? Nur auf einem geringen Teil der 500 archivierten Feldpostkarten prangt der rote Stempelaufdruck„Zensuriert”,„Zens.” oder„Überprüft”. Angesichts der täglichen Masse an Feldpost erfolgte die Sichtung des Geschriebenen schon wenige Wochen nach Kriegsbeginn lediglich stichprobenartig, sowohl bei den offenen Karten als auch den kuvertierten Briefen(die eine Zeitlang nicht verschlossen werden durften). Die systema tische Kontrolle der Kommunikation, die auch mit einer Auswertung des Geschriebenen einherging, konzentrierte sich vielmehr auf die Karten und Briefe von Kriegsgefangenen oder solche, die im Zuge der Gefangenensuche ins Ausland geschickt wurden. Zu diesem Zweck richtete das Kriegsministerium in Wien nach Beginn der Kämpfe einen Zensurapparat ein, der 1916/17 riesenhafte Dimensionen erreichte und nicht weniger weitge spannt und komplex aufgebaut war wie die Feldpost selbst. „Sie will nicht beschränken, sondern helfen, schützen und erkennen”: die k.u.k. Zensurabteilung Anders als bei den oben erwähnten Feldpostkarten von Soldaten finden sich Zensur- oder Kontrollstempel auf fast allen Karten und Briefen(insgesamt rund 300 Stück) eines weiteren Archivbestandes, der in Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg steht: 45 Es sind Briefe, die Angehörige von in Russland vermissten Soldaten der k.u.k. Armee an den schwedischen Militärarzt Otto Wilhelm von Essen(1857–1916) 46 und an dessen Frau und Tochter schrieben, aber auch Karten aus Kriegsgefangenenlagern an die Familie von Essen. Diese engagierte sich im neutralen Schweden – nicht zuletzt aus einer langjährigen Verbundenheit mit Wien heraus – entweder in einer privaten Hilfsorganisation oder im Rahmen des Roten Kreuzes bei der Suche nach Kriegsgefangenen aus Österreich-Ungarn und der Kontaktaufnahme mit russischen Lagern. Kriegsgefangene hatten ein Recht auf Korrespondenz mit der Heimat; das war in der Haager Landkriegsordnung von 1907 festgelegt. Dafür waren sogenannte Auskunftsstellen in ganz Europa zuständig, die mit den verschiedenen Rotkreuz-Gesellschaften in Verbindung standen. Sie erfassten die Personaldaten der Gefangenen und vermittelten deren Postkontakte 81 1 K 2 riePgossgtekafartnegaeunsendleamger Rasdolnoje(Russland), 1915 mit den Lieben daheim. Die Auskunftsstellen hatten aber zugleich die Aufgabe, die Post der Kriegsgefangenen zu überwachen und zu zensurieren. Auch die Auskunftsstelle des Roten Kreuzes in Österreich-Ungarn, das Gemeinsame Zentralnachweisbureau in Wien, barg eine vielhundertköpfi ge Zensurabteilung unter Leitung von Major Theodor Primavesi. Sie wurde vom Armee-Oberkommando bzw. vom Kriegsministerium aus gesteuert und hatte das Ziel, alle Schriftstücke von und in die Lager systematisch auf verdächtige Passagen zu überprüfen bzw. auf mögliche militärische oder politische Informationen über den Gegner hin auszuwerten. Die Briefe 82 1 Ze 3 nPsruivrkaltebbrieezfetntaecl,h1S9c1h4weden, offen aufgegeben. und Karten der Kriegsgefangenen wurden zuerst nach Sprachgruppe und Absender sortiert und statistisch erfasst. Dann wurden sie an die Zensoren verteilt, die sie durchlasen und entweder mittels Zensurstempel freigaben oder im Falle anstößiger bzw. verdächtiger Passagen an zwei weitere Gruppen weiterleiteten: die„Remediergruppe”, die die Aufgabe hatte, die beanstandeten Worte unleserlich zu machen, oder die„Dechiffrier gruppe”, auch„K-Gruppe”, die Geheimschriften zu entziffern hatte und von der Gegenseite getilgte Sätze wieder lesbar machte. Den Briefen aus Österreich-Ungarn an Otto von Essen in Helsingborg waren ursprünglich Schreiben beigelegt, die an den Sohn oder Ehemann in diesem oder jenem Lager übermittelt werden sollten, kleine Geldsummen für Spesenauslagen oder auch ein Foto der Liebsten. Die meisten der überwiegend in Wien, aber auch in Graz, Brünn oder Leibnitz verfassten Briefe wurden wahrscheinlich unverschlossen abgeschickt, wie es in den ersten zwei Kriegsjahren der Regel entsprach. Manche Absender versahen die Kuverts mit dem handschriftlichen Vermerk„Offen für die Zensur” oder„Offener Brief”. Nach Überprüfung des Inhalts durch den Zensor verschloss dieser die Briefe, manchmal zusätzlich mit Papieroblaten der Zensurbehörde, die den Aufdruck„Überprüft Wien” oder„K.u.K. Territorialzensurkommission Graz” nebst dem Doppeladleremblem trugen. 83 Die Briefe von Müttern und Vätern, Ehefrauen und Freunden auf der Suche nach vermissten Soldaten lesen sich natürlich anders als die zur gleichen Zeit publizierten Feldpostbriefe aus der Perspektive junger Frontsoldaten im„Stahlgewitter”. Sie bringen den Blickwinkel der Betroffenen in der Heimat in der ganzen Spannbreite von angstvoller Ungewissheit bis dank barer Erleichterung zum Ausdruck. Zugleich werden die Worte sorgfältig gewählt, um nicht den Argwohn der Zensoren zu wecken, ganz besonders in den(nicht mehr erhaltenen) Mitteilungen, die den Briefen beigelegt wurden, um in die Kriegsgefangenenlager weitergesendet zu werden. Dazu ein Beispiel: „5. Dezember 1914. Hochgeehrter Herr Stabsarzt! Dem Dank meiner Tochter für Ihre Güte und Bereitwilligkeit schließe ich mich voll Ergebenheit und Innigkeit an. Seien Sie überzeugt, daß ich Ihre Dienste nie vergessen werde, und daß ich mich danach sehne, Ihnen die volle Dienstbereitschaft und dankbare Hingabe meiner Familie zeigen zu können. – Leider sind wir seit dem 5. November, also durch einen vollen Monat ohne Nachricht von unserem Sohn. Telegramm kam nicht. Man macht sich tausend Vorstellungen, man ist gequält und verzweifelt. Möchten wir doch nur bald wissen, ob unser Junge lebt, ob er gesund ist und wie es ihm geht. Ich schließe einige Zeilen an den Jungen bei: Vielleicht erreichen ihn diese Zeilen seines Vaters. Sind Stellen darin, die Ihnen als nicht gut zum Passieren der Zensur dünken, dann bitte ich sie zu streichen. Es bleibt in Dankbarkeit ergeben Dr. Krenberger.” 47 Trotz aller inneren Bedrängnis war den Schreibern bei jeder Zeile bewusst, dass ihr Brief, ihre Karte von Fremden gelesen und kritisch bewertet wer den würde; dass sich die quälende Wartezeit auf ein Lebenszeichen aus der Ferne verlängern würde, je„verdächtiger” man sich mit unbedachten schriftlichen Äußerungen bei den Zensurbehörden machte. Das Hintanhal ten der eigenen Ängste, das Verschweigen dessen, was wohlbekannt war, insbesondere negative militärische Entwicklungen oder die schlechte Versorgungslage im Hinterland – kurz: die Selbstzensur – waren genau das, was die Kriegszensur zu erreichen trachtete. Deshalb machte der Staat 84 auch kein Hehl aus der Existenz eines ominipräsenten Zensurapparates, im Gegenteil. Die Überwachung aller Medien, die einhergehenden Einschränkungen im Telefon-, Telegramm-, Presse-, Theater- und Filmwesen und nicht zuletzt im Postverkehr gehörten zum Kriegsalltag der meisten Menschen. Seit August 1914 wurde der gesamte Briefverkehr der Monarchie mit dem Ausland in 21 grenznahen Zensurstellen kontrolliert und die Post der Soldaten überwacht, wenn auch wegen der Masse an Feldpostsendungen nur in Stichproben. 48 Die Existenz und die Arbeitsmethoden der Zensurabteilung in Wien waren kein Geheimnis und wurden bereits 1915 propagandistisch als Beispiel für die Effizienz des k.u.k. Militärs verwertet: Im Dienst des Wiener Kriegsar chivs beschrieb Stefan Zweig ausführlich die Organisation und Arbeit der Zensoren. 49 Für ihre Arbeitsleistung nach einem Jahr Krieg findet Zweig nur Worte der Bewunderung und gießt sie in Zahlenbeispiele wie:„Über einander geschichtet ergäbe das zensurierte Briefquantum eine Höhe von zirka 16.000 Meter, wäre also rund achtmal so hoch wie die Rax.” 50 Die zugleich als lückenlos wie schnell beschriebene Informationsbeschaf fung aus der Post von Gefangenen und ihren Angehörigen geschehe, so Zweig, ausschließlich in„defensiver Hinsicht”. Außerdem erfülle die Zensur grundsätzlich eine„charitative Aufgabe” u.a. durch die„ständige Beratung des Publikums in allen korrespondenztechnischen Fragen”. 51 Damit umschreibt er nicht nur die Bevormundung der Briefverfasser durch die Militärzensur, sondern auch deren Instrumentalisierung für Stimmungsund Meinungsmache im Dienst des Vaterlandes:„Es ist klar, daß unsere im Feindesland gefangenen Krieger auch ihrerseits jede Gelegenheit benützen, um die gegnerische Zensur zu hintergehen, meist von dem Wunsche geleitet, authentische Nachrichten über die Kriegslage zu erhalten. In solchen Fällen finden deren Angehörige natürlich bei der Zensur volle Unterstützung und es wurden bereits wiederholt zur Übermittlung von solchen Nachrichten gute Ratschläge erteilt, um die durch Lügenberichte der feindlichen Presse gesteigerte Gemütsdepression der Unsrigen durch wahrheitsgetreue Berichte mit froher Hoffnung auf den endgültigen Sieg zu mildern.” Fazit: Die Zensur sei eine„militärisch-politisch und humanitär hervorragende Institution” und wolle„nicht beschränken, sondern helfen, schützen und erkennen.” 52 Schränkte Zweig 1915 die Auskundschafterei über den„Feind” noch auf die Kriegsgefangenenpost ein, so wurde die systematische Informations beschaffung ab Ende 1916 auf die eigene Bevölkerung und die eigenen Soldaten im Felde ausgedehnt. Nach dem Vorbild der Zensurabteilung 85 des Gemeinsamen Zentralnachweisbureaus in Wien umgestaltet, konzentrierte sich die gesamte Briefzensur in Österreich-Ungarn nun auf vier zentrale Zensurstellen; die Zensurabteilung in Wien wuchs auf über 1300 Personen an, die durchschnittlich pro Monat 400.000 Schriftstücke bearbeiteten. Nunmehr galt es, nicht nur militärische und politische Informationen über den Gegner herauszufiltern, sondern auch Veränderungen der politischen Stimmungslage in der eigenen Bevölkerung zu erkennen. 53 Denn je weiter der Krieg voranschritt, desto weniger war vom erhofften Zusammenhalt des Vielvölkerstaates zu spüren. Vielmehr brach Österreich-Ungarns allmählich auseinander. 2 Christian Stadelmann Patriotismus in der Kinderstube 87 Heinrich Hoffmanns Struwwelpeter war längst ein Kinderbuchklassiker, als er 1915, 70 Jahre nach seiner erstmaligen Veröffentlichung, in einer neu illustrierten und getexteten Version erschien. Das Prinzip der pädagogischen Belehrung und die Szenenabfolge wurden beibehalten. Das Thema aber waren Deutschlands nationale Feindbilder, und die Ausgabe hieß Der Kriegs-Struwwelpeter. Vertreter der Entente, stereotyp und militärisch adjustiert, treten an die Stelle der unfolgsamen Kinder. Sie sind ebenfalls unartig, faul und niederträchtig, werden aber nicht deshalb bestraft, weil sie nicht folg- und sittsam sind, sondern vor allem, weil sie Deutschland und ÖsterreichUngarn Übles wollen. Der Struwwelpeter selbst wird zum serbischen „Bombenpeter“,„John Guck-in-die-Luft“ ist ein britischer Marineoffizier und„Zappel-Beppo“ ein Italiener, der„hetzt und schürt/ und intrigiert“ und dafür sein Strafgericht erfährt, nämlich„Züchtigung für Heuchelei/ Und gebrochne Bundestreu‘.“ Damit reagierte die neue StruwwelpeterAusgabe sehr unmittelbar auf die damals aktuelle politische Situation, hatte doch erst im Mai 1915 Italien das Bündnis mit Deutschland und der Habsburgermonarchie aufgekündigt und Letzterer den Krieg erklärt. Autor und Illustrator des Kriegs-Struwwelpeter war Karl Ewald Olszewski (1884-1965), ein damals bekannter Maler. In Czernowitz geboren, hatte er an der Wiener Akademie der bildenden Künste studiert. Seit 1904 lebte er in München. Bis heute bekannt geblieben ist Olszewskis Werk gerade wegen seiner politischen Implikationen. Ein von ihm gemaltes Bild hing im Salon von Adolf Hitlers Jacht, mit dem Kriegs-Struwwelpeter hat er deftige nationalistische Polemik und Pädagogik betrieben. Unmissverständlich und nachhaltig sollte den Kindern auf ihren weiteren Lebensweg das Urteilsvermögen mitgegeben werden, zwischen den Guten und Bösen zu unterscheiden. Es mag naheliegend erscheinen, ein allseits bekanntes und 1 „N„iFkroalnazums“awnne“rd, „eMn visotenr„GWreilyh“elumn“dins Tintenfass gesteckt 88 beliebtes Buch zu instrumentalisieren, zumal der Struwwelpeter längst eine Instanz in der Vermittlung von Tugenden und moralischen Werten war. Tatsächlich war die Idee, die allseits vertraute Figur unter rezenten politischen Vorzeichen zu interpretieren, nicht neu. Bereits anlässlich der Revolution von 1848/49 war in Deutschland Der politische Struwwelpeter erschienen. 