Aufsatz 
Österreichs Anteil an der Entwicklung des Lichtbildwesens / von Josef Daimer
Entstehung
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Josef Daiher

außerdem ein der englischen Firma A. Warnisham & Capella für PETZVAL-Cine- Lenses von einer Lichtstärke 1 : 1,8 im Jahre 1929 erteiltes Patent beweist.

Österreichern gelang es aber auch, die Empfindlichkeit der Daguerreo- typieplatten zu steigern, so 1840 dem Beamten F. Kratochwila in Wien, durch Räuchern der Jodsilberplatten mit Chlor- und Bromdämpfen, so daß bei trübem Wetter ein Porträt im Zimmer mit dem Petzval- Objektiv nur 8 Sekunden Belichtungszeit er­forderte. Die Brüder Johann und Josef Natterer in Wien vermochten nach diesem Verfahren bei Sonnen­licht im Freien sogarSekunden­bilder, also die ersten Momentauf­nahmen im Bruchteile einer Sekunde, zu erhalten. Erst auf Grund dieser hervorragenden Verbesserungen konnte das Lichtbildwesen seinen gewaltigen Aufschwung nehmen. In Wien wurden 1840

mehrere Ateliers für Daguerreotypie eröffnet, so von Karl Schuh, F. K. Strezek, A. Mut­terer und anderen. Als erste Wanderphoto­graphen betätigten sich M. Reisser und J. Weninger. Schuh pflegte regen Verkehr mit Gelehrten und Freunden der Daguerreo­typie, und so bildete sich der Keim zu der 1861 gegründetenPhotographischen Gesell­schaft in Wien, der ersten in deutschen Landen. Bald machten die Optiker Rospini und Waldstein die Stereoskopie in Wien durch inländische Erzeugnisse bekannt. Die Daguerreotypie wurde bis Anfang des fünften Dezenniums des vorigen Jahrhunderts in Wien ausgeübt; kolorierte, gerahmte Daguerreo- tvpien erfreuten sich großer Beliebtheit. Schon Mitte der Vierzigerjahre nahm die Talbotypie, das ist die Photographie auf

Abb. 3. Voiglländers Kamera mit Tisch- Pa P ier ' an Verbreitung zu, da sie es im Gegen- stativ. satz zu der Daguerreotypie ermöglichte, von

einem Papiernegativ beliebig viele Abzüge herzustellen. Sie wurde durch das Atelier der zwei Frankfurter Photographen Tanner und Geratwohl in Wien eingeführt. A. Martin und J. Prechtl gaben ihre Erfahrungen über das neue Verfahren öffentlich bekannt.

Etwa 1852 begann sich jedoch das Jodsilber-Kollodium-Verfahren, auch nasses Verfahren genannt, das viel kürzere Belichtungszeit erlaubte und Glas-

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Abb. 2. Petzvals Kamera mit seinem ersten Objektiv.