Ludwig Knaus und Friedrich von Knaus.
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zurückzukehren. Er bekam zugleich die Stelle eines Inspektors des Physikalischen Kabinetts des Kaiserhauses, die er schon früher bekleidet hatte, und war als solcher zunächst wiederum Abbe VON Marcy, der damals noch der Direktor dieses Kabinetts war, unterstellt. Dort war Knaus mit der Wiedergangbarmachung und Neuaufstellung der Apparate beschäftigt. Über diese Arbeit berichtet er großsprecherisch in dem von ihm veranlaßten Druckwerk: „Und hierzu verwendete Herr Friedrich von Knauss nicht drey der Jahre, wie man würde geglaubt, und auch gerne ihm zugestanden haben, sondern nur einzig drey der Monate, da doch nichts dabev den Einsichten, den Anstalten und den Vorkehrungen des unermüdeten Mannes mit Fug auszustellen war, ausgenommen diess einzige, was ihm ein Grosser und wahrer Gönner sehr klug und gutherzig, als einen nicht geringen Fehler, sondern als ein gräuliches Versehen aussetzte: dass er nähmlich nicht nach den Weltbrauche ganzer 3 Jahre, sondern blos 3 Monate zu so einem Werke sich kosten liess, um nur mehr Ehre und Hochschätzung nach Art der Grossprecher, sich hierdurch zuzuziehen.“
In der 1787 erschienenen Stadtbeschreibung „Wiens gegenwärtiger Zustand unter Josephs Regierung“ werden bei Besprechung des Physikalischen Kabinetts vier „Kunststücke“ aus dessen Beständen angeführt. Drei von diesen waren Erzeugnisse Friedrich von Knaus’: Es waren dies zwei der von ihm angefertigten Schreib - apparate (II und IV) sowie der „seltsame Schreibtisch, welcher für Se. Höchstselige Majestät dem römischen Kaiser Franz I. J. 1764 erfunden und gemacht worden ist“ (Abb. 8). Dieser wird beschrieben als „eine mit grünem Tuche überzogene Tischplatte, auf welcher ein kleines Maschinchen ruht, die jede Schrift, die man ihr vorlegt, zugleich drevmal schreibt ebenso jede Zeichnung dreymal copirt und auch Porträte zu gleicher Zeit dreymal verfertigt“. Es konnten drei Bogen Papier aufgelegt und durch Lineale festgeklemmt werden, „über welche sodann die Schreibmaschine, ohne Hinderniss, sich schwingen lässt, nicht anders, als wenn man nur einen Kiel in der Hand zu führen hätte“. Dieses Schreibgerät war so recht eine Erfindung aus den Bedürfnissen der Zeit, die kein Durchschreib- oder Durchschlagverfahren und auch noch keines der seither Allgemeingut gewordenen Kopierverfahren kannte, einer Zeit, in der Staatskanzleien, Ämter, Personen und Unternehmungen schon längst die Übung der Ausstellung von Urkunden und Urbarien, von denen Abschriften nicht hinterlegt wurden, verlassen hatten und zum Austausch von Noten und zum Aktenverkehr übergegangen waren, bei dem neben der Reinschrift jedenfalls ein Entwurf und häufig auch mehrere Abschriften herzustellen waren. Das von Fried-
Abb. 8. Der „seltsame Schreibtisch“, der „zugleich dreymal schreibt" (1764).
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