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Erich Kurzel-Runtscheiner
Erhebend ist es, zu hören, daß dem Riesen, der sich selbst gefällt hatte, die Vorgesetzten und die ihm befreundeten Offiziere der Generalität alle ihm gebührende Ehre zuteil werden ließen, daß die Offiziere niederer Grade ihm in mannhafter Weise auch über das Grab hinaus die Treue hielten. Sein Sarg, der im Saal des Kommandogebäudes des Arsenals aufgebahrt wurde, war mit Blumen überdeckt. Alles, was in Wien Rang und Namen besaß, beteiligte sich an dem Begräbnis, das am Nachmittag des 7. Juni 1881 stattfand. Die in der Kirche des Arsenals eingesegnete Leiche wurde von dort zum eigenen Grab am Zentralfriedhof gebracht. Zwei Monate nach dem Tod erklärten sich sämtliche Offiziere der österreichischen Artillerie einstimmig bereit, durch freiwillige Beiträge die Errichtung eines Ehrenmals für Uchatius zu ermöglichen. Dieses wurde dann im Jahre 1882 über dem von der Gemeinde Wien zur Verfügung gestellten Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof errichtet. Auch die Delegationen Österreichs und Ungarns beteiligten sich an der Ehrung des Dahingeschiedenen, indem sie im Jahre 1882 auf Antrag des berühmten Lokomotivbauers, Wilhelm Freiherrn von Engerth, der Witwe eine Ehrengabe von 50.000 fl. widmeten.
Die Stahlbronze aber blieb auch nach dem Tod des Erfinders ein vollwertiger Werkstoff des Geschützbaus, bis dann der 1888 erstmalig verwendete Nickelstahl jene mehr und mehr verdrängte. Zunächst betrachtete man die Stahlbronze als dem Gußstahl von damals gleichwertig. Aus Hartbronze wurden in Italien seit 1875 die Rohre der Feld- und Gebirgsgeschütze erzeugt und selbst in Deutschland, im Lande Krupps, seit 1878 die Rohre der 15-cm- und der 21-cm- Mörser. Hartbronze ist aber nichts anderes als die Bezeichnung, die man in Deutschland der Uchatiusbronze beilegte. Am längsten hat das Heimatland der Stahlbronze dieser die Treue gehalten: selbst die kurz nach der Jahrhundertwende entstandenen Feldhaubitzen erhielten Rohre aus Stahlbronze. Und Uchatius- Geschütze haben auch im Weltkrieg noch wacker mitgetan. Teils standen sie in Land- und Seefestungen, teils wurden sie aber auch als mobile Geschütze im Felde verwendet.
Die Tatsache, daß dies mehr als 30 Jahre nach des Erfinders Tod, in einer Zeit, in der die technische Entwicklung in großen Schritten vorwärtsgetrieben wurde, auf jenem Gebiet, auf dem technische Leistungen am kurzlebigsten zu sein pflegen, auf dem Gebiet der Kriegstechnik, geschehen konnte, hebt Uchatius weit über das Durchschnittsmaß empor und stempelt ihn zu einem der Größten unter den Pionieren der Technik, die Österreich je hervorgebracht hat.
Quellen und Schrifttum.
A. Archivalien.
Akten, Handschriften, Dienstbeschreibungen aus dem Kriegsarchiv in Wien.
B. Veröffentlichungen von Franz Freiherrn von Uchatius.
„Apparat zur Darstellung beweglicher Bilder an der Wand.“ Sitz.-Ber. der matliem.- naturwissenseliaftl. Kl. der kaiserl. Akademie der Wissenschaften, 10. Bd., S. 482—485, Wien 1853.
„Praktische Methode zur Bestimmung des Salpetergehaltes im Schießpulver“ (mit 1 Tafel). Sitz.-Ber. der mathem.-naturwissensehaftl. Kl. der kaiserl. Akademie der Wissenschaften, 10. Bd., S. 748—755, AVien 1853.