Aufsatz 
Österreichs Anteil an der Entwicklung des Lichtbildwesens / von Josef Daimer
Entstehung
Seite
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Österreichs Anteil an der Entwicklung des Lichthüdwesens. 11

Ein Abdruck dieser in der Kupferdruckpresse erschien ähnlich plastisch wie das Original. Naturselbstdrucke konnten auch in den Farben des Gegenstandes gedruckt werden, sie zeichneten sich durch große Feinheit und Schönheit aus, doch wurde das Verfahren durch die photomechanische Reproduktion verdrängt. Auer führte alle gebräuchlichen graphischen Methoden in den Betrieb der Staatsdruckerei ein und brachte diese zu führender Stelle in der Welt.

Die heliographischen Ätz verfahren wurden 1879 von dem in Wien lebenden Maler und Journalzeichner Karl Klietsch (18411926) wesentlich dadurch verbessert, daß er Pigmentbilder auf eine mit Harzpulver eingestaubte Kupferplatte übertrug und stufenweise mit Eisenchloridbädern verschiedener Stärke ätzte. Sein von ihm Rembrandt-Intagliodruck genanntes Verfahren bedeutet bei großer Arbeits­sicherheit und Schönheit der Drucke wohl einen Höhepunkt des Kupfertiefdruckes. Das Verfahren wird meist Heliogravüre genannt. Klietsch ist auch der Schöpfer des Rotationstiefdruckes mit Kupferwalzen und der Rakel, bei dem ein einkopierter Netzraster das Harzkorn (Aquatintakorn) vertritt (1890). Diese Verfahren wurden in allen Kulturstaaten eingeführt. Der Kunst Verleger Viktor Angerer brachte 1881 die ersten Heliogravüren im Jahrbuch der kaiserlichen Kunstsammlungen heraus. 1898 stellten wohl als erste die Professoren der Graphischen Lehr- und Ver­suchsanstalt August Albert (18541932) und G. Brandlmayr Kombinations­drucke von Dreifarbenlithographien oder Lichtdrucken und Heliogravüren her. Adolf Brand weiner erfand 1892, als Schüler der Wiener Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt, unabhängig von Klietsch, die heliographische Tiefdruckwalze mit einkopiertem Kreuzraster, verwendete seine Erfindung aber nur für die Zeug­druckerei. Angeregt durch die in London hergestellten Rasterheliogravüren der Rembrandt-Intaglio Co. glückte dem damals in London ansässigen Wiener Re­produktionstechniker Th. Reich, ohne das Verfahren zu kennen, die Herstellung derartiger Drucke dadurch, daß er nicht von Kupferwalzen, sondern von Kupfer­platten, unter Verwendung der Rakel in der Maschine druckte. Sein Verfahren wurde längere Zeit von verschiedenen Firmen ausgeübt, ist einfacher als der Ro­tationsdruck, leistet jedoch quantitativ weniger als dieser. Ein praktisch in der Weberei angewandtes Verfahren zur Herstellung von Webereipatronen arbeitete J. Szepanik mit photographischen Verfahren 1896 aus.

Auch der Steindruck wurde durch die Photographie beeinflußt. In den Fünf­zigerjahren wurde die Photolithographie in Frankreich und Belgien erfolgreich aus- geübt; K. von Giessendorf in Wien verbesserte das Verfahren, druckte nach dem Asphaltverfahren gute Halbtonbilder vom gekörnten Stein und stellte ebenso auch hochgeätzte Halbtonbuchdruckplatten auf Zink her. Reiffenstein und Rösch übten das Verfahren 1864 in Wien aus, erzeugten damit als erste Farbendrucke, doch wurde diesen Drucken nicht das gebührende Verständnis gezollt; das Verfahren wurde um 1880 in der Schweiz wieder ausgeübt. Die Reproduktion von Karten, Plänen usw. mittels der Photolithographie fand in Österreich immer weitere Ver­breitung und Verbesserung. A. Albert übertrug 1897 Lichtdrucke von glattem photographischem Papier auf den gekörnten Stein, was auch eine Verbesserung des Chromodruckes mit sich brachte. Verschiedene Umdruckverfahren für lineare Zeichnungen fanden in Wien in der Hof- und Staatsdruckerei, im Militärgeographi-