Aufsatz 
Franz Freiherr von Uchatius / von Erich Kurzel-Runtscheiner
Entstehung
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Erich Kurzel-Runtscheiner

dem Weltkrieg und auch heute der Fall ist. Feuerwerker der damaligen Zeit wurden demgemäß auch vielfach als selbständige Kommandanten von Artilleriedetache­ments verwendet.

Uchatius aber blieb vorläufig, nachdem er nun seine schulmäßige Lehrzeit abgeschlossen hatte, zunächst an der Schule des Bombardierkorps. Vom Herbst 1837 bis zum Herbst 1841 war er als Adlatus des Oberleutnants Scheyer Hilfslehrer am Kurse für Physik und Chemie des Bombardierkorps. Seit dem Jahre 1840 war Uchatius auch durch sieben Jahre als Lehrer an jenen Kursen für türkische Offiziersgruppen tätig, die zu ihrer Ausbildung vom Sultan nach Wien kommandiert wurden.

Wohl schon 1838, spätestens aber 1839 begann Uchatius sich mit photographi­schen Versuchen zu beschäftigen. Kaum hatte er von William A. F. Talbots Erfolgen auf diesem Gebiet gehört und in Erfahrung gebracht, daß es diesem ge­lungen sei, Papiernegative zu entwickeln und zu fixieren, um dann nach diesen Positive herzustellen, versuchte er, trotzdem er noch keine genauere Nachricht über das von Talbot angewendete Verfahren erhalten konnte, zu ähnlichen Er­gebnissen zu kommen. Es gelang Uchatius auch bald, den einen dieser Vorgänge nachzuahmen, indem er auf Strohpapier, das er mit salpetersaurem Silber und mit einer Kochsalzlösung präparierte, nach gezeichneten Negativen durch Sonnen­belichtung silhouettenartige Abbildungen herstellte. Kaum hatte aber Dominique Francois Arago am 7. Januar 1839 in einer Sitzung der französischen Akademie der Wissenschaften das von Joseph Nicephore Niepse und Louis Jacques Man de Daguerre entwickelte Verfahren der Daguerreotypie bekanntgegeben, da ver­suchte Uchatius auch diese Art der Herstellung von Lichtbildern. Ein Aufnahme­gerät, das er sich selbst aus Pappe zusammenbaute, brachte ihm die ersten Erfolge, die er insbesondere auf dem Gebiet der Bildnisaufnahme suchte. Wenige Jahre später aber sehen wir Uchatius mit einem anderen Sonderzweig der Optik be­schäftigt, der, als er 1845 sich darin umzusehen begann, noch in keinem Zusammen­hang mit der Photographie zu stehen schien: Die Projektion bewegter Bilder an der Wand.

Vorher aber war Uchatius im Herbst 1841 von der Schule des Bombardier­korps abkommandiert und noch immer als Feuerwerker der Geschützgießerei zugeteilt worden. Diese war damals noch in Baulichkeiten untergebracht, die auf Gründen standen, auf denen später das Elektrotechnische Institut der Wiener Technischen Hochschule in der Gußhausstraße errichtet wurde, wogegen in verän­dertem Zustand erhaltene Teile noch heute einen der Bauhöfe der Stadtgemeinde Wien bilden.

In der nun erreichten Stellung heiratete Uchatius am 6. Oktober 1842 die Tochter Anna eines Artilleriehauptmanns Brandl. Dies geschah, wie die Dienst- beschreibung sagt, ,,ohne Kautionserlag, was bedeutet, daß beide Teile vermögens­los waren. Daß aber derFeuerwerker Uchatius trotzdem die Hand einer Offiziers­tochter erhielt, beweist die hohe Wertschätzung, die man diesem Rang damals ent­gegenbrachte.

Ein Jahr später ist Uchatius selbst Offizier. Er wird am 11. Juli 1843 zum Leutnant ernannt und bleibt auch als solcher der Geschützgießerei zugeteilt. Im