Aufsatz 
Österreichs Anteil an der Entwicklung des Lichtbildwesens / von Josef Daimer
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen

12

Josef D aimer

sehen Institut und bei privaten Unternehmen Eingang. Karl Kampmann (1847 bis 1913) stellte 1889 dekorative Verzierungen auf Glasplatten dadurch her, daß er mittels der Photolithographie Muster auf Glas übertrug und mit Flußsäure ätzte.

Ein weiteres Elachdruckverfahren, den Lichtdruck, führte Josef Löwy in Wien ein, für den Auflagedruck verbesserte ihn 1868 Prof. Jakob Husnik (18371916) in Prag, der sich auch mit anderen Reproduktionstechniken sehr erfolgreich be­schäftigte und die Errichtung der ersten Reproduktionsanstalt in Prag anregte. Löwy kombinierte 1881 den Lichtdruck mit der Chromolithographie und wirkte auch an der Verbesserung des Farbenlichtdruckes mit. A. Albert verwendete 1896

im Lichtdruck an Stelle der Glasplatten dünne Aluminiumplatten und fertigte als erster 1899 Umdrucke von Lichtdrucken auf Aluminium­platten an (Photoalgraphie), was in der Stein­druckpresse Halbtonbilder rasch herzustellen gestattet. Seit 1895 wird in mehreren Anstalten der Drei- und Vierfarbenlichtdruck mit großem Erfolge gepflegt, so von J. Löwy, Max Jaffe und der Staatsdruckerei.

Die auf das Jahr 1822 zurückreichenden Bestrebungen, mittels Zinkplatten Hochätzungen zu erzielen, rühren vermutlich von Blasius Höfel in Wien her. Erst Gillot in Paris ge­langen 1850 derartige Atzungen und dieser führte das Verfahren in die Praxis ein. Dem Zeichner am Militärgeographischen Institut in Wien, Carl An- Gerer (Abb. 6), glückte 1870 die Erfindung eines von dem GiLLOTschen wesentlich abweichenden, besseren, von ihmChemigraphie benannten Verfahrens, das auch, im Gegensatz zu der franzö­sischen Methode,Wiener Ätzmethode hieß. Es unterschied sich von den bisher geübten Verfahren nicht nur durch die sehr tiefe erste Atzung, sondern auch dadurch, daß trocken gedeckt und mit Harzen verschie­dener Schmelzpunkte eingestaubt wurde. Für Halbtonätzungen mußten in der ersten Zeit auf geeignetem Kornpapier oder Rasterpapier hergestellte Zeichnungen auf die Zinkplatten umgedruckt und dann geätzt werden. Als das aus Amerika stammende Arbeiten mit dem Kreuzraster von Levy und das direkte Kopieren der Rasternegative mit Chromeiweiß bekannt wurde, stellte Angerer seine 1871 ge­gründete chemigraphisch-artistische Anstalt, der 1874 sein Schwager A. Göschl bei­getreten war, 1894 auf dieses Verfahren um. Der Betrieb der großen graphischen Kunst­anstalten in Wien C. Angerer & Göschl, ferner von Andreas Krampolek und anderen umfassen die Reproduktionsphotographie, Rasterautotypie und den Mehrfarbendruck.

3. Wissenschaftliche Photographie.

Die für alle Gebiete der Wissenschaft heute unentbehrliche Mikrophotographie fand in Österreich stets Pflegestätten. Die ersten Lichtbilder mit Hilfe des Mikro-

Abb. 6. Carl Angerer, 18381915. Erfinder der Wiener Ätzmefhode.