Aufsatz 
Franz Freiherr von Uchatius / von Erich Kurzel-Runtscheiner
Entstehung
Seite
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Franz Freiherr von Uchatius.

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stammten meist bürgerlichen Familien. Aber auch Abkömmlinge von Bauern und Handwerkern wurden in das Korps aufgenommen, wenn sie nur bildungsfähig und strebsam schienen. Diese hießenpraktische Bombardiere und mußten auch Handlangerdienste tun, während die Bürgersöhne, die als Kadetten in das Korps gekommen waren, von solchen Arbeiten befreit blieben. In dreijährigem Kurse wurden nicht bloß artilleristische Fächer betrieben, sondern auch höhere Mathe­matik gelehrt und den jungen Leuten das vermittelt, was man allgemeine Bildung nennt. Die vielseitige Berührung der Bombardiere mit den Familien der Angehörigen des Korps aber, die meist den gebildeten Klassen angehörten, förderten auch außer­halb des Dienstes die jungen Leute. Die meisten der jungen Bombardiere wurden nach Vollendung diesesElementarkurses mit der Anwartschaft auf Offiziersstellen zur Truppe versetzt. Besonders Befähigte aber kamen von dort als Unteroffiziere auf zwei weitere Jahre in die Schule.des Korps zurück und nahmen an einem Kurs für Physik und Chemie teil, ehe sie als Feuerwerker wiederum zur Truppe kamen.

Auf Grund seiner guten Fortschritte in der Regimentsschule wurde Franz Uchatius, nachdem er dort kaum ein halbes Jahr verbracht hatte, am 1. Novem­ber 1830 zum Bombardierkorps versetzt. Im Jahre 1834 hatte Uchatius den drei­jährigen Elementarkurs - wie die Dienstbeschreibung sagtmit gutem Erfolg beendet und sollte nun zur Truppe versetzt werden. Um aber seine Ausbildung in den theoretischen Fächern nicht unterbrechen zu müssen, entschloß sich Uchatius nun ähnlich wie Faraday dies getan hat einen Dienst zu übernehmen, der eigentlich unter seinem Rang war: Es sollte nämlich eben die Stelle eines Laboranten im Hörsaal für Chemie der Schule des Bombardierkorps besetzt werden. Für diese wurde stets einpraktischer Bombardier kommandiert, da zu dessen Dienst­obliegenheiten auch niedere Arbeiten, wie das Tragen von Kohle und Wasser, ge­hörten. Uchatius meldete sich für diese Stelle, indem er sich zugleich erbot, jene Dienste, die für einen Kadetten unschicklich wären, auf eigene Kosten durch andere besorgen zu lassen.

Der Wissensdrang, der den jungen Kadetten diesen Entschluß hatte fassen lassen, und dessen längst erwiesene Eignung für höhere Ausbildung bewogen die Vorgesetzten auf den ungewöhnlichen Antrag einzugehen. So hatte Uchatius durch ein Jahr Gelegenheit, als Hilfsorgan des Lehrers für Physik und Chemie des Bombardierkorps Oberleutant Scheyer nicht nur praktische Arbeit zu tun, sondern auch so große theoretische Kenntnisse zu erwerben, daß er sich die Erlaubnis er­wirken konnte, die Schlußprüfung mit den Hörern des ersten Jahrgangs des Kurses für Physik und Chemie abzulegen. Nach einem weiteren Jahr des Laboranten­dienstes gelang es Uchatius dann im Herbst 1836 ohne Schwierigkeit die Abschluß­prüfung des zweijährigen Kurses für Physik und Chemie zu bestehen; wie die Dienst - beschreibung sagt, geschah diesmit sehr gutem Erfolg. Daraufhin wurde Uchatius noch zur Absolvierung eines jener chemischen Kurse kommandiert, die für außer­ordentliche Hörer am Wiener polytechnischen Institut stattfanden.

Ehe dieser Kurs noch zu Ende war, wurde Uchatius am 16. März 1837 zum Feuerwerker befördert. Es war dies, wie man sieht, damals eine Charge, die eine lange Dienstzeit und große theoretische Kenntnisse voraussetzte, aber auch viel höher gewertet wurde, als dies unter den geänderten VorriickungsVerhältnissen vor