Aufsatz 
Die Reste der Schwarzenberg-Schwemmanlagen an der Großen Mühl / von Josef Sames
Entstehung
Seite
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Die Reste der Schwarzenberg-Schwemmanlagen an der Großen Mühl.

Von

Oberinspektor Ing. Josef Sames, Linz.

Mit 3 Abbildungen.

Es gibt noch so manche technische Denkmale landauf und landab, die, obwohl sie geschichtlichen und kulturellen Wert besitzen, noch nicht zur Genüge bekannt und demnach auch nicht genügend geschützt sind.

Ein Beispiel: Als das große Kraftwerk Partenstein in Ober Österreich nahe der Mündung der Großen Mühl in die Donau erbaut wurde, da gab es wohl zahlreiche Neugierige, die diese großen technischen Arbeiten bewunderten, die aber gleich­gültig an den in der Nähe befindlichen Resten früherer technischer Arbeiten vorüber­gingen, weil ihnen deren Geschichte und Bedeutung fremd war.

Von diesen Resten sind wohl im Zuge der Fertigstellung des Werks wieder eine Anzahl verschwunden, darum soll den wenigen noch vorhandenen an dieser Stelle einige Aufmerksamkeit geschenkt werden. In der Geschichte des oberösterreichischen Verkehrswesens, das ja auch durch die Geschichte der ersten Eisenbahn auf euro­päischem Festland bemerkenswert ist, kommt dem einstigen Holztransportweg vom Böhmerwald bis an die Donau, dem Schw'arzenbergkanal und dem anschließen­den Mühlfluß große Bedeutung bei.

Der Anreger und Schöpfer dieser Anlagen ist der einstige fürstlich Schwarzen- bergsche Ingenieur Josef Rosenauer , 1 der an der Wiener Ingenieurakademie auf der Laimgrube Mathematik und Physik studiert hatte und zur Zeit, als der große Holzbedarf Wiens und die hohen Brennholzpreise nach Abhilfe drängten, seinem

1 Ing. Josef Rosenauer ist geboren 1739 zu Kalscliing in Südbölimen. Er war erst Forstadjunkt beim Fürsten Johann Schwarzenberg in Krumau, der ihn dann zur weiteren Ausbildung an die Ingenieur-Akademie nach Wien sendete. Nach Absolvierung derselben legte. Rosenauer auch noch beim Landtafelamt in Prag die Prüfung als Land­messer ab. Dann arbeitete er an der Vermessung der Herrschaften, an Entwässerung von Morästen und Anlage von Straßen, 1774 legte er dann dem Fürsten den Plan für einen Schwemmkanal aus dem Böhmerwalde bis zur Donau vor. Mit 1200 Personen wurden die Arbeiten im Jahre 1789 auf österreichischer Seite begonnen, 1791 war der erste Teil fertig, so daß am 23. April dieses Jahres das erste geschwemmte IIolz in Wien einlangte. Rosenauer leitete die weiteren Arbeiten als fürstlicher Schwemmdirektor. Er starb am 15. März 1805 zu Krumau. An sein Wirken erinnern, außer den baulichen Resten des Kanales, eine Gedenktafel am Geburtshause in Kalscliing, die Rosenauer- Kapelle bei Hirschbergen und ein Denkstein beim Kanalursprung am Lichtwasser.