Aufsatz 
Zwei Meister der Kunstmechanik am Hof der Kaiserin Maria Theresia : Ludwig Knaus und Friedrich von Knaus ; ein technikgeschichtliches Kulturbild / von Erich Kurzel-Runtscheiner
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Ludwig Knaus und Friedrich von Knaus.

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von Knauss nicht als Director, sondern als Inspector unter der Direction des Herrn Hofinatheniatiei Josef Nagel, bey dem k. k. physischen Hofkabinett angestellt; ander- tens: seye ebenso wenig Herr Inspector von Knauss als Hofmathematicus in den Diensten weil. Sr. kön. Hoheit des Prinzen Karl von Lothringen gestanden; drittens: die Einrichtung des ersten Kabinetzimmers wurde der vorherigen Direction des Herrn Abbe Marei und des zweyten Zimmer der jetzigen Direction des Herrn Hofmathematici Nagel überlassen, aber nicht der Willkuhr des Herrn Inspector v. Knauss viertens: die in dem Werke angerühmte Perpendikelmaschine ist weder dermahl von dem Herrn Abbe Marei, noch die nahlier verfertigte L T niVersalmaschine von dem Hr. Director Nagel, gutgeheissen worden, übrigens fünftens, ist zwar in der Zeitung von 2. Brachm. eingeflossen, dass das Werk des Herrn Inspectors von Knauss von Seiner röin. kais. kön. ap. Majestät ganz adoptirt, seiner Kanzley einverleibet, auch dasselbe bereits in dessen allerhöchsten Schutz und ganz besondere Protection aufgenommen sey, allein all dies um so ungegründeter, als Seine Maj. vielmehr das Werk gehörigen Orts zur Untersuchung übergeben, und darüber den allerunterthänigsten Bericht abgefördert haben.

Schon zwei Jahre ehevor das Geschick Friedrich von Knaus diese für ihn un­angenehme Wendung nahm, war sein Bruder Ludwig Knaus nach Wien gekommen und nicht lange darauf in den Dienst des Kaiserhauses getreten. Er war, als die Brüder sich nach der Fertigstellung derKayserlichen Vorstellungsuhr trennten, auch weiterhin in Darmstadt verblieben. Landgraf Ludwig VIII. war ihm auch weiterhin gewogen und auch dessen Sohn und späterer Nachfolger Ludwig IX. sowie auch dessen Gemahlin Henriette Christine, die Schwester des Pfalzgrafen Chris­tian IV. von Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld scheinen anfänglich des Ludwig Knaus hohe Gönner gewesen zu sein. Dies geht daraus hervor, daß Knaus, obwohl er niemals im Dienst des Pfalzgrafen gestanden war, von diesem wohl, um seiner Schwester gefällig zu sein am 27. Oktober 1761für seine bisher als Kammer­diener des Landgrafen Ludwig VIII. geleisteten Dienste zumwürklichen Hof­rath ernannt wurde. Dieser Standeserhöhung folgte am 5. Januar 1765 die Ernennung zum Hessen-Darmstädter Hofkammerrat.

Trotz dieser Gunstbeweise scheint es für Ludwig Knaus in Darmstadt kein rechtes Betätigungsfeld mehr gegeben zu haben, seitdem, nach Ludwig VIII. 1768 erfolgtem Heimgang, sein Sohn Ll t dwig IX. ihm auch in der Regierung der Land­grafschaft Hessen-Darmstadt (1768 bis 1790) gefolgt war. Er ließ es sich angelegen sein, das, was sein Großvater und sein Vater im wahrsten Sinn des Wortes verschuldet hatten, wieder gutzumachen und die Finanzen der Landgrafschaft, deren Regierung er nach seines Vaters Tod übernommen hatte, wieder in Ordnung zu bringen. Er nahm auch nicht in Darmstadt seinen Wohnsitz, sondern residierte weiterhin in Pirmasens, im Hauptort des Fürstentums Hanau-Lichtenberg, das er schon zu seines Vaters Zeiten verwaltet hatte.

Als die neue Richtung zur Geltung kam, begann Ludwig Knaus sich umzu­stellen und bewies bald, daß von ihm auch auf dem Gebiet derernsten Technik, so im Bergbau und im Militäringenieurwesen, Leistungen zu erwarten seien, die über das Alltägliche weit hinausgingen. Seit 1774 aber war sich Ludwig Knaus trotzdem darüber im klaren, daß für ihn und seinesgleichen am Darmstädter Hof kein Platz mehr sei. Er begann daher Verbindungen zum Wiener Kaiserhof anzu­knüpfen, wo sein Bruder Friedrich lebte und damals noch in voller Gunst stand.