Aufsatz 
Franz Freiherr von Uchatius / von Erich Kurzel-Runtscheiner
Entstehung
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Erich Kurzel-Runtscheiner

Dieser Ehe entsprossen fünf Kinder, drei Söhne und zwei Töchter. Der älteste war Josef, der 1875 als Artillerieoberst a. D. starb; der jüngste, Vitus, widmete sich dem Kaufmannstand; der mittlere war Franz, jener Mann, dessen Leben hier geschildert werden soll.

Franz war ein schwächliches Kind mit leicht erregbarer Phantasie. Aber auch sein Wissensdrang war groß. Vom siebenten Jahr an besuchte er die Normalschule in Wiener-Neustadt, was bedeutete, daß er und seine Brüder täglich zweimal einen Weg von über einer Stunde über die Heide zurücklegen mußten. Es war dies eine harte, aber, wie Franz Uchatius später selbst oft betont haben soll, eine auch heil­same Schule der Abhärtung und der Willensbildung, die ihm und seinen Brüdern damit auferlegt wurde. Im elften Jahr wurde Franz Uchatius in die Lateinschule in Wiener-Neustadt aufgenommen und absolvierte an ihr vier Grammatikalklassen. Seine Dienstbeschreibung besagt, daß dies mitsehr gutem Erfolg geschah, trotz­dem wenig Hinneigung zu den humanistischen Fächern vorhanden gewesen sein soll. Groß war dagegen der Eifer, mit dem sich Franz Uchatius den Studien der Mathematik widmete, in die er und sein Bruder Josef durch Privatstunden ein­geführt wurden, die ihnen ein Feuerwerker der Artillerie, namens Franz, der später Hauptmann wurde, erteilte.

Während Josef, für die militärische Laufbahn bestimmt, als Kadett-Unter­kanonier bei der Artillerie in den kaiserlichen Dienst trat, sollte Franz sich dem Kaufmannsberuf widmen. Er kam in seinem fünfzehnten Lebensjahr nach Wien als Praktikant zu einem Krämer, der in der Leopoldstadt seinen Laden hatte, in die Lehre. Trotzdem Vater Uchatius je Jahr 300 Gulden Lehrgeld zahlen mußte, scheint weder die persönliche Behandlung noch das Gelernte den hohen Kosten der Lehrzeit entsprochen zu haben. Aber immerhin: Es gab genug der Waren, an denen sich Materialkenntnis erwerben ließ, die dem Jüngling auf seinem weiteren Lebensweg zugute kam. So hielt Franz Uchatius denn allem Unbill stand, bis er, fast achtzehn Jahre alt, als Lehrlingfreigesprochen wurde.

Dann aber setzte er es durch, daß sein Vater auch ihm gestattete, die militärische Laufbahn einzuschlagen: Am 5. August 1829 wurde Franz Uchatius alsun­obligater Kadett-Unterkanonier das heißt als freiwillig in den Dienst tretender Soldat, der Anwartschaft auf höhere Ausbildung hat zum 2. Feldartillerieregi­ment assentiert, das in derselben Rennweger Kaserne lag, in der einst auch sein Vater Dienst getan hatte. Die Assentierung erfolgtemit Nachsicht der zu geringen Körperlänge, denn Franz Uchatius maß nur 5 Fuß 1 Zoll. Dies hat ihn aber nicht daran gehindert, auch körperlich eingroßer Artillerist zu werden.

Schon im Herbst desselben Jahres wurde Franz Uchatius, nach kurzer aber wenig angenehmer Ausbildungszeit bei der Truppe, in die Regimentsschule versetzt und wenige Monate später wurde er Kadett-Oberkanonier. Sein Streben ging aber wie das aller intelligenten Artilleristen der damaligen Zeit dahin, die Ver­setzung ins Bombardierkorps zu erreichen und sich damit den Weg zu höheren Chargengraden zu eröffnen.

Das Bombardierkorps war im Jahr 1786 von Kaiser Joseph II. errichtet worden und galt mit Recht als Pflanzstätte besten artilleristischen Wissens und Könnens. Viele Führer der Artillerie sind aus ihm hervorgegangen. Die Bombardiere ent-