Österreichs Anteil an der Entwicklung des Lichtbildwesens.
Von
Dr. Josef Daimer.
Mit 17 Abbildungen.
1. Aufnahme- und Kopier verfahren.
Die im Jahre 1838 abgeschlossenen photographischen Versuche des französischen Malers Louis Daguerre bildeten die Keimzelle der nachmals allenorts so mächtig emporgewachsenen Lichtbildnerei. Auch in Österreich würdigte das Kaiserhaus die Erfindung der Daguerreotvpie und zeichnete schon 1839 Daguerre durch die Verleihung der Großen Goldenen Künstlermedaille aus. Das hundertjährige Jubiläum der Photographie soll von der Photographischen Gesellschaft in Wien in den Räumen des Technischen Museums für Industrie und Gewerbe festlich begangen werden. Bei der hohen Kulturbedeutung, die das Lichtbild wesen im Verlauf der letzten hundert Jahre erlangt hat, erscheint es wohl berechtigt, einen Überblick über den hervorragenden Anteil Österreichs an dem Werdegang des Lichtbildwesens zu geben.
Als im August 1839 in der Sitzung der Pariser Akademie der Wissenschaften die Erfindung Daguerres, Lichtbilder mittels der Camera obscura herzustellen, der Öffentlichkeit kundgetan wurde, war der Wiener Physikprofessor Andreas Frhr. v. Ettingshausen anwesend. Er erlernte von Daguerre die Herstellung von Lichtbildern und regte, nach Wien zurückgekehrt, die Ausübung der Daguerre - otypie an. Auf Veranlassung des Direktors des Polytechnischen Institutes J. Ritter von Prechtl stellte der Assistent des Physikalischen Institutes und spätere Bibliothekar Anton Martin noch im Sommer 1839, unter Mitwirkung des Optikers Simon Plössl, der Kameras und Linsen erzeugte, als erster in Österreich brauchbare Daguerreotypien her. Martin gab 1846 sein „Repertorium der Photographie“ als überhaupt erstes deutsches Lehrbuch der Photographie heraus. Wegen der geringen Empfindlichkeit der Jodsilberplatten und der noch unvollkommenen Lichtstärke der Objektive benötigte man für Porträtaufnahmen bei Sonnenlicht eine Belichtungsdauer von mehreren Minuten. Auf Veranlassung Ettingshausens beschäftigte sich Josef Petzval, Professor für höhere Mathematik an der Universität Wien (Abb. 1), mit der Untersuchung aus Paris stammender photographischer Linsen, sogenannter