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Erich Kurzel-Runtscheiner
presse herstellte, nachdem sie durch ein, zweijähriges Privilegium vom 7. Mai 1833 geschützt worden waren.
Uchatius bildete diese Scheiben nun um, indem er die einzelnen Bewegungsphasen auf Glasbildchen darstellte und sie in eine undurchsichtige Scheibe einsetzte. Diese und eine zweite mit Schlitzen versehene Scheibe, die das stroboskopische Sehen vermittelte, wurden in einem als Bildwerfer ausgebildeten Kasten durch eine aus diesem herausragende Kurbel in Drehung versetzt. Hierbei entstand erstmalig in der Welt ein bewegtes Bild an der Wand. Es war dies eine Pionierleistung auf dem Gebiet der Optik, die bereits alle Elemente der kinematographischen Projektion von heute vorwegnahm. Diese Pionierleistung konnte, als sie gelang, nur darum nicht zur epochemachenden Erfindung ausgebaut werden, weil die Lichtquellen, die damals zur Verfügung standen, zu schwach und die Technik der Photographie über die Zeitaufnahme kaum erst hinausgekommen war. Denn das lichtstarke Objektiv, das erstmalig in der Geschichte der Photographie Belichtungszeiten unter einer Minute ermöglichte, war erst wenige Jahre vorher vom Professor der Physik an der Wiener Universität Max Petzval und von dem damals noch in Wien arbeitenden Optiker Friedrich Voigtländer in gemeinsamer Arbeit (1840) geschaffen worden. Es bedurfte aber noch vieler Jahrzehnte der Entwicklung bis Objektive entstanden, deren Lichtstärke eine Aufnahmedauer zuließen, die dem durch das stroboskopische Sehen bedingten Bildwechsel entspricht.
Da Uchatius mit seinem Erstlingsgerät, das wohl schon 1845 entstanden ist, nur Bilder erzeugen konnte, die trotz kleinster Fläche (Durchmesser bis 6 Zoll) lichtschwach waren, ließ er sich beirren und zum Ab weichen von der ursprünglichen Anordnung verleiten, die — in den Grundzügen nur wenig verändert — sich später als so erfolgreich erweisen sollte. Der spätestens 1853 entstandene Bildwerfer, den L t chatius nun entwickelte, ersetzte die feste Lichtquelle und die vor dieser vorbeibewegte Bilderreihe durch die umgekehrte Anordnung. Dieses neue Gerät gab zwar, wegen des hier verwendeten ÜRUMMONDschen Kalklichtes ein lichtstärkeres bewegtes Bild an der Wand, ermöglichte aber, da vor jedem der Einzelbilder ein Objektiv notwendig wurde, nur eine sehr beschränkte Zahl der zu projizierenden Einzelbilder, die von der nun kreisenden Lichtquelle jeweils durchleuchtet werden sollten. Bis zur Veröffentlichung der erwähnten Abhandlung im April 1853 hatte Uchatius nur Geräte mit zwölf Einzelbildern hergestellt. Es war aber in Aussicht genommen, daß der Optiker W. Prokesch Geräte mit einer Bildzahl bis zu 100 erzeugen sollte. Diese sollten 6 Fuß (etwa 2 m) Durchmesser haben, sind aber wohl niemals ausgeführt worden.
Das erste von Uchatius selbst sehr behelfsmäßig hergestellte Gerät dieser Art hatte aber seinem Erfinder inzwischen doch einen, wenn auch bescheidenen geldlichen Erfolg eingebracht: Der als Zauberkünstler überall bekannte Ludwig Döbler hatte es Uchatius um einen Betrag von 100 fl. abgekauft und es sofort eigenhändig zum Wagen getragen, mit dem er ins Gußhaus gefahren war, um auf des Erfinders Einladung dessen „projizierte Bewegungsbilder“ zu sehen. Döbler verwendete das Gerät durch mehr als ein Jahrzehnt, indem er neben den von ihm gezeigten, „dissolving views“ genannten, verschwindenden Nebelbildern nun auch „Die Vorführung lebender Lichtbilder“ als eine seiner Glanznummern in sein Programm