Aufsatz 
Geschichte einer der ältesten Industriestätten: Treibach in Kärnten / von Franz Fattinger
Entstehung
Seite
75
Einzelbild herunterladen

F. Fx\.ttinger : Geschichte einer der ältesten Industriestätten: Treibaeli in Kärnten. 75

und eine Burg mit allem Zubehör, als da sind Leibeigene beiderlei Geschlechts, Almen, Huben, Wohnhäuser, Wälder, Wiesen, Weiden, Weingärten, Gewässer mit ihren Abflüssen, Mühlen, Wegen und Umwegen, bebaute und noch unbebaute und noch aufzufindende Triften und was immer nach Recht und Herkommen in jedem genannten Hof in verschiedenen Gegenden gehören mag, in welcher Grafschaft es auch gelegen sei. Das Bistum Salzburg war Besitzer von Althofen und Hüttenberg und der Gegend von Treibach. Die Landeshauptstadt war St. Veit und die Herzoge von Kärnten begünstigten selbstverständlich St. Veit als ihre Einkommensquelle; es war ihnen daher das Stapel- und Niederlagsrecht, welches die Salzburger Bischöfe den Althofener Bürgern verliehen hatten, ein Dorn im Auge. Die Salzburger Bischöfe betrieben also damals schon bewußt protektionistische Handelspolitik, indem sie die St. Veiter alsAusländer ausschalten wollten. Die Hüttenbesitzer am Erzberg waren natürlich auch gegen die Ketten, die ihnen die Althofener durch ihre Privi­legien auferlegten. So war immer Streit zwischen St. Veit und Althofen, der durch den Umstand, daß im Jahre 1481 die Landeshoheit faktisch und im Jahre 1534 auch de jure an die habsburgischen Landesherren fiel, zugunsten St. Veit entschieden wurde. Die Althofener waren dadurch gezwungen, selbst die Eisen­erzeugung aufzunehmen, da das Stapel- und Niederlagsrecht entwertet war. Im Jahre 1572 wurde die Stuckhütte erbaut und damit in Treibach der Beginn einer Industrie gelegt . Ein Eisenhandelsherr in Althofen, Karl Fellner, war der tatkräftige Schöpfer und erweiterte die Stuckhütte im Jahre 1606 auf einen Floßofen, d. i. auf den Hochofenbetrieb. Während bei der Stuckhütte Wasserräder statt Hand- und Tretblasbälgen verwendet werden und Erz und Kohle abwechselnd aufgegeben wird, und nach dem Niederschmelzen einer bestimmten Erzmengean der Brust der alte Stuckofen, auchWolfsofen genannt, aufgebrochen werden mußte, um dasStuck oder denWolf herauszureißen, dasStuck oder derWolf war dann die Handelsware, entwickelten sich mit der Verbesserung des Gebläsebaues die' Hoch­öfen, und zwar durch Vergrößerung des Ofeninhalts, Erhöhung der Schmelzsäule unter Einführung von Winddüsen in dasGestell. Es wurde dadurch eine kontinuier­liche Arbeit ermöglicht, welche denFloßofen viel billiger gestaltete als den §tuck- ofen. Die Besitzer hießen Radmeister und der Hüttenmeister war der Plahmeister. Unter verschiedenen Nachfolgern Fellners entwickelte sich das Werk immer weiter und wurde 1698 durch die Witwe des letzten Besitzers an den Leobener Gewerken Karl v. Egger um 20.000 Gulden verkauft. Die Familie Egger brachte außer­gewöhnlichen Aufschwung in das Treibacher Werk und blieb bis 1869 Besitzer. Insbesondere Taddäus v. Egger, welcher 1753 die Leitung übernahm, war ein Industrieller von außergewöhnlicher Begabung. Er sprach italienisch, englisch und französisch, kannte England und Schweden und schickte seinen Sohn nach England, um in den dortigen Eisenwerken zu arbeiten und seine Erfahrungen in Treibach anzu wenden. Er errichtete ein Stahlwerk, ein Walzwerk, Schneide werke und ein Weißblech werk. Die jährliche Erzeugung stieg auf 20.000Blattln. Egger wurde 1785 von Kaiser Joseph in den Grafenstand erhoben. 1799 übergab er das Werk seinem Sohn Franz, unter dem ein neuer Hochofen am rechten Gurkufer errichtet wurde. Diesem folgte sein Sohn Gustav Egger, und immer weiter steigerte sich die Erzeugung, so daß sie 1869 21 Tonnen im Tag betrug. Die Treibacher Werke