Ludwig Knaus und Friedrich von Knaus.
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kommend, in die Halle. Dann erscheinen kronentragend die Vertreter der drei Nationen. Ihnen folgen zahlreiche allegorische Figuren. Sind alle versammelt, dann begrüßen die Majestäten durch Handbewegung die Huldigenden. Die Träger der Kronen lassen sich kniend nieder. Da naht von oben der Dämon des Hasses. Er wird aber vom Erzengel Michael, der rasch aus den Wolken herabschwebt, mit wuchtigen Schwertschlägen abgewehrt und vertrieben. Nun erscheint in den Wolken Klio, die Muse der Geschichte, die mit goldenem Griffel Schreibbewegungen ausführt und auf einem Wolkenband die Worte „Vivant Franciscus et Theresia“ zu schreiben scheint. Von links und rechts erscheinen fliegende, posaunenblasende Engel, ein Choral ertönt und auf die Häupter des Kaiserpaares senken sich Lorbeerkränze. Plötzlich verschwindet die Schrift, die Majestäten geben durch Handbewegungen
Abb. 4. Das Werk der „Kayserlichen Vorstellungsuhr*'.
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das Zeichen zur Beendigung der Huldigung und gehen ab. Auch alle anderen Gestalten verschwinden nun, und damit ist das Spiel des Automatenwerks zu Ende.
Ganz abgesehen von der symbohsch-programmatischen Bedeutung dieses Spiels, ist auch die Kunst der beiden Meister, die dieses Automatenwerk schufen, bewundernswert. Denn dieses stellt eine Spitzenleistung des technischen Könnens des 18. Jahrhunderts dar (Abb. 4).
Aus dem Gesichtswinkel des Kunstuhrmachers und Automatenbauers wurde die „kayserliche Vorstellungsuhr“ in einem von R. Eger, Karlstein, verfaßten und in Heft 18 von 1915 des Fachblattes „Deutsche Uhrmacherzeitung“ erschienenen Artikel beschrieben und gewürdigt. Während dem Verfasser, soweit er als Meister der Uhrmacherzunft ein Urteil abgibt, vollauf zugestimmt werden kann, muß ihm, sowie er sich als Historiker versucht, die Gefolgschaft aufgekündigt werden: Eger behauptet nämlich, daß „die prächtige Uhr der österreichischen Kaiserin anläßlich ihrer silbernen Hochzeitsfeier“ — also am 12. Februar 1761 — zum Geschenk gemacht worden sei. Und Chapuis und Gelis übernehmen diese irrige Angabe, ohne ihre Stichhaltigkeit zu überprüfen. Es ist dem Konsiliar des Museums für Volkskunde in Wien Robert Mucnjak zu danken, der die „kayserliche Vorstellungsuhr“ und die „Ritterspieluhr“ zurzeit betreut, zuerst an Hand der vorliegenden Ab-