Erich Kurzel-Runtscheiner: Franz Freiherr von Uchatius.
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wurden. Hinter all diesen Begriffen stand — schon damals kaum mehr als eine sagenhafte Figur — in nebelhafter Ferne ein General Uchatius, der „das alles gemacht haben sollte“. Über die Persönlichkeit und die Lebensschicksale dieses doch erst wenige Jahrzehnte vorher noch in vollstem Schaffen tätigen Generals Avußte aber schon damals kaum jemand mehr so recht Bescheid. Die junge Generation von heute aber kennt nicht einmal mehr den Namen dieses genialen Mannes, der, trotzdem ihm ein rascher Aufstieg weder durch Geburt noch durch ererbte Beziehungen erleichtert wurde, durch alle Grade des artilleristischen Könnens vom Kanonier bis zum Meister der Waffentechnik, bis zum Feldmarschalleutnant sich emporschwang, der ein Praktiker war und ein auf unermüdlicher Forscherarbeit weiterbauender Erfinder, den die Wiener Akademie der Wissenschaften in die Reihen ihrer Mitglieder aufnahm, den die Fachkreise aller Welt bewunderten und ehrten, dem Kaiser Franz Joseph die erbliche Baronie und die Würde eines Geheimen Rates verliehen hat.
Da diese Unkenntnis nun besteht und da auch keine Lebensgeschichte vorhanden ist, die auf Grund aktenmäßiger Quellen die Schicksale und die Leistungen des Generals Uchatius in befriedigender Weise darstellt — so versagt insbesondere das umfangreichste Werk über Uchatius aus dem Jahre 1904 völlig, wenn man sich aus diesem über seine technischen Leistungen unterrichten will —, sei es nun versucht, den Manen dieses großen Österreichers gerecht zu werden, sei es versucht, der Jugend von heute ein leuchtendes Vorbild zu zeigen, das sie aneifern soll auf dem Weg zu neuen technischen Taten.
Franz Uchatius ist — wie seine im Wiener Kriegsarchiv aufbewahrten Dienstbeschreibungen besagen — am 24. Oktober 1811 in der bei W T iener-Neustadt von Maria Theresia gegründeten Veteranenkolonie Theresienfeld geboren. Sein Vater Vitus (geb. 1765) stammte aus dem kleinen, damals noch völlig deutschen Städtchen Kladrau bei Mieß in Böhmen. Er sollte Gewerbsmann werden, wie es die Vorfahren Avaren. Der kriegerische Geist der Zeit aber führte ihn zum Soldatenstand. Zunächst Infanterist, trat er bald zur Artillerie über, einer Waffe, die damals ihren Angehörigen, w r enn sie sich durch Bildungsfähigkeit auszeichneten, Wissen und Aufstieg zu vermitteln wußte. So hatte es Uchatius, der Vater, am Ende einer neunzehnjährigen Militärdienstzeit bis zum Lehrer der Artillerieschule in der Renn- weger Kaserne gebracht. Daß zu seinen Lehrfächern auch Mathematik und Zeichnen gehörten, zeigt, woher die Quelle des technischen Könnens dem Sohn gekommen war. Um das Jahr 1808 w'urde L'chatius’ Vater, als er sich auf Grund des durch seine militärische Dienstleistung in Krieg und Frieden erworbenen Anrechts um eine Anstellung im Zivilstaatsdienst bewarb, Wegmeister und später Straßenkommissär in Theresienfeld. In dieser Eigenschaft leitete er den Bau der Piestingtalstraße, die von Wollersdorf ausgehend nach Gutenstein führt. Mit seiner Frau, Barbara, einer geborenen Mutzbauer, die Vitus Uchatius aus Leuchtenberg in Bayern in sein Theresienfelder Heim geführt hatte, bewirtschaftete er die ihm zugewiesenen Felder. Auch auf dem Gebiet der Landwirtschaft bewies er sein technisches Können. Denn er erfand eine Säemaschine, die so großen Anklang fand, daß deren Erzeugung dem Elternpaar einen bescheidenen Wohlstand einbrachte.