1877 folgte ein Militär-Struwwelpeter, in dem soldatischer Ungehorsam satirisch gegeißelt wurde. Das erscheint aber auch naheliegender als anhand eines pädagogisch motivierten Kinderbuchs die abstrakte Idee des Nationalismus vermitteln zu wollen. Es ist zweifelhaft, ob die Botschaft die Zielgruppe erreicht hat. Anders betrachtet ist es jedoch auch fraglich, ob Kinder überhaupt die Zielgruppe einer solchen Publikation sind und nicht eigentlich Mittler für die Erwachsenen, die ihnen das Buch vorlesen. Man kann aber davon ausgehen, dass weder Olszewski noch der HolbeinVerlag, in dem der Kriegs-Struwwelpeter erschien, unmittelbar die Adressaten vor Augen hatten, als sie das Buch produzierten. Es galt wohl vor allem, eine Antwort auf eine englische Parodie auf Kaiser Wilhelm zu geben, die bereits 1914 erschienen war. Unter dem Titel Swollen-headed William wurde da antideutsche Kriegspropaganda betrieben. Der deutsche Kaiser trat in den Rollen der Struwwelpeter-Figuren auf und machte sich zum Gespött. Der geschwollene Kopf auf dem Titelbild ist lediglich dem Gedanken geschuldet, eine möglichst große Übereinstimmung mit dem Titelbild des Original-Struwwelpeter zu erzielen. Dort zeichnet sich die Figur unter anderem ja durch ihre nach allen Seiten abstehenden Haare aus. Die englische Parodie war bereits fünf Tage nach ihrer Veröffentlichung am 1. Oktober 1914 zum zweiten Mal aufgelegt worden. Noch im selben Jahr waren insgesamt fünf Auflagen erschienen. Weitere sind allerdings nicht bekannt. Die englische Version will jedenfalls Wilhelm II. verunglimpfen und nicht so sehr die Deutschen als Nation. Ganz anders die deutschsprachige„Antwort“: Im Vergleich zu England, dessen Bündnis die multinationale Entente war, sah man sich vielen sprachnationalen Feinden gegenüber. Und selbst die Bündnispartner – allen voran ÖsterreichUngarn – galten als zuverlässiger, wenn sie deutsch sprachen. Im Falle des Struwwelpeter hatte sich ein Feind einer traditionsreichen deutschen Publikation bemächtigt, die als deutsches nationales Eigentum betrachtet wurde. Konsequenterweise musste eine nationalistische Antwort gegeben werden. In diesem Sinne verzichtete man auch auf ein wiedererkennbares Titelbild. Das Sujet auf dem Cover des Kriegs-Struwwelpeter zeigt„Wilhelm“, der den„Franzmann“,„Mister Grey“ und„Nikolaus“ ins Tintenfass steckt, weil diese dem braven„Michel“ seinen Fleiß neiden.„So soll es fernerhin auch bleiben/ Als Strafe für ihr böses Treiben.“ 89 2 deTritdeelbuitlsdcehrednePrreonpgalgisacnhdeanund Ausgaben des Struwwelpeter 90 Lesen und Spielen für den Krieg Im Falle des Struwwelpeter war die englische Parodie das Motiv für die deutsche Umdeutung gewesen. Aber auch ohne einen derartigen Anlass war es durchaus üblich, bekannte und bewährte Sujets im Sinne des Kriegspatriotismus zu interpretieren. Das gilt sowohl für Kinder- und Jugendliteratur 1 als auch für Gesellschaftsspiele und Spielwaren, die unter den Vorzeichen„Krieg“,„Nationalbewusstsein“ und„Verhetzung nationaler Feinde“ produziert wurden. Der Kasperl, seit dem 18. Jahrhundert eine satirische Figur mit wandelbarem Charakter, erlebte Kriegsabenteuer auf den Puppenbühnen. 2 Auch Wilhelm Buschs Max und Moritz, ähnlich populär wie der Struwwelpeter, wurden in den Krieg geschickt. 3 Vom SchwarzenPeter-Spiel erschienen zwei Versionen mit Kriegsbezug.„Schwarzer Peter im Weltkrieg“ erklärte die Spielidee so:„Zum Schlusse bleibt dann noch übrig der bekannte Urheber allen Übels.“ Und„Der Schwarze Peter von Serbien“ zeigte„Bildnisse der Führer, Schürer und Verführten“. 4 Und anhand eines„Weltkrieg-Quartetts“ konnte man die Waffen der deutschen und österreichisch-ungarischen Wehrmacht kennenlernen. 5 Varianten von„Mensch ärgere dich nicht“, das am Beginn des Krieges gerade erst bekannt geworden war, hießen„Wer wird siegen?“ und schlicht„KriegsSpiel“. Auch die Hersteller traditioneller Spielwaren versuchten in den ersten beiden Kriegsjahren die Begeisterung zu nützen. Käthe Kruse und Steiff brachten feldgrau gekleidete Puppen auf den Markt, und ein Hersteller von Mundharmonikas widmete flugs seine Erzeugnisse um, indem er einfach den darauf gedruckten Schriftzug änderte – von„Wandervogel“ in„Durch Kampf zum Sieg“. 6 Natürlich wurden auch die Soldaten aus Zinn und Blei, die als Spielzeug schon eine längere Tradition aufwiesen, dem Weltkrieg gewidmet. Später dann, als es der Patriotismus verlangte, wurden sie wohl der Kriegsmetallsammlung überantwortet. Die Baukastenhersteller Anker, Märklin und Matador nahmen Kriegsspielzeug in ihre Sortiments auf. Zahllos sind auch die Kinder- und Jugendbücher, die neben der neu interpretierten Literatur neu entstanden und verlegt wurden. In ihrer Gesamtheit vermitteln die publizierte Literatur und die Spiele, die erhalten geblieben sind, den Eindruck von uneingeschränktem Enthusiasmus für den Krieg. Selten nur wurde Kritik daran geübt. 7 Selbst der„Heldentod“ wird den lesenden und spielenden Burschen vorbehaltlos in Aussicht gestellt. 8 Im Gegensatz zur Zeit der Faschismen ab den 1930er Jahren gab es auch keine oppositionelle, pazifistische Literatur für die Jugend. 9 Sehr allgemein war die Haltung, dass der Krieg ein großes heroisches Abenteuer, in jedem Fall aber unvermeidbar war. 91 Lehr- und Wehrstand Das Militär widmete dem Spiel der Knaben große Aufmerksamkeit in Hinblick auf deren Erziehung zu Soldaten. Im Spiel nähmen sie„unbewußt Vieles vom wirklichen Soldaten an“, ließ das Kriegsministerium vor Beginn der Kämpfe verlauten. Wenn es dem Spielleiter gelänge, eine„kriegsmäßige Spielillusion“ zu erzeugen bzw. eine realistisch wirkende„Kriegsepisode zu erfinden“, dann würden die Knaben„zu Japanern, Türken, Russen und Bulgaren“. 10 Dass in Vorbereitung des großen Krieges auf die vormilitärische Erziehung der Knaben besonderes Augenmerk gelegt wurde, geht auf eine Allianz zurück, die in den Jahren davor zwischen Schule und Militär aufgebaut worden war. Ab 1908 wurden beispielsweise Bürgerkunde und Turnen an Schulen unterrichtet, 1910 auch noch Schießübungen in den letzten beiden Jahren des Gymnasiums. Ab Kriegsbeginn wurde die Schule überhaupt unter die Dominanz des k.u.k. Generalstabs gestellt und als„Kriegsschule“ integraler Bestandteil eines Krieges,„der sich nicht nur auf den Schlachtfeldern ereignete.“ 11 In den Geist eines solchen pädagogischen Konzeptes passt das Beispiel vom Struwwelpeter sehr gut. Die Frage, ob Kinder mit Geschichten etwas anfangen können, die exzessiv einem Nationalismus huldigen, der jenseits ihrer Erfahrungswelt angesiedelt ist, verliert an Bedeutung. Vor allem über die Vermittlung der Schule wurden Kinder wie selbstverständlich in die Heimatfront eingebunden. Der Schriftsteller Elias Canetti(1905–1994) schreibt in seinen Lebenserinnerungen über seine Schulzeit ab Herbst 1914:„alles, woran ich mich erinnere, hängt mit dem Krieg zusammen.“ Er besuchte damals die vierte Klasse Volksschule. Canetti weiter: „Wir bekamen ein gelbes Heft mit Liedern, die sich in dieser oder jener Weise auf den Krieg bezogen. Es begann mit der Kaiserhymne, die wir täglich als erstes und letztes sangen. Zwei Lieder im gelben Heft gingen mir nahe: ‚Morgenrot, Morgenrot, leuchtest mir zum frühen Tod‘, mein liebstes Lied aber begann mit den Worten: ‚Drüben am Wiesenrad hocken zwei Dohlen‘, ich glaube, es ging weiter: ‚Sterb ich in Feindesland, fall ich in Polen‘. Wir sangen zuviel aus diesem gelben Liederbuch, aber der Ton der Lieder war gewiß noch erträglicher als die abscheulichen komprimierten Haß-Sätzchen, die bis zu uns kleinen Schülern ihren Weg fanden. ‚Serbien muß sterbien!‘ ‚Jeder Schuß ein Russ!‘ ‚Jeder Stoß ein Franzos!‘ ‚Jeder Tritt ein Britt!‘“ 12 Die Kinder ideologisch zu formen, war der eine Teil der Aufgabe, die den Schulen im Dienste des Krieges zukam; der andere war ganz prakti- 92 3 KrSiezgesn-eSntrfuowlgweenlpaeutsedr em scher Natur. Bereits im Zuge der Generalmobilmachung, ab dem Herbst 1914, wurden die Kinder in die„Kriegsarbeit“ eingebunden. Für die „Kriegsfürsorge“ hatten sie sich an patriotischen Sammlungen zu beteiligen. Sie bekamen dafür schulfrei und wurden ausgezeichnet, wenn sie einen besonderen Eifer an den Tag legten. Die Bevölkerung war darüber informiert, was konkret gesammelt wurde, sodass den von Haus zu Haus ziehenden Kindern ihre Arbeit erleichtert wurde. Sie brachten die Gegenstände in die Schule, wo sie sortiert und anschließend an die Gemeinde oder ans Kriegsfürsorgeamt übergeben wurden. 13 Auch die Aufrufe, Kriegsanleihen zu zeichnen, wurden mit Vehemenz unter Verwendung der Kinder als Botschafter an deren Eltern herangetragen. Der Wehrmacht mangelte es von Beginn an Winterbekleidung, weshalb insbesondere die Mädchen dazu angehalten wurden, „Kälteschutz“ zu nähen und zu stricken. Appelliert wurde an die weibliche Fürsorge. Die Mädchen sollten die Kleider als„Liebesgaben“ an die Fronten oder zur Verteilung an die Verwundeten in den Lazaretten schicken. 14 Aus Leinenstoffresten gewannen sie Scharpie, also 93 Wundverband.„Die Leinwand wurde zerschlissen, gewaschen und als Verbandmull sterilisiert“, berichtet ein Zeitzeuge. Und weiter:„Auch Brennesseln mußten wir sammeln – aus den großen Stengeln machte man Garn zum Spinnen für Anzüge. Die Mädchen strickten Pulswärmer und Socken für die armen Soldaten.“ 15 Was schon für die Kinder- und Jugendliteratur gesagt wurde, gilt auch für die Schule. Sie konnte sehr leicht vom Krieg in die Pflicht genommen werden, weil kaum Kritik daran geübt wurde und eine gesellschaftlich anerkannte Alternative fehlte.„Für Gott, Kaiser und Vaterland!“ verband so gut wie alle. Auch die traditionelle Rolle des Lehrers in der Monarchie war festgelegt. Sein Verhältnis zum Schüler war das des Offiziers zum Rekruten.„Vorsprechen und Nachsagen, Belohnung und Bestrafung waren die Methoden dafür. ‚Lehr- und Wehrstand[…] gehören zusammen.‘“ 16 Es versteht sich von selbst, dass ein solches Verständnis des Schulsystems nicht erst 1914 etabliert worden ist. Schon in der Zeit davor hatte man es entwickelt. Aber erst mit dem Beginn des Weltkriegs entfaltete es seine ganze Sinnhaftigkeit. 94 Das Spiel der Straße Kinder, die um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in einem europäischen Land geboren wurden, wuchsen in einer Atmosphäre auf, in der nationale Feindbilder omnipräsent waren. Ihr Alltag war davon geprägt, sich ständig damit auseinanderzusetzen. Die Bedeutung, die die Kinderund Jugendliteratur an diesem Alltag hatte, lässt sich schwer einschätzen; jene der beschriebenen Spiele und Spielwaren ist bestimmt nicht besonders groß gewesen. Sie können als pointierte Repräsentanten der herrschenden Atmosphäre bewertet werden. Einen besonderen Beitrag zur Erziehung der Kinder, wie das teilweise von den Herstellern intendiert war, haben sie wohl nicht geleistet. Dazu war – das kann man pauschal sagen – ihre Verbreitung nicht groß genug. Bereits im September 1914 beschwerte sich das Organ der Spielwarenhersteller, die Deutsche Spielwarenzeitung, dass die Branche„zu den Luxusindustrien gezählt“ werde. Es sei doch wichtig,„vermittelst Spielzeugen den Kindern die Entwicklung der nächsten Ereignisse“ einzuprägen und„ihnen nationalen, aufrechten, vaterländischen Geist einzuimpfen.“ 17 Der Anspruch, den die Spielwarenhersteller gewissermaßen als ihren Beitrag zu einer patriotischen Gesinnung formulierten, ließ sich nicht einlösen, jedenfalls nicht in der bei weitem überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung. Die teuren Puppenstuben und Baukästen konnten sich nur vermögende Bürger leisten. Und je länger der Krieg andauerte, desto gerechtfertigter war die Bezeichnung„Luxusindustrie“. Wenn in Lebenserinnerungen von Spielwaren die Rede ist, die man in der Zeit des Ersten Weltkriegs geschenkt bekam, dann sind das häufig Erzählungen, die vom Mangel handeln. 18 Selbst das Papier, das man für kleine Basteleien, für Ausschneidebögen oder einfach zum Bemalen verwendete, wurde nach und nach ein knappes Gut. Auch boten vor allem für die Arbeiterkinder in Städten wie Wien die beengten Wohnungen kaum Platz für das Spielen. „Da blieb[…] nur noch die Straße. Man spielte Verstecken, Räuber und Gendarm, Tempelhupfen und inszenierte auf dem freien Gelände der Schmelz Kämpfe gegen Kinder benachbarter Bezirke.“ 19 Damit ist ein Hinweis auf eine Kultur der Aggression gegeben, die zwar nicht auf den Ersten Weltkrieg beschränkt ist, aber durch diesen eine reale Entsprechung gefunden hat.„Damals gab es noch viele freie Lücken in den Häuserzeilen“, schreibt ein 1902 geborener Sohn von Arbeitern,„ideale Spielflächen für uns Kinder innerhalb des Wohnbezirkes.“ Und:„Wir Kinder spielten ‚Krieg‘, oft Bezirk gegen Bezirk, ja Straße gegen Straße. Die Polizei 95 4 TaDgeurnsderNbaiscchhte/BUonmdbseonmpeantecrh, edneru„mRgäenbkerascphat.n“n bei musste oft eingreifen.“ 20 Die Gewaltbereitschaft, die in solchen Auseinandersetzungen zwischen jungen Burschen mitunter herrschte, ist damit nur vage angedeutet. Auch war der Organisationsgrad der„Platten“, wie die Jugendbanden in Wien genannt wurden, sehr unterschiedlich. Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, am 15. Juli 1927, hat sich in dieser Stadt auch einmal ihr ganzes Gewaltpotential entladen. 21 Im Krieg selbst wurde beobachtet, dass sich die Jugendlichen an der Berichterstattung vom großen Krieg orientierten und diese Erzählungen partiell in ihrem Spiel umsetzten und verarbeiteten. 22 Die Bandenbildung Jugendlicher wurde aber nicht nur als bedrohliches Phänomen gesehen. Ganz im Sinne des gesamtgesellschaftlichen patriotischen Sendungsbewusstseins sah man gerade auch in den Kriegsspielen, die im Freien stattfanden, ein Potential, junge Burschen für den Krieg zu schulen. Wenn Kinder Schützengräben bauten, sich mit Schleudern, Eisenstangen und Messern bewaffneten und auf„feindliche Truppen“ losgingen, war das die beste Vorbereitung auf das Soldatenleben. 23 Was in der Schule, in Büchern und in Gesellschaftsspielen theoretisch gelernt wurde, fand hier eine praxisnahe Umsetzung. 