Aufsatz 
Zwei Meister der Kunstmechanik am Hof der Kaiserin Maria Theresia : Ludwig Knaus und Friedrich von Knaus ; ein technikgeschichtliches Kulturbild / von Erich Kurzel-Runtscheiner
Entstehung
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Ludwig Knaus und Friedrich von Knaus.

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strumente sind hier in der größten Vollständigkeit bevsammen. Der Saal, wo diese Maschinen aufbewahrt werden, ist zugleich der Lehrsaal, wo ihre Brauchbarkeit und ihr Endzweck erklärt wird. Außer den täglichen Stunden wird noch alle Sonn­tage Vormittag ein Kollegium über die Mechanik unentgeltlich gelesen, wo die Maschinen gezeigt und erklärt werden. Die vorzügliche Absicht dieses Kollegiums ist: den Handwerkern einige Begriffe der Mechanik beyzubringen, wodurch ihnen Meies in ihrem Berufe erleichtert werden kann, und sie zu Einsichten gelangen können, die sie sonst nirgends erlangen würden.

Im Jahre 1760 endlich vollendete Fried­rich von Knaus seinen vierten Schreibapparat (IV), den er die ,,allesschreibende Wunderma­schine (Abb. 7) nannte. Er muß lange Zeit an diesem Gerät gearbeitet haben, ohne es gangbar machen und abliefern zu können. Dies geht aus einem Bericht des Nachfolgers des 1772 als Kanz­ler der Universität Löwen nach den Österreichi­schen Niederlanden abgegangenen Abbes Marcy und somit des Vorgesetzten Friedrich von Knaus, des Direktors und Präses Studii Physici et Mathematici der Wiener Universität Josef Nagel hervor, der in einer wohl in den ersten Mona­ten des Jahres 1781 verfaßten und dem Obersthof­marschallamt vorgelegten Stellungnahme zu an­maßenden Behauptungen des von Friedrich von Knaus selbst veranlaßten Druckwerkes ,,... Selbst­schreibende Wundermaschinen, auch mehr andere Federführung der ..Alles-

schreibenden Wundermaschine .

Kunst- und Meisterstücke... berichtet:

Als Knaus die Schreibmaschine mit kayserl. Kosten noch nicht gänzlich geen­digt hatte, kam er bey dem höchstselb. Kayser ein, dass ihm der Titel eines K. K. Raths beygelegt werden möchte; als ihm aber seine Bitte mit dem Bescheid abgeschlagen wurde, dass er zufrieden seyn sollte, sich einen Hof-Matliematicum nennen zu dürfen, so verliess er die noch nicht geendigte von dem Kayser verlangte und mit vielen Kosten schon soweit gebrachte Arbeit der Maschine, auch mit ihr zugleich diese Residenz-Stadt; kam doch endlich, nachdem er den Kayser auf die Vollendung lange Zeit hatte warten lassen, nach Wien zurück, und fand sich wieder bey Ilofe ein; allein ungeachtet der alles selbstschreibenden Wundermaschine, mußte er sich des ehemahlig allerhöchsten Zutrauens und der kayserl. Gnaden gänzlich verlustiget sehen, hat auch den Zutritt bey Hofe nicht ehender, als nach dem Thod des Kaysers wieder erhalten können. Indessen liess der Kayser ihm sagen, er solle die Maschine (welche bereits vieles gekostet) zu Stande bringen, und nach Hofe liefern: wofor er auch, als es geschehen war, eine angemessene Belohnung erhalten habe. Nach dem Thod des Kaysers wurde Knaus endlich auf die Fürbitte eines hier anwesenden Prinzen von Hessendarmstadt von der höchstselb. Kayserinn Königinn als Inspektor des physischen Hof-Cabinets, unter der Direktion des Abbe Marcy angestellet; welchen Charakter auch Knaus, und zwar vom Jahre 1772 unter meiner Direktion bis hieliin bey- belialten hat.

Der Kaiser hat, solange er lebte, Knaus nicht wiedergesehen. Er ließ sich auch dann nicht versöhnen, als dieser 1760 ihm die endlich fertiggestelltealles-

Gesehichte der Technik, 5. Heft.

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