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Erich von Kurzel-Runtscheiner
coco“-Emblemen verblendet. Auf dem Emailzifferblatt, dessen Stundenziffern die Schriftform der Zeit um 1750 erhalten haben, nennt sich — in eben dieser Schriftform — der Meister „Louis Knaus a Darmstadt“. Man glaubt also zunächst ein authentisches Werk unseres Ludwig Knaus vor sich zu haben.
Aber schon die nähere Betrachtung der Kulissen des Automatenspielwerks läßt die ersten Zweifel aufsteigen: Die Halle, die perspektivisch in die Tiefe geht, zeigt Formen, die typisch sind für den Stil Louis XIV. Setzt man dann das Automatenwerk in Bewegung, „das in drei Szenen ein Turnier darstellt“, dann erscheint zunächst Fußvolk, und im weiteren Verlauf stürmen zwei Reiterscharen, eine im Vordergrund und eine, perspektivisch verkleinert, im Hintergrund, in die Halle herein, wo sie sich zu bekämpfen scheinen. Die Figuren sind flach, in Blech ausgesägt und reizend bemalt. Aber diese Malerei weist auf eine Zeit, die um Jahrzehnte vor 1750 liegt. Die Zweifel werden zur Gewißheit bei Betrachtung des ausgebauten Werks: Dieses spricht die Formensprache und zeigt technisch Einzelheiten, die für Automaten und Uhrwerke charakteristisch sind, die lange vor 1750 entstanden sind. Die Bauteile, so insbesondere die Zahnräder des Laufwerks und die Kurvenscheiben, die im Wege von Abtastorganen und Hebel Verbindungen die Bewegungen der Figuren des Automatenwerks einleiten, sind sämtlich Handfeilarbeit. Eine Wählscheibe zum Einstellen und Abstellen des Schlagwerks, des Glockenspiels und des Automatenwerks, die seitlich angebracht ist, sowie auch die den Meister nennende Beschriftung an der Rückseite des Werks „Ludwig Knaus in Darmstadt“ zeigen Schriftzüge, die nach ihren Formen allerspätestens im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts entstanden sein können.
Welche Schlüsse ergaben sich nun aus diesen Feststellungen ? Das Automatenwerk dieser Kunstuhr kann kein Werk unseres Ludwig Knaus sein. Wir haben in diesem ein unbezweifelbares Werk des Vaters der Brüder vor uns. Dieser hieß Ludwig Knaus, wie sein ältester Sohn. Er lebte und arbeitete — wenigstens einige Zeit, und zwar wohl die letzten Jahre seines Lebens — in Darmstadt. Sein ältester Sohn erbte von ihm das Ritterspiel-Automatenwerk. Dieses war zwar vom Vater fertiggestellt, aber vielleicht von diesem in einem Kasten noch nicht eingebaut worden. Durch den Sohn wurde das Werk später, wohl um 1750, in jenen Kasten eingebaut, der es noch jetzt umschließt.
Trotz dieser Feststellungen muß man sich damit bescheiden, daß man — zur Zeit wenigstens noch — den Ort, aus dem die Familie Knaus stammt, nicht kennt und daß über das Leben der Brüder Knaus in dei Zeit vor Beginn ihrer Tätigkeit in Darmstadt keinerlei Nachrichten vorliegen. Von Friedrich von Knaus berichtet de Luca: „Im 13ten Jahre seines Alters kam er an den fürstl. Darmstädtischen Hof, erlernte dortselbst die Gründe der Mechanik, und bekam an diesem Hofe die Stelle eines Hofmaschinisten.“ Das Jahr des Eintreffens ist also 1737. Ob der Jüngling damals mit seinem Vater, der vielleicht in diesem Jahr an den landgräflichen Hof berufen wurde, nach Darmstadt kam und die Lehre während der letzten Lebensjahre seines Vaters in dessen Werkstatt empfing oder ob Friedrich von Knaus als schon verwaister Knabe, dessen Talent früh erkannt worden war, an den Darmstädter Hof gezogen wurde — man weiß es nicht.
Jedenfalls kann aber festgehalten werden, daß Friedrich von Knaus seit 1737