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Erich von Kürzel-Runtsciieiner
Ludwig Knaus hatte drei Modelle von bergbaulichen Maschinen fertiggestellt, mit denen er in der zweiten Hälfte des Jahres 1775 in Wien erschien, nachdem er, begleitet von Frau und Kindern, Darmstadt endgültig den Rücken gekehrt hatte. Ludwig Knaus gelang es, wohl durch Vermittlung seines Bruders, dem Kaiserin Maria Theresia sehr gewogen war, diese für seine Erfindung zu interessieren. Die Kaiserin wies Ludwig Knaus an ihren allmächtigen Kanzler Fürst Kaunitz, und dieser empfahl ihn an den Münz- und Bergwerkspräsidenten Franz Graf Kolowrat, der seinerseits den Professor der Mathematik und Mechanik an der Theresianischen Akademie Paulus Mako de Kerek-Gede mit der Abstattung eines Gutachtens betraute. Aus diesem geht hervor, daß es sich bei der Erfindung des Ludwig Knaus um den Versuch gehandelt hat, die damals üblichen Feldgestänge zu verbessern, die dazu dienten, um aus „Aufschlagwasser“ gewonnene Kräfte durch schwingende Gestänge an Arbeitsmaschinen wirksam zu machen, die, durch eine größere Entfernung von der Stelle der Kraftgestehung getrennt, aufgestellt waren. Denn diese Feldgestänge wurden in ihrer Wirkung durch große Reibungsverluste beeinträchtigt, die sich aus den großen hin- und herschwingenden Massen und aus den zahlreichen Lagerstellen naturgemäß ergaben.
Mako berichtet nun, daß Ludwig Knaus auf dreierlei Weise versucht hätte, diese Reibungsverluste herabzusetzen: durch eine Maschine mit einem „krummen Zapfen“ (Kurbeltrieb), durch eine Maschine mit einer Rolle und durch eine Maschine mit zwei Rollen. Mako gelangt zum Schluß, daß alle diese drei von Ludwig Knalls auch durch Modelle belegten Anordnungen die Reibungsverluste gegenüber den im Schemnitzer Bergrevier verwendeten Feldgestängen durchaus nicht vermindern, sondern sogar erhöhen würden. Mako beschließt sein Gutachten über die ihm zur Beurteilung übergebenen Maschinenmodelle, deren Aufbau, da zeichnerische Unterlagen nicht vorliegen, nicht mehr rekonstruierbar ist, mit folgenden Sätzen, die auch den Anschauungen von heute noch vollauf entsprechen:
„Dann durch keine Maschine kann man es dahin bringen, dass mit Beybelialtung der nemlielien Kraft, und der nemlielien Zeit itzt eine kleinere itzt eine grössere Last auf die nemliche Höhe gehoben werde, sondern wenn die Last vermehrt wird, so muss auch nothwendig entweder die Kraft oder die Zeit vermehrt werden, da es allen Mechanikern sehr bekannt ist, dass der Gewinn der Kräfte, immer mit dem Verluste der Zeit, und der Gewinn der Zeit mit dem Verluste der Kräfte verbunden sey. Daher scheint mir auch diese Maschine bey dem Bergbau nicht mit Vortheil angebracht zu seyn“.
Mit Erstattung dieses Gutachtens, das dem Kanzler Fürst Kaunitz am 9. Dezember 1775 übermittelt wurde, war die Hoffnung des Ludwig Knaus, seine Erfindungsgedanken in Wien verwerten zu können, gescheitert. Man hatte aber in ihm trotz allem den gewiegten Mechaniker erkannt, der über ein ingenieurmäßig geschultes Denken verfügte. Und solche Männer konnte man in Wien immer wieder gebrauchen. Dies hatte zur Folge, daß die Fäden zwischen den Wiener Stellen und Ludwig Knaus, der nicht mehr nach Darmstadt zurückgekehrt war, weitergesponnen wurden und daß dieser, als man seiner bedurfte, doch in die Dienste des Kaiserhauses treten konnte.
Er hatte allerdings, ehe er die erhoffte Anstellung erhielt, eine schwere Zeit durchzustehen. Die Ersparnisse, mit denen Ludwig Knaus nach Wien gekommen