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Franz Fattinger
galten als die besteingerichtete Eisenindustrie, und englische Studienkommissionen kamen, um diese zu besichtigen. Aber es beginnt nunmehr der Niedergang, hervorgerufen durch den Verlust der italienischen Provinzen Österreichs und durch die Entwicklung der Eisenbahnen, welche den Abtransport der Erze an Werke, die Koks an Stelle von Holzkohle verarbeiten, ermöglichte. Die Einführung von Koks statt von Holzkohle hatte höhere Temperaturen zur Folge und damit die Herstellung flüssigen Eisens, während die alten Verfahren teigige Ware erzeugt hatten; insbesondere das Thomaseisen machte große Konkurrenz. Sowohl die Grafen Egger, als auch andere Eisengewerke, wie Baron Dickmann, Graf Christallnigg, die Gewerken Rosthorn und Rauscher, welche alle die Erze des Hüttenberger Erzbergs verhütteten, gründeten, um besser konkurrieren zu können, 1869 die Hüttenberger Eisenwerks Gesellschaft A. G.; 9 Millionen Gulden wurden in Aktien ausbezahlt. Aber der Niedergang war nicht aufzuhalten, wenn auch manchmal geringe Besserung die Hoffnung auf Weiterbestand gab. Noch 1873 wurden 8% Dividende bezahlt, und die Werke hatten in all ihren Fabrikanlagen 8523 Beschäftigte. Aber schon 1880 war es notwendig, 2 Millionen Gulden pfandrechtlich sicherzustellen, was die schlechte Geschäftslage beleuchtet. 1881 erfolgte der Zusammenschluß mit der Innerberger Union zur Alpine Montangesellschaft. 1885 wurde schon erklärt, daß die Werke Hieflau und Zeltweg als Kokshochöfen rationeller arbeiten und es wurde der Hochofenbetrieb eingestellt. 1891 erfolgte der Verkauf der Werkanlagen samt dem großen Grundbesitz an eine ungarische Holzfirma, Ujlacki-Hirschler, nachdem schon 1888 der größte Teil der Werkeinrichtungen verschrotet worden war. 1897 erwarb der bekannte österreichische Chemiker und Erfinder Auer von Welsbach das Werk Treibach und den größten Teil des Grund- und Waldbesitzes. Unter Benutzung der vorhandenen Werkbauten, durch Ausbau der Wasserkräfte, durch den Bau von chemischen Versuchsanstalten und Laboratorien, legte Auer von Welsbach den Grund der neuen Entwicklung der Treibacher Industrie.
Frischer Geist und neues Leben wurden der alten Industriestätte zugeführt. Auer von Welsbach, der Erfinder des Gasglühlichts, der Osmiumlampe und des Cerei^ens, und der Entdecker von vier neuen Elementen, hat den wirtschaftlichen Erfolg des Gasglühlichts, das in Atzgersdorf und in vielen ausländischen Fabriken industriell ausgewertet wurde, zum Ankauf eines großen Grundbesitzes in Kärnten und zum Erwerb der Treibacher Chemischen Werke und deren Ausbau verwendet. Zuerst war Treibach ein der Forschung gewidmetes großes Laboratorium mit einer Versuchsanstalt zur Ausarbeitung neuer Erfindungen. Auer von Welsbach schuf dort die Osmiumlampe, welche die Entwicklung der Beleuchtung in neue Bahnen lenkte und, aufbauend auf den Arbeiten von Thenard und Davy, Grove, Chauvin, Edison, stattete er die Glühlampe so aus, daß sie dem von Auer selbst erfundenen Glühlicht erfolgreiche Konkurrenz machen konnte und in ihrer Weiterentwicklung weit überflügelte. Sein Ziel war, ein Metall zu finden, das in Gestalt eines dünnen elastischen Fadens oder Drahtes eine bis zur strahlenden Weißglut gehende Erhitzung ohne Form Veränderung auszuhalten imstande war. Durch das sogenannte „Pasteverfahren“ gelang es Auer von Welsbach, Drähte des hochschmelzbaren Metalls Osmium zu erzeugen, und diese zur Herstellung von Glühlampen erfolgreich zu verwenden. Die Osmiumlampenpatente wurden von der Österr. Gasglühlicht- und