Aufsatz 
August Musger / von Paul von Schrott
Entstehung
Seite
27
Einzelbild herunterladen

August Musger.

27

freihändig am Klavier zu vertonen, lehnte aber in seiner Bescheidenheit jede Nieder­schrift seiner Kompositionen ab. So kommt es, daß weder von dieser noch von der zeichnerisch-künstlerischen Tätigkeit Musgers etwas zurückblieb. Er wird geschildert als ein heiterer, gütiger Mensch, von dessen Türe kein Armer ungetröstet wegging.

Den Hauptteil seiner freien Zeit nahm aber die Beschäftigung mit physikalischen Problemen ein. Ursprünglich wandte er sich, wahrscheinlich durch die Erfindungen Szepaniks angeregt, dem Fernsehen zu, gab aber diese Beschäftigung aus heute begreiflichen Gründen wieder als fruchtlos auf. Er mag bei dieser Gelegenheit mit Spiegelrädern gearbeitet haben, und so könnte es gekommen sein, daß er das Spiegelrad für andere Zwecke geeignet fand. Gerade in diese Zeit, um 1904, fällt der große Aufschwung der Kinematographie. Um 1897/98 waren die ersten Kinos entstanden, die ersten technischen Schwierigkei­ten waren überwunden, und es ist begreiflich, daß die Fragen der Ki­nematographie einen Mann von so lebhaftem Geiste, wie Musger außer­ordentlich fesseln mußte. Die Be­seitigung der schon besprochenen üblen Eigenschaft der damaligen Kinovorführungen, des starken Flim- merns, war das Ziel Musgers. So kam er auf den Gedanken, die Bild­folge überhaupt nicht durch Ver­dunkelung zu unterbrechen, sondern dauernd auf der Leinwand zu lassen und nur ein Phasenbild allmählich ins nächste übergehen zu lassen. Ob andere Geräte, die ebenfalls mit Spiegelausgleich arbeiteten, Musger schon bekannt waren oder erst durch den Vorhalt bei der Patentanmeldung bekannt wurden, ist schwer zu bestimmen. Jedenfalls hat sich Musger, das geht aus seinen Aufschreibungen hervor, sehr lange Zeit, vielleicht jahrelang, mit dem Problem beschäftigt. Er war sich vor der Patenteinreichung über die zu lösende Aufgabe, ihre Schwierigkeiten und die Fehlergrenzen vollkommen im klaren. Im Jahre 1904 meldete er dann seinen Apparat alsSerienapparat mit Spiegelrad zum Patente an.

Das Wesen des von Musger erfundenen Ausgleiches mit rotierenden Spiegeln ist, wie der Strahlengang in der Abb. 3 schematisch andeutet, kurz folgendes:

Wenn ein Spiegel S 1 S l sich um eine in seiner Ebene liegende Achse 0 dreht, so wird der den Spiegel treffende Lichtstrahl x x, welcher von einem fernen Punkte P kommt, ebenfalls verschwenkt. Bei der Aufnahme ist der vom Punkte P her­kommende Strahl xx, in seiner Lage unveränderlich, d. h. er entspricht einem stillstehenden Gegenstände. Nun bewegt sich während der Aufnahme der Film

Abb. 3. Strahlengang des Spiegelausgleiches.