96 Des Geistes Erbe Der Enthusiasmus schlug spätestens im dritten Kriegsjahr in Ernüchterung und Friedenssehnsucht um – eine Feststellung, die schon oft getroffen wurde. Er lässt sich auch am Produktprogramm der Hersteller von Kinder- und Jugendliteratur und Spielwaren ablesen, das ja zuvorderst an Verkaufszahlen orientiert ist.„Käthe Kruse wollte wieder Babypuppen verkaufen, und Märklin produzierte Eisenbahnen statt Kriegsschiffe und Kanonen“, 24 ist für die letzten beiden Kriegsjahre konstatiert worden. Nur die Militärs zeigten sich unbeirrt und gaben Durchhalteparolen aus: „Der Krieg[…] wird von nun ab einen einschneidenden Teil der Erziehung der Jugend zu beeinflussen und so früh als möglich in den jugendlichen Herzen die Liebe zum Vaterlande, die Begeisterung für die beispiellosen Grosstaten der Wehrmacht zu pflanzen haben. Das noch spielende Kind, im Alter vor dem Schulbesuch, soll schon im Spiele lernen, wie schön seine Heimat ist, wie tapfer die Wehrmacht und gross die Dankbarkeit, die ihr alle schulden.“ 25 Im Mai 1917, als diese Sätze geschrieben wurden, teilte die Zivilbevölkerung längst nicht mehr geschlossen die patriotische Überzeugung und Begeisterung. Und nach 1918 gaben nicht zuletzt die Erfahrungen, die man mit der Kriegspädagogik gemacht hatte, den Ausschlag, auch darüber zu diskutieren, ob Kriegsspielzeug eine schädliche Wirkung auf Kinder habe. Der deutsche Pazifist Ernst Friedrich leitete 1924 seinen drastischen Aufruf Krieg dem Kriege! mit einem zwölfseitigen Abschnitt ein, in dem er einschlägige Kinderbücher und Kriegsspielzeug anprangerte. 26 Eindringlich warnte er: „Soldaten-Spielzeug ist der Judas den Du Dir selbst ins eigne Haus holst, ist Verrat am Menschenleben! Bedenke dies eine stets: Das kleine Helmchen, von Papier gefertigt, wird einst der Stahlhelm auf dem Kopf des Mörders! Und hat das Kind erst mit dem Luftgewehr geübt, wie selbstverständlich wird es später mit der Flinte schießen! Das Säbelchen, aus Holz geschnitzt, wird einst das Schlachtenmesser, das sich bohrt in eines Menschen Leib!“ 27 Wie sehr die Indoktrinationen, denen die Kinder und Jugendlichen vor und im Ersten Weltkrieg ausgesetzt waren, jenes Selbst- und Geschichtsverständnis beflügelten, von dem in der Folge der Nationalsozialismus getragen wurde, lässt sich nicht einschätzen. Viele Werte, die seinerzeit postuliert und vermittelt wurden, haben jedenfalls das ganze 20. Jahrhundert hindurch eine hohe Akzeptanz und Gültigkeit behalten.„Dienen im Heer“ sei hier abschließend als Beispiel genannt. Innerhalb einer relativ 97 5 legMteit dem erstmals 1924 erschienenen Buch„Krieg dem Kriege!“ Ernst Friedrich eine Bilddokumentation der Kriegsgreuel vor, in der er auch eindringlich vor Kriegsspielzeug warnte kurzen Zeit, unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg, hat sich die Einberufung eines jungen Mannes nicht nur als verbindliche Norm, sondern auch als hoher gesellschaftlicher Wert etabliert.„Junge Burschen, die stolz darauf waren, ‚behalten‘ worden zu sein, waren mit Gestecken geschmückt“, 28 berichtet ein Zeitzeuge. Nur ganz allmählich hat sich diese Einstellung geändert. Breite Gesellschaftsschichten beurteilten den Wehrersatzdienst noch lange, nachdem er 1975 in Österreich eingeführt worden war, misstrauisch und abschätzig. Bis zur Wende zum 21. Jahrhundert blieben potentielle nationale Gegner das Motiv dafür, den„Dienst an der Waffe“ hochzuhalten. 2 Caroline Haas Mit Pauken und Trompeten Musik im Krieg 99 Musikalische Vorahnungen des Krieges Bei Weltkriegsausbruch im Sommer 1914 deklarierte sich ein guter Teil der intellektuellen Elite – bildende Künstler, Schriftsteller, Komponisten – für den Krieg. Die reinigende Kraft des Krieges wurde positiv und als Chance für eine Veränderung zum Besseren gesehen. Alma Mahler beschrieb anlässlich eines Zusammentreffens mit Anton Webern im August 1914 die Verfasstheit des Komponisten mit„Webern voll Wuth, dass er noch nicht im Krieg ist – er brennt darauf“. Und weiter im selben Brief an Arnold Schönberg:„Aber glauben Sie mir, – es muss nach dem Krieg schöner werden. – Das viele Unechte[…] wird weggewaschen sein und deutsch zu sein – wird wieder etwas edles, ehrendes sein.“ 1 Schönberg beklagte seine Untauglichkeit:„Man darf heute nur Soldat sein und ich bin nur über eines ganz unglücklich: dass ich dazu nicht ausreiche[…] diese Zeit, so herrlich und groß sie in einer Hinsicht ist, zwingt mich in eine Rolle, die ich nur schwer ertragen kann. Wie groß meine Sehnsucht ist, mich in Reih und Glied zu stellen und wirkliche Kämpfe mit tausend anderen zusammen zu leisten, gegen die meine Kämpfe, die ich allein geführt habe, ein Kinderspiel sind – das kann ich Ihnen nicht sagen.“ Bei einer zweiten Musterung wurde Schönberg dann doch zugeteilt und diente mit Unterbrechungen bis 1917 in unterschiedlichen Funktionen. 2 Man wollte im Krieg die Chance einer Revitalisierung der Gesellschaft sehen. Esoterisch angehauchte Geister wie der russische Komponist Alexander Skrjabin sahen angelehnt an Nietzsches Zarathustra im Krieg eine positive„Durchschüttelung“ der Massen, die diese dann aufnahmebereit für„feinere Vibrationen“ mache. 3 Die positive Einstellung zum Krieg in den Kreisen von Intellektuellen und Künstlern war weniger ein patriotisches Bekenntnis als der Ausdruck einer grundlegenden antibürgerlichen Haltung. Man versprach sich von einem Krieg die Zerstörung der alten 1 beNaorbteenitheet fftümr KitlaMviielirt,ä1rm91u4s–ik1,918 100 Systeme und die Überwindung der bürgerlich geprägten Welt mit ihrer alt gewordenen Kultur. Manchen Komponisten wird zugeschrieben, sie hätten in ihren Werken musikalische Vorahnungen auf die entsetzlichen Vorkommnisse im ersten Weltkrieg formuliert. Das wohl meistzitierte Beispiel zum Thema ist Gustav Mahlers 6. Symphonie, die schon vor 1914 und erst recht nach 1918 als Vision der Zerstörung und des Untergangs wahrgenommen wurde. Kompositionstechnisch manifestiert sich das etwa in den Märschen, die in dieser Symphonie anklingen. Sie klingen eher deprimierend und zerstörerisch als glanzvoll heldenhaft. Das Werk endet sehr dramatisch mit dem berühmten „Katastrophenschluss“. Igor Strawinskys 1913 uraufgeführtes Ballett“Le Sacre du Printemps“ wird ebenfalls von Historikern immer wieder als eine in Tönen formulierte Vorahnung des Krieges beschrieben. Die aufwühlende Musik, bis dahin nicht gekannte Lautstärke und Wildheit provozieren diese Interpretation. Bis in musiktheatralische Details werden dem Stück enge Zusammenhänge mit den welthistorischen Ereignissen zugeschrieben. Einen Krieg später, 1949, beschrieb Theodor W. Adorno das Stück als„musikalischen Schock“ für die 1913 damit konfrontierten Zuhörer und kritisierte es, allerdings aus anderen Gründen, negativ. 4 Bemerkenswert ist auch die Übertragung der Wut gegen den Feind auf eine musikalisch-inhaltliche Ebene und die daraus entspringende, oft heftige und eher unfeine Kritik an Komponisten aus anderen Ländern. Dies betrifft hauptsächlich die Zeitgenossen bzw. Avantgarden. Claude Debussy forderte 1915, französische Kunst müsse genauso ernsthaft Rache üben wie die französische Armee. 5 Schönberg wetterte zornig über seine ausländischen Kollegen als„mediokre Kitschisten“ 6 und betonte die Notwendigkeit des Krieges gegen dieselben. Abgesehen von diesen Aspekten in der„Ernsten Musik“ können die vielfältigen Rollen von Musik im Krieg im Lichte der Bevölkerungsgruppen und ihrer jeweiligen Lebenssituationen und Verfasstheiten im Kriegsgeschehen beschrieben werden: Musik für die Soldaten zum Marschieren, im Schützengraben, in der Schlacht oder in Gefechtspausen; Musik für die Zivilisten, für die Zuhausegebliebenen. Sie diente der Unterhaltung, der Motivation, war Vehikel der Propaganda, Therapie und Ritual. Musikinstrumente wurden in diesen unterschiedlichen Nutzungszusammenhängen nach ihren„Fähigkeiten“ eingesetzt. 101 2 19S1o6ldatenliederheft, Musik im Propagandadienst: begleiten, kommentieren, beschönigen Im Kriegspressequartier bündelte man alle zur Verfügung stehenden medialen Mittel, um bis dahin nicht gekannte Propagandataktiken zu entwickeln. In der ebenfalls von dieser Stelle organisierten Truppenbetreuung kamen neben klassischen Textmedien wie Flugblättern, Broschüren, Zeitungen auch künstlerische Mittel und Medien zum Einsatz: Theatergruppen, Feldkinos, Tonkünstler und ihre Werke. Die Musikhistorische Zentrale des k.u.k. Kriegsministeriums sammelte in groß angelegten Aktionen mehrere tausend Soldatenlieder aus allen Teilen der Monarchie. Sie wurden in Form von Flugblättern und Bilderbögen unters Volk gebracht und Soldatenliederbücher an die kämpfenden Truppen verteilt. Auch Liederbücher in aufwändig gebundenen Ausführungen und mit Illustrationen wurden produziert. 102 Im Jänner 1916 entsandte die Musikhistorische Zentrale den Physiker und Feuerwerker-Kadettaspiranten Leo Hajek, später Leiter des Phonogrammarchivs, um Soldatenlieder zu sammeln und auch Tonaufnahmen herzustellen. Lieder in allen Sprachen der Monarchie sollten gesammelt und von allen Offizieren, die mehrheitlich Deutschösterreicher oder Ungarn waren, erlernt werden, um ihnen so den Zugang zum meist anderssprachigen Mannschaftspersonal zu erleichtern. Für das Sammeln ungarischer Lieder waren auch die später berühmt gewordenen Komponisten Béla Bartók und Zoltán Kodaly zuständig. 7 Mittels schriftlicher Anweisungen wurden die Liedersammler in den Ersatzbataillonen in allen Ecken der Monarchie angekündigt. Eine Unterstützung der Aktion durch Personen, die der örtlichen Sprache kundig waren, wurde aufgetragen. Die Lieder wurden vor Drucklegung zensuriert und teilweise umgetextet. Die Inhalte sollten Kriegsverherrlichung und Vaterlandstreue ausdrücken. Der Feind wurde in den Texten abschätzig behandelt und lächerlich gemacht. Der Krieg sollte, verstärkt durch die Kraft der Musik, nicht nur als Schrecken und Zerstörer gesehen werden, sondern auch als eine die Moral reinigende und stärkende, positive Kraft erscheinen. Das Aufeinandertreffen von Amüsement und Pathos war den diversen„Kriegsmusiken“ eigen. Das oft in Kriegsliedern zu findende Narrativ des Soldatenabschieds romantisierte individuelle Lebenssituationen: Ereignisse wie der sentimentale Auszug des jungen Mannes aus seinem normalen, zivilen Leben an die Front, die Vorfreude, der nationalistischpatriotische Wille zum Kämpfen, die Traurigkeit, der Abschiedsschmerz, die Angst – all das fand sich in Musik und Liedtexten wieder. Es gab auch Stimmen, die der Überzeugung Ausdruck verliehen, Musik könne im Krieg über die Frontverläufe hinweg zur Verständigung der Völker innerhalb der Donaumonarchie beitragen. Eine wichtige Figur im Rahmen der Organisation der Sammelaktionen war Bernhard Paumgartner, neben seiner Tätigkeit für die Musikhistorische Zentrale des Kriegsministeriums von 1914 bis 1917 auch Leiter des Wiener Tonkünstler-Orchesters und danach des Mozarteums Salzburg. Unter seiner Zuständigkeit entstanden zahlreiche Bände mit Soldatenliedern. Sie sind heute teilweise im Österreichischen Volksliedwerk und der Wien Bibliothek erhalten. Tondokumente liegen im Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, einige wurden auf CD publiziert. 103 3 M / u 4 sIinkksatrpuemlleen: tBeAaSuSsTdReOrMmPilEitTärEisucnhden TSCHINELLEN, um 1900-–1920 104 Rhythmisieren, trösten, beruhigen Den Takt angeben, das Marschieren rhythmisieren, die Bewegungen vieler Körper zu einem einzigen, kräftigen Ganzen vereinheitlichen – das kann die militärische Blasmusikkapelle. Musik wurde also benötigt, um den Menschen die Schlagworte der Propaganda noch effizienter einzutrichtern und die Verherrlichung des Krieges in die Herzen und Seelen der durch die gemeinsame musikalische Erfahrung des Marschierens im Rhythmus noch kampfbereiteren Soldaten zu tragen. Die Synchronisierung von Bewegung in einer Gruppe wird durch Rhythmusvorgabe erleichtert. Deshalb waren Blasinstrumente, Trommeln, Tschinellen und Signalinstrumente wichtiger Bestandteil der musikalischen Aufrüstung des Militärs. Emotionen können durch Musik ohne rationale Umwege direkt angesprochen und auch gelenkt werden. Wie synchrone Bewegungen steigert gemeinsames Hören, mehr noch gemeinsames Musizieren oder Singen, den Korpsgeist und erhöht erwiesenermaßen die Kooperationsbereitschaft innerhalb der Gruppe, macht sie jedoch auch leichter verführbar. Das Ich wird zum Wir, synchronisierende Rituale geben dem Kollektiv ein Gefühl der Stärke, die Gruppe wird als größer empfunden, als sie tatsächlich ist – im Krieg wird damit auch der Feind subjektiv kleiner. Biologisch erklärt sich der Vorgang des Synchronisierens als ein durch die sogenannten Spiegelneuronen ermöglichter Akt des wechselseitigen Nachahmens. Die so erreichte Konformität wird, sehr verkürzt beschrieben, mit dem “Glückshormon“ Dopamin belohnt. Im Rhythmus zusammen bleiben macht also stark und glücklich. Die Fähigkeit von Musik, Menschen und Gruppen von Menschen zu motivieren, zu energetisieren und emotional zu binden und als Taktvorgabe zur Mechanisierung von Körpern zu fungieren, kann eine sehr mächtige sein. Aus dieser Perspektive kann Musik also durchaus als Teil des militärischen Waffenarsenals bezeichnet werden. Musik tröstet auch, hilft dem Individuum, im Schützengraben psychisch zu überleben. Sie kann die Erinnerung an„das Schöne“ bewahren, an Werte und das Wertvolle, an Normalität, Liebe und Glauben. Sie erinnert an das Zuhause und beschwört die Fundamente des Menschseins über die Frontverläufe hinweg. Ein wichtiges Instrument ist dabei die Mundharmonika. 