Aus der Ahnenreihe österreichischer Kraftwagen.
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So wurde von der Heeresverwaltung für Wagen bestimmter Bauart, die den militärischen Bedürfnissen entsprachen, an jene Privaten, die solche Wagen erwarben, ein Anschaffungsbeitrag — Subvention — gezahlt. Diese ,,Subventionslastzüge“ waren für eine Nutzlast von 7 Tonnen (4 Tonnen am Zugwagen, 3 Tonnen am Anhänger) bestimmt. Zur Überwindung besonders schwieriger Terrainstellen war der Zugwagen mit einer Differentialsperre und an seiner Vorderseite mit einer vom Motor aus anzutreibenden Seilwinde ausgestattet, mit Hilfe deren sich der Wagen nach Befestigung des Drahtseils an einem festen Punkt (z. B. an einem Baum), selbst über steile Böschungen hinaufwinden konnte. Diese „Subventionstype“ wurde vom 9. Oktober bis 11. November 1911 auf der „ersten österreichischen Militärprüfungs- fahrt für kriegsbrauchbare Subventionslastzüge“ einer scharfen, über schlechte und schwierige Alpenstraßen führenden Prüfung unterzogen. Ein Wagen dieser Bauart (Abb. 9) befindet sich im Technischen Museum.
Dem gleichen Bestreben, die Verwendungsfähigkeit und die Betriebsökonomie eines großen Wagenparks von der Verschiedenheit der Fabrikate unabhängig zu machen, verdankte auch die „Posteinheitstype 1912“ (ein 17 bis 22sitziger Omnibus) ihre Entstehung. An ihrer Herstellung in einer für die seinerzeitigen Verhältnisse großen Serie von 100 Stück wurden alle sieben Automobilfabriken des damaligen Österreich in der Weise beteiligt, daß jede Fabrik nur eine Organgruppe wie Motor, bzw. Hinterachsbrücke, bzw. Getriebe mit Kupplung usw., in 100 Stücken zu liefern hatte, während die Montage der Wagen durch die Werkstätte der Post selbst erfolgte (Abb. 10).
7. Mit der Höchstleistung im Bau von Rennwagen (Prinz-Heinrich-Wagen) und mit den Höchstleistungen im Bau schwerer Kraftwagen während des Krieges (C-Züge, Austro-Daimler-Landwehrzug) war die so erfolgreich aufsteigende Entwicklung der österreichischen Kraftwagenindustrie auf einem Höhepunkt angelangt. Die weitere Entwicklung war in der Nachkriegszeit nicht nur durch den allgemeinen wirtschaftlichen Niedergang beeinträchtigt, sondern auch dadurch, daß in der alten österreichischen Automobilindustrie, der ihr Ruf über das Geschäft ging, vorübergehend Inflationsgrößen Einfluß gewannen, die zum Schaden der österreichischen Automobilindustrie erste Kräfte zur Abwanderung veranlaßten. Daß trotz allem die österreichische Automobilindustrie die Krisenzeit innerlich ungebrochen überstand, zeugt für ihre Lebenskraft und berechtigt für ihre Weiterentwicklung im nationalsozialistischen Staat, der die Förderung des Kraftfahrwesens bis zum Volkswagen auf seine Fahne schrieb, bei planvoller Ausnutzung ihrer Leistungsfähigkeit zu schönen Hoffnungen.
Abb. 10. Posteinheits-Type.