Aufsatz 
Österreichs Anteil an der Entwicklung des Lichtbildwesens / von Josef Daimer
Entstehung
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Josef D aimer

Die technische Entwicklung der Lichtpauspapiere hat in Österreich wesentliche Fortschritte zu verzeichnen. Itterheim erfand in Wien 1880 die Negrographie. Valenta gelang es 1897, die Empfindlichkeit des Cyanotypiepapieres (Blaupaus- papieres) durch Einführung des grünen Ammoniumferrizitrates an Stelle des braunen bedeutend zu erhöhen und andere Verbesserungen des Verfahrens auszuarbeiten.

Unter den Chromatverfahren wurde der in England erfundene, in der Kunst­photographie so wirkungsvolle Gummidruck um die Jahrhundertwende von A. von Hübl und den Mitgliedern des Wiener Kamera-Klubs Kühn, Hennebero und Watzek, durch mehrmaliges Übereinanderkopieren, auch als farbiger Gummidruck zu Spitzenleistungen gebracht. Prof. Heinrich Kessler stellte 1900 kombinierte

Platin-Gummidrucke von großer Schönheit her. Der ursprünglich schwierig auszuübende Bromöldruck und -umdruck wurde durch den Wiener Rechtsanwalt Dr. E. Mayer seit 1912 so ausgestaltet, daß die Aus­führung dieses Verfahrens auch weniger Geübten leicht ermöglicht wurde.

2. Photomechanische Verfahren.

Die Erfindung der Photographie er­weckte den Wunsch, Lichtbilder für Illu­strationszwecke, Gemälde und Werke der manuellen Graphik u. a. auf photomechani­schem Wege zu vervielfältigen.

Schon 1840 ätzte als erster der Arzt Prof. Josef Berres in Wien Daguerreo- tvpien mit Salpetersäure zwecks Verviel­fältigung durch die Kupferdruckpresse; diesem Versuch war jedoch kein praktischer Erfolg beschieden. Auf der Beobachtung Talbots in England, daß belichtete Chromatgelatine in Wasser verschieden quell- bar sei, baute Paul Pretsch (Abb. 4) in der Hof- und Staatsdruckerei in Wien sein von ihm Photogalvanographie genanntes heliographisches Verfahren auf, das darin bestand, daß eine mit Leim, Kaliumchromat und Silberverbindungen überzogene, belichtete Platte in Wasser ausgewaschen und das entstandene Leimrelief galvano­plastisch oder stereotypisch abgeformt wurde. Diese Abformungen eigneten sich zum Drucke in der Kupfer- und Buchdruckpresse. Das Verfahren wurde in England und Frankreich patentiert. 1856 ätzte Pretsch Daguerreotypien durch Besprühen mit dem Ätzmittel, wodurch er als Erfinder der Ätzung mitSpray, die für die Autotypie von Bedeutung wurde, erscheint. Um 1850 stellte Alois Auer (Abb. 5) mittels der 1837 von Jakobi in Dorpat erfundenen Galvanoplastik Natur­selbstdrucke dadurch her, daß er plastische Gegenstände, z. B. Pflanzen, kleinere Tiere, Versteinerungen, Spitzen, durch Pressen in Blei abformte und von dieser vertieften Form mittels der Galvanoplastik eine neue Tiefdruckplatte erzeugte.

Abb. 5. Alois Auer von Welsbach, 1813 bis 1868. Langjähriger Leiter und Organi­sator der Staatsdruckerei in Wien.