105 KEIN VERÖFFENTLICHUNGSRECHT 5 an /6 dMeruFsrizoinetrende Soldaten 7 MKUrNieDgHsrAeRlikMt ONIKA 106 Ablenken, unterhalten, Absatz machen Die Musikinstrumentenhersteller erhöhten zum Teil nach Kriegsbeginn ihre Produktionszahlen und konnten sich über enorm steigende Umsätze freuen. Die 1867 gegründete Harmonikafabrik Andreas Koch zählte nach der ebenfalls in der württembergischen Kleinstadt Trossingen angesiedelten Matthias Hohner AG zu den größten Harmonikaproduzenten weltweit. Die Mundharmonikas und ab 1903 auch Handzuginstrumente wurden durch bauliche Innovationen laufend verbessert, kreativ gestaltet, intensiv beworben und international vertrieben. Die Mundharmonika ist ein denkbar unkompliziertes Instrument: Keine besondere Pflege, kein zeitintensives Stimmen sind notwendig, sie ist teils maschinell herstellbar, preiswert und relativ leicht autodidaktisch erlernbar. Diese Qualitäten und die Handlichkeit und Robustheit machte die Mundharmonika, auch„Hosentaschenklavier“ oder österreichisch„Fotzhobel“ genannt, zum idealtypischen Soldateninstrument. Die Produzenten reagierten mit ihren Klang- und Bauvarianten 1914 schnell auf die patriotische und kriegsverherrlichende Welle und erzeugten allerhand Sondermodelle mit – je nach Herkunftsnation – Namen wie „La Marseillaise“,„Uncle Sam“,„Le Drapeau Belge“ oder„Hoch Habsburg“. 8 Private Geschenkaktionen wurden organisiert, um die Soldaten an der Front und in den Lazaretten mit Musikinstrumenten zu versorgen. Wegen ihrer Handlichkeit waren Mundharmonikas im Zuge solcher Geschenkaktionen besonders beliebt. Die Designs der Harmonikas nahmen kuriose Formen an: Der Schallbecher der„Granaten-Harmonika“ von Hohner hatte die Form einer Munitionshülse, andere Modelle bildeten Schlachtschiffe, U-Boote oder Stahlpanzer nach. Für den österreichischen Markt bot Hohner etwa die Modelle„Donauwacht“ und die„Schlacht am Isonzo“ an. Selbstverständlich waren die Hoheitszeichen der jeweiligen Kaiser auf vielen Harmonikas abgebildet. Christian Weiss, ebenfalls in Trossingen niedergelassen, warb mit dem Slogan: „Wenn der Feinde Kugeln summen,/ uns‘re 42er brummen,/ spielen wir in aller Ruh/ Weiss Harmonika dazu“ Der Einsatz des Feldharmoniums bezeugt die Wichtigkeit der Religion und der Weiterführung religiöser Praktiken im Krieg. Das Aufrechterhalten von rituellen Aktivitäten wie das gemeinsame Feiern einer Messe oder das gemeinsame Beten waren wichtige Aktivitäten zur moralischen und psychi- 107 8 GeNboetteen, für gemeinsame 1914–1918 9 leiFcEhLtDzuHtAraRnMsOpoNrtIUieMre:n, wetterfest und stabil 108 KEIN VERÖFFENTLICHUNGSRECHT 10 Feldmesse schen Unterstützung aller Beteiligten. Wie im Frieden dienten religiöse Zeremonien der Beruhigung, dem Trost, stärkten den Glauben an das Gute und an einen Sinn des erlebten Leids, ermöglichten den Soldaten ein Bitten um Erlösung und Vergebung. Der Wiener Harmoniumfabrikant Teofil Kotykiewicz, dessen Nachlass sich im Archiv des Technischen Museums befindet, verzeichnete in den Kriegs jahren zwar schwächere, aber stabile Absatzzahlen seiner Instrumente. Er verkaufte in den Vorkriegsjahren durchschnittlich 200 bis 250 Instrumente pro Jahr. In den Kriegsjahren 1914 bis 1918 lieferte die Firma laut Speditionsbuch insgesamt 745 Harmonien aus, also im Schnitt 149 pro Jahr. 9 Erst 1919 sackte der Absatz nochmal ab, auf 105 expedierte Harmonien. Zu Hause war neben der Sorge um die an der Front kämpfenden Männer und die eigene ungewisse Zukunft der Alltag zu bewältigen. Musik bot Ablenkung sowie Unterhaltung und machte es leichter, die Realität des Krieges für kurze Zeit zu verdrängen und am„normalen“ Leben festzuhalten. Vor der Verbreitung des Radios und dem für den Durchschnittsbürger viel zu teuren Grammophon kam die Musik entweder vom Live-Musiker oder von selbstspielenden Musikautomaten, die Notenrollen,-scheiben oder-walzen abspielen konnten. Die noch junge Tonträgerindustrie reagierte bei Kriegsausbruch schnell auf die äußeren Umstände und Erfordernisse. Komponisten, Texter und 109 Verleger stellten in großer Eile auf die Produktion von kriegsverherrlichenden und patriotisch gefärbten Liedern und sonstigen Musikstücken um. Zu Kriegszeiten produzierte Notenrollen für selbstspielende Instrumente geben Zeugnis von dem Bestreben, Unterhaltung und Ablenkung für die zu Hause Gebliebenen zu bieten. Mit dem Eintritt Amerikas in den Krieg 1917 gelangten auch amerikanische Tanzschlager nach Europa, die gleichzeitig populäre patriotische Songs waren. Die preisgünstigste Methode, Notenrollen abzuspielen, ist der Vorsetzer – eine Vorrichtung, die den pneumatischen Apparat und die Abspielvorrichtung für die Notenrolle enthält. Vor ein Klavier gestellt, überträgt das Gerät mit seinen„Fingern“ die Informationen von der Notenrolle mechanisch auf die Klaviertasten. Die häufigeren Abspielgeräte sind aber Klaviere – einfache, günstige Pianinos oder exklusive Flügel von namhaften Herstellern, die den Abspielapparat direkt eingebaut haben. Noch spektakulärer waren kombinierte Instrumente wie Klavier-Geigen-Automaten. Diese elektrisch angetriebenen Automaten und Klavierspielinstrumente waren Teil des täglichen Lebens – in finanzstärkeren Kreisen im privaten Haushalt, für die breite Masse in Gaststätten und Kinos. Wo in Friedenszeiten harmlosere Unterhaltungsmusik im Vordergrund stand, wurden nun patriotische Töne angeschlagen: Soldatenlieder und Militärmusik aus einschlägigen Liederbüchern und Notenheften wurden auch auf Notenrollen eingespielt und verkauft. Die Phonola-Notenrolle„Traum eines österreichischen Reservisten“ soll hier beispielhaft für die kriegsunterstützenden Produkte von Seiten der musikproduzierenden Industrie stehen. Dieses Stück ist ein„militärisches Tongemälde“ von Carl Michael Ziehrer. Die potpourriartige Komposition erzählt die Geschichte eines Dorfschmiedes, der nach einem arbeitsreichen Tag einschläft und im Traum seine Soldatenzeit mit all ihrem Glanz und Manöverzauber erlebt. Das musikalische Geschehen wird mit Wasserrauschen, Vogelgezwitscher, Schmiedegehämmer, Glockengeläute, Signalen, Kommandos und Schlachtenlärm untermalt. Die Erstaufführung dieses Tongemäldes fand am Silvesterabend 1890 mit den Deutschmeistern unter Ziehrer als Kapellmeister statt. Die Bearbeitung für Klavier wurde 1911 von der Leipziger Firma Hupfeld auf Phonola Notenrolle produziert. Ende 1914 brachte das Unternehmen„Hupfelds Original Tongemälde Weltkrieg 1914“ auf den Markt. 24 patriotische Melodien wurden in ein lautmalerisches Klavierarrangement gesetzt. 110 Eine Rahmenhandlung sollte die Geschichte vom Ausbruch des Krieges bis zum Sieg beschreiben, akustische Effekte wie das„Hupensignal des kaiserlichen Automobils“ und Trompetensignale inklusive. In einer mitveröffentlichten Inhaltsangabe mit erklärenden Worten und Liedertexten gab Hupfeld eine„Anleitung“ zum Gebrauch der Notenrolle, die also ganz eindeutig als Medium der Kriegspropaganda diente. 10 Für andere Musikautomaten und die häufig in Gaststätten aufgestellten Orchestrien wurden Metallscheiben oder Walzen mit zum Krieg passenden Musikstücken produziert. Die Grenzen zwischen den gespielten Musikgattungen waren fließend. Operettenstücke wurden mit sonstiger Tanz- und Unterhaltungsmusik genauso vermischt wie mit nationalistisch militärischen Klängen. Klassische Opernauszüge und Konzertlieder stehen neben Märschen und patriotischen Volksliedern. 11 Drehorgeln unterhielten Passanten am Straßenrand. Sie wurden häufig von Kriegsversehrten betrieben und als bescheidene Verdienstquelle genutzt. Musikinstrumente als Kriegsrelikte im Museum Musikinstrumente bilden einen wichtigen Teil der Sammlungen des Technischen Museums. Die Wege, auf denen sie ins Museum gelangten, sind sehr unterschiedlich. Manche stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg. Mit 1916 als Datum des Zugangs zur Sammlung ist eine Basstrompete, gebaut von Johann Riedl in Pressburg, registriert. Das Instrument wurde dem Technischen Museum vom Kriegsministerium übergeben. Möglicherweise geht dieser Zuwachs auf die Wünsche der Museumsleitung zurück, sich in den Zeiten des Krieges verstärkt der vaterländischen Kriegstechnik zu widmen. Im Zuge der Liquidierung der k.u.k. Armee und des Kriegsministeriums nach Kriegsende gründete man das Militärliquidierungsamt, das dem Bundesministerium für Finanzen unterstellt, 1921 von diesem eingegliedert und 1931 wieder aufgelöst wurde. 12 Seine Aufgabe war, die Hinterlassenschaft von Armee und Krieg auf interessierte Institutionen zu verteilen. Aus dieser Quelle kamen dem Technischen Museum 1924 zwei Naturtrompeten, ein Jagdhorn und einige Schlaginstrumente zu. Das Heeresmuseum übergab dem Technischen Museum 1931 zwei Trommeln, ein Paar Tschinellen und drei weitere Blasinstrumente. Auch diese Instrumente stammen wohl aus dem Erbe des Weltkrieges. 1 ei 1 neNsOöTstEeNrrReOichLLisEch„eDner Traum Reservisten“, 1911 1 H 2 upKfLeAldVIPEhRo-GnoElIiGszEt NVi-oAliUnTaO, MAT 1914 111 2 Christian Klösch Kraftfahrzeuge und Flugzeuge aus der Konkursmasse Österreich-Ungarns 113 Bereits mit der Konstituierung des Trägervereins des Technischen Museums im Jahr 1908 begann das Direktorium mit der Aufstellung eines Fachkonsulenten-Kollegiums, das sich mit der konkreten Einrichtungsplanung und dem Aufbau der Schausammlung beschäftigen sollte. Inhaltlich wurde die Sammlung in 17 Gruppen und 60 Sektionen unterteilt. Das Verkehrswesen – die Gruppe VI – gliederte sich in die Sektionen„Schifffahrt“,„Eisenbahnen“,„Straßenbahnen“,„Drahtseilbahnen“ sowie „Automobil- und Flugtechnik“. Die Fachkonsulenten waren Vertreter von Industrie und Wissenschaft; sie berieten über die Aufstellung der Schausammlung, ihre Aufgabe war es auch, dem Museum Objekte aus ihren Firmen zu Verfügung zu stellen. Da für Erwerbungen kaum finanzielle Mittel vorhanden waren, sah man sich auf Spenden und Leihgaben angewiesen. Bis zum Kriegsausbruch im Juli 1914 funktionierte die Akquisition von Objekten sehr gut, da viele Unternehmen und Institutionen bereit waren, den Ausbau der Sammlungen, wenn auch oft nur mit Leihgaben, zu unterstützen. Doch bald änderte sich die Situation: Die Kriegsereignisse und der damit verbundene militärische Bedarf an Fahrzeugen und Flugzeugen verhinderte die Vollendung des von den Fachkonsulenten konzipierten Ausstellungsplans. Während des Krieges versuchte das Museum immer wieder, von unterschiedlichsten Firmen Kraftfahrzeuge und Flugzeuge als Widmungen zu erhalten. Die Ansuchen wurden jedoch durchwegs abgelehnt und die Erfüllung der Wünsche auf die Zeit nach Kriegsende in Aussicht gestellt. Als das Museum im Mai 1918 dennoch eröffnet wurde, hagelte es sogleich Kritik von der Fachpresse. So bemängelte die Allgemeine Automobil-Zeitung, dass die„Abteilung für Automobilismus recht kümmerlich ausgefallen sei.“ 1 1 KrEaifntfaAhurttorumpopbei,l der k.u.k. ca. 1917 114 Erwerbungen von der k.u.k. Autotruppe Mit Verweis auf diesen Artikel schrieb das Museum im Frühsommer 1918 nochmals Bittbriefe an die Automobilfirmen. Die Firma Austro Fiat erklärte sich hieraufhin bereit, das Chassis eines Austro Fiat C 1 auf eigene Kosten museal aufzubereiten, falls das Kriegsministerium damit einverstanden sei. Daraufhin wandte sich das Museum an das Kriegsministerium und erklärte: „Für die Abteilung ‚Automobilbau‘ des TM, welche noch manche Lücken aufweist, die auch bereits in Fachzeitschriften bemängelt wurde, haben sich die österr. Fiatwerke AG bereit erklärt, das Chassis eines modernen Wagens musealtechnisch herzurichten. Das Technische Museum wäre dem k.u.k. Kriegsministerium für die Freigabe eines, wenn auch nicht mehr betriebsfähigen Fiatwagens, welcher jedoch nicht vor dem Jahre 1913 erbaut worden sein sollte, sehr zu Dank verpflichtet.“ 2 Das ausgewählte Chassis trug das Kennzeichen S 49(Lagernummer 384), was darauf hinwies, dass das Fahrzeug ursprünglich in Galizien zugelassen war. Letztendlich dauerte es dann fast noch ein Jahr, bis im April 1919 die k.u.k. Autotruppe Technische Abteilung(Verwertungsgruppe) der Firma Austro Fiat das gewünschte Chassis als Leihgabe zur Verfügung stellte und das Museum dieses in seiner Schausammlung aufstellen konnte. 3 Das Autotruppenkommando unterhielt in der Kriegszeit in der Rotunde im Prater ein Depot. Dorthin kamen vorwiegend Fahrzeuge, die für die Verwendung in der Armee nicht mehr geeignet waren. Im Mai 1918 übermittelte das Kriegsministerium dem Museum eine Liste mit ausgemusterten Fahrzeugen, die zur Verfügung gestellt werden konnten. Deren Herkunft ist unbekannt. Sehr wahrscheinlich hatte die Armee sie im Zuge von Beschlagnahmungen von Privatbesitz nach Kriegsbeginn eingezogen. Aus dieser Liste wählte das Museum – neben dem bereits erwähnten Austro Fiat C 1 Chassis – fünf weitere Fahrzeuge älterer Bauart aus. Darunter befand sich ein Bock-Holländer(Inv.Nr. 1569), ein Benz(Inv.Nr. 1568), ein Lux Personenwagen(Inv.Nr. 1571), ein Cyclecar Phänomobil(Inv.Nr. 1567) sowie ein Personenwagen der Marke Daimler Knight NI-9. Diese Fahrzeuge wurden im Zeitraum von Dezember 1918 bis zum Februar 1920 vom Autotruppenkommando bzw. der späteren Hauptanstalt für Sachdemolierung dem Technischen Museum übergeben. Das deutsche Cyclecar Phänomobil 12 PS Dreirad(Baujahr 1912) trägt das Kennzeichen S II 153 des Kronlandes Galizien. Er befindet sich ebenso im Depot des Museums wie der Personenwagen mit der Fabrikationsnummer 108 der Lux Werke in Ludwigsburg. 