Aufsatz 
Zwei Meister der Kunstmechanik am Hof der Kaiserin Maria Theresia : Ludwig Knaus und Friedrich von Knaus ; ein technikgeschichtliches Kulturbild / von Erich Kurzel-Runtscheiner
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Ludwig Knaus und Friedrich von Knaus. 23

teilung de Lucas zu deuten sei, die Annahme, daß Friedrich von Knaus in Witten­berg an der Elbe geboren sei, verworfen und der Überzeugung Ausdruck gegeben, daß jene Stelle ohne Zweifel ,,zu Württemberg zu lesen sei.

Es kommt daher als Vaterstadt der Brüder Knaus eine der Ortschaften des damaligen Herzogtums Württemberg in Frage. Für diese Annahme spricht auch der Umstand, daß der Name Knaus im östlichen Alt-Württemberg, insbesondere im ganzen Rems-Tal sehr verbreitet ist. In welchem Ort, in welchem Städtchen Alt-Wiirttembergs das Vaterhaus der Knaus gestanden hat, wo sich die väterliche Werkstätte ursprünglich befunden hat, in der die Brüder wohl die erste Ausbildung

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Abb. 2. Das Werk derRiiterspieluhr".

im Rahmen ihrer handwerklichen Kunst empfingen, das konnte selbst durch eine Rundfrage in der von den meisten Sippenforschern des Deutschen Reichs und ins­besondere Württembergs gelesenen ZeitschriftPraktische Forschungshilfe nicht geklärt werden.

Und doch besteht ein untrügliches Beweisstück, das nicht nur den Namen des Vaters und den Namen der Stadt überliefert, in der er längere Zeit wohl die letzten Jahre seines Lebens verbracht hat, sondern auch Zeugnis ablegt von seiner hohen Meisterschaft als Uhrmacher und Mechaniker: Dieses Beweisstück ist die so­genannte Ritterspieluhr, die in einem der Kaiserzimmer der Wiener Hofburg auf­gestellt ist (Abb. 2).

Äußerlich gleicht diese Kunstuhr einem Erzeugnis aus der Zeit um 1750. Der aus Holz gefertigte Kasten, der das Werk einschließt, ist mit feinziselierten Orna­menten aus Bronzeguß versehen, die die typischen Formen des Stils Louis XV. zeigen. Die Mechanik des Automatenwerks, das im oberen Teil zwischen Kulissen, die eine barocke Säulenhalle darstellen, in Tätigkeit tritt, ist von prächtigen ,,Ro-