Aufsatz 
Franz Freiherr von Uchatius / von Erich Kurzel-Runtscheiner
Entstehung
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Franz Freiherr von Uchatius.

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aufnahm. Uchatius aber beschäftigte sich nicht weiter mit seiner Erfindung, mit der nun ein anderer große Summen verdiente, bis er aus einem Bericht desScientific American entnahm, daß es 1872 Edward Muybridge in Palo Alto in Kalifornien USA., gelungen war, mit einer Reihe aufgestellter Photoapparate ein vorbeigalop­pierendes Pferd in seinen Bewegungsphasen aufzunehmen. Da erbat und erhielt Uchatius wie Alfred von Lenz berichtet eine dieser Serienaufnahmen, scheint sie aber zu einer Weiterarbeit an seiner einstigen Erfindung nicht verwendet zu haben.

Um die Bestrebungen Uchatius auf einem von seinem sonstigen Betätigungs­feld weit abliegenden Sondergebiet in sich geschlossen darstellen zu können, wurde den Ereignissen weit vorgegriffen. Es muß daher wiederum auf das Jahr 1844 zurückgegangen werden, in dem Uchatius sich mit der Verbesserung der damals üblichen Vorrichtung zum Abfeuern der Geschütze zu beschäftigen begann. Es gelang ihm auch tatsächlich nach mehrmonatiger Arbeit, anfangs des Jahres 1845 als Ersatz der bis dahin von den Artillerien aller Staaten benutzten Schilfrohr­brandei, Friktionsbrandei, herzustellen, die, mit einem Reibsatz ausgerüstet, beim Herausreißen des Reibers durch einen das Zündloch entlang schlagenden Feuerstrahl die Pul Verladung entzünden.

Die Bedeutung dieser Erfindung Uchatius wurde jedoch an maßgebender Stelle nicht erkannt. Ja der damalige Artilleriedirektionsadjutant, Oberst Siru, soll, trotzdem Uchatius sonst bei ihm in Gunst stand, diesem, als er ihm zufällig begegnete, auf der Gasse die Worte entgegengerufen haben:Wie kann Ihnen etwas so Dummes einfallen! Haben wir nicht alle Kriege mit Schilfrohrbrandei durch­gestanden? Tatsächlich kam das Friktionsbrandei bei der kaiserlichen Armee erst zehn Jahre später zur Einführung, nachdem es in der französischen Artillerie in Verwendung genommen worden war.

Seit seinem Aufenthalt in Mariazell (1844) beschäftigte sich Uchatius mit Untersuchungen über die Natur des Gußeisens. Denn dieses war neben der Guß­bronze, jener Werkstoff, aus dem damals die Rohre der Geschütze hergestellt wurden. Im Zug dieser Forscherarbeit, der sich Uchatius mehr und mehr hingab, erkannte er dann, daß Eisen nur dann zur Herstellung von Rohren größerer Wirksamkeit verwendet werden könne, wenn es nicht als Gußeisen, sondern als Gußstahl zur Verfügung stehe. Stahl aber war damals nur in geringen Mengen, in kleinen Ein­heiten im Frischfeuer oder im Puddelofen herstellbar und außerdem sehr teuer. Folgerichtig war es daher, daß Uchatius daranging, nach einem Verfahren der Stahlerzeugung zu suchen, das größere Einheiten einfacher und billiger herzustellen ermöglichte. Es bedurfte aber einer elfjährigen unablässigen Beschäftigung mit diesem Problem, bis Uchatius sich endlich am Ziel glauben durfte.

Inzwischen ging jedoch die vormärzliche Zeit ihrem Ende entgegen. Der März des Jahres 1848 brachte den Sturz der Regierung Metternichs und eine demokratische Verfassung. Trotzdem verwirrten sich die Verhältnisse zusehends. Und kaum zwei Monate, nachdem Uchatius unter Belassung in seiner Stellung bei der Geschützgießerei am 11. Juli 1848 zum Oberleutnant ernannt worden war, mußten sich die kaiserlichen Truppen aus Wien zurückziehen. Die Zeit des Um­sturzes und der Anarchie dauerte vom 8. bis 31. Oktober. Es waren dies gefähr-