4 2 12CPYSCDLEreCirAaRd,PBHaÄuNjaOhrM19O1B2IL 3 WBerEkNeZLIuNdWwiAgsGbEuNrgder Lux 115 116 4 BaPuUjaChHr 1V9206MOTORRAD, 5 BaLuAjaUhRrIN19&00KLEMENT MOTORRAD, Nicht mehr im Technischen Museum ist der Bock-Holländer Wagen. 5 Der Benz Personenwagen mit dem Kennzeichen A XIX 282 und der Lagernummer 363 befand sich bis 1941 im Museum, bevor er gegen elektrische Autoteile der Firma Bosch eingetauscht wurde. 6 Auf dem Grundblatt wurde 117 dieses Fahrzeug als„Beuteauto“ bezeichnet, was darauf hinweist, dass es im Zuge der Kriegshandlungen erbeutet wurde. Eine besondere Geschichte erzählt der Daimler Knight-Wagen: Er kam am 10. Dezember 1918 von der Autotruppe des Deutsch-österreichischen Staatsamtes für Heereswesen in den Bestand des Technischen Museums. Das Fahrzeug war am 14. September 1914 in Karlsbad von den Militärbehörden beim französischen Staatsangehörigen Joseph Bois de Mouzilly beschlagnahmt worden. Während des Krieges wurde es bis zum Juli 1917 beim Fliegeretappenpark 5 vorwiegend in Böhmen eingesetzt, bevor es ins Depot in die Wiener Rotunde kam. Von dort gelangte es ins Museum. Im Oktober 1922 beantragte Bois de Mouzilly beim Französischösterreichischen gemischten Schiedsgerichtshof die Herausgabe seines Fahrzeugs. Nach einer Besichtigung wurde dieses an den ursprünglichen Eigentümer zurückgestellt. 7 Nicht nur Automobile, sondern auch eine Vielzahl an Autoteilen wie Vergaser, Bremsen, Stoßdämpfer usw., aber auch 170 Reifen übergab die ehemalige Autotruppe dem Technischen Museum. Die Reifen selbst konnten nicht mehr gefunden werden, allerdings existiert im Archiv des Museums noch eine Kartothek mit Lichtbildern über Versuchsreihen zu Ersatzmaterialien für LKW- und PKW-Reifen, die die Autotruppe in der Kriegszeit durchführte. 8 Vom k.u.k. Radfahr-Ersatz-Bataillon in der Troststrasse im 10. Wiener Gemeindebezirk erhielt das Museum im Dezember 1918 ferner zwei Motorräder: Das Puch V2 Baujahr 1906(Inv.Nr. 1517) und das Laurin& Klement Motorrad Baujahr 1900(Inv.Nr. 1516) sind heute noch als Leihgaben im Depot vorhanden. Erwerbungen vom Fliegerarsenal Für die Luftfahrtsammlung versuchte das Technische Museum während des Kriegs, Objekte von den Fliegertruppen zu beschaffen. Auch in diesem Bereich profitierten die Sammlungen erst von der Konkursmasse der Österreichisch-ungarischen Monarchie. Kurz nach Kriegsende, im Jänner und Februar 1919, übergab das Deutsch Österreichische Fliegerarsenal dem Museum in mehreren Tranchen Flugmotoren und verschiedene Flugzeugbestandteile als Leihgaben. Darunter befanden sich„28 Messinstrumente für Aviatik“, zwei Hiero-Flugmotoren mit 140 PS(Inv.Nr 1867) und 55 PS (Inv.Nr. 1869), zwei Austro Daimler Flugmotoren mit 150 PS(Inv.Nr. 1859) und 180 PS sowie weitere 64 Flugzeugbestandteile, darunter Tragflächen rippen, Motorenteile und Propeller. 9 118 6 19H13IR/O14-FLUGMOTOR, 140 PS, 7 KOMPASS für ein Flugzeug 8 LENKRAD für ein Flugzeug 119 Die Aviatik(Berg) D I im TMW Die bedeutendsten Erwerbungen von den Luftfahrttruppen waren aber vier Flugzeuge, die vermutlich bereits 1919 ins Technische Museum gebracht wurden. Von diesen ist heute nur mehr das Jagdflugzeug der Type „Aviatik Berg D1“ mit der Seriennummer 101.37 erhalten. Seit 1927 ist es in der Dauerausstellung der Abteilung Luftfahrt zu sehen. Es ist nicht nur das erste ausschließlich in Österreich entwickelte und produzierte Jagdflugzeug des Ersten Weltkriegs, sondern auch das einzige noch weitge hend im Original erhaltene Jagdflugzeug der k.u.k. Luftfahrtruppen und dadurch eines der Leitobjekte der Luftfahrtausstellung. Um die Geschichte und die Herkunft des Flugzeugs ranken sich noch einige Geheimnisse und Mythen. So befindet sich auf dem Armaturen brett der Pilotenkanzel eine eingeritzte Inschrift, wonach der einstmalige Leutnant der k.u.k. Luftfahrttruppen Ladislaus E. Almásy im Februar 1918 mit diesem Objekt im Rahmen der 57. k.u.k. Fliegerkompagnie Einsätze an der italienischen Front geflogen sein soll. Ladislaus Almásy stammt aus einer ungarischen Adelsfamilie, deren Stammsitz Schloss Bernstein im heutigen Burgenland war. Sein Vater György Almásy war Ethnologe und Zoologe und verwaltete den Familienbesitz. Ladislaus erhielt in den Jahren vor 1914 eine Ausbildung in einem Internat im englischen Eastbourne, bevor er an der Universität London Maschinenbau inskribierte. In England erlernte er auch das Fliegen, sodass er nach seiner Rückkehr nach Kriegsausbruch zunächst zum k.u.k. Husarenregiment Nr. 11 und dann zur Luftfahrtersatztruppe nach Wiener Neustadt einberufen wurde. Dort diente er vom 6. November 1916 bis zum 27. Jänner 1917 und wurde anschließend als Beobachtungsoffizier der k.u.k. Fliegerkompagnie Nr. 17 zugeteilt. Im Sommer 1918 findet man ihn als Fluglehrer der Fliegerersatzkompagnie Nr. 7 in Parndorf(Burgenland). Fotografien aus seinem Kriegs-Fliegeralbum, das seine Familie auf Schloss Bernstein aufbewahrt, zeigen ihn auf Flugfeldern in Wiener Neustadt und Szombathely. Bis jetzt konnten die Angaben auf der Aviatik(Berg) D I in den im österreichischen Kriegsarchiv nur bruchstückhaft überlieferten Archivalien zur Fliegertruppe weder bestätigt noch widerlegt werden. 10 Almásy wurde in den 1920er und 1930er Jahren durch seine Sahara-Forschungsexpeditionen, die er mit Flugzeug und Automobil durchführte, einem breiten Publikum bekannt. Berühmt wurde er aber erst durch das 120 9 deArVSIcAhTaIKus(aBmERmGlu)nDgId, BeasuMjauhsre1u9m1s7, seit 1927 in 121 KEIN VERÖFFENTLICHUNGSRECHT 1 d 0 erLke.uu.tkn.aLnutfLtfaadhirstltaruusppEe. nAlmásy als Pilot 1 A 1 viaIntiskch(Brieftrga)mDAI rdmeartku.rue.kn.bLrueftttfadherrttruppen Buch und den gleichnamigen Hollywood-Film„Der englische Patient“ des kanadischen Schriftstellers Michael Ondaatje. Ein weiteres Rätsel bleibt, wann und durch wen dieses Flugzeug in den Bestand des Technischen Museums gekommen ist. Weder im Inventarbuch noch in den Grundblättern oder in der Verwaltungskorrespondenz des Museums ist sein Eingang verzeichnet. Nur indirekt kann auf die Herkunft der Aviatik(Berg) D I geschlossen und der Zeitpunkt des Eingangs des Flugzeugs in die Sammlung des Museums eingegrenzt werden. Die überlieferte Korrespondenz im Verwaltungsarchiv belegt, dass sich die Maschine zumindest seit Ende 1924 im Depot des Technischen Museums befunden haben muss; wahrscheinlicher ist jedoch, dass sie bereits 1919 ins Museum gelangte. Offenbar wurde die Aviatik(Berg) D I damals zusammen mit einem„Wasserflugzeug ohne Motor“ und zwei Flugzeugen der Marke„Brandenburger“ vom Deutsch Österreichischen Fliegerarsenal unter der Leitung von Richard Knoller als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Richard Knoller(1869–1926) war seit 1911 Vorstand der Lehrkanzel 122 für Luftschifffahrt und Automobiltechnik an der Technischen Hochschule Wien. Während des Kriegs war er fast ausschließlich für die k.u.k. Luftfahrttruppen tätig und mit der Entwicklung sowie technischen Verbesserung von Flugzeugtypen im Wiener Arsenal betraut. 11 Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie kontrollierten die Alliierten die Abrüstung der k.u.k. Armee. Laut Bestimmungen des Friedensvertrags von St. Germain vom September 1919 musste Österreich sich verpflichten, alle Flugzeuge aus dem Krieg unter der Aufsicht und auf Anordnung von alliierten Kommissionen zu zerstören. Darüber hinaus war es der Republik nicht nur verboten, eigene Luftstreitkräfte zu unterhalten, auch der zivile Luftverkehr blieb untersagt. Offenbar gelang es Richard Knoller aber, die genannten vier Flugzeuge vor dem Zugriff und der Zerstörung durch die alliierten Kommissionen im Technischen Museum zu verstecken. Sie sollten wahrscheinlich später nach Aufhebung des Verbots entweder der Lehrkanzel als Studienobjekt oder zum Aufbau eines zivilen bzw. militärischen Flugwesens in Österreich dienen. Erst im Jahr 1924 lockerten die Alliierten die Beschränkungen im Motorflugwesen, der Motorflug in Österreich für zivile Zwecke war wieder tole riert. Zu diesem Zeitpunkt meldeten sich verschiedenste Gruppierungen und Privatpersonen beim Technischen Museum mit dem Ersuchen, die versteckten Flugzeuge wieder verwenden zu dürfen. Unter ihnen war der Pilot Franz Zuzmann aus Wien, der im Oktober 1924 anbot, sein Flugzeug vom Typ„Bauer 1“ gegen das im Depot stehende„Flugzeug Type Brandenburger mit 185 PS“ Motor zu tauschen. Das Museum antwortete ihm, dass„der Apparat nicht im Eigentum des TM, sondern der Technischen Hochschule in Wien ist, weshalb uns auch kein Verfügungsrecht über die Maschine zusteht.“ 12 Erfolgreicher war der Steirische Fliegerverein, einer der ersten, die damals wieder gegründet wurden. Seine ersten Fluggeräte waren zwei Brandenburger Maschinen, 13 die„Styria“(Kennung A17) und die„Austria“(Kennung A21), die der Verein mit Billigung der Technischen Hochschule aus den Beständen des Museums erhielt. 14 Die Übergabe fand im Jänner 1925 statt. Dazu vermerkte das Museum in einem Schreiben an den Fliegerverein:„Es wurden heute Ihrem bevollmächtigten Herrn Dr. August Raft zwei Flugzeuge aus dem Besitz der Technischen Hochschule, Wien unter den am 20.1.1925 vereinbarten Bedingungen übergeben. Alle Verantwortung über Weiterungen, die sich aus dem künftigen Benützung ergeben, fällt Ihnen zu.“ 15 Als Gegenleistung übernahm der Verein die Aufgabe„das 123 im Technischen Museum verbliebene Flugzeug vollständig nach unserem Wünschen musealtechnisch bis 1. März zuzurichten.“ 16 Ein Techniker des Fliegervereins reiste nach Wien und restaurierte in den folgenden Wochen die im Museum verbliebene Aviatik(Berg) D I, um sie ausstellen zu können: So wurden Rumpf und Bespannung teilweise aufgeschnitten, die unteren Tragflächen beiderseits gekürzt und die Bespannung zum Teil entfernt, um den inneren Aufbau der Flügel für die Besucher sichtbar zu machen. Außerdem wurde der Motor gegen einen Schnittmotor getauscht und ein kleiner E-Motor installiert, mit dem die Kolben des Schnittmotors für Demonstrationszwecke angetrieben werden konnten. Die Instandsetzung der Maschine dauert länger als geplant, der Techniker des steirischen Fliegervereins schloss die Arbeiten an der Aviatik Berg erst im Sommer 1925 ab. 17 Von den ursprünglich vier Flugzeugen verblieb nur mehr das„Wasserflugzeug ohne Motor“ im Museum. Da dieses offenbar im Depot Platz benötigte, wandte sich die Direktion an die Abteilung Luftschifffahrt im ehemaligen Kriegsministerium mit der Bitte, ob man nicht eine Verwendung für dieses Wasserflugzeug wüsste.„Das Flugzeug ist scheinbar sehr wenig gebraucht und wäre für Passagierflüge auf den österr. Seen wäh rend der Sommerzeit sicherlich zu verwenden“, schloss das Museum. 18 Im November 1925 meldete sich schließlich die Österr. Fliegerschule. Offizielle Fliegerschule des Österreichischen Fliegerverbandes(1010 Wien, Bösendorferstraße) beim Museum und zeigte sich am Wasserflugzeug interessiert. 19 Die Direktion bemühte sich bei Richard Knoller um dessen Einverständnis. Eine Antwort des damals schon schwer erkrankten Knoller ist nicht überliefert. Da sich das Wasserflugzeug aber nicht mehr im Depot befindet, dürfte die Übergabe geklappt haben. 20 Von den umfangreichen Erwerbungen des Technischen Museums aus der Konkursmasse der k.u.k. Armee ist heute nur mehr die Aviatik(Berg) D I in der Schausammlung zu sehen. Die meisten Objekte waren schon damals in einen so schlechten Zustand, dass sie nicht für Ausstellungszwecke geeignet waren. Sie konnten nicht die Lücken in den Sammlungen des Museums zur Luftfahrt und zum Straßenverkehr füllen, die seit Ausbruch des Ersten Weltkriegs entstanden waren. 2 Otmar Moritsch/ Wolfgang Pensold 125 Metallsammlung für die Rüstung in historischen Filmbildern 2 fürSadmiemRlüusntgunvgosnfaMbreiktaelnlwaren 1 re„gWe aienddeenrePr!aBtreiotetiislicghteEnuch Kriegs-Metall-Sammlung...“ 126 127 3 keAssuefblnezreuirtuWnegitveorvneBralerbche-itung 128 4 einSgoegsacrhGmlooclzkeenn, wurden um Munition herzustellen 129 5 beEnrduknadbdeluwrcuhrdKeanbealuasugsegmrian-derwertigerem Metall ersetzt 130 6 rarAeuscMh eatuasllSacuhsigffeebnawuutrde 131 KEIN VERÖFFENTLICHUNGSRECHT 7 StKaholhwleerzkusr Befeuerung des 132 KEIN VERÖFFENTLICHUNGSRECHT 8 StDahelrwHerokcshofen, das Herz des 133 9 FrBonartbenarische Fußfallen für die 134 135 10 Herstellung von Granaten 136 137 1 Le 1 uEcrhzteraukgeutnegn von 2 Anmerkungen 139 Der Krieg im Museum und das Museum im Krieg 1 Karl Josef Zitterhofer: Eine österreichische Kulturstätte. Zur Eröffnung des Museums für Industrie und Gewerbe in Wien. Volk und Heer, 1. Juni 2014, S. 6. 2 Zu Exner vgl. Helmut Lackner, Katharina Jesswein u.A.