Aufsatz 
Zwei Meister der Kunstmechanik am Hof der Kaiserin Maria Theresia : Ludwig Knaus und Friedrich von Knaus ; ein technikgeschichtliches Kulturbild / von Erich Kurzel-Runtscheiner
Entstehung
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Erich von Kürzel-Runtsciieiner

schreibende Wundermaschine an dessen Geburtstag (4. Oktober 1760) ablieferte und das Gerät vor den Allerhöchsten Herrschaften und dem gesamten Hof folgende, vorher eingestellte Zeilen schrieb:

Monsieur! Faites moi la grace de meeuter ä ce, que je vous ecris par celle ci. Le monde a cru, que je ne serois jamais perfectionne par mon createur, meme on le perseeuta tant, quil fut possible: mais maintenant il ma mis dans un tel etat, que jeeris toutes les langues, malgre tous ses envieux, et je suis en verite

Vienne le 4. Oetobr. Monsieur

le plus fidel Secretaire.

Dieseallesschreibende Wundermaschine ist ein höfisches Prunkstück von beinahe zwei Meter Höhe, dessen mechanische Einrichtungen in einer Weltkugel verborgen sind. Die eigentliche Schreibeinrichtung ahmt bei Herstellung der Schrift die schreibende menschliche Hand nach. Die Feder wird von dem Arm einer Auto­matenfigur derart geführt, daß drei Abtastorgane über drei Hebel jeweils von einer der vorgesehenen Führungsscheiben in Bewegung gesetzt werden. Jede der Führungs­scheiben entspricht einem Buchstaben und enthält jene drei Kurvenzüge, die gleich­zeitig auf die Abtastorgane einwirken und dadurch die Schreibbewegung einleiten. Die Schreibarbeit wurde dadurch automatisiert, daß auf einer federbewegten Trommel, die auf deren Oberfläche befindlichen Lochungen, von denen je eine Reihe einem Buchstaben entspricht, zufolge dem jeweils gewünschten Text gesteckt wurden.

Übrigens ist auch Nagels Behauptung, daß nicht einmal die mechanische Ein­richtung der Federführung dieses Schreibapparats Friedrich von" Knaus eigene Erfindung gewesen ist, richtig. Allerdings war sie auch nicht wie Nagel glaubte jene seines älteren Bruders Ludwig, sondern die des Vaters der beiden Knaus. Nagel sagte in der oben erwähnten Stellungnahme zu diesem Gegenstand, es könne nichtmit der Wahrheit stehen, warum der Inspektor behauptet, dass die zu For­mierung der oft nöthige mechanischen Bewegung seiner Erfindung sev: indem solche schon bev der grossen Darmstädter Uhr, die in der K. K. Schatzkammer stehet, an­gebracht ist: alwo eine mit der Feder versehene Hand über die dahinter befindliche Schrift fährt, und alle ihre Züge macht.

Der Schreibapparat, der wie immer man sich zur Persönlichkeit Friedrich von Knaus stellen mag ein bedeutsames Werk spätbarocker Mechanik darstellt, ist seinerzeit eines der meistbewunderten Schaustücke des Wiener Physikalischen Hofkabinetts gewesen und wurde bei Fürstenbesuchen, so auch beim Besuch des Papstes Pius VI. (1782) immer wieder vorgeführt. Auf dem Weg über die Samm­lungen des Wiener Polytechnischen Instituts (jetzt Technische Hochschule) kam dieser Schreibapparat in das Wiener Technische Museum. Er wurde dortselbst vor kurzem wieder gangbar gemacht und war im Oesterreichischen Pavillon der Pariser Weltausstellung 1937 zur Schau gestellt.

Am 18. August 1765 starb Kaiser Franz I. Knaus, der inzwischen noch drei in den Jahren 1723 bis 1725 von anderer Hand verfertigte Automatenwerke er nennt siebewegliche Bildertafeln (Tables mouvantes) wiederhergestellt hatte, erhielt nun von der verwitweten Kaiserin Maria Theresia die Erlaubnis, an den Hof