Aufsatz 
Franz Freiherr von Uchatius / von Erich Kurzel-Runtscheiner
Entstehung
Seite
48
Einzelbild herunterladen

48

Erich Kurzel-Runtsciieiner

liehe Wochen für die Mannschaften, die im Gußhaus zurückgeblieben waren. Dauernd in Gefahr, ausgehoben zu werden, wußte Uchatius mit Takt, Mut und Tatkraft diese Zeit zu überbrücken, bis dann der Sieg der Truppen Wixdischgrätz und ihr Eindringen in die inneren Bezirke von Wien der gefahrvollen Lage ein Ende bereitete.

Damit war in Wien die Revolution unterdrückt. In den Provinzen aber war die Aufstandsbewegung noch lange nicht zu Ende. Nicht bloß in Ungarn, sondern insbesondere auch in der Lombardei und im Venezianischen zogen sich die Kämpfe noch weit ins Jahr 1849 hinein. In Venedig war, nachdem das Volk die kaiserliche Besatzung zum Abzug gezwungen hatte, am 23. März 1848 die Republik ausgerufen worden. Aber schon im Frühhng des nächsten Jahres wurden nach den Siegen Radetzkys gegen Piemont die Venezianer auf der Terra Ferma rasch zurückgedrängt und mußten endlich am 26. Mai 1849 ihren letzten Stützpunkt jenseits der Lagune, das Fort Malghera, nach einem furchtbaren Bombardement den Truppen Hayn aus überlassen.

Nun standen die Kaiserlichen Venedig am Festland gegenüber und die Flotte blockierte die Stadt von der Seeseite. Die Brücke war aber gesprengt, und die Geschütze der Belagerer konnten die über 4 km entfernte Stadt nicht erreichen. Diese Lage der Dinge wurde auch den Brüdern Josef und Franz Uchatius be­richtet, die beide als Artillerieoberleutnants zur Garnison Wien gehörten. Sie ent­warfen rasch den Plan des ersten Luftangriffs, den die Kriegsgeschichte kennt, und überzeugten sich und ihre Vorgesetzten durch Versuche, die sie zunächst am Laaer Berg und dann am Steinfeld anstellten, von dessen Durchführbarkeit: Die Bomben sollten von heißluftgefüllten Pa pier ballons, die man bei günstigem Wind steigen ließ, über die Stadt getragen werden. Die 30 Pfund schwere Bombe war vor dem Freilassen des Ballons, entsprechend der augenblicklich herrschenden Windstärke, zu tempieren. Wenn alles nach Wunsch ging, mußte der Einschlag der Sprengstücke etwa dort stattfinden, wo man ihn erwartete. Man mußte es aber in Kauf nehmen, daß dabei jedesmal der Ballon, der die Bombe trug, bei deren tempierter Explosion mit zugrunde ging. Da aber Tempierungszeiten bis zu einer halben Stunde eingestellt werden konnten, war jedenfalls eine Reichweite zu er­warten, die über jene der damaligen Geschütze weit hinausging.

Bis Mitte Juni 1849 waren in Wien 110 Ballons fertiggestellt, die nun an das Belagerungsheer vor Venedig abgesendet wurden. Am 16. Juni folgten die Brüder Uchatius dieser Sendung, mit der sie am 21. Juni in Mestre eintrafen. Da aber der Wind dauernd von der Seeseite gegen die Stadt wellte, konnten die Ballonangriffe vom Festland aus nicht durchgeführt werden. Daher wurden die Brüder mit ihren Geräten auf den KriegsdampferVolcano gebracht, von dem aus am 3. Juli der erste Luftangriff erfolgte. Bis zum 25. Juli wurden die Bombenabwürfe mehrfach wiederholt. Der Schaden, den sie anrichteten, war zwar nicht allzu groß. Aber der Eindruck auf die Bevölkerung Venedigs, die durch die neue Art des Angriffs immer wieder in ernste Unruhe versetzt wurde, war trotz allem ein gewaltiger. Da aber ein entscheidendes Ein wirken der Bombenabwürfe auf den Fortgang der Belagerung nicht zu erwarten war, erhielten die Brüder noch ehe sich Venedig am 23. August 1849 ergab den Befehl, nach Wien zurückzukehren. Sie verließen Mestre am 28. Juli, und damit endete der erste Versuch des Bombenabwurfes aus