(Hg.): 100 Jahre Technisches Museum Wien. Wien 2009, S. 69–271. 3 Helmut Lackner: Ingenieure als Museumsgründer: Oskar von Miller und Wilhelm Exner. In: Uwe Fraunholz, Sylvia Wölfel(Hg.): Ingenieure in der Hochmoderne. Thomas Hänseroth zum 60. Geburtstag. Münster, New York 2012, S. 127–141. 4 Wilhelm Exner: Über die technische Invalidenfürsorge. Wiener Medizinische Wochenschrift 65(1915), Sp. 913–918, hier: Sp. 914. 5 Martin Schneider: Ludwig Erhard, Gewerbeförderung und Museumsarbeit. In: Lackner Hg., 100 Jahre(wie Anm. 2), S. 119-129, und Martin Schneider: Ludwig Erhards„Biologie der Technik“ und die technokratische Gesellschaft. In: Ebenda, S. 265-271. 6 Helmut Lackner: Das Österreichische Forschungsinstitut für Geschichte der Technik. In: Lackner Hg., 100 Jahre(wie Anm. 2), S. 248–263, hier: S. 250f. 7 TMW-Archiv, BPA-013931/2: Ludwig Erhard: Kriegsacker im Museumsgelände. Bericht über die Einrichtungsarbeiten im Technischen Museum für Industrie und Gewerbe in Wien nach dem Stande vom Mai 1915. Masch. Manuskript, S. 6. 8 TMW-Archiv, BPA-014314/3: Liste der in der Kriegs-Ausstellung befindlichen Gegenstände, die vom Technischen Museum angesprochen werden, 1915. Vgl. auch BPA-014308/17: Verzeichnis kriegstechnischer Schaustücke, 1915, und BPA-014314/4: Liste der in der Kriegsausstellung befindlichen Gegenstände, die dem Technischen Museum bei der kommissionellen Besichtigung am 12. Oktober 1917 zugesprochen wurden, 1917. Zusätzlich kamen in den Jahren 1914 bis 1918 weitere einzelne Objekte zur Kriegstechnik ins Museum, u.a. 1914 die Modelle einer Wasch- und einer Nitrierhütte für Nitroglyzerin von der Dynamit-Actien-Gesellschaft in St. Lambrecht, 1916 Zinkkrätze aus der Kriegs-Ausstellung, 1917 Schwermetallproben von der Metall-Zentrale AG und das Modell einer Unterkunftsbaracke von der Kriegs-Ausstellung, 1918 das Modell einer Ballonhalle vom Ingenieur-Referat des k.u.k. Armeekommandos, 15 Sprengproben der k.u.k. Pulverfabrik in Blumau und das Modell der Isonzobrücke von der Bauunternehmung Brüder Redlich& Berger. 9 Vgl. dazu Hans Leopold: Zur Geschichte der k.u.k. Pulverfabrik in Blumau. In: Klaus-Dieter Mulley, Hans Leopold(Hg.): Österreichs Pulverschmiede. Rüstungsindustrie am Steinfeld/Groß-Mittel und Pottendorfer Linie. Ebenfurth, Pottendorf 1996, S. 29-66. 140 10 TMW-Archiv, BPA- 014290/4: K.u.k. Kriegsministerium an das Technische Museum; Wien, 24.7.1917 und 30.8.1917. 11 TMW-Archiv, BPA-014314/2: Konteradmiral Stanislaus Schanzer an das Technische Museum; Wien, 10.6.1916. 12 Hugo Th. Horwitz: Das Technische Museum in Wien. Geschichtsblätter für Technik und Industrie 8(1921), S. 1–10, hier: S. 6f und Tafel V. 13 Zeitschrift des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines 75 (1915), S. 344. 14 TMW-Archiv, BPA-014315: Neues Wiener Journal an Skodawerke A.G., 4.11.1916. 15 TMW-Archiv, Frühakten, VA-FR: IV Maschinenbau, Fasz. 2: Fa. Storek an Technisches Museum, 20.10.1915. 16 TMW-Archiv, BPA-014312: Technisches Museum an Löwenfeld-Russ, 7.10.1914. Vgl. Wilhelm Exner: Erlebnisse. Wien 1929, S. 144. 17 Reichsgesetzblatt für die im Reichsrath vertretenen Königreiche und Länder, 1916, Stück 181: Verordnung des Ministeriums für Landesverteidigung im Einvernehmen mit den beteiligten Ministerien und im Einverständnisse mit dem k. und k. Kriegsministerium, betreffend die Inanspruchnahme des Kupfermateriales auf Gebäuden für Kriegszwecke. www.ris.bka.gv.at(Zugriff am 7.3.2015). 18 TMW-Archiv, BPA-013308/21: Technisches Museum an das k.k. Ministerium für öffentliche Arbeiten, 29.3.1917. 19 TMW-Archiv, BPA-014279: Finanz-Voranschlag für 1914, 1915 und 1916. 20 TMW-Archiv, BPA-014315: K.k. priv. Oesterreichische Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe an das Technische Museum; Wien, 27.11.1916. 21 TMW-Archiv, BPA-014314/2: Berndorfer Metallwarenfabrik Arthur Krupp A.G. an das Technische Museum, 26.6.1916. 22 Zeitschrift des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines 75 (1915), S. 344. 23 TMW-Archiv, BPA-009621: Verhandlungsschrift über die XI. Sitzung des Exekutiv-Komitees des Kuratoriums, abgehalten am 3.11.1916. 24 Zeitschrift des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines 77 (1917), S. 704. 25 TMW Archiv, BPA-013931/2: Erhard, Kriegsacker(wie Anm. 7). 26 Ludwig Erhard: Der Aufbau des Technischen Museums in Wien. Beiträge zur Geschichte der Technik und Industrie 30(1941), S. 149–156, hier: S. 154. 27 Österreichisches Staatsarchiv Wien, Archiv der Republik: 05, Sign. 589, Karton 3097: Einlagebogen zum Geschäftsstuck des Bundesministeriums für Handel und Gewerbe, Industrie und Bauten[…], Zl. 50887 ex 1921, und Bericht des Technischen Museums auf die Einsichtsbemerkung des Staatsrechnungshofes, Zl. 1123/IV ex 1920. 28 Österreichisches Staatsarchiv Wien, Archiv der Republik: Kabinettsratsprotokoll Nr. 193 vom 18. Juni 1920, fol. 9–13. 141 Kriegsbedingte Ersatzmittel 1 Zum Themenkomplex Surrogat – Imitat – Verfälschung vgl. Hubert Weitensfelder: Technikgeschichte. Eine Annäherung. Wien 2013, S. 63–77. Die folgende allgemeine Schilderung des Einsatzes kriegsbedingter Ersatzstoffe ist eine Zusammenfassung meiner Beiträge: Hubert Weitensfelder:„Kriegsware“. Ersatzstoffe in Produktion und Alltag, in: Alfred Pfoser, Andreas Weigl(Hg.): Im Epizentrum des Zusammenbruchs. Wien im Ersten Weltkrieg. Wien 2013, S. 172–179; Hubert Weitensfelder: Metalle, Sprengstoff, Pflanzenfasern. Kriegsbe dingte Ersatzmittel und Ersatzverfahren. In: Herbert Matis, Juliane Mikoletzky (Hg.): Wirtschaft, Technik und das Militär 1914–1918. Österreich-Ungarn im Ersten Weltkrieg. Wien, Berlin 2014, S. 227–251; Hubert Weitensfelder: Dünger und Sprengmittel. Stickstoff in Österreich-Ungarn im internationalen Kontext bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Blätter für Technikgeschichte 77(2015) (Druck in Vorbereitung); Hubert Weitensfelder: Nähr-Stoffe. Nahrungsmittel, Tierfutter und Dünger in der Kriegswirtschaft(Druck in Vorbereitung). 2 TMW-Archiv, BPA-013823, VIII 55: Blaschczik an das Technische Museum; Wien, 15.1.1914. 3 Ebenda: Technisches Museum an das Norgesalpeter-Verkaufsbureau, 23.3.1921(Entwurf). 4 TMW-Archiv, BPA-013127, IV 99: Technisches Museum an die Süddeutsche Armaturen- und Broncegießerei J. Erhard in Heidenheim, 2.1.1916. 5 Ebenda: Schaefer& Schael an das Technische Museum; Breslau, 6.1.1917; dazu zwei Eingangsmeldungen vom 30.1. und 8.2.1917. 6 Ebenda: Th. Goldschmidt A.G. an das Technische Museum; Essen, 31.1.1917; dazu Eingangsmeldung vom 22.2.1917. 7 Ebenda: Glyco-Metall-Gesellschaft G.m.b.H. an das Technische Museum; Schierstein am Rhein, Wiesbaden, 14.3.1917. 8 Ebenda: Chemische Fabrik Griesheim-Elektron an das Technische Museum; Frankfurt am Main, 30.1.1917. 9 Ebenda: Chemische Fabrik Griesheim-Elektron an das Technische Museum; Frankfurt am Main, 28.3.1917. 10 Ebenda: Agentur der Kautschukwerke Dr. Heinr. Traun& Söhne vorm. Harburger Gummi-Kamm Co. an das Technische Museum; Wien, 15.1.1917; dazu Eingangsmeldung vom 19.1.1917. 11 TMW-Archiv, BPA-014168, XI 31: mehrere Eingangsmeldungen von Mai bis November 1916. 12 TMW-Archiv, BPA-014322, Mappe 16/1: Niederösterreichischer Gewerbeverein an Technisches Museum; Wien, 21.3.1918. 13 Ebenda: Technisches Museum an Niederösterreichischen Gewerbeverein, 27.4.1918(Entwurf). 14 Ausstellungskommission(Hg.): Katalog der Ersatzmittel-Ausstellung. Wien 1918, S. XLI. 142 Kriegskost: Mangelversorgung und Lebensmittelersatz 1 Karl Theodor Helfferich: Der Weltkrieg. 3 Bände. Berlin 1919. Band 2, S. 43. 2 Franz Vojir: Ersatzlebensmittel im ersten Weltkrieg in Österreich. In: Herbert Matis, Juliane Mikoletzky(Hg.): Wirtschaft, Technik und das Militär 1914-1918. Österreich-Ungarn im Ersten Weltkrieg. Wien, Berlin 2014, S. 253-283, hier: S. 255. 3 Ebenda, S. 258. 4 Gisela Urban: Unsere Kriegskost. 290 erprobte österreichische Kriegskochrezepte unter Berücksichtigung der kriegswirtschaftlichen Verhältnisse und Forderungen zusammengestellt. Seitens des k.k. Ministeriums des Innern vom Standpunkte der allgemeinen Approvisionierungs-Interessen geprüft und genehmigt. Wien 1916, S. 10. 5 Ebenda, S. 1. 6 Ebenda, S. 3. 7 Ebenda, S. 12. 8 Ausstellungskommission(Hg.): Katalog der Ersatzmittel-Ausstellung. Wien 1918, S. 20. 9 Andrea Brenner: Wruken – Maisbrot – Dottofix. Ersatzlebensmittel am Beispiel des Ersten Weltkriegs in Wien. Wiener Geschichtsblätter 60(2005), S. 1–21, hier: S. 9. 10 Katharina Micheler: Kriegskost für das deutsche Haus. Anleitung zu zeitgemäßem Kochen nebst Anhang über Blutzusatz zu Nahrungsmitteln. München 1915, S. 75. 11 Katalog der Ersatzmittel-Ausstellung(wie Anm. 8), S. 11. 12 Arbeiter-Zeitung, 23.6.1918. 13 Urban, Unsere Kriegskost(wie Anm. 4), S. 23f. 14 Die Zeit, 7.8.1918. 15 Marianne Stern: Rezepte für die Olso-Kochkiste. Wien 1918, S. 10f. 16 Hubert Weitensfelder: Nähr-Stoffe. Nahrungsmittel, Tierfutter und Dünger in der Kriegswirtschaft(Druck in Vorbereitung). 17 TMW-Archiv, BPA-012840 I/40: Technisches Museum an Regierungsrat Häusler; Wien, 4.8.1916. 18 Ebenda: Otto Reinle an das Technische Museum; Wien, 8.8.1918. Ausnahmsverfügungen für den Kriegsfall 1 Militärische Erfordernisse politischer und administrativer Natur. Wien 1910. 2 Orientierungsbehelf über Ausnahmsverfügungen für den Kriegsfall für die im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder. Ausgabe A(Für Zentralstellen). Wien 1912, S. 1. 3 Österreichisches Staatsarchiv, Kriegsarchiv: KM, 10. Abt., 5-1/14, 1914: Abschrift eines Chiffrentelegramms des k.k. Innenministeriums vom 25. Juli 1914. 143 4 Dienstanweisung für den Kriegsfall IA. Wien 1909, S. 2. 5 Wiener Zeitung, 3.8.1914, S. 3. 6 Dienstanweisung IA(wie Anm. 4), S. 1, 6. 7 Orientierungsbehelf(wie Anm. 2), Beilage 5, S. 152. 8 Dienstanweisung IA(wie Anm. 4), S. 4. 9 Orientierungsbehelf(wie Anm. 2), Beilage 1-s, S. 95, Beilage 1-r, S. 93. 10 Dienstanweisung IA(wie Anm. 4), S. 28. 11 Tamara Scheer: Kontrolle, Leitung und Überwachung des Ausnahmezustandes während des Ersten Weltkriegs. Ausnahmsverfügungen und Kriegsüberwachungsamt. Diss. phil. masch. Wien 2006, S. 140f. 12 Orientierungsbehelf(wie Anm. 2), Beilage 5, S. 153. 13 Dienstanweisung IA(wie Anm. 4), S. 22. 14 Dienstanweisung für den Kriegsfall, zu 710/V.M.-1914, S. 9. 15 Orientierungsbehelf(wie Anm. 2), Beilage 5, S. 183. 16 Dienstanweisung IA(wie Anm. 4), S. 23. 17 Orientierungsbehelf(wie Anm. 2), Subbeilage G, S. 283, Subbeilage E, S. 272f. 18 Dienstanweisung IA(wie Anm. 4), S. 27. 19 Orientierungsbehelf(wie Anm. 2), Subbeilage G, S. 284f. 20 Dienstanweisung IA(wie Anm. 4), S. 12. 21 Orientierungsbehelf(wie Anm. 2), S. 20f. 22 Wiener Zeitung, 28.7.1914, S. 3. 23 Gustav Spann: Zensur in Österreich während des I. Weltkrieges 1914–1918. Diss. phil. masch. Wien 1972, S. 64f. 24 Jozo Dzambo(Hg.): Musen an die Front! Schriftsteller und Künstler im Dienst der k.u.k. Kriegspropaganda 1914–1918, Teil 2(Dokumentation). München 2003. 25 Orientierungsbehelf(wie Anm. 2), Beilage 1-o, S. 79. 26 Zitiert nach Spann, Zensur in Österreich(wie Anm. 23), S. 189. 27 Ebenda, S. 190. 28 Dienstanweisung IA(wie Anm. 4), S. 13. 29 Wiener Zeitung, 5.8.1914, S. 3. 30 Stefan Zweig: Tagebuch im September. In: Ulrich Weinzierl(Hg.): Lächelnd über seine Bestatter: Österreich. Österreichisches Lesebuch. Von 1900 bis heute. München 1989, S. 157. „Diensthöflich übersendet”? Kriegsutensilien für das Postmuseum 1 Vgl. Mirko Herzog: Das„k.k. Postmuseum“. In: Helmut Lackner, Katharina Jesswein u.A.(Hg.): 100 Jahre Technisches Museum. Wien 2009, S. 83–89, 98f; Mirko Herzog: Das Post- und Telegraphenmuseum, ebenda, S. 234–237, 243f; Oliver Kühschelm: Das„Post- und Telegraphenmuseum” als Abteilung des Reichspostmuseums Berlin, ebenda, S. 286–290, 297. 144 2 Führer durch das k.k. Postmuseum, 3. Auflage Wien 1907, S. 97f, 145, 225. 3 Vgl. Veit Didczuneit: Museum und Feldpost. Vom Reichspostmuseum zum Museum für Kommunikation Berlin. In: Veit Didczuneit, Jens Ebert(Hg.): Schreiben im Krieg – Schreiben vom Krieg. Essen 2011, S. 23–33, hier: S. 23f. 4 TMW-Archiv, Postarchiv: Inventarbuch AII, S. 285, Nr. 5540. 5 „Das ‚Posthorn in Eisen’”. Das interessante Blatt, Wien, 31.5.1917, S. 10f; vgl. Gunda Achleitner(Hg.): Der Wehrmann in Eisen. Nägel für den guten Zweck. Wien 2014. 6 TMW-Archiv, Postarchiv: Inventarbuch AII, S. 294, Nr. 5600-5602; S. 325, Nr. 5953, 5956(?), 5957(?), S. 326, Nr. 5965, Nr. 5974, Nr. 5974; S. 341f, Nr. 6178–6189; S. 361, Nr. 6395-6402, Nr. 6406. 7 TMW-Archiv, Postarchiv, Br 2195-2939: Inventar der Briefe ohne Marken. 8 TMW-Archiv, NL-100: Vorlass Adalbert Markus. 9 TMW-Archiv, Postarchiv, Pk 2727-FPk 2815: Inventar der gelaufenen Postkarten; Brw 2013-2219: Inventar der Briefe mit Marken. 10 TMW-Archiv, Postarchiv: Inventar der nicht gelaufenen Postkarten, NPk-0001. 11 TMW-Archiv, Postarchiv: Inv. AII, S. 277, Nr. 5448–5453, 5456, 5457 S. 291, Nr. 5577–5585, S. 292, Nr. 5588; S. 278, Nr. 5465, 5470. 12 Posch trat seinen Dienst am 17. März 1916 an: Österreichisches Staatsarchiv Wien, Kriegsarchiv: Qualifikationslisten Nr. 2575, Posch-Poschacher; Fasz. 2320, Josef Edler von Posch. 