Aufsatz 
Zwei Meister der Kunstmechanik am Hof der Kaiserin Maria Theresia : Ludwig Knaus und Friedrich von Knaus ; ein technikgeschichtliches Kulturbild / von Erich Kurzel-Runtscheiner
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Ludwig Knaus und Friedrich von Knaus.

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war, dürften nicht allzu groß gewesen sein; und es mußte doch eine vielköpfige Familie, deren Ernährer ohne Einnahmen war, durch mehrere Jahre von diesen leben.

Im Jahre 1778 wurde endlich auf einen hofkriegsrätlichen Vortrag,herab­gelangt den 13. Februar, durch Allerhöchste Entschließung angeordnet, daß Ludwig Knaus zum Artilleriehauptmann ernannt und bei der Wiener Garnisonsartillerie alsStuckhauptmann eingeteilt werden solle. In der später erfolgten ausführli­cheren Erledigung, die datiert vom 11. April 1778 dem Hauptzeugamt zuging, heißt es:Es haben Sr. Mayt. der Kavsser auf bittliche Vorstellung des gewesenen Hessen Darmstädtischen Hofkammer Raths Knaus und den darüber erstatteten Vortrag demselben den Caractere eines k. k. Artillerie Hauptmanns ad Dies Vitae zu verleihen, und ihm zugleich die Versicherung geben zu lassen geruhet, dass, wenn Er zu den ihm bey der Artill. angewiesenen Diensten sich gut und nützlich verwenden, insbesonders aber von ihm die projectierte Stüek-Erhebungs Maschine zur vollen Zufriedenheit des Haupt Zeug Amtes zustand gebracht seyn wird, seine allenfalls hinterlassende Wittwe sich der caractermässigen Pension zu erfreuen haben werde.

Aus einem Antrag, der am 6. Januar 1780 der Kaiserin Maria Theresia vorge­legt und von ihr genehmigt wurde, geht ferner hervor, daß Ludwig Knaus damals eben die Wiederherstellung dergroßen mechanischen Uhr, derKayserlichen Vorstellungsuhr also, beendet hatte. Er erhielt aus diesem Anlaß20 Ducaten Remuneration, während zugleich einem ungenanntenPollierer, der Knaus wohl bei dieser Arbeit geholfen hatte, 79 fl. 20 kr. angewiesen wurden.

In der Folge finden sich im Hofkriegsrat eine Anzahl Protokollvermerke bzw. Akten, die auf die Dienstverwendung des Ludwig Knaus Bezug haben. Es handelt sich um Gutachten über von verschiedenen Parteien eingerichtete Projekte und Erfindungen (Korn-Dörrmaschine, neuartiges Wagenrad, Wagenmodell usw.), die Knaus abzugeben hatte. Er starb in der Dienstleistung in Wien am 27. März 1787.

Der die Verlassenschaft betreffende Akt ist nicht mehr vorhanden. Zu dieser gehörte unter anderem auch dieRitterspieluhr, die einst sein Vater gebaut und die er selbst später in einen dem Geschmack seiner Zeit entsprechenden, aus Paris beschafften Kasten eingebaut hatte, der nach einem Bericht derWiener Zeitung von 1795 4000 fl. gekostet hatte. Damals war dieRitterspieluhr noch im Besitz der Ludwig KNAUSschen Erben; sie sollte aber eben zugunsten der Gläubiger ver­steigert werden. Sie ging wohl bei diesem Anlaß in habsburgischen Besitz über und befindet sich noch heute in einem der Schauräume der Wiener Hofburg.

Friedrich von Knaus überlebte seinen Bruder Ludwig noch um zwei Jahre. Von ihm ist zu berichten, daß er trotz der Bloßstellung, die ihm durch den schon erwähnten Artikel in derWiener Zeitung vom 7. Juli 1781 widerfahren war, seine Stellung als Inspektor des Physikalischen Kabinetts des Kaiserhauses auch weiterhin beibehalten konnte. Er durfte auch in der Folge noch einige Male anläßlich hoher Besuche die Apparate dieses Kabinetts vorzeigen, wobei er seineallesschreibende Wundermaschine in der stets auch früher geübten Weise einige auf den fürstlichen Gast Bezug nehmende Zeilen schreiben ließ. So berichtet dieWiener Zeitung am 19. Dezember 1781 und am 13. April 1782 noch über derartige höfische Szenen.

Dann aber hört man nichts mehr über Friedrich von Knaus. In den Ruhestand