August Musger.
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freihändig am Klavier zu vertonen, lehnte aber in seiner Bescheidenheit jede Niederschrift seiner Kompositionen ab. So kommt es, daß weder von dieser noch von der zeichnerisch-künstlerischen Tätigkeit Musgers etwas zurückblieb. Er wird geschildert als ein heiterer, gütiger Mensch, von dessen Türe kein Armer ungetröstet wegging.
Den Hauptteil seiner freien Zeit nahm aber die Beschäftigung mit physikalischen Problemen ein. Ursprünglich wandte er sich, wahrscheinlich durch die Erfindungen Szepaniks angeregt, dem Fernsehen zu, gab aber diese Beschäftigung aus heute begreiflichen Gründen wieder als fruchtlos auf. Er mag bei dieser Gelegenheit mit Spiegelrädern gearbeitet haben, und so könnte es gekommen sein, daß er das Spiegelrad für andere Zwecke geeignet fand. Gerade in diese Zeit, um 1904, fällt der große Aufschwung der Kinematographie. Um 1897/98 waren die ersten Kinos entstanden, die ersten technischen Schwierigkeiten waren überwunden, und es ist begreiflich, daß die Fragen der Kinematographie einen Mann von so lebhaftem Geiste, wie Musger außerordentlich fesseln mußte. Die Beseitigung der schon besprochenen üblen Eigenschaft der damaligen Kinovorführungen, des starken Flim- merns, war das Ziel Musgers. So kam er auf den Gedanken, die Bildfolge überhaupt nicht durch Verdunkelung zu unterbrechen, sondern dauernd auf der Leinwand zu lassen und nur ein Phasenbild allmählich ins nächste übergehen zu lassen. Ob andere Geräte, die ebenfalls mit Spiegelausgleich arbeiteten, Musger schon bekannt waren oder erst durch den Vorhalt bei der Patentanmeldung bekannt wurden, ist schwer zu bestimmen. Jedenfalls hat sich Musger, das geht aus seinen Aufschreibungen hervor, sehr lange Zeit, vielleicht jahrelang, mit dem Problem beschäftigt. Er war sich vor der Patenteinreichung über die zu lösende Aufgabe, ihre Schwierigkeiten und die Fehlergrenzen vollkommen im klaren. Im Jahre 1904 meldete er dann seinen Apparat als „Serienapparat mit Spiegelrad“ zum Patente an.
Das Wesen des von Musger erfundenen Ausgleiches mit rotierenden Spiegeln ist, wie der Strahlengang in der Abb. 3 schematisch andeutet, kurz folgendes:
Wenn ein Spiegel S 1 S l sich um eine in seiner Ebene liegende Achse 0 dreht, so wird der den Spiegel treffende Lichtstrahl x x, welcher von einem fernen Punkte P kommt, ebenfalls verschwenkt. Bei der Aufnahme ist der vom Punkte P herkommende Strahl xx, in seiner Lage unveränderlich, d. h. er entspricht einem stillstehenden Gegenstände. Nun bewegt sich während der Aufnahme der Film
Abb. 3. Strahlengang des Spiegelausgleiches.