13 Vgl. Dienstvorschrift E-47: K.u.k. Feldpost. – Organisation der Feldpost. – Leitung des k.u.k. Feldpostdienstes in militärischer Beziehung. – Dienstvorschrift für das k.u.k. Feldpostpersonal. – Benützung der k.u.k. Feldpost. – Feldpostbetrieb. Wien 1913. 14 Posch fungierte von 1919 bis 1924 als Bearbeiter und Verwalter der Briefmarkenbestände der Hauptanstalt für Sachdemobilisierung zwecks Versteigerung im Dorotheum und verfasste mehrere philatelistische Zeitschriftenartikel zur k.u.k. Feldpost im Weltkrieg; vgl. Ernst Popp: Josef von Posch. In: Österreichische Akademie der Wissenschaften: Österreichisches Biographisches Lexikon 1813–1950. Bisher 9 Bände. Wien 1957–1988. Band 8(1983), S. 217. 15 TMW-Archiv, Postarchiv: Inventar der gelaufenen Postkarten(1975), S. 6, K55; vgl. ebenda, S. 6, K56–K63; S. 7, K64–K74; S. 8, K417, K418. 16 Herzog, Das„k.k. Postmuseum”(wie Anm. 1), S. 89. 17 TMW-Archiv, Postarchiv, Br. 2195-2939: Inventar der Briefe ohne Marken. – Einen umfangreichen Teil der Feldpostkartensammlung bilden mit Adressaufdruck versehene Karten, die an Franz Xavér Wutscher geschickt wurden, der 1916 als Korvettenkapitän der Torpedodivision in Pola(Pula/Kroatien) stationiert war. Wutscher, offenbar Philatelist, sammelte Stempelabschläge von Feldpostämtern: TMW-Archiv, Postarchiv: Inventar der gelaufenen Postkarten, Pk 270; Über die Modalitäten des Erwerbs ist nichts überliefert. 18 TMW-Archiv, Postarchiv: Inventarbuch AII, S. 277, Nr. 5456 und 5457. 19 TMW-Archiv, Postarchiv: Kartothek des Postmuseums, Schlagwort„Feldpost“ (133 Karteikarten) bzw. Inventarverzeichnis C.(angelegt 1933, geführt bis 1957); die Inventarnummern in beiden Findmitteln sind ident. 145 21 Vgl. Richard von Damaschka: Kriegsphotographie. Ein Leitfaden für Kriegsphotographen und Amateure im Felde. Wien 1916. 22 Hans Müller: Kunst im Felde. In: Alois Veltzé(Hg): Aus der Werkstatt des Krieges. Wien 1915, S. 168. 23 Vgl. TMW-Archiv, Postarchiv: Kartothek des Postmuseums, Schlagwort„Feldpost“, Rubrik„Aufstellungs-Verwahrungsort“. 24 Denkschrift über die von der k.k. Regierung aus Anlaß des Krieges getroffenen Maßnahmen. Zweiter Teil: Juli bis September 1915. Wien 1916, S. 149. 25 TMW-Archiv, Postarchiv, Pg-02-007:„Statistische Darstellung der Tätigkeit der Feldpostsortierstelle und Feldpostpaketsammelstelle in Prag – mit Beginn des Krieges bis Ende Dezember 1916”. 26 Ulrich Ferchenbauer: Die Feldpost 1914–1918. In: Ulrich Ferchenbauer: Österreich 1850–1918. Handbuch und Spezialkatalog. 4 Bände. Wien 2008. Band 4, S. 74–156, hier: S. 74. 27 Vgl. Stefan Zweig: Die Feldpost. In: Veltzé Hg., Werkstatt(wie Anm. 22), S. 134–144. 28 Vgl. Frederic Patka: Auch das war die Feldpost. In: Joachim Gatterer, Walter Lukan(Hg.): Studien und Dokumente zur österreichisch-ungarischen Feldpost im Ersten Weltkrieg. Wien 1989, S. 55-75. 29 Damaschka, Kriegsphotographie(wie Anm. 21), S. 33. 30 Patka, Feldpost(wie Anm. 28), S. 60. 31 Vgl. Margit Sturm: Lebenszeichen und Liebesbeweise aus dem Ersten Weltkrieg. Zur Bedeutung von Feldpost und Briefschreiben. Diplomarbeit Wien 1992, S. 34f; Marco Mondini: Papierhelden. Briefe von der Front während des Ersten Weltkriegs in Italien und die Schaffung eines männlich-kriegerischen Bildes. In: Didczuneit, Ebert Hg., Schreiben im Krieg(wie Anm. 3), S. 185–192, hier: S. 186f. 32 Ebenda, S. 188. 33 Zweig, Feldpost(wie Anm. 27), S. 135. 34 Vgl. Peter Jung: Zur Organisationsgeschichte der K.u.k. Feldpost im Ersten Weltkrieg. In: Gatterer, Lukan Hg., Studien und Dokumente(wie Anm. 28), S. 14–17. 35 Vgl. Ines Rebhan-Glück:„Wenn wir nur glücklich wieder beisammen wären...” Der Krieg, der Frieden und die Liebe am Beispiel der Feldpostkorrespondenz von Mathilde und Ottokar Hanzel(1917/18). Diplomarbeit Wien 2010, S. 28–30. 36 Ebenda, S. 30. 37 Soldatengrüße aus dem Felde. Feldpostkarten und Briefe unserer Vaterlandsverteidiger an die„Illustrierte Kronen-Zeitung”, Wien. Heft 1(Jänner 1915), S. 2. 38 Zweig, Feldpost(wie Anm. 27), S. 144. 39 Vgl. Hajo Diekmannshenke: Feldpostbriefe als linguistischer Forschungsgegenstand. In: Didczuneit, Ebert Hg., Schreiben im Krieg(wie Anm. 3), S. 47-59. 40 TMW-Archiv, Postarchiv, Pk-0077: Feldpostkarte Budapest – Pola, gelaufen 16.11.1916. 41 TMW-Archiv, Postarchiv, Pk-0309: Feldpostkarte Feldpost 33 – Wien, gelaufen 30.12.1916. 146 42 TMW-Archiv, Postarchiv, Pk-0106: Feldpostkarte Pola – Pola, gelaufen 16.8.1916. 43 TMW-Archiv, Postarchiv, Pk-0325: Feldpostkarte Wien – Feldpost 33, gelaufen 17.1.1917. 44 TMW-Archiv, Postarchiv, Pk-0145: Feldpostkarte Torpedoboot 78 I – Pola, gelaufen 25.8.1916. 45 TMW-Archiv, Postarchiv, Pk-2818: Feldpostkarte Feldpostamt 439 – Wien, gelaufen 28.2.1917. 46 Vgl. Anm. 9. 47 Vgl. Kriegsarchiv Stockholm: Sammlung Tjänsteförteckningar 1915, Generalstab, Qualifikationsliste Otto von Essen. – Für die Unterstützung in meiner Recherche zu Otto von Essen danke ich Dr. Renate Schreiber(Wien). 48 TMW-Archiv, Postarchiv, Brw 2033: Salomon Krenberger, Wien, an Otto von Essen, Helsingborg, gelaufen 5.12.–9.12.1915. 49 Vgl. Gustav Spann: Zensur in Österreich während des 1. Weltkrieges 1914– 1918. Diss. phil. masch. Wien 1972, S. 113–122. 50 Zweig, Zensur der Kriegsgefangenen-Korrespondenz, in: Veltzé Hg., Werkstatt(wie Anm. 22), S. 283–292, hier: S. 283f. 51 Ebenda, S. 292. 52 Ebenda, S. 285. 53 Ebenda, S. 291f. 54 Vgl. Spann, Zensur(wie Anm. 49), S. 133–344. Patriotismus in der Kinderstube 1 Vgl. Peter Lukasch: Der muss haben ein Gewehr. Krieg. Militarismus und patriotische Erziehung in Kindermedien. Kapitel„Der Erste Weltkrieg im Kinderund Jugendbuch als Auszug unter members.aon.at/zeitlupe/werbung/propaganda1.html(Zugriff am 31.3.2015). 2 Vgl. Evelyn Zechner:„Kasper saust von Sieg zu Sieg“. Sozialhistorische und soziologische Studien zu ausgewählten Puppenspielen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Graz 2011. 3 Max und Moritz im Felde. Eine lustige Soldaten-Geschichte. Berlin o.J.[wohl 1915 oder 1916]. 4 Manfred Zollinger: Spiele mit Kriegssignatur. In: Christa Hämmerle, Ernst Bruckmüller(Hg.): Kindheit und Schule im Ersten Weltkrieg. Wien 2015, S. 231–259, hier: S. 237. 5 Ernst Strouhal: Spiel und Propaganda. Antisemitismus, Krieg und Ideologie in Gesellschaftsspielen 1900 bis 1945. In: Ernst Strouhal, Manfred Zollinger(Hg.): Spiele der Stadt. Glück, Gewinn und Zeitvertreib. Katalog zur 384. Sonderausstellung des Wien Museums. Wien, New York 2012, S. 136–145, hier: S. 139. 6 Vgl. Heike Hoffmann:„Schwarzer Peter im Weltkrieg“: Die deutsche Spielwarenindustrie 1914–1918. In: Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumreich(Hg.): Kriegser- 147 fahrungen. Studien zur Sozial- und Mentalitätsgeschichte des Ersten Weltkrieges. Essen 1997, S. 323–335, hier: S. 330f. 7 Als Beispiel für dennoch geäußerte Kritik wird häufig das Spiel„Russentod“ genannt, das sowohl von Karl Kraus in der Fackel und in„Die letzten Tage der Menschheit“ als auch von der Arbeiter-Zeitung(in der Ausgabe vom 7.4.1916) kritisiert wurde. Verkauft wurde das Spiel in Prag. Über seine Verbreitung ist nichts bekannt. 8 Vgl. Lukasch, Der muss haben ein Gewehr(wie Anm. 1). 9 Vgl. Ernst Seibert: Der Erste Weltkrieg in der Kinder- und Jugendliteratur. Kriegsertüchtigung als Ende der Tugendlehre? In: Hämmerle, Bruckmüller Hg., Kindheit und Schule(wie Anm. 4), S. 205–230, hier: S. 212. 10 Max Schönowsky von Schönwies: Der militärische Einschlag bei der körperlichen Erziehung der schulbesuchenden Jugend. In: Verordnungsblatt für den Dienstbereich des k.k. niederösterreichischen Landesschulrates, Jg. 1914, Sonderbeilage I, Stück XX, S. 1–9; zitiert nach Zollinger, Spiele mit Kriegssignatur (wie Anm. 4), S. 232. 11 Oskar Achs: Von der Feder zum Säbel. Das Wiener Schulwesen im Ersten Weltkrieg. In: Alfred Pfoser, Andreas Weigl(Hg.): Im Epizentrum des Zusammenbruchs. Wien im Ersten Weltkrieg. Wien 2013, S. 420–429, hier S. 421. 12 Elias Canetti: Die gerettete Zunge. Geschichte einer Jugend. Berlin 1979, S. 151f. 13 Christa Hämmerle:„Diese Schatten über unserer Kindheit gelegen“. Historische Anmerkungen zu einem unerforschten Thema. In: Christa Hämmerle(Hg.): Kindheit im Ersten Weltkrieg. Wien, Köln, Weimar 1993, S. 265–327, hier: S. 288–294. 14 Ebenda, S. 271, 277. 15 Karl Zalesky:„Wir Schüler mußten auch Abzeichen und Karten verkaufen.“. In: Hämmerle Hg., Kindheit im Ersten Weltkrieg(wie Anm. 13), S. 248–253, hier: S. 251. 16 Achs, Von der Feder zum Säbel(wie Anm. 11), S. 426; der Autor zitiert seinerseits ein Schlagwort des Kriegspädagogen Bernhard Merth von 1916. 17 Deutsche Spielwarenzeitung, 10.9.1914, S. 5; zitiert nach Hoffmann,„Schwarzer Peter im Weltkrieg“(wie Anm. 6), S. 325. 18 Vgl. Zollinger, Spiele mit Kriegssignatur(wie Anm. 4), S. 246. 19 Zitiert nach ebenda, S. 255. 20 Karl Sellner:„Wir Kinder spielten ‚Krieg‘…“. In: Hämmerle Hg., Kindheit im Ersten Weltkrieg(wie Anm. 13), S. 254–257, hier: S. 255, 256. 21 Vgl. Wolfgang Maderthaner, Lutz Musner: Der Aufstand der Massen. Phänomen und Diskurs im Wien der Zwischenkriegszeit. In: Wolfgang Maderthaner: Kultur Macht Geschichte. Studien zur Wiener Stadtkultur im 19. und 20. Jahrhundert. Münster, Wien 2005, S. 95–147. 22 Vgl. Zollinger, Spiele mit Kriegssignatur(wie Anm. 4), S. 248 und 249. 23 Vgl. Eberhard Demm: Deutschlands Kinder im Ersten Weltkrieg. Zwischen Propaganda und Sozialfürsorge. Militärgeschichtliche Zeitschrift 60(2001), S. 51–79. 148 24 Hoffmann,„Schwarzer Peter im Weltkrieg“(wie Anm. 6), S. 334. 25 Kommando des Kriegspressequartiers, Oberst Eisner-Bubna an diverse Ministerien, 15.5.1917; zitiert nach Zollinger, Spiele mit Kriegssignatur(wie Anm. 4), S. 244. 26 Ernst Friedrich: Krieg dem Kriege! 4.-6. Auflage Berlin 1925, S. 37–49. 27 Ebenda, S. 10. 28 Georg Bernard:„Zu Weihnachten gab es Kanonen als Kriegsspielzeug“. In: Hämmerle Hg., Kindheit im Ersten Weltkrieg(wie Anm. 13), S. 242–247, hier: S. 243. Mit Pauken und Trompeten. Musik im Krieg 1 Heide Tenner(Hg.): Alma Mahler – Arnold Schönberg.„Ich möchte so lange leben, als ich Ihnen dankbar sein kann“. Der Briefwechsel. St. Pölten, Salzburg 2013, S. 86. 2 Ebenda, S. 82. 3 Sigfrid Schibli: Der Kampf als Reinigung. Österreichische Musikzeitschrift 69/1 (2014), S. 28-34, hier: S. 31. 4 Theodor W. Adorno: Philosophie der neuen Musik. Frankfurt am Main 1949. 5 Magdalena Pichler: Auf, auf zum Kampf. Musik und Krieg in Frankreich.Österreichische Musikzeitschrift 69/1(2014), S. 55–60, hier: S. 59. 6 Tenner Hg., Alma Mahler(wie Anm. 1), S. 85. 7 Eva Maria Hois, Heeresgeschichtliches Museum Wien(Hg.): Die Musikhistorische Zentrale – ein Kultur- und Zeitdokument ersten Ranges. Die Soldatenliedersammlung des k.k. Kriegsministerium im Ersten Weltkrieg, Geschichte – Dokumente – Lieder. Wien 2012, S. 216. 8 Hartmut Berghoff: Patriotismus und Geschäftssinn im Krieg, Eine Fallstudie aus der Musikinstrumentenindustrie. Themenportal erster Weltkrieg: www.erster-weltkrieg.clio-online.de(Zugriff am 15.12.2014). 9 TMW-Archiv, BPA-015384, FI-06: Firmenbestand Teofil Kotykiewicz, Speditionsbuch, Band 2. 10 Isabella Sommer: Das Klavierspielinstrument Phonola. Österreich in Geschichte und Literatur 58(2014): Erster Weltkrieg – Kulturgeschichtliche Aspekte, S 143–159, hier: S. 150. 11 Melanie Unseld: Begleitmusik für die Transformation zum Helden. In: Stefan Hanheide, Dietrich Helms(Hg.): Musik bezieht Stellung. Funktionalisierungen der Musik im ersten Weltkrieg. Osnabrück 2013, S. 31–62, hier: S. 34. 12 www.archives.cendari.dariah.eu(Zugriff am 25.2.2015). 149 Kraftfahrzeuge und Flugzeuge aus der Konkursmasse Österreich-Ungarns 1 Allgemeine Automobilzeitung 17/23(1918), S. 31f, hier: S. 31. 2 TMW-Archiv, Korrespondenz Gruppe VI, PZ 2507: Technisches Museum an das Kriegsministerium, 18.6.1918. 3 Das Chassis wurde unter der Inventar Nummer L1427 inventarisiert und befin det sich heute im Depot des Technischen Museums Wien. 4 TMW-Archiv, BPA-13653, Frühakten, Kt. VI/2, 66, PZ(Postzahl) 1802/1919: Technisches Museum an Hauptamt für Sachdemobilisierung, 9.7.1919. 5 Abfrage in der TMW-Datenbank, 4.3.2015. Möglichweise ist von dem Fahrzeug noch der Motor mit der Inv.Nr. 39561 erhalten geblieben. 6 TMW-Inventarverwaltung: Grundblatt Inv.Nr. 1568 und Inv.Nr. 16.034 siehe auch TMW-Archiv, BPA-13653, VI/66: Hauptamt für Sachdemobilisierung an Technisches Museum, 22.2.1920 und TMW-Archiv, Korrespondenz, XI, 1941, PZ 1936/1941. 7 TMW-Archiv, Korrespondenz, VI, PZ 2257/1922: Abrechnungsamt Wien an das Technische Museum, 20.10.1922, und ebenda: PZ 2338/1922, Abrechnungsamt Wien an das Technische Museum, 3.11.1922. 8 TMW-Archiv, BPA-010013, LKW- und PKW-Bereifung; TMW-Inventarverwaltung: Anmeldeschein Inv.Nr. 4438(alt). 9 Vgl. TMW-Archiv, BPA-13689, Frühakten VI/98, PZ 652/1919: Technisches Museum an D.-Ö. Fliegerarsenal, Wien 4 Technische Hochschule, 3.3.1919; ebenda: PZ 1048/19: Technisches Museum an Kommandant der FlugzeugsAusrüstungs-Abteilung, 9.4.1919. 10 Österreichisches Staatsarchiv Wien, Kriegsarchiv, Fliegerkompagnie 57, und ebenda, Personalakt Leutnant Ladislaus E. Almásy. 11 Archiv der Technischen Universität Wien, Personalakt und Teilnachlass Richard Knoller. 12 TMW-Archiv, Korrespondenz, VI, PZ 2003/1924: Technisches Museum an Franz Zuzmann, 1120 Wien, Kieningergasse 21, 14.10.1924. 