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Josef D aimer
Verdienste erwarb, fand rasch Eingang in die österreichische Industrie. So arbeitete die 1888 entstandene Trockenplattenfabrik von Schattera sowie auch andere in- und ausländische Fabriken nach dieser Methode. Der gleichzeitig von Eder angegebene Eisenoxalat-Entwickler gab schönere Negative als der anfänglich benutzte Pyrogallol-Ammoniak-Entwickler. Die Trockenplattenfabrik Schattera ging später an die Firma Langer & Comp, über, die sich mit der Photopapierfabrik F. Hrdliczka im Jahre 1913 vereinigte. Auch Prof. A. Lainer hatte 1893 eine Fabrik photographischer Trockenplatten und Papiere errichtet. Ihm verdankt man die Erfindung der „sauren Fixierbäder“, welche das Entstehen des Farbschleiers bei der Verwendung organischer Entwicklerpräparate verhindern und diese erst praktisch leicht verwendbar machten. Die Entdeckung, daß die chemische Konstitution isomerer Entwicklersubstanzen maßgebend für die Entwicklerenergie sei, stammt von Eder und Toth aus dem Jahre 1880.
Bisher war es mit den Silberschichten nicht möglich, Grün, Gelb und Rot wiederzugeben. Erst die Entdeckung Prof. H. W. Vogels in Berlin, 1873, ergab, daß mit gewissen Teerfarben angefärbtes Bromsilber für Grün und Gelb empfindlich wird; dies ermöglichte eine einigermaßen farbtonrichtige Abbildung. Zur Verbesserung der Farbenempfindlichkeit der Trockenplatte und Ermöglichung der Dreifarbenphotographie wurde in Wien in dieser Hinsicht von J. M. Eder, E. Va- lenta, später von Baron A. Hübl und anderen, jahrelang durch Untersuchung sehr vieler Farbstoffe erfolgreich gearbeitet. Eder fand 1884 bei seinen spektro- graphischen Untersuchungen im Erythrosin den besten Sensibilisator für Gelbgrün. Nach seinen Vorschriften wurden von Löwy und Plener in Wien Erythrosinplatten erzeugt und „orthochromatische“ 1 * Platten genannt, welche später in der ganzen Welt erzeugt wurden. Sie eigneten sich vorzüglich zur Wiedergabe von Gemälden, für Landschafts- und Porträtaufnahmen; letztere erforderten bei künstlichem Licht kürzere Belichtungszeit als früher. Den bei der Reproduktionsphotographie schwerwiegenden Mangel an Rotempfindlichkeit behob Valenta 1899 durch Einführung von Äthylviolett, Glycinrot und Wollschwarz für Bromsilber- kollodiumemulsionen, wodurch die Dreifarbenreproduktion wesentlich gefördert wurde. Hier seien auch zwei Österreicher rühmend hervorgehoben, die ihren Beruf zwar nicht in Österreich, sondern in den Farbwerken von Meister, Lucius & Brüning in Höchst a. M. (jetzt I. G. Farben) ausübten, Dr. Benno Homolka (1860—1925) und Dr. Robert Schuloff (1883—1935). Ersterer veröffentlichte in der „Photographischen Korrespondenz“ photochemische Arbeiten, erfand den vorzüglichen Rotsensibilisator Pinacyanol und den Desensibilisator Pinakrvptolgrün; letzterer erfand u. a. den Grünsensibilisator Pinafiavol und das Pinakryptolgelb.
Die Einführung der hochempfindlichen Trockenplatte, die das Gebiet der schnellen Momentaufnahmen zu erschließen begann, gab den Anstoß zur sprunghaften Zunahme von Berufs- und Amateurphotographen.
Doch nicht allein im Negativverfahren, sondern auch in der Entwicklung der Positivverfahren haben sich Österreicher große Verdienste erworben. Bis 1880 herrschten Drucke auf Salzpapier und Albuminpapier vor, 1881 stellte der Engländer
1 Es wurde demnach das heute allgemein gebräuchliche Wort „orthochromatisch 4 ,
in Wien geprägt.