Österreichs Anteil an der Entwicklung des Lichtbildwesens. 7
negative lieferte, einzubürgern. Die Glasnegative wurden in der ersten Zeit auf Salzpapier kopiert. Das nasse Verfahren wurde bis ungefähr 1880 ausgeübt und wird in der Reproduktionsphotographie noch heute angewendet. 1857 führten Viktor und Ludwig Angerer Visitkartenbilder auf Albuminpapier in Wien ein, die ein Aufblühen der Porträtphotographie zur Folge hatten. Zahlreiche Beruf s- und Amateurphotographen sowie Gelehrte übten das noch schwierig zu handhabende nasse Verfahren aus.
Während bis 1860 die Positivretusche bevorzugt wurde, führte zu dieser Zeit der Photograph E. Rabending in Wien, vermutlich als einer der ersten in Europa, die Negativretusche ein. 1860 eröffnete der Kupferstecher F. Würthle in Salzburg den ersten Landschaftsverlag für alpine Photographie und 1863 unternahm der Photograph Jägermaier die erste photographische Großglocknerexpedition. Damals bestanden in Österreich bereits zahlreiche hervorragende Porträtateliers; viele Landschaftsphotographen machten durch ihre geschmackvollen Bilder die landschaftlichen Schönheiten Österreichs auch im Auslande bekannt. 1864 stellte der Photograph Ost in Wien Porträtaufnahmen bei elektrischem Licht her, das mit zwei Batterien zu je 80 Bunsenelementen erzeugt wurde. Er erzielte 1869 durch seine Erfindung haltbar gesilberten Albuminpapieres und eines Übertragungsverfahrens von Chlorsilberkollodiumbildern auf Elfenbein, Holz, Glas usw. eine wesentliche Vereinfachung und Erweiterung des photographischen Gewerbes.
Mit dem in Frankreich und England zur Vermeidung des vor jeder Aufnahme erforderlichen Selbstpräparierens der nassen Platten ausgearbeiteten Trockenverfahren erzielte besonders W. Burger in Wien Erfolge, die seine Teilnahme als Photograph an der k. k. österreichischen Mission nach Ostindien, 1868—1869, an der sibirischen Expedition des Grafen Wilczek, 1872, und an der österreichischen archäologischen Expedition nach Samothrake, 1873, zur Folge hatten.
Aon der Wiener Photographischen Gesellschaft ausgesetzte Preise und eine von Voigtländer 1868 gewidmete Stiftung hatten eine Reihe wissenschaftlich und technisch grundlegender Veröffentlichungen zur Folge, die in der „Photographischen Korrespondenz“ erschienen sind. J. M. Eder und Hauptmann V. Toth erfanden 1875 die Bleiverstärkung und andere Verstärkungsmethoden mit Ferrizyaniden, die später auch als Tonungen für Diapositive und Entwicklungspapiere Anwendung gefunden haben. Es sei hier auch auf die bedeutungsvolle Arbeit Eders über die Reaktion der Chromate auf organische Substanzen unter dem Einfluß des Lichtes, welche 1878 mit einem Preise von 140 Dukaten ausgezeichnet wurde, hingewiesen.
Die 1871 in England erfundene Bromsilbergelatine-Trockenplatte wurde Ende der Siebzigerjahre von dem Präsidenten der Wiener Photographischen Gesellschaft, Prof. Dr. E. Hornig, nach Österreich gebracht. Anfangs arbeitete man hier mit englischen und belgischen Gelatinetrockenplatten. Die erste Trockenplattenfabrik in Wien errichtete der Photograph C. Haack (1879), dann folgte Dr. Heid (1880). Diese Platten besaßen noch keine hohe Empfindlichkeit. Da brachten die Untersuchungen über „Theorie und Praxis der Photographie mit Bromsilbergelatine“, die in Hornigs „Photographischem Verlage in Wien“ 1880 erschienen, neue Anregung zur einfachen Darstellungsweise der Bromsilbergelatine. Die dort angegebene Methode mit Silberoxydammoniak, um deren Ausgestaltung sich J. M. Eder große