13 „Der neugegründete Steirische Fliegerverein nahm einen alten, vor den alliierten Kontrollkommissionen sorgsam versteckten und später wieder aufgemöbelten Brandenburger in Betrieb“: Airport News, 1984/2, S. 28. 14 Der Steirische Fliegerverein konnte bis 1926 insgesamt drei aus dem Ersten Weltkrieg stammende und mit Fiat-Motoren ausgestattete Brandenburger übernehmen, nämlich„Styria“(A 17),„Austria“(A 21) und„Germania“(A 24). Am 8. April 1927 fand der Erstflug von Walter Mühlbacher, einem Mitglied des Steirischen Fliegervereins, mit der Hansa Brandenburg(Styria A17) aus dem Technischen Museum statt. Aus diesem Verein entwickelte sich ab 1929/30 die Fliegerschule Graz unter dem Oberst im Generalstab Alexander Löhr als Vorläufer der österreichischen Luftstreitkräfte. Vgl. Austro Flug 17/3(1967), S. 20. Ein Foto der Styria A17 in: Austro Flug 24/6-7(1974), S. 9, Austro Flug 30/1,(1980) S. 18–21. 150 15 TMW-Archiv, Korrespondenz, VI, PZ 213/25: Technisches Museum an den Steirischen Fliegerverein Graz, Humboldtstr. 18, Cafe Humboldt, 24.1.1925. 16 Ebenda. 17 Vgl. dazu die Korrespondenz zwischen dem Museum und dem Steirischen Fliegerverein: TMW-Archiv, Korrespondenz, VI, PZ 1145/1925: Technisches Museum an Fliegerverein, 11.5.1925; ebenda: PZ 131/1925: Technisches Museum an Dr. August Raft, Schillerstr. 27, Graz, 17.1.1925; ebenda: PZ 213/1925: Steirischer Fliegerverein an Technisches Museum Ing. Ernst Stelzer, 20.1.1925; ebenda: PZ 533/1925: Technisches Museum an Steirischen Fliegerverein, 27.2.1925; ebenda: PZ 644/25: Technisches Museum an Dr. Raft, 12.3.1925; ebenda: PZ 804/1925, Technisches Museum an Fliegerverein, 28.3.1925; ebenda: PZ 1584/1925: Technisches Museum an Steirischen Fliegerverein 9.7.1925. 18 TMW-Archiv, Korrespondenz, VI, PZ 1415/1925: Technisches Museum an Oberbaurat Ing. Karl Tindel, 17.6.1925. 19 Ebenda: PZ 2446/1925: Österreichische Fliegerschule an Technisches Museum, 18.11.1925. 20 Ebenda: PZ 2550/1925: Technisches Museum an Richard Knoller, 1.12.1925. Abbildungen 151 Vorwort Abb. 1 Figur mit Prothese für Unterschenkel Inv.Nr. 33933 Der Krieg im Museum und das Museum im Krieg Abb. 1 Von Wilhelm Exner initiierte Vortragsreihe zum Thema„Krieg und Technik“ zugunsten der technischen Invalidenfürsorge im Frühjahr 1915 in der Wiener„Urania“ TMW-Archiv, BPA-013931-03 Abb. 2 Ankündigung der geplanten Eröffnung des Museums am 2. Dezember 1914 TMW-Archiv, BPA-013930-02 Abb. 3 Wilhelm Exner, Gründer des„Technischen Museums für Industrie und Gewerbe“, und Ludwig Erhard, erster Direktor des Museums Exner: Radierung, Ludwig Michalek, um 1915; TMW-Archiv, BPA-015290 Erhard: Fotografie, um 1925; TMW-Archiv, FA-000122 Abb. 4 Plakat der„k.k. Arbeitsvermittlung an Kriegsinvalide“ und der„Gesellschaft zur Fürsorge für Kriegsinvalide“, deren Ehrenpräsident Exner seit 1915 war TMW-Archiv, BPA-015317 Drei Prothesen des Vereins„Die Technik für die Kriegsinvaliden“, die Exner 1917 dem Museum widmete Inv.Nr. 33943, 33968, 34386 Kriegsversehrte bei der Herstellung von Prothesen an einer Hobelbank, 1915–1918 TMW-Archiv, BPA-010668-02 Abb. 5 Offizieller Katalog der Kriegsausstellung Wien 1916. Hg. vom Arbeits-Ausschuß TMW-Bibliothek, Sign. A 261 Der Theaterplatz der Kriegsausstellung im Prater in Wien mit Blick auf das „Bundestheater“, 1916 TMW-Archiv, BPA-016237-02 152 Abb. 6 Modell der Kunstsalpeterfabrik in der k.u.k. Pulverfabrik Blumau, gezeigt auf der Kriegs-Ausstellung 1916. Die„Bauunternehmung N. Rella u. Neffe“ aus Wien schenkte es danach dem Museum Modellwerke Peter Koch GmbH. Köln-Nippes, Architekt Bruno Bauer, Inv. Nr. 13183 Abb. 7 Zeichnung einer Versuchsturbine von Viktor Kaplan. Die Firma„Ignaz Storek, Stahlhütte, Eisen- und Tempergießerei und Maschinenfabrik“ in Brünn(Brno) sagte im Herbst 1914 wegen der Einberufung zahlreicher Arbeiter zum Militär die Lieferung ab TMW-Archiv, BPA-013091 Abb. 8 BesucherInnen in der Maschinenhalle des im Mai 1918 eröffneten„Technischen Museums für Industrie und Gewerbe“ in Wien TMW-Archiv, BPA-010913-25 Kriegsbedingte Ersatzmittel Abb. 1 Plakat„Unsere Armee braucht Metalle“, um 1915 TMW-Archiv, BPA-005771 Abb. 2 Kriegsmetallsammlung: ein Pferdeschlitten-Geläute und ein Chanukka-Leuchter Inv.Nr. 20415, 27015 Abb. 3 Einschmelzen von Altkupfer, Kupferhütte Bernhard Wetzler, Wien-Neu Erlaa, 1917 TMW-Archiv, BPA-000767/6 Abb. 4 Kriegsschuh aus Lederabfällen, Schenkung Bernhard Kohnstein, 1916 Inv.Nr. 12585/1 Abb. 5 Norgesalpeter, 1914-1921 Inv.Nr. 89105 Abb. 6 Objekte aus dem Kunststoff Faturan, 1917 Inv.Nr. 14964/1 Abb. 7 Kupferwalze und Walze mit Kupfermantel und Eisenkern für Textildruckereien, vor 1914 bzw. 1916 Inv.Nr. 33467/1-2 153 Abb. 8 Nesselgewebe, Benedict Schroll’s Sohn, 1917 Inv.Nr. 32981/1-4 Abb. 9 Teppichmuster aus Papiergarn, Henckel von Donnersmarck, Frantschach, 1917 Inv.Nr. 14748 Kriegskost: Mangelversorgung und Lebensmittelersatz Abb. 1 „Zeitgemäße Kriegskost“, Kochrezepte vom Nationalen Frauendienst Leipzig. Leipzig 1916 TMW-Bibliothek, Sign. 36371 Abb. 2 4 Brot- und Mehlkarten, 1 Butterkarte, aus Niederösterreich, Tirol und Vorarlberg, 1915–1919 TMW-Archiv, BPA-008444 Raucher-Karte, Kohlenkarte, Ausweis für Kaffeemischung, Ausweiskarte für Rohfett, Fettprodukte u. Speiseöle, Kaffee-Karte, aus Wien, Kärnten, Tirol und Vorarlberg, 1917–1919 Abb. mit Genehmigung des Bezirksmuseums Wien-Mariahilf Abb. 3 „Merkblatt über das Sammeln und die Verwertung von Waldfrüchten“, Plakat der Futtermittel-Zentrale, Wien 1916 TMW-Archiv, BPA-016228-01 Abb. 4 „Kriegskost für das deutsche Haus“ mit Anhang über Blutzusatz zu Nahrungsmitteln, Kochbuch von Katharina Micheler. München 1915 TMW-Bibliothek, Sign. 36373 Abb. 5 Kochkiste Olso, mit Wärmesteinen, Österreichische Beleuchtungs- und Beheizungsgesellschaft m.b.H., Wien, um 1918 Inv.Nr. 19067 „Rezepte für die Olso-Kochkiste“, Kochbuch von Marianne Stern, Wien, um 1918 TMW-Bibliothek, Sign. 36372 Abb. 6 Modell einer Kartoffeltrocknungsanlage, TAG Trocknungsanlagen Ges.m.b.H., Berlin, 1918 Inv.Nr. 9322 Abb. 7 Trockenkartoffel-Muster in Gläsern, Kriegswirtschaftsverband der Kartoffel- 154 trocknungsindustrie, Wien, 1918 Inv.Nr. 94321, 94323, 94324, 94325, 94326, 94327 Ausnahmsverfügungen für den Kriegsfall Abb. 1 Das interessante Blatt, 19.11.1914 TMW-Archiv, BPA-016190-01 Abb. 2 Orientierungsbehelf über Ausnahmsverfügungen für den Kriegsfall für die im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder. Wien 1912 TMW-Bibliothek, Sign. P3375/2 Bestimmungen für Reisen in die Kriegsgebiete, aus den Kriegsgebieten und innerhalb derselben, in die okkupierten Gebiete, in das verbündete und neutrale Ausland und zurück, Standort des AOK 1917 TMW-Bibliothek, Sign. P3359/3 Dienstvorschrift für die Militärurlauberzüge, Wien 1917 TMW-Bibliothek, Sign. P3358 Abb. 3 Zensursiegel auf einem geöffneten Brief TMW-Archiv, Brw 2014 Abb. 4 Telefonvermittlungssaal, Dreihufeisengasse Wien, um 1914 TMW-Archiv, Telef-01-0004 Abb. 5 Das interessante Blatt, 19.11.1914 TMW-Archiv, BPA-016190-01 Das interessante Blatt, 27.5.1915 TMW-Archiv, BPA-016190-11 Das interessante Blatt, 15.6.1916 TMW-Archiv, BPA-016190-12 Abb. 6 Arbeiter-Zeitung, 8.3.1916 Österreichische Nationalbibliothek Wien „Diensthöflich übersendet“? Kriegsutensilien für das Postmuseum Abb. 1 „Posthorn in Eisen”, Wehrschild, Wien, 1917 Inv.Nr. 59679 155 Abb. 2 Plombenzange für das Feldpostamt 82 in der Festung Przemyśl, 1915 Inv.Nr. 92.857 Abb. 3 Feldpostkarte, Hauptfeldpostamt 301 – k.k. Postmuseum Wien, gelaufen 7.2.1916, Adress- und Textseite TMW-Archiv, Pk-0055 Abb. 4 „Sortieren im Freien”, Bild- und Rückseite TMW-Archiv, FeP-02-45-15 Abb. 5 Feldpostsortierstelle Prag, Warenprobenabteilung TMW-Archiv, FeP-02-32-02 Feldpostsortierstelle Prag, Briefabteilung TMW-Archiv, FeP-02-32-06 Verladeraum in der Feldpostpaketsammelstelle Prag TMW-Archiv, FeP-02-32-08 Abb. 6 Bahnhof Prerau(Mähren), um 1915 TMW-Archiv, FeP-02-05 Feldpostamt im Gebirge auf dem Marsch TMW-Archiv, FeP 02-06 Feldpost im Freien(Feldpostamt 34), 1914–1916 TMW-Archiv, FeP-02-15 Abb. 7 Illustrierte Postkarte: Karl Schnorrpfeil,“Postordonnanz im Schützengraben”, Wien 1914–1918 TMW-Archiv, NL-100-S-01 Abb. 8 Gozd(Galizien):„Feldpostamt 112 am 26. Oktober 1914 in einem zerstörten verlassenen Bauernhause” TMW-Archiv, FeP 02-07 Abb. 9 Feldpostkarte„Ich bin gesund”, ungelaufen, Text- und Adresssseite TMW-Archiv, Pk-2819 Abb.10 Propagandapostkarte an Adalbert Markus, gelaufen 30.5.1916, Hauptfeldpostamt 153- Feldpostamt 51 TMW-Archiv, NL-100-S-02 Abb.11 Fotopostkarte an Adalbert Markus, gelaufen 22.4.1915, Hohenstadt – Oderberg TMW-Archiv, NL-100-S-03 156 Abb. 12 Postkarte Kriegsgefangenenlager Rasdolnoje(Russland) – Helsingborg (Schweden), gelaufen 17.12.1915, Textseite, Adressseite mit Zensurstempeln TMW-Archiv, FPk 2779 Abb. 13 Brief Mödling(NÖ) – Helsingborg(Schweden), offen aufgegeben; gelaufen 30.8.1914, mit Zensurklebezettel TMW-Archiv, Brw 2014 Patriotismus in der Kinderstube Abb. 1 Karl Ewald Olszewski: Der Kriegs-Struwwelpeter. München 1915, o.S. TMW-Bibliothek, Sign. 36744 Abb. 2 E.V. Lucas: Swollen-headed William. Painful Stories and funny Pictures.(After the German!) 4. Auflage London 1914 Privatbesitz Olszewski, Kriegs-Struwwelpeter(wie Abb. 1) Abb. 3 Olszewski, Kriegs-Struwwelpeter(wie Abb. 1) Abb. 4 Olszewski, Kriegs-Struwwelpeter(wie Abb. 1) Abb. 5 Ernst Friedrich: Krieg dem Kriege! 4.–6. Auflage Berlin 1925 TMW-Bibliothek, Sign. 36442 Mit Pauken und Trompeten. Musik im Krieg Abb.1 Notenheft: Kriegs-Raketen. Militärisches Potpourri von August Conradi. Leipzig 1914–1918 TMW-Archiv, BPA-016219 Abb. 2 Deutsches Maschinen-Gewehr-Schützen-Liederbuch 1914, 1915, 1916. Hammelburg 1916 TMW-Archiv, BPA-016241 Abb. 3 Basstrompete Johann Riedl Inv.Nr. 22384 Abb. 4 Tschinellen, K. Zildjian& Cie, Konstantinopel, um 1900–1920 Inv.Nr. 298/1-2 Abb. 5 Gruppenfoto österreichisch-ungarischer Soldaten TMW-Archiv, EA-NL-01-02-0044 Abb. 6 Österreichisch-ungarische Soldaten mit russischen Gefangenen in Munkacs, Ungarn, 1915 Der Weltkrieg in seiner rauhen Wirklichkeit.„Das Frontkämpferwerk“. 600 Original-Aufnahmen des Kriegs- Bild- und Filmamtes und des Kriegsphotographen Hermann Rex. München 1926, S. 400 Abb. 7 Mundharmonika, Koch, Trossingen, ab 1910 Inv.Nr. 88779 Abb. 8 Notenheft: Altniederländisches Dankgebet.„Wir treten zum Beten“ ...Fantasie-Transkription für Pianoforte. Offenbach 1914–1918 TMW-Archiv, BPA-016211 Abb. 9 Feldharmonium, Kasriel, Paris Inv.Nr. 66867 Abb. 10 Feldgottesdienst im Argonner Wald, 1915 Der Weltkrieg(wie Abb. 6), S 269 Abb. 11 Notenrolle Inv.Nr. 17518/15 Abb. 12 Geigenautomat Modell B, Hupfeld Phonoliszt Violina, 1914 Inv. Nr. 7457 Kraftfahrzeuge und Flugzeuge aus der Konkursmasse Österreich-Ungarns Abb. 1 Ein Automobil der k.u.k. Kraftfahrtruppe, um 1917 TMW-Archiv, BPA-010666-001 157 158 Abb. 2 Cyclecar Phänomobil 12 PS Dreirad, Baujahr 1912 Inv.Nr. 1567 Abb. 3 Benzin-Wagen der Lux Werke Ludwigsburg Inv.Nr. 1571 Abb. 4 Puch V2 Motorrad, Baujahr 1906 Inv.Nr. 1517 Abb. 5 Laurin& Klement Motorrad, Baujahr 1900 Inv.Nr. 1516/1 Abb. 6 Hiero-Flugmotor, 140 PS, 1913/14 Inv.Nr. 1867 Abb. 7 Kompass für ein Flugzeug Inv.Nr. 1900 Abb. 8 Lenkrad für ein Flugzeug Inv.Nr. 1974 Abb. 9 Aviatik(Berg) D I, Baujahr 1917 Inv.Nr. 1916 Abb. 10 Leutnant Ladislaus E. Almásy als Pilot der k.u.k. Luftfahrttruppen Archiv Andrea Almásy, Schloss Bernstein Abb. 11 Inschrift am Armaturenbrett der Aviatik(Berg) D I TMW-Archiv, VER-L-0199-R Metallsammlung für die Rüstung in historischen Filmbildern Abb. 1 Plakat, Wien 1915 Wienbibliothek im Rathaus, Sammlung Erster Weltkrieg/Plakate und Anschläge/Metallablieferung; http://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/ content/ pageview/486711 Abb. 2 Kriegs-Metallsammlung, 1917 TMW-Archiv, FAST-000021 Abb. 3 Kriegs-Metallsammlung, 1917 TMW-Archiv, FAST-000021 Abb. 4 Kriegs-Metallsammlung, 1917 TMW-Archiv, FAST-000021 Abb. 5 Kriegs-Metallsammlung, 1917 TMW-Archiv, FAST-000021 Abb. 6 Kriegs-Metallsammlung, 1917 TMW-Archiv, FAST-000021 Abb. 7 Das Stahlwerk der Poldihütte während des Weltkrieges, Sascha Film 1916 Filmarchiv Austria Abb. 8 Das Stahlwerk der Poldihütte während des Weltkrieges, Sascha Film 1916 Filmarchiv Austria Abb. 9 Draht- und Siebwarenfabrik Hutter& Schrantz AG, 1917 TMW-Archiv, FAST-000022 Abb. 10 Kriegs-Metallsammlung, 1917 TMW-Archiv, FAST-000021 Abb. 11 Munitionsfabrik Hermann Weiffenbach, 1917 TMW-Archiv, FAST-000023 159 Der vorliegende Band widmet sich dem Ersten Weltkrieg und gleichzeitig den Anfängen des Technischen Museums Wien, das im verhängnisvollen Jahr 1914 vor seiner Eröffnung stand. Durch den Kriegsausbruch musste die Eröffnung verschoben werden, dadurch rückten unter der Losung„Krieg und Technik“ allerdings auch neue Objekte ins Blickfeld, die die Sammlung des Hauses ergänzen sollten. Die Bandbreite reicht vom Kriegsflugzeug über Ersatzstoffe für Nahrung und industrielle Produktion sowie Musikinstrumente wie das transportable Feldharmonium bis zu Arm- und Beinprothesen für die zahllosen Kriegsversehrten. Die Beiträge in diesem Sammelband machen sich auf die Suche nach Museumsobjekten, die ihren Ursprung im Weltkrieg haben.