Ludwig Knaus und Friedrich von Knaus.
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Ein Verschlag war angefertigt und auf einer Kutsche ein Gesteh angebracht worden, damit die im Verschlag verpackte Uhr unbeschädigt nach Wien gebracht werden könne. Ludwig Knaus hatte sich auch „ein paar alte Pistolen und 1 Flinte um auf der Reisse im Fall der Noth nicht ohne Gewehr zu sein“, beschafft. Am 12. September 1750 bescheinigt er, daß ihm „auf Sermi Hochfürstl. gnädigsten Befehl, wegen der noch bevorstehenden Wiener Reiss, von Cammer-Sekretario Wächter richtig sind bezahlt worden, 150 fl“.
Als das Kunstwerk endlich vollendet und aufgepackt war, mußte die Reise nach Wien in allergrößter Eile angetreten und durchgeführt werden. Galt es doch, dem Kaiserlichen Paar am 20. Oktober 1750, als dem Tag, an dem sich die Thronbesteigung Maria Theresias zum zehntenmal jährte, das fürstliche Geschenk zu übergeben.
Trotz des Fehlens einer Nachricht aus der Zeit kann aber doch angenommen werden, daß von diesem Zeitpunkt an die Mechanikerkunst der beiden Knaus, die das Automatenwerk persönlich nach Wien brachten, am dortigen Hof voll und ganz anerkannt wurde; denn beide Brüder fanden später Stellungen im Gefolge des Kaiserpaares.
Nach Beendigung der Arbeiten an der großen Kunstuhr trennten sich die beiden Brüder: Ludwig Knaus blieb auch weiterhin am Darmstädter Hof, während Friedrich eine größere Reise antrat, die ihn zunächst nach Frankreich führte.
In den nun folgenden Jahren beschäftigten Friedrich von Knaus Versuche, die Schreibarbeit zu mechanisieren, als deren Ergebnis 1753 bis 1760 vier Schreibapparate entstanden; jeder von diesen — sie sind hier mit Ziffern I bis IV bezeichnet — übertraf seine Vorgänger an kunstvollem Aufbau und an Leistung. Das erste dieser Geräte war jener noch recht unvollkommene, spätestens 1753 vollendete Schreibapparat (I), den Friedrich von Knaus König Ludwig XV. in Versailles und anderen Fürstlichkeiten hatte vorführen dürfen, ehe vor er mit ihm — wohl 1754 — in Brüssel eintraf.
Hier residierte seit 1748 als Generalgouverneur der Österreichischen Niederlande der jüngere Bruder Kaiser Franz I. und Gatte Maria Annas, der Schwester Maria Theresias Prinz Carl Alexander von Lothringen. Dessen Minister und des Staatskanzlers Fürst Kaunitz Adlatus für die Niederlande war seit 1753 Karl Graf Cobenzl, den wir als Berater Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt aus Anlaß der Festlegung des symbolischen Programms der „Kayserlichen Vorstellungsuhr“ bereits kennengelernt haben.
Cobenzl kannte zumindest Ludwig Knaus, der ihn zweimal in Frankfurt am Main auf gesucht hatte, persönlich. Friedrich von Knaus war also Cobenzl, auch wenn er bis dahin ihm noch nicht begegnet sein sollte, als er in Brüssel eintraf, kein Unbekannter. Cobenzls Vermittlung hatte es Knaus wohl auch zu danken, daß er nun in lothringische Dienste treten konnte und daß Prinz Carl Alexander den ersten der KNAUSschen Schreibapparate ankaufte; auch er brachte ja, ebenso wie sein kaiserlicher Bruder, der Mechanik und den Naturwissenschaften großes Interesse entgegen. Die Tatsache, daß Friedrich von Knaus eben damals zur katholischen Religion übertrat, dürfte das Interesse des Prinzen für seinen neuen Gefolgsmann noch erhöht haben. Knaus hat sich später als dessen „Hofmathematicus“ be-