Österreichs Anteil an der Entwicklung des Lichtbildwesens. 9
Willis in Wien Platindrucke aus, die Aufsehen erregten und deren Herstellung unbekannt war. Baron A. v. Hübl und Hauptmann G. Pizzighelli stellten in Wien darüber Untersuchungen an, veröffentlichten das Verfahren und vervollkommneten es. Bromsilbergelatinepapier als Kopiermaterial ist eine englische Erfindung. Die nicht minderwichtigen Verfahren mit Chlorsilbergelatine (Eder und Pizzighelli 1881) und Chlorbromsilbergelatine (Eder 1883) sind österreichische Erfindungen. Auf Grund dieser Arbeiten entstand eine neue Industrie von Diapositiven und Papierbildern, w r elche Bilder sich gegenüber dem Bromsilber durch einen wärmeren Farbenton auszeichnen. Dr. E. Just erzeugte als erster in Wien derartige Chlorsilbergelatinepapiere. 1883 erfand Ing. R. Schlotterhoss in Wien die erste Kopiermaschine (Kopierautomat), mittels welcher bei elektrischem Lichte in einer Stunde 400 bis 500 Abzüge erzeugt werden konnten. Diese Leistung wurde damals noch nicht gewürdigt, da noch kein Absatz für derartige Bildermengen bestand. Im selben Jahre schuf Eder die große Klasse der Porträtchlorbromsilberpapiere und den Chlorbrom-Kinopositivfilm, die bei wärmeren Bildtönen und höherer Empfindlichkeit als reine Chlorsilberpräparate, doch geringerer Empfindlichkeit als Bromsilber, heute in jährlich Tausenden von Kilometern erzeugt werden.
Gegenwärtig erzeugen in Wien die Firmen Lainer & Hrdliczka und ,,Kilophot“ derartige Papiere. Es dauerte geraume Zeit, bis sich diese Entwicklungspapiere, heute auch Kunstlichtpapiere genannt, allgemein einführten. Die Silberauskopierpapiere behielten noch eine Zeitlang die Oberhand; etwa 1884 begann das Albuminpapier vom empfindlicheren Zelloidinpapier verdrängt zu werden, das auch in Wien von Just und Hrdliözka hergestellt wurde. Letzterer erzeugt seit 1895 ein durch Silberchromatzusatz hartkopierendes, „Rembrandtpapier“ genanntes, Zelloidinpapier; auch A. Lainer fabrizierte Zelloidinpapier. 1897 führte Dr. L. Lilienfeld in Wien ein Pflanzeneiweißkopierpapier, das Protalbinpapier, ein.
Auf dem Gebiete der Farbenphotographie führte Valenta 1892, unabhängig und gleichzeitig mit den Brüdern Lumiere in Lyon, die kornlose Bromsilbergelatine zur Herstellung „LiPPMANNScher Photochromien“ ein, während zur selben Zeit K. Worel in Graz die Kopierzeit für Photochromien durch Farbenanpassung mittels des Ausbleich Verfahrens durch ätherische Öle bzw. Anethol zu verkürzen vermochte. Auch J. Szepanik in Wien gelangen Verbesserungen des Ausbleichverfahrens.
Abb. 4. Paul Pretsch, 1808—1873. Erfinder der Photogalvanographie.