Aufsatz 
Zwei Meister der Kunstmechanik am Hof der Kaiserin Maria Theresia : Ludwig Knaus und Friedrich von Knaus ; ein technikgeschichtliches Kulturbild / von Erich Kurzel-Runtscheiner
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Erich von Kurzel-Runtscheiner

scheint er allerdings niemals getreten zu sein. Denn er wird im Antrag des Oberst­kammeramtes vom 28. September 1789 an Kaiser Josef II., seiner Witwe eine Pension zu bewilligen, alsverstorbener, nicht alsjubilierter der damalige Ausdruck fürpensionierter k. k. physikalischer Kabinetts-Inspektor bezeichnet. In diesem Akt wird auch die Besoldung mitgeteilt : Knaus erhielt jährlich 1200 fl., hatte also ein für die damalige Zeit ansehnliches Einkommen. Trotzdem ließ er, als er am 14. August 1789 in der Wohnung, die er im HauseWähringergasse 102 innehatte, starb, seine Witwe und seine einzige Tochter ingänzlicher Mittellosigkeit zurück. Vom obersten Kammeramt wurde der Witwe in der Ratssitzung vom 14. September 1789die normalmäßige Pension mit jährlich 333 fl. 20 kr. zugewendet.

Später ist dann wohl auf Befehl Kaiser Leopold II., der Knaus aus der Zeit kannte, als seine jungen Söhne an Nagels Unterricht im Physikalischen Kabinett teilnahmen die geschenkweise Überlassung einiger der von Friedrich Knaus angefertigten Apparate an seine Tochter erfolgt. In der Zeit vom April 1791 bis ins Jahr 1792 hinein erschienen in derWiener Zeitung und imWiener Diarium wiederholt Ankündigungen, daß Knaus Tochter diese Stücke zum Verkauf gestellt habe. Es waren dies:der nützliche Schreibtisch mit drey Federn zugleich, die sogenanntePerpentikelmaschine und einer der Schreibapparate (II). Während die anderen Stücke augenscheinlich im Lauf des Jahres 1791 verkauft werden konnten, wartete der Schreibapparat noch 1792 auf seinen Käufer. Ob er je verkauft wurde und wohin alle diese Stücke gelangt sind, ist unbekannt.

Unter den Werken der Brüder Knaus ist, trotz der auf deren Herstellung verwendeten Genialität und mechanischen Kunstfertigkeit, keines von einer die Jahrhunderte überdauernden Bedeutung. Großes Interesse aber gebührt auch heute noch dem erhaltenen Schreibapparat Friedrich von Knaus. Die Stelle, die diesem Kunstmechaniker in der Geschichte der Schreibmaschine gebührt, hat am besten Otto Pfeiffer, Erfurt, in seinem AufsatzZur Vorgeschichte der Schreibmaschine, die im 20. Band (1930) derBeiträge zur Geschichte der Technik und Industrie erschienen ist, mit folgenden Sätzen charakterisiert:Friedrich von Knaus war mit dem ganzen Können des erfahrenen Feinmechanikers an die Arbeit gegangen. Aber er wollte nur ein mechanisches Meisterwerk schaffen. Er dachte nicht daran, ein Revolutionär auf dem Gebiete des Schreibwesens zu werden. Die Idee, einen Schreibstift die sonst von der menschlichen Hand ausgeführten Bewegungen mecha­nisch ausführen zu lassen, ist freilich in der späteren Schreibmaschinentechnik niemals verfolgt worden. Der Erbauer der ersten Schreibmaschine, Sholes, war von Beruf Buchdrucker, und ihm mußte der Gedanke viel näher liegen, das fertig geformte Zeichen durch einen Abdruck nach Art des Buchdrucks auf das Papier zu bringen. Diese Lösung hat für den Konstrukteur so große Vorteile, daß es auch keinem der späteren Erfinder lohnend erschien, den von Knaus eingeschlagenen Weg zu verfolgen. Der Grundsatz: Xaturam si sequemur ducem, nunquam aberrabi- mus gilt nicht immer für die Technik. Statt den natürlichen Vorgang nachzuahmen, dessen Resultat sie erstrebt, muß sie oft ganz andere Wege beschreiten... Hätte aber ein Erfinder eine Schreibmaschine bauen wollen, bei der ein mechanisch ge­führter Schreibstift die Schrift zustande bringt, so hätte ihm Knaus bereits die wesentlichen Konstruktionsideen geliefert: den Kurvenantrieb des Schreibstiftes