Franz Freiherr von Uciiatius.
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darauffolgenden Frühjahr 1844 aber wird Uchatitjs als Übernahmsoffizier zur Überwachung der Lieferungen von Roheisen nach Mariazell entsendet, das wohl im Auftrag der Heeresverwaltung im nahen Guß werk verarbeitet werden sollte.
Von diesem Augenblick an war die Metallurgie des Gusses sein eigentliches Arbeitsfeld, das Sondergebiet der Technik, auf dem Uchatius forscht und erfindet, auf dem er seine schweren Kämpfe ausficht, auf dem er seine großen Siege erringt, das Feld aber auch, auf dem er zuletzt den Tod findet. Nebenbeschäftigung, ja oftmals sogar spielerische Aufgabe für die wenigen Stunden der Entspannung, die Uchatius sich gönnte, erscheint im weiteren Verlauf seines Lebens'alles andre, nicht zu diesem Arbeitsgebiet Gehörende. So etwa auch sein Eingreifen in die Uranfänge einer Entwicklung, die — erst die Nachwelt erkannte dies — zur weltumspannenden Technik der Kinematographie geführt hat.
Uchatius selbst berichtet über die Vorgänge, die zur Entwicklung von Geräten, „zur Darstellung beweglicher Bilder an der Wand“ geführt haben, in einer der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Wiener Akademie der Wissenschaften in deren Sitzung vom 21. April 1853 vorgelegten Abhandlung (Sitzungsberichte,
Band 10, 1853, Seite 482ff.): Darnach hätte schon 1845 der geniale österreichische Polyhistor und Artilleriegeneral Franz Ritter von Hauslab, der damals die Kurse für türkische Offiziere leitete, an denen auch Uchatius tätig war, diesen zur Beschäftigung mit derartigem bis dahin ungelöstem Problem angeregt. Denn dessen Lösung müßte, wenn sie gelänge, zu einer wesentlichen Erleichterung der Veranschaulichung von BewegungsVorgängen, wie etwa „zur Versinnlichung der Schallwellen“ in „öffentlichen Vorlesungen über Physik“ führen. Denn das einzige Gerät, das damals — als zu diesem Zweck verwendbar — bekannt war, die „stroboskopische Scheibe“, konnte nur jeweils ein einzelner benutzen, ein Umstand, der sie in Vorlesungen vor mehreren Schülern fast unverwendbar machte.
Die stroboskopische Scheibe, eine Pappscheibe mit Schlitzen, durch die man, wenn sie in rasche Umdrehung versetzt wurde, im Spiegel die auf ihr gezeichneten Bewegungsphasen als bewegtes Bild sehen konnte, wurde in den ersten Monaten des Jahres 1833 fast gleichzeitig, jedoch völlig unabhängig voneinander, vom Professor für Experimentalphysik und Astronomie in Brüssel Joseph Antoine Plateau und vom Professor für praktische Geometrie am Wiener Polytechnikum Simon Stampfer erstmalig hergestellt. Stampfer verbündete sich mit dem bekannten Wiener Verleger Mathias Trentschensky, der diese Scheiben mit der Drucker -
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Abb. 2. Gerät „zur Darstellung beweglicher Bilder an der Wand" (1853).