26
Erich von Kürzel-Runtscheiner
wo — geboren. Er stand vielleicht bis 1739 im Dienst eines anderen Fürstenhofs und war wohl schon damals ein Uhrmacher und Mechaniker von vollendeter Kunstfertigkeit. Dies beweisen nicht nur seine alsbald einsetzenden Leistungen, sondern auch der Umstand, daß Ludwig VIII. ihm sofort die Stelle eines Hofuhrmachers verlieh und ihn mit Dekret vom 26. August 1741 in dieser Stellung bestätigte. Die Vorliebe dieses Fürsten für die Kunstmechanik gab den Brüdern Knaus Gelegenheit, ein bewundernswertes Kunstwerk zu schaffen, das sich heute in Wien befindet (Abb. 3).
,,Peu d’objets ont mieux servi la diplomatic que les pendules et celles, qui furent offertes aux grands de ce monde dans un but interesse, ne sauraient se denombrer.“ Dieser Satz, der eine für alle Zeiten geltende Erkenntnis ausspricht, beschließt das Kapitel, das im von Alfred Chapuis und Edouard Gelis verfaßten zweibändigen Standardwerk ,,Le monde des automates“ (Paris 1928) Ludwig Knaus gewidmet ist. Diese Erkenntnis war es auch, die Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt wenige Jahre nach seinem Regierungsantritt veranlaßte, dem Kaiserpaar Franz I. (Franz Stephan von Lothringen) und Maria Theresia eine prächtige Kunstuhr zum Geschenk zu machen. Der Meister aber, der diese verfertigen sollte, war Ludwig Knaus, und Friedrich von Knaus war sein erster und fähigster Helfer bei den sich lange hinziehenden Arbeiten.
Der Entschluß, dieses als ,,Kayserliche Vorstellungsuhr“ bezeichnete Prunkstück hersteilen zu lassen, wurde vom Landgrafen Ludwig VIII. augenscheinlich schon 1745 gefaßt. Für das Automatenwerk dieser Uhr wurde ein ausführliches „Programm“ entworfen und dieses mit dem damaligen Vertreter der Kaiserlichen Interessen in Frankfurt am Main Karl Graf Cobenzl eingehend besprochen; denn das Geschenk sollte in allem und jedem nicht nur dem künstlerischen Sinn Franz Stephans und Maria Theresias entsprechen, sondern insbesondere auch durch sein schmückendes Beiwerk jene weltgeschichtlichen Ereignisse sinnfällig darstellen, die den Aufstieg des Herrscherpaares nach Bereinigung des österreichischen Erbschaftsstreits, der aus dem Aussterben des Mannesstamms der Habsburger (1740) entstanden war, zu neuer Fülle der Macht herbeigeführt hatten. Daher wurde inmitten der Vorderseite des künstlerisch ausgestatteten, übermannshohen Uhrgehäuses ein seine Schwingen weithin ausbreitender Aar angebracht und im schirmenden Schatten dieser Schwingen, die laut den auf ihnen angebrachten Initialen das Kaiserpaar darstellen, ist „Sub umbra alarum“ eine große Bildnismedaille Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt angebracht. Inschriften in den Wappenbildern des Sockels weisen auf die Krönungstage Franz Stephans und Maria Theresias als Kaiser und als Königin von Ungarn und von Böhmen hin.
Im oberen Teil des nach Art der französischen Boull-Uhren ausgeführten, mit Schildkrot plattierten und mit silbernem Figuren werk reich geschmückten Gehäuses befindet sich das nicht allzu große Zifferblatt. Es trägt die Beschriftung: „Ludwig Knaus fecit in Darmstadt.“ Unter dem Zifferblatt sieht man eine Art Bühne, auf der das Spiel des Automatenwerks vor sich geht: Vor einer antikisierenden Säulenhalle steht ein Opferaltar mit der Aufschrift „Aeternitati“. An diesem Altar huldigen die deutsche, die böhmische und die ungarische Nation dem Kaiserpaar. Zunächst schreitet das Kaiserpaar, Franz Stephan von links, Maria Theresia von rechts