Josef Daimer: Österreichs Anteil an der Entwicklung des Lichtbildwesens.
Objektive, und begann, deren Mängel erkennend, noch 1839 mit der Berechnung eines lichtstarken Porträtobjektivs, die bereits im Mai 1840 vollendet war. Binnen einem Monat stellte der Optiker Peter Friedrich Voigtländer in Wien ein Probestück her und Martin, der damit Probeaufnahmen machte, konnte darüber ein außerordentlich günstiges Urteil abgeben. Die Lichtstärke des Objektivs war mit 1 : 3,6 zehnmal so groß als die der französischen Objektive. Das Probestück an der von Petzval aus Pappe gebauten Kamera (Abb. 2) ist im Technischen Museum zu Wien ausgestellt. Obwohl zuerst dem PETZVAL-Objektiv nicht die volle Bedeutung zuerkannt wurde, konnte doch Voigtländer während der ersten zehn Jahre 1500 Objektive, teils von sehr bedeutender Größe, und bis in die . _ .
Fünfzigerjahre hinein 8000 Stück in alle Welt absetzen. Petzval blieb jedoch für seine mit der Entwicklung des Lichtbildwesens untrennbar verbundene Erfindung der klingende Lohn versagt, da er, geschäftsunkundig, mit Voigtländer keinen Vertrag abgeschlossen hatte, so daß dieser der alleinige Nutznießer wurde. Petzval- Objektive finden vereinzelt wegen ihrer weichen Bildgestaltung noch gegenwärtig Verwendung. Voigtländer brachte 1841 eine handliche Kamera mit Tischstativ und Visierlupe auf den Markt (Abb. 3). Petzval löste Ende der Vierziger jahre die Verbindung mit Voigtländer, der nach Braunschweig übersiedelte, und arbeitete mit dem Optiker Karl Dietzler
in Wien; 1857 kam Petzvals „Orthoskop“, ein lichtstarkes Landschaftsund Reproduktionsobjektiv auf den Markt, für das Petzval eine tragbare Kamera für großes Plattenformat baute. Das Orthoskop wurde vom Militärgeographischen Institut und von der Hof- und Staatsdruckerei ein Jahrzehnt lang für Reproduktionen verwendet. Infolge schlechter Geschäftsgebarung war Dietzler zur Einstellung der Objektivfabrikation genötigt, auch sein Gesellschafter Weingartshofer konnte sich nicht halten. Objektive stellten in Wien auch die Optiker Waibel, Eckling und Prokesch her.
Die unerfreulichen Verhältnisse unter den Optikern veranlaßten Petzval, sich die Linsen selbst zu schleifen. 1846 fertigte er ein Objektiv mit der Lichtstärke 1 : 2 an, das aber nur kurze Zeit erzeugt wurde und lediglich historischen Wert besitzt. Später wurden noch Berechnungen zu einem Objektiv für die Lichtstärke 1 : 6,3 aufgefunden, von denen ausgehend M. von Rohr im Zeißwerk das Biotar 1 : 1,6 berechnete. So waltet also der große Geist Petzvals bis in die neueste Zeit, wie
Abb. 1. Josef Petzval, 1807-1891. Begründer der photographischen Dioptrik.