Aufsatz 
August Musger / von Paul von Schrott
Entstehung
Seite
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Paul vox Schrott: August Musger.

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Auge sie gar nicht oder nicht in den Einzelheiten wahrnehmen kann, in sehr kurzen Zeitabständen auf genommen und mit vergrößerten Zeitabständen wiedergegeben. Entsprechend der Vergrößerung der Zeitintervalle spielt sich dann die Bewegung langsamer ab und das Auge kann den BewegungsVorgang erfassen.

Wie man sieht, erweitert die Zeitlupe die Möglichkeit unseres Zeiterkennens. Während dem unbewaffneten Auge ein zeitlicher Unterschied zwischen zw'ei Be- wegungsphasen unter 1 / 10 Sekunde nicht mehr wahrnehmbar ist, können durch die Zeitlupe viel kürzere Zeitabstände sichtbar gemacht werden, es findet also, wie schon der Name Zeitlupe sagt, eine Übertragung der nur räumlich bekannten Ver­größerung auf zeitliche Verhältnisse statt. Die Zeitlupe stellt demnach eine ganz neue, bis dahin unbekannte Gruppe von Geräten dar; sie ist ein Sehw r erkzeug zur Verfeinerung unseres Zeitsinnes.

Während das erste Problem, die Zeitraffung, keine technischen Schwierig­keiten bereitet, stellen sich dem Problem der Zeitlupe große Schwierigkeiten entgegen, w r elche durch die Art des Filmtransportes begründet sind. Bei der normalen Filrn- Aufnähme und -Projektion muß der Film im Augenblick der Aufnahme oder der Projektion ruhig stehen, da sonst ein ganz unscharfes Bild entstehen würde. Des­halb wird das Filmband in der Weise weitergeschaltet, daß es im Momente der Aufnahme ruhig steht und dann mit einem Ruck um eine Bildlänge weitergezogen wird. Während dieses Weitertransportes wird der Film durch die Sektorblende einer rotierenden Scheibe verdunkelt, so daß den Film während seiner ruckweisen Bewegung kein Licht trifft. Diese stoßweise Verdunklung führt eine unangenehme Begleiterscheinung der Filmprojektion herbei: das sogenannte Flimmern. Besonders in den Anfängen der Kinematographie machte sich das Flimmern und Flirren der Bilder außerordentlich störend bemerkbar, so daß viele empfindliche Personen überhaupt nicht fähig waren, ein Kinobild längere Zeit zu betrachten. Erst später gelang es, durch Steigerung der Zahl der Lichtimpulse mittels mehrteiliger Blenden die Frequenz des Flimmerns so zu steigern, daß das Auge die Unterbrechungen nicht mehr wahrnehmen kann. Ein weiterer Übelstand der ruck weisen Filmbewegung war, daß der Zahl der in der Sekunde auf nehmbaren Bilder eine verhältnismäßig niedrige Grenze gesetzt war. Man muß daher, wenn man die Bildwechselzahl steigern will, den Film stetig und gleichmäßig bewegen. Dazu mußte aber eine Vorrichtung geschaffen werden, welche es gestattet, daß die Aufnahme des ruhigstehenden Objekts dem sich fortbewegenden Filmbande genau folgt oder, wie der Fach­ausdruck lautet,optisch stationär gemacht wird. Bei der Bildprojektion ist der Vorgang natürlich umgekehrt, es muß hierbei das mit gleichmäßiger Geschwindigkeit bewegte Filmbild auf dem Projektionsschirm zur Ruhe gebracht werden.

Musger und die Zeitlupe.

Das Verdienst, die erste theoretisch richtige Lösung dieses Problems ge­funden zu haben, gebührt dem Österreicher August Musger.

Im Jahre 18G8, am 10. Februar, wurde dem Lehrer in Eisenerz, August Musger, von seiner Gattin Maria, geb. Lindner, ein Söhnchen geboren, welches auch den Namen des Vaters August erhielt. Noch im November desselben Jahres über-