Aufsatz 
Zwei Meister der Kunstmechanik am Hof der Kaiserin Maria Theresia : Ludwig Knaus und Friedrich von Knaus ; ein technikgeschichtliches Kulturbild / von Erich Kurzel-Runtscheiner
Entstehung
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Erich von Kurzel-Runtscheiner

rechnungen über den Bau der erstgenannten Uhr, darauf hingewiesen zu haben, daß hinsichtlich der Entstehungszeit ein Irrtum vorliegen müsse.

Die Abrechnungen, aus denen die Baugeschichte derkayserlichen Vorstellungs­uhr und der Zeitpunkt ihrer Übergabe an das Kaiserpaar eindeutig hervorgehen, erliegen im Archiv des Schloßmuseums in Darmstadt, ihre Kenntnis ist dem Direktor dieses Instituts Kuno Graf Hardenberg zu danken. Die Art aber, in der die Her­stellung erfolgte, darf wohl als typisch für die Entstehung technisch-künstlerischer Leistungen jener Zeit angesehen werden, ein Umstand, der es berechtigt erscheinen läßt, diese Baugeschichte des näheren darzulegen:

Nachdem Landgraf Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt 1745 den Entschluß gefaßt hatte, einekayserliche Vorstellungsuhr bauen zu lassen, wurde mit den Arbeiten sofort begonnen, obwohl über die endgültige Gestaltung durchaus noch keine völlige Klarheit bestand. Als Folge dieses vorschnellen Handelns ergab sich, wie aus den Abrechnungen zu ersehen ist, mehrfach, daß schon vorgearbeitete Teile, als unbrauchbar, nicht verwendet werden konnten, neu hergestellt und auch noch­mals verrechnet werden mußten.

Ludwig Knaus übernahm den Bau der Automatenuhr wenn man so sagen darf als Generalunternehmer. Er besaß oder bewohnte in Bessungen, das damals noch ein vor den Toren der Stadt Darmstadt gelegenes Dorf war, ein Haus, in dem auch seine Werkstatt untergebracht war. In dieser arbeitete er mit seinem Bruder Friedrich, seinemjüngsten Bruder, welcher als Jung Dienste geleistet, und mit seinen sonstigen ständigen Werkstattangestellten, von denen in den Abrechnungen einUhrmacher Zänker und ein Geselle besonders aufgezählt werden. Sie alle w r ohnten auch im Haus und wurden in der Familie verköstigt.

Außerdem war ein Kommen und Gehen von Handwerkern und Künstlern ver­schiedener Berufe; so werden aufgezählt: Bildhauer, Silberarbeiter, Bearbeiterfür Schildkrotten, ein Futteralmacher, einKistler, der Teile des Gehäuses anfertigte, ferner ein Stückgießer, ein Glockengießer und ein Großuhrmacher, die Teile des Glockenspiels lieferten, ein Mann, der dieWalzen setzte, ein Licentiat, der mit derAbstimmung der Glocken 14 Tage verbrachte, und endlich der in Darmstadt ansässige Maler G. A. Eger, der mitMahler Sonntag, Hülfe des Malers Eger, Mahler Stockmar und dem jungen Hasselmeyer, Farbenreiber bei Mahler Eger... über 16 Wochen an dem großen Dessein, die Vorstellung der Uhr sambt dem Kasten zu mahlen nebst anderen dazu gehörigen Zeichnungen zugebracht. Alle diese Vielen, die am Zustandekommen des Gesamtkunstw r erks mitbeteiligt w aren, kamen nach Bessun­gen ; die meisten von ihnen wohnten, wenn auch nicht gleichzeitig und auf die Dauer, so doch kurzfristig im Werkstatthaus des Ludwig Knaus und wurden dort verköstigt.

Als endlich dann im Jahr 1750 der Tag der Übergabe näher kam und obwohl den 13. April die Uhr wieder in Arbeit genommen wurde sich die Fertigstellung immer noch hinauszögerte, mußte Knaus,da auf die Verfertigung des Werks ge­trieben, mehrere Hülfe nehmen. Es wurden2 Gesellen von dem Uhrmacher Möllinger in Neustadt a. d. Hardt entlehnt vom 26. July bis 2. Oktober, im Haus bequartiert und verköstigt. Schon vor diesem Tag des Jahres 1750 aber müssen die Arbeiten zu Ende gegangen und dieKayserliche Vorstellungsuhr verpackungs­bereit gewesen sein.