Aufsatz 
August Musger / von Paul von Schrott
Entstehung
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August Musger.

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Fürstbischof von Graz, Johannes Zwerger, sich mit dem Gedanken trug, das Knabenseminar der Diözese, welches seit dem Jahre 1843 eine große Zahl von hervor­ragenden geistlichen Zöglingen herangebildet hatte, zu einem Gymnasium mit Öffentlichkeitsrecht auszubauen, war es der zum Präfekten ernannte Musger, der eine wichtige Säule dieser Neugründung werden sollte. Er wurde beauftragt, sich die Staatslehrbefähigung für Mathematik und Physik sowie Freihandzeichnen zu erwerben. Musger studierte an der Universität in Graz und an der Landes-Zeichen- Akademie in Graz vom Oktober 1892 bis Februar 1894. Dann ging er zur Vollendung seiner Zeichenausbildung nach Wien, woselbst er die Kunstgewerbeschule des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie besuchte. Das Studium der Mathematik und Physik scheint Musger nicht weiter fortgesetzt zu haben, denn seine Haupttätigkeit im Unterrichte war das Zeichenfach, während er Physik und Mathematik nur an der Unterstufe des Gymnasiums lehrte. Sein Aufenthalt in Wien dauerte bis zum Jahre 1898.

Im Sommer 1898 unterzog sich Musger der Lehrbefähigungsprüfung für das Freihandzeichnen für Mittelschulen an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Aus den gestellten Prüfungsfragen und deren Beurteilung ersieht man, daß Musger wohl zeichnerische Begabung hatte, daß aber seine besondere Be­fähigung auf dem Gebiete der darstellenden Geometrie lag. Die ihm gestellten Fragen waren hauptsächlich konstruktiver Natur, Schnitte, Schattenkonstruktionen, Perspektive und Methodik des Unterrichtes. Die Beurteilung des Prüfungsergeb­nisses war sehr günstig und schon im Herbste des Jahres 1898 nahm Musger den Unterricht im Zeichnen auf. Trotzdem Musger ursprünglich Mathematik und Physik dem Zeichnen vorgezogen hatte, gewann er doch das Zeichenfach im Laufe der Zeit so lieb, daß sein Unterricht für seine Schüler auch künstlerisch anregend und fruchtbar wurde. Mathematik und Physik trug Musger nur in der Unterstufe des Gymnasiums vor. Auch den Physikunterricht verstand er durch Anschaulichkeit und Lebendigkeit sowie durch die Herstellung kleiner Modelle überaus anregend zu gestalten.

Aus der ganzen Art der wissenschaftlichen Betätigung Musgers erkennt man seine besondere Vorliebe für physikalische Probleme, und es ist zu bedauern, daß er seine Hochschulstudien in dieser Hinsicht nicht vollenden konnte. Noch be­dauerlicher ist es, daß Musger nicht die technischen Fächer studierte, denn er war ein ausgesprochen technisches Talent. In der damaligen Zeit aber, um 1890, waren der technische Unterricht und der physikalische Unterricht zwei getrennte Welten, und wohl hauptsächlich in dem rein theoretischen Bildungswege Musgers müssen wir jetzt schon die Wurzel erblicken, daß ihn die wichtigste Schöpfung seines Lebens, die Zeitlupe, nicht zum vollen praktischen Erfolge führte. Musger blieb Professor für Zeichnen am Fürstbischof liehen Gymnasium in Graz bis zu seinem Tode am 30. Oktober 1929.

Wir würden vollkommen irren, wenn wir uns in Musger einen allen harmlosen Freuden abholden, nur der Wissenschaft lebenden, trockenen Gelehrten vorstellten. Im Gegenteil, Musger war heiteren umgänglichen Charakters, und in Wien nahm ihn damals das im Aufschwung befindliche Studentenleben in seinen Bann, wobei Musger sich der Bedeutung des studentischen Verbindungswesens und der gesell-