Aufsatz 
August Musger / von Paul von Schrott
Entstehung
Seite
22
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August Musger.

Von

Hofrat Prof. Dr. Paul von Schrott.

Mit 9 Abbildungen.

Unser Leben ... ist ein unteilbarer Punkt, den wir durch die beiden starken Linsen Raum und Zeit auseinandergezogen und darum in höchst ansehnlicher Größe erblicken.

Als Schopenhauer diesen Satz niederschrieb, ungefähr vierzig Jahre vor Er­findung der ersten kinematographischen Geräte, ahnte er wohl nicht, daß er dabei eine der großen Errungenschaften des menschlichen Geistes im Grundgedanken vorweggenommen hatte. Daß eine Linse oder Lupe räumliche Gebilde vergrößert, war damals, so wie heute, eine jedem gebildeten Menschen geläufige Tatsache. Der Gedanke aber an eine Lupe für zeitliche Vergrößerung war vollkommen neu und überraschend. Daran zu denken, daß zeitliche Verhältnisse vergrößert, d. h. aus­einandergezogen werden könnten, wodurch, wie unter einer Lupe, der Zeitmaß­stab vergrößert würde, war des genialen Denkers vollkommen würdig. Sicher hat Schopenhauer nicht die Möglichkeit erwogen, mit Hilfe eines Gerätes den Maßstab der Zeit zu ändern, aber daß der Gedanke an eine solche Möglichkeit überhaupt auftauchen konnte, ist bemerkenswert.

Viele Jahre mußten verstreichen, bis diese Idee Wirklichkeit wurde, bis ein Gerät geschaffen war, welches es möglich machte, das Bild des Zeitablaufes nach Belieben zu ändern.

Dieses Gerät ist der Kinematographenapparat, an dessen Wiege ein Österreicher, Simon Stampfer, im Jahre 1833 stand und in dessen Entwicklungsweg der Steier­märker August Musger im Jahre 1904 durch die grundlegende Erfindung seines Spiegelausgleiches einen zweiten Markstein setzte.

Zeitraffer und Zeitlupe.

Zwei Möglichkeiten bietet die Kinematographie, den Zeitmaßstab zu ändern: den Zeitraffer und die Zeitlupe. Beim ersteren wird ein Vorgang, der sich so langsam abspielt, daß er unserem Auge nicht mehr als Bewegung erscheint, so zusammen­gedrängt, daß die Veränderungen in kürzerer Zeit erfolgen und sich dadurch dem Be­obachter als Bewegung darbieten. Es geschieht dies durch Aufnahmen in größeren und deren Wiedergabe in kurzen Zeitabständen. Die Zeitraffung ist daher der optischen Wirkung der Verkleinerung gleichzustellen.

Bei der Zeitlupe werden dagegen Vorgänge, die sich so rasch abspielen, daß das