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Erich von Kurzel-Runtsciieiner
rich von Knaus erdachte Schreibgerät mit den drei an einem Yerbindungsstab befestigten Kielfedern war also ein Versuch, die Herstellung mehrerer Gleichstücke in einem Arbeitsgang mit rein mechanischen Mitteln zu ermöglichen, der, wenn er sich auch in der Praxis nicht durchsetzen konnte, doch immerhin auch heute noch Interesse erweckt.
Bei der Herstellung zweier anderer Apparate aber, die ebenfalls im Physikalischen Kabinett aufbewahrt wurden, war der Erfindungsgeist Friedrich von Knaus’ von Voraussetzungen ausgegangen, die nach heutiger Erkenntnis zwangläufig zum Mißerfolg führen müssen: Es waren dies zwei Yersuchsgeräte, mit denen das Problem „Perpetuum mobile“ gelöst werden sollte, eine sogenannte „Perpentikel- maschine stille Wasser fließend zu machen“ und eine „Universalmaschine, die anstatt aller Elemente wirket“.
Nach dem 1772 erfolgten Abgang des Abbes von Marcy wurde der schon erwähnte Josepf Nagel Direktor des Physikalischen Kabinetts. Mit diesem seinem Vorgesetzten lebte Knaus in dauernder latenter Feindschaft. Kaiserin Maria Theresia hatte die Dienstverhältnisse durch eines ihrer gewohnten Handbilette, wie folgt geordnet wissen wollen: „Der Duval ist und bleibet exclusive aller andern, Director des Medaillen Cabinets womit der Nagel als Physikalischen Cabinets Direktor, nichts Thuen hat. Der Knauss solle die Absicht unter der Direction des Nagels wie bis dato mit dem Marcy geschehen beybehalten, und wird der Marcy in beysein des Unt Secretair und des Knauss dem Nagel alles weisen und zeigen wass der Knauss in seiner Absicht habe.“
1780 gab, durch Friedrich von Knaus inspiriert, der Barfüßer Pater Marianus des Wiener Augustiner Klosters ein Buch ,,. . .selbstschreibende Wundermaschinen, auch mehr andere Kunst- und Meisterstücke, als so viele nunmehr aufgelöste Problemen...“ heraus. Es zeigt gegenüber dem Titelblatt das ordensgeschmückte Bildnis Friedrich von Knaus’ (Abb. I), nennt ihn mit den Titeln eines „kaiserl. königl. Direktors der physikalischen und mathematischen Kabinete an der Hofburg, und goldenen Kitters, auch des heil, päpstlichen und Lateranenser Hofes palatini- schen Grafen ec. ec.“ und ist in einem selbst für die damaligen, den Bombast liebenden Zeiten ungeheuerlich großspercherischen Ton gehalten. Die Gegensätzlichkeiten zwischen Nagel, der doch selbst der „Direktor“ des Physikalischen Kabinetts ist, und dem ihm unterstellten „Inspektor“ Knaus werden damit zum offenen Konflikt, ln diesem erfolgt die schon erwähnte Stellungnahme Nagels in Form einer Eingabe an das Obersthofmeisteramt. Zwanzig Tage nach der Herausgabe des Buches — es ist am Ende der Vorrede datiert „5. Wintermonats J. 1780“ — war Kaiserin Maria Theresia gestorben. Nach dem Tod der mächtigen Beschützerin kann gegen Knaus schärfer vorgegangen werden. So erscheint am 7. Juli 1781 in der Wiener Zeitung folgender Artikel:
„Es ist zwar das unlängst von einem Augustiner Baarfüsser, Namens P. Marian, nach dem ihm von dem Herausgeber mitgetlieilten Plan, verfasste Werk unter dem Titel: Friedrich von Knauss, k. k. Directors der physikalischen und mathematischen Kabinette an der Hofburg etc. selbst-schreibende Wundermaschinen, auch mehr andere Kunst- und Meisterstücke, in denen hiesigen Zeitungsblättern einigemahl dem Publiko angeriilmit, aber nach nunmehr erfolgter Untersuchung desselben, von hoher Behörde angeordnet worden, folgendes weiters noch bekannt zu machen. Erstens